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GESCHICHTSQUELLEN
DES
BISTHÜMS MÜNSTER.
HEEAüSGEaEBEN
yoN
FREUNDEN DER VATERLÄNDISCHEN GESCHICHTE.
SECHSTER BAND:
KERSSENBROCHS WIEDERTlDFEROESCHICHTE
ZWEITE HÄLFTE.
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MÜNSTER.
DRÜCK UND VERLAG DER THEISSING'SCHEN BUCHHANDLUNG.
18 9 9.
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HERMANNI A KERSSENBROCH
ANABAPTI8TICI FUR0RI8
HOMSTERIDH IlVCLITiH
WESTPHALIIE METROPOLIH ETERTENTIS
mSTOmCA NARRATIO.
IM AUFTEAGE DES YEREINS FÜB VATER-
LÄNDISCHE GESCHICHTE UND ALTEETÜMSKUNDE
HEBAÜS6EGEBEN
YON
DR. H. DETMER
ZWEITB HÄLFTS.
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MÜNSTER
DRUCK UND VERLAG DER THEMSmCTSCHEN BUCHHANDLUNG.
18 9 9.
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Porro nbi senatns per hanc transactionem in omnes urbis
paroeciales ecclesias ins designandi concionatores assecntns fn-
isset, bis illnd legibns commnniri volnit, qnamm epigraphe
haec est:
^Snccinctnm mnnicipalinni legnm excerptnm earnm rernm,
qnae ad senatns Monasteriensis anctoritatem pertinent^.
Cnm onmis in timore Domini vivendi ratio ex verbo Dei
proflnat, qnod per pios concionatores popnlo annnnciatnr, necesse
itaqne est ad conservandam christianam rempnblicam, nt fideles
et pii concionatores constitnantnr, qni (nt Panlns inqnit)' ido-
nei sint, nt alios qnoqne doceant et recte sermonem veritatis
dispensent. Homm antem tot snnt eligendi, qnot pro reipnblicae
amplitndine snfßciant Singnlis itaqne parochiis dno praefici-
entnr, qni modo seqnenti ordinabnntnr.
Primnm singnlae paroeciae dnos vires pietate et doctrina
praecellentes designabnnt, qnos ad concionandi mnnns ntiles esse
indicaverint. Deinde ex toto paroecianomm nnmero qnatnor eli-
gentnr, qni designatos istos ecclesiastas ad examinatores a se-
natn, tribimis ac mechanicomm praefectis constitntos addncant.
Hinc examinatores perdivini nnminis invocationem *delectos et«p. 350.
ad se addnctos, nt scriptnra habet, diligenter probabnnt et, si
ad ministerinm verbi idonei fnerint, ipsos ad popnlnm, a qno
') Ein deutsches Original ist bis jetzt nicht nachweisbar. Nur dnrch
Kerss. sind nns diese ^Grandzüge der eyangelischen KirchenTerfassung der
Stadt Münster^ erhalten. Einen Abdruck derselben giebt CA. Cornelius:
M. A. n. 8. 317 £f., eine Charakteristik derselben ebendas. 8. 147 £f. Mit
Recht macht er aber M. G.-Q. II. EinL S. 53 Anm. darauf aufinerksam,
dafs diese Bekanntmachung erst von dem neuen Rate erlassen wurde, dessen
Wahl am 3. M&rz Kerss. chronologisch ungenau erst weiter unten berichtet.
«) 2 Tim. 2, 2.
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386 ^ Anno 1533 acta.
electi snnt, redncent ibiqne in conspectn omniam paroecianonun
ipsis officii sni admonitis ovicolas Christi fideliter committenty
snbditos qnoque, qua benevolentia et benignitate erga ipsos af-
fecti esse debeant, commemorabnnt. Tandem hanc conciona-
tornm vocationem publica ad Denm facta deprecatione confir-
mabnnt, qni hoc susceptnm ministerinm in aagmentnm gloriae
snae et commonem omnimn salntem fortnnare dignetor.
Concionatores itaque sie ordinati circa dispensationem yerbi
et sacramentorum nee non in aliis ecclesiasticis functionibns
certas formas ac ceremonias sacris literis conformes cnm senatns,
tribnnorum ac mechanicomm praefectomm consensn et anctori-
täte constituent constitutasqne inyiolate servabnnt.
Praeterea cnm plnrimum reipublicae intersit, nt inyentns
bene educetnr et quotidianis virtatam incrementis exercitata ad
pnblicae societatis gnbernacola adolescat, senatns virnm probom,
pinm et doctum scholae pnblicae praeficiet, qni cnm examina-
toribns consilio commnnicato ea, qnae ad scholasticam discipli-
nam necessaria et ntilia esse yidebnntnr, senatn anctore coa-
stitnet ^
Ad haec dno a senatn pnblico stipendio conducti sacras
literas et veteris et novi testamenti legent et interpretabnntnr,
cni rei locus commodus designabitnr. In singulis paroeciis gazo-
philacia erigentnr diaconique eligentnr, qni diebns dominicis
collectas sub concione pecnnias aliasqne pensiones ratione trans-
actionis inter principem et senatum initae' piis usibns desti-
natas vera panpertate afflictis erogent.
Senatus duos vires solertes, duos qnoque tribuni, et toti-
dem mechanicomm magistri constituent, qni per totam urbem
publicomm mendicomm euram gereutes accurate de eomm pa-
tria, de parentibus et educatione, de yitae innocentia, de cor-
•p. 351. poris imbe*cillitate, quibusque exercitiis sint occupati, inquirent,
ut eleemosynis digni certis notis insigniti alantur, indigni vero
ac ignoti ad suos relegentur. Nam impudentibus saepe mendicis
male erogantur eleemosjnae.
^) Von der Errichtung einer evangelischen Schale erzählt Kerss.
gleich weiter unten. Darüber aber, dafs eine Schulordnung wirklich aus-
gearbeitet wurde, fehlt jede Nachricht.
«) Vgl. Bd. 1 S. 376 Artikel 7 des Vertrages.
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Aimo 1533 acta. 387
Praeter hos senatus, tribuni et mechanicomm praefeeti sex
censores, vires graves atqne conspicua yirtute illnstres, designa-
bnjit, qni controversias in matrimonüs passim ezortas diebus
Satuini in loco commodo disentient ac diriment Qnae nisi
matnre componantor, plnrimnm incommodi in rempnblicam im-
portare solent.
Porro quomodo qnisque se in sna fanctione geret, ex iosto
plebiscitornm yolnmine cognoscetnr. Haec vero breviter anno-
tata sunt, nt ea, qnae ad christianae reipnblicae formam perti-
nent, coepisse yideamur.
Cnm antem dispensatores verbi, qni popnlnm per doctri-
nam Dei ad christianae vitae societatem pertrahent, in sna fanc-
tione confirmati fnerint, dnbinm non erit, qnin mniti pertinaces
et praefracti hondnes fntnri sint, qni yerbo Dei non parentes
puram ac christianam vitam difBcillüne amplectentnr. Tales
itaqne ad christianae vitae pnritatem conservandam instis legi-
bus et gladii animadversione coercendi snnt. Qnare^ in blas-
pbemos et manifeste delinqnentes legitimae poenae constitnentnr,
qidbns in praefractomm terrorem et bonomm tntelam a senatn
afficientnr.
Principio omnes manifeste impii et in Denm blasphemi
christiano anathemate ferientnr, qno in malitia sna obstinati et
post secnndam ant tertiam admonitionem non resipiscentes per
ministros verbi excommnnicabnntnr atqne ita a christianomm
coetn pnblico segregabnntnr, nt, qni christiani esse velint, nihil
commercii et consnetndinis cnm illis habeant. Si vero illnd non
profnerit, sed in sna malitia pertinacins (qnod Dens avertat)
perseveraverint pravoqne sno vivendi exemplo rempnblicam oflfen-
derint, a senatn semel atqne itemm admonebnntnr; qnae ad-
naonitio si fmctnm pepererit nnllnm, pro ratione facti dignas
poenas Inant. *His antem flagitiis, qnae inre civili pnninntnr, *p. 852.
nt latrociniis, fnrtis, proditionibns et similibns, novas leges et
poenas constitnere non est operaeprecinm ; sed iis, qnae (pro
dolor) dintnma consnetndine in magnam bonomm hominnm
offensionem levia visa snnt neqne hactenns pnnita, leges et
poenas irrogare necessarinm est, qnalia snnt vana et temeraria
inramenta, execrationes, dirae imprecationes, blasphemiae in
1*
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388 Anno 1533 acta.
Denm, dienun festorom per inntiles et Bon necessarios labores
profanationes, verbi Dei andiendi pervicax neglectas, concionum
sacranim per tibias ac tympana aliosye motns contarbatio, übe-
romm ingratitndo, qui parentibus suis infamiam irrogant, adol-
terimn, fomicatio, stnpram, lenocininm, ebrietas, inntilis et
snmptaosa per loxum aleamve profasio, falsnin testimonimn,
obtrectatio ac famae alterins denigratio, nsura. Haec flagitia 1^-
timis poenis coercere ad conservationem reipnblicae oon solam
utile, sed et necessarinm esse indicamiis. Beliqna, qnae hnc
pertinent, ad integmm plebiscitomm scriptum codicem trans-
feremns, qnae sacris literis iareqne civili confirmata et a senatn,
tribnnis, mechanicomm magistris ac tota Monasteriensi republica
comprobata tjpisqne excusa nniverso orbi, omniiun homimun
iudicüs offeremns. Äd quam rem feliciter conficiendam prae-
sidimn Dei optimi mazimi imploravimns^^
*) Die in Aussicht gestellte Eirchenordnung ist, wie es scheint, nicht
mehr erhalten. Doch wnrde sie von Bothmann wirklich yerfafst (vgl. die
von G. A. Cornelius: M. A. n. S. 150 Anm. aus dem im Stadtarchiv M.
befindlichen Registnim der Gmtherren abgedruckte Notiz) und seitens der
Stadt am 17. April dem Landgrafen znr Begatachtang übersandt. Im
Schreiben (Orig. im St.-A. Marburg) meldet der Rat: ». . . dat wy . . . eyne
ordennnge dorch unse predicanten myt bekantnisse erer lere hebn verfathen
laten." Der Rat überschickt sie durch seinen Diener Franz von Werne und
bittet den Landgrafen, sie durch seine R&te und Gelehrten durchsehen zu
lassen, „to corrigeren, dar an und äff to setten, dem hilligen eyangeüo
und godtlichen schrifften gemeefs.** Zur Sache vgl. auch C. A. Cornelius
a. a. 0. II. S. 148 f. A. Corvin: Acta etc. Bl. B 1 meldet, die Marburger
Theologen h&tten „in sachen, den tauff und abentmal belangen, keinen
genügen gehabt und gcprechen gefunden'' und hätten die Schrift zur wei-
teren Erklärung nach Münster zurückgesandt. Auf abennals unbefriedigende
Antwort Rothmann^s hin habe dann der Landgraf Fabricius und Lening
nach Münster geschickt. S. weiter unten. Erwähnt wird das Gutachten der
Marburger Theologen und die von Rothmann, Roll und Staprade darauf
erlassene Erklärung in den Dispntationsakten vom August 1533 (Ztschr. 20
[1859] S. 155 u. 158 f. und H. Hamelmann: De paedobaptismo Bl. C5
n. D 1). lieber die letzte Erklärung der Prädikanten erfahren wir aus dem
„Bericht von der gottseligen anstellung . . . durch die Prediger zu SttaÜB-
bürg." Vgl. P. Bahlmann: BibL 1534 Nr. 1. — Die „Tuchtordeninge''
findet sich in einem Originaldruck in der Königl. Paulinischen Bibliothek
zu Münster (s. P. Bahlmann: BibL 1533 Nr. 2). Sie ist abgedruckt bei
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Anno 1533 acta. 389
Plebs et concionatores snperioribns concordiae pactis plus
licentiae, quam nnqnam speraverant, consecuti eam perpetuo
dnrataram confidentes plus solito insolescunt. Pontificem iam
cum rasa sna cohorte debellatnm esse, tjrannidem papisticam
comiisse, evangelicam vero libertatem a gravi seryitntis iago
per Bothmannum ereptam sibiqne restitntam et concordiae legi-
bus confirmatam, erromm iam caligines vera lace illostratas
passim clamitant. Et cum Toto sibi omnia snccessisse pntent,
in gratiam evangelii et papae contemptnm matna inter se con-
Yivia agitant, epnlantar, commessantnr, potitant, sed nnnqnam
sine Bothmanni, licentiae auctoris, praesentia, quem tanquam
propitium aliquod numen omnibus suis convivüs adesse volunt \
quem suspiciunt, quem admirantur, *quem venerantur, quem^p. 8&3.
nova Yoce superintendentem appellant ', quem primo mensae loco
dignantor, a cuius ore omnes pendent, quo loquente tacent omnes,
quo tacente verecundia est quenquam loqui, unde ipse in ma-
gnam ernditionis et sapientiae opinionem apud imperitum vulgus
se insinuat. Hinc adeo sibi placet, adeo fastu turget, ut prae
se omnes doctos contemnat. Tandem quoque plebeio favori tri-
buit, ut iam stabiles in urbe sedes promittere sibi audeat. Et
cum nihil tandem ad suaviter vivcndum praeter thalami con-
sortem deesse sibi eiistimaret, relictam loannis Vigerii 19. Pe-
C. A. Cornelias a. a. 0. II. S. 320 ff. Von Bürgermeistern und Bat, Older-
nnd Meisterleuten erlassen, „enthält sie doch für die meisten wichtigen Ver-
gehen noch kein bestimmtes Strafinafs und überlfifst es späterer Anord-
nung, die Befugnisse der Zachtherren abzugrenzen und die Art ihres Yer-
fahrens zu bestimmen . . ." (s. C. A. Cornelius a. a. 0. II. S. 152).
') Yergl. dazu die lebhafte Schilderung in dem niederdeutschen
Schmähgedicht: „Der Mönsterschen Ketzer Bichtboeck" (s. P. Bahlmann:
Bibl. 1535 Nr. 32). Ein Teil der hierauf bezüglichen Verse ist abgedruckt
bei C. A. Cornelius: M. A. IL S. 170f. In A. Corvin's „Acta etc.*
heifst es Bl. A 4^: «Doch hat sich der liebe Rothman imer wie das kotzlein
schmücken und schön machen woUen, gab sich als ein Engel des Hechtes
Tor dem gemeinen pöffel fein dar."
*) Der Titel eines Superintendenten für Bothmann — Kerss. wieder-
holt diese Bezeichnung sehr bald weiter unten noch einmal — kann akten-
mäTsig nicht belegt werden. Yergl. übrigens die Bemerkungen von C. A»
Cornelius: M. A. IL S. 149 Amn.
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390 Anno 1533 acta.
19. Febr. bmaril nxorem dncit, cni snperstite etiam marito evangelicnm
spiritum et amorem infddisse dicitnrK
Fnit antem loannes Vigerins syndicns civitatis , vir mire
facundus, qui, cnm oblectationis et animi reficiendi causa cnm
nxore et qnos illa ferebat (erat enim mnlier admodmn procax)
in fündnm snbnrbannm stagnantibns aqois, fragrantibus herbis
et pomiferis arboribns amoenissimnm se pedes recepisset et so-
lito hilarior esset, ibi forte ex zelotypia, nt snspicio erat» subita
apoplexia correptns omninm fere membrorom viribus destitutus
est ac baiulorum opera in urbem rediit. übi vero membra efS-
cacibus pharmacis refocülata stuporem primmn excussissent et
aliquantum pristini vigoris recepissent, ex consilio quomndam
mediconun thermas Embdenses cum coniuge adiit Venun uxor
sui magis, quam mariti curam agebat; ideo relictmn solum
aquis thermarom soffocatum postea reperit^ Haec itaque re-
') Bei Job. Fabricius Bolandus: Motus Monast Bl. £5^ heilst es:
,Non ego flagitLum loquar exitiale nefandae
Coniugis, hei, quod ab hoc vir miser arte tulit;
Goniugis arte tulit Stjgia sibi propter opertos
Concabitns avidi crimen adulterii/
Tgl. auch Herrn. Hamelmann S. 1200. Dessen Quelle sind weiter die
yOollectanea locorum communium ex lectionibns D. PhiL Melanchthonis,
tum ex aliorum doctissimorum virorum relationibus excerpta" des Joh.
Manlius (Budissinae 1565) S. 483 f., die aber den Namen des Yigerius
nicht nennen. Dort wird nur ein „bonus homo, ibidem (seil. Monasterü)
scriba senatus, paMa lipsensis, favens eTangelio'' angeführt.
*) Job. Manlius a.a.O. berichtet, dafs die Frau ihren Gatten
vergiftet habe. Es heifst dort: „Hie (sc. scriba senatus) habebat coniugem
mirabilem, quae coepit insanire amore Rothmanni, quapropter et vinim
▼eneno interemit; postea Rothmanus duxit eam .,," Schon L. v. Ranke:
Deutsche GescK Bd. 8 Buch 6 Kap. 9 weist darauf hin, daTs in der „Po-
stilla Melanchthoniana*' des Chr. Pezelius (excerpiert von G.Th. Strobel:
Yon Melanchthon^B Verdiensten um die hl. Schrift [Altdorf u. Nürnberg 1773}
S. 93, vollstftndig gedruckt im „Corpus Reformatorum" Bd. 24 [Braunschw.
1856], s. unsere Stelle S. 410) sich eine noch h&rtere Version derselben
Geschichte findet. Rothmann wird dort geradezu der Beihülfe am Gift-
morde beschuldigt. Die Worte lauten: „. .. habebat (sc. scriba senatus)
coniugem mirabilem, cuius amore Rothmannus coepit insanire, et confessus
amorem adiuvit consilia mulieris, ut marito daret yenenum.
Quo mortuo Rotman eam duxit **
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Anno 1533 acta. 391
Tersa post pancos dies Inctnm deposuit et Sothmanno napsit.
Ad qnas nuptias certatim ab evangeUcis accnrritnr, certatim
mnneia mittontnr, certatim potatnr, matrimoniam cleri commen-
datoT, pontifez interim nüseris modis absens verbomm scnticis
flagellatur. Nnlla convivia nnllaqne symposia ab evangelicis
constitnnntnr, in qnibns pontifici vibices non infligantnr. Habet
nunc Bothmannns, qnod iam din yenando affectavit, habet fa-
▼orem plebis, habet apnd snos anctoritatem, habet imperinm in
sex parochialia templa et concionatores, habet clemm et senatum
metuentem, habet nomen emditionis *et prndentiae, habet, unde^p. 354.
moUiter et delicate vivat. Qnid plnribus opus est? Habet et
nxorem, magnnm ad felicem eyangelicam vitam praesidinm et
adinmentom. Acriter iam, imo strenue magis qnam commode
sanm negotimn promovet. In onmibns fere concionibns pro
evangelii snccessn, pro incolnmitate et salnte Lantgravii pre-
catnr, cnins ope concordia ciTÜis sit revocata et verbnm Dei ab
intemecione conservatnm. Senatos etiam urgente plebe, ut pro
reddita pace gratiam aliquam referret, duos argenteos et deau-
latos crateres satis capaces singularique artificum industria cae-
latos et florenis aliquot fartos, duos quoque eximia nigredine ac
generositate conspicuos equos phalerisque exomatos nomine civi-
tatis 12. Februarii Lantgravio per duos ministros dono mittit^,
quibus singulis sex florenos et amictum muneris loco retribuit.
Interea plebs multorum profecto, ut vere dicitur, capitum
belua, ubi adversus clemm verecundia recentis foederis retante
nihil änderet, ne nihil ageret, cum suo magistratu dissidere
coepit, quem non tam civibus, quam clero favere somniat cer-
toque sibi persuadet. Proinde papisticum hunc senatum amo-
Tendum, evangelicum vero substituendum esse per urbem mus-
sitat eoque tandem rem perducit, ut comitia novi senatus creandi
gratia ante tempus antiquitus receptum * habita sint. Die itaque
') Das Begleitschreiben der Stadt bei Uebersendang der zwei schwär-
len Hengste ist vielmehr erst vom 10. Mftrz datiert (Orig. im St-A. Mar-
burg). Aach dem Hersog Ernst von Lüneburg wollte sich die Stadt dankbar
eneigen durch Geschenkgebnng eines Hengstes. Yergl. den Brief JoK
T. d. Wie«k's an den Hersog vom 2. Aprü, abgedr. bei CA. Cornelias:
M. A. IL 8. d&Of. — <) Die Batswahl fiel vielmehr gerade aaf den da-
mals noch üblichen Termin, aaf den ersten Montag der Fastenxeit
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392 Anno 1533 acta.
8. lOn. Lnnae post festnm Matthiae, qnae foit o. Martii, amotifl viris
gravibus et anctoritate pollentibns, per Henricnm Mollenhecke %
clanstrarinm, loannem thom Brincke, alntarinm, Lncam Grnter^
pileopaenm, Hnpertnm Baescher, fabmm ferrariom, Bemardnm
Enipperdollingk, Henricnm Swedartho, Nicolanm Stripen, panni-
cidam, Bemardnm Olandorp, sarclnatorem, Lndgemm tho Binge^
pictorem, Gerardnm Pmessen, coriarinm, snffi-agatores in con-
clavi senatorio haec capita reipnblicae designantnr: Caspar Schro-
derken, loannes Langermann, Hermannns Tylbeck, patricins,
*p. 855. Caspar Indefelt, Petrns Freise, Petms Mensinck, loannes Daren-
^trianns, sntornm praefectns, Antonius Onldenarm, Gerardos
Kibbenbrock, mercator, Botgems Hnlshorst, institor, loannes
Windemoller, institor, loannes Gmter alias Flascamp, bntyropola»
Lnbbertns Lentinck, ichtjopola, Michael Nordinck, pellio, Gos-
winus Ayerhagen, Gerardns Tnnneken, bntyropola, loannes Palck,
faber ferrarins, Henricns Fridach, Henricns lonas, filins Antonii,
loannes Ossenbeck, coriarins, loannes Basterdt, Christianns Wor-
deman, bntjropola extraneus, qni intra annnm Wildeshnsia habi-
tatnm hnc venerat, Eberardns Glandorp, sarcinator, atqne Hen-
ricns Boede, anrifaber; ex qnomm nnmero postridie Hermannas
Tjlbeck et Caspar ludefelt consnles de more creantnr. In hac
noyi senatns electione omnes senatores snperioris anni sunt amoti
praeter Tylbecken, Indefeldnm, Schroderkennm et Langerman-
nnm^ Tribnni plebis Henricns Modersonne atqne Henricns
Bedeker faere.
Qnalis hie fderit senatns, mnltornm flagitiomm intempe-
stiva indnlgentia, quam sera secnta est poenitentia, satis edocnit.
') Mit sämtlichen folgenden Namen stimmt das im Stadtarchiv M.
befindliche, ans dem 17. Jahrh. stammende Yerzeichms der Münsterschen
Batsheiren nnd Eorgenotcn (abgedruckt bei C. A. Cornelius: M. A. IL
8. 311) überein. Nur lautet hier für Pruefs der Vorname Johann, wäh-
rend er bei Eerss. Gerhard heifst.
') lieber die Zusanmiensetzung des neu gewählten Rates s. C. A.
Cornelius: M. A. U. S. 141 f. Vgl. auch v. d. Wieck^s Schreiben an den
hessischen Kanzler Johann Feigk vom 15. Novemb. 1&33, in dem es heifst
(G. A. Cornelius a. a. 0. II. S. 363): „dan die rat wer fast aus den
gUden und der gemeinheit in der verleddenen fasten gekoren nach alle
ixen willen.*
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Anno 1533 acta. 393
Ante annos aliqnot viri cordati rempnblicam Monasteriensem
gabernabant, qnales fnernnt ex patriciis Joannes de Tynnen,
Eberwinos Stereninck, Eberwinus Droste, Henricus Droelshagen,
Bertoldas Travehnan, Albertus Clevorn, ex plebeis loannes Bo-
landt, Theodoricus Munsterman, Wilbrandns Plonies, Hermannus
Heerde, loannes Herdinck, magister Theodoricus Grolle et pleri-
que alii eximia canicie et multorum annorum experientia veno*
randi, quorum temporibus tranquillitas erat in urbe. Quibus
non osores cleri successissent sceptraque urbis tenuissent! His
'Conniyentibus plebs primum clerum persequebatur et vilipen-
debat, deinde suum ipsius magistratum.
Sub hoc igitur magistratu plebs pristinae factioni addicta
respirare coepit seque iam effecturam confidit, quod diu secum
▼olvisset atque affectasset. Nulla enim fere dies praeteriit, in
-qna non sit aliquid factis dignum a flagitiosis commissum. Pri-
mum ergo 17. Martii in singulis templis paroecianorum suffira- n. mn.
güs concionatores Bothmanni auctoritate interposita desig^nantur, *p. 856.
homines venerei, lascivi, intemperantes, leves et yotifragi errones,
^qui iugum regulae suae contumaciter excusserant, qui eruditio-
nis et eloquentiae vice audacia et garrulitate poUebant, qui IIa-
gitia quantumyis enormia sola fide expiata pro nihilo ducebant,
qui evangelicam libertatem in licentiam et impunitatem verte-
bant, qui denique nihil bonum, nihil pium censebant, quod a
€uae doctrinae licentia abhorrebat. A sua doctrina pendentes
«vangelicos et christianos fratres sororesque, templum vero do-
minicum religionis ergo ingredientes pertinaces papistas et im-
pios appellabant variisque calumniis contra transactionis leges
eos passim proscindebant. In initio tarnen singulari quodam
«anctimoniae et pietatis fuco multos ad se alliciunt allectosque
in horrendes et ineluctabiles errores paulatim praecipitant \
Monasterienses cum pristinam minorum civitatum fidem
«ibi suspectam esse putarent, eas novandi foederis gratia ad
^) Schon die Zachtordnang Bl. B2^ (bei C. A. Cornelias a. a. 0.
II. S. 327) aber spricht aus: ^wo leider oick alreide vernommen wert, dat
hir nnde dar gesprenget nnde genichtich sy, wer men al hir tho Monster
ghesinnet, dat Pawestdom dermaten gantz tho verwoesten . . ., dat her wed-
denimme nicht gndes and ghebrneclikes vor tho nemen onde in de stede
«ntorichten bedacht worde."
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394 Anno 1533 acta.
so. um. diem 20. Martii, quae fait feria qninta post dominicain Ocnli,
convocant locnmqne conventni tabemam qnandam meiitoriam
inter Monasterinm et Goesfeldiam designant, quam ab incerta
appellationis origine thor Wort nnncnpant. Qno Monasterienses
non tarn pisces, qnam diversi generis cames et vina secnm de-
fernnt. Religio enim ipsis fuit avitae ecclesiae ezemplo diemm
ac ciborom discrimen facere, cnm non libertatis evangelicae, sed
angnsti, imo snperstitiosi et minus sibi confidentis animi iudi-
cinm esse indicent certis diebns ab esn caminm sibi temperare.
Malont itaqne praeceptoris sui calcaribns concitati lasciviae cam-
pos peragrare, qnam orthodozomm patnim frenis inter septa
continentiae coerceri. Huc nbi convenissent et Joannes Wjckins \
doctor ac syndicns, qni com Hermanne Tylbecke, consnle, aliis-
qne a senatn viris legatione fnngebatnr, totins reipnbUcae Mona-
steriensis nomine oppidomm legatos salntasset iisqne, qnod secnm
agendi copiam fecerint» gratias egisset simnlqne omnia tranqnilla
in angmentnm snamm remmpublicarum precatus foisset, sie
orditnr':
*p. 857. ^„Ita praesentis temporis et vitae cnrsns incertis pericnlis
atqne eventis involvitur, ita hominum doli ac frandnlentae machi-
nationes efflorescnnt, ita malignitates qnomndam effervescnnt^
nt praetextu amicitiae, favoris et benevolentiae civitates hmus
dioecesis omnes snblatis libertatibns, immnnitatibns^ privilegüs,
moribns antiquis atqne salntari proposito praepedito eversas esse
cnpiant. His antem malis maiores nostri commnni inter civi-
tates firmato foedere' occnrremnt. Qnod si tam sancte tamqne
religiöse ab oppidis foederis consortibns, qnam ab repnblica
Monasteriensi servatnm faisset, mnltis incommodis, molestiis et
oppressionibns, qnibns oppidomm inra hactenus convnlsa sunt»
iamdndnm via faisset praeclnsa. Cnm vero civitas Monasteri-
') Dieser war nach 14tägiger Abwesenheit im Haag am 12. M&rs
wieder nach Münster zurückgekehrt Vgl. das Schreiben y. d. Wieck^s vom
28. M&rz an den Bat von Bremen, abgedruckt im ^Bremischen Jahrbuch*
2. Serie Bd. I (Bremen 1885) S. 140 f.
^) Diese Verhandlungen der Stftdte sind nur durch Kerss. bekannt»
Zur Sache vgl. G. A. Cornelius: M. A. II. S. 176 if.
') üeber frühere Bündnisse unter den Städten des Stiftes vgl. Bd. 1
S. 294 Anm. 1.
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Anno 1533 acta. • 395
ensis foedns iUnd yiolatnin esse animadyerteret, praetermittere
non potnit, quin de cnlpa rapti foederis alüsqae rebas eodem
peitinentibüs cnm oppidis serio agat. Legati oppidoram scinnt
nrbem Monasteriensem fidei et reUgionis causa rarias molestias
et afiOictiones hoc anno pertnlisse. Et quanqnam senatns, tri-
bnni, mechanicomm praefecti totaqne adeo respablica in bis
angnstiis et afflictionibas consflinm, anxüinm opemqae ab op-
pidis confoederatis flagitaret, nihil tarnen praesidii aut propn-
gnationis impetrare potait. Ad externa itaqne electomm, prin-
dpmn, comitnm et ciyitatmn praesidia confngiendum erat, qnomm
pacifico interventn, maxime tarnen illnstris Hessonim principis
anctoritate et snaso, cni a principibus, comitibas, nobilibns ac
nrbibns christiani et Smalcaldici foederis transigendae pacan-
daeqne rei negotinm serio datnm est, omnis controversia inter-
eepta est et attestantibns monomentis pnblicis etiam a Coesfel-
diensibns ac Warendorpensibns aliomm oppidomm nondne si-
gnatis feliciter per Dei gratiam sopita est. Male antem habet
consnles senatnmqne ac totam rempnblicam, quod in tarn pia,
christiana et iusta causa consilio, ope omnique humano praesidio
saepe implorato sint destituti. Neque hoc in excusationem ad-
ferri potest^ quod in foedere, quo civitates mutuo sunt devinctae,
papa, ecclesia, rex Bomanus ac princeps noster excipiantur \ vel
quod satrapae ac praefecti principis foederi servando intercesse-
rint, quasi Monasterienses "^re ex utraque parte non audita neque *p. 868,
iure discussa deserendi sint aut oppida a yerecundia servandi
foederis eo modo deterreri debuerint. Huiusmodi enim excep-
tiones in causa religionis et fidei locum non habent, cum ea res
secundum naturam suam ad generalis concilii decretum perti-
neat. Itaque Monasterienses praesidii inopes contra vim atque
iniuriam etiam in causa fidei et religionis usque ad concilii de-
cisionem a reliquis oppidis defendendi erant. Quod autem op-
pida se a Monasteriensi republica distrahi passa sint, sibi non
parum incommodi hinc accidere posse. Se enim eo felicitatis
') Das drückt der WorÜant des Bondesyertrages der Münsterschen
St&dte vom 5. September 1447 deutlich ans. Vgl. J. Niesert: Ü.-S. m.
8. 74. Dieser Vertrag wurde bei den spftteren Erneuerungen der Stftdte-
bündnisse stets zu Grunde gelegt.
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396 • Anno 1533 acta.
nondnm devenisse, nt auzilio, defensione aut propngnatione in-
terdnm non egeant. Senatus qnidem ac tota civitas Monasteri-
ensis foederis religione mota semper oppidorom commodnm et
emolnmentum libenter qnaesivit ac, nt eornm libertates, privi-
legia, inra, immnnitates omniaqne, qnae ad pacem conservandam
pertinere visa snnt, non solnm conservarentnr, yernm etiam saln-
taribns incrementis angerentnr, singnlari stndio egit. Vemm
cnm ab oppidis foederis fides violata, Monasterienses a benefici-
omm obügatione inre solntos esse pactorum ratio saaderet. Nam
qnemadmodnm commodA et laeta, ita qnoqne incommoda et tri-
stia inter socios einsdem foederis commnnia esse debent. At
cnm antiqnitns receptnm sit foedera et pacis pacta interdnm
renovari ac pro temporis rernmqne ratione et contrahentinm
arbitrio mntari posse, proinde ntrinqne expedire pntatnr, nt alia
pactionnm ratio et forma pro praesentis temporis habitn ineatnr
describatnrqne. Ideo oppida hnc snnt convocata, nt ea, qnae ad
hanc rem conficiendam necessaria esse videbnntnr, inter se con-
ferant et, si fides pactomm firma sit, sive ea mntentnr sive
contractins explicatinsve pro temporis rernmqne ratione conci-
piantnr. Senatns totaqne respnblica Monasteriensis dissimnlata
snperiori violatione, ne tarnen simile qnicqnam in postemm de-
signetnr, novo foederi sese committet et, si opns sit, oppidis
praesidinm non negabit. Ita enim fiet, nt civitas Monasteriensis
reliqnaqne oppida omnia foedere non solnto pro nna dioecesis
parte sen statn habeatnr. Qnid homm factnri sint> secnm de-
"p. 359. liberent et ^Monasterii propemodnm respondeant."
Ad haec legati oppidomm: Sibi longa consnltatione opns
non esse; se enim iampridem responsnm deliberatnm habnisse.
Primnm itaqne respondent se pacta antiqnitns inter nrbes inita
non mpisse, sed civitatis Monasteriensis cnlpa dissolnta esse,
cnm contra pontificem, contra ecclesiam, contra imperatorinm
edictnm et contra patriae principem, qni in tabnlis foederis si-
gnatis sint excepti, nova mnlta inconsnlte invexerit. Mnlto magis
igitnr oppidis qnerendi cansam de violato per Monasterienses
foedere datam esse, sicnt et anno snperiori 30. Octobris respon-
snm sit ^ Deinde se in praeindicinm principis aliommqne dioe-
>) Vgl. das Schreiben der westlichen St&dte Bd. 1 S. 293 ff.
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Anno 1533 acta. 397
cesis ordinnm sen statanm sine eormn consensn et anctoritate,
qnomm maxime interest, pristinnm foedns neqae mntatnros neque
in qnalibet sni parte amplificatnros.
Hoc oppidorom responsnm legati Monasteriensimn indigne
tnlenmt, cum a sententia soae metropolis dissentire auderent.
Sed nt sine contentione conventos ille dissolvatnr, obtmditar
Ulis a legatis penitins secnm deliberandi pmdentiusqQe respon-
dendi tempns^
Eine 21. Martii post longmn institinm et dintomam iuris- ai. h&r.
dictionis intennissionem signator cnriae episcopalis, qai absentis
indicis vicem explere consaevit, tribnnal controvertentibas itermn
apemit cansasqne motibns civilibus interceptas et aUqnandin
snspensas ins cniqne dictams resnmit.
Warendorpenses etiam hac tempestate in religionis negotio
dissentire manifeste incipiunt ', cnm Eberardns Steinmannns ' ac
Hermannus Begewardns ^ eadem dominica Laetare, qnae fnit 23.
Martii, contraria pene concionarentnr, nnde magna civium con- ss. M&n.
tentio ezorta est. Steinmannns enim, antiqnae aedis sacellanns,
antiqna, Begewardns vero, novi templi pastor, nova publice do-
cuit. Nam ille panem a sacerdote rite ordinato ^consecratum«p. 860.
verum corpus et sanguinem Christi esse et mauere, etiamsi in
receptaculis lapideis triginta aut centum annos conclusum con-
') YgL dazu B. Bökel and: Gesch. d. Stadt Coesfeld (Coesf. 1839)
8. 93. y. d. Wieck schreibt bereits in dem schon oben S. 394 Anm. 1 er-
wähnten Briefe Yom 23. Mars an den Rat von Bremen: «... und sin zo
darnach auch de ander stedde des stichts Monster verscreven gewest, und
da ist auch wedder mede verdragen und yereiniget."
') Aufser den gleich anzuführenden Akten scheint Kerss. im Fol-
genden auch eine uns jetzt unbekannte Warendorfer Chronik benutzt zu
haben. Darauf weist seine Ausführlichkeit in der Schilderung hin, sowie
seine genaue Datumsangabe, die in den Akten fehlt
') Die richtige Namensform ist Steymann, wie er sich eigenhändig
unterschreibt
*) Sein Geständnis vom 3. Dezember 1534, erhalten im St-A. M.,
abgedruckt bei J. Niesert: U.-S. I. S. 25 ff., ber&hrt die Vorgänge in
Warendorf nicht Er kam am 17. Februar 1534 nach Munster und war im
Herbst desselben Jahres einer unter der Zahl der acht nach Coesfeld aus-
gesandten wiedertäuferischen Apostel, die mit dem Tode bestraft wurden.
8. weiter unten zum Jahre 1534.
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398 Anno 1533 acta.
servetnr, idemqne a sacerdotibüs pro ecclesia in altari quotidie
offerri, ad haec auricnlarem confessionem homini ad salntis ne-
gotium necessariam esse, seqne id ostensumm in sequenti con-
cione dixit. Hie vero e diverse a Bothmanno edoctas, cum quo
coUosionem et consnetadinem habnit (nt mnltae literae ntrinque
missae testantnr'), de coena dominica sie docuit: Christiani coe-
nam dominicam celebratnri seenndnm Christi institntom ac Pauli
praeceptum illud facere debent. Et quicunque coenam illam
dominicam ita usurpaverint, iUis fiet corpus et sanguis Christi
in remissionem peccatorum. Si vero ita non usurpaverint^ manet,
sicut et ante fuit» panis. „Neque ferendum est,^ inquit, ,,ut in
lapideis aureisve receptaculis conclusus adoretur, cum solus Dens
Sit adorandus. Praeterea cum Christus semel semetipsum in
ara crucis pro peccatis hominum in se credentium Deo Patri
obtulit, neque ullum aliud sacrificium apud Deum Patrem un-
quam proderit'."
Haec cum ad senatum referrentur, senatus utrumque con-
«. April, cionatorem 8. AprUis concionum suarum rationem exacturus in
curiam vocat^ Civilis enim concordiae dissolutionem futuram
metuit, si pugnantem doctrinam intra sua moenia patiatur.
Confessionem ergo fidei suae ab utroque ibi praesente scriptam
exigit. Ad quae Steinmannus: fidem suam a concionibus suis
'j Nicht mehr nachweisbar. — ') Vgl. die damit übereinstimmenden
Berichte des Kaplans Steymann vom 5. Mai und des Archidiaconus Herrn, v.
Dungelen vom 24. Mai an den Bischof; beide im Orig. im St.-A. M. Ersterer
ist teilweise, letzterer vollständig abgedruckt bei J. Nieser t: U.-B. I^
8. 207 ff. Ganz deutlich zeigt sich in den Aeufserungen Regewarf s die An-
lehnung an die von den Münsterschen Predikanten in ihrer „Epitome quo-
rundam abusuum'' (s. Bd. 1 S. 180 ff.) niedergelegten Anschauungen.
^) Wie auch Steymann in seinem Berichte angiebt, doch ohne Datum.
Die ungedruckte Stelle lautet: „. . . hebbn sick burgermcister und raidt
sampt gemeynheit i. f. g. Stadt Warendorp genanten pastor und mj ge-
lyckmetych vor ennen upt raidthuyfs erforderen laten und uns voergehulden,
wu se berichtet werden, dat wy dat wordt Godts ungelyck predicken und
voemhemen, dar se und ere arme unwettende ingesetten verfuyrt und thom
unchristlicken geloven kommen mochten, und uns ermaynth, wy em uth
solchen erryngen redden wolden; dan nichdemyn dat eyn ider van uns
syne predicatien des sacramentz halven eyns ideren bekantnysse und vor-
nemens schrifftlick overgeven und entdecken willo . . .^
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Anno 1533 acta. 399
non esse alienam, et qoae in concione pnblica dixerit, se, si opus
8it> coram qnibnsconque doctis defensuram respondet *. At cnm
senatas eins rei scriptum posceret ezemplum, se illud 10. Aprilis lo. Apru.
datarnm pollicetar. Qao etiam die fidem ezsolvit^ Similiter
Begewardns doctrinam snam se defensuram recepit et continao
confessionem snae doctrinae scriptam senatui obtulit^ Senatos
utriosqae scriptum altias ezaminat, sed cam favor ad Begewar-
dnm inclinaret, confessionem Steimnanni ob^scnram esse, nee eam^p. 361.
se intelligere simnlavit. Proinde 15. Aprilis eins ezplicandae i5. Apru.
gratia ad curiam revocatur. Die se ventamm esse negat. Qnare
octo yiri a senatn mittnntnr, qni ezplicationem ab illo extor-
queant qnibusqne scriptnrae locis sna comprobaret. Et hoc se
factaram negat; se enim senatns Warendorpensis imperio non
snbiectom, se coram doctis snoqae magistratn, non coram lite-
rarom imperitis, nee ab adrersarii doctrina pendentibns causam
snam actnrum. Cum vero senatus nihil certi a Steinmanno con-
sequi posset, legationem consilii capiendi causa ad concionatores
Monasteriensium aliarumque urbium mittit. Qui cum Begewar-
dum bene concionatum esse responderent, certatim eins doctri-
nam cives amplectuntur, certatim in templis Germanicos psal-
mos cantillant. lubetur itaque Steinmannus silere ^. Regewardus
vero concionatorum iudicio fretus nee non favore senatorio et
populari tutus maiori, quam hactenus, parrisia utitur nee quic-
quam iam, quod a doctrina praeceptoris sui Bothmanni alienum
Sit, docet. Erpo autem Hollandus^ civis, imo Senator Waren-
dorpensis, prae reUquis Begewardi concionibus inflammatus in
&nam D. Annae consecratum iuxta oppidum situm sua auctori-
tate, qua pollere arbitratus est, irruit illudque ornamentis, campa-
') In Steymann^s Bericht heifst es: „Dar up ich geantwort und ge-
sacht, i. f. g. sy myn overste richter und landther, dem wyl ich mjt
gnaden mjne bekenn jnge und predicken schryfftlicken tof erdigen lathen.**
*) Stejinann's „confessio de sacramento corporis Christi,'' am 5. Mai
dem Bischof eingesandt, befindet sich im Orig. im St.-A. M.
') Begewardns „confessio*' ist nicht mehr nachweisbar.
^) Daraufhin schickt er dem Bischof seinen oben angefahrten Bericht
^) Er war später eines der Häupter der Wiedertäufer in Warendorf.
Vgl. sein Bekenntnis vom 23. Oct. 1531 bei J. Niesert: U.-S. I. S. 61,
nnd das Geständnis Gottfried Stralen's vom 22. Oct 1634 ebendas. S. &8.
937419ÄSt^
400 Anno 1533 acta.
nnlis, cera, Uno aliisque sacrificiis et oblationibns denndat et
spoliat^. Princeps talem ecclesiasten, qni sacramentariomm doc-
trina cives contaminaret, ibidem Don esse ferendnm patavit.
Itaqne dominum Hermannnm Dangell, archidiaconnm Waren-
dorpensem, per scripta * admonet^ ut, cnm sni sit mnneris, talem
doctorem coerceat ant, si in ea doctrina perseverayerit, lemo-
yeat; se operam snam non denegatnram sibi. In hac re ?ir iUe
mnltnm, sed non satis feliciter laboravit^ cum Begewardus non
solum illins oppidi plebecnlam, yemm etiam totom fere senatum
*p. 862. *in snam sententiam pertrazerit. Tandem abi rempnblicam uni-
yersam in pericnlum, imo in irreyocabile exitinm praecipitasset^
infirmiori asylo relicto Monasterinm se recipit'.
Eyangelici Interim in nrbe Monasteriensi initae obliti con-
cordiae ad ingeniam snum redeunt nee sibi ab assidna noyatione
temperant*. Kam Hermannns Tylbeck, consnl, Joannes Kercke-
rinck, patricins, Michael Nordinck, Magnus Striker cum«?1'ias-
S4. xin. dam aliis eiusdem factionis hominibus 24. Martii ab archiyestali
Transfluyiani coenobii yictum pro suis concionato..Jus efflag-i-
tant. lUa post deliberationem octo dierum respondet: se in
gratiam paroecianorom ipsos ad communem et frugalem quidem
dominorum mensam ad festum Peutheo^st^s recepturam, ut ipsis
interim aliunde prospiciatur."'
27. Man. Ecclesiastes quoque Ludgerianus 27. Martii effiracto eucha-
ristiae repositorio eam in conspectu multorum in tres partes
dividit, quas oris flatu dissipans: „Hie," inquit, »Dens yester
est!" Dici non potest^ quam bis yerbis simplicium animos offen-
derit quamque ancipites in religionis negotio reddiderit.
Beiholt etiam, iudex ciyitatis profauus, eodem die cum
quorundam senatorum comitatu Franciscanis decretum senatum
esse nunciat, uti yel mutato habitu coenobio sine ignominia
sponte sua excedant vel seyeriorem sententiam magno suo malo
expectent; senatum* enim ociosos et y alidos mendicos reipublicae
ft) Ms.: senatus.
') Aus Herrn, v. Dungelen's Bericht (s. J. Niesert: U.-B. I'. S. 207).
— •) Nicht mehr nachweisbar. — ») Am 17. Febr. 1534. S. oben S. 397
Anm. 4. — *) lieber die nun weiter folgenden Einzelheiten sind ältere
Quellen nicht bekannt Wir wissen von ihnen nur durch Kerss.
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Anno 1533 acta. 4Ü1
prorsns inutiles intra siia moenia non latnram. Cum autem
coenobia initio naacentis ecciesiae non ociosomm Epicnreomm
popinae, non conscientiaram eigastnla^ sed lionesti ezercitii offi-
cinae, pietatis et bonanun literamm sine yincnlis nllins roti
scholae liberrimae faerint, nnde tM doeti ad ecclesianim gnber-
nacnia, qnoties opus erat^ ex locnplete quasi penn depromeban-
tnr, senatum quoque ad huius primaevae ecciesiae &ciem deletis
abnsuum naevis omnia, ^quoad eins fieri queat, revocaturum *p. 863.
scholamque publicam in boc loco erectnrum« Quid itaque borum
facturi sint, post brevem deliberationem respondeani Guardia-
nns^ post dies octo, quod spatium ad deliberandum datnm fu-
erat, respondet: Se non novos neque inusitatos vivendi mores
iam primum introduzisse; se vestigiis maiornm suorum insistere,
^se iure locoque sine iniuria alterius acquisitis sibique per suc-
ces;: a continuam traditis uti, se sine ullius civis incommodo
in urbe agefe viasque publicas usurpare, se nullius opes mendi-
cando minuiy^ ab eztemis se vitae praesidia quaerere, liberali-
tate eomm civibus nihil detrahi. Ferat proinde senatus cle*
menter, quod sibi non obsit, quod civili libertati non deroget
Sinat monacbos sine invidia suo more vivere, suo babitu ince-
dere, suo amictu vestiri, suis pa^Ietibus et tectis operiri; sit
iUis sua domus tutum receptaculum, ezilio innocentia non mulc-
tetnr. Structuram coenobii esse amplissimam, quae et monacbos
et magnum discipulorum numerum capere possit. Huius usus
sit ntrisque communis; boc munere, cum aliud non habeant,
se reipublicae gratificari, cui etiam plura et maiora a se deberi
intelligant
Nova itaque schola senatus impensis bic erigitur, quam
et novo nomine evangelicam, cui loannes Glandorpius* praefi-
') Es war damals Joh. Frydagh.
*) Er war ans Münster gebürtig. lieber ihn ygl. „Allgem. deutsche
Biographie* Bd. 9 (Leipzig 1879) S. 208 ff. nnd die dort angeführte Lite-
ratur. Die Quellen über sein Leben in Münster von Pfingsten 1&82 bis
zum Februar 1534 finden sich sorgf<ig zusammengestellt bei C. A. Cor-
nelius: M. A. U. S. 834ffl — Die Zuchtordnung BL B4 spricht sich fol-
gendermafsen über die Schule aus: »Dan dar bi . . , salstn oick de schole
ordeninge wamemen, welke al hir mit ovinge drier spraken under
den walgelerten M. Johan Glandorpe unde andren gelerten in hilliger unde
2
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402 Anno 1533 acta.
citur, veterem vero cleri primarii papisticam vocant. Nee oppi-
dani nova persaasione indncti dubitant evangelicam, ut nomine
excellentiorem, ita et illam alteram discipnloram mnltitadine
brevi exnperatnram, cum tarnen lectomm numerus auditores
fere aequaret et intra paucos menses corrueret, Uli vero nihil
decresceret^
87. icärz. Eodem die, videlicet 27. Martii, Gerardus Eibbenbroick
atque Bemardus Enipperdollinck cum factiosorum cohorte e
templo ac coemiterio D. Lamberti omnia ferramenta ope fabro-
*p. 364. rum diripiunt, unde ambitus *altissimae specu]ae ita praemu-
nitur, ut vigiles in tutelam urbis excubantes * securiores redditi
metu subiti casus eximantur.
30. März. Ipsa die ludica, quae foit 30. Martii, in templo D. Lud-
geri primam coenam dominicam suo ritu apparatam celebrant.
8. April. 3. Aprilis Hermannus Tylbeck, consul, Ludgerus thom Brincke
atque Bemardus Bothmannus, superintendens ^, magna civium
comitante copia duos concionatores in templum Transfluviannm
honorificentissime introducunt. Ibi tum Bothmannus de felici
evangelii successu, de coena dominica deque duorum iam intro-
ductorum corybantium laude prolixam ad populum concionem
habuit.
(SO. lOn.) Eodem die princeps ad minores civitates scribit^: Sibi
relatum esse quosdam suorum oppidorum incolas se in templa
andrer kunstriker schrift, tho gude int gemein, nicht allein dusser stat joget,
dan einen ideren lefhebber der spraken, 1er, wettenheit unde aller dogede
in den cloister thom Bmderen geheiten angerichtet unde angevangen is.^
^) Ueber diese evangelisdie Schule in Münster — die Absicht ihrer
Einrichtung ist bereits oben S. 386 erwähnt — haben sich weitere Nach-
richten nicht erhalten. Alle Angaben in der Bd. 1 S. 103 Anm. 1 ange-
führten Literatur über das Münstersche Schulwesen gehen hier lediglich
auf Eerss. zurück, der auch den bei J. König: Geschieht!. Nachrichten
über d. Gjmn. zu Münster (Münster 1821) S. 144 f. mitgeteilten Worten
M. BöchelTs zu Grunde liegt — Noch am 1. Febr. 1&34 unterschreibt
sich Joh. Glandorp in einem Briefe an den Landgrafen Philipp von Hessen
als »rector scholae.^ Siehe C. A. Cornelius: Die Münsterschen Huma-
nisten (Münster 1851) 8. 77.
*) Vgl. dazu Bd. 1 S. 67 die Beschreibung des St Lamberti-Turmes.
') Vgl. zu dieser Bezeichnung oben S. 389 Anm. 2.
^) Vielmehr am 30. März von Iburg aus. Konzept im St-A. M.
Abgedruckt bei L. Keller: G. d. W. S. 299.
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Anno 1533 acta. 403
ingerere, suis cantionibus noyis et innsitatis antiqnas et usitatas
ceremonias abrogare, novas snbstitnere, simplicem plebecnlam
sedncere, rebellionem tarn adversns ecclesiasticnm quam civilem
magistratom movere. Se igitar senatus in singuUs oppidis mo-
nere, ut sednlo vigilent, ne talia intra moenia soa committantor
et transgressores certis poenanun repagalis, ut tardiores ad ista
designanda sint, coerceant. Se post inaugorationem, si qnid ab-
nsunm dintomitate temporis irrepserit, emendatnmm. Idem
scribit ad omnes satrapas et praefectos totius dioecesis^
Qüinto die Aprilis senatus per Qerardum Eibbenbrock ets^Apro,
loannem Windemoller, senatores, priori in Bispinckhoflf* inter-
dicit, ne quenquam confessionem auricularem facientem audiat.
Eodem die factiosi in templum Transfluvianum impetum facientes
tabulas altarium depictas diripiunt, statuas confringunt imagi-
nesque divonun irrasis parietibus deturbant et confundunt. ^Ipsa^p. 365«.
die Pahnarum, quae foit 6. Aprilis, in tribus parocMis simul, 6, Apriu
sdUcet Aegidiana, Martiniana et Transfluviana, coenam domini-
cam solenniter suo more faciunt et singalari quadam contu-
maciter dissentiendi a catholicorum institutione libidine aocensi
Paschalem diem celebrare videntur. Quam rem Bothmannus in
paroecia Transfluviana praesens r^ebat, vel quod ea esset civium
numero amplissima, vel ut consuUbus utrisque in ista parochia
commorantibus, quos evangelico spiritu aestuare cognoverat, ap-
plauderet vel concionatores novorum rituum adhuc ignaros iu-
yaret et doceret. Ad haue coenam bona pars yirginum vestalium
accedit^ quae secuturam nuptialem sperabant. lam de habitu
mutando meditantur liberioremque vitam in animo agitant. Psal-
mos a Lutero transformatos altematim cum populo in templo
cantillant et maxime versum psalmi 124 ,,Laqueus contritus est,
et nos liberatae sumus^ ^ per nares crepitant
^) EbenfaUs von Ibnrg am 30. M&rz. Konzept im St.-A. M. Abge-
druckt bei L. Keller a. a. 0.
*) Es war der Dominikaner Heinrich Mumpert, der zugleich Dom-
prediger war. Vgl. weiter unten zum October 1533.
') Ernstliche Mafsregeln des Bischofs gegen Ausschreitungen der
Jungfrauen im Ueberwasser-Kloster berichtet Kerss. aus den Akten erst
zum October 1583. — *) Ps. 123, 7.
2*
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404 Anno 1533 acta.
7. April. 7. Aprilis templnm D. Seiratio dedicatom deiedds statnis
s. April, deletisqne inu^inibas diripinnt. 8. Aprilis senatos Franciscanis
confessionibns concionibnsqne, fratribns rero Fontissalientis dis-
tractione hostianun, qnas ex simila et tritici flore in nsnm
«. April, coenae dominicae formant, interdicit. 9. Aprilis EnipperdoUinck
qnomndam factiosomm colluvie stipatns snmmom templom trans-
iens ad sacerdotem ibi sacrificantem edita voce: „Ta,^ inqnit^
„famelice sacerdos, nondum satis deomm devorasti?'' Qmbns
14. April, yerbis omnium ora Tultnsqae in se convertit. 14. Aprilis Bei-
holt cnm suis complicibns in templnm D. Lndgeri irraens omnia
i& April, ferramenta anfert Seqnenti rero die 15. Aprilis altaria denu-
^p. 366.dant) tabnias depictas comminnnnt, *stataas dissecant, imagines
parietum snperillata calce contegont, omamenta depraedantnr
atque omnia profanant. Ad hoc spectacnlnm cnm mnlti accnr-
rerent et indignnm &cinns esse clamitarent a snis maioribus
donata et divino cnltni destinata sie detnrbare, sie perdere, sie
in praedam rertere, ipsos fnres et sacrilegos omni yerecnndia
et pietate destitntos esse Tociferantes, inde magna yocnm con-
tentio ingensqne seditio exorta est. Et nisi pacificomm homi-
nnm interventn motns foisset compositns, ad arma ntrinqne non
Je. April, sine certa dade ventnm ftiisset Postridie Belholt cnm snis
gravi qnerimonia rem ad senatum defert sibi snisqne intolerar
bilem ininriam a qnibnsdam civibns iUatam, macnlam sibi per-
petnae ignominiae innstam qneritnr; se istam infamiam nnn-
qnam benigne latnros, sed ipsos ad poenam et commeritum sup-
plicium Yocaturos; se enim neque fures neque sacrilegos appel-
lari posse, qni praecepto Dei satisfacturi idololatriam amovere
et radicitns erellere Deique solius gloriam ab omni ininria yin-
dicare conati sint. Sei vero carcerum terrore, qnos sibi paratos
esse sentiebant^ adacti omnia recantabant et se subita iracundia,
quam cohibere neqnivissent, ista intemperanter effudisse profi-
tentur; se itaque sibi clementer ignosci postnlare. Hoc astu
yiolatores templomm poenam bene conmieritam eraduni Senatus
enim pauca ex officio, sed multa dissimulanter agit^ unde fac-
tiosomm animi ad quaeyis perpetranda animantur. Quaevis enim
in templis paroecialibns ex transactionis foedere sibi licere exi-
stimant^ dum sibi a templo dominico temperent.
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Anno 1533 acta. 405
Postquam in transacidone snperiori per Lantgrayii oonsi-
liarios fiEMHa articnliiB comprehendatnr, quo redditns qnondam
per munificentiam civium in usus memoriamm, kalendanun *6t «p. 367.
fraiemitatnm coUati ministris eoclesianun et panperibns asscri-
bnntnr \ — unde senatna occasione snmpta ab omnibns coUegiis»
qnibns paroeciae sint annexae, omamoita et literaa redditnnm
aignatas ezigit cansam praetezens: cnm a cmbus sint ooUata,
ne a clero inntiliter decoqnantor atqne abanmantür, ntqne ex
literis deprebendat memoiiamm, kalendanun et fratemitatom
fnndationeSy ne transactionis pacta sna n^ligentia aliqoa in
parte eormant. Eodem tempore domnm decani Lndgeriani quasi
parochi sedem oceupat.
Prinoeps autem senatui scribit, ut ab bis factis sibi ad
proxima dioecesana comitia ten^eret*. Senatus respondet se
*) S. Bd. 1 8. 376 den Artikel 7 im Friedensrertreg.
') Kens, beluuidelt hier die mannigfachen nea entstandenen Streitig-
keiten iwiachen Biscliof nnd Stadt, besonden fiber Yeriiindemng der ka-
tholischen Predigt im Dom nnd über die Ansliefemng der Kirchenklei-
nodien, Rentenbziefe o. s. w^ nur knn nnd nngenflgend und nimmt keine
Bficksicht aof die Zeitfolge der Ereignisse. Das in diesen Angelegenheiten
anient eingetretene yermittelnde Eingreifen des Landgrafen, der am 8. Juli
seinem Yiiekanxler G. Knsbicker den Auftrag erteilt, gemeinsam mit Jakob
T. Taabenheim in Mnnster dahin in wirken, dals der Yertrag aufrecht er-
balten werde nnd die Stadt in zeitlichen Dingen dem Bischof gehorche,
«her auch den Bischof zn erinnern, »das er dem capittel nicht in Tiel
glewbe, dan sie sein betriglich; item so er die stat an seiner band habe^
könne er aller wege des capittels mechtig sein** (Orig. im St.-A. Marburg),
igt ebensowenig berührt, wie der Kern der Yerhandlungen des Landtages
aof dem Laerbrok vom 4. Juni (s. weiter unten) und die Besprechungen
«of der Zusanmienkunft in Altenberge am L Aug. (s. C. A. Cornelius:
M. A. n. S. 351 iL). Es sei aber bemerkt, dafs, wihrend über die beiden
Tagungen gleichseitiges Aktenmaterial im St.-A. IL sich Torfindet, dieses
In Bezug auf die hessische Yermittlung in dieser Zeit nicht der Fall ist
Abschriften aus den einschlägigen Aktenstücken sind erst in ganz neuer
Zeit aus den Bestünden des St-A. Marburg für Münster «itnommen. —
Zur Sache vgL €. A. Cornelius: M. A. IL S. 185 ff^ wo auch die haupt-
aüchlichsten Quellen verzeichnet sind. — Die Lutmktion des Landgrafen
für Johann t. Taubenheim und Georg Nusbicker zu Yerhandlungen in
Münster ist vom 16. Juli datiert. Sie führt 7 Punkte an, in denen die
Stadt den Friedensrertrag verletzt haben solle, ermahnt, den Yertrag za
halten und fügt schlielslich hinzu: „Auch wurden die Monsterischen wenig
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406 Anno 1533 acta.
nihil agere, qnod a pactis transactionis sit alienmn. Princeps
ista ad senatum non pertinere, sed potins ad se, qni sit ordi-
narins, contendit. Oritnr itaqne de hac re nova ntrinqne con-
troversia, et mnlta ntrinqne scripta mittnntnr^. Tandem prin-
eeps sedatiorem se in bis rebus exbibet. CoUegiis tamen per
«u ApriL scripta 29. Aprilis mandat, ne omamenta suorum templorum et
monumenta reddituum consignata cuiquam tradant ^ Variis ergo
consilüs multiplicique praetextu senatum ea saepe poscentem
callide remorantur*, donec nrbe efferrentnr et senatum aliis
xebus occupatum ea exigere taederet.
Cum itaque omnia parata esse putarentur, ut episcopus
plenam totius dioecesis administrationem consequeretur et Mona-
sterienses, multarum remm novatores, iureiurando sibi quoque
devinctos haberet, de ipsius introductionis inauguratione coep-
tum est agi. Onmibus ergo ad baue rem pertinentibus compa-
trostes van den evangelischen stenden gewarten, dieweil ire predicanten
. änderst vam sacrament predigen und handien, dan die sächsischen.^ Die
Stadt suchte sich in ihrer Antwort vom 20. Juli in jedem Punkte zu recht-
fertigen, und schon am 23. Juli meldeten die hessischen Gesandten dem
Bischof Franz, dafs sie jetzt nichts weiter thun könnten, als zu ihrem
Herrn zurückkehren. — Die weittragenden Wünsche der Stadt dem Bischof
gegenüher, die zumeist darauf gerichtet waren, die üherwiegende Macht
des Domkapitels zu hrechen, erhellen am hesten aus der Werhung, die
y. d. Wieck im Namen Münsters am 28« M&rz in Iburg dem Bischöfe vor-
trug (in der Hauptsache gedr. bei C. A. Cornelius a. a. O. II. S. 173 f.).
*) Von CA. Cornelius a. a. 0. nicht erwähnt, konmien noch fol-
gende in Betracht, sämtlich im St.-A. M.: Münster an den Bischof am
29. Mai, Original; der Bischof an Münster, datiert Horstmar am 1. Juni^
Konzept; Münster an den Bischof am 2. Juni, Original; der Bischof an
Münster, datiert Horstmar am 6. Juni, Konzept Femer finden sich im
6t.-A. Marburg in Kopieen noch folgende Schreiben : Der Bischof an Mün-^
ster aus Warendorf am 25. Mai; Münster an den Bischof am 26. Mai; der
Bischof an Münster ans Rheine am 28. Mai.
*) Kopie des bischöflichen Schreibens an das Martinistift im St.-A.
M., Mscr. I, 73 fol. 208 ; Kopie eines erneuten Befehls des Bischofs an die
KoUegien vom 25. Mai, ebendas.
') In demselben Mscr. I, 73 des St.-A. M., einem Kopiar des Stiftes
8t. Martini, findet sich fol. 208^ die Notiz: „Capitulo nostro ftait indictus
dies quartns post dominicam Exaudi (25. Mai) ad praesentandum senatui
literas reddituum; sed non comparemus.*
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Anno 1533 acta. 407
ratis ipsa dominica Inbilate, qnae fnit 4. Maii^, cum instrac- 4. Mai.
tissimo eqnitatn Woltbeca egressns, quo pridie eins diei venerat,
Monasterinm contendit. Clems primarins circa horam decimam
ultra centnm ferocissimos eqnos in expeditionem edncens gratn-
lationis cansa principi obviam procedit; et cnm scholaster no-
mine capitnli *felicem illi adventum precatns fuisset, cnm snis*p. 868.
in nrbem redit. Senatns antem coactis e civinm nnmero aliqnot
eqnitrun tnrmis circa horam dnodecimam ad principem libemm
conuneatrun fide pnblica eidem addictnms nrbe exit. Cnm iam
yiginti circiter stadia ab nrbe abesset, in planicie terrae am-
plissima, qnam Geistam appellant, nbi inxta viam pnblicam in
aedicnla qnadam statnaria divornm simnlachra conservantnr,
principem opperitnr atqne ibi in coUicnlo solenni inreinrando
ab illo accepto regreditnr. Princeps antem snis ita in ordinem
dispositis, nt ipse cnm fratribns snis aliisqne comitibns ac pri-
mariis dioecesis medins clanderetnr, pedetentim snbseqnitnr. In-
terea cives in diversis primnm coemiteriis armati coennt, me-
cbanici tarnen pleriqne cnm snis signis militaribns Francisca-
nomm aream occnpant. Inde ad campnm dominicnm omnes
simnl conveninnt, nbi aciem non aliter, ac si in proelinm iam-
iam exitnri essent, instmnnt, qnam minomm oppidomm cives
aliqnot a senatn Monasteriensi vocati adangent. Deinde cnm
principem nrbi vicinnm esse ex reditn senatns cognoscerent, per
manipnlos in fomm potissimnm et singnlas nrbis plateas cnsto-
diae cansa fnndnntnr, qnas etiam catenis ferreis transversim
dnctis contra snbitnm eqnomm impetnm, si necessitas postnlas-
set, conclndnnt ^ Magna tamen armatomm civinm pars ntmm-
que latus plateae regiae (sie enim appellatnr, per qnam princeps
') «De infaert m. g. hern van Munster is verstreckt in den sontag
Jabilate. Aisdan werdt sin g. to einer uhr namitdage to Monster inkom-
men.* So schreibt v. d. Wieck schon am 23. Mftrz an den Bat von Bremen
(8. bremisches Jahrbuch** 2. Serie Bd. 1 [Bremen 1885] S. 142). Zur fol-
genden Schilderung des feierlichen Einrittes des Bischofs in Münster vgl.
auch den Bericht D. Lilie's S. 218 f.
*) Bei D. Lilie a. a. 0. heifst es: „So vaken alse twintich eder
dertich perde worden dorchgelaten, sint de keden achter den rutheren over
de Straten togesclagen unde geslotten, hent de furste an den doem ge-
komen.*
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408 Anno 1533 acta.
moenia snbit) densa acie ad campnm usque dominicum mnnit.
Cleros qnoque totins orbis sni mnneris memor ad templmn do-
minicum stolis albis amictns conflnit. In primo nrbis ingressa
princeps longo föne, quem ante portam Lndgerianam eiecerat^
magnam facinerosomm tnrbam dncens mnltis bombardamm toni-
trnis excipitnr \ Et cnm ad templnm D. Ludgeri protopraesTdis,
cnins snccessor fntnrns erat, venisset, obloquia et calumnias
eyangelicorum bona opera ridentium evitans non iam ipee de
equo descendit neque a canonicis istius collegii de more exoeptos
precationem et mnnus pro felici anspicio in urbem pertnlit, sed
*p. 869. per snos *militaris ordinis ministros sine popnlari strepitn con-
snetndini satisfecit. Ipse vero non interrapto eqnitatns ordine
ad anlam snam contendit, cnmqne venisset snb fomicem, quo
itnr ad campom dominicum, cuiusque firma et arcuata lapidunoi
compages sacellum Michaeli Archangelo dedicatum in sublimi
sustinet, ex equo descendens, quem archisatrapa dioecesis in
Yisscherinck suo iure statim abduci iubebat, per gradus lapi-
deos ad saceUum ascendit ibique iuxta altare ardentibus cereis
pictisque tapetibus ac sericis pulvinaribus exomatum supplica-
tione ad Deum facta munereque aureo oblato aulam suam sa-
cello contiguam ingreditur ac superius indumentum exuit, quod,
nisi pecunia redimatur, pastor istius sacelli iure suo sibi . vindi*
care solet. Inde veste ad talos defluenti stolam candidam et
petagium sacrum, cuius lacinias* aurea fibula in pectore copulat^
superinduit ac per eosdem gradus descendit, quem aliquot no-
bilium aulicorum paria praecedunt et quatuor sacellani e numero
Primarii cleri delecti bombycinis palliis super stolas amicti pone
sequuntur. Clerus interea, cui duae cruces inauratae totidem-
que faces ardentes praeferuntur, per ostium paradysiacum do-
minico templo longo ordine ^essus principem cum suo comi-
tatu descendentem excipit et non sine magno populi concurso,
») Ms,: lasdnias.
^) Die auf diesen und den folgenden Vorgang bezügliche SteUe in
der Chronik des M. Böchell (s. M. G.-Q. m, 231 f.) ist kein selbstän-
diger Zusatz zu Ken»., sondern nur eine unwesentlich erweiterte Wieder-
gahe der Worte desselben.
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Anno 1533 acta. 409
quem tarnen satellites annis et lictores sdpiombos suis arcent,
per idem ostinm redit in templnm ; et dum deros in area templi
aliquot hymnos psallit, princeps in fronte altaris D. Paolo di-
«ati oereis ardentibns, anro, argento, sericis polvillis reliqnüs-
qne sanctonun martTrom condecorati proYolntns ad genna sap«
plex ad Denm snas fondit preces. Fmitis hymnis et aoreo dono
altaii illato cantor in landem D. Panli cannen protonat; Interim
totos clerns peallens chonmi ingreditor. Princeps rero, cum ad
ehornm venisset, petagio ibi exnto clerum primarimn ad capi-
inlare conclare piaestitnnis insinrandnm snbseqaitnr. Interoa
deros secondarios in choro roditom com silentio opperitor. Be
sotem in capitolari conclavi peracta *redit atqoe in pede sommi *p. 870.
jdtaris decano et sacellanis astantibos genoa sobmittens tertio
Beom pro felici dioecesis admimstratione oblato et hie monere
precator. Inde comitantibos üsdem ad sedile episcopale magni-
üce stratom consoendit, singolis tarnen pro cniosque dignitate
soas sedes in choro occupantibos. Oiganices indido praecen-
ioris scipione sibi facto Organa in divinarom laodom piaeconia
«olvit altemoque verso laudem Dei concinit, qoa finita a sar
telluns^ fratribos, nobilibos, clientibos, beneflciariis, aolicis,
«atellitibos magnaqoe ministrorom torba ezceptos per horologii
eetiom com iisdem magnifice coenatoros ad soam aolam reducitor.
Postera yero die, qoae Mt 5. Maü, inter octaram et no- s. lut
nam longa aolicorom pompa praeeonte et sacellanis sequentibos
sacrom aoditoros ad templom redit. Intersa totos senatos orbis
in campom dominicom insiorandom praestitoros coit. Finito
itaqne sacro princeps paradysiads ralvis egressos et solenni
inreiorando accepto clerom primariom senatomque prandio ex-
eipit. Die Martis, hoc est sexta Maii, peracta coena repotia seo e. mal
flecondae mensae, omms generis tragemata magnifico apparato
in coria civitatis instrocta sont, qoibos princeps com fratribos
suis, proceribos dioecesis, aolicis, yirginibos matronisqoe nobi-
lioribos se oblectavit bonamqoe noctis partem com tripodiis ab-
sompsit. Hinc Monasterio digressos alia qooqoe dioecesis oppida
imorata peragrat, et primom qoidem oppidorom ocddentaliom
<dem dbi astringit, inde ad orientales civitates perrectoros.
») Mi.: ac saceUanibiu.
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410 Anno 1533 acta.
Interea Warendorpenses S cum exemplo snae metropolis
pleraqne in religione avita et ceremoniis priscis mutassent, sibi
metnnnt, ne in hac inangnratione insolentiam istam snam prin-
ceps mann vindicet, sicnt anno snperiori, nempe 1532, Herman-
nns de Weda episcopns Paderbomensinm rebellionem coercuerat';
cnins rei recens exemplnm mnitorum civinm animis adhnc in-
sederat. Proinde de nnmero armatomm eqnitnm intromittendo^
•p. 871. qnibnsque modis se adversns *vim principis, si forte opus esset^
mnnirent, Consultant; petitnm bombardas, pnlverem nitratnm
aliaque eins generis Monasterinm mittnnt. Qnae nbi sibi nega-
rentor, cum muniendi se fiducia metum omnem deponunt et re
altius considerata nihil sibi hostile ab episcopo suo timendum
esse existimant, maxime cum Monasterienses, quorum religionem
tanquam simü sint imitati, legatos suos in comitatu episcopi
habeant, quibus inconsultis princeps nihil sit acturus. Dominica
». Hai. ergo Exaudi, quae fuit 25. Maii, Warendorpiam cum mediocri
equitatu ingreditur et onmis rebellionis ac iniuriae quasi oblitus
pacificum atque benignum se principem exhibet. Vindictam
tarnen transgressionis in aliud tempus visus est differre. Waren-
dorpenses vero benignitatem principis tempore inaugurationis
experti ipsum vel omnium iniuriarum oblitum vel nihil contra
se et evangelium andere existimant, maxime cum suam metro^
polim sibi evangelii nomine faventem habeant. Hac itaque im-
1. Juni, pimitate sibi proposita prima lunii in templa irmunt, altaria
demoliuntur, statuas securibus dissectas per mumm in Amisim
praeterlabentem coniiciunt, imagines pictas rasis parietibus aut
calce illitis expungunt, tabulas frangunt, omamenta diripiunt
atque inter se partiuntur^ Huius furiosi spolii praecipuus aactor
') Das Folgende geht wohl wieder auf eine verlorene Warendorfer
Chronik zurück. Vgl. auch ohen S. 397 ff. — *) S. Bd. 1 S. 118.
') Ueber diese Yorg&nge berichtet Joh. Wale, genannt Schiltmecker^
Richter zu Warendorf, am 27. Juni an Dietrich v. Menreldt, Drosten zu
Wolbeck (Orig. im St-A. M.): „So hebn i. e. 1. weU gehört den velle-
foldigen handel to Warendorpe myt kercken to schynden, beiden to howen,
dat sacrament der dope und misse ganfs verworpen und noch myt eren
lantlopigen predicanten in aller handelinge verhorden tegen dat geboth
myns g. f. u. h. by uns gedaen, erer bogen ede und verplychtinge nycht
gedencken, der meynunge, ok nu der orgelen aftobrecken, und in rade
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Anno 1533 acta. 411
erat Bernardns Weppelmannns aeditnns, qni etiam pastori rem
divlnam ipso die Penthecostes * peractnro, nt seditiosis applau-
deret, pallia sacra snbtraxerat et amaris saepe convitiis per la-
sciviam catholicos proscindere andebat.
Alenses et Becchemenses Warendorpensium fdrorem imi-
tantnr atqne e suis templis calices anfemnt, sacramenti reposi-
torinm et lampades frangimt, aeneis candelabris raptis snos pe-
nates omant, vexilla dissecant et abiicinnt.
Princeps vero hanc vim et templormn depraedationes aeger-
rime ferens 6. lunii per literas haec tria oppida admonet *, nt e. Jnni.
se ab omni novatione religionis et ceremoniamm abstineant om-
niaqne e templis rapta reddant et restitnant, fracta reparent et
concnssa restanrent; se sno tempore *in concitatae rapinae ca-*p. 372^
pita animadyersnmm. Post aliqnot antem hebdomadas hnins
motns capita extra mnros hamm nrbinm praeter spem snam a
satrapa Sassenbnrgico inssn principis capta temeritatis snae da-
tnra poenas Yechtam abdncnntnr'.
dencken tegen de, de myt eren handel nycht wyllen hebn to doende, wu
se de uth der st&dt wyllen brengen. So is am na erstkomende sondage
den Tormyddach to 9 uren dat gansse gemeyn, burger und inwonner up
dat hues gedaget, nnd is ein bursprake, als dan wyllen se yellichte erer ge-
weltlicher verhandelynge bovesten, bekrefftigen, to hope loven nnd sweren."
') 1. Juni. — *) Das Schreiben des Bischofs an Warendorf, datiert
ans Horstmar vom 6. Jnni, ist im Konzept im St.-A. M., das Konzept eines
zweiten vom 28. Juni ebenda. Warendorfs Antwort vom 7. Juli (Orig. im
St.-A. M.) igt abgedruckt bei J. Nies er t: Ü.-B. l\ S. 211 f. Vgl. weiter
den Brief des Richters Joh. Wale an den Bischof vom 8. Juli (abgedr. bei
L. Keller: 6. d. W. S. 300), in welchem dieser berichtet, der bischöfliche
Befehl sei der ganzen Gemeinheit vorgelesen, aber der gröfscre Teil der
Einwohner verharre im Ungehorsam. „Dan se nycht anders dan in erer
nnwerer anrichtinge vullenherden und genslichen vorharren je lenck, je mer;
dar ick myner personen nycht tegen doen kan edder ock tegen doen doer.**
— Ueber Ahlen s. gleich weiter unten. Akten über Beckum sind nicht
mehr nachweisbar; vgl. dazu aber D. Lilie S. 219.
') Ueber diese Gefangennahme von Bürgern beklagt sich Warendorf
auf dem Landtage zu Rheine am 6. October. Der Bischof rechtfertigt sein
Vorgehen damit, dafs die Stadt einen Predikanten bei sich behalte, der
ihn auf der Kanzel an seiner Ehre angetastet und geschmäht habe. „Item
de predicanten lereden weder dat sacrament des altars und doepe." Doch
wolle er auf Bitten des Kapitels und der Ititterschaft „de gefangen borger
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412 Anno 1533 acta.
Ubi vero ecclesiastae Monasterienses intelligerent suomm
numernm captivitatibus atqne suppliciis minni, serio qnidem in
initio lagent, non tarnen ideo segnios mnnitione ürbis et tatela
senatns confiri schismaticam snam doctrinam propagare pergnnt,
sed mntno alacrins certatim eidem insistnnt, quasi afflictione et
persecntione more apostolomm ardentiores in evangelii negotio
promovendo effecti esse videantor. ünde tantam sibi pietatis et
emditionis opinionem non solnm in nrbe inter factiosos, venun
etiam inter aliarnm nationnm popnlos fama angente omnia com-
paraverunt, ut* mnlti isfeins evangelii amore illecti aliunde hnc
confluerent eosdemque concionantes audirent Inter qnos non
postremom locnm Joannes Bokelson, Leydanns ac sarcinator^,
tennit, qni anno seqnenti mira qnadam sorte ad regiam digni-
tatem in eadem nrbe evectns est. Hie cnm eximios conciona-
tores Monasterii esse intelleidsset *, evangelico spiritn dnctns
patriam ozoremque snam clancnlum deserens circa haec tempora
Monasterinm venit ac Hermanni Bamers primum hospitio ad
-26. Jou. 25. Inlii usos ' doctrinam non solnm pnblicam, sed et privatam
concionatomm snggestione traditam didicit. Inde Osnabnrgam
profectns, qnae didicerat, evomit; verum cum anabaptismum
clam inter cires serere inciperet, nrbe profligatus est^ Berersus
•) Ms,: et
Tan Warendorp bes to uthdracht der togelachten gebrecken bedagen und sich
mit ennen wyder holden ala billick und recht^ (St.-A. M., Landtags-Akten).
*) Zu Gninde liegen hier and bei den folgenden Nachrichten über
Johann ▼. Leiden die Antworten, die dieser selbst anf »etliche Intenroga-
toria und Fragstucken** giebt, die ihm auf Veranlassung des Eurforsten
Ton Köln vorgelegt worden sind. Die Aussagen finden sich abgedruckt,
aber incorrect und mit manchen Auslassungen und Lesefehlem, bei J. Nie-
se rt: Ü.-S. L 8. 174 ff., die Yerbesserungen dasu bei C. A. Cornelius:
M. A. IL 8. 417 f. Die Aussagoi sind hier lum Teil ausffihrlicher ala
diejenigen, die Johann in seinem Verhöre am 25. JuU 1585 lu Dülmen
gab (bei C. A. Cornelius a. a. 0. S. 369 ff.). Ueber Eers8.'B Benutiung
der Wiedert&ufer-Gestftndnisse vgl. die Einleitung.
*) »He hefit gehört, dat dappere predicanten bynnen Munster seyn
gewesen und dat erangelium am pesten gepredigt" (J. Niesert a. a. O.
8. 175). — ') Diese Angaben sind beiden GestindniBsen gemeinsam.
*) Diesen Aufenthalt in Osnabrück und sein Entweichen Ton da er-
wähnt Johann nur in seinen Antworten bei J. Niesert a. a. 0. Im Yer-
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Anno 1533 acta. 413
itaqne in patriam cnm Joanne Matthissone, Gerardo tznm Eloister
aliisqne qnibnsdam spiritnm anabaptisticnm crepantibus de pae-
dobaptismo clancnlnm agit et argumenta^ qnibus ille expngnari
qneat^ inqmixintar et conscribnntar. Qaae meditatio adeo Ley-
dani ingeninm exacnit adeoqne obsedit, nt rel ex tempore snam
doctrinam defensare änderet et nihil iam praeter anabaptismnm
somniaret^. Qnomodo antem et qnando Monasterinm redierit,
sno loco dicetnr*.
Alenses *etiam circa haec tempora lascivire et insanire in* *p. 878^
cipinnt. Nam 2. Innii principi snpplicant^ nti et sibi exemplo a. Joni.
snae metropolis concionatorem habere liceat, qni evangelinm ad
gloriam Dei et animamm snanun salntem pure doceat. Bb-
spondet princeps, nt se a religionis et ceremoniamm novatione
contineanty ne in calamitatem inelnctabilem se praeeipitent*.
hdre in Dolmen heiÜBt es nur: „Und also in Hennan Rammen hniss bis
Jacobi a. 33 ther herberge gebleven, und doe weder heim getaegen/
') Nach seinen Bekenntnissen ist Johann nach Aller Heiligen (1. Nov.)
1533 von Jan liatthjs gewonnen und getauft, darauf mit Gert thom Cloister
znn&chst in Holland als Apostel ausgesendet worden. In seinem letzten
Yerhfire Tom 20. Janl 1536 bekennt Johann (s. M. G.-Q. U. S. 399), dafs
er Ton der MeinungsTerscbiedenheit zwischen Melchior Hofmann und Jan
Matthjs in Betreff der Zeit der Einführung der Wiedertaufe nur von Hören-
sagen gewnlst habe.
*) Doch erwfthnt Eerss. Johann's definitive Bückkehr nach Kfinster
am 13. Jan. 1534 weiterhin nicht an der richtigen Stelle, sondern zweimal
nur ganz beiläufig, ein Yerfahren, das schon G. A. Cornelius (s. M. G.-Q.
II. EinL S. 54 Anm. 61) rügte. — Auf die Herkunft und Jugend Johann's
kommt Kerss. spftter ausführlicher zurück, und zwar bei dessen Erhebung zum
König. Hier sei vorerst &uf die dort beigegebenen Anmerkungen verwiesen.
') Der Brief des Magistrats an den Bischof mit der Einlage eines
Schreibenfl der Bürgerschaft Ahlens an den Magistrat^ beide vom 2. Juni
(Orig., resp. Kopie im St-A. M.), ist abgedruckt bei J. Niesert: Ü.-B. I*.
8. 213 ff. Das Schreiben der Bürgerschaft Ahlens wünscht, der Bischof möge
gestatten, dals in Ahlen „dat wort Godes recht und reyne durch gude, truwe
und vernünftige predicanten geprediget, und wat ungotlich is afgedaen,
und dat gotlich und recht is wederum verordent möge werden.^ Es ver-
weist auch auf die Yorgftnge in Warendorf. Die Antwort des Bischofs ist
nicht mehr nachweisbar. Doch kommt der Bischof auf dem Landtage zu
Rheine am 6. October auch auf diesen Wunsch Ahlens zurück und Iftfst
die Antwort erteilen (St-A. M., Landtags- Akten): „Als ze begert einen
guden predicanten fhebben. will unse g. h. datsulve in bedenck nemen
und sich dar up mith antwort lathen vememen."
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414 Anno 1533 acta.
Cnm princeps inaagoratione facta omnia sibi dioecesis op-
pida iareinrando astrinxisset plennmque iam dominiam assecutus
faisset, necessitate ita postulante dioecesana comitia in loco an-
4. Juni, tiquitas ad publicam consnltatioiiem recepto 4. die lunii per-
agenda indixit. Nomen antem loci est Laerbrock a Laercampio
qnodam villico ibi vicino^. Hnc princeps reliqniqne dioecesis
ordines conflnnnt. Monasterienses vero omninm sagittanorum
praesidio mnniti adsnnt, quibns ad snbitam eruptionem re ita
exigente uti consneveront. Hnc etiam cibos, vinnm et aliquot
cerevisiae vasa convecta sunt. Ibi tum princeps ea, qnae ad
conunnnem dioecesis utiütatem visa snnt pertinere, per oratorem
snmn ordinibns in consnltationem proponit ^ qni, nt mnltitndi-
nem consnltantinm in compendinm mittant, paucos vires eos-
demqne graves, pmdentes et apprime nobiles delignnt, in quos
omnem decidendi stataendiqne auctoritatem, quod pnblice utile
sit, transfundunt^ qui de more cum principe, Monasteriensibus
ac oppidorum legatis in urbem altius de re in comiüis propo-
sita consulturi sese reciperent^. Verum nemo eorum praeter
*) Vgl. dazu Longinus (Fr. Westhoff): Führer durch das Münster-
land, herausgeg. von der „Geographischen Gesellschaft zur Erforschung des
Münsterschen Tieflandbusens,'' Teil 1 (Münster 1893) S. 134.
^) Nach den Landtags-Akten im St-A. M. handelte es sich hei dieser
Tagung vornehmlich um die Gewährung der Willkonmienstetter für den
Bischof, um Verhesserung der Münzordnung, um Festsetzung von Mafs-
regeln gegen die üehergriffe dienstloser Landsknechte, um die definitive
Regelung und Verteilung der Landessteuer zur Beihülfe für den Reichs-
krieg gegen die Türken und endlich um Bestätigung des Friedensvertrages
vom 14. Februar.
') Auf diesem Landtage ist keiner der zur Verhandlung stehenden
Gegenstände zum Abschlufs gebracht worden, denn unter der Führung
Münsters bestanden die städtischen Verordneten darauf, vor einer binden-
den BeschluTsfassung erst an die Ihrigen zurückberichten zu woUen. Als
sie dann weiter forderten, dafs die Stände nach altem Brauch sich in die
Stadt Münster begeben sollten, erhielten sie vom Bischof die Antwort:
„S. f. g. were ock bericht, dath van oldes nicht aUwege gebrucklich ge-
west, to Munster yn to ryden, sunder et weren to mermalen und tyden
dar voirhen des lands zaken up den Laerbroick entlich beslotten . . .,'' und
als die Städte dennoch bei ihrer Forderung behairten, liefs er erklären:
„S. f. g. zy ock anderer merckliger vorgefallener unledde halven itzt nicht
D, to Munster in to tehen eder s. f. g. rede to schicken.*' — Für
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Anno 1533 acta. 415
oppidonim legatos mnris se credere audet; terrent enim ipsos
snperiora captivitatis Telgeticae exempla, si forte Monasteriensi-
bns pro arbitrio sno omnia non snccederent. Post longam nitro
citroqne consnltationem comessatnm snb dio considnnt, et cnm
liquoris advecti vis ingenia qnomndam civinm excitasset atqne
acnisset, tarn acnte coeptnm est de fide dispntari, nt lanionis
eniasdam minister acrioribns argnmentis transfossns in coetu
omninm expiraverit, et pluros alii graviter sanciati in nrbem re-
vecti sunt. Singnlae qnoqne urbanae tribns eodem die convi-
*Yantnr, ac Lndolphns Poeck, alntariomm tribnlis, Stoeldreiero, *p. 374.
finae tribns praefecto, pollicem dexterae manns ferro praecidit
«t cniusdam helciopaei in platea salaria commorantis pahnam
transfixit. Hoc vero crimen pecnnia et aliqnot cerevisiae vasis
expiatnm est.
Inde cnm principi mnltiplicibns cnris et soUicitudinibns
pro snbditis snis immerso referretnr Coesfeldienses qnoqne nova
moliri, 8. Iimii ipsis in haec verba scribit^: Se pnblica fama8.(JaU).
«ognovisse ipsos explosis nsitatis innsitatas ceremonias snscepisse
et concionatores qnosdam sine legitimi magistratns anctoritate
ad se vocasse, nnde nihil aUnd, qnam seditiosnm schisma, in-
obedientia, dissidinm et cbristianae concordiae tnrbatio expec-
tanda sit non solum adversns caesareae maiestatis edictnm et
imperii placitnm, vemm etiam contra propriam suam fidem et
insinrandnm. Concionatoribns igitur istis abactis antiqnas cere-
monias et catholicos templornm ritns in nsn reservent. Si vero
abnsns irrepserint, se eos ita commntatnmm, ne catholicae ec-
clesiae nitori et dignitati qnicqnam decedat.
Münster war es die Hauptsache, jede Geldbewilligung an den Bischof ab-
h&ngig zu machen von dessen Nachgiebigkeit bei den Irrungen mit der
Stadt — Die Akten über diesen Landtag werden ergänzt durch diejenigen
der Yerhandlungen zwischen bischöflichen Bäten und Münsterschen Abge-
sandten am 1. August zu Altenberge (abgedruckt bei G. A. Cornelius:
M. A. II. S. 851 ff.), die teilweise die Vorgänge auf dem Laerbrok recapi-
tuliren. Aber auch zu Altenberge kam es zu keinem AbschluTs. Zur Sache
TgL C. A. Cornelius a. a. 0. S. 187 ff.
^) Vielmehr am 8. Juli aus Horstmar. Konzept im St-A. M. Ueber
Coesfelds bisherige Haltung s. Bd. 1 S. 292 ff. Vgl. auch B. Sökeland:
Oesch. der SUdt Coesfeld (Coesfeld 1839) S. 90 ff.
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416 Anno 1533 acta.
9. Juli. Ad haec Coesfeldienses 9. Inlii respondent^: Se non spe-
rare facta sna famae de se foris sparsae consentanea^ sed famam
longe maiorem factis esse; etsi aliqnid a qnibnsdam schisma-
tids clanculnm intra moenia sna coeptam fnerit, magistratom
tarnen anctorem eins non esse. Neqne se aliennm concionatorem
accivisse, quam qni iam tribns fere Instris concionandi apnd se
munere sit fdnctns \ cni etiam serio praeceperint, ne qnam doc-
trinam, nnde schisnia et dissidinm nascatnr, serat. Se qnoqne
snos cires coercitnros, ne qnid, qnod christianae religioni, civili
concordiae et receptis templomm eeremoniis ac ritibns adrer-
setnr, amplectantnr. Si rero nlla novatio irrepserit, se eam pro-
tinns repressnros neqne se datae fidei neqne praestiti inrisin-
randi religionem nnqnam neglectnros ant violatnros.
*p. 875. *Cnm antem fama de Goesfeldiensinm novatione iamdndnm
sparsa non extennaretnr neqne sfleret, princeps ad eosdem 14.
u. Juli. Inlii sie scribit^: Se sperasse Coesfeldienses snperioribns snis
scriptis et pollicitis satisfactnros fnisse ac petitionem snam apnd
ipsos pondns aUqnod habnisse. Yemm se nnnc manifeste com-
periri poUicitam fidem ab ipsis violatam esse, cnm insnetas can-
tiones vemacnlas in templo cantillent aliasqne novationes cere-
moniamm introdncant. Se proinde ipsos itemm admonere, nt
obedientiae memores concionatorem repndient. Si rero illnd cnm
bona pace impetrari non possit, se in imperialis edicti ac pu-
blicae pacis tntelam et patrocininm ad alia remedia necessario
confngitnmm.
Scribit etiam eodem tempore ad monachnm qnendam ter-
minarinm ibidem^, qni in snspicionem novationis apnd prin-
cipem addnctns faerat, nt se concionibns ad tempns abstineat^
15. Jnii. Monachns iUe per literas 15. Inlii emissas principi agit gratias
qnam mazunas, qnod se molestissimo concionandi onere, qnod
senatns sibi imposnerit, liberet^
') Orig. im St-A. M. — *) Es war der Tenninarins Johann t. Hanse.
— ■) Aus Dftlmen. Konzept im St-A. M. — *) Konzept des Briefes vom
14. Jnli ans Dülmen an Johann y. Hnnse im Si-A. M. — ^) Der Bischof
fügt hinzn: „dar mede wyderonge nnd twispaldige meynnnge bj den nnsen
van Goisfelt yerhoet und gade, christliche ejnicheit und fredde underholden
blyve.« — •) Orig. im St-A. M. Abgedruckt bei J. Niesert: Ü.-B. I".
S. 202.
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Anno 1533 acta. 417
Coesfeldienses ad superiores principis literas 1 7. Inlii re- i7. Jnu.
spondent^: Sibi non constare alinm quam terminarinm tribus
iam fere Instris concionandi officio fonctnm faisse. Paroühos
antem snos anünarnm curam habentes avaritiae^ nomine apud
plerosqne cives male audire, et singulis exploratissimum esse,
qnibns artibns in conqnirendis pecnniis calüde ntantur. Et cum
abande satis a maioribus snis decinds, redditibns, praediis, agris
aliisqne bonis quam plnrimis, nnde conoimode yivant, sit pro-
spectmn, ipsos tamen sacramenta yendere, infantes sine praesenti
pecunia a sacro fönte arcere, tenoiores pecnniis destifcntos a ma-
trimonio repellere et similem mercatoram circa sacramentmn
corporis et sanguinis Christi exercere, anargjros extortis pigno-
ribus coercere, iusta exeqniis impensa *non satis pinguia con-*p. 376»
temptim remittere, pauperes ad exequias mortuis reddendas co-
gere multosque alios abusus loculis servientes introducere; vir-
gines Deo dicatas propolas esse et civiles negociationes in civium
graye dispendium facere; cum ciyium munitionibus et yigiliis
sine ullo suo incommodo defendantur, ipsas tributum tolerabüe
ad instaurationem portarum et murorum negare^. Se proinde'
principem rogare, ut hos cleri abusus reprimat*; se ciyili suo
officio non defore.
Princeps haec scripta clero Coesfeldiensi 18. lulii trans- is. Juu.
mittit ipsumque admonet^, ut in sacramentis administrandis, uti
christianos parochos decet, sese gerat, ne senatui et ciyibus Coes-
feldianis iustam querendi occasionem «periat seque pluribus mo-
lestils inyolyat. Quod si factum fuerit, se illud, quod ad mu-
tuam cleri et ciyium concordiam faciat, breyi effecturum.
0 Orig. im St-A. M. Abgedr. bei J. Niesert: Ü.-B. I\ S. 198fif.
Kerss. giebt das Schreiben nur in kurzem Auszuge wieder.
*) „durch ere giricheid, overfloit und anders.^
') Die im Briefe nun folgende Klage über die Nachlässigkeit und
Unfähigkeit der Pastoren in der Amtsführung läfst Kerss. ganz fort.
*) Auch bittet Coesfeld wiederholt, den Predikanten Job. y. Hunse
beibehalten zu dürfen.
^) Aus Dülmen. Konzept im St-A. M. Abgedr. bei J. Niesert:
U.-B. I^ S. 204 f. Gleichzeitig schreibt der Bischof noch einmal an die
Stadt (Konzept im St.-A. M., abgedr. bei J. Niesert a. a. 0. S. 203 f.),
sie solle sich bis zu weiterem Bescheide aller Neuerungen enthalten; er
wolle in Sachen der Religion Ordnung schaffen.
3
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418 Anno 1533 acta.
Circa idem tempns quataor cives Dalmanienses Bothmanni
doctrina inflammati, qnem aliqnoties concionantem andiverant,
dnos concionatores connivente magistratu sno Monasterio secum
abdncont, qni eandem doctrinam, quam a Bothmanno, praecep-
tore suo, didicerant, publice profiterentur et plurimos cives Dul-
manicos suo evangelio lucrifacerent. Yernm vigilantissirnns prin-
ceps ac subditomm saornm vems inspector in nocte Nativitatis
8. Sept. Mariae, qnae foit 8. Septembris \ mediocri eqnitata stipatos
Dolmaniam ingressns est ac inventos doctores seditiosos Bever-
gemam abdnci iubet, nt motae seditiouis poenas bene comme-
ritas Inant reliquosqne a simili facinore sno exemplo deterreant.
Post haec Bothmannus, cum anabaptismum propagare cogi-
taret, alios sibi mores a prioribus dissimiles induit, maiorem
solito sanctimoniam et vitae innocentiam in publicum proditurus
prae se fert, convivia, comessationes, puellarum basia aliaque
omnia, quae levitatis suspicionem augere queant, respuit adeoque
*p. 877. ""commutatus est, ut eundem esse non credas. lam in angelum
lucis transformatus ^ non se hominem, sed numen aliquod sub
humana forma circumferre fingit, incessu gravis et meditabun-
dus, Yultu severus, stoicus, agelastus, sobrius et praeter morem
temperans insignique pallore tinctus. üt autem bis moribus
doctrina respondeat, ad misericordiae opera exercenda populum
hortatur, temperanter vivendum esse in omnibus concionibus
clamitat^; bonis quaesitis communiter utantur, mutuis sese offi-
^) Das bestätigt die Urkunde des Bischofs vom 8. Sept. aus Dülmen
(Kopie im St.-A. M. Mscr. I, 25 fol. 21), in der es heilst: „So wy gestern,
Bundag, bjnnen unser stadt Dülmen dorch unse uthgezante dener einen
anfanck gedaen unde deselven gefangen bess an uns hebn foeren laten,
bekennen wj, . . . dat wy gemelter unser stadt Dülmen olde hergebrachte
gerechticheit unde privilegia . . . bestediget unde nochmails hjrmedde be-
crefftiget willen hebn.**
*) Nach A. Corvinus: Acta etc. Bl. A4^ Vergl. oben S. 389,
wo Eerss. schon ganz ähnlich berichtet hat.
') Predigten Rothmann's sind uns leider nicht erhalten. Wir kennen
nur wenige Auszüge aus einzelnen seiner Kanzelreden vom Jahre 1531
(abgedr. bei J. Niesert: U.-B. I^ S. 165 ff.), auf die schon Bd. 1 S. 165
hingewiesen wurde. Wohl sicher aber hat Rothmann in der ersten Hälfte
des Jahres 1533 noch nicht in der Art gepredigt, wie Eerss. hier berichtet.
Das hätten die gleichzeitigen Quellen gewifs nicht Terschwiegen. Die For-
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Anno 1533 acta. 419
ciis iuvent, familiariter inter se vivant, mntno amore se com-
plectantnr, nemo se sapra alinm efferat, neminem enim alio esse
snperiorem, cmn omnes sint fratres et sorores omnesqne ex aequo
ad beatitadinem aeternam invitentur. Aliomm concionatorom
doctrinam, etsi evangelium assidne crepant, evangellcam tarnen
non esse, sed stnltam qnandam persuasionem, cum fructus bonos
non operetur^ Papisticam quoque colluviem bonorum operum
doctrinam humanamm constitutionum et ceremoniarum fece con-
taminasse. Nullam igitur propemodum sanam doctrinam esse,
totum mundum corruptum et in maligne positum, quare brevi
futurum esse, ut horrenda et inevitabilis calamitas mundum in-
vadat, quam nemo, nisi electi Dei et charactere foederis insi-
gniti, evasuri sint; reliquos vero ad unum omnes funestis sup-
pliciis interituros et crudeli intemecione a facie terrae stirpitus
evellendos eumque finem mundi fore; sed iudicium postremum
post annos mille subsecuturum. Oppressis itaque impiis in fine
mundi electos Dei et charactere foederis insignitos sub Christo
duce suo novam et felicem vitam annos mille in terra victuros
(ApocaL 20) sine lege, sine magistratu, sine matrimoniis; liberos
tamen sanctos sine ulla camis concupiscentia et foeda titillatione
procreaturos ; omnia intra ipsos fore communia, nihil ipsis de-
futurum, omnia piis sine labore et molestia affluenter nascitura;
scripturas sacras tam novi quam yeteris testamenti ob singu-
larem vitae piorum et foederis charactere signatorum sancti-
moniam, qui sponte sua bene *victuri sunt, in usu non fore. •p. 378*
Hoc autem impiorum excidium brevi futurum esse dictitat.
Patrem enim coelestem etiam nunc angelos et ministros suos,
quos coram videant, emisisse, qui totum mundum peragrantes
demng der Gütergemeinschaft, die starke Yertretung der chüiastischen Idee
mit ihren Ueberschwftnglichkeiten, die sich hier finden, treten bei Roth-
mann erst in seinen späteren Schriften in den Yordergrund, nachdem die
Anhänger des Jan Matthys in Münster die Herrschaft gewonnen hatten.
YgL auch die Einleitung.
') In den gleich weiter zu besprechenden Akten der Disputation
vom 7. und 8. August findet sich folgender Ausspruch Bothmann's: „Eth
were dat evangelion wall by voelen angefangen . . . Dat dat evangelion
noch nicht recht wer, merkt men by den fruchten woll** (s. Zeitschr. 20
[1859] S. 158; Tgl. auch Herm. Hamelmann: De paedobapt. Bl. C8v).
3*
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420 Anno 1533 acta.
electos Dei passim dispersos foederis charactere signatnri sint,
nt ab imminente afflictione eripiantur. Signatos vero ex qnatnor
terrae angnlis in nnum aliqnem locam convocandos ibiqne Chri-
stum, ipsomm ducem, gladium ultionis ad eradicandmn impios
ipsis in manns snas traditnrum, qnem in charactere foederis
non signatos stringant, nt eornm memoria a facie terrae dispe-
reat et pii tranquille vivant. Huc scriptnras detorqnet cap. 7
Apoc. et 9 Ezech. Inde, nt propins ad signum illnd foederis
accedat: ,,Quicnnque," inqnit, „foederis nota consignari volunt,
peccatis, diabolo, propriae carni ac toti mundo renunciabunt,
semetipsos abnegabunt, mundana hominum commercia, cibi
potusque immoderatum usum, scortationes, lusus, t^meraria iura-
menta, blasphemias et maxime publicorum templorum ingressum
vitabunt, ne vana doctrina et falso illo sacramentorum usu con-
taminentur Deique iram post veram agnitionem in se provocent.
Hinc digni sunt, qui charactere foederis notentur, hoc est, ut
iam credentes et adulti spirituque sancto repleti aqua ab integro
tingantur;** adultos igitur et soIos credentes esse baptizandos.
His quoque admiscet: panem et yinum in coena dominica non
fieri verum corpus et sanguinem lesu Christi; aliaque paulatim
cum suis collegis docet, quae et ecclesiae et scripturae sacrae
adversantur.
Hac vitae sanctimonia, hac nova atque inusitata doctrina
populum fraudis nescium in nae/seam* quasi ineitricabilem et
labyrinthum allicit. Multi enim ßothmanni exemplum doctri-
namque secuti, cum iam spiritu Dei satis se afQatos et com-
munitos esse existimarent neque sibi quicquam ad beatam illam
piorum vitam deesse putarent, signo foederis, hoc est baptismo,
*p. 379. consignantur *et retinguntur certo sibi persuadentes paedobap-
tismum nihil prodesse, neque se ab instanti calamitate tutos
fore, nisi rebaptizentur et charactere foederis in frontibus suis
ab integro signentur^
*) Ms,: nascam.
*) Zunächst enthielten sich die Predikanten, wenn sie sich auch
offen für Gegner der Kindertaufe erklärten, dennoch der Wiedertaufe. Wanu
Buthinann unter dem Einflüsse besonders RolPs für die Lehre der Wassen-
berger Predikanten gewonnen wurde, läfst sich aus den Quellen genauer
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Anno 1533 acta. 421
Henricns Bollius * vero, qni monasticam vitam, quam Har-
lemiae in Hollandia professns fuerat^ abiecto habita aversatus
et apostata factns Wassenburgae apnd Enram in terra Inliaca
ooncionatorem egit, hinc Monasterii cnm Bothmanno anabaptis-
nicht feststellen. Aus seinem von Kerss. früher (s. Bd. 1 S. 1^)0) ange-
führten Briefe vom 6. Sept. 1532 an Herrn. Buschius geht hervor, dafs er
damals noch aus voller Ueberzeugung Gegner der Anabaptisten gewesen ist.
Aber schon als v. d. Wieck dauernd nach Münster übersiedelte (im März
1533; s. oben S. 394), war Rothmann zu radikaleren Anschauungen über-
gegangen. Vergl. das Schreiben v. d. Wieck's an den hessischen Kanzler
Job. Feigk vom 15. Nov. 1533 (CA. Cornelius: M. A. II. S. 3()3), in
dem es heifst: „Dan so froe als ich mit meinen bucheren gen Munster an-
körnen, haben Bernhart Rothman und sein mitgesellcn die
1er der widdertauffer angefangen und sich geschickt, als
8olt Munster arx sein anabaptistarum.^ Ueber das Schwankende,
Zaudernde und Unsichere bei Rothmann's Auftreten, dem v. d. Wiock in
seinem Briefe vom 18. Nov. an den Landgrafen von Hessen den schärfsten
Ausdruck giebt, vgl. CA. Cornelius a. a. 0. S. 143 ff., 171 ff., 207 ff. u.
370. Ganz unglaubwürdig ist die Erzählung H. Dorp's (Bl. C 1^), nach der
Johann von Leiden während seines ersten Aufenthalts in Münster im Som-
mer 1533 gegen den Einspruch der Münsterschen Predikanten die Kinder-
taufe verworfen haben soll, und nach der Rothmann daraufhin das Volk
von der Kanzel aus Öffentlich ermahnte, ernstlich zu beten, „das sie unser
Herr Gott bey seinem reinen und lautem wort erhalten wol und weren
allen schwormereien und Rotten, sonderlich der Widerteuffer, die itzunder
auch bey jnen heimlich einzuschlichen beginnen; den wo die Widerteuffer
überbaut nemen, das kost nur laut und leut, beide geistlich und leiblich."
— Die erste Weigerung eines Münsterschen Predikanten, nämlich Stap-
rade's, an Kindern die Taufe zu vollziehen, berichtet Kerss., und zwar nur
er allein, zum 7. September 1533. Die eigentliche Wiedertaufe begann in
Münster erst im Januar des folgenden Jahres nach Ankunft der Anhänger
des Jan Matthys.
*) Die folgenden Angaben über Roll entnahm Kerss. aus H. Dorp
Bl. C2. RoU tritt in Münster zuerst bei der Verteilung der Pfarren am
10. Aug. 1532 auf (vgl. Bd. 1 S. 231 Anm. 2, wo schon erwähnt wurde, dafs
Kerss. dieses wichtige Ereignis völlig überging). Ueber Roll, der damals
mit Glandorp zusammen die Aegidiikirche erhielt, vgl. aufser C A. Cor-
nelius: M. A. IL S. 163 f. u. 337 ff. besonders Ch. Sepp; Geschiedkun-
dige nasporingen Bd. 1 (Leiden 1872) S. 71 f. u. Bd. 2 (1873) S. 1 ff.,
J. Habet s: De wederdoopers te Maastricht (Roermond 1877) bes. S. 101 ff.
u. 227 und L. Keller in der „Allgemeinen deutschen Biographie" Bd. 29
(Leipzig 1889) S. 75 f.
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422 Anno 1533 acta.
mnm docnit, nnde digressns apnd Traiectmn inferins^ propter
anabaptismnm igni adiudicatns transgressionis snae poenas dedit,
hie ea, qnae Bothmannns tectis atque obscnris verbis visns est
dicere, sonantibns exprimit paedobaptismnm inter adiaphora nn-
merans^, qui neqne bonus neque per se malns sit qniqne in-
fantibus ad salntem conseqnendam neqne prosit neqne obsit,
cnm nnsqnam in sacris literis praecipiatur.
Accessit et alins qnidam novns concionator Hermannns
Stopradins» Moersanns, qni Henricnm BoUinm, praeceptorem
snnm, andacia, dicacitate et malitia sna longe superavit Hie in
evangelicos et papistas pariter ita e snggesto detonnit, nt onmes
nrbani propemodnm mures contremiscerent. Hie Bothmanno
andacior et eonfidentior paedobaptismnm non solnm inter adia-
phora nnmerat, sed ipsnm abominationem eoram Deo esse im-
pndenter satis proclamat. Ideo dignns habitns est, eui cnm
Bothmanno praecipnnm parochiale templnm D. Lamberto con-
secratnm a factiosis contra senatos volnntatem committatnr \
*) Ms.: Strapadlus.
*) Kerss. verwechselt hier, wie auch weiter unten, wo er den Tod
des BoU noch einmal erwähnt, Traiectum inferius = Utrecht mit Traiectum
superius = Mastricht. H. Dorp giebt richtig Mastricht an. Zur Sache
vgl. C. A. Cornelius a. a. 0. S. 841 und J. Habets a. a. 0. 8. 227.
') Die verschiedentlichen Quellen dafür, dafs Roll der eigentliche
Urheber der religiösen Bewegung zu Munster im Jahre 1533 und das Haupt
der Gegner der Kindertaufe gewesen sei, stellt C. A. Cornelius a. a. O.
8. 339 zusammen. Dafs Roll die Kindertaufe zun&chst nur unter die adia-
phora gerechnet habe, berichtet Kerss. allein. In den Akten der Dispu-
tation vom 7. und 8. August 1533 heifst es in der einleitenden Rede des
Syndikus t. d. Wieck (Zcitschr. 20 [1859] S. 156), Roll habe gepredigt»
„dat die kinderdoepe ein gruwell vor Got sy.** Rothmann er-
widert darauf: »Vort dat Henricus heft gesecht, de kinderdoepe sy unrecht
und ein gruweU vor Gott, des sein alle gelyke gestendig ..." Der An-
sicht Rollos und Rolhmann's schliefsen sich dann ausdrücklich an Kloprifs»
Stralen, Staprade und Yinne (vgl. auch Herm. Hamelmann: De paedo-
bapt. Bl. C G^ u. D !▼). Die gleich bei Kerss. folgende irrige Notiz, dafs
Herm. Staprade zuerst in öffentlicher Predigt die Kindertaufe ein Greuel
vor Gott genannt habe, ist wieder wörtlich aus H. Dorp entnommen.
') Aus H. Dorp a. a. 0. entnonmaen. In den Akten der Disputa-
tion finden sich noch folgende auf Staprade bezügliche SteUen: y. d. Wieck
sagt, Staprade hätte gepredigt, „men wolde dalr mit upror maken, dat
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Anno 1533 acta. 423
Hae Bothmannistanun conciones omnes nrbis ordines,
mazime vero senatorium conturbant et exterrent, qni per legatos
primnm Bothmanniun rogat, nt sibi a controversia duornm sa-
cramentomm, baptismi scilicet et coenae dominicae, doctrina
temperet. Inde cnm legatomm precibus non acqniesceret, ipse
cnm aliis qnibnsdam eiusdem farinae concionatoribns ad cariam
graphiariam vocatnr, nbi itemm admonitus, ne factio*sam hanc*p. 380.
doctrinam in ynlgas spargat; sed cnm ab ea se nondnm absti-
neret, a senatn, tribnnis ac mechanicomm praesidibns in pleno
senatas consessn acrioribns verbis obinrgatus est, qnod paedo-
baptismnm rem mediam esse contra ecclesiae institntmn docnerit,
qnae neqne infantibus ad salntem prosit neqne obsit. Bespondet:
non se, sed snomm aliqnem ista docnisse; se antem effectnmm,
ne idem in postemm andiatnr^ Yemm hinc digressns parom
addictae fidei memor paedobaptismmn non solnm inter adiaphora
recenset, sed coram Deo abominationem esse mnlto confidentins
cum sno Stapradio docet. Idem reliqni ecclesiastae facinnt Quae
nbi senatos snmmo cnm dolore animadverteret, ant tristem rui-
nam ant ezimiam calamitatem ant insignem absqne exemplo
reipnblicae mntationem fntnram metnens variis modis de coer-
cenda Bothmanni andacia seditiosae plebis favore mnnita con-
men die kinderdope hir holden wolde.** Rothmann entgegnet: „Wider,
dftt Hennannus solde geprediget hebhen, men wolde dair mit nproir ma-
ken . . ., gestehet he gantz nicht. So averst he mochte vennnert werden,
in wat sermon eder waniier solches gescheidt, wolde he, was de warheit
wer, als dan nicht verswigen . ..' (s. Zeitschr. a. a. 0. S. 156 u. 159 nnd
Herrn. Hamelmann: De paedobaptismo a. a. 0.).
') Die Unterhandlungen des Bats zu dieser Zeit mit Bothmann und
den übrigen Führern der Gegner der Kindertaufe sind im Einzelnen sonst
nicht überliefert. Kerss. berührt sie noch am ausführlichsten. In den
Akten über die Disputation werden sie in der Einleitungsrede v. d. Wieck's
nur kurz gestreift (s. Zeitschr. a. a. 0. S. 1&4 und Herm. Hamelmann:
De paedobapt Bl. C4^ u. Co). Dafs übrigens die Predikanten ihre dem
Rate gethane Zusage, die Predigten gegen die Kindertaufe und das Sakra-
ment des Abendmahles zu unterlassen, nicht gehalten haben, beweist auch
ein Brief des Bats von Münster an den Landgrafen von Hessen Yom 15.
Not. (abgedr. bei C. A. Cornelius: M. A. II. S. 360), in dem es heifst:
0. . . hebbe wir wedder solchs ze upt frnntlichste gebedden, und hebben
nns gedachte predicanten nun nichts van allem des unsz
darup togesacht gehalden.**
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424 Anno 1533 acta.
snltat. Qnam cnm sine horrenda vulgi seditione et sanguinis
effnsione vi retnndere se non posse existimaret, incruentnm ita-
qne bellum adversus illum suscipiendum esse decernit, ut argu-
mentorum vi aut debellatus et pudefactus sileat, aut teils acrio-
ribus e sacrarum literarum pharetra depromptis in senatu coram
tribunis et mechanicorum praesidibus per viros bene exercitatos
confossus seditiosae plebis desinat esse caput; quae ratio vin-
cendi ut sit tutissima, ita quoque maxime reipublicae profutura.
Proinde ab Hermanno Buschio*, militaris ordinis viro
poetaque insigni, ac Joanne Holtmanno Ahusiano, seniore et
scripturario Fontissalientis, et aliis quibusdam facundia, erudi-
tione et pietate praecellentibus viris* adversus Eothmannum,
7.u.8.Aug. quem superintendentem * appellabant, suosque satellites 7. et 8.
Augusti in conclavi senatorio praesente senatu plebeioque magi-
stratu acerrime pugnatum est. Adhibentur huic examini duo
exceptores seu notarii sacramenti religione obstricti, qui utrinque
♦ p 381. *dicta et disputata bona flde conscribant. Huius logomachiae
tela utrinque emissa et contorta, quae apud me conservantur,
*) Vgl. über Buschins H. J. Liessem: Hermann van dem Busche,
sein Leben u. seine Schriften (Programme d. Kaiser- Wilhelm-Gymnasiums
in Köln 1884 ff.). Von einer früheren persönlichen Bekanntschaft zwischen
Bothmann und Buschius berichtet nur Herrn. Hamelmann S. 1188.
Jedenfalls standen sie mit einander im Briefwechsel. S. das Bd. 1 S. 190
von Kerss. angeführte Schreiben Rothmann's. Bei Herm. Hamelmann:
De paedobapt. Bl. C 7 findet sich folgende Stelle aus der ersten Rede des
Buschius: „Superiori quidem anno et similiter antea cum multis piis ga-
visus sum . . ., quod audirem in patrio solo evangelium Christi et dopositis
abusibus legitimam sacramentorum administrationem in ecclesiis rcceptam,
et ministerium Bemhardi Rothmanni, hominis ingcniosi et facundi,
de quo tunc temporis multum spei conceperam, gratulabar
Monastcricnsibus.**
*) Wie Kerss. den Verlauf der Disputation vollständig mit Still-
schweigen übergeht, so hat er es auch nicht einmal für der Mühe wert
gehalten, die Namen sämmtlicher Teilnehmer zu nennen. Aufser Buschius
und Holtmann beteiligten sich an der Disputation noch der Fratcrhcrr
Dieüich Bredevort, weiter der Augustinerpater Johann Brothanzt, Arnold
Belholt, Johann Glandorp, Peter Wirtheim und Brictius tom Norde ; ihnen
gegenüber standen neben Rothmann die Prodikanten Heinrich Roll, Johann
Kloprifs, Gottfiried Stralen, Hermann Staprade und Dionjsius Vinne.
») Vgl. oben S. 389 Anm. 2.
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Anno 1533 acta. 425
cum plurima sint, eorum descriptionem, ne fastidium legenti
ingeram, pnidens omitto^
Senatus finita hac scriptnrarum coUatione Eothmannistas
') Die Akten der Disputation sind im Originale nicht mehr nach-
weisbar, doch ist in der Zcitschr. 20 (1851«) S. \b'6S. eine vom Kaufmann
F. J. Offenberg in Münster aufgefundene alte Abschrift derselben in
niederdeutscher Sprache (jetzt in der Bibliothek des Altertumsvereins zu
Münster) durch B. Hölscher veröffentlicht worden. Weiter liegt eine
lateinische Uebersetzung vor, die Her m. Harne 1 mann im Jahre 1572
unter dem Titel; „De Paedobaptismo" erscheinen liefs (vergl. P. Bahl-
mann: Bibl. J533 Nr. 3), und die wiederabgedruckt wurde von J. Wi-
gand: De anabaptismo (Lipsiae 15ti2) S. 3()l ff. Sie fügt in Uebersetzung
auch die späteren Entgegnungen Glandorp's und Wirtheim's gegen Roth-
mann und aufscrdem einige Erklärungen H. Hamclmann's hinzu. Die ein-
leitenden Verhandlungen bringt sie ausführlicher, als sie sich in der Ab-
schrift in der Zeitschrift finden, aus der auch ein Blatt herausgerissen ist^
das die letzten Sätze der Rede Brcdevort^s, die ganze Rede Belholt's und
die ersten Worte Glandorp's enthielt (Herm. Hamelmann Bl. El^ Zeile
23 bis Bl. E3 Zeile 6). — Ein Mscr. im St.-A. M. (M. L. A. 518/19 n.
fol. 27 flf.) giebt einen in hochdeutscher Sprache gleichzeitig geschriebenen
Auszug aus dem Protokolle, der aber nur die gröfseren Reden des Buschius
und Rothmann vom 7. Aug. und die ausführliche Entgegnung Rothmann's
Tom 8. Aug., so weit sie sich gegen Buschius richtete, bietet. B. Hölscher
hat in seiner Publikation in der Zeitschrift die hauptsächlichsten Varianten,
Auslassungen und Zusätze dieses Manuscripts in den Noten kenntlich ge-
macht — Von den Geschichtsschreibern der damaligen Zeit ist die Dispu-
tation immer nur ganz kurz behandelt worden, am ausführlichsten noch
▼on H. Dorp (Bl. OB), der sich aber ebenfalls auf die Akten beruft, die
„ausweisen, wes ein jeder bey disser sach gethan hab." A. Corvin hat
ICleichfalls die Akten gelosen und stellt (Acta etc. Bl. B i^) den Gegnern
Bothmann's das Zeugnis aus, „das sie sich in diesem fal menlich, christ-
lich und ehrlich Widder die Rottengeistor gesetzt haben, aber doch nichts
mehr bei inen erlangt, denn darnach die unseren bey inen haben erlangen
mögen." In der „Glaublichen Anzeige" des Dietrich von Hamburg
findet sich die sonst nicht zu belegende Notiz (Bl. A !▼), dafs die „bere-
dung öffentlich im druck aussgangen." Herm. Hamelmann ist in seinen
sonstigen Werken noch zweimal auf die Disputation zurückgekommen (Opera
8. 303 in seiner „Narratio de vita Hermanni Buschii" und S. 1200 £f. in
seiner „Historia renati evangelii in urbe Monast."). — In ganz wenigen der
sahlroichen späteren Abschriften des Ker8s.'schen Werkes habe ich die Ver-
handlungen der Disputation in lateinischer Uebersetzung beigefügt gefun-
den, die sich dem Sinne, nicht aber dem Wortlaute nach mit H. Hamel-
mann^s Uebersetzung deckt.
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426 Anno 153:J acta.
firmioribns Buschii argnmentis debellatos et convictos esse sen*
tiens per loannem a Wyck, doctorem et syndicum, dispntationem
his verbis intercipit^: „Senatns hnius urbis ea, qnae ntrinqne
in colloqnio addncta sunt, satis intellexit. Ne antem caesareae
maiestatis constitntioni adversetnr neve qnenqnam intra sua
moenia illi repngnare patiatnr neve foedera pacisqne leges inter
principem et rempablicam Monasteriensem initas violare dicatnr^
edicit ac iubet, nt concionatores ab his et aliis duororn sacra-
mentornm, baptistni scilicet ac coenae dominicae, articulis in.
concionibus snis prorsns sibi temperent, paedobaptismnm ad
institutum ecclesiae inyiolatmn servent neqne qnenqnam ab eo
dehortentnr deterreantqne neqne qnamlibet in religionis negotio
novationem introdncant, nisi prins alios erroris convincant et
snam doctrinam accnratins verbo Dei conflnnent. Si vero ipsoa
propositiones snas doctrinamqne snam sacramm literamm testi-
moniis comprobasse et imperatoriam constitntionem aliaqne magi*
stratnnm decreta pacisqne initae foedera non esse servanda osten-
disse senatns deprehenderit, se ea, qnae christiannm deceant
magistratnm, factnmm. Sed dnm ea nondnm sint discnssa et
declarata, senatum in hac nrbe nnllam novationem admissnmm;
et si hnic decreto vis a qnoqnam fiat ant qnoqno modo iUnd
contemnatnr, ipsi concionatores experientnr senatum aegre la*
tumm, neqne ipsos a poena immunes futuros.**
') Das Folgende ist Ucbersetznng des Beschlusses des Rates, den der-
selbe im Einverständnis mit den Older- und Meist«rleuten den Predikanten
zu erkennen gab (s. Zeitschr. a. a. 0. S. 176 und Herm« Hamelmann
a. a. 0. Bl. E 5^ u. E 6). Derselbe ist auch wiedergegeben in dem Schreiben
des Rates von Münster vom 15. Nov. an den Landgrafen Philipp von Hessen
(s. CA. Cornelius: M. A. II. 8. 360 f.). Doch wurde dieser Beschlufa
nicht am Ende der Disputation verkündigt, sondern bereits am 7. August,
als die weitere Besprechung auf den folgenden Tag verschoben wurde, an
dem Rothmann erst seine Hauptrede zur Widerlegung seiner s&mmtlichen
Gegner hielt Freilich wurde dieser BeschluTs dann am 8. August wieder-
holt, nachdem Buschius sich f&r die Weiterführung des Gesprilches mit
seiner Ermüdung entschuldigt und eine schriftliche Antwort versprochen
hatte, und damit die Disputation, die keineswegs glücklich für die Anhänger
der Kindertaufe auslief, endigte. Kerss. hat dieses aUes unerwähnt ge-
lassen, trotzdem er es aus den Akten, die er besafs, h&tte wissen müssen.
Zur Sache vgl. Herm. Hamelmann a.a.O. Bl. E5f. u. Q2fF.
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Anno 1533 acta. 427
Hoc modo colloqnimn et consessns doctormn dissolntns fiiit.
*Ip8a die Lanrentii Martyris, quae fiiit 10. Augusti, cnin*p. 382^
quidam Hollandns anabaptismo addictns in templo Aegidiano ^^' ^'^'
hora tertia pomeridiana concionaretur, Joannes Windemollerus
Senator^ non tarn Lntheranismo, qnam anabaptismo infensns in
concionatorem irrnit enmque e snggesto detraxit: „Quid tn,"
inquit, „verbero, ad populum hie verba facis, indignns, nt sug-
gestnm conscendas, qni ante annos aliqnot scalas ignominiae
ascendisti, qni ad palnm nnmellarinm ignominiae caasa religatns
canterio candenti in altera mala per camificem signatns es, quasi
yero istam notam, qnam in maxilla circnmfers, non noverimns,
quasi probitas isto signo egeat? Tune honesta et pia doces, qui
inter mastigias et verberones educatus ipse inhoneste et impie
yixeris? Apage te cum ipsa tua doctrina, cum ipsa tua inusta
cicatrice! Maculam istam tuam prius ablue, quam hunc locum
probo viro dignum capias!** Anna vero, Milingii cuiusdam uxor,
aliaeque complures mulierculae spiritu anabaptistico afflatae in-
dignum facinus esse exclamant virum Dei e snggesto deturbare,
concionantem impedire, salutarem doctrinam civibus invidere;
eum sibi a vi non temperare, qui ab aliis illatam merito pro-
pulsaret. Impium illud scelus exemplo carere, impunitum ergo
non relinquendum, conniventem senatum amovendum aliumque
substituendum, qui evangelicam libertatem non opprimat, sed
singulari favore prosequatur, amet, promoveat atque augeat.
Magnus his verbis muliercularum fit concursus, magna vocum
confusio et tempestas adeo, ut tota templi structura tremeret.
Interea ecclesiastes ille insolit^a intemperie conterritus evanuit.
WindemoUems etiam garrulam feminarum turbam effugiens
templo excessit ac sese subduxit. Motus autem ille femineus
deficientibns antagonistis facile quievit.
*Sed seditiosi senatum pecunia a principe corruptum nec»p. 383,
evangelio favere passim per urbem dictitant; alium proinde esse
eligendum. Quid multis? Ita paulatim in urbe anabaptismus
^) Er ist wohl sicher derselbe, der in der Yersammlang der Gilden
am 1. Jnli 1532 die Bürger zu einem Bunde gegen die Unterdrücker des
Eyangelinms aufrief, und der dann in den dafür niedergesetzten Ausschufs
der 36 M&nner gewählt wurde. Vgl. Bd. 1 S. 218 f.
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428 Anno 1533 acta.
invalescebat, ut loannis Langennanni, Petri Frisii aliorumqne
7. Sept. civium infantibus 7. Sept^mbris in templum delatis Hermannus
Stapradius Moersanus baptismum manifeste negaret ^ Quam rem
senatus aegerrime tulit, neque enim illud futurum unquam spe-
rasset, cum ex superiori certamine Bothmannistas infirmioribus
argumentis inniti animadvertisset atque ideo seditiosam hanc et
controversam duorum sacramentorum doctrinam spargi vetuisset.
Quare ubi ecclesiastae superiori disputatione se victos esse non
faterentur neque a sua doctrina in magistratus contemptum et
ludibrium latum culmum discederent, sed haereticorum more
multo praefractiores redderentur suaque pertinacius defenderent
iisdemque multa nova paulatim affiingerent, senatus avitae ec-
clesiae institutioni et doctrinae de paedobaptismo tutius sibi
adhaerendum esse existimans Bothmannistis non solum omnibus
concionibuSy verum etiam urbe plebei magistratus praesidio
fretus * serio interdicit. Quo edicto concionatores praeter opinio-
nem suam promulgato, cum plebeio se favore munitos esse pu-
tarent, vehementer partim exacerbati, partim constemati^ sena-
tum bis scriptis adoriuntur*:
„Seditiosorum concionatorum scriptum senatui Monas teriensi
17. sept 1 7. Septembris traditum.
Gratia a Deo Patre, vera agnitio lesu Christi et illumi-
natio Spiritus Sancti in omnem veritatem sit vobiscum. Amen!
Quod superioribus hisce diebus interdictis vestris nos ab evan-
gelica functione terruistis ac urbe vestra excederemus crudeliter
praecepistis, minime sperassemus. ütut autem sit, rogamus, ut,
') Nur durch Kerss. überliefert.
*) Der Rat konnte das um so mehr, da das Gebot vom 7. und 8.
August an die Predikanten auch im Namen der Oldcr- und Meisterleute
ergangen war (vergl. Zeitschr. 20 [1859] S. 176 u. 194). Herm. Hamel-
mann: De paedobapt Bl. E5^ erwähnt freilich die Mitwirkung der Older-
und Meisterleute nicht.
*) Es scheint, dafs Staprade für kurze Zeit aus Münster hat weichen
müssen, denn die gleich von Kerss. mitgeteilte Eingabe der Predikanten
an den Rat ist von ihm nicht unterzeichnet worden. Doch kann seine
Abwesenheit nicht lange gedauert haben, weil die Vorrede zu der Schrift
„Bekenntnisse von beiden Sacramenten," datiert aus Münster vom 22. Oct.,
auch seine Namensunterschrift trägt. — *) Nur durch Kerss. bekannt.
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Anno 1533 acta. 42 J
quae *tnnc viva voce respondere non licnit, ea nnnc a nobis*p. 384.
descripta christianis pectoribns accipiatis; cnm satis compertum
Sit vobis nostri mnneris esse, ut oviculas Ckristi nobis concre-
ditas pascamns et ea solum proponamns, qnae Christus man-
davit, neqne iis qnicqnam detrahamns neqne addamns, sed qnic-
qnid ad normam Dei non dirigitur neqne illi consentit, repre-
hendamns, reiiciamns et stirpitns eradicemns. Similiter vos non
latet, quanta cnm molestia et labore in conspectn omnis popnli
susceptnm hoc docendi mnnns administraverimns nee a qnoquam
in hnnc usqne diem erroris convicti simus, vel qnod a veritate
aliena docnerimns; quam etiam doctrinam nostram nltimi snp-
plicii periculo, qnanqnam non sit necessarinm, nos defensnros
esse recepimus et adhnc recipimns. Proinde vobis expendendnm
relinqnimus, quid egeritis quibusve christianis legibus confisi
nos ab ofBcio removeritis. Seimus, quid Paulus 1 Corinth. 14
dicat: „Si,** inquit, „alii fuerit revelatum assidenti, prior ta-
ceat^" Neminem vero novimus, nemoque prodit, cui meliora
sint revelata. Nos tamen tacere voluistis. Si autem aliquis me-
liora adferret, aequum esset nos tacere. Praeterea miramur,
quid vos, penes quos profanarum quidem rerum iurisdictio est,
de hac quoque re iudicandi auctoritatem vobis arrogetis. Si
christiani esse vultis, qua fronte civilibus vestris interdictis ver-
bum Dei impedire et remorari audctis? Scriptura ecclesiae iu-
dicium tribuit, et cum ecclesiae christianorum sint et esse velint,
si itaque vos aut alius quispiam adversus nos qnicqnam habu-
isset, illud in ecclesia et congregatione fidelium nobis praesen-
tibus propositum fuisset, et si veritatis clypeo non fuissemus
communiti neque doctrinam nostram manifestis sacrarum Ute-
rarum testimoniis defendissemus, merito iudicio et poenae subii-
ceremur. Quam causam adversus nos habetis, qui doctrinam de
baptizandis infantibus erroneam esse professi sumus? Contra
agnitam veritatem nihil nobis agendum esse decrevimus; ferro
tamen possumus, ut *illi hoc faciant, qui minus agnitionis con-»p 355^
secuti sunt et eam nondum sunt professi, ut imprudentibus ser-
viatur, donec veritas magis patescat. Yosmetipsos iudicate! Cum
paedobaptismum erroneum esse dixerimus neque vos neque alius
') 1 Corinth. 14, 30.
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430 Anno 1533 acta.
qnispiam certis argumentis nos convicerit, qua ratione qnove
christianae professionis officio addncti nos contra agnitam veri-
tatem ea recantare vi cogitis, si vero illnd a nobis non fiat, con-
cionandi officio nobis interdicitis? 0 Dens! Haeccine iura ci-
vilia ac imperatomm constitntiones praecipinnt, qnas syndicus
vester magnifice tonat? Profecto, ins divinnm longo diversam
inbet. Bogamns antem Denm, nt vos in ea agnitione conservet,
ne qnid contra agnitam veritatem committatis, sicnt nos facere
vnltis. Yemm hanc impietatem Dens in aetemum a nobis avertat!
Qui imprndenter qnidem teste Paulo* peccat, delicti gratiam a
Deo impetrare potest; qni vero prndenter (nt Sani 1. Beg. 15
et Pharao Exod. 5*) delinqnnnt ac veritati resistnnt, in dies
magis magisque excaecantnr ac indurantnr adeo, nt nnllins nn-
qnam poenitentiae Ulis sit locns. Proinde itemm ex mntno
christianae caritatis vincnlo vos rogamns et admonemns, nt hanc
evangelü cansam accnratins cordatinsve intneamini et expendatis
neqne adeo hnmanis opinionibns dncamini adeove eos, qni blas-
phema ac impia verba ventosa garmlitate strepnnt, sectemini,
nt lesn Christi veritas obscnretnr. Praeterea cnm in conclavi
senatorio vobis praesentibns antagonistamm nostromm argn-
mentis fnsins qnidem, qnam vobis tnnc temporis placnit, a nobis
responsnm sit illiqne dintnmae sessionis pertaesi per scripta
nobis respondere receperint et nnnc sex propemodnm hebdoma-
das meditando absnmpserint, rogamns, nt, si qnid ab illis ad-
versns nos nostramqne professionem addnctnm sit, confestim eins
nobis copia fiat \ Ista enim respondendi mora et nobis et veri-
tati pnblicaeqne paci plnrimnm obest. Precamnr insnper, nt
hanc fidelem nostram admonitionem boni consnlatis neqne nos
"p. 386. nisi veritate convictos in officio tnrbetis. *Si vero pertinaciter
(qnod Omnipotens avertat) propositnm vestmm nrseritis, nihilo-
minns tamen nostrae a Deo nobis commissae fnnctioni insistentes
») Ms.: 4.
^) Vgl. 1 Tim. 1, 13. — ') Die Entgegnungen, die Glandorp und
Wirthelm am 31. Aug. thatB&chlich dem Bäte eingereicht hatten (s. Herrn.
Hamelmann: De paedobapt BL G2fF.), und die Brictius tom Norde
unterzeichnete (s. ebenda Bl. G 6^), waren also offenbar den Predikanten
nicht eingehändigt worden.
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Anno 1533 acta. 431
coram Deo et toto mnndo veritatem etiam cum vitae omnium-
que rerum dispendio profitebimur cogitantes interim Deo magis
obediendmn esse, quam hominibas K Vobis ergo pensandam ob-
trudimos, quam sit pericnlosnm incidere in iadicinm Domini.
Omnia tarnen bona de vobis speramns, quos Omnipotens in sui
agnitione ita illustret, nt respublica bene regator. Vestri evan-
gelüqne lesn Christi ministri
Bemhardns Bothmannns, Joannes Cloprisius,
Godefridns Stralenins, Henricns Bollios» Dionisins Vinnins.^
Nee minori stndio et diligentia apnd tribnnos mechani-
commque praesides per se et snae factionis satellites, quos tarnen
gratia et anctoritate apud illos poliere arbitrati sunt, negotium
snom peragnnt potentes, ne a pio officio cum ignominia et de-
decore removeantor, qnod cum snmmo mnltitadinis applansu
fideliter hactenns administraverint, neque nrbe quasi scelerosi
et flagitiosi profligentur, qui de republica bene meriti sint, qui
plurimos a papatus caecitate ad evangelicam lucem revocaverint,
qui papistica tyrannide debellata regnum Christi pristino nitori
restituerint; nihil se ezilio dignum commisisse, nullo flagitio
oontaminatos esse, nisi flagitium sit verbum Dei pure docuisse.
Atqui si hoc flagitium sit, se quidem flagitiosissimos esse et non
solum ezilio, verum etiam ultimo supplicio dignissimos quique
yarüs poenarum generibus afflicti continuo e republica tollantur;
a qua tamen impietate Dens omnipotens magistratum praeservet.
Hoc igitur a senatu impetretur, ut praedurum illud exilii de-
cretnm mutetur et concionatores suo munere a Deo sibi com-
misso sine motu fungantur, *ne, si suis officiis destituantur, ^ p. 387.
haec ciyitas perpetua ignominiae labe inter evangelicas urbes
notetur et Dei vindictam in se provocet.
Tribuni autem et mechanicorum magistri, apud quos Both-
mannns summa quidem gratia valuisset, si de paedobaptismo
sententiam suam mutasset, his verbis permoti cum senatu de
retinendo Bothmanno agunt. Placuit tandem senatui ipsum ea
lege in officio suo retineri, ut in concionibus suis a controversis
duorum sacramentorum articulis sibi prorsus temperet. Quae
senatus sententia a tribunis Bothmanno significatur.
') Acta Apost. 5, 29.
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432 Anno 1533 acta.
Interea literae a principe in urbem missae' ipso die Mi-
29. bcpt. cliaelis, qnae fuit 29. Septembris, in singnlis paroeciis recitantur,
qaibns inbetnr, nt dnornm sacramentornm, baptismi et encha-
ristiae, nsns pristinns reservetnr; neque enim se ullam in bis
contra ecclesiae doctrinam citra salutis dispendinm mntationem
admittere posse.
Hnc accedit senatns mandatom idem inbens. Maxima etiam
pars civium bis assentitnr, si encharistiae participatio (sicnt
Cbristns institnit) sub duabus speciebus sibi non negetur. Se-
natns itaqne serio Bothmannnm de paedobaptismo et aliis arti-
cnlis in controversiam positis prorsns silere ant nrbe excedere
inbet. Utmm honun facturus sit, scripto sibi responderi po-
stnlat. Ad qnae Bothmannns sie respondet^:
3. oct. „Tribnni plebis ac mecbanicomm magistri ' mihi significa-
vemnt me ab officio meo non esse amovendum, verum cum de
paedobaptismo et sacramento corporis et sanguinis Christi con-
flictationes sint exortae variisque modis ista sacramenta exagi-
tentur, in gratiam communis pacis mihi in concionibus publicis
ab istis duobus temperarem, donec doctorum virorum iudicio
haec controversia componeretur. Quibus respondi: Cum haec
publicae tranquillitatis causa a me fieri velint^, in concionibus
•p. 38S. meis a controversa duorum sacramentornm doctrina *me absti-
nebo, imo ne haue quidem» attingam, sed ea, qnae pacem con-
cilient^, qnae senatum excusent, qnae plebem tumuituantem
sedent, qua me decet fide docebo, donec ab admixta fece haec
doctrina purgetur et maior veritatis agnitio a Deo hominum
») Ms,: quidam. — ^) Ms,: conciliant.
') Nicht mehr nachweisbar. Der seit dem 7. Juni n&chste erhaltene
Brief des Bischofs an die Stadt ist erst vom 19. October datiert
') Der deutsche Text der Rothmann'schen Erklärung ist nach einer
Ahschrift in der Beilage zu einem Schreiben v. d. Wieck's an den hessi-
schen Kanzler Joh. Feigk vom 15. Nov. 1533 abgedruckt bei C. A. Cor-
nelius: M. A. n. S. 365.
■) Zu der Erklärung heifst es : ». . . die ersamen hem baide older-
Icut und mesterleute sampt etzlichen deputerden Ton den mesterleuten."*
^J Die Erklärung fügt hinzu: „den ich dan auch schuldig und al-
tzeit gerne deinen wil.**
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Anno 1533 acta. 433
mentibiis infiisa fderit. Datnm anno Domini 1533, die 3.
Octobris*.«
Bothmannns qnidem chirographo isto sno, qnid factorns
sit^ satis dedarat Senatns tarnen de fide illins, qnam aliquoties
Yiolayerat', dnbitare coepit. Ideo legatos saos Beynam mittit,
qno princeps dioecesana comitia liabitnras sexto Octobris venerat, e. oct.
qni in consessn procenmi miserandam nrbis et religionis faciem
conunemorarent'. ürbem dissidiis et motibns intemis aestuare,
magnam plebei ordinis partem in officio non posse contineri,
sed magistratni obstrepere, doctrinam vetitam a Bothmanno in-
Tectam eüam cmn yitae pericnlo tuen; omnia intestinis odiis
flagrare, yeram religionem et eyangelicam doctrinam inter Schis-
mata flnctnare, nihil itaqne intra moenia tntom esse, nihil
praeter caedem, rapinam et reipnbUcae eversionem et vastitatem
expectandnm. Haec omnia cnm non alinnde, quam ex mnltipUci
religionis contentione oriantur, se proinde obnixe efflagitare, nt
princeps snas partes agat, reipablicae cespitanti snccnrrat et
hnic malo medeatnr, articnlos erroneos doctomm viromm prae-
sidio adintos tollat et verae religioni yerboqne Dei consentientes
snbstitaat; se eos, si sibi ntiles esse cognoverint, libenter am-
plexnros.
Ad qnae princeps^: In principio nascentis mali pharmaca
admisissent neqne ita in gratiam foriosorum subditomm et bene
monentinm Indibrinm saluberrima consilia ezcnssisseni Cogi-
tassent cnm malis in pemiciem bonomm non esse conniyendnm;
seditiosis non tam soayiter adblanditi Mssent. Licentiam enim
') ÄYif diese Erkl&ruiig hin wurde Bothmann das Predigen wieder
gestattet) doch da das Lambertikirchspiel ihn als aufrührerisch und seiner
Obrigkeit ungehorsam entsetzt hatte, ihn auch keineswegs wieder zulassen
woUte, lydammb hat man in nirgent dan an einen winckel der stat zu
sanct Serrafs zu predigen gestaten mögen* (Randbemerkung zu der Beüage
zum Schreiben y. d. Wieck's). — *) Vgl. oben S. 428.
*) Die Instruktion der Abgeordneten Münsters zum Landtage in
Bheine hat sich nicht erhalten.
^) Akten über die Landtagsverhandlungen zu Rheine befinden sich
im St.-A. M. Es hatte sich yomehmlich wieder um Steuerangelegenheiten
gehandelt Zuletzt traten die StAdte in ihrer Gesamtheit und einzelne
derselben, wie Ahlen und Warendozf^ mit ihren Klagen heryor. YgL zur
Sache C. A. Cornelius: IL A. IL S. 198 f.
4
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434 Anno 1533 acta.
"p. 389. et ineptam lenitatem snos saepe anctores ant prodidisse ant *m
eximiam tandem cladem praecipitasse. Eo nnnc rem devenisse,
nt nee lenitate sen blanditiis, nee asperitate sea cradelitate mn-
tari qneat. Se tarnen ex officio neqne consilio neqne re clvitati
defntumm, sed de fnturo remedio et refonnatione, quantnm fleri
potest, altins cogitatnrum *. Interea nrbes ab omni in religionis
negotio novatione sibi temperent rogat, qnod se facturos reci-
pinnt. Hoc etiam se poscere a legatis Monasteriensinm, nt do-
minum Henricnm Mumpertinm, theologiae doctorem ac priorem
Bispinckhoviannm, ad concionandnm verbnm Dei in templo do-
minico de more admittant^ Ad qnod legati se illnd in con-
snltationem et decretnm senatns relatnros respondent; senatum
brevi responsnrnm.
Dissolutis istis comitiis cnm princeps de novatione mino-
mm civitatum m'bil esset sollicitns, praeter spem tamen 8. Oc-
tobris ipsi refertnr Coesfeldienses seditiosxun concionatorem ad-
9. oct. misisse, qnare literis snis 9. Octobris emissis ^ ipsos ab institnto
in hnnc modum deterrnit: Sibi pridie* relatum esse erronem
^) „Als ock Stadt nnd stede gebedden,' läfst der Bischof antworten,
„dath men ze baven dath Privilegium nicht besweren will, snnder dar z.
f. g. tegen ere borger to forderen, zulx mit recht to verfordem, hefft unse
g. h. antwort lathen geven, s. f. g. wille sich vermöge des privilegii holden,
so vem sich ock de stede tegen s. f. g. als getruwe und gehorsame under-
sathen luith des privilegii ertzeigen." »Wal to gelegener tyt,* hdfst
es dann weiter, „in zacken der religion Ordnung maken, de errige
prodicanten in der wedertauff und vam sacrament des altairs in z. f. g.
stifft nicht dulden eder inlaten."
') Schon am 5. April war seitens des Münsterschen Eates an Mum-
pert die Weisung ergangen, Niemandem die Ohrenbeichte abzunehmen
(vgl. oben S. 403). Als dann später der Bischof erfuhr, dafs der Bat dem
Prior auch Station und Predigen im Dom verboten habe, richtete er aas
Horstmar am 7. Juni die ernstliche Aufforderung an die Stadt, sich dem
Vertrage vom 14. Febr. gem&fs zu halten (Konzept im St-A. M.). Der
Bischof wiederholte hier auf dem Landtage also seinen Befehl. In den
Akten findet sich darüber Nichts, aber die Thatsache vnrd bestätigt durch
den gleich weiter unten auch von Eerss. angeführten Brief Münsters an
den Bischof vom 15. October (J. Niesert: U.-B. I*. S. 216).
') Aus Fürstenau. Konzept im St.-A. M. Zu früheren kirchlichen
Bewegungen in Coesfeld vgl. oben S. 415 ff. — *) Ein Datum giebt das
Schreiben nicht an. Es heifst nur: „Wy komen in erfaronge ..."
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Anno 1533 acta. 435
qnendam yagnm atque ignotnm nrbem CJoesfeldiensem snbiisse,
in ea se aliqnot dies clancnlnm continnisse et tandem invocatum
et sine legitimi magistratas eommqne, qnomm interfderit, per-
missn in sacello Sancti Spiritns concionandi munns invasisse,
erroneam et pemidosam doctrinam in plebem novitatis semper
ayidam sparsisse, nnde schisma, dissidinm, seditio, inobedientia^
magistratns contemptns et christianornm ritnmn concordibns
maionun snffiragiis antiqnitns ad haec nsqne tempora usitatorum^
distnrbatio et cormptela promanare soleat. Com itaqne hoc sibi
tanqnam magistratni legitime minime ferendnm esse censeat,
ne sna lenitas snbditis sit exitio, proinde se ipsos per fidem
datam et insinrandnm sibi praestitnm admonere, nt continno
istmn concionatorem remoyeant, repellant et nrbe profligent ne-
que se ab antiqnis templomm ritibns ac ecclesiae catholicae
ceremonüs distrahi sinant. Bescribnnt^ se in omnibns principi
*obtemperaturos. »p. 890.
Dnm haec agantnr, senatus legationem ad Lantgravinm
evangelicos concionatores petitnm abl^at', qni adyersns Both-
») fMt im Ms.
^) Nicht mehr nachweislich. — *) Üeber die erfolglosen Versuche
des Landgrafen Philipp im Jnli, zwischen dem Bischöfe und der Stadt
Monster zu vermitteln, rergl. oben S. 405 Anm. 2. Von einer Gesandt-
schaft der Stadt an den Landgrafen ist aktenm&fsig nichts überliefert.
H. Dorp Bl. 04 berichtet: „Hernach anno 1533 nmb Martini ungefar
hatt ... Philip, Lantgrare zu Hessen, auff des Bhats von M'ünster
ansuchen und begeren zween prediger gehn Münster geschickt ...*'
— Dem Bischof hatte der Landgraf am 8. Sept. seine Bereitwilligkeit an-
gezeigt, abermals B&te zu senden (Orig. im 8t-A. M.}, und darauf aus
Horgtmar am 12. Sept die Antwort erhalten (Orig. im St-A. Marburg),
der Bischof habe bereits für den 6. October einen Landtag nach Rheine
ausgeschrieben. Am 7. Oct. erwidert der Landgraf (Konzept ebendas.), dafs
er den Bischof, wie er sich aUe Zeit erboten habe, «in zimblichen, pilligen,
chrisUichen Sachen mit rhad, hilf und beistand keins wegs verlassen werde.'
Eine hessische Gesandtschaft an den Bischof erfolgte aber doch sehr bald,
und zwar, weil der Landgraf vernommen hatte, dafs Bischof Franz und
seine Stände geneigt seien, die Temporalitftt des Stifts dem Kaiser zu
übeigeben (vergl. die Instruktion für Alexander v. d. Thann an Bischof
Franz vom 28. Oct, abgedr. bei L. Keller: G. d. W. S. 302, und weiter
den ebenfalls dort S. 303 abgedruckten undatierten Brief des Landgrafen
4*
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436 Anno 1533 acta.
mannnm totamqne anabaptisticam cohortem decertent Hie ita-
qne in gratiam periclitantis reipublicae Theodoricnm Fabritinm',
fsumndia et andacia insignem, et loannem Leningnm Melsinga-
nnm', hominem quidem doctnm, sed meticolosnm minnsqne
disertnm, qnos evangelio favere potissünnm cognoyerat, ad hanc
provinciam administrandam hortatnr. Hi tantnm officii Lant-
gravio denegare non andentes compositis rebus suis se Mona-
sterinm itoros onnsqne sibi impositnm pro viribus suis snbitoros
recipiunt Sed prinsqnam hi se itineri et pericnlo committerent,
per aliquot hebdomadas intra parietes suos de rebus fdturis Con-
sultant et adversus anabaptistica monstra sacris literis acriter
sese armant.
Transfluviani quoque coenobü vixgines ' novo eyangeliconun
spiritu inflammatae Germanicos psalmos in templo interim pro-
miscue cantillare, yota sua vivendique institutum contemnere,
professionem suam pro nihilo habere, archiyestalis firena ezcu-
tere, nulla ciborum discrimina facere, de habitu mutando mussi-
tare deque liberiori yita somniare. Ida yero de Mervelt, archi-
yestalis, cum perpaucis aliis hanc yirginum suarum lasciviam
sibi displicere multis lachrimis et querelis testata est. Quae res
cum ad principem perlata esset, in haec yerba ad totum yirgi-
10. oot. neum coetum 10. Octobris scribit^: Se accepisse plerasque yir-
gines Transfluviani monasterii mundana quadam levitate vano-
an den Herzog Karl yon Geldern, nach welchem der Bischof das Gerücht
f8r unwahr erklärt, nach dem ihm aber yon Seiten Borgnnds Antr&ge ge-
macht worden seien, die er nicht geradezu von der Hand gewiesen habe).
') Üeber Theodor Fabricios ygl. besonders G. A. Gornelins: Die
Münsterischen Humanisten (Münster 1851) S. 31 fif. und Th. Yolbehr:
Zur Gesch. d. Münsterischen Unruhen, in den ^^Mitteilungen aus dem ger-
manischen Nationalmuseum'' Bd. 2 (Nürnberg 1889) S. 97 fL — Eine „Tita
Theodori Fabricii ab ipso anno 1565 ad filios suos conscripta** hat Th.
V. Hase in der |,Bibliotheca Bremensis*' Classis IV fasc. 1 (Bremae 1719)
S. 65 ff. herausgegeben. So kurz sie auch auf die Münsterische Zeit ein-
geht, bietet sie doch einige wichtige, spftter noch anzuführende Notizen.
*) IHe QueUennachrichten über ihn, soweit sie seine Münsterlsche
Th&tigkeit betreffen, steUt G. A. Gorneliu«: M. A. IL 8. 847 f. zusammen.
*) YgL auch Eer88.'B früheren Bericht über das Kloster zu üeber-
wasser Bd. 1 S. 280fL und oben S. 403.
*) Aus Füzutenau. Konzept im St-A. M.
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Anno 1533 acta. 437
qne anuni pmiiim ita concitatas, nt contra snnm Yotnm snaeqne
regnlae professionem ac contra inveteratam coenobü consnetadi-
nem lebellionem moliantar. Se itaqne ipsas monere, nt originis
et nobilitatis snae memores nihil committant, qnod levitatem
sapiat ant progenie snaqnoqno modo indignnm existimetnr^
*Po8t haec 15. die Octobris senatns principi responsnm re- *p. 891.
scribit, sicnt legati in comitiis Beynanis se faetnros receperant ': ^' ^^*'
Nnllo modo contra transactionis pacta se illnd permissnnun, nt
se inyito concionatores doctrina, vita et moribns eyangelio non
conformes ad docendnm pnblice in civitate sna admittantnr.
Cnm antem tempore transactionis concionandi mnnns in aede
snmma sit ablatnm et terminario dominici templi interdictnm
neqne eam consnetndinem revocandam esse transactionis monn-
menta inbeant, sed hoc solnm yelint, nt capitnlmn dominicnm
in sna religione non tnrbatnm vivat, donec Dens omnipotens
aliter disposnerit'; — ex qnibns obscnmm non esse principem
transactionis sententiam manifeste oppngnare. Se ergo rogare,
ne adrersns transactionem praegrayentnr.
Ad haec piinceps 19. Octobris^: Se transactionis pacta 19. oct.
non yiolasse sibiqne ea seiranda esse non ignorasse, sed incon-
snltam illam et illiberalem postnlationis snae abnegationem a
senatn non ezpectasse, cnm templnm dominicnm snnm totinsqne
') In demselben Briefe zeig^te der Bischof dem Kloster an, dafis er
eine Abordnung zur üntersnchnng nnd Abstellung der Mifsbrftnche senden
weirde. Dem Amtmann zn üeberwasser schrieb er am selben Tage (Konzept
im 8t-A. M.), dafs dieser der Aebtissin und den Jungfrauen „yan eren
gndem und upkomiften derselven gewontlige underholding und yerplegung,
wo ran olders gebruiklich, yerschaffest und dar ynne, zo zulz ran dj ge-
fordert werde, gyne aenderonge makesf
*) Ygl. oben S. 434. Orig. im St-A. M. Gedruckt bei J. Niesert:
Ü.-B. r. 8. 216 f.
*) Ygl. Bd. 1 S. 375 den 2. Artikel des Friedensvertrages vom 14.
Febr. (bei J. Hobbeling a. a. 0. S. 168). In diesem Briefe und in den
folgenden vertritt die Stadt wieder ganz den Standpunkt, den sie wfthrend
der Friedensunterhandlnngen eingenommen hatte, den sie aber nicht auf-
recht zu halten im Stande gewesen war. S. besonders die bei C. A. Cor-
nelius: M. A. I. 8. 210 abgedruckte Antwort Münsters vom 20. Juli auf
die Werbung der hessischen B&te. — *) Aus Iburg. Konzept im St.-A. M.
Abgedruckt bei J. Niesert: Ü.-B. P. S. 218 f.
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438 Anno 1633 acta.
dioecesis sit srunrnnm neqne tarnen paroeciale et transactio
verbis manifestis huic omnes antiqnitns habitas ceremonias et
consnetndines sine senatns ant civinm snomm impedimento, se-
natni vero ins paroecialium templomm tantum tribnat. Proinde
se itenun postulare, ne hnnc virnm in snmmo templo concio-
nantem conturbent contorbarive sinant neqne adversns transac-
tionem infirmis istis verbomm snomm rationibns qnicqnam mo-
liantnr, ne sibi necessario ad alia remedia confagiendi occasio
obtrudatnr.
Eodem die Mnmpertio per literas^ significat, nt solins
principis aactoritate confisns fdtnro die dominico, qnae Mt 26.
Octobris, alüsqne diebns festis snbseqnentibns in templo snmmo
conciones stationesqne antiqnitns obserratas habeat, neqne sibi
alterins anctoritate opns esse. Mnmpertins qnidem principi paret,
senatnm vero omnesqne evangelicos gravissime offendit.
•p. 392. *Senatns 21. Octobris*: Qnanqnam in snperioribns snis
21. oct. gcriptis legitimas cansas addnxerit, cnr sibi non sit ferendnm,
nt qnidam monachns sen terminarins in snmmo templo ad con-
cionandnm itemm admittatnr, qni cives catervatim a sna et
eyangelica religione avocet, et qnanqnam transactionis pacta
verbis manifestis declarent templnm snmmnm in snis ceremoniis
et ritibns antiqnis sine senatns ant civinm impedimento perman-
snmm, senatni vero ins paroecialinm templomm esse permissnm,
inde tamen confici non posse templnm snmmnm post transacti-
onem iam dictam concionibns ant stationibns alicnins monachi
ac terminarii regendnm esse, cnm conciones, stationes aUaeqne
similes ceremoniae ante transactionem antiqnatae cormerint.
Qnaecnnqne proinde transactionis monnmenta signata non com-
plectnntnr, ea propria anctoritate postea ex intervallo apponi
non posse. In transactionis scriptnra absqne longis verbomm
ambagibns simpliciter haec verba contineri: capitnlnm non tnr-
batnm snae religioni et vitae permittendnm esse. Unde inferri
non posse se monachnm alterins religionis, qni errores et Schis-
mata spargat, qni seditionem inter cives ezcitet, ad concionan-
^) Konzept im St.-A. M. Dieses Schreiben war abschriftlich dem
an die Stadt beigelegt
*) Orig. im St-A. M. Abgedr. bei J. Niesert: Ü.-B. IK S. 219ff.
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Anno 1533 acta. 439
dum admittere debere. Se proinde illnd, qnod dissidia, Schis-
mata et seditiones pariat, in incommodmn soae reipnblicae non
permissnnun. Cnm itaqne vi transactionis conciones monachi
in smnmo templo merito non esse ferendas censeant, se legiti-
mnm responsnm dedisse non dnbitare«
Ad quae princeps 28. Octobris ^ : Se scripta senatns in sua 28. oct.
anctoritate et existimatione, si quam habeant, relinquere. Cum
autem concionatori mandaverit, ut verbum Dei pure populo an-
nunciet, se sperare ipsum a nullo in officio suscepto turbatum
iri, sed senatum superioribus suis scriptis pariturum.
Eodem die 28. Octobris princeps ad senatum*: Se audi-
tione non vana accepisse quosdam errones, vagos et incognitos
ver*berones legitime non vocatos propria se anctoritate in urbem ♦ p. 393.
suam ingessisse, erronea et seditiosa doctrina plebem commovisse,
tandem damnatum et non tolerandum anabaptistarum sacramen-
tariorumque dogma disseminasse et impietate sua totam fere
urbem contaminasse \ Cum autem hi flagitiosi errones. in urbe
adbuc detineantur et metuendum sit, ne non toxico isto incautam
rudemque plebem circumyeniant, seducant et inficiant, proinde
se caesarei edicti anctoritate fretum ipsum senatum monere, ne
falsos istos doctores receptet, sed urbe eiiciat, ut caesaream
atque imperialem indignationem poenamque effugiat.
Haec principis scripta senatum a decreto suo non remo-
rantur, quin priori Bispinckhoviano tutum commeatum et pu-
blicam securitatem renunciaret. Quare princeps 30. Octobris so. Oct.
sie ad senatum^: Sibi relatum esse, quod priori Bispinckhoviano
ac dominici templi concionatori in sua ciyitate securitatem tu-
tumque commeatum praeter expectationem et spem suam renun-
ciaverit, quod suo iussu in templo dominico consuetas stationes
ac conciones habuerit*. Se itaque poscere, ut interdictum re-
*) Aus Füratenau. Konzept im St.-A. M, — *) Nach dem Konzept
im St.-A. M. abgedruckt von L. Keller; G. d. W. S. 302 f. — ») KersB.
übergeht hier die Worte: ^denselven doch durch juw mit tjdigen vorrade
und insehen Torgekomen.^ — *) Aus Fürstenau. Konzept im St.-A. M. —
'^) Der Bischof fugt hinzu: „Geven dem oik noch tor tyth gynen fuUen-
komen gelowen. Wo dennoch durch juw tegen gemelten predicantcn us
to yerhonynge und verkleinonge vorgerurter mathen gehandelt und yort-
gefaren, dragen wy gyn unbillick befrembden und begeren derwegen . . .**
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440 Anno 1533 acta.
scindat neqne adversns snos ministros sibiqne addictos hnins-
modi interdicta decernere in postemm praesnmat; alioqni ad
alia remedia, nnde mnlta fortassis incommoda evenire qneant,
sibi occasionem obtrndi, a quo tarnen in gratiam civitatis ab-
borreat. Scribit qnoqne eodem die ad Mnmpertinm ^, nt ad nrbem
mnnnsqne sibi conunissum sine nllins incommodi metn rever-
tatnr; se non dnbitare senatum snis scriptis paritürum.
Interea Fabritins et Melsingns, cnm intelligerent Mmn-
pertimn virom doctnm et in theologico studio exercitatissimnm
esse, sibi metnebant, ne non qnotidiannm doctrinae suae bestem
baberent acerrimnm. Proinde bnnc in modnm senatni snppli-
cant': Cum Mnmpertins monacbns, qni antebac in templo do-
*p. 394. minico ^concionatns sit, impia docnerit et seditioni dissidioqne
civili magnam occasionem dederit, emn non magis, qnam paedo-
baptismi contemptores in nrbe ferendnm esse. Se itaqne rogare,
nt monacbnm istnm intra moenia non ferat, ne pnram snam
doctrinam impia persnasione evertat et Schismata factionesqne
iUicitas inter cives serat.
Cum senatns principi ad snperiora scripta nihil responderet
neqne Mnmpertins ad mnnns snnm admitteretar, princeps morae
97. Not. impatiens 27. Novembris sie ad senatum ': Quanquam antebac
a senatu petiyerit, nt Mumpertium in aede dominica eyangelium
tuto docere sinat, nunc yero se intelligere, quod huic scripto
non solum non paruerit, rerum etiam publicam securitatem tan-
quam commeatum renunciaverit urbeque interdixerit. Quo iure
hoc agatur, se quibuslibet ac ipsi senatui meliere animi parte
') Ein solcher Befehl des Bischofs vom 30. October an Mnmpert ist
nicht mehr nachzuweisen, wohl aber hat sich das Konzept eines dahin
lautenden Schreibens des Bischofs vom 30. Noy. im St.-A. M. erhalten.
Es ist anzunehmen, dals Eerss. sich bei der Datierung geirrt hat.
*) In gleichem Sinne schrieben sie am 3. Dezember an den Bischof
(Orig. im St-A. M.; abgedruckt bei J. Niesert: U.-B. 1\ S.228f.). Ein
Brief an den Bat hat sich nicht erhalten. Das Schreiben an den Bischof
ist auch im Namen des Landgrafen abgesandt und war wohl die Folge des
gleich Yon Kerss. angefOhrten abermaligen Befehls des Bischofs vom 27.
Not. an die Stadt, Mumpert ungestört seines Amtes walten zu lassen.
') Aus Iburg. Konzept im St.-A. M. Diesem Briefe schlofs sich
dann der bischöfliche Befehl rom 30. November an Mumpert an.
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Anno 1533 acta. 441
ezpendendnm relinqnere. Itenun ergo 86 senatum monere, nt
hunc, sicut antiqnitas fieri consnevit, concionari patiator.
Senatus 3. Decembris respondet^: Se principis literas 28. s. Des.
et 30. Octobris nee non 27. Novembris scriptas accepisse, legisse
et intellezisse, ad qnas respondeat: Cum qoidam concionatores
mnltas sibi molestias in nrbe sna exhibeant, se non sperasse
principem insnper eas anctnrmn foisse. Qnod antem sibi invito
terminarinm obtrndat, qni impiis snis concionibns ', nti iam bis
fibctitatam sit, seditionem concitet, se nnllo modo latamm, cnm
cansas certas habeat, enr istins monachi conciones inter snos
non sint tolerandae. Se ergo omnia iuris praesidia adversns vim
bis scriptis implorare. übi vero monacbns in nrbe dissidia con-
citare non destitisset, se illi secnritatem pnblicam rennnciasse'
ac nrbe interdizisse. Qnicqnid antem princeps adversns baec
iure agere vel yelit vel qneat, se patienter ferro oportere. Non
tamen se sperare, qnod cnm priqcipe in gratiam impii monachi
in dissidinm et novam contentionem sit reditnms. Snam "^se^p. 895.
causam coram quibusvis principibus^ defensumm.
Interea Botbmannus chirographi et promissi sui oblitus
ad ingenium suum redit; at cum senatus motu repressus palam
anabaptisma seminare non änderet, occultis digressionibus, clan-
destinis colloquüs ac suggestionibus ^ eo rem perduxit, ut ana-
*) Orig. im St-A. M. Abgedr. bei J. Nies er t: U.-B. IK S. 227«:
') „dorch sein heüloes predigen.* Die hessischen Prediger melden
dem Bisehof, dafs Mnmpert „ungeschickt und unchristlich dinge rorge-
nommen nnd gepredigt** habe.
*) i^nicht unbillige'' heifst es im Schreiben, und dann weiter: «. . . dan
wy ohne ock alse den die in unser stadt twyspaltonge und twidracht, ock
nnfredde und rottonge werckede, nicht wetten tho schützen, to schermen
und tho gednlden." — *) Im Orig.: „vor aller geborlicher overicheytt.*
') So auch H. Dorp Bl. C2: „Denn die Widertenffer prediger
leerten heimlich in den heusem ...** Er fügt hinzu: „Darzu so trieben
sie dieselbige lere nicht denn in der nacht, wenn ander leute schlaffen
waren, als dan lerten und tauiften sie . . .'^ Aber Rothmann setzte auch
dffentüch anf der Kanzel sein Predigen fort In einer Klageschrift an den
Bat heifst es (s. C. A. Cornelius: M. A. 11. S. 366), dafs „her Bemhart
Rothman nach dem 3. tage Octobr. zu sanct Servafs, die leute zu behalten
bei seiner meinung, widder die kindertaufif und sacramenten des lelbs und
bluts Christi allerlei etgerliche und auirorissehe predigt gehabt '^ Es werden
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442 Anno 1533 acta.
baptistanun nnmeros nihilo segnius angeretor et snum n^otinm
apnd imperitum ynlgos promoyeretnr, se Interim innocentem,
probmn, pinm, religiosnm angelnmqne Incis fingens^ De bap-
tismo enim et coena dominica articnlos qnosdam consnit, qnos
Lantgrayio ac theologis Marpnrgensibns examinandos Offerte
Cnm antem iadicio theologomm Bothmannnm errasse pronun-
ciaretnr, errorem snnm agnoscere nolnit, sed pertinacins snos
articnlos non solnm apud imperitam plebem defendit, yermn
etiam emditionis persnasione seductns typis excnsos omninm
hominnm ocnlis et indicio eos exponit', qaibns ita passim ho-
minibns errorem snnm impressit, ita praesidio Satanae mnltamm
dann einzelne seiner Sätze angeführt. — Lening nnd Fabricius berichten
am 18. November dem Landgrafen, dafs Rothmann, der „in yerwerffdnge
des kindertaofs verharret,^ „grofsen anhang der tanfverachter in der stat
hat, also das man, so lange er darinne bleibt, nichts wohl kan ausrichten.'
Aehnlich schreibt t. d. Wieck am id. Kovember an den Landgrafen und
sagt dabei: „Es ist ein arm verdorben häuf, die an gedachten Bemhart
hanget, und kenne da nimantz under, der so vil seiner schulden halben
vermochte, das er zwe hundert gülden aufbrechte** (C. A. Corneliua
a. a. 0. S. 369 u. 370).
^) Das berichtet hier Eerss. nach A. Gorvinus: Acta etc. nun.
schon zum dritten MaL S. oben S. 418.
') Auch dieses und das Folgende nach A. Gorvinus a. a. 0. Bl. G*.
Zur Sache s. oben S. 388 Anm.
') Es ist die Schrift: ,3€ftentttiffe Qdtt l&«]|tett A$xvaxtunttn ||
l^oe)ie nxAt 0Mt^tm$tU || \xtx ^ttxitantiu tl^a || Munfttc. || ^atl^n tl \\
Wt mg htfitnt vaer ben menft^en, htn tuiH ük htktntun || nixtt msiun
l^mulfti^en neittt. || 3m iatx Wi.1^.XK^Si.XX3. \xm mii || t^ ^at»m-
fai0. \f* Die Vorrede ist vom 22. Oct. 1533 datiert und trägt die Unter-
schrift von Bothmann, BoU, Eloprifs, Yinne, Staprade und Stralen (vergl.
auch P. Bah Im an n: BibL 1533 Nr. 6). -- Eine kurze Gharakteristik dieser
Bekenntnisse und in Auszügen einzelne Begriffsbestimmungen und Lehr-
sätze derselben über die Taufe gab E. W. Bouterwek: Zur Literatur u.
Gesch. d. Wiedertäufer in der „Zeitschr. d. Bergisohen Geschichtsvereins**
Bd. 1 (Bonn 1863) S. 285 ff. (Sep.-Abdr. S. 6ff.). Als Gegenschrift erschien
im März 1534 zu Strafsburg der den Bürgermeistern der Stadt Augsburg^
gewidmete ,Jßtv\äjt attg ber l^^fiHligen g^fd^rift non htt vz^t 0Ott||fe%eii
an^ttttitg ttntk f^an%^ltnn% ^fjxipidßv || g^mesn ... II l^nrtl^ tkie l^xt-
hi0er Üb l^sliJBen €nan%tlii }n J^tra^tttg Ut Atat nntx || hit^m |ti
VäünfUt in Kleftfal. || erftlitg %t\^xüitn. f (vgl. P. Bahlmann: BibL
1534 Kr. 1 nnd E. W. Bouterwek a. a. 0. S. 288, resp. S. 9). Euize Aus*
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Anno 1533 acta. 443
r^onnm popnlos fascinavit ac dementavit, nt patria, libem
bonisqne omnibns relictis nndiqne hnc conflnerent. Hnc West-
phali, hnc Saxones, hnc Hollandi, hnc Brabanti, hnc Q^ldri,
hnc Phrisii, hnc Leodienses aliammqne nationnm gentes ntri-
nsqne sexns magna et videndi et andiendi Bothmannnm avidi-
tate coennt.
Senatns hac Bothmanni inconstantia et levitate, qna fidem
addictam tnrpiter violavit, vehementer offensns est neqne tamen
carcere ant alia qnavis bene commerita poena ipsnm popnlari
£&Tore septnm perseqni andet, ne mnltomm gladios in se pro-
Yocet. Primnm itaqne conclnsis omnibns in nrbe templis^ ipsi
concionibns interdicit, deinde 3. Novembris cnm tribnnis et me- 3. nov,
chanicomm magistris, qnomodo sine magno motn nrbe qnoqne
in perpetnnm exilinm cnm snis profligetnr, consnltat. Vemm
cnm nox istam consnltationem intermpisset et nihil certi de
pellendis concionatoribns eo die decretnm esset, ntile visnm est
convocatis patriciis aliisqne opnlentioribns et honoratioribns nrbis
civibns* seqnenti die panlo altins rem deliberandam esse, *ne*p. 396,
nnins ordinis consilio agatnr, qnod ad omnes pariter pertinet,
ne, si res male cederet, senatns anctoribns careret. Proinde 4.
die Novembris reditnm est ad fomm, et cnm de concionatori- 4. Nov..
bns ageretnr, qnibns modis effrenata eomm protervia, perfidia,
rebellio, impia de baptismo doctrina et qnaevis agendi libido
zdge daraus hat Herrn. Harne 1 mann: Opera S. 1203 ff., der aufserdem
in seiner Schrift: De paedobaptismo Bl. J6^ff. in Form einer Unterredung
mit Rothmann sich gegen die Lehrsätze der Bekenntnisse wendet. — Yor
dem Erscheinen der Bekenntnisse hatte Rothmann seine Bedenken gegen
die Eindertaufe zur Begutachtung an Martin Bucer eingesandt. Dessen
Antwort darauf liegt vor in der im Dezember 1533 zu Strafsburg erschie-
nenen, V. d. Wieck gewidmeten Schrift (s. P. Bahlmann : Bibl. 1533 Nr. 7):
„Quid de baptismate || infantium iuxta scrijjpturas Dei sentiendum . . .
Epistola ad quendam hac in re || impulsum Martini Buceri. {j^ Ygl. C. A.
Cornelius: M. A. 11. S. 208 f.
^) »Ausgenomen zu Sanct Martin, da her Brictius predigte'' setzt
H. Dorp Bl. C3^ hinzu. Für die folgenden Yorg&ngo (vgl. dazu C. A.
Cornelius: M. A. 11. S. 202 iL) ist Eerss. zwar die ausführlichste Quelle,
aber in Einzelheiten ungenau.
^) Nach H. Dorp a. a. 0. „lest der new Rath den alten Bath zu-
samen foddem, sich mit einander zu besprechen . . J*
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444 Anno 1533 acta.
commode coerceretar, nrbe eos eiiciendos esse ab omnibns fere
clamitatnm est. Et ne senatns de patricionun alioromqne civinm
ibi praesentinm fide qnicqaam ambigat, nomina sna profitentnr
eaqne in tabnla conscribi patinntnr et anxUinm promittnnt et
praesidinm qnidem armatnm, si opns sit^ poUicentnr. Praeterea
ne concionatores qnerantur tutnm sibi efEhginm non patere, extra
urbem enim in alterins inrisdictionem se incidere, de pericnlo
ergo in pericnlnm praecipitari, extra Gharybdim in Syrtes con-
iici, qnas sine clade ant saltem meta transire non qneant, ideo
per snbitam legationem pnblicam secnritatem tutomqne com-
meatnm dioecesin peragrandi cansa pro abigendis concionatori-
«. Nov. bns a principe et capitnlo 5. Nov. petunt * et facile impetrant *.
Imo princeps per literas 10. Novembris emissas omnibns prae-
fectis, satrapis gogravüsqne totins dioecesis praecipit, ne qnis
concionatores Monasterio pnlsos ab institnta profectione remo-
retnr, iter praeclndat fngamqne impediat, et si opns sit, ne
qnid morae praetexere qneant, cnrribns eqnisqne in avehendis
liberis, nxoribns snppellectilibnsqne ipsis snccnrrant atqne opem
ferant*.
') Auch das „Bichtboeck*" (vgl. CA. Cornelius: M. A. IL S.200f.)
Iftfst das Gesuch um Geleit fBr die Predikanten an erster SteUe yon „dem
rade und frommen borgeren** ausgehen, denen Rothmann's Auftreten mils-
fiel. Aber die Bürger «wolden nicht gesagt hebben, dat de Monsterschen
de predicanten hedden np de fleesbanck gebracht; derhalven begerden se
den Torg. predicanten ran sin f. g. gleide ...** Nach H. Dorp a. a. 0.,
der übrigens diese Yerhandlungen der Zeit nach ror die vom Rate ange-
ordnete Schliefsung der Pfarrkirchen setzt, w&re zunftchst der Ausweisungs-
befehl erlassen, und erst nachdem die Predikanten yorbrachten, ohne Geleit
konnten sie dem Bischöfe nicht entgehen, „ob man sie denn aufif die fleisch-
banck liebem wolt?^, hätte der Bat yom Bischöfe das Geleit erbeten.
') Am 5. Noy. macht das Kapitel dem Bischof Mitteilung, „wu dat
dussen yormyddach etzliche yan den olden raide der stadt Munster by uns
gekomen unde angezeigt, dath borgermester, raide und de mere deiU der
Stadt Munster in arbeide unde handelunge, her Bemdt Botman und de
anderen predicanten, sjne mitgeseUen, der stadt Munster tho yerwysen."
Das Kapitel bittet dabei den Bischof um Geleitsbriefe für die Predikanten
(Orig. im St-A. M.). Am 10. Noy. stellt der Bischof die erbetenen Briefe
aus, meldet aber dem Kapitel zugleieh, dals es ihm „ganfe beswerlich'
gefaUen sei (Kopie im St-A. M.).
*) Ein solches Schreiben an die Amtleute ist nicht mehr nachweisbar.
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Anno 1533 acta. 445
Inde ad 5* diem Novembris, nti convenerat, senatas, tri- 5. nov.
bnni mechanicommque praefecti, patricii honoratioresqne cives
ad forum revertnntar, nt pulsis concionatoribns nrbem anabap-
tistica lue liberent et pristina pace fruantur. Neque huc tantum
senatum defensuri, verum etiam adversarii fama rei permoti con-
fluunt Cumque ibi superioris diei de peUendis concionatoribus
decretum iteiaretur, continuo a quodam Alensi primum, deinde
a prondscua turba non solum concionatores anabaptisticos et eo
dogmate infectos, sed et omnes, quomm consilio et ope in urbem
admissi fuissent aut nllum illis officium unquam praestitissent,
urbe pellenMos esse clamitatum est^ Qnae verba cum Her-*p. 397.
mannus Tyllebechius, alter consulum, multarum rerum novarum
auctor, de se dici intelligeret: „Haeccine,^ inquit, „cives, futura
putatis? hanccine consuli vestro gratiam pro singulari in vos
fide et sollicita administratione reddituri estis? Alius huic modo
quaerendus est cuneus, vestra ista in bonos et innozios gras-
sandi libido reprimenda est.^ Hac consulis voce Albertus We-
demhave, Bemardus Enipperdollinck, Hermannus Krampe, Hu-
pertus Buesscher faber aüique plures anabaptistico spiritu aestu-
antes adversus senatoriam multitudinem adeo inflammantur et
condtantur, ut ab ea secessionem facientes sicas ac pugiones
stringerent, quasi iamiam impetum in eam facturi essent. Neque
verbis senatorios acriter obiurgare desistunt. ,,Vos impii,^ in-
quiunt, „vestrum propositum vobis hodie non succedet neque
*) Dieser Baf ging ofiFenbar von Seiten der katholisclien Partei aus^
die sich aUmählich merUich gestftrkt hatte (vgL den Brief des Bates yon
Münster an den Landgrafen vom 15. Not. bei C. A. Cornelias: M. A.
n. S. 3G1). „Da hab ich erfam," berichtet v. d. Wieck am gleichen Tage
dem hessischen Kansler Joh. Feigk (C. A« Cornelias a. a. 0. S. 363 f.),
j^das das pabsthamb worde widder angehen and das evangelion ander-
gehen ... Dan in solcher aafroer etzliche das pabsthamb widder weiten
aofrichten, so die meinten dnrch den widdertaaffeschen handel das meer
sa haben.** Eine wiedert&uferische Parteischrift, die |,Bekentones des glo-
bens and lebens der gemein Criste za Monster,^ geschrieben gleich nach
dem Beginne der Belagerang, abgedrackt M. 6.-Q. 11, 446 fiL, berichtet,
es h&tten sich „die gotzlofsen papisten den gadendach vor Martine (6. Nov.)
ano 33 in ir were and waffen za häuf geworffen and wolden mit gewalt,
man solt die predicanten hinaas liffem, io in di nas and om abschneidea
und zwischen zwen hande af hangen* (S. 462),
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446 Anno 1533 acta.
nos, sicnt decreyistis, tracidabitis neqne nrbe profligabitis. Sunt
enim nobis et vires et arma!*' Sabitns ntrinqne fit discursus,
utrinqne adfemntnr arma, ntrinqne reditnr ad fomm. Cleri
qnoqne primarii ministri nee non aliqnot ex clero seenndario
annati in praesidinin srenatorinm accnmmt; ntrinqne sese mn-
ninnt^ Senatorii cnriam, Bothmannistae yero infinniores qni-
dem, sed adyenamm robore freti mnrnm coemiterii Lambertini
pro tntela et defensacnlo oecnpant; ntrinqne noctnmae vigiüae
disponnntnr, ntrinqne sibi metnnnt, ntrinqne in diem seqnentem
armati consistnnt. Senatns advenamm vires potissimnm metnens
Inctnosnm motnm et cmentam mnltomm civinm stragem in-
Stare animadvertit, nisi se matnre interponat et animos ntrin-
qne ezasperatos mitiget. Qnare in crepnscnlo matntino sezti
«6. Not. diei Novembris de pace recnperanda per vires graves ex senatn
et plebe designatos, qni gratia ntrinqne mnltnm valebant, agitnr.
Atqne ibi WjcMns ntrasqne partes acriter admonet: Cogitent
se nnins nrbis esse cives, nnins corporis membra, iisdem moe-
nibns conclndi, eodem sacramento et inre teneri. Qnam sit te-
^p. 398. merarinm eos, qni iisdem ^plebiscitis constringnntnr, snb prae-
textn evangelii et religionis indnere arma, qnam maiornm mori-
bns dissimile, qnam natnrae adversnm vicinitatis et amicitiae
veneratione neglecta, afSnitatis cognatione excnssa et arctissimo
sanguinis vincnlo dissointo in mntnnm exitinm conspirare, san-
gnine cognato silices plateamm pollnere, in viscera sna innere
et parricidio manns snas contaminare tnrpiter. Pmdentins itaqne
secnm expendant, qnid natnra, qnid recta ratio, qnid coningnm
et liberomm salns, qnid patriae incolnmitas, qnid cbristiana
religio, imo qnid Dens ipse concordiae anctor dictet et inbeat.
Eis verbis armomm et irae fervor panlatim flaccescit, ac ama-
l)ilis concordiae stndinm ita animos omninm tandem snbit, nt
nihil praeter pacem ntrinqne affectarent. Et cnm Bothmannistae
neqne nrbe cedere vellent neqne snos concionatores profligandos
-esse paterei^tnr, senatorii vero nnllo modo ipsos ad concionan-
dnm admittendos esse contenderent (Theodoricnm enim Fabricinm
^) »Und ist da bevom an den yergangen mitwochen 5. noyembr
•einer blutrergiefsnng nit ferne gewest^ schreibt y. d. Wieck in seinem Brief
▼om 15. Nov. an Job. Feigk.
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Anno 1533 acta. 447
et loannem Leningnm, eximios yerbi Dei praecones, a Lantgravio
in gratiam nrbis emissos iam adesse \ qiti evangelicam yeritatem
in urbe doctnri sint), his itaqne legibns pax restitoitnr, nt sena-
torii Bothmannistas in nrbe ferrent neqne tarnen ad docendnm
adndtterent ', praeterea nt cniqne libemm sit eam fidem am-
plecti, qnam sibi ad salntem profatnram pntaverit. His itaqae
actis digrediantor armisqne positis veterem gratiam utrinqne
simnlant.
Bothmannns vero adempto sibi ex saperiori pacis pacto
publice concionandi mnnere privatim et clancnlmn, primmn
qtddem noctomo ^, inde ancto snormn nnmero confidentins dinmo
') Yielmehr langten die hessischen Prediger erst am 8. November
in Münster an. Vgl. v. d. Wieck's Brief an Joh. Feigk vom 15. Not. nnd
die Beilage dazu bei C. A. Cornelins: M. A. II. S. 364 n. 366.
'J Die Darstellung Eerss.'s entspricht den Thatsachen nicht Die
Yon C. A. Cornelins: M. A. 11. S. 358 fif. mitgeteilten Briefe bezeugen
mehlfach, dals das Ausweisungsdekret des Rates gegen alle Predikanten,
mit Ausnahme gegen Bothmann, aufrecht erhalten und zugestanden wurde.
Es scheint auch, dafs die Predikanten sich wirklich für einige Zeit aus
Munster entfernten. Am 18. Noyember konnte y. d. Wieck an Joh. Feigk
melden (C. A. Cornelius a. a. 0. S. 373): „De andern wichen yast. Sint
gistem, wy ich yerstae, dry yerrist." Nach einem Brief des Yiglius y.
Zwichem an Erasmus yon Rotterdam yom 12. August 1534 soll sich Roll
gegen Weihnachten 1533 in Holland und Friesland aufgehalten haben
(s. C. P. Hoynck yan Papendrecht: Analecta Belglca Tom. 1 pars 1
[Hagae Com. 1743] p. 106). Die filteren schriftstellerischen Quellen wider-
sprechen einander. W&hrend H. Dorp Bl. C3^ behauptet, die Predikanten
„begerten nicht eins zu weichen, sondern blieben und enthielten sich heim-
lich bej den, die irer lere anhengig waren, ** sagt Dietrich yon Ham-
burg: Glaublich anzeyg Bl. A 1^: „So aber je kein weg des fridens solchen
Rotmeisteren anzunemen, hat maus irer ftmpter entsetzt und mit zu wegen
brachten Bisschofflichen gleid und genugsam zergelt zu der stad aus ab-
gefertigt, welchs sie also angenomen, bey den iren sich etlich Monat in-
gehalten und folgends ynn gemelten jar auf s. Stephans tag (26. Dez.) sich
wider herftir gethan.^
•) Ygl. oben 8. 441. Auch P. Plateanus sagt in seiner „Epi-
stola . . . quae de anabaptistis et de ciyitate Monasteriensi multa comme-
morat^ yom 25. M&rz 1534 (abgedruckt bei J. Cochlaeus: XXI articuli
anabaptistarum confutati [Lipsiae, K Faber 1534] Bl. C4): „Conyentus
secretos et plemmque noctnmos agunt, ad quos nemo nisi initiatus ad-
mittitnr.^
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448 Anno 1533 acta.
tempore in qnibnsdam civinm aedibos anabaptisma docere non
destitii Tempns concionis cbirobombardae sonitn nnnciatror.
Ad has conciones soll anabaptistico spiritu afflati admittontor.
Docet antem^:
^) Im Folgenden giebt Kens, in falscher chronologischer Einordnung
einen Auszug aus den Geständnissen Jakobs von Osnabrück vom 28. Febr.
1&34. Die Geständnisse sind abgedruckt bei J. Nies er t: Ü.-S. L S. 154 fif.,
die hier besonders in Betracht konunenden Stellen S. 160 £L, und in den
M. G.-Q. U. S. 220 ff., wo S. 417 auch Verbesserungen Eum Kiesert^schen
Abdruck gegeben werden. — üeber Jakob von Osnabrück Tgl. J. Uabets:
De Wederdoopers te Maastricht (Boermond 1877) S. 210 ff: und E. Bem-
bert: Die Wiedertäufer im Herzogtum Jülich (Inaug.-Diss. Münster 1893)
S. 25ffL Er stammte aus Osnabrück. 8. bei J. Niesert a. a. 0. S. 154:
„Er ist geboren zu Osnabrug von yader und müder, geheifsen Gerhard
Schmidts und Catharina.^ Damit ist die Ansicht J. Habets, der auch noch
E. Bembert beipflichtete, widerlegt, als stamme er aus dem JüUchschen.
Im Februar 1534 wurde er aus Münster entsandt, um im Jülichschen von
den Wundem zu Münster Eunde zu geben, wurde aber alsbald in Neufs
gefangen (s. den Brief der Bäte des Herzogs von Cleve an den Bischof
Franz vom 4. März in den M. G.-Q. 11. S. 225 f.). — Dem Verhöre mit
Jakob von Osnabrück wurden u. a. die sogen. „Münsterschen Artikel** zu
Ghrmde gelegt, in denen wir zweifeUos einige Glaubenssätze und Lebens-
gebote vor uns haben, zu deren Annahme und Befolgung sich Jeder ver-
pflichten mulste, der dem Bunde der Taufgesinnten zugezählt sein wollte.
„Item wer diese vurgesc. artickel neit annemen und versagen wilt,** heifst
es im Verhör (J. Niesert a. a. 0. S. 164), „den lassen sy neit zu der
thauff^ halden inen auch für gheinen chiist^ Diese Münsterschen Artikel
sind uns sonst noch bekannt durch die Schrift: „XXI Artickel der Wid-
derteuffer zu Münster, durch Doctor Johan Co oleum widerlegt...
MJD.XXXnn*' (vgl P. Bahlmann: Bibl. 1534 Nr. 2 u. 3), und neuer-
dings habe ich in der Ztschr. 51 (1893) 8. 115 f. eine gut beglaubigte Form
derselben veröffentlicht aus einem Manuscript des St.-A. M., in dem sie
sich unter der üeberschrift: „Der wedderdoeper eidt** und „Eyn ander eidt
der wedderdoeper** finden, üeber das Verhältnis dieser dem Sinne nach
fibereinstimmenden Ueberlieferungen zu einander vergl. ebendas. Ich be-
merke noch, dafs einzelne der Artikel in lateinischer Üebersetzung wieder-
gegeben sind bei Gonr. Heresbach: Historia factionis excidiique Mona-
steriensis, zuletzt herausgeg. von E. W. Bouterwek (Elberfeld 1866), und
bei P. Plateanns: Epistola, quae de anabaptistis ... (Lipsiae 1534). —
Während Jakob von Osnabrück in seinem Verhöre drei dieser Artikel Qn
allen Fassungen Nr. 7, 8 u. 9) für unwahr erklärt, giebt er die Bichtig-
keit der anderen ausdrücklich zu. — Eerss. kannte die Artikel aus den
Geständnissen Jakob's, die ihm vorlagen, aber er bietet sie nicht alle»
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Anno 1533 acta. 449
1. Paedobaptismnm coiam Deo abominationem esse^
2. Sacramenta, missas, vesperas, vigilias, chrisma, oleum,
*frondeSy aqoam, herbas, salem, candelas ac reliqna omnia eins^p.
generis, qnae cbaracteribns a sacerdotibns signantnr, a diabolo
et anticbristo, hoc est pontifice Bomano, qoaestos gratia ezcogi-
tata esse*.
3. Templa impionun christianis esse vitanda^
4. Encharistiae sacramentam, qnod snpra capnt sacerdotis
ostentatnr, magnnm esse Balaam^.
5. Gnm impiis et gentibns nihil commercii habendnm^.
6. Diem Satnmi divina anctoritate institntiun, non antem
diem SoHs hxunano arbitrio dedicatom esse celebrandmn^
7. Impios esse papistas et Lntheranos, qni commessantnr,
crapnlantnr, scortantnr Deiqne yerbo adversantnr ''. (Non antem
sondern nur 13 in ganz wüllcürlicher Aaswahl, setzt bald einzelne Zosatz-
erkl&ningen des Jakob hinzu und stellt dann auch wieder als Artikel hin,
was sich in den Geständnissen deutlich als Antwort JakoVs auf Zwischen-
fragen des Verhörenden erkennen läfst. In den folgenden Noten ist das
kenntlich gemacht. Dort bedeutet J. (Jakob von Osnabrück) den Abdruck
bei J. Niesert, E. (Eid) den Abdruck in der Zeitschr., C. den Abdruck bei
J. Cochlaeus. — Die Artikel sind, wie gesagt, von Eerss. chronologisch an
verkehrter Stelle verwertet. Geltung gewannen sie in Münster erst nach
dem siegreichen Eindringen der MelcMoriten (vergl. das Bekenntnis des
KlopriTs bei J. Niesert: U.-S. L 8. 111 und die Aussagen Johann's r.
Leiden bei J. Niesert a.a.O. S. 176 und M. G.-Q. II, 371). Wenn Eerss.
schon f&r diese Zeit (Nov. 1533) durch Bothmann das Gebot, sich der
Kirchen zu enthalten, predigen läfst, so macht schon C. A. Cornelius
(s. M. G.-Q. Einl. S. 54 Anm.) mit Becht darauf aufmerksam, wie er sich
damit in Widerspruch setzt zu seinem eigenen Bericht weiter unten, nach
dem Bothmann noch im Januar 1534 wiederholt in den Kirchen predigte.
') Dieser Satz (vgl. dazu oben 8. 422) ist in den Artikeln nicht
enthalten. — ^ J* 2, E. 2, C. 2, doch setzt Kerss. hier die Antwort hinzu,
die Jakob auf den ihm vorgehaltenen ersten und zweiten Artikel giebt
») J. 1, E. 1, C. 1. — *) J. 8, E. 3, C. 3. — ») J. 6, E. 6, C. 6.
^ Fehlt bei J., E. und C. Doch sagt Jakob aus (bei J. Niesert
a. a. 0. S. 164): i^Item sie en fyren weder sondach noch hillige dage.
Gefragt, waromb, antwort: der paist have dye eingesatzf
^ Ist Jakob's Antwort auf eine Zwischenfrage im Yerhßr bei Art 6.
— Während der Disputation über die Kindertanfe (s. oben S. 424 ff.) gab
Bothmann zu, «mit droifiiisse^ gesagt zu haben: „men spoir leder ^ein
undeneheidt tho hantes tuschen denen Papisten und Evangelischen, de men
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450 Anno 1533 acta.
8olmn catholicos, yernm etiam Lntlieranos, snos parentes ac anc-
tores, convitiis proseqnnntnr atqne ab iis dissentinnt retinctL
Scribit enim Bothmannns anno 33. postridie Penihecostes ad
Hermannnm Begewardnm, pastorem Warendorpensem, in epistola
qnadam^ inhaec verba: „Miram, qnantmn Lntherani n^otiam
moliantnr in nos, sed non timemus, quin Dominns rem bene
fortnnabit.")
8. Gentes vero esse simplices et frandis expertes cives ac
agricolas, qui sacerdotnm figznentis crednnt*.
9. Intra annos mille et qnadringentos nnllum in orbe fd-
isse yenun christiannm, neqne post tempora Christi nllnm Msse
sacerdotem, neqne apostolos ipsos sacerdotes fnisse, sed mini-
stros Dei, qni verbnm snnm annnnciavemnt; Christum vero
ultimum fuisse sacerdotem^
10. Gentium magistratui non esse obediendum^
11. Gentes ante tempus a Deo praefinitum non esse do-
cendas^ Mundum enim propter peccatum luctuosam prius af-
jQictionem passurum impiosque in ore gladii casuros, inde relictos
superstites ad regnum Dei concionibus esse vocandos.
12. Christum humanam naturam a Maria non assumpsisse^.
13. Coniugia christianomm revocanda esse, cum ante ite-
*p. 400. ratum *baptismum coniugia non faerint^
14. Christianos esse, qui primum in Christum credunt,
deinde in nomine eins baptizati sunt^
15. üxores maritos suos dominos appellabunt^
16. Neqne famuli neque famulae fideles cum gentibus mar-
trimonia contrahent neque iisdem inservient, sed solis fldelibus ^\
Lntterisch nomet, dan die Papisten sin gerne in den korken und hören
misse, und de Lntterschen gerne up den beirbenken . . .* 8. Zeitscbr. 20
(1859) 8. 158 nnd Herrn. Hamelmann: De paedobapt BL Dl.
') Nicht mehr nachweisbar. -- *) Ist die Fortsetinng der Antwort
Jakob's anf die Zwischenfrago bei Artikel 6. — ') Ist Antwort JakoVs aof
eine Zwischenfrage bei Artikel 3 nnd 8chlnfs deijenigen bei Artikel 6. —
^) J. 8, E. 8, C. 8. Jakob erklärt diesen Artikel ffir unwahr. — *) J. 11,
E. 11, C. 11. Im folgenden Satz f> Eerss. die n&here Erklftrang JakoVs
TO diesem Artikel hinzn. — •) J. 10, B. 10, C. 10. — *) J. 12, E. 12, C. 12.
— ") Ist JakoVs Antwort anf eine Zwischenfrage bei Artikel 16. —
•) J. U, E. 13, C. 13. — »•) J. 16, E. 14^ C. 14.
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Anno 1533 acta. 451
17. Nemo christianonun com impiis in indicio contendet^
18. Nemo christdanornm nsnram nllam exercere debet,
proinde neqne pensiones exigit neqne solvet. Omnia enim apo-
stolorom ezemplo fore commnnia*
19. Quilibet christianonun carsnm snnm a se coeptnm
absolvat et perficiat neqne respiciat retro, ne ostinm sibi prae-
dndatnr; hoc est, inqnit, si pater, mater, frater, soror ant
nllus de cognatione hanc doctrinam et characterem foederis non
snsceperit, vemm christiannm non movebit, sed ipse in sna fide
perseverabit '.
Hanc doctiinam obaerati, inopes atqne otinm sectantes
qnibnsqne religio fnit honestnm laborem attingere, remm com-
mnnione^ et nsnrae libertate aUedd primom amplectnntnr.
Deinde opnlentiores qnoqne personata et efQcta Bothmannistarmn
gravitate ac sanctimonia commoti bona sna in commune defe-
ront, pensionom literas detractis signis ant discerpnnt ant in
ignem coniicinnt ant debitoribns cnm toto debito remittnni
Qnod non solnm vires, yemm etiam mnlieres alioqni ad rem
attentiores fecisse in confesso est. Nam Brandeschenia, Enipper-
dollingi coningis mater, valde opnlenta ita spiritn Dei agitata
est) nt literas redditnnm signatas debitoribns cnm nsnris per-
ceptis restitneret.
Eis clandestinis concionibns et articnlis in ynlgns sparsis
effectnm est, nt anabaptistamm nnmems civinm advenammqne
concnrsu incrementnm non mediocre snmeret, imo bonomm nn-
memm propemodnm ezaeqnaret, maxime cnm mnlti boni cives
») J. 19, E. 18, fehlt bei C. — •) J. 20, E. 19, C. 18.
") J. 21, £. 20, fehlt bei C. — Eerss. l&fst also die bei J. Kiesert
nnter Nr. 4, 5, 7, 9, 13, 16, 17 n. 18 verzeichneten Artikel fort. Doch
ist IQ bemerken, dafs Nr. 13 daselbet kein eigentlicher Artikel, sondern
wieder nnr eine Antwort JakoVs anf die Zwischenfirage ist, wie man rieh
verhalte, ^so sach were, der man rieh wedertenffen Ueri;, nnd die franwen
neit?** Jakob antwortet, er wisse darüber Nichts. Tgl. dazn aber den von
Ooehlaens als Nr. 20 angeführten Artikel, der bestimmt, dafs in dem
Falle die Ehe getrennt werden müsse.
*) Anspielungen an die Lehre von d» Qütergemeinschaft finden rieh
in den bisherigen Schriften Bothmann's nnd der Mfinsterschen Predikanten
zum erstenmal thatsftchlich in dem „Bekenntnis.* Tgl. Bl. H3.
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452 Anno 1533 acta.
calamitosam nrbis faciem aversantes emigrarent spontanenmqne
exilinm eligerent. Inter qnos etiam faerant, quornm somnolentia,
*p. 401. consilio et ope Schismata in hanc rempublicam primmn *irrep-
serunt et admissa sunt. Quorum quidam inter proceres adhuc
supersunt, qui olim cum promiscua plebe psalmos Oermanicos
in templis cantillabant, conciones seditiosorum magno studio
sectabantur. Hi nunc eximia pietate praediti conspiciuntur. Qui
preces aspemabantur, horum nunc genua et labia precum multi-
tudine callo obducta videas; qui aquam consecratam omniaque
cbaracteribus signata tanquam pestem et magnum aliquod ma-
lum aversabantur et fugiebant, nunc nisi centum se quotidie
crucibus signent, nisi se aqua lustrali quotidie tingant, nisi
salem consecratum quotidie degustent, diem sequentem se non
victuros ezistimant.
Adversus hunc Bothmannum eiusque factionem Fabricius ^
acriter pugnat ac non solum in religione seu fide nutantes ab
anabaptismo deterret, verum etiam iUud sectantes revocat, lapsos
erigit, infectos sanat ac sacrarum literarum antidoto solus cor-
roborat. Leningus enim, huius commilito, qui eandem militiam
cum Fabricio susceperat» yaria discrimina vitae subeunda sibi
esse conspiciens ad suos redire cogitat, confessor mori malens
quam martyr*.
*) H. Dorp Bl. 04: „Theodericns aber thet grofsen fleifs mit pre-
digen und yermanen widder aUe Widertenffer.'' Thm war die Lambert!-
Idrche emger&mnt worden, in der er t&gUch predigte (s. den Bericht der
hessischen Prediger an den Landgrafen vom 15. Nov. bei C. A. Cornelias:
M. A. n. S. 359). Der Bat von Münster meldet dem Landgrafen an dem-
selben Tage (0. A. Cornelius a. a. 0. S. 362), dafs ,dorch Theoderid
Fabritii denst am werde das volck to geloven, leifte, eindracht und ge-
horfzam angerichtet werde . . .*'
*) Eerss. schöpft hier ans H. D orp a. a. 0. Von Predigten Lening's
hören wir zwar in keiner Quelle, doch nahm er Teil an der Ausarbeitong'
der gleich auch von Eerss. erw&hnten neuen Eirchenordnung. Schon in
ihrem ersten Schreiben vom 15. Nov. begehrten die beiden Prediger vom
Landgrafen, er möge sie höchstens nur noch acht Tage in Munster be-
lassen. „Dan wo es in unsere kove stunde, wulten wir langst umbkeret
sein.* Am 17. Nov. wünscht der Bat von Münster, dafs Fabricius noch bis
Weihnachten bleibe; wenn die Eirchenordnung fertig sei und mehr Predi-
kanten da wftren, wolle man Lening zurückschicken (s. C. A. Cornelias:
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Anno 1533 acta. 453
Hinc senatns, ne omnia sine certo ordine in templis agan-
tnr, de refonnatione ritnnm ceremoniarnmqne fabricanda com
Fabricio agit. Hle yero cnm se hnic oneri inparem esse ingenne
&teretnT imbecillitatemqne ingenii sni qnereretur, ad rem igitnr
istam matnrins ac pradentius conficiendam addnntar illi non
solom WycldnSy Brixins, Wirthemins, Glandoipius, Belholtns ac
Langennannns, yenun etiam per legatos Joannes Westermannns,
theologiae doctor, qni Lippensi snggesto praefaerat, accersit^r^
Qni com venisset Monasterium, 23. Novembris ante meridiem ss. noy.
in templo Transflnviano, a prandio vero Aegidiano concionatns
est snamqne facnndiam ac Wittenbergicam theologiam manifeste
ostentavit.
Cmn libelli a Bothmanno conscripti \ qnibus plnrimos in
snnm errorem pertrazit, tjpis ezcnsi passim conspicerentur^
M. A. n. S. dö9 u. 368). Zuletzt nachweisbar ist Lening in Münster am
3. Dezember (s. sein und des Fabricius Schreiben von diesem Datum an
Bischof Franz bei J. Niesert: U.-B. I^ S. 223 f.). Doch war er nach
einem Briefe des Landgrafen an die Stadt Münster vom 23. Dez. (Kopie
im St.-A. M.) an diesem Tage bereits nach Hessen zurückgekehrt.
^) Kerss. hat hier offenbar schon die spätere Revision der Kirchen-
Ordnung im Auge, von der er weiter unten redet. Keine der älteren Quellen
erwähnt, dafs zum Entwurf der Ordnung Andere neben Lening und Fa-
bricius hinzugezogen wurden. Der Entwarf war schon am 18. November
fertiggesteUt. An diesem Tage nämlich begründen die hessischen Prediger
ihre abermalige Bitte an den Landgrafen, sie „des irsten dages widder
heim fordern*' zu wollen, mit den Worten: „dan wir nun der stat Munster
ein mittelmessige kirchenordnunge gestellet.*' Westermann war damals
noch gar nicht in Münster. Y. d. Wieck schreibt am 18. Novemb. an Job.
Feigk (s. O.A. Cornelius: M. A. 11. S. 373): „Auch, lieber her, wert dr.
doctor van der Lippe, nun berichtet die andern abziehen, alhie yor künf-
tigen sontag (23. Nov.) komen.'' An diesem Tage läfst Kerss. ihn richtig
zum erstenmal in Münster predigen. — H. Hamelmann's Nachricht
(8. 1206), Westermann sei erst nach Lening's Abreise in Münster einge-
troffen, ist schon nach den oben angegebenen Daten falsch. Darauf machte
bereits CA« Oo melius a. a. 0. S. 347 f. aufinerksam. In dem eben an-
gezogenen Briefe an Joh. Feigk vom 18. Novemb. schreibt v. d. Wieck aus-
drncklick : „Aber so bald wir den doctor van der Lippe haben, wil wy . . .
dan mit dem ersten Leningum affertigen.'' — Ueber Westermann vgl. die
neueste Monographie von E. Knodt (Gotha 1895).
*) Die oben S. 442 erwähnten „Bekenntnisse.*'
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454 Anno 1533 acta.
süspitio orta est, ipsnm domi snae typographiam clancnlnm ha-
•p. 402.1)ere^. Ideoqne *27. Novembris dno consnles, duo iudicii asses-
57. HoY. sores et dno aedQes ministris aliquot stipati aedes Bothmanni
ingredinntnr ; qni com ab nxore domi esse negaretor alterqne
consnlnm ipsmn domi esse constanter afflrmaret, ille manifestum
mendacium proceres indigne laturos pertimescens e latibulo pro-
dit suique copiam facit. Interrogatus, an typographiam domi
babeat, ille negat. Ministri iussi eam inquirunt, reperiunt, re-
pertam auferunt secumque in curiam grapbiariam asportant.
Fabricius interea cum loanne Westermanno aliisque doctis
viris superius nominatis noyam in religione reformationem, quae
58. Nov. cum Augustana confessione consentiat, fabricat, quam 28. No-
vembris duo consnles, Joannes Wyckius sjndicus, Joannes Langer-
mannus Senator et Amoldus Belholtus iudex monachorum quo-
rundam bene doctorum iudicio et censurae offerunt. Inter quos
erat D. Joannes Holtmannus ', coenobita Fontissalientis, vir exi-
miae pietatis et eruditionis, quem tam anabaptistae quam con-
fessionistae nomine eruditionis suspiciebant. Hi cum multa
contra catholicae ecclesiae instituta et ritus per eam mutari in-
telligerenty censuram exhibitae formae in episcopum transferunt;
ad se enim istarum rerum iudicium minime pertinere arbitrati
sunt. Vero Fabricius episcopi iudicium et censuram excutiens
satis sibi esse putavit, si eos saltem, inter quos haec religionis
reformatio vigeret, auctores esset babiturus.
Postquam princeps noster Lantgravium concionatores Mona-
(17.) NoY. sterium misisse intellexisset, 18. Novembris ad eundem in haec
verba scribit': Se accepisse, quod in civitatem Monasteriensem
^) Die „Bekenntnisse^ sind ohne Angabe des Drnckortes erschienen.
H. Harne Imann 8. 1203 l&Ist sie „ex Botmanni, Glophrisii, Jnlii (sc.
Fhrisii) et Leidcnsis oMcina** hervorgegangen sein. Genauere Untersuchun-
gen über den Buchdruck zu Münster in damaliger Zeit fehlen noch. Wert-
volle Beitr&ge dazu und Ergänzungen zu J. Nieser t: Beiträge zur Buch-
druckergesch. Münsters (Coesfeld 1828—84) liefert J. B. Nordhoff: Alt-
münsterische Drucke (in der Zeitschr. 34^ [1876] S. 1491!.) und ders. in
seinen ^Denkwürdigkeiten aus dem Münsterischen Humanismus" (Münster
1874) S. 183 ff. — Das Folgende ist nur von Eerss. üherliefert
*) Er hatte auch an der Disputation über die Eindertaufe teilge-
nommen. Vgl. oben 8. 424. — «) Viehnehr am 17. Nov. aus Bevergem.
Orig, im St-A. Marburg. Abgedr. bei J. Nies er t: Ü.-B. I^ 8. 230 f.
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Anno 1533 acta. 455
quosdam concionatores certum in religionis negotdo ordinem et
formam componendi gratia transmiserit. Com antem in comi-
tüs snperioribns dioecesanis Bejnae habitis se aliqmd certi pe-
tentibns ordinibns in cansa religionis descripturmn receperit,
cni ad oecxunenici concilii decisionem snbditi pareant, sibi igitor
panun placere, qnod concionatores isti snas partes sibi praeri-
piant et snam reformationem, quam meditetnr, antevertant et
eyertant^ Se proinde rogare, ut per scripta ipsis *vetet, ne se*p. 408.
Ms rebus intromittere praesnmant.
Ad haec Lantgravius 27. Novembris ^: Se qnidem senatns S7. kot.
Monasteriensis precibns commotnm concionatores eo misisse, non
^) Der Bischof fügt noch hinzu, wie er fürchte, dafs aus dieser Sonder-
ordnung wieder nur neuer Zwiespalt und neue Irrungen entstehen würden.
») Orig. im St-A. M. Ahgedr. bei J. Niesert: U.-B. I^ S. 232 f.
Eer88.'8 Wiedergabe ist hier ungenau und unvollständig. Der Landgraf giebt
als Zweck der Absendung seiner Prediger an, „die munsterischen predicanten
ihres irthumbs zu unterrichten und abzuweissen, auch den rath und die
gemein zu erynnem, sich dem aufgerichten vertrage gemefs zu halten. **
(Ygl. dazu auch den Brief des Landgrafen an den Bischof vom 24. Dez. bei
C. A. Cornelius: M. A. n. S. 375 f.) Er fahrt dann fort: „Das aber unsere
prediger selten sondere Ordnung auMchten, glauben wir nit; wol mugen sie
zu widderlegung und dempfung der irthumb des wiedertaufs und sacraments
denen von Munster einer christlichen Ordnung anzeige und untherricht ge-
geben haben.*' Schliefslich zeigt er dem Bischof an, dafs er auf Bitten des
Bates Bothmann zu sich gefordert und einem seiner Prediger (Fabricius) noch
eine Zelt lang in Münster zu bleiben gestattet habe, ,,der inen das wort
Gottes lanther und rheine verkünde, bis das sie andere tugliche predicanten
haben und bekhommen können.*' — üebereinstinunend hatten am 17. Nov.
der Rat von Munster, am 18. Nov. v. d. Wieck sowie Lening und Fabricius
dringend gebeten, der Landgraf möge Bothmann zu sich bescheiden (s. 0.
A. Cornelius: M. A. IL S. 367 ff.). Die hessischen Prediger ftufserten
sich auch, sie h&tten erfahren, „das er etwas rumgeitzig und selbs mit
e. f. g. sich zu besprechen begierig sei.** Dafs Bothmann wirklich nach
Hessen kommen woUe, zeigt der Landgraf dem Bischof in einem Briefe
vom 27. Dez. an, in dem er zugleich für ihn um freies Geleit bittet (Orig.
im 8t-A. M.). Und noch am 12. Jan. 1634 schreibt Bothmann selbst dem
Landgrafen (Orig. im St-A. Marburg): ,So wil ick nu an unsen genedighen
heran des geleides halven doen werven, und so balde ick darmede versor-
geth und de allmechtige Godt alsdan minen wech ferdighen woert, zo wil
iek bi e. f. g. erschinen. Dan was ick e. f. g. thom pris Godes kan tho
willen sin, bin ick altit genegeth. Dat kent Godt . • .** Als dann aber am
27. Januar die hessischen B&te den Bischof noch einmal ermahnten, für
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456 Anno 1533 acta.
antem reformationis praescribendae cansa. Sed cum eins urbis
concionatores anabaptisticmn scMsma introdncerent, qno popn-
lum misere seducerent, se ergo in commodiim civitatis totinsqne
populi dnos concionatores eo misisse, qni verbnm Dei pnre do-
ceant ac plebem ab anabaptistica lue sacrae scriptnrae remedio
liberent atqne antidoto adversns eam praemnniant. Se illo bene-
ficio malam gratiam non promemisse opinari.
Scriptum Theodorici Fabricii ac loannis Leningi Melsin-
gani parochi, concionatorum a Lantgravio in urbem missorum,
». KoY. ad principem nostrum 29. Novembris missum in haue senten-
tiam': Se a Lantgravio, suo principe, ante hebdomadas tres erroris
cuiusdam reprimendi, pacis vero et evangelicae tranquiUitatis
componendae christianaeque reformationis circa ceremonias et
ritus ecclesiasticos contexendae gratia in urbem Monasteriensem
ablegatos esse, quae omnia, uti sperent, praesidio divino feliciter
peregerint. lam vero se intelligere episcopum quosdam cives Dul-
manicos^ evangelü causa apprehendisse, quorum vicem mazime
doleant. Se ergo rogare^ ut relaxentur, ne, quod salutis gratia
pie receperint*, quasi impium ipsis obiiciatur et imputetur.
3. Dez. Ad haec princeps 3. Decembris^: Cum sibi Lantgravius
de ipsorum adventu neque praenunciaverit neque praescripserit
quicquam neque ab eodem mandatum componendae reformationis
habeant ullum, se scripta superiora in sua existimatione relin-
quere. Quemadmodum igitur Lantgravius reformationis alienae
in suam ditionem praeter consensum suum illatae foret im-
''p. 404.patiens, ita se quoque refor'^mationem a peregrinis sibi ignotis
consutam inter suos non laturum. Serie proinde se admonere
illos, uti sibi in civitate Monasteriensi aliisque locis suae iuris-
Bothmann das freie Geleit auszustellen, hatte dieser bereits am 23. Jan.
das weiter unten von Eerss. mitgeteilte Edikt erlassen, welches die Ver-
haftung und Auslieferung aller Wiedert&ufer, als deren Haupt an erster
Stelle Bothmann namhaft gemacht wurde, aufs strengste anbefahl.
0 Orig. im St.-A M. Abgedr. bei J. Niesert: U.-B. IK S. 221 f.
— *) Im Brief: „etliche predicanten ynd burger. '^ Zur Sache vergl. oben
8. 418. — ') Und zwar, wie es im Schreiben heiTst, auch im Namen des
Landgrafen. — *) „... angesehen, das sie durch liebe und eyfer zu gott-
lichem wort und aus keinem mutwilligem frevell, wie wir berichteti dar zu
seynt komen ..." — *) Aus Fürstenau. Konzept im St-A. M.
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Anno 1533 acta. 457
dictioni snbiectis a novae reformationis contextn temperent;
neque enim id se aequo animo latnrum. Porro cum Dnlmani-
ensibns captis se etiam a concionatoribns non admonitmn, quid
aequitatis ratio postulaverit, acturum.
Princeps ad onmes dioecesis urbes tricesimo Novembris so. Nov.
scribit^: Se componendae refonnationis studio, uti in Beynanis
superioribus comitiis conyenerit^ occupatum esse^; se ergo
poscere, ut ab omni novatione in religionis negotio sibi tem-
perent, donec id, quod a se scriptum sit, publicetur.
Sed cum Warendorpenses^ post comitia Beynana multa
innovassent, acrius eos per literas ^ obiurgat, quod ad praescrip-
tum superiorum comitiorum non yixerint, quod obedientiae ob-
liti seditiosos concionatores in suam rempublicam admiserint et
quod ceremonias priscas mutaverint. Ad quae 2. Decembris re- >. ^^
spondent^, quod seditiosum concionatorem abegerinf^; eum vero,
quem habeant, se Monasteriensium consilio et hortatu^ susce-
pisse, qui a seditione animum habeat prorsus alienum, qui evan-
gelium fideliter doceat, qui sacramenta non impugnet, sed in-
fantes quoscunque oblatos baptizet et neminem a communione
corporis et sanguinis Christi repellat. Precari itaque se, ut
princeps falsis istis delatoribus aures suas occludat et se semper
ad iustam defensionem admittat. Nihil enim se unquam com-
missurum, quo obedientia^ quam principi debeant, violetnr.
Et cum omnes urbes se principi parituras rescriberent^
solus senatus Monasteriensis in haec verba 3. Decembris re-
*) Aus Iborg. Konzept im St.-A. M. — •) Vgl. oben S. 434. —
') Im Briefe heifst es genau: „. . . dat wj to alsulcker guder, christliger
ordenunge nnde refonnation ym steiden vlitigen arbeide, werden ock dar
anne gejn mojge edder unkost mjden, deselve zo bolde jmmer mogelich
an den dach werde gebracht nnde publicert.** — ^) Vgl. zn früheren Yer-
handlnngen mit Warendorf oben S. 410 f. — ^) Vom 27. Nov. aus Ibnrg^
Konzept im St-A. M. Gedruckt bei L. Keller: G. d. W. S. 303 f. — '
•) Orig. im St-A. M. Abgedruckt bei J. Niesert: Ü.-B. I*. S. 209 f. —
*) Im Schreiben: ,dat wi uns in vortyden uth boTel i. f. g. ejnes predi-
eanten deger und aU entslagen hebn, de hier ock sedder der ersten uth-
flucht nicht wedder bynnen ist gewest . . .** — ") »am jungest geholden
lantdage.** — *) Stftdtische Schreiben aufser den von Kerss. angeführten
▼on Warendorf und Münster sind nicht mehr nachweisbar.
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458 Anno 1533 acta.
3. Dez. spondet^: Cum transactio in cansa religionis inter se et prin-
cipem Sit inita^ se ergo adversns eam noUam a principe ordi-
nationem ant reformationem admissnmm. Se enim in religionis
negotio christianam dispositionem conscripsisse, pnblicasse atqae
*p. 405. nnanimi *omnium ordinnm totinsqne reipublicae consensn ap-
probasse et accepisse, qna ^ gloriam Dei, christianam concordiam,
pacem atqne civinm salntem qnaesierint.
Quanqnam princeps creberrimis snis monitis nihil apnd
senatum efficeret, sed senatns praefractior in recipiendo Mom-
18. Dez. pertio redderetnr, tamen eins causam 12. Decembris postremo
sie egit': Sibi certo constare Mumpertinm, quem concionatorem
summi templi constituerit, verbum Dei pure et sine seditionis
ac schismatis concitandi studio fideliter docuisse. Sibi ergo
mirum videri, cur senatus eidem urbe interdixerit. Se itaque
senatum iterum monere, ut hunc intra moenia officio suo fon-
gentem ferat. Si vero illud cum bona pace impetrari non possit,
se eam rem tempori committere oportere. Schedula: Se antehac
a- senatu postulasse, ut seditiosum concionatorem Bemardum
Bothmannum cum coUegis suis urbe profiiget, ut paz et tran-
quiUitas quaeratur conserveturque. Sed cum hoc ad effectum
nondum sit perductum, iterum se idem flagitare.
so. NoY. Fabricius invito principe suam reformationem 30. Noyem-
bris in templo D. Lamberti publicavit populoque commendavit
ac divinam ultionem transgressoribus conmiinatus est. Haec
») Orig. im St.-A. M. Abgedr. bei J. Nies er t: Ü.-B. P. 8. 225 ff.
Kens, bietet nur einen ganz kurzen Auszug.
*) Dieser Satz bezieht sich im Schreiben der Stadt nicht auf die in
Münster aufgerichtete Eirchenordnung, sondern auf die von Eerss. fortge-
lassene Bitte des Rates, der Bischof möge, falls er „vor ander buten unser
Stadt, so im Tordrage nicht begreppen, ordnen und reformeren woUe ,, ,^*^
was „dorch ingefoerte superstition hoich van noeden,' . . . ^»solchs na dem
rechten richtessnoer gotlichs words voemhemen . . .**
') In einem Schreiben an den Rat aus Ffirstenau, das er gleichzeitig
den Olderleuten u. s. w. mitteilt (Kopie in der Bibliothek des Altertums-
▼ereins, Mscr. 101). Ueber frühere Y^handlungen Mumpert^s wegen s. oben
S. 434 ff. Bezugnehmend auf den Brief Münsters vom 3. Dez. erwidert der
Bischof jetzt: „Wj ... hedden uns yn der waerheit alsulcker spitziger,
ungegrunter unde wytlopiger verantwerunge unde vomements aller gestalt
na jn gynen wech Termodef
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Anno 1533 acta. 459
refonnatio omninm fere applansu approbator ^. Sed Bothmannu?
facta concione, cni cnm quibnsdam snae farinae interfuerat, a
convitiandi libidine sibi non temperans Fabriciom intolerandis
convitiis et probris in templo ac coemiterio publice insectatnr.
Neque Fabricio profoit, qnod diceret se omnia senatns inssu
facere^ Et nisi Bothmannns sese e globo popnli accnrrentis
snbdnxisset, a circnmfnsa mnltitndine bene pnlsatns foisset.
Fabricins boc motu minime constematns postridie, 1. nempe
*Decembri8, iterum concionatnms maiori animo snggestnm con-»p. 4D6w
scendit totamque propemodnm horam se superiori die indignis *• ^^^
modis a Bothmanno ezceptom qneritnr ; neque istam effirenatam
^) H. Dorp Bl. C4^: »... die dem gantzcn Rhat, denEltisten und
hantwercks lenten*' (d. h. den Older- und Meisterleuten), „darzu der gemein
gefaUen hait, ist auch under inen samptlich angenomen und bestettigt
worden, wie wol dem Bothman gar nichts gefaUen hait.** Die Kirchen-
Ordnung des Fabricius ist bis jetzt noch nicht aufgefunden worden.
') Zun&chst hatte der Bat gleich nach Ankunft der hessischen Pre-
diger (8. NoY.) dieselben gebeten, „nit yil gesprech oder disputation mit
den verorleibten predicanten zu halten, darmit des widerteils sterckunge
weiter emporunge yermitten und ein erbar rat an dem, so er verhandelt,
auch sampt alterleut und meisterleut beschlossen, nit verhindert wurde.**
Dennoch liefsen sich Lening und Fabricius auf Unterhandlungen mit Both-
mann ein und meldeten dem Landgrafen am 15. Nov. (s. C. A. Cornelius:
M. A. n. S. 359): ,. . . wir haben uff dato disses brives Bemhardum Bot-
man ein halben tag bei uns gehabt, auch zu gast, und mit im in aUen
artickeln des glaubens uns verglichen, dan aUein das er den kindertauf
der Schrift gemefze nit kan erkennen.^ üeber die unvorsichtige AeuTserung
des Fabricius darüber am 16. Nov. in der Lambertikirche und über die
dadurch entstandenen Unruhen -unterrichtet uns der Brief v. d. Wieck's vom
18. Nov. an Johann Feigk (bei G. A. Cornelius a. a. 0. S. 870 ff.; vgL
zur Sache auch ebendas. S. 205 f.). Sonst bieten die QueUen, ndt Aus-
nahme einiger gelegentlicher Notizen Eer8s.^s weiter unten, über Fabricius^
Predigten keine Einzelheiten. In seiner freilich erst 1565 abgefafsten
Selbstbiographie berührt Fabricius seinen ersten Aufenthalt in Münster
nur kurz. Es heifst dort (s. «Bibliotheca Bremensis** Classis 4 fasc. 1
[Bremae 1720] pg. 77) : „Ibi quatuor fere menses in nuudmis afflictionibus
mansL Singulis enim diebus ego minus eloquens coram tumultuante po-
pulo interdnm bis, interdum saepius concionem habere, frequenter cum
haeresiarchis illis conferre, illorum incredibiles tumultus, insidias, detrac-
tationes, praestigias et caedes ferre, rarius prae timore vestes exuere, num-
quam vero quiete comedere aut dormire coactus sum.**
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460 Anno 1533 acta.
animi lascivientis libidinem in libera dvitate ferendam, nisi
evangelium contiimeliae vindictam vetaret, nisi ezemplo Chrifiti
mansaetndine ac lenitate omnia essent snperanda. Ex hac te-
meritate et andacia facüe agnosci, qnis sit in Bothmanno ani-
mus, quo spiritn agitetnr, nnde iUius doctrina dependeat, cnins
snggestione et impnlsn feratnr. 8e popnlo altios expendendnm
relinqaere, qnalis sit illins doctrina, qnales sint discipnli, nempe
convitiis dediti, inobedientes, praefracti, rebelies, seditiosi et a
moribns pietateqne sni praeceptoris non abhorrentes, cnins facta
non aliter qnam simii effingant. His similibnsqne verbis acer-
rime in Bothmannistas iiivehitnr.
Petms Wirthemins, cnm Eothmannistis acriter adversare-
tnr, senatns permissn ad parochiae Lndgerianae administrationem
•6. Des. 6. Decembris recipitnr, qni tarnen snggestione Bothmanni per
retinctos 11. lannarii anni seqnentis e snggesto detnrbatnr^
s. Dez. Ipsa die Conceptionis Deiparae Virginis *, qnae foit 8. De-
cembris, loannes Schrodems Wemensis, Henrici Walrayii fabri
ferrarii inxta Lilienbecam plateam Horsthanam commorantis mi-
nister, qni per aliqnot annos malleator fnerat fermmqne incn-
dibns impositnm pnlsare et in varias formas dncere didicerat^
repentino follinm spiritn afflatns candentinmqne carbonnm In-
mine illnstratns in coemiterio Lambertino ad stnporem et mi-
racnlnm nsqne concionatns est, totaqne concio nihil alind fnit^
qnam invectiva in senatnm et Fabricium, qnam ita temperavit^
nt maUeos et saxa propemodnm moverit. Magna qnoqne con-
fidentia, ne dicam stnltitia, se contra Fabricinm pericnlo capitis
dispntatnrum promittit. Sed qnid de fide et religione dissereret,
qni perpetno apnd inendem malleorom sonnm andiverat, qni
^p. 407. non *in schola theologomm, sed officina fabromm stndnerat,
qni non in coUegio et consessn doctornm, sed potomm sese fre-
qnenter exercnerat? Mnlto melins cnm Pjthagora ex sono mal-
leornm mnsices inventore contendissei
^) Aus H. Dorp Bl. Dl entnommen, dem aber das Datom des
6. Dezember fehlt
') Das Folgende ist nur durch Eerss. bekannt. Es scheint, dafs ihm
für die n&chste Zeit jetzt nicht mehr nachweisbare tagebuchartige Notizen
vorgelegen haben, ähnlich denen, die uns für die Zeit vom 29. Jan. bia
27. Febr. 1&34 im 8t-A. M. erhalten geblieben sind. YgL weiter unten«
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AnBO 1533 acta. 461
Senatas hunc ftirorem et contmneliam ad diem 15. De-
oembris dissimulavit Snperiorem vero Bothmanni temeritatem,
qua post pnblicam concionem Fabricinm exagitaverat, neque
captivitate neque alia eximia poena, qnae seditiosis merito irro-
gatuT, sed exilio Tindicare volens securitatem püblicam defen-
fflonemqne nrbis 11. Decembris iUi renimciat. Accenso haecu. Dez.
sibi renuncianti in senatns contemptom et Indibrinm honorarimn
mnnns donat magna cum fidncia respondens: neque quenquam
se formidare neque cuiusquam defensione magnopere se egere,
si Dei suonunque praesidio muniatur; se auxilio coelesti pro-
tectum ezilii inane nomen non timere, se nuUis hominum minis,
quantumvis atrocibus, a vocatione sua et evangelii propagatione
deterreri; Deo enim magis obediendum esse, quam hominibus
invidis exilium iubentibus et verbo Dei populum spoliantibus.
Haec cum Bothmannistis nunciarentur, ad doctorem suum, quem
constematum edicto senatus esse putabant, consolandi gratia
agminatim aceummt iubentes, ut forti sit animo; patrem coe-
lestem christianorum constantiam probaturum, suis in extremis
etiam angustiis grata consolatione adfuturum, consilia impiorum
dissipaturum, pios omnibus calamitatibus erepturum; intrepide
itaque et viriliter suo officio fongatur; se ad extremum yitae
balitum contra omnem impiorum vim tutelam et defensionem
polliceri. His fretus promissis die Solis post Conceptionis Mariae
festum, quae fdit 14. Decembris, Enipperdollingo alüsque huius u. Des.
factionis sateUitibus stipatus ad templum Servatianum concio-
natums contendit. Sed cum templum clausum deprehenderet, a
vi efi&ingendi sibi fores temperans in coemiterio sub tilia per-
brevem concionem babuit, qua finita sine motu digrediuntur.
"^Eodem die Fabricius in templo Lambertino coenam do-*p. 408.
minicam eyangelicomm ritu celebravit, cuius Septem participes
fuerunt, scilicet ipse Fabricius, Joannes Westermannus, Brixius,
Wirihemius, Glandorpius, Langeimannus et Belholtus, qui ea
de causa variis convitiis a Bothmannistis excepti sunt.
Die 15. Decembris senatus novellum illum concionatorem 15. Des»
ex fabro ferrario subito fEUstom, qui 8. Decembris licentius quam
pmdentius in se et Fabricium debacchatus fuerat, cum se iterum
ad ooncionandum efferret^ per lictores apprehendi et in carcerem
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462 Anno 1533 acta.
t6. Des. publicum dnci labet. Postera vero die, 16. Decembris, hora po-
meridiana secnnda tota malleatonun multitado senatum captivi
nomine coactmn adoritor suique tribnlis liberationem serio po-
stülat. Variae ibi ntrinque babitae sunt contentiones. Senatos
ipsum capitali poena tanquam factiosum, seditiosnm et magi-
stratus sui convitiatorem merito pnniendnm esse contendit; mal-
leatores e diverso ab omni ipsum &ctione, seditione ac convi-
tiandi crimine alienum esse censent, qui spiritu Dei agitatos
bona docuerit et mala reprehenderit. Ad quae senatus : Distincta
et non promiscua in republica esse officia; pacem publicam din-
tumam esse non posse, si officia, quae discreta esse debent, con-
fundantur et misceantur, si dlier in alterius provinciam et mes-
sem temere irruat. Neminem vero suae yocationis limites sine
motu et tranquillitatis clade unquam ezcessisse. Quemlibet ita-
^ue intra metas sui muneris esse coercendum. Captivum ad
cudendum ferrum, non concionandum vocatum; ipsum tarnen
totam urbem insueta sua concione concitasse, populum adversum
magistratum suum commovisse, Fabricium a Lantgravio in gra-
tiam urbis missum publica magistratus auctoritate munitum et
verbum Dei peregrina fece non contaminatum sedulo docentem
contempsisse, non intellecta damnasse et reiecisse, sua somnia
substituisse, populo insolita suggessisse, scMsmata introduzisse.
*p. 409. Proinde "^ezempla punitae seditionis et rebellionis interdum esse
statuenda, ut reliqui in pace vivant.
Ad haec malleatores: CaptiYum natura malitiosum non
esse, cum virtutis et pietatis amore percitus yitia manifeste re-
prehenderit et veritatis propagandae studio pia et eyangelio con-
formia ad ravim usque docuerit neque arma adversus magistra-
tum populo suppeditaverit, sed pacem quaesierit neque Fabricii
doctrinam, sed mores quosdam indecentes sugillaverit neque
quenquam praeter meritum offenderit neque furto neque pro-
ditione neque rapina neque latrocinio neque ullo alio enormi
flagitio se contaminayerit aut quicquam morte dignum commi-
«erit, nisi bene agere et salutaribus monitis civium salutem
quaerere flagitii nomen mereatur. Atqui non ita rerum nomina
cum moribus huius temporis mutata esse, neque tam angustam
christianorum libertatem unquam fiiisse, quin etiam sine magi-
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Anno 1533 acta. 463
stratns facultate et permissa bene agere semper licnerit. In-
sontem itaqae fabmm pristinae libertati restitnat et de extremo
illins sapplicio frastra cogitare desinat. 8e enim tribulem snnm
innoziiun non deserturos. Eis verbis senatus propositnm flac-
cescity fabronun yero torba acrins instai Senatos trepidat et
inumbrante iam vespera rem in seqnentem diem proferendam
esse censet; noctem consilimn utile datoiam. Multitndo re-
spondet: Satis sibi deliberatnm esse, neminem ininria afficien*
dam, innocentis sangninem non esse fmidendnm, ne diyinae vin-
dictae magnitndinem in se provocet; misemm ergo hominem
paedore carceris liberandnm. Senatns de seditionis poena, quam
captivüs dedisset, nisi malleatores intercessissent, prorsns de-
sperat; quare ipsnm postridie liberatnm iri promittit. Ibi tum
tota mnltitndo: ipsnm non postridie, non cras, non seqnenti die,
sed snbito iamiam effractis etiam carceris repagnlis eripiendnm
esse clamitat, nisi senatus iussu relaxetur. Hac incondita voci-
feratione fabrorum senatus in conclavi senatorio territus suae
saluti terrebat; quare, quod seqnenti die erat futurum, illud et
nunc sine magno incommodo fieri posse existimans per lictores
"^et ministros publicos carcerem aperiri iubet. Cautione itaque *p. 410.
de non ulciscenda captivitate praestita liberatur. A malleatorum
multitudine ezceptus in cauponam abducitur, atque ibi per totam
noctem adeo se mutuo stanneis urgent culuUis, ut plerique
omnem maerorem captiyi causa conceptum una cum bordeaceo
liquore evomerent.
Die 21. Decembns Botbmannum senatorii edicti obUtum si. nea.
multi anabaptistarum a septima ad octavam in templo Senratiano
in avüs iuxta pomerium sito concionantem audivere. Multi quo-
que eyangelicorum in templo Lambertino coenae dominicae Fa-
bricio administrante participes fuere. Catholici vero schismatum
multitudine constemati silent ac lugent.
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464 Anno 1534 acta.
Annns 1584/
Joannes Westermannns doctor sno officio in refonnatione
^imT contezenda fonctos 28. Decembris * Lippiacos penates revisit.
i^jan. Ipsa die Circnmcisionis Domini Henricus Bollios' Both-
mannista in templo Aegidiano concionator, qnod cnm senatos
rescisceret, eo ministros misit, qoi finita concione ablatis ab
aeditno clavibns templnm condnderent, ne cniqnam istins fac-
tionis ibidem concionandi facultas relinqueretnr. Brizins vero
concionatnros cnm Martinianom snggestom conscenderet, a
Bothmannistis detnrbatnr. Petras qnoqne Wirthemios aqnibns-
dam civibns instinctn Bothmanni templo Lndgeriano repnisns
0 YeigL Bd. 1 S. 841 Anm. — *) Herrn. Hamelmann 8. 1209
bringt Westermannns Fortgang von Münster mit Boll's Bnisraf „in die
Innocentum' (28. Dez.) in Verbindung. Er läfst mit Westermann sogleich
auch Glandorp, Fabricius und Brictias entfliehen. Die betreiSende Stelle
ist, was den BuTsrof angeht, eine fast wörtliche üebersetznng der Schil-
denmg bei H. Dorp BL D2, der aber dabei des Abzuges der Prediger
nicht gedenkt. Die chronologische Einordnung ist durchaus inig. Der
Bulsruf begann erst im Febr. 1584 (s. weiter unten). Zur Zeit desselben
war Westermann bereits wieder in Lippstadt. Am 9. Febr. lehnte er von
dort aus einen von Soest an ihn ergangenen Ruf zum Eoadjutor des Super-
intendenten ab (vergl. Fr. Jostes: Daniel von Soest [Paderborn 1888]
S. 388 und E. Enodt: Joh. Westermann [Gotha 1895] S. 84 f.). Fabricius
verlaust Mfinster erst am 27. Februar. Wann Brictius und Glandorp eatr
flohen, ist mit Sicherheit nicht mehr festzustellen. Am 1. Febr. schreiben
sie noch gemeinsam mit Wirtheim von Münster aus an den Landgrafen
von Hessen (G. A. Cornelius: Die Münsterischen Humanisten [Münster
1851] S. 77). — Wirtheim entweicht zugleich mit Fabricius am 27. Febr.
Er wird von den Bischöflichen gefangen nach Telgte geführt (s. H. Dorp
BL D4^). Der Landgraf tritt vermittelnd ein, und diesem schreibt der
Bischof am 9. März (Orig. im St-A. Marburg), da(s er »von stunt gemelten
Wirthemium aus haiftung ane entgeltnus kommen lassen," auch seinem
Amtmann Befehl gegeben habe, „Brictii und Glandorpii weiber mit irer
habe und guter ziehen zu lassen.** Was ihn zur Anhaltung veranlAÜBt habe,
woUe er dem Landgrafen bei einer demn&chstigen Zusammenkunft mitteilen.
') Wir sind nicht unterrichtet, wann Boll und die übrigen am 6.
Nov. verbannten Predikanten nach Münster zurückgekehrt sind, üeber
den Widerspruch in den Qnellenangaben vgL oben S. 447.
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Anno 1534 acta. 465
ad concionandnm non admittitur^; inde, nt vitetnr motas, per
senatum templnm est clansnm. Solxun antem Fabricixun anctori-
tate et farore ezünio inter evangelicos poUentem aliosqne omnes
beneficio lingoae obscnrantem Bothmannistae inviti tolerant.
OmnibTts concionatoribns contemptis solns Mc est in precio,
Omnibus reiectis solus Mc ad docendum admittitur; omnibus
alüs templis conclusis solum Lambertinum huic patescit, unde
tantam sibi eruditionis opinionem apud plerosque comparavit^
ut nemo visus sit scire, quod ipse ignoravit. Hinc sibi non
parum placere *fastuque turgere coepit, quem tarnen magna *p. 411.
verborum morumque lenitate ita temperavit, ut inter suae farinae
homines nemo humilior, nemo mitior nemoque mansuetior visus sit.
Hie 4. lanuarii finita concione, quam a sexta ad septimam 4. Jan.
matutinam habuit, in Bothmanni doctrinam publice invectus est.
Et cum Bothmannus suam doctrinam contra quoslibet periculo
etiam capitis publica disputatione se defensurum populo passim
persuaderet, evangelicos autem subterfugere neque in conspectum
suum prodire andere diceret, Fabricius quoque se adrersus onmes
Bothmannistas atque Cerberum ipsum suis impensis coram in-
corruptis aequisque iudicibus quibuscunque disputaturum offert l
Senatas cognita contendentium voluntate parique disputandi fer-
Yore finem tumultuandi iam fore arbitratus est. Suam itaque
auctoritatem interponens quosdam doctos et pios vires ab evan-
^) Am 11. Janaar, wie es Eerss. oben S. 460 nach H. Dorp schon
einmal berichtet hat.
*) Akten [über Yerhandlnngen znr Vorbereitung einer Disputation
gegen Ende des Jahres 1533 sind nicht mehr nachweisbar. Unter den
filteren Quellen berichtet uns nur H. Dorp Bl. D !▼ u. D 2 von dem Plan
zu einer solchen. Aus ihm hat sowohl Kerss. wie auch H. Hamelmann
S. 1208 f. geschöpft, aber jeder von ihnen chronologisch ungenau. Als zum
Wortstreit gegen die Bothmannisten gezwungen fuhrt H. Dorp neben Fa-
bricius, Brictius, Wirtheim und Glandorp auch noch Westermann an, und
er sagt ausdrücklich, dafs die Herausforderung geschah nach Annahme der
neuen Kirchenordnung (30. Not. 1533) und noch bevor Wirtheim am 11.
Jan. 1534 von der Kanzel zu St. Ludgeri vertrieben wurde. Vorausgesetzt,
dafs das nur von Kerss. überlieferte Datum des 28. Dez. 1533 als Zeit des
Fortgangs Westermann's aus Münster das richtige ist, so fielen die Vor-
berdtongen zu der Disputation, da Westermann zu den herausgeforderten
evangelischen Predigern gehörte, zwischen den 30. Nov. und den 28. Dez.
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466 Anno 1534 acta.
gelicis principibns^ designandos hnic dispntationi adhibendos
esse consnlit, qnibus victoris iudicium committatur, quam rem
civitatis snmptibas sibi cnrae fore promittit; qnae omnia ntrin-
qne placnerunt. Verum cnm senatns de certo die, quo conten-
dendtim sit, ageret, Eothmannns cnm snis snbterfngere, trepi-
dare et tergiversari coepit dicens, etiamsi adversarios snos mani-
festis scriptoranun veteris et novi testamenti argnmentis snpera^
yerit, qnod fhtnmm certo sciat, adeo tarnen mnndom a veritatis
tramite deflexisse, nt veritatem etiam agnitam agnoscere nolit';
alios pontificiis institntis seductos, alios Lntheranicis delira-
mentis fascinatos aliommqne haereticomm ac schismaticornm
placitis dementatos adeo pertinaces sniqne propositi tenaces esse,
nt nnllis rationibns et scriptnrae testimoniis se flecti patiantnr;
adeo sibi omnes infestos esse, cnm veritatem in Incem proferat,
nt nnllnm indicem pro se pronnnciatnmm sciat; tntins itaqne
se snam cansam non hominnm indicio, qnod qnaestn et favore
transversnm rapitnr, sed snpremo indici decidendam commis-
snmm. Dispntatio ergo, qnam senatns et pleriqne alii ezpecta-
bant, Eothmannistamm metn intercidit*.
*p. 412. ""Qnaedam mnliercnlae^ non tam andaces qnam temerariae
eodem 4. die lannarii hora tertia pomeridiana consnles ipsos,
qni de more qnibnsvis sni copiam in foro fecerant, satis confi-
denter adennt per oratricem snam postnlantes, nt Fabricins,
homo ignotns, alienigena, Westpbalicae lingnae ignams, pere-
grino idiomate sibüans, temerarins, fatnns maloqne spiritn agi-
tatns, ab officio sno moveatnr, Eothmannns vero, vir pmdens,
*) H. Dorp fügt hinzu: »und stedten.**
') Aehnlich H. Dorp: «... das sie wol wisten, wie sie auch sagten,
das inen niemand zufallen wurde. ^ Er fügt dann hinzu: „wie das eim
erbam Badt und der gantzen Stad bewust ist, und beweist sich zwar selbs
aus beider teil schrifften, die das mal uberantwort wurden und noch für-
banden sein.''
') Von einer nochmaligen nach dem 10. Februar 1534 gegen die
Wiedertäufer beabsichtigten Disputation einiger „gelerter heren unde Stu-
denten . . ., under welckeren gewest her Herman Kothe, Yortides cappellain
gewest to Sunte Lamberde, ein frommer, gelerter christe,^ berichtet D.
Lili e S. 220 f. Doch ist sonst darüber Nichts überliefert Zu Heim. Kothe
Tgl. die Anmerkung F. Bunge's in seiner Ausgabe des D. Lilie a. a. 0.
*) Das Folgende ist nur durch Eerss. bekannt.
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Anno 1534 acta. 467
patrio sennone disertns, pins ac omninm disciplinamm genere
instractus, snbstitQatar; se eam gratiam precibus ad Deum fasis
pensatnras. Ad haec consnles: Ne Ms negotiis se praeter femi-
neum decns misceant, ad mnliebrem sexiun haec non pertinere;
Fabridum non nisi dispntatione yictom removendnin, neque
BothmanDum nisi yictorem redpiendum esse; rerecnndlae igitor
et feminei pudoris memores penates snos revisant et familiae
saae prospiciant; sibi cnrae fore, ne respublica negligatur. Quo
response mnliercnlae exacerbatae: „Yos,^ inqniunt, „non estis
consnles, qni, qnod utile est reipublicae, non consulitis; vos non
estis patres patriae, qui patriam negligitis; imo vos deteriores
estis homicidis, qui non solum corpora, verum etiam animas
cibo suo defraudatis ac verbi Dei fame et inedia crudeliter occi-
ditis.^ Haec similiaque verba effondentes recedunt.
Die autem quinta lanuarii eaedem mulierculae adscitis sex s. Juu
yestalibus Transfluvianis, quas saturitas et rerum copia effirenas
et profdgas fecerat quaeque cum habitu omnem pudorem ezu-
erantS totum^ senatorium ordinem in curia coactum adoriuntur
eumque de recipiendo Bothmanno in templum Lambertinum
multis verbis inquietant. Sed earum postulatio benigne non est
ezaudita, quare digressum senatorii ordinis benignioris responsi
causa opperiuntor. Verum cum consnles soluto consilio sece-
derent neque de recipiendo Bothmanno senatus sententiam a
mulierculis rogati mutarent, illae pudore protinus verso in fu-
rorem variis convitiis ipsos per plateas insectantur infandasque
contumelias in ipsos totumque senatorium ordinem tantis cla-
moribus evomunt, ut multi passim ex aedibus suis ad specta-
culum *istud inusitatnm accurrerent, ferociam impudentiamque^p. 413*
feminarum admirarentur, maxime earum, quae per annos aliquot
conclusae psalmos Davidicos cantillare, cum Deo coUoqui et man-
suetiorem vitam agere didicerant. Et cum qoidam mitioribus
verbis eas ab intemperantia linguae coercere niterentur, illae,
quibus frons iam perierat, acrius femineo more incalescentes
•) Ms,: totmnqne.
') Den Austritt von Nonnen ans dem Ueberwasserkloster zeigt die
Aebtissin dem Bisehof in einem weiter unten anch von Kerss. mitgeteilten
Scfazeiben vom 10. Januar an«
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468 Anno 1534 acta.
„Yos,^ inqoinnt, „prins fnistis evangelici nostriqne negotii stre-
nni promotores, nunc mntata sententia transformati itemm in
papistas Hassiacnm Demn administrante Fabricio derorastis,
yerbnm Dei oppressistis neqne passi estis illud ynlgari. Brevi
TOS istins impietatis poenitebit, brevi poenas restris factis dignas
estis daturi. Becedite in malam crncexn nnnqnam yivi reditnri !
Ha, ha, ha, ba, tos papistae! Ha, ba, ha, ba, yos deivori!^ Nnllos
est fere modus convitiandi; qnicqnid snggerit faror, expnnnt.
Patientins tarnen banc yerbomm ininriam consnles pertulissent,
nisi insnper excrementa yaccamm, porcornm et equonun passim
in plateis reperta in ipsos coniecissent. Sic impxme consnles
totnmqne senatum ludificabantur.
Warendorpenses interea obedientiae, quam superioribns
suis scriptis^ promiserant principi, immemores accito conciona-
tore seditioso omnia magis magisque exemplo suae metropolis
innoyant. Atque bic concionator maiorem partem non solum
ciyium, yemm etiam paganorum circumfusorum ad se allicit et
ita sua doctrina afficit, ut contemptis suis parocbis infantes buc
baptizandos deferrent neque matrimonia legitima esse censerent,
quae concionator Warendorpicus non iungeret *. Princeps itaque
inusitato boc agricolarum concursu offensus in baec yerba 7.
(17.) Jan. lanuarii scribit': Se aliquoties Warendorpenses familiariter ad-
monuisse, ut ab onmi religionis noyatione sibi temperarent et
catbolicae ecclesiae ritus exoscularentur moribusque maiorum
suorum tutius insisterent. Sed nunc se experiri ipsos praeter
spem ab obedientia in rebellionem prolabi. Ne igitur ipsis ali-
*p. 414. <l^d *deterius contingat, concionatorem aut abigant aut inobe-
dientiae nomine secum paciscantur iubet^
*) Yergl. oben S. 457 den Brief Warendorfs an den Bischof vom
2. Dez. 1538. — *) Dafs das von Banem ans dem Amte Sassenberg geschah,
klagt der Hofineister Friedrich v. Twist dem Bischof in einem Schieiben
vom 9. Jan, (Oiig. im St-A. M., gedr. bei L. Keller: G. d. W. S. 804).
') Yielmehr am 17. Januar ans Ibnrg. Konzept im St-A. M.
^) Im Schreiben: „. . . uns aen vertoch vor alsnlcke jnwe selffwillige,
verbodden nnd f^eventlige handelonge nnd ungehorsam böte und affdracht
to doin . . . np dat wy in ander wege tegen jnw to trachten nicht geor-
saket werden.* Der Richter Joh. Wale ist dann mit einigen Warendoifer
Bürgern in Sassenberg gewesen, nm durch Yermittinng Johannas t. Bfiren
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Anno 1534 acta. 469
Coesfeldienfles etiam adversns fidem saam principi addic-
tam^ concionatores novos itemm admittnni Qnare princeps 13«
lannarii ad ipsos in haec yerba scribit': Se ante menses aliqnot is. Jan.
serio postnlasse, nt concionatores novos non solnm non adndt-
tant, vemm etiam eos nrbe pellani Se tarnen nunc tandem re
ipsa comperiri ipsos admonitionem snam contenmere et snperiori
noYationi magis magisqae non sine magno et magistratos et
plebis malo indies insistere. Se itaqne itemm inbere, nt snpe-
Tioribns scriptis pareant, ignotos et seditiosos concionatores nrbe
eiiciant. Si vero illad ab ipsis impetrari non possit, eam se in-
obedientiam pro merito yindicatanun. Inde, cmn minns pare-
rent, circa 20. diem lannarii mandat princeps snis praefectis, nt ao. J«n.
ciyes eins nrbis, qni capita seditiosae doctrinae fnerant, dili-
genter observent e^ si mnros egressi fnerint^ capiant captosqne
tanqnam seditiosos in carcerem abdncant'.
imd des Hohneisteis Friedrich t. Twist die Gnade des Bischofs anzurufen.
Beide berichten darauf am 21. Jan. den Warendorfer Abgesandten (Kopie
im St.-A. M.), dafs sie ^hj s. f. g. dar up nycht Tel gnediges bescheides
eriangen konen. Doch nychtzdeweyniger so yem de van Warendorp ge-
neigt und gemejnt, sick erer ungehorsamer, uproiischer myshandelong
halTen in gnade und Ungnade s. f. g. to ergeren, doch myt dem bescheyde,
dat de unschuldigen der wegen aen faer unde schaden, avers de rechtschul-
digen to geborliger straffe staen zollen, alsdan mag s. f. g. myt ennen
handeis erlyden; wo avers des nycht, wyll s. f. g. de sake der tyt bevallen
syn laten.*'
') Ygl. oben S. 434 f. — *) Aus Beyergem. Konzept im 8t-A. IL
') Ein dahin gehender Befehl des Bischofs scheint nicht erhalten zu
sein, doch bezieht sich darauf ein Schreiben des Joest t. Yoerden und
Berthold t. Bueren zu Ahaus an den Bischof vom 24. Januar (Orig. im
St-A. M.), in dem es weiter heifst: „. . . Wanner e. f. g. de van Goesfelde
to straven gedechte und e. f. g. de stadt mydt listicheide gelich de van
Dülmen in to nemen weren geneiget, wolde wy darynne alle knnschup
mydt mugeliger flyth und arbeidt nith sparen und uns dar anne beflytigen.
Wante, g. f. u. h., es ist tho besorgen, zo der angezeigeden eyner ange-
tastet und hantfest gemacket, werden sich de ander bynnen der stadt ent-
holden«^ Der Bischof antwortet darauf am 25. Jan. aus Iburg (Konzept
im St.-A. M.}: ». .. dat wy deshalven also eyn guit gefallen hebben; be-
geren ock, dat gy juw upt heymligeste dar umme beflitigen willen, unde
20 gj unser edder unser negstgesettener amptlude heimlich bihulp dar to
bedenreden, gy uns dat weten laten.*^ — Ueber die Yerhftltnisse in Coes-
feld, wo sich der Rat doch gegen die Predikanten wehrte, sind wir etwas
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470 Anno 1Ö34 acta.
Senatos inde Monasteriensis de componendis civinm moti-
8. Jan. bns et suis partibns confirmandis soUicitns 8. lannarii coli Et
cnm de pellendis concionatoribus iterom ageretor, Henricns
Bedekems, pellio et tribnnns plebis, quem in Telgetica captivi-
tate peram cellarii ^ qoingentis florenis mimitam expngnasse cap-
tivamqne secum abdnxisse fama fnit ', in senatnm et maxime in
genauer tmtemchtet dorch das im St-A. M. befindliche, bisher nngedrackte
Bekenntnis des damals gefangen genommenen Coesfelder Bürgers Labbert
Wydonw's, das der Amtmann Dietrich Cloet am 14. Febr. dem Bischöfe
einschickte. Er gesteht, „wn he selff derde, nemptlich myt Berndt Wi-
ch artz and eynen gnant dat Tedderken eynen predicanten genompt
her Her man Bispinck yan Munster gehalt durch ansjanen und beger
des werdes in der halven manen Einrieb Eopperslegers, Joist
Stothues, Egbert Schonlake und anderer, de ... den dren yorg. tergelt
gedaen und umb den yorg. predicanten t'halen na Munster geferdiget, wel-
ckem predicanten yorg. Wydouw, zo en de raidt dar nicht gestaden
en wolde, wedderumb uth Coisfelde gebracht. Dar na is eyn ander pre-
dicante selfiis in Coisfelde nngeeischet gekomen, den de yorg. verdt in der
halyen manen ersten an sick genomen und eyn nacht geherberget^ und de
ander nacht Toni es Veit hu es, de derde nacht eyner genant de han-
schenmecker und aldo denselyigen predicanten in zeligen Berndt Schulten
huis gebracht, dar he noch itzige dage wonhafiFtich.^ Nachdem er dann
«als raetgeyers und capiteyns, den predicanten to underholden,* die Coes-
felder Burger Lambert Baisers und dessen Bruder, Peter Swerinck^
Berndt Yelthues, Thonies Yelthues, Johann Bockholt und
Laurentius Snyder namhaft gemacht hat, bekennt er schliefslich, „dat
he yan dem sacramente nicht en holde mer, dan yan eynen anderen stuck
broitz, wanner dat wordt und de geloye daer nicht by en synt; glofft oick
nicht, dat dat sacrament in sylyer eder golde beslotten will syn. Oick
gelofFt he nicht, dat de hilligen macht hebn eder konen yor eynen men-
schen bidden; und gelofft oick nicht, dat dat hillige olie dem menschen
to der salicheith batlich sy; he en werde dan better underrichtet" —
Gleichzeitig mit der Uebersendung dieses Geständnisses konnte D. Cloet
dem Bischof melden: „wu de predicant, de dar lange gepredicket heSt,
oick uth Coesfelt yerloepen sy.**
') Melchior y. Bueren. — ^ Eerss. erwfthnt das sehr bald weiter
unten noch einmal. Best&tigt wird das Gerücht durch die yon mir in der
Zdtschr. 51 (1893) S. 97 ff. yeröfPentlichten tagebuchartigen Notizen. Nur
heilst es dort yon Bedeker, „das er myt des marschalcks (Gerh. Monien)
tischen befameth*' gewesen sei. Die Unbeliebtheit Melchior's y. Bueren
nnd AdolTs y. Bodelschwingk bei der Einwohnerschaft Münsters hat Eerss.
viederholt berichtet 8. Bd. 1 S. 848 u. 345.
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Anno 1534 acta. 471
Wjckinm, syndicnm civitatis, debacchatus est, quod is esset
rnttltaroin seditionmn rermnqne novamm anctor. Ad quem
doctor: „Abi," inqnit, „bone vir, domnm et custodi peram!"
Eine inter ipsos rehemens logomacbia exoritnr et qnasi annicnli
baedi sibi mntuo insultant. Sed consnles istam contentionem
intercipiant. Inde sedatias de civili utilitate Consultant atqne
qnosdam concionatores praeter Bothmannnm plebis favore tntom
repognantibas etiam qnibnsvis orbe exigendos esse decemnnt,
et si illnd snccesserit, Bothmannum qnoqne ipsnm, omninm
seditiosomm coriphaemn, facilias posse pelli existimant.
•Eothmannistae vero ", ntpote Cloprisins, Eollius, Stralenius ♦ p. 415.
atqne Moersanns^, nihil sibi tale metnentes hoc sednlo agunt
monendo, hortando, rogando, persnadendo, obinrgando, nt snae
üactionis satellites et matronas divites dementent et eo inducant,
nt Tel omnia vendant et precinm in conunnne conferant vel ad
concionatomm sedes deferant. Neminem enim foederis et aeternae
salntis participem esse posse affirmant, qui non toti mnndo re-
nnnciantes pntris corporis omamenta abiiciant vel in panpemm
confratmm et snstentationem concionatomm erogent. „Vae, vae,"
inqninnt^ „Monasterio snperbienti! Yae, vae vobis, qni aurum,
argentnm, gemmas et Candida raraqne capitis pepla ornatns
gratia geritis! Maledicti estis, qni plnris corporis, quam animae
omamentnm facitis! Exuite itaqne veterem hominem cnm onmi-
bns concnpiscentiis snis et indnite novam armatnram!" Eis con-
cionibns melle et aceto contemperatis effectnm est, nt non solum
inferioris sortis homines, vemm etiam honoratiores commoveren-
tur. Nam Christiani Wordemanni, viri senatorii nxor, a Eoth-
manno 11. lannarii rebaptizata est, qnam redenntem domnm ii. Jan.
*) Inzwischen war am 5. Januar durch die Abgesandten des Jan
Matthys, durch Bartelemeos Boekebinder und Willem de Cniper die Wieder-
taufe in Münster eingeführt worden. Die Predikanten hatten sich taufen
lassen und übernahmen selbst, nachdem die Holl&nder bereits am 7. Jan.
weiter gezogen waren, das Amt als T&ufer. Zur Sache s. die von G. A.
Cornelius: M. A. U. S. 232 angeführten Quellen. Dieser entscheidende
Wendepunkt in der Geschichte Münsters ist von Eerss. vollständig unbe-
rührt gelassen, obgleich er die haupts&chlichsten der einschlägigen QueUen
kannte und sie im weiteren Verlauf seiner DarsteUung mehrfach verwertet
hat Ygl. dazu die Einleitung. — *) Staprade.
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472 Anno 1534 acta.
maritns re per fsonnlam cognita ita in nova fide confirmavit^
nt Tix repere, nednm incedere posset. Atqne eodem die 7 yir-
gines Aegidiani coenobii et aliquot Transfluviani plnrimiqne alii
magni nominis cives a Bothmanno retinguntnr. Qnaedam etiam
matronae annulos snos, cingnla bnllis argenteis et flbnlis anreis
decorata aliaqne omamenta ad aedes Bothmanni defemnt, sed a
maritis fostibns minisqne coactae ea reposcnnt. Qnaedam sese
snbdncentes aedes aliomm concionatomm snbennt, yina bibnnt
clancnlnmqne docentnr persnadentes interim maritis se negotüs
ad rem domesticam angendam pertinentibns foris occnpatas fd-
isse. Qnod cnm a qnibnsdam proderetnr, mariti non solnm ipsas
domnm reversas pngnis et fastibns excipinnt, vemm etiam con-
cionatoribns, nisi a consnetudine snarnm nxomm sibi temperent,
dira minantnr.
♦p. 416. *Ida vero de Mervelt, Transflnviani coenobii archivestalis,
snas yirgines praeter generis sni verecnndiam atqne professionis
suae institntnm a levibns hominibns sednci principi bis verbis
10. Jan. 10. lannarii qneritnr*: Se qnidem cnm maiore virginnm parte*
Dei praesidio inxta regnlae snae institntnm yixisse neqne nllam
ant religionis ant ceremoniarnm novationem, nt snperiori prin-
cipis Scripte satisfieret, bactenns admisisse; vernm nnnc qnas-
dam praeter omnem snam expectationem sni institnti et pro-
fessionis oblitas babitnm commntasse, coenobio excessisse, se-
ditiosofnm in nrbe conciones andiyisse, apnd profanes cives sese
continere neqne ad obedientiam revocari se pati, nisi sibi ^redi
concionesqne andire et pro sno arbitratn redire permittatnr.
Cnm antem baec votis monasticis et snae professioni episcopali-
qne obedientiae plane adversentnr, se ^'^oe^ermittere* non posse,
quin ista principi magno qnidem dolore animi significet. Se
enim non libenter de yirginibus suis qneri, si salro bonore et
professione sna praetermittere liceret snisque viribus omnia in
pristinum statnm commode restitnere posset. Verum cnm istis
») Ma,: pennittere.
') Orig. im St.-A. M. Abgedr. bei J. Niesert: U.-B. P. S. 234 f.
*) Im Schreiben: „. .. bebbe wy uns unser personen halven, oick
noch etzliche jnnfferen myt uns ...*'
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Anno 1534 acta. 473
maus neque possit neqtie audeat sine principis anctoritate me-
deri, se proinde snppliciter petere, nt sna ope et consilio sibi
snccnrrat et scriptis suis significet, quid cum istis, qnae exces-
semnt et in postermn ezire in animo habent, agendnm esse con-
snlat, ne qnid forte a se agatnr, qao princeps offendatnr.
Ad haec princeps 16. lannarii rescribit^, ne eas virgines, (is.) Jan.
qnae contnmaciter regnlae snae ingnm excnssemnt, in coetnm
aliamm recipiat', ne earmn exemplo et impnnitate' aliae qno-
qne similem rebellionem et professionis snae praeraricationem
moliantnr ant maioris seditionis inter obedientes sint anctores.
Ad haec archivestalis 28. lannarii^: Se neque precibas neqne (m.) Jan.
obtestationibns neqne lachrimis neque minis a coenobii egressu
yirgines potuisse coercere et remorari. Et cum maior earum
pars habitum iam mutaverit, si prin'^cipis consilium sequatur*p. 417.
ac rebelles penitus excludat neque eas recipiat, ant recentis
motus causam aut, si pudicitiae forte naufragium facerent, non
solum consanguineorum, sed quorumlibet^ acerrima ad versus se
obloquia concitaret. Quae omnia altius principi expendenda re-
linquai
Ad quae princeps 26. lanuarii respondet*, ut rebellium w. jmu
yirginum parentibus et agnatis ad se accitis rem omnem explicet,
quod si illi eas ab errore yago ad saniorem mentem et profes-
sionis suae Yota rerocare non possint, eas illorum tutelae et
potestati restituat, ut illas secum ad penates suos abducant, ne
pristinum coenobii decus yioletur.
Senatus inde Monasteriensis superiori suo decreto satis-
') Yielmohr am 18. Januar auB Ibnrg. Konzept im St.-'A. M.
*) „hea 00 lange gj des nnse wyder beyell vernommen.*'
^ Dieser Satz ist eigene Znthat Kerss.'s. Im Schreiben des Bischofs
heifst es weiter: „. . . nnd juw mit anderen juveren gehorsamen jnnfferen
Inth nnsen Torigen schrifften yn gnder eynicheit nnd fredde bjnnen cloisters
entholden.*
^) Vielmehr am 24. Januar. Orig. im St.-A. M. Abgedrackt bei
J. Niesert: U.-B. P. S. 250 IL Im Eingange des Schreibens rechtfertigt
sich die Aebtissin darüber, daüs sie die ersten Spuren der im Kloster ein-
gerissenen Unordnung dem Bischöfe nicht gleich angezeigt habe.
') „by eren firunden und magen inlendisch und uthlendisch.*
^ Aus Iburg. Konzept im St.-A. M.
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474 Anno 1534 acta.
fitctnms Eloprisium, Stndenium ac Yinninm ^ per ministros snos
15. Jan. 15. lantiarii nrbe ednci labet. Magna vero retinctonun mnlti-
tndo tanti faciens senatum, qnanti senatns principem, eosdem per
aliam portam quasi cnm triumpho in senatns perpetnam igno-
miniam in nrbem redncit*. Qnae res per saevissimos motns
reipnblicae interitum praesagiebat. Nihil enim illi pericnlosins
est, quam legitimo imperio non parere, qnod fenestram privatae
anctoritati, qnae omnis mall in repnblica mater est, patefacit.
Haec nbi princeps facta esse accepit, labentis reipnblicae
yicem dolnit^ quam cnm neqne salntaribns snis monitis neqne
familiaribns scriptis neqne arestis inrisqne actionibns ab impiis
coeptis retrabere posset^ ne quid, qnod ad snomm salntem et
incolnmitatem pertineat, omisisse yideatnr, edicto pnblico per
». Jan. totam dioecesin 23. lannarü promnlgato oppidanos ab impia sna
factione deterrere et ad sanam mentem revocare volnit. Edicti
sententia haec est':
„Nos Franciscns, Dei gratia episcopns Monasteriensis et
Osnabnrgensis, ecclesiae Mindensis administrator etc., notnm fa-
cimns, qnod indnbitanter comperimnr damnatam, vetitam sedi-
*p. 4ia tiosamqne *factionem atqne anabaptisticam doctrinam per qnos-
') Sie hatten am 5. Januar zugleich mit Bothmann, Roll, Staprade
nnd mehreren Anderen durch die Abgesandten des Jan Matthjs die Wieder-
taufe empfangen (vergl. Knipperdolling's Bekenntnis vom 20. Jan. 1536
[M. G.-Q. n, 403]), und ihnen war, wie Vinne im October 1534 gesteht (M.
G.-Q. n, 272), neben Rothmann und Roll das Amt als T&ufer zugefallen.
^ Eine nochmalige Ausweisung der Predikanten am 15. Januar er-
wähnt von den Schriftsteilem nur Eerss. Bestätigt wird sein Bericht durch
den einleitenden Passus des oben teilwdse wiedergegebenen Briefes der
Aebtissin von üeberwasser an den Bischof Tom 24. Jan., in dem es heifst,
der ungehorsam der Jungfern sei dem Bischof deshalb nicht sofort ange-
zeigt, „dan wy hoppeden steidesTon dagen tho dagen, dewyle den pre-
dicanten de stadt Munster verbodden werth, de handel szolde
sych hebben vermyndert, gestellet und in sych solvest gedeleth.** — Der
WorÜaut bei Eerss. klingt hier an den bei H. Dorp an, der da, wo er
Ten der Ausweisung der Predikanten im Sommer 1533 erz&hlt, sagt (BL
C 2^) : „Denn als man sie zu einem thor hinaus triebe, fürt sie . . . der
Teuffei zum andern thor wider erein.**
') Dieses Edikt hat sich bis jetzt noch nicht wieder auffinden lassen.
Es ist nur durch Eerss. bekannt
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Anno 1534 acta. 475-
dam impostores et legitime non vocatos concionatores, BemardnnL
Bothmannxun, Henricnm BoUinm, loannem Eloprisium, Her-
mannnm Strapadinm, Dionisinm Vinnimn, GodeMdnm Strale-
ninm et eorom satellites sparsam et in civitate nostra Mona-
steiiensi cum alüs mnltis pericnlosis et mali exempli novatio-
nibns coepisse radicesqne egisse. Qnod smnmo animi dolore
accepimns; unde, si hoc malum impnne grassari permiserimus,
non solxun nobis caesareae maiestatis et totins imperii indigna-
tionem, yemm etiam dioecesi nostrae et subditis perpetuank
discordiam et irrecuperabilem iactnram, sed pemiciem potius
cnmnlabimns. Itaque, nt snbditi nostri ab ista doctrina sedi-
tionem spirante deterreantnr et in cbristianae concordiae amabili
yincnlo contineantnr, ad consnles, senatum, tribnnos et mechani-
comm praefectos civitatis nostrae Monasteriensis saepius et serio
qnidem scripsimns familiariter orantes, nt seditiosam banc doc-
trinam et pemiciosum errorem nrbe profligent neque nllo modo*
intra moenia patiantnr attestantibns mnltis scriptis. Nibilo-
minns tamen boc damnatam scbisma latins qnotidie per nrbem
serpere et dilatari comperimnr. üt antem bnic malo salataribus
remediis ac poenis, sicnt principem decet, occnrramns, igitnr bis
scriptis concionatoribns snpra dictis ac omnibus singulisqne civi-
tatis nostrae civibns ac incolis, qni concionatores istos defen-
dnnt, tnentnr, receptant, femnt ac tolerant manifeste vel clan-
culnm, qnivey ne tales concionatores propter impietatem et in-
obedientiam a magistratn apprehendantnr meritisqne suppliciis
afficiantur, intercedant, secnritatem, libertatem, defensionem
pnblicam tntumqne commeatnm rennnciamns ac adimimns. Prae-
dpimns itaqne omnibus et singnlis nostris satrapis, praefectis,
indicibns, ministris ac subditis, ut iam dictos inobedientes re-
belles, factiosos et seditiosos cum omnibus suis bonis, ubicxm-
que fuerint et deprebendi possint, arrestent et intercipiant, per-
sonas istas capiant, captas magistratui tradant, *ut iuxta caesa- *p. 419.
reum edictum ac imperii recessus legitimis poenis subiiciantur,
ne nos nostrique subditi imperii indignationem cumulemus. Haec
serio praecipimus et volumus, ut nostri praefecti et subditi, si
poenam et indignationem evitare velint, baec lldeliter exequantur.
In testimonium nostrae voluntatis Signum nostrum subiecto
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476 Anno 1534 acta.
spatio impressimns. Datnm 1534, die Yeneris post festam Fa-
biani et Sebastiani Martjram.^
Hoc principis edictnm qnam oppidanos moverity seqnentis
temporis res gestae satis edocent. Nam ipso die Conversionis
^. Jan. D. Pauli, 25. lantiarii, Bothmannus ab octara ad decünam in
templo Servatiano concionem habnit, in qua, cnm non solnm
retinctos snaeqne factionis homines, yenim etiam evangelicos
atqne catholicos praeter opinionem snam conspiceret, epilogo
concionis colophonis vice addidit: margaritas porcis non esse
proiiciendas, sed electis snoqne catalogo ' inscriptis. Neque post
illnd tempns publice, sed privatim in aedibus qnonmdam civium
concionatns estl Crescente aatem anabaptistamm numero' ita,
nt nna domas eos non caperet, in singolis parochiis coepenmt
esse domns, in qnibus Bothmannistae vel concionem andirent
yel certis temporibus retingerentnr, qnae nnllis patebant nisi
yel retinctis yel iis, qui certo indicio pyloro fidem fecerant se
retingi yelle. Habebant enim certa signa tam yocalia qnam
mnta, quibns se mntno in magna etiam hominnm collnvie agno-
scebant; qnae si prodita fderant, alia prioribus snbstitnebantar ^
') Dafs Rothmaim alle seine Anh&nger schrifüich anfzeichnete, be-
richtet auch Bischof Franz in seinem Schreiben an Philipp von Hessen
vom 21. Jan. 1534 ans Lieshom (Orig. im St.-A. Marburg; gedr. M. G.-Q.
n, 217 f., wo jedoch irrtümlich der 20. Jan. als Datum gegeben ist).
*) So berichtet auch H.Gresbeck (M. G.-Q. II, 12): „Dieser pape
(Rothmann) hadde die dope mit den ersten in der stadt heimlicken ge-
halden und plag ock heimlick in sein huis tho predeken und hadde so Yoele
Yolckcs heimlicken gedoept von maus, frawen und megden." Eloprifs sagt
aus (J. Nies er t: U.-S. I. S. 123): „Item sie deufften in Bemhardus huse.*'
') Schon am 13. Jan. hat sich nach einer Randbemerkung in einem
Verhöre Johann's v. Leiden die Zahl der Wiedergetauften auf 1400 be-
laufen. Siehe M. G.-Q. II, 417.
*) Ueber die Begrüfsungsformen der Wiedertäufer unter einander
gesteht Regeward (J. Niesert: Ü.-S. I. S. 26): „Dan wan eyner dem
anderen beyegende, sprack de ejne: „Gods frede sy myt jw;** de ander:
„Amen!*' Hebn syck oicknamals yor den munt plegen f küssen.** Aehnlich
lautet der Bericht H. Gresbeck's, der aber diese Art der BegrüTsung
auf die Begegnung der Männer unter einander beschränkt. Als Erkennungs-
zeichen der wiedergetauften Frauen führt er deren besondere Eopftraeht
an (M. G.-Q. n, 12 f.). — Ueber andere wiedertäuferische Zeichen bekennt
Eloprifs (J. Niesert a.a.O. S. 111), es „wurde in der stat Munster ein
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Anno 1534 acta. 477
Eine circa horam septünam respertinam diei 28. lannarii ss. Jan.
retincti nescio quo spirita agitati sürsum deorsxunqne per nrbem
catenis platearmn omnibns conclnsis armati cnrsitant noctnmas-
qne Yigflias disponnnt Nostri^ rero extrema sibi metnentes,
qnid in animo habeant ignari aedes snas egredi non andent,
qnas tarnen intus ita muniunt, ne facilis sit irruptio. Suspi-
camur enim non levibus argumentis ducti in nostrum exitium
arma ista parari'; quae tarnen Dens omnipo*tens a cervicibus »p. 420i
zeichen gegeyen, doranf etliche bnechstaben stunden, nemlich: d.w. w. f.:
das wort wart fleisch . . .'^ Im Yerlanfe des YerhSrs erkl&rt er weiter
(a. a. 0. 8. 124): »Und das ist ein lepgen doechs gewesen, daroff ein stucke
silyers genehet gewesen mit diesen bnchstaben: d. w. w. f. . . «, nnd sulch
seichen f orten sie an iren helsen zu erkentnifs irer sect nnd glosen.^ Vgl.
dazn H. Gresbeck (M. G.-Q. 11, 27 f.), der auch von dem Wechseln der
Zeichen spricht. — Ueber die Zeremonien bei der Wiedertaufe s. die Aus-
sagen Kloprifs' a. a. 0. 8. 113 f. und Yinne's M. G.-Q. II, 273 Nr. 11.
') Hier also giebt sich Eerss. als Augenzeugen zu erkennen. Von
hier an bis zum 27. Februar ist seine Darstellung der Erinnerung an
eigene Erlebnisse entnommen. Aber Eerss. schrieb erst über 30 Jahre nach
den erz&hlten Ereignissen (vgl. die Einleitung); und so wertvoll auch seine
oft ins Einzelne gehenden und auf eigener Anschauung beruhenden Berichte
sind, so halten sie sich doch nicht frei von manchen Ungenauigkeiten nnd
Unrichtigkeiten. — Als eine wichtige, gleichzeitige Quelle kommen für
diese Zeit die tagebnchartigen Notizen in Betracht^ die ich in der Ztschr.
51 (1893) 8. 97 ff. veröffentlicht habe.
*) Den eigentlichen Grund der Zusammenrottung des Yolkes erfahren
wir ans dem „Tagebuch" a. a. 0. 8. 98. Man hatte gehört, dafs der Bischof
die gesammte Ritterschaft zu sich nach Wolbeck entboten hatte, und man
war berichtet worden, ,,dat de borgermestere und etliche van sick myt den
heren van capittell und den erf&nannen verbunden und des eyns geworden
weren, dat se vor der Horster porten wolden laten stroe foren und dat
ansticken; de wyle de borgere dar na leipen, wolden se unsen g. h. eyne
porten oppen und de borgere so verraden.** — In der That hatte der Bi-
sehof von Ibuig aus am 26. Dezember 1533 der Ritterschaft seiner 8tifter
Mfinster und Osnabrfick befohlen, sich zum Kriegsdienste bereit zu halten,
und auch den Amtleuten entsprechende Weisung erteilt (s. L. Keller:
G. d. W. 8. 241). Ffir den 8. Jan« 1534 hatte er eine landst&ndische Be-
ratung nach Rheine anberaumt (Yerschreibung der 8t&dte dazu aus Bever-
gem vom 26. Dez. 1533 im St-A. M., Landtags-Akten 1532—1537). Aber
wir wissen Nichts über die Yerhandlungen daselbst, und weiteren ernsten
Vorbereitungen des Bischofs gegen Münster begegnen wir erst im Februar
(8. weiter unten).
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478 Anno 1534 acta.
M. Jan. nostris clementer arertit. Hi sie armati in diem seqnentem
clausis interim portis civitatis consistont. Dmn antem haec
agontnr, dno viri peregrino et innsitato habitn amicti adsunt^
qni circa diem 13. lannarii Monasterinm renerant et apnd Knip-
perdoUingnm diversabantur ac Enocb et Helias vnlgo esse exis-
timabantnr^, qnormn alter, Joannes Bockelson Leydanns, postea
sceptra nrbis invasit, alter vero, loannes Matthisson, in initio
obsidionis circa festam Paschae ante portam Lndgerianam ab
bostibns occisns foit, cuins relictam nxorem Leydanus dnxit^
Hi singularem sanctitatem simnlantes in aedibns Enipperdollingi
cnm Bothmanno, BoUio, Eloprisio, Strapadio, Yinnio ac Stralenio
de rebns praesentibns Consultant snggerentes interim armatis,
-quid fieri velint. Et cnm inter se dissentirent aliis nrbem fece
impiomm pnrgandam esse yolentibns, aliis vero diem dominicae
nltionis nondnm adesse asserentibns, proinde impiomm caedem
prorogandam esse et in diem Domini differendam. Yemm cnm
sibi certo persnaderent dnos istos prophetas esse et coelitns
^emissos qnibnsqne inconsnltis nihil sibi agendnm sit, decretnm
illorom expectant. Hi vero post mnlta snspiria et meditationes
nondnm tempns esse pnrgandi aream respondent; plnres prins
Domino Incrifaciendos et iam Incrificatos coelesti doctrina, non
4inidem in impiomm templis idololatna foetentibns, sed priratis
^) Ygl. dazu das Bekenntnis JakoVs von Osnabrück bei J. ^Tiesert:
Ü.-S. I. S. 156.
*) Den 13. Jan. als Tag der Ankunft Johann's v. Leiden in Münster
entnimmt Eerss. richtig den Bekenntnissen Johann's (J. Niesert: U.-S. L
S. 176 und M. G.-Q. II, 371). Doch war sein Begleiter nicht Jan Matthjs,
sondern Gert tom Geister, was Kerss. derselben QneUe hätte entnehmen
können. — Jan Matthys traf erst nach dem grofsen Aufrühre vom 9. Febr.
in der Stadt ein (vgl. Knipperdolling's letztes Geständnis M. G.-Q. II, 410).
— Zu Johann t. Leiden s. oben S. 412 f. Anm. ~ Für das Folgende ist
ans den sonstigen QueUen kein Beleg beizubringen, auch wenn wir Gert
tom Cloister an die SteUe des Jan Matthys setzen. Ob und in wie weit
Bothmann und die übrigen Predikanten den Abgesandten des Matthys
Widerstand entgegensteUten, wissen wir nicht. Nur Eerss. hat oben be-
richtet, dafs Bothmann noch am 25. Jan. zu St. Servatii predigte, obgleich
die Kirchen in den Artikeln, die Johann t. Leiden überbrachte, verboten
waren. Yergl. oben S. 449 Artikel 3 und Johann's Bekenntnisse bei J.
I^iesert a. a. 0. S. 176 und M. G.-Q. n, 371.
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Anno 1534 acta. 479
christianomm aedibns confirmandos esse; nondnm itaqne im-
piomm sangnine manns snas contaminent, ne et ipsi Patrem
coelestem sibi offensnm reddant; diem Domini propemodum ad-
fatnnim expectent, qui pnigatnrus sit aream snam ab omni
impietate. Eis vocibns tanqnam a nnminibns qnibnsdam pro-
fectis acqniescnnt. Qoare circa boram qnartam 29. lannarii sd. Jan.
armati digredinntor penatesqne snos repetnnt, atqae ita motns
ille qnievit.
Ex bis senatus propositnm sunm de pellendis conciona-
toribns anabaptisticis saeronun motnnm causam esse animad-
vertit, 'cnm iUi praesidio suorum freti pelli non velint. Ut »p. 421.
igitnr se snosqne cives qnotidiano caedis metn liberet, cni ün-
pliciti tenebantnr, die 30. lannarii convocatis tribnnis et me- so. Jan.
cbaniconun magistris non iam de exigendis nrbe Botbmannistis,
sed de pace intra moenia qnoqno modo retinenda Consultant.
Post diutinam'autem nitro citroque babitam consultationem pla-
cuit tandem \ ut omni sollicita suspicione sublata nemo civium
seu incolarum sibi quicquam adversi a suo concive metuat neque
alius alium laedat bonisve exuat, sed fandliariter et pacifice
mutuo vivant, nemo aUum convitiis aut amarulentis verbis la-
cessat, nemo alium in sua flde turbet; fides sit libera et pro
cuiuscunque conscientiae instinctu arbitraria, donec Dens reli-
gionis et fidei unitatem per Spiritum suum sanctum clementer
laigiatur. Praeterea violantes boc edictum publicae pacis gratia
datum legitimis poenis afficiendos esse decemitur. Cum boc
edictum per totam urbem a lictoribus iubente senatu publica-
retur, Botbmannistae erigunt cristas atque in sinn gaudent se
eo rem perduxisse, ut constemato iam senatu impune omnia
agant. Hactenus ignorati ac in aedibns passim delitescentes nunc
prodeunt capitaque attollunt et certo sibi persuadent coelestis
Patris nutu evenire baec omnia.
Princeps interea concilium Woltbecae 2. Februarii pera- «. Febr.
gendum indicit^ in quo convocatis statibus dioecesis de religionis
causa aliisque rebus necessariis et ad utilitatem patriae perti-
^) Die Uebereiiiklinft ist wörÜich angenommen in dem ^Tagebnch^
A. a. O. S. 99,
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480 Anno 1534 acta.
nentibns matnro consilio agant^. Huc Monasterienses miserunt^
Casparom ludefeldiun, consulem, loannem Wyckiimi, sjndicnm
seditiosTim, Henricnm Bedekeram, quem in Telgetica ezpeditione
peram Melchioris de Boren quingentis anreis bene munitam ex-
pngnasse fernnt^, et Tilannm quendam bombardaram praefec-
tnm^, iacnlandi peritissünnm, cyclopem oblongom et proceritate
terribilem, cni altenim claudere ocolnm iacnlatonun more non
fait necesse (monocnlus enim erat), qni famam egregii consnlis
et omninm indicio boni viri Eberwini Drosthenii snggestione
^p. 422. Enipperdollingi lacerare conatns faerat, sed ad palinodiam *ad-
actns in publico indicio omnia recantavit; hoc nomine inter bo-
nos male andivit^ Hos cnm princeps legatos reipnblicae Mona-
steriensis adesse intelligeret, ad colloquinm snnm eos non ad-
misit, sed a se tanqnam indignos repnlit. Per consiliarios antem
snos consnli, quem bonnm virnm esse accepit, nnnciat se in
isto concilio non de rebns levibus, sed publicis serüsqne et ad
incolnmitatem patriae salntemqne animamm pertinentibas actn-
rmn fidsse, qnibns seditiosos et infames istos, quos secnm ad-
dnxerit, interesse non velit. Nihil itaqne in hoc conventu actum
est^ Princeps enim infamium seditiosorumque praesentia pluri-
mum offensus subito recessit, ne sibi a vicinis Monasteriensibus
aliquid mali eveniat.
Bothmannus liberius iam nomini suo satisfacturus a con-
citando motu sibi non temperat. Nam flammas a vestalibus
») fehlt im Ms.
^) Akten über diesen Landtag sind nicht aufzufinden. Nach dem
«Tagebuch*' fand er am 5. Februar statt — *) S. oben S. 470.
') Wohl identisch mit dem Yon H. Gresbeck S. 166 unter den
Mnnsterschen wiedert&uferischen Bürgern angeführten „Meister Tue Bussen-
schütte.** Sonst ist über ihn nichts bekannt.
*) Das „Tagebuch** nennt von den zum Landtag Abgeordneten nur
Bedeker. Es fügt hinzu, dafs man nur seinetwillen, „de myt des marschalcks
taschen befameth,** am 31. Januar freies Geleit for die Gesandten erbat»
das der Bischof auch bewilligte, dabei aber bemerkend, er könne sich nicht
„genoigsam entsynnen, wat orsake de van Munster dar to bewegen mochte,
szo doch van oldingh nue gewontlick, upn gemeynen lantdage geleidz to
gesynnen.**
') Nach dem „Tagebuch** a. a. 0. w8re auf diesem Landtage nur
über die Türkeni^teuer verhandelt und darüber eine Einigung erzielt worden.
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Anno 1534 acta. 481
qmbnsdam Transfluviams conceptas exnscitandas esse existimat,
ne iam insitas evangelü sni ferror langaescat. Ideo assnmptis
qmbnsdam collegis snis coenobinm 6. Febrnarii ingreditnr con- e. Febr.
cionemqae de matrimonii lande habet et vlrginitatis ergastnla,
qnibns ea contra natnram conclnditnr, miris orationis arietibns
effiringit virginesqne ad propagationem generis hnmani, a qna
non magnopere abhorrebant^ excitare visns est. Inde, nt ex
stnltis prorsns insanas faceret, persnadet Ulis tnrrim cnm tota
coenobii stmctnra nniversisqne habitatoribns lllins hora dno-
decüna noctis seqnentis diel minam datnram \ Hanc rem non
solnm a qnibnsdam prophetis in nrbe praesentibns ', vemm etiam
a Patre sibi divinitas revelatam esse. Qno oracnlo non tam
constemantnr yirgines quam laetantnr, qnamm spiritns libidine
flagrans a monastica vita abhorrebat; iam enim commodam oc-
casionem excntiendi ingnm sibi oblatam esse arbitrabantnr.
Qnare snb seqnentis diei anroram omnia fere bona effemnt; qnae 7. Febr.
*) Von dieser Prophezeiung des Einsturzes des Klosters zn üeber-
wasser berichtet speziell noch das „Bichtboeck'' und weiter der Brief des
P. Plateanus. Im «Bichtboeck** (Mscr. VII, 1603 im St-A. M.) heilst es
Bl. 51^: „De jnfferen tho Averwater hebben van ehm versthain,
Dat ehr kloister soll up en secker tiedt vergain;
Dat soll geschein binnen 8 offt 14 dagen.
Dat wehren averst nnd blieben alle lagen.
Wat ehm des nachtes heft gedrömet,
Dat heft er sich des dages för ein prophetie gerömef
BL 54:
„Sin propheteren heft he den jufferen tho Averwather darum gedain,
Dat de jufferen solden uth ehren orden und kloister gain.''
P. Plateanus Bl. C4^ schreibt: „Coenobium ... Bemardus Botman arch-
anabaptista sabbato quodam cum suis prophetis ingressus certiores facit
virgiues, eadem nocte, quae esset futura inter sabbatum et dominicum
diem, locum illum divinitus subvertendum ...; fugerent itaquc, si quae
essent, quae se salvas vellenf — Vgl. auch Eer8s.^s Jugendgedicht S. 20,
bei D. Ger des: Scrin. antiq. 11^ S. 392 f.
^j Auch nach H. Gresbeck S. 13 predigten die Propheten und
Predikanten „durch die gantze stat her und haben die iunfferen in den
cloisters wies gemacht, die cloisters wolden versincken, dat sie sick solden
Uten doepen.** Ebenso Iftfst Joh. Fabricius Bolandus: Motus Monast
Bl. G 4^ Rothmann nicht nur den Einsturz des Ueberwasaer-, sondern auch
den des A^düklosters verkündigen.
7
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482 Anno 1534 acta.
cnm nnsquam tntiori cnstodia conservari putarent, quam apnd
Bothmannum, vimm Del, ad aedes itaque illius magnam eorom
partem defernnt^ Neque ipsae sese coenobio, sed partim Both-
manni, partim aliomm civium aedibus crediderunt. Ida yero
"p. 423. ""de Mervelt, archirestalis, Lndgera de Linteloen ac Sophia de
Langen aetate et iudicio reliqnis excellenüores omnia ista a Both-
manno in snnm quaestnm conficta esse sentiunt ideoqne obtesta-
tionibus et lachrimis mnltis abitnrientes retinere conantnr, sed
fnistra. Sic enim per Bothmannnm dementantur, sie fascinantor,
nt praeter generis sni decus virgineumque pndorem cQjitempto
Yoto mutatoque habitu instar amentium per plateas decorrerent
nee moneri paterentnr. Proinde hae tres Domino Deo sese com-
mittnnt et locnm habitnmque voti sni in quemlibet fati eventmn
paratae non desemnt \ Cnm haec fabnla in vnlgas spargeretnr,
*) Joh. Fabricius Bolandns a. a. 0.:
„Pars non usque adeo timido fngit agmine raptis
Nocte bonis portans haec, Rothmanne, tibi,
Seu fuit haec sexus miseri formido, per astns
Seu de composito res ea gesta fuit.
Non ingrata qnidem pravae sunt munera sectae
Talia nympharum, quas ut et illa cupit,
Nee dubimn, quin bis meritas persolvere grates
Formosis staduit pro pietate satis.^
^) Die Namen der standhaften Jungfern fiberliefert nur Eerss. —
Das „Bichtboeck^ a. a. 0. BL 54 sagt:
„Da he ebne sine falsche prophetio heft gegeven
Da sint se oick nich länger in ehren stait und Idoister gebleyen.
Se hebben nah ehres gotloisen propheten willen gedain,
Se blieven nich alle in ehren orden stain.
Etliche sindt uth ehren Idoister und ueth der stadt gedreven
Und sint nochtans in ehren orden und state gebleven.
Yelle waren yan fleschlicker begerte dull
Und waren derhalyen des uprorischen handeis yull.
Se weren yan groiter unkuischeit sehr yerbaset,
Darum hebben se uth ehren kloister nah unkuischen kerls geraset.*'
P. Plateanus a. a. 0.: „Trepidatum est anxie inter payidas puellas. lu-
niores onmes sarcinulas colligere et fuga eyadere tarn propinquum interitum
properant. Yetulae quaedam et primores yirgines yanitate spreta insanomm
prophetarum perstitemnt in coenobio . . . Permansit monasterium perma-
netque in hodiemum usque diem. Yirgines yero, quae difi^erant, ab ana-
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Anno 1534 acta. 483
dici non potest, qnanta hominnm multitado per totam noctem
insomnis minam Ulam opperiator^ At ubi tempus minae
oraculo prophetico designatum iam instaret, nihil praeter njcti-
coracis snpra nrbem Yolantis vocem audiyere. Hoc ergo vati-
ciniom falsnm fidsse hodiema etiam dies declarat. Ne autem
Bothmannns existimationis snae naufragiom falsa ista praedic-
tione faceret, exemplo lonae se tnetnr', qui mandato divino
Ninivitis eversionem praedizerat, quae non eyenit; neque tarnen
ideo ipsnm prophetam falsnm pntandnm esse, cnm talia prophe-
taram oracnla conditionem semper includant, scilicet nisi ege-
nnt poenitentiam. Yirginibns qnidem exitinm inevitabile im-
pendisse ; sed cnm serio poenitnerint, Denm Patrem hoc malnm
clementer avertisse.
übi rero Bollins falso hoc oracnlo Bothmanni anctoritatem
apnd mnltos leyari intelligeret, in morem corybantinm enthnsi-
asmo correptns fnriose per plateas discnrsans horrendis yocifera-
tionibns ac insanis boatibns impios ac charactere foederis non
signatos ad poenitentiam yocat^. Diem enim Domini instare
clamitat. Qno astn et noya remm facie superioris Bothmanni
oracnli obliyionem indncit plnrimosqne ab anabaptismo alieniores
redditos reyocai Hone antem fnrorem toxico retinctis immitti
fama fdit; illnd enim Bothmannns parentnm snomm artibns
baptUtis hospitio exceptae re vera sunt subversae. Pleraeque enim rebapti-
zatae sanf — Zu den ausgetretenen Nonnen gehörte auch die Tochter
Johannas y. d. Recke, üeber den vergeblichen Versuch, sie zur Umkehr
zu bewegen, ygl. weiter unten.
*) EL Grosbeck a. a. 0.: „.,. die luide sint gan stain und hebben
die cloisters und kercken angesehn und weren der in wachten und wolden
dat grote mirackel und wunder ansehen ..." P. Plateanus a. a. 0. hat
die Nachricht: „Senatus et ezcubias disposuit, ne firaude aliqua igne in-
iecto furiosi oraculum suum verum facerent."
*) Jon. cap. 3. — ■) Auch nach H. Dorp Bl. D2 ist Roll der An-
fänger des BufsrufiB. Aber bei ihm wird der Ruf in Zusammenhang ge-
bracht mit dem unbeständigen Verhalten der Fredikanten, die zuerst eine
Disputation mit ihren Gegnern provoziert, sich dann aber wieder zurück-
gezogen hatten (vgL oben S. 465 f.). — Schon G. A. Cornelius: M. A. ü.
S. 340 macht jedoch darauf aufmerksam, daüs die Wiedertäuferbekenntnisse
von einem Bufsruf RoU^s Nichts wissen. Derselbe wird auch in keiner
der sonstigen Quellen erwähnt.
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484 Anno 1534 acta.
edoctos^ in lignea lagena a se baptizatis miscuisse dicebatorl
*p. 424. *£x eadem Bothmanni Is^ena cnin Georgii Montani sarcinatons
8. Febr. filia bibisset, simili fnrore percita 8. Febroarii circa horam se-
cnndam pomeridianam in aedibns Bernardi Swerthemii sab for-
nice in magno hominnm ntrinsqne sezns coeta mira dicacitate
concionatur, de qua saperios in capite de ostentis dictum est^
Eodem die Enipperdollingns ac Joannes Bokelson, propheta
Leydanus, circa horam tertiam a meridie omnes propemodmn
vicos nrbis percnrrentes snperioris yitae emendationem luctifico
et terribili clamore postnlant. Nihil enim praeter poenitentiam!
poenitentiam! poenitentiam! denndatis capitibns ocnlisque in
coelnm defixis clamitant^. Quidam vero nostmm luctifici ein-
latus tristisqne vocis, qnae Hjerosoljmitannm praedixemnt ex-
cidinm, memores hnins qnoqne reipublicae minam lachrimantes
praesaginnt. Et cnm quidam inusitatam corjbantium insaniam
') Vgl. Bd. 1 S. 160. Schon in seinem Jngendgedichte sagt Kens.
(S. 8, bei D* Gerd es: Scrin. «ntiq. 11«. S. 382):
„Prayns uterque parens, sed foedis ille parentem
Canninibus solus snperavit gnatus ntnimque.^
*) Dieses Gerücht erwähnt auch Joh. Fabricins Bolandus:
Motus Monast Bl. G 2:
,Fama fuit potos, mistis qnos fecerit herbis,
Hnnc ipsum populis contriboisse snis
Omnibus et tantum semel infadisse fororem,
Horrida iam peterent praeter ut arma nihil. **
Es bot Anlafs, Johann v. Leiden in den Verhören mehrfach danach aus-
zufragen. In seiner Antwort auf die ihm auf Veranlassung des Erzbischofs
Yon Köln vorgelegten Fragen sagt er aus (J. Niesert: U.-S. I. 8. 185):
,yltem wette nicht van Bemharts teverie oder vergibt, hebben ock in keine
vlaschen gerocken oder dar uth gedruncken.^ Aehnlich ftufsert er sich am
25. Juli 1535 (s. M. G.-Q. H, 375), und am 20. Jan. 1536 (s. ebd. S. 401)
gesteht er: »Von Bemardus Rotmans yerbotten knnsten und tzauberei have
er nihe gehört, dan das sulchs sein fiant sechte."
*) Vgl. Bd. 1 S. 124, wo sich Eerss. deutlich als Augenzeuge zu erkennen
giebt. — ^) In Johannas y. Leiden Bekenntnis Yom 25. Juli 1535 (M. G.-Q.
II, 371) heifst es, es sei „Enipperdollingh in doller gestalt (dat dan enge-
verlieh XTTTT dage geduirt) roepende geworden i,betert u, betert u!" und
80 vort tot Johannen van Leiden geloepen, die oich so roepende geworden,
und dat aUet uit bedrongh oers harten und beswerongh oers gemoetz.*^
Knipperdolling'fl BuÜBruf ist auch im GestSndnis JakoVs von Osnabrück
erw&hnt (s. J. Niesert: U.-S. L S. 155).
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Anno 1534 acta. 485
passün per plateas deriderent, „Yae, vae, vae Yobis,^ inqniant,
„yae, vae Yobis, qni nos divino spiritn agitatos deridetis, qni
salutaris poenitentiae vocem non admittitis, qni foedns nostnuoa
contenmitis; agite poenitentlam, resipiscite, ne nltionem Patris
coelestis in vos provocetis!^ Inde cnm ad fomm reverterentnr,
ibi in totins popnli conspectn ex omnibns fere angnlis nrbis rei
novitate coacti in mntnos amplezns mntnaqne oscnla promnnt.
Cnm antem faror desaeyiret et pristina mentis integritas pan-
latim Ulis rediret, Oeorgins Montanns, sarcinator, cnins filia
panlo ante concionata fuerat, noYo fnrore afilatns abiectp capitis
tegmine palmisqne in coelnm snblevatis continuo accnrrit. „Sn-
spicite, viri fratres, snspicite capitaque vestra nnnc attollite,"
clamat, „Denm gloriosnm in nnbibns coeli comscantem rexillnm-
qne yictoriae dextra ferientem yideo! Vae vobis impiis, qni in
malo pertinaces estis! Besipiscite, resipiscite! Patrem coelestem
cnm mnltis angelomm millibns dira vobis minitantem in snblimi
conspicio. Vae, vae Yobis impiis! Agite poenitentiam, agite poeni-
tentiam! Dies ille Domini magnns et teriibilis adest. Besipi-
sdte, *resipiscite! Aeternae damnationis poena et cmciatns nnllo *p. 425,
tempore finiendns vos manet, qni Christnm ex Maria hnmanam
camem assnmpsisse creditis^. Besipiscite, resipiscite! Dens
iamiam pnrgatnms est aream snam et paleas inextingnibili igne
exnret. Agite poenitentiam, et si divinam nltionem vitare Yelitis,
characterem foederis nostri snmite!^ Qnibns gestibns haec alia-
qne mnlta proclamaverit, dici vix potest; nnnc enim saxis in-
snltat seseqne saltn qnasi yolatnms effert et palmis elatis plan-
dit, nnnc capnt freqnenti rotatn concntit, nnnc ocnlos ad coelnm
attoUit, nnnc deprimit, nnnc Inget, nnnc hnmi in forma crncis
procnmbit et in caeno sese Yolntat; nt pancis dicam, singnlis
Yocibns habitn corporis sni inservit. Cnm antem nos, qnotqnot
aderamns invennm more, insnetis Yociferationibns obstnpefacti
coelnm diligentins intneremnr, nihil eomm, qnae retincti vide-
rant, nee aliam qnam nsitatam coeü faciem animadvertimns.
Itaqne ad Yolnptatem corybantes isti a circnmfasa inYentnte in
*) Dieser Glaube war bei den Wiedertftnfem verworfen. Vergl. die
^Mmuterscfaen Artikel* (bei Eerss. oben S. 450 Nr. 12, im Qestftndnis
JakoVs von Osnabrück, bei J. Cochlaens und im „Eide** a. a. 0. Nr. 10).
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486 Anno 1534 acta.
foro delnsi sünnl sese cnm EnipperdoUingo ad aedes snas snb-
dncnnt. Ibi Enipperdollingns novo, sed mitiori quam prins fd-
Toris genere exagitatns in angnlo aedinm snarnm foribns paten-
tibns ad parietem conversns cnm Patre coelesti nobis yidentibns
et andientibns se loqni simnlat et plnrima ad popnlarem intelli-
gentiam non accommodata nee insta serie cohaerentia, sed more
fnriosornm abrnpta nunc manifeste loqnitnr, nnnc clancnlnm
mnssitat. Tandem defatigatns in intimas domns snae latebras
spnmivomo ore se recipiens isti spectacnlo finem imponit.
Qnidam etiam homo obesns statnraqne oblongns, in Scotia
natns, hnc forte fortnna delatns, qni, cnm panper esset, vicatim
sibi yictnm qnaerebat, hie snbornatns et pecnnia a flagitiosis
condnctns est, nt noctnmo tempore per plateas poenitentiam
clamitaret. Cnm esset caecns, ne caeno plateamm sese pollneret,
altes pedibns perones aptat; hinc qnasi anabaptistico Oestro
*p. 426. afflatns cnrsitat, poenitentiam clamitat *coelnmqne admirandam
et terribilem faciem ostentare vociferatnr atqne ita mnltos ad
noctnmnm spectacnlnm provocat eademqne freqnenter iterat.
Tandem cnm ad plateam regiam devenisset coelnmqne iamiam
casnmm edita voce ingeminaret, ipse ibi in magnnm moUis Inti
cnmnlnm prolapsns snbito obticnit neqne post illnd tempns ad
similem fabnlam peragendam nllis pollicitis qnantnmyis eximiis
indnci potnit.
lodocns qnoqne Calenbnrgns eodem spiritn agitatns conci-
tato eqno insidens snrsnm deorsnmqne per vicos fertnr et coelnm
mitnmm nnnciat ac admiranda se videre mnltasqne mjriades
angelomm se prospicere clamitat. Hinc mnlier qnaedam non
absimili fnrore concitata per omnes nrbis yicos cnrsitans tantis
clamoribns ad resipiscentiam omnes invitat, nt prorsns rance-
sceret nee Yocem nllam amplins edere posset. Ne tamen spiritns
snggestioni desit, nolam ovinm a tergo cyngnio annectit, qnae
tremnlo cnrsn agitata sine intermissione sonat atqne ita homi-
nnm ora passim in se convertit et, qnod voce negatnr, nntibas
et signis perficit. Praeterea mnlier qnaedam de Tymmermanns-
sche^ poenitentiam et resipiscentiam per yicos clamitat; r^em
^) Ana dem Gestftndnis JakoVs von Osnabrück (J. Niesert: U.-S.
L S. li)b)y wo es dünn weiter heiÜBt: «Defsglichen sy von vielen andern,
80 den geist gehadt, also wie vorg. ufsgemffen umb penitens zn tfaon."
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Anno 1534 acta. 487
enim Sjonis iamiam coelitns descensnmm Hyerosolymamqne
instanraturnm.
Hoc novo insaniendi astn plurimi cives territi primnm in
dabitationem saae religionis sunt addncti ambignaeqne fidei esse
coepenmt, quos Bothmannns sna blandiloqnentia aggreditnr et
iam nutantes facile prostravit inque snam sententiam pertraxit
atqne ita snomm numeram anxit, nt iam non clancnlum, sed
palam excussis et effractis omninm magistratnum frenis repa-
gnlisqne ad imperinm nrbis contenderent. Nono enim Februarii 9. Febr.
circa horam octavam ante meridiem^ ultra quingenti infestis
armis instructi forum curiamque vicinam, in qua omnis generis
armorum copia fuerat, occupant, ut vel nobis occisis vel pulsis
soli urbe potirentur. übi vero haec sanguinaria retinctorum
consilia nobis proderentur, quidam senatorii ordinis *continuo »p. 427.
*) Dasselbe Datum und dieselbe Tageszeit für die Zusaminenrottung
des Volkes vor dem Rathause bietet das „Tagebuch^ a. a. 0. S. 101 und
giebt als Grund des Aufruhrs an, „dat dar den morgen eyn man van Dorp-
munde were yn de stadt gekommen, de den borgeren tydonge gebracht,
wu dat dar jm felde 3000 knechte versammelt weren und wolden in de
Stadt.** — Am 3. Febr. hatte der Bischof aus Wolbeck den AmÜeuten den
Befehl erteilt, alle der Wiedertäuferei Verdächtigen zu verhaften, und am
gleichen Tage gebot er der Bitterschaft, die Amtleute dabei zu unterstützen.
Am 8. Februar ordnete er an, dafs die Amtleute schriftliche Verzeichnisse
der Wiedertäufer aufsetzen und ihm zuschicken sollten (s. L. Keller:
G. d. W. S. 306). — lieber die Unruhen des 9. bis 11. Febr. fliefsen die
QneUen reichlicher. Neben dem „Tagebuch*' ist besonders Bothmannns
Darstellung in der lyBeschlufsrede** seiner Schrift „Eyne Bestitution*' (s. P.
Bahlmann: Bibl. 1534 Nr. 5) zu beachten, von wiedertäuferischer Seite
dann weiter das letzte Kapitel des von G. A. Gornelius (M. G.-Q. II,
445 ff.) unter dem Titel „Münsterische Apologie^ veröffentlichten „Beken-
tones des globens und lebens der gemein Christe zu Monster'' (s. P. Bahl-
mann ebd. 1534 Nr. 4). Unter den Geschichtsschreibern kommt neben
H. Dorp, L. Hortensius, 0. Hcresbach und Joh. Fabricius Bolandns be-
sonders H. Gresbeck in Betracht, und einzelne Notizen liefern die Wieder-
tftuferbekenntnisse, die Münstersche Bischofschronik (M. G.-Q. I, 330), das
^ichtboeck** und ein Brief des Drosten Evert v. d. Becke zu Hamm an
Herzog Johann von Cleve (M. G.-Q. II, 218 ff). — Zu Ker8s.'s Darstellung
hier vgl. auch die in seinem Jugendgedicht S. 22 ff. (bei D. Ger des a.a.O.
S. 394 ff.). Er hat hier manche Züge aus dem Gedichte herüber genonmien
nnd die Nachrichten über seine eigenen Erlebnisse besonders durch Zu-
thaten ans Joh. Fabricius Bolandus vermehrt.
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488 Anno 1534 acta.
per lictores cives Don retinctos tarn evangelicos quam caiholicos ^
pariter ad coemiterium Transfluviantim, quod Alpha praeterluit,
convocant. Praerepto enim a retinctis foro commodior urbis
locus nostris non fnit vel ad repellendam viin Tel ad tuendum
sese. Nostri itaque subito tanta copia armati coufluuut, ut fo-
rensem illam turbam et numero et armatorum potentia facile
superarent *. Quidam tarnen illorum, qui aedes suas propter re-
tinctorum yicinitatem armati non auderent egredi, arma sua per
famulas praelongis vestibus tecta ad coemiterium deferri man-
dant, quarum quaedam ab ezploratoribus proditae et interceptae
ad carcerem sub pal«w numellaritiw* noctivagis nebulonibus
paratum ita armatae cum intolerabilibus conyitiis deducuntur.
Inter quas fuit Assola, omatissimi et doctissimi viri loannis
Weslingi, medicinarum doctoris expertissimi, hospitis mei fa-
mula, quae, cum in forum ab anabaptistis protracta et multis
conyitiis exagitata fuisset, tandem quorundam intercessione, qui-
bus inserviverat, haec sola, sed spoliata armis carcerem effugit.
Cxmi vero forenses retincti se impares Transfluyianis viri-
bus esse per ezploratores acciperent, improvisam et inopinatam
irruptionem metuentes primum sacellum Michaeli sacrum, tur-
rim Lambertinam, curiam et omnes foro propinquas aedes tor-
mentis et missilibus implent; ipsum etiam forum scamnis, se-
dilibus e templo Lambertino raptis, vasis, tabulis, lapidibus et
ruderibus subito undique convectis et comportatis ita muniunt
et per modica extructae munitionis intervalla crebris bombardis
ita distinguunt, ut instructissimi exercitus impressionem non
formidarent. Claves quoque omnium portarum urbis clausae
prioribus mutatis custodibus suae factioni custodiendas commit-
») Mb,: sub palo nomeUario.
^) „Als de godüosen dat yomommen hebben,*' sagt Rothmann in der
„RestitatioiL* (Ansgabe Yon A«Enaake S. 108), „hebben se sick mit mön-
niken unde papen np Ayerwaters kerckhoff nnde de amliggenden Straten
Yorsammelet.^ — *) Anch Botfamann IftTst „de godtlozen wal yeer mael so
starck na den fleissche, als de Christen*' sein („Restitution'^ a. a. 0. S. 109).
Job. Fabricius Bolandus Bl. G5^ sagt: „Haec (sc. fera secta) aliis
triplo minor esf
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Anno 1534 acta. 489
tnnt, ne peregrino robore in nrbem admisso nostri se firment ^
Ex bis Omnibus nostri facile animadvertunt, quid retincti moli-
antnr qüidre in animo babeant. Proinde ut snarmn qnoqne
re*nun rationem ineant snaeqne saluti consnlant, ne inopinantes«p. 428.
opprimantnry omnibns ad coemiterinm plateis sen accessibus
contra bostilem irmptionem bombardas maiores opponnnt, tnrres
templi dominici et eam, quae inxta pomerinm a noctnmis larvis
sen spectris nomen habet ^ ad arcendnm retinctomm impetnm
armatis civibus firmant, pontes ligneos, ne facilis ad coemiterinm
occidnamqne nrbis partem sit aditns, rescindnnt praeter arctum
ponticnlnm, quo ex campo dominico et orientali urbis parte de-
clivi yia per tnrricnlam a specnlo nomen habentem in coemi-
terinm Transflnvianum descenditnr^. Hanc tarnen tnrricnlam
ponticulnmqne validis praesidiis et sclopetariis cbirobombardis-
qne mnninnt. Sed cnm non satis sibi esse pntarent domestico
pollere robore, nisi etiam externis viribus et consiliis (si forte
opus sit) se firment, ideo singulari diligentia desudatum est,
nt clayes alicuius portae urbis sine magna clade consequantur.
Quas cnm ab exploratoribus loannem Paleum ^ yirum senatorium,
ac Com-adum Covordicum, qui retinctomm causam fovere dice-
bantnr, detinere nunciaretur, missis itaque aliquot armatis non
solum hos duos, apud quos claves Marianae portae deprehendunt,
yerum etiam Yinnium ac Stralenium, concionatores anabaptisti-
cos, aliosque eins farinae homines capiunt turrique Transfluviani
templi firmioribns ntrinque yalvis munitae includunt^ Mirantur
') Im „Tagebnch** a. a. 0. S. 101: „Und mjdler tydt leipen de bor-
^re na den porten und kedden posten, dat de togeslotten worden . . ."
*) Gemeint ist der Buddentarm. S. Bd. 1 S. 25.
') H. Gresbeck S. 15 berichtet, dafs alle Brücken abgebrochen
wurden. Die Erhaltung der Brücke beim Spiegelturm erwähnt er nicht
YgL dazu Joh« Fabricius Bolandus a.a.O.
*) Vwschrieben für Paleum.
*) Im „Tagebuch^ S. 102 heifst es: „. . . sjnt se (de frommen bor-
gere) gegaen na unser Leven Yrouwen porten, dar se Johann Palcken
raithman myt synen sonne uper porten gefunden by dren haeckbussen, de
se gefuUet und na Unser Leven Yrouwen kerckhoff gestalt heddn. Dar se
^ock pryranden by gefänden, so hebn se denselven Palcke myt synen sonne
unde de drey haeckbussen gebracht to Overwater upn kerckhoff und van
•en genommen de slottell to Unser Leven Yrouwen porten.** Als Gefangene
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490 Anno 1534 acta.
antem omnes boni anabaptismnm etiam in senatum irrepsisse,
iamqne plnres senatom ordinis viri a nostris in anabaptistici
favoris suspicionem non falso rapiantnr, qui tarnen se candidos
et innocentes esse fingebant. Baptis itaqne clavibns et Palco
Covordicoqne, earum custodibns, in carcerem coniectis portae Ma-
rianae et ludefeldanae yalida praesidia continno, ne qnid mora
obsit, imponnnt. Aliamm vero portarum omninm ins nostris
praereptnm in retinctomm fnerat arbitrio.
Hnnc motum et grave nrbis discrimen quidam civimn pri-
mates senatum suspectum habentes principi per literas subito
"p. 429. sig*nificant* consilium auxiliumque contra retinctos poscentes;
se enim impetu in ipsos facto omnibus molestüs nunc tandem
finem imposituros et rempublicam a perpetuo motu semel erep-
turos. Princeps ubi haec intellexisset, se laboranti civitati bo-
nisque civibus, qui coercendae seditionis semper auctores fuerint,
neque consilio neque auxilio etiam supra yires suas defuturum
rescribit. Ne autem propositum suum multis patescat, quod
gerendae rei plurimum saepe obesse solet, literas ad Herman-
num Tylbechium, praecipuura et superiorem ex patriciis con-
sulem, quem factiosum non esse existimat, in haec verba mittit^:
Cum civile dissidium et intestinam seditionem in urbe Mona-
steriensi a retinctis concitatam esse intelligat ita, ut ciyes sint
in armis totaque civitas effero exardescat motu et horrenda san-
nennt das „Tagebnch' dann S. 103 neben Palck, Yinne und Stnden noch
Johan Eonnynck, Hinrick, den doetgreyer (to Overwater) und Johan Ernst
Steynbicker.
*) Die Briefe sind nicht mehr nachweisbar. Das „Tagebuch" l&fst
S. 102 aufser an den Bischof auch an „etliche amptlude um hulpe und
troist geschicket* werden. E. v. d. Recke schreibt dem Herzog von Cleve
(M. 6.-Q. II, 219), dafs ein dringendes Hülfsgesuch an Theod. y. Merveldt,
Drosten zu Wolbeck, abgegangen sei.
*) Von diesem Briefe, der verloren zu sein scheint, erfahren wir
sonst nur noch aus dem „Bichtboeck," wo es Bl. 9 heifst:
„Usser gnedige först und herr hadde Tilbek enen breef gesandt,
Des de verrader Tilbek f5r de gemeinheit nich was bekiuidt
De vörste hadde em doen wetten und schrieffen,
Siene gnade woll de stadt Monster bj ehren rechte laten blieven;
He solde siner gnaden de porten apen halden.
Sin gnade wolde by denen frommen luden syn haest unde balde."
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Anno 1534 acta. 491
gninis efFdsio sit metuenda, nisi retinctomm vis, qui priores*
arma snmpserxmt ciyllemqne concordiam aliquoties dissolverunt,
coerceatur, se proinde petere, ut sibi cum mediocri equitatu
yenienti citra ullam urbani privilegli derogationis snspicionem
porta aperiatnr; se civitatis inra et reipnblicae Monasteriensis
libertatem in minimo non yiolatnrum, incrementis potius anc-
tnram, se paciflcos et insontes cives contra rebellinm insnltam
defensnmm factiosommqne conatns repressumm, se nrbem ab
inmdnente clade, ne totam secnm dioecesin in exitinm praeci-
pitet, liberatomm. Consnl has principis literas in omnium ci-
yinm totinsqne reipnblicae pemiciem supprimit neque de more
senatni, tribnnis et mechanicomm praesidibns eas ezaminandas
ofTert, qnod sangninem cognatnm non esse fnndendnm consnlat
yel potins qnod sibi snisqne, id est retinctis, interitnm metnat.
Ideo cnm retinctis pamm, nostris vero mnltam praesidii snper-
esse animadverteret, onmes snos conatns omnesqne ingenii vires
intendit, nt caninam, discordem, simnlatam et civibns exitialem
concordiam introdncat.
Betincti cnm viribns snis diffiderent, ad armomm copiam
confnginnt, qnibns se in terrorem Transflnvianomm, qnantnm
*possnnt, firmant. Proinde aliqnot armatos et biinges eqnos ma- *p. 4d0u
iores bombardas adferendi cansa ad armamentarinm apnd portam
Aegidianam sitnm emittnnt atqne tres stationarios milites inxta
coemiterinm Aegidiannm in eo loco, qno per vicnlnm ^ ad cam-
pnm dominicnm itnr, cnstodiae dinmae gratia collocant. Quae
res cnm nostris proderetnr, protinns qninqnaginta vi repetitnm
bombardas armant, qnos a coemiterio per longas ambages Bis-
pinckhovianae immnnitatis hostibns obviam mittnnt. Interea
Joannes Weslingns medicns et Wintercampins, acerrimi anabap-
tismi hostes, qnos ego globis ferreis corio obdnctns in nsnm
eomm armatns seqnebar, compendinm qnaerentes a coemiterio
Transflnviano per campnm dominicnm vicnlnmqne snpra dictnm
ad Aegidianam plateam properant, nt snis sese coninngant. Qni
com praeter spem et impmdentes in stationarios inciderent, in
ipso pavore animos snmnnt (neqne enim retrocedere andebant),
verbis acrioribns non aliter stationarios compellant, ac si exer*
') Die Pferdegasse.
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492 Anno 1534 acta.
citnm sequentem habeant. Uli snbito adventa et clamore nostro
territi sese in fiigam coniiciunt snisque in foro hostem adesse
rennnciant, horrorem armatonun praedicant et mnlta vero acer-
biora, quae metos snggessit, afSngont continnoque armatos in
praesidinm snormn mittendos esse clamitant. Dnm haec agnntor,
qninqnaginta a nostris emissi per ponticnlnm lapidenm^ pro-
gressi, nbi et pnblica est forica et stabnlarii apnd domum Cap-
penbergensium eqnos snos aqnantnr, adsnnt ac prope Aegidia-
nnm coemiteriom hostibns dnas bombardas habentibns occur-
nint, qni a nostris hostilem impressionem sentientes per yicnlnm
transyersnm ibi vicinnm ad forum fagitant ac trepidationem con-
duplicant In eo motu eqnns nnam bombardam trahens ibi forte
traiectas procnboit, alteram vero nostri cnstodibns abactis eri-
pinnt retortoqne eqno avehnni Betincti yero cateryatim sine
certa tarnen acie foro effosi nostros eminas missilibns frostra
"p. 481. proseqnuntur. *Ego antem adhuc pner tali crabronnm snsnrro
ac tormentomm bombis non assuetas, sed anabaptistarmn minis
territus in coemiterio Aegidiano post craneomm repositorinm
me snbdnxi ibiqne delitni et motu posito meticulosus iterum
prorepsi ac ad nostros reversus ipsos una cum bombarda inco-
lumes ad coemiterium redüsse comperi.
Inde de rebus praesentibus a nostris accurate consultatum
est. Omnium quidem votis irruptio in forensem turbam placuit,
ut Omnibus controversiis finis tandem imponatur, ne novus motus
in posterum sit metuendus; sed qua ratione commodissime et
sine clade magna id fieri queat, dubitatum est aliis, ut aperto
Harte undique in forenses iam constematos motu Impetus fiat,
consulentibus, aliis yero suadentibus, ut ex omnibus plateis ad
forum vergentibus vineae agantur ac per maiores bombardas
munitionibus forensibus deturbatis hostibusque depulsis expu-
gnatio tentetur. Sed cum utrumque multo sanguine et vulne-
ribus Visum esset constaturum, quibusdam placuit, ut yineis
actis ex omnibus quidem plateis quanto fieri possit apparatu
bellico simulata impressione, sed frequentibus iaculis impetantur
^tque assiduo labore ita defatigentur, ut nuUum ipsis respirandi
') Es ist die Aabrncke am Bispinghof. Vgl. dazn A. Tibas: Die
JStadt Münster (Münster 1882) S. 193 ff.
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Anno 1534 acta. 493
tempns relinqnatnr. Dum antem sie pngnae sint intenti, recens
exercitns permptis nobllium canonicomm et civinm arcnatis
aedibns transrerso impeta praeter spem et expectationem in
formn irroat; eam fore yictoriam minns sangninolentam. Hoc
consilinm pleriqne visi snnt approbare, Yemm cum ad eam rem
conficiendam maiore exercita opus esse putarent, loannem Wech-
leram et Hjeronimnm Busschium et alios quosdam cives snb
noctem in pagos circnmfosos paganos in praesidinm excitatnm
ablegant, qni Theodorici a Mervelt, satrapae Woltbecensinm,
anctoritate freti ministrisque illius stipati pagatim crepitantia
in cnrribns aera concutinnt agricolasqne in anxilimn vocant^
Cnm antem nox instaret, yigiliae noctomae ntrinqne disponuntnr,
*ntrinqae sjmbola vocalia dantnr, nostris „Christas,^ retinctis«p. 432,
»Pater. ^ Neque nostris symbola mnta desnnt. Straminea enim
serta in armis gestant, quae etiam tanquam innocentiae signa
ex omnibns irretinctorom aedibns snspendi inbentor, ne in fa-
tora irmptione per errorem forte in aedes innocentis ciyis im-
petns fiat^ Inde retincti calnnmiandi occasione snmpta nos
vero Deo neglecto spem et fidnciam nostram in stramineos deos
collocare, hos invocare, ab Ms anxiünm expectare passim per
plateas plenis bnccis rociferantnr.
ütrinqne sie in armis Alpha interlnente, hi in orientali,
illi yero in occidna parte nrbis in diem seqnentem fremebnndi
consistnnt. Interea Transflnviani per noctem sibi mntno animos
') Aus Joh. Fabricins Bolandus: MotosMonast, wo es BL 66^
heiTst: ,yMitteri8 in pagos, Hieronyme Bnsce, propinqnos,
Et tibi Vuechleras fidus ab urbe comes.
Illico per varios in equis cnxrentibus agros
Ciyibus hei cassam sollicitatis opem.
Namqne quater centum noctu ratione colonos
Cogitis ingenti rauca per aera citi.^
*) Ebenso berichtet Eerss. schon in seinem Jngendgedicht. Kloprifs
bekennt (J. Kiesert: U.-S. I. S. 129): „Do sie zn Achterwater waren, do
hetten die alten Christen in Munster sich mit stroe gezeichnet^ „Als de
Christen," sagt Bothmann („Restitution^ a. a. 0. S. 109), „sick tho der
slacht gerostet hedden, hebben se yan strö eine Idze gemacket, syck und
Öhre hüser darmede Yortekent, der meininge, wat also nicht getekent en
were, wolden se dan ummebrengen nnde plünderen/ Vgl. auch H. 6res-
beck 8. 17.
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494 Anno 1534 acta.
:angent et ad acriter pngnand«m* se invicem inflammant. Has-
sicns ille quoqne ecclesiastes Fabricius ipsos circnit ac forti-
tndinis constantiaeqne exemplis propositum confirmat; sed pre-
catur, ut, qnantum fieri queat, a cognato et civili sangnine sibi
temperent et post ademptam yictoriam papistas, omnis seditio-
nis et nrbani motus anctores, nunqnam in pristinom dignitatis
sive auctoritatis locnm restitni patiantnr.
At ex adyerso Bemhardns Bothmannos, Joannes Bokelson
Lejdanns atqne loannes Matthisson \ prophetae forenses, retinctos
animant yictoriam in suis manibns esse persoadentes ; Patrem
enim coelestem suos foederis signo notatos contra omnem im-
piomm insnltmn defensurom. Plnrünae quoqne anabaptistarum
feminae Patrem precaturae domum pistomm in foro piscario in-
grediuntur atqne ibi totam noctem nunc tacite Yerbisque non
intellectis intra se murmurant, nunc elatis Yocibus Patrem in-
Yocant; nullaque fit Filii * mentio. Nunc pro christianis suis
fratribus forum occupantibus precantur, ut vires animosque ad-
yersus bestes et yerbi sui oppressores suggerat, nunc pro impiis,
id est nobis, ut aliam mentem clementer largiatur. Quaedam
etiam Oestro percitae ab aUis discurrentes saxis platea*rum in-
^p. 433. sultant, manus iactant creberrimeque plodunt, capita concutiunt,
coelum intuentur et Patrem cum omni coelesti militia et innu-
merabili angelorum multitudine in nubibus coeli consistere iam-
iamque descensum in terram moliri horrendis yocibus clamitant
Inde ad coetum suum reyersae psalmos a Luthero in yemaculam
linguam transfusos cantillant. Neque huic sexui aberant yiri
*) Ms»: pugnandam.
') Wie schon oben S. 478, erwähnt Kens, anch hier das Eingreifen
-des Jan Matthjs an ganz nnrichtiger SteUe. Das Gestftndnis Enipper-
4olling's vom 21. Jan. 1536 (M. G.-Q. II, 410) Iftfst keinen Zweifel dar-
über, dafs Jan Matthys erst nach dem Anfruhr Yom 9. bis 1 1. Februar in
Münster ankam. Die Nachricht yon demselben erhielt er auf der Reise
nach Münster zu Deventer, wo er hörte, „irer brueder wer ein grofs deil
«rslagen.* „Derhalb,'' heilst es weiter, ,,hait Johan Mathis den knecht vur-
hin zu Munster gesant und ist zu Deventer hieven. Darnach haven sie
den diener wider ghen Deventer gesant und Johan Mathis lassen holen
^ampt siner huisfrawen.'
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Anno 1534 acta. 495
eadem insania correpti et a mxdieribQs forte dementatL Annati
vero in foro psalmos sine intermissione cannnt. His studiis
totam noctem ntrinqne transigunt. Ezorta vero Ince matatina
Enipperdollingos effrenatis fariis itemm agitatns cum per omnes lo. Febr.
Ticos urbis instar amentis ac furiosi vitae saperioris poeniten-
tiam clamans percurrisset ^, tandem circa horam septimam eadem
poenitentiae voce etiam Transflavianos aasos est incessere \ „ Agite
poenitentiam," clamat, „vos impii, agite poenitentiam, resipiscite,
resipiscite! Ira enim Dei capitibns vestris impendet. 0 Pater,
0 Pater! Eradicatio, eradicatio!" Puisset a Casparo ludefeldo,
fratre yeterino, transfossus, nisi qnidam intervenientes ipsnm
eripnissent et captnm in tnrrim coniecissent, nbi miro boatu
cum reliqnis ecclesiastis et retinctis viginti qninqne ibi con-
clnsis se ad ravim usqne ezercuit ^. Deinde circa horam octavam
innnmerabilis pene paganormn mnltitudo suo more armata adest
*) Vgl. dazu das „Tagebuch" a. a. 0. S. 102, nach dem Knipper-
dolling „vell unstuers royt ropen gedreyen: „0 vader, o vader, o vader!
Bettert juw, bettert juw! Doet böte, doet böte!** Und darneist geropen:
„Bidde, bidde, bidde!" Hefift dat gerne jne volck myt erer wer tor erden
gefallen mjt entdeckeden hoYeden und gebedet und dan wedder upgestaen.
Hefft deselve Berndt EnjpperdoUjnck sunder underlaet allet wu vorge-
schrcTen wedder angeropen . . ."
*) Botbmann giebt dafür den Grund an. Er sagt („Restitution" a.a.O.
8. 108) : „Item Godt gaff sinen dener dem propheten getüchnisse, wert sake,
dat de Christen den godlotze dat hövet böden, solden se de flucht annemen;
dar na worth der Christen ein gedreven, dem se am mesten doch yiandt
waren, mit namen Bernd EnypperdöUing, de muste sunder weher tho den
godtlozen intreden, en bothe und penitentie verkündigen, offte Godt wolde se
straffen. So ifs et gescheen, und den hebben se ock gevencklick angeholden."
') Die Gefangennahme Knipperdolling's ist sonst noch erwähnt im
„Tagebuch" a. a. 0. S. 104, in der Münsterschen Bischofschronik (M. G.-Q.
n, 330) und bei H. Gresbeck S. 15. Dieser l&fst mit Enipp. zugleich
„noch vif of secs ander burgers, die wiederdoeper weren," gefangen ge-
nommen werden. Ygl. auch oben S. 489. Man habe sie «gesät in unser
lieven Frawen kerchtomen. EnipperdoUingk lagh in dem tom und riep
glich wie die ossen plegen tho ropen. Und riepen: „0 Yader, o Yader, gie^
gief, straef die gotlosen!" Zu dem lesten, so haben sie mehr reutter up
der Straten reiden gehoirt Do schwiegen sie stil in dem tom und riepen
nicht mehr und meinden, mein g. h. von Monster wer selber in die stat
gekhomen."
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496 Anno 1534 acta.
nostrumqne exercitnm non pamm anget. Addidit et nostris ani-
mos satrapae Woltbecani nobilimnqae canonicormn cum eqniti-
bns et mricolis noctumns adventos \ et maxime cnin principem
ipsnm cum instructo equitatu adfuturum intelligerent. Nobiles
ibi canonici * atque satrapa continuo praesidium et operam suam
adversus rebelles consulibus offerunt. Ad quae Hermannus Tyl-
bechius gratiis actis respondet: Se in civitate sua peregrino
auxilio ad pacem conciüandam non egere; eam rem per se sine
sanguine et acerbiore motu conficere posse. Uli tamen catastro-
phen fabulae expectare maluerunt.
Setincti vero desperantes praesidium rebus suis diffidere
incipiunt. Itaque Eippenbrochium atque Suedarthonem^ l^a-
tionis obeundae causa ad nostros mittunt, qui publica fide a
♦p. 4M. nostris ad *colloquium admissi primum suos vehementer pur-
ganty quod arma non in suos concives, sed exercitii gratia sump-
serint, ut, si quando opus foret, ea in bestes externes expeditius
converterent. Se quoque in proximos pagos frumenti causa expe-
*) Nach dem „Tagebuch" a. a. 0. S. 103 traf der Drost Dietrich
y. Merreldt um Mitternacht vor Münster ein. Es berichtet weiter, dafs
der Bürgermeister Judefeld zun&chst gegen den EinlaTs der Ankömmlinge
protestierte. Er verlangte Zusage, dafs der Bischof die Stadt bei ihren
alten Privilegien belasse, den Friedensvertrag vom Februar 1533 aufrecht
erhalte und sich nur gegen die Wiedertäufer wende. Erst als das zuge-
standen war, liefs man den Drosten in die Stadt. — H. Gresbeck S. 15
giebt die Zahl der Einziehenden auf „twe oft drj dusent huren und ein
deil reutters tho perde" an. Nach ihm, sowie nach Bothmann: Bestitution
a. a. 0. S. 104 wurde das Liebfrauen- und das Jüdefelder Thor offen ge-
halten. Vgl. auch den Brief Evert^s v. d. Becke an den Herzog von Cleve
(M. G.-Q. n, 219).
*) Das „Tagebuch'' a.a.O. macht von ihnen den Domscholaster Botger
Schmising und den Domkellner Melchior v. Bueren namhaft Letzterer ist
auch in der Münsterschen Bischofschronik (M. G.-Q. I, 330) erwilhnt.
') Die Namen der Unterhändler sind nur von Kerss. überliefert.
Nach dem „Tagebuch*' a. a. 0. fanden zweimal Friedensunterhandlungen
Statt, zuerst am Abend des 9. Febr., wobei die Wiedertäufer ihren Gegnern
vorstellten^ wenn sie wirklich auf die Hülfe des Bischofs und der Amtleute
rechneten, „dat se dat wall bedechten; dat wolde en und eren kinderen
so wall overkommen, alse den, de upn marckede weren.** Da diese Ver-
handlungen zunächst scheiterten, wurden am folgenden Tage neue ange-
knüpft, die am IL Februar zum Ziele führten.
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Anno 1534 acta. 497
ditionem interdtun factnros fnisse, cum obsidionem sibi ab epi-
scopo metuant; eam vero a Transflnvianis armatis in detrimentum
nrbis impeditam esse. Ipsos secessionem et partes fecisse, ipsos
pacem et Mem snspectam habnisse; se quidem priores arma
indnisse, sed meminerint, nti priores se hostes declaraverint.
Sed utnt sit, cum intelligant ipsos episcopum contra snos con-
eives praeter meritnm et officinm vocasse atqne in nrbem cnm
equitatu suo bostili intromissuros, se illis altins banc rem ex-
pendendam obtrudere; et quid inde secuturum sit, penitius intra
se cogitent, si hostis intra muros recipiatur, quae sit futura rei-
publicae facies, si duro servitutis iugo ac tyrannide civium com-
moda opprimantur, quae libertas, quod ins, quod Privilegium
superesse possit. Hoc quoque secum aestiment atque incorrupto
animi iudicio ponderent libertate semel amissa nuUam unquam
spem eins recuperandae reliquam fore. Se quidem iugulis suis,
quos secum ferant, omnia pendere posse, sed ipsi hoc agant, in
hoc laborent, ne maiorum suorum vestigiis sint indigni neve ab
illorum virtute et pietate degenerent neque proditione hac, dum
sibi incommodare conentur, suos liberos, suos nepotes totamque
posteritatem futurae reipublicae in perpetuam servitutem prae-
cipitent. Si opes divitiasque caducas liberis suis relicturi sint,
saltem hereditatem et possessionem inaestimabilem neque auro
neque gemmis conferendam, libertatem nempe, sine invidia, cum
possint, reünquant. Secum animo volvant müvinam pacem
muri ranaeque non solum fuisse exitialem, verum etiam impe-
rium paludis transtulisse ^. Cognoscant pacem synceram et uti-
lem non esse, quae sanguinis et servitutis mercede comparatur.
Proinde concordiam, quae minoris constet, se suosque, quorum
legatione fungantur, ex animo suadere.
Haec ubi dtrissent et a nostris digressi fuisssent, nostri
super hac re Consultant aliis hoc, aliis vero illud consulentibus.
*Hermannus Tylbechius* consul: Sibi non videri, inquit, iniqua, »p. 435.
^) Vgl. die Fabel „Do muribus et ranis" in „ Aesopi TPhrygis et vita
ex Mazimo Planude desurnpta et fabellae iucundissimae." Salingiaci. loan-
nes Soter excudebat. 1538.
«) Das entscheidende Eingreifen Tilbeck's erwähnt kurz H. Gres-
beck S. 16, ausführlicher und im Sinne, in dem es auch Kerss. schildert,
8
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498 Anno 1534 acta.
qnae a forensibns legatis sint proposita. Nam principe in nrbern
adndsso ipsnm omnia sno arbitrio non sine gravi civitatis in-
conunodo et libertatis interitn (qno iam din aflfectaverit) actu-
mm. Quid futurum existiment, si eum intra moenia recipiant,
qui cives indignis modis afflixerit, eorum bona aresto interce-
perit, ipsos captivitatibus terruerit, iudiciis peregrinis contra
privilegia urbis involverit, commeatum intercluserit atque ex-
trema adversus rempublicam nostram, ut a verbo Dei secessio-
nem faceret, susceperit? Neque se hoc consulere et approbare,
ut civilem sanguinem mutuo fundant et alter in alterum hosti-
liter irruat, pater filium et fllius patrem, fratres reliquique et
consanguinitate et afßnitate iuncti vulneribus mutuis se confi-
ciant. Sibi proinde utilius videri et cum pietate christiana con-
gruere, ut sine extemo et potentiori quidem sequestro dissidium
hoc componatur et concordia, quacunque ratione fleri queat, con-
cilietur. Quae sententia quidem consulis multis displicuitj cum
per eam ad alios motus futuros relinquatur materia et mutua
suspicione perpetuoque motu urbs implicita teneatur. Tamen
cum ex animo visus est ista dicere et Caspar ludefeldus, alter
consulum, ea quasi bene et salubriter dicta approbaret, nemo
tantae auctoritatis consulibus ausus fuit contradicere. Eesponsum
est igitur legatis : Transfluvianos a christiana concordia, si bonis
conditionibus iniri queat, non abhorrere. Deliguntur itaque
utrinque sequestri, quibus tota res decidenda committitur. Datis
igitur et acceptis utrinque obsidibus* captivisque utrinque re-
laxatis onmis controversia ita tollitur, ut negotium fidei utrinque
der Brief Evert's v. d. Recke an den Herzog von Cleve (M. G.-Q. II, 219).
Tilbeck's Verhalten ist immer schwankend gewesen. Vgl. oben S. 490 f.
An einer späteren Stelle (S. 31) sagt H. Gresbeck, Tilbeck hätte »dem
bischop von Monster geholpen, dat de raetters und bueren weren in die
stat gekhomen, and viel do up dat leste dem bischop af und hielde do
mit den wiederdoepers."
^) Die Namen der Geiseln überliefert uns nur das „Tagebuch^ a.a.O.
8. 104 f.; Die Partei der Wiedertäufer will „vam kerckhore vor giselers
kejsen de erberen und ersamen heren Wilbrant Ploniefs, borgermester,
Hermenn Herden, kemner, Johan Eerckerinck upn Bispinckhave und Evert
Ocken. Dar to hebn de upn kerckhove weren gekoren vor giselere ClaelB
Stripe, Glaefs Snyder, Bemdt Pickert und Evert Gestemer.*'
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Anno 1534 acta. 499
relinquatiir liberum et arbitrarimn; credat quisquam, quid et
quantom velit, modo manns contineat; neminem enim in sna
fide et possessione tnrbandnm, in reliqois magistratui paren-
dnm esse*.
His ita actis nobiles canonici et Woltbecanns satrapa cnm
lachrimis et gemitibns nrbe excednnt ^ testantnrqne palam hanc
concordiam pemiciosae discordiae, hanc pacem horrendi belli et
*eversionis totius patriae seminarium fore. Pagani vero faturae »p. 436,
calamitatis non praescü, cum se cervisia a senatu data refecis-
sent, mores suas dorn! in maerore relictas quasi post longam
militiam cnm gaadio revisnnt. Inde ntrinqne omnes repetentes
penates saos digredinntnr bombardasqne in exitinm miitnnm
paratas et instmctas in vacnas anras exonerant, nnde tota nrbs
terribili quasi tonitru concnssa contremiscit. Princeps quoque
ipse, qni iam non procnl ab nrbe cum eqnitatn suo aberat, de
concordia inita certior factns lachrimas effadit et indignabnndus
equo reflexo recessit*.
Betinctis e foro digressis magna feminarum mnltitudo mn-
nitiones a viris snis destitntas ingressa admirabili rabie et in-
nsitata mania exagitatur*. Non potestmaior Baccharum, Thya-
^) Der Vertrag, der in den meisten Quellen kurz und ohne Datums-
angabe erwähnt wird, kam nach dem „Tagebuch'' a.a.O. am 11. Februar
zu Stande. Im Wortlaute schliefst er sich genau an das üebereinkommen
Tom 30. Januar an (s. oben S. 479).
*) Der Abzug des Drosten mit seinem Heere und den Bauern fand
nach dem „Tagebuch' und nach dem Briefe Evert's v. d. Recke a. a. 0.
bereits vor Abschlufs des Vertrages Statt. Es ist auch wahrscheinlich, dafs
dieser Abzug als Vorbedingung für weitere Friedensunterhandlungen ge-
fordert wurde. Vgl. auch C. Heresbach: Historia (Ausgabe von E. W.
Bouterwek [Elberfeld 1866] S. 14.) Er fugt hinzu: „Non deerant, qui
affiimarent episcopalis cohortis praefectum evangelico zelo permotum ultro
retrocessisse,'' ein Gerücht, für das in den sonstigen Quellen kein Anhalt
zu finden ist. — •) Vgl. dazu den Bericht H. Gresbeck's S. 16 f. und
C. Heresbach's a.a.O.
*) Im Folgenden wiederholt Eerss. zum Teil die schon oben S. 494
gegebene Schilderung von dem Gebahren der Frauen. Vergl. dazu auch
Joh. Fabricins Bolandus: Motus Monast Bl. G8^ Bei Bothmann:
Bestitntion a. a. 0. S. 109 heifst es über das Verhalten der wiedert&ufe-
xischen Masse gleich nach dem getroffenen Üebereinkommen vom 11. Febr.:
8*
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500 Anno 1534 acta.
dam, Maenadnm, Mimallonidnni, Aedonidnm Tryateridnmqne in
ipsis Bacchi sacrificiis insania ab ethnicis effingi, quam hamm
feminamm. Nihil est aspectu terribilius, nihil sordidins, nihil
stnltius nihüqne ridicnlum magis. Ita sunt dementatae, ita lym-
phatae, ita phrenesi concitatae, ut ipsas poeticas fnrias prope-
modum exuperent. Quaedam enim passis capillis, quaedam so-
lutis et laxis vestibus, quaedam fluentibus peplis per forum satis
inverecunde cursitant, quaedam saltibus insanis quasi volaturae
et iuvante furore sese eflferunt; quaedam supina facie in terram
corruunt brachiisque explicatis crucis formam exprimunt ; quae-
dam resupino vultu coelum intuentur manibusque extensis Pa-
trem invocant; quaedam stantes palmas complicatas crebris plau-
sibus ad sydera toUunt; quaedam iacentes in moUi luto sese
voiutant, quaedam in genua provolutae vociferantur, quaedam
scintillantibus oculis fremunt, quaedam plenis labris spumant,
quaedam concussis capitibus dentibus frementibus minas, quae-
dam pectora plangentes luctum prae se ferunt; quaedam lachri-
mantur, quaedam rident. At nos illarum insaniam et furorem
non tam risimus, quam luximus. üt autem diversis corporum
motibus, ita quoque diversis clamoribus sese fatigant. Onmes
quidem Patrem, sed nuUa Filium invocat; hae exitium nobis
*p. 437. precantur a Patre, iUae vero salutem, *hae nobis cladem, illae
autem elementiam et misericordiam, hae caecitatem, illae illu-
strationem nobis Optant, ut foederis signo notemur et sub eodem
duce militemus. Hae Patrem cum multis angelorum millibus
se videre et virgam apprehensam in impiorum perniciem quas-
sare, illae Patrem eoelitus descendere causamque suam iudica-
turum clamant. Hae Patrem invocant, ut se sanctamque suam
civitatera, novam scilicet Hyerosolymara, clementer tueatur; illae
sanguinem pluere falso somniant et pepla sanguineis guttis nobis
conspersa* ostentant diras increpationes adiungentes. „Vos,*'
„Do Christon sprunfron von fröudcn, wo se alltiid godacn hadden; er an-
gcsichto worden vorstalt in golt varve, eck de stone up den marckte. Eth
prophotcrde allcnt, wat dar was, ock de kinder van scven jaren. Wy achten,
dat grottor froude up erden kortes nicht gescliein en sy. De godtlosen
spreken, se rasen, se sint vull wins."
^) Ueber den Blutregen vergl. auch die Bekenntnisse Jakob's von
Osnabrück bei J. Niesert: ü.-S. I. S. 165 und Joh. Fabricius Bo-
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Anno 1534 acta. 501
inqmnnt, „ünpii, cnr in impietate vestra dintius sordescitis?
Nnnc tempns est poenitentiae ! Securis arborum radicibns ad-
mota est. Sesipisclte, resipiscite! Nondum Patrem yobis in-
fensnm excidimnqne et intemecionem extremam minari agno-
scitis?" Se qnoqne videre affinnant ingentem caerulei et sub-
nigri coloris ignem* coelitns delabi totamque nrbem operire
tamqne spissum esse, nt yisnm non transmittat; per ipsnm tarnen
solem tanta claritate snos radios transmittere, nt omniom ho-
minnm ora in foro stantinm deanrata esse existimarentnr, et
snpra ignem virnm albo eqno insidentem gladinmqne in inter-
itnm impiomm, impoenitentinm et verbnm Dei aspernantinm
quatientem *. Sed hornm omninm nemo nostmm qnicqnam vidit.
Adeo diabolns eomm ocnlos praestrinxit et fascinavit, nt se vi-
dere arbitrarentnr, qnae non videmnt, andire, qnae non audie-
mnt, et intelligere, qnae non intellexemnt. Domns est inxta
fomm, qnae deanratnm gallnm ventomm indicem in snmmo
cnlmine ferebat. Hie modico flatn interdnm conversns solis ra-
dios exceptos tanto fnlgore in ocnlos spectantinm reverberavlt
landus: Motns Monast Bl. 68n. Hl. — P. Flateanus erz&hlt Bl. G5:
„Testes quoque consucrant lineas sanguineisque gladiis pinxerant; iis in
concionem tanquam coelo demissis prodituri fuerant pseudoproplietae ad
terrorem mentiendamque plebi. Id quoque re prolata a fcmina, quae cum
ceteris vestes confecerat, discussnm est.^
^) Dieses und das Folgende fast wörtlich aus dem Bekenntnisse
JakoVs von Osnabrück (a.a.O. S. 155 f.), wo hinzugefugt ist: „und solichs
ist zwei mall gescheen.** Von feurigen Wolken „um und över de stad, dat
de Christen up den marckte gemeindet hedden, de domhüscr unde umher
de hüser in der stadt hedden gebrandt'' spricht auch Bothmann: Resti-
tution a.a.O. S. 109. Yergl. dazu Joh. Fabricius Bolandus a.a.O.
Bl. H7^. Von der Auslegung des Feuers als eines solchen, in dem die
Gegner der Wiedertäufer umkommen sollten, berichtet J. Eloprifs (Ge-
ständnis bei J. Niesert a. a. 0. S. 129) und H. Gresbeck S. 16 f.
*) Bothmann führt in der „Bestitution^ a. a. 0. S. 108 noch andere
Gesichte an: „Eth worth gesehen ein man mit einer gülden krönen, de
hadde ein swerdt in der rechten handt und ein roide in der anderen. Noch
worth gesehen ejns maus beide in der lucht, dat hadde beide bände vul
blödes, dat eth daruth dröp. Ttem noch worth ein wyt perdt in der lucht
gesehen, dar sick thom latesten ein ruyter up sadt^ Von allen den Wun-
derzeichen hat das „Tagebuch'' Nichts. Eerss. hat einzelne derselben bereits
in das 9. Kapitel seiner Einleitung aufgenommen. Ygl. Bd. 1 S. 123 f.
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502 Anno 1534 acta.
aciemque ocnlomm ita hebetavit et praestrimdt, ut pepla Can-
dida sanguineis macnlis conspersa putarentor. Hnnc etiam de-
anrati galli splendorem eximinm subita repercussione radiomm
Solarium factum intuentes coeli portas aperiri existimant Proinde
ad repentinam hanc radiorum coruscationem continuo simul
omnes pari impetu insultant^ horrendisque clamoribus coelum
implent pariterque complicatis manibus et in altum extensis sine
♦p. 438. intermissione vociferan*tur: „0 Pater, o Pater, o Eex inclyte
Syonis, parce tuo populo!" Atque hie femineus clamor et in-
condita vociferatio ita paulatim augetur, ita intenditur, ita mul-
tiplicatur, ut mille porcorum simul gnmnientium voces te audire
putes. Tandem quidam civium fasciuum et illusionem istam
sentiens gallum deauratum tormento deturbavit et deiecit; inde
omnis motus subito quievit et feminae pudore confusae sese
subducunt.
Inde Tylbechius consul cum tota famiUa a Eothmanno
retingitur K
Canina hac pace interpositis vadibus facta et femineo hoc
terribili motu plerique boni et opulentiores cives territi ac con-
stemati urbe excedunt. Goncordiam enim initam non fore diu-
12. Febr. turnam animadvertunt. Supellectilia quoque 12. Pebruarii *
^) Eine ähnliche Erzählung von der Anbetung eines in der Sonne
leuchtenden Wetterhahnes, weil man meinte, „der Vader sette up dem huis,"
findet sich bei H. Gresbeck S. 2öf. Auch er verlegt das Ereignis in die
Zeit „ehr dat belech von Monster is gekhomen/ VgL auch D. Lilie S. 222.
') „Yort da na'' (nämlich nach dem friedlichen Abkommen) „de erste
nacht leiten sich voelle mannen und frouwen und zunderlinx de borgemester
Tielbecke mit aUe sinen huisgesinde doepen^ schreibt auch Evert v. d. Recke
an den Herzog von Qeve (M. G.-Q. 11, 220). Tilbeck selbst steUt freilich
in einem gleich weiter unten von Eerss. angeführten Brief an den Bischof
in Abrede, dafs er getauft worden sei.
") Das „Tagebuch' S. 105 läfst die Massenflncht der Gegner der
Wiedertäufer ausdrücklich bereits am 11. Febr. beginnen, bevor noch die
friedliche üebereinkunft getroffen war. Es hätte sich, führt es an, das
Gerücht verbreitet, „wu dat de rait myt olderluden und mesterluden ge-
sloeten und ock derwegen to raide weren, we slck nicht wolde laten doepen,
de solde tor stunt den aventh de Stadt rumen, oft men solde en doitslaen.
Des fruchten halven ys densolven dach velle volcks uth der stadt gewe-
cken . . .' j,ünd als nu de raidt angemercket,' fährt das „Tagebuch' fort,
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Anno 1534 acta. 503
plenis plaustris praeter annonam et arma evehunt. Nam cnm
obsidionem sibi metnerent, arctissima ea custodia intra moenia
coercent adeo, nt ne similaginenm qnidem panem efferri pati-
antur*. Cum enim Hercules Hervordianus, mens contuberaalis
et in re literaria commilito, frequentibus Ms civium motibus
detemtus abituriret, maxime cum in superiori motu quidam
literarum Studiosus per tempora capitis telo transactus occu-
buerit nee ad parentes redierit^, sibi proinde metuens ad suos
redire festinat. Et cum sarcinulae librorum suorum duos exigui
ponderis panes triticeos addidisset, quibus famem, si forte in
itinere opus esset, sedaret, progredimur ad portam Horsthanam.
Ibi continuo custodes armati nos apprehendunt et scrutantur, re-
pertis autem panibus ab egressu nos arcent, donec eos in urbem
retulerimus. At nos in conspectu frementium custodum ventri-
bus nostris eos committere maluimus. Ubi vero panes absump-
sissemus, rogamus, liceatne nunc egredi. „Itote," inquiunt, „vos
verberones in malam crucem nunquam redituri!" Ego cum
commilitonem in viam deduxissem, per portam Mauritianam in
urbem revertor; per eandem enim, qua exivimus, redire non
putabam mihi utile fore. Non tamen tam fuerunt custodes por-
tarum oculati, quin a feminis sub pelliceis vestibus supra lineas
»dat malck so seeren uth toich, hebben se eynen rccefs geslotten ..." —
Auch nach Bothmann: Restitution a. a. 0. S. 109 beginnt die Auswan-
derang am 11. Februar und dauert fort bis zum '21, Febr. — H. Dorp
BL Ü 3^ setzt die Zeit unbestimmt „umb die Fastnacht** an und bringt die
Flucht der „Reichen*' in Zusammenhang mit dem grofsen Zuzug aus den
benachbarten Orten nach Münster hin.
^) So auch das „Tagebuch*' a. a. 0.: „. . . men hefft eynen jderen
dat syne volgen lathen, uth gescheiden wat sick an privande droech moste
men in der stadt laten, und solix hefft men den borgeren gegunt befs to
dem sondage Invocayit** (22. Febr.). — TJebereinstimmend schreibt auch
P. Plateanus a. a. 0. Bl. C !▼: „. .. plurimi ciyium sponte exulatum
abierunt. His primum res suas exportare permissum, nisi si quid escu-
lentum aut poculentum esset. Horum enim adeo nihQ efferri sunt passi,
nt mnlieribus quibusdam, quae agmen infantium partim ferebant in ulnis,
partim ad manus trahebant, vascula cervisiae plena . . . adimerent ipsorum-
que e manibus infantium panes triticeos . . . raperent**
*) „Auch schössen sie,** berichtet H. Dorp Bl. D2^, „einen jungen
▼on Borgstenforde auff dem Speicher hofe zu tode.**
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504 Anno 1534 acta.
subuculas snillarum caminm succidias» contectas efferentibus
•p. 439.fallerentur. *Hanc tarnen frandem Snndermannus pellio, cmn
nna earum supra modnm intumesceret, indecenti contactu pri-
mus deprehendit. Hinc diverbii loco satis inhoneste et scurri-
liter feminas lardnm snpra cnnnos gestare per totam nibem
fama sparsit; unde circumspectiores redditi omnia supellectilia
sive in arcnlis sive vasis conclusa, nisi a dominis subito expli-
centur, intra ipsas portas vi excutinnt, lectos funibns constrictos
evolvunt gladüsqne scrutantur. Haec omnia non legitimi magi-
stratüs, sed prophetarum Eothmanni, Knipperdollingi et Kibben-
brochii auctoritate peraguntur, ex qnibus, qnanta religione sn-
perioris concordiae foedera a retinctis conserventnr, videre licet.
Lantgravins cnm inter episcopum et nrbem iterum contro-
versiam exortam esse acciperet, legatos suos ad principem no-
strum mittit, qui eam quoqne, nt snperiorem, interciperent in-
terceptamque componerent ^. Quibus princeps respondet, cmn
o) Msr. succidnas.
^) Von einer Gesandtschaft des Landgrafen an den Bischof zur Frio-
densYcrmittlung um diese Zeit fehlt in den Akten jede Spur. Sie ist auch
nicht wahrscheinlich. Die letzte hessische Gesandtschaft an den Bischof^
Yon der wir wissen, war die des Alexander v. d. Thann im Octoher 1033
(vgl. oben S. 435 Anm. 2). Es folgte dann der auch yon Eerss. (s. oben
S. 454 ff.) mitgeteilte Briefwechsel des Bischofs und des Landgrafen im
November über die Absendung der hessischen Prediger nach Münster.
Weiter haben wir ein Beglaubigungsschreiben des Bischofs vom 2. Dez.
für Johann v. Buercn als Gesandten nach Kassel. Die Antwort auf dessen
Werbung liegt uns in dem Briefe des Landgrafen vom 24. Dezember vor
(abgedr. bei C. A. Cornelius: M. A. IL S. 375 ff.), in dem derselbe dem
Bischöfe Rat und Hülfe verspricht, im Falle die Münsterer ihren Landes-
hcrm in weltlichen Dingen beschweren und im Ungehorsam verharren
würden. Aber er fügt hinzu: „So aber e. 1. sie der religion halben an-
greiffen wolt, kont ich e. 1. nit helffen." Am Schlufs des Briefes heifst es:
„Dameben ist auch mein freuntlich bit, e. 1. wolle dissen fastelawent (15.— 17.
Febr. 1534) bei mir zu Cassel konmien; wil ich mich mit e. 1. allerlei e. L
und mich betreffen underreden. Und e. 1. wolle ye nit ufsen bleiben . . .*
Nachdem der Bischof dann bereits am 21. Jan. 1534 dem Landgrafen das
üeberhandnehmen der Wiedertäufer in Münster angezeigt und um Bat und
Beistand gebeten hatte (s. M. G.-Q. II, 217 f.), lehnt er zunächst am 5.,
dann am 13. Febr. die geplante Zusammenkunft in Kassel ab. Am 26. Febr.
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Anno 1534 acta. 505
Monasterienses solennia pacis foedera sibi snisqne non ita com-
moda per Läntgravinm icta temere excasserint, nnlla alia pacta
ipsos in posterum seryatnros.
Eberwinus Droste^ cum Joanne filio suo nee non Her-
mannus Schenckinck, iudex urbis, 12. Februarii principi pro la. Fei»r.
vero referunt Hermannnm Tylbecliium, consulem, cum tota sna
familia rebaptizatnm esse, atqne maiorem civium partem in ean-
dem haeresin certatim incidisse, innocentes vero salutis suae
discrimina effugientes cum coniugibus liberisque suis urbe ex-
cessisse et passim in oppidis pagisque vel inter sanguine sibi
iunctos vel ignotos magno cum rerum suarum dispendio consi-
dere miseramque vitam agere; ipsos enim vel mortem oppetere
vel extremam paupertatem perpeti malle, quam anabaptismo se
contaminare et aetemae salutis naufragium facere. Se igitur
pro illis in communi hac calamitate consilium, consolationem,
praesidium auxiliumque a principe suppliciter implorare, ne diu-
tumum sit hoc exiliuin, sed priori libertati clementer restitu-
antur. Ad quae princeps: Sibi istam civium calamitatem et
anabaptistarum contumaciam ex animo displicere et nunc pri-
mum se intelligere, cur consules se sequestrem non admiserint,
cur suam opem et consilium oblatum excusserint, *cur portis*p. 440.
fere propinquum se excluserint concordiamque simulatam et dis-
cordem conciliaverint; se autem extremis suis viribus per gra-
tiam Dei effecturum, ut boni cives se sibi curae esse intelligant
et experiantur. Ne autem princeps sine consiUo cleri primarii
meldet er, dafs er sich „mit der eyll ... in rustunge und kegenwher** habe
stellen müssen; dennoch hoffe er am 10. März in Arolsen den Landgrafen
zu treffen. Doch schon am 1. März berichtet er wieder, dafs er nicht
kommen könne, da die Wiedertäufer in Münster Zuzug erwarteten, den er
verhindern möchte. Nochmals meldet er sich am 5. März zu einer persön-
lichen Zusammenkunft mit dem Landgrafen auf den 11. März in Böke im
Paderbom'schen an. (Sämtliche Akt^n im Original im St.-A. Marburg.)
Die Zusanmienkunft fand Statt (vgl. das Hülfsgesuch des Bischofs hei Köln
[St-A. M. M. L. A. 518/19 III. fol. 253]), und weiter ist noch im März
eine hessische Gesandtschaft an den Bischof nachweisbar. Der Gesandte
Johann Nordeck kehrt am 21. März nach Kassel zurück und berichtet be-
sonders über das Schicksal Joh. v. d. Wieck's (s. weiter unten).
^) Das Folgende ist nur von Eerss. überliefert.
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506 Anno 1534 acta.
in publica hac causa et miseranda remm facie quicquam aggre-
diatur, proinde haec omnia siM serio deliberanda per literas
proponit, nt secnm, quid in hac re opus sit facto, Consultant.
Eodemque die dioecesis praefectis satrapisque omnibus per scripta
edicit \ ut eos, qui anabaptisma aversati Monasterio excesserunt
atque in pagis oppidisque passim per dioecesin fusi sese conti-
neant, tueantur ac defendant tutumque ipsis commeatum suo
nomine largiantur, sed anabaptistas comprehendant carceribus-
que constringant meritisque suppliciis et poenis subiiciant.
Eodem die virgines quaedam nobües, sed vestales coenobii
Aegidiani nee non Transfluviani pMlosophicae ac monasticae
vitae pertaesae habitum votumque sui ordinis excutientes * con-
iugii capistrum subolis praetextu affectare videbantur non in-
telligentes, quantis molestiis, miseriis et calamitatibus ea vita
infestetur. Parentes autem earum arcuatis curribus more no-
bilium huc advecti ad se eas blandis verbis revocare et ab hac
impia vivendi ratione subducere moliuntur. Ularum vero quae-
dam „Eedite," inquiunt, „domum neque nostri causa solliciti
estote. Vos non estis parentes nostri, qui neglecto parentum
officio in hunc locum mortis nos coniecistis, qui nos perpetuis
flammis urendas tradidistis. Nos vitam honestam nobis et Deo
acceptam eligimus. Eedite ita cum bona pace domum*!" Quae-
dam etiam avehendae a parentum curribus a quibusdam sub-
omatis retinctis vi rapiuntur, quibus vim gratam fuisse ferunt
Quaedam pudicitia adhuc integra parentum fletibus conmiotae
salutaribus admonitionibus acquiescunt ideoque anabaptisticae,
hoc est monstrosae libidini subtrahuntur. Multae quoque alio-
rum coenobiorum virgines hac grata occasione fruuntur*.
&) Ms.: in hac grata occasione fruuntur.
*) Nicht mehr nachweisbar. Ein Befehl des Bischofs an die Amt-
leute, aUe der Wiedert&uferei Verdächtigen zu verhaften, war bereits am
3. Febr. aus Wolbeck ergangen. Vgl. oben S. 487 Anm.
*) Das ist zuerst, wie Eerss. selbst berichtete, bereits früher ge-
schehen. Vgl. oben S. 472 ff., wo auch der Brief, in dem der Bischof am
26. Januar der Aebtissin befiehlt, den Eltern und Verwandten der abtrün-
nigen Jungfern Mitteilung von dem Geschehenen zu machen.
') Vgl. dazu die Anmerk. zu dem Berichte, den Eerss. bald weiter
unten über die Familie Johann's t. d. Recke giebt.
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Anno 1534 acta. 507
Interim Monasteilenses, ne ferientur, munitiones Schone-
fletae, arcis nohiliiun canonicomm in ripa Amasis extractae
atque a Melchiore de Boren cellario habitatae, 15. Pebruarii is. Febr.
*noctnma impressione tentare decreverant omniaqne ad rem »p. 441..
conficiendam fortim apparantnr \ Qnae res cum ipsis proderetnr,
adversus fatnram vim bombardis pulvereqne tormentario ab epi-
scopo subito petitis sese firmawt*. Sed mutato forte consiüo
aliaye causa intercedente expeditionem animo conceptam non
suscipiunt. Profuerunt tarnen huic arci non parum beUorum
minae ; ita enim tumultuario labore munitur, ut mediocrem im-
pressionem sine magno incommodo sufferre possit.
Hermannus TylbecMus et Caspar ludefeldus, consules, cum
se furoris anabaptistici apud principem suspectos esse redditos
sentirent, purgandi se causa haec ad principem 16. Pebruarii le. Febr.
scribunt*: Sibi anabaptisma in urbe Monasteriensi coeptum
aliosque mali exempli motus semper displicuisse seque adversus
ea consiliis suis et ingenii viribus, quantum potuerint, pugnasse.
Anabaptisma tamen contra suum mandatum, consensum et vo-
luntatem primum irrepsisse, inde contra omnia huius anni con-
silia et propositum, cum illud citra sanguinis effusionem repri-
mere animus faerit, praevaluisse. Se proinde tanquam innoxios
ab omnis flagitii suspicione purgatos esse principemque rogare,
ne quicquam mali de se suspicaretur; se enim nullius motus et
schismatis esse auctores, sed repressores potius; ac, si opus sit,
se ad pleniorem excusationem admittat neque benevolum et pri-
stinum benignitatis animum a se alienet, sed, quid sibi speran-
dum sit, clementer respondeat.
Schedula Tilbechii literis superioribus inclusa: „Quod vul-
garis fama me cum tota familia retinctum esse spargit^ a veri-
täte alienissimum est. übicunque autem princeps velit, me
coram Deo, toto mundo atque Omnibus hominibus ab isto cri-
mine purgabo. Ne ergo animum priorem a me deflectas, precor."
•) 3fo.; firmat.
*) Der beabsichtigte üeberfall ist nur von Kerss. überliefert.
*) Nicht mehr nachweislich. — ■) Vgl. oben S. 502.
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508 Anno 1534 acta.
17. Febr. Ad haec princeps 17. Petrnarii*: „Vestram excusationem,
Yos neque anabaptismi, qni niinc in nrbe inyalnit, neqne nUins
mali exempli motns auctores fnisse, accepimns et intelleximas,
nnde non minimum animi dolorem accepimus. Nee dnbitamus,
*p. 442. si ab initio seditiosos repressissetis * neque ipsis nimium indul-
sissetis, tardiores illos ad haec designanda fiiisse neqne nos neqne
vos ipsos tantis niolestiis involveretis. Sed utut slt, scripta
vestra et pnrgationem vestram penitins ad animum revocabimus
mentemqne nostram suo tempore latins declarabimns.^
so. Febr. Ad haec consnles 20. Febmarii *: Cum se de anabaptismo
et aliis mali exempli motibus in urbe Monasteriensi conceptis
et concitatis superioribus scriptis apud principem excusaverint>
sperasse se benignum responsum consecuturos fuisse, cum ve-
rissimum sit se bis semper restitisse multisque laboribus et vi-
giliis contendisse, ne scelerata ista factio in Monasteriensem rem-
publicam irreperet, sed se in hunc usque diem operam illam
fmstra insumpsisse. Si igitur praeter meritum innoxiis nulli-
usque criminis consciis pericula sibi sint metuenda, se rogare,
ut liberam securitatem per omnes principis regiones conuneandi
consequantup, ne forte a satrapis praefectisque impetantur et
obruantur. Quid autem horum facturus sit, benigne respondeat.
Dum haec aguntur, Eothmannus, ne feriaretur, prophe-
tarum monitu et Enipperdollingi impulsu ad suae factionis ho-
mines, qui passim in civitatibus propinquis, Osnaburgae, Zuzati,
Hammonae, Wesaliae, Coesfeldiae, Warendorpiae, Alenae, Dul-
maniae, Schopingae atque aliis locis metu supplicii latitaverant,
quos ipse non aliter atque dux aliquis militiae suae inauctoratos
milites noverat, scribit^: A Deo Patre prophetas duos ad se
Mouasterium missos, qui insigni pietate et vitae sanctimonia
') Nicht mehr nachweislich. — ') Nicht mehr nachweislich.
^) Kerss. verbindet hier den Bericht H. Dorp's Bl. D 3 mit dem
des Lambert Hortensius: Tumult, anabapt. (Ausgabe von Amsterdam
1636 S. 16). S. die Einleitung. — Von den Schreiben selbst, deren Inhalt
Kerss. mehr mit Anlehnung an L. Hortensius als an H. Dorp wiedergiebt,
scheint keines erhalten zu sein. Unter den beschickten Städten werden
Ahlen und Schöppingen nur von Kerss. genannt. — Um dieselbe Zeit, Mitte
Februar, fand die Aussendung Jakob^s von Osnabrück in die Jülichschen
Lande statt. QueUen und Literatur darüber s. oben S. 448 Anm.
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Anno 1534 acta. 509
sint fllnstres yerbnmqne Dei pnre et sine nlla hnmanae fecis
admixtione incredibili quadam facnndia atque snavitate doceant.
Si proinde salnti suae consulere velint, cum uxoribus liberis-
que relictis opibus terrenis ad se veniant, novam suam Hyero-
solimam et Syona *templnnique Salomonis verum ac aeterni Dei^p. 443^
CTÜtum explosa omni idolomania in eo secnm instanrent. Ipsos
praeter coelestem thesaurmn satis opnm habitnros. Haec ubi
fama urbes et pagos passim pervagaretnr, tanta nndiqne homi-
num copia novitate nominis et rerum inflammata accurrit, ut
egressomm civium iacturam non solum pensaret, sed et superaret.
Hnc igitur viri cum uxoribus liberisque, huc viduae, huc
virgines, huc mulieres relictis domi maritis suis, huc mariti
absque coniugibus advolant; huc nobiles atque ignobiles com-
meant, huc milites et pagani coeunt, huc ex Hollandia et Frisia,
ex Brabantia circumfusisque provinciis, oppidis pagisque quam
plurimis confluunt. Huc Henricus Krechtingus, Schopingensis
gogravius, cum uxore liberisque contendit' magnam istius op-
pidi multitudinem civium secum adducens. Qui cum aliquot
plaustris bene onustis in itinere, cum unum abesset miliare ab
urbe, prope tabernam meritoriam a saliceto denominatam a Jo-
anne Sendano, Nortwoldiensi gogravio, 14. Februarii interceptus u. Febr.
temeritatis suae dedisset poenas, nisi fllius suus in ipsa impres-
sione capientium manus elapsus centum retinctos in praesidium
ex urbe subito accersivisset patremque carceris custodibus gra-
*) Diese Nachrichten über Heinrich Krcchting bietet nur Kerss.
Uebrigens war Heinrich Krechting schon in Schöppingcn mit Johann v.
Leiden persönlich bekannt geworden. Johann sagt aus, „. . . wie er dan
ock to Schoppingen in der nacht gedrungen, so Henrich Krechtingen magt
kranck gewesen, de solde he dopen, und solde gesunt werden** (M. G.-Q,
II, 417 f.). — Heinrich Krechting wurde später Kanzler des Königs. Sein
Bruder Bernhard giebt im Verhöre vom 25. Juli 1535 an (M. G.-Q. 11, 381),
er sei, seiner Meinung nach, entkommen. So sagt auch H. Gresbeck
S. 36: „Derselve cantzler hadde dat leven beholden." Am 7. Mai 1536
werden vom Bischof Franz den nachgelassenen Kindern Heinrich's die kon-
fiszierten Güter u. 8. w. ihres Vaters aus Gnaden wieder überlassen, mit
Ausnahme des Wohnhauses in Schoppingen und dessen, was vom Bischöfe
aus dem Nachlasse bereits an Andere vergeben worden war (Urkunde bei
J. Niesert: U.-S. I. S. 231 ff.). — lieber das weitere Schicksal Heinrich
Krechting's s. S. 512 ff. Anm.
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510 Anno 1534 acta.
viter ea nocte vulneratis ipsoque Joanne Sendano faga sibi con-
STilente e vinculis eripuisset. Hie cum in nrbem venisset, no-
stras aedes praecipno foco commodioribusqne cnbicnlis raptis
sibi facit plus quam communes. Huc Hermannus Begewart,
17. Febr. pastor Waroudorpiensis, 17. Februarii multos secum adducit*;
huc dominus Bernardus Krechtingus *, Gilthusianorum parochus,
magna cum paroecianorum copia, huc Petrus Sweringus Coes-
feldianus* cum uxore, pecuniis (fuit enim dives) et eiusdem
oppidi civibus non paucis, huc Weraerus Scheiffort nobiKs*,
*) lieber seine bisherige Wirksamkeit in Warendorf vgl. oben S. 397 ff.
Als Tag seiner Ankunft in Münster erwähnt er selbst in seinem Geständ-
nisse (J. Niesert: U.-S. I. S. 26) den 17. Febr. 1534. Er giebt weiter
an, „dat Hynricus Maren eyn halff jar bynnen Warendorp uth begerten
des raedts gewest, dar sulvest umtrent dertich gedopt, darna
schrifft gekregen, dat he myt sampt den gedopten bjnnen
Munster komen solde." Auf ernstliches Ansprechen dieser Getauften
hin sei er, Regewart, dann auch nach Münster gezogen.
*) Bernhard Krechting, Heinrich's Bruder, war vielmehr schon im
Jahre 1533 in Münster. In seinem Bekenntnisse vom 25. Juli 1535 (M.
G.-Q. n, 379 f.) sagt er aus, er sei Hausgeistlicher beim Grafen von Bent-
heim gewesen, habe dann in der Grafschaft ein Pfarramt (zu Gildehaus)
erlangt, das er aber habe aufgeben müssen, „so sine predicait roincm g. h.
van Gelre niet en gefeil.** Vor der Verfolgung habe er zu Münster Sicher-
heit gesucht und sich da „einfoldigh und nae dem wort Gaetz holden wellen
und also III verdel iairs dair binnen gegangen und sich geins predichens
wellen onderwinden. Dairna is ein disputation des wederdoeps
halven aldair enstanden** (Aug. 1533), ^^und asdoe is hj voir einen
predicant verordent, dat hy doe annemen und niet weigeren moeste."
') Vergl. über ihn das oben S. 470 Anm. angeführte Bekenntnis
des Coesfelder Bürgers Lubbert Wydouw vom 14. Februar.
*) Auch hier ist Eerss. chronologisch ungenau. Werner Scheiffert
von Merode nämlich ist nach einem Briefe der Clevischen Eriegsräte vom
16. Mai 1534 an den Herzog Johann (M. G.-Q. II, 233 f.) erst an Christi
Himmelfahrt (14. Mai) „in die stat Munster gelauffen und hat zwei perde
tmd darzu sin kleider, die in guter achtung, hinder sich gelassen.** „Es
hat,** fügt der Brief dann hinzu, „des iederman, der ine gekant, ein grofs
verwunderen.** Scheiffert ist am 5. Dez. 1534 wieder aus Münster ent-
flohen, wurde aber gefangen genommen. Sein Bekenntnis vom 11. Dez.,
das Eerss. weiter unten benutzt, erwähnt Zeit und Art seines üeberlaofs
nach Münster nicht. Ueber ihn vgl. auch J. Habets: De Wedcrdoopeis
te Maastricht (Roermond 1877) S. 228 ff.
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Anno 1534 acta. 511
huc loanms*^ de Becke Dremstenfurdici nxor deserto marito adest
neque satis sibi esse pntavit dnas filias suas, Transfinviani coe-
nobii vestales, hac impietate imbni, nisi et tertiam natu mini-
mam, quanquam Conrado de "^Doerloe desponsatam, imo seipsam*p. 444.
perdendam adduceret^
Circa haec eadem tempora Joannes Matthisson propheta
in omnem effasas libidinem retinctos utriusque sexns in aedes
Knipperdollingi satis amplas noctumo tempore clam convocat^.
») Ma.: Joannes.
') Die übrigen Quellen sprechen nur von einer Tochter Johann's
V. d. Becke, die Nonne im üeherwasserkloster gewesen sei. Am ausführ-
lichsten berichtet P. Plateanus a. a. 0. Bl. C4^ u. C5: „Erat autem
inter eas quaedam Dorothea nomine, nobili et vetere familia orta. Ad hanc
domnm reducendam pater lohan von der Beck, cum eas turbas audisset,
uxorem misit et alteram filiam virginem. Quibus etiam ipsis mens a pseudo-
prophetis excantata est, et rebaptizatae manserunt Monasterii. Senex tan-
dem frustra diu expectatas sequitur multisque precibus et blandimentis
coDoquio earum vix impetrato ita infit nxor: „lohan von der Beck, si bapti-
zari vis, ad nos accede; sin aliter es animatus, tu mens maritus non es.^
Et filiae „Nee noster,*" inquiunt, „es pater.^ Itaque infelix a suis spretus
et reiectus animo confusus multumque lachrymans solus domum rediit** —
üeber die Taufe gesteht Knipperdolling am 21. Jan. 1536 (M. G.-Q. II,
409): „Die van der Becke was irstlich in Botmans huifs, und dar wart ir
und iren doechtem das wort vurgehalten. Die eine dochter fiel irst uf ire
knee und entfingh die dof, dar nach die ander, und zum lesten die moder.
Enipperdollinck nam sie darnach VIII oder IX dage in sin huifs.** — Nach
D. Lilie S. 224 ist die Mutter „mit eren dochter en in Munster ge-
komen und wolde erhe dochter, de se to Overwater im cloister hadde, heime-
soken; dan se is binnen Munster mit den dochteren gebleven unde leten
sick tosamende dopen . . .^ — Am 3. Juli 1535 stellten Johann v. d. Becke
zu Steinfurt der Aeltere, Johann v. d. Becke der Jüngere, Gert v. d. Becke
und Dietrich v. Galen dem Bischöfe einen Bevers aus, worin sie sich mit
6000 Gulden für die begnadigte Mutter und die begnadigten Schwestern
Dorothea, Anna und Margaretha v. d. Becke verbürgten (Konzept im St.-A.
M.). Doch fiel Anna v. d. Becke schon sehr bald wieder dem Anabaptismus
zu (vgl. L. Keller in der „Westdeutschen Ztschr.** Jahrg. 1 [Trier 1882]
S. 457). — üeber die Hinneigung Johann's v. d. Becke zum evangelischen
Glauben s. Herrn. Hamelmann S. 1309 f. Vgl. auch C. u. 0. v. d. Becke:
Gesch. der Herren v. d. Becke (Breslau 1878) S. 160 ff.
*) In keiner Quelle, selbst nicht in den Schriften der heftigsten
Geg:ner der Wiedert&ofer, findet sich für die im Folgenden von Kerss. er-
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512 Anno 1534 acta.
Qao cum convenissent, ibi propheta stans snb aeneis candelabris
in media domo a trabe dependentibus, qnibus tres cerei ardentes
superimpositi fuerunt, circumfusam in orbem mnltitudinem docet
et mnltorum circnmstantium tectos ignes prophetico sno spiritu
emscitat et inardescere fecit. Inde cap. 1. Geneseos subinngit.
übi vero haec verba recitasset: „Crescite et multiplicamini et
replete terram^," cereos ardentes extinguit. Qnae tunc pernoctem
istam flagitia promiscne sine verecnndia et pndore sint com-
missa, propheta in sinu pnellae satis inverecunde depreliensns
declaravit. Hanc rem ignenm baptisma appellabant. Neque haec
falsa esse credideris. Nam cum ignei baptismatis passim per
nrbem fieret mentio nee tarnen quisquam, quid esset, intelli-
geret, mulier quaedam a Weslingo, hospite meo, unius siliginis
precio illud explorandi causa conducta est. Quae cognito re-
tinctorum symbolo pylorum fefellit et clam se in istas aedes
ingessit omniaque vidit nobisque narravit.
Joannes Wyckius, syndicus urbis, quem plerique multorum
motuum et urbanae potissimum rebellionis adversus principem
et clerum auctorem esse affirmabant, proceres ac opulentiores
eicessisse, homines vero leves et inutiles successisse ipsis con-
spiciens de hac republica actum esse animadvertit neque eam
seditiosis consiliis perditam pristinae dignitati se restituere posse
putavit. Ideo se quoque subduxit^. Verum cum omnibus a
wähnte Feuertaufe des Jan Matthys irg^end ein Anhalt. Das Gerücht von
solchen Zusammenkünften und dem Treiben dabei mag verbreitet gewesen
sein, ebenso wie man von der Verabreichung von Zaubertränken durch
Rothmann redete (s. oben S. 484). Schon C. A. Cornelius (M. G.-Q.
Einl. S. 51) tadelte scharf die Leichtgläubigkeit und Kritiklosigkeit, mit
der Kerss. hier auf die blofse Aussago einer gedungenen alten Frau hin
den Inhalt des Gerüchtes als Wahrheit hinstellt.
*) Genes. 1, 28. — *) Wann v. d. Wieck Münster verliefs, ist aus
den Quellen nicht zu ersehen. Am 20. Februar aber wufste der Rat von
Münster, dafs sein Syndikus gefangen von Bevergem nach Iburg geführt
worden sei. Ueber die letzten Schicksale v. d. Wieck's sind nur kurze Nach-
richten erhalten. Nach H. Dorp, der aber die Flucht falsch nach dem
27. Febr. ansetzt, ist er ^erbermlich um sein leben bracht" worden (s. Bl.
D4^; vgl. auch Bl. E 1). Ebenso kurz berichtet Dietrich von Hamb*urg
Bl. A2 und A. Corvinus: Acta etc. Bl. A4:V. Ausführlicher sind Kerss.
und Herrn. Hamelmann S. 1207 f. Doch kennen wir ihre Quellen nicht
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Anno 1534 acta. 513
principe circumqnaque per dioecesin praefectis, satrapis ac go-
graviis diligens viarum observatio serio demandata esset, ne
Wyckins elaberetur, captns itaque primura Bevergemam, iride
Iburgnm, tandem Vastenovam deductus Eberardi Moringi, ibidem
satrapae, fideli cnstodiae committitur. Senatus syndicura suum
captum accipiens pro *eius liberatione apud principem sTippli-*p. 445,
eibus scriptis 20. Februarii emissis instat, cum anäbaptismo, 20. Pebr.
mehr, die sich einander ergänzen. Weiter haben wir in der Biographie
V. d. Wieck's durch Th. v, Hase beachtenswerte Nachrichten („Bibliotheca
Bremensis" Classis 2 fasc. 1 [Bremae 1718] S. 164 ff.), die auf die Erzäh-
lung eines bei der Gefangennahme des Syndikus Beteiligten zurückgehen.
Es ist der Bericht eines Bremer Bürgers Hermann Kreffting. Alle folgenden
Notizen und den Text der Relation Kreffting's verdanke ich der Güte des
Herrn Archivar Dr. W. v. Bippen in Bremen. Herm. Kreffting, geb. 1528,
gest. IG07, war der Erste seines Geschlechtes, der sich in Bremen nieder-
liefs, wo sein Sohn Heinrich, gest. KUl, als Bürgermeister und Staats-
mann eine hochangesehene Stellung einnahm. Die Denkwürdigkeiten seiner
Familie, die er etwa 1590 für seine Kinder aufzeichnete, beruhen durch-
weg auf mündlichen Erzählungen seines Vaters Heinrich (nicht, wie Th.
V. Hase sagt, Engelbert, denn dieser war der Grofsvater Hermann's), des
Gografen von Sandwell. Zur Gografschaft Sandwell vgl. A. Tibus: Grün-
dungsgosch. (Münster 1885) S. 808. — Das Manuscript Herm. Kreffting's
ist im Original, wie es scheint, verloren, doch sind in Bremen zwei Ab-
schriften aus dem Ende des vorigen oder Anfang dieses Jahrhunderts, die
beide nach dem Original gemacht zu sein scheinen, oder nach einer von
dem Enkel des Verfassers gefertigten Kopie des Originals. Die hierher-
gehörige Stelle lautet: „Underdefs droog sick de fall to, dat de Bremer
syndicus doctor Wyk genand dorch dat stifft Münster reisede; de quam in
ener harberge mit den Münsterschen wigelbischopp to disputeren und quemen
also hart an einander, dat doctor Wyk gefangen und up dat hus to Horst-
mar gebracht wurd. Aldo brochte de wigelbischopp eine klage so hoch
by dem bischopp und domcapittel an, dat se an mynen vader en mandat
schickeden, dat he den doctor als einen ketter scheide laten verbrennen,
worjogen he an den bischup was gereden und darjegen geprotestert, eck
synen denst opgeseeht, worto he den orsake hadde, dat en generalmandat
an alle amtlüdo was gesand, dat se alle, so Lutherischer lehre anhängig,
golden gefenklich intehn und na dem hus Bevergeerden senden. Mittler-
wyle letcn d^ dompapen den doctor Wyk den kopp by nachte affschlahen
und wart in dem walle up dem huse Horsthmar begraven." — Th. v. Hase
hält sich genau an diesen Bericht, irrt sich aber, wie in der Angabe des
Namens des Gografen, so auch in der Bestimmung der Zeit, die er irr-
tümlich in den November 1533 ansetzte. — Herrn. Hamelmann, der die
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514 Aimo 1534 acta.
qui vires et incrementum (pro dolor) in civitate sumpserit, ad-
dictus non fuerit K Princeps Wyckium non ut anabaptismo ad-
dictum, sed ut seditiosum captum esse respondet*. Male enim
principem habebat Wyckiiiin clero catholicisqne omnibus in-
fensTim seditiosis suis consiliis senatum urbis contra se semper
animasse. Tanto enim odio in clerum flagrabat, ut etiam falsa
persuasione seductus adversus ipsum et episcopum multa con-
suleret, quae tarnen in civium et senatus tandem perniciem
praeter spem et opinionem suam redundabant. Ipse sua elo-
quentia et iuris scientia confisus usitatis et veteribus abolitis
inusitata et nova reduxit ac non solum in senatu, verum etiam
in plebe aemulationem movit, partes fecit, factiones dissidiaque
concitavit. Ipse suo exemplo docüit mercenariam illam iuris-
prudentiam in curiam admissam nihil nisi conspirationes, sedi-
Gefangennahme v. d. Wieck's in die Nähe des Schlosses Verden versetzt,
berichtet auch von dem besonderen Anteil einiger Domherren an der Ver-
urteilung und Tötung des Syndikus. Seinen Tod aber erlitt v. d. Wieck in
Fürstenau. Vgl, weiter unten. — Der Gögraf Heinrich Kreflfting entfloh
nach Münster, ward dort der Wiedertäuferei anhängig und entkam nach
Ueberwältigung der Stadt zunächst nach Oldenburg und dann nach Goedens
in Ostfriesland, wo er nach der Angabe des Ereffting'schen Stammbaumes
1580 gestorben ist. Nach weiterer gütiger Mitteilung des Herrn W. v.
Bippen identifizierte die Familien tradition Kreffting mit Krechting, wie
sie auch den Namen des Geschlechtes von einem Schlofs Krechting bei
Wesel ableitet. Schon Herr v. Bippen sprach die Vermutung aus, dafs
Heinrich Krechting, der Münstersche Wiedertäufer, seinen Namen später
in Kreffting abgewandelt habe. Die Vermutung wird unterstützt durch die
Nachrichten, die L. Keller in der „Westdeutschen Zeitschrift" Jahrg. 1
(Trier 1882) S. 433 fif. über die weiteren Schicksale Heinrich Krechting's
veröffentlichte, der nach seinem Entkommen aus Münster sich zunächst nach
Lingen wandte und sich dann im Oldenburgischen „zum Führer der
ganzen münsterischen Richtung des Täufertums aufwarf und in den nord-
westdeutschen Gegenden Jahre hindurch der Mittelpunkt der Parteibestre-
bungen gewesen ist.*'
') Orig. des Briefes im St-A. M. Abgedr. bei J. Niesert: Ü.-B.
I^ 6. 236. Es heifst dort: „. . . dewyle dan desolve unse sindicus des han-
deis der wedderdoepe, so sick lejder in unse stadt erhaven, to gyner tidt
anhengich, dan steitz dar entegen gewest . .." Der Brief giebt auch Be-
vergern und Iburg als Orte der Gefangenschaft v. d. Wieck's an.
*) Irgend eine schriftliche Aeufserung des Bischofs über sein Vor-
gehen gegen v. d. Wieck liegt nicht mehr vor.
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Anno 1534 acta. 51ö
tiones et inimicitias inter subditos parere. Hie docuit levem
ob causam et de lana saepe caprina contendendiim esse, et opn-
lentiam ex sudore et visceribus civinm parandam. Expedit ergo
reipublicae nnllnm mercenarinm patronmn, qui servilem illam
et mercenariam inrispradentiam exerceat eamque prostitnat et
in quaestn habeat, in curiam admittendom esse. lUe enim in-
satiabili avaritia excaecatns divina et hnmana pariter Incri gratia
miscet, onmia indicia et leges in sua libidine habet, iustitiam
polluit et malis exemplis etiam inter posteros evertit; ille in
consilimn adhibitns non aliter lites, quam miles bellum suadet,
nam lites pendere diu vindemia magna est Ita enim callidis
verbomm anfractibus, ita versutis ambagibus vivos omnes ad
suam molam deducit, ut ne lympha quidem alienis supersit.
Hoc genus aucupum quidvis praeter quietem civibus precatur,
civem adversus civem venali interdum lingua incitat, interdum
scriptis suis omni calumniarum lascivia refertis irritat suisque
persuasionibus vaferrimis in mutuam pemiciem armat, unde
magnarum saepe calamitatum homines isti mercenarii in repu-
blica sunt auctores. Chilo enim eam rempublicam *optimam*p. 446,
esse pronunciavit, quae maxime leges, minime autem rhetores
audiat^ Arcendi igitur sunt tales homines non solum a curia
et consiliis, verum etiam a civitatibus et rebuspublicis. Nam
quemadmodum ubi multi sunt medici, ibi multi morbi gras-
santur, ita quoque ubi multi sunt iurisperiti lucri gratia sacro-
sanctam iurisprudentiam turpiter prostituentes, ibi multas lites
esse credibile est.
Post dies aliquot cum Moringus temporis fallendi causa
in alveolo cum captivo luderet, nuncius cum Uteris et cami-
fice celeriter a principe missus «intervenit. Moringus lectis literis,
unde doctorem decollandum esse intelligit, subito expalluit. Cum
vero doctor, ecquid ita istis literis exterreatur, sciscitaretur, sa-
trapa ingemuit neque verbum ullum proloqui potuit. Doctor
instat causamque palloris ipse quoque perculsus sibique male
metuens inquirit. Ibi Moringus: „Domine doctor," inquit, „de
tua vita agitur; princeps misso spiculatore te protinus obtrun-
candum esse iubet," simulque literas ipsi legendas exhibet. Qui-
*) Plntarch: ConTivinm Septem sapientum. 151, F.
9'
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516 Anno 1534 acta.
büs lectis protinns terrore attonitns et stnpefactns nnllnm mem-
brorum movit. Inde nbi cor excnsso primo pavore iternm pal-
pitare coepisset et membris pristina vis reddita faisset, in la-
chrimas ernmpens gravibns snspiriis et qnerimoniis vitam, elo-
quentiam et fastum sunm deploravit, culpavit et dauinavit ac,
quanquam priocipem clernmqne oflfenderit, se tarnen non clam
occidendum, sed pnblico iudicio sistendum et condemnandum
esse proclamat. Quod enim senatum contra principem et clernm
animaverit, qnod Sraalcaldicum foedus suscipiendum esse consu-
Inerit aliaqne multa snaserit, evangelicam libertatem postulasse,
qnam adversus satanicam cohortem cum vitae etiam discrimine
propugnandam cum syndicatu susceperit. Moringus sermonem
interrumpens, ne in se culpam necis transferat, precatur; se
enim ad mandati episcopalis executionem iurisiurandi religione
astringi, se principis scriptis obsequi oportere. Ad quae Wyckius:
Satrapam Deo potius quam homini impia iubenti obtemperaturum;
cogitet se rationem huius furtivae et calamitosae caedis cum
^p. 447. suo episcopo non homini, sed Deo, iusto *iudici, redditurum.
Frustra autem haec verba efiFundit, frustra imparatus verborum
multitudine paratos remoratnr. Adest enim mandatum principis
non teraere iubentis, adest carnifex ad stringendum gladium in-
structus, adest parochus, conscientiae tristis consolator. Solus
Wyckius imparatus subterfugia necis quaeritat, parochum aver-
satur et contemnit, sibi vim fieri queritur. Ubi vero queri-
monias et lamenta nihil sibi prodesse nullamque spem evadendi
superesse videt, necessitati parendum esse iudicat. Committens
itaque Deo animam spreto sacerdote flexis genibus manibusque
complicatis erectam cervicem carnifici incidendam praebet. Ca-
daver autem in vallo sepelitur \ •
') Auch die Zeit, wann v. d. Wicck in Fürstenau ums Leben kam,
steht nicht fest. Aber schon am 21. März schreibt Joh. Nord eck dem
Landgrafen Philipp in einem Bericht yber seine Sendung an den Bischof
Franz (Orig. im St.-A. Marburg), er sei heute nach Kassel zurückgekehrt.
Dr. Wieck's wegen habe er die Antwort empfangen, „das s. f. g. das be-
scheen anpringen bey eigener botschaft wolt beantworten." Er fährt fort :
„Und zeige e. f. g. dabencben an, das ich von meinem g. Junckern von
Bevem so vil vermerckt, das zu besorgen, doctor Wieck sei nit
noch im leben.** Die Bestätigung dafür, dafs v. d. Wieck heimlich, und
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Anno 1534 acta. 517
Caspar vero Indefeldus, consnl, etsi principem negligentia
regendi offensnm sibi habeat, liberius tarnen nrbe et anabap-
tistis, quos serio aversabatnr, relictis Hammonam concessit^
At Hermannns Tylbechins mentem snam non Celans diutius, sed
eam ex nmbra in solem prodncens totum se anabaptismo dedit
atque in urbe manet.
zwar in Fürstenau, hingerichtet wurde, giebt uns ein Brief des Herzogs
Ernst von Braunschweig-Lüneburg an den Kurfürsten Johann Friedrich von
Sachsen vom 11. Mai, in dorn es heifst (M. G.-Q. II, 232): „Es ist der
frura doctor Vick vam bischopf böslich erwürget wurden. Dan wie woel
man aigentlich weis, daes er einen zu der Fastcnaw haimlig had laessen
daes haubd absiahen, so had er doch mainem bruder und mir gescribben,
das er aus drubsal gestorben und zieh alsso crgrcmt habbe'* (vergl. dazu
den Bericht Herm. Hamelmann's S. 1208). „Man sagget hier,'' schreibt
der Herzog weiter, „und ist nichtig, das mans van den Scharfrichtern ge-
beert, das er nichtz gebeten, doen ursach im zuvor melden, vorummche
man in gedechte zu doten. Darauf sael man im geantwort habben, er sich
da mit nicht bekümmer; heddo er den doet nicht wordient, man wurden
in nicht doten. Und ist warlig hoch erbarmlig, daes der frum, crliche
mähen . . . alfso iemmerlig unvorclagt und alfso in geheim seins lebens
beraubt. Ich zweivelle nicht, der almechtige Got wirtz rechen und dem
bischopf seins vorhabbens zu schänden machen." — Herm. Hamelmann
a. a. 0. beschliefst seinen Bericht über v. d. Wicck's Ende mit den Worten:
„Fama quoque referebat, episcopum illius facti valde poenituisse et semper
conquestum fuisse id dumherorum Monasteriensium instinctu factum." —
Der Eindruck des Verfahrens des Bischofs gegen v. d. Wicck hat lange
nachgewirkt. Vgl. den Brief des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen
vom 20. Sept. 1534 an den Bischof Franz (bei L. Keller: G. d. W. S. 321),
in welchem dem Bischöfe jede fernere Hülfe versagt wird, faUs er keinen
Unterschied mache zwischen den Anhängern der VTicdertaufe und denen
des Evangeliums, „wie sich dann solchs aus der bescheenen handlung, die
sich mit doctor Wicken seliger zugetragen, wol erzaigt hat." — Auch gegen
die einstigen Begleiter v. d. Wieck^s auf dem Schmalkaldischen Bundestag
za Höxter (s. Bd. 1 S. 30;»), gegen Schroderken und Ummegrove, richtete
sich die Verfolgung des Bischofs. In dem oben cltierten Gesandtschafts-
bericht meldet Joh. Nordeck weiter: „Und warlich, ufif des cappittels an-
geben wirdt einem der abgewichenen burger Caspar Schrorick" (so statt
Schroderken) „genant hart nachgestelt umb deswillen, das er mit doctor
Wieck uff tage zu Hozer bei e. f. g. gewesen." Aus einem Briefe Joh.
ümmegrove's an den Bischof vom 5. Mai 1534 (Orig. im St.-A. M.) ersehen
wir, dals Ummegrove das freie Geleit aufgekündigt war.
') Durch Vermittlung der Kurfürsten von Köln und von Sachsen
erlangte er sp&ter die Gnade des Bischofs wieder. S. weiter unten.
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518 Aimo 1534 acta.
Qnidam factiosornm in omnem effusi libidinem tanta in-
temperantia bacchanalia celebrant, ut non solnm hellnando, po-
tando et craptdando sese fatigarent, vernm etiam varios ludos
et spectacula in contemptnm et Indibriom catholicomm publice
exhiberent*. Quendam enim verberonem ementito morbo ge-
mentem in lectum curnii impositnm collocant, ad coins pedes
alius quidam scnrra sacerdotis veste stolaqne personatus sedere
fingitur altera aspergillum, altera vero manu librum sustinens
et vitreis perspiciUis nares constringens multa inepta obscura
voce legit. Hunc currum sex flagriones more equorum copulati
per omnes urbis vicos trahunt, quorum duo Franciscanonun,
duo Teutonicorum dominorum et reliqui duo Toannitarum amictn
vestiti fuerunt. Aurigam vero personatum episcopum faciunt.
Hupertus quoque Buesscheras, procerus quidam faber ferrarius,
nigri monachi amictu vestitus aratro iungitur adhibitis quibus-
•p. 448. dam, qui *per ludum iocumque flagris et scuticis bipedem istum
caballum per omnes plateas impellerent. Caspar Borchardi, na-
sutus quidam nebulo, cuius mater ante annos aliquot, cum in
palo numellario ignominiae causa se aliquamdiu spectandam ex-
hibuisset, urbe profligata fuerat, Hiltropiae in pago urbi vicino
fasci virgarum incumbens a suae farinae satellitio psalmos bo-
ante in publica processione crucibus vexillisque praegestatis et
Omnibus campanis pulsatis circum coemiterium portatur, quasi
reliquias Sanctorum arculae inclusas summa cum veneratione
circumgestassent. Taceo hie reliqua nugarum genera a triver-
beronibus passim exhibita, quae, ne simplices o£fendantur, silentio
praeterire quam publicare praestat.
21. Febr. Hiuc Heuricus BoUius 21. Februarii a retinctis cum plena
auctoritate conscribendi milites, cum obsidionem sibi metuerent,
in Hollandiam emittitur. Qui non procul a Traiecto captus pe-
cuniis emunctus anabaptista esse deprehenditur. Itaque igni
adiudicatus poenas transfugii ab ecclesia catholica pendit^.
^) Das Folgende ist nur von Kens, berichtet
') Vgl. oben S. 421 f., wo auch die Literatur über RoU angegeben
wurde. RoU begab sich znnftchst nach Wesel. lieber seine Wirksamkeit
dort geben die Bekenntnisse der Weseler Wiedert&ofer vom Jahre 1&35
(abgedruckt von K. W. Bon t erweck in der «Zeitschr. d. Bergischen Ge-
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Anno 1534 acta, 519
Princeps propins ad nrbem accedens cum instrnctissüno
eqxdtatn altius de rebns futuris et obsidione cum dioecesis pro-
ceribus actnrns 23. Febmarii * Telgetnm ingreditnr et snperioris 23. Pebr.
memor captivitatis excubias tarn dinmas qnam noctnrnas dili-
gentiores agit, ne a Monasteriensibus circumveniatur.
Eodem etiam die * comitia novi senatns creandi gratia ha-
bita sniit, in quibus Henricus Eedeker, tribunus plebis, popnlum
admonmt, cnm hactenns senatns ex instinctn camis sit designa-
tns, nnnc snggestione Spiritus enndem esse eligendnm \ Primnm
ergo snf&^atores decem de more in curia tributim deliguntur*:
ex tribn Martiniana Hermannus Boemer et Andreas Werdenus,
coriarius, ex tribn Lambertina Conradus Cruse et Henricus Loe-
man, alutarius, ex tribn Ludgeriana Bemardus Boentrnppe *ac* p 449.
Joannes Lepper, ex tribn Aegidiana Albertus Geisthovell et Jo-
annes Bedeker, ex tribn Mariana Antonius Grotevader, ex lude-
feldana Hermannus Foecke. Hi conclave senatorium ingressi
24 homines non solum abiectissimos, verum etiam sceleratissi-
mos et vix dignos, quibus vel portarum vel carcerum urbis vel
pristini senatns equorum canumve custodia committeretur, ad
gnbemacula civitatis suscipienda eligunt, qui occasu urbis magi-
stratum suum finire cupiebant *. Hi postridie, nempe 24. Fe- 24. Pebr.
brnarii, diversa inter se officia distribuunt hoc modo: Consules
constituuntur Bemardus KnipperdoUingus, Gerhardus Kippen-
broich, pannicidae; aediles Joannes Daventriacus, Christianus
Schichtsvereins" Bd. 1 [Bonn 1863] S. 360 ff., Separatabdr. S. 81 fif.) einige
Aufschlüsse. Zuletzt war er in Maestricht thatig. Ygl. dazu J. Habets
a. a. 0. S. 104 ff., 133 f., 152 u. 227. ffier ist er am Anfang Sept. 1534
verbrannt, nicht zu Utrecht, wie Kerss. fälschlich angiebt. Die Quellen
dafür bei C. A. Cornelius: M. A. II. S. 341.
') Auf den Abend dieses Tages hatte der Bischof am 17. Febr. von
Iburg aus die Bitterschaft gerüstet nach Wolbeck entboten (Konzept des
Befehls im St.-A. M.). Der Bischof selbst verblieb zunächst noch in Telgte.
— *) E« war der zur Ratswahl übliche Tag, der erste Montag in den Fasten.
— ') Das berichtet Eerss. nach Joh. Fabricius Bolandus: Motus
Monast. EL H8. — *) üeber die Form bei der Batswahl und über die
Ratsämter s. Bd. 1 S. 105 ff — ^) H. Gresbeck S. 18 sagt: „Und alle die
iene, die sie do in den rait setten, dat weren al mit einanderen wedor-
doepers, dat sie wolden einerlei luede sein."
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520 Anno 1534 acta.
Woerdeman, butyropolae; praetoris nrbani assessores Christianus
Kerckerinck, patricius, Henricns Pantes ^ faber ahenarins ; oeno-
prostatae (vini praefecti) Joannes Palck, faber ferrarius, Henricns
Eodde, aurifaber; qnaestores sen grntae praefecti Conradus Crnse,
Nicolaas Snider; cervisiae praesides Joannes Ossenbeck, Ber-
nardns Boentrnppe, lanio; xenodochii praesides Joannes Kceninck,
•p. 450. Gerardns Eeyninck; *leprosornm praesides Lucas Gruter, Gerar-
dus Pruesse, coriarius; Antonianae domns praesides Stephanns
Kopperschleger, oenopola, Hanso ab Borstel alias Mankenns,
aurifaber; lateritii operis praefecti Nicolaus Stripe iunior, pan-
nicida, Engelbertus Edinck; eleemosynae praefecti Bernardus
Picker, Albertus Geisthovell, pistor; assessores vrigravii Bernar-
dus Olieschleger, Henricns Potligen, sutor.
Sub hoc magistratu superiori sceleratiore nihil supellectilis
nihilque pecuniae cflferre, sed quaelibet flagitia quantumvis enor-
mia impune committere licuit. Nam catervatim, quasi scelera
inter se partiantur, incredibili amentia et nocendi studio fla-
grantes 24. Februarii per urbem grassantur. Hi Nitzinganas
vestales terrent *, illi fratres Fontissalientis adoriuntur, hi Geor-
') Im Mscr. vcrscliricbcn für Henricus Xantus, den Kerss. später
als einen der zwölf Aeltesten, dann als einen der Ilüstjueister und weiter
als einen der Herzöge des Königs aufführte. Die Namcnsforra Pantes ist
in einzelne spätere Handschriften übergegangen, wälirend andere die rich-
tige Form haben. In der von C. A. Cornelius: M. A. II. S. 3()8fif. ver-
öffentlichten, aus dem 17. Jahrhundort stammenden Zusanmienst eilung der
Münsterschen Ratsherren und Korgenoten, deren angeführte Namen sich
sonst auch hier ganz mit den von Kerss. gebotenen decken, ist S 312
neben Kerstien Kerckerinck Henr. Sanctus als Richtlierr angegeben.
*) Viele Einzelheiten dazu bietet die Niesingschronik (M. G.-Q.
II, 430 ff.). Aus ihr geht hervor, dafs Beunruhigungen der Nonnen boreits
am 21. und 22. Febr. stattgefunden hatten. Am 24 Febr. wurde ihnen
die Wahl gestellt, entweder das Kloster zu räumen, oder sich taufen zu
lassen. Am 25. Februar begann die Plünderung. Die Chronik zählt eine
Reihe der Kostbarkeiten auf, die geraubt wurden. Sie berichtet auch, wie
es durch List gelang, die Wegnahme der Rentbriefe und des wertvollsten
Kelches zu verhindern. Sehr lebhaft ist dann die Austreibung der Schwe-
stern am 27. und 28. Februar geschildert, die alle ohne Ausnahme aus
Münster weichen mufsten, da sie das Ansinnen, sich taufen zu lassen,
standhaft zurückwiesen. Die Chronik führt schliefslich die Namen der 55
ausgewiesenen Schwestern an.
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Anno 1534 acta. 521
gianos invadunt, Uli in loannitas reliqnaqne nrbis coenobia et
sacras aedes impetnm faciont, vestes, pecnnias, snpellectilia et
quaecunque sibi usui futura existimabant diripiunt Neque a
templis sibi temperant; argentum, aurom, pallia sacra, calices
omamentaqne omnia in Dei cnltom et ministeriam dedicata an-
ferunt finntqne impurissimorum verberonum, scortornm et mi-
litmn vestitns et stipendia. Nihilqne a rapina et depraedatione
tutum Mt. Imagines ex snperioribus motibus reliquas confrin-
gunt aut rasis parietibus deturpant. Sacellum D. Antonio iuita
portam Manritianam *concecratum ereptis bonis mobilibus de-*p. 45L
molinntnr. Sed nnlla vis etsi saepe tentata sacello D. Lndgeri
nocere potuit^
Inde eodem die' circa horam quartam vespertinam Ber-
nardns Mnmme verberonum agmen secnm dncens aeditunm
') Als Datam der allgemeinen Plünderung giebt H. Dorp Bl. D4
den 25. Februar an. Er sagt nur kurz: „Des Mitwochs fallen sie in alle
klöster und kirchen, plündern die und nemen daraus gold, sylber, gelt,
kleinot, Zierat und was sie sonst finden." Einzelheiten sind, abgesehen
von den schon erwähnten aus dem Niesingskloster, nur noch von der Ver-
wüstung des Domes und von der Zerstörung der Mauritzkirche überliefert.
S. gleich weiter unten. Auch das «Tagebuch** a. a. 0. S. lO^i begnügt sich
mit den kurzen Worten, es wären nach dem Dome »vort alle ander kercken
und kloestere spoliert" worden. Die gleich näher zu besprochende «Ord-
nung der WiederteufTer zu Münster" führt Bl. A2 (Neudruck in der
Ztschr. 17 [1856] S. 242) unter den ausgeraubten Klöstern auch das üeber-
wasser- und Aegidiikloster an. — Vgl. auch D. Lilie S. 228 f.
*) Dasselbe Datum für die Verwüstung des Domes bietet das «Tage-
buch** a. a. O. S. 106: «Und dessolvigen dags** (24. Febr.) «ummetrent IIII
uren synt de borgere mjt erer wher tsamen gekomen upn domhoflf und
hebn den kostercn ton dorne de slotteil genommen und dar yn gegaen und
de clenodjen, alse kclcke, monstrantien, selvcren und golden geszmyde mjt
gülden kästen dar uth spolierth und alles up dat raithuyfs gebracht.**
H. Dorp Bl. D4 hat bei seiner kurzen Erwähnung der Domplünderung
das Datum des 26. Februar. H. Gresbeck S. 18 führt kein bestimmtes
Datum an. Aber er sagt : «Die wiederdoepers . . . hebben den custers die
sluettel genommen und hebben den doem umbher tho geschloten und haben
alle kisten und schape entwo geschlagen und hebben so twe ofte dry
dage in doem gelegen und hebben darin gesungen und gesprungen
und alle die hilligen entwe geschlagen und hebben die verbrant und so
dagh und nacht in dem doem gelegen und haben gedruncken.*' Die Aus-
plünderung seiner Domkirche am 26. Febr. meldet der Bischof am 27. aut
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522 Anno 1534 acta.
dominici templi adortns claves vi ab illo eztorsit. Ibi primnm
in sacelli^m D. Yirginis aliaque ex ordine irrunnt eaqne despo-
liant, frangnnt et corrumpnnt. Inde templnm dominicnm omni-
bns omamentis ereptis denndant, adyta profanant, altaria aliqnot
direptis mappis, quibus obtegebantur, diripinnt. Horologinm\
opus artificiosissimmn, malleis secnribnsqne pnlsant, singalari
vero odio et furore baptisterium reliqniarumque repositoria com-
minnnnt. Conclave capitniare ingressi fenestras et sedilia in-
signibus dominorom magna arte elaborata dissecant. Imagines
D. Virginis ac loannis Baptistae a Francone monacho artificio-
sissime in tabnlis daabus depictas in nsum foricamm perforant
easqne snpra fossam interiorem nrbis inxta ludaeornm coemi-
terinm pro excubias agentibus coUocant. Sybillamm effigies ad-
miranda arte expressas et circnm chomm forinsecns per certa
intervalla dispositas emunt. Imagines patrio marmori incisas
Telgte dem Erzbischofo von Eöln und dem Herzog von Cleve (Konzept im
St.-A. M.). Die Yerwüstang wird eben mehrere Tage angehalten haben.
In der Proposition auf dem Landtage zu Hiltrup vom 17. März läfst der
Bischof den Ständen sagen (St.-A. M., Landtagsakten 1532—37), der Dom
sei ^. . . also verwoestet, datter nu mer nicht als ein lovclich gotzhus und
overste kercke dusscs lantz, dan ein ungestalt, verdorven gcbouw antoschen.
Dergeliken all kercken, gotzhuser und cloister in ger. stadt erbärmlich
spoliert und versturt, zo dat nu gantz und gar Götz wort und sacramente
nedergelacht und dat wesen dar bynnen mcr einen vehischen, dan mensch-
ligen loven und wesen to vergliken." Yergl. zur Sache auch L. Keller:
G. d. W. S. 195 ff.
^) In der folgenden Beschreibung der Yemichtung einzelner Kunst-
werke des Domes (vgl. über dieselben das 5. Kapitel der Ker8s.'schen Ein-
leitung [Bd. 1 S. 28 ff.] und die dort in den Anmerkungen angeführte Lite-
ratur) giebt Kerss. einen Auszug aus dem 1535 erschienenen, von ihm.
weiter unten noch mehrfach benutzten Flugblatt: „1^3t €^rbnnng btr
Wßitttxttnfi^tv in Fäünfttv, || 3Um maa fttl^ bafelb» nebenan uerloffen
l^tt, II uonn ber jfßtt an, aEa bie Ätatt || beUgert ifl tnorben. ||" (Neu-
druck in der Zeitschr. 17 [1856] S. 240 ff.) Die in der „Ordnung" gebo-
tenen Nachrichten gehen, wie ich in der Ztschr. 51 (1893) S. 107 ff. weiter
ausführte, auf den Bericht des Hermann Ramert zurück, eines gewesenen
Anh&ngers der Wiedertaufe, der am 19. Juni 1534 Münster heimlich ver-
liefs, um die durch Hille Feicken beabsichtigte Ermordung des BischoÜB sn
verhüten, und sie sind zum grofsen Teil in die Münstersche BischoÜBchronik.
übernommen worden (M. G.-Q. I, 332 ff.).
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Anno 1534 acta. 523
raraque arte elaboratas capitibns, brachiis crnribusque confractis
mntilant, ligneas vero secnribus dissectas in ignem ibi extmctnm
coniicinnt. Simulachra Patrum, Prophetarum, Apostolorum ali-
orumque Sanctornm colnmnis parietibnsye passim afßxa scalis
vectibusque admotis deturbant^, ossa Sanctornm et sacrosanctnm
Domini corpus pedibns concnlcant. Organa ereptis tibiis distur-
bant, fenestras pictas frangunt et maxime Erici episcopi donnm
praestantissimnm atqne amplissimnm ^ Libros intns hnmano ex-
cremento illitos in nnnm acervum cremandos congerunt; biblio-
thecam doctissimi viri et poetae gravissimi Bodolphi Langii Incn-
brationibns et monnmentis antographis nondnm editis anctam
lacerant atque discerpnnt •. Magnam illam crucem argenteis
laminis detractis in cinerem vertnnt; sarcophagis episcoporum
nobiliumqne canonicomm* direptis et translatis, fractis nobili-
tatis *insignibus propugnacula muninnt. His impiis studiis »p. 452^
totam noctem sine nllins magistratns metn consnmunt.
Interea princeps, cum pertinaciae finem Monasterienses non
facerent neque alia ratione ad obedientiam pristinam eos revo-
care posset, omnia, quae ad iustam militiam et obsidionem
') Eine Ausnahme wurde aber mit den Bildnissen David's und Salo-
mon's gemacht Vgl. M. Roch ell's Zusätze (M. G.-Q. III. 232).
*) Gemeint ist das Geschenk Bischofs Erich I., Herzogs von Sachsen-
Lauenburg. Ygl. dazu die Fortsetzung der Chronik des Amd Bevergem
(IL G.-Q. I, SOG) und die Münstersche Bischofschronik (ebendas. S. 325 u.
344). Vgl. auch Bd. 1 S. 38.
") Die systematische Yemichtung der Bücher wird sehr bald, wie
Kerss. weiter unten erzählt, fortgesetzt. Der Hauptteil der wertvollen
Dombibliothek war schon am 7. Sept. 1527 infolge einer Feuersbrunst zu
Grunde gegangen. Vgl. Bd. 1 S. 41 u. 157. Damals war also die Bücher-
sammlung Rudolfs y. Langen gerettet worden. Die „Ordnung^ spricht
iweimal Yon der Bücherverbrennung. Sie erwähnt zunächst, dafs die „ly-
berey' im Eapitelshause „gar verderbt"* worden sei, „und alle Bücher, die
daranff waren, verprennet, und die auff dem Chor waren, die nit verprennet
waren, dieselbigen alle zerschnitten und zerrissen.*' Gleich weiter heilst es:
„Yornen in dem Paradeifs in der Kisten waren newe bücher,
die man pflag fayl ze haben,... sind alle von inen ver-
prennef
*) Die „Ordnung^ fuhrt „inn Sonderheit seliger herr Diettrichs Scha-
denB thumbtechants mitt seinem aygen stayu** an.
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.524 Anno 1534 acta.
necessaria visa sunt, comparat^ Primum itaque nobilem loan-
nem a Buren baronem, Gerardmn Morrien, dioecesis hipparchum,
Hermannum a Mengersen, Paderbomensis dioecesis vicarinm seu
legatum, ac loannem a Eaesfelt totins militiae primarios prae-
fectos designatl Fredericus vero ab Eller, Henricus a Schone-
becke, Gerardus de Eecke, Joannes de Korthe, Joannes a Senden
ac Joannes de Dincklage, eqnestri disciplina exercitatissimi, eqni-
tatns dnces creantur*; pedestris autem exercitus praecipni ac
supremi duces fiunt Wilkinus Stedingus*, vir militaris ordinis,
et Gerardus Munster cognomento Smoker, qui postea ad oppidanos
defecit^ viri armorum scientia clari, quibus singulis conscribendi
*) üeber frühere kriegerische Vorbereitungen des Bischofs gegen
Münster vgl. oben S. 477 Anm. 2 u. S. 487 Anm.
*} Kopie der Urkunde vom 23. Febr., durch die die Genannten mit
Bewilligung des Landtages ^vor kryges reede und overste veltheren ver-
ordent" werden, im St.-A. M. Sie sichert Johann v. Büren und Hermann
V. Mengersen monatlich ir>0 Goldgulden, sowie 8 Emden er Gulden „up ein
jder perdf* zu. Nach der Rechnungsablage des Münsterschen Pfennig-
meisters Job. Hageböeke (mitgeteilt von Fr. Kellerhoff in der Zeitschr.
24 [18(54] S. 297 ff.) erhielten (S. 334) Gerhard Morrien und Johann v.
Raesfeld für acht Monate Feldherrndienstes im Ganzen je 1300 Goldgulden,
sowie monatlich für je ein Pferd 8 Emdencr Gulden.
^) Durch Urkunde vom 3. März (Kopie im St.-A. M.) erhielten Bern-
hard V. Wcsterholt, Dietrich v. d. Recke und andere Ungenannte die oberste
Leitung der Reiterei. Bestallungsdekrete für die sechs von Kerss. Genannten
habe ich im St.-A. M. nicht gefunden. Sie werden jedoch öfter in den
Akten als Rittmeister genannt, und in der eben erwähnten Rechnungsablage
des Johann Hageböeke (a. a. 0. S. 329 ff.) sind sie als Rittmeister bei den
einzelnen später errichteten Blockhäusern aufgeführt. S. auch weiter unten.
*) ^m 18. Febr. schon beurkundet Bischof Franz (Kopie im St.-A.
M.), „. . . dat wy . . . Wilcken Stedinck vor unsen oversten hoepman ange-
nomen hebben und annemen, in behoff noittrofft, walfart und beschermunge
imser stiffte, lande und undersathen ein venljn guder lantzknechte dre
maent lanck ncistfolgen antonemen.^ Am 2. März meldet der Bischof dem
Landgrafen von Hessen (Orig. im St.-A. Marburg), dafs er Wilken Stedinck zur
Anwerbung von Knechten nach Meifsen und Thüringen abgefertigt habe. —
Eine abermalige Bestallungsurkunde für W. Stedinck als obersten Hauptmann
der Knechte gegen Münster ist vom 1 5. März datiert (Kopie im St-A. M.),
^J Schon am 16. Mai schreiben die clevischen Kriegsräte an den
Herzog Johann (M. G.-Q. II, 234), sie hätten vom Bischof von Münster
erfahren, dafs der Hauptmann Gerhard Smocker „in einem scharmutsel
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Anno 1534 acta. 525
eqaites peditesqne cnra datur. Hi itaqne collectis aliquot milli-
bns armatomm reliqna militiae ofßcia habita fortitudinis et ex-
perientiae militaris ratione distribnnnt. Pentacosiarchae hi sunt :
Joannes Corytzerus Eeynanns, Peregrinus Iselmudianns, Andreas
Lubbecanns, Egbertns Deverenns, Theodoricus Grollanus, Eberar-
dus Ovelakerus, Hermannus Sittardus, Laurentius Horsthanus,
Theodoricus Tylanus, Albertus a Beltzich Suerhusius, Augustinus
Daventriacus, Georgius Schimmellius, Joannes Hakenus, Godo-
fridus Traiectensis, Beraardus Kettellius, Georgius Kylanus,
Nicolaus Utermarckanus, ludocus Mudeus, Georgius WulfFrams-
torpius, Michael EflFurdianus ac Lippoldus Wulfframstorpius \
in die stat komen. Of nn solichs mit sinem willen gcschcen, oder das
er gefangen sy worden, künde s. f. g. nit eigentlich wissen." Den Tod
Smocker's in Münster berichtet Kerss. weiter unten. S. dort.
') Im St.-A. M. findet sich M. L. A. 518/19 U. fol. 2*J0f. unter dem
Titel: »Myns gnedigen hern van Munster angenommen hoeplude im stifffc
van Munster im jar xvcxxxiiii" ein Verzeichnis mit folgenden Xamen:
Wilcken Stedinck als einen oeverst hoepman over de ander alle (Annahme
38. Februar), Johan Kuritzer (20. Febr.), Pelgrim van Iselmude mit 500
knechten (14. März), Augustin van Deventer mit 5U0 knechten (21. März),
Boynck van Oldershem mit einen walbesattcn fenlin (23. März), Wolter
van Deventer als hoepman, Lentz van der Horst und Arndt van Utert mit
einen fenlin knecht (26. März), Gerdt und Mispelboem van Triebt mit etz-
ligen lantzknechten tototrecken (4. April), item de Sniokcr, Jurien van
Kyll und Claes ütherdeminck als hoeplude mith twen guden walbedeckten
venlin knechten (10. April), Egbert van Devem und Berndt Kettel als
hoeplude mith ses oder seven hundert knechten (11. April), Joist van
Mueden knechte antonemen (13. Mai), Dirick van Grolle mit einem venlin
knechten (17. Mai), Andrefs van Lubbeke mith etligen knechten (17. Mai),
Evert van Suerhuefs up deselve tydt mith ein venlin (17. Mai), Johann
Hake mith einem hopen knechten (26. April), Dirick van Tyll mit ein fenlin
(11. April), Herman van Sittert mit dusent knechten (27. Juni). — Von
den Namen dieses Verzeichnisses fehlen bei Kerss. die des Boynck van
Oldershem, Wolter van Deventer und die des Gerdt und Mispelboem van
Triebt. Die Annahmeurkunden für die beiden Ersteren zu Hauptleuten
befinden sich im St.-A. M. Statt des im Verzeichnis genannten Arndt van
Ütert hat Kerss. Godofridus Traiectensis. Nur von Kerss. werden genannt
Albertus a Beltzich, Georgius Schimmellius, Georgius Wulfframstorpius,
Lippoldus WulfEram&torpius und Michael Effurdianus, von denen die drei
Ersten aktenmäfsig als Hauptleute nachzuweisen sind (vergl. M. G.-Q. 11,
239 f., 377 u. 382). — Auf die Zeit der Annahme der Hauptleute hat
Kerss., wie ersichtlich, keine Rücksicht genommen.
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526 Anno 1534 acta.
Totus exercitus tarn eqnestris quam pedestris tres menses in-
anctoratur, quibns exactis omnes dnces et militiae praefecti prin-
cipi operam suam, si poscat, ad finem sascepti belli sine sti-
pendii augmento addicnnt \ Stipendia singnlis ratione officiomm
militarium decreta. Eqniti in singulos menses octo, pediti vero
"p. 453. gregario qnatuor *Embdenses floreni loco stipendii decernuntur.
Qnilibct florenns 25 solidis Monasteriensis monetae aestimabitur.
Continebat autem mensis militaris 28 dies K Singulis pentacosi-
archis quinque gregarii militis stipendia et unum pro puero
decernuntur, legato sive vicario duo stipendia et pro puero unum,
signifero quatuor et pro puero unum Stipendium, aciei supremo
instructori quatuor et unum pro puero, substitutis ab eo sin-
gnlis duo, praetori militari totidem quot pentacosiarchae stipen-
dia, tribus praetoris ministris singnlis duo, quaesitori totidem
stipendia quot sunt in exercitu signiferi et pro tympanista suo
unum, sex lictoribus quaesitoris ministris singnlis duo, praefecto
vigilum totidem quot pentacosiarchae, praefecto commeatus duo
et pro puero unum, pentacosiarchae duobus satellitibus singnlis
duo stipendia, militaris ordinis viro armis bene instructo duo
stipendia sine puero, reliquis quibuscunque splendida et gravi
') Diese Bestimmnng geht für das Fufsvolk hervor aus der Bestal-
lung Wilken Stedinck^s vom 15. März, wo es genauer heiTst: „Des sollen
sie uns verpflichtet sein, dair wir jrer lenger hednrfiPten nach uTsganck
disser vorgeschriehener dreier monaten, uns zu dienen voir eingen fursten,
herm und stetten voir die voirgeschrieben veer Emhder gülden und uns
nit hoher zu stegeren ader zu dringen.^ Doch hedang sich der Bischof
auch aus, dafs, wenn er vor Ablauf der drei Monate der Hauptleute und
Knechte nicht weiter hedurfte, er Macht und Gewalt hahen solle, „vorge-
melte hevelhehber und knechte gentzlich ader zom teile zu verleuhen nach
unserm gefallen, auch inen de besoldunge zu geben nit weiter, dan nach
verlauff der zeit und sie uns gedienet sollen verpflichtet sein.** Nach Er-
oberung der Stadt soll ,,der knechte roonat nach alter gewonheit aus und
widerumb angaen.** Werden Knechte vom Feinde verwundet, oder werden
sie krank, so soll ihr Dienst ^vortgaen, so lange uns der hauffe dienet,
willen ihne auch der artzen, bjfs sie der entfangener kranckheit und wun-
den, so sie jn unserm dienst und vor den viant erlangt haben, genefsen,
zu &idden stellen."
*) Die Angaben werden bestätigt durch die Bestallungen für Wilken
Stedinck vom 18. Febr. und 15. M&rz, für B. v. Westerholt und D. t. d.
Becke vom 3. M&rz.
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Anno 1534 acta. 527
armatnra indntis sex floreni sine pnero, ecclesiastae duo stipendia,
satellitibus, dnctoribus, fistnlatoribus, tympanistis, tonsoribus et
scribis singolis duo stipendia decernnntur *. Haec autem sti-
pendia tertia Martii procedere incipient.
Pacta militaria*: „1. Milites praestito militari sacramento,
qnandocanqne necessitas postulaverit et ad quemcunque locum
eyocati fuerint, adversus bestes principis fortiter sine ulla tergi-
yersatione dimicabunt, principis sabditorumqne incommoda pro-
pnlsabnnt, commoda vero, qnantam bnmana indnstria et armis
possint, propngnabont.
2. Omnes militaris disciplinae articnlos consuetos, nt instos
et probos milites decet, servabnnt.
*3. Civitates, arces, tormenta, pulverem nitratum, globos »p. 454.
et qoaecunque ad tormenta pertinent ab hostibus direpta prin-
ceps sibi vindicabit*.
') Ein Papier im St.-A. M. (M. L. A. 518/19 III. fol. 41) ^Besoldung
der hohen ampteren*' hat folgende Angahen, mit denen die Eerss.'s üher-
einstimmen: „Item einem iglichen heuptman 5 solde und einen jongen,
= 6 solde: item einem jeden lutenant 2 solde and einen jongen, = 3
solde; item einem itzlichen fenrichen 4 solde und einen jongen, = 5 solde;
item einem jeden yeltweihel 4 solde und einen jungen, =: 5 solde; item
den weihelln sambt anderen nidderen ampteren, auch pfeiffer und trumme-
sleger 2 solde; item dem schulteiTs eins hcuptmans besoldung, 6 solde;
item dem schulteiTs 3 diener, einem jeden 2 solde; item dem profossen,
somannich fenlin^ somannich soldt; item dem profossen sese diener, einem
jeden 2, auch einen trommcnsleger 1 solde; item dem Wachtmeister eins
heuptmans besoldunge; item dem profandtmeister 2 solde und einen jungen,
= 3 solde; item einem jeden heuptman 2 drabanten, 2 solde; item einem
edelman, der gemst ist, 2 soldt und keinen jongen; item einem anderen
g^ten gesellen, der wol gerast und des werd ist, 6 Embder gülden und
keinen jongen.'' Ein anderes Papier ebendas. fol. 42 verzeichnet für einen
^veltscheer, schrjTer und farer,** je 2 solde.
*) Eriegsartikel in der Form, wie sie Eerss. hier auffuhrt, habe ich
nicht auffinden können. Im St.-A. M. befindet sich ein Artikelbrief mit
39 Artikeln, „eÜigen lantsknechten am sundage Letare (15. März) vorge-
halden,^ dessen Bestinmmngen sich aber nur auf die allgemeine militäri-
sche Disziplin beziehen. Einzelne der Yon Kerss. angeführten Sätze sind
aber enthalten in den Vereinbarungen, die der Bestallungsurkunde für
Wilken Stedinck vom 15. März beigefügt wurden. Nicht zu belegen ver-
mag ich Artikel 4, 5 (soweit er das Bathans angeht) und 6 — 9.
'} In der Bestallang heifst es: „Sollen wy auch alsdan genielsen
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528 Anno 1534 acta.
4. Principem peculiari oppugnationis stipendio militibns
non obligari, si diripiendam nrbem ipsis permiserit.
5. Curiam civitatis neque a ducibus exercitus neque mili-
tibns diripiendam nee nllo modo violandam, sed principi in-
tactam servandam esse. Beliqnae qnoqne praedae dimidium sibi
princeps paciscitnr.
6. Nobiles canonicos et reliquos ex cleri ordine nee non
cives, qni nrbe excessernnt, ad emendnm sna bona, quae in nrbe
reliqnernnt, extraneis qnibnsvis praeferendos esse.
7. Nihil domornm parietibns ant solo infixum a militibns
post captam nrbem esse refigendum.
8. Capta per gratiam Dei nrbe milites omninm portamm et
mnnitionnm ins in principem ant ab ipso constitntos transferent.
9. Post recnperatam per Dei providentiam nrbem milites
intra octo dies dato per tympannm signo eam deserent, interea
praedam divident atque distrahent. Qnicquid antem princeps
stipendii militibns debnerit, Uberaliter et principaliter solvet.
10. Praefecti militiae reliqniqne milites capita seditionis
in expngnata nrbe correpta et deprehensa (qnornm nomina ac-
cnrate exprimentur) non interficiant, sed, qnantnm fieri qneat,
iis parcent et capta ad principem mnnera non contemnenda ab
eo expectaturi adducent^"
von allen gewin und gewerbe, so von nnsem viant genommen wirdt halbe
renberei" (vgl. dazu den Schlufs des 5. Artikels bei Kerss.), „ausgescheiden
den rondems fufs(?), der sali den knechten allein zukommen, uns vorbe-
halten stetten, schlofseren, grob geschutz, kraut, loit und aUes, was zur
artilarei gehorich; alle victalien, so yn eroberten stetten und slofseren ge-
funden, die nit zu verwüsten und zu verbringen, sonder uns dieselbe vic-
talien umb einen zimblichcn pfennig folgen zu laessen, auch fursten, hcm
bischoven, prelaten, eddelleuthen und aUe bevelhebbere der lantsknecht,
sampt allen dinckzaell und brantschatz, welcke uns allein zukomen sollen.*'
') Nach der Urkunde hat sich der Bischof während der Belagerung
„die leibstraiff und dem kriegsvolck das gereide gut vorbehalten, beholtlich
doch, das sie unseren gesetthen oberisten den ziehenden pfennynck alles
gewerks und gewyns kennen soUen, wie das nach alten kriegsgebrauch ein
gewonheit yst." Die Hauptleute und gemeinen Knechte soUen die ^ungre-
horsame und moitwillige personen** dem Bischöfe „überantworten, und der-
selben barschafft soll allein den knechten voir preifsguit zukomen; aber
die andere gehorsame soUen sie in keinem wege beledigen, sonder fridlich
gewheren laasen.'
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Anno 1534 acta. 529
Hlnc ad reprünendum horrendum illnd schisma arcliie-
piscopns Coloniensis, dox Clivensis, comes Lippiacus et Benthe-
micns, Daventria, Campia, Bilveldia reliquiqne vicini principes,
comites et civitates circnmfasae varia tormentorum genera, sed
immensis episcopi ünpensis in praesidium militiae mittunt, hae
globos ferreos, illae aeneos ant nitrmn, Maria lectrix Brabantiae
quadringenta vasa, dnx Clivonun duodecim, Ericns dux Bruns-
wicensium triginta pnlveris nitrati centenarios *. Inter tormenta
antem nndiqne advecta longissimnm et acerrimum fuit, quod
SwoUani a serpente denominatum transmiserant. Quae vero
*iüssu Lantgravii advecta sunt, ipso nomine fuerunt horrenda, ♦p.5455.
cnm altemm a cacodaemone, altermn a matre ipsius nomen
circumferret *. Harpagones, palae, secnres et scalae tanta copia
') Von den gesamten Verhandlungen des Bischofes zu dieser Zeit
mit den Nachbarfürsten sagt Eerss. kein Wort. Vgl. dazu die Einleitung.
Erst viel weiter unten bei Gelegenheit des zweiten Tages zu Neufs im
Juni berührt er, aber ganz zusammenhanglos, die Beziehungen zu Eöbi
und Cleve. Hierüber, sowie über die Annäherung Hessens an den Bischof,
über die Besiegung des hessischen Einflusses durch Köln und Cleve auf
dem Tage zu Orsoj am 26. März vgl. die aktenmäfsigen Ausführungen von
L. Keller: G. d. W. S. 245 ff. und von demselben in der „Histor. Ztschr.",
hrsg. von H. v. Sybel, Bd. 47 (1882) S. 429 ff. — Auch die Unterstützungen,
die der Bischof von Seiten der benachbarten Fürsten an Geld erhielt, hat
Kerss. ganz unerwähnt gelassen. Ein reiches Material darüber liegt in den
Staatsarchiven zu Münster und Marburg vor. Ich habe die Absicht, ge-
nauere Mitteilungen darüber demnächst erscheinen zu lassen. — Bei der
nur lückenhaft gegebenen Aufzählung des dem Bischof zugesandten Ge-
schützes nimmt Kerss. keine Bücksicht auf die Zeit der Entlehnung. Quit-
tungen für gelieferte Geschütze sind an Cleve am 9. März, für Graf Simon
zur Lippe am 23. März, für die Begentin Maria von Burgund am 9. April,
für Deventer, Kampen und Zwolle am 2. Mai, für die Stadt Bielefeld erst
am 22. Mai ausgestellt.
') „Dat hessische Geschuit, de duwell und sin mar genompt,^ ist
mehrfach in der «Reckenschop und nawisinge der uthgiffte, so ick, Hinricus
Fljncterinck(?), in tidt der belegeronge Munster ... an betzoldunge der
bossenfuesters, attolerien und anders utgegeven" (St.-A. M. M. L. A. 518/19
m.) erwähnt In der Münsterschen Bischofschronik (M. G.-Q. I, 331 f.)
heilst ed: „Und de landtgreve von Hessen sande . . . twe mechtige, grote
buflsen, de hete men den duvell und sine moder, mit krude und lode, overst
de kosteden aver YU^ gülden to halen und wedderumb to bringen."
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530 Anno 1534 acta.
fabricantur, ut etiam aliqnot plaustra repleant. Caednntur vi-
mina in nsnm vinearum, arma longo situ obdncta confricatione
nitescnnt, enses machaeraeque in cotibns splendescnnt, lanceae,
hastae atque loricae rnbigine diutuma liberantur, equi eior-
nantnr, domantnr et ad bella humanosqne usus assnefinnt nihil-
que, qnod ad obsidionem pertinet, negligitur.
Ablegantur etiam ab episcopo viri aliqnot adversns nrbes
et emporia, qui ad hoc bellnm necessaria acqnirant et coemant.
Joannes Henssenbroick centnm viginti dno nitrati pulveris vasa
in Brabantia emit\ Joannes Heerde centum et quinqnaginta
Amstelredamo advehit*, Hermannus Tegeder quadraginta, Mel-
chior Bodegen triginta sex adducit; alii Coloniam, alii Trevi-
romm Augustam, alii Francofordiam, alii Novesium, alii Keysers-
werdam emptnm pulverem tormentarinm mittuntnr. Fredericus
Wetter centum octoginta novem centenarios nitri Erphurdia ad-
fert' multique alii ex diversis civitatibus tam nitri quam sul-
phuris magnam adducunt copiam. Eriguntur quoque Iburgi ac
Osnaburgae pulveris nitrati tundendi et conficiendi gratia molae
et offlcinae aliquot. Conradus Prange, Amsburgicus iudex, et
Joannes Swerthen aliquot millia centenariorum ferri in terrae
montanae ferrariis officinis in globos fundi procurant. Egbertus
Eaerbuck cum ministrorum turba rüdes lapidum massas ex lapi-
cidinis erutas in globos tormentarios transformant. Coloniensis,
Clivensis, Lantgravius, Benthemicus, Osnaburga aÄaeque circum-
quaque urbes machinarum bellicarum praefectos mittunt. Deü-
guntur* etiam viri, qui multa miUia clavorum ferreorum, aliquot
«) Ms,: delinguntur.
^) Am 28. M&rz meldet Joh. Herssebrock dem Bischöfe (Oiig. im
St-A. M.), dafs er am 26. in Antwerpen angelangt sei und sich weiter
nach Brüssel begeben werde. 28 „tonnen kndes^ habe er bereits aufge-
bracht. „Item," heifst es in den von J. Niesert: Ü.-S. I. S. 93 ff. ver-
öffentlichten Notizen über das bei der Belagerung gebrauchte Geschütz,
„hefft Hersenbroick van Antwerpen 51 fad, sint oyerslagen up 116 centener,
11 pf." — ») Bei J. Niesert a. a. 0. S. 99 belauft sich „dat kruith, dat
Herde bracht hefft,"" auf 68 Centner und 30 Pfimd.
•) Verschreibung für 81 Centner Salpeter an Friedr. Wetter vom
14. April, den Gentner zu 11 Goldgulden, im St.-A. M.
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Anno 1534 acta. 531
centenos fem et plumbi centenarios, innumerabüem chyrobom-
bardarom, sclopetomm, falconetomm multitndinem et nonnullos
mortarios, aliquot nuUia lanceamm et hastamm, omnis generis
fanes, stramina, fennm, havenam, equornm pabula, syndonem
tenuissimam in nsnm signomm militarinm et corium, unde culei
et sacculi fiant, *in quibus pulvis nitratus deferatur, coemant. »p. 456.
Multorum quoque fabrorum tarn ferrariorum quam lignariorum
opera datis arris conducitur. Quantis impensis haec omnia com-
parata sint, cogitatione facilius, quam numero comprehendi et
exprimi potest.
Inde cum retincti certum futurae obsidionis periculum
expectarent, 25. Pebruarii^ quingenti armati retincti ex urbe in 25. Febr.
D. Mauritii insigne canonicorum collegium hostiliter irruunt et,
ut bostibus latebras adimerent, quod aliquamdiu secum agita-
verant, nunc peragunt. Primum aedes canonicorum, qui fuga
sibi consuluerant, diripiunt atque ereptis bonis omnibus denu-
dant, frumentum, lectos, spondas, picta stragula atque ligna
curribus ad hoc paratis devehunt, supellectilia, cames bubulas*
snillasque succidias^, panes reliquaque omnia ibi reperta capa-
cibus saccis imposita mulieres puerique in urbem transportant,
aedificia ita denudata flammis impositis exurunt. Hinc avecto
plnmbo templi tectum resciudunt, turri aäriae subiectis lignis
•) M8,: bubalas. — '>) Ms,: succiduas.
') Dasselbe Datum giebt die Niesingschronik (M. G.-Q. ü, 433) und
das „Tagebuch** a.a.O. S. 107. H. Dorp Bl. D4 giebt den Dienstag,
also den 24., an und fügt hinzu, der Ueberfall sei geschehen „aufs befelch
der Burgermejster.'' KnipperdoUing bestreitet in seinem Bekenntnis vom
21. Jan. 1536 jede Mitbeteiligung an der That (M. G.-Q. II, 407). Bei
H. Gresbeck (M. G.-Q. II, 18) und D. Lilie S. 225 fehlt ein genaues
Datum, doch setzt Gresbeck den Ausfall nach der Ratswahl vom 23. Febr.,
die Bischofschronik (M. G.-Q. I, 331) erst nach der Vertreibung der Bürger
(27. Febr.). Kurz ist die Zerstörung von St Mauritz noch öfter in den
Akten erwähnt, so in dem Schreiben des Bischofs an Köln und Cleve vom
27. Februar aus Telgte (Konzept im Si-A. M.), in der Instruktion zum
Kreistag zu Köln am 25. October (M. G.-Q. II, 283) und im Briefe des
Bischofs an Papst Paul III. yom Ende 1534 (J. Niesert:'!U.-S. I. S. 84).
Herm. Hamelmann S. 1215 läfst die Zerstörung Jussu prophetae mi-
noris Johannis a Leiden'' geschehen sein.
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532 Anno 1534 acta.
et straminibns ignem iniicinnt, qni cnm a basi ad cacnmen
nsqne lignornm compagines dissolvisset, ipsa ingenti fragore
liqnefactis campanis in templnm roinam dedit, unde ligna spa-
riqne plumbo denudati flammas concipinnt testndinesqne pon-
deribns ruptae concidnnt. Nihil ibi praeter lapidum compagines
templi tnrrisque indissolutnm relinqnitnr. Ubi panlo ante in-
signes canonicomm stmctnrae conspiciebantnr, ibi nnnc capnae
sen camini saltem extant. Omnia quoqne extra eam nrbis partem
sepimenta rescindnnt, exumnt nnamqne campi snperficiem snb-
latis impedimentis explicant. Eis ita actis quasi re bene et
fortiter gesta exultantes revertnntur in nrbem.
Eodem die circa horam tertiam pomeridianam loannes
Matthisson ^ Harlemicus propheta in aedibns cuinsdam civis re-
tincti iuxta fomm piscarinm suis bombardae sonitu convocatis
concionatur. Pinita hac concione toti multitudini proponit : Cum
cbristiana haec respublica Patre divinitus sie dispensante feli-
citer coepta inter tot sectas, scMsmata et opiniones sine conten-
tionibus et assiduis seditionibus diu salva consistere non possit,
Patrem itaque velle, ut nova haec Hyerosolima cum sanctuario
') Die Nachrichten, die uns über Jan Matthys erhalten geblieben,
sind nur sehr dürftig (vgl. C. A. Cornelius in der „AUgem. deutschen
Biographie" Bd. 20 [Leipzig 1884] S. BOG ff.). Am meisten Ausbeute, aber
doch immer nur eine kleine, bieten die Wiedertäufergeständnisse, aus denen
hervorgeht, dafs sein Einflufs während der kurzen Zeit seiner Wirksamkeit
in Münster mafsgebend gewesen ist. Er war, sagt H. Gresbeck S. 40,
„ein groet langh man und hadde einen groten schwarten hart und was ein
Hellender." Erst nach den Unruhen vom 9. bis 11. Februar traf er in
Münster ein (s. oben S. 494 Anm.). Das „Tagebuch" a. a. 0. S. 106 über-
liefert uns seine Beteiligung bei der Ratswahl am 24. Febr. „Des dinx-
dags na dem sondage Invocavit, als men do borgermestere keisen wolde,*'
heifst es da, „. . . ys de prophete up dat raithuyfs myt eynen geschrey ge-
kommen und under dat gemeyne volck geropen, dat men der overicheit
solde horsam syn und solde nicht fruchten pauwest, keyser, forsten, bis-
schoppe noch jenigen forsten dusser werldt, und de sick nicht wolden
laten doepen in den bloide Christi, solde men tor Stadt uth
yagen." Dafs es sich aber für Jan Matthys, wie Eerss. angiebt, nicht
nur um ein Verjagen, sondern um Tötung der Gegner der Wiedertaufe
handelte, gesteht Enipperdolling am 21. Jan. 1536 (s. gleich weiter unten;
Ygl. auch Joh. Fabricius Bolandus El. Jd^, dem Herm. Hamel-
mann S. 1216 folgt).
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Anno 1534 acta. 533
a foeditate pnrgetnr. *Sibi ergo utile yideri, nt papistis, Lnthe- «p. 457.
ranis, sacram^ntariis omnibnsqne a sna doctrina dissentientibns
occisis nnmn corpas imaque respnblica constitnatnr eaqne novis
ritibus et christianis legibus flrmetur et stabiliatur, ut novo foe-
deri initiati pacifice Patri serviant. Non enim a fece aUarum
sectamm et impiorum contagione alio modo se immunes posse
conservare, nisi impii occidantur. Bern istam non esse difficilem,
cum civitatem munitam et omnium rerum copiam abundantem
habeant et suorum numerus in urbe sit maior, ita ut neque
externa neque interna pericula magnopere sint metuenda.
Haec prophetae sententia sine longa deliberatione omnibus
fere placuit ; et sequenti die omnes nos trucidassent, nisi Knip- m. Febr.
perdoUingus ^ exitialem nobis sententiam mutasset dixissetque
plus quam barbarum esse sanguinem eorum fundere, a quibus
nondum sint laesi; alioqui ipsos in vindictam innocentis effusi
sanguinis omnium nationum principes et populos provocaturos.
Suasit proinde impios postridie, nisi statim rebaptizati eandem
secum religionem profiteantur, urbe pellendos esse; ita enim
posse fieri, ut area Domini et domus Patris novaque Hyeroso-
linoia ab impietate purgetur. Haue sententiam ipse etiam pro-
pheta et omnes, quotquot aderant, unanimiter recipiunt.
üt autem edicto caesareo^ iurisque sanctionibus satisfiat,
acriter in retinctos passim per dioecesin latitantes animadver-
titur. Nam circa haec tempora quinque Woltbecanae mulieres
cum viro uno aquis suflFocantur, Bevergemae vero quatuor fe-
*) Zugleich mit Enipperdolling ist anch Johann v. Leiden der Ab-
sicht Jan Matthys' entgegen gewesen. „Es have sich,^ so bekennt Enipper-
dolling am 21. Jan. 1536 (M. G.-Q. II, 407 f.), „dar noch ein ander ramoir
ander innen erhaven, und das haif sinen anhaf der mafsen genommen.
Johan yan Leien und Knipperdollinck lagen in Enipperdollinghs huiss up
dem gewant disch, und Johan Mathis ginck in dem huiss uf nider, und
im quaem ein geher an, das sin hoeft wol noch so groefs wart, als tut;
und fingh an zu roiffen: „Morde, slagh doit!** Do wurden Johan van Leien
und der EnipperdoUinck erschrocken und Johan van Leien sprach: „Ach
Her Got, das doch munniche und pfaffen gewamet werden!^ EnipperdoUingk
avers Uef uf das raithufs und rief: „Yader, gif genade! Yader, gif genade!^
*) Ein solches, das unbedingten Gehorsam forderte, war noch am
20. Februar durchs ganze Reich ergangen (Eopie im St.-A. M.).
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634 Anno 1534 acta.
nünae aqnis et dno viri igni adiudicantnr. Mnlti qnoqne agri-
colae a Bothmannistis clam in webe retincti ad merita snpplicia
vocantnr. Coesfeldiensium aliornmqne oppidorum boDa et ciyes
ob concionatorum admissionem et religionis novationem hosti-
liter intercipiuntnr, donec iis abactis redissent cum principe in
gratiam et 26. Pebrnarii delicti gratiam impetrassent'. Eorum
vero civium bona, qni relictis omnibus Monasterinm ingressi
faerant, a principe confiscantnr ^. Et nisi singnlari pmdentia
et yigilantia principis pagi et oppida fuissent pnrgata exemplis-
qne acrioribns delinquentium conservata, tota propemodnm dioe-
cesis anabaptistamm errore distnrbata periisset.
*p. 458. *Die sequenti, quae fuit 27. Febrnarii et Veneris post do-
87. Febr. minicam Invocavit, coelnm post gallicininin matutinum rubescit
ac sol in ipso exori^n pallet. Saturnns etiam in Cancro retro-
cedens lunae aspectu oflFensus pluviam nivemqne miscet, quae
resolutis nubibus mixtim coelitus decidunt. Corus et Aquilo
Aeolio patefacto antro aöris Imperium sibi vindicant et supre-
morum planetarum quadratura rarior frigus . excitat. Consurgifc
itaque tristis et miseranda aäris tempestas imbribus, nivibus»
ventis et frigoribus mixta. Exoritur dies ipsis etiam brutis for-
midanda^ Agri enim et itinera concretis vaporibns ac coelesti-
^) Coesfeld hatte zanächst durch einen Boten und dann, da keine
Antwort eintraf, am 24. Febr. den Bischof schriftlich gebeten, der Stadt
wieder freien Handelsverkehr zu gestatten, „so de predicante na i. f. g. be-
yelle van den unsen verlaten und uith der stadt verweszen.^ Der Bischof
erfüllte die Bitte durch ein Schreiben aus Telgte vom 26. Febr. (abgedr.
bei J. Nies er t: Ü.-B. T. S. 205 f.). Am 6. März legt der Rat von Coes-
feld beim Bischof Fürbitte ein für den gefangenen Bürger Lubbert Dethmer,
am 9. März Dietrich Cloeth für Lubbert Wydouw (Original im St.-A. M.;
vgl. oben S. 469 Anm. 2).
*) Coesfeld betreffend liegt ein Schreiben des Bischofs aus Wolbeck
vom 9. April vor (abgedr. bei J. Nies er t: U.-S. I. S. 73 f.), in dem er
die Stadt auffordert, zu gestatten, dafs sein Rentmeister von Horstmar im
Verein mit städtischen Verordneten die verwirkten Güter aller nach Münster
entwichenen und der Wiedertaufe zugefallenen Bürger inventarisiere und
mit Beschlag belege.
') Alle Augenzeugen, die uns von der Austreibung am 27. Februar
berichten, heben das schlechte Wetter besonders hervor. Die Yerjagnng^
sei geschehen, sagt das „Tagebuch'' a. a. 0. S. 107, „yn eynen elendigen^
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Anno 1534 acta. 535
bns imbribus passim flnitant. Tnnc retincti rnptis pacis foe-
deribns 9. Pebruarii pactis \ nt pridie erant edocti, folgentibns
armis forum occnpant. Quae res in clansa urbe, cnm nnsqnam
effaginm pateret, ita nos terruit, nt de vita iam desperaremns.
Dum antem se ita adversns nos armant et militaribns ordinibns
constitnendis occnpantnr, loannes Matthisson propheta per totam
nrbem cursitans mnltis clamoribns sese fatigat*. „Agite," in-
qnit, „poenitentiam ! Eesipiscite, resipiscite, vos impii! Nonne,
qnid crimina vestra memerint, videtis? Nonne elementa vobis
infensa ccmitis? NoDne remm naturam flagitiis yestris commo-
tam consideratis? Nonne supplicium vobis a Patre paratum ei-
timescitis? Nonne manifesta Patris laesi signa animadvertitis?
Ultionem diyinam capitibus vestris impendere non agnoscitis?
0 stupida, 0 vecors impiorum turba, resipisce, resipisce, ut foe-
deris nostri charactere signeris, ne a populo Dei excludaris!"
Vates ille anhelo cursn fessns et vociferando defatigatus redit
ad curiam, ibi in medium armatorum agmen admissus corruit
Yulen wedder yan regen und sehne." „Unde," bemerkt die Niesingschronik
(M. G.-Q. II, 434), ^et was so bedroillick wedder und sniedo so zeer, dat
wy nouwe konden over wech komen.** H. Gresbeck, der gerade an diesem
Tage nach Münster kam, berichtet (S. 19): „Is ein bister wedder gewest
von regnen und sehnigen und von groten wint Man sol up denselben fri-
dagh nit einen hunt uth der stat geiagt hebben, so bister weder was it
np denselben fndagh/ Vgl. auch Joh. Fabricius Bolandus Bl. J2^ff.
') Vielmehr vom 11. Februar. Vgl. oben S. 499 Anm. 1.
*) Eine ganz ähnliche Schilderung wie die nun folgende des Trei-
bens am 27. Februar gab Eerss. bereits in seinem Jugendgedicht S. 27 ff.
(bei D. Gerd es a.a.O. S. 399 ff.). Auch da ist es Jan Matthys, der
durchaus in den Vordergrund tritt. Erwähnt wird Matthys sonst nur noch
von Joh. Fabricius Bolandus a. a. 0. H. Gresbeck nennt keine
Kamen. Nach ihm beginnen die Rufe um 7 Uhr Morgens. „Do hebben
sie . . . in der stat gelopen, die Straten up und neder, und hebben geropen:
„Ueruth gy gotlosen, Got wil einmail up wacken und wil iw straffen !" So
liepen sie doir die stat mit oerer gewehr, mit bussen, spiesen und helle-
barden . . ." Das „Tagebuch" a. a. 0., das mitten im Bericht vom 27. Febr.
abbricht, läfst KnipperdoUing handelnd auftreten:. „Ummetrent VIII uren
vor myddage hefft Bemdt Knipperdollinck eyn geschrey gemaket, dat men
tor stunt alle porten open solde und dar uth yagen papen und alle de
gotlozen, und dat se noch golt eder sylver und sus nichtz solden mede
nemen."
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536 Anno 1534 acta.
in terram Patremque invocat, totaqne multitudo imitata pro-
phetam provolnta genibus supplex Patrem precatur vatisque
mandatnm opperitnr. Inde tanqnam ex profnndo somno exiliens
„Haec," inquit, „Patris est volnntas, hoc mandatnm, haec ius-
sio, nt impii, nisi retingi relint, illico nrbe pellantnr, qui nc-
stris semper piis conatibns obsistnnt. Urbs haec sancta pur-
getnr! Popnlus enim Dei commercio impiorum contaminatnr.
Pellite itaqne fllios Esan! Debetnr enim hie locns, haec sancta
•p. 459. civitas, haec domns, haec hereditas *filiis lacob et veris Israe-
litisM^
His vocibns pariter omnes inflammantnr armaqne capes-
snnt et a foro in omnes plateas nrbis profasi prophecae oracnlo
parent ac instar fnriosomm debacchantnr, tnmnltnaitur, gras-
santnr vociferantnrqne : „Apage te hinc, impie, nun^nam redi-
ture% effnge, inimice et hostis Patris! Eecede, omnis boni per-
tnrbator! Seceme teabonis! Pnrganda est Patris area^, lolium
stirpitus eradicandum est, ne segetem bonam opprimat. Nostra
est haec hereditas a Fatre nobis donata. Fngite ftaqne, fngite
simnl omnes et dintnrno nos metn liberate!" Et cnm qnidam
snbito terrore percnlsi, qnid agendnm sit, sciscitsrentnr, ut in
nrbe maneant, „Ad fornm,** inqninnt, „recedite, ntretingamini."
Eothmannns enim in cnria eos opperitnr et adveatantes retin-
git *. Si qni vero in aedibns ad tollendnm liberos snos aut alind
qnidpiam in faga et exilio necessarinm snbsisterent, tnnc pnl-
satae sonnere fores atqne cardinibns eiectae corrnimt*. Moram
•) Ms.: reditnrae.
') S. dazu die Schilderung bei Joh. Fabricius Bolandus BV J3.
') „Got Wille de -Stade reinigen," so hatte laut dem Bekenntnis des
Dionysius Vinne (M. G.-Q. II, 274) der Prophet von Gott verkündigt, „and
wy sick nicht wolde bekercn und allen Gots willen wolden doin, de soEen
sick uthmaken, wente Got wille se straiffen.^
") „Datselve doepen duerte bei drei dage langh,*' sagt H. Gresbeck
S. 19. Er beschreibt dann, wie auf dem Markte drei oder mehr Predi-
kanten standen und die Taufe vollzogen. Die Namen der am Freitag
Wiedergetauften wurden in den Häusern der Bürgermeister aufgezeichnet.
*) „De borgere hehn vor malckz doeren geweltlicher wize geslagen,*^
meldet das „Tagebuch^ und ähnlich H. Gresbeck, sie „schloegen die
dürren up."
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Anno 1534 acta. 537
qnoqne in vicis trahentinm crebroqae respectantinm tergora
armis pulsant. Sennm scipionibus innitentium lentos gressus
acrioribns verbis, interdum verberibus castigant. Ingredi non
Talentes bigis evectos in nivem evolrant. Quidam ab anabap-
tismo prorsns abhorrentes aäris intemperie territi, qnidam morbis
detenti, qnidam senio fracti, qnidam bona tnendi gratia intra
dies pancos meliora sperantes remanent, qni tarnen inviti postea
retingnntnr. Qnanta faerit tyrannis qnantaqne immanitas, inde
facile liqnere arbitror, qnod in tanta aäris pertnrbatione sine
discrimine innnmerabilem mnltitndinem tam yiromm qnam mn-
liernm, tam virginnm qnam pneromm, tam ecclesiasticornm
qnam profanomm, tam invennm qnam sennm exegerint. Quot-
qnot ab impia eomm secta abhorrebant, honore et dignitate exi-
mios, divites et excellentes ntrinsqne sexns cives, patriis et avitis
sedibns, omnibns bonis, imo restibns, pecnniis atqne viatico in
ipsis portis miseris modis per vim emunctos et spoliatos crnde-
liter expnlemnt^. Matres raptis e cnnabnlis infantibus nudis
efifnginnt mnltisqne lachrimis penates desemnt. Adamati pnsi-
ones patmm manibus ntrinque adhaerentes per nivem plaviam-
qne nndis plantis trahuntnr et *flentes ad arcendnm frigas ma-*p. 460.
trem voeant; alii non aeqnis passibns pone seqnuntur. Neqne
gravidis recentibnsque pnerperis langoida et effoeta membra vix
trahentibns pepercernnt adeo, nt aliae (qnod dictn horrendnm
est) extra moenia in nive pepererint *, aliae infantes recens editos
^) Den schon früher aus der Stadt Entwichenen war erlaubt worden,
ihre Habseligkeiten mitzunehmen mit Ausnahme Ton Lebensmitteln (vgl.
oben S. 502 f.). Jetzt aber mufsten die Flüchtigen ^laten stain al dat iene,
wat sie hedden, huis und hof, wief und kint und moesten so iemerlick von
dat oer trecken und laten dat so stain'* (H. Gresbeck a. a. 0.). Aehn-
lieh H. Dorp Bl. D4^ P. Plateanus a. a. 0. schreibt am 25. MiLrz:
„. . . eos, qui suae sectae non erant, prius in hostilem modum spoliatos ad
unum omnes exegerunt nihil eis suarum rerum relinquentes, nisi si quam
vestem non omnino bonam fnissent induti, adeo ut coraUia et hoc genug
amuleta infantibus pueris detraxerint . . . Intra horam plerique urbe exce-
dere sunt jussi. Spiritum enim testificari gentes et impios neci dedendos.*^
Vgl. auch D. Lilie S. 223.
^) Sie haben, so läCst der Bischof auf dem Landtage zu Hiltrup am
17. März Yortragen (St.-A. M., Landtagsakten), „krancke, szwanger und
gebrecklige personen, maus und frouwen, de ock in zulcken uthiagen in
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538 Anno 1534 acta.
perizoniis stragulisve involutos in nive, plnvia, frigore ventoqne
solatio humano destitntae in sinn gestaverint tarn de vespertino
hospitio qnam, nnde viverent, incertae, com praeter nndnm in-
fantem ne teruncium qnidem habuerint. Quantus tunc faerit
in urbe clamor, quantns armorum fragor, quantus pulsatarum
aedium sonitus, quantus puerorum et feminarum fletus, quantus
eiulatus, quantus ploratus quantaque querimonia anabaptistis ri-
dentibus, neque voce neque scriptis a me exprimi potest. 0 prae-
clara Westphalicarum urbium metropolis, utinam miserrimae
huius afflictionis et exilii causam agnosceres; sine dubio fastum
luxumque aversareris neque tanto studio tranquiUitatis pertaesa
in tui ipsius pemiciem novorum motuum yeterum oblita occa-
siones quaereres!
Omnibus portis urgentibus et instantibus a tergo retinctis
gregatim eflfundimur atque in mille vias mundi per nivem plu-
viamque spargimur, ventos et frigora patimur. Fabricius, qui
multos concionibus suis ab anabaptismo retraxerat, manus infen-
sorum sibi retinctorum mutatis vestibus vix vivus elapsus est \
äoita noith gekommen und verstorven, ellendichlich verdreven." Auch bei
H. Dorp a. a. 0. geschieht die Vertreibung „on alle schewe einige alters,
ja auch schwanger frawen, deren etliche, ehe sie recht zum thor hinaus
kamen, schaden an jrer frucht erlieden haben."
*) Fabricius giebt in seiner Selbstbiographie („Bibliotheca Brcmensis'*
Classis 4 fasc. 1 pSremae 1720] S. 78) folgenden Bericht: „Tandem cum
optimi qulque ex ea civitate bis malis fracti aut nitro fugissent aut vi
eiecti essent egoque contra hos furioses homines penc solus remansissem,
me aut ad necem aut ad fidei meae negationem quaesierunt ac me in-
ventum satis inhumaniter tractarunt. Verum cum me infractum vidissent,
vitae meae parcentes ex urbe plane miserum dimittunt . . . Ego ... in
Hassiam redii." Ausfahrlichere Nachricht finde ich nur bei P. Plateanns
a. a. 0. £r erzählt: „Quidam e schola nostra illuc Hebraica docturus erat
missus. Eum raptum in forum circumstetit concio furiosorum iubens pro-
phetas Spiritus de eo sententiam edere. Responderunt frustillatim disse-
candum, proditum enim Satanae. Effectumque habuisset cruentum oracu-
lum, nisi quorundam beneficio ... supplicio fnisset subtractus ac fugere
permissns. Alteri, quem ante aliquot menses eodem miserat princeps noster,
ut evangelii veritatem contra istos assereret^" (das kann nur auf Fabricius
gehen) „idem supplicium sanguinarius hie Spiritus decemit. Sed in cister-
nam quandam a mulieribus demissus biduum et hominum cmdelitatem et
mendacem hunc spiritum latuit tandemque faga elapsus salutem repperit.''
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Anno 1534 acta. 539
Qxii obsidionem non fore dintnmam sibi persuadens Warendorpiae
se aliquamdiu continuit. Hie etiam nobis itineri iam accinctis
mnltisque aliis consuluit, ne longius Monasterio abiremus; de-
ditionem enim eins brevi faturam *. Sed vicit ccmsilinm domini
nostri Weslingi uxorem snam cum familia nostra per literas ad
se Hervordiam vocantis. Senatus hunc Pabricium sibi a prin-
cipe clementer permitti per literas efflagitat, si enm, quem nnnc
habeat, concionatorem, etsi sacramenta legitime dispenset, non
patiatur*. Princeps vero rescribrt*, nt senatus promissae me-
mor sit fidei.
Eodem tempore dominus Hermannus Dungellius *, praepo-
situs Mauritianus ac Moguntinensis, Monasteriensis Xantensis-
que ecclesiarum canonicus, vir et pietate et annorum numero
vene*randus suo currui cum quatuor ministris insidens impetrato »p. 461.
a consulibus tuto commeatu emigrare contendit. Huic in media
fere urbe apud creopolion loannes Matthisson propheta occurrit
hastaeque aciem, qua armatus erat, in pectus Dungellii coUocat.
„Non hinc," inquit, „veterane impostor, impune abibis; aut enim
animam aut pecuniam, quam habes, evomes nobisque relinques.^
übi rero iUe publicam fidem imploraret sibique emigrandi tu-
tum commeatum a consulibus datum dictitaret, propheta cum
sua ibi cohorte se nihil promisisse neque se consulum commea-
') Dafs übrigens Viele innerhalb und aufserhalb Münsters derselben
Meinung waren, bezeugt H. Gresbeck S. 21. H. Dorp Bl. £ 1 führt als
Grund dafür, dafs Manche in der Stadt blieben, an, dafs von selten des
Bischofs „des unschuldigen nicht weniger verschont ward, denn des schul-
digen, sondern beider teils gef englich angenomen und mit dem schwerd
gestrafft wurden, wie wol sie nicht Widderteuffer waren.**
*) Yergl. das Schreiben der Stadt Warendorf an den Bischof vom
22. März (bei J. Niesert: U.-B. V. S. 237 f.). Die Stadt bittet, falls sie
ihren Predikanten nicht behalten dürfe, möge ihr der Bischof seinen Kaplan
Johann (v. Sjburg) schicken, und wenn auch das nicht thunlich sei, „wei-
den wy dannoch i. f. g. gebedden hebben genedichliker umme Godes wyllen,
uns den solven predicanten, de uth Munster gedrungen, den . . . Her Phi-
lippus Lantgrevo to Hessen bjnnen Munster gelent hadde, welker doch
hir is gewest und van uns begert, dat wort Godes tho pre-
deken, dat i. f. g. wolden vergunnen, den solven antonemen, so veer
mogelick.'' — *) Nicht mehr nachweisbar.
*) Das Folgende ist nur von Kerss. überliefert
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640 Anno 1534 acta.
tmn magnopere cnrare respondet simulque in virom mein prope
consternatum irnrnnt, annnlis digitis detractis omnibnsqne pe-
cuniis et ornamentis enm spoliant spoliatnmqne dimittunt. Qle
post aliquot dies literis* in urbem per lodocum Boemekenum,
ministrum snnm, missis de yi sibi illata et bonis contra fidem
pnblicam sibi ereptis annnlos maxime signatorios reposcit et
nisi reddantnr, se istam iniuriam etvim imperii principibus et
bene constitntis rebnspnblicis bonisqne yiris onmibns cum queri-
monia explicatnrum. Sed nihil nisi verba ignominiosa vixque
scurris digna reportat.
Et cum quaedam matrona, uxor Godofridi Weraeken^
quae in platea Aegidiana publice diversorio rosa insignito prae-
erat, nimia pinguedine praepedita neque ingredi neque currus
copiam habere posset, in urbe mansit. Ad quam retingendam
mittitur Bothmannus, qui mulierculae isti multa de foederis
signo, sine quo nemo salvus fieri queat, concionatur et, ut illa
se retingi et charactere christianorum insigniri patiatur, instat.
nia se baptizatam esse clamat neque aliud baptisma, quam quo
maiores sui sint abluti, optare. Ille: baptisma illud ad salutem,
nisi secundum accedat, nihil prodesse. Illa: tantum sibi pro-
desse, quantum maioribus suis; sinat se saltem suo more vivere.
,,8i,^ inquit Bothmannus, „tanta pertinacia spiritui Dei resistere
non desinis, e consortio piorum morte tollenda es, ne tua im-
pietate iram Patris in nos accersas et nos tui sceleris participes
*p. 462. facias.'' Illa vero mortis mentione *intellecta expavescit. „Si
igitur,^ inquit, „vis me rebaptizare, rebaptiza me in nomine
centum diabolorum; nam in nomine Dei sum semel baptizata.^
nie autem eam suo more retingit.
Hanc civium calamitosam fugam divinitus contigisse Both-
mannus Omnibus persuadere laborat. Hac enim Deum Patrem
suos ab hostili motu, cui impliciti tenebantur, eripuisse, imo
«) Ms.: literas.
') Das folgende Beispiel berichtet nur Eerss. H. Gresbeck S. 20
sagt im Allgemeinen: „So haben die predicanten ein deil luede in den
hneseren gedoept von olde mans nnd frawen, die nicht up dat marckede
gain künden, nnd die ock nicht up dat marcket gain wolden, und hebben
sie so ein deil gedoept mit guden werte . . .**
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Anno 1534 acta. 541
ipsos ab intemecione singulari beneficio suo vindicasse. Quibns^
argnmentis multos passim per literas snas ad hanc sectam et
nrbem invitat. Scribit enim ad Henricum Schlachtschapinm et
alios snae farinae concionatores in haec verba^:
„Bernardus, lesa Christi in ecclesia sua, quae est Mona-
sterii, minister, Henrico Schlachtschapio, suo fratri. Gratia Do-
mini in fortitndine Spiritus tecum et cum omnibus fidelibus!
Tänta et tarn magna sunt Dei mirabilia, mi frater, quod sl
haberem linguas centum, non possem tamen exprimere, quare
etiam scribere non possum. Dominus magnifice operatus est
nobiscum. Liberavit nos Dominus de manibus inimicorum no-
strorum et non modo liberavit nos, sed etiam eiecit hostes no-
stros. Turmatim enim efiluunt terrore percussi nescio quo.
Dominus testificatus est nobis per prophetas suos fore, ut in
bac civitate congregentur sancti* Dei. Ideo iusserunt, ut scri-
berem tibi, ut iubeas fratres omnes huc propenire et, quae ha-
bent in promptu, ut pecuniam, aurum et argentum, secum ferant^
reliqua permittant sororibus, ut ipsae disponant et sequantur.
Yos diligenter videte, ut spiritum Dei sequamini et nihil ex
came statuatis. Frater iste plura coram vobis exponet. Valete
in Domino!"
His ita per yim exactis ^, cum iam soll urbis imperio poti-
rentur, religiosorum habitationes inter advenas distribuunt. Coes-
feldianis domus Georgianorum, Leodiensibus fratrum Fontissa-
*) Nur durch Kerss. überliefert. Ueber Slachtscaef, der der ihm ge-
wordenen Anffordernng, nach Münster zu kommen, sehr bald Folge leistet
(vergl. H. Gresbeck S. 25 ff.), s. besonders C. A. Cornelius: M. A. 11.
S. 848 ff., J. Habets: De wederdoeper to Maastricht (Rocrmond 1878)
8. 216 ff. und E. Rembert: Die Wiedertäufer im Herzogtum Jülich (Münster
1893) S. 13ff.
*) ^Die predicanten,^ so bekennt Jakob von Osnabrück (s. J. Niesert:
U.-S. I. 8. 157), „haven ime in synen mundt gelacht, . . . allein bynnen
Munster solte frid und Sicherheit sein ; das sie die stat des Hern und nuwe
Hierusalem, da solle de Herr die syne erhalten, und alle genuch haven.^
Ygl. auch das Gest&ndnis des Joh. Eloprifs bei J. Niesert a.a.O. S. 115.
') Der Bischof schreibt am 1. März aus Telgte an den Landgrafen
(Orig. im 8t.-A. Marburg), „das alle andere einwoner bei etlich tausent»
80 irer conspiration und lere nicht haben gewertich sein wollen,"* verjagt
worden seien.
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542 Anno 1534 acta.
lientis, Frisiis Nitzinganarnm virginum, Gilthnsianis Minoritarum
monachornm, Warendorpensibus loannitamm aedes inhabitandae
assignantnr ^ lulius vero Frisius episcopns in nrbe creatns, qni
solns baptizandi munere fangeretor, Binganarnm virginam tecta
^p. 463. colit. Coenobium antem a valle *rosarnm appellatum fit carcer
feminarum maritis snis non parentinm^
Hinc primam aedes nobilinm canonicornm, qnid in Ulis
Sit relictum, explorant et quidam cives in eas habitatum demi-
grant®. KnipperdoUingus vero, Kibbenbrochus, Nicolaus Snider,
") Schon Jakob von Osnabrück hatte auf seiner Mission verkündigi;
(s. J. Kiesert a.a.O.): »Die Christen haven bynnen Munster hujser und
bedden bestelt auf alle Christen, so ankhomen, zo underhalden, euch essen,
drincken, gelt, kleider innen mitgheven. Dan die predicanten haven ge-
sacht, dat die stat so fol volcks suld khomen, das man hujser uft dem
doemhoeffe, im doem und kyrchen für die Christen bouwen, und zoletzt,
so sich das volck vorgadert, soulden in der beiden und goÜosen huyser
und gueder underhalden werden.** — Ueber die Verteilung der Klöster
unter den Zugewanderten liegt uns aufser dem Berichte Kerss. noch der
des U. Gresbeck S. 165 vor. Er erwähnt auch das üeberwasser- und
Aegidükloster und führt an, dafs in jedem derselben „dry ofte vehr iunf-
feren, die in der stat weren gebleven," lagen. Das erstere verwahrte „ein
mansmensch von Coistfelt,** das letztere „der schulte, der thovoem plach
tho sein in dat cloister; der hadde vehr frowen." In Bezug auf die Zu-
weisung der Georgs-Eommende an die Coesfelder, der Johanniter-Eommende
an die Warendorfer und des Niesingsklosters an die Friesen stimmen die
Angaben Eerss.'s und Gresbeck^s überein. Im Minoritenkloster aber läfst
Gresbeck aufser den Bürgern von Gildehaus noch die von Schöppingen
„und ander fromet volck,** im Fraterhaus „allerlei frembt volck und lans-
knecht** wohnen, und er fügt hinzu : „So hcbben sie ouck umbher besoicht
die anderen iunfferen cloisters, die suster hueser und beginen huse und
ander vergardingk mit dat frembt volck . . ,**
') Diese Angabe, die Eerss. weiter unten noch einmal wiederholt,
wird bestätigt durch H. Gresbeck S. 65. An einer andern Stelle (S. 43)
jagt Gresbeck, dafs das Bosenthalkloster das Gefängnis gewesen sei über-
haupt für alle, „die noch ungeloevich weren von den wiederdoepers und
wolden nicht von der dope holden, und die iene, die in der stat weren
gebleven und hedden sick nicht laten doepen, und alle die iene, die noch
gelt, silver ofte golt hedden beholden und hedden wat bei seiden gehuit
von kost ofte von kom.**
^) Hier und teilweise auch in den folgenden Schilderungen, die die
jchon oben S. 520 ff. beigebrachten Nachrichten über die von den Wieder-
täufern angerichteten Verwüstungen nicht ohne manche Wiederholungen
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Anno 1534 acta. 543
Gerardns Koeninck^ et alii complures snb fomicibus commo-
rantes perfractis muris dominornm habitationes sibi commnnes
faciont. In horto autem Melchioris a Bnren cellarii, nbi postea
regia fuerat, bombardas aliasque belli machinas fundnnt*; pul-
verem vero tormentarium in templo veteri D. Pauli mola tru-
satili erecta tundunt^; in aliis pluribus locis urbis ex aqua per
terram e celli& passim eflfossam colata et praesidio ignis elixata
nitrum conficiunt*. Omnia quoque cleri secundarii civiumque
egressorum tecta subeuntes abditissima quaeque scrutantur; fa-
muli famulaeque dominis suis pulsis in iisdem domibus, quibus
servierant, nunc dominantur dominorumque suorum bonis pro
arbitrio quasi suis fruuntur. Quicquid ex superioribus motibus
in templis integrum relictum fuerat, disperditur. Libros ex
erg&nzen, schöpft Kerss. wieder aus den Angaben des Herrn. Ramert, die
Quelle für die Münstersche Bischofschronik geworden sind und die in dem
Flugblatt „Die Ordnung** eine Ueberarbeitung und teilweise Erweiterung
gefunden haben. Manche der von Kerss. gegebenen Notizen finde ich nur
in der Chronik, andere wieder nur in der „Ordnung." Ich mache das in
den folgenden Noten kenntlich und ziehe zur Ergänzung auch noch das
Manuscript im St.-A. M. (M. L. A. 518/19 fol. 327» ff.) heran, aus dem ich
das oben oft citierte „Tagebuch** habe abdrucken lassen. Ygl. meine Be-
merkungen in der Ztschr. 51 (1893) S. 107 ff.
') Der Druck der „Ordnung*' giebt die Namen oft sehr entstellt
wieder, so heifst es hier: „und seind dise capithenier Eiebenbrot, Bern-
hart Enopperdelingk, Claus Schneyder und Bernhart Remmingk."
Als Letzten unter ihnen oennt die Bischofschronik einen Gert Beminck
(Bawinck), und im Manuscript des St.-A. M. heifst er Gert Reyninck.
') „Ordnung*' und Chronik, doch nur die Chronik hat die Notiz,
dafs sp&ter in dem Hofe des Melchior v. Bueren die Wohnung Johannas
V. Leiden gewesen sei (s. darüber weiter unten). Die „Ordnung" fügt hinzu:
„darinnen haben sie aylff stuck gegossen, darunder seind vier schlangen,
ein gröfs, ein klein stuck, ein halbe schlangen, das ander steinschlangen
tmd falkanetlen." Sie giebt dann (wie ähnlich auch das Manuscript im
St-A. M.) noch an, dafs in demselben Hofe auch noch die meisten Fenster,
Bilder, Wappen und Geräte vernichtet wurden.
») Nur in der Cllronik erwähnt. Vgl. auch D. Lilie S. 231.
*) H. Gresbeck S. 47 berichtet: „Sie hebben dagh und nacht
pnlver gemacket in der stat und hebben twe oliemollen gehat, dair hebben
de kmit ofte polver up gemacket. Und hedden in den olden doem ein
stempelmolle gemacket, dair sie ock pulver up gemacket hebben, dat sie
al dat belech krudes genoich hedden.''
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544 Anno 1534 acta.
onmibns templis in campom dominicnm congestos ctun literis
consignatis exnrunt, libros vero rationum et acta iudicialium
causarum discerpunt ac per vicos disiiciunt ^ Vitreas fenestras,
in quibus ant insignia maionim aut imagines Patrum Sancto-
rumque reperiunt, baculis, fastibus et fundis confringnnt. Nullas
enim Christi crucifixi, Mariae Virginis, Apostolornm aut Mar-
tyrum imagines, qnas non perdant, femnt^; at diabolorum, lu-
daeorum impiorumqne tyrannorum icones nuUa retinctorum ma-
nus violavit. Ossa Sanctorum dissolutis reconditoriis et anro,
argento margaritisve, quibus exomata fuerant, raptis per vicos
strata indignis modis proterunf*. Idolum deiparae Virginis bi-
frons et deauratis quasi radiis circumdatum in medio templi
Transfluviani ex testudine suspensum deturbant*; Organum in-
*p. 464. signe et no*vum excindunt*, sedilia, altaria et pulpita omnia
templorum urbis comminuunt. Coenobia virginum Transfluvia-
narum et Aegidianarum depraedantur". In monasterio Georgia-
norum in quadam cista ex tabulis roboreis non dolatis instar
sarcophagi composita duo eucharistiae repositoria deaurata, Yulgo
moDstrantias, quatuor calices, argenteum thuribulum, Septem
cochlearia et aliquot scyphos argenteos, pateram omnis generis
argenteorum numismatum et arculam auro signato refertam de-
prehendunt*^. In curia tarn publica quam graphiaria discussis
seris magnum illud civitatis Signum Paulini capitis insculptam
effigiem habens collidunt; secreta curiae et per multos annos
abdita eruuntur, monumenta privilegiorum, plebiscitorum con-
*) Zur Vernichtung der Dombibliothek vgl. oben S. 523. Die syste-
matische Verbrennung der Bücher am 15. März erzählt Kerss. weiter unten
nach H. Dorp. Dort s. das Nähere.
«) Vergl. dazu oben S. 522 f. A. Corvinus schreibt 1536 an G.
Spalatin (s. P. Bahlmann: Bibl. 1536 Nr. 4; im Originaldruck Bl. Bl^):
,,Imaginibus adeo infensi fuerc, ut etiam pictarum in parietibus ac fene-
stris facies, oculos ac ora misere fedarint^'
•) Nur in der „Ordnung." Ganz ähnlich im Manuscript. Vgl. auch
das Bekenntnis des Dionysius Yinne (M. G.-Q. IT, 274).
*) Das überliefert Kerss. allein. — *) Nur in der „Ordnung."
') Nur in der „Ordnung." Aehnlich im Manuscript
') Nur durch Kerss. überliefert.
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Anno 1534 acta. 545
stitutionumque municipalium lacerant et discerpunt^ Episco-
porum vetemm imagines ornatus et memoriae causa citriae af-
fixas deiiciunt ; omnia simulachra et effigies Dei piorumque ho-
minnm perdnnt et obliterant, ne quicquam eorum pubescentis
iuventutis memoriae insideat *. Principis insignia episcopali aula
dimota in caeno conculcant, fistnlas, cytharas, testudines, bar-
^yt^9 lyi^s reliquaque mnsices instrumenta chordis fidibasque
obdncta, canoris cantns tarn fignrativi quam plani libellos, fri-
tiUos, alveolos, Chartas onmiaqae, quibus temporis taedimoi pel-
litur, passim in aedibns reperta dissecant, ne aliis stndiis, quam
munitionibus flrmandis sint occupati et intenti®.
Haec plus quam cjclopica et contra omnem humanitatem
inunanitas et belluina retinctorum feritas, qua usi sunt in ex-
pellendis civibus, principem, quem tunc Telgeti videram, ad
obsidendam urbem maturare cogit. Exercitus itaque pedestres
turmasque equitum et agricolarum turbas passim in oppidis
pagisque remotioribus coUocatas evocat et paulatim urbem pro-
pius admovit. Praemissis ergo locorum exploratoribus nee non
castrametatoribus, qui loca castris apta desig^'narent, die 28., *p. 465.
quae fuit ultima Februarii*, circa vesperam ex propinquioribus ^».Febr.
*) Chronik und „Ordnung," doch sind nach der ersteren nur »et-
liche privilegia," nach der letzteren „die bücher und privilegia
alle verprent." In dem Manuscripte ist die Vernichtung des Stadt-
siegels nicht besonders erw&hnt. Es heilst dort nur: „Item wat men up
den raiihuse und der schriverie in yenigen slotten konde vinden van segelen
und breven, alle gebranth."
*) Nur in der „Ordnung/ Doch heilst es dort: „und die gemalten
wiU man aufswischen/ Ebenso in dem Manuscripte.
*) Nur in der „Ordnung/ doqh ist dort, ebenso im Manuscripte,
nicht von der Vernichtung der Musikinstrumente u. s. w. die Bede, sondern
es heilst im Anschlufs an die Zerstörung des bischöflichen Wappens : „Auch
so ward auff s. g. sali aller hämisch und waffen und was raysig war darge-
pracht; da mocht ein yeder auff gehen und nemen, was ihme dienstlich war."
^) Die Anstalten zu einer regelrechten Belagerung waren wirklich
im Laufe des Februar getroffen. Siehe oben S. 477 Anm. 2 u. S. 523 ff.
Wie wenig wirksam aber bei dem Mangel an Eriegsleuten, Eriegsgeräten
und an Geld die Mafsregeln waren, geht schon daraus hervor, dafs der
Bischof mehrfach den AmÜeuten seinen Befehl wiederholen mufste, den
Zuzug Ton Knechten nach Munster schärfer zu überwachen. Vergl. die
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546 Anno 1534 acta.
circnmquaque oppidis agricolae armati excitantur, qui praevectis
in aliqnot cnrribns palis, secnribns harpagonibusqne primas ca-
strornm mnnitiones tnmoltuario Labore fodiant. Hi ergo ad-
innctis duotoribas ex militibns qnibusdam, qui ipsos ndlitaria
tyrocinia et qnae potissimom in hac expeditione opus erant, edo-
cerent, erectis signis militaribus obsidionis principia capessunt.
Hos in media nocte dimotis stationibus castrorum assuetis mi-
lites sequuntur et munitiones subito labore ab agricolis in nocte
illa excitatas oecupant. Castra itaque peditum Septem locantur ^:
bischöflichen Schreiben vom 24. Febr. und 8. März bei L. Keller: G.d W.
S. 308 u. 310 f. Yerhandlangen des Landtages zur Begegnung der Gefahr
fanden erst am 17. März Statt. Wirksame Hülfe von benachbarten Fürsten
traf erst nach dem Tage von Orsoy (26. März) ein. Vgl. dazu und zu der
bedenklichen Lage des Bischofs die Ausführungen bei L. Keller a. a. 0.
S. 243 ff. — Das Datum des 28. Februar für den Beginn der Belagerung
entnimmt Kerss. der Angabe H. Dorp's Bl D4^. Der Bischof selbst
schreibt gegen Ende des Jahres 1534 dem Papste Paul m. (s. J. Niesert:
U.-S. I. S. 84) : „ürbem circiter Calendas Martias anno 1534 obsidere coe-
pimus.** Auf den zur Erinnerung an den endlichen Fall Münsters geprägten
Siegesmünzen ist als Tag des Anfangs der Belagerung der 1. März ange-
geben, lieber die Notiz D. Lilie's, dafs die Stadt bereits am 22. Febr.
„berandf sei, vgl. F. Bunge in seiner Ausgabe S. 225. Ungenau ist auch
die Angabe in der Flugschrift: „Der gantze handel und geschieht** (s. P.
B ahlmann: Bibl. 1536 Nr. 8) Bl. A l^: „Der bischoff ... hat die stat mit
hilff und bejstand des Ertzbischoff zu Cöln, des Hertzog zu
Cleve und Jülich, fort etlicher anderer ffirsten mit heeres krafft
zu fufs und zu rofs umbgeben und belegert im an fang des Mertzen.**
^) Bei der folgenden Aufführung der Lager vor der Stadt verfährt
Kerss. wieder ohne Beachtung der Chronologie. Ueber die Zeit der An-
nahme der einzelnen Hauptleute s. oben S. 525 Anm. 1. Die Bischofs-
chronik S. 331 spricht zunächst von fünf Lagern, dem vor St. Mauritz, dem
bei der Enkingmühle, dem Olevischen vor dem Kreuzthor, dem Geldrischen
vor dem Jüdefelderthor und dem Oberländischen vor dem Aegidiithor. ^Dar
korth na quam,** fährt sie fort, „ein ander hupen knechte, de worden ge-
legert iegen dat Fraterhuifs und hete dat nie leger.*' Die Chronik nennt
also das Lager vor dem Ludgerithor nicht. D. Lilie erwähnt S. 226 f.,
der Bischof sei „mit einem geweidigen veltlegger tom Dickhuse** (Haus
Diekburg in der Landgemeinde St Mauritz) gekonmien und habe „dar ock
mit der tidt geschuts genoich lathen voren unde worden vor Munster seven
geweidige legger van landesknechten geslagen.** Er nennt nur das Mauritz-,
Geldrische, Meissensche, Oberländische und Clevische Lager. In einem
Schreiben des Bischofs vom 4. April aus Wolbeck (Konzept im St-A« M.),
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Anno 1534 acta. 547
primnm inter exusti Mauritiani coUegii mdera et favillas, cui
Wilkinns Stedingus, etsi totins quoque peditatus dui primarins
faerit, pecnliariter praefait; secnndum ante portam Ladgerianam
in agro avenario, cains Joannes Corytzerns Seynanns moderator
fait; tertinm ad portam Aegidianam in loco hnmiliori et sabn-
loso inxta viam pablicam, qnod a Misnensibus militibns Mis-
nense appellatnm fnit, cui Albertus Beltzius praefuit. Qui cum
expeditionem prünam ad urbem facerent, praedio domini Gerardi
de Plett^nberch in paroecia Sendenhorsthana sito sine causa, sed
eingulari nocendi libidine in clerum accensi flammas iniecerunt
illuclque penitus exusserunt. Hi quoque tantum audaciae sibi
arroganter tribuebant, ut, cum urbem eminus intuerentur, non
opus esse ad eum viculum expugnandum tantis viribus, machinis
et apparatu bellico clamitarent, minori enim se illum negotio
et citius subacturo^% quam panes tepido iure perfusos. Quartum
inde amne interluente ad portam Marianam haud ita procul a
Telta, amplissimo et fecundissimo prato, quod Hermanni Sittardi
ducis imperio paruit; quintum ad portam ludefeldanam iuxta
porcorum aquarium, quod et Geldriacum a militibns et Qeldriaco
duce primario Egberte Devereno denominatur; sextum ad portam
Crucis Clivense appellatur, cuius sceptra Laurentius Horsthanus
tenuit; septimum trans amnem ad molam Enickinganam ^ Swer-
husius rexit. Septem proinde peditum stationes et castra *circum »p. 466.
urbem disponuntur validisque militum praesidiis firmantur. Hinc
matutino tempore diei primae Martii magistri stipendiariorum i. Msrz.
equitum pedestres exercitus subsequuntur et in locis propinqui-
oribus urbis, extra iactum tamen urbanorum telorum stabulan-
tur, quorum Fredericus ab Eller cum suis ad septentrionem in
Evinckhovio castra collocat, Henricus a Schonebecke ad occasum
in Eokelenburgo, Gerardus de Becke ad aquilonem in Hakelen-
•) Ms,: subacturum.
in dem er den Amtleuten befiehlt, Proviant in die Lager zu schaffen, werden
Lager ^to Enekenckhove, vor de Jodefelt porten, vor Sunte Ilien porten,
to Snnte Mauritius, tom Koldenhove'' angeführt.
') Zur Enkingmühle vor dem Keubrückenthor, da, wo seit 1884 das
städtische Schlachthans sich befindet, s. A. Tibus: Die Stadt M. S. 24.
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548 Anno 1534 acta.
bnrgo, loannes de Koerte ad orientem in Woesta, loannes a Senden
ad meridiem inxta aedes Eberardi Bischopingi prope Geistham,
loannes vero de Dincklage ad earoaastmm in Lnkenbeka ac
Eoldenhovio^ Ita antem eqaites peditesqne castrametantnr, ita
sunt vicini, nt mutua sibi anxilia necessitate postulante adferre
queant. Quaelibet castra aggeribns, fossis, tormentis aliisque
rebns necessariis accnratius pedetentim commnninnt; yigiliae et
excnbiae tarn diumae qnam noctnrnae habentur. Trinm qaoque
dioecesinm snamm beneficiarios clientes, qnos vasallos vocant,
armis eqnisque bene instmctos ad primam diem Martii Telgetum
atque Woltbecam princeps convocat, ut stipendiariis sese con-
inngant eorumque turmas, si forte opns sit, suo robore angeant *.
Hinc praeter crebras exactiones et tributa, quibns dioecesis in
praesidium belli atteritnr, qnaeqne nnnc clero, nnnc nobilitati,
nunc civibus exulantibus, nunc ruricolis, nunc praediis, nunc
pecudibus, nunc aratris pendenda imponuntur, in principio Martii
ornamenta quoque e templis per totam dioecesim sublata sunt ',
quae tarnen pecunia aestimata a paroecianis redimuntur. Unde
multi motus passim sunt concitati, maxime in urbibus. Nam
cum Boeckholdiani omamentorum in Dei honorem a piis maiori-
bus suis dedicatorum aestimationem aegrius ferrent, contentio
gravis est exorta, in qua Georgius a Deipenbrock ac iudex eins
') Die Reiterfahrer sind dieselben, die Eerss. schon ohen S. 524 angab.
*) Die Ritterschaft wnrde zum 2. März nach Wolheck, die Münster-
schen Erhmänner wurden nach Telgte aufgeboten (Konzept im St-A. M.).
') Mit Bezugnahme auf die Ausplünderung des Münsterschen Domes
erging im Einverständnis mit der Landschaft schon am 27. Februar ein
bischöflicher Befehl an die Amtleute (gedr. bei L. Keller: G. d. W. S. 309).
Es heifst darin zunächst nur, er wolle die „kercken klenodia to eynes yderen
besten ein tjtlanck in getruwe verwarunge" nehmen „befs tor tyth dyt
unchristlich uprorisch vornement des gemeynen mans . . . gestillet." Schon
gegen die Ablieferung leimte man sich an vielen Orten auf. Ygl. aufser
dem Berichte des Drosten Job. Valcke aus Vechta vom 15. März (bei J.
Nieser t: U.-S. I. S. 22) die Schreiben des Amtmanns Wilhelm v. Ellen
zu Assen vom 16. März und des Amtmanns Job. v. Büren zu Werne vom
4. April (Orig. im St.-A. M.). Gröfser wurde die Erregung, als bald darauf
das Ansinnen gesteUt wurde, man solle die abgelieferten Kleinodien mit
Geld wieder einlösen.
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Anno 1534 acta. 549
oppidi partes princlpis iubentis defendentes a civibns interceden-
tibus propemodum fuissent occisi*.
Ubi Knipperdollingus ac Kibbenbrochus urbem obsidione
episcopali undiqne cinctam esse animadverterent^ omnes oppi-
danos subito *armatorum discursu nonniliil consternatos convo-*p. 467.
cant coDYOcatosque Enipperdollingas sie compellat^: „Cnm dos
non leyiam neque impiormn papistamin et pseudoevangelicornm
iudicium, sed vester omnium incorruptus assensus non sine pe-
culiari Patris coelestis snggestione ad hoc honoris et dignitatis
fastigiom etiam invitos evexerit, fratres christianissimi et vera
Abrahami posteritas, divinae qnidem ordinationi relnctati fois-
semns, si a Patre mnnus nobis suornm cansa impositam, etsi
difficile et ingeniorum nostrorum viribus impar, aversati fuisse-
mus. Maluimus igitur caecorum papistarum et pseudoevangeli-
corum, quos iam urbe exegimus, quibuslibet conviciis pro libi-
dine sua proscindi, quam dispositioni divinae et maiorum no-
strorum moribus adversari. Libenter itaque vestro tarnen noniine,
quicquid est oneris, nostris humeris imponi passi sumus. Cum
hoc enim magistratu ea suscepisse videmur, sine quibus ille
recte geri non potest. Non potest autem recte geri, nisi soUi-
cita cura et diligentia pro subditis, ne quid incommodi capiant,
vigiletur; quod officium cum ad nos quoque pertinere cognovi-
mus, huc vos convocavimus, maxime in hoc metu publice, ut
inopinatam quorundam trepidationem, si quam forte ex subita
obsidione hostium impiorum conceperunt, mutua omnium prae-
*) Die Unruhen in Bocholt fanden erst im August statt Wir sind
n&her darüher unterrichtet durch ein Schreihen der Stadt an die bischöf-
lichen Räte Tom 11. August (Orig. im 8t.-A. M.). Der Rat erklärt sich
darin für unschuldig und sagt, der Aufruhr sei durch einige Weiher aus
Mifsverständnis yeranlafst, da man gemeint habe, die Kleinodien sollten
mit Gewalt genommen werden. Der Brief bestätigt, dafs der Drost und
der Richter Joh. Isynck in Lebensgefahr gewesen seien; doch hat der Rat
„myt groten, swaren arbeit ... die uprorige haesticheit onser bürgeren
gcstnjrt, dat dair awer nyeraant geroert off gequesset ys worden.'^ Die
Kleinodien soUten, wenn es notig sei, geliefert werden.
*) Vgl. auch Ker8s.'s Jugendgedicht S. 34f. (bei D. Ger des a.a.O.
S. 573). Aehnlich läfst Joh. Fabricius Bolandus Bl. L5 Rothmann
Tor dem ersten Sturme um Pfingsten zu dem Volke reden.
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550 Anno 1534 acta.
sentia et verborom solatio levemus, deinde cum hoc negotium
ad nos pertineat, nt rei gerendae modmn commnni etiam con-
silio ineamus ac üs, quas Pater dedit, viribus ac annis adversus
hostes nostros utamur. Quod autem ad metum attinet, quis
vestrum erit, qui formidabit, quis metuet, cum nullus metus
Sit in urbe? Eum enim cum flagitiosorum colluvie ferrum in
nos assidue acuente urbe fugavimus, domesticam caedem clan-
culum nobis machinautes profligavimus, simultatem exterminavi-
mus, insidias expulimus, periculum eiecimus; domesticus hostis
excessit, unius sumus religionis, unius fidei ac tales, quales nos
esse oportet. Nullum igitur intra parietem bestem extimescimus,
omnia iam in urbe sunt salva, integra, pacata. Quid igitur
metuimus? hostemne mercenarium, impium militem, raptorem,
contra Patrem suosque electos ac charactere foederis insigüitos
arma sumentem, quem foris grassantem, idola colentem, luxn
diffluentem, scoria sectantem, omnium vitiorum genere conta-
^p. 468. minatum prospicimus? At ille metus foris est; inter illum *et
nos munitiones sunt. Murus enim satis firmus, vallum praeceps
et agger praeruptus, fossae aquarum multitudine profundissimae
aliaque propugnacula, imo arma nostra omnem metum a nobis
arcent, nisi nostra culpa et ignavia iterum admittatur. Ad haec
nihil, quod ad defensionem pertinet^ desideratur. Sunt nobis
omnis generis arma quam plurima; tanta nobis est bombar-
darum multitudo, ut non solum propugnacula, castella et ag-
geres circum urbem per modica etiam intervalla, verum etiam
singuli vici et plateae tormentis muniri possint; sunt globi tor-
mentarii; superest plumbum in tectis templorum turriumque,
unde fundi queunt. Pulvis nitratus in aliquot etiam annos nobis
suppetit, nee nobis sulphur nitrumque deest. Immensas opes
auri argentique impius iussu Patris exactus nobis reliquit. Urbs
tota frumenti copia omnique commeatu abundat. Haec omnia
Pater nobis sine discrimine ullo dedit, haec quasi in sinum
nostrum absque sudore nostro efTudit. Sola fortitudo et con-
stantia nostra requiritur; dabit cetera Dens! Meditemini enim,
cuius negotium agatur cuiusve gloria quaeratur! Cogitate, quis
Sit dux noster, quis signifer, qui milites, quae causa belli! e di-
yerso, quis sit dux hostium, quis signifer, qui milites, quae
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Anno 1534 acta. 551
causa armornm! Opponite Patrem coelestem pontifici ant La-
thero, opponite Christum obeso episcopo, opponite charactere
foederis signatos et viros fortes turbae rasae et eflfeminatae, op-
ponite verbum Dei, quod nos defendimus, humanis inventis et
constitutionibus ! Utrius exercitum maioribus pollere viribus
existimatis? Hie pudor, iUic petulantia; hie vera fides, illic vana
opinio et fraus; hie pietas, illic scelus; hie constantia, illic furor;
hie honestas et continentia, illic turpitudo et libido; hie aequitas,
pietas reliquaeque virtutes, illic iniquitas, impietas omnisque
vitioram proluvies eflfervescit; hie mens sana, illic amentia et
turbata conscientia! Expendite itaque altius, a quo duce nos
pendeamus, quis nos adversus ista flagitia armaverit, quis de-
fensionem suscipere iusserit. Nonne, si arma nostra flaccescerent,
Pater coelestis tam in nos propter inobedientiam quam illos
propter scelera et pertinaciam suam innumeris et inmiedicabili-
bus morborum generibus bellum susciperet? Estne igitur satius,
sine metu et formidine divinae iussioni parere, quam nos in
eandem *cum impiis calamitatem praecipitare? Nostris utitur»p. 469.
armis Pater, ea regit, ea in viscera impiorum disponit. Quem
ergo timemus? Pugnent pro episcopo omnes papistae et pseudo-
evangelici, dum pro nobis pugnat solus Dens! Glorientur hostes
in humano praesidio, dum nobis divinum suppetit! Invocent
inane Bomani imperii nomen, dum Pater coelestis suo auxilio
nos non destituit! Episcopusne hos belli sumptus immenses diu
sustinebit suisve opibus nostra moenia expugnabit, qui ipse inops
et egenus, qui in initio belli multa aureomm millia aliunde
mutuatur, qui arces huius dioecesis fere omnes hypothecariis
creditoribus obligavit, qui aurum argentumque e templis in ex-
tremum praesidium belli gerendi rapuit? Pro illone principes
et populi suis impensis induent arma? in illiusne gratiam facul-
tates suas nihil recepturi profundent? milesne mercenarins suis
stipendiis militabit, qui non religionis, sed pecuniae gratia nos
persequitur? Nonne igitur aerario exhausto dioecesique ad ex-
tremam inopiam redacta urbem aut deseret et motis castris dif-
fluet aut Signa sequetur? Si vero humanis viribus sit certan-
dum, pro nobis bella parant Frisii, armant se Leodienses, ferrum
acuunt Brabanti, sunt in procinctu Hollandi, vigilant pro nobis
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552 Anno 1534 acta.
fratres per Universum mundum dissipati, vigilant, quotquot Pa-
tris agnitione in ultimis etiam angulis terrae sunt illustrati,
quotquot charactere foederis sunt insigniti. 0 fortunatam rem-
publicam nostram, quae sub duce coelesti militare armaque cir-
cumferre digna est habita, quae pro Dei nomine affligitur! 0 in-
felices hostes, qui suis flagitiis Patrem irritant, populum Dei
prosequuntur verbumque illius irrident! Quis unquam, quaeso,
contra Deum feliciter pugnavit? Nonne paucissimae piomm
manus validissimos impiorum exercitus saepe fuderunt? Nos
cum meliora signa sequamur, imitemur Apostolos, Prophetas et
sanctos Patres Israelis, quos nullius unquam tyranni quantumvis
ferocissimi minae terruerunt, qui in medio afflictionum astu yic-
tores extiterunt et magnifice triumpharunt! Non nisi per discri-
mina exemplo populi Israhelitici ad sedes quietas pervenitur;
sine metu et confidenter quidem prius certandum est. Nemo
enim ante pugnam coronatur. Excussa igitur omni formidine
instruite adversus inimicos Dei, adversus hostes nostros anna
•p. 470. vestra! *Bes enim hoc postulat, necessitas exigit, Pater iubet
atque deposcit. Hoc sacrarium Patris sanctissimum, lianc sedem
Dei purissimam, hanc Israelis haereditatem nunquam interituram,
firmissimas has munitiones, haec tecta nostra non ruitura vigiUis
noctumis diurnisque defendite, protegite et conservate, vim ho-
stilemque impressionem propulsate, gladios impios a iugulis ve-
stris arcete, liberos, uxores et vosmetipsos a perpetua servitutis
miseria vindicate! Haec si feceritis, salutem, immortalem glo-
riam aetemumque decus vobis cumulabitis. Nos, quamdiu san-
guis in venis calet, quamdiu humeri anna gestare, quamdiu la-
certi spicula torquere, gladios hastasque vibrare queunt, pro
vobis extrema pati non detrectabimus, dummodo nostris vigiliis
nostrisque laboribus omne incommodum a vobis vestrisque con-
iugibus et liberis amoveamus. Ea, imo maiora, quam magistratus
noster poscit, Deo duce agemus, quem vos venerari, precari atque
implorare decet, ut suum populum ad gloriam nominis sui ab
omni incommodo conservet et incolumem tueatur. Nunc autem,
quod reliquum est, fratres christianissimi, defensionis a vobis
ineatur ratio, designentur viri militari disciplina praecellentes,
quorum apud nos non est exiguus numerus, qui miliüam nos
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Anno 1534 acta. 553
Qoceant, nobis praesint, nostri sint dnces, centuriones, princi-
pales, ne imparatos nos hostis inveniat. Quid horam factnri
sitis, accnratias consulite!''
Haec consnlis oratio quantmn audaciae qnantnmqne animi
pavore propemodum constematis tribnerit, alacris et laeta praeter
morem omniTun acclamatio satis demonstravit Hinc, uti Inssi
sunt a consnle, dnces, signiferos, centnriones aliosqne militiae
praefectos, qni sibi in praesenti necessitate praesint, sedata con-
snltatione elignnt ^ Hi antem, ut vigiliae noctnmae diumaeqne
per vices commode peragantnr, totam multitndinem primum in
centurias, deinde in manipulos distribnnnt, qnibns etiam sena-
torii ordinis viri ab excnbiis non immunes, ut omnis proditionis
suspicio amoveatur, suis vicibus vigilaturi admiscentur '. Nemo
est in urbe, cui non sit sua fanctio; singulis suus locus in
publica urbis oppugnatione defendendus, quem aut vivi aut mor-
tui teneant, severissime committitur; hostem enim validiorem
in una aliqua parte urbis impressionem callide moliri, ut oppi-
danis in se provocatis *munitiones aliqua in parte defensoribus*p. 471.
nudatas superent. Quidam recentibus boum pellibus umisque
coriaceis instructi ad incendium aut suflfocandum aut restin-
guendum ab igniferis forte hostium iaculis tectis illatum deli-
guntur. Magna quoque armatorum virorum multitudo consti-
tuitur, quae infirmiori urbis parti et laborantibus defensoribus,
sicubi opus sit, celeriter succurrat. Quibusdam pulverem nitra-
tum subministrandi negotium datur. Pueros iaculandi artificio
0 Der EiDsetznng' von Hauptleuten gleich zu Beginn der Belagerung
widerspricht der Bericht H. Gresheck's S. 64f. Er erzahlt, wie die
Wiedertäufer zun&chst keine Pfeifen und Trorameln haben wollten, und
fugt dann hinzu: „und hcdden ock nicht mit den irsten hoptluedc." Erst
als die Propheten und Predikanten nach Zurateziehung des alten Testa-
mentes Pfeifen und Trommeln zuliefscn, wurden „hopt und befelchluede^
ernannt — *) Die Beteiligung der Ratsmitglieder an der Wacht berichtet
auch H. Gresbeck S. 2Lf. Auch wurden nach ihm vom Rate sechs
„weldemeisters** verordnet, die mufsten „mit den irsten alle nacht die wacke
yerwaren, und hedden alle nacht ein beer panne mit fuer up dem marckedo
stain/ Streng geregelt blieb die Beaufsichtigung der Wachen auch sp&ter.
S- weiter unten die Verpflichtungen der zwölf Aeltesten. Vgl. auch die
Schilderung H. Gresheck's S. 160 f. für die Zeit des Königtums Johann's
▼. Jjeiden.
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554 Anno 1534 acta.
ita exercent, ut in propugnaculis tntandis viris ipsis non cede-
rent; feminis in aggeribus calcis et picis coquendae labor com-
mittitar, qnaedam etiam ex lino et stnpa coronis sertisque texen-
dis occupantnr, qnibns flagranti pici immersis hostes scandentes
arceant. Clandestinae mnnitiones et occulta defensacnla admi-
randi ingenii beneficio intra aggeres eriguntur; cunicnlos mea-
tnsqne snbterraneos tormentis muninnt, casas vigilnm passim
extmant. Qnicomqne etiam in hostium perniciem aliquid nori
excogitat^, non minimam industriae landem sibi comparat. Sic
Joannes Uldanus tanta arte et indnstria inter portas Servatia-
nam et Ludgerianam propngnacnlnm erigit, nt etiam in hodier-
nnm diem Uldani castellum dicatnr anctorisqne sni nomine cele-
bretur *. Plnrimnm laboris in urbe intus et foris munienda cen-
turiatim insumitur; ideoque tumultuaria opera urbs quidem prius
munita intra dies paucos munitissima est eflfecta'. Ante portas
singulas ingentes terreas moles summa cum alacritate congerunt,
quibus pro fundamentis sarcophagos episcoporum, canonicorum,
nobilium, sacerdotum matronarumque et levigatorum lapidum
pavimenta e templis eruta subiiciunt easque lignis passim raptis
nullo dominorum discrimine habito intus fulciunt*. Et ne hostes
arbitrentur rem sibi esse cum effeminatis aut pavore attonitis,
crebras excursiones faciunt parvisque proeliis cum militibus saepe
6. März, contendunt^ Nam 6. Martii porta Horsthana armati exeunt
*) Von solchen Erfindungen zum Ericgsgebranch giebt H. Gresbeck
S. 57 f. einige Beispiele.
*) Die heutige Engelschanze. Siehe über dieselbe A. Tibus: Die
Stadt Münster S. 133. Vgl. auch oben S. 20.
') Das beste Zeugnis dafür, wie stark selbst nach der langen Be-
lagerung und endlichen Einnahme der Stadt noch ihre Befestigungen waren,
giebt ein Brief des Justinian von Holtzhusen, Bürgermeisters von Frank-
furt a.M., der am 1. Juli 1535 seinen kurzen Bericht an den Frankfurter
Bat über die Eroberung Münsters mit den Worten schliefst: „Es solte nicht
schaden, das e. f. w. meister Gaspem den baumeister alher senten, der stat
befestigung tzu besehen. D erglichen nit vil gefunden werden
mit solicher weher, als diefse stat ist" (M. G.-Q. 11,367). Vgl.
auch H. Gresbeck S. 177,
*) Ganz ähnlich heifst es auch bei D. Lilie S. 228. Vergl. auch
H. Gresbeck S. 162.
') Eine Datierung der ersten Ausf&Ue der Belagerer findet sich nur
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Anno 1534 acta. 555
dnasqüe molas exnrnnt et milites in se provocant, qnorum non
paucos mactant. Die etiam 13. Martii duobns Indefeldanis prae- is. mh«.
diis in ipso meridie faces iniicinnt et milites aliquot sternnnt.
Verum in hac conflictatiuncula triginta et quinque oppidani de-
siderantur. Hac tarnen clade non consternati sunt, sed auda-
ciores *redditi 14. Martii circa horam decimam antemeridianam *?. 472.
quingenti oppidani audacius quam prudentius erumpentes Potter- ^*' ^**"'
husium cum lateritiis casulis concremant. Sed hi ab hostibus
agminatim undique ingruentibus propemodum fuissent intercepti,
nisi per viam obsidentibus incognitam incolumes ad urbem eva-
sissent. Inter elabendum hostium tympanistam capiunt secum-
que abducunt, cuius caput a cervice praecisum cum tympano e
summo Bischopinganae portae culmine in terrorem hostiimi su-
spensum est.
Dum haec aguntur ^ Eberwinus Droste, Theodoricus Mun-
sterman, Wilbrandus Plonies, Hermannus Schenckinck ac Her-
mannus Heerde, viri avitae fidei et probitatis, cum essent civium
proceres, concives suos ab anabaptistis urbe pulsos diversis in
locis exulantes per scripta Telgetum, ubi et princeps erat, con-
vocant ibique de rebus suis ad libertatem civilem privilegiaque
urbis pertinentibus Consultant et praesentibus dominis de capi-
tulo 9. Martii principem bis verbis adoriuntur: Cum sine dubio 9. mä«..
principi innotuerit, quam miserabiliter, crudeliter et contra omnem
humanitatem cives Monasteriensis urbis cum uxoribus et liberis
onmibus suis bonis per vim exuti et spoliati patriis sedibus
sint eiecti et, ne se foedissima haeresi contaminarent principem-
bei Kerss. Ergänzt wird sein Bericht durch den H. Grcsheck's S. 50 fit.,
der hei dieser Gelegenheit den Wiedertäufern das Zeugnis ausstellt, sie
wären „sehr könne mit schutgefcrt tho holden, w^ie dat sie dem kreigh
hedden gefolgt twcntigh iair langk, und al dat sie dcden, dat deden sie
mit kloickheit und mit hehendigheit und mit nuchterem sinne. Wante die
Propheten, predicanten und obersten in der stat, die hebben so scharpelich
Terboden, dat niemantz so koen en wer in der stat, der sich sol vol drin-
cken, up dat sie al hei iren sinnen solden hliven . . .; und wan sie uth
taegen, dat deden sie mit weifsheit und mit hehendigkheit." Auch D. Lilie
8. 230 bringt die Ausfälle aus Münster mit der häufigen Trunkenheit der
Landsknechte vor der Stadt in Zusammenhang, „want se van hinnen in
aller soberheit leveden."
') Das Folgende ist nur durch Eerss. üherliefert
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556 Anno 1534 acta.
qne simili pertinacia et rebellione offenderent, omnes fortnnas
snas deseruerint, se itaque principem obsecrare, nt miseria civili
aliqno modo tangatnr et inelnctabilem exnlum calamitatem cle-
menter secnm expendat, yim ininstam, qnae exemplo prope-
modum careat, pnniat, rebellionem vindicet, haeresim cum snis
anctoribos extingnat et funditns deleat, cives a Inctnoso exilio
ad penates snos et bona sibi adempta redncat. Se eam gratiam
qnibnsYis ofGciis, etiam cnm vitae discrimine promeritnros.
Princeps per Themmonem ab Hoerde, anlae hipparchomy
clvibns respondet: Deliberatum et constitutum sibi iamdndam
esse pestilentem, pemiciosam et impiam in nrbe grassantem hae-
resim etiam cum vitae et omnium bonorum suorum iactura re-
primere, neque aliorum principum, amicorum atque sanguine
iunctorum praesidia sibi defatura. Sed cum domini de capitulo
et equester dioecesis Monasteriensis ordo in retundendis istis
»p. 473. violentis erroribus et rebelli*bus ad obedientiam revocandis auxi-
lium sibi addixerint, si idem exules cives facturi sint, se ipsos
per Dei gratiam ad suos penates et bona reducturum.
Ad haec post brevem deliberationem cives respondent: Se
in recuperanda urbe et seditiosis monstris domandis pro facul-
tatum et virium modo principi serio affuturos nee solum se opum
suarum, verum etiam vitae dispendium, si res poscat, in gratiam
principis facturos. Haec civium responsio et benevolentia vehe-
menter principi placuit. Et cum civitatis munitiones nuUis aeque
atque civibus sint exploratae et cognitae, petit, ne suis consili-
ariis ac militiae praefectis suo consilio deesse graventur, ut in-
telligant, quibus in locis urbs sit infirmior et expugnatu facilior.
Quod se libenter facturos recipiunt.
Inde cum senatores plerique in urbe militari disciplinae
darent operam neque sese causis forensibus et civUibus multum
implicarent, eorum auctoritas paulatim in urbe vilescit. Joannes
autem Matthisson propheta tam sacra quam profana sibi arro-
gabat ideoque eximiae apud populum auctoritatis et existima-
tionis esse coepit plurisque fit quam ullus consulum. Nihil
«nim neque domi neque foris agitur ipso non consulto^. Hie
') Auch U. Grcsbeck S. 23 sagt zu dieser Zeit: „Johan Matthias
was mit den irsteu der OTerste prophet. Johan von Leiden en was do
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Anno 1534 acta. 557
concionatnr: Patrem yelle, nt omninm egressomm clvinm bona
inter christianos, non tarnen pro cniosqne volnntate et arbitrio^
sed necessitate sint communia*. Elegit itaqne viros, qni cnni-
bus eorum bona, qnos exegerant, in singulis paroeciis ad certas
qnasdam domns a propheta designatas in commanem nsnm bona
nicht der overst prophet Mehr Johan Matthias sachte, dat ome geopcn-
baret wer, dat Johan von Leiden noch solt hoch verhevet werden in der
werlt und eolde noch ein groet prophet werden."
') Hier schlierst sich Kerss. wieder eng an Hermann Ramert^s Be-
richt an, der uns in der „Ordnung" vorliegt. Doch ist dort nicht nur von
den Gütern der Ausgewanderten allein die Rede, sondern es helTst: „Man
hat auch verordnet in etlichen kirchen oder kirchspyl zwen, die mit wägen
unihgefaren seind und aus aller hurgor heuser klein oder groTs,
arm oder reich geholet was sy haben gefunden von kleydem ..." Die
Gütergemeinschaft konnte erst allmählich durchgeführt werden. Sie setzte
zunächst bei dem Besitztum der vertriebenen Bürger ein. Besonders H.
Gresbeck S. 32ff. erzählt von dem Widerstände, der ihr entgegenge-
bracht wurde. „Und heft dat upbrengen geduert bei twe monat lanck," sagt
er, „dat sie so grewelicken gepredeket und gestraft hebben, dat niemantz
nicht beholden en d erste." Es wurde schliefslich eine Frist zur Ablieferung
gegeben. „Na dieser tiet en is geine gnade mehr; die gnaden doer wil
tho gain. Wer do noch wat hadde, der heft it al upgebracht, und lieten
sick aveireden." — Fast in allen Quellen erscheint, wie auch bei Kerss.,
Jan Matthys als der eigentliche Urheber der gewaltsamen Mafsregel in
Münster. Auch Knipperdolling bekennt am 25. Juli 1535 (M. G.-Q. II, 377),
„dat Johan Mathis und Johan van Leien die irste gewesen sin, die dat volck
dair toe gereist und dat to werck gebraght hebben, dat alle dingen gemeint
sin solden ..." (vgl. auch seine Aussagen bei J. Niesert: U.-S. I. S. 187
und M. G.-Q. II, 410). Johann v. Leiden stellt für später Johann Dusent^
schuer als besonders dabei beteiligt hin (s. Johannas Geständnisse bei J.
Niesert a. a. 0. S. 178 und M. G.-Q. II, 372). — Ueber die schliefs-
liche Durchführung der Gütergemeinschaft in Münster schreibt Rothmann
in seiner im October 1534 erschienenen „Restitution" S. 71: „. . . by uns
. . . ys de gemeinschap weder van Godt gerestituert, wo eth dan van an-
fange gewesen ys unde den hilligen Gades wall ansteit, als darvan ge-
schreven steit Act. ii und iiii. Wy hoppen ock, dat de gemeinschap
by uns yo so krefftich und herlick sy und mit reinen herten
durch Gades genaden geholden werde, als ye tho vören
mach gescheit sin. Want wy nicht alleine unse güder int
gemein unde de bände der Dyaconen gemein gemaket hebben,
unde dar van nodtdröfftichlick leven, mer ock eines herten
unde modes prissen wy Godt durch Christum und sint ge-
neyget mit allerley deinst malck anderen vor tho kommen...*^
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508 Anno 1534 acta.
fide convehant. Hi prophetae edicto parentes vestes, lectos, stra-
gnla, pictos tapetes, spondas, framentum, arma, ahena, ollas,
lances stanneas, carchesia, pocula cniusqne generis, linnm«!!-
nenmque pannum et qnicqnid supellectilis deprehendnnt, aufernnt
tarn pauperum quam divitom parietes denndantes, slgnatas vero
redditanm literas signis detractis dissecant, apochas, chirographa,
rationum libros et diversorum contractuum tabulas magno eiu-
lantium incommodo exurunt, aurea vero argenteaque mulierum
omamenta, annulos et pecuniam ad curiam graphiariam defe-
*p. 474. runt ^ Hinc eodem propheta iubente in tertium usque *diem
fit deprecatio, ut Pater divino suo nutu septem viros deligat,
qui bonls istis convectis praesint et singulis christianis fratribus
pro necessitate fideliter ea dispensent. Die vero tertio divino
oraculo hos sibi proditos esse prociamat': Leddanum villicum,
Albertum Heytterum, qui Hermanni Foeckii filiam uxorem du-
xerat, Bernardum Havickhorstium villicum, Hermannum Alber-
tingum a clave cognominatum ', Hermannum Eeyningum, loan-
nem Caterberchum Montanum alias thor Heyden, politorem ar-
morum*, et Hermannum Bridorpium, quos a ministerio, quo
fungebantur, diaconos appellavit. Hi a propheta nominati ad
lulium Frisium episcopum ac alios concionatores deducti per*
manus impositionem in officio^ suo confirmantur. Herum munos
erat, cum omnia essent communia, egressorum ciyium supellec-
tilia atque etiam domus indigentibus suis confratribus mini-
strare. Quicunque enim yestibus aliisque rebus ad alimentum
pertinentibus opus habet aut suae humilioris habitationis per-
taesus splendidiorem afifectat^ apud diaconos fit voti compos^
^) Eerss. berichtet das Zusammenbringen des Geldes und Schmuckes
auf das Rathaus gleich weiter unten noch einmal. S. dort.
') Ebenso die „Ordnung,*' in deren Druck aher die Namen wieder
stark entstellt sind. Ygl. auch die Bischofschronik (M. G.-Q. I, 334). Von
7 Diakonen sprechen auch Herm. Begewart und Joh. Kloprifs in ihren
Bekenntnissen (hei J. Niesert: U.-S. I. 8. 33 u. 126). Nach H. Gres-
heck S. 34 sind „in ein ieder kerspel drei diaken gesät, die dat gemeine
guit solden irerwaren von fruchten of von kom und von fleisch, von allerlei
ettenkost, die in der stat was.^ Werner Scheitert erwähnt in seineu Aas-
sagen acht Diakone (M. G.-Q. U, 293).
') In dem Slottel. — *) Swertfeger. — ") »Das gemain gut," sagt
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Anno 1534 acta. 559
Post haec qnidam indigenae, cum viderent hominem pere-
grinnm advenam ignotnmqne tantum sibi anctoritatis arrogare,
nt tarn sacra quam profana pro suo arbitratn in nrbe admini-
straret, inter se mlnime ferendam esse mussitant. Inter qnos
Hupertns Enesscherus *, faber ferrarius: „Haeccine, fratres, amen-
tia insignis est,^ exclamat, „qnod homo mendax, stolidus et
amens se prophetam appellare non erubescat, qnod ipse indoctus
alios docere praesumat, quod consuetndinis huias patriae expers
politicam administrationem temere invadat, quod ipse ignotus
notis se praeferat? Nos stultissimi snmas, qui illnm, quem to-
ties oracola fallunt, prophetam esse credimns! Existimet himc
prophetam esse, qnicunque velit; ego vero illum xs^ovva vel ca-
cantem prophetam esse iadico!^ Moltaque alia, qnae ira sug-
gessit, evomit^ Qni autem aderant, vitae snae metnentes ad
haec omnia Bnesscheri dicta ne verbum qnidem mutire andent,
sed altias intra se suos qnestus smnmo cum dolore taciti pre-
mnnt. Haec res per delatores quosdam prophetae proditur, qni
protinns per lictores hnnc comprehendi et constringi iubet, con-
Yocatqne totam *multitndinem armatam ad campum dominicum. *p. 475.
Quo cxmi non solum plebei, verum etiam consules ac senatores
convenissent ignari, quid sibi populi convocatio vellet, ibi tum
propheta protracto Huperto in mediam concionem: „Fratres chii-
stianissimi,^ inquit, „Hupertus ille faber malo genio misere
die „Ordnung, ** „wöllichs bey einander bracht ist, darzu seind durch den
befelch Gottes geordiniert, auszutaylen, was ein jeder bedarff/' Aehnüch
anch die Bekenntnisse Herrn. Regewart's und Joh. Eloprifs' a. a. 0. Dio-
nysius Yinne sagt aus (M. G.-Q. II, 274): „Tho den huser sin diacken
yerorderet, de ein ideren na siner gelegenheit de huse na noittmft indoin/^
EinzeUieiten geben die weiter unten von Kerss. mitgeteilten Verfügungen
der zwölf Aeltesten.
^) Dieselbe Begebenheit, aber im Einzelnen mit mannigfachen Ab-
weichungen, berichten H. Dorp Bl. £2, H. Gresbeck S. 28 fit. und Lam-
bert Hortensius 8. 19. Herrn. Hamelmann 8. 1222 verbindet die
Erz&hlung des Dorp mit der des Hortensius. Dorp nennt den Schmied
Hubert Truteling, während Gresbeck und Hortensius keinen Zunamen an-
geben. Eerss. erzählte oben 8. 518, wie der Schmied Hupert Ruescher wäh-
rend der Fastnacht den Bischof verhöhnte.
') Nach H. Gresbeck geschah die Schmähung der Propheten und
Fredikanten auf der Wache.
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560 Anno 1534 acta.
sednctns eo dementiae et impietatis devenit, ut prophetam a
Patre vobis in consolationem et salutem missum contemnere
ipsumqne nefandis, amaris [scarrilibnsque dicteriis publice in-
cessere andeat; nnde liqnet ipsum esse impinm et pnblicae pacis
pertarbatorem.^ In ipsam itaqne violati foederis exempla esse
statnenda docet, ne imias flagitinm in totnm popnlnin trans-
fiindatnr; nnins enim ob colpam maltos saepe pnnitos esse.
„Quare," inquit, „extingnendus et eradicandus hie est e nmnero
piormn atque ex Israel toUendns. Scriptum est enim: tempus
est, ut iudicium a domo Dei incipiat^^ Hermannus autem Tyl-
beck et Henricus Sedeker, quorum Mc anno superiori tribunus
plebis, ille vero consul fuerat, intercedunt neque concivem unius
arbitrio occidendum esse volunt, cum iure non sit permissum,
ut unus et accusatoris et iudicis partes sustineat; publice ita-
que illum iudicio sistendum et more maiorum condemnandum
esse contendunt. Propheta vero bis verbis impatiens contra-
dictionis in furorem propemodum versus iussit protinus Tyl-
bechium et Bedekerum constringi et in carcerem abduci^ Ha-
bebat enim lictores aliosque satellites non paucos, quibus nemo
resistere audebat. Continuo, dum haec agerentur, alter ille pro-
pheta loannes Bokelson Leydanus e media plebe exaltans vocem
suam proclamat : Hupertum illum hominem impium et flagitio-
sum nuUam apud Patrem gratiam et delicti sui remissionem
impetraturum. „Morte," inquit, „morietur nee diem unum ultra
victurus est. Ea mihi a Patre potestas coelitus donata est, ut
meo gladio, quem haec dextra vibrat, omnis ille cadat, qui se
divinae huic iussioni opposuerit!^ Simulque ensem non sine
') 1 Petr. 4, 17. Die Ausführungen, die Kerss. hier Jan Matthys
in den Mund legt, gleichen ganz denen, die sich bei L. Horten sius
finden, der auch auf diese BihelsteUe anspielen läTst.
*) Ein offener Widerstand gegen das Vorgehen des Jan Matthys
läfst sich sonst nur noch aus dem Berichte H. Gresbeck's 8. 30 ent-
nehmen: Die Propheten und Predikanten „hehben mehr gesocht, die noch
in Sunden solden sein,"* und liefsen zugleich mit Heinrich Redeker den
früheren Burgermeister Gerh. Eibbenbroick und den Borger Heinr. Mollen-
hecke gefangen setzen. In Bezug auf Horm. Tilheck sagt H. Gresbeck
ausdrücklich: „Mehr hei wort nicht geliet na dem tome.^
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Anno 1534 acta. 561
magno circumstantium horrore concntit *. Nemo igitur ad versus
hos viros Dei mutire aut hiscere ausns fuit. Mox loannis Mat-
thisson his Leydani verbis in eaede perpetranda *obstinatior et*p. 476.
obfirmatior redditns Hupertnm ante pedes snos procmnbentem
pronamque in terra iacentem valida bipenne, quanta vi potnit,
transigit. Sed cum non snbito, nt ipse sperabat, expiraret, rapta
ab astante chyrobombarda eundem insuper traiicit* Mortno
igitur Huperto prima in populo Dei victima totam ibi multi-
tudinem admonet, ne quis eorum simili se flagitio et enormi
peccato contaminet. Hinc in laudem Dei decantato hymno di-
grediuntur. Tylbechius autem et Bedekerus, qui Buesscheri
patrocinium moliebantur, gratiam a propbeta, cum proceres urbis
habiti sunt, facile impetrant ideoque carcere liberantur'.
Haec ubi feliciter cessissent et omnibus cruento isto spec-
taculo terror incussus fuisset, idem ille Matthisson mortis sup-
plicio proposito omnibus utriusque sexus hominibus per totam
urbem severissime edicit, ut aurum argentumque tam signatum
quam non signatum et omnia muliebria omamenta in curiam
grapbiariam deferant, cum inter veros cbristianos nullus pecuniae
usus esse debeat*. Plerique Huperti exemplo territi mortem sibi
') Die Einmischnng Johann's v. Leiden ist sonst nnr noch von H.
Gresbeck 8. 28 überliefert. „Do hat Johan v. Leiden genommen ein
hellebart und stach denselben burger twe mail up dat lief und konde seiner
nicht doer stecken. **
') Vergl. die ähnliche Schilderung bei H. Dorp, nach dem aber,
ebenso wie nach H. Gresbeck, die Verwundung noch nicht gleich tödtlich
war. Lebend wurde der Schmied fortgetragen und starb erst nach einigen
Tagen. Beide fugen hinzu, es sei ihm prophezeit worden, er solle am Leben
bleiben. Ja, H. Dorp bringt sogar mit dem Fehlschlagen dieser Prophe-
zeiung den Entschlufs Jan Matthys' in Verbindung, sich in den Kampf
mit den Bischöflichen zu wagen. L. Hortensius hat nur die kurze
Notiz: „palo alligati caput ipse (sc. Matthys) tormento manuario traiecit^
Vergl. auch A. Corvinus: Acta etc. Bl. AS^ und desselben Brief an G.
Spalatin Bl. A4^.
•) Die Art und Weise, wie den Gefangenen Gnade zu Teil ward,
schildert ausführlich H. Gresbeck S. 30.
*) Vergl. dazu oben S. 557 f. Kerss. verbindet hier den Bericht H.
Dorp's Bl. El^ mit dem in der „Ordnung.^ In letzterer heifst es: „Dann
ire articel klerlich aussweysen, das kein gelt under den Christen ganckbar
12
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562 Anno 1534 acta.
metuentes edicto parent et annnlos, bullas, torqneos, fibulas
thoracum, nodnlos manicarum pecuniamque omnem conferunt*.
Mnlti etiam snas opes in terram defodientes aat antiqaamm
aedium muris committentes suarum rerum cnstodes ipsi esse
malnnt (nihil interim sibi esse simolantes), quam in istam con-
iicere arcam, cuius clavis copiam habere non possint* Huius
ita collati thesanri cnstodes Conradns Cruse, Gerardus Eeyninck,
Magnus Koehnss et Lucas Gruter per prophetam constitunntnr,
qnibus negotium datum est, ut christianos fratres infidelibus cre-
ditoribus obnoxios aere alieno liberent debitaque eorum exolvant*.
sein soll.** Auch H. Gresbeck S. 48 führt an: „Sie sachten, sie weren
Christen; ein Christ en solde gein gelt hebben, et wer al unrein den Chri-
sten, und der eine Christ en sol mit dem andern nit koep schlagen, sie
solden tho hope bueten tegen einander . . /
') In der „Ordnung'': „Alles gelt und silber haben sie auff einen
häuften bracht auf die schreiberey, was ein jeder hett, es wer, was ehs wolt,
knöpff ab dem mentlen, ring ab den kragen, ehs wer den sach, das einer
etwas verborgens het."
') Vergl. die schon oben S. 557 Anm. 1 angeführte Schilderung H.
Gresbeck' s. Kerss. scheut sich doch, die Worte H. Dorp's a.a.O. zu
wiederholen: „Auch künden sie nichts verborgen behalten, wenn sie gleich
etwas hingesteckt hatten. Denn es waren zwey mediin da, vom Teufifel
besessen, die verrieten, was man verborgen hatte.''
*) Die Namen der Hüter des Schatzes, die Kerss. weiter unten bei
Gelegenheit der Verordnungen der Aeltesten noch einmal nennt, stimmen
mit denen in der „Ordnung" überein, nur ist als letzter dort Cuntze
Günther gedruckt. Gleich darauf heifst es : „. . . ob jemandt were von den
Christen, der den Haiden schuldig were, das sollen die XII in Israel be-
zalen ; wan das geforderet wird, so seind vier gesetzt, die alle müntz, gelt,
Silber und gold mit den Haiden handlen.** — Dafs der Schatz zunächst auf
dem Rathause war, bekennen Joh. Kloprifs (J. Niesert: U.-S. I. S. 126),
Job. Beckmann (ebendas. S. 36) und Beruh. Erechting am 20. Januar
1536 (M. G.-Q. II, 407). Letzterer fügt hinzu: „Aher do sie vemaemen,
das man die stat stormen wolt, saghen sie vur gut an, das das gelt an
diverse plaetzen gestalt wurt, wie geschach. Doch nach dem stürm si es
wider uf das raithus zusamen kommen, als er meint; weiTs es doch nit
eigentlich." Vgl. dazu auch die Aussage Beruh. Focke's vom October 1534
(M. G.-Q. n, 412): „. . . des silvers ock des goldes sy ein gantz deel tsamen
gesmolten. It ligge avers in Lambert Smithuses hues vor Sunt Michel,
und Kibenbroick plege darup tgaen.** Magnus Kohues als einer der Be-
wahrer dos Schatzes wird von Herm. Regewart genannt (J. Niesert
a. a. 0. S. 30).
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Anno 1534 acta. 563
Hinc nbi proplieta animadvertit multos in urbe mansisse,
qni non ex animo, sed aut simnlate aat invlte ant metn mortis
adacti ant bonorum suorum cnstodiendorum gratia commoti, a
qnibus divelli non poterant, brevi meliora sperantes anabaptisma
suscepissent, omnes utrinsque sexus homines ad campum do-
minicum iterum convocari iubet*. Quo cum rei novitatp allecti
convenissent, ibi propheta longa oratione in falsos fratres et si-
mulatos christianos, quos secum adhuc in urbe haberent, inve-
Mtur; *eos inter veros christianos minime ferendos esse. Iubet»p. 477.
itaque hos, qui post diem 26. Februarii retincti fuerunt, ab aliis
in templum Lambertinum secedere Patrisque gratiam implorare,
si forte peccatum ipsis remittatur, cum non sponte sua, sed in-
viti foederis charactere sint insigniti et Patrem fucata sanctitate
simulataque religione offenderint ac filios Dei sua impietate con-
taminaverint. Si vero Pater ipsos in gratiam non receperit neque
admissum scelus, quo Spiritum Sanctum fallere voluerint, cle-
menter remiserit, ipsos gladio piorum casuros. Magna miserorum
hominum multitudo tam virorum quam mulierum recenti clade
Buesscheri territa et constemata paret et ad templum D. Lam-
berto consecratum secedit ibique conclusa gemit, suspiria ducit,
plorat suamque sortem et calamitatem extrema sibi metuens
deflet. Ita in templo per aliquot horas gemitibus ac lachrimis
se conficiunt, ut vix humanam prae maerore et mortis metu
formam referrent. Tandem cum propheta armatis stipatus mi-
nistris templi claustra laxaret, ibi tunc omnes simul provoluti
genibus complicatis manibus et confusis singultibus ipsum pre-
cantur, ut, cum ipse sit vir Dei, sanctus propheta Patrique di-
lectus, pro se suas ad Patrem fundat preces, ut delicti gratiam
impetrent. Ipse igitur flexis genibus pro captivo populo se
Patrem precari fingit, post modicum temporis subito exiliens
') Vgl. zum Folgenden den Bericht H. Gresbeck's S. 23ff., der
im Einzelnen von Ecrss.'s Schilderung abweicht. Bei ihm tritt neben Jan
Matthjs besonders Johann v. Leiden handelnd hervor; er nennt auch
Slachtscaef, Kloprifs und Krechting. Die Zahl der am 27. Febr. getauften,
jetzt in die Lambertikirche eingeschlossenen Männer giebt er auf „bei die
drei hondert" an, die Zahl der Frauen, die erst am anderen Tage zur Bufse
in den Dom verwiesen wurden, auf „bei die twe dusent."
12*
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564 Anno 1534 acta.
snas preces exanditas iisque Patrem graviter prias ofifensum iam
placatnm esse affirmat; sibi coelitus inspiratnm esse ipsos vic-
tnros. Inde hymno in laadem Dei decantato ex ergastnlo illo,
ne itemm peccent, in pace dimittnntnr atqne ita in consortium
alionun christianonun fratram quasi iam purgati recipiuntnr.
15. Hiin. Circa dominicam Laetare, qnae fnit 15. Martii, idem ille
Matthisson praecipit, ne qnis in urbe cuinslibet generis anctores
sen libros praeter vetns et novnm testamentum habeat, contrectet
sen legat; hos enim solos ad salutis negotium sufficere, reliquos
yero omnes ad campum dominicum illico perferant. Quo cum
incredibilis librorum multitudo perlata fuisset, qui etiam ultra
viginti miUibus florenorum valebant, in ignem ibi excitatum
•p. 478. coniecti *in faviUam rediguntur, et sie incomparabilem illum
urbis thesaurum ac multorum annorum lucubrationes flamma
subita absumit*; quod eo consilio factum esse non dubito, ut
sanctorum Patrum explicationes, quae adversus suam doctrinam
faciunt, ex animis subditorum paulatim revellantur ac a se sola
scripturarum interpretatio dependeat et petatur. Eo enim modo
commodissime fieri posse existimat, ut suam doctrinam erroneam
plebi imprimat et impressam falsis interpretamentis suis con-
firmet.
') Nach der Vernichtung der Dombibliothek (s. oben S. 523) wurde
nun also auch die systematische Zerstörung der im Privatbesitz befind-
lichen Bücher angeordnet. Eerss.'s Bericht hält sich genau an den dea
H. Dorp Bl. E !▼. H. Gresbeck S.46f. und die meisten anderen Quellen
sprechen auch von der Verbrennung der Büchersammlungen der übrigen
Kirchen und Klöster und von derjenigen der Bentenbriefe und anderer
Urkunden (vgl. oben S. 543 f.). D. Lilie S. 229 fuhrt ähnlich wie Kerss.
an: „.,, wolden anders neue boker bi den eren wetten, dan de biblien
unde erer predicanten, insunderheit Bothmans boker; want se vormeten
sick, dat se in de hillicheit weren getreden unde neuer
boker boderveden.'' Als Grund für die Vernichtung der Briefe und
Urkunden gesteht Johann v. Leiden am 25. Juli 1535 (M. G.-Q. II, 374) :
„...so alle ding gemein sin, gein eigendomb wesen und
niemantz mcher erbeiden, sonder sich allein up Got ver-
laetcn solde." Vgl. auch das Bekenntnis KnipperdoUing's ebd. S. 378
und Krechting's bei J. Nies er t: Ü.-8. I. S. 194. — Acht Tage lang hat
nach U. Gresbeck das Verbrennen auf dem Domplatze und vor dem Rat-
haus gedauert.
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Anno 1534 acta. 565
Miles in initio obsldionis intra castra commeatns pennria
Uborare coepit, nam parum rerum necessariarum adveMtur.
Neqne enim peregrini mercatores neqne agricolae circumfasi hnc
commeant, qni non solnm bonis, yemm etiam cati snae timentes
militem raptorem, depraedatorem et tmcnlentlorem fama sibi
fingebant. Qnod nbi princeps intelligeret, erectis inxta castra
in terrorem flagitiosornm crucibns, rotis aliisqne malitiae repa-
gulis militibns imperat, nt ab omni ininria, maleficio et rapina
sibi temperent, nt sine metu et periculo mercatores cnm mer-
cibus et oneribns in castra commeare ac necessaria tolerabili
pretio distrahere possint; ita fore, nt omninm rerum copia ca-
stris suppetat. Simulque populos et urbes extemas per literaa
15. Martii emissas proposita publica fide et vendendi emendique i5. Mara.
übertäte huc invitat, ut tute humanis usibus necessaria advehant
castrisque laborantibus commeatibus subveniant^ Mox intra
dies paucos annonam carissimam inopinata vilitas consecuta est.
Die Martis post Laetare, quae fuit 17. Martii, cum prin- 17. mk».
€eps Hiltropiae in pago non procul ab urbe obsessa dioecesana
comitia haberet consultaretque cum snis de obsldionis impensis
aliisque rebus afflictis *, exules cives per D. Eotgerum Smisin-
gum, scbolasterem templi maioris Monasteriensis, hominem et
*) Im St-A. M. ist das Konzept eines Briefes des Bischofs aus Telgte
Tom 20. März erhalten, in dem er die St&dte Osnabrück, Bielefeld, lipp-
Stadt, Hamm, Dortmund, Unna, Geseke, Soest, sowie den Statthalter des
Stiftes Paderborn und den Kölnischen Landdrosten auffordert, Zufuhr Yon
Proviant ins Feldlager zu veranlassen. — Schon am 6. MSfz hatte der
Herzog von Cleve dem Bischof geschrieben (Orig. ebendas.), er könne die
gewünschten 200—300 Malter Hafer nicht liefern. Haferank&ufe wolle er
in seinem Gebiete gestatten.
') Auf dem Landtage wurden, da die gefährdete Lage „nicht erlyden
irill vell vertochs und gemeine hykumpft der lantschap steits to verscreven,
by een to forderen und to raitsclagene,^ von Seiten des Domkapitels Sander
Morrien und Botger Schmising, von Seiten der Ritterschaft Arnold v. Raes-
feld und Bemhart y. Westerholt, von Seiten der Städte Wilhrand Ploenies
imd Johann v. Graes verordnet, denen „ze gantze vuUenkomen macht und
gewalt gegeven . . . hehhen . . . mit . . . u. g. h. rade und guitheduncken
gelt und ander noittrofft . . . up der lantschap affdracht und schaden up
to brengen . . .'^ (Landtags-Akten im St-A. M.).
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566 Anno 1534 acta.
eruditione et pietate insignem, a principe petivernnt: Cum 9.
Martii* civibus clementer addixerit se ipsos ad snos penates et
bona nondnm per retinctos absumpta et dissipata rednctamm,
ut post urbem recnperatam antiqna privilegia, libertates inraqne
*p. 479. prisca antiqnitus habita episcoponimqne •sibi mutno sncceden-
tinm beneficiis donata civitati non adimantnr, et cnm malti
partim senio partim aegritodine longa fracti ac debilitati nrbe
excedere non potnerint nee ex animo, sed coacti anabaptismo
sint implicati, ne in ipsos, cnm sint insontes, ins gladii capta
nrbe exerceatnr. Princeps respondet : Cnm iniqnnm sit, nt inno-
centes nocentinm poena afficiantnr, se itaqne privilegia nrbis
in minimo non violatnmm, sed in gratiam eomm, qni relictis
patriis penatibns et omnibns bonis snis, ne se monstroso scMs-
mate poUnerent, crndele exilinm elegernnt snaqne arma ant se-
cnti sunt ant praesidiis et impensis snis confirmamnt, novis
potins incrementis ea auctnmm. Neqne se capta nrbe in in-
sontes cives, qni certas ob cansas nrbe excedere non potnemnt,
saevitumm, sed cnm illis, nt dementem decet principem, ac-
tnmm. Inde bonns etiam princeps, nt civibus gratificaretur,
quibus ex animo favet, edicto publice * praecepit, ne quis extra-
neorum post captam urbem bona civium a militibus direpta
coemat, aüoqui ea novae proscriptioni fore subiecta. Verum
huic edicto in tanto tumultu minime paritum est.
Circa haec tempora varii motus ab anabaptistis in Hol-
landia, Frisia, Brabantia, aliis circumfluis regionibus terra mari-
qne conectati sunt \ Magna enim anabaptistarum copia utriusque
*) In Telgte. S. oben S. 555 f. Auch die hier folgenden Unter-
handlungen sind nur durch Kerss. bekannt.
') Nicht mehr nachweisbar. Vgl. dazu oben 8. 528 den sechsten
der von Kerss. angeführten Eriegsartikel.
■) Vgl. zum Folgenden L. Hortensius S. 18 und C. Hereshach
S. 19. Zur Sache s. C. A. Cornelius: Die niederländischen WiedertÄufer
während der Belagerung Münsters (in den Ahhandlungen der histor. Klasse
der Kgl. Bayerischen Akad. Bd. 11 Abteilung 2 [München 1869] S. .M ff.),
K. W. Bouterwek: Zur Literatur u. s. w. S. 326 ff. resp. S. 47 ff., und
L. Keller: G. d.W. S. 162 f. — Kerss. erw&hnte schon oben S. 508 f. die
Briefe Rothmann's an die benachbarten kleinen Städte. Vgl. weiter auch S. 541
sein Schreiben an H. Slachtscaef. Am 21. Febr. war H. Roll nach Holland
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Anno 1534 acta. 567
sexus circa 18. diem Martii in Hollandia, qnae Monasterinm i8. März,
contendebat, subito emergit, sed Georgias Schenck eam inter-
ceptam aquis snbmergit et suffocat. Scribit etiam Peregrinns
Iselmudanns ^, qni, etsi pentacosiarchae officio fungeretur, ab
episcopo tarnen exploratnm est ablegatns: Qninque naves ana-
baptistis fetas ex HoUandia appnlisse, sed eas 22. Martii Vol- 22. mä«.
lenhoae, priasqnam parerent, interceptas esse; et viginti nnam
in mari adhuc superesse, sedecimque millia retinctorum * 24. m. Mära.
Martii coenobium haud ita procul ab oppido Zwollano a Monte
appellatum violenta manu occupatura, ubi per prophetam quen-
dam excepti ad novam illam Hyerosolimorum urbem, scilicet
Monasterium, inde deducendi sint. Scribit quoque 24. Martii
*dux luliacus principi nostro': Sibi pro certo nunciatum esse*p. 480.
multos retinctos in dioecesi Traiectensi circa VoUenhoam et
Hasseletum coenobium S. loannis Campum denominatum inva-
sisse numerumque eorum supra modum in dies augeri, et tan-
dem ipsos Monasterium ab obsidione liberaturos; sibi proinde
prospiciat^. Hos autem motus omnes Georgius Schenck Über
baro de Teutenburgh ac Caroli Quinti imperatoris Transissula-
narum et inferiorum suarum regionum praefectus sunmia pru-
dentia ac fortitudine compescuit retinctosque legitimis poenis
gesandt, um for die Sache der Münsterschen Wiedertäufer zu werben (vgl.
oben S. 518). Die Aussendung Jakob's von Osnabrück berührt Kerss. nicht,
obgleich er dessen Bekenntnisse mehrfach benutzt bat, ebensowenig den
undatierten, mit dem Namen „Emanuel" unterzeichneten Aufruf (zuletzt in
hochdeutscher üebersetzung abgedruckt bei L. Keller a. a. 0. S. 148),
der auf Betreiben Johannas v. Leiden und seiner Mithelfer zu den sogleich
von Kerss. angeführten grofsen Täuferansammlungen zum Zuge nach Mün-
ster aufforderte
') Aus Vollenhove am '22. März. Nach der Kopie im St.-A. M. ab-
gedruckt bei L. Keller a. a. 0. S. 311.
*) Im Schreiben heifst es: „und by ene wesen als men seicht by
viff dusent starck."
^ AusCleve. Orig. im St.-A. M. Regest bei L. Keller a.a.O. S.311.
*) Auf diese Ansammlung der T&ufer bezieht sich auch der Brief
des Amtmanns Gisbert v. Baix an die Stadt ZwoUe vom 20. März, mit der
Beilage abgedruckt M. G.-Q. II, 226 f. Darin ist von 14— IGOOO Täufern
die Rede. Vergl. auch das Schreiben der Städte Deventer, Kampen und
ZwoUe vom 25. März an Bischof Franz bei L. Keller a.a.O. S. 312.
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568 Anno 1534 acta.
affecit et varia clade ant aqua ant igni afflixit. Yicini qaoqne
principes ita circxunqaaqne vias obsessas peculiari foedere et
pacto tenebant, nt ad liberandam ab obsidione nrbem nnlla mi-
litum aut quommlibet homintiin conventicida coalescere sinerent,
sed dissiparent, profligarent et funderent*.
8. Aprfl. Inde die Parascenes, qnae fait 3. Aprilis, qua christiani
amarae passionis Domini nostri lesa Christi fructnm potissimnm
meditanttir neque qnicqnam ioci laetitiaeqae admittnnt, sed toti
circa salatiferam passionem et mortem Domini sunt occnpati ideo-
qne nee campanarmn pnlsnm femnt, — anabaptistae vero contra
laetnm hnnc diem agnnt, faces et taedas e templis raptas portis
civitatis exemnt omnesqne campanas nrbis simnl agitant et pnl-
sant • non aliter, ac si dominicae resurrectionis diem deridentes
interim catholicomm morem celebrent. Literas qnoqne foederis
per Lantgravii legatos inter episcopum et civitatem conciliati
signatas candae annosae eqnae alligant ac in principnm nobili-
nmque omniam, qnorum signa appensa fnerant, insignem contu-
meliam ex nrbe in castra Manritiana abignnt ', cum tamen non
episcopus, sed Monasterienses foedera turpiter violaverint.
6. April. Inde circa festum Paschae* Matthisson propheta miro enthu-
siasmo afflatus tantam mortis securitatem animo concepit, ut
') Vgl. die Verordnung Herzog Johanns von Cleve an seine Amt-
leute vom S.April (abgedruckt bei L. Keller a.a.O. S. 314 f.), die nach
einer Vereinbarung mit dem Erzbischof von Köln erlassen war.
*) Das Glockenläuten am Karfreitage erwähnt auch H. Dorp 61. E 3.
') In der Werbung der Münstorischen Bäte auf dem Kreistage zu
Koblenz (14. Dez. 1534) heifst es (Kopie im St.-A. M.), sie hätten „die
versiegelten vertrege, so sie mit meinem g. h. uffgericht, zerrissen und zu
i. f. g. verhonung einen stroem pilt angehengt, dasselbig ulT ein pferdt
gebunden und ufs der stadt gejagt.'' Aehnlich lauten die Worte in der
Instruktion für den Tag zu Worms im April 1535. Auf eine derartige
Verhöhnung dos Bischofs kommt Kerss. weiter unten noch einmal zurück,
ohne dabei aber den Friedensvertrag vom 14. Februar 1533 zu erwähnen.
Vgl. auch D. Lilie S. 232,
*) Das Datum des Todestages des J. Matthys entnimmt Kerss. dem
Geständnisse Johannas v. Leiden (J. Niesert: Ü.-S. I. S. 178), wo es auch
„umbtrent Paschen*' heifst. In den Aussagen Johannas M. G.-Q. 11, 371
ist genau der Ostertag angegeben. Sonst schliefst sich Kerss. an den Be>
rieht H. Dorp's El. £2^ an, der aber ebensowenig wie H. Gresbeck
8. 38 ff. und L. Hortensius S. 24 ein Datum bringt. Die völlig will-
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Anno 1534 acta. 569
sibi aliisqne per nrbem persuaderet: se Patris monitu cum pan-
eis militibus omnes hostes abactnmm nrbemque ab obsidione
Kberatnrum. Kapta itaqne bipenne certa victoriae fiducia fretus
portam Ludgerianam ^ *ciim commilitonibas non ita mnltis an-^p. 481.
dacins quam prndentins et maiori qnidem animo, quam si in-
gentem exercitum seqnentem haberet, egreditar hostemqae la-
cessere et se discrimini exponere andet. Nee desnnt interea
spectatores, qtti de vietoria dnbitantes temeritatem hominis ad-
mirarentnr atqne rei eventnm in aggere soUiciti expeetarent.
Hostes vero catervatim exciti novum istum Samsonem cum ex-
peditione sna urbana nndiqne invadmit atque ita armis cingunt,
nt elabi vix possent. Ille ergo frnstra bipennem snam movet,
fimstra se in fagam eoniicere nititur, frustra snos partim iam
in fngam aversos partim oecisos in praesidimn vocat, frustra
Patris monita appellat. Misnensis enim euiusdam militis hasta
transaetus stemitur *. Et cum eum esse ab equitatu cognoscere-
tur, qui dominum Hermannum Dungellium, virum avitae pie-
tatis et venerandae seneetutis, contra ins gentium et promissam
fidem in urbe spoliaverat ', ab ingruentibus undique hostibus
ita discerpitur ae laniatur, ut omnes corporis compagines fre-
quentibus gladiorum ictibus dissolutae a se mutuo divellerentor
ac intestina largo cum sanguine efQuerent. Genitalia quoque
eins reseeta a quibusdam andacissimis tenebrionibus in sequente
noete propylaeo versatili Äegidianae portae affiguntur^. Sic
kürliche zeitliche Einordnung des Ereignisses bei Joh. Fabricius 6o-
landus 61. T !▼ hat schon Herrn. Hamelmann 8. 1223 bemerkt, lieber
eine Johann Matthys am Tage vorher gewordene Offenbarung erzählt H.
Gresbeck a. a. 0. Nach ihm hatte Johann 10 — 20 Bogleiter. L. Hortensius
giebt deren Zahl auf 30 an und berichtet, dafs Matthjs kurz vorher einen
siegreichen Ausfall ins Geldrische Lager gemacht habe.
0 Dafs Jan Matthys vor dem Ludgerithor getödtet wurde, konnte
Kerss. nur den Bekenntnissen Johannas v. Leiden (J. Niesert a.a.O.) oder
Enipperdolling's (M. G.-Q. II, 404) entnehmen.
*) Aus H. Dorp a. a. 0. — ») S oben S. 539 f.
*) Nur von Kerss. erzählt. Vgl. dazu den Bericht H. Gresbeck' s
a. a. 0., in dem es heifst: „Johan Matthias woert mit einer spiesen doer-
stecken, und do hewen imo die lansknecht den kop af und heuwen in
do in hondert stucker und schmeten sick darmede. Dat
hoevet satten sie up einen tuenstacken in der luchf
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570 Anno 1534 acta.
yates cum sno vaticinio et qnos secnm ednxerat exceptis paucis^
qni faga evaserant, extinctus est*.
Huic successit Joannes Bokelson Leydanns, qni maiori astu
rem omnem peregit prndentinsqne negotia sna conficere visns
est. Hie, cnm plebs Matthissonem ab hostibns miseris modis
peremptnm et discerptum lugeret et de pietate viri illins snb-
dnbitaret, qnem Dens ita in pericnlo destitnerit et interfici
passns fnerit *, consolatur popnlnm et admonet, ut rairari desinat
illnm eo genere mortis snblatum; insto enim illnd Patris in-
dicio factum esse. Patrem qnidem inssisse, nt cnm pancomm
mann omninm hostium agmina abigeret et admirabili victoria
potiretnr, qnod certo qnidem factnrum fuisset, si eam potentiam
soli Deo, non suis viribus tribnisset, si solius Dei landem et
gloriam quaesivisset, si exemplo Indith popnlnm ad ieinnium
et deprecationem extimnlasset ; nbi vero omnia ista neglexerit et
arrogantia concitatns swi» gloriam inanem stnlte venatns fnerit
*p. 482. neqne, a qno victoria ista penderet, agno*verit, ipsnm a Deo
pnnitnm esse^ Sibi hoc mortis genns ante octidnnm per Spi-
ritnm a Patre esse proditnm affirmat*. Cnm enim in aedibns
KnipperdoUingi in thomm dormitnrus sese componeret legemqne
») Ms,: si.
') Fast wortlich nach H. Dorp a. a. 0.
*) Das Volk sagte, berichtet H. Dorp a. a. 0.: „So Gott diesen hei-
ligen man gestraffet hat, ists gewis, das er uns auch straffen wil, denn es
stehet geschrieben: das gericht Gottes hebt am haus Gottes an."
') Während H. Dorp Bl. E3 nur ganz kurz sagt, dafs Johann das
Volk tröstete, legen H. Gresbeck S. 40 und L. Hortensius S. 24f.
ihm auch Trostesworte in den Mund, die aber in keiner Weise einen Tadel
gegen Jan Matthjs enthalten. „Sein tiet was gekhomen \*^ so läfst H. Gres-
beck Johann reden, „Got en heft dat nicht sonder orsacke gedain, dat hei
so sterven solde, dat gy nicht tho sehr an innen solden geloeven, dat gj
in boven Got solden holden ..."
*) Dieses und das Folgende nach den Geständnissen Johannas bei
J. Niesert a. a. 0. S. 177 f. Vgl. auch Johann's Aussagen M. G.-Q. IT,
371 u. 401. — Auch bei L. Hortensius sagt Johann v. Leiden, er habe
den Tod des Matthys lange vorher gewufst. „Neque vero licuit hominem
fati sui, in quod inevitabili necessitate rapiebatur, praemonere. Sic illi
enim visum est, qui bona et mala e dolus suis pro suo arbitratu mortali-
bus dispensat." Vergl. auch H. Dorp a. a. 0.
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Anno 1534 acta. 571
Domini ante somnnm sedulo meditaretnr ^, Matthissonem armati.
militis hasta ita transfossnm, nt viscera eins in terram effan-
derentnr, per visum sibi apparuisse; quo cruento spectaculo cum
snpra, quam dici potest, terreretur, virum armatum respondisse:
„Ne metuas, vir Dei, neque ulla re terrearis, sed tnae vocationi
et proposito insiste! Non enim de tua, sed Matthissonis vita
pecnliari Dei iudicio agitur, cuius demortni uxorem dncas.**
Hac voce magna admiratione se affectnm, cnm legitima sibi esset
nxor, qnam Leydae reliqnisset. Haec se omnia Knipperdollingo
retnlisse, ut, cum fierent, testem rerum gestarum haberet. Haec
cum in coetu populi dixisset, Knipperdollingus subito prosiliens
Vera esse omnia profitetur, et quomodo sibi mortem Matthissonis
praedixerit. Sed quod in gratiam prophetae mentitus sit, paulo
ante supplicium suum Knipperdollingus tormentis adductus fa-
tetur *. Hinc totus populus non solum illum prophetam, sed et
amicum et virum Dei vocat et nefas esse credit tanto viro non
consulto quicquam in hac sancta republica auspicari. Excellen-
tiorem ergo atque augustiorem hunc esse Matthissone sibi per-
suadet; ab eins ore iam pendent omnes, hunc solum post Pa-
trem suspiciunt, colunt et venerantur.
Knipperdollingus etiam 9. Aprilis prophetico spiritu agi- 9. Aprü^
tatus sublimia humilianda et humilia extollenda esse proclamat,
unde turrium pyramides in templa deiiciendas templaque omnia
urbis solo aequanda esse praecipit; Patrem sibi hoc per Spiritum
suggessisse, et nisi ista fiant, ipsum graviter offendi ^. Ad haue
') Im Geständnis bei J. Nies er t heifst es nur: ^Item als er in
EnipperdoUink hufs gesetten viii tage vor Johan Matiessen dode . . .^
M. G.-Q. II, 371 heifst es, Johann safs „in KnipperdoUinghs schrifcamier
und schrof umbtrent Palmen und kregh dair selfs ein vision ..."
*) Eerss. spielt hier auf die Stelle aus dem Bekenntnis Knipper-
doUing's vom 20. Jan. 1536 (M. G.-Q. II, 404) ungenau an. KnipperdoUing
giebt zi^ar ausdrücklich zu, „das im der konningk gesacht, wie er ein vision
hat gehabt und gesehen, das Johan Mathis erstochen wurt." Doch fügt
er dann gleich hinzu: „Aber der koningk en het im nit vurhin gesacht,
das er Johan Mathis frouw haven solt ..."
') Fast wörtlich nach H. Dorp Bl. E3, der das Gebot Knipper-
doUing's zeitlich auf „ein tag vier odder fünff nach Ostern" ansetzt. Aehn-
lich ist die Erzählung bei Joh. Fabricius Bolandus Bl. L2. Enipper-
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572 Anno 1534 acta.
rem conficiendam, nt vaticinio satisfiat, Eberardus Kribbe, Theo-
doricus Trutlinck ac loannes Schemme, fabri lignarii reliquis
praestantiores, accersnntur>. Hi itaque ligneas pyramides circa
basim propemodum resectas atque refixas cochleis firmioribns
snppositis in temploram tecta et testudines praecipitant et nno
casu mnltornm annomm labores demolinntnr. Hie lapsamm
tnrrium horrendus, snbitus et pulvernlentns fragor etiam milites
"p. 483. in *castris remotioribus degentes non solum terniit, vernm etiam
in snmmam admirationem adduxit, qua ratione, qua indnstria
qnibnsve machinis (de cochleis nihil suspicantes) tantas ligno-
rum moles et plumbea tectomm pondera nno impetu inconvnlsa
deiecerint. Pyramidem vero Martinianae turris cum cochlearum
circumductu ab occasu elevatam in templum praecipitare cona-
rentur, erratum forte est; nam intra basim lapideam ab altera
parte retenta minime corruit, sed inclinata et ad solis exortum
spectans sine lapsu ruinam minatur. Gumque ita oblique et ad
orientem solem supra templum inclinata ad aliquot dies penderet,
dolling selbst sagt am 21. Jan. 1536 aus (M. 6.-Q. 11, 408): „Er hab nit
geraden, das man die kirchen umbrissen solt. Dan er hab mit darzn ge-
holfen. Dan die Babilonische hoer moest nmbgesturtz sin nnd 6ot allein
in dem levendigen tempel und hertzen der menschen geert werden . . .^
Eine eingehende Beschreibung der im Laufe der Zeit vollführten Abtragung
der Spitzen und Kappen der meisten Kirchen gicbt H. Gresbeck S. 158 ff.
Ergänzende Notizen bieten die Wiedert&uferbekenntnisse. So gesteht Herm.
Regewart am 3. Dez. 1534 (J. Niesert: Ü.-S. I. S. 32); „Se hebben den
docm schir verdelget, der meynonge, de andern kercken vort to verdcrven,
hebben ock uth Overwaters kercken velle erden gefort, dergeliken uth S.
Servaes kerckhove, also dat de kercke derhalven umgefaUen.** Aehnlich
sagt Joh. Beckmann aus (ebendas. S. 37), und Joh. Kloprifs bekennt am
29. Jan. 1535 (ebendas. S. 117): „Die kirchen binnen Munster sein gantz
verwuest und etlige decher derselben gleichs den thumen afgebrochen;
desgleichen auch etliche stucke bljes afgenommen und damit die hutten
in den weiden gedeckt"
*) Diese Namen und die folgenden Einzelheiten überliefert nur Kerss.
Dietrich Trutlinck war derselbe, der im Mai 1525 zur Hülfe gerufen wurde,
um den Nonnen des Niesingsklosters ihre Webstühle zu nehmen (s. oben
S. 131). — Beim Niederreifsen der Turmspitzen war nach H. Gresbeck
ein Holländer thätig, „und sein name was Frantz, und was ein eventuirlick
geck," nach D. Lilie S. 228 „ein vorlopen converse . . . uth dem carthuefs
to Wedderen, de darbinnen gelopen unde ock de wedderdope angenomen.*
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Anno 1534 acta. 573
Trutlingns sibi coelitus a Patre rationem demoliendae turris per
soninium inspiratam esse mnltitndini persaadet, a qua ad opus
conficiendum vehementer incitatur. Proinde cum turris esset
Gupro levissimo tecta, pedibus et genibus chalybeia calcaria,
manibus vero acutissimos utrisque stimulos, ut se a lapsu prae-
servaret, atque collo longum funem aptat, quo infra crucem et '
globulum cacumini affixo pyramis tracta concideret. Ubi autem
ita instructus per acclivem et Phaetonteum repere coepisset tra-
mitem et vix ad medium pervenisset, pyramis suo pondere a
basi soluta magno cum fragore in templi tectum et testudinem
corruens Trutlingum maiora suis viribus aflfectantem et a Patre
suo deceptum oppressit, cuius calcaria et Stimuli chalybei praeter
ossa came destituta post recuperatam urbem dimotis impedi-
mentis in templo reperta sunt. Deiectis pyramidibus turrium
bases lapideas tormentis muniunt, unde non parvam saepe cla-
dem castris inferunt. Habent enim peritissimos iaculatores adeo,
nt quemcunque extra vineas modicum quiescentem prospexerint,
subito transigant^ Sic saepe alea ludentes cum astantibus
spectatoribus bombarclarum sphaerulis non sine insigni strage
aut membrorum iactura dissipantur. Satins itaque fuerat mili-
tibus extra vineas et castrorum munitiones non quiescere neque
in uno loco consistere, sed continuo motu huc illucque ferri.
Circa haec eadem tempora Joannes Bokelson, propheta et
vir Dei, Knipperdollingi vaticinii auctoritate fretus eidem gla-
dium in terrorem maleficorum tradit ipsumque nova voce ensi-
gerum in concione popnli pronunciavit. Cum enim omnia ex-
celsa humilianda sint atque ipse hactenus consul et caput urbis
fuerit, Patrem *nunc velle, ut abiectissimi camificis munere fun- »p. 484.
gatur. Ille vero officium sibi oblatum non aversatur, sed libenter
suscipere visus est* quatuorque stipatores loannem Schultum,
0 Aehnlich lauten die Worte D. Lilie's S. 229 (vgl. auch S. 227):
„Dar sint van binnen so höhende schütten gewest, de van den wellen,
tomen, blockhuseren, homen konden scheten al, wat se ogeden, unde ne-
mandes binnen schottes mochte stain bliven, anders wordt he geschotten.''
^ Bis hierher genau nach ü. Dorp Bl. £3. Auch Joh. Fabricius
Bolandus Bl. L2v (und ihm folgend Herrn. Hamelmann S. 1224)
bringt die Ernennung KnipperdoUing's zum Scharfrichter zeitlich mit dessen
Gebot der Eirchenzerstörung zusanmien. Er stellt den Vorgang so dar,
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574 Anno 1534 acta.
Nicolaum Smalcaldianum, Oeorginm Avenhovelinm ac loannem
Snrennm in tutelam novi magistratus assciscit*.
Cum autem propheta tantae esset inter saos auctoritatis,
facilem ad regnum parandum viam, qnod tacite iam diu aflfec-
taverat, sibi patere putabat*. Itaque omnia maiorum instituta,
als sei Johann v. Leiden durch das selbständige Auftreten EnipperdoUing^s
erzürnt gewesen und als habe er deshalb seinen Nebenbuhler demütigen
wollen. In den Quellen kommt sonst Knipperdolling als Vollstrecker der
Gerichtsbarkeit zuerst in den Verordnungen der zwölf Aeltesten vor, die
Kerss. gleich weiter unten mitteilt. Joh. Kloprifs bekennt am 29.
Januar 1535 (s. J. Niesert: U.-S. I. S. 133, vergl. auch S. 113), als er
in seinem Verhöre auch Auskunft über Mollenhecke's Aufstand (Juli 1534)
giebt: „. . . so wurden die 40 vur die eldsten gestalt und zum selbigen
maill sy KnipperdoUingk burgermeister gewesen und des Burgermeister-
ambtz entsatzt und zum budell oder scharpfrichter geordent
wurden, welches er gehorsamlich angenommen.'' Doch ist za
bemerken, dafs mit der Einsetzung der Aeltesten zugleich die Aemter der
Bürgermeister, des Rates, der Older- und Meisterleute abgeschafft worden
waren (s. weiter unten).
') Die Namen der vier Diener Enipperdolling's giebt nur Kerss.
Weiter unten bei Gelegenheit der Verordnungen der Aeltesten wiederholt
€r sie nicht.
*) Auch H. Dorp Bl. E3v, Joh. Fabricius Bolandus Bl. N5
■und L. Hortensius S. 26 bringen die Einsetzung der zwölf Aeltesten mit
der Absicht Johann's v. Leiden zusammen, demnächst ein Königreich aufzu-
richten. H. Gresbeck S. 35 erwähnt dabei Johann nicht speziell, er spricht
nur ganz allgemein von den Propheten und Predikanten. In der Bischofs-
chronik (M. G.-Q. I, 334) tritt Johann Dusentschuer als Verkündiger in
den Vordergrund. — Die Angabe der Zeit der Einsetzung bei H. Dorp
(nach Pfingsten, 24. Mai) ist irrig. L. Hortensius giebt als Datum „circa
Id. Maii." Sehr bald weiter unten teilt Kerss. eine Schrift in Uebersetzung
mit, die von der Stadt aus ins Lager der Gegner geschleudert war, um
die Bischöflichen von der guten Sache der Wiedertäufer zu überzeugen.
Die Schrift trägt das Datum des 8. April und die Unterschrift: „Senior es
totaque communitas et consociatio Christi Monasterii con-
gregata." Ist das Datum im Manuscript richtig wiedergegeben (ein Orig.
der Schrift ist nicht nachweisbar), so wäre anzunehmen, dafs das Kollegium
der zwölf Aeltesten schon zu Lebzeiten des Jan Matthys eingesetzt worden
«ei, oder unmittelbar nach dessen Tode (5. April). Dafür aber findet sich
in keiner Quelle irgend ein Anhalt. Es wäre wohl kaum verschwiegen.
Sollte vielleicht ein Versehen des Schreibers des Manuscripts vorliegen und
statt des 8. April der 8. Mai zu lesen sein? Im St.-A. M. befindet sich.
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Anno 1534 acta. 575
leges moresqne mutatnms novamque reipublicae formam intro-
dnctnrus nudus in caligine noctis omnes nrbis vicos percnrrit*
ac incondita voce clamitat: „Viri Israelitae, qui sancta Soly-
momm moenia incolitis, timete Patrem coelestem et vitae sn-
perioris agit« poenitentiam ! Eesipiscite, resipiscite! Eex ille
inclytns Syonis cum multis angelorum millibus est in procinctu
et expeditionem tnba terribili praecinente in terram parat. Eesi-
piscite ergo, resipiscite!** His ubi nocturnis clamoribns ac hor-
rendis vocibns totam nrbem deterrnisset et se ipsum defatigasset,
ad hospitem suum Knipperdollingum simili interdum furore agi-
tatum redit et continuo beneficio sermonis se destitutum esse
fingit. Cumque a pavidis ciremnstantibus, qnid sibi mali acci-
disset, sollicite qnaereretur, mutnm se esse nutibus qnibusdam
significavit; sciscitantibus cansam sibi a Patre os clausuni lin-
guamque constrictam neque sibi fas esse ante tertium diem quic-
quam proloqüi scripsit. Sed tertio die frequentem populi con-
cionem convocari iubet, quem diem tota multitudo novitatis
avida magno desiderio expectat. Die constituto in concionem
populi prodit sibique a Patre revelatum esse proclamat in novo
populo Israelitico novam reipublicae formam fore; novum ergo
magistratum novasque leges divina ordinatione introducendas
esse. Magistratum superiorem ab hominibus constitutum esse*,
nunc vero Patris instinctu et expresso mandato eundem esse
designandum. Simulque duodecim vires sibi potissimum pecu-
liari favore addictos delegit, inter quos etiam senatores fuerunt,
ne eorum plane a se favorem alienaret, quos plebs suspiciebat
das Original eines Briefes vom 20. Mai (abgedr. M. G.-Q. II, 239 f.) an zwei
bischöfliche Hauptieute, das unseres Wissens zum ersten Mal die Unter-
schrift trägt: „De oldesten und gantze gemeine Christi binnen
Munster.**
*) Dieses und das Folgende lehnt sich oft wörtlich an den Bericht
des L. Horten sius an. Die übrigen Quellen wissen Nichts von dem Bufs-
ruf Johann's. Nur H. Dorp erwähnt noch dessen dreitägiges Träumen und
Stummsein. — *) Im Geständnisse des Dionysius Vinne (M. G.-Q. II, 275)
heifst es: „Der prophete heft uth Gots bevel verkündiget, dewile de
overicheit desser tit van minschen ingesat weren und Got
alle dinck vomiggen wolde, so heft dersulvige prophete ... 12 gotfruchtige
Personen vorgestalt, welche dat swert der gerechticheit füren solden.
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576 Anno 1534 acta.
et in honore habebat, neve causam tumultuandi concitaret. Hos
duodecim tribnnm Israeliticarnm seniores appellavit, penes qnos
omninm rernm tarn pnblicarom quam privatamm, tarn sacraram
"p. 485. quam politicaram iudiciam, *imo ins gladii snmmaqne imperii
potestas esse debebat. Snnt antem hi : Hermannus Tjlbech, pa-
tricius, Gerlacus a Wollen, nobilis, Henricus Xantns, Henricna
Boede, aurifaber, Joannes Ossenbeck, Lambertns Mapertinck, Jo-
annes Eschman Warendorpensis, Lambertns Bilderbeck, civis
Coesfeldianns, Petrus Sjmonson Frisius, Lambertns Leodins,
Bernardns thor Moer et Antonius Guldenarm '.
Cum hi designati fuissent, Bemardus Bothmannus' apud
populum de nova hac reipublicae forma concionatus est, quae a
Deo instituta Jsraelitici populi Deo adamati imaginem referret.
Atque hie eorum nomina publice recitavit. Facta concione pro-
pheta hos ordine in conspectum omnis populi producit singuüs-
que per ordinem gladium strictum conceptis his verbis in manus
tradit : „ Accipe ins gladii tibi a Deo Patre per me commissum
^) Die Namen der sämtlichen Aeltesten überliefert nor Kerss. Er
verdankt sie wohl derselben jetzt verlorenen Quelle, aus der er nns gleich
die Verordnungen der Aeltesten mitteilt. Der Druck der „Ordnung** nennt
nur 8 Namen, unter denen wir, so verderbt sie sind, 7 als auch von Kerss.,
und zwar an der 1. bis 6. und an der 8. SteUe aufgeführt, wiedererkennen
können. Eigentümlich ist der „Ordnung' der Name Johann Pülhck. Nach
Aufzählung der 8 Namen heilst es dann: „Noch ein Friess, noch zwen
seind aus dem ländt zu Mertrich.*' Die „Ordnung' bezeichnet also nur II
Aelteste. Abweichend von den Namen der „Ordnung' sind einzebie in dem
Manuscript des „Tagebuchs' (abgedruckt in der Zeitschr. 51 [1893] S. 111
Anm.). Auch das Manuscript nennt nur 9 Namen, die fast unverändert in
die Münst ersehe Bischofschronik (M. 6.-Q. I, 334) übernommen worden
sind, nur heifst in ihr Lambert Mackenlinck derjenige, der im Manuscript als
Albert Mabertyn, in der „Ordnung' als Lamprecht Malbertin und bei Eerss. als
Lambertns Mapertinck bezeichnet ist. Das Manuscript fährt nach Nennung
der 9 Namen fort; „Noch eyn fremdt Freysze, noch twe van Luke.' Der
Friese wäre nach Kerss. Petrus Symonson, die beiden von Luke (Lüttich)
wären Lambertns Leodius und Antonius Guldenarm. — H. D orp Bl. E 3^
nennt 7 Namen, die sich auch bei Kerss. finden, darunter auch Lambert
V. Lueck und Peter Symensen.
^) Das Folgende ganz wie der Bericht in der „Ordnung.' YgL auch
Job. Fabricius Bolandus Bl. N3^ n. N4, aus dem Kerss. das Auf-
treten H. Tilbeck's entnimmt.
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Anno 1534 acta. 577
eoqne ad mandatnm Del scinde!^ Hinc totus populns propheta
iubente snpplices ad Patrem pro guberaandi populum Israe-
liticmn prudentia preces fnndit. Hennannns antem TUbechias
spiritn humilitatis exagitatus lachrimatnr et: „0 mi Pater, ** ex-
clamat, ,,indigniis ego snm tanto munere. Ta itaque miiii pra-
dentiam viresqae regendi suggere!^ His ita actis tota multitndo
propheta praecinente Oloria in excelsis decantat. Senatos in
partes iam distractus prophetico spiritni novaeqne reipnblicae
formae non repngnat libenterqne se magistrata abdicari patitur.
Totnm ergo imperinm et memm et mixtum, ins vitae necisque
sine invidia senatas seniores sibi vendicant, leges novas veteri-
büs abrogatis condnnt, edicta pro sna libidine, propheta tarnen
consnlto, pnblicant et omnia pro sno arbitrio agnnt^. Hanc
gladii et scindendi licentiam non s^^ter sibi nsnrpant, ut
postea dicetnr.
Dnodecim seniomm edietnm publicnm
2
„Oratia et pax snper omnes, qni timent Denm et volnn-
tati eins obseqnnntnr, et pax snper nniversnm Israelem, popnlnm
Dei! Amen! Gnm in hac sancta commnnitate Monasteriensi nos
omnes, qnomm cordibns lex et volnntas altissimi digito Dei in-
scripta est, eam cogitatione, verbis et operibns merito adimple-
remns adeo, nt nnnc dehinc opns non sit legem domini Dei
*) In der „Ordnung" heifst es ansdrücklich : „Aller Radt, Oberkeit,
Kichter, Richtstette seind alle ab, die von alter her gewonlich waren, und
der ist ein newe Oberkeit . . . empfangen und wider eingesetzt . . ,^ Auch
£L Gresbeck S. 35 f. berichtet: „So hebben sie die bnrgermeisters und
den raet, den sie gesät hedden, af gesät und alle gielde und older luede,
dat die gein overicheit mehr seiden sein. Dan die twelf eldesten und der
raet, et was ein dinck.''
*) Die folgenden Verordnungen haben sich noch nicht wieder auf-
finden lassen. Sie sind nur durch Kerss. bekannt, der sie gewifs nach
ihrem alten Drucke übersetzte. Der Druck ist in der „Ordnung" zweimal
erwähnt An der eben citierten Stelle folgt unmittelbar auf die Worte
„und wider eingesetzt": „gleich wie man das in jhenem druck findet, darin
man auch klar hat, warüber sie straffen sollen." und bei dem Berichte
über die Ernennung Enipperdolling's zum Schwertträger heifst es: „Was
zu straffen ist^ findt man in ihren bücheren, welliches hie nitt nöttig ist
anzuzejgen."
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578 Anno 1534 acta.
nostri scriptam nobis ob ocnlos ponere et praefigorare, nihilo-
minus tarnen, cum Dens onmipotens populo sno novom magi-
•p. 486. Stratum clementer tribuerit, ut *impoenitentes nihil excusationis
flagitiis suis praetexere queant et imbecillioribus ac negligenti-
bus, qui forte inter nos sunt, serviatur, itaque nos seniores
populi ea, quae scriptura multis verbis passim ad nostram doc-
trinam tradit, ut homo infelix in omni opere bono perficiatur,
in praesidium novae politiae quasi in tabella breviter compre-
hendemus atque singulis, ut, quid sibi agendum quidve fugien-
dum Sit, cognoscant, ob oculos ponemus. lustis non est lex
posita, sed iniustis et inobedientibus ^ Sic etiam magistratus,
qui gladium gerit, in terrorem malorum et defensionem bonorum
a Deo constituitur. Legibus ergo et motu earum soluti esse
Yolentes Deum ante oculos habeant et omnia mandata eins ser-
vent, sicut infra ex scriptura sacra breviter annotatum est. Hi
apud Deum, apud magistratum, ministrum eins, et onmes pios
laudem, gloriam et honorem consequentur et tandem vitam aeter-
nam sibi lucrabuntur. Dens, pater domini nostri lesu Christi,
donet nobis cum omnibus credentibus huiusmodi animum et
spiritum. Amen !
Non in sermone regnum Dei est, sed in virtute seu factis ^.
Non omnes, qui dicunt: „Domine, Domine,*' intrabunt in regnum
coelorum, sed qui faciunt voluntatem Patris mei, qui in coelis
est ®. Haec est voluntas Dei, sanctiflcatio nostra, ut unusquisque
sciat vas suum possidere in sanctitate et honore, non cum af-
fectu concupiscentiae, quemadmodum et gentes, quae non no-
verunt Deum \ DiUgamus neque verbo neque lingua, sed factis
et veritate^ Cum ergo regnum Dei in eo consistit, ut factis
et ex tota mente voluntatem illius impleamus et tunc simus
veri filii Dei, fratres et cohaeredes Christi lesu, si, quod iussit,
factis impresserimus, e diverso regnum diaboli in bis consistit,
quando peccata committimus et voluntatem illius facimus, quod
procul a nobis absit! Si autem filü Dei facti sumus et in Chri-
stum baptizati, omne residuum malum de medio nostri eradi-
candum est, cui rei magistratus maxime post Deum ancillatur.
*) 1 Tim. 1, 9. — «) 1 Cor. 4, 20. — ») Matthäus 7, 21. —
*) 1 Thessal. 4, 3 ff. — ») 1 Joh. 3, 18.
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Anno 1534 acta. 579
sicnt scriptum est Born. 13: Omnis anima supereminentibns
potestatibns snbdita sit. Non enim est potestas nisi a Deo ; qnae
yero snnt potestates, a Deo ordinatae sunt. Itaque quisquis re-
fiiistit potestati, Dei Ordination! resistit; qui autem restiterint,
sibi ipsis iudicium accipient. Nam principes *non terrori sunt*p. 487.
bene agentibus, sed male. Vis autem non timere potestatem,
quod bonum est, facito et feres laudem ab illo. Quod si feceris
id, quod malum est, time tibi! Non enim frustra gladium gestat;
nam Dei minister est, ultor ad iram ei, qui, quod malum est,
fecerit. Quapropter oportet nos esse subditos non solum propter
iram, verum etiam propter conscientiam *. In gladio morientur
omnes peccatores populi mei, qui dicunt: non accedet neque
praeoccupabit propter nos malum**'
Sequuntur aliquot peccata in scriptura comprehensa, quorum
nomine inobedientes et non resipiscentes gladio punientur':
„1. Principio, qui maledixerit Deo nomenque sanctum vel
verbum illius blasphemaverit. Levit. 24*: Quicunque maledixerit
Deo, portabit poenam peccati sui. Et qui blasphemaverit nomen
Domini, morte interficiatur. Exo. 20*: Non sumes nomen Do-
mini tui in vanum, quoniam non insontem faciet Dominus eum,
qui nomen suum sumpserit frustra.
2. Nemo maledicet magistratui. Exo. 22«: ludicibus non
maledices et principem in populo tuo non blasphemabis. 1 Petri
3'. Act. 23». De inobedientia Deut. 17»: Vir ille, qui egerit
procaciter nolueritque audire sacerdotem, qui stat coram domino
Deo tuo, ut tibi ministret, aut iudicem, moriatur vir ille, et
eliminabis malum de Israel; et omnes de populo audire debent,
ut timeant et amplius procaciter non agant.
3. Qui maledixerit parentibus suis neque illis paret, sed
pertinaciter se adversus illos erigit. Exo. 20*^: Honora patrem
tuum et matrem tuam, ut prolongentur dies tui super terram,
quam dominus Dens tuus dat tibi! Exo. 21^*: Qui maledixerit
*) Rom. 13, 1—5. — ') Arnos 9, 10. — ») Nur durch Kerss. be-
kannt. — *) 15, 16. — ») 7. — 6) 28. — ') Vgl. l Petr. 3, 9. — ») 5. —
«) 12, 13. — '•) 12. — ") 17.
13*
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580 Anno 1534 acta.
patri sno et matri snae, morte interficiatnr. Dent. 5 \ Ephes. 6 K
Dent. 21®: Si habnerit homo filinin protervnm et rebellem, qni
noluerit andire vocem patris sni et matris suae, lapidabunt eom
omnes viri civitatis suae, ut moriatur. — De mariti imperio et
nxoris in matrimonio obedientia Eph. 5*: Viri, diligite uxores
vestras! Uxores, propriis viris subditae sitis veluti Domino etc.
Item uior virum timeat.
*p. 488. *4. De familiae erga patremfamilias obedientia et patris-
femilias erga familiam suam officio Eph. 6*: Servi, obedite iis,
qni domini sunt iuxta camem, in timore et tremore cum aim-
plicitate cordis vestri tanquam Christo, non ad oculum servi-
entes velut hominibus placere studentes, sed tanquam servi
Christi facientes, quae vult Dens, ex animo, cum benevolentia,
servientes Domino et non hominibus, illud scientes: quod unus-
quisque fecerit boni, hoc reportabit a Deo, sive servus fuerit
sive liber. Et vos, domini, eadem facite erga illos remittentes
minas, scientes, quod et vester ipsorum Dominus est in coelis
nee personae est respectus apud illum.
5. De adulterio Exod. 20*: Non adulterabis. Levit. 20':
Qui fomicatus fuerit cum uxore proximi sui, morte interficiatnr,
tam adulter quam adultera. Matt. 5®: Quicunque aspexerit
uxorem alterius ad concupiscendam eam, iam adulterium cum
ea commisit in corde suo.
6. De fornicatione et immunditia omnis generis Exo. 22^.
Deut. 22^®: Si invenerit vir puellam apprehendensque eam etc.
Similiter de impudicis et masculorum constupratoribus ac qui
se sororibus suis aut aliquibus sanguine sibi coniunctis et scrip-
tura vetitis miscuerint Levit. 20*^ et similiter 18** scriptum
est. Qui iacuerit cum muliere menstruum habente etc. Et qui-
cunque turpitudinem scriptura prohibitam exercuerit, abomina-
tionem committit, morte morietur. Item 1 Cor. 6*^ Galat. 5^*,
Eph. 4**, 5**, 1 Thess. 4". Fomicatio et omnis immunditia
ne nominetur in vobis, sicut sanctos Dei decet.
7. De avaritia et rapina 1 Timot. 6**: Avaritia est radix
omnis mali.
') 16. — ») 2 u. 3. - »J 18 ff. — *) 22 ff. — ß) 5ff. — •) 14. -
') 10. — «) 28. — ») 16. — '•) 28. — ") lOff. — ") 6 ff. — ") 13flf. —
^*) 19. - '«) 19. — ^«) 3. — ") 3. — ") 10.
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Anno 1534 acta. 581
8. De ftirto Eio. 20 ^: Non fiiraberis. Deut. 5«, ICorint. 6».
Item Dent. 27^: Maledictns, qni transfert terram prozimi sni.
9. De fraudibns et imposturis 1 Thess. 4*: Ne qnis op-
primat et fraudet in negotio fratrem sunm, propterea quod nltor
est Dens de omnibns bis.
10. De mendaciis et obtrectationibus Sap. 1 •: Os, quod
mentitur, occidit animam. Psalm. 21^: Timidis et incredniis et
execratis et homicidis et scortatoribns et veneficis et idololatris
et omnibns mendacibns, pars iUomm erit In stagno ardenti igne
et snlphnre, qnod est mors secnnda. Jacob. 4®: Nolite detra-
here vobis *invicem, fratres! 1 Petri 2^ Matth. 7*^ »p. 489.
11. De tnrpiloqnio et verbis otiosis Matth. 12": De omni
verbo otioso, qnod locnti fnerint homines, redditnri sunt ratio-
nem in die indicii. Item Eph. 4^': Omnis sermo spnrcns ex
ore vestro ne procedat.
12. De Gontentionibns, seditionibns, ira et aemnlatione
Galat. 5**: Manifesta sunt opera camis, qnae sunt haec: inimi-
citiae, lis, aemnlationes, irae, concertationes etc. ; qni talia agnnt,
regni Dei haeredes non emnt. Matt. 5**: Qnisqnis irascitnr
fratri sno temere, obnoxins erit indicio. 1 loan. 4^*: Qnicnnqne
odit fratrem snnm, homicida est.
13. De calnmniis, obmnrmnrationibns et factionibns in
popnlo Dei Levit. 19*®: Non erit criminator nee snsnrro in po-
pnlo. 1 Cor. 10^': Non mnrmnretis, sicnt et quidam illomm
mnrmnravemnt.
Gonclnsio : Qnicnnqne bis peccatis et similibns saintari et
sanae lesn Christi doctrinae contrariis se contaminaverit, nisi
yeram egerit poenitentiam, legi snbiicietnr et excommnnicatione
gladioqne a magistratn ordinario a Deo constitnto de popnlo Dei
eradicabitnr. Apocal. 22'®: Beati, qni servant mandata illins,
nt Sit potestas illomm in ligno yitae et per portas intrent in
civitatem; foris autem canes et venefici et impndici et homi-
cidae et idolis senrientes et omnis, qni amat et facit mendacinm.'^
1) 15. -_ «) 19. _ 8j 10. __ 4) 17^ _ 5) 6. — •) 11. — ') Viel-
mehr Apocal. 21, 8. — ') 11. — ») 1. — ") 12. — ") 36. — ") 29. —
") 20 f. — ") 22. — ") Viehnehr 3, 15; vgl. dazu 4, 20. — ") 16. —
") 10. - ") Uf.
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582 Anno 1534 acta.
Ordinatio politici regiminis in civitate Monasteiiensi
a 12 senioribns recens introducta*.
„Seniores commnnitatis Christi in sancta civitate Mona-
steriensi per gratiam altissimi et omnipotentis Dei vocati et con-
stitnti haec officia et hos sabsequentes articnlos a singnlis Israe-
litis ac domns Dei inhabitatoribns fideliter et inviolate servari
volunt:
1. Qnicqnid sacra scriptnra ant praecipit ant vetat, hoic
poenae metn singnli Israhelitae parebnnt.
2.* Unnsquisqne vocationi suae sednlo insistet Demnque
ac magistratxim ab eo constitntnm timebit. Nam non fmstra
gerit gladinm, com scelemm sit nltor.
*p. 490. *3. Qoilibet seniomm anios ministri opera ad inssa sna
exeqnenda ntetar.
4. Qninqne seniomm tarn noctnrnis qnam dinmis excnbiis
praeemnt easqne praesentes inspicient, ne quid negligentia vi-
gilum pericnli reipublicae importet.
5. Unns insnper seniomm singnlis noctibns cnm qnibus-
dam ministiis amiatis vigiles onmes in aggeribns, mnris et
portis eicnbantes diligenter contemplabitnr, nt in officio conti-
neantnr et Dens cnm illis vigilei
6. Singnlis diebns a septima ad nonam antemeridianam ^
et a secnnda ad qnartam pomeridianam horam sex seniores in
foro locoqne ad id destinato considentes omnes controversias
snis decretis diriment^
7. Qnicqnid seniores commnni consilio in hac nova Is-
rahelis repnbUca ntile esse decreverint, Joannes Leydanns pro-
pheta tanqnam fidelis minister altissimi et sacrosancti magi-
stratns commnnitati Christi totiqne Israelitico coetni annnnciabit
et proponet.
') Ein Teil dieser Yerordnimgen der Aeltesten ist auch in das Fing-
blatt »Die Ordnung** übergegangen. Die Namen sind wie immer in dem
Drucke derselben sehr entsteUt. Wo sich nennenswerte Abweichungen oder
Zus&tze fanden, habe ich sie vermerkt. Die Verordnungen fehlen sowohl
im Manuscript des j^Tagebuchs** wie auch in der Münsterschen Bischofs-
chronik. — *) Fehlt in der „Ordnung." — «) Die »Ordnung": „Alle tag
Tor siben uren zwischen zehen Tormittag." — ^) Ygl. zu diesem und dem
folgenden Artikel den Bericht H. Gresbeck's S. 36.
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Anno 1534 acta. 583
8. Ne inter sinceros minimeqae fucatos Israhelitas qnic-
qnam manifest! flagitii cum verbo Dei pngnantis toleretur ntqne
transgressor sen flagitiosns in manifesto crimine deprehensns
meritis snppliciis plectatnr, Bernardns Enipperdollingns ensifer
enndem ratione commissi delicti pnniet. Si vero in manifesto
crimine non deprehendatnr, cansa ad seniores per Enipperdol-
lingum referetnr, quorum decreto parebitur, nt omne malnm ex
Israel eradicetnr. EnipperdoUingus antem in sni mnneris tnte-
lam et defensionem qoataor stipatoribus mnnitns in pnblicnm
prodibit '.
9. Ut in cibis administrandis legitimus servetur ordo,
praefecti eins rei officii sni memores einsdem generis fercnla
(uti hactenns fleri consnevit) singulis diebus fratribns sorori-
bnsqne in disiunctis et disseparatis mensis modeste et cum omni
yerecundia sedentibns apponent. Neqne illi qnicqnam pro sno
arbitratn praeter id, qnod apponitnr, exigent. (Habebant antem
ant« singnlas portas singnlas aedes, in quibns illi, qni mnni-
tionibns firmandis dabant operam, sno tempore cibabantnr, in
qnomm numero tam feminae quam mares faerant, qni mensae
cnm süentio accnmbentes nno aliqno inter edendnm in veteri
testamento legente cibnm capiebant.)'
*10. Excnbias interea dinmas agentes aliis digressis cibnm *p. 491.
capient, ne vigiliae necessariae negligantnr.
11.^ Nemo praeter Christiannm Eerckringnm ac Herman-
nnm Bedekemm, praefectos piscationis, illommqne ministros
piscabit, qni etiam pisces pro necessitate aegrotantibns et prae-
gnantibns non negabnnt.
') Yergl. dazn oben S. 574, wo Eerss. auch die Namen der vier
Diener nannte.
*) Dieser Satz ist in der „Ordnung** von den Yerf&gangen der Ael-
testen getrennt nnd ist unter die sonstigen Berichte über die Verhältnisse
in Münster eingereiht Hinzugefügt ist noch: „Was man in fürsetzet,
müssen sj essen und trincken sonder murren. Wer ein löifel will haben,
der mufs in mit im pringen. Wölcher mer brots sehne jdt, dan er isst,
der wirt berufft für die Eltesten.'' Vgl. auch Joh. Fabricius Bolandus
Bl. N 4^ und L. H o r t e n s i u s S. 20 f. Ueber die gemeinsamen Mahlzeiten
8. auch H. Gresbeck S. d4f.
») Fehlt in der „Ordnung".
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584 Anno 1534 acta.
12. Penes Bernardnm Boentruppen ac Gerardnm Pmessen
mactandl creopoliiqne cnrandi ins erit, ne recentes cames sno
tempore desint.
13. Hermannns Tornate, loannes Bedeker et Henricns Dnm-
cnster cnm sex suis ministris in nsnm Israelitarum calceos snent.
14. loannes Palck, Henricus Pothofif, Henricas Stolte, Con-
radns Potthoff, Hermannns Beminck ac Amoldns Boidtlandt^,
fabri ferrarii, nnlli soam operam negabnnt. MoUenhecke yero
ac Steinkamp soli magistratni in endende ferramento servient.
15. loannes Coesfeldins cum suis ministris claves ferreos
endet *.
16. Bemardus tor Moer, Bemardus Glandorp, Henricus
Edelbloit et loannes Northoflf* sarcinatorum emnt praefecti da-
buntque operam, ne novae ac inusitatae vestium formae fiant.
17. Gonscissas et dissectas vestes nemo gestabit^
18. Secreta seniorum consilia atque decreta illorum publica
privataque Henricus Erechtingk tanquam tabellio et a secretis
diligenter annotabit.
19. Ne quid, quod ad bombardas et tormenta eorumque
nsnm necessarium requiritur, desit, Henricus MoUenhecke et
Bernardus Pannicida curam habebunt.
20. Ut vinum aliaque annosa potus genera in nsnm aegro-
tantium et dolore animi laborantium conserventur, Stephanus
Eupperschleger eins rei exactam rationem suscipiet.
21. üt auro et argento tarn signato quam non signato
verus et legitimus usus tribuatur, Magnus Eoehus, Gonradus
Eruese, Gerardus Beyninck et Lucas Gruter singulari studio
curabunt, ne quid inutiliter expendatur, sed seniorum consilio
in utilitatem publicam convertatur*.
22. Andreas Goriarius et Hermannus Bibbert coriorum et
pellium praeparationi ac illius, quidquid ad sutoriam pertinet,
''p. 492. praefecti emnt *in hac sancta civitate.
') Der Name Arnold Boidtlandt fehlt in der „Ordnung^.
*) In der „Ordnung"; „Günters knecht genandt Gastel soll mit
seinen hülffen nach aller gestalt nögel machen."
•/ Die „Ordnung" nennt fiir diesen Johann VlenthoflF.
*) Auf die Ordnung, die Kleider hetreffend, kommt Eerss. weiter
unten noch einmal zurück. — ^) Vgl. dazu ohen S. 562.
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Anno 1534 acta. 585
23. Eberardas Folien ac loannes Erechtingk veterinarii
erant et eqnoram pnblicis usibns destinatorum cnram agent, ne
sine commodo pabula absnmantnr^.
24. Pnblicis mnnitionibns bnins sanctae nrbis confirman-
dis ant de integro erigendis Gerardns Eibbenbroich, Christianns
Wordeman, loannes Daventriacns ac loannes üldanns' dabnnt
operam. Nihil tarnen senioribns non consnltis extraent.
25. loannes Erechtingk raparnm semina, qnaecnnque in
urbe deprehenderit, ad molam oleariam Meynershagii convehet
olemnqne inde expressnm in usus necessarios fideliter consenrabit.
26.* Aromatibns et placentis in nnam domnm comportatis
Bemardns Menneken praeerit iisqne recte distribaendis dabit
operam.
27. Qnoties cerevisia et panis necessarius faerit, seniores per
Dei gratiam dabnnt operam, ne qnid respublica incommodi capiat.
28. Qnoties ad reparationem aggerum terra opns fnerit,
Theodoricns Schloschen in eins rei nsum bigas ant qnadrigas
procurabit et cnpmm, plnmbnm, stannnm a deiectis tnrribus
raptnm in singnlos et distinctos acervos convehere inbebit.
29. Si peregrinns et a nostra religione alienns, sive frater
sive einsdem patriae concivis sive familiaris fnerit, qni sese ad
hanc civitatem nostram sanctam contnlerit, iUe Enipperdollingo
ensigero ad examinandnm committetnr, nt ille cnm eo coUoqnia
misceat; qnod nnlli alii praeterqnam senioribns committitnr.
80. Baptizatns christianns cnm advena et peregrino ethnico
nnllnm coUoqninm ant sermonem habebit neqne cibnm cnm illo
snmet, ne nlla collnsionis snspicio snboriatnr.
31. Nemo qnacnnqne etiam arte inobedientiae poena pro-
posita piscabitnr.
32. Nemo citra consensnm et arbitrinm seniomm snb poena
capitis Signa militiae mntabit neqne se pro arbitrio sno de ma-
nipnlo nno in alinm dedet
^} Die „Ordnung** sagt unklar: „Der pferd grofs und klein sollen
Olbert Fellen und Johann Krechting aoffsehen haben in der Meimerschlagen
feldmülen.** Vgl. dazu gleich unten Artikel 25.
■) lieber die Uldansschanze vgl. oben 8. 554. Die „Ordnung" hat
statt Johann üldan den Nunen Johann Eürchenrinck.
') Dieser und s&müiche folgenden Artikel fehlen in der „Ordnung"«
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586 Anno 1534 acta.
33. Si qnis Deo sie dispensante ab hostibns transfossns
ant alia quavis ratione obdormierit in Domino, bona illins re-
licta, ut snnt arma, vestes etc., nemo sna anctoritate capiet^
sed ad Bemardnm Enipperdollingom ensigemm deferentnr, qni
^p. 493. senioribns ea offeret, *nt illomm anctoritate veris haerediba»
adindieentnr.**
Inde retincti qnaedam scripta in nrbe et publice et pri-
vatim composita ant lapidibns alligata eiicinnt aut telis affixa
in castra spargnnt^ nt militibns persnadeant se non priores
bellum intnlisse, sed sibi sine iusta denunciatione iUatum; se
aut deprecaturos aut legitima defensione repnlsuros verbumqne
Dei, qnod apud se vigeat, defensaros. Et haec eo astn atque
consilio agnnt, ut militem ab obsidione tam sanctae civitatis
removeant et ab oppressione tam piorum virorum deterreant.
Quäle fait illud, quod sequitur*:
,,Omnibus populis, cuiuscunque sint aetatis, Monasterium,
christianam civitatem altissimi Dei, obsidione prementibus.
Gratiam et misericordiam et pacem a Deo Patre per lesum
Christum, unicum nostrum et totius mundi servatorem, omnibus
piis, benevolis et christianae veritatis amatoribus precamur!
Audite, populi, et percipite, iuvenes senesque, qui in circuitu
urbis nostrae castra tenetis ! Cum nos non solum pacem, verum
etiam fratemum amorem in Christo cum quibusdam hominibus
ex animo habere desideremus, quibus rationibus coram piis viris
(taceo coram Deo) defendetis, quod contra scriptas pacis leges
et consignatas non indicta belli causa obsidione violenta a vobis
premimur atque occidimnr? Sed iustos iuvabit Dens. Quod
vero vobis literas nostras mittimus, hac de causa fieri cogno-
Seite! Speramus inter vos multos adhuc pios fore Deum ac
creatorem suum amantes, qui mortem oppetere malint, quam
') So schreibt Konr. Hesse am 5. Juni ans dem Lager vor Münster
an die landgr&flichen R&te zn Kassel (M. G.-Q. II, 250) : „Ich senden nch
auch hei ein bucheigen; das woUet lessen. Die von Munster haben ir
etlich eins leger gesanf Die übersandte Schrift liegt dem Originalbrief
im 6t.-A. Marburg nicht mehr beL — *) Nur durch Kerss. bekannt
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Anno 1534 acta. 587
non indicto bello contra fas, contra Demn atqne amabflem yeri-
tatem pecnniae gratia snscipere bellnm, qni mendaciis addncti
nobis infensi sunt existimantes, si nos armis perseqnantnr, se
gratnm Deo obsequinm praestitnros. üt antem singnU yestrom
intelligant accnratinsqne secmn expendant, qnid agant et contra
qaos arma induant, fidei et yitae nostrae rationem breyiter ex-
plicabimns. Fides et fidncia nostra est in nnnm verum et vivurn
Demn, creatorem coeli et terrae, sicnt scriptnra sancta illud
latins explicat, qnpd perlongnm esset Mc perseqni. Scimns etiam
et credimns: aeternum Deum timentes se et in via sna ambu-
lantes amare, contra malefactores omnes in * terra enormiter*p. 494..
odisse. Com igitnr in Denm credimns et scimns enm esse re-
mnneratorem illis, qni ipsnm ex toto animo qnaemnt et in yiis
illins ambulant, ita vita nostra coram Deo est composita, nt
nullum Inter nos flagitiis obnoxium impunitum relinquamus,
nedum talia flagitia et enormia peccata, qualia de nobis impu-
denter inter yos confinguntur, perferamus et fieri permittamus.
Praeterea si constaret nobis nos quenquam praeter Satanam illi-
usque familiam de&audasse, quadruplum libenter refunderemus.
Haec est fides et vita nostra. Dens est nostra fiducia, spes,
praesidium et clypeus noster; ipsius voluntati obsequi nostrum
desiderium est, sive vivendum sive moriendum sit nobis. Proinde
non formidamns, quid Anticbristus, sacerdotes, monacM et dia-
boli astutia cum tota coborte cumque ipsis inferorum portis ad-
versus nos moliantur. Nostra vita in Christo abscondita tunc
primum incipit, quando haec caro mortalitatem deposuit. Tunc
bestes Dei stimulo Jesu Christi occurrentes fracti et repulsi con-
fnndentur et pudefient. Quare resipiscite et errores vestros, dum
potestis, agnoscite, ne ipsi in vestrum exitium foveam fodiatis!
Optamus enim omnium hominum resipiscentiam, ut nobiscum
salyi fiant. Quid yero nobis homines optent, Dens sit iudex!
Haec pro benigna admonitione suscipite et, ne nostrum ducem
antiquum et bene exercitatum offendatis, cavetote! Onmes Dei
hostes non secus quam paleam et quisquilias aestimamus, quibus
intrepide ducis nostri praesidio freti resistemus. Et certe durum
erit ipsis contra stimulum calcitrare^ et iudicio Dei se impli-
') Act. Apost 9, 5.
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588 Anno 1534 acta.
care. Si hanc agnitionem fidei nostrae yeram non esse existi-
maveritis, ferre poterimns, ut certns commüitonom yestromin
nnmems, a nobis tarnen decemendus, omnia praesens experiator.
Dens enim novit, qnod nihil nisi regnnm Christi qnaeramns et
optemns. Scripta snnt haec Monasterii in civltate Dei altissimi
«.April, anno post natom Christum 1534 octavo die Aprilis^
Seniores totaque commnnitas et consociatio Christi
Monasterii eongregata."
Varia deinde Indibrii et contnmeliae genera ntrinqae effin-
gnntur, qnibns per animi lasciviam interdnm sobrii, interdnm
ebrii se mntno lacessant, dicteriis amarulentis proyocant Qni-
*p. 495. dam *militum ingenti saepe confidentia freti ad urbem decnr-
runt caligasqne detritas portis his vociferationibns affignnt:
„Sartor, detritas atque laceratas has mihi refice caligas!" Atqne
hi interdnm elabnntnr, interdnm transfixi cadnnt. Oppidani yi-
cissim yiri simnlachrnm e panno lineo consntum et feno fartnm
ac indnlgentiamm literis pontificiisqne bnllis circnmseptnm an-
nosae eqnae imponnnt eamqne scnticis acriter in porta flagel-
lantes ita cum sno sessore muto in castra Manritiana abignnt K
Miles eo simnlachro illnsns, cum oppidannm aliqnem ab effreni
et indomito equo, quem retinere non potnerit, per campnm ferri
existimaret, certatim praedandi gratia accnrrit, eqnnm appre-
hendit et a pemici cnrsn coercet. Cnm antem frans deprehen-
deretnr, magna militnm mnltitndo rei noyae ayida et doli ignara
ad spectacnlnm illnd conflnit. Oppidani yero ex diyersis nrbis
mnnitionibns et e tnrri potissimnm Martiniana tantam tormen-
tomm et missilinm copiam in eam conglobatam et consertam
militnm mnltitndinem coniiciunt, nt maiori parte occisa panci
sine ynlneribns elaberentnr. Neqne mnlto post yas hnmano ex-
cremento plennm et arctissime obtnratnm bigaeqne impositnm
sine anriga in castra mittnnt^; et alia infinita in contnmeliam
militnm comminiscnntnr et foedissimis conyitiis se mntno pro-
scindnnt. Hi milites appellant impios idololatras, pontificis et
>) Vgl. oben S. 574 Anra. 2. — «) Vgl. dazu oben S. 568 Gaöi
ähnlich berichtet Job. Fabricius Bolandns Bl. Q 1 f . Denselben
Spott erwähnt auch H. Gresbeck S. 49 f. — ") Siehe Job. Fabricius
Bolandus Bl. S 1^ u. S2. Vgl. auch H. Gresbeck S. 49.
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Anno 1534 acta. 589
rasae tnrbae ministros, servos scelerum etc.; iUi e diverse da-
mitant: „Pater, spiritus mens appetit carnem tuam!" Interdum
nudatis natibns posteriora ostentänt^ Id cum quidam pner
eodem fere semper in loco crebro faceret, oppidani disposito ad
eum locmn tormento puernm ita traiiciont, at membra dissipata
et per agros passim disiecta non reperiri, nedum colUgi potuerint.
Dum haec aguntar, vimineas crates, qnibus Älpham castris
interlnentem suppositis trabibus passim committant, octo pednm
in latitudinem, daodecim vero in longitndinem, ac corbes sen
gerras adyersus tormenta obiectacnla inssn principis pmefecti
militiae in Äprili texunt et magnum carmcnlaram, palamm,
harpagonnm et nncatarnm scalamm nnmemm ad oppngnationem
fatnram comparant. Buricolae quoqne fossores agminatim castra
muniendi causa per vices accersnntur ^; alii ex Ms detrita ^plau-^*p. 496.
stra Stramine et erica, alii vero firmiora fascibus et virgultis
onerata addncere iubentnr, hi ut deiectis fascibus currus secum
reducant, illi autem ut ipsos cum oneribus in castris relinquant \
Princeps praeterea, ut müitaris disciplina in castris vigeat,
3. Maii satrapis et praefectis per totam dioecesim edicto prae- s. mul
cipit, ut miütes sine ducum suorum commeatu signa deserentes
et defectionem molientes tanquam transfugas intercipiant et
captos poenae reservent atque ita viarum rationem circumquaque
habeant, ne miles non auctoratus et in militumi numerum as-
scriplus sine fide publica in castra commeare permittatur*.
Inde Bastwilhelmus, infumibulorum rasor, cum inter portas
Horsthanam et Mauritianam in loco valli sibi a militiae prae-
fectis assignato vigilias noctumas ageret, subita visione et in-
usitata voce excitatus atque animatus est, ut impiorum urbes
') Ebenso Job. Fabricius Bolandus Bl. L3^.
•) Der Befebl des Bischofs stiefs bei den Baaem auf heftigen Wider-
stand. Infolgedessen ordnete der Bischof in einem Erlafs an die Amtleute
vom 11. April aus Wolbeck an, dafs Jeder, der sich nicht zu Schanzarbeiten
vor Münster einstellen wolle, verhaftet werden solle. Am 15. April schon
folgte ein abermaliger dahingehender Erlafs (Konzepte im St.-A. M.).
') Yergl. dazu das bischöfliche Schreiben an die Amtleute vom 20.
April aus Wolbeck (Konzept im St-A. M.).
^) Konzept eines dahinlautenden Befehles des Bischofs vom 2. Mai
im St.-A. M.
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590 Anno 1534 acta.
flammis passim perderet. Proinde publica anctoritate et com-
meatn impetrato eo animo exivit, ut Woltbecae, Telgeto, Alenae,
Dnlmaniae aliisque finitimis oppidis flammas iniiceret. Et cum
Woltbecae magna polveris tonnentarii recens advecti aliarnmqae
rernm ad bellum et obsidionem comparataram esset copia, pri-
mom snscepti incendii experimentum in eo oppidnlo facere ten-
tavit. Admoyet itaqne tectis faces magnamque oppidi partem
<i6. April.) sine pnlveris tamen aliarnmque rernm bellicamm exitio exnssit \
Paganornm enim nndiqne accnrrentiom mnltitudine, anteqnam
pnlveris repositorinm ignis pertingeret, incendinm restinctnm
est. Incendiarins yero clancnlnm sese inde Dremstenfordiam snb-
dnxit, nbi ex levi suspicione apprehensns factum fatetur. Inde
flagitii daturus poenas Woltbecam reducitur. Beligatus ergo ad
postem igni, quo aliis nocnit, suffocatus et exustus periit di-
') Als Datum des Brandes von Wolbeck ergiebt sich der 16. April
aus einem Briefe des Bischofs an G. y. d. Recke und andere seiner R&te
aus Horstmar vom 17. April (Orig. im St.-A. M.), in dem es heifst: „Wy
hebn den brant, so gisteren tor Wolbecke yn unsen affwesent gescheit, myt
beswerten gemoeto nicht gerne gebeert. " Der Bischof befiehlt, sofort den
Hauptmann Koritzer mit hundert Knechten nach Wolbeck zu berufen, und
ordnet umfassende Yorsichtsmafsregeln an. — Kurz ist der Brand erwähnt
in der Bischofschronik (M. G.-Q. I, 335) : „Se mackeden einen vorreder uth
und mortbemer, de Wolbecke uthbrandede." Aehnlich sagt D. Lilie S. 232:
„Noch beslotten de boven in erem raide, se wolden itlike uthmaken, de
«olden ummeher de stede, dorper unde huser affbernen, dar ein mede ge-
west, de datsulvige vullenbrachte unde dat fleck tor Wolbecke anstickede . . .**
Der Name des Mordbrenners findet sich aufser bei Kerss. nur noch im
^Bichtboeck**. Die betreffenden Verse lauten dort (S. 7lv):
^Bast Wilm schorstenfegger is auch nüt uth Munster gegangen,
He heft up mordbrennen van den Mönsterschen geld empfangen;
He heft dat fleck Wolbeck met lunten gebrandt,
Danah is he gefangen aUthohandt
He heft dat stadlein Wolbeck angestecken.
Oot moste davan seine live trecken.
He is vcrbrandt und heft sinen loen entfaen,
Danah als he hadde by dem stadtlein Wolbeck gedaen.
He mende da bussenkruth tho finden in den kercken,
Dat wolde he anstecken und dar groit ungluck und schaden mit wercken.
De kercke is averst nich angegaen,
Und dat pulver heft tho der üed up der borg gesthaen.''
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Anno 1534 acta. 591
gnamque factis snis poenam dedit \ Hie etiam in carcere Theo-
dorico a Mervelt, satrapae Woltbecano, ad rem aliquantulum
attento diflferendi forte supplicii causa persuasit in süvavicina,
qnae ferarum hortns seu saltns dicitur, designato certo loco et
in casnla, qua Monasterii in vallo excabias agere solitus sit,
thesauros defossos esse, ütmmqae ergo locum, illnm ante cap-
tam, hunc vero post captam nrbem sollicite magnoque studio
scrutatus est; sed deceptus nihil praeter *terram reperit. »p. 497.
Interea oppidani quotidianis fere conflictatiunculis sese
exercent bostesque terrent^ et maxime 16. Mail inopinatam le. Mai.
eruptionem in castra hostium faciunt ac non paucos, sine magna
tarnen suorum strage, stemunt atque Clymnerum Voerdanum,
Arzeum Lythonium et Hansonem Bechemium secum captos in
urbem abducunt, qui postridie per literas in castra missas' a
suis commilitonibus poscunt, ut colloquendi facultate ab oppi-
danis impetrata cum loanne Bokelsone de commutandis captivis
agant; sibi enim in isto ergastulo diutius detineri permolestum esse.
Cum iam omnia ad bombardas maiores et ad oppugnatio-
nem urbis necessaria comparata et instructa essent^, ne quid
*) D. Lilie a. a. 0.: „Desulvige wordt gefangen unde vor Telget
gesmoket an der snilen unde vorbrandt.^
') Vgl. dazu oben S. 554 f. Am 18. Mai schreibt Konrad Hesse an
die E&te des Landgrafen Philipp in Kassel aus dem Feldlager vor Münster
(M. G.-Q. n, 238) : „Sie fallen auch einen dagh und alle tage in die leger.^
*) Orig. des Briefes des Clymmer van Woerden, Artz van Lyth und
Hans van Beckem vom 1 7 Mai an viele ihrer namentlich angeführten Kame-
raden im Fähnlein Jost van Muyen's im ßt.-A. M. Die Landsknechte weisen
darauf hin, wenn der Bischof die im Scharmützel gefangenen Münstercr
„an syck wolde doin holden unde nicht na kryges rechte gequitet volgen
. . . laiten, dat selve wert uns allen wederum erfaren und gelyck den bro-
deren, wefs enne geschuth, wederum gewarden." Sie bitten um günstige
Antwort und darum, „durch Daniel Gossens gnant Monneke Yrent van den
Bussche sprake to holden, eder anders, wo iw geleveth, mytJohan Bökels
van Leyden vor de porten Jodeveit to verstendigen."
*) Nachdem der Bischof auf dem Tage zu Orsoy am 26. März wirk-
same Hülfe von Seiten des Kurfürsten von Köln und des Herzogs von Cleve
erhalten hatte (beide Fürsten wollten u. a. für einen Monat je zwei Fähn-
lein Knechte vor Münster unterhalten. Ueber den Umschwung der Be-
ziehungen des Bischofs zu den ihm benachbarten Fürsten und über die
Ursachen desselben vgl. die oben S. 529 Anm. 1 angegebenen Ausführungen
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5U2 Anno 1534 acta.
temporis sine annorum exercitio transmittatnr neve turpi otio
miles intra castra langnescat, die Veneris, qaae proxime festnm
«2. Mai. Pentecostes praecessit fuitqne 22. Maii, muros, portas et pro-
pngnacala nrbis freqnentibus ad fnturam oppngnationem ictibus,
qnae die Martis snbseqnenti in crepnsonlo matntino fieri decreta
est, qnatere atqne deiicere incipiunt viamque irrnptionis sibi
aperire contendant^. Qnicqnid antem mnnitionis interdiu ster-
nitur, mnlieres a certis dnctoribns edoctae noctnrno tempore
terra fimoque congesto reparant ac restanrant. Viri vero ad
futnram oppngnationis diem, quam per transfngas didicerant^
von L. Keller), entliefs er die ihm Tom Landgrafen von Hessen infolge
der Zusammenkunft zu Böke (s. oben S. 505 Anm.) zugesandten zwei Fähn-
lein Landsknechte, da ihm ^desses orts der lantzknechte zo vele ange-
kommen*' (Abdruck des bischöflichen Schreibens an den Landgrafen vom
15. April bei L. Keller: G. d. W. S. 3iö). Nach Ablauf der in Orsoy fest-
gesetzten Frist erneuerten und vervollständigten Köln und Cleve ihre Hülfe
für den Bischof auf dem ersten Tage zu Neufs am 7. Mai. Wenn auch
die dortigen Abmachungen (der Abschied ist abgedruckt bei L. Keller
a. a. 0. S. 316 f.; vgl. auch S. 255) die selbständigen militärischen Ope-
rationen des Bischofs sehr beeinträchtigten, da der Bischof an die Zustim-
mung dreier kölnischer und dreier clevischer Kriegsräte gebunden ward,
so ermöglichten sie doch erst ein ernsteres Vorgehen gegen die Stadt und
hatten von vornherein einen Sturm auf Münster im Auge. Zwar berichtet
Konr. Hesse, der im Lager vor Münster die Anstalten des Bischofs zur Er-
oberung der Stadt, zugleich aber auch die Gegenrüstungen der Münsterer
beobachtet hatte, . noch am 18. Mai an die landgräfiichcn Räte in Kassel
(M. G.-Q. II, 237 f.), er besorge, „das der beischaf deis mols die stat mit
gewalt nit erobern werde . . ." Nach Joh. Fabricius Bolandus Bl. LS^,
dem Herrn. Hamelmann S. 1226 folgt, liefs der Bischof um Pfingsten
die Stadt zur Ucbergabe auffordern, erhielt aber eine schroffe Zurückwei-
sung. Vergl. dazu die von C. A. Cornelius (M. G.-Q. II, 241 ff.) ver-
öffentlichten undatierten, aber wohl in diese Zeit gehörigen Schreiben von
Seiten des Bischofs und von Seiten der Inhaber der Stadt Münster.
') Der Bischof hatte am 13. Mai dem Erzbischof von Köln geschrie-
ben (Konzept im St-A. M.), die Beschicfsung solle am 19. oder 20. Mai
beginnen. Vergl. auch den Bericht der Clevischen Kriegsräte an Herzog
Johann vom 16. Mai (M. G.-Q. U, 233). Dafs die Beschiefsung thatsächlich
erst am 22. Mai begann, bestätigt der Brief des Bischofs an die hessischen
Räte zu Kassel vom 26. Mai (M. G.-Q. II, 244).
*) „Dan leider," sagt auch D. Lilie S. 233. „grote vorrederie is
darbuthen gewest, dat se binnen Munster gewamet worden unde wüsten,
wanner de dach was angesatt, dat men stormen wolde.**
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Anno 1534 acta. 593
sese armant, neqne qnicquam, qaod ad repellendos hostes utile
yisnm est, intermittitnr. Nee dissimili studio miles urbem op-
pugnaturus in omnibus castris se instrnit et a ducibus iura-
menti praestiti et priscae fortitudinis admonetur. Ipsi etiam
proposita opimae spe praedae se mutuo aniioant. Geldri autem
non solum verbis mutuis, verum etiam spumantibus et plenis
calicibus epotis animos sibi conciliant, omnesque mortis terrorem
largo mero cervisiaque excutiunt non intelligentes consilii ratio-
nem bis eztingui neque fortitudinem, sed audaciam ac temeri-
tatem augeri. Hl itaque cum diem Lunae totum pocula con- S5. Mai.
trectassent et tarn strenue potitassent, ut neque discrimen die-
rum neque vespertini neque matutini temporis haberent ratio-
nem, ante solis occasum spe praedae praeripiendae et inanis
gloriae cupiditate adducti, cuius appetentes plerique esse existi-
mantur, ingenti strepitu et clamore sublato oppugnationem aliis
castris ignorantibus praetentant et, quantum per ebrietatem *li-*p. 4d8.
cuit, armis, scalis aliisque machinis urbem adoriuntur^ übi
vero Qeldrorum oppugnatio per reliqua castra nunciaretur, ad-
mirantur primum ipsos temporis decretae oppugnationis oblitos
esse ; ne tamen soli impressionem sustineant, ex omnibus castris
praesidil ferenda gratia fit irruptio, et multorum oppidanorum
tela in se quoque proyocant atque ita hostUem impetum unitum
dispertiuntur et dissipant. Sed ubi nox intervenisset, duces
receptui canunt et ad castra suos milites superstites revocani
Plurimi autem eonun in ista impressione irrita desiderati sunt^
') Dafs die Knechte ans dem Geldrischen Lager den vorzeitigen An-
sturm wagten nnd das Zeichen znm allgemeinen Angriffe nicht abwarteten,
berichtet Eerss. in U^bereinstimmnng mit Joh. Fabricins Bolandns
Bl. MS^ff. Vgl. auch D. Lilie S. 233. In dem Briefe des Bischofs an
die hessischen R&te in Kassel Tom 26. Mai heifst es (M. 6.-Q. U, 244):
„Es hat sich aber zugetragen, das etzlieh getrunken knechte gestern nackt
umb die elf ur unversehentlich und über den abscheit^ unbewust der uber-
sten Teltheuptleute, die stat angefallen, und im selbigen anlauffe die knechte
dorch die Inhaber der stat widder abgeslagen.^
') Das Schreiben des Bischofs an die hessischen B&te in Kassel giebt
an, dafs die Zahl der gefallenen und verwundeten Knechte sich auf 200
belief^ ebenso ein Brief der clevischen Kriegsrftte (M. 6.-Q. II, 243). H.
Dorp BL E3^ der den Sturm zu Pfingsten nur ganz kurz berührt, sagt,
14
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504 Anno 1534 acta.
cum ex oppidanis tantum Antonius Guldenarm et Henricus
Merschius cum octo aliis gregariis Interierint \ Si omnia simul
castra decreto tempore omnibus rebus paratis irraptionem ten-
tassent, felicius res forte cessissent.
Ex hac recenti yictoria cum oppidani feliciter suarum vi-
rium periculum fecissent, audaciores redditi multa in hostimn
pemiciem callide machinantur. Frimum enim iuxta portam Jude-
feldanam ex urbe per aggerem cumulum agunt eumque lignis
robustioribus intus, ne agger subsidat, fulciunt et fossam utram-
que ponticulis iungunt^ Per haue viam hostibus incognitam
oppidani aliquot animo quam viribus maiores urbe exeunt operas-
que inter se partiuntur. AUi enim chalybeios clavos, alii ferreos
maUeos, alii grandiores secures, alii strictos enses, alii bipennes
ferunt et, ne hostis eorum adventum praesentiat, proni per ter-
ram usque ad hostium stationem et vigilias diumas repunt. IM
praeter spem in hostium stationem diumam subito irruunt,
quosdam alea ludentes, quosdam potitantes alindve praeter offi-
cium suum agentes inermes armati opprimunt et eos, qui sibi
fuga salutem non quaesierant, priusquam arma corriperent, ado-
riuntur, sternunt et mactant. Alii clavos chalybeios foraminibus
parvis novemdecim bombardarum intra vineas dispositarum, per
qnae^ ignis inmiittitur, aptant, alii ferreis malleis eos, quanta
vi possunt, adigunt, alii rotas tormentorum receptaculaque se-
curibus secant et, quantum tempus patitur, omnia frangunt, cor-
rumpunt et perdunt. Pulverem etiam nitratum in magna copia
ibi repertum passim per arenam spargunt*. Interea pervallum
>) Ms,: qnem.
der Bischof „gewan aber nichts denn eitel verderben seines volcks, sonder-
lich der Meisner, deren seer viel nmbkamen/
^) Das berichtet nur Eerss. Im Gegensatz dazu sagt H. Gresbeck
S. 53 : „. . . nnd die wiederdoepers lieden ock schaden in der stat und*
lietten viel doden. Auf demselven storm lietten die wiederdoepers mehr
fichaden, dan sie lieden up dem lesten storm.^
") Vgl. dazu H. Gresbeck' 8 Bericht S. 56 f. u. 177.
') Den Ausfall zur Yemagelung der feindlichen Geschütze erwähnt
auch H. Gresbeck S. 52fr. Ebensowenig wie Eerss. giebt er für den-
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Anno 1534 acta. 595
et propngnacülum nrbis bombardae cancellis ferreis e porticn
maioris templi raptis et frastatün dissectis gravide in hostinm
adventum et perniciem disponuntur. Cum vero ista *strages»p. 499.
per nnmn ant alterum forte militem, qoi sibi fuga salutem
qnaesierant, in castris nunciaretur, tota castrorum vis emmpit
oppidanosqne persequitar, sed propius ac intra bombardarom
iactnm bostium versatam calliditatem metuens progredi non
andet. Cmn vero oppidani bestes fraudis ignaros ad locnm, ubi
pulvis per arenam esset sparsus, irritando perduxissent, protinns
ignem in pulverem iaciunt. Ibi milites in mediis flammis stantes
attoniti miserrime ambusti sunt; reliqui vero milites tristissimo
isto suorum spectacnlo territi subsistunt ignemque divinitns im-
missum existimantes oppidanos persequi non atident, ne similis
sibi aut maior calamitas contingat. Castra itaque repetunt suo-
rum semitostorum reditum expectantes. Oppidani autem ridentes
€t securi iam ab bostium persecutione per cuniculum, unde vene-
rant, in urbem regrediuntur. Incomparabilis fuisset haec tor-
mentorum iactura, nisi cuiusdam viri singulari artificio ac agili
selben eine bestimmte Zeit an. Jedenfalls ist hier der Ausfall vom 16. Mai,
also zeitlich vor der ersten mifslungenen Bestürmung der Stadt gemeint.
In einem Briefe vom 19. Mai melden die kölnischen Eriegsräte ihrem Erz-
bischofe (Orig. im St.-A. Marburg): „. . . am sampstagh (16. Mai) sindt die
von der stat am Gellerschen leger heraus gefallen, haben die in der schantze
in die flucht gestochen und zehen stuck buchssen, darunter e. churf. gn.
noitslange ein waren, vemegelt und sex par reder zum geschutz zerheuwen
imd den Guilischen bussenmeister erstochen. Ist aus versumnis geschehen;
man wirt hinfnrter befs zusehen." Vgl. dazu das Schreiben der clevischen
Kriegsräte an ihren Herzog vom 16. Mai (M. G.-Q. II, 234 f.), nach welchem
«m selben Tage von den Münsterschen bei einem Ausfall „etlich feltge-
schutz, nemlich 18 stuck vemegelt und darzu noch ein notschlangen u. g^
h. van Collen zustendig, femer etlich reder an den wagen zerhouwen und
•das bulver by 2 donne angestochen** wurde. Sie haben am 16. Mai, schreibt
auch Eonr. Hesse am 18. Mai an die landgräflichen Räte in Kassel (M. G.-Q.
n, 238), „11 stucke buxen vemagelt, die redder zurhawen, etlich bolver
genomen, etlich lot in graffen geworffen und domit wederum in ir gewor-
sam gezogen.** Von 26 vernagelten Geschützen hatte der Herzog Ernst
von Lüneburg gehört (s. dessen Brief vom 29. Mai an den Kurfürsten
Johann Friedrich von Sachsen, M. G.-Q. 11, 247).
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596 Anno 1534 acta.
terebello reserata foissent^. In hac expeditione plorüni quidem
milites, sed 14 oppidani desiderati sunt^.
Qnadraginta circiter passns a porta Maaritiana tnnmlas
est, cüi mola flatiUs imposita erat. Hunc retincti muniunt^
nnde militem incautom saepe ex insidiis adoriuntor et mactant.
Miles vero frandes oppidanomm, qxü muris sais non content!
foris etiam defensacnla erexerant, aegerrüne ferens ipsos inde
detnrbare constitait. Id cum magna vi tentasset, post mnltos
^^ jimi.r' tandem sndores et clades snomm defensacnlo potitus omnes re-
tinctos ibi repertos ad nnmn tmcidavit^. Corjtzero, dnci mili-
tnm, in hac oppressione fortiter pngnanti iactns lapidis hostili»
altemm oculnm excnssit Monocnlas militiae renunciavit Bey-
namque reversus reliqnos vitae dies militia vacans tranflegit.
Hnic antem Hanso Teckelenbnrgicas snccessit.
Qnotidianam hanc militnm cladem atqne has frandulentaa
oppidanomm emptiones princeps intolerantissime fereas cnm
militiae dncibus singnlis vero diebas non solnm de capiend^
nrbe, verum etiam de petulanti oppidanorum audacia coercenda
et publice et privatim consultat. Aliis hoc, aliis vero illud con-
sulentibus quidam miles nomine Offerkampius^, gerrarum seu
^) „Aver doch, so sagen die oversten,^ schreiben die elegischen
Eriegsräte a a. 0., „sie wellen die stuck von stand wieder ganghafdg^
machen ,, .^ Und Herzog Ernst yon Lüneburg meldete am 29. Mai a. a.0.,
er habe erfahren, „das man dennoch das maiste vom geschntz, als vor^
nagelt, die znntholler wider gemacht^
•) Im Briefe der clevischen Rate a.a.O.: „. . . und wie der attelerj-
mester nnsers g. h. von Monster s. g. ertzalt, so sien zu beiden teilen zu-
samen ungeferlich bifs in 30 toten gebliven, und fomemlichen uls der stat
die iene, welche den schaden getan. ^ H. Gresbeck S. 52 sagt nur in
Bezug auf die Wiodert&ufer: „Dair lieden sie viel doden over mit dem.
aftoch, dat sie weder wolden in die stat trecken.*'
') Vgl. dazu H. Gresbeck S. 55 und den Brief des Eonr. Hesse
an die landgräflichen B&te zu Kassel vom 23. Juni (M. G.-Q. II, 255), aus
dem sich als Datum des Kampfes der 19. und 20. Juni ergiebt. H. Gres-
beck fugt seinem Berichte hinzu, dafs die Bischöflichen den Mühlenberg
behielten, „so langh als dat leger for der stat was, wente dat sie die
blochuiser mackeden.**
^) Zum Folgenden vgl. Job. Fabricius Bolandus BLQ4vu. Q5.
Offerkamp stand frfiher in hessischen Diensten. Konr. Hesse berichtet am.
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Anno 1534 acta. 597
vineamm in castris Mauritianis pfaefectus, novnm genns expn-
gnandi comminiscitnr, qao aliquot arces, oppida et castra de-
yicta esse militiae dncibns persaadet. Erigendnm esse in vacnis
campis aggerem emnqne agricolarum *opera panlatim ad nrbem »p. 600.
agendum, quo fossae impleantur; ita fore, ut miles sine magno
negotio scandendi difficultate sublata recta et explicata acie in
nrbem eat. Hoc ubi Offerkampii consüium utile compendium-
que belli futurum militiae praefecti iudicassent, quamvis quidam
contrarium sentirent, principis quoque auetoritas facile impe-
tratur, qui agricolas dioecesis ad operas futuras in catervas seu
certas partes distribuere iubet, ut catervatim acciti et manticis
ex humeris dependentibus commeatu adversus triduanam famem
distentis muniti palisque ad fodiendum terramque coacervandam
instructi vicissim adsint \ Noctumo itaque tempore inter portas
8. Juni an die landgräflichen R&te zu Eassel (Orig. im St-A. Marburg):
jyEs ist ejner genandt Offerkam, der m. g. f. dyner formals gewefsen ist,
der dem schuffenemester mjt dem ejnen äuge zu Cassel stach, dar über
er den hott zu der zeit muTsen entloffen, derselbig hot m. g. h. dem bei-
schaf angegeben^ er wol ym eyne bercke nach der sthadt graben, das er
jm lut zugebe, die da graben. Das gescheidt nu also/ — D. Lilie S. 222
führt an, dafs der Bischof gegen Ende des Jahres 1533 ,,eine grote cor-
touwen dorch einen Tenler genant OfTerkamp up dem Hagenberch to Iborch
leith gelten, genant de Flegengeist.*
') Der erste Befehl des Bischofs an die Amtleute, dafOr Sorge zu
tragen, dafs sich Gräber Tor Münster einstellten, erging am 3. Juni (Kon-
zept im St.-A. M.). Bereits am 5. Juni melden die clevischen Kriegsräte
ihrem Herzoge (M. G.-Q. II, 251): „das nu etlich anschlege mit graven ge-
macht und furgenommen werden, dordurch man yermeint, den ufsersten
graven Tor der stat Munster an etlichen orten zu füllen und den ufsersten
Wal für das erst inzunemen." Am 7. Juni schreiben sie (a. a. 0. S. 252),
es seien „ungeverlich bj den 600 buren ufs dissen landen hir gewesen und
hayen heftig gegraven; derglichen sollen noch dissen avent andere mehe
ankomen, alsso das man verhoft, das fiirgenomen werck, wie es sich noch
ertzeigt, solle sinen vortgangk gewinnen/ Doch war der Zuzug an Gräbers
nicht den Wünschen des Bischofs entsprechend grofs genug (so hatte sich
z. B. am 6. Juni Coesfeld, am 13. Juni Ahlen geweigert, Gräber zu schicken
[Originale im St.-A. M.]). Am 18. Juni erging daher ein abermaliger bi-
schöflicher £rlafs an alle ÄmÜeute, sie sollten ohne Säumnis alle ihre
„bevolen amptz undersaten man by man, behalven dat de twe kotter den
derden steUen und uthmaken, by hogester straeff lyres und gudes* iiur
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598 Anno 1534 acta.
Horsthanam et Manritianam ad iactnm fere teli ab nrbe parras
et hnmilis qnidam agger erigitnr, qni mnltitndine telluris et
agricolamm assidno labore fit maior altiorqne. Disponnntnr
autem per Offerkampinm, hnias rei praefectmn, agricolae in tri-
plices, quadruplices, qnintnplices aut plnres, prent molis alti-
tndo reqnirebat, ordines; atqne sie infimi ordinis fossores imam
terram a radice aggeris raptam secnndo ordini atqne ita dein-
ceps inferiores proximis semper snperioribns adiicinnt. Snpremns
vero ordo terram ab inferioribns sibi datam in* cacnmen valli
transmittnnt, semper tarnen tantnm aggeris extantis pro se re-
tinebant, qnantnm ad tntelam corpomm snomm snfficiebat, ne
oppidanomm iacnlis sternantnr. Qnidam tamen interdnm novi-
tatis avidi capita altins snpra valli cacnmen exerentes et ocnlis
ad civitatem deflexis, qnid hostis agat, contemplantes hostilibns
telis transfossi cadnnt. Oppidani consilinm obsidentinm sen-
tientes contra ingentes instar montinm terreas moles erignnt
easqne praeacntis ac deorsnm inclinatis sndibns ad arcendnm ex
imo ascensnm in cacnmine foris snpeme mnninnt et trabibns^
») fMt im Ms.
Feldlager vor Münster senden (Konzept ebendas.). Nachdem der Bischof
am 4. Juli einigen Amtlenten angezeigt hatte, dafs etliche Tausend Gräber
aus dem Stifte Osnabrück vor Münster ziehen würden, befahl er zum 17.
Juli über 3000 Bauern aus dem Stifte Münster abermals zu den Graben-
arbeiten für drei Wochen. Schon am 12. Juli konnte Albrecht KrengelL
den landgr&flichen R&ten in Kassel melden (Orig im St-A. Marburg), »myt
dem graben . . . geitz myt allen krafften voirthan in gantzer vertroistynge»
. . . damyt ... die graben an der stadt myt den wellen aUszambt zo ver-
gleichen und alszo straecks dar ober in de stadt zo faUen und damyt zo
eroeberen.^ Weiter schreibt Herzog Ernst von Braunschweig-Lüneburg an
den Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen am 22. Juli (M. G.-Q. 11^
264), es seien „dag und nach 3000 bauren, die grabben, und main diener
saget mir, das sie des dages ungeferlig ainen schuech rucken mit der erden;
achtet vor Michelis die grebben nich gewuellet." — Ernstlichem Wider-
stände begegneten die Befehle des Bischofs auf Stellung von Gräbern nur
im Amte Yechta, wo es im Juli zu einer förmlichen Verschwörung der
Bauern kam, die aber rechtzeitig durch die Energie des Bischofs unter-
drückt wurde. Vgl. dazu die Ausführungen von C. A. Cornelius in den
yMittheilungen d. bist Vereins zu Osnabrück** 3. Jahrg. (Osnabrück 18ö3>
8. 54 ff. S. auch weiter unten zum Februar 1635.
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Anno 1534 acta. 599
lapideis statnis a sarcophagis e tempUs passim raptis ^ ita intns
infeme fnlciunt, nt meatas et cnnicnli subtns relinquantur. Sic
autem istae moles prominent, sie extant, sie extra onmes muni-
tiones excnrnmt, nt oppidani missilibns omnem vim hostinm
etiam a fossis prioribns &cile arcere qneant. Improbo tarnen
labore, qno magna aestatis pars transigitnr, agger Offerkampii
ad priores fossas volvitnr, supremnsque agricolarum ordo tellurem
in fossas praecipitat. Qnam rem oppidani dissimnlanter aliqnan-
din sustinneront, ut sua quiete bestes propins snb telomm
*iactum allicerent. Cum vero eam ininriam diutius sibi non fe-*p. 501.
rendam esse existimarent, primnm ex adverso Offerkampiano
aggeri ballistas erignnt, qnibus magnam saepe silicnm copiam
exentiont et superne in agrieolas spargnnt, inde ex transversis
propngnacnlis et moUbDs reeens extmctis tanta mnltitudine tela
iacinnt, nt in aggere consistendi potestas sit nnlli, neque nllom
fere iacnlnm ex locis editioribns missum irritnm fait^ Aliis
igitnr interemptis, aliis vulneratis, aliis vero ex novo opere de-
torbatis consilinm Offerkampii non solnm fmctu caruit, verum
etiam agrieolas immensis laboribus et sumptibus attrivit pluri-
misque intemecionem attulit' et pratorum dominia confudit.
üt autem certa ratio exeubias agendi in urbe habeatur^ seni-
ores 13. lunii eonmiuni eonsilio senes, ludimagistros^ sarcina- is- Ji>^*
») Vgl. anch oben S. 554. — «) Vgl. dazu den Bericht H. Gree-
beck's S. 56f. Uebor einen erfolglosen Ausfall der Belagerten am 7.
Jnni, mn die Arbeiten der Gräber zn verhindern, schreiben die clevischen
Rfite an demselben Tage (M. G.-Q. II, 252).
') Seine Schildemng der Ergebnislosigkeit des Offerkamp'schen Unter-
nehmens schliefst D. Lilie S. 240 mit den Worten: ^Hefft en nicht vele
bathe gedain ; wante darbinnen höhende boven gewest sin, de meisterliken
in dem krigeshandel vorfaren, also dat men enne dat to moste geven, so
se eine rechtverdige sake hedden vorgehadt, men solde se altosamende
vor allen krigesluden gekronet unde to ridder gesclagen hebben . . .**
*) Zu den allgemeinen Verordnungen der Aeltesten über die Wache
vergl. oben S. 582 Art. 4 u. 5 und S. 583 Art. 9 u. 10.
*) lieber die Schulen berichtet H. Gresbeck S. 47: „Sie hebben
eck vief ofte seess scholen upgeschlagen in der stat Üair lereden die
kinder und die iungen und medekens. Dieselve meisten leren die duitsche
sahnen, schriven und lesen, AI dat gene, dat sie lerden, datselve was al
Ton der dope und na irer weise . . .^
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600 Anno 1534 acta.
tores, febros tarn lignarios quam ferrarios, sutore»», coriarios,
piscatores, pistores, cenrisiae coctores, lanios et eos, qnibns pnbli-
comm mnnemm administratio commissa est, vigilandi onere exi-
mnnt ac liberant. Die vero 17. lunii qnatuor chirurgos yuI-
neribns cnrandis experientissimos delignnt, sdlicet Nicolanm
Lutzenburgum, Albertum Snecanum, Conradnm Noestium et Mat-
thiam luliacum, qni communicato inter se consüio et mntna
opera vnlneratomm caram agant. Ea tarnen sanciis libertas
relinqnitur, ut, qnoscunque chirurgos velint, sibi poscant*.
Princeps praeter opinionem suam bellum illud prorogari
aerariumque suum diuturna obsidione exhauriri animadvertit.
Proinde Coloniensis et luliaci principum praesidia primum sibi
imploranda esse censet. Qui cum ipsi partim rerum suarum,
16. Juni, partim principis nostri causa ad 1 6. diem lunii comitia habituri
Novesium convenerant, legatio quoque Monasteriensis eo mittitur.
Nam princeps ipse difficillime obsidioni abesse potuit*. Huius
legationis haec sunt summa '*^: Cum duobus vicinis principibus,
Coloniensi et luliaco, ibi praesentibus nomine sui principis pro
favore, studio, consüio et benevolentia gratias quam officiosissime
egisset, ipsis ex variis scriptis diversaque legatione sine dubio
constare ait, qua necessitate inevitabili princeps suns Monasteri-
ensis adactus se contra detentores urbis Monasteriensis et hor-
rendam, sceleratam, impiam, seditiosam ac violentam eorum
a) Ms.: suturos.
') Beide Verordnungen sind nur von Kerss. überliefert und woM
derselben Quelle entnommen, aus der er oben die Bestimmungen der
Aeltesten mitteilte.
*) Hier zum ersten Male berührt Kerss. wieder die Beziehungen des
Bischofs zu Köln und Cleve. Vgl. die Einleitung und oben S. 529 Anm. 1
und S. 591 Anm. 4. Nach dem mifslungenen Sturme auf Münster am 25.
Mai hatte der Bischof bereits am 2. Juni beide Fürsten um eine neue Zu-
sammenkunft zu Keufs gebeten, die ihm auch bewilligt wurde. Aus dem
Abschiede des 2. Tages zu Neufs vom 20. Juni (abgedr. von L. Keller:
G. d. W. S. 317 ff.) wissen wir, dafs Bischof Franz neben dem Erzbischofe
und dem Herzoge persönlich zu Neufs zugegen war. Die Unterhandlungen
begannen danach am 16. Juni.
') Das Folgende ist Wiedergabe der bischöflichen Instruktion zum
zweiten Tage zu Neufs (Kopie im St.-A. M.).
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Anno 1534 acta. 601
sectam et doctrinam armaverit ac civitatem necessaria obsi^dione »p. 502.
armata manu cinxerit sperans ipsos, nbi propositom principis
serium animadvertissent, a coeptis snis impiis ac riolentis re-
soltaros, caecitatem et seditionem depositnros, pemiciem et inter-
necionem a se, a coningibns et liberis suis, ab ans focisque et
a tota denique urbe amoturos. Sed cum ipsi tanquam seducti
et excaecati seditiosi ac violenti invasores et grassatores Dei et
omnis honestatis christianaeque pietatis prorsus obliti in suis
coeptis pertinaciter perseverarent neque in minimo resipiscerent,
principem suum ducum militiae et consiliariorum vicinorum
principum in castris praesentium voluntate, consilio et hortatu
urbem tormentis ad faturam oppugnationem concussisse omnia-
que ita ad eam rem necessaria comparasse, ut expugnationem
eins praesidio Dei futuram non diffideret, nisi strategema et
propositum de invadenda urbe consilium turbatum fuisset, ut a
transfdgis postea cognitum faerit. Per militum ergo quorundam
inobedientiam, temulentiam et contumaciam tempus impressionis
praestitutum negligentium expugnationem impeditam esse, quo-
rum protervia princeps praeter colpam et opinionem suam non
exigua militum clade affectus, victoria spoliatus et in hunc usque
diem delusus sit. Hac strage milites ita deterritos esse \ ut, nisi
interior urbis fossa oppleatur, ad oppugnationem non possfnt»
denuo induci. Cum itaque civitas Monasteriensis et natura loci
et hominum industria ita fossis, muris, aggeribus et propugna-
culis diversis sit munita, ita intus bombardis, tormentis, armis
aliisque machinis ad defensionem pertinentibus instructa, ita
muri, turres, portae et propugnacula tormentis deiecta erecta,
restituta et reparata sint, ut milites ab eorum oppugnatione de-
terreantur, principem suum cum dioecesanis aliisque aliunde
transmissis consiUariis ac militiae praesidibus accuratius super
hac re consultando depreh^ndisse se suis viribus ac opibus haue
>) M8,: possunt.
') In der Instraktion heifst es: „und sind dorch snlcken nnfall de
knecht in enen wederwiUen und moeterie gefallen.' Ueber Meutereien der
Landsknechte vgl. das Schreiben der clevischen Rftte an ihren Herzog vom
28. Mai (M. G.-Q. II, 245 f.).
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602 Anno 1534 acta.
dnram et difficilem obsidionem sine yicinonun principnm ac
amicomm ope et praesldio dintius perferre nullo modo posse.
Si vero deserenda sit nrbs, seditiosi relinquendi, impii tolerandi,
ünmensi smnptns sine frncta perdendi, primnm milites, hinc
agricolas circnmquaque, inde oppida et nrbes totins dioecesis,
hinc vicinas qoasqne regiones eadem impnnitatis spe et fidncia
*p. 503. ad se allectaros, allectas iisdem impieta^tibns involntas secnm
in minam et perniciem praecipitatnros multarumqüe calami-
tatnm anctores fdtnros totamqne deniqne Gennaniam insigni
aliqoa clade affectnros omnesqne principes pertorbaturos. Ne
antem tantae calamitatis initinm, si res in deterins vergat (qnod
Dens avertat) a principe sno profectnm esse existimetnr neve
snae negligentiae qnicqnam asscribatnr, qnasi rem pericnlis ple-
nam principibns vicinis non manifestaverit, sed magno eomm
malo ipsos celaverit neqne ab iisdem praesidinm flagitaverit,
ideo prineipem snnm utrosqne, et Coloniensem et Inliacnm, qnam
familiarissime obsecrare, at pericnla fatnra in infandas clades
ex hnins sectae impnnitate emptnras eo, qno yaleant, ingenio
et indicio secom ezpendant et sibi dioecesiqne sno consilio in-
signiqne aliqna ope et praesidio matnre snccnrrant, nt impietate
et rebellione oppressis Monasterienses ad avitam pietatem et
pristinam obedientiam revocentnr ac a vicinis nationibns cala-
mitas et eversio avertatur. Si quid homm impetratnm faerit,
prineipem sunm snmmo stndio smnmaqae volnntate gratias ac-
tnmm et sno tempore aliqna ex parte relatnmm.
Post deliberationem brevem Coloniensis et Inliacas respon-
dent per oratorem*: Se Monasteriensem praesnlem et foederi»
et vicinitatis nomine maxime in hac cansa instissima neqne con-
siliis neqne ope neqne opibns praesidiisve snis nnqnam deser-
tnros, sed, si ipsi molestnm non esse videatnr, obsidionis im-
pensas in parte aliqna latnros, et se simnl pro stipendiis fntnri
mensis in praesidinm snscepti belli qnadraginta florenomm Bhe-
') Den Abschied des zweiten Tages zn Neufs vom 20. Jnni (nach
dem Orig. im St.-A. M. abgedruckt von L. Keller: G. d. W. S. 317 ff.)
hat Eerss. nicht benutzt, wohl aber den Entwurf zur Verständigung (Kopie
im St.-A. M.), der zwischen Köln und Oleve yereinbart war und dann dem
Bischöfe von Münster zur Rück&ufserung vorgelegt wurde.
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Anno 1534 acta. 60a
nensinm millia ad comparandum pnlyerem tormentarinm con-
tribntnros \ ea tarnen lege, nt Monasteriensis princeps cum dioe-
cesi sna tarn pro sorte quam pensionibns persolvendis se obli-
gent. Pro ista benevolentia et decreto legati nomine sni prin-
cipis totinsqne Monasteriensis dioecesis gratias agnnt quam maxi-
mas ; sed, qnid fatnram sit quaeve nltioris praesidii spes expec-
tanda sit, si Intra istnm mensem nrbe non potiatnr, inquinmt
rogantqne principes, ut hac in re animos snos, ne novis con-
yentionibns onerentnr, ntrinque, quid factari sint, declarent. Ad
quae principes: Se consnlere, nt Westphalicae provinciae statns,
quem circnlum vnlgo vocant, ad anxilinm ferendnm, sicnt in
principnm imperii comitiis convenit, soUicitentnr '; a qnibns si
praesidium negetnr, *se Monasteriensi non defntaros. Praeterea*p. 504.
ad militarem disciplinam conservandam, et ne qnid, qnod ad
') Kens, giebt die Abmachung nur nnyollst&ndig. Genauer wird
zonftchst vereinbart, „dath jder furst ein maenth lanck veer dusent tzolde
to nnderholdinge der knechte wil daerstrecken, dar to dnsent greyer be-
tzolden, und dat gelikermathe van mjnen g. h. van Munster vortgefaren
werde; weren in summa 12000 tzolde. To dem vor noittroftich erwegen . . .
dat 10000 golt gülden van allen dren fursten, pulver daer mede upt for-
derligeste to bekommen, uthgelacht werden, de gerorte hulp jderen forsten
tor maent helopen wolde 20000 gülden/ Vgl. dazu den ersten Abschnitt
des Abschiedes a. a. 0., der diese Bestimmung aufrecht erh<. Doch wird
hinzugefügt, wenn innerhalb des nächsten Monats die Stadt nicht erobert
werde, so solle der Bischof mit den Seinen den folgenden Monat das Eriegs-
volk allein besolden, sowie für Pulver und den sonstigen Bedarf Sorge
üragen. Sei Münster auch dann noch nicht gefallen, so hoffen Köln und
Cleve, nach Beratung mit ihren Jjandständen dem Bischöfe „nach noittroft
und raith des obirsten velthauptmans und kriegsrethe mit mehr und groisser
hulf zu stuir und troist zu kumen.'
*) Mit Hinweis auf den Reichstagsabschied von Speier vom Jahre
1528 hatte der Bischof schon am 29. M&rz den Herzog Johann von Cleve
gebeten, die Hülfe des westfälischen Kreises gegen Münster in Anspruch
zu nehmen (Orig. im St.-A. Düsseldorf^ abgedruckt nach dem Konzept im
St-A. M. bei L. Keller; G. d. W. S. 313 f.). Genauer ist in den von
Kerss. benutzten Verhandlungen, wie auch im Abschiede, von einem aber-
maligen Hülfsgesuch an den westfälischen Kreis die Bede. Eine erste-
Anlforderung zur Hülfe war den Kreisständen bereits im April zugegangen
(Akten darüber im St.-A. Düsseldorf^ niederrhein.-westfäl. Kreisarchiv, Kriegs-
handlungen Saec. 16 Nr. 3).
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604 Anno 1534 acta.
l)ellüm pertineat, desideretul: i, consnlitur, nt commnni hornm
trium principnm consilio et anctoritate vir rei bellicae peritissi-
mns, qai toti militiae praesit, designetnr, cni a singnlis hisce
principibns duo consilii cansa in rebus difficilibns et ardnis
-adhibeantnr '. Ad haec, cum in castris et tanta militum col-
lurie enormia saepe flagitia committantur, quibus Dens graviter
offensus yictoriam aut differat aut magna cum castrensium clade
ad bestes transferat, constituitur ab iisdem principibns, ut Mona-
steriensis huius rei curam accurate suscipiat, ne pietas et mili-
taris disciplina castra destituant^ Haec omnia Monasteriensem
principem facturum legati recipiunt ac spondent*.
Bemardus Buxtorpius^, homo andacissimus, solus saepe
urbe egressus et triplici cbjrrobombarda munitus semper fere a
') „Als dusse zake und handel sich etligermathen verwylet und men
•dar yn better versehonge hedde doin mögen . . .," heifst es in der Verhandlung.
*) So die Verhandlung. Der Abschied aber bestimmt, dafs Bischof
Franz zwar oberster Feldhauptmann sein solle; doch „damit dan sein f. g.
der muhe und arbeit etwas erlichtert werde, ^ so wurden ihm neben den
bereits auf dem ersten Tage zu Neufs gesetzten drei kölnischen und drei
clevischen Kriegsräten jetzt noch von Seiten Kölns und Cleves gemeinsam
Graf Wilhelm von Nassau, von Seiten Kölns allein Graf Wilhelm von
Neuenahr und von Seiten Cleves allein Graf Wirich von Dhaun als weitere
Kriegsräte zugeordnet, mit deren Zuthun und Rat „aUe Sachen der itzigen
belegerung und was zu eroberung der stadt Munster dienlich sein mach,
und nichts on dicselbigen, beraitschlagt, gehandelt und ufs geheisch und
bevel derselbigen ufgericht werden soll."
*) In der Verhandlung lautet der Beschlufs: „dat durch de oversten
ein insehens gescheen möge, zulcke misbruck und Unwesen in betheronge
gericht und affgestalt werde . . .'*' Nähere Bestimmungen enthält der Ab-
schied a. a. 0. S. 320.
*) So weit die Verhandlungen. Die letzte sehr wichtige Bestim-
mung des Abschiedes, die aber in den Verhandlungen nicht berührt ist,
war die, dafs der Bischof ohne Vorwissen und Bewilligung der Fürsten
von Köln und Clevo „sich mit keiner anderen potentaten, fürsten odir
Staude in eyniche underhandlung des stifts Munster halb in ander hende
zu stellen . . . begeven odir inlassen, vil minder ubirgeben suUen." üeber
Annäherungen des Bischofs an Spanien-Burgund schon seit einiger Zeit vgL
L. Keller: G. d. W. S. 248 ff. — Der Abschied zu Neufs vom 20. Juni
wurde am 10. August von den sämtlichen Münsterschen Landständen rati-
fiziert (Orig. im St.-A. M.).
^) Das Folgende ist nur von Kerss. überliefert.
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Anno 1Ö34 acta. 60ä
meridie hostes bene potos in se proYocabat, qui, cum potn ad
perseqaendum hostem andaciores redderentur et imprudentius
agerent, a Boxtorpio sobrio stemebantor. Nee nllum intermisit
fere diem, qnin aliquot milites transfigeret. Ubi vero multos
in se irruentes cemeret, per clandestinos meatus viasque hosti-
bu8 ignotas sese subduxit et periculum eyasit. Hinc bombardae
aliquot majores in exmi locum, quo prostrata cadavera iacuerant,
disponuntur, quibus milites cadaverum sepulturae operam dantea
imprudentes traiiciuntur.
Nux etiam fuit iuzta murum in pomerio inter portas
Horsthanam et Mauritianam altissima undique densis frondibus
dependentibusque foliis tecta, in cuius ramis firmioribus ex ta-
bnlis roboreis fit receptaculum, unde plurimi milites iaculis
transfossi exanimantur. Quam fraudem miles aliquandiu non
animadyertit, cum fumus tormentarius ob foliorum ac frondium
densitatem subito evolare non queat. Tandem tamen accuratius
intuentibus dolus proditur. Maioribus itaque bombardis iacu-
lator iste Joannes Nochleus claudus ita cum propugnaculo suo
deturbatur, ut postea non apparuerit.
Non solum autem viri in pemiciem obsidentium et suonua
hostium, yerum etiam mulieres varias fraudes et circumyeniendi
dolos comminiscuntur. Nam Hilla, Pbeiconis filia, Verdi, in pago
non ignobili inter Lewardiam et Snecam, nata*, mulier *eximia*p. 506w
pulchritudine et placidis moribus^ cum forte audisset in con-
cione publica luditb occiso Holopheme Betuliam, Israelitarum
oppidum, ab obsidione liberasse, magna ad simile faciuus perpe-
trandum inflammatur cupiditate, atque huius rei cogitatio adeo
in pectus mulieris descendit, adeo radices in ea agit, ut nihil
aliud et noctu et interdiu agitaret, imo nihil aliud somniaret,
quam mortem principis et liberationem urbis \ neque in se eam
') Die Angabeu eatnimmt Kens, den Geständnissen Hille Feiken's
vom 26. Juni (al»gedr. bei J. Niesert: U.-& I. S. 40 ff.).
*) H. Gresbeclt S. 4ö sagt von ilor, sie »was noch ein ionck
sonderlich koennes mensck."
») Ans dem Bekenntnisse Hille's Tom 27. Joni (s. J. Niesert a.a.O.
S. 44), in dem es heilst: „Item se hebbe dach ader nacht gyn rast no<^
xonwe kennen hebn und ay yn eren gemothe so yelveWich besiwert worden,
Jndytz werk t'doen . . .*
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«06 Anno 1534 acta.
cogitationem minni, sed augeri in dies sentit, nnde coelitus se
tigitari non dabitabat. Qnare ei rei conficiendae totam se dedit
atqne nnam et alteram einsdem patriae feminam primnm, deinde
Bokelsonem prophetam et Enipperdollingam in consilium ad-
hibet, a qnibns ita precibus precioqae incitatnr, ita nominis ac
famae aetemitate animatnr, nt de felici rei saccessn non dnbi-
taret et tarn certam sibi poUiceretur victoriam tamqne flrmam
«tragis episcopalis fatnrae fiduciam conciperet, nt se animo per-
fecisse, qnod restabat agendnm, sibi persnaderet^ Qnid mnltis?
Mnliebri vestitn pervennsto se ornat nativaeque formae splen-
') Hille sagt aus a.a.O., dafe sie „uthgegaen als Judith, den bischop
tho Munster tom teken Holofemus to maken," und dafs sie diese Absicht
„ersten ener £rouwen uth Hollant fkennen gegeven, de er gesacht, dat ze
sick selvest daer in proye, daema den Propheten und Enipperdollinck und
noch enen, den ze nicht to nomen weet, de ze daer to geretzet.** Den letzten
Satz legt Kerss. so aus, als sei HiUe in ihrem Vorhaben durch Johann
Y. Leiden u. s. w. bestärkt worden. Doch ist der Satz auch so zu verstehen,
dafs Hille Johann und die Anderen bestimmte, ihr Vorhaben zuzulassen.
Das bestätigen auch mehrere Wiedertäuferverhöre. Im October 1534 be-
kennt Dion. Vinne (M. G.-Q. 11,275), Hille „sy in Knipperdollinges
huse gewest und den uthtoich gebeden, damit se de fursten umb-
bringen mochte.' Joh. Eloprifs sagt am 29. Jan. 1535 ans (J. Niesert:
U.-S. I. S. 132): „Die Judith zuege wider irer aller raat uss eige-
nem gemuet uss, den bischof umzubrengen.'^ Johann v. Leiden gesteht
am 20. Jan. (M. G.-Q. II, 402) : „Hille Feichen hait er nit uTsgesant, umb
den bisschof zu erwürgen, dan sie hait das selbs vurgegeven und
begert, wiewal der konningh und anderen dar widder gewest
und es für eine phantasei gehalten.*' EnipperdoUing behauptet
im Verhör vom 20. Jan. 1536 (M. G.-Q. II, 404), Hille habe bereits Jan
Matthys mitgeteilt, „die Vader het er in iren sin gesant, das sie doen solt
Als Judith.*^ Unbestinmit sind die Aussagen Gottfried Stralen's (J. Nie-
sert a. a. 0. S. 59) und Beruh. Krechting's (M. G.-Q. II, 406). Der Dar-
stellung H. Gresbeck's S.45, D. Lilie' s S. 243 und der Bischofschronik
(M. G.-Q. I, 335), als sei der Plan zur Ermordung des Bischofs von den.
Führern der Wiedertäufer ausgegangen, widersprechen die eigenen Geständ-
nisse Hille's und die der angeführten Wiedertäufer. D. Lilie ordnet das
Unternehmen Hille's aufserdem chronologisch falsch ein, indem er es in
die Zeit nach der Erhebung Johannas v. Leiden zum König setzt, ebenso
Joh. F a b r i c i u s B o 1 a n d u s Bl. X 3, der das Ereignis unmittelbar vor der
Eroberung der Stadt geschehen sein läfst. Ihm folgt Herm. Hamel-
mann S. 1277 fit
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Anno 1534 acta. 607
dorem arte excolit; inde in coriam graphiariam admittitnr, nbi
non solmn pnblicns civitatis census, vemm etiam omninm priva-
tornm atqne egressomm civiam pecnniae, virginnm matronamm-
qne ornamenta congesta asseirabantnr \ ut tantum anri argenti-
qne, quantum volet, capiat; et annolomm aureomm, qnomm
magna ibi copia erat, datar illi electio. lila vero spiritu sno
vetante nihil honun appetit, sed com a EnipperdolUngo moltis
modis ad ea inyitaretnr, tandem daodecim florenos pro viatico
et tres annulos, qnorom dao gemmas inclnsas habebant, sibi
dari poscitl lUa etiam indusimn ex tennissimo lino insigni
arte a se elaboratmn ac praesentissimo veneno imbutnm muneris
loco adornat, qno episcopum eins rei ignarum eztingaat'. Ita
exornata et exitiali mnnere instmcta 16. Innii in crepnsculo le. Jani.
matntino urbe egreditar, continno a miUtibns capitur, capta
Telgetnm ad Theodoricnm a Mervelt, satrapam Woltbecannm,
abducitur, qni pecnnia, annnlis anreis aliisqne omamentis cn-
stodiae fortassis cansa ad se tradnctis ^ ipsam rogat, qnae causa
Sit, qnod hisce pericnlosissimis temporibos relicta patria sna
Monasterinm sit ingressa, et cur nnnc religionis snsceptae per-
taesa snos deserat? Bespondet^: Se maritnm sanm triginta iam
*) Vgl. oben S. 561 f. — ') HiUe bekennt am 27. Juni, „Knipper-
doUinck hebbe er gelt nnd temnge gegeven.' Anf die Frage, wie viel
Kleinodien und Geld sie bei sich gehabt, antwortet sie: „Dat wette ze
nicht, wo Tele des geldes gewest . . . Der rynge ys dre gewest, twe mjt
steynen, ein sunder steTn.** Enipperdolling gesteht (M. G.-Q. II, 404), ihr
12 Gulden und 2 goldene Ringe gegeben zu haben. — YergL auch Joh.
Fabricius Bolandus a.a.O.
') Vgl. D. Lilie a.a.O.: „Dit wiff hefiFt ein hemmet gehadt, kost-
liken mit golde dorchgetogen unde gesticket, dar inwendige in dem kragen
des hemmedes venin gelacht so behendeliken, dat men des nicht mercken
kondo.'' Sonst ist in keiner Quelle von einem vergifteten Hemde die Rede.
Eerss. und D. Lilie haben als gemeinsame Quelle, wie ich annehme, einen
Bericht, der auf Aussagen Herm. Ramert's zurückgeht. Vgl. die Einleitung.
Von der Absicht, den Bischof durch Gift ums Leben zu bringen, spricht
übrigens noch H. Gresbeck S. 45 und die Bischofschronik (M.G.-Q. 1,335).
*) Die Kleinodien und das Geld „hebbe de droste tor Wolbecke
bynnen Telgeth van er genommen'' sagt Hille aus.
') In den folgenden Angaben schreibt Kerss. zum Teile die Bekennt-
nisse Hille's aus. Vgl. weiter die Darstellungen bei D. Lilie und Joh.
Fabricius Bolandus a.a.O.
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608 Anno 1534 acta.
*p. 506. annos natam, *cui citra snorom arbi triam nupserit, evangelii
causa Monasterium profectmn secutam esse. Nunc yero, cum
se falsa pietatis et religionis specle decipi et assiduis in con-
gerenda terra laboribus in civitate defatigari animadverterit
neque, quem inde tandem fructum habitura sit, intellexerit, se
marito iubente urbe excessisse, pro quo etiam tanquam innoxio
et principis commodum ex animo quaerente tutum exeundi com*
meatum se impetraturam non ambigat, maxime si salutaria ein-
tatis potiundae consilia admiserit seque coram clementer audire
dignatus fuerit. Se candido isto munere, etsi perexiguo et prin-
cipe indlgno, candorem animi et manuum suarum experimentum
declaraturam. Ad principis colloquium se saltem admitti postulat,
si sine vulnere, sine sanguine, sine militum suorum clade urbe
potiri contendant Maritum suum inter proceres civitatis ver-
sari \ quotidianis consiliis interesse, arcana audire et intelligere,
unde oertam urbis potiundae rationem apud se conceperit £t
cum son tarn munus quam omamenta corporis, quibus formae
nitorem auxerat, satrapae suspecta esse coepissent, cur ita compta
exisset, inquirit. At illa respondet: se occasione solitudinis et
mariti in ea parte urbis vigilias habentis consilio praesidioque
adiutam omnia ista sublata sibi reditionis spe secum extulisse.
Persuadet haec satrapae; et parum abfuit, quin eam ad episco-
pum transmisissent, nisi Hermannus Samers, civis bonestus, qui
anabaptisticae factioni minime addictus, sed ut uxorem, liberos
et bona sua praesens a retinctorum rapina tueretur, in urbe
manserat, cum ludith personatam interemendi principem con-
silio exivisse intelligeret (ea enim fama per hominum ora in
urbe vagatur), omnibus intra muros relictis et solius liberationi
principis intentus in summum se yitae discrimen coniicit et
(19.) Jmü. quaesita sibi conmioda occasione 18. die lunii* urbe elapsus ab
^) „Er Maxm sy mjrt Heren Bernde und Enipperdollinck ym raide
gewest,' bekennt Hille, „ze hebbe avers an den wall und anders, gelich
anderen megeden und firouwespersonen, gearbeidet**
*) Nach einem gleich weiter unten auch von Eerss. angeführten
Schreiben des in Münster gefangenen Landsknechtes Caspar Marschaick
an seine Genossen vor Münster (M. G.-Q. II, 254 f.) am 19. JunL Herrn.
Bamert war unter der Zahl deijenigen, die am 26. Mai 152Ö vom Münsterschen
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Anno 1534 acta. 609
hostibüs capitur; et cum ad militiae dnces pertraheretnr can-
samque effugii dicere iussus esset, ille: continuo se in principis
gratiam, cni praesens et certnm exitinm paratum esse sciat, nrbe
egressnm esse dielt. Emissam enim esse intra bidunm noiulierem
a retinctis, quae exitiali munere saluti principis insidiaretur.
!Ne itaque ferant, ut illa ad principem admittatnr; illam enim
esse vaferrimam, tectis fraadibus instrnctissimam et eloqnentia
vix habere parem. Quae antem de commeatn pro marito *suo*p. 507.
a principe impetrando dixerit, cnm maritum in nrbe non habeat,
omnia esse vana, efficta et ementita. Dnbinm proinde non esse,
si ad principem admissa faerit, qnin ipsnm mnnere, qnod secnm
gerit, veneno efficacissimo imbuto incantum extinguat. Hac re
duces vehementer exterriti captivum, si vera referat, bene spe-
rare inbent et snblata omni mora satrapae Woltbecano aliisqne
consiliariis haec nunciant. Qni veneficam in ipsa cnria oppidi
arctiori custodia servantes ipsam ex vinculis adhibitis tormentis
vemm dicere cogont. Dia impatiens cruciatus continno fatetnr ^ :
Se Snecae, in oppido HoUandico, super agnitionem fidei snae,
qnam praecedere oporteat, retinctam et novo foederi initiatam
esse, ideoqne se suis sine salntis dispendio deesse non potoisse;
se exemplo Indith a spiritn Dei et EnipperdoUingo aliisqne piis
yiris mnltis modis exagitatam, nt yenenifero isto mnnere epi-
scopnm extinguat nrbemque ab obsidione tyrannica liberet; qnod
officium si recusasset et snggestioni Spiritus reliquommque pro-
phetarum reluctata fnisset, Deum offendisset^ Sibi ergo satius
esse in manus impiorum hominum, quam iudicium Dei incidere.
Stadtrat in das Fraterhaus entsendet wurden, nm den Brüdern ihre Ein-
nahmeregister und Handwerkzenge abzufordern (vergl. oben S. 131). In
seinem Hause hat sich Johann v. Leiden w&hrend seiner ersten Anwesenheit
in Münster bis zum 25. Juli 1533 aufgehalten (s. oben S. 412).
^) Kerss. benutzt im Folgenden das peinliche Bekenntnis Hille's
Yom 27. Juni und behält die Aufreizimg durch Enipperdolling und Andere
bei. Auf die Frage: „an wem ze gewiseth, to eren vomemen behulplich
t'syn/ sagt sie: „Nemantz, dan alleine geluckes und ungeluckes to ge>
warden; zy ock willich tho liden, wat er overkome."
*) „Hedde ze dat nicht gedaen, ze hedde Got darmedde vertoemt»^
sagt Hüle aus.
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610 Anno 1534 acta.
Qnicqnid sibi poenamm eo nomine irrogatnm fnerit, se pro gloria
Del et salnte animae saae aeqno anüno latoram^.
Haec ubl princeps accepisset, Bamemm conseiratorem vitae
snae agnoscit ideoqne ipsnm loco beneficii non solum e yincnlis
laxare inbet, vermn etiam nxorem liberosqne anabaptismi in-
famia liberat tutosqne in expngnatione pronunciat. Yenefica vero
Bevergernam transvecta mnnere flamma prins exnsto capite prae-
ciso rotae imponitnr, qnamvis magnam sibi mortis secnritatem
polliceri aasa fnerit camificemqne nihil in se inris habitnmm
pnblice dixerit. Qna re intellecta camifex tanta vi tantoqne nisn
fermm in eam strinxit, qnasi non moUem feminae cervicem, sed
annosam qnercnm praecideret^
Caspar Marschalcos, miles gregarins, cnm in conflictati-
nncnla qnadam se adversns oppidanos fortiter defenderet, mnlti-
tndine tandem hostinm circnmdatns, oppressns et graviter vnl-
neratns in nrbem abdnctns est^. Inde cnm ad libertatem pri-
si. Jani. stinam aspiraret, 21. Innii ex snggestione qnornndam oppida-
nornm ad Hansonem Poeckinm, dncem snnm, ad Symonem Pflo-
•p. 508. chinm, signifemm, aliosqne *decnriones et gregarios milites
scripsit*: se misere captnm in nrbe detineri neqne liberari posse,
nisi Hermannns Bamerns pro commntatione in nrbem remittatnr.
Hnic enim oppidani infensissimi erant ea maxime de cansa» qnod
et a se transfngerat et principi consilinm subomatae Indith pro-
diderat; itaqne enndem ad poenam reposcebant. Bespondent
28. Juoi. 23. Innii ^: Se anctore principe omnia, qnae ad liberationem
*) „Eth solle ze g3merley van dem waerde Götz und erer seien
zelicheit dringen, pyne ader doeth; jedoch offt ze waerynne errede, wil
ze sick gerne myt dem waerde Götz underwisen laten.'
^) Aehnlich Joh. Fabricias Bolandus Bl. X4. Yergl. anch H.
Gresbeck S. 45f. Kach D. Lilie S. 245 fand die Hinrichtung auf
dem Galgenberge bei Bevergem Statt.
') Am 20. Juni. Vgl. den gleich von Eerss. angeführten Brief Caspar
Marschalck's. — *) Orig. im St.-A. M. Abgedr. M. G.-Q. II, 254 f. Das
Schreiben trägt als Datum „den mandach, 21. Junii 1534/ doch fiel der
21. Juni auf einen Sonntag.
*) Orig. im St.-A. M. Der Brief hat als Unterschrift: „Albrecht von
Polszick, hoepmann, ... Hans Poock, hoepmann, Symon Ploch, venrych,
und ander bevelsluede und lantzknechte ytzundt vor Munster.**
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Anno 1534 acta. 611
commilitonis pertineant, actnros. Principeni autem consultnm
respondisse, si per commntationem alterins gregarii aut sünilis
militis ant pro tolerabili pecnnia redimi queat, se iUi non de-
futnmm; Hermannom vero Bamemm, cum gratiam delicti im-
petraverit, se non remissnram in urbem; se qnoqne similem
gratiam üs factumm, qni intra breve tempus eam petentes nrbe
excesserint *. Principem et se non diffidere, etiamsi Bamems
pro liberatione commilitonis non dedatnr, quin hostes hnmani-
tatis officia militari more capto sint exhibitori, donec per com-
mntationem captivomm oppidanorum relaxetnr, qnod breri fu-
tnmm sperent*. Liberatnr tandem nnins mensis stipendio.
Seniores ergo, ne quis oppidanorum captivitatis pericnlmn
incidat, 23. Innii constitnnnt *, ne qnis Israhelitamm sine pe- is. Juni,
cnliari Dei admonitn et instinctn in hostes irmat; se qnidem
nihil homm sine nmnine divino per prophetae oracnlum prodito
factnros, proinde se qnoqne neminem ad id invitatnros. Si vero
qnis sna sponte in hostes nrbe exierit, se neqne snasores neqne
dissnasores fore. Hinc 23. Innii iidem seniores decemnnt, ne
nlli possessio domns diaconis non anctoribns tradatnr, ne in-
dignis habitatio tribnatnr, nt singulomm Israelitamm ntilitas
et diaconomm potestas illaesa conservetnr^
^) Im Schreiben: „Avers zo Herman Rammert up s. f. g. gnedige
schrifft imde vertroistunge unlanges bynnen Munster geschickt . . . nth
Mnnfter gowccken und gnade begert, sodano geldve und begnadynge zolle
em, ock allen den gennen, de sick doch yn geringen dagen gelickfals er-
tzeigen, vestlich geholden werden.**
') Im Briefe heifst es nur: „Unde willen uns ock daerumme gens-
ligen yerseen, de van Munster werden sick daerentbaven an jnw mit der
daeth yn faer juwes leventz nicht strecken/
*) Nur durch Eerss. überliefert. — *) Auch diese Verfügung der
Aeltesten überliefert nur Eerss. In der „Ordnung** heifst ein Satz: „Die
heuser, die darinnen seind, haben sie geport; wellicher in ainem bösen
haufs war, der bütt die Diacon, die weisen in ein bessers.** Gegen das
Ende zu sagt die „Ordnung**, man habe in Münster die Absicht gehabt,
die Häuser zu verlosen. Mit dem ausgelosten Hause müsse Jeder zufrieden
sein. Wenn Jemandem ein leeres Haus zufalle, „dann so bitt er die Diacon,
die müssen in zu aller notturfft geben, was er behebt.** Ueber den Woh-
nungstausch vergl. auch den Bericht H. Gresbeck's S. 97 f.
15*
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612 Anno 1534 acta.
28. .Juni. Die Solis, quae fuit 28. lunii, Gerardns Smokerus^ Ty-
mannus Groninganns, Georgias Stinthins, Otto Swollanns et
Heino Balderenus, miütes oppidanornm, in aedibns Eberardi
Beymensnjderi nltra tempns iostom consederant potitantes, qnare
hospes ipsos obinrgat domoqne egressus cervisiam promi vetai
Ideoqne nxorem adorinntur, quae et ipsa sese snbdncit. Con-
yersi itaqne ad ÜEimiliam: „Gnni,^ inquit Smokerus, „yestalis et
yelata illa meretriz discesserit^ (nxorem Beimensnideri intelli-
•p. 509. gens), „tn *prome cervisiam, nisi capnt tibi pocnlo stanneo minni
velis!^ Inde famnlnm intervenientem ad promendnm adigunt.
Die vero: „Fratres," inquit, „christiani, non est aequum neque
christianos homines decet ita potitare, ita creatura Dei abuti,
quasi ad perdendam eam sitis nati. Scriptum est enim: ebriosi
non habent partem in regno Dei^^ Ad quae Smokerus: „Omissa
ista concione cervisiam e cellario deprome, nisi cantharo craneum
tuum fundi malis!^ Famulus sibi metuens domo flens egreditur.
Itaque Baldenerus ^ cervisiae xmam mensuram e cella adfert. In-
terea hospes domum reversus: „Itane, fratres," inquit, „iura ho-
spitii in libera civitate violatis?" Bespondent: „Tu verbero ac
') Es ist Gerhard Münster mit dem Beinamen „de Smocker,*' der,
wie Eerss. oben S. 524 berichtete, Yom Bischöfe zum Hauptmann des Fufs-
volkes angeworben war (Notiz über seine Annahme yom 4. April im St-A.
M.) und später zu den Münsterschen überlief. Das schon oben a. a. 0.
Anm. 5 angeführte Schreiben der clevischen Kriegsr&te an ihren Herzog
vom 16. Mai (M. G.-Q. 11, 234) läfst es noch unbestinmit, ob Smocker
Ueberläufer gewesen oder yon den Münsterem gefangen genommen worden
sei. Ein auf Betreiben des Bischofs Franz vorgenommenes Verhör mit
einem gewissen Krehan, der von Smocker den Befehl zur Anwerbung von
Knechten erhalten hatte (Orig. der Geständnisse Erehan's vom 5. Juni im
St.-A. M.), macht die Desertion wahrscheinlich, denn Smocker sagt darin,
als er von Krehan erfährt, dafs derselbe von dem Hauptmanne Joh. Hake
in des Bischofs Namen 3 Gulden erhalten habe: „Ich wold, dat du gein
gelt entfangen bettest, und dat wy beide bynnen Munster weren.*'
— Zum Folgenden vergl. den Bericht H. Gresbeck's S. 36 ff., der aber
kein Datum nennt und keine Namen aufser dem Smocker's („Gert Smoester,
und was in der stat gefangen und was für der stat in dem belech gewesen
ein hauptman'). Nach ihm hatten 10 oder 20 Landsknechte das Gelage
gehalten. Von ihnen wurden 6 ihrer Ausschreitungen wegen mit dem Tode
bestraft. — *) 1 Cor. 6, 10, — •) So im Ms.
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Anno 1534 acta. 613
trifdrcifer, satis diu has aedes rexisti! Cmn omnia nobis sint
commnnia, regendi vices penes te non erunt!" Qnerelam huins
yiolenti facinoris Beimensniderns ad seniores et patres nrbis
defert, qnoram inssn continuo capiuntur et ultima lunii in pn- so. Juni.
blico indicio morti adindicantnr. Fnit antem novom hoc et
exemplo carens snpplicii genns. Nam in campo dominico a tilia
ibi nata nnmella yersatilis dependet. Hnic singnli ex ordine
coUa sna insemnt atqne ita religati tormentis ab astantibns
traiicinntnr vitamqne miseris modis fininnt. Nee deerant iaca-
latores in necem miserorum parati. Nam cum propheta crnento
isti spectaculo astans acceptissimnm hnnc Patri coelesti diceret,
cnins prima mann flagitia e medio Israelis toUantur^ certatim
tiliae alligatos sphaemlis bombardicis perforant. Hoc novo snp-
plicii genere ita oppidani in officio coercentnr, nt contra decreta
seniomm et prophetae ne mntire quidem andeant.
Scriptum privatum Gtermanicis rythmis incerto auctore confectum
et Monasterio eiectum*, cnins haec epigraphe:
„Militibns omnibnsque candidis Monasterinm obsidentibns
S.! Dens omnipotens, omninm rerum initium, snggerat mihi
mentemqne meam iUnstret, nt vos induratos et excaecatos ho-
mines ita meis scriptis commoveam, ne in tam crudeli tyrannide
perseveretis. *Si Denm verbnmqne illius perseqnimini, vestri*p. 510.
conatns emnt irriti et inanes. Sed illud non tam vobis sangni-
nariis canibns, sed illis, qni vos aliter docerent, imputandum
est. Hnins rei episcopus vester dnx est, qni vos ad eam tyran-
nidem exercendam invitat. Hnic armatam vestram operam ad-
dixistis, quem anargymm esse scitis \ Stipendium enim vestmm
*) Den Ausspruch „Wer nu Gott ein dienst thun wil, der thu den
«rsten schofs" legt auch H. Dorp BL E4^ dem Propheten in den Mund,
aber erst bei Bestrafung der an dem weiter unten yon Kerss. geschilderten
Mollenheckeschen Aufstand beteiligten Burger.
*) Das deutsche Gedicht ist bis heute noch nicht aufgefunden.
') Der Drost £. v. d. Recke zu Hamm hatte schon am 14. April
dem Herzog von Cleve Mitteilung gemacht, wie Georg Tilmans, ein Bürger
in Hamm, einem Landsknechte auf dessen Erklärung, dem Bischöfe zu-
ziehen zu wollen, zugerufen habe: „Wat wultu dem amechtigen, luzigen
bischope deinen? De en heft gin gelde!"* (M. G.-Q. 11, 227 f.). Auf die
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614 Anno 1534 acta.
a msticis, sacerdotibus et civibns extorqnet Sl episcopns vester
bonnm pastorem ageret, yerbnm Dei maiori studio amplecteretnr;
si evangelicam et scripturam sacram accnratius evolyeret, ad
alind bellnin se armaret. Yidistisne unqnam talem principem,
qxd sine publica belli denunciatione bella gesserit? Verbum Dei
se defensurum promisit; an illud faciat, facta declarant. Acta
Apostolonun perlegat, unde deprehendet Deum baptismum, uti
a nobis usurpatur, instituisse omniaque bona fore commuma
edixisse \ quam doctrinam nos quoque amplexati sumus. Et ox-
periemur, quid ille et vos adversus nos facere possitis. Ignis
coelestis vos eiuret, priusquam verbum Dei se a Yobis concul-
cari patietur. Nonne Paulum coeleste Mgur perstrinxit et ad
terram deiecit, cum cbristianos et verbum Dei satis arroganter
et süperbe persequeretur? Proinde admonitionem admittite et
ezpendite, adversus quem certamen susceperitis ! Christus est»
quem oppugnatis, dominus super omnes principes. lUius prae-
sidio confidentes nos defendemus ; etiamsi numerum arenae maris
exuperaveritis, nihilominus adversus vos sanguinarios et rabidos
canes persistet Dominus et minas vestras ridebit. Haec verba
penetralia cordis vestri tangant, et accnratius apud vos consi-
derate, anne vos diaboli mancipia contra Deum in proelia de-
scendatis. Heu, ad quam caecitatem vos sanguinarii canes deve-
nistis, ut Deum verbumque illius profligare audeatis ! Cur ama-
rulentis bis dictis per contemptum nos exagitatis et frequentibus
vociferationibus lacessitis : „Pater, spiritns mens appetit camem
tuam!^^? Si exacte vobis omnia nostra opera essent cognita»
inomutatis verbis haec pronunciaretis. Sed fugitivi cives de nobia
haec sparserunt vobisque vera esse persuaserunt. Bogate Deum
et flagitia vestra agnoscite et erudimini scriptura sacra; quam
si non intelligitis, huc ad nos concedite! Nos, si vos dociles
*p. 511. praebueritis, scripturam ad *amussim explicabimus. Si vera
interpretatio nostra non placuerit, illud nobis neque commodabit
neque incommodabit. Liberum a nobis quocunque tempore com-
meatum recedendi impetrabitis, neque enim vos invitos retine-
Geldnot des Bischofs hat Eerss. schon oben S. 551 KnipperdoUing in seiner
gTO&en Bede zu Beginn der Belagerang hinweisen lassen.
*) Anspielung auf AcU Apost 2, 38 n. 2, 44 1 — «) Vgl oben S. 589.
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Anno 1534 acta. Clö
bimns. Scimns vobis persnasum esse patrem cnm filia, matrem
cum filio, fratrem cum sorore apnd nos misceri^ Talia men-
dacia fagitivi homines in nos impudenter confinxemnt, qnomm
608 adhnc pndebit, cum tanqnam Sodomitae .et Gomorraei piceis
flammis peribunt. De nostris ininriis sibi iUatis gravissime, sed
praeter meritnm apnd yos qnemntnr. Admonnimns eos solnm,
ut yerbnm Dei amplecterentnr; sed se admoneri non snnt passi,
relictis onmibns instar rabidomm cannm magno sno malo nrbe
excesserunt. Neqne tarnen ipsos, si ad nos reversi Patris nostram-
qne doctrinam amplexi faerint, repellemns. Haec animo benigno
penitins revolvite et hnc ad nos concedite, nbi spiritn et gratia
Dei collnstrati veram verbi agnitionem conseqnamini! Yos nihil
praeter pecnniae vocem somniatis nihilqne praeter pecnniam
mnltis vociferationibns in castris iteratis. Apnd nos vero ex-
cellentiora mnnera vos manent; verbnm Dei, qnod tnrpiter ne-
gligitis, stipendinm erit yestrnm. A vita christiana mores alienos
deponite, ebrietates, fomicationes, idolornm cnltnm et in Denm
blasphemiam fngite! Saepe ad nos mittitis vires bonos, qni de
moribns et vita vestra qnidqne in animo habeatis, certiores nos
reddnnt. Cnr non eandem viam ingredimini? Nam diligentibns
Denm portae nostrae patebnnt; pro hostibns vero nostris ex
calce et pice fercnlnm miscuimus, quo in oppngnatione ipsos
cibabimns et ad satietatem nsqne ora eomm implebimns. Ad-
versus vestrum diabolum ipsiusque matrem, adversus Babyloni-
cam meretricem, adversus volantem spiritum, adversus serpentem
*) So sagt auch die nach dem Beginn der Belagerung nnd vor der
Einführung der Vielweiberei abgefafste Münstersche Parteischrift „Beken-
tones des globens und Icbens der gemein Christe zu Monster'' (M. G.-Q.
II, 459): „Wir heren, das man uns auch . .. zumifst, das wir salten Pla-
tonisch oder Nickelamchs weise der frawen gemein haben undcr einander
mit YÜ undugenden stucken, als ob wir kein underscheid der per-
sonen plutsYorwantschaft solden halden. Aber dis ist...
aler ding erstuncken und erlogen ... Mit den graden der
magschaften holden wir, als di schrift dorvon helt Levit. 18.
Weliche persehonen, die Got yerpeit, diselben lossen wir
ach nit zu, dorzu wo sosten einiche ergernos von kommen
und erwachsen mecht." Vgl. auch die Verordnungen der Aeltesten
oben 8. 580, Abschnitt 6.
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616 Anno 1534 acta.
SwoUanmn^, adversns mortarios, falconetas aliaqae eins generis
tormenta qnam plnrima praesidio Altissimi ntemnr. Plnribns
Yobiscnm agerQ^l, si tempns snperesset. Has autem literas Dei
amatoribns mitto ; pertinaces yero contemno, donec verbnm Dei
ferre discant. Qnotqnot bona operantnr, mala aversantnr, qnot-
qnot spretis hnmanis constitntionibns fidnciam snam in solnm
•p. 512. Deum collocant, conditori omninm in perpetnnm sint *com-
mendati.^
His aliisqne et pnblicis et privatis scriptis oppidani mnl-
tornm militnm in castris Misnensium favorem sibi comparant
et in snam sententiam etiam pertrahnnt, nt nefas esse pntarent
adversns christianos et Deo dilectos evangelicos arma movere*.
') Namen einiger bei der Belagerung verwendeten Geschütze, üeber
das Yom Landgrafen von Hessen gesandte Geschütz „der Tenfel und seine
Mutter'' sowie über die ZwoUcsche Schlange vgl. oben S. 529, über den
^Fliegengeist" I). Lilie S. 222.
') Ganz allgemein sagt H. Gresbeck S. 53: „Und et was nummer
dagh, dair qwemen lansknecht in die stat." — Schon am 5. Juni berichtete
Konr. Hesse den landgr&flichen R&ten in Kassel (M. G.-Q. II, 249), man
erzähle, dafs seit dem verunglückten Sturme über hundert Knechte in die
Stadt gefallen seien. „Es stellen seich," fügt er hinzu, „auch veil knecht
vom hoffen en weich, die seich besorgen, sei müssen weidderum dran . . .
Und wan der beischaf sei nit so hart mit eiden und plichten verfasset het,
werre zu besorgen, das der merrenteil die stunt der kncclit van im abge-
zogen wcrrc." Ein Knecht des Meifsenschen Lagers, der am Beginn der
Belagerung von den Münsterem gefangen genonmien, am 4. Juni aber
wieder aus der Stadt entwichen war, zeigt freilich an, dafs nicht über 200
Landsknechte nach Münster entlaufen seien; „und dwil innen," fährt er
fort, „nit mehe dor binnen gegeven wurt, dan notdürftige undcrhaltung
mit essen, drincken und kleidung, so selten sie wol gern widder heruTs
fallen, wan sie dorften und kunten. Dan die burger die vertraweten inen
nichts" (Brief der clevischen Kriegsräte vom 7. Juni; M. G.-Q. II, 252).
Doch schon am 23. Juni schreibt Konr. Hesse abermals nach Kassel (a. a. 0.
255): „Der hoff van den knechten weirt klein, dan es stellen seich feil
heimlichen enweck ... Es werden auch eitzunder etzliche vam adel der
Meifsener auch enweck zcien." Ebenso am 27. Juni (a. a. 0. 263) : „Die
knechte versteln seich hei sere enweck. Der beisschaf lest uf sei streffen."
Die UnZuverlässigkeit der Knechte speziell im Meifsenschen Lager erwähnt
D. Lilie S. 229 f., doch setzt er S. 241 die Massenflucht derselben fälsch-
lich in die Zeit kurz vor dem zweiten Sturm auf die Stadt am Ende August.
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Anno 1534 acta. 617
Quorum etiam dnx Albertus Beltzins saepe ant privata colloqnla
CTun hoste miscere ant pnemm secretorum consiliomm indicem
in nrbem mittere et cnm oppidanis coUndere solebat ^ Proinde
magna Misnenslnm mnltitndo, cnm pridie eins diel Integra sti-
pendii militaris solntio sibi facta fnisset et princeps nondnm
ipsos remisso militari sacramento exanctorasset, desertis castris
sine legitima cansa ultima Innii intempesta nocte clancnlum ab 30. Juni.
hoste secednnt. Continno Bemardus de Westerholt, magister
«quitum, cum sno equitatu principis iussu persequitur, cui etiam
permittitur, ut 7 ant 8 praecipua eomm capita decollentur, aliis
dno digiti e deitra manu praecidantur *. Hos cum equitatus
non procul ab oppido Sendenhorst in villa lungemanni asse-
queretur et villam, in quam se receperant, undique fossa vepri-
busque munitam et repagulo ligneo clausam alüsque mnnitioni-
bus tumultuario labore, ut tempus ferebat, excitatis firmatam
ipsosque desertores et fugitivos bombardis alüsque armis ad im-
pressionem equitatus repellendam instructos ac in acie stantes
cemeret, mox Theodoricus de Eeke", vir fortis et animosus,
Theodoricum de Beke^, canonicum templi maioris Monasteriensis,
flanguine sibi innctum et aeque animosum ac aciei primae com-
') Dafs Albrecht v. Beltzigk wiederholt mit den Inhabern Münsters
verhandelte, beweisen die Briefe der Münsterer an ihn nnd den Haupt-
mann Georg V. Wulframsdorf vom 20. und 22. Mai (abgedr. M. G.-Q. II,
239 ff.). Dafür aber, dafs Beltzigk verräterische Absichten hegte, bieten
•die sonstigen Qnellen keinen Anhalt. Vielmehr spricht dagegen direkt das
Bekenntnis KnipperdoUing's vom 25. Juli 1535 (M. G.-Q. II, 377), nach
dem Beltzigk einmal bei einer Zusammenkunft vor dem Stadtthor mit
KnipperdoUing diesen hat bestimmen wollen, von seinem Vornehmen abzu-
stehen und sich nicht also verleiten zu lassen. Vgl. auch Enipperdolling^s
Aussagen bei J. Niesert: Ü.-S. I. S. 187.
*) Dieses und die folgenden Einzelheiten berichtet nur Kerss. In
•den Akten des St.-A. M. liegt das Original eines bischöflichen Befehles vom
30. Juni an^Bemh. v. Westerholt vor. Es heifst darin: „. .. dat du dy
tor stundt myt allen dynen ruteren, myt hovethamssche unde spiefsen er-
hevest und to twcn uren namiddage gewislich tor Wolbecke erschinest . . .
und ock etlige ruter daerto verordenest, de de gefangen knechte tor
Wolbecke uth dem lande brengen und wysen."
") Aus der Linie zu Senden.
*) Aus der Linie zu Heessen. VergL C. u. 0. v. d. Recke: Gesch.
der Herren v. d. Recke (Breslau 1878) S. 126 f. u. 147.
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618 Anno 1534 ad;a.
militonem assciscit. Hi simnl repagnlo cardinibns eiecto conci-
tatis eqnis in hostem aliisqne seqnentibns ferantnr. Sed ille
chirobombarda adverso ictu traiectos protinns ex eqno prolapsns
expirat, hie vero in ipsa eruptione decem et octo vnlneribns ao-
ceptis ex eqno corrnit et aliqnot horis hnmi qnasi mortuns ia-
cnit. Qnae res alios ab irmptione termit, maxime cnm repa-
gnlum restitntam et reparatnm viderent. Ita ergo eqnitatns
virtnte transfugarum repnlsns aliqnot eqnites in castra bom-
bardas maiores petitnm ablegat. Qni cnm tormenta addncerent
et in desertomm interitnm disponerent, ipsi se elabi non posse
*p. 513. videntes *arbitrio principis vel ad gratiam vel ad snpplicinm
depositis armis se dednnt. Inde per eqnitatnm Woltbecam re-
dncti et in templo conclnsi principi snpplicant Princeps vero
hanc cansam ad dnces belli, centnriones omnesqne milites refert,
qnomm nnanimi cognitione fngitivi desertores militiae iniidi,
perinri, ignominiosi et improbi decernnntnr et principis vel
poenae vel gratiae adindicantnr. Verum cnm illi finem snppli-
candi facerent nnllnm, princeps commotns anctoribns transfngii
et secessionis pnnitis ceteris gratiam facit snperinsqne decretnm
snnm lenltate et dementia mitigat^
Post aliqnot dies* qnidam gregarins e castris ad anabap-
tistas transfngerat, qni, cnm ad Knipperdollingnm explorandae
et discendae fidei cansa tanqnam catechnmenns dednctns esset,
apnd qnem dies aliqnot diverterat, vidit Bokelsonem prophetam,
qni eodem adhnc hospitio ntebatnr, noctnmo tempore ad lectnm
famnlae clancnlnm se snbdncentem. Vehementer itaqne admi-
ratnr prophetam, vimm Dei nxorem legitimam habentem ', aliena
*) Ftu' die Gnadenbczeujping des Bischofs spricht anch sein oben
angeführter Befehl an B. y. Westerholt. Nach D. Lilie S. 241 wurden
„de menedigen hoyen^ zn Wolbeck „yan dem scharprichter Statio enthoyet,
ein deil dorchgestecken/
*j Der folgende Bericht Kerss.'s über die Einführung der Vielweiberei
stimmt genau mit dem bei L. Horte nsius S. 27f. überein, der auch yon
Herm. Hamelmann S. 1232 ausgeschrieben wurde. In keiner sonstigen
QueUe aber ist die offene Verkündigung der Polygamie durch Johann y.
Leiden in ähnlicher Weise begründet. Vergl. auch die Einleitung.
') Johann hatte sich schon in Leiden yerheiratet Vergl. seine
Bekenntnisse bei J. Niesert: U.-S. L S. 174f. und M. G.-Q. II, 369f.
N&heres berichtet Eerss. weiter unten.
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Anno 1534 acta. 619*
tarnen yenere atqne foedissimo adnlterio contra mandatnm Dei
se contaminare atqne poUnere, nnde fncatam pietatem et sancti-
moniam prophetae coepit deridere. Et cnm transfnga in coeta
popnli factum non celaret^ propheta anctoritatis snae interitnm
apnd plebem metaens primnm magnificis promissis os Uli ob-
turavit, deinde, si forte fortnm plebi innotesceret, nt iUud pnr-
garet, cnm Bothmanno aliisqne concionatoribns de polygamia
consnltat Qni, cnm et ipsi lasciviae et impndentiae addicti
essent, facile^ decemnnt viris singnlis exemplo Abrahami, la-
cobi, Davidis et ceteromm Patmm veteris testamenti, qnomm
yitam referant ipsi, plnres nxores dncere licere, maxime bis ra-
tionibns addncti : Viri se continere neqnennt, ergo plnres nxores
dncere possnnt. Antecedens relinqnnnt manifestum et in natnra
fdndatnm, conseqnentiam probant, qnia seminis iactnram facere
nefas est. Faciunt antem viri seminis iactnram, ex qno nnlla
proles nascitnr, nt fit, qnando vel impraegnatam ant annomm
') Ebenso spricht L. Hortensins S. 28 von einer yorhergehcnden
Beratung Johann's mit den Predikanten und erwähnt nicht, daTs diese der
Einführung der Vielweiberei Widerstand leisteten. Dafs aber der Wider-
stand der Predikanten thats&chlich sehr energisch war, hätte Eerss. aus
den oft Yon ihm benutzten Wiedertäuferverhören und aus H. Dorp ent-
nehmen müssen. Letzterer erzählt Bl. E4, dafs die Prediger, als Johann
ihnen zwölf Artikel vorhielt, deren Summe war, „das ein man nicht ge-
bunden solt sein an ein weih, sondern er möcht so viel weiber, als er wolt,
zur Ehe nemen,** dem widerredeten und es „in keinen weg zulassen^
wollten. Erst als Johann die zwölf Aeltesten und die Prediger aufs Bat-
haus beschieden, dort seine Artikel als gottliche Offenbarung ausgegeben
und die Widerstrebenden mit dem Ausschlüsse von der göttlichen Gnade
bedroht hatte, „werden die prediger mit den propheten des ehestands
halben eins und predigen drej tage lang vom Ehestand auff dem Thum-
hoff.^ Ygl. dazu EnipperdoUing's Aussagen bei J. Niese rt: Ü.-S. I. S. 191.
Johann v. Leiden selbst gesteht, dafs „se ehme fenglich setten woldcn',
und dafs die Opposition wohl acht Tage gedauert habe. „Damach hefffc
Bemardus sulvest dar van gepredigt^ (J. Nies er t ar.a.O. S. 178; s. auch
M. 6.-Q. n, 372). Ausdrücklich bekennt auch Joh. Eloprifs (J. Nies er t
a. a. 0. 8. 122, vergl. auch S. 135): „Aber der viller weiber lust halben,
dargegen weren alle predicanten in Munster mit der gantzen
gemeinden. Aber der kunigk bewiese inen das mit der schrifften und
drunge sie darzu, das sie solchs halten moisten.' H. Gresbeck 8. 59 f.
und D. Lilie 8. 236 erwähnen einen Widerstand der Predikanten nicht
besonders.
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620 Anno 1534 acta.
nnmero factam sterilem cognoscimt. Ergo, ne fiat seminis vi-
rilis iactnra, qnandocnnqne habent coniugem praegnantem ant
sterilem, aliam.dacere licet ^
His simiUbnsque exemplis et fascinis miseram et incantam
plebecnlam decipinnt eamqne rem per totnm tridnum in pnblicis
^p. 514. concionibus agitant* et anditoribus inculcant *impudicitiaqiie
flagrantibns scriptura exemplisque ad id perqnisitis facile per-
^. Jnu. saadent. Post primam antem concionem 23. lulii habitam tota
multitudo in campo dominico in orbem coit ibiqne de polygamia
aliis non admittendam eam consnlentibns, aliis vero contrarium
') Yergl. hierzu die Darlegangen BoÜimann's im 15. Kapitel der
„Restitution", besonders die Stelle (Ausgabe von A. Knaake S. 83): „. . . so
ein man ricklicker van Godt gesegent were, dan eine frouwe tho befröch-
tigen, unde he en moit van wegen des godtlicken gebades sodanen segen
nicht mifsbruken, so ys em frj gelaten, ja van noden, meer fruchtbare
frouwen in die ehe tho nemmen; dan unehelick, dat js anders, dan na
Gades willen unde gesette, ein frouwe bekennen, js ehebreckerye und
horerye." Weiter a. a. 0. S. 85: „. . . want heflft he ein swangere frowen,
offt de unfruchtbar js, ... mach he der sunder sunde nicht bekennen, so
mach he ock geines anderen maus frouwen anrörcn . . . Hyrumme so volget
van nodt wegen, dat, welcke rickliker van Godt gesegent sint, dan se mit
einer frouwen rein leven können, mögen tho erer nodtrofft ... meer dan
eine frouwe thor ehe nemmen." Auch weist Rothmann wiederholt auf das
Beispiel der Patriarchen im alten Testamente hin. — Mehrfach ist in den
Verhören von Seiten der gefangenen Wiedertäufer eine Rechtfertigung der
Vielweiberei versucht worden. Am ausführlichsten spricht sich Dionjs.
Vinne aus, der (M. G.-Q. 11, 278) in erster Linie den Spruch Genes. 1, 28:
„Crescite et multiplicamini l" anfuhrt und sich ebenfalls auf die Patriarchen
beruft. Ebenso äufsert sich Joh. Eloprifs (bei J. Nies er t a.a.O. S. 134).
Die auch in der „Restitution^ angezogene Stelle aus dem 1. Briefe Pauli
an Timotheus, Vers 2: „ein bischop solle ein wiff hebben," bringt Bemh.
Krechting (bei J. Niesert a. a. 0. S. 194) bei. „Daruth solle folgen,"
sagt er, „de gemeyne man möge wol velle wyver nemen." Vgl. auch Bemh.
Krechting's Bekenntnis M. G.-Q. II, 381. — Eine andere Begründung der
Vielweiberei aus der Bibel, als die in der „Restitution*' gegebene, hat auch
Johann v. Leiden in seinen Gesprächen mit Ant. Corvin und Joh. Eymeus
(s. Bl. f l^f.) nicht versucht. Schliefslich aber liefs sich der König zu
dem Geständnisse herbei (Bl. g2), „er bekenne, dafs sie im selbigen
«rtikel zu geschwinde gefaren sein." Vergl. auch Ant. Corvin's Brief an
O. Spalatin Bl. B 4.
'j Drei Tage läfst auch H. Dorp a.a.O. vom Ehestand predigen.
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Anno 1534 acta. 621
clamitantibns ^ ad horas aliquot disceptatnr; sine magna tarnen
contentione digrediuntur. Post octo vero dies *, nempe 30. Inlii, so. Juu,
Henricns Mollenhecke*, faber ferrarius, ducentos fere indigenas*
noctnmo tempore cogit, qni ant priscam reipnblicae formam
redncere ant hostibns aperire portas ant mortem oppetere, quam
polygamiam admittere malnnt. Proinde Bokelsonem prophetam,
Enipperdollingnm, Sothmannnm, Henricnm Schlachtschapinm,
Eloprisinm et Dionisinm Vinninm, concionatores polygamiam
docentes, capinnt^, captos carceribns inclndnnt secnmqne deli-
berant et rationes qnaemnt, qnibns delicti gratiam a principe
impetrent, civitatem dedant, principem intromittant, senatnm
veterem ciyesqne vi eiectos revocent et in pristinas possessiones
') Nur L. Hortons ias a.a.O. berichtet, wie Einer aus der Volks-
masse kr&fdgen Einspruch erhob und deshalb auf Befehl Johann's ge-
tödtet wurde.
') Diese Zeitbestimmung giebt auch H. Dorp. Nach einem Briefe
der clevischen Eriegsräte vor Münster vom 31. Juli (M. G.-Q. 11, 265)
sowie nach einem Schreiben des gleichfalls vor Münster anwesenden Her-
zogs Philipp Yon Braunschweig-Grubenhagen an den Kurfürsten Johann
Friedrich von Sachsen vom 5. Aug. (ebendas. S. 266) brach der Aufruhr
in der Stadt am Abend des 29. Juli aus.
') Sein Name wird in Verbindung mit dem Aufstande in den schrift-
stellerischen Quellen nur von H. Gresbeck S. 73ff. genannt. Johann
V. Leiden verlegt den Mollenhecke'schen Aufstand in seinen Bekenntnissen
(s. J. Niesert a. a. 0. S. 179 f. und M. G.-Q. 11, 372) in die Zeit nach
Errichtung des Königtums (Sept). Dafs diese Angabe ungenau ist, geht
schon aus den oben citierten Briefen (M. G.-Q. II, 265 f.) hervor. Auch
sagt Hermann MoUenhecke, der Sohn Heinrich^s, am 8. Juni 1535 aus, als
er vom Tode seines Vaters redet, „da war der konig noch ein pro-
phet' (Orig. des Verhörs im St-A. Marburg). Der chronologisch falsch
eingeordnete Bericht D. Lilie 's S. 239 über den Aufstand fuhrt als
Haupträdelsf&hrer einen Meiger Bemdt, hoffsmedt, an, einen Namen, den
ich sonst nirgends gefunden habe.
^) Diese Zahl stimmt mit den Bekenntnissen Johann's v. Leiden
a. a. 0. (die Lesefehler bei J. Niesert sind berichtigt M. G.-Q. II, 418).
H. Dorp spricht nur von etlichen Bürgern, L. Hortensius S. 29 von 50.
'^) Die Gefangennahme speziell Slachtscaef's erwähnt auch H. Gres-
beck, ebenso Dietrich von Hamburg Bl. AS^. Johann v. Leiden
spricht aufser von seiner und KnipperdoUing's Gefangennahme auch von
der „etliger predicanten.^ H. Dorp läfst mit Johann und Knipperdolling
„alle Prediger** gefangen sein.
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«22 Anno 1534 acta.
restitnant, intolerabile servitntis iagnm excutiant et perpetno
metn se liberentK Exorta itaque matutina Ince Mollenheckios
yerbi Dei amatores einsdemqne defensores tjmpani pnlsn vicatini
ad forum convenire iubet, nt eo praetextn exercitnm sniim an-
geat. Qno cum magna hominnm armatomm mnltitndo conve-
nisset ignara, qnid sibi freqaens popnli vellet conclo, ibi tum
primns omnium Henricus Eedeker* prophetae et snorum pro-
cerum captivitatem civiumqne armatomm propositum sentiens
clamando vociferandoqne, qnamvis ipse indigena et civis, hoc
•effecit, nt advenae et polygamiae addicti, qnorum magna copia
in nrbem conflnxerat, in nnam partem nrbis inxta pomerinm in
indigenamm et civinm perniciem armati conyenirent. Qnidam
etiam in tjmpani pnlsn verbi Dei andita mentione se civibus
forum occupantibus coniungunt; ubi vero civitatem in partes
dividi animadvertunt et suae farinae homines, hoc est polygames,
in adversa acie esse accipiunt, a civibus deficientes captata oc-
casione ad snos redeunt. Sic Magnus Koehuss et multi alii
turbae Mollenheckianae forum occupanti primum adhaeserunt.,
^) Wenn anch der Aufstand in erster Linie gegen die Einfohnrng
der Vielweiberei gerichtet war nnd nach dem Schreiben der clevischen
Eriegsr&te vom 31. Juli (M. 6.-Q. II, 265), die nach den Aussagen eines
aus der Stadt entwichenen Bürgers berichten, dadurch zum Ausbruche kam,
dafs Enipperdolling eine Frau, die sich der neuen Einrichtung nicht fugen
wollte, gefangen nehmen liefs, so gingen die Forderungen der Aufstän-
dischen zugleich doch auch schon weiter. Eine Beilage zum Schreiben
Philipps Yon Braunschweig Yom 5. Aug. an den Kurfürsten von Sachsen
(M. G.-Q. II, 267) meldet, die Uneinigkeit sei zum Teil auch dadurch ent-
standen, dafs „etliche von bürgern er erlegte gelt wollen widderumb hoben,
welchs dan die anderen nit haben wollen verwilligen und einruemen.*' Auch
nach Johann's y. Leiden Aussagen a.a.O. schalten Mollenhecke^s Anhänger
„up den ehestand . . . und ock np dat gantze regiment und de predicanten.**
Die Absicht der Aufständischen, dem Bischöfe die Thore zu öffnen, erzählen
L. Hortensius und D. Lilie, und H. Gresbeck sagt S. 73: „. .. ein
•deil burgers und fromede luede . . . wolden den ehestant wedder afhebben,
und ein ieder solde sein guit widder hebben, und burgermeisters und raet
Bolde weder sein, dat al dinck solde weder sein als it gewest hedde, und
wolden die stat upgeyen.^ Vgl. auch H. Gresbeck's Erzählung S. 75 von
dem Wortwechsel zwischen Mollenhecke nnd Enipperdolling.
') Nach H. Gresbeck war Herrn. Tilbeck der Führer der Anhänger
^er Vielweiberei.
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Anno 1534 acta. 623
yeram nbi polygamomm tnrbam fortiorem esse animadvertissent,
se a saonun nnmero ad polygamos snbduxemnt. Qua defectione
*cives territi vigiuti armatos quasi vigilias diumas finnandi*p. 515.
causa ad munitiones urbis e foro mittunt^ ut aut polygamomm
animos aut, quid facturi sint, pertentent et explorent, quorum
yenerea cohors duodecim capit reliquis ad forum repulsis; unus
tarnen polygamomm a fugientibus tomiento traiectus expirat.
Cum tandem advenae polygami excubiis munitiones urbis fir-
massent et suas partes satis potentes esse putarent, circa meri-
diem in forenses impetum faciunt^ et spiculo endnus emisso
Hermannum Erampeum subito stemunt^, cuius casu cives per-
culsi et cum infirmiores se esse viderent, in curiam salutis
differendae causa sese recipiunt foresque raptim clausas com-
muniunt. Sed cum turba salax bombardas maiores per mulieres
in fomm attractas confringendi fores gratia curiae admoUrentur,
tormentomm ictus metuentes ex inferiori curiae loco in proxi-
mum superius tabulatum ascendunt. Advenae vero polygami
cum insano impetu et clamore effractis foribus in curiam ir-
munt ibique suos proceres et concionatores in hypogio curiae
detentos laxant. Cumque bestes suos tabulatum proximum ascen-
disse viderent ita, ut ins gladii in illos continuo exercere non
possent neque eodem impetu ipsos persequi auderent, alii infra
tabulatum passim spbaerulis traiiciunt, alii tormenta grandiora
ad demoliendam curiam foris aptant. Miseri vero cives sua spe
deiecti e fenestra curiae protenso pileo se dedunt et abiectis
armis supplicant rebellionisque gratiam poscunt. Hinc descen-
dunt et impudicomm hostium arbitrio sese committunt'. Dici
vix queat, quanto furore omnis mansuetudinis et humanitatis
obliti in hos irmerint, quanta immanitate eos ceperint, quantis
verberibus pulsaverint, quantis convitiis et maledictis proscide-
rint, quanta denique saevitia in carceres detruserini Diceres
') Nach H. Gresbeck hatte Tilbeck mit einem Teü der Aeltesten
vorher noch den Versuch gemacht, einen gütlichen Vergleich herbeizuführen.
Erst als der Versuch gescheitert war, rückten die Anhänger der Vielweiberei
in der St&rke von 500 oder 600 Mann gegen ihre Widersacher vor.
«) Vgl. H. Gresbeck S. 76, der aber den Namen des getödteten
Borgers nicht nennt.
») Nach H. Gresbeck a.a.O, betrug die Zahl der Gefangenen 120.
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624 Anno 1534 acta,
ipsos statim occidi maluisse, quam tarn indignis modis exagitari.
Inter hos Nicolans Dethmar \ miles qaidam, deprehenditnr, qui
nltra qnatnor millia florenorum e cnria graphiaria, nbi thesanrns
civitatis erat, clanculmn subduxerat, qnos eflfugium sperans pro
viatico intra vestes suas abdiderat. Hanc pecnnüs ita nndiqne
♦p. 516. fartnm cruciatu ve*niin dicere cogunt; et cum fateretur fdgae
snae consilinm ac sibi per portam Ludgerianam principem intro-
mittendi in nrbem foisse in animo, maiore forore ülis insnltant
omnesqne exqoisitis snppliciis afficiendos esse proclamant. Po-
stridie ergo seniores de supplicio ipsis irrogando consultantes
conveninnt et tandem, at novi foederis tranqnillitas inviolata
conseryetur, ipsos ad tiliam' religatos in terrorem malomm et
defensionem bonorum tormentis esse traiiciendos pronunciant.
Mox itaque viginti quinque protrahuntur et eo supplicü genere
aflflicti terra obruuntur^ Sed ne ex crebris bombardarum toni-
*) Das Folgende überliefert nur Eerss. Ygl. dazu die Bemerkung
H. Gresbeck^s S. 77, der von den Anhängern Mollenhecke^s sagt: »Do
saegen sie ock na dem gelde mehr, dan dat sie saegen, dat sie ein port
in kregen, und hedden die mouwen vol geldes gestecken und saetten die
heile nacht in dem wein und druncken, dat sie druncken worden. Dairover
so woirden sie geschlagen, dat die Fresen und Hollenders die oyerhant
kregen/ Dietrich yon Hamburg hat Bl. A4 die Notiz, dafs die Lands-
knechte Johann v. Leiden „den Schlüssel zum gelt^ abnahmen. »Und ein
yglicher lantzknecht nam zu sich zweitausent gülden in yr ermel.*'
^) Die linde auf dem Domplatz, die Kerss. als Hinrichtungsstätte
besonders schon oben S. 613 erwähnte (vergl. auch H. Gresbeck S. 37),
wird in den Quellen oft genannt. In der Flugschrift des Jahres 1536 „des
Münsterischen Königreichs und Widertauffs an- und abgang,^ zuletzt ab-
gedruckt in der Ztschr. 27 (1867) S. 267 ff. (s. P. Bahlmann: Bibl. 1536
Nr. 10), heifst es Bl. A 3^: „Item es steht auff dem Thumbhoff zu Munster
ein grofse und ein klein Linden; an die kleine linden ist ein halTseisen
gemacht, darein, wie man sagt, die unsinnige rott der widertauffer alle
die, so sie in Scharmützeln und sunst erobert und ires glaubens nicht sein
wolten, geschlagen, mit büchsen zu inen geschossen und mit spiefsen er-
stochen und also vom leben zum todt bracht, wie dann solches auch der
augenschein und die schuefs in der linden anzeigen.' A. Corvinus fügt,
als er an G. Spalatin yon den grausamen Hinrichtungen in Münster schrieb
(Bl. A4), hinzu: „Cuius rei testis adhuc est arbor tilia haud ita procul a
canonicomm ecclesia, ad quam deligati ac aeneis tormentis transfixi sunt.**
') Zu den Erschossenen gehört auch Heinr. Mollenhecke. Sein
Sohn sagte später aus (St-A. Marburg): „Da der konig Henrick Moln-
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Anno 1534 acta. 625
trnis hostes oppidanos inter se dissidere snspicentnr ^, neqne
tantam pnlveris iactnram faciant, decretnm est reliqnos seia-
ginta sex gladio ferire. Qnae poenae execatio Knipperdollingo
committitar, qni singulis diebns aliquot pro arbitrio suo pro-
dnctos et tandem ad nnnm omnes capite plectit, nisi qnod pro-
pheta interdnm animi et exercitii cansa in qnosdam animad-
verterit. Alii vero, qnonun magnns numerus, cum ab bis se-
ducti dicantur, publica seniorum sententia seditionis absolut!
sunt*.
Ita civibus, in quibus adhuc scintilla probitatis et yere-
cundiae relucebat, effeminatorum ri oppressis onmis verecundia,
omnis castitas, omnis continentla et pudicitia sublata est. Omnes
iam libidine indomita fervent, obscoena lascivia insolescunt et
yaga salacitate ita inflammantur, ut nullus prodigiosae veneris
modus Sit babitus. Huic rei cum loannes Oekinckfeldus ', no-
tarius, qui multis actis iudicialibus exustis controvertentibus
plurimum nocuit, Henricus ab Arnhem et Hermannus Bispinck
hecken lies erschiefseu, das thet KnipperdoUing und seine gesellen omb
des willen, das er dagegen war, das sie vil wyber weiten haben. Dargegen
wafs sein vatter und vil lenth und versamelten sich nnd weiten es nicht
Ijden. Da word er erschossen.**
*) Dafs der Anfrahr in der Stadt im bischöflichen Lager wohl be-
merkt wnrde, beweist der Brief der clevischen Eriegsrftte Yom 31. Jnli
(M. G.-Q. n, 265), in dem es heifst, ,,ein groifs romoir nnd switracht in
der stat** sei „euch hier bnifsen wol gehoirt worden. **
*) Eerss. Iftfst also im Ganzen Ol hingerichtet werden nnd weicht
damit von den Angaben der sonst bekannten Quellen ab. Nach den Be-
kenntnissen Johannas v. Leiden betrag die Zahl der Getödteten 48, nach
der Aussage J. Kloprifs' (bei J. Niesert: U.-S. L S. 134) 45 oder 46,
nach H. Dorp 49, nach dem Briefe Herzogs Philipp von Brannschweig
(M. G.-Q. II, 266) sowie nach dem Fingblatte „Der gantze handel" nnd
nach H. Gresbeck 47, nach Dietrich von Hamburg 80, nach L.
Hortensins 51. Als alleiniger Tollstrecker der Todesstrafe wird Knipper-
doUing vom Herzog Philipp, von J. Eloprifs nnd von L. Hortensins genannt.
Die Art der gransamen Hinrichtungen, die zwei bis vier Tage gedauert
haben sollen, beschreiben genauer H. Dorp, H. Gresbeck nnd L. Hortensins.
Begnadigt wurden nach H. Gresbeck nur diejenigen, die durch Zeugen be-
weisen konnten, „dat sie des nachtz dair nicht weren beigewest, dat sie
des morgens weren dairbei gekhomen.**
') Das Folgende berichtet nur Kerss.
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626 Anno 1534 acta.
superiori strage non territi contradicerent probantes sacra scrip-
tnra legitimnm et christiannm matrimoniom in unins viri et
nnias mnlieris coninnctione consistere neqne nni viro plares
nxores neqne nni mnlieri plnres maritos nno habere licere, pro-
phetae inssn gladio per Knipperdollingnm tanqnam seditiosi
ferinntnr. Videntes antem indigenae ita se ab advenis impu-
dicis premi, ita affligi, ita deniqne pro arbitrio trncidari, cnm
alind nihil possent, tacitos secnm volvnnt qnestns neqne qnic-
qnam adversns iUornm vivendi institntnm manifeste hiscere
•p. 517. andent*; *sibi enim qnisqne timet. Hinc polygamia nemine
iam repngnante per nrbem publice invalescit. Propheta trinm
feminamm fit ilico maritns^ inter qnas fnit Matthissonis pro-
phetae in conflictn ab hostibns occisi et discerpti nxor Divara,
qnae postea praecipna fit regina. Huins tarn sancti viri exem-
plnm reliqni concionatores et plnrimi oppidanomm imitantnr*.
*) So sagt auch H. Gresbock S. 77: „Do hebben sie dat volck in
groten dwanck gehat, dat sie do mit dem ehestant iren ganck kriegen.
Na der tiet en dorste niemantz daiitegen seggen ..., wante al, dat sie
deden, dat meiste recht sein/
^) Wörtlich nach H. Dorp Bl. E 4. Johann v. Leiden bekennt selbst
am 25. JuU 1535 (M. G.-Q. IT, 371): „. .. so hy dan Enipperdallinghs
magt to einen eligen wif hadde, naem hj dair na Jacobi (25. JuH) Johan
Mathis fronw oich toe einen wif. Doch den ehestant Toir hinnen yry to
sin verkundight." Ygl. auch Johann's Geständnis bei J. Nies er t: U.-S.
1. S. 178. Genaueres über Johannas Frauen s. weiter unten.
') Die Zahl der Frauen einzelner Wiedert&uferführer erfahren wir
aus den YerhörsprotokoUen; so wissen wir aus den Bekenntnissen der im
October aus Münster ausgesandten Apostel (s. J. Nieser t: U.-S. I. S. 25 ff.),
dafs Joh. Beckmann zwei Frauen hatte, Gottfr. Stralen drei, Ant Pmmeren
drei, Dietr. v. Alphen zwei. Für die spätere Zeit erhalten wir reichere No-
tizen durch ein im St-A. Marburg befindliches Protokoll, das uns aber
freUich nur die Aussagen zweier Knaben bietet, nämlich des 12jährigen
Herrn. MoUenhecke und des 14jährigen Johannes Huttman. Die Aussagen
datieren vom 8. Juni 1535. Ich lasse die Angaben über die bekanntesten
Wiedertäufer folgen. Danach hatten Frauen: Rothmann 9, Enipperdolling
2, Heinr. Erechting 3, Herrn. Tilbeck 2, Gerh. Eibbenbroiek 2, E. Rjmen-
finider 3, Heinr. Xantus 2, Heinr. Bedeker 3, Joh. Bedeker 2, Gerh. Bei-
ninck 2, Herm. Beininck 2, Magnus Eohus 2. Es sind noch andere, un-
bekanntere Namen angegeben. Zum Schlufs der liste ist yermerkt: „Yil
mehr sein irer; dan ich war irer aller zu schreiben Terdrossen.*' — In
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Anno 1534 acta. 627
Mnltae etiam yirgines ex diversis coenobiis tarn nobiles quam
ignobües bac occasione in sni perniciem frunntnr, virginitatis
et pndicitiae iactnram flagitiosissimos quosqne verberones ad-
mittentes facinnt, qnae alioqni conclnsae arctaqne snornm prae-
fectomm custodia praepeditae boneste vixissent. Transflnvianae
atqne Aegidianae vestales, qaotqnot nrbe non excesserant, ma-
ritos sibi qnaernnt; baec militem, illa sntorem, baec exterra-
nenm, iUa indigenam, baec sacerdotem, illa villicum, baec ora-
torem, illa aratorem, baec nobilem, illa civem ant qaemcunqne
Spiritus cuiusque suggerit^ Quanto luxuriae aestu retincti ex-
arserint, quam efirenato libidinis furore in muliebrem sexum
quavis bestia intemperantiores et salaciores irruerint, quam in-
satiabiliter amplexibus turpissimis operam dederint, quam mon-
ströse Yoluptatis ardore conflagraverint, silentio praeterire prae-
stat, quam castas aures offendere. Quam immaturam Teuerem
cum teneris virgunculis, quae vix undecimum, duodecimum aut
decimum tertium annum excesserant', furiose exercuerint, mul-
tarum puellarum aut perpetuus morbus aut subita mors sub-
secuta docuit. Plurimae quoque ab uxore Enupperi cbirurgiam
einem mir sonst unbekannt gebliebenen Drnck ans dem Jahre 1535 bei
G. Spalatin: Annales reformationis . .. ans Licht gestellt von E. S. Gy-
prian (Leipzig 1718) S. 302 sind angegeben für Johann v. Leiden 5, for
Knipperdolling 3, für Herrn. Tilbeck 3 und für Rothmann 4 „Eheweyber."
Dann folgt die Notiz: „Nach seindt alda xiiii Propheten ans des Königs
hoffgesinde, die seine nechsten Bethe sein, haben auch an weibem keine
gebrach/
^) So heifst es auch in der „Ordnung'': „All Nunnen auss baiden
ClÖstern, als Uberwasser und zu Sant Ilien, die darinnen wonen, haben in
gemain Männer genommen, die ein ein Landsknecht, die ander einen baurs-
knecht, und wa ein jede ir Gaist hingab/ Doch ist zu beachten, dafs sich
die Nachrichten in der „Ordnung^ s&mtlich auf die Zeit vor Einfuhrung
der Vielweiberei beziehen, Kerss. also seine Quelle am unrechten Orte ver-
wertet Später freilich bekennt Joh. Beckmann (bei J. Niesert: Ü.-S. I.
S. 36): „he hefiFt twe ehefrouwen gehatt, de eyne van sunt Hyen, de ander
van Orerwater/ Damit sind wohl sicher Nonnen gemeint.
*) „AUe jungfrawen über zwolff iar müssen freien,^ berichtet die
auf die Aussagen der im October 1534 ausgesandten Apostel zurückgehende
„Newe Zeitung« (Ztschr. 27 [1867] S. 260). Eine andere „Newe Zeytung**
(s. F. Bahlmann BibL 1535 Nr. 9) sagt BL A2v: „Under inen ... mufs
yederman eelich sein, auch die mediin von zwelff jaren."
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628 Anno 1534 acta.
ezercente singulari arte curatae vix tandem pristinae non vir-
ginitati, sed sanitati restitunntor, in cnius aedibas sedecim mi-
seris modis corrnptae eodem tempore remedia ezpectantes simol
decnbnernnt, nt a diversis captivis relatum Mt^ Promiscaos
concubitns insatiabilibas et prodigiosis vicibüs freqnentant '; ad
^) So gesteht Zillis Leitgen am 14. Februar 1535 (s. J. Niesert:
Ü.-S. I. S. 136 f.), »das er auif ein maell derselben (jongen metlin) zwelfF
by der Mesterschen, die Knippersche genant, zn artzedyen gesehen.** Werner
Scheiifart sagt am 11. Dez. 1534 ans (M. G.-Q. ü, 295): „dat ein groit
getail van jungen meged^n, die noch nit manber, menne tho nemmen ge-
drungen^ und na deme sj gehorsame folge gedain, sint se eres liyes und
gesnntheit gantz verdorven . . . und sint einer mesterschen, die Knupper-
sche genant, togestalt und befoUen, se tho artzen und gesunt tho maken.**
Johann y. Leiden selbst giebt am 25. Juli 1535 (M. G.-Q. 11, 375) an,
,,dat gene jonge mechde dair selfs bedrongen ader verkrechticht worden
sin, dan allein wanner sie sulx begerden ader verwilligden.
Dan 80 hy imantz dair boeyen betreden hedde, solde oen daimmb hebben
laten straeffen.** Dem gegenüber steht das Bekenntnis Enipperdolling's
vom gleichen Datum (ebendas. S. 379), „dat der konninck Johan van
Leien der erster anhever mit den jongen megden gewest sy,
dair van oen dat gebreck ontstanden.** Von Wiedert&ufer^Aos-
sagen kommt noch in Betracht die des Johann ElopriTs vom 29. Jan. 1535
(J. Niesert a.a.O. S. 122): „Es sie auch zu Munster ein frage gewesen,
ob auch die metger, so ire bestundung nit betten, eligen mochten. Und
wurde darauf erkandt, dweOl befonden, das metger, ehe sie ire stunde
kriegen, hetten schwanger werden wurden (!), so liefsen sie zu, das sie eligen
mochten.** — Die Sch&ndung kleiner M&dchen „von zehen, zwelff und vier-
zehen jaren,** sowie die Wirksamkeit der „Ertztin, die Knuppersche ge-
nant,** erwähnt auch H. Dorp Bl. F4^ und schlielst: „Dieser meidlin hab
ich noch wol achtzehen gesehen, als ich von des Bisschoffs wegen in die
Stad geschickt war.'* Ygl. zur Sache auchH. Gresbeck S. 62, besonders
S. 72 f. Er nennt den Namen der Enupporschen nicht, spricht aber von
einer „astinne** und sagt: „So heft dieselve fro der megdekens gehat viftein,
die sie weder heft gesunt gemacket** Indem A. Corvin in seinem Briefe
an G. Spalatin den Greuel berührt, fügt er hinzu (BL A 4^) : „. . . qnod
mihi neque ex vano neque vulgi sermonibus hanstum est, sed ex ea ve-
tula, cui cura sie viciatarum demandata fuerat, auditnm.**
S. auch Job. Fabricius Bolandus Bl. P8v, der ebenfslls keinen Na-
men anfahrt.
*) Yergl. die drastische Schilderung von den Znstftnden in Müneter
gleich nach Einführung der Vielweiberei bei H. Gresbeck, besonders S. 63.
Sonst liegen queUeDm&fsige Nachrichten nicht vor. Kurz und aUgemein
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Anno 1534 aota. 689
arbitrmm cniiislibet viri venevem poeoeotts sab poena idtmi
supplidi midieres paaratas esse yolebant; negape Tiro noctom
canea idtimo snpplido digaa foit adeo, nt inde spuroissizna et
vereciindiB auribne indigniseima «ententia per iti<bein spargi eoe-
perit, qua viri in congressa feminamin sint nn : „Spiritus mens
appetit carnemtnam^^ Qna quid foedius, qnid ^sordidins, qnid*p. 518.
homine christiano, a qno omnis immnnditiae mentio quam lon-
gissime abesse debet, indignins, ita in venerem promiscaam mere,
ita libidine dissolvi, ita impndicitia flagrare, nt es homine
bestiam et, si qnid deterins est, fiiciasP Mnlieres riris ad nntnm
non parentes mandante propheta ad coenobinm a valle rosamm
appellatum captivae ducebantnr ibique, donec poeniteant, detine-
bantur*. In eadem yero pertinacia adyersns maritos snos per^
seyerantes praecisis capitibns plectebantnr, qnod qnatuor moiie-
ribns eodem tempore acciderat*. Joannes qnoqne Ultraiectinns,
sagt nur noch L. Horten sin 8 S. 29: „. . . prophetae et concionatorom
anthoritate inxta et eiemplo tota nrbe ad rapiendas pnlcherrimas qnasqne
feminas discnnrnm est. Nee intra pancos dies in tanta hominnm turba
fere nlla reperta est snpra annnm decimum quartnm, qnae stoprnni passa
non fderif Jedenfalls mufs das Treiben sunftchst arg genug gewesen
sein, denn es liegt kein Grund Tor, an der Richtigkeit der weiteren Aus-
sagen H. Gresbeck's zu zweifeln, nach denen die Propheten, Predikanten
und Aeltesten geboten, „dat sie nicht solden lopen na den frowenlueden.*'
Und S. 66 berichtet er von einem weiteren Befehl: „aUe die frowenluede,
die tho dem ehestant sint getwungen und hebben menne genommen, die
gern widder von den mennen weren, dieseWen solden khomen up dat raet^
haufs ...; man sol sie widder von einander leggen, wante die predi-
canten hebben sick versehn mit dem ehestaf Bestätigt werden
diese Angaben durch den weiter unten auch von Eerss. mitgeteilten Artikel-
brief Johannas v. Leiden vom 2. Januar 1&3Ö.
') Ygl. dazu oben 8. 589 u. 614.
^) Zum Bosenthalkloster als Gefängnis s. auch oben S. 542. Zur
Sache vgl. besonders H. Gresbeck S. 65 f. Das schon oben citierte Be-
kenntnis der Knaben H. MoUenhecke und Joh. Huttman giebt an: „Die
jungfrawen, di nicht menner haben woUen, di legen si in gefengnus und
lassen si so lang liggen, bis das sie es gern thun.^ Doch steht diese Aus-
sage — sie ist am 8. Juni 15^ geihan — in schroifem Gegensatz zu der
24. Bestimmung im Artikelbrief Johann's vom 2. Januar.
') Eerss. bringt weiter unten mehrere Beispiele f&r die Bestrafung
einzelner Frauen vor. Auch H. Gresbeck a. a. 0. spricht von der Hin-
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630 Anno 1534 acta.
qnondam Traiecti canonicas, nbi cum nxore sna iam gravida
consnetndinem maritalem de more retinctornm habere nefas esse
dnceret \ aliam diixit, qnod gravida aegerrime tnlit eamqne fsicti
indignitatem verbis testatnr; qnare a marito accnsatam nltimo snp-
plicio post foetum editnm afficiendam esse propheta pronunciat.
Ut autem rei foeditatem fucata sanctimonia et humili ve-
stitn obtegant, yestinm, calciamentoram alionunque tegomen-
tonun corporis nova et simplicior priore forma in ntroqne sexu
per prophetam excogitatnr. Si qnis plnra vestimenta^ quam ne-
cessarias usus postulat, habnerit, in commune defert, sicut Hen-
ricns Schlachtscapins in publica concione docnit *. Docent enim
richtung besonders solcher Frauen, die sich ihrer Männer wegen mit ein-
ander nicht vertragen konnten nnd durch die Gefangensetzung im Rosen-
thaUdoster ihren Sinn nicht änderten. „Es wurde auch,^ sagt Joh. Kloprils
(bei J. Niesert: U.-S. I. S. 123), „ein frauwe in Munster gericht umb
ungehorsamts willen, . . . und nit willigen wolte, das der man bie ire ein
ander firouwe nam . . .' „Sie haben vilen weiberen den köpf abgehowen,"
heilst es im Bekenntnis Herrn. Mollenhecke's und Joh. Huttman's; die
beiden Knaben nennen dann mehrere Namen der Getodteten. S. auch,
weiter unten. Einzig steht die Aussage des Joh. Kloprifs (a. a. 0. S. 122)
da: „es weren die frauwen in solcher freuntschaft bie den mennem, das
die frauwe deme manne andere frauwen by zu schlaifTen holten, wie Sara
thete Abraham und Jacobs frauwe.**
^) Gerade die Wiedertäufer forderten strenge Enthaltsamkeit in dieser
Beziehung. Vgl. dazu die ausführlichen Darlegungen Bothmann's in der
„Bestitution', besonders S. 85 ff. S. auch H. Gresbeck S. 61. Johann
V. Leiden bekennt (M. G.-Q. II, 375): „Die geswengerde frouwen bleven
altit by oen als die ander, quamen aver die menne die tit lanck niet dair
by.** Ganz ähnlich sagt EnipperdoUing aus (J. Niesert: U.-S. I. S. 190
und M. G.-Q. n, 379).
') Schon eine Verfügung der zwölf Aeltesten (vergl. oben S. 584
Art 16) verbot neue und ungebräuchliche Kleiderschnitte. In der „Ord-
nung'' heifst es: „AUer bracht der klaidung manns und frawen, auch mit
den schuhen, werden verendert.^ An einer andern SteUe: „Man hatt auch
mehr gefordert, wer mehr klaider hab, dann ehr zu der nottnrfft bedarff^
der soU sie bringen in die gemein, das der jhenig, der sollichs bedarfi^ ge-
brauch; das hat man zun brüdem auff dem predigstul inen verkündet.*^
Den Namen Slachtscaefs nennt nur Eerss. Bei H. Gresbeck S. 96 ist
jedoch Joh. Dusentschuer der Urheber einer neuen Kleiderordnung. Er be-
stimmt (s. auch bei Kerss. weiter unten), wie viel und welche Kleidungs-
stücke ein Jeder haben dürfe. Doch fügt H. Gresbeck hinzu: „Yon hoeden.
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Anno 1534 acta. 631
nnllmn hominem post ascensionem Domini in vero matrimonio
vürisse, cum non secundum spiritnm, sed vel formae vel pnlchri-
tndinis vel pecnniae et diyitiamm vel consangninitatis et afS-
nitatis excellentioris gratia matrimonia omnia sint contracta^.
Ideo de integro nuptias celebrant, quasi priores irritae fuerint •.
Ebrietas et alia post susceptum baptisma peccata enormia iu-
dicio prophetae extremo supplicio per EnipperdoUingum ensi-
gernm puniuntur^. Si vero propheta a Patre delicti gratiam
pro aliquo impetraverit, poena quidem mortis remittitur, sed
panis et aqnae frugali usu aliquandiu punitur. Si quis enorme
aUquod flagitinm mentiendo, decipiendo aliove quoyis modo com-
miserit et iUud coram uniyerso populo professus fuerit Patrem-
que invocayerit, pius et bonus christianus habetur. Omnia
Apostolomm ritu sunt communia, neque quicquam petenti ne-
bonetten iind schoeen, dair en wort nicht af gesacht, wo viel dat der ein
iglich solde hebben/ Am 5. Augnst meldet Herzog Philipp von Brann-
schweig aus dem Lager vor Münster an den Kurfürsten von Sachsen nach
Aussagen von Ausgefallenen (M. G.-Q. 11,267): „Tuch und andere nottorft
zu becleidonge des leibes ist auch verordent, wa dasselbige ein iglicher
nemen sal/
^) Ganz ähnlich den Worten bei Joh. Fabricius Bolandus Bl. P7^.
Dionys. Yinne erklärt (M. G.-Q. 11, 278), eine Ehe sei gegen die Einsetzung
Gottes, „wann er fleissches lust, gelt und gut, Schönheit der personen ge-
sucht werden." In der „Restitution** (S. 82) sagt Rothmann, es gezieme
dem Manne, „dat he ein getzirde unde gesmuckede frouwe söke und nemme>
overst nicht getzirdt mit golde, sülver eder edel gesteinte, noch ock in
lifTs schönte, mer de getzirdt sy mit Gades fruchten und mit einen stillen
und sachtmödigen geiste. Dit ys dan dat Paulus nömet in den Heren
hiliken.** Yergl. auch die Ausführungen schon in dem „Bekentones des
globens« (M. G.-Q. II, 458).
*) Erneuerung der Ehen nach der Taufe hatten schon die von Johann
V. Leiden nach Münster gebrachten Artikel der Wiedertäufer gefordert (vgl.
oben S. 450 Art. 13). Zur Sache vgl. auch den Bericht H. Gresbeck's
S. 71. Joh. Eloprifs sagt aus (s. J. Niesert: ü.-S. I. S. 123): „Das ein
man ein elige weih muge verlaissen und ein ander nemen, das sie zuge-
laissen in der schrifft Pauli ad Corinth. I: si fidelis discesserit etc.** Vgl.
1 Corinth. Eap. 7. Auf diese Bibelstelle bezieht sich auch die Darlegung
in dem „Bekentones** a. a. 0.
') Vergl. oben S. 554 Anm. 5 und weiter die S. 580 f. angeführten
Verordnungen der zwölf Aeltesten.
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632 Anno 1534 acta.
gandtun esse censent, nisi ipse eo egeai Omnes Israhelitae^
•p. 519. novae Syonis omnia debita sibi mutuo *reinittuiit, Multi visi-
ones yarias, nunc vires, nunc angelos, nnnc Patrem coelestem,
nnnc equitem armatnm, nnnc regem inermem vel in a6re vel
terra se yidere multis persuadent', nnde forte se mntno Israe-
litas vel vires videntes Denm vocant*. Hoc sibi firma fide per-
snadent Patrem snos ab omni incommodo ereptumm, etiamsi
hostis in media nrbe grassetnr, non aliter ac filios Israelis a
Pharaonis exercitn perseqnente liberavit^, cum siccis pedibus
Mare Bubrum transirent. Tanta in Denm est fiducia, ut etiam
quinqne homines saae farinae totnm episcopi agmen contorba-
tnri sint^
Inde prophetae snasu aedes Theodorici Munstermanni in
Eodenburgo* ac Petri Frisii in vico salario'' pro catechumenis
depntantnr, in qnibus gentes, hoc est anabaptismo nondum ini-
tiati, ad nrbem tarnen hanc sanctam amplexandae anabaptisticae
doctrinae gratia confagientes elementa snae reUgionis perdisce-
rent, prinsqnam in snum foedus suscipiantnr, nnde etiam „heyden
hnser," hoc est domus gentium, appellantur®.
') Die folgenden Angaben decken sich mit denen in der „Ordnung".
«) Vorgl. oben S. 494 u. 500 f.
^) „Und uns, die noch nicht zum andern mal gcteufft seind, nennen
sy hayden," fügt die „Ordnung" hinzu.
*) So auch in der „Ordnung". Nach Joh. Kloprifs a. a. 0. S. 120
waren die Wiedertäufer „des gantzen glaubens, wann schon die gantzc
wereldt darfur lege, das dannocht Got sie ufs Gottes krafft suUe beschir-
met und verthedingt haben.** Vgl. auch 8. 128.
®) „Und obschon jrer vünf bynnen der stadt,** heifst es im Bekennt-
nisse des Zillis Leitgen (J. Niesert a. a. 0. S. 139), „die sulden sy den
gotlosen Yorentholden.** Aehnlich heifst es bei Dietrich von Hamburg
Bl. A 2^. Johann v. Leiden betont später mehrfach besonders sein festes
Vertrauen auf Gott (s. seine Bekenntnisse bei J. Niesert a. a. 0. 8. 183 und
M. G.-Q. n, 400 f.). — «) Auf der Rothenburg. — ') Auf der 8alzstrafse.
®) Von einem solchen Heidenhause berichtet auch H. Gresbeck
8. 89 f. Ein Landsknecht ist aus dem bischöflichen Lager in die Stadt ge-
laufen. „Denselben hebben sie gebracht in dat heidenhuiss und wolden
in dein leren den geloeven, und solde sick laten doepen . . .** Das Heiden-
haus auf der Salzstrafse erwähnt Zillis Leitgen in seinem Geständnisse (bei
J. Niesert a.a.O. 8. 144). Da wurden vier übergelaufene Landsknechte
„geleret, wie sie die dauff entfangen und Christo dienen solten . . .**
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Anno 1534 acta. 633
Propheta, qnoties a Patre qnicqnam petitnrns est, extensis
brachiis in fonnam crncis snpinmn se hnmi stemit; inde Pater
in ipsnm snae volnntatis effundit spiritnm. Interdum tridnnm,
interdnm qnatridamn se beneficio sennonis destitni fingit atqne
interim gypso seu alba terra, qnam cretam vocant, qnid Pater
feri velity in tabula describit\
Si coninnx legitinia a yiro divertitnr, consilio conciona-
torum et episcopi vir alind coniugium qnaerit, qnod praeter
alios mnltos Eberardns Beymensnider ac loannes Ludinckhnsanns
fecemnt yirgines Deo dicatas sibi copnlantes^ Hermannnlns
etiam qnidam sna repndiata fiüam Bemardi Mosis recipit.
Cnm Satan animadverteret snom regnnm non tarn snb
magistratn mnltonun, qnam nnins dominio ac tjrannide posse
propagari, ideo post festum lacobi ^ alium qnendam prophetam «». Juu.
^) Ebenso heifst es in der „Ordnung'', wo hinzagesetzt ist: „das**
(das Kreuzweisliegen) „ich zu warheit gesehen hab.^ Das Kreuzweisliegen
bei den Wiedertäufern überhaupt erwähnt Eerss. schon oben S. 485 u.
500. Jakob Ton Osnabrück hatte in seinem Verhöre am 28. Februar den
ihm in Bezug darauf vorgelegten Frageartikel als „nit wair, erdicht und
gelogen'* bezeichnet Vergl. J. Niosert: Ü.-S. I. S. 162. — Ein Beispiel
für Johann's Stummsein oben S. 575. Vgl. auch H. Gresbeck S. 101 f.
*) Die „Ordnung** (vgl. aber dazu S. 627 Anm. 1): „Wer ein ehe-
frawen hat, die im entgegen ist, der mag mit rat der predicanten ein
andere nemcn, als Johann von Ludinckhausen, der hatt ein edle junck-
frawen genommen, und Ebert Reymenschnejder, und der noch mehr, der
namen ich nit kenne." — üeber Eh. Riemenschneider, der nach den oben
S. 626 Anm. 3 angeführten Aussagen zweier Knaben 3 Frauen hatte, äufserte
sich am 23. Dez. 1534 Hermann, der Diener des Malers Ludger to Ring,
in seinem Verhöre (St.-A. M. M. L. A. 518/19 IV. fol. 380): „Item Evert
Remensnyder ist des koninges vorsnjder, und des firowe ist gewest Johan
thom Sode liusfrowe und ist gedrungen mit gewalt, den Remensnyder to
nemen.**
*) 25. Juli. Diese ungenaue und falsche Zeitangabe bietet nur Kerss.,
der sich in der folgenden Erzählung von der Errichtung des Königtums
Johann's teilweise eng an den Bericht PI. Dorp's Bl. F 1 anlehnt, aber
mit Veränderung des in diesem angeführten gleichfalls falschen Datums
des 24. Juni, das Herm. Hamelmann S. 1236 beibehalten hat L. Hör-
tensius S. 30 bezeichnet den 22. Juni als den Tag, an dem sich Johann
vor den Aeltesten als den von Gott berufenen König zu erkennen giebt.
ünbestinmit sagt D. Lili e S. 234 „umb trent Joannis Baptiste," kann aber
auch nur den 24. Juni, das Fest der Geburt Johannes des Täufers, damit
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634 Anno 1534 acta.
in urbe excitat, cnins nomen Joannes Dnsentschner, anrifaber
Warendorpensis '. Hie concione freqnenti in forum advocata:
meinen, da er, was den sonstigen Quellen widerspricht, die Einfühnuig
der Vielweiberei im Joli zeitiich der Anfrichtang des Königtomes folgen
läfst. Yergl. auch die Bemerkungen von F. Runge in der Einleitung zu
seiner Lilie-Ansgabe S. 53 f. — Alle angeführten Daten sind falsch. That-
sächlich fand die Erhebung Johannas erst im Sept 1534 Statt, nachdem
die Wiedertäufer durch das siegreiche Zurückschlagen des auch Ton Eerss.
weiter unten erwähnten, am 31. August untemonmienen Sturmes auf die
Stadt einen glänzenden Erfolg über ihre Gegner davongetragen hatten.
Eine „Newe Zeytung" aus dem Jahre 1535 (P. Bahlmann: Bibl. 1535
Nr. 9) läfst sich Johann „nach dem letsten sturm^ dem Volke als
König vorsteUen. Weitere „Neue Zeitungen^ (P. Bahlmann a.a.O. 1535
Nr. lOf.) melden: „In acht tagen nach dem abgeschlagen stürm
hat . . . Johan Ton Lejden . . . der gemeyne für gehalten, er hab von Gott
ein befelh, das er ein könig soll sein über Israel . . ." Dieser Bericht geht
zurück auf die Aussagen der im October 1534 aus Münster entsandten
Apostel. Das Flugblatt „Der gantze handel** (P. Bahlmann a.a.O. 1536
Nr. 8) erwähnt Bl. A2 den Sturm im August und fährt fort: „Nun war
es unseglich und unglaublich, was grofsen gemüts den Widertauffem sey
daher entstanden. Sie mainten, alle not wer überwunden. Sie gedachten
noch furter auss und erhoben einen genant Johann Ton Leyden . . . zum
Eönig.^ Auch H. Gresbeck S. 82 läfst den Beginn des Königtums Johann
unmittelbar dem wiedertäuferischen Siege folgen.
') Vgl. über ihn besonders H. Gresbeck S. 95ff., der ihn aber bei
der Erhebung Johannas zum König nicht mitwirken, vielmehr ihn erst nachi
der Errichtung des Königtums zum Propheten ernannt werden läfst. Doch
ist Joh. Dusentschuer's Eingreifen bei dieser Gelegenheit in den Verhörs-
protokollen der Wiedertäufer vielfach übereinstimmend bezeugt, so in den
Geständnissen des Herm. Regewart, des Joh. Beckmann, des Joh. Kloprifs
(J. Niesert: Ü.-S. I. S. 27, 34, 112 u. 133), weiter in denen des Dionys.
Vinne (M. G.-Q. 11, 276), des Beruh. Krechting (J. Niesert a.a.O. S 194
und M. G.-Q. II, 406) und Johannas v. Leiden selbst (J. Niesert a. a. O.
S. 179 und M. G.-Q. II, 372; vergl. auch Johannas Aeufserungen in den
folgenden Noten). In den Flugblättern wird Joh. Dusentschuer in diesem
Zusammenhange nur von der „Newen zeitung** (P. Bahlmann: Bibl. 1535
Nr. 11) erwähnt Handelnd tritt er auch bei H. Dorp a.a.O. und L,
Hortensius a.a. 0. hervor. — Aus den Quellen läfst sich nicht klarlegen,
ob und inwieweit eine vorhergehende Vereinbarung Einzelner zur Errich-
tung des Königtums stattgefunden habe. Joh. Kloprifs stellt eine solche
in seinem Bekenntnisse a. a. 0. in Abrede, ebenso Johann M. G.-Q. II, 399 f.
und in seinem Gespräche mit Ant Corvin und Joh. Kjrmeus Bl. b 2^. Sehen
wir von dem ganz verworrenen Bericht des Joh. Fabricius Bolandus
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Anno 1534 acta. 635
„Fratres christianissimi," inqnit*, „Pater coelitus mihi revelavit
Yobisqne publicandnm commisit loannem Bokelsonem Leydannm,
yirum Dei et prophetam sanctnm, per nniversnm terramm orbem
regem fore. Ille dominabitnr imperatoribus, regibns, principi-
bns ac omnibns mundi potestatibns ; ipse snpra omnem magi-
stratnm erit, nnllns *vero snpra illum. Hle occnpabit sceptrum^p. 520.
et sedem Davidis, patris sni, donec Dens Pater regnnm ab eo
repoposcerit.^ Inde a senioribns ibi adstantibns gladinm acceptom
sibi reddi postnlat. Quem cum regi iam designato in manus tra-
didisset: „Accipe,^ inqnit, „gladinm institiae^ omnemqne cnm
ipso potestatem, qno omnes popnlos terrae tibi snbiicies eoqne
Bl. N 7 f. ab, der ja Johann noch durch den bereits im April verstorbenen
Jan Matthys zum König ernennen läfst und von einer RiTalität zwischen
Johann und EnipperdoUing redet, so sagt unter den schriftstellerischen
QueUen nur L. Hortensius S. 31: „Cum hoc^ (d. h. Joh. Dusentschuer)
„Bocoldus rem ex composito transigit et prophetam eum nomi-
nat.** Ganz vereinzelt steht eine Aeufserung da, die Johann v. Leiden
nach seiner Gefangennehmung gethan haben soll. Gefragt, wie er zum
Königtum gelangt sei, antwortet er (s. die Flugschrift „Des Münsterischen
Königreichs an- und abgang** Bl. A2, in der Zeitschr. 27 [1867] S. 268;
ygl. P. Bahlmann: Bibl. 1536 Nr. 10), indem er auf sein Yerh<nis zu
Knipperdolling eingeht, u. a.: „Und aber Knipperdölling, sein Schweher,
zu solcher wüterey" (gemeint ist die Wiedertaufe) „lust gehabt und ine,
Johann, zu König und grofsem Regiment zufnrdem urbüttig, habs ime
nicht übel gefallen, sei auch also darein kommen und das best, so in seinem
vermögen gewest, thun helffen und sich füren lassen, wie ime
durch seinen Schweher und andere fürgeschlagen worden,
das er auch so fern bracht.^ Ist diese Aeufserung wirklich gefallen,
80 hat Johann damit offenbar die Schuld an der Entwickelung der Ereig-
nisse in Münster von sich selbst abw&lzen woUen, zumal ihm an derselben
Stelle die durchaus falsche Behauptung in den Mund gelegt wird: „Nach-
dem aber sein Schweher der unchristlichen secten der Widertauffer anhengig
gewest, mit ime derhalben mancherlay rede und handlung gehabt, sei er
auch darin geraten, hab ime die sach gefaUen und wol bevolhen sein lassen,
darab derselb sein Schweher gefallens gehabt^
') Die Anrede Dusentschuer's ist aus H. Dorp übersetzt.
*) Im Gespräch mit Ant. Corvin und Joh. Kymeus (Bl. b2^) er-^
klArt Johann sp&ter, dass der Prophet ihm „auch das schwerd der gerech-
tigkeit befohlen hat" Die üeberreichung des Schwertes erw&hnt sonst nur-
noch L. Hortensius; eine Salbung Johannas nur noch Joh. Fabriciu»
Bolandus Bl. N8^
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630 Anno 1534 acta.
ita nteris, nt Christo ad iudiciam redennti rationem reddaff!^,
fiimülqne dpsTun fragrantlssimo liquore inüngeira his verbiff: „Ego
te in regem novi templi pppnliqne Dei Patre iubente inungo
teqne in facie totins popnli regem novae 6jonis pronancio!'
Haec iamdin magno studio Leydanns venatus est^; ob hoc omnem
magistratnm contempsit et reiecit, ob haec omnia fecit com-
mnnia, cives priscae civitatis nrbe eiecit, eorum bona diripnit,
casta matrimonii iura violavit, pndicitiam et verecnndiam pro-
fligavit, sibi adversantes plns quam tyrannica immanitate tmci-
davit, omnia eo direxit, nt sibi regnnm pararet et solns remm
omninm pro arbitrio ac sua libidine potiretnr. Nunc confiden-
tins insueto dignitatis titnlo tnmens prodit protinnsque se humi
in faciem stemit atqne: „0 mi Pater," exolamat*, „cum ego,
•qni neqne aetate neqne consilio neqne sapientia polleo, admini-
strationi tantae potestatis non sufficiam, ad tnam clementiam
praesidinm petitnm supplex confngio. Mitte eigo, o Pater, sa-
pientiam illam tnam de coelis sanctis tnis et a sede magni-
tndinis tnae, nt mecnm sit et mecnm laboret, nt intelligam et
sciam, qnid acceptnm sit in conspectn tno! Sic enim dignns
habebor officio mihi a te concredito et popnlnm tnnm in aeqni-
tate et iustitia regam!** Conversns hinc ad popnlnm: „Fratres,"
inqnit, „charissimi, haec ego ante mnltos dies Patris inspiratione
fntnra sciyi, sed ne mea sponte regnnm inter vos affectasse vi-
derer, et nt maior vobis fides fieret divinitns haec omnia e venire,
^) Die folgende Reflexion wieder ganz nach H. Dorp.
*) Vergl. zum Folgenden Job. Fabricius Bolandus Bl. Ol.
JLuch Job. KlopiiTs a a. 0. S. 112 sagt ans, als Johann von Dnsentschuer
zum König ausgerufen wurde, „hab er sich des unwürdig gcacht; aber so
der prophet das van Götz wegen gesagt hette, so muste er Gott gehorsam
sein/ — L. Hortensius legt Johann den Aeltesten gegenüber die Worte
in den Mund: „Etsi ad iUud fastigium invitus a Deo vocor, ut, si optio
•detur, malim subulcum aut agasonem agere, quamvis restitans tamen et
quasi manu conserta ad regnum Sionis ineundum trahor.** In ähnlicher
Weise läfst H. Gresbeck S. 83 den König zum Volke reden: „Ick wolde
vil lieber sein ein verkens herde und wolde viel liever die ploich holden
•ofte graven, dan ick so ein konigh solde sein. Dat ich doin, dat moit ick
dein, wante Got hoft my dairtho utherkoren.** Nach Beruh. Krechting
(M. G.-Q. II, 410) bat Johann „den Yader, das er im . . . vemuft und
^isheit, umb sin volck zu regiren, verleben wolt.**
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Anno 1534 acta. 637
per alinm revelanda fnernnt ^ Sic David ex hnmili pastore per
prophetam Deo inbente rex in Israhel designatns et innnctns
est. Ita Pater coelestis saepe operatar; cnins voluntati si qnis
resistit, indignationem divinam in se provocat. Data est igitnr
nunc mihi in omnes totius orbis nationes potestas et ins gladii
in terrorem malonun et defensionem bonomm. Nemo itaqne in
hac sancta civitate flagitiis sese contaminet Patrisque volnntati
obluctetnr, alioqni sine nlla poenae remissione gladio *ferietnr." »p. 621,
Popnlns magna cum admiratione qnasi attonitns haec nova atqne
innsitata aspectat. Inde tacito mnrmere intra se fremit ignotmn
et peregrinnm hominem regnnm nrbis invadere; maiestatem re-
giam deiecto legitime magistratn sibi nsnrpare, magnificos bo-
nores et titnlos mnndiqne pompam contra evangelicam hnmili*
tatem qnaerere et totins orbis dominationem affoctare non minns
stnltnm esse et temerarinm, qnam evangelicae professioni ad-
versnm*. Bex vero haec sentiens minis verbisqne asperrimis
') Ganz Ähnlich H. Dorp. Damit stimmt die Aussage Johami's
(bei J. Niesert a.a.O. S. 178 f.) übereio, nach der ihm mehrfach „sein
geist getaget . . ., er solle ein konig sein over solch volck. Darap er ge-
andtwort und den Yatter gebedden, dat er solche Tan en wenden woUe.
dan solde he dem yolcke snlyest solche antzegen, wer schimpflich, nnd
würden dem keinen glanhen geben. ^ Yorgl. anch Johannas Bekenntnisse
M. G.-Q. II, 372. Sachlich bleibt Johann auch später in seinem Gespräche
mit Ant. Gorvin und Joh. Eymeus bei dieser Aussage und fugt hinzu:
„Offenbarung hab ich in diesem fal nicht gehabt, sondern es sind mir etwa
gedancken eingefallen, das zu Münster ein König solte erweit werden und
eben ich solte sein derselbige . . .** Auf die Einrede der Predikanten, Jo-
hann hätte seine Gedanken als fleischliche verachten müssen, erwidert er:
„Meine gedancken zwar hab ich hie argwenig gehalten; aber da der Pro-
phet kam nnd on mein zuthun mich zum König ausrief^ hab ich vermeint,
es were Gottes wille, und hab gleubt seinem gesandten. Hat er mich be-
trogen, mag er Terantworten."
') Quelle ist hier das Bekenntnis Joh. Beckmann's (bei J. Niesert
a. a. 0. S. 34), dem Kerss. auch die folgenden Worte des Königs entnimmt.
Danach wurde Johann von Dusentschuer zum König ausgerufen, „wuwall
de gantze gemejne, dewilen se syne uthwendige pracht gesehen, gemurret.
De konninck avers hefß: solx mjt draworden gestjUt, oick gesacht: Phj
jw allen! Wan gj my noch alle wederstonden, woxle ick nichtzmjn aver
jw und de werlt myt Godt herschen. idt werde oick syn angehaTen kon-
nynekiyck bestaen bliven.*' Yon einei Opposition der Gemeinde ist sonst
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638 Anno 1534 acta.
•et auditoribus horrorem incntientibns ipsos compescnit „Phie,^
inquiens, „obmnnnnratisne vos Patris coelestis dispositioni?
Etiamsi omnes in nnnm conflati mihi restiteritis, nihilominns
tarnen vobis invitis non solum hnic urbi, sed toti mundo Patre
sie volente dominabor, menmqne regnnm hie eoeptnm sine inte-
ritn perseverabit!^ Haec ubi dixisset, magna fit popnli tran-
qnillitas, nee qnisqnam contra haec regis tonitrna mutire audet.
Praeterea propheta et reliqui concionatores totum tridumn po-
pnlnm docent Hieremiam cap. 23^ et Ezechielem cap. 37* de
hoc popnlo Israelitico deqne hoc rege suo iusto vaticinatos esse,
ubi quicquid prophetae scribnnt de reliqniis filiomm Israhel
dispersis atqae de iisdem in nnnm locnm congregandis, de se
dici interpretantur, et qnicqnid de David rege iusto a Deo exci-
tando in postremis temporibus dicitur, de hoc suo rege scribi
populo persuadent. Et 13. capite^ ad Bomanos recitato omnes
ad obedientiam graviter hortantur^. Ideoque iam ipsum magis
suspiciunt et venerantur.
Mox propheta Dusentschuer, et ut regem dominum urbis
faciat et subditorum animos efifrenes ablatis indumentis et cibis,
quorum superfluo usu insolescebant, frangat, ne quid illis relin-
quatur, quo inflati adyersus regem ferociant, in concione publica
exaltat vocem suam sibique coelitus revelatum esse proclamat:
Patrem superfluum ciborum et vestimentorum tam mulierum
quam virorum usum damnare. Quilibet ergo virorum duas
tantum tunicas, duo caligarum paria, duos thoraces, duo capitis
tegmina et quatuor indusia, mulier yero duas tunicas, pallam
nicht die Bede. „Dat gemein volck heft stil geschwegen in der stat,' sagt
H. Gresbeck S. 82 f. „Der ein heft des geloft und der ander nicht mit
der oppenbaringe.** Nach J. Kloprifs a.a.O. S. 112 hat ^sich auch die
gemeind gehorsamlich afschreiben lassen.**
«) Vers 2—6. — *) Vers 21 ff. — ») Vers 1—7. — *) Johann selbst
sagt ans (J. Niesert a.a.O. S. 179; vgl. auch M. 6.-Q. II, 372) : »Darup
hebben die predicanten die schrift undersocht und solchs waer gefunden
und dem volcke solchs angetzeigt .. .*^ Die von Eerss. aus den Propheten
angeführten Stellen und auTserdem Hesekiel 30 sind in diesem Zusammen-
hange auch angezogen in dem Bekenntnisse des Dionjs. Vinne (M. G.-Q.
n, 277). Aus dem neuen Testamente verweist er auf Matth. 13 (Vers 41).
Joh. KLoprifs a. a. 0. S. 115 erwähnt noch das 31. Kapitel des Jeremias.
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Anno 1534 acta. 639
luiam, dno caligaram paria, qnatnor indnsia, brachialia qnatnor
et totidem pepla capitis tantnm habebit'; plnra vestimenta
habentes in commune deferent. Post tertium itaqne diem 83
*gementibns et bene onnstis plaustris vestes snperfliias yicatim*p. 522.
collectas ad aedes diaconomm convehnnt. Neqne quisquam pro-
phetae edicto frandem facere andet. Inde maiorem bnbnlarmn
suillanunqne camimn partem ex singulis tötins nrbis aedibns
direptam in communium omnium nsnm, nti popnlo persuadet,
ad suam anlam rex transfert, quam se redditnrnm in necessi-
tate pollicetur. Sed pennria inmiinente pennm tarn regis quam
popnli exhanstnm esse credere oportebat*.
Ne antem qnis basilicam hnins basilisci progeniem et
vitam ignoret, paucis eam expediam*. Puella quaedam Adel-
^) Zu den yerschiedentlichen Verordnungen über die Vereinfachung
der Kleider und Trachten vergl. oben S. 584 u. 630. Zeitlich lassen sich
die einzelnen Bestimmungen nach den Quellen nicht auseinander halten.
Den DusentschuerVhen Befehl erwähnt ausführlich H. Gresbeck S. 96.
Doch weicht sein Bericht über die Zahl der erlaubten Eleidungsstücke Yon
dem Eer8s.'s ab. „So solde ein Christen broder/ sagt er, „nicht mehr
hebben dan einen rock, twe par hosen, twe wemmese und drj hemmede . . •
So solde ein christlicke suster nicht mehr hebben dan eine fuicke, einen
rock, einen pels, twe kragen, twe par mouwen, twe par hosen und vehr
hemede. Wat ein ieder mehr kleider von maus und frowen hedden, die-
selye meisten sie over geyen." H. Gresbeck beschreibt dann das umfahren
der Diakone. „So hebben die diacken so viel kleider gekregen von maus
und frowen kleider, als sie hen fueren konden, dat sie ein huiss vol kleider
kregen. Dieselve kleider hebben sie gegeven den frembden lueden, die in
die etat qwamen loupen . . .^
^) Auch die Zeit, wann dieses Gebot des Königs erging, läüst sich
aus den Quellen nicht feststellen. Kerss. schöpft aus dem bisher unge-
druckten, weiter unten von ihm ausgiebiger benutzten Bekenntnisse des
Dieners des Malers Ludger to Ring (Orig. im St-A. M.), das aber erst
vom 23. Dez. 1534 datiert ist. Darin heifst es: „Item der konynck hefft
umbgefaren und uth idem huse speck genomen. We twe siden hadden,
helft he de eine genomen, we eine, de helfFte dar von und in sjnen hoff
gefort; und wan jemantz dat sjne upgegetten, solden se wat wedder halen;
averst nu se kemen, is des konynges mit den eren upgegetten. Nu will
he noch ein mal husssokinge don, und so noch jemantz ein stucke hadde,
wil he ock noch to sick nemen.^
^ Von neueren Bearbeitungen des Lebens Johann's v. Leiden s. be-
sonders den Artikel von B. Rose in der „Allgemeinen EncyklopÄdie" von
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640 Anno 1534 acta.
heidis^ nomine a parentibus agricnltnram in praedio qnodam
Zelekeu Monasteriensis dioecesis exercentibns procreata est, qnod
qnidem praedium in paroecia Dodorpiana * sub Horstmariano do-
minio sitnm iure proprietatis et servitntis ad nobilem qnendam
Godefridnm de Schedelichen pertinebat. Haec cnm fratres so-
roresqne complures haberet et praerepta a domino iure servi-
tutis maiore bonorum parte parum commodi ex isto praedio sibi
speraret, fortunam apud exteras nationes experiri praesidiumque
yitae suae inter ignotos serviendo sibi quaerere, quam inter suos
Bordescere miseramque vitam ducere maluit. In Hollandiam ita-
que profecta forma et corporis habitudine eleganti praetori in
Greyenhagen cognomento Boekell placere coepit; a quo post
arctiorem familiaritatem et consuetudinem compressa masculam
prolem in pago Hagen illi peperit, quem loannem Bokelsonem
quasi filium istius Boekel appellavit*. Quae ubi libertatem a
J. S. Ersch und J. G. Graber, 2. Sektion 21. Teil (Leipzig 1812) S. 438 ff.
und Yon C. A. Cornelius in der ^Allgem. deutschen Biograpliie'' Bd. 3
(Leipzig 1876) S. 91 ff., sowie die dort angegebene Literatur, zu der noch
hinzuzufügen ist L. Keller: G. d. W.
') In Johannas Aussagen sind die DeminutiYformen Aleke und Alit
angegeben.
') Darup. So heifst es auch bei Job. Fabricius Bolandus BL 0 !▼:
„Üt Bathayus pater huic humilis, sie nata Daropo
E tenui vico Westphala mater erat.'
Jobann nennt in seinen Aussagen als Geburtsort seiner Mutter nur im
Allgemeinen das Amt Horstmar.
^ Im Urteil des Hofes von HoUand vom 6. Okt 1534, abgedruckt
Yon 0. A. Cornelius in den ,, Abhandlungen der bist Kl. der Kgl. Baye-
rischen Akad. d. Wissensch.** Bd. 11 Abtlg. 2 (München 1869) S. 79 f., ist
Johannas yollst&ndiger Name Oude Jan Beuckelsz yan Lejden. In den
Aussagen bei J. Niese rt a.a.O. S. 174 ist ^syn vader genant Bökel und
ist ein schulte gewesen bjnnen Sevenhagen." Nach den Aussagen M. G.-Q.
n, 369 war der Vater »onder schöltet to Soevenbayen by Leiden.* Als
Geburtsort Johannas geben die Bekenntnisse bei J. Niesert, denen Kerss.
folgt, das Dorf Hagen, die Bekenntnisse M. G.-Q. IE Leiden selbst an.
üeber das Geburtsjahr bietet der weiter unten auch yon Kerss. übersetzte
sogen. Artikelbrief Johannas Aufschlufs. Die Yorschriften siod yom Könige
am 2. Jan. 1535, „synes olders sefs und twintich, sines rikes
des ersten jaers,'' erlassen. Danach fiele Johannas Geburt ins Jahr
1509. Zweimal nennt C. Heresbach (Ausgabe von K. W. Bouterwek S. 15
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Anno 1534 acta. 641
Godefrido Schedelichen, domino sno, pecunia redemisset, post
annos pancos confectis nuptialibos instrumentis facta est legi-
tima praetoris nxor^ atque aliqnoties ah illo foeta peperit. Hinc
annis aliqnot ante obsidionem natale solnm et sanguine sihl
iunctos revisit *, si forte quid dotis nomine ex praedio, ubi nata
foit, consequi posset. Cum vero inde Leydam rediret, inter
praedium Zeleken, locum nativitatis, et Dodorpium pagum male
affecta ad arhorem forte in itinere consedit suhitoque expiravit.
Cadaver ibi repertum Dodorpium tanquam ad suam paroeciam
sepeliendum transyehitur. Filius vero natu maior loannes Boe-
kelson Leydae inter sanguine sibi iunctos educatus legendi scri-
bendique vemacula saltem promptitudinem atque artem sarcina-
*toriam didicit*. Hinc robustior aetate factus partim merca-*p. 52a.
u. 27) Johann einen Jüngling von kanm 26 Jahren. Das Flugblatt „War-
hafftiger hericht der wunderbarlichen handlnng der Denffer zu Münster'
(s. P. Bahlmann: Bibl. 1535 Nr. 20 und Nachtr&ge S. 57 f.) hat auf dem
Titelblatte das Bildnis Johannas mit der Angabe „Etatis 26.' Die Denk-
münze zur Erinnerung an den endlichen FaU Münsters giebt das Alter des
Königs auf 25 Jahre an. Von den gefangenen Wiedertäufern sagt J. Elop-
rifs (bei J. Kiesert a.a.O. S. 134) unbestimmt aus: „Item der kunig
Johan van Leiden bj nit über xxx jair alt.' Der von J. Niesert
a.a.O. S. 174 aus einem gleichzeitigen Manuscripte im St.-A. M. richtig
wiedergegebene Wortlaut aus den Bekenntnissen Johannas, nach dem der-
selbe, „als er xxx jar alt gewesen,' vier Jahre lang England bereiste, ist
sonach wohl sicher auf einen Schreibfehler im Manuscript zurückzuführen.
*) „Und sein vader,' bekennt Johann (bei J. Niesert a.a.O.), „hefft
ehme tovoren gemaket, dama hefft he syne moder . . . betruvert und ist
frj gekofft.' Eerss. erwähnt also nicht, dafs Johann im Ehebruch gezeugt
wurde. „Sine moeder,' so lautet jedoch Johann's Aussage M. G.-Q. II, 369,
„. . . woende by sinem vader vii iair und gewan by oen disen Johan, die
wile sin wif noch leif den, und na dode sins wifs leiden hy dis Johans
moeder to kirchen.' Bei Job. Fabricius Bolandus, der Quelle für
Herm. Hamelmann S. 1196 ist, heifst es a. a. 0.:
„üxor erat sterilis, cupidus vir prolis; eo cum
Consuevit famula perfidus ille sua.'
Dafs Johann's Vater ein Schneider gewesen sei, ist ein Irrtum Boland's,
den Hamelmann nachschreibt
') Die Reise und den Tod der Mutter Johann's berichtet nur Kerss.
") Johann sagt aus (bei J. Niesert a. a. 0.): „. . . hefft alleine
schryven und lesen gelert, dama eine schneder gewesen.' Nach Herm.
Hamelmann wurde der Sohn vom Vater der Schule übergeben, „donec
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642 Anno 1534 acta.
tnrae, partim sarcinatoriae exercendae cansa in Angliam pro-
fectns, nbi quadriennium fere haesit, hinc in Flandriam et Lys-
bonam peregrinatur, unde Lnbecam. Lejdam reversas invenis ad-
modnm relictam cninsdam nantae defoncti nxorem dncit, qnae
Uli duas peperit proles \ ac Leydae in domo tribns arengis seu
halecibns insignita non ita procul a porta, qua iter est in Greven-
hagen, commoratnr, canponiam cervisiam yinnmqne vendens
exercet^ Hie se rythmis vemacnlis componendis ab inennte
aetate mimm in modum fatigat, unde rythmologns seu rhetori-
caster in soa lingna habitns est scholamqne in hac arte erigit
eamqne promptitndinem discipnlos ad se sna levitate allectos
docet^. Ludos etiam varii generis a se patria lingna compo-
sitos in theatris et scenis popnlo pnblice, nt moris est in istis
locis, Incri gratia exMbet, qnibns interdnm Indicra, interdmn
obscoena et tnrpia, raro vero seria et cum virtnte coninncta ad-
et grammaticos libros et scripta eleganter legere et intelligere scriberequo
mediocriter didicisset et prae ingenii acumine quaedam ex Latino sermone
Qsn quodam citius percepisset, quam scholastici plane addicti et traditi
Latinis litoris.** Auch als Schneider, fugt Herrn. Hamclmann dann hinzu,
„laboribus semper, quantum potuit, sufforatur aliquid temporis, quod novis
libris perlustrandis impenderet^
^) Die Zahl seiner in Leiden geborenen Kinder giebt Johann nur in
den Aussagen bei J. Niesert an. Doch setzt er hier wie auch in seinem
Bekenntnisse M. G.-Q. II seine Verheiratung seitlich vor seine Reise nach
Lissabon und Lübeck.
') „. . . und hebben beer und wyn getappet," heifst es nur in den.
Aussagen bei J. Niesert. Vgl. C. Ueresbach S. 22, der an Erasmus
schreibt: „eundem . . . affirmabant . . . alii institorem apud Leydam . . .,
alii noQyoßoaxoy, nonnulli militem gregarium, verum militasse nunquam
ipse ab eo postea audivi.''
•) lieber die literarischen Vereine der Rederijker in den Niederlanden
vergl. besonders W. J. A. Jonckbloet: Gesch. der niederländischen Lite-
ratur; deutsche Ausgabe von W. Berg Bd. 1 (Leipzig 1870) S. 331 ff. und
J. Schwering: Zur Gesch. des niederländischen u. spanischen Dramas in
Deutschland (Münster 1895) S. 9 ff. Dafs Johann Mitglied eines solchen
Vereins war, findet sich bezeugt in dem Bekenntnis Jakob's v. Kämpen,
der am 17. Mai 1535 aussagt (s. „Abhandlungen d. histor. KL. d. Königl.
Bayer. Akad.** a. a. 0. S. 98) : „dat hy in voortyden heft gekent Jan Boe-
kelsz, nu coninck tot Munster, ten tyde als Jan voorsz waerde (waende)
en rhethorycker was tot Leyden.**
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Anno 1534 acta. 643
miscet*. Qnibus rebns ita ingenium sunm exercuit, ita facun-
diam sermonis illecebris anxit et confirmavit, ita solertiam et
versutiam miscuit, nt, in quamcnnque partem velit, populnm
flectere possit. Profecto, monstrum ex virtutibus vitiisqne mix-
tum diceres^ In sacris etiam literis, maxime biblicis, versatns
^) Nur von Kerss. überliefert. H. Gresbeck S. 168 berichtet ans,
wie Johann sp&ter im Dome zu Münster die Erzählung von dem reichen
Manne und dem armen Lazarus theatralisch zur Aufführung bringen liefs.
Vgl. auch J. Schwering a.a.O. S. 18 f.
') Yon den Zeitgenossen sind uns nur sehr wenige allgemeine Cha-
rakterisierungen der Persönlichkeit Johann's v. Leiden überliefert. Das
Flugblatt „Der gantze handel und geschieht'' Bl. A 2 nennt ihn „von an-
gesicht, Icbfsen, vernunfft, gespräch, stoltzigkeyt, beben-
digkeyt, künen thaten und anschlegen ausbündig, edel und
wolgeschickt.^ Diese Charakteristik ist von Sebastian Franck in
seine Chronik übernommen worden. — Ant. Corvin schreibt an G. Spalatin
über Johann (Bl. A4): „Fuit enim in excogitandis iis, quae regalem hanc
pompam decebant, mirus artifex; ad haec in patria lingua facundus,
subdolus, fraudulentus et versipellis.^ Bei Erwähnung seines
Gespräches mit B. Knipperdolling und B. Erechting fügt er Bl. B4 über
diese hinzu: „, . , neque calliditate neque facundia regi pares
fuere.** — C. Heresbach S. 15 schildert ihn als einen Jüngling
„vafri ingenii, oris et spiritus gratiae plurimum confidens
et ad res novas ingenio apposito, caeterum indoctus . . .'^
„Qui cum tragico hoc rege," schreibt Heresbach S. 22 weiter, „dum adhuc
loannes Leydensis esset vestiarius et scurra vaferrimus, consuetudincm
habuerunt, eundem ad comminiscendas imposturas mirum arti-
ficem ac veluti natum affirmabant." — H. Bullinger: Der
Widertäuffer Ursprung . . . (Zürich 1560) S. 52 fafst das Urteil über Johann
in die Worte zusammen, er war „scharpffsinnig, wol beredt und
zimlich beläsen, darzu ser geschwind und listig, auch fast
fräfen, doch wunderbarlich glychfsnerisch und anhärig.**
Auch L. Horten si US S. 26 f. sagt: „Indoles fuisse videtur plane illibe-
ralis, inverecunda, audax, potentiae avida et in libidincm prona. Ad ea
accessit ingenium subdolum ad simulandum et dissimulandum quidlibet
promptum, beluina item ferocitas in eos, in quos Imperium esset, si pec-
catum admissum fuisset. Quae omnia vitia authoritas crcditi spiritus pro-
phetici et reverentia facile celabat." — Der äufsercn Gestalt Johann's
widmet Joh. Fabricins Bolandus einige Verse (Bl. 0 !▼), nach denen
H. Hamelmann S. 1196 berichtet. Uebcr bildliche Darstellungen Johann's
in Kupferstichen, Gemälden und auf Münzen, besonders über die Kupfer
H. Aldegrever's, mit Angabe der einschlägigen Literatur handelte neuer-
dings J.B. Nord ho ff in den „Bonner Jahrbüchern'' Heft 96u.97 (Bonn
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644 Anno 1534 acta.
est, quas, qno ille velit, pro sna libidine deto^q^let^ Omnis
levitatis lasciviaeque magister est. Adolescentes adolescentülasqne
promiscue receptat lenociniumqne clanculum facit. Hnc petnlci
adolescentes coennt, hie noctes diesque potitant, hie crapnlantur,
hie helluantur, hie scortantur, hie Insitant, hie fidibns aliisque
mnsicis instrnmentis eanimt, hie facnltates snas profnndnni
Interdnm tarnen sareinatoriam vel animi gratia yel honesti opi-
ficii praeteztn nsnrpat. Hinc hnius yitae ant pertaesns ant
splendidiora affeetans, cnm insignes verbi divlni concionatores
Monasterii esse intelligeret, clam ab more sua divertit et di-
scendi aviditate illeetus circa festnm-Pentecostes anni 1533 eo
secessit atqne Hennanni Bameri, civis, hospitio ad festom lacobi
nsns est^ Eine explorandae religionis cansa Osnabnrgam pro-
1895) S. 320 ff. Er weist anf die zahheichen in den Niederlanden verfer-
tigten Portraits der Häupter der Münsterschen Wiedertäufer hin. Ygl. auch
über 2wei in Schwerin befindliche Bildnisse des Königs und der Königin
(von Fr. Floris? oder von Herrn, to Ring?) F. Schlie: Beschreibendes Ver-
zeichnis der Werke älterer Meister in der Grofsherzogl. Gemälde-Gallerie
zu Schwerin (Schwerin 1882) S. 524 ff. Die Bildnisse sind wiedergegeben
im „Deutschen Hausschatz'' Jahrg. 19 (Begensburg 1893) S. 468 f.
^) „DerKunig," bekennt Job. KlopriTs (J. Niesert: Ü.-S. I. S. 134),
„sj ... eins grcifsen Verstands in der hilligen schrifft, auch
einer solchen wolsprechenheit, das er damit das volk be-
wegt, ime anzuhangen." Aehnlich sagt er (a.a.O. S. 128) aus: „Und
dweill er dan uss deme wort Götz wunderlige dinge kunt sagen, so bewegt
er das volck damit, das sie imc geneigt und anhengig worden.''
') Hier und Im Folgenden wiederholt und vervollständigt Kerss. in
engem Anschlüsse an Johannas Bekenntnisse bei J. Niesert S. 175 seinen
schon oben S. 412 f. gegebenen Bericht. In seinen Aussagen M. G.-Q. II,
369 f. berührt Johann seinen Aufenthalt in Osnabrück, Schöppingen und
Coesfeld nicht, führt aber als Grund seiner Reise nach Münster an: „. . . so
hy . . . an siner kopmanschaft verlaeren hadde, wolde hj na Munster reisen.
Dair innen oen sine huisfrouw wederde, seggen : „wilt ghy noch meher ver-
teren ? ghy en hebben doch genoech an uwcr kopmanschaft verlaeren !* Is
aver buiten oeren willen dair hinnen gereist^ so hy huerden, dat wort Götz
dair selfs am heisstcn und beisten gepredigt werde. Aver doe noch niet
weder doept." — Die erste Anwesenheit Johann's in Münster erwähnt kurz
auch Job. Kloprifs a.a.O. S. 128. C. Heresbach S. 22 berichtet, dafs er
Johann zur Auskunft, „quo pacto spiritu ac visu admonitus Monasterium
petiisset,^ habe erklären hören: „hie coelestem Hierosolymam ftitnram
scque illic mira praestiturum."
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Anno 1534 acta. 645
fectos, nnde propter anabaptismnm, qnem palam serere coepit,
profligatas est, inde Schoppingam; nbi cnm dies aliqnot in aedi-
bns Henrici Erechtingi, *gogravii, eadem fece anabaptistica pol-*p. 524.
Inti haereret, snggestione Spiritus nocte raptus est ad lectnm
famnlae aegrotantis, nt eam suis pharmacis et sno baptizandi
ritu cnraret*. Hinc Coesfeldiam, inde Monasterinm regressns.
Tandem circa festam Omnimn Sanctonim^ in patriam snam
rediit ibiqne cnm Matthissone de paedobaptismo egit et retinc-
tns est mansitqne in patria ad festnm nativitatis Christi Inde
cnm Gerardo thom Kloester itineris comite Breylam, Eotero-
damnm, Amstelrodamnm, Enckhnsiam, Alckmariam et alia loca
in transcnrsn simnl peragrabant rebaptizantes qnosvis obvios^
Hinc Lejdam reversi sunt, nbi non ultra tridunm haerentes
Monasterinm ad 13. diem lanuarii anni 1534 redierunt^ et a
Enipperdollingo hospitio excepti conyenticula cum Henrico Bollio
aliisque eiusdem farinae concionatoribus creberrima et fere quo-
tidiana egerunt. Consnltationis suae decreta ecclesiastae in yulgus
spargunt^ eoque rem deducunt, ut totam civitatem fere demen-
tent et ex stnltis insanos faciant Boekelsonem creantes regem.
*) Vgl. die schon oben S. 509 Anm. mitgeteilte SteUe aus dem Be-
kenntnisse Johann's. Die Worte sind in der Wiedergabe der Aussagen bei
J. Niesert fortgelassen und von C. A. Cornelius M. G.-Q. II, 417 f.
nachgetragen. Auch C. Heresbach S. 22 erw&hnt diese Begebenheit.
Er hat sie aus dem Munde des gefangenen Königs erfahren.
*) 1. Nov. — ') Kerss. folgt auch hier weiter den Bekenntnissen
Johannas bei J. Nies ert, die im Ganzen mit denen in den M. G.-Q. über-
einstimmen. Nur in der Angabe der Zahl der an den einzelnen Orten
Wiedergetauften weichen die YerhörsprotokoUe von einander ab. Auch giebt
das in den M. G.-Q. mehr Namen. Zwischen den Aufenthalt in Rotterdam
und den in Amsterdam fällt eine nochmalige Anwesenheit Johann's in
Leiden, während welcher Johann u. A. seine Frau wiedertaufte. — Das
„Urteil des Hofes von Holland« a. a. 0. S. 79 sagt über Johann: «... dat
deselve deffaiUant zeer besmet was van den Lutersse ende Melciorite secte,
welcke secte hy gesajt ende geleert hadde binnen der stede
van Lejden diversche persoonen hardoopende vel luyden
binnen zjnen hujse . . .*
*) Hier giebt Kerss. richtig Gert tom aoister als Reisegenossen Jo-
hann's an, w&hrend er oben S. 478 f&lschlich Jan Matihys als solchen nannte.
») Gemeint sind die oben S. 448 Anm. erwähnten Artikel der Wieder-
täufer.
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646 Anno 1534 acta.
Eeliquerat hie Boekelson nxorem snam in patria vaferri-
mam, qnae eadem fece contaminata, qua maritns, mnltos ibi
blandiloquentia sua clancnlum seduxerat. Sed prinsquam Mona-
sterinm obsidione solntnm esset, a magistratu Lejdano appre-
hensa temerarii schismatis poenas gladio pendit^. Fratrem ha-
bnit, quem secum in urbem abduxit*. Soror vero consuli Ley-
dano nnpsit; cui cum fortuna novercaretur, locum commutavit;
nee tarnen id multum profuit, nam inops, ut dicitur, anno, ut
opinor, 1568 e vivis excessit.
Ita regiam maiestatem per Warendorpensis prophetae som-
nium consecutus palatinos vel palatii sui ministros seu aulicos
se dignos, hoc est sceleratissimos quosque, sibi deligit, maxime
vero eos, quorum coUusione ad hoc honoris fastigium emersit.
Principio itaque, ut suo hospiti in primis gratificaretur et sub-
ditorum rationem habeat, si regno aucto et düatato omnibus
oneribus solus superesse non possit, KnipperdoUingo vicariam
operam et fiduciariam regni administrationem se absente vel
occupato committit^. Bernardus Bothmannus, omnis motus
*) Yon den wiedertauferischen Unruhen in Leiden im Januar 1535
berichtet auch L. Hortensius S. 53. Yergl. dazu C. A. Cornelius in
den »Abhandlungen d. Kgl. Bayer. Akad. d. Wissensch." bist Kl. Bd. 11
Abtlg. 2 (München 1869) S. 66 f. u. 88, wo es in einem Briefe des Reynier
Brunt an den Grafen von Hoichstraten vom 27. Januar 1535 heifst : ,Vaii
Dordrecht heb ic meester Vincent up eergister doen advertem van de ver-
gaderinge tot Leyden van den anabaptisten ten huyse van den pre-
tense coninck van Sion, die welcke, nae sy langen tyt resistencie
gedaen hadden, in vangenisse gebrocht syn tot in getal van 19 of iiO per-
sonen, soe vrouwen als mannen, daer desselfs conincx huysvroe
een of es . ,.**
•) Einen Bruder Johann's finde ich in den Quellen nur einmal er-
wähnt. Job. Kloprifs sagt aus (J. Niese rt a.a.O. S. 128), „der kunig
hab vom stürme prophetiert, defsgeleicben auch, das sein broder mit
Enipperdollings dochter sulle verhillicht werden."
■) Die Einrichtung des Hofstaates sowie die Ernennung der könig-
lichen Beamten und Diener ist nach dem Bekenntnisse des Job. Eloprils
a.a.O. S. 113 und nach H. Gresbcck S. 85 durch Rothmann aus einem
Register dem Volke verkündigt worden. Die im Folgenden von Kerss. ge-
gebenen Namen und Amtsbezeichnungen finden sich mit wenigen Ausnah-
men wieder in der in hochdeutscher Sprache gedruckten, bei Weitem voU-
st&ndigeren „Des Münsterischen Königes Johann von Leden Hoffordming,^
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Anno 1534 acta. 647
auctor, coryphaeus et summus concionator, fit nunc orator re-
giu8^ *Begi a consiliis quatuor: Gerardus tznm Kloester, Ber-*p,
nardus Krechtingus, pastor Gilthusianns, Henricns Eedeker,
pellio, Gerardus Eeyninck, mercator *; quibus postea Christianum
Eerckringnm patricinm praeficlt tanquam dissentientium senten-
tiarnm sequestrum *. Andreas Coesfeldianns censor morum*.
Hermannus Tylbech, patricius, praefectus praetorio, quem alii
praefectum palatii seu aulae magistmm appellant^. Henricns
Krechtingus, gogravius Schoppinganus, archigrammateus ^ Joannes
einem Fingblatte, das 1535 zugleich mit einem Berichte Hermann's v. Men-
gerssen über die Eroberung Münsters veröffentlicht wurde (Neudruck nach
einer Handschrift in niederdeutscher Sprache im Altertumsvereine zu Münster
in der Zeitschr. 16 [1855] S. 358 ff.; vgl. auch P. Bahlmann: Bibl. 1535
Nr. 17). In niederdeutscher Sprache ist uns diese „Hofordnung'' noch er-
halten im „Cod. ms. bist. 657* (Mss. Zwichemiana) Bd. 8 der Üniv.-Bibl.
zu Göttingen. In den Noten habe ich auch dieses gleichzeitige Manuscript
berücksichtigt. — Die „Hof Ordnung" kennt das erst im Frühjahr 1535 ein-
gerichtete Amt der Herzöge noch nicht. Andererseits aber führt sie in
einem Anhange die Namen von sechzehn Frauen Johannas auf. Da aber
die Aussagen der im October 1584 entsendeten wiedertäuferischen Apostel
von höchstens sechs Frauen Johann's sprechen (Genaueres darüber s. weiter
unten), so können die Angaben der Hofordnung nicht unbedingte Geltung
haben für die Zeit der Errichtung des Königtums, sondern erst für die Zeit
zwischen dem November 1534 und dem Mai 1535.
') „Waner," bemerkt H. Gresbeck S. 93, „dat dair was tho sagen,
dair dem konninck macht an lagh, so plagh Stutenbcmt dat wort tho dein.
Der was des konnincks advocat ofte sein worthelder."
') So auch die „Hof Ordnung". Dieselben königlichen Räte nennt
Herm. Regewart in seinen Aussagen vom 3. Dez. 1534 (J. Niesert: Ü.-S.
I. S. 28), nur hat er nicht den Namen Gert's tom Cloister, sondern sagt:
„Her Gerdt, ertydes capellaen to Deventer." Job. Beckmann giebt (M. G.-Q.
II, 411) an letzter Stelle unbestimmt „Herman of Gert Reininck" an.
Dionys. Vinne (M. G.-Q. II, 276), der wieder Gert Reineken nennt, führt
statt des Gert tom Cloister Rothmann als einen der Räte auf, H. Dorp
Bl. F !▼ einen Geistlichen Joannes Daventriae, L. Horten sius S. 32 einen
„Gerardum, compaginatorem librarium SuoUanum."
*) Die „Hofordnung" führt Christian Kerkerinck als einen unter den
fünf königlichen Bauherren auf. B. Krechting sagt am 25. Juli 1535 aus
(J. Niesert a. a. 0. S. 194): „Kcrsten Kerckerinck sy visscher und grever-
meister gewesen."
*) Zuchtmeister. — *) Hofmeister. — *) Kanzler.
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648 Anno 1534 acta.
Pnchmannns regi a secretis K Bemardns Zwollanns arcMmagiros ^
Gerardns Kibbenbrock praegnstator*. Eberardns Beymensnider
strnctor*. Gwalterus Schemmeringk regi a pocnlis*. Gerardns
Bonnensis pylorns •. Joannes Snttorpe et Hupertns Knpperschleger
cnbicnlarii ^. Christophorns Waldegk, episcopi filins, qni rernm
bellicamm ignarns per imprndentiam e castris propins ad nrbem
accedens ab oppidanis ernptionem facientibns captns et in nrbem
ad regem dnctns est, ob liberaliorem formam, qnam prae se
ferebat, factus est somatophylax» regins®. Caspar Wynschenck
hemerodromns ^. loannes Cnlmannns ostiarins ^". Lnbbertns
Haverhoven coqnns. Henricus Deckeninck promns ' K Lnbbertns
Oestermannns organicen. Habebat enim rex organnm in aedibns
snis parvnm qnidem, sed tanta fistnlamm omnis generis copia
refertnm, nt vocnm varietate, sonornm snavitate et singnlari
artificio cnm maximo etiam certare possit; hoc se snosqne anlicos
>) Ms,: somotophilax.
') Im alten Druck der „Hof Ordnung'': „Ca aper Puthman, secretarius.'*
Doch hat das Göttinger Mannscript den Yomamen Johann, der Nendrack
Jasper Puchmann. — *) Küchenmeister.
^) Kredenzmeister. Dionys. Vinne sagt (M. G.-Q. II, 276): „Kipen-
broick kockemester sins achtens.** H. Dorp fuhrt a.a.O. G. Kibbenbroiek
ebenfalls als „Credentzer" auf. — *) Vorschneider. So auch H. Dorp.
*) So auch der alte Druck. Im Göttinger Mscr. heifst er Woltor
Schemelick, im Neudruck Wolter Schenkingh, bei H. Dorp Walter von
Schoppingen. -— ®) Thorwärter. — "') Beide fehlen in der ^Hofordnung.**
^) „Mins g. h. son ist des konninges kemmerlingk,** sagt Dionys.
Vinne im October 1584 aus (M. G.-Q. II, 276). Ebenso heifst es in dem
auf die Aussagen der Münsterschen Apostel zurückgehenden Berichte der
„Newen zeitung»* (Zeitschr. 27 [1867] S. 257), wo von den zwei Knaben
die Rede ist, die den König begleiten, wenn er in seiner Majestät in der
Stadt umreitet (vgl. weiter unten): „der knaben einer ist meins g. h. von
Münster son, der ist dar inne gefangen und wartet auf des königes leib
in der kamer.** S. auch L. Horten«ius S. 33. Nach einem Briefe Ju-
stinian^s von Holtzhausen an den Rat der Stadt Frankfurt a. M. vom 8. Juni
1535 ist Christoph v. Waldeck am 2. Juni aus der Stadt entronnen (M. G.-Q.
II, 351). S. auch J. Niesert: Ü.-S. II. S. 500. Danach ist die Angabe
bei Job. Fabricius Bolandus Bl. V 7 zu verwerfen, der dem Bischof
seinen Sohn durch H. Graes (Januar 1535) wieder zugeführt werden läfst.
— Nur der Neudruck der „Hofordnung" nennt den jungen Waldeck.
») Lakai. — >•) Pförtner. — ") Slueter = Ausgeber.
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Anno 1534 acta. 649
singnlis fere diebns in tnrba reginarnm et pellicnm choreas dn-
cens oblectat^ Joannes Bnsschodncensis pyropaens ^. "Satellites *p. 526.
regia 28: Gerardns Aldenzeell, Henricns Santensis, Hermannns
Bilderbeck, Emestns Dammensis, Georgins Fromme, Egbertns
Scharlaken, Henricns Osnabnrgensis, loannes Brinck, Petms
Bevens \ Bemardns Olieschleger, Adrianns Traiectensis, Gerardns
Schelve, Tnrban Bjll^, loannes Langstrate, Hermannns a Wnllen,
Theodoricns Dnsseldorp^, loannes Schnren*, Infans Agrippinas,
loannes Bispinck, Qnirinns Aqnensis, loannes Yoess, Engelbertns
Edinck, Antonius Velthness, lacobns Aldenzeell, Hermannns Kiste-
maker, Otto Belholt*, Bemardns Wichardes, loannes Grevoni-
ensis. Nilandns Enipperdollingo snccessit factnsqne est ensiger
iisdemqne ministris, qnibns Enipperdollingns antea, usus est^.
loannes Eerkringns, nothns, in re militari exercitatissimns, fit
architectns, qni cum Gerardo Mackenburgo, loanne Daventriaco
ac Antonio Grotevadero, coUegis suis, magnam operariomm ca-
tervam regit ^ Oenoprostatae® dno: loannes Ossenbecke, loannes
Salwide. Creopolii praefecti® 2: Bemardns Boentmpp, Gerardns
Pmesse. Fmmenti praesides 2^®: Hermannns Eeyninck, Ber-
nardns Menneken, qni etiam aromatnm et placentamm cnsto-
diam habet. Hanso Borstel anrifaber. Bemardns Bnschius mone-
tarins. Winoldns N. tonsor. Hermannns Glade pistor. loannes
^) Auch Bernh. Erechtiiig erwähnt den Organisten des Königs, indem
er am 25. Juli 1535 aussagt (J. Niesert: Ü.-S. 1 S. 195): ^ümb die 4
weche hebben se eine dans geholden uth des konigs bevelch, und ist einer
dar bjnnen gewesen mit namen Lutgerus, hefPt dem konigo up dem ergein
gespilf „So hadde,** berichtet H. Gresbeck S. 103, „der konnick sein
Organist und hadde ein postif in seinen huifs; derselve spielden dair
weilen dat sie etten."
*) In der „Hof Ordnung": „Johan van dem ßussche fuerboeter."
•) Fehlt in der „Hofordnung**, in der ein Peter Bruins als einer
unter den sechs „Ausreutem oder Feltschützen** genannt wird. Im Neudruck
heifst er Peter Brunsinck. — *) In der „Hofordnung" ürban Bilde.
*) Fehlt in der „Hofordnung."
*) Vgl. oben S. 574 u. 583. Niland ist in der „Hofordnung" nicht
erwähnt. Kerss. nennt ihn weiter unten nochmals.
^) Als fünften unter den Bauherren fuhrt, wie schon oben gesagt,
die „Hofordnung" Christian Kerkerinck an.
•) Weinherren. — •) Fleischherren. — ■*) Over dat kom.
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650 Anno 1534 acta.
Coesfeldianus ephippiopaeus ^ Henricus Leodins sarcinator. Her-
mannns Hagedorn piscator. Tabellarii duo: Goswinns Glasemaker,
Henricus Oldenzeel*.
*p. 527. *Officiorum, qnae ad militiam pertinent, distribntio':
Omnis regiae primarii praefecti * Gerlacus a Wallen, Lambertus
Leodius, nobiles. Joannes Kursener, pellio, magister eqnitmn*:
Conradns Kruesse totius pedestris exercitus praccipuus dui*;
Infans Aldenzelanns, Joannes luliacus, Christophorus SchonhoflF
signlferi 3^; Nequam Mulhemicus dnctor praecipui exercitns,
Speius ductor gregariorum®; Arnoldus Aldenbnrgicns dux cnr-
sorum; Henricus Xantes, loannes Middelburgus armonim prae-
fecti 2^; Gerardus Marcoduranus, Caspar Bornemannus aciei in-
structores 2*"; Hermannus Marcoduranus tympanista*^
His reliquisque officiis, quae brevitatls causa prudens
omitto**, non allter regiam suam exomat, ac si regia stirpe
') Sattelraacher. — *) In der „Hofordnung" ist der letzte der beiden
Boten Hermann von Oldensell. — ') Vgl. dazu H. Gresbeck S. 84 f. u.
122. — *) Feldherren. — *) Rittemeister. — *) Oberste Hauptman.
^) Der Letztere fehlt in der „Hof Ordnung."
®) Im alten Druck der „Hof Ordnung"; „Schaep von Melven fürer
bey dem gewaltigen hauffen, Spe Für er bey dem vorloren hauffen." Im
Göttinger Mscr. : „Schaep van Molven furerer by dem weidigen hoep,
Spe by den vorlaren hoep furerer." Im Neudruck: „Schapp von
Melven forehr . . . Spe f or ehr." Offenbar ist hier das Amt der Furiere
gemeint, nicht, wie Kerss. irrtümlich übersetzt, das der Führer.
*) Heinrich Sanctus und Johan Middebroch nennt auch der alte
Druck der „Hofordnung" als Rüstmeister. Im Göttinger Mscr. heilst es:
„Henrich Sanctus, Johan Muderwerth Rustmester," im Neudruck: „Hin-
rick Xanctus, Johan Mudelborgh."
^°) Im alten Druck: „Gerdt von Duiren Weweler bey dem gewei-
tigen hauffen, Casper Bornman Weweler bey dem verloren hauffen." Der
Neudruck führt Gerdt van Düren und Jaspar Bordemann, das Göttinger
Mscr. nur Gerdt van Düren an.
") Fehlt in der „Hofordnung." — '*) Die „Hofordnung" fuhrt neben
Pfeifern und Trommelschlägern noch namentlich an : 1 Holzförster, 2 Bier-
und Brodherren, 2 Wollherren, 2 Büchsenmeister, 1 Futtermeister, 1 Stall-
meister, 4 Büchsenschützen, 1 Buttermeister, 1 Thorhüter, 1 Vogt, 2 Turm-
hüter, 1 Schuster, 2 Kleinschmiede (Göttinger Mscr. u. Neudruck: „klcin-
snider"), 1 Glasmacher, 5 Schmiede, 5 Maurermeister (Göttinger Mscr.:
„muntemester"), 5 Zimmermeister, 5 Wallmeister, 2 über die fette Kost^
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Anno 1534 acta. 651
procreatns, regiis moribtfs Imbntns ac inter principes ab inen-
nabnlis edncatns esset K Interea dnm haec officiomm fit distri-
bntio, nt et enm, qnem ministromm tnrba fingebat, yestitn et
corporis omamentis exprimeret, dnas Coronas ex anro pnrissimo
falgentibns gemmis per certa Intervalla distinctis sibi fieri inssit,
qnamm altera tnrricnlis qnibnsdam more regio ednctis, altera
yero praeter tnrricnlas istas crncem qnoqne ex anreis laminis
snpra capitis verticem gestans maiori artificio more imperatorio
ita elaborata est, nt materiam opns fere snperet', nnde non
2 Aasteiler des Gewandes, 1 Gewandverschaffer (das Göttinger Mscr. nnd
der Neudruck nennen zwei mit dem Amte „dat want to schaffen,'' und
zwar neben Magnus Koehues noch Clawes Stripe), 2 Austeiler des Holzes
und 2 Gastmeister. Ob die angeführten Handwerker nur für den Bedarf
des Königs und seines Hofes arbeiteten, oder auch für sämtliche Einwohner
der Stadt, läfst sich aus den Quellen nicht entnehmen. Wir wissen nur,
dafs um Geld und Lohn nicht gearbeitet werden durfte. „In Munster sie
alle dingk gemein," heifst es im Bekenntnis des Joh. Kloprifs (J. Nies er t:
U.-S. I. S. 126), „und treiben nit destoweniger ire hanntwerke, aber alles
um nicht z.** „. . . arbeiden um gelt,** sagt Rothmann in der „Bestitution**
S. 71, „. . . is in krafft der leiffden und gemeinschap bj uns gantz ge-
yallen . . ."
') So schreibt auch A. Corvin anG. Spalatin Bl. A4: „Aulam
praefecturis ac ofüciis ita instituerat, ut, si natus rex fuisset, prudentius
non potuerit."
*) Diese genauere Beschreibung der zwei Kronen des Königs giebt
nur Kerss. Von zwei Kronen, jedoch für den König und die Königin, be-
richtet unter den gleichzeitigen Quellen das Flugblatt vom Jahre 1535
„Newe Zeytung die Wiederteuffer zu Münster belangende" (s. P. Bahl-
mann: Bibl. 1535 Nr. 9) Bl. A2^: „Hatt lassen von Ducaten gold zwo
Kronen machen, ihm und seiner Kunigin, alle mal drey kronn auff
einander." Eine andere „Newe zeitung" (zuletzt abgedr. in der Ztschr.
27 [1867] S. 255 ff.; s. P. Bahlmann a.a.O. 1535 Nr. 11), die zum Teü
auf die Aussagen des Heinrich Graefs zurückgeht, führt unter den Insignien
des Königs Bl. A2^ u. a. eine „dreyfeltige krön, seer köstlich gemacht
Yon ducaten gold . . . und darauff köstlich geschmnck** an und fugt hinzu:
„Der gleichen helt sich auch die königen.^ Die Krone der Kö-
nigin speziell erwähnt noch H. Gresbeck S. 109 bei Gelegenheit des
Abendmahles auf dem Berge Zion und weiter L. Hertens ius S. 44. Auch
nach H. Dorp Bl. F !▼ „lest sich der König zwo gülden krönen vom aUer
besten golde machen." Endlich spricht noch D. Lilie S. 234 von „twe
golden krönen, de eine noch kosüikor, als de anderen." Sonst finde ich
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652 Anno 1534 acta.
solnm regnum aat partem aliquam mnndi, yernm etiam totins
orbis Imperium et monarchiam se consecntunmi animo concepit.
Torqnis gemmatns, cni aureus mediocris magnitudinis glo-
bus mundi formam repraesentans adhaeret, duobus gladiis trans-
versis, altero aureo, aJtero vero argenteo, transfiius a collo de-
pendet. Inter capulos vero gladiorum in suprema globi super-
ficie crux aurea posita fuit, cui haec verba inscripta fuenmt:
"p. 528. „Ein koninck der gerechticheit *uber all," vel: unus rex iusti-
tiae super omnia^; unde non obscure se mundi dominum esse
stets nur eine Krone des Königs erwähnt Sie war nach Angabe H. Gres-
beck's 8. 108 „twe hant briet hoich.^^ L. Hortensins S. 33 hat die
Notiz: „Corona ex puro et obrizo triplex gemmis et signis mirandom in
modum affabre facta." Auf die Frage, wie der König gehe, antwortete
Herrn. Regewart im Verhör (s. J. Niesert: Ü.-S. I. S. 28) u. A., der
König habe „eynen swarten hoeth myt eyner gülden krönen upgehatt."
Von der Krone auf dem schwarzen Hute spricht auch Dietrich von
Hamburg Bl. A3. — „De kröne und ander zirait," sagt Dionys. Vinne
aus (M. G.-Q. n, 277), „ist dorch de goltsmede gemaket." Die königliche
Krone wurde, wie Kerss. weiter unten berichtet, nach der Einnahme der
Stadt zugleich mit dem Schwerte und den goldenen Sporen Johannas dem
Bischöfe von Wilkin Steding überliefert. — üeber den Prunk des Königs
und seines Hofes vgl. auch J. B. Nord ho ff in den „Bonner Jahrbüchern'^
Heft 96 u. 97 (Bonn 1895) S. 323 ff.
') Diese Kette des Königs ist mehrfach in den Quellen genauer be-
schrieben. Kerss.'s Worte stimmen mit der Schilderung überein, welche
die „Newe zeitung'* (in der Zeitschr. 27 S. 257) giebt, in der es heifst,
der König hatte „ein gülden ketten mit eddelm gesteyn, der weit figur,
mit einem gülden schwert und mit eim silbern durchstochen, mitten auff
dem apffel ein gülden kreutzlin, darauff geschriben: ein König der gerech-
tigkeit über die weit." Nach dem Berichte des The od. Fabricius, der
im Auftrage des hessischen Landgrafen u. A. im Nov. 1534 mit Johann
v. Leiden in Münster persönlich unterhandelte, ging dem Könige „ein gülden
ketten doppcl nmb den hals" (s. die „Mitteilungen aus dem germanisch.
Nationalmuseum" Bd. 2 [Nürnberg 1889] S. 100). Ebenso sagt Dietrich
von Hamburg Bl. A3 von der Kette: „die geet zw ei facht umb den
hals." Auch H. Dorp a.a.O. nennt „ein gülden omament umb den hals,
mit einem kostlichen blauen und edeln gestein, darauff die weit mit zweien
schwerten durchstochen gemacht war." Vgl. auch L. Hortensius S. 33.
Ausführlicher ist wieder der Bericht H. Gresbeck's S. 87: „So hadde
.der konningk ein gülden ketten. In derselven ketten dair hadde hei innen
Jiangen die werlt glick als sein wapen, mit einen gülden runden appel.
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Anno 1534 acta. 653
significavit *. Nee hoc sibi satis esse putavit, nisi etiam magni
ponderis catenae diversis gemmis fulgentes in multiplices orbes
conyolutae scapnlas ambirent'. Yaginam gladii militaris plane
anream lateri et ex eodem metallo calcaria facta pedibns accom-
modat et aptat. Sceptrum regium tribns circnlis aureis ambitur
praeter annulos variis gemmis micantes, quibus regii digiti ex-
omati riguerunt*. Signatorium etiam annnlum pondere viginti
und derselve appel was ein blae sprincklick oder bunt appel, und der stein
was grae . . . Und derselve stein was nmbher befatet, glick als man plecht
die werlt tho malen, mit golden, und boven np dem appel ein gülden
crentze, und mit twe gülden schwerde doer stecken. Dieselve kette plach
der konigh in dem halfs tho dragen.^^ — Mit einer kunstvollen Kette ist
Johann sowohl auf den H. Aldegrever'schen Stichen wie auch auf dem Ge-
mälde in Schwerin angethan. Dafs die wiederholt in Münster ausgestellten
Wiedert&uferketten im Besitze der Familien v. Heereman und v. Merveldt
„der n&heren Beweise der Echtheit entbehren,^* hat schon J.B. Nordhoff
a. a. 0. S. 326 bemerkt. „Selbst das Merveldter Exemplar," fährt er fort,
„welches bestimmter für die Königskette ausgegeben wird, pafst mit den
kleinen Gliedern und der schlichten Arbeit überhaupt weder zu den in
Aldegrever^s Wiedertäufer-Stichen dargestellten Ketten, noch zu den son-
stigen Prunkstücken des Hofes . . ,^
*) So sagt Dionys. Vinne (M. G.-Q. 11, 277) aus: „Mit der ange-
hengener werlt an der ketten, bedut, dat he hersschen sal aver de
gantzen werelt." Die Flugschrift „Warhafftiger bericht" (s. P. Bahl-
mann: Bibl. 1535 Nr. 20) meldet Bl. B 4: „Man hat dem König . . . vor-
tragen ein königlichen apffel mit einem gülden creutz, darvor här zwey
Schwerter; das hat so vil bedeut als ein König aller weit."
') Von „viel gülden ketten" spricht H. Gresbeck S. 87, vergl.
auch S. 85 u. 93.
') So nach H. Dorp a. a. 0.: „Ein gantz güldene scheyd zu eim
knechtsendegen, zwen gülden Sporen, . . . einen zepter mit dreien gülden
benden beschlagen ..." H. Gresbeck, der 8. 87 von einem „schwert
mit einer gülden scheiden" imd einem „panser degen mit einer gülden
scheiden" berichtet, sagt S. 88 von den Sporen: „Ick halde, dat die ock
silver sint gewest und sint overguldet. It magh ouch wol clair golt sein
gewest." Nach Joh. Beckmann's Bekenntnissen (J. Niesert: U.-S. I. S. 35)
trug der König „eynen knechtzdegen myt eynen golden ortbande; dat be-
steck ys oick myt golden huven." Von dem „degen mit gold beschlagen"
spricht noch Th. Fabricius a.a.O., von „gülden sporn" Dietrich von
Hamburg a.a.O. Th. Fabricius sendet am 26. October 1534 dem Land-
grafen von Hessen eine „newe zeitungh" ein, in der es heilst (St.-A. Mar-
burg), dafs der König „mehr dan vor acht dusent gülden klenodien umb
sich und an sich hangen hat."
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654 Anno 1534 acta.
duorum florenorum ex auro Ehenano ac dnriore factum, ne assi-
duo signandi usu atteratur, indici induit, in cuius pala orbis
fuit dnobns gladiis transfixns, insigne regium, qnem haec scrip-
tura dnplici circnitu ambiebat: „Die Koninck in den nyen tempell
foret dit vor ein exempell."
Vera forma et magnitudo palae regii annuli^
Hunc Eberardus ab Elen, vir doctrina, humanitate, ex-
perientia et longo rermn usu excellentissimus, a principe mne-
mosyni loco post recuperatam urbem sibi donatum moriens se-
natui Monasteriensi cum regiis quibusdam armis in perpetuam
rei memoriam conservandum legavit*; qui tanquam memorabile
tristissimae cladis exemplum in conclavi senatorio conservatus
et quotidiano conspectui obiectus magistratum sui officii admo-
nere et a simili calamitate conservare potuisset. Hunc tarnen
senatus vel antiquitatis negligens vel Westphalica quadam po-
steritatis invidia vel potius, ut tantae cladis memoriam et luctum
perpetuum animis civium semel eximeret et publicum commo-
') Im Manuscript ist an dieser Stelle, wahrscheinlich aus einem alten
Flugblatte, eine Abbildung des Siegelringes eingeklebt, die hier abgedruckt
ist. Sie weicht von der bei G. Spalatin: Annales Reformat. S. 300 ab.
*) Im Stadt-A. M. XIV, 36» ist eine beglaubigte Abschrift des Testa-
mentes Eberh. v. Elen's, Kanzler des Bischof es, vom 24. Januar 1558 er-
halten, in dem es heilst: „Noch gaff und besatte he einem erbaren raede
der Stadt Munster den golden signetz rinck, so der wedderdoper
konninck Johan van Leiden gehadt, item harnesch und
speitze em oich tobehorich gewesth, item alle ander weher
und oich boeker, so van dem wedderdopeschen handel alhir to Munster
hirbefoms geschein meldunge doen, sodaene tor ewiger gedechtniss to ver-
waren und to holden/ Ein Harnisch und Waffen des Königs sind sonst
von Kerss. nicht erwähnt. Nach mir gewordener gütiger Mitteilung des
Herrn Dr. A. Wormstall findet sich in den Kämmerei-Rechnungen im
Stadt-A. M. zum Jahre 1616 noch ein Posten für Reinigung der Panzer
und der Spiefse Johann's durch einen Schwertfeger vermerkt.
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Anno 1534 acta. 655
dum augeret, a se alienavit et Davidi Knopio, etiam inter Italos
artis nomine aurifabro clarissimo, vendidit*.
Yestitus etiam aliis omamentis respondens et plus quam
regius, quem pro arbitrio saepe commutat ; nunc enim radiantem
coccineam et purpuream, nunc holosericam, villosam, nunc Da-
mascenam nigram alterinsve coloris pellibus ferarum subductam,
nunc undulatam^ variis imbrium figuris adumbratam, nunc Si-
doniam auro argentove intextam, nunc bombjcenam manicis con-
scissis et aureis fibulis subnexis et religatis, raro vero laneam
vestem in publicum proditurus induitl Latrones^ et satellites
regii colore rubre caeruleoque instructos *amictus et in altera »p. 529.
manica figuram mundi duobus gladiis transversis transfixam et
») Ms.: undalatam. — b) Ms.: laterones.
^) Ueber die Eünstlerfamilie Enop zn Münster vgl. bes. J. B. N o rd-
h off in der «Ztschr. f. bildende Kunst" Bd. 10 (Leipzig 1875) S. 83 ff. und
in den ^Bonner Jahrbüchern'* Heft 87 (Bonn 1889) S. 118 ff. Authentische
Nachrichten über den weiteren Verbleib des Ringes sind nicht bekannt.
*) Hier möge eine Zusammenstellung der hauptsächlichsten Angaben
in den gleichzeitigen Quellen über die Kleidung des Königs folgen. HeruL
Regewart sagt aus (bei J. Kiesert: U.-S. I. S. 28): „he drege eynen
Bwarten fluelen paltrock und eyn langen, wytten, zammeten rock, eyn
swarth zammeten boneth." Damit stimmt genau die Aussage Joh. Beck-
mann^s (ebd. S. 35) überein. In einem „Witten siden rocke" erschien der
König nach der Angabe des Dionys. Vinne (M. (r.-Q. II, 276) bei dem
Abendmahle *auf dem Berge Zion, während nach der Angabe des H. Graefs
(Zeitschr. 27 [1867] S. 263) Johann bei dieser Gelegenheit „mit einem
schwartzen paltrock, darauff ein silberen stuck gedeckt," bekleidet war.
Th. Fabricius berichtet a.a.O., wie er den König gesehen habe „in
einem swarczen sammeten balcz oder leibrock, weissen damaskaten mantel,
swarczem sameten spanischen biretlein." „Wen aber der könig in seiner
maiestet in der stat umbreitet," berichtet die „Newe zeitung" (Ztschr. ebd.
S. 256) nach den Erzählungen der ausgesandten Apostel, „so hat er ein
silbren stück an, das auf der falden zuschnitten, darunter rot carmesin,
und mit golde zusamen gebunden." Danach schildert auch L. Hortensius
S. 33, der schon S. 32 anführt: „. . . aureis et argenteis tunicis conspicuus
per publicum vehebatur." Nach H. Gresbeck S. 87 hat sich der König
^laten macken einen sambten rock und kostelicke hosen und wambufs von
kostlickem sietwerck und eine kostlicke gülden huye und ein sambten ho-
net." Vgl. auch S. 85 u. 93.
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656 Anno 1534 acta.
intra gladiorum capalos crucem habentem gerunt^ Quisque
etiam anlicorum pro titulo sui honoris non aliter, quam qui in
scenis spectacnla exhibent, vestitum sibi affingit. Duodecim
seniores ac prophetae, penes qnos in superiori reipublicae forma
imperium fiiit, hmnili ac simplici ntebantnr vestitn*. Nunc
vero, cum anmm, argentnm tarn publicum quam privatum,
pallia Sacra reliquaque Sidonea, serica purpureaque omamenta
Deo dicata e templis rapta et ad se delata sint sibique omnia
tam publica quam privata subiecerint verosque cives suis co-
natibus intercedentes trucidaverint, pro libidine sua rebus alieno
labore quaesitis sese omant^ Non satis erat stulto et amenti
^) YgL dazu die hiermit übereinstimmende ausführliche Schilderung
bei H. Gresbeck S. 86f. Danach hatte auch „für ein jeder porte ein
portener . . . up der einer mouwen einen schluttel gesticket, dat hei ge-
denken sol up und tho tho schluitten die porten.^ Das Wappen auf dem
rechten Aermel der königlichen Trabanten erwähnt auch der „WarhafPtige
bericht'' Bl. B 4. Nach H. Gresbeck a. a. 0. hatte der König seine Diener
gekleidet „roit und grae, cruitze wiefs gedeilt die hosen, der eine roet und
die ander grae ..,*' Dietrich von Hamburg Bl. A3 spricht von 30
königlichen Trabanten, die „haben an grün und ascherfarb und tragen auf
yren häuptem weiTz hüt und güldene ringe an yren henden/ Ebenso sagt
L. Hortensius S. 40 und läfst die Farbe der Kleidung durch Rothmann
80 auslegen, „ut color cinericius mortificationem camis et peccati, grami-
neus vero novum hominem ex Deo renatum signaret.**
<J Ygl. oben S. 630. Auch H. Gresbeck a.a. 0. sagt: „Mit den
irsten, do sie die dope anhoeveden, do en hedden sie geine doirschneden
kleider. Do wolden sie so hillich sein, dat sie solcke kleider nicht dregen
wolden. Dieselve kleider weren na der werlt und na dem fleisch.*'
») S. oben S. 520 ff. u. 542 ff. An den Stellen, wo H. Gresbeck
die reiche Tracht der königlichen Bäte, Hofleute und Befehlshaber be-
schreibt, fügt er hinzu: „Dieselve rocke hedden sie in der stat gekregen,
die den ricken lueden weren gcwest, die sie thor stat uth dreven'' (s. S. 89,
Tgl. auch S. 86 u. 186). „De misgewanten und ander koirkappen,^ bekennt
Dionys. Vinne (M. G.-Q. II, 274), „hebben se vordeilt under de hovetlude
und knechten." Aehnlich sagt Joh. Kloprifs aus (bei J. Nies er t: U.-8.
I. S. 132). Als der König zum grofsen Abendmahle ritt, kam er nach dem
Zeugnis des H. Graefs (s. Zeitschr. 27 S. 263) „mit seinem volck, mit 31
pferden mit vier trabanten, geklejdet mit sammet und gülden stucken aus
der kirchen." Von vielen aus allen Kirchen entnommenen Gewändern u. s. w.
wurden, wie Herm. Bamert berichtet (M. G.-Q. I, 332; vgl. auch die „Ord-
nung"), „gemacket koller und wambese." Vgl. auch L. Hortensius S. 32.
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Anno 1534 acta. G57
popnlo scenicum regem et scortonun praesidem admittere, nisi
etiam scenicas meretrices (reginas dicere volui) admittant. Ele-
gantissimas enim forma pnellas eligit, qnamm nnlla praeter
praecipnam reginam vicesimnm aetatis snae annnm ezcesserat,
easque sibi omnes matrimonio copnlat, quarum nomina subse-
qnnntnr^: 1. Divara Harlemica, Matthissonis prophetae in teme-
') Die hier von Eerss. angegebene Zahl der Frauen Johannas und
die Namen derselben decken sich mit den in der „Hofordnung^ angeführten.
Ueber die Zeit der Gültigkeit der Nachrichten in der „Hofordnnng^ (No-
vember 1534 bis Mai 1535) vgl. oben S. 647 Anm. Die Angaben der Quellen
über die schliefsHche Gesamtzahl der Frauen Johannas weichen von ein-
ander ab. Die höchste Anzahl, und zwar 17, nennt H. Dorp Bl. F2 n.F4^.
IG ^echte wive** giebt die Bischofschronik (M. G.-Q. I, 335) an, und die-
selbe Zahl findet sich bei H. Gresbeck 8. 132, während er S. 60, 135,
157 u. 191 nur von 15 Frauen redet. ^Er nam zur Ee 15 weyber,* be-
richtet das Flugblatt „Der gantze handel** Bl. A2v. C. Heresbach
schreibt S. 21 an Erasmus von 15 Konkubinen, S. 27 von ungefähr 15.
Nach D. Lilie S. 236 nahm Johann „bi vertein wiveren," eine Zahl, die
auch Ant. Corvin in seinem Briefe an G. Spalatin Bl. A4 und ebenso
L. Horten 8 ins S. 44 angiebt — Dafs Johann bereits in Leiden ver-
heiratet war, und dafs er in Münster nach Einführung der Yielweiberei
um Jacobi (25. Juli) 1534 drei Frauen nahm, erzählte Kerss. schon oben
S. 626 n. 646. Der im October 1534 als Apostel aus Münster entsandte
Joh. Kloprifs bekennt (J. Niesert: U.-8. I. S. 125), „der kunig hab 6
frauwen." Vier derselben bezeichnet er näher (s. gleich unten) ; die fünfte
und sechste „kenne er nit." Der gleichfalls im October als Apostel aus-
geschickte Joh. Boentrup sagt bei seiner Yemehmung aus (s. das „Be-
kentnis des Fleischawers" in der „Newen zeitung" [Zeitschr. 27 8. 265 f.],
das auch von L. Hortensius 8. 39 übernommen wurde): „Der König hat
4 haufsfrawen, ist itzund an die fünffte komen.^^ Während seines kurzen
Aufenthaltes in Münster am Anfang November 1534 sah Th. Fabricius
nach seinem Gesandtschaftsberichte a. a. 0. S. 101 vier Weiber des Königs.
Ein alter Druck vom Jahre 1535, mitgeteilt von G. Spalatin in seinen
„Annales Beformationis'^ führt (Ausgabe von E. 8. Cyprian [Leipzig 1718]
S. 302) fünf Frauen Johannas an. Die gleichfalls aus dem Jahre 1535
stammende „Newe Zeytung^' (s P. Bahlmann: Bibl. 1535 Nr. 9) meldet
von sieben. Endlich besitzen wir noch aus der Zeit um Ostern (28. März)
1535 die weiter unten auch von Kerss. verwerteten Aussagen des Hans
Nagel, der sich freiwillig in die 8tadt begeben hatte, um die Lage der
Dinge daselbst auszukundschaften. Nach seiner Rückkehr gab er an (Kopie
im St.-A. M.), der König habe 15 Frauen. Eine andere Fassung der Nagel-
schen Aussagen im 8t.-A. Marburg spricht aber nur von 14 Frauen Johann's.
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658 Anno 1534 acta.
raria illa eruptione occisi uxor, mnlier mediocri statura, obesula,
cuius genae lacteo colore permisto mbent, ocuü scintillant Haec
heroicam quandam gravitatem in incessn prae se fert et yenn-
state ceteras excellit. Non immerito itaqne eam praecipnam re-
ginam, cni reliquae sine invidia pareant, creat*. 2. Maria Heckers,
3. Catharina Milinges, 4. Anna Laurentz, 5. Angela Eerckringes,
6. Anna Averwheges, 7. Elyzabet Wantscherers, 8. Catharina
Averweges, 9. Elyzabet Dreggers*, 10. Anna Knipperdollings,
privigna Knipperdollingi, legitima vero filia Matthiae Hanges-
becke cognomine Zelenmacker *, 11. Anna Kibbenbroichs, 12. Chri-
*) üeber Johann's Heirat mit Divara (Differe) aus Harlem, der Witwe
des am 5. April 1534 vor Münster gefallenen Jan Matthys, vgl. auch oben
8. 626. Johann bekennt am 20. Januar 1536 (M. G.-Q. 11, 401), dafs er
Yor dem Tode des Jan Matthys „ghein sunderlinghe zuneigungh zu der-
selbigen gehabf Und in der Aussage Enipperdolling's von demselben Tage
heilst es (M. 6.-Q. II, 404): „Als bald Johan Mathis doit was, ginck der
koningk und troisten sin frauw. Der koningk bekent des oich und saght,
er have das gheiner ander meinungh gedaen, dan sie was ufs HoUant und
sin mitlantzfrauw.^' — „Ein schön edel weih aus Holand'^ wird Divara in
der „Newen zeitung" a. a. 0. S. 256 genannt, ebenso in der „Newen Zey-
tung^^ Bl. A2^. L. Hortensius S. 22 sagt von ihr: „Uxor erat elegant!
forma, admodum adhuc iuvencula/^ Ihr stolzes Auftreten erw&hnt Joh.
Fabricius Bolandus Bl. 0 8^. — Dafs sie von Jan Matthys schwanger
war, berichtet Joh. Eloprifs a. a. 0. S. 125, die „Newe zeitung" a. a. 0. und
H. Gresbeck S. 157. — Ihre bevorzugte Stellung als Königin wird in
den Quellen mehrfach hervorgehoben. Sie ist, wie H. Gresbeck S. 83£.
ausfuhrt, des Königs „irste huisfrow^^ gewesen und „tho einer konigkinne
gemacket Die andern frowen heft der konigh nit tho konnighinnen ge-
mackt Dieselven sint der konigkinnen underfrowen gewest und sint des
konigs concubinen ofte spilfrouwen gewest." „Reginam," schreibt Ant.
Oorvin über den König an G. Spalatin (Bl. A4), „pari secum honore
habebat, cui etiam ceterae uxores, sive concubinas mavis, subiecerat ac
parere iubebat." Vgl. auch L. Hortensius S. 44.
') Im alten Druck der „Hofordnung": Elisabeth Tregers; im Göt-
tinger Mscr. Elsa Dreiers, ebenso im Neudruck.
^) Mit KnipperdoUing's „magt" war Johann schon vor der Einfüh-
rung der Vielweiberei verheiratet. Vgl. seine Aussagen bei J. Niesert
a.a.O. S. 178 und M. G.-Q. II, 371; s. auch „des Münsterischen König-
reichs ... an- und abgang" Bl. A 2, Auch wird sie von Joh. KlopriXs a. a. O.
als Frau des Königs genannt. H. Gresbeck S. 157 berichtet: „So hadde
der koningk ein frow, die was fruchtbar. Dieselve frouw was Knipper-
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Anno 1534 acta. 659
stina Boede^ 13. Margareta Modersonne, 14. Elyzabet Buscho-
dncensis^, 15. Margareta Grolle, 16. alla qnaedam, cuins nomen,
cnm adhnc snpersit, prndens praetereo^; qnae cum nondnm
aetate matura-viro esset, ita in primo congressu a rege corrupta
est, ut necesse habnerit a Knupperi uxore chirurgiam exercente*
cnrari. Haec pristina sanitate recepta adeo a regis consnetudine
abhormit, ut ad ipsom non redierit.
"^Taceo hie alias feminas, quamm consnetudine usus fuerit, «p. &ao*
priusquam sceptra invaderet. Hamm omnium duae tantum,
nempe Divara, praecipua regina, et Margareta Modersonne, femi-
neas regi proles pepererunt, quamm alteram, cum die Solis na-
sceretur, a litera eins diei A Averall vel super omnia, älteram
vero, cum die Lunae ederetur, a litera B Bljdam vel gauden-
tiam appellant ^. Septem enim prioribus alphabeti literis Septem
hebdomadae dies signavit et distinzit, ita ut diei Solis literam A,
Lunae vero B et sie deinceps tribueret. Quandocunque igitur
partus in urbe editur, regi protinus nunciatur: populum Israe-
dollinks magt gewest und hadde thovooren gehat einen lansknecht. Der
wort doit geschotten. Darna nam sie der koningk für ein frow." Nach
Herrn. Hamelmann S. 1197 war ein Henricus Selemecker der Yater
der Frau des Knipperdolling.
') Joh. Eloprifs nennt a. a. 0. als vierte antcr den Frauen Johannas
„des goltsmids des Kudden maget/
*) In der „Hofordnung'': Elisabeth von dem Bussche.
') Nach der „Hofordnung** wäre es Clara Knipperdolling gewesen.
Sonst erwähnt nur Joh. Eloprifs a. a. 0. unter den Frauen Johann's auch
„Enipperdollings dochtor." — *) S, oben S. 627 f.
*) Kerss.'s Bericht weicht hier von dem H. Gresbeck's 8. 157 er-
heblich ab. Nach letzterem hatte die schon früher mit einem Landsknechte
verheiratet gewesene, dann von Johann als Frau angenommene Magd Enip-
perdolling's ein Kind. „So wolden," fährt H. Gresbeck fort, „die gemeine
luede sagen in der stat, dat datselve kint dem lansknecht solde tho hoeren,
dat dem koningh dat kint nicht en hoerde.'^ Die Nachrichten über Divara's
Schwangerschaft schon von Jan Matthys s. vorige Seite Anm. 1. Divara's
Kind war auch nach H. Gresbeck ein Madchen, doch licfs es der König
„Nige geboren" nennen. „Nergcn ein von alle den firouwen,* bemerkt er,
„die von dem koningk kinder hadde.'' Auf die Geburt der Tochter Divara's
bezieht sich auch die Aussage H. NagePs im April 1535 (Fassung im St.-A.
Marburg), der König „habe vierzehen weiber und mit der ersten neu-
lich ein dochter erobert.*
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660 Anno 1534 acta.
liticnm et regnum snum prole nova esse anctnm. Eine rex illi
nomen imponit, ita tarnen, ut primus nominis character litera
diei sit, in qna nata est^ Pancissimae tarnen, qnae in nrbis
obsidione nuptias celebraverant, pariant, sed divino fortassis
nutn sterilescnnt *, ne ex tarn portentosa venere et impnrissimo
polygamiae complexn in perniciem reipnblicae posteritas exci-
tetur. Monstra enim scelemm et vitiosa sine dnbio progenies
(proverbio monente) ex vitiosis parentibns fuisset orta. Parinnt
itaqne hae, qnae ante obsidionem nteram ferebant.
Delegit etiam rex sibi non inter plebeios, sed in campo
dominico non hnmilem, sed omnium fere splendidissimam anlam,
nempe MelcMoris de Buren, cellarii*. In proxima vero domo
ad solis exortnm, nbi praepositns snmmae aedis babitare con-
snevit, gynecaenm foit, hoc est reginaram anla*, ad quam per
') So auch H. Gresbeck S. 156 f., der uns das vom Könige auf-
gestellte Wortregister überliefert hat War für die Namen der Kinder das
Alphabet erschöpft, so hat der König ^^den kindem ander namen gegeven
na den propheten und altvaders, David, Abraham, Isaak, Jacob, na den
olden Propheten und patriarchen ..."
') Bei H. Gresbeck S. 157 heifst es: „So worden viel kinder in
der stat geboren. Mehr dieselven widerdoepers, die viel frowen
hedden, die kriegen alder minst kinder."
') Ygl. oben S. 543. Bis dahin wohnte Johann im Hause Ejiipper-
dolling's auf dem Prinzipalmarkte. S. oben S. 618. Vgl. auch L. Hor-
tensius S. 22, dem Herm. Hamelmann S. 1219 folgt. Von einem
längeren Aufenthalt bei KnipperdoUing spricht Johann selbst in sein^i
Aussagen bei J. Niesert: U.-S. I. S. 177. — Dafs die v. Bneren^sche
Kurie die Wohnung des Königs gewesen sei, erwähnt auch die Bischofs-
chronik (M. G.-Q. I, 333). D. Lilie sagt S. 235 vom Könige: „Sinen
pallas unde wonninge he£ft he upslain lathen in heren Melchiors van Buren,
des kelners, ho£f." Ebenso bekunden die beiden Kjiaben Herm. Mollenhecke
und Joh. Huttman in ihrem Verhöre am 8. Juni 1535 (St.-A. Marburg):
„Der konig hat des thumkellers genant herr Johan von Bueren hoff inne.*
H. Gresbeck nennt die Wohnung nicht. „So heft der konigh," heifst es
S. 84, „ein hof allein geholden mit seinen diener, und die konigkinne heft
hof alleine geholden mit iren mitfrouwen und mit iren dieners.** — Die
V. Bueren'sche Kurie lag auf der Dom-Immunität hinter dem jetzigen neuen
Postgebäude Vgl. A. Tibus: Die Stadt Münster (Münster 1882) S. 72.
*) „Die frauen wonen in der probstei,** sagen die beiden Knaben
a. a. 0. aus, „und igliche hat ire eigen kammer.^ Auch in der „Newen
Zeitung** heifst es (Ztschr. 17 S. 256): „Die Königin hat jren eygen hoff."
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Anno 1534 acta. 661
mumm effi^actnm fit aditus. Tanta est reginis diversi coloris
yestinm copia, tantns omatns, tanta mnndities, tot catenae, tot
monilia, tot annnli gemmati, tot absque genmiis, nt hoc West-
phalicnm gynecaemn cnm Imperatorio certare yideatnr^
Praecipnae reginae anlici:
Henricns Boedens praefectns praetorio vel magister aulae,
Petras Symonson archimagirns *, Joannes a GeylP pyloras, Jo-
annes Leydanus cubicularius, Fredericns luffell pincema*, Engel-
bertus Schemmeringk^ stractor; quatuor satellites viridi et spa-
diceo vestitn amicti: *Andrea8 Koester, Henricns WnlfE, Lam-»p. 531.
bertus Gylthness, Joannes Bentlagen «; Henricns Willenhness pyro-
paens ^, Eberardns thor Hege coqnns, Alexander Bnschodncensis
hemerodromns ®, Gerardus Selkinck ostiarins®.
Ne antem in tanta reginaram sen pellicnm tnrba de foedi
amoris symbolo poscendo nlla oriatnr contentio, rex tabnlam
fieri fecit, cni reginaram nomina per ordinem inscripsit singn-
lisqne nominibns singnla foramina a capite terebello addidit,
qnibns bacillnm immittendnm aptavit, non aliter, quam in coUe-
güs ordo canonicoram in tabnla snspensa praefigitnr, nnde a
bacillo imposito deprehendi solet, qnem in choro canendi ordo
tangat. Sex itaqne mensae accnmbens et reginas sen pellices
^) H. Gresbeck S. 89: „So heft der konningk die konningkiii sehr
kostlich gerastet mit iren dieners, ia so kostlick, wie der konningk hadde
gedain. Mehr alle seine frowen weren so kostlick nicht ge-
rüstet, glich als die konningkin was/
*) Küchenmeister. — ') Als Thorwärter nennt der alte Druck der
„Hofordnung" Johann v. GroU. Das Göttinger Mscr. hat Johan van Goel,
der Neudruck in der Zeitschr. 16 S. 363 Johan y. Soel.
*) In der »Hofordnung** heifst der Schenk Friedrich Insel.
*) Im alten Druck ist Yorschneider Engelbert Schemerinck, im Göt-
tinger Mscr. Engelbert Scheverinck, im Neudruck Engelbert Schenckinck.
®) In der „Hofordnung" sind als Trabanten nur die beiden Ersten
genannt. — Abweichend von Eerss. berichtet H. Gresbeck S. 89: „So
hadde die konningkin ire dieners ock gekleidet glich als der konningk.
Sie hadde roet gekleidet, gein twierlei."
') So der alte Druck und das Göttinger Mscr. Im Neudruck: Hinrick
Mülenhues. — ") In der „Hofordnung^^: Sander vom Bussche.
•) Diesen Letzteren erwähnt die „Hofordnung" nicht.
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662 Anno 1534 acta.
circnmqnaque sibi in prandio adinnctas habens solo s^pectn,
noctis quam vellet fatnrae sociam, delegit neqne eam verbis ant
nntibns aliisye signis, sed baciUo nomini eins in tabula appo-
sito signavit; ita signata sine aliaram contnmelia et invidia re-
giam noctem opperitur. Si vero veneri inepta sit, baciUnm in
alind nomen, cui favet, transfert ^ Depntata itaque regio thoro,
ne quid nanseae maiestati regiae moveatar, balnenm ingreditnr,
lavatnr, odoriferis liqnoribns perfnnditnr, bysso pnrpnrave in-
dnitnr; articnli annulomm mnltitndine rigent, catenis et moni-
libns gemmatis coUum ambitur; comae anro snbstringnntnr,
virentibns fragrantibnsqne sertis tempora cinguntnr, bombycino
perisomatio uteras obtegitur, per tenuissimam sindonem gemina
ubera resplendent, et, ut semel dicam, omnia, quae venerem eiere
queant, per effetas anus quasi magistras et hac in re exercitatas
apparantur.
Ita autem rex libidini et foedis voluptatibus indulget, ut
Interim ea, quae ad reipublicae suae conserrationem pertineant,
non Degligat. ludicia ergo, cum ad tranquillitatem urbis neces-
saria esse videret, conservat et se iudicem solum constituit.
Solium in foro e regione librae' iuxta fomicum finem et aedes
*) Aehnlich heifst es in der „Hofordnung": „Dieser weiber namen
seyndt yn eyn hangend Teffelgen geschrieben, nnd gegen eyner jeglichen
Namen eyn löchlein gebort mit einem anhangenden stöckleyn. Und bey
welcher der König die nacht hat ligen wollen, gegen der selbigen namen
hat ehr das stöckgen gesteckt. Szo aber dieselbige zum beylager nicht
geschickt gewest ist, mochte sie das stöckgen ihres gefaUens stecken gegen
eyner andern «namen, der sie günstig war; die selbige muste denn dem
Könige willig seyn und die nacht bey yhm schlaffen/^ Von den sonstigen
Quellen berichtet hierüber nur noch Joh. Pabricius Bolandns Bl. P7^;
„Depictis ridet thalamo de more tapetis
Regifico, totum yela cubile tegunt.
Charta tenet yalvis aulae sufüxa protervae
Istarum signis nomina grata suis.
Indicat haec, quaenam poscatur qualibet ex his
Nocte, sed appositis conditione notis.
Si negat haec aut illa gravi ratione, relinquit
Concubitum regis, cui magis ipsa favet'^
') Die Stadtwaage lag neben dem Bathaus auf der Nordseite des-
selben. S. oben S. 76.
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Anno 1534 acta. 663
Dorhoffii magnificnm et rege dignum tribns a terra gradibus
erigitur, quod in adventu regia interdum anreis, interdum pur-
pureis tapetibus ac sericis pnlvillis exomatur*. Hnc ter sin-
golis hebdomadis cansas popnli audituras solenui anlicornm
pompa et apparatn regio eqnes commeat^. Primnm litnis et
tubis canentibus Gerlacus a Wnllen ac Lambertns Leodins, Jo-
annes Kursener et Conradus Kruse plumeis apicibns *crepitanti- »p. 532.
bus anlae foribns egredinntur '. Hos subsequnntar pnrpnrati et
catenati consiliarii bini Gerardas tzmn Eloister et Bernardns
Krechtingk, Henricus Kedeker et Qerardus Beyninck; inde Her-
mannns Tylbech, praefectns praetorio, solus ante regem albnm
') Nach H. Dorp Bl. F 2: „Auff dem Marckt hat sich der König
einen herlichen stuel mit dreien graden oder stuffen lassen zu-
richten, der wart alle zeit, wenn der König hinauff sitzen wolt, mit eim
giüden stuck hehangen . . /^ Der königliche Richtstuhl ist ganz kurz er-
wähnt in der „Newen zeitung" (Zeitschr. 17 S. 257) und von Joh. Pa-
hricius Bolandus Bl. 03. H. Gresbeck berichtet S. 85, wie sich der
König „heft einen groten stoel latcn setten up dat marckede, mit seiden
stucken umbher behau gen.^^ „Und des konninges stoel heft so hohe ge-
stain,'^ erzählt er 8. 90 weiter, „dat hei hadde boven alle menschen ge-
setten, und beneden dem stoel für dem stoel, dair stonden viel bencke
umbher." D. Lilie S. 235 sagt: „Sinen koninckliken richtestoill hefft he
gemeinliken gehadt bi sunte Michael an den marckede, dar men mit
graden moste upgain." Der Stuhl war „mit kostliken tapeten umme-
gehangen." Von einer „sella sublimior polite et affabre parata" spricht
L. Hortensius S. 33.
*) Auch nach H. D orp a. a. 0. hielt der König dreimal in der Woche
Gericht ab, aber entweder auf dem Markte oder auf dem Domplatze. Er
fugt hinzu: „allein das der König auff dem marckt auff seinen stucl sas,
auff dem Thumhoff aber mitten im hauffen stunde." Die
dreimaligen Gerichtssitzungen in der Woche auf dem Markte finden sich
auch erwähnt in der „Newen zeitung" a. a. 0., in einer anderen „Newen
Zeytung" (P. Bahlmann: Bibl. 1535 Nr. 9) Bl. A2^ und bei L. Hor-
tensius a. a.0.
•) Das waren (vergl. oben S. 650) die beiden obersten Feldherren,
der Bittmeister und der Hauptmann des Fufsvolkes. Auch bei H. Dorp
a.a.O. reitet der König zu Gericht „mit dem gantzen hoffgcsinde; die fier
Rhetd giengen für im her, Knipperdölling aber mit den andern hoffgesinde
folgetem im nach." Mehrfach beschreibt H. Gresbeck den pomphaften
Aufzug des Königs (vgl. besonders S. 85 u. 1^0 f.).
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664 AuQO 1534 acta.
scipionem gestans*; hinc rex coronatns regiisqne ornamentis con-
decoratns feroci et phalerato insidens eqno^ prodit atqne £asta
qnodam inyehitQr, quem dno pneri liberalioris formae eleganter
vestiti praecedunt, quorum dexter bibliorum codicem, sinister
vero strictnm gladium ntriusqne politiae tarn profanae quam ec-
clesiasticae praefert ^. EnipperdollingiLs autem, regius legatus, et
Bemardüs Bothmannns, orator, regem äubsequnntnr; hos Chri-
stianns Kerckring, consiliariorum Sequester, et Henricus Kreg-
tinch, archigrammateus, hos Nilandus, ensiger, cum suis ministris,
hinc reliqua aulicorum et ministrorum turba. Sed 28 satellites
regia latera utrinque claudentes populum nndique eatervatim
propius accurrentem insuetaque admirantem et certatim aspec-
M Einen „Witten" (silbernen) Stab des Hofmeisters erwähnt sonst
nur noch H. Gresbeck S. 91 u. 137. Nach Dietrich von Hamburg
Bl. A 3 hat der König „ein lackeyen vor jm her lauffen, der selb hat ein
weifz st&blein in der haut . . ."
') „Und dat der konningk tho seinem perde hadde," meldet uns
H. Gresbeck S. 88, „dat gerast ofte dat beschloch, dat was auck al mit
golt beschlagen, wante ick holde, dat datselve silvcr were tho dem be-
schlage und wer overguldet . . . Und tho seinem sadel dat beschlagh was
auck al verguldet/ „Der König,'* so heifst es in der „Newen zeitung"
(Zeitschr. a. a. 0. S. 2o6), „hat 3 1 pferdt mit gülden tüchcrn bedeckt und
etliche gülden settel." Von 31 Pferden des Königs redet auch die andere
„Newe Zejtung" a.a.O., ebenso L. Hortensius S. 3'i
^) Der eine derselben war Christoph von Waldeck, der natürliche
Sohn des Bischofs Franz. Yergl. oben S. 648 und dio dort angeführten
Belegstellen. Unter den sonstigen Quellen erwähnt auch noch Dietrich
von Hamburg Bl. A3 die beiden Knaben, und zwar führt bei ilmi der
auf der rechten Seite das Schwert, der auf der linken die Bibel. Vergl.
auch den Brief A. Corvin's an G. Spalatin Bl. AS^f. Der Junge mit
der Bibel trägt nach der Angabe der „Newen zeitung" (Zeitschr. a. a. 0.
S. 256) und nach L. Hortensius S. 33 auch noch die Krone. Sehr aus-
führlich beschreibt H. Gresbeck S. 91 f. die Bedeutung, die der König
den von den Knaben getragenen Symbolen unterlegt, und den Sinn, den
er damit verband, wenn er die Knaben ihre Plätze mit einander vertauschen
liefs. Kurz sagt Job. Fabricius Bolandus Bl. 0 8^:
„A laeva gladius, Signum tcrroris, acutus,
Scd liber a dextra rcUigionis adesf
Auch Theod. Fabricius sah bei seinem Aufenthalte in Münster im Nov.
1534 (vgl. seinen Gesandtschaftsbericht a. a. 0. S. 100) „zwen buhen, einer
ein gülden swert, der ander ein buch dem konig furtragendt"
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Anno 1534 acta. 665
tantem arcent. Cum ad forum yenitur, hemerodromo reginm
retinente equum rex solium sibi exomatmn conscendit sceptrmn-
que dextra quatiens ad se controyertentes adyocat^; se enim
iusto omnes lites decreto diremptnrum. Ibi (bone Dens !) causae
toipissimae et castis anribns indignissimae tnrpissimo indici
decidendae offerantur \ de incestu, de fomicatione, de adnlterio,
de impotentia coniugali, de coniugum diyortio, de matrimonii
distractione, de reliqnis rebns foedissimis. Maxima antem con-
troyersia fuit inter coniuges de negato sibi utrinque debito con-
iugali querentes^, quae inobedientia extreme supplicio saepe
plectebatur, ut postea dicetur. Peracto iudicio eadem pompa eo,
unde yeneraty redit. Saepe etiam conciones audiendi causa rex
totusque populus ad forum conyenit, ad quas regina qaoque mi-
tiori equo yillosa purpura strato et ab hemerodromo ducto in-
sidens accedit ac Henrico Boede, aulae praefecto, aliisque aulicis
quibusdam praeeuntibus, reliquis yero scortis yel pellicibus longo
ordine subsequentibus et quatuor satellitibus utrumque latus
defensantibus in proximas librae aedes concedit, ubi ipsa exad-
yersum regi sericis pulyiUis incumbens aliis aulicis et pellicibus
circumsedentibus concionem audit^. Ecclesiastes autem iuxta
') „KnipperdoUing,** sagt die „Newe zeitung** a. a. 0. S. 257, „stehet
ein 8tu£fe under im, und darnach die rete. Wer daselbst zu thun hat,
mus sich zweymal neygen und zum dritten mal aufF die erden nider fallen
und demach sein meinung antragen/' Vgl. auch L. Horte nsius S. 33.
Nach der ^Newen Zeytung** Bl. A 2^ ist für KnipperdoUing der Platz zu
Füfsen des Königs angewiesen, und ebenso herichtet H. Gresheck S. 91:
„Der stathelder ifs dem konninck für sein voete gain sitten. Der stathelder
iss dem konningk negst gain sitten, dan die rede dcden und predicanten."
„War hei hen riet vur dat volck," erzählt er S. 94, „dair deden sie ime
reverentie. Sie ni^eden und hugeden im tho . . .'' A. Corvin schreibt
an G. Spalatin BL A4: „Et poena parata erat praetergredienti non con-
genudantibus/'
*) Vergl. H. Dorp Bl. P2^: „und wie der Bichter, so waren ge-
meiniglich auch die klagen/'
^) H. Dorp a. a. 0.: „. . . das weih klagt über den man, der man
über das weih, und brachten so schendliche ding herfur, das es keinem
Christen nach zu sagen stehet . . /'
*) Einen solchen pomphaften Aufzug beschreiht auch H. Gresheck
S. 90 ff.: „So hcft der konningk mit seiner konningkin einmael so kostlick
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666 Anno 1534 acta.
•
regem reginmqne tribnnal e suggesto editiore ibi eitracto yerba
ad populum' facit^ snoque more concionatur. Interdum post
concionem pomeridianam rege chorago anlici aliiqne, qnotqnot
♦p. 533. volebant, *permiitas ad satietatem duxere choreas*.
Praeterea nt rex se non solnm aequalem, sed et snperiorem
cnnctis mnndi principibns faciat, nnmismata tarn anrea quam
argentea inaequalis valoris et ms^itudinis cum magnifica in-
scriptione cndit. In altero latere haec in media snperficie fuere
scripta: „Verbum caro factum est et habitat in nobis*;" in cir-
cmnferentia: „Qni non est natns ex aqua et spiritn, non potest
intrare." In altero vero latere perficitnr sensns bis verbis: „in
regnum Dei*." „Unus rex instns super omnes, unus Dens, una
gereden na dem marckede, und sie wolden eine predicate doin ... So hadde
die konningkin ein huifs np dat marckede, recht tegen des konniges stoel
over, dair hadde die konningkin ein velt doer tho gerüstet mit decken
umhher hehangen nnd twei seiden küssen, roit sammet oft flawel. So is
de konningkin up einen morgen nth gereden na dat marckede nnd hadde
einen kloepper, dair se up säet, der was over hehangen mit einer decken . . .
Als sie nu iss an dat marckede gekhomen, so meiste sie doer dat volck
hen reiden na dat huifs, dair sie in liggen wolde. Do meisten der luede
ein deil up stain und laten sie doer reiden mit iren dieners und mit iren
mitfrowen. Dieselve mitfrowen sint oer gefolgt hy paren up de rige. So iss
die konninckin in ir fenster gain liggen und heft auck die precate gehoirt.^^
') Yergl. H. Gresheck S. 93: „So plagh altiet für dem konninck
tho stain ein predicante up der hanck und hadde ein pulmet für sick stain,
dair hadde hei ein hoick up liggen.^*
*) Von Tanzhelustigungen, zu denen der König in seinen Hof „die
rede und aUe siene houptluede und oversten dieners und predicanten tho
gaste tho hidden plach mit ein deil frowen,^^ herichtet H. Gresheck S. 103.
„Wan sie nu getten hedden, so giengen pipen, tmmmen und luten, und
hegunten tho dantzen und tho hoyeren mit den schonen frowen. Datselve
haveren plach wol ein nacht tho duren. Datselve was al Goddes wille.^^
Auf diese Feste hezieht sich auch die Aussage Bemh. Krechting's vom
25. Juli 1535 (M. G.-Q: II, 381): „dat der koninck toegericht hadde, dat
men in die vierde wecke einen dantz in des koninghs hof hielde und dair
selfs waUust dreve und guet zier maeckte.^^ Vgl. auch Bemh. Krechting^s
Bekenntnis hei J. Kies er t: U.-S. I. S. 195. Von sp&teren allgemeinen
Tanzhelustigungen im Rathause, die der König anordnete, um das Volk
während der Hungersnot zu zerstreuen, erzählt H. Gresheck S. 135 IL
») Ev. loan. 1, 14. — *) Ev. loan. 3, 5.
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Anno 1534 acta.
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fides, nnum baptisma." In medio eiusdem lateris : „1534. Mona-
sterii." Utriusqne numismatis tarn maioris quam nainoris veram
efiSgiem, fonnam et magnitndinem cum inscriptionibus sequente»
flgurae demonstrant ^.
') In Bezug auf die Münzen der WiedertÄnfer vgl. die von P. Bahl-
mann: Bibl. S. 52f. angegebene Literatur, in der zahlreiche Abbildungen
enthalten sind, und J. B. Nordhoff in den „Bonner Jahrb/ Heft 96 u. 97
(Bonn 1895) S. 324 ff. — Schon vor der Errichtung des Königtums haben
die Inhaber der Stadt Münster Münzen prägen lassen. Die älteste Quelle
dafür ist die „Ordnung, ** deren Bericht sich auf die Zeit vor Einführung
der Vielweiberei (Ende Juli 1534) bezieht. Es heifst da: „Sy haben auch
etlich dick pfenning müntzen lassen sonder wappen mit einer umbschrifft
also lautende: Wer nit gebom ist auss dem wasser und gaist, mag nit
eingeen in das Reich Gottes. Zum anderen: Ein Herr, ein Glaub, ein tauflf
zu Munster. Noch aufT der andern Seiten: Das werte ist flaisch worden
und wonet nnder uns.^ Ausdrücklich sagt auch H. Gresbeck 8. 48r
„Ditselve gelt hedden sie al ein dcil schlain latcn, ehe dat Johan von
Leiden konningk woert** Als Grund, weshalb die „prophcten und
predicanten hebben dit gelt schlain laten und alle die oversten in der stat,*'
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668 Anno 1534 acta.
Si quis oppidanorum regem aliosque proceres nrbis secntas
polygamus esse ant plnres nuptias celebrare afifectaret, regem
tanqnam paranymphum adit sponsasqne secnm addncit. Ubi
aatem rex inqnirendo volnntatem atqne consensum ntrinqne in-
tellexisset, „Quos," inqnit, ^Dens copulavit, homo non sepa-
rabit\ Itote eigo et iaxta praeceptnm ]>ei^ mnltiplicabimini
et replete terram*!"
Princeps malitiam et rebellionem in urbe iam qnotidie in-
crementum snmere sentiens vehementer animo perturbatur. Et
cum ex captivis et transfugis accepisset oppidanos contra im-
perii decreta, contra aequitatem, contra ins divinum pariter et
humanum iusiurandum et pacta violasse, suum magistratum oon-
tempsisse et reiecisse, novum regnum et regem sarcinatorem
glebt er an: „AI dat ander gelt, et wer silver oder golt, dat solde nicht
mehr gelden in der werlt. Datselve gelt, dat sie schlain leten und dat sie
noch wolden schlain laten, datseWe gelt solde geldon ovcr die gantze weide
weit." — lieber die Verwerfung des Geldes seitens der Wiedertäufer vgl.
auch oben S. 561 f. — Die beigegebenen Abdrücke sind von Wiedert&ufer-
münzcn aus der Sammlung des Altertumsvereins in Münster genommen.
Die Prftgung der gröfseren, aus der Zeit des Königtums Johann's stammenden
entspricht der von Kerss. gegebenen Beschreibung. Die kleinere, auf der
eines Königs nicht gedacht wird, ist wohl mit Sicherheit in die Zeit vor
Errichtung dos Königreiches zu versetzen. Im Manuscript dnd Münzab-
bildungen eingeklebt, die sich mit Kerss.'s Darstellung nicht decken, sich
aber mehrfach in der von P. Bahlmann a. a. 0. angeführten Literatur
wiederfinden.
*) Ev. Matth. 15», G. — *) Genes. 1, 28. — «) In den sonstigen
Quellen ist nicht erwähnt, dafs die neu einzugehenden Ehen dem Könige
angezeigt wurden. Sehr einfach war nach dem Berichte H. Gresbeck's
die Fonn der Trauung. Er schreibt (S. 79): „Wan sick ein pair luede
laten tho hope geven wolden, die en geven sie nicht tho hope, glich als
sie mit den irston deden, von den prodicanten. Wer tho dem andern in
gingk, derselve brachte einen ofte twe mede ofte seine frunde, und hielden
einen zogh tho hope und deden sick malckander die haut. Dairmede
weren sie echte luede." Johann selbst bekennt am 25. Juli 1535 {M. G.-Q.
II, iilb) : „Item geschagh oire trouwe in bysin 2 ader 3 oirer broder, also
fleggende: ,Wilt gy my hebben? Ich beger uwer." Und wanner sie dan
willichlich jae sacliten, was die trowe vollenbracht, sus niet.** Vgl. auch
J. Nies ort: U.-S. I. S. 184. Knipperdolling sagt am 21. Jan. 1536 aus
(M. G.-Q. IT, 401)): „In der ehe hielten sie ghein solenniteten noch cere-
monicn, dan das der ein dem anderen sin hertz ubergaf."
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Anno 1534 acta. ü6U
constituisse S qni omnes leges antiqnas abrogaverit, novas et
innsitatas substitnerit, ^mnia sacra profanaverit, >na somnia in
locmn reposnerit et coli praeceperit, adeo iam libidine indomita
aliisqne flagitiis honestis anribns indignis omnes flagrare, nt
tota iam nrbs snbnrbana fomix et *foedissimnm prostibnlnm»p. 534,
Sit nee virgo dnodecim annorum intra moenia deprehendatur *,
adeo omnia esse cormpta et detnrpata, nt nihil sani et a tnrpi-
tndine aliennm snpersit, — omnes ergo militiae praefectos ad
diem 24. Angnsti de retandenda retinctornm pervicacia et im- u. Aug.
pietate ad consnltandnm convocat; et cnm forte archiepiscopns
Coloniensis, Palatinns, dnx de Gmbenhagen, comites de Schon-
wenbnrgk, Isenbnrgh, Nassanw, Waldegk, Nenwenar, Vberstein,
Benthem et Wedda aliiqne militaris ordinis viri complnres rei
bellicae peritissimi vel animi gratia vel oppngnationis inyandae
stndio in castris adessent^, a principe nostro ad hanc qnoqne
') Beim Folgenden ist stets zn beachten, dafs Kerss., wie oben S. 633
Anm. 3 erw&hnt, die Errichtung des Königtums zeitlich ganz falsch ein-
ordnet, und dafs das Königtum erst im September nach dem siegreichen
Abschlagen des gegen Münster unternommenen zweiten grofsen Sturmes
proclamiert wurde.
') Vergl. oben S. 627. Auch Dietrich von Hamburg berichtet
BL A 4v: ,,Und femer ist der gebrauch in der statt Munster, das kein weibs-
bild, das über 12 jar alt, es mufs ein man haben.'' Auf dem Kreistage
zu Köln im October 153^ liefs der Bischof in der Instruktion vortragen
(M. G.-Q. II, 286), dafs „die iunffer, de 14 iair olders erlangt, tom man
gedrungen** wurden.
^) In einer Beilage zum Schreiben des Herzogs Philipp von Braun-
schweig-Grubenhagen vom 5. August an den Kurfürsten Johann Friedrich
von Sachsen (M. G.-Q. II, 267) heifst es : „Als heut ist der churfurste von
Collen in den leger vor Munster kommen, und seint zuvor da gewest von
wegen Collen und Cleve grave Wilhelm von Nassaw, von Collen wegen
allein grave Wilhelm von Newenar und Buprecht grave zu Manderscheit,
von Cleve grave Wirich von Oberstein. So ist am negstvergangen doners-
tagk** (30. Juli) „ankomen hertzoge Wolfganck, des paltzgraven Ludcwigs
bruder, zwehen graven von Solms, graven Bemtz sonne, ein grave von
Issenbergk und einer von Beineck. ** — Der Herzog Philipp von Braun-
schweig-Grubenhagen war schon früher am 15. Mai im Feldlager vor Münster
eingetroffen. Vergl. den Brief der clevischen Kriegsräte an ihren Herzog
vom 16. Mai (M. G.-Q. II, 283). Nach einer Beilage des Briefes des Her-
zogs Ernst von Braunschweig-Lüneburg vom 24. Juni an den Kurfürsten
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«70 Anno 1534 acta.
-consultationem benignis verbis invitantur. Et cum diu nitro
citroqne aliis hoc, aliis vero illnd, nt fit, suadentibns in con-
silio rem Yolvissent, tandem decemnnt legationem prins pnbli-
cam in nrbem mittendam, si forte aeqnis conditionibns citra
magnas impensas et sanguinis effasionem se dedant; sin iUnd
facere nolint, nrbem snmmis viribus esse oppugnandam et forti-
tudinem oppidanorum, quanto cum apparatu bellico queat fieri,
tentandam ^ Hoc etiam in militari hac consultatione decernitur ^
ut principes, comites, supremi militiae domini barones et mili-
taris ordinis viri se ab expugnatione abstineant, sed cum equi-
tatu in locis sibi designandis sese turmatim sustineant^ Si
autem oppugnatio ab oppidanis vel prorogetur vel vi repellatur*
ac utile necessariumque comitibus de Nassauw, Neuwenar, über-
stein ac Benthem^ visum faerit, ut ab equitata impressio augeatur
roboreturque et • supremi militiae domini in locis, ubi necessitas
von Sachsen (s. ebd. S. 259) war er „stathalter des bisschofe von Munster
in abwesent des selbigen bisschofs.* — Die Grafen Wilhelm von Nassau,
Wilhelm von Neucnahr und Wirich von Dhaun, Graf zu Oberstein, waren
die auf dem zweiten Tage zu Neufs dem Bischöfe neu zugeordneten Kriegs-
räte (s. oben S. 604 Anm. 2). — Auch Joh. Fabricius Bolandus, an
den sich Eerss. bei der gleich folgenden Beschreibung des zweiten Sturmes
auf Münster eng anschliefst, sagt Bl. S 5 :
„Visendi studio princeps pius Agrippinus
Atque Palatinus Nassoque castra petunt;
Quo simul afflicto praesentes tempore cunctis
Longa bonis solito taedia more levent.'^
^) Aktenmäfsige Nachrichten über einen Kriegsrat vor Münster liegen
mit Ausnahme eines gleich zu berücksichtigenden undatierten Papieres im
St.-A. M. nicht mehr vor. Doch schreibt Yiglius von Zwichem bereits am
22. August an Erasmus von Rotterdam (s. C. P. Hoynck van Pa pen-
drecht: Aiialecta Belgica Tom. 1* [Hagae Com. 1743] S. 108 f.): „Extre-
mam porro aleam hisce diebus iacere Monasteriumque, cunctarum haereseon
sentinam, omni vi oppugnare principes nostri constituerunt."
') Das Folgende nach einem undatierten Papiere im St.-A. M. M.L.A.
518/19 III. fol. 316. Die Fürsten, Grafen und die vom Adel hatten sich
nämlich bereit erklärt, bei dem beabsichtigten Sturme mitzuwirken.
*) In dem Papiere ist hinzugefugt: „Es ist auch gleichmefaig vor
nodich angesehen, das die velthem auch nit mit stormen sollen, sundem
mit furstcn, graffcn und rittermefsigen uff den storm halten."
*) „an einem oder mher orthem." — '^) „und den velthem."
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Anno 1534 acta. 671
exegerit, ad militarem irrnptionem extimnlandam ab equis de-
scenderint, snb bis qnoque militantes tnrmae relictis subito
eqnis oppugnantinm animos sao robore et exemplo excitent et
erigant. Praeterea equitatns post captam nrbem intromissus a
direptione sibi temperabit, sed magistros eqnitnm snaque signa
tunnatim sequetur*.
Haec legatio libera yeniendi recedendique secnritate impe-
trata datisque ntrinque ad triam borarnm spatimn indutiis
25. Aügüsti in nrbem est admissa K Et quanquam ad oppi- as. Aug.
danos omnes pertineret, eam tarnen nisi coram solo rege et pan-
cissimis anlicis obire non licnit. Enit antem bnins legationis
haec summa : Principem insigne clementiae exemplum oppidanis
exhibiturum ipsisque vitam donaturum et omnis superioris in-
iuriae et admissi flagitii memoriam depositurum, si impietatis
et rebellionis pertaesi inermes urbe excedant eamque *sibi de- «p. 535.
dant Si vero ülud facturi non sint, sed in rebellione superiori
perstiterint, se ferro et sanguine viam facturum.
Ad quae rex : Se hostis clementiam, quae mera sit tyrannis,
sibi populoque suo non optare; sufficere sibi Patris coelestis
^) „. . . und die von reisigen (wo Got das gluck gebe, die stat erobert
und sie in die stat kommen) sollen bj dem fenlin bleiben, davon nit ab-
weichen und sich plundems enthalten und uff der velthem bevellich warten/^
*) Das Folgende berichtet Kerss. allein. Ganz kurz sagt nur Joh.
Fabricius Bolandus Bl. S8 über die Gesandtschaft:
„En redit a rapta legatio principis urbe,
Quae regem sese dedere noUe canit.'^
Wenn D. Lilie S. 241 erzählt, dafs vom bischöflichen Lager aus „mitler-
tidt vele sprake geholden, darumme dat se nicht gerne dat unschuldige
bloet verstört hadden unde de stadt mit den scheiten vordorven,^^ so wird
das bestätigt durch die bischöfliche Instruktion zum Kölner Kreistage im
October, in der der Bischof ausführen läfst (M. G.-Q. 11, 285) : „Wo wal ock
sine f. g. in sulcher dapperer belegeronge den inhebberen vdger. stat aver-
mails schriftlich heft anbeiden laten, alle de ghenne uth der stat an zine
f. g. up gnaden kommen und uthwiken worden, eres levens fristonge und
yelicheit to geven . . .'* Aehnllch äufsert sich der Bischof in einem Hülfs-
gesuch an den Kurfürsten von der Pfalz (Kopie im St-A. M. M. L. A.
518/19 IV. fol. 103). Erhalten hat sich ein Schreiben der Feldherren vor
Münster an die Inhaber der Stadt vom 31. Juli (abgcdr. M. G.-Q. II, 264),
in dem die Letzteren wiederholt der bischöflichen Gnade versichert werden,
wenn sie die Sache der Wiedertäufer verlassen.
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Gl 2 Anno 1534 acta.
clementiam. Ad haec blasphemiani esse insignem existimare a
se clementiam et vitae beneficiam pendere, qai ipse clementiae
et ritae inops sit. Postremo se nullius impietatis aut rebellionis
sibi conscios esse, cum verbo Dei pareant illudque pro vivendi
norma habeant. Ipsum episcopum potius esse impium et re-
bellem, qui destinata quadam rebellione et pertinacia ruptis foe-
deribus pios ad praescriptum verbi Dei viventes sine publica
belli denunciatione armis persequatur. Cum haec ita sint, se
neque arma pro defensione evangelü sumpta deposituros neque
urbem suam quasi malum Punicum dedituros, sed ad extremum
halitum defensuros et sanguinem tandem suum, si necessitas
exigat, pro gloria Dei fusuros.
Princeps ubi cognovit legationem illam ad coUoquinm po-
puli non admissam et a rege scenico pro nihilo pene habitam,
ut ergo, quod oppidani a legatis intelligere non potuerunt, alia
ratione intelligant, üteras passim e castris ex arcubuys telis alli-
86. Aug. gatas et sigillo principis confirmatas 26. Augusti in urbem
mittit, quibus urbem et impietatem anabaptisticam deserentibus
admissi flagitii remissionem certissimam promittit, quarum haec
fait sententia^: Se aliquoties, ut innocentiae parceretur, deten-
toribus urbis violentis eam deserentibus et transgressiones agno-
scentibus liberum exeundi commeatum, delicti gratiam et vitae
beneficium suis literis benigne obtulisse neque fidem addictam
Ulli unquam violasse; se nunc quoque eandem gratiam omnibns
clementer exhibiturum, qui ante horam quintam pomeridianam
diei lovis futurae * urbem gratiam optantes deseruerint ; eo vero
tempore lapso, si quid durius adversus oppidanos benignas ad-
monitiones temere excutientes decreverit, se his scriptis coram
Deo et Omnibus mundi hominibus publice purgaturum.
Quod cum regi nunciaretur, edicit protinus, ne quis literas
ab hostibus impiis in sanctam civitatem sparsas humo toUat et
contrectet, quibus ab impoUutA evangelii doctrina ad defectionem
soUicitentur; transgressores ultimo supplicio afficiendos et e
christianorum coetu tollendos esse denunciat. Hoc regis edictum
*) Nur durch Kerss. überliefert; ebenso auch der gleich folgende
Befehl in Münster, dafs Niemand in der Stadt die hineingesandten Briefe
lesen dürfe. — *) 27. August.
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Anno 1534 acta. 673
tantum *oppiflanis terrorem incutit, ut de defectione nemo quic- »p. 536.
qnam cogitare, nednm verba facere audeat. Bex etiam, nt regni
sui robur cognoscat, omnium novi foederis nomina ntriusque
sexus libello cuidam monente propheta inscribi iussit, quem a
bono viro mihi donatum non sine causa conservo*.
Princeps se prima parte decreti superioris consilii nihil
efficere posse videns, cum in eadem rebellionis pertinacia oppi-
dani perseverarent, ad alteram igitur partem necessario confugi-
endum esse existimat. Comparatis itaque omnibus, quae ad op-
pugnationem necessaria visa sunt, 28. Augusti urbem a quatuor 28. Aug.
partibus tormentis quatere incipit^ quorum horrenda toniteua
ultra decem et sex milliaria Westphalira» clarescunt et in pagis
villisque vicinioribus vitreas fenestras aut e suis sedibus excu-
tiunt aut plumbo assiduo tremore convulso frangunt. Pleraeque
») Ms.: Westphalia.
') Ein Yerzeichnis der Unterthanen des Königs Johaun ist bis jetzt
noch nicht wieder aufgefunden. In einem anderen Zusammenhange ist ein
solches Verzeichnis in dem Bekenntnisse des Joh. Eloprifs erwähnt. Bei
Berührung der Erhebung Johannas zum König sagt er aus (s. J. Niesert:
U.-S. I. S. 1 12) : „Item de prophet" (Johann Dusentschuer) „sagt zu Johan
van Leiden . . ., das er sulle koningk sein, und Got geve ime die gantze
werelt; und des sulle er die gantze gemeind ufschreihen. Und
darauf habe sich auch die gemeind gehorsamlich ufschreihen
lassen." — H. Gresbeck S. lG6f. macht 46 Münstersche Bürger nam-
haft, „die mit dem koningh tho hielden und mit den Fresen und mit den
Hollanders . . ." Er fügt hinzu: „Diese hedden des koninghs kleidungk und
weren seine dieners und giengen mit dem koningh tho have." Weitere
Hauptanhänger des Königs nennt H. Gresbeck nicht, da er deren Namen
„nit behalten." — Reichhaltige Namens-Verzeichnisse der wiedergetauften
Münsterschen Bürger sind im St.-A. M. erhalten.
^) Das Datum nach Joh. Fabricius Bolandus Bl. S8:
„Hinc tres usque dies muri quatiuntur, in urbem
Moenibus ut fractis latius esset itcr."
Dafa die Stadt vor diesem zweiten Sturme, ebenso wie vor dem ersten im
Mai (vgl. oben S. 502), zunächst heftig beschossen wurde, berichtet auch
H. Gresbeck S. 8U: „Und hedden die stat tho storm laten schietten und
hedden seess porten nidder geschotten und noch ein deil ander tornne und
hedden umb die stat her laten graven storm schantzcn." Kurz erwähnt
ist die vorhergehende Beschiefsung auch in dem Flugblatte „Der gantze
handel" Bl. A2 und von D. Lilie S. 241.
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674 Anno 1534 acta.
portae civitatis dissolutis compagibns sternnntur, qnaedam nu-
tantes ruinamque minantes pendent, quae, ne in fossas praecipites
mant, funibns ab oppidanis attrahuntar. Turres in moenibus
stantes sphaeralis ferreis impnlsae excayantur et defensores inde
deturbantur; et cnm e tum aedis Marianae Geldris magna clades
missüibus inferretur, multiim laboris et impensae in ea deiicienda
frastra consumitur. Habet enim firmissimam basim e patrio
mannore et calce tenaciore consolidatam, quae quosvis tormen-
torum ictus facile respuit ; arroditur tarnen ab occasu eins apex,
sed sine fructu ^ Cacumina ac pinnae murorum ab occasn aesti-
vali inter portam ludefeldanam et Crucis usqne ad vallum in
urbe obiectum, sine magna tamen munitionis noxa, quassantur
et abraduntur. Saepe etiara tegulae domorum in pomeriis errore
tactae magno cum fragore corruunt. Ita saxa muris dissoluta
et evulsa volant, ut in locis pomerio vicinis sine discrimine ver-
sari non licuerit. Tanta fumorum instar mj^orum montinm
moles conglobata attoUitur, ut partim e pulvere nitrato, partim
aliarum rerum ruina sine intermissioue excitata aärem opplet
tantaque caligine solis lucem obscurat, ut coelum horriflca toni-
trua maximosque imbres minari existimes*. Quicquid autem
murorum deiicitur, quicquid munitionum interdiu labefactatur,
mulieres quorundam virorum ductu excitatae noctu reparant, ne
viri eo labore defatigati vires suas debilitent, sed integras fu-
turae oppugnationi reservenf*. Apparant tamen omne genus
*) Vgl. zur Ueberwasserkirche auch oben S. 53 f. Bei seiner Schil-
derung der Verwüstung der Kirchen erzählt H. Gresbeck S. 159, wie
die Wiedertäufer zwar auch das Innere der Ueberwasserkirche zerstört, die
Kirche selbst aber nicht abgebrochen hatten. Nur die Kappe vom Turme
sei niedergeworfen worden, die Glocken seien im Turme verblieben. Sie
hatten, setzt er dann hinzu, „up demselven tom twe halve slangen up stain
und deden groite schult in dat leger für die stat. Sohebben sie die
torn uth dem leger tho schotten und hebben ouck die kercke
doer dat dack geschoten. Sufs is die kercke stain gebleven."
*) Vorlage für Kerss. ist hier und im Folgenden die Schilderang
bei Joh. Fabricius Bolandus Bl. S8 u. T 1 fif .
■) Ganz ähnlich lautete schon Kerss.'s Schilderung bei Gelegenheit
des ersten Sturmes auf Münster (s. oben S. 592). Joh. Fabricius Bo-
landus a. a. 0. sagt:
„Ast ea quod damni faciunt sibi luce, per atras
Instaurat noctes regis ubique labor."
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Anno 1534 acta. 675
armorum, quae ad arcendum hostem conducunt, neque uUum
telnm, nisi hostem feriat, reiiciant, sed in propugnaculis firmi-
oribas quasi consopiti expectantes hostium impressionem *taciti*p. 537.
et securi degont. Qaaedam feminae in aggeribns per certa inter-
yalla cacabos et ahena capacissima disponant calcem.pro matn-
tino fercnlo hosti coquentes; aliae stapea serta ligneis circnlis
involnta farcalis qaibusdam ad hoc comparatis liqaefactae re-
sinae et pici immergunt; aliae saxa in hostem desnper rotanda
congerunt *. Pueri quoque decem aut plurium annornm ad iacu-
landum edocti hirundineas caveas aliaqne inter aggeres erymata
occnpantes adversus hostes disponuntur, qnibus tamen viri cor-
datiores et in re militari exercitatiores admiscentur. Neque qnis-
quam in urbe est, cui non sit suum officium. Kex ipse equo
per pomeria urbis vectus omnia ad tutelam et defensionem ne-
cessaria disponit, cuique locum, quem aut vivus aut mortuus
teneat, defendendum tribuit simulque diera oppugnationis, quem
a transfugis quibusdam clanculum acceperat, quasi spiritu pro-
phetico afflatus praedicit^ Partitur ita oppidanos, ut quidam
0 Vgl. Joh. Fabricius Bolandus Bl. T3. Auch H. Gresbeck
S. 80 berichtet: „So hedden sie in der stat legen den storm tho gerüstet
von heittem water mit kalck gcsoden und hedden teerkrenfse geraacket . . ."
Vergl. noch D. Lilie S. 242. S. auch oben S. 615 das von Kerss. über-
setzte deutsche Gedicht gegen die Belagerer der Stadt.
*) Dafs den Inhabern der Stadt abermals der neu bevorstehende
Sturm verraten war, erwähnt das Flugblatt „Der gantze handel" und ebenso
D. Lilie S. 241. Joh. Fabricius Bolandus Bl. R5^ u. R6 macht
ebenso wie Kerss. in seinem Jugendgedichte S. 48 (bei D. Ger des: Scrin.
antiqu. Tom. 2* S. 585 f.) als Verräter bei dieser (lelegenheit den Hans
von der Langens traten namhaft. Doch findet sich dafür in den sonstigen
Quellen kein Beleg. — „Der kunig hab vom stürme prophetiert," sagt Joh.
Kloprifs aus (s. J. Niesert: U.-S. L S. 128), und ausfülirlicher bekennt
er (s. ebd. S. 119, vgl. auch S. 133): „Drey tage vur deme stürme gebe
der prophet zu Munster bevelh, uf den wellen zu sein und zu wachen, und
also zeuch er selbst nmb und verkündigt solchs deme volck . . .^^ „Und do
man sturmete, reidt der kunig umb und reizte das volk an." Aehnlich
heifst es nach dem Bekenntnisse des Joh. Boentrup in der „Newen zeitung^'
(Zeitschr. 17 S. 266) ; „Was der prophet prophetiert hatte gegen dem storm,
were jnen alles also begegnet^ als auff was zeit de stürme angehen selten;
und hatte jnen droy tage gepoten vor dem storm, zu fasten und zu beten."
Die Einzelheiten von dem Plane zum Sturme scheinen jedoch den Macht-
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676 Anno 1534 acta.
manitionibns defendendis sint occapati; alios per manipnlos
passim in pomeriis collocat, qui ant defatigatis ant repulsis a
defensione murorum snccedant ant hostes mnnitiones forte su-
perantes excipiant. Aliam quandam mnltitudinem in foro ar-
matam et ad qnamcunque belli aleam paratam constitnit. Se
vero cum fortissimorum invenum globo passim in urbe vig^la-
turum, ne quid proditionis metuatnr, promittit. Ita autem a
rege ad futoram impressionem animantur, nt iam tempus adesse
optarent, quo hostibus internecionem adferant, sibi vero victoriam
pariant ^ Cum autem munitiones urbis iam triduum continuum
tormentis quassatae militesque a suis ducibus fortitudinis mili-
tarisque sacramenti eximiis orationibus intra castra admoniti
31. Aug. fuissent, ultima die Augusti, quo nundinae Grevonianae eo anno
peragerentur, in ipso crepusculo matutino hora quinta * macMna
quaedam aenea a Lantgrario in praesidium obsidionis missa dia-
boli nomen circumferens, omnibus militibus a terrifico suo bombo
cognita^, ingentis ponderis globo feta hon'endo boatu partum
suum edit et ex composito, uti inter militiae duces convenerat,
milites ad oppugnandam urbem hoc signo impellit. Continuo
equitatus lituorum tubarumque clangore concitus turmatim cir-
habem nicht verraten worden zu sein, denn Joh. Kloprifs bekennt (a. a. O.
S. 119) weiter: „Aber sie wisten nirgentz des anfals zu warten,
dann an deme ort, da die stat geschossen war. Und so betten sie auch die
pcrde hoeren krysschen, und demnach gistcn sie uf den stürme. So weren
auch lüde uf deme thome, die konten aUo das velt durchsehen.'* Auch
Dionys. Vinne sagt aus (M. G.-Q. II, 27G): „Se hebben nicht gewust,
an weicherem orde men stormen wolde.'*
') Auch H. Gresbeck sagt S. 80: „So hat den wiederdoepers ver-
langt na dem storm und hebben in groten furchten geweat. So plagen sie
tho ropen uth der stat: Wanner wil gy khomen? Wy hebben gebacken
und gebrouwen dry oft vehr nacht lanck; der bry iss langk gar gewest,
wolde gy anders khomen."
*) Noch am 31. August schreibt der Bischof aus dem Feldlager vor
Münster an Lubbert Torck (Konzept im St.-A. M.), „dat wy gemelte stadt
Munster huet den maendach to viff urhen vormyddage ge-
weidige und stormen der haut angefallen." Das richtige Datum
für den Sturm bietet auch die Bischofschronik (M. G.-Q. I, 332), das Flug-
blatt ,J)er gantze handel" Bl. A2, H. Gresbeck a.a.O. und D. Lilie
S. 241. — 8) Yg\, oben S. 529.
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Anno 1534 acta. 677
cum urbem in eqnis haeret ; et cum tympana ad arma sonareut,
ex omnibas castris primam signiferi dupliciariique milites simal
omnes certatim a sex partibus urbem adoriuntur^. Currus cum
yiminibus, fasciculis, straminibus et ericis in usum "^impressionis *p. 538.
reservatos in priores fossas praecipitant; alii vimineis cratibus
incumbentes eas tranant et crates roboreas sepimentumque ag-
geris rumpunt gladiisque findunt; alii reliquiis deiectarum por-
tarum scalas uncatas affigunt scanduntqne; alii valvas foresque
subiecto pulvere tormentario cardinibus eiicere conantur nulli-
que labori, quem utilem sibi fore existimarent, parcunt. Qui-
dam etiam signiferi ipsis muris insidentes auxilium suorum im-
plorant *.
Oppidani vero fortiter pugnantium impetum non modo
sustinent, verum etiam magnam eorum partem vel munitionibus
impeditam vel vepribus aggeris irretitam missilibus interficiunt.
Hi scalas tincatas^ illisque inhaerentes deiiciunt miseroque casu
terrae eos enecant; illi muros apprehensantes praecisis manibus •
mutilant; bi trabes in valli cacumine suspensas funibus resectis
solvunt, quarum praecipiti rotatu in aggere consistentes per-
imuntur et in fossas praecipitantur; illi clava dentata scanden-
tium capita frustra galea tecta tanta vi feriunt, ut effuso cerebro
magno cum boatu spiritum quoque emitterent; hi hasta ascen-
») Ms.: fulcatas.
0 Ebenso sind nach H. Gresbeck a.a.O. „des morgentz die lans-
knecht angefallen fnrseessporten an die stat Monster und hebben
gestormet."
«) Vgl. dazu die ähnliche Schilderung bei Joh. Fabricius Bo-
landus Bl. T2, der seinen Bericht mit den Worten schliefst:
„Nee mora; contendunt fera moenia fortibus omnes
Expugnare suis viribus, arte, manu.''
„In tyth des storms," gesteht Herin. Regewart (J. Niesert a.a.O. S. 32),
„sy de meeste fruchte an der Jodevelth und Crutze porten, avers an S.
Sen'acs porten wer dat spyll schyr am ersten versehen gewest " Aehnlich
aufsert sich Joh. Beckmann und fugt hinzu (M. G.-Q. II, 412):^„Sint
eck ein deel upn walle gewest, avers wederum uthgcwecken." Auch
die Bischofschronik erwähnt (s. M. G.-Q. I, 332), dafs der Sturm abge-
schlagen wurde, „wowol ein deel der knechten in den wellen,
ein deel up der muren; sint wedder to rugge geschlagen, und dat
dorch vorrederie uth dem leger . . ."
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678 Anno 1534 acta.
dentes detrudnnt, illi bipenne dissecant; hi accnrrentes saxis
eminns arcent, illi in cayeis hinmdineis aliisque defensacnlis
latitantes per fossas tranantes aat in aggere haerentes de trans-
verso traiicinnt. Miserrimum antem lethi genns a mulieribns
illatnm est, quarum aliae receptacnlis ligneis ferventem calcem
in hostem mnnitiones snbenntem effundnnt, aliae piceas Coronas
adhibita face incendnnt atqne ita flagrantes forculis qoibnsdam
ferreis in ascendentiom coUa iniicinntS qni horrendis flammis
ipsa arma penetrantibns miseris modis excmciati snrsnm deor-
sumque cnrsitant maiorique motn flammas exnscitant et fmstra
chyrotecis e crassioribus ferarum pellibns ad hoc comparatis ar-
dentia serta eximere tentant. Ita enim flagranti resina et pice
tenaci contrahuntar, nt manns inde retrahere neqneant. Tandem
qnidam eomm proni concidnnt seseqne in terra algenti prae in-
tolerabili cmciatn ita volvnnt, ut herbae circnmquaqne flammis
emarcescerent; hinc magno cum clamore animam eyomunt. Alii
.vero conceptas flammas restinctnri in fossas promnnt et pondere
armorum depressi snbsidunt.
') Vergl. oben. „Die wiederdoepers deden grote wer uth der Stadt
Monster," sagt H. Gresbeck S. 80 f., „mit schietten und mit steinen tho
werpen und mit heitten water tho gieten und mit den fueren krenfaen tho
wcrpen, dat de lansknecht moisten wieder afwiecken." S. auch Joh. Fa>
bricius Bolandus Bl. T3. — Die energische Verteidigung der Stadt
ist von den Gegnern der Wiedertäufer mehrfach anerkannt worden. Der
Bischof selbst schreibt an Papst Paul III. (s. J. Nieser t a.a.O. S. 84 f.),
„propter ipsius (proelii) . . . incredibilem mutationem desperatorumqne
hominum diligentissimam defensionem" sei die Hoffnung auf
Eroberung der Stadt für ihn gescheitert. „Aber die Widertauffer," äufsert
sich das Flugblatt „Der gantzc handel" Bl. A 2, „. . . haben mit aller
geschicklichkeit drauff zugelegt, der feindt ci'warten mit f eur rey ffen,
allerhand geschütz und weer so grausam und dapffer begegnet,
das die, so ontlauffen mochten, fro waren und sich bedanckten." — Nach
D. Lilie S. 242 unternahmen die Bischöflichen „den dach seven gewcldige
unde gruwelige storme na einander," nach H. Gresbeck „twe storme für
ein ieder port, und für ein deil porten deden sie dry storme." — Letzterer
führt als Grund für das Scheitern des Sturmes die Saumseligkeit im bi-
schöflichen Lager an. „Mehr hedden die lansknecht anderhalf stnnt ehe
angefallen, so hedden sie die stat gewunnen gehat, wante sie wachten tIcI
tho lange up den dagh, dat it tho licht was." Uneinigkeit unter den
Landsknechten kam hinzu.
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Anno 1534 acta. 079
Inter portam Neopontanam et Crucis, quasi ea pars urbis
defen*soribus nudata esset, hostem primara fossam vallumque »p. 539.
superare sinnnt*. Id cum posteriores animadverterent, priores
in urbem evasisse existimant, magno proinde nisu subsequuntur;
alius alium ad invadendum et verbis et nutibus extimulat. Be-
tincti vero in insidiis tectisque propugnaculis latitantes et omnia
ad mactandum parata habentes, ubi satis hostium vallum trans-
isse putarent, tanto telorum turbine eos invadunt et ad satie-
tatem sternunt, ut pauci se fuga eriperent. Non enim aliter ibi
chyrobombardae, quam arengarum ova in ignem coniecta sonant
et sine intermissione crepant. Ita repulsi novis saepe viribus
impellente equitatu impressionem redintegrant eamque ad vespe-
ram eins diei magna suorum strage frustra continuant. Tandem
vivi diutumitate oppugnationis defatigati, lassitudine propemodum
exanimati vulneribusque confecti non solum muros et aggeres,
verum etiam fossarum aquas et campos sanguine suorum com-
militonum rubere et innumera cadavera passim prostrata videntes
spem potiundae urbis abiiciunt. Duces etiam milites in angu-
stum adductos esse sentientes desperatis quasi iam rebus suis
receptui canunt integrosque pedites ad castra revocant. Multi
semianimes inter cadavera fusi resumpto spiritu in quiete noc-
turna vel ad castra repunt vel eo deferuntur^. Dici vix queat,
quantus in castris fuerit luctus virorum carissimos suos com-
militones desiderantium, quantus fletus vulneratorum intolera-
bilem cruciatum sentientium, quantus ululatus feminarum ma-
ritos amissos querentium ! Si retinctis non fuisset satis hostem
a moenibus propulisse, sed in tanta perturbatione erupissent,
castra aliquot sine dubio fudissent et internecione delevissent.
Id cum miles metueret, vigilias noctumas accurate disponit^.
') Nur von Kerss. überliefert.
*) Nach Joh. Fabricius Bolandus Bl. T5;
„Repit et huc noctu quae pars est saucia, multos
Mors adimit largo fusa cruore viros.
Seinineces socii superante dolore gementes
In sua nocturno tempore tecta gerunt."
') So auch Joh. Fabricius Bolandus a.a.O.:
„Cumque metus foret huc hostis ruitura per astus
Agmina, noctivagas sors facit excubias.^^
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680 Anno 1534 acta.
Post amplissimam istam victoriam oppidani, cum pau-
cissiml, nempe decem et sex, cecidissent ^, non solum hynmos
Deo gratias agentes cannnt, verum etiam epulantur, festos laetos-
que dies agunt et Insolentiores finnt^ Princeps vero non tan
impensarum, quam insigninm viroram clade consternatus gemit
et animo vehementer angitur, non tarnen spem potiundae urWs
prorsus abiicit, sed dioecesis ordines, militiae duces, signiferos,
♦p. 540. centu*riones et primipilos de rebus futuris consultandi gratia si
3. Sept. tertium diem Septembris convocat. Qui ut urbem vi non posse
capi animadvertunt, ad moras consilium vertunt; sie enim rem
minori impendio et clade militum posse peragi existimant, ma-
xime cum a transfugis accepissent oppidanos de commeatus pe-
nuria incipere queri, hordeum siligini ad panem misceri, coemi-
teria aliasque in urbe areas, imo ipsos urbis vicos silicibus di-
motis frumento, oleribus, radicibus, rapis et similibus ad usum
hominum necessariis consitos esse, quae omnia certissima sim
argumenta ipsos de annona desperare, et parum rerum necessa-
riarum ipsis superesse ^ ünanimi ergo consilio decernunt militum
^) „Item in deme stürme blieben in Munster irgend 15 oder 16 per-
sonen." So bekennt Job. Kloprifs a.a.O. S. 133. Abgesehen von dem ganz
allgemein gehaltenen Berichte des Joh. Fabricius Bolandus sind Nach-
richten über den Verlust der Münsterer nicht erhalten. Kloprifs hat wold
die Zahl der in der Stadt Gefallenen zu niedrig angegeben. Sehr grofs
war die Anzahl der Gefallenen auf der bischöflichen Seite. „Nicht ane
merkligen schaden unser krjgeslude^' habe man den Sturm aufgeben müssen,
schreibt der Bischof am 31. Aug. an Lubbert Torck (Konzept im St.-A. M.),
Die Bischofschronik meldet (M. G.-Q. I, 3;^2), dafs der Sturm „mit vor-
lesingh veles guden volckes ifs affgeschlagen." Vgl. auch D. Lilie S. 242.
Die Flugsclirift „Der gantze handel" berichtet Bl. A2: „Da ist ein grofse
menig volcks, edel und unedel, umbpracht und vil gewundt. Es sein
auch 42 namhaffter Haubtmänner, welche in vil kriegen ge-
ubet und eer eingelegt, blibcn. Dergleichen otlich Kriegss-
volck der stat zugefallen und eingelauffon."
*) Aehnlich Joh. Fabricius Bolandus Bl. T8. „Nach verlore-
nem storm hebben se Got gelovot^" heifst es im Bekenntnisse des Dionys.
Vinne (M. G.-Q. II, 27G). Vgl. auch die Ausfuhrungen bei H. Gresbeck
S. 81 und D. Lilie S. 242.
■) Verhörsprotokolle aus der Zeit vom Juli bis September scheinen
nicht erhalten zu sein. Die Aussagen der im October aus Münster ent-
sandten Apostel verbreiten sich mehrfach über den Stand der Verprovian-
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Anno 1534 acta. 681
nameram esse minaendum et circam urbem per certa intervalla
Septem propugnacnla sea castella esse erigenda eademqne muni-
tionibus et sufficienti praesidio aliisqne rebus ad bellum perti-
nentibus firmanda ; interstitia quoque inter singula propugnacula
yallo fossaque contiuuo ductu esse obstruenda, ut tarn aecessus
ad urbem quam egressus omnibus praecludatur *. Huic rei con-
tierung der Stadt. Danach aber kann für die von Kerss. hier bcrülirte
Zeit von einem empfindlichen Mangel an Lebensmitteln in Münster noch
nicht die Rede sein. „It is noch an wine, her und brode ein iair
lanck genoich dar," sagt Dionys. Vinne (M. G.-Q. II, 277). Joh. Klop-
rifs äuTsert sich (bei J. Nies er t a.a.O. S. 125): „Als er noch in Munster
was, do hetten sie ... noch korns und gersten gnug." Auch Herrn.
Regewart erklärt (bei J. Niesert a. a. 0. S. 28), „körne s solde noch
genoich dar bynnen wesen, avers solt und botter wjUe syns be-
dunckens mangelen, wuwoll he gehört, dat Johan Dusentschur gesacht,
kostes solle noch bjnnen twe jaren gyn mangel wesen." Joh. Beckmann
setzt noch hinzu, „specks und flesches sy noch bes Paschen genoich" (ebd.
S. 35). Endlich meint Gottfr. Stralen (ebd. S. 59) ganz allgemein, sie „soUen
noch vor ein yar proviande genoich hebn." Vgl. auch H. Graes' Aussagen
in der Zeitschr. 27 S. 264, nach denen noch Malz, Roggen, Gerste und
Speck in grofser Menge vorhanden ist. Nur von Salz und Käse ist wenig
da, an Butter giebt es noch ungefähr 14 oder 15 Fafs.
') Von einem solchen Beschlüsse erfahren wir aus der Instruktion
des Bischofs für eine Gesandtschaft an den Erzbischof von Köln (Kopie
im St.-A. M. M.L. A. 5lb/l9 IV. fol. 112). Die Instruktion ist zwar un-
datiert, fällt aber zeitlich vor den 14. Sept., da in ihr dieser Tag als für
einen demnächstigen Landtag zu Telgte in Aussicht genommen bezeichnet
wird. Es heifst in ihr, „das s. f. g. der Sachen nit besser zu verhelfen
wisse noch zur zeit, dan das die blockheusser mögen geslagen werden, wie
der abscheit auch mit s. churf. g. genomcn ist; daruff dan vor Munster
von s. churf. g. und meins g. h. von Munster rethen, auch den verordcnthcn
von der lantschafft der pletz und stede besichtynge bescheen ist, wo sie
am bequemsten zu leggen sein, das die einhaber der statt Munster ver-
hindert werden, profianden, pulver oder anders einzufuren . . . Und ist von
denselbigen vor guit angesehen nah der weytte der statt, das syben bloch-
heuser zu machen und von nothen sey, und das die besatzt werden mit
drithalb tausent knechte." — Kerss. irrt, wenn er die Zustimmung des
Landtages bereits auf den 3. Sept. verlegt. Der Landtag war vielmehr
wirklich erst auf den 14. Sept. nach Telgte zusammenberufen und bewil-
ligte in seinem Abschiede am 16. Sept. (St.-A. M. Landtags- Akten; s. auch
Zeitschr. 24 [1864] S. 312 fit.) die dringend nötige aufserordentliche Steuer
zur Errichtung und Unterhaltung der Blockhäuser und bestimmte aufser-
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682 Anno 1534 acta.
ficiendae Wilkinus Stedingns praeficitur. Eadem cum in comitiis
Essendianis proponerentur, ad quae praeter episcopum Monasteri-
ensem, archiepiscopus Coloniensis, dux Sazoniae elector, dox
Cliviae aliiqne proceres convenerant *, placnerunt, et plurimum
commoditatis adferre visum est, si episcopns noster trecentos
equites armatos semper in procinctu habeat, qni oppidanos erup-
tionem forte molientes ant repellant aut intercipiant.
4. Sept. Princeps itaque per literas 4. Septembris emissas * satrapis
dem, dafs sich der Bischof für weitere Ilülfe an den Kaiser und an die
Fürsten und Stände des Reiches wenden solle. Vergl. auch L. Keller:
G. d. W. S. 2G2. — Die schriftstellerischen Quellen geben nur ganz kurze
und unzureichende Nachrichten über die Errichtung der Blockhäuser (s. die
Bischofsclironik M. G.-Q. I, ;335, Joh. Fabricius Bolandus Bl. V2,
H. Gresbeck S. 1G8 f. und D. Lilie S. 242).
^) Kerss. verwechselt hier wohl eine erste Zusanunenkunft zu Essen
zu Beginn des September, über die ich freilich keine Akten gefunden habe,
mit einer zweiten zu Anfang des November. Dafs der Bischof gleich nach
dem verunglückten Sturme mit seinem „hofleger und gesinde, eck de an-
deren uthlendeschen heren, upgebrocken und vertogen," geht aus dem
Briefe hervor, durch den ihn Etliche aus dem Domkapitel und der Ritter-
schaft am 5. Sept. in die Nähe des Feldlagers zurückzurufen versuchen
(M. G.-Q. II, 267). Die eben zitierte Instruktion des Bischofs stellt eine
Vereinbanmg desselben mit dem Erzbischofe von Köln über die Anlage der
Blockhäuser als sicher hin, und Herzog Johann erwähnt in einem Schreiben
vom 11. Sept. (Orig. im St.-A. M.) dem Bischöfe gegenüber, indem er Vor-
schläge macht, wohin „de nastendigo pennyngen" geschickt werden möchten^
einen „jungst genomen affscheid zu Essend.^^ Keincnfalls kann
aber schon damals auf einem ersten Tage zu Essen der Kurfürst Johann
Friedrich von Sachsen an den Beratungen und Besclüüssen teilgenommen
haben, denn noch am 20. Sept. lehnt er jede von ihm durch ein bischöf-
liches Schreiben vom 10. Aug. erbetene fernere Hülfe mit dem Hinweise
darauf ab, dafs der Bischof bei Bestrafung der Stadt keinen Unterschied
machen woDe zwischen den Anhängern der Wiedertaufe und denen des
Evangeliums. Abdruck des Briefes bei L. Keller: G. d. W. S. 321 f. Erst
der Vermittlung des Herzogs Johann von Cleve gelang es, zwischen dem
Bischöfe und dem sächsischen Kurfürsten eine Annäherung zustande zu
bringen, deren Folge im November eine Zusammenkunft der Kurfürsten
von Köln und Sachsen, des Herzogs von Cleve und des Bischofs Franz in
Essen war. S. L. Keller a.a.O. S. 264 ff. und in der „Histor. Zeitschr.,*^
herausgeg. von H. v. Sybel, Bd. 47 (München u. Leipzig I8rt2) S. 432.
") Aus dem Feldlager vor Münster. Konzept im St.-A. M. Einge-
leitet ist der Befehl mit den Worten: „Szo wy myt krigesreden, dom-
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Anno 1534 acta. 683
et praefectis suis passim per dioecesim serio mandat, ut ser-
vorum^ tnrbas nulla ratione habita, cniusque sint send, ad 7.
diem Septembris fodiendi terramqne coacervandi gratia advoceAt 7. sept
ac singnli in quintum diem commeatu se muniant; elapsis vero
diebüs qoinqne alias servoram tnrbas mittant, ne opus coeptum
intermittatur. Ipsi quoqne praefecti et satrapae sua praesentia
suos agricolas ad continunm laborem extimnlent^.
Eo labore antequam castella locentur et contra oppidanorum
impetnm maniantnr, magna pars autnmni consumitnr \ Septem
Ms castellis totidem duces cum praesidiis praeflciuntur. Proxi-
mum fere urbi fuit Mauritianum, cui Wilkinns Stedingus, *omni3 »p. 541..
pedestris ezercitus dnx primarins, praeest; altemm in valle iuxta
pratum Drolshagii* extmitur, quod Hanso Teckelenbnrgicus mo-
deratur; tertium super Geistam iuxta molam flatilem xenodochii
attollitur, quod Antonius Lichtherte regit; quartum super Teltam
ad portam Marianam ponitur, quod Hermannus Sittardus ad-
ministrat; quintum ad portam ludefeldanam in confinio Stephani
kapittell und gemeiner ritterschap . . . overkomon undc beslotten, eilige
blockhuser vor der stadt Munster up f schlaen und an de orde vcm genoch
yan der stadt to leggcn, dat de grever van dem geschulte uude zufs aUent-
halyen unbcscheddiget bliven sollen ..."
') Im bischöflichen Befehle: grever. — *) Im bischöilichon Befehle:
„. . . dat du ock sulvest mit djnen richtem und vogcdcn des orts, dar de
grever tor tith upgebracht worden, mith den luden ©verkommest, ze in
arbeide bewarest und by ennen bes tor entschap verblivcst."
') Häufig finden sich in den Akten Klagen über die Nachlässigkeit,
mit der der Bau der Blockhäuser betrieben wurde. Vergl. den Brief des
landständischen Ausschusses an den Bischof vom 8. Sept. (M. G.-Q. II,
268 f.). Schon am 18. Sept. melden die verordneten Feldherren und Rate
aus Tclgte dem Bischöfe (Orig. im St.-A. M.) abermals, dafs sie bei einer
Inspektion am vorhergehenden Tage „hebben by dem arbeide gyne ampt-
lude eder geschickte, doiglige bevelhebbcr, weynich grever und arbeider,
ock noch wagen, holthouwer eder tymmerlude befunden." Bei Gelegenheit
der Zusammenkunft zu Essen entsandlen die Kurfürsten von Köln und von
Sachsen sowie der Herzog von Cleve am 9. Nov. eine Kommission zur Be-
sichtigung der Blockhäuser. Der Bericht dieser Kommission, datiert aus
Warendorf vom 17. Nov., tritt besonders für Vermehrung und für Ver-
besserung der Beschaffenheit des Geschützes und für strengere Regelung
des Wachtdienstos ein (Akten im St.-A. M. M. L. A. 518/19 VIII. fol. IUI ff.).
*) Bei Lütkenbeck.
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684 Anno 1534 acta.
Bodden et fratrum Pontissalientis erigitur, cni Egbertus Deve-
renus imperat; sextum iuxta locnm Hoystacken appellatnm ad
pbrtam Cmcis excitatur, quod Lanrentius Horsthanus gubemat;
septimnm apnd molam Eninckinganam iuxta campnm ibi ac-
clivem locatur, cuius sceptra Wilhelmns Amhemicus tenet^
Singulis autem stativis tormenta et quingentorum armatomin
praesidium imponitur. Reliqui milites parcendomm sumptnum
gratia paulatim exauctorantur.
Dum haec ita aguntur, princeps difficilem hanc et peri-
culosam obsidionem dioecesis impensis diutius sustineri non
posse videns (nam non solum attritae, verum etiam crebris ei-
actionibus exhaustae propemodum erant subditorum facultates,
cum ultra 600000 florenorum in hoc bellum insumpsisset *) de
consensu omnium dioecesanorum legationes ad quatuor electores
') Aktcnmäfsig finde ich die sieben Blockh&user zum ersten Male
aufgeführt in einem Erlasse des Bischofs vom 3. October, in dem er den
Amtleuten befiehlt, dafür Sorge zu tragen, dafs den Blockhäusern „alle
wecke beer, broith, fleisch, kese, botter und ander nottrofft togefoert, und
dat sodane provande nicht to hoge gesath, dan umb geborlich und teme-
lich gelt gegeven" werde. Kopie in der Bibliothek des Altertumsvereins
zu Münster, Mscr. 101. Es heifst da: „Twe blockhuser ym Dale und np
der Geist. An der Telth Herman Sutters blockhuefs. Am gelresschen leger
Egbertz van Doveren blockhuefs. Achter Suerhues leger Wilhera van Am-
hems blockhuefs. Maurjtz leger des oversten blockhuefs. Achter den cle-
vesschen leger Lentzen van der Horst blockhuefs."
*) Nach der von Kerss. oben S. 548 erwähnten Kleinodien-, Pflug-
und Viehschatzung bereits im März hatten die Landtage auf der Heide
hinter St. Mauritz am 18. Juni, zu Telgte am 14. Sept. und zu Ahlen am
10. Nov. drückende allgemeine Landsteuem bewilligt. Yergl. dazu des
Pfennigmeisters Joh. Hagebocke „Specificatio derer kosten ...,** heraus*
gegeben von F. Kellerhoff in der Ztschr. 24 (18G4) S. 297 flf. — Nach dem
Hülfsgesuche des Bischofs an den Kurfürsten von der Pfalz (undatiert, aber
aus dem September stammend; Kopie im St.-A. M. M. L. A. Ol 8/ 19 IV.
fol. 101 ff.) beliefen im siebenten Monate die Kosten der Belagerung sich
„an de sess mael hundert dusent gülden." In der Instruktion zum Kreis-
tage zu Köln am 25. Oct. liefs der Bischof vortragen (M. G.-Q. II, 286),
dafs sich die Kosten „over de seven mail hundert dusent gülden bewifslich
erstrecken." In einer Werbung um eilige Hülfe bei Burgund vom lö. Nov.
(Kopie im St.-A. M.) giebt er die Kosten für acht Monate auf 800000
<julden an.
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Anno 1534 acta. 685
Moguntinum, Coloniensem, Trevirensem et Palatinum ac prin-
cipes trium provinciarum Oermaniae, seil. Bhenanae, Inferioris
ac Westphalicae, aoxilia petitnm mittit. Divisa enim est Ger-
mania in aliquot provincias, quas circnlos vulgus vocat. Haec
aatem legatio apud omnes tarn benigne est exandita, ut in co-
mitia Conflnentiae ipso die Lnciae% qaae fait 13. Decembris,
celebranda citra tergiyersationem consentirent, in qnibus res illa
exactius discuteretur \ Quae autera in eo conventu auxilia sint
decreta, suo loco dicetur.
Caspar ludefeldus ac Petrus Frisius cives, qni ante urbis
obsidionem, cnm sibi timerent, et urbe et dioecesi excesserant,
archiepiscopo Coloniensi, duci Saxoniae aliisque principibus pro
libero commeatu in dioecesi Monasteriensi impetrando suppli-
cant; se apud principem et quoslibet alios de quocunque cri-
mine obiecto purgaturos. Hos archiepiscopus Amsbui-gum ad
6. diem Septembris vocat; ibi ipsos praesentibus *Monasterien- *?• 542,
sium consiliariis responsum recepturos^. *' ^*'
») Ms.: Lunac.
') Die Akten aber erweisen, dafs die Sache für den Bischof durchaus
nicht 80 leicht verlief. Genaueres darüber s. weiter unten bei Gelegenheit
des Tages zu Cohlenz. Vgl. auch L. Keller: G. d. W. S. 262 ff. und in
der «Histor. Zeitechrift" Bd. 47 (1882) S. 432 ff. — Die Vermittlung um
Hülfe bei den Kurfürsten von Mainz, Trier und der Pfalz sowie bei dem
Bischöfe von Lüttich hatte zunächst zwar der Erzbischof von Köln über-
nommen, doch ging der Bischof sehr bald auch selbständig vor.
*) Das Entweichen des früheren Bürgermeisters Kasp. Judefeld aus
Münster erwähnte Kerss. oben S. 517. Schon am 30. Juli hatte er sich
brieflich an den Grafen Wilhelm von Nassau mit dem Wunsche gewandt,
derselbe möge für ihn beim Bischöfe freies Geleit und die Möglichkeit,
sich zu rechtfertigen, auswirken (Orig. im St-A. M., abgedr. bei J. Nie-
se rt: U.-B. IK S. 243 ff.). Auf Antrag des Grafen von Nassau erbittet
dann am 4. Sept. der Erzbischof von Köln das freie Geleit für Judefcld,
das Bischof Franz bei Gelegenheit einer Gesandtschaft nach Köln auch in
sichere Aussicht stellt. Doch hat der Bischof seine Zusage nicht gehalten.
Denn schon am lü. Sept. wiederholen Kasp. Judefeld und Pet. Friese, die
inzwischen am ü. Sept. in Arnsberg eine Zusammenkunft mit dem Erzbischofe
von Köln gehabt hatten, ihr Gesuch um Geleit und Verhör, erneuern es
am 10. Nov. abermals und hatten unterdessen in Soest auch die Vermitt-
lung des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen für sich gewonnen, der
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686 Anno 1534 acta.
Post hanc postremae oppugnationis cladem multi milit^s
desertores finnt, cuni tarnen de stipendii sibi addicti mora qneri
14. septnon possint^ Proinde episcopns per scripta 14. Septembris
emissa a vicinis principibus familiariter petit, ut milites per
snas ditiones sine ducis sui commeatn transire volentes remo-
rentur legitimisque poenis afficiant^
16. Sept. Praeterea, ut snbditi in officio contineantur, 16. Septembris
magistratus omnium oppidorum et satrapas per scripta* admonet,
in einem Schreibon vom 13. Nov auch seinerseits für die in Ungnade ge-
fallenen beiden Münstersclien Bürger beim Bischöfe eintritt (Akten im
St.-A. M.). üeber Judefeld habe ich weitere Akten nicht gefunden. Kerss.
hätte, wie schon C. A. Cornelius (M. G.-Q. II. Einl. S. 45 f.) betont,
gewifs leicht nSliere Xacliricliten beibringen können, da er eine geborene
Judefeld zur Frau hatte. Wir werden dem Kasp. Judefeld weiter unten
zum Jahre 1553 wieder begegnen. — Pet. Friese beklagt sich noch am
28. Aug. 1535 in einem Schreiben an den Bischof über dessen dauernde
Ungnade und über die Femhaltung von seinen Gütern. Erst auf wieder-
holte Vermittlungsgesuche des Wenemar Ewerswin vom 17. und 25. Sept.
hin (Orig. im St.-A. M., s. auch M. G.-Q. II, 382 f.) verfugt der Bischof
am 29. Sept. aus Horstmar: „So vorn nu gemelter Peter geneigt, uns als
dem lantfursten, wie ander weder ingekomen borger gedaen, huldynge, eidt
unde loffte to doen unde zick vemer gelick denselven to holden, alsdan
mögen wy, zick wedder bynnen unse stadt Munster to ergeven, erlyden."
^) Schon gleich am 31. Aug. hatte der Bischof aus dem Feldlager
vor Münster dem Lubbert Torck gemeldet (Konzept im St.-A. M.), dafs
infolge des abgeschlagenen Sturmes „under den unsen etlige unwyllicheit
entstanden, dat deselven nycht zo balde weder an den storm zoUen syn to
bewegen." Ueber das massenhafte Verlaufen der Knechte, über das der
Bischof am 6. Sept. in seinem Hülfsgesuche an den Herzog von Cleve kla^irt
(Konzept ebendas.), vorgl. besonders die Schreiben einiger Mitglieder des
Domkapitels und der Ritterschaft vom 5., 8. und 9. September an Bischof
Franz (M. G.-Q. II, 267 ff.)-
®) Konzept des bischöflichen Schreibens aus Telgte an Cleve, Köln,
Hessen, Bremen, Geldern und den Statthalter von Fricsland im St-A, M.
Es heifst darin auch : „Wo wall wy de lantzknechte ... der gcstalt
vermoget unde betalt, dat zick des gyn redoliker myt der
warheyt to beklagen kann hebn, dennoch befynden wy, dat der-
selven knechte vast aUe dage yn groten unde kleynen getale erer ede unde
plichtunge unbedacht uth unserm denste unde betzoldynge verlopen."
*) Aus Telgte. Nach dem Konzept im St.-A. M. abgedruckt bei L,
Keller: G. d. W. S. 320 f. Der Inhalt des Briefes ist nicht genau wieder-
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Anno 1534 acta. 687
cum Monasterienses in coepta rebellione pertinaciter perseverent
malisque suis exemplis multos ad similem contumaciam commo-
vere queant, ut civium subditornmque suorum rationem habeant,
ne se suosqne in simile discrimen et tandem exitium praecipitent.
Kex recenti victoria inflatus fastnm intolerabilem ornatu,
incessu et moribus ostentat ac originis vitaeqne suae pristinae
immemor et oblitus qnotidie nova, quae ad regium deciis illu-
strandum pertinent, conmiiniscitur, saevns et crudelis in sub-
ditos. Joannes antem Dusentschuer propheta \ cum de regis fastn
et crudelitate plebem infausta mussitantem intelligeret, minam
novi imperii, cuius ipse auctor fuerat, mctuit, nisi ipse illud
novo robore firmaret. Die itaque 23. Septembris in concione et 23. sept.
publice populi conventu ad audiendum verbi Dei de more coacto
vocera suam exaltat: „Pratres," inquit, „christianissimi, recenti
vos adhuc memoria teuere arbitror, quod quibusdam ex vobis
decem iam annis, quibusdam sex, aliis tribus, aliis paucioribus
annis verbum Dei annunciatum sit." Eespondet tota multitudo
se id scire. „Audite ergo, populi," inquit, „et intelligite ver-
bum Dei, qnöd per me vobis nunciatur! Omnes, quotquot dehinc
in agnitam veritatem pertinaciter peccant, neque in praesenti
saeculo neque in futuro delicti gratiam invenient, sed continuo
regis arbitrio tradentur, qui eos ensigero committet, ut tales de
medio Israhelis tollantur et memoria illorum sempitema oblivione
deleatur." Hac ratione meditantes rebellionem ita coercet, ut
nemo virorum contra regem regiaque instituta mutire audeat.
Sed tamen Elizabeth Holschers, cum mulier esset, plus sibi forte
ratione sexus impunitatis sperans dominum ac maritum suum
Godefridum Beckers ter quaterve negando coniugii debitum enor-
miter offendit ac tandem manifestam blasphemiam, ut retinctis
Visum est, *eflFundens: „0 Pater," inquit, „si potens es», effice, »p. 543.
») Ms,: est.
gegeben. Der Bischof befiehlt, dafs die Städte unter ihren Bürgern „gyner
ungewontliger nyerong cddor rotterycn" gestatten, und falls dieselben vor-
kämen, bestrafen sollen. Zu gleicher Zeit befiehlt der Bischof den Amt-
leuten, „yn eren ampteren unde buyten den steden des handeis upsicht to
hebn unde den steden . . . hulp unde bystant to doen.^^
') Das Folgende berichtet nur Eerss.
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688 Anno 1534 acta.
ne unquam thorum istum iugalem viva conscendara!*' Propter
haec, si diis placet, nefanda flagitia a marito ad tribnnal pro-
«6. sept tracta, accnsata ac omninm prima a rege damnata 25. Septem-
bris gladio punita est, nee sexus eam in iudicio tyranni ex-
cusavit^
26. Sept. Die 2G. Septembris Catharina Kokenbeckers alio nomine
Wulves gladio quoqne iubente rege caesa est, qnod cnm duobns
maritis, cum altero Bernardo Emingo pridie coram Inlio epi-
scopo, cum altero vero Francisco Wast Zelando postridie nuptias
celebraverit. Eegia enim lege solis viris, non mulieribus poly-
gamia permittitur. Margareta etiam Osnaburgica hoc eodem
mense ferro percussa est, quod Henricum Schlachtschapium,
verbi Dei praeconem, non solum convitiis exceperit et ipsum in
arena fundamentum doctrinae suae posuisse dixerit, yenim etiam
in contemptum verbi Dei in faciem eins expuerit.
Barbara uxor Butendickii in initio Octobris a domino ac
marito suo publice accusata est, quod sibi obmurmuraret ac
multis yerbis contumeliosis obstreperet dicens se cum aliis suis
coniugibus ac consororibus non spiritualiter, sed camaliter agere
et cum iisdem corpus saepe miscere. Protracta itaque ad iu-
dicium morti adiudicatur. Joannes autem Dusentschuer pro-
*) Zur Sache vcrgl. hier und für das Folgende auch oben S. 629 f.
Xach den Aussagen der im Octoher ausgesandten Apostel herichtet die
^Newe Zeitung" (Zeitschr. 27 S. 2()()) : „Wenn der weyher eines von einem
andern man odder irer gescllin eine unfreundlich angesehen wird, der mucfs
als bald beklagt werden und sterben, desgleichen auch die weibor,
wo eine mit einem andern berüchtigt wird." „Wo ein wcyb mit
dem andern zürnet oder zancket, haben sie den kopff verloren," heifst es
in der ,,Newen Zcjtung" Bl. A 2^. — Die von Kerss. hier angeführten Bei-
spiele der Bestrafung von Frauen sind aus andern Quellen nicht zu kon-
trolieren. Nur gestehen die beiden Knaben Herm. MoUenhccke und Joh.
Huttman am S.Juni 1535 (St.- A. Marburg): „Item een Beckersche sy
gethot, dar sie dem man auch ungehorsam gewest. Itom es
wurden noch drei gerichtet." Weiter sagen sie aus: „Item ein maget
Annokc hat eynen man genomen, der hadde vor ein weih, und die anderen
frauwen schundten sie darein, das sie bey den man nicht schlaffen wolto;
darumb lies ir der konig den köpf abhawen. Item mit ir noch ein ge-
richtet, dy hies die Schomsteinfegersche, die was irem man ungehorsam
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Anno 1534 acta. 689
pheta: „Haec," inquit, „per iustam sententiam damnata mone-
tär, sed cum ferat uterum, in gratiam partus, donec pepererit,
conservabitur;" quo in lucem edito futurum esse, quod Patri
Visum fuerit. lila continuo humi strata dominum ac maritum
suum suppUciter veniam et gratiam precatur. Maritus vero
ignarus virum esse inter Deum et uiorem suam, nisi pertina-
citer peccaverit, mediatorem, culpam magistratu inconsulto re-
mittere non audet. Post partum autem 23. Febr. anni 1535 ^^i^^^*
iterum ad iudicium deducta mitiorem sententiam audivit: se
satis diuturno mortis metu mortificatam esse, et cum a domino
ac marito suo, in quem non pertinaciter deliquerat, delicti gra-
tiam petiverit, criminis absoluta est. M. Eberardus Kribbe,
faber lignarius, cum propter crimen laesae maiestatis in regem
commissum interficiendus esset, suae artis excellentia criminis
remissionem meruit.
Inde circa festum Gereonis * in Octobri senatus Bremensis oct.
amanu*ensem curiae suae ad principem nostrum ablegat, cuius*p. 544.
legationis hie erat scopus : Se, si et princeps ferat et Monasteri-
enses prius impietati renunciaverint, controversiam intercepturum
et aequis conditionibus per gratiam Dei sublaturum^ Ad quae
*) 10. October. — *) Vergl. das Schreiben der verordneten bischöf-
lichen B&te zu Wolbeck vom 10. October an den Osnabrückschen Kanzler
Joh. Merkel und den Hofmeister Friedr. v. Twist (Orig. im St-A. M.). Die
Räte melden darin: „De huisschriver to Delmenhorst bericht uns itzt, dat
he underweges mith dem Bremeschen secretario in underreddong gekommen
und verstanden, wo de van den Oisterschen steden mit credentzen und
werffongen an unsen gnedigen fursten und hem van Munster uthgeferdigt,
dat zine f. g. den ger. steden tusschen ziner f. g. und den van Munster
underhandelonge gestaden wolde.** In Bremen bestand der Wunsch, zwischen
dem Bischöfe und der Stadt Münster zu vermitteln, schon länger. Bereits
am 24. Juni schreibt Herzog Ernst von Braunschweig -Lüneburg an den
Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen (M. G.-Q. 11, 257), „das ein rat
der stat Bremen iren geheimen secretarien hie bei uns gehapt und neben
anderen anzeigen lassen, ... das sie nochmals bitten, wie es imer
zu thun, das man wolt ein beschigkung an den bischof und
stat ... aussmachen. Was sie vor sic|^ selbs und mit zutziehung anderer
stette hirtzu thun künden, weiten sie sich auch erpotten haben. ^ — Auch
in Bremen hatte man sich mit der Zeit gegen den Einflufs wiedertäufe-
rischer Lehren zu schützen. Vgl. W. v. Bippen: Gesch. der Stadt Bremen
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690 Anno 1534 acta.
princepsM Cnm Monasteriensium impietatem et rebellionem non
solum caesareae maiestati, veram etiam electoribns, principibns
aliisque imperii statibus per legatos suos nunciaverit praesidium-
que adversns iUos imploraverit *, ea quidem spe et fiducia, ut
divina ope nrbem Monasteriensem ad poenam bene commeritam
et pristinam obedientiam revocet; se itaqae solnm exclusis et
imperii et dioecesis statibus in nnllas pacis conditiones consen-
summ. Se tarnen Bremensinm oblatum officinm et petita stati-
bus rennnciatumm. Sed cnm ab imperii principibns decretnm
sit exempla anabaptisticae perfidiae in ea urbe tanqnam eins
scbismatis asjlo statnere, maxime cnm adeo praefracte snam
impietatem tneantnr, nt in minimo ab ea recedere nolint, Bre-
mensibns responsnm est pertinaciam Monasteriensium nullam
neque gratiam neque pacis foedera mereri^
Bemardus Enipperdollingus ^ cum loannem Bokelsonem
Leydanum Hollandum, bumili loco natum, rithmolognm seu
Bd. 2 (Bremen 1895) S. 97 f. und die Yerordnung des Rates gegen die
Wiedertäufer vom Jahre 1534, abgedr. im „Bremischen Jahrbuch*' Serie 2
Bd. 1 (Bremen 1885) S. 163 E
') Die folgende Antwort erteilt der Bischof seinen B&ten in einem
Schreiben (Konzept ohne Datum im St.-A. M. M.L. A. 518/19 IV. fol. 195»),
in dem er ihnen auch mitteilt, daüs der Bremer Syndikus in Osnabrnck
gewesen sei, und dafs mit Bremen zusammen auch andere Hansestädte
vermitteln wollten.
') Im Schreiben fügt der Bischof hinzu: „und wy uns ock mit etligen
chur und forsten dusser sacken halven in verstaut und buntnisse begeven . . .'^
") Die schliefsliche Antwort des Bischofs an Bremen hat sich bis
jetzt weder in Bremen noch in Münster gefunden.
*) Ueher das Yerh<ins zwischen Johann v. Leiden und Enipper-
dolling geben uns die Quellen in keiner Weise genügenden Aufschlufs. Dafs
zeitweilig ein schroffer Gegensatz zwischen den alteingesessenen Münster-
sehen Bürgern und den zahlreich zugewanderten Fremden bestand, dafür
liefert der Mollenhecke^sche Aufruhr im Juli den deutlichsten Beweis. Eine
Begünstigung der Fremden geht mehrfach aus den Berichten H. Gres-
beck's hervor. Ygl. besonders S. 150, wo er erz&hlt, wie der König aUe
di^'enigen, die dafür eintraten, dafs man noch einen König wählen, und
dafs man einen weltlichen und einen geistlichen König haben müsse, ins
Gef&ngnis setzen liefs, „dat sie penitentzie doin solden.'^ Er fügt hinzu:
„Dieselve weren Hollenders und Fresen. Heddent gewest
burgers oder lansknechte, so hedde sie der koningk laten
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Anno 1534 acta. 691
rhetoricastrom scenicnm, lenonem, canponem, sarcinatorem va-
gnm, advenam et peregrinnm ad hoc honoris fastiginm emer-
sisse videret regiumqne nomen et maiestatem incessn, moribus,
vestitn, insignibus et ministrornm turba cnm laude et applansu
omniom ipsnm tueri et ostentare posse, se vero, civem indi-
genam et ex optimatnm genere procreatnm, contemni, imo se ad
sordidissimiun camificis mnnns, qnamvis nnnc demnm eo libe-
ratus Sit, detrasnm esse, generosnm ipsias animnm snblimiora
affectantis vehementer contnrbat; qnare rationes sibi qoaerendas
esse existimat, qoibus indigena peregrino praeferatar. Se ergo
12. Octobris^ fnrere fingit. Nam hoc in urbe sibi persuaserant 12. oet.
neminem inter se nisi divinitus forore corripi, talemque imperio
richten/ Yon einer bisherigen Bivalität zwischen Johann und Enipper-
dolling spricht nur Joh. Fabricins Bolandus Bl. L2^ u. NÖf., ohne
dafs wir in anderen Quellen Bestätigung dafür finden. Dafs es aber wirk-
lich einmal in EnipperdoUing^s Absicht lag, die Macht und Stellung des
Königs einzuschränken oder gar zu stürzen, dafür liefern die folgenden,
von Eerss. aus verschiedenen Quellen geschilderten Vorgänge den Beleg.
Wichtig in diesem Zusammenhange ist auch Johannas eigenes Bekenntnis
(bei J. Niesert: Ü.-S. I. 8. 183): „Enipp. hebbe ebne tho keinen regi-
mente gekoren, dan er sy stil gewesen und hebbe sich van dem
konige getogen; derhalven dan der konig sich umb seynes
bogen geistes befurchtet Doch wil er solchs Got richten laten.**
') Keine Quelle giebt für das Heiligen Knipperdolling's und für sein
Verhöhnen des Königs ein bestimmtes Datum an. Dafs aber diese Vor-
gänge sich, wie Kerss. behatif^t, am 12. Oct., dem Tage vor dem grofsen
Abendmahle, abspielten, erscheint ebenso unwahrscheinlich, wie dafs sie,
was Kerss. gleich weiter unten berichtet, die eigentliche Veranlassung zur
Ansetzung der Abendmahlsfeier gewesen seien. Denn dieser nahe zeitliche
und ursächliche Zusanmienhang zwischen den beiden Ereignissen wäre in
den zahlreichen gleichzeitigen Nachrichten, die wir über das Abendmahl
besitzen, gewifs nicht verschwiegen. Jedenfalls jedoch fand das Auftreten
KnipperdoUing's zeitlich vor der grofsen Feier und vor der ihr unmittelbar
folgenden Aussendung der Apostel Statt, und H. G res b eck 8. 142 fL be-
richtet ungenau, wenn er es in eine viel spätere Zeit verlegt Denn schon
in einzelnen Aussagen der gefangenen Wiedertäufer-Apostel ist von dem
Beginnen KnipperdoUing's die Bede. Von der Teilnahme KnipperdoUing's
am Abendmahle erzählt nur H. Gresbeck S. 110 f. Kerss. hat wohl aus
Kachlässigkeit hier dasselbe Datum gesetzt, das er sehr bald weiter unten
für die Zeit angiebt, zu der Joh. Dusentschuer den König zur Feier des
grofsen Festes bestimmt
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692 Anno 1534 acta.
dignum; sie enim Matthissonem et Bokelsonem prophetas eva-
sisse ac tandem regem. Per totam orbem amentis instar cursitat
magnoqne nlnlatn et clamore onines ad poenitentiam invitat.
„Agite,^ clamat, „poenitentiam, agite poenitentiam; resipiscite,
resipiscite!***, quasi dicere velit oppidanos nondum yeram pie-
tatem snb hoc rege tenere, sed aliam adhnc snperesse. Inde
post inconditas vociferationes spnmeo ore ad forum reversus est
•p. 545. et instar apri spumans humi prostratus tacuit. *Hinc* cum sub
concione frequenti populus magna concionatorem audiendi avidi-
täte inflammatus sese premeret et arctissime iungeretur, saltu
se subito effert et instar quadrupedis supra stantium capita
reptans singulos afflat et: „Pater," inquit, „te sanctificavit; ac-
cipe Spiritum Sanctum!" Eundem fortasse spiritum afflavit,
quo a terra sublatus et in sublimi supra populi capita retentus
est. Saliva quoque oris sui quorundam caecorum oculos bis
verbis illivit: „Eecipe visum!** Designat etiam certum in foro
locum, ubi se hoc die moriturum et continuo resurrecturum
affirmat^ Inde ad solium regis accedens coram rege concitatis
^) Vgl. die Worte Ant. Corvin's in seinem Briefe an G. Spalatin
Bl. A3^: „KnipperdoUingum hie ferunt saepe veluti enthusiasmo percitum
per omnes civitatis vicos cnrrere solitum adeoque obyium quemque adflando
iis verbis: Accipe Spiritum Sanctom! allocntam esse.^ In diesen Zusam-
menhang gehört auch das Geständnis des ZiUis Leitgen (J. Nieser t a.a.O.
S. 138): „. .. und EnipperdoUinck schrejet und reift durch die stadt: Rot
auss, rot auss!"*
^) Das Folgende fast wörtlich aus H. Dorp Bl. ¥2^ übersetzt
Vgl. dazu den eingehenden Bericht bei H. Gresbeck S. 143 ff. „Dieselve,
die hei nu gehilliget hadde,^ heilst es da, „den heft hei die haut gedain
und heft sie gekusset für den munt und heft gesacht: Du bist hilligh,
Got heft dy gehilliget!" Bemerkenswert ist, dafs nach H. Gresbeck Knip-
perdolling wohl einem Teile des Volkes, später auch dem Könige den Geist
einbliefs, dafs er aber „des koninghs reden, predicanten ofte
dravanten nicht einen gehilliget.**
') Vom Sehenmachen der Blinden und von der Todesprophezeiung
Enipperdolling's berichtet H. Dorp nicht Eerss. schöpft aus den Bekennt-
nissen der ausgesandten Apostel. Job. Boentrup sagt aus (s. die „Newe
Zeitung" in der Zeitschr. 27 S. 265; die Nachricht ist auch von L. Hör-
tensius S. 39 übernommen): „Knipperdolling saus in des Königs stucl
und sprach, er wolt sterben und wider genesen, und zu gesagt, dass die
blinden soUen sehend werden." AehnUch gestehen Dionys. Yinne und Pet
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Anno 1534 acta. 693
saltibus praeter communem hominnm usum ducit choreas'.
„Sic," exclamat, „cum meretricibus quandoque saltare consnevi;
nunc vero vnlt Pater, ut in conspectu regis mei hoc faciam."
Per contemptum visus est haec dicere. Eex, ut erat homo calli-
dissimus, fucum Knipperdollingi regale solium aflfectantis sen-
tiens, cum insaniendi finem non faceret, vehementer offensus
solium suum deserit; EnipperdoUingus vero illud occupans se
pro rege gerit. Inde spiritu Dei se exagitari proclamat*; loan-
nem Bokelsonem quidem regem esse secundum camem, se vero
spiritualem futurum ; eoque dementiae tandem venit, ut utrum-
Kucper (St.-A. M. M. L. A. 518/19 V. foL 175v), „dat KnipperdoUinck up
de erde neddergefallen, goschumet, van sick geropen, he werde sterven und
verryscn, blinden sehende maken, und gesacht, sulx des Yaders wille sj.^
Auch H. Gresbeck berichtet S. 107, wie die Predikanten verkündigten,
die I^ahmen sollten gehend werden, und wie Knipperdolling beim Anblick
eines Blinden ausrief: „Der sol noch weder sehende werden; solcke teicken
sol noch Got bei uns doin!"
') Dieses und das Folgende wieder fast wörtlich aus H. Dorp a.a.O.
übersetzt, aus dem auch Job. Fabricius Bolandus Bl. X4^ u. X5
schöpft, der aber von dem Heiligen Knipperdolling's Nichts weifs. Wenn
aber H. Dorp das Heiligen KnipperdoUing's und sein Verhöhnen des Königs
in verschiedene Zeiten verlegt, so widerspricht das, wie schon CA. Cor-
nelius M. G.-Q. II. Einl. S. 21 bemerkt, der Erzählung des H. Gresbeck
a. a. 0., der die Ereignisse an zwei auf einander folgenden Tagen geschehen
und Knipperdolling an beiden Tagen seine Tänze vor dem Könige auf-
führen läfst.
*) Die Aussprüche KnipperdoUing's — H. Dorp hat Nichts darüber
— entnimmt Kerss. aus Ant. Corvin: Acta etc. Bl. A3, der sie aus des
Königs eigenem Munde erfahren hat. Vergl. auch Ant. Corvin's Brief an
O. Spalatin Bl. B4^. Nach H. Gresbeck S. 149 sagte Knipperdolling
Tor dem versammelten Volke zu dem Könige: „Ick solt von rechten ein
koningh sein. Ick hebbe dj tho einem koningk gemackef Vgl.
auch die dichterisch ausgeschmückte Rede KnipperdoUing's bei Joh. Fa-
bricius Bolandus Bl. X5^u. X6. — Ueber sein Zerwürfnis mit Knip-
perdolling äufsert sich der König selbst in seinem Verhöre bei J. Niesert:
U.-S. I. S. 182 f.: „KnipperdoUinck hebbe gesacht, se handeln buten der
schrifft, und wolde dem konige gelick syn, darnach syn liffverwarer
werden; ist der konig van den markte upgestan und to hufs gangen . . .*
Vgl. dazu Johann's Bekenntnis M. G.-Q. II, 374. Ein Beispiel dafür, worin
die Predikanten nach seiner Meinung „neben der schrift*' lehrten, giebt
Knipperdolling selbst in seinem Verhöre am 21. Jan. 1536 an (M. G.-Q.
n, 409).
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694 Anno 1534 acta.
qne testamentnm tarn novnm qnam vetas et totam scriptnram
sacram abolendam atqne e mundo tollendam, neque ad politi-
camm legmn decretmn, sed ad natnrae et spiritns suggestionem
vivendum esse diceret. Quam rem rex indigne ferens redit enn-
demqne de sede sua detnrbat et in carcerem dnci iabet. Quo
cum triduum vinctus detineretur* neque se, uti forte sperabat,
liberari cemeret, superioris spiritus fervor paulatim flaccescit,
sibique metuens suam culpam agnoscit et deprecatur. Se enim
non innata quadam malitia, sed malo spiritu agitatum et de-
ceptum esse queritur ^; se nunc praeterita noct« in carcere Patris
inspiratione didicisse, quanti regia maiestas sit faciunda; se iam
^) Auch nach H. Dorp Bl. F3 setzt der König seinen Widersacher
„drey tage zur straffe gefangen.** Doch scheint die Gefangensetzung nicht,
wie Eerss. nnd Joh. Fabricius Bolandus Bl. X 7 berichten, sofort
stattgefunden zu haben. Wenigstens sagt Johann bei J. Nies er t a.a.O.
S. 183 ausdrücklich aus, KnipperdolUng sei „datzumal nit gefangen*^ (bei
J. Niesert fälschlich „mit gefangen^ gedruckt). „Dama ist bjnnen Munster,**
heifst es weiter, „vil volcks erschotten und sunst kranck geworden, hebben
ee gemeynt, ed sy ein straffe Gots, dar Knipperdollinck nit glich
andern umb seiner overtreddung gestraffet sy worden. Ist
darnach Knipperdollinck umb seiner overtreddung gefeng-
lich angenomen biXs er seine overtreddung bckandt und böte dede.*
Vgl. auch M. G.-Q. II, 374. Nach H. Gresbeck S. 150 hat der König
zunächst dem Volke den Eindruck der Worte KnipperdoUing's „uth dem
sinne gepredigt.** „Wie dat sie vertan gescheiden sint,* fährt H. Gresbeck
fort, „KnipperdoUinck und der koningk, dair en khan ich nicht wider von
schriven.** Er berichtet dann weiter, dafs Knipperdolling den König um
Gnade bat, aber zwei oder drei Tage gefangen gesetzt wurde, „nicht umb
der sacken willen allein, umb ander sacken ouck . . .**
') „Er sy eimal gefenglich angenomen,** bekennt Knipperdolling bei
J. Niesert a.a.O. S. 186, „der orsake, dat he etzliche verblyn-
düng gehat, dat er nit wisse, wat er dede. Damach ist ehme van.
dem konige ein cedel vorgehalden; hefit he gesehen, dat dednvel solch»
in ehme solde gewerckt hebben, derhalven er dan penitentien gedan
und loesgestalt.** Vgl. auch M. G.-Q. II, 376 f., wo Knipperdolling hinzu-
fügt, „wie hy oich sulx in der gantzer gemeinten apentlich gesaght hedde.*^
In seinem Geständnisse am 21. Jan. 1536 (M. G.-Q. II, 409) sagt er, „er
het eine boese driwungh und infal gehabt.** Auch Dionys. Vinne und Peter
Kueper fuhren in ihrem Verhöre (St-A. M. a. a. 0.) an, wie KnipperdoUing
bekennt, „dat em Lucifer verforet hedde, und sy in umwege gewesf 8.
auch H. Gresbeck S. 150.
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Anno J534 acta. üi)o
non dnbitare ipsnm totius orbis fore monarcham. His rebus rex
adductns KnipperdoUingnm carcere liberat sperans ipsnm regiis
stndiis propensiorem posthac futnrmn K Sed captivitas illa manet
alta mente reposta. Non enim solnm regiis coeptis clancnlnm
obstrepebat, verum etiam officium sibi impositum respuebat^
ünde rex ipsum sibi ob captivitatem superiorem infensum esse
sentiens eundem Ms scriptis admonet sibique reconciliare laborat.
* Epigraphe literarum*. *p. 546.
„Bemardo Knipperdollingo, legato regis novi templi, viro in
regiis negotiis prudenter et sollicite conficiendis eximio.
Sapientia Altissimi mentem tuam illustret, fidem confirmet,
dilectionem adaugeat, officium tuum beneficio compenset, te ditet
et ad bereditatem nunquam interituram deducat. Amen! Scis,
care frater, quod te meis scriptis familiariter admonere velim,
ut diligenter officium tuum administres, cum intelligas mihi
impossibile esse sine ministrorum Dei ope regere, sicut nee ipse
Dens sine ministris suis tanquam mediis causis et instrumentis
quicquam vult operari. Quisque ergo in sua vocatione ambu--
labit. Ego vero, quantura pro viribus meis potui, ad regni con-
servationem ministros disposui, te vero vicarium seu legatum
meum in bac urbe constitui, etiamsi praesens sim. Aequum
igitur est, ut officium tuum facias, sicut te decet. Scis me ora-
torem et consiliarios habere, quorum opera praesenti carere non
possum, qui mihi, quocunque etiam ivero, semper adsint et in-
serviant, quibus unum aliquem praefeci, qui, si aliqua in re
dissentiant, eos in concordiam sua auctoritate revocet^, ut omnia
cum decore et, ut aequitas postulat, agantur, quamvis plebs oc-
casionem inde sumens me regnum in alium transtulisse dicat.
Verum qui falso et intemperanter ista efifutiunt, sperant sublato
^) Bemerkenswert ist die freilich in einem anderen Zusanmienhange
gethane AeuCserung H. Gresbeck's S. 110: „. . . der konigk konde Enip-
perdoUinck nicht entheren, hei was ime ein goit blat in der karten, na
dem mail als Enipperdollinck dat regiment hatt, und was des konnigs stat-
helder. Hei was der irst und der lest/
') Belege dafür bieten die Quellen nicht. — ') Der Brief ist nur
durch Kerss. bekannt. — *) Christian Kerckerinck. Vgl. oben S. 647.
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696 Anno 1534 acta.
regno omnia pro voto sibi eventura, quod nnnquam fatoram
erit. Admoneo itaque te, ne prioris amoris obliviscaris neqne
te a me alienes. Beneficia mihi a te et nxore tna exhibita non-
dum exciderunt, qnamvis mala in te reprehenderim. Cogita,
qnae tibi antehac serio dixerim, neqne eornm obliviscaris, quae
certo evenient, etsi nunc tentationibns atque afflictionibns invol-
vimur. Qnare simns fideles; merces nostra erit copiosa! Sis
sapiens mente, loqnere veritatem, animnm resume neque despera,
sed fastum depone, fnge incredulitatem, orationibus potins in-
siste! Ita fiet, ut infirmos et pnsillanimes consoleris. Admira-
bilium operum Dei ne obliviscaris; reminiscaris losuae et Ca-
leph*, lege aliquando Hester de Mardocheo^! Nam exiguus po-
pnlus snnm honorem retinebit, quanqnam illud vi fidei et sin-
gulari Dei artificio ad snam gloriam evenire non sentiamus.
ütinam apostolnm mihi esse liceret; quanto animi fervore veri-
tatem profiterer! Nonne nunc multo magis fiduciam in Deum
•p. 547. collocaremus, cum ipse nunc in *nobis regnum suum, de quo
omnes Prophetae vaticinati sunt, perficiet, etiamsi multi despon-
deant animum, prioris amoris obliviscantur, Deum et ab illo
missos contemnant, unde constat tempus iam prope adesse?
Lege Caput ultimum Esdrae lib. 4! Abiecitne nos a se Dens,
cum nobis benefacit et castigat? Si nos non habemus veritatem,
si citius bene agere coepimus et a vera via aberravimus, quo-
modo ergo Dens quotidie in cognitione suae veritatis magis ma-
gisque nos illustrat, sicut brevi ex scriptis Bemardi cognosce-
mus?* Sed Dens donet tibi et nobis omnibus suae sapientiae
agnitionem, quantumvis etiam mundus malitia et fastu suo in-
solescat! In fide persist« salvus; camis curam agat Dens!
Joannes Leydanus.
Potentia Dei robur meum, vel sie Germanice:
Grots kracht ist mein macht."
Joannes Dusentschuer propheta regem graviter a Knipper-
doUingo offensum esse sentiens, ut ergo ipsum a concepta in-
dignatione, quam animo excutere non potuit, rebus laetioribus
^J Kum. 14, 24 ff.; 26, 65; 32, 12. — «) Esther 2 ff. — «) Hinweis
auf Rothmann^s ^Restitution," die im October 1534 im Druck erschien.
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Anno 15:34 acta. 697
abdncat, Ms verbis eodem dnodecimo die Octobris ipsnm adit*: 12. oct.
„ninstrissime rex," inquit, „scriptura ad finem properat. Ergo
Dens inbet, nt in monte Syonis" (sie vocant campnm domini-
cnm)^ „coenam commnnem pro christianis fratribus sororibusque
instituas. Dens enim sni verbi praecones apostolosqne, quos de-
legit, in qnatuor mnndi piagas ablegaturus est." Eex bis verbis
in alium quasi hominem transformatus omnis iniuriae sibi a
Knipperdollingo illatae obliviscitnr nihilqne iam aliud, quam
coenam illam magnam apparare iubet, quod propter nünistrorum
multitudinem difficile non erat. Etsi prandium illud fuerit,
tarnen a coena illa dominica, quam post prandium in multum
diem protractum Christi exemplum secutus suo more peregit,
coena appellata est. Dispositis mensis sedilibusque et omnibus,
quae ad rem istam pertinere visa sunt, instructis* propheta
Dusentschuer hora nona antemeridiana diei 13. Octobris per 13. oct.
vicos urbis agitatus litui sonitu utriusque sexus horaines praeter
eos, quibus excubiae diumae interea commissae fuerant, ad coe-
nam vocat*.
*) Vgl. oben S. G91 Anm. 1. In den sonstigen Quellen findet sich
nur bei L. Hortensius S. 34 Dusentschuer als eigentlicher Urheber der
Feier des Abendmahles angegeben. Auch in der Anrede des Königs an
Dusentschuer folgt Kerss. dem Berichte des L. Hortensius.
^) ^Dem doemhof," sagt H. Gresbeck S. 103, „hedden sie den
namen gegeven, dat hei heitten sol der bergh Sion."
^) „Der eine," berichtet H. Gresbeck S. 105 f., „gaf einen schincken,
der ander ein siet specks, dat sie so viel kost bei einander kriegen. Thom
lesten Terkundigten die predicantcn, wer benck, schrägen ofte taiffelen
hedde, dieselve sollen sie brengen up den bergh Sion, up den doemhof.
So hebben sie die taiffelen und bencke tho rechte gesät, dat die ein siet
von dem doemhof vol taiffelen und bencke was. Wante der doemhof tho
Monster ifs ein grote platz."
*) Vgl. H. Dorp Bl. F3, bei dem der Prophet Joh. Dusentschuer
ebenso ,.leufft . . . durch alle gassen und blesset ein bosaunen, das alles
volck auff den Thumhoff komen solt mit rüstung und wehr, auffs aller
best sie künten geschickt, denn sie solten die feinde von der Stad hinweg
schlagen.*' Ebenso erwähnt Dietrich von Hamburg Bl. A3 das Blasen
der Posaune durch den Propheten und fügt hinzu: „Wan er zum dritten
mal umb blaest, so sollen sie auff sein." Damit stinmit der Bericht H.
Gresbeck's S. 103 ff. überein, der als Zweck der Versammlung wie H.
Dorp die Vereinigung zum Ausfalle aus der Stadt bezeichnet, die Posaune
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698 Anno 1534 acta.
♦p. 548. *Hora decima* rex coronatus, catenatus, torquatus, gern-
matns et annnlatns tnnicam pectoralem ex villosa purpura ge-
staDS, cni bombjciiiam argento intertextam snperindxixit, triginta
dnobus eqüitibns et satellitibus non paucis auro byssoque e tem-
plis erepto vestitis stipatüs ex anla sua prodit; a collo aureus
mundus duobus gladiis transfixus dependet K Quem mox regiua
e gynecaeo suo cum aulicis et pellicibus suis longo ordine sub-
sequitur. Quibus praeseutibus Tylbechius, praefectus praetorio,
totum populum considere iubet. Bex vero cum universa auli-
dreimal erschallen lafst, und zwar mit 14tfigiger Pause zwischen dem ersten
und dem zweiten Male. Ein Datum giebt er für den Tag der Versamm-
lung nicht an. Ganz irrig ist die Zeitbestimmung bei H. Dorp „umb
Bartholomei ungefähr** (24. Aug.). Kerss. setzt richtig nach den Bekennt-
nissen der ausgesandten Apostel den 13. October. S. die „Newe zeitung,"
in der es (Zeitschr. 17 S. 262) nach der Aussage des H. Graes heifst:
„Des dinstags nach Gereonis ist eine versamlung zu Münster auf dem
thumhoff geschehen zu zehen uren vor mittage ..."
*) So in den Aussagen des H. Graes in der „Newen zeitung" S. 262 £F.
In der folgenden Erzählung von der Feier auf dem Domplatze geht Eerss.
wiederholt auf diesen Bericht zurück, verbindet aber mit demselben die
Angaben auch einzelner anderer aus Münster ausgesandten Wiedertäufer-
Apostel und die Schilderung bei H. Dorp Bl. F3f. Sehr ausführlich ißt
die Feier von H. Gresbeck S. 103 ff. beschrieben. Als Zweck der Feier
tritt die Vorbereitung zum Auszuge aus Münster in den Vordergrund, aber
noch während derselben erklärte der König, „dat en was die meinunge
nicht, dat wy so sollen uth der stat trecken, und ifs Goddes wiUe nicht.
Wante dat en is nicht mehr, dan eine versoickingh an iw.**
Ein weiterer Beleg dafür findet sich in den Quellen nicht, «uch nicht dafür,
dafs, wie H. Gresbeck sagt, der König geäufsert habe, „Got hedde innen
afgesat, und wer gein konnigk lenger; hei hedde Got vertomet, dat hei sie
nicht regierde, gHck als hei dein solde,"* und dafs er darauf von Johann
Dusentschuer auf Grund einer göttlichen Offenbarung abermals zum König
ausgerufen worden sei. — Joh. Fabricius Bolandus bringt Bl. X 1 f.
ganz willkürlich die Feier mit der Vermählung des Königs mit Divara in
Verbindung. Auffallend ist, dafs D. Lilie von dem Abendmahle nicht ein
Wort berichtet L. Uortensius S. 34ff. gründet seine Erzählung durch-
gehends auf die Berichte der ansgesandten Apostel. Herrn. Hamelmann
S. 1249 ff. hat nur eine eigentümliche, nicht weiter zu kontrolierende Notis,
die weiter unten anzuführen ist.
^) lieber das pomphafte Auftreten sowie über die Kleidung des
Königs und seines Hofstaates vergl. im Einzelnen S. 651 ff.
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Anno 1534 acta. 699
cornm et latronnm moltitadine considentibns ac edentibns mini-
strat \ Pro primo fercnlo carnes recentes ac iurulentae cum ra-
dicibus coctae, pro secnndo pemae et carnes fumatae, pro tertio
et postremo assae apponuntur K Cum satisfactnm esset stomachOy
orbicnlares placentae et infermentatae et ex flore tritici confectae^
in canistris adfemntnr, qnas rex mensis sablatis coenam do-
minicam anspicatnms frangit singnlornmque bnccis hiantibus
verbis Ms inserit: „Accipite, comedite et mortem Domini an-
nnnciate!^ Begina vero pocnlnm vino plennm manibus annn-
lormn multitndine rigentibns snstinens singnlos ad bibendnm his
verbis invitat: „Bibite ex hoc omnes et mortem Domini annun-
ciate^!^ His ita gestis pro gratiamm actione psalmnm ^Grloria
in excelsis" in vemaculnm sermonem transfasnm cantillant.
') H. Graes giebt a. a. 0. die Zahl der Diener auf ungefähr 60 an.
*) Beim grofsen Mahle ward, wie die „Newe zeitung" a. a. 0. S. 257
u. 263 berichtet, gereicht: „gekocht fleisch, schincken und gebratens."
wahrend die „Newe Zeytung" Bl. A !▼ das Volk nur mit „dürrem ochsen
fleysch" gespeist werden läfst, hat nach H. Dorp der König bestellt „ge-
soten und gebraten, wein und hier." Von drei Gerichten spricht noch
Dionjs. Vinne M. G.-Q. II, 276, ebenso L. Hortensius, bei dem es S. 34
halfst: „Accumbentibus triplex mistus fuit appositus, carnes fumo duratae,
inde recentes, postremo assa. Potus cerevisia erat." Indem Herm. Hamcl-
mann S. 1249 den Bericht des H. Dorp mit dem des L. Hortensius ver-
bindet, fügt er hinzu: „Hortensius nihil habet de vino, et opinor etiam
tantae multitudini vinum non fuisse adhibitum.''
') Das Folgende nach H. Dorp. Dafs beim Abendmahle der König
das Brot, die Königin den Wein reichte, ist in den Quellen sonst ausdrück-
lich nur noch erwähnt von Joh. Beckmann (s. K. W. Bouterwek^s Aus-
gabe des C. Heresbach S. 37) und Joh. Fabricius Bolandus Bl. X 1^.
Die „Newe zeitung*' hat a. a. 0. S. 257 den Bericht, dafs der König und
die Königin gemeinsam Brot und Wein boten, berührt aber S. 263 nach
dem Geständnisse des H. Graes die Mitbeteiligung der Königin nicht. „So
heft der konnick," heifst es bei H. G res b eck S. 110 f., „und die konnig-
kinne, KnipperdoUinck und des konnigks rede gain stain midden np dem
doemhof und hebben kleine runde koekesken gehat und hebben die entwe
gebrocken, und al dat volck . . . sint tuschen dem koningk und der koning>
kinnen und KnipperdoUinck her gegain, und heft do ein ider ein koekesken
von den koken getten und dair malch einen dmnck weins tho gedruncken
und hebben so dat aventmail geholden." Bei L. Hortensius bieten zwei
königliche Diener den Wein.
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700 Anno 1534 acta,
Nnmerantnr in ea coena viri ad arma ntiles praeter eos, qni
excnbias interea egerant, mille et sexcenti, senes et pneri prope-
modum qnadringenti, feminae vero qninquies mille*.
Hinc rex omnibus in orbem convocatis proponit, velintne
omnes verbo Dei parere*. Exclamat tota mnltitudo: se non
solum illi parituram, vemm etiam, si opus sit, mortem pro eo
oppetituram. Deinde Joannes Dusentschuer, aurifaber et pro-
pheta Warendorpensis, suggestum conscendens: „Pater," inqnit,
„viginti Septem apostolos coelitus mihi revelavit, qui in qnatuor
^) Eerss. giebt hier Aussagen der Apostel wieder, die sich aber nicht
auf die Zahl der Teilnehmer am Abendmahle, sondern auf die gesamte
Einwohnerzahl Münsters in damaliger Zeit beziehen. H. Regewart sagt
(J. Niesert a.a.O. S. 32 f.), ^dat he van Johan van Leyden yn dem nacht-
mael an dem dyssche gehört, idt solden noch 1600 wehrhafftiger dar bynnen
syn . . ., dat baven de werhafFtigen ungeferlich an jungen und olden mans
400, und tegen yderman, syncr achtinge, wall dree wyver syn." Joh. Beck-
mann bekundet (ebendas. S. 37): „Do se syn uthgetogen, synt ungeferlich
1600 werhaflftiger, und sust mit olden und krancken 2000, der wyver sy
umtrent 5000 gewest.** Aehnlich giebt Gottfr. Stralen (ebendas. S. 59)
^1600 waraftiger und wall 5000 frouwen" an. Die Zahl der Teilnehmer
am Abendmahle beziffert die „Newe zeitung** S. 257 nach Aussagen der
Apostel auf 4200, ebenso S. 262, wo nach H. Graes hinzugefugt ist, es
seien ,.die helflft, so in Munster vorhanden" gewesen, und S. 260 hat sie
die Notiz: „Es sind auch nicht über 8000 menschen mit weib und kind
in Münster," endlich S. 265 nach dem Bekenntnis des Joh. Boentrup : „das
noch in Münster sind bey 6000 oder 7000 man und frawen." Für dieselbe
Zeit des October giebt Dionys. Vinne (M. G.-Q. II, 277) an: „Et sollen
noch binnen Munster by de 2000 werhaftiger und over alle by 5000 edder
6000 sin;" Joh. Kloprifs (J. Niesert a.a.O. S. 125): „1800 wehrhafftiger
manne ungeferlich, und zusamen so man und frauwen bie 6000 personen.**
Ant. von Prüm spricht von 1600 wehrhaften Männern, Bemh. Focke von
1500 und von im Ganzen über 5000 Einwohnern (St.-A. M. M. L. A. 518/19
IV. fol. 221 u. 314). H. Gresbeck äufsert sich S. 107 bei Gelegenheit des
Abendmahles: „Die mans sint do starck gewest mit alden lueden und mit
den iungen twe dusent. Si en sint nuwerl starcker gewest in der stat
Monster, die wiederdoepers, werhaftiger mans, dan 1500. Der frowen sint
in der stat gewest iunck und alt acht oft negen dusent, mehr oftc min,
dair weit ick so enckede nicht af. So sint dair ouck wol gewest von klenen
kinder, die gain konden und die nicht gain konden, tehen oder twelf hundert."
') So nach den Bekenntnissen in der „Newen zeitung" S. 258 u. 263.
Abweichend davon läfst Joh. Beckmann bei K. W. Bouterwek a.a.O. und
H. Dorp Johann Dusentschuer diese Frage an das Volk richten.
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Anno 1534 acta, 701
angelos orbis ablegati doctrinam nostram de regno Dei publica-
bnnt ac ita a Patre snb mnbra alamm snarum protegentnr, nt
ne pilnm quidem capitis amissnri sint^. Si vero magistratus ',
ad qaemcünqne locnm devenerint, evangelio locum non dederint,.
ibidem aureo nnmmo relicto et pulvere e vestimentis in Signum
non recepti, sed contempti evangelii excusso ad aUa loca demi*
grabunt.^ Inde ' recitatis apostolorum nominibus : „Ite,^ inquit^
^) Aus dem Geständnisse Joh. Beckmann's bei K. W. Bouterwek 8. 37.
Danach sagte Joh. Dusentschuer, „de personen, he uplesen woide, weren
em van Godt angetekent, dat se solden gaen yn de veer stedde und pre-
digen dat Evangelium van dem ryke Godts, und ejn haer solde enn
nicht van dem hovede genommen werden; und so dat nicht so
Gades emstlick beveli wer, dat enn dan Godt van stundt an int affgrunt
der helle verstotte.** Sehr bemerkenswert und ganz aUein stehend ist die
AeuDsemng, die Joh. Beckmann unmittelbar hieran knüpft: „Dat heb wy
unwysen semptlich als gehorsame deyners gelofft, avers de konnynck
wort gantz blyde und sprack: Ick hebbe hyr gyn getuchnisse
van Godt van, dan ick weth averst, idt moeth also syn, dat
geystlike swert moyth voer gaen und dat worltlike nafolgen.**
Dem gegenüber steht die Behauptung des Dionys. Yinne (M. G.-Q. II, 277) :
„De ienne, so uthgeschicket vorgerort, ist uth bevel des konninges
geschein dorch den propheten.** Herm. Hamelmann S. 1250 hat
die eigentümliche Notiz, dafs sich im Register der auszusendenden Apostel
^ignorante rege, de cuius sententia alioquin omnes erant clam scripti,*'
auch der Name Enipperdolling's befunden habe, und dafs bei Nennung
desselben der König sagte: „Nos non possumus Knipperdollingio carere,
qui etiam magis est castris appositus, quam doctrinae. Ideo tu, Dei pro-
pheta, eins locum subibis.** Wenn Herm. Hamelmann hinzufügt, dafs der
Konig alle diejenigen hinaussandte, „quos . . . putabat . . . suae dignitati vel
doctrinae vel ingenio obesse aliquando posse,^ so findet sich in Bezug auf
Joh. Dusentschuer eine dahin gehende Auslassung in einer „Neuen Zeitung,*'
die Th. Fabricius am 26. October dem Landgrafen von Hessen zusandte,
und in der es heilst (St.-A. Marburg), der König habe auch deshalb die
Apostel abgeordnet, weil er besorgte, „der prophet, welcher ihn zum ku-
nyngh gemacht hat, wurde ihn wedder absetzen und ihm das folck ab-
felligh machen, dan er war ihm zu wedder worden.''
*) Die folgende AeuTserung Joh. Dusentschuer's fast wörtlich nach
dem Geständnisse Joh. Beckmann's bei J. Nies er t: U.-S. I. S. 36. Ygl.
auch die Aussage des Joh. Kloprifs bei J. Niesort a. a. 0. S. 112. S. noch
H. Dorp BL F4^.
') Das Folgende nach dem Bekenntnisse des H. Graes in der „Newen
Zeitung** S. 263 f.
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702 Anno 1534 acta.
■•p. 549. «in civitates et annun*ciate verbum Dei!" Vocati ad munus sibi
a propbeta impositnm promptissime adsunt. Eine rex totam
mnltitudinem e snggesto sie compellat: „Fratres carissimi,^ in-
qnit, „si res adversns hostes egredi posceret, estisne parati?^
Bespondent se paratissimos. Hinc qnisque se ad mnnns sunm
recepit. His digressis rex et regina cum pellicibns ac nniversa
aulicornm et satellitnm tnrba nee non quingentis fere, qni alüs
edentibus exeubias egerant^, magnifiee.eoenant exqnisitisqne fer-
enlis sese reeipiunt. Inter coenandum rex consurgit sibi nego-
tium conficiendum a Patre datum esse asserens, et cum sursnm
deorsumque ambularet, mensis assidentes contemplaretur, reperit
ibi forte militem peregrina facie et habitu sibi ignotum*, ab
hostibus captum et ad eandem coenam a capientibus adductum,
ut omnium rerum copia et affluentia, qua miles maxime afficitur,
ad eandem suam religionem invitaretur^ Ad quem rex: „Amice,
^uae est fides tua?^ At iUe poculis forte obrutus de fide se
nihil scire respondet; se didicisse et pocula et veneres sectari^
Ad quae rex: „Amice, quomodo ergo huc ad nuptias intrasti
^) Ueber die Wacht sagt H. Graes in der „Newen zeitong*' S. 265
aus: „Sie wachen alle nacht mit fünffhundert man, and gehet die dritten
nacht umb, und sind frey zu wachen der könig mit seinem volck als das
Ampt Yolk.^ „Wante die stat,^ berichtet H. Gresbeck S. 131, „was ge-
-deilt in dry deüe, dat die wacht was in der stat over die derde nacht.**
Am 6. Dez. 1534 bekennt Job. Eettel Tan Tiel (M. G.-Q. II, 291): ,8e
waken de nacht binnen vor den porten, Toir iüiger porten by de 40. Dair
^int veele inngen mede.^ W&hrend des Abendmahles l&fst EL Dorp „zehent-
halb hundert man und frawen*' Wache halten.
') Die Hinrichtung des Landsknechtes durch Johann giebt Eerss.
nach der Erz&hlung bei H. Dorp Bl. F4) doch fugt er Stellen aus dem
Bekenntnis des Job. Eloprifs und aus C. Heresbach hinzu. Bald weiter
unten berichtet er den Vorgang noch einmal, dann aber fast wörtlich nach
den Aussagen W. Scheiffart's M. G.-Q. II, 295.
') H. Dorp a.a.O.: „Es war ein reisiger knecht gefangen da, den
hatten sie mit zu solchem nachtmal gebracht und im wol zugetruncken.*
*) Nach dem Geständnisse des Job. Eloprifs bei J. Niesert: U.-S.
I. S. 135 : „Item der kunig biege einem uf deme abentmaill selbst den kop
Ab, und darzu wurde er von Gode gedrungen, und des ufs ursach, so der-
selb knecht sull gesagt haben, dass er von keinem glauben
^isse, dan von drincken und frauwen, stracks ufsgesagt.*
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Anno 1534 acta. 703
Bon habens vestem nnptialem?^ At ille: se ad nuptias istas
suas meretriceas non invitatum venisse, sed invitum protractum
esse^ Quibus verbis rex vehementer exacerbatus ipsnm quoqne
invitum ad se protrabi iabet protractumqne snis manibns in
conspectu omninm decollavit atqne ita gaadia publica pertur-
bavit, ut nemo borrenda caede ob oculos versante ex animo
gauderet. Ipse vero quasi re bene et fortiter gesta ad solium
suum continuandae coenae causa reversus adeo volaptate et gau-
dio titillatur, adeo sibi placet, ut non solum de isto homicidio
tanquam eximio facto inter suos gloriaretur, verum etiam per-
acta coena tripudia et cboreas cum scenicis meretricibus in mul-
tam noctem duceret*. Interea qui ad peregrinationem evangelii
propagandi gratia delecti erant, omnia ad profectionem adomant
valedicentes uxoribus suis, quarum centum et viginti quatuor
in urbe relinquunt, sicut Henricus Graess Iburgi atque aUi cap-
tivi fassi sunt *. Inde ad montem Syonis reversi a rege suggesto
ascenso bis verbis admonentur: ,,Ite et praeparate nobis locum!
Nos armati subsequemur et contemptores vestros ferro vindica-
bimus gladioque nobis subiicicmus^." Ita a rege dimittuntur.
Et cum nox obscuram caliginem induxisset, a regüs aulicis
*) Vgl. C. Heresbach 8. 22: „Rex accnmbentes circnmiens tan-
dem e medio apprehensinn quendam, cnins, nt ipse inquiebat, cor rectum
non esset neqne veste indutam ntiptiali, ense capnt avro/ffc^ ferit, regis
simnl et camificis mnnere perfungens." Nach EL Dorp sagte der König
EU dem Landsknechte, ^er were der Judas gewest^
') Bei H. Dorp heiTst es vom Könige nur: „Damach kam er Widder
an den tisch und gefiel jm selbs so wol über diesem mord, das er sein
noch lachet** — Die Hinrichtung eines Landsknechtes durch den König
am Schlüsse des Festes berichtet auch H. Gresbeck S. 1131
') In den jetzt bekannten Gest&ndnissen des H. Graes und der
übrigen Gefangenen findet sich dafür kein Beleg. Vielmehr sagt Joh.
KlopriÜB aus (J. Niesert a.a.O. S. 121): „Das ufsschicken der predicanten
were ein wunderlich ufsschicken, dweill es inen in einer uren an-
gesagt wardt, und sie meisten auch in derselben urhen
reisen und ulsgehen.* Er fügt hinzu: „Nach dem gehaltenen nacht-
maill wurde jedem ein hrieff gegeven, zu zehen. Also zuege er auch
anstundt ufs und spreche sein weih und kinder nit an.**
^) Nach den Aussagen des H. Graes, der den König noch sagen
l&fst: „So wollen wir die gantzen weit einnemen.**
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704 Anno 1534 acta.
praelucentibns domino inbente facibas ad portas dedacti sunt ^
Portam Servatianam Zuzatum missi ezeunt, Marianam Coesfel-
♦p. 550. diam, Mauritianam Warendorpiam, Hor*sthanam Osnaburgam
ablegati egrediantur *.
Nomina^ eorum, qni Zuzatum ad austrum mundi sunt missi:
Joannes Dusentschuer, propheta et aurifaber Warendorpensis,
') Vgl. dazu das Geständnis des Bemh. Focke (M. G.-Q. II, 4V2):
„. . . de konninck heb einen mit ener torssen vor om hergesant bes an de
Frouwen porten, dar se Eibenbroick uthgelaten heft.'* Der Aufbruch der
Apostel erfolgte noch an demselben Abend. So berichten H. Graes und
H. Dorp Bl. F4. Mit dieser bestimmten Angabe und mit der in allen
Quellen übereinstimmend hervorgehobenen wichtigen BoUe, die Joh. Dusent-
schuer bei der grofsen Abendmahlsfeier am 13. Oct. spielte, ist der Bericht
im Rats-ProtokoU der Stadt Soest nicht zu vereinigen, der (s. C. A. Cor-
nelius: M. A. I. S. 271 f. und L. Keller: G. d. W. S. 322 u. 324) die
acht Wiedertäufer-Apostel aus Münster bereits „op donnerstag na Francisci''
(8. Oct.) in Soest erscheinen läfst. Unter den Aposteln nach Soest befand
sich ja auch Joh. Dusentschuer. Der 13. Oct. als Tag des Abendmahles
ist von den gefangenen Aposteln (vgl. auch Herm. Regewart's Geständnis
bei J. Niesert a.a.O. S. 31) ebenso fest bezeugt, wie das hervorragende
Auftreten Joh. Dusentschuer's an diesem Tage. — Nach L. Hoxtensius
S. 35 verliefsen die Apostel Münster erst am 15. October. Das ist irrig.
Vergl. weiter unten. Unbestimmt setzt D. Lilie S. 244 die Aussendung
„na dem dage Michaelis^ (29. Sept.).
*) So auch H. Graes a.a.O. Dafs die nach Coesfeld bestinmiten
Apostel Münster aus dem Liebfrauenthore verliefsen, bestätigt aufser dem
eben angeführten Bekenntnis des Bemh. Focke auch das des Herm. Rege-
wart und des Joh. Beckmann. Siehe J. Niesert: U.-S. I. S. 31 u. 37.
^) Die folgenden Namen sämtlicher Wiedertäufer-Apostel giebt Eerss.
im Ganzen genau nach einem Verzeichnisse derselben, das sich in mehr-
fachen Abschriften zugleich mit den Aussagen eines Teils der Apostel er-
halten hat (im St.-A. M. M.L. A. 518/19 V. fol. 165 f. u. 171 f.). Einzelne
Zusätze bringt er besonders aus H. Dorp Bl. F3^ u. F4 bei sowie aus den
Aussagen des Joh. Kloprils, Dionys. Yinne und des Joh. Beckmann. S. die
folgenden Noten. Die Zahl der Abgesandten beträgt auch in dem Yerzeich-
nisse 27, ebenso bei Dietrich von Hamburg Bl. A4. Wie Kerss. nach dem
Verzeichnisse, so läfst auch die „Newe Zeytung" Bl. A 1^ und Dionys. Vinne,
freilich ohne Namennennung, 8 Apostel nach Soest, 5 nach Warendorf, 6
nach Osnabrück und 8 nach Coesfeld abgeordnet werden (s. M. G.-Q. II,
277). In den sonstigen Quellen schwanken die Angaben sowohl über die
Gesamtzahl der Apostel wie über die Zahl der nach den einzelnen Städten
bestimmten. Selbst H. Graes (s. „Newe zeitung" a. a. 0. S. 263 f.) bietet
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Anno 1534 acta. 7u5
Hermannus Eerckringk, loannes Batendieck, loachimns Eesse,
Henricns Maerenn, Henricus Schlachtschaep, Lanrentius Yisscher,
Bernardus Wever*.
Osnabnrgam ad septentrionem missi sex: loannes Boentmp,
lanionls famnlns, Henricns Graess Borckensis, Indimagister, Dio-
nisins Vinne Deistensis, pastor in Aldeneick non procnl a Ma-
sieck in dioecesi Leodiensi', Panlns Sweringk altero brachio
tormenti ictu privatus*, Petms Kneper Sneickensis, loannes
Scheffer Freckenhorsthanns, calopodiarii minister*.
Coesfeldiam ad occasnm missi octo: lacobns van den Grave,
loannes Essens Goesfeldiensis, Bernardus Focke Monasteriensis,
Inlins van Franeken Frisins, qni erat episcopns in nrbe*, Her-
ungenaue Nachricht, wenn er sagt, es seien 2 nach Soest, 6 nach Coesfeld
geschickt. Ungenau ist auch die Aussage in der „Newen zeitung" a. a. 0.
S. 258, wo von 25 Aposteln die Rede ist, sowie die des Zillis Leitgen, der
(J. Niesert a. a. 0. S. 137) die Zahl auf 28 hestimmt. Nach L. Hor-
ten sius S. 3J w^aren es im Ganzen 25, nach C. Hereshach S. 23 aher
23 Apostel.
') Die Namen der Apostel nach Soest sind aus den Ratsprotokollen
der Stadt auch ahgedruckt hei C. A. Cornelius: M. A. I. S. 272 und hei
L. Keller: G. d. W. S. 324, doch wird dort statt des Joachim Kesse ein
Joachym Vreyse genannt. H,' Dorp führt mit Namen an H. Slachtscaef^
Joh. Dusentschuer, Herrn. Kerckerinck, einen Lanrentius Friese und
einen Heinricus von Gog. Ein „Heinricus von Gorge, predicant zu
Warendorff," wird von H. Graes unter denen erwähnt, die nach Coes-
feld gingen. Doch ist dieser Heinrich von Goch, der Warendorfer Predi-
kant, wohl sicher identisch mit dem nach Soest entsandten Heinr. Maren;
denn aus dem Bekenntnisse des Herm. Regewart (J. Niesert: Ü.-S. L
S. 26) wissen wir, „dat Hynricus Maren eyn halflf jar hynnen Warendorp
uth hegerten des raedts gewest, dar sulvest umtrent dertich gedopt ..."
Ein Hinricus Goch ward nach der Aussage KnipperdoUing's (M. G.-Q. IL,
403) am 5. Jan. 1534 zusammen mit Rothmann u. A. wiedergetauft.
*) Der Zusatz nach seinem Bekenntnisse (M. G.-Q. II, 272).
") Nach H. Dorp: „Paul Schweringk mit einem arm, denn die
hüchs, der teuffei genant, hat im den andern arm hinweg geschossen."
*) Im Verzeichnisse der Apostel heifst es nur: „Johan Freckenhorst,
ein holscher knecht, predicant.** Den Namen Johan Schefer hat H. Dorp.
*) Im Verzeichnis: „Julius van Franeken." Bei H. Dorp: „Julius
Friese, der Bischoff odder oberster unter der Widderteuffer predigem zu
Münster." Auch Kerss. nannte den Bischof sonst nur Julius Frisius.
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706 Anno 1534 acta.
mannns Begewart, pastor novae ecclesiae in Warendorp \ loannes
Beckman Osnabnrgensis, sacellanns Martini in nrbe, inde D.
Maaritii extra nrbem, eo antem collegio incendio devastato in
nrbem secessit (hie habuit duas uxores, alteram ex coenobio
Transflnviano, alteram Aegidiano)*; Bartholomaeus Neteler dictns
de Wale Hollandus-^ Egbertus Wideman Nortkerkensis*.
Warendorpiam ad ortnm solis missi qoinqne: loannes
Klopriss, Henricus Ummegrove, Godofridns Stralen, Theodoricns
Alfensis, Antonius Prumeren Eifeldianus, Tasschenmacker*.
') Im Verzeichnis heifst er irrtümlich Herman Bevert (oder Renert)
yan Warendorp, doch in dem dem Verzeichnisse beigefügten Bekenntnisse
wird er richtig als Hermannns Regewort bezeichnet. lieber ihn s. oben
S. 397 ff. u. 510. H. Dorp nennt ihn nur „Hermannns, Pfarher zu der
newen kirchen zu Warendorfi!." Ganz entstellt ist der Name „Herman
Reverdinck« hei D. Lilie S. 245.
') Im Verzeichnisse der Apostel heilst es: „Johannes Beckman van
Osenhrugge, vor iaren sacellan to S. Mauritius, daima predicant gewest
to S. Märten hynnen Munster.^ Kerss. folgt dem Geständnisse Joh. Beck-
mann's, das lautet (J. Niesert a.a.O. S. 33 ff.): „. . . he sy ... van der
Nyenkercken hy den Voerden geboren, eyn tyt lanck cappellaen gewest to
Sunte Merten hynnen Munster . . . Dewilen Sunte Mauritz huthen Monster
verstuert, dar he de cappellaen gewest, sy he myt andern heren bynnen
Munster getogen ... He hefft twe ehefrouwen gehatt, de eyne van Sunt
Ilyen, de ander van Overwater." — Einem Bekenntnisse des Joh. Beck-
mann im St.-A..M. M.L.A. 518/19 IV. fol. 815t ist die üeherschrift bei-
gefügt: „Dyt nabeschreven hefft de geschicktste und myns be-
dunckens de geler desto baven de vorgestalte artickeln hekant und
myt syner haut upgeschreven, genomet Johannes Beckeman.^'
') Im Verzeichnisse: „Bartholomeus de Wale uth Franckryck.^
H. Dorp nennt ihn „David der Wale." Ein Bartolomeus Nadler findet
sich für Warendorf in den Aussagen des H. Graes und bei Herm. Hamel-
mann S. 1251, und zwar bei ihm als einzige Abweichung von H. Dorp,
mit dem gemeinsam er aber wieder statt des Joh. Essens Johann von Ut-
recht, einen früheren Domherrn zu Utrecht, nennt.
*) Dieser fehlt hei H. Dorp, der zwar acht nach Coesfeld gesandt
werden l&fst, aber nur sieben nennt.
^) H. Dorp meldet irrtümlich von sechs Aposteln nach Warendorf.
Er nennt Joh. KlopriTs, Gottfr. Stralen, Heinr. Ummegrove und Antonius
Taschenmacher, weifs die Kamen der Anderen nicht. H. Graes berichtet
von fünf Aposteln, nennt nur Joh. Eloprifs.
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Anno 1534 acta. 707
*Honim omniüm doctissimns ac eloqnentissimns fait Elop- »p. 551.
risius * in paroecia Boentnip patre sartore prope Weilern domum
Teutoniconun habitante natas^, qni Boricenae ad aliquot annos
concionatar. Cnm Zwinglü doctrinam docoisset, dnx Gliviae
suis ditionibus Uli interdixerat'. Coloniae inde propter idem
Schisma captus trium virorum auxilio carcere liberatus est efifu-
gitque^. Proinde neque illi tutus in dioecesi Coloniensi locus
fuit. Quare cum transactio inter episcopum et civitatem Mona-
steriensem Telgeticae captivitatis nomine fieret, Monasterium
ingressus est ibique in vigilia Trium Begum anno 1534 a Bar-
tholomaeo Neteler Hollando retinctus est^. Hinc Wendelam
Hexam, quae ilU extra legitimum matrimonium quatuor proles
Buricenae pepererat, ad se per literas revocat et cum ea legi-
timas nuptias celebrat ^ cui mox, ne a consuetudine Monasteri-
ensium degenerare videatur, Margaretam quandam adiungit^.
Haec ubi princeps a transfugis et publica fama cognovisset,
ad omnes satrapas et praefectos dioecesis scribit^: Cum ex urbe
missi sint concionatores, ut populum passim seducant et in si-
milem errorem protrahant seditionemque excitent, unde varii
motus et rerum novarum moUtiones emergere possint, itaque
^) Im Yerzeichnisse der Apostel ist Joh. Kloprifs genannt y^prester,
predicant, fnrnemste negst Berndt Bothmann/ Die folgenden
Einzelheiten aas dem Leben des Joh. Kloprifs entnimmt Eerss. dessen Be-
kenntnissen (bei J. Nies er t: U.-S. I. S. 102 ff.). Ueber ihn s. besonders
G. A. Cornelius: M. A. IL 8. 344 f. nnd in der „Allgem. deutschen Bio-
gTaphie"" Bd. 16 (Leipzig 1882) S. 209 ff., sowie C. K rafft: Die Gesch. der
Märtyrer . . . A. Glarenbach und P. Fliesteden (Elberfeld 1886), bes. 8. 21 ff.
') Siehe J. Nies er t a.a.O. S. 180. Gemeint sind Bottrop und
Welheim. — •) S. ebendas. S. 103 f. — *) S. ebendas. S. 107.
^) S. ebendas. 8. 131. Danach hat er „das ufswendig zeichen des
Wassers entfangen zu Munster von Bartholomeo aus Hollandt uf abend
Regum anno 1534.'' — «) S. ebendas. S. 131.
'') Joh. Kloprifs bekennt darüber a.a.O. S. 134, er „hab zu der irsten
huifsfrawe Wendell noch ein gnomen, gnant Griet, und er wolte lieber zu
Borne sein gangen, dan die genommen; und die Griet sy desmails noch
maget gewesen, aber er hab bie der nit über 2 nacht geschlaiffen.^
*) Aus Wolbeck am 17. October. Abgedruckt nach dem Konzept
im St-A. M. bei L. Keller: G. d. W. 8. 322 f.
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708 Anno 1534 acta.
huins rei accnratam rationem habeant, ne impnne per dioecesim
vagentur, suam doctrinam evomentes incantos circamyemant K
Dtun haec aguntnr, acerba interea pestis Clivica potissi-
mnm castra invadit multosqne quotidie milites sternit*. Castra
proinde deserere in animo habent. Quod cum ad militiae dnces
perlatnm esset, ab iisdem datae fidel et iorislnrandi severiter
admonentnr; si vero locnm iam pestilentia infectam mutare ve-
Unt, Kinderhusiom sine clade tarnen priomm castroram secedant
neqne principe invito se desertores militiae declarent neqne sibi
infamiae macnlam nnnqnam ablaendam innrant, sed stipendii
solutionem ezpectent. Uli yero omnes admonitiones in ventos
u. oct. excntinnt et die 14. Octobris castris inflammatis tnmnltuantes
ita, nt fit, exennt ac erectis signis hostili de more Havekes-
becnm pagnm invadnnt omniaqne ibi in praedam yertnnt et pro
sna libidine in agricolas et qnosvis obvios grassantur^ Cum
vero princeps ipsos eqnitatn suo perseqni inberet, fnga se eri-
•p. 552. pinnt. *In horum autem locnm dncnm cura novns miles con-
tinno snblt.
Joannes Eloprisins deformi mltu et barba cnm qnatnor
suis coUegis hoc eodem die, nempe 14. Octobris \ Warendorpiam
^) Im Befehl heifst es: „. .. dath du des ander djnen amptsver-
Wanten ein vlitich upsicht and Vorsorge hebbest, ock tor stondt unse ander*
säten von adel yn dynen ampt« gesetten darvor warnest, in raitschap t^sitten
and so sick in dynen ampte einiger uproir oder an ander orden erhove^
alsdan in der yle to dynem gesynnent tom ernst t'folgen and sulcken up-
roir te wercn."
*) In den Quellen ist die Seuche sonst nur noch von Joh. Fabri-
cius Bolandus Bl. S4^ erw&hnt.
") Das berichtet nur Kcrss. lieber das Verlaufen der Knechte vgl.
die Anmerkungen auf S. 686. AktenmäXsig wissen wir von gewaltthätigcn
Uebergriffen der Landsknechte schon im September. Am 19. September
schreiben Job. v. Bueren und Hermann v. Mengersen an den Bischof (Orig.
im St.-A. M.), CS sei ihnen „ytzundt yn affwessende i. f. g. mannichfoldige
klagte ankörnen, dat ytzliche von den clevesschen knechten b}imen Korrell
gewessen, twy mall, ock gestheren nacht, und aldar genhomen, wes de
knechte gefunden, und ander gewalt mit glassefenstem, kästen und ander»
tho vordistruerende und up to slaende vorgewandf
*) Dieses Datum ergiebt sich aus dem Schreiben des Bischofs vom
21, Oct. aus Warendorf an den Erzbischof von Köln. Konzept im St.-A. M.
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Anno 1534 acta. 709
ingressl primum poenitentiam in medio foro, inde per vicos suo
more clamitare coepemnt continnoqne aedes Erponis Holland!,
senatoris, iassn prophetae Sionis snbeuntes domesticis pacem an-
nnnciant ibique ad aliquot dies haerentes nltra qnitiqnaginta
retingunt, quorum catalogum idem Erpo in cubili post pfomp-
tuarium snum reconditum habet ^ Huius etiam receptoris ope
effectuin est, ut totus senatus decerneret concionatores servandos
et, cum salntarem suam doctrinam profiteantnr, ad docendum
publice admittendos, et se pro eomm tntela extrema latnrnm^
In eandem sententiam plebs, qaanquam mnlti boni reclamarent,
senatus suggestione addncta conspirat. Tota ergo republica an-
nuente dogma Monasteriensium eo animo palam serunt (sicut
Der Brief ist wörtlich übergegangen in die „Ncwe zeitung^ (Zeitschr. 17
S. 261 f.). Mit dem Verzeichnisse der Apostel und mit den gleich zu be-
rührenden Quellen über die Hinrichtung der Ausgesandten und einzelner
Bürger Warendorfs läfst es sich nicht vereinigen, wenn der Bischof in
diesem Briefe sagt : „Heut acht tage vergangen, ist ein predicant der wid-
dertauffer secten anhengig mit fünff der furnemesten aus Münster in
Warendorff komcn." — Ueber die früheren kirchlichen Unruhen in Waren-
dorf 8. oben S. 397 ff., 410, 457 u. 468.
^) Kerss. berichtet nach den Geständnissen der nach Warendorf ent-
sandten Apostel, die sämtlich erhalten sind, und nach denen einzelner
wiedertäuferischer Bürger der Stadt. Die Aussagen des Joh. Kloprifs bieten
Nichts zur Sache, doch bekennt Gottfr. Stralen am 22. Oct. (J. Niesert
a.a.O. S. 58): „De prophete hebbe em verkündiget, he solde na Waren-
don^ gaen in Erp HoUantz huefs und em den freden verkundigen." Er fügt
hinzu : „Erp HoUant solle enne cedele hcbn, daerup ze" (die in Warendorf
Wiedergetauften) „getcckent staen, und der solle ungeferlich 27 syn."
Dietrich v. Alphen giebt die Zahl der Getauften aber auf ungefähr 50 an
(Kopie im St.-A. M.). Eri) HoUant selbst (vgl. über ihn auch oben S. 399 f.)
sagt aus (J. Niesert a.a.O. S. 61), „dat he de prcdicanten gehuset und
geherberget ; item dat yn synem huse up der cameren achter enem schape
ejn register sy, darynnen de gedoepten genoempt." Er nennt die Zahl
der Getauften nicht.
'^) Kurze Zeit scheint jedoch der Bat geschwankt zu haben. Denn
Gottfr. Stralen sagt a.a.O.: „Ock synt ze an den raide gegaen und em
gesacht, se weren daer van den Vader geschicket, umb em den freden to
verkundigen, dan egentlirh tom ersten, tom andern kyn waraff-
tich bescheit gekregen, dan tom derden sy de borgermester
Kopperslager gekomen und gesacht, se woelden dat woert
Götz nicht utslaen.**
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710 Anno 1534 acta.
is. oct, 22. Octobris quaestionibns subiecti fassi sunt)^, nt schismaia^
factiones ac seditiones plebeas concitent atque suo foederi qnam
plurimos lucrifaciant ac tandem confoederatornm mnltitadine
freti Monasterinm ab obsidione liberent.
Et quanqnam saepe scriptis familiaribns Warendorpenses
a principe admonerentnr *, se tarnen eadem, qna Monasterienses,
perfidia et scelere poUuerunt. übi vero princeps cognosceret
mala sibi in hac potissimnm rermn angustia condnplicari, vehe-
menter qnidem animo constematur, Kteris tarnen ipsos ab insti-
tuto retrahere conatnr, qxiibus primnm ipsos datae fidei et prae-
stiti sacramenti admonet, qnamque turpe sit illnd violare; deinde
petit, nt concionatores Monasterio missos tanqnam suos bestes
') Der Bürger J. Bomans bekundet (J. Nies er t a.a.O. S. 63),
^dat ein raidt to Warendorpe ein verraem gedaen, dat ze de predicanten
wolden holden und dacrby levendich und doet bliven; dat de ge-
mein hei t hebbe moten bewilligen.^ Aehnlich ftufsert sich ein
anderer Bürger J. Prange (J. Niesert a.a.O.): „Dan de raidt hebbe
ze by erer huldinge up laten eisschen und gedrungen, to Tulbar-
den, dat men de predicanten solle holden, und dat de raidt und gantze
gemeinheit dorch Cloprys vorger. twe mail up de knehe gefallen unde ge-
beden, dat ze stanthafftich mochten bliven und syn woerdt annemen."
*) Noch am 16. Sept. hatte der Bischof, wie Kerss. oben S. 686 be-
richtet, den St&dten des Hochstifts befohlen, keine ungewöhnlichen Neue-
rungen bei sich zu gestatten und, wo solche sich zeigten, sie zu bestrafen.
Ueber die Haltung der Städte in damaliger Zeit haben wir einen wichtigen
Beitrag in einem Schriftwechsel, der uns im St.-A. M. erhalten ist. Am
1. October nämlich richtete Coesfeld als Haupt der westlichen Städte des
Stiftes im Vereine mit Bocholt, Borken, Dülmen, Haltern und Yreden einen
Brief an den Bischof, wie ein solcher am 2. Oct in gleichem Wortlaute
auch Ton Warendorf als dem Vororte der östlichen Städte zusammen mit
Beckum, Ahlen, Rheine und Werne dem Bischöfe übersandt wurde. Die
Städte bitten darin wiederholt, der Bischof möge gestatten, dafs sie ^twe
uth jeder stat an de inhebber to Munster ferdigen und uthschicken mögen,
allen mogelicken flit antowenden und tho versoichen, offt man deselTigen
noch nicht tor widderkerung tzehen und up de byllicheit bewegen und hin-
brengen könne.* Am 2. Oct. schon antwortet der Bischof ans Wolbeck:
„. .. wy mögen erlyden, gy uns juwen voerslach, wes gy mitJi den van
Munster to verhandelen . . . bedacht, instructionswise vofattet toatellen,
und willen wy datselve mith andern unsen herm und firunden . . . ock unser
lantschap yn rait und bedencken nemen.* — Die nächsten Ereignisse
machten eine Vennittlong seitens der kleinen Städte unmöglich.
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Anno 1534 acta. 711
pnblicam tranqniUitatem suis praestigiis labefactantes et avitam
fidei pnritatem contaminantes sibi suoque arbitrio tradant^.
Warendorpenses vero pertinaciores facti respondent*: Cives metu
iam ünplicitos armomm exercitio ita occupatos esse, nt nihil
certi rescribere qneant. Ad haec se cnm metropoli sna ita con-
sociatos, ita confoederatos et fide communi iunctos, nt sine illins
consilio se ab ea divelli et distrahi non patiantnr. Proinde ad
se bona fide concionatores a metropoli sna missos *salva eadem«p. 553.
fide principi interficiendos dedere non posse neqne debere, sed
conimnneni potins cnm ea fortnnam in commnni reUgione se
snbitnros. Si antem princeps in animo habeat concionatoribns
ad se missis pericnlnm capitis intendere inreqne contra ipsos
experiri, se snos in nrbe sna indicio pnblico sistere velle, et si
doctornm virornm praesidio ipsos convicerit, pro arbitrio in
ipsos animadvertat.
Princeps Warendorpensinm respondendi temeritatem ad-
miratnr, qni nnllas admonitiones qnantnmyis benignas et fami-
liäres admitterent, sed concionatomm sibi dedendomm cansa
totam snam rempnblicam in pericnlnm coniicerent. Armis itaqne
opns esse censet, qnibns ad obedientiam revocentnr. Swerhusii
*) Die ausfülirlichc Schilderung der Vorgänge in Warendorf deutet
darauf hin , dafs Kcrss. auch hier, wie schon früher, u. A. dem Berichte
einer genauen Chronik der Stadt folgt. Vgl. die Einleitung. In Einzelheiten
berührt sich seine Erzählung sehr nahe mit der des D. Lilie S. 248 ff. —
Ein Brief des Bischofs an Warendorf aus dieser Zeit ist nicht nachweisbar,
doch schreibt er am 21. Oct. dem Erzbischofe von Köln (a.a.O. S. 262),
dafs die Warendorfer sein Ansinnen, die Predikanten anzuhalten und aus-
zuliefern, abschlugen. Ebenso läfst er es in seiner Instruktion für den
Landtag zu Ahlen am 10. Nov. vortragen (St.-A. M. Landtagsakten). YgL
auch D. Lüie S. 248 und die Münstersche Bischofschronik (M. G.-Q. 1, 338).
*) In der Instruktion zum Landtage zu Ahlen a.a.O. heifst es: „Und
wo waU unse gnedige her, ock z. f. g. rhede und bevelhebber tor Wolbecke
de predicanten und ere hulper van den van Warendorp gefordert, h ebben
ze de dannoch z. f. g. mit spitziger, verhoenliger antwordt
voir entholden. ** Danach ist D. Lilie zu berichtigen, der a.a.O. er-
zählt, dafs die bischöflichen „breve unachtsam unbeantwordet bleven unde
worden hengelachf Uebrigens hat nur D. Lilie die Notiz, die Waren-
dorfer „schickeden heimeliken na Soist, Ossenbrugge unde Coisfelde, lethen
erforschen, wu de handelden mit eren predicanten.**
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712 Anno 1534 acta.
ergo copiis nondum exanctoratis aliisqne gregariis militibns e
21. oct. Septem castellis carptim accitis et eqnitibus non paucis 21. Oc-
tobris ^ in crepnscnlo matutino oppidnm cingitur, castra locantnr,
tormenta advehnntur, vineae aguntur, machinae bellicae eriguntur,
maxime ex adverso portae Amisianae inxta pnblicam foricam rix
dnodecim ab urbe passibus, qnibns valvae portaram effi-actae
deiicerentur, omniaqne ad instam obsidionem necessaria appa-
rantur. Warendorpenses vero interea per nobilem loannem de
Bueren, baronem, et Hermannnm Mengersen, innocentium misertos,
nt se dedant, serio admonentur, alioqui futurum, cum princeps
vehementer sit offensus, ut et omnes occidantur et tota civitas
praeda sit militibus \ Quibus verbis adducti, maxime cum viri-
bus suis diffiderent neque se contra tantum martis appäratum
oppidum suum tuen posse animadverterent neque auxilium ali-
unde metropoli iam obsessa sperarent, ea conditione deditionem
ofiFerunt, ne se armis et privilegiis princeps spoliaret. Ad quae
princeps: Se magis dementia, quam merito oppidum conserva-
turum, sed deditionis nullam esse conditioncm ; se clementiorem
fuisse, si deditionem fecissent, priusquam copias urbi admovisset,
machinas et tormenta magnis suraptibus adduxisset, si non in
hac rerum angustia rebellionem movissent. Uli vero necessitate
compulsi se imperata facturos recipiunt urbemque dedunt, prin-
'p. 554. cipem circa lioram *nonam antemeridianam eiusdem diei, quo
oppidum obsessum est, cum omni suo equitatu et peditatu intro-
mittunt*. A depraedatione tamen et direptione intercedentibus
*) Dieses Datum giebt auch das Schreiben des Bischofs vom 21. Oct.
an den Erzbischof von'Köln a.a.O. Ebenso D. Lilie a.a.O. Der Bischof
war selbst zugegen.
*) Johann v. Bueren und Hermann v. Mengersen sind auch bei D.
Lilie a.a.O. diejenigen, die der Stadt zur Ergebung raten; „anders wher
sine furstlike genade der emstliker bedacht, he wolde de stat den rutlieren
unde landesskn echten to plünderen overgeben, darover se altosamende er-
worgel mochten werden." Nach Job. Fabricius Bolandus Bl. V:V,
dem Her m. Harn elmann S. 1254 folgt, spielte (Job.) v. Raesfeld die
Rolle des Vermittlers.
^) Von Verhandlungen zwischen dem Bischöfe und der Stadt über
Bedingungen bei der Uebergabe berichtet nur Kerss. Die Bürger haben
„sich in unser gnade und Ungnade ergeben und die stat, auch die predi-
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Anno 1534 acta. 713
dioecesis ordinibns sibi temperant ; in omnes vicos oppidi pede-
stris exercitus effonditur, tormenta omnia in civinm pemiciem
ferro snlphureoque pulvere foeta in forum protrahuntur ibique
principis iassa foetns snos tantis tonitrnis tantisqne fragoribns
in vaeaas anras evomunt, ut tota urbs tremeret omnesqne fe-
nestrae vitreae circa forum e sedibus suis excussae dissilirent *.
Concionatores interea in curia a quibusdam senatorii ordinis
viris aliisque civibus» capti detinentur, qui abiecto in curia
pallio et aureo nummo a rege anabaptistarum Monasterii per-
cusso^ testantur suam doctrinam veram et salutareni esse, sed
cum ab episcopo vim exercente contemnatur, se officio suo esse
.functos; Patrem iniuriam istam vindicaturum. Ipse vero prin-
ceps in foro cum equitatu haeret et moratur, donec conciona-
tores isti, totius mali auctores, tradantur, quorum custodiam lo-
anni Walen cognomento Schiltmaker, iudici civitatis, committit;
et ne quid cives moliantur, vigilias tarn diumas quam nocturnas
constituit. Postridie litui sonitu omnes cives et incolas proposita
negligentibus Ultimi supplicii poena ad horam octavam diei 23.
Octobris in curiam convocat eoque omnia sua arma, non quidem »3. oct.
in humeris, sed ulnis deferant. Huc cum venissent armaque sua
«) Ms.: civitatibus.
canten in unser gewalt gestolt," schreibt der Bischof dem Erzbischofe von
Köln a.a.O. S. auch D. Lilie a.a.O.
^) Ganz ähnlich D. Lilie a.a.O.: ^Do nn dat grove geschotte an
cortouwen unde slangen to \Varendori>e an dat marcket quam, gebodt sine
f. g. den bussenschutten, dat sc dat geschutte stellen scholdcn in de hogede
unde scheitern dat äff. Als dat geschutte affgeschotten wordt, dorch dat
grote geludt sint alle de glasevensters up dem marckede in den huseren
umbher tobrocken, dar voreirst groit schade geschein."
*) Eine solche Münze schickte der Bischof, wie auch Eerss. gleich
weiter unten erzählt, dem Erzbischofe von Köln zugleich mit seinem Schrei-
ben am *21. Oct. ein. ^Und schicken hie bey e. 1. zur newikeit ein stuck
golds, welchs der predicant" (Joh. Kloprifs) „bey sich gehabt und dem rat
für geworffen zur urkund, dafs sie vom Herrn gesand.** Auch dem Land-
grafen von Hessen übersendet der Bischof am 28. Oct. eine Wiedertaufer-
münze' mit einem Briefe aus Geseke, in dem er die Einnahme Warendorfs
meldete (Orig. im St.-A. Marburg). Ueber die Münzen s. oben S. 6G7f.
Vgl. auch S. 701.
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714 Anno 1534 acta.
secnm allata deposnissent, ibi princeps omnes literas immimi-
tatnm, libertatom et privilegiornm signatas clavesque oppidi
sibi dari poscit et rebelles retinctosqne nominatim prodi iubet.
Circa vesperam clangore tnbae mandat, ne qnis civinm domo
sua excedat, sed se intra parietes snos contineat, donec alind
edicto inbeat*.
(25.) oct. 24. Octobris ex novem Paderbornensibns vasis üianibns ac
tabulis scena seu theatmm in medio foro extmitnr, in qno arena
spargitur*. Hnc qnatnor concionatores et tres cives protracti
decoUantnr ^. Concionatores hoc ordine plectnntnr: Grodofridus
Stralenins, Henricus Ummegrovins, Antonins Prnmerenns, Theo-
•p. 555. doricns Alfensis; qnomm cadavera rescisis capitibus ad * qnatnor
nrbis portas transvecta in terrorem incolamm ac omninm se-
ditiosornm rotis imponnntnr^. Joannes antem Eloprisins cum
^) Ebenso, aber ohne Datumsangabe, berichtet D. Lilie S. 249 u. 251.
*) Der Bischof liefs, sagt D. Lilie S. 249, „up dem marckede itlike
wagen unde tunnen brengen; dar worden bredde overgelacht unde mit
sande besprenget**
') Kerss. zeigt sich hier besser unterrichtet als D. Lilie S. 249 f.
Neben den vier Aposteln aus Münster wurden in der That auch drei Waren-
dorfer Burger (die Namen nennt Kerss. weiterhin) hingerichtet, nicht nur der
Pfortner Job. Stopenborch allein. In einem Schreiben aus Warendorf vom
25. Oct. meldet der Bischof dem Grafen Philipp dem Aelteren von Sohns
(Konzept im St.-A. M.), „dat wy de predicanten, ock eÜige uprorische
borger to unsen banden erlangt und derselven dussen dach^ (also nicht, wie
Kerss. angiebt, am 24. Oct.) „seven myt dem swerde hebn verrechtferdigen
laten." Auch in der „Newen zeitung" S. 261 heifst es, dafs aufser den
vier Münsterschen Propheten drei Biirger gerichtet worden seien. Yergl.
auch L. Hortons ins S. 43. Indem die Münstersche Bischofschronik er-
wähnt (M. G.-Q. 1, 338), dafs „burgermeister und rath gefangen imd merck-
liehen geschattet,'' fügt sie hinzu, es seien ^»et liehe up dem marckede
mitt den predicanten gerichtet
*) So auch die Bischofschronik a.a.O. D. Lilie a.a.O. nennt die
einzelnen Thore. Er hebt besonders hervor, unter den Predikanten sei „ein
jungelinck vam adell gewest, genant Alffen, dar de wolgebomer Juncker
Wilhem, her tom Rennenberge etc., mit anderen vam adell, ock de scharp-
richter sulvest vor gebeden, mochte wol genade sines lives erlanget hebben.
Dan de wolde standthafftich bi sinen christliken broderen bliven, achtede
up den dodt nichtes. So vorhardet weren de annen vorforden lüde in eren
vomement Tom latesten wordt de van AMen ock enthovet ..." — Ueber
die Standhaftigkeit der Apostel heifst es in der „Newen zeitung' 8. 261: ^Da
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Anno 1534 acta. 715
anreo nnmmo a rege retinctonim percnsso eodem die archie-
piscopo Coloniensi dono mittitnr, qni primo Febmarii anni 1535
Brenlae igni adindicatns temeritatis snae poenas solyit\ Gives
vero Saxenburgo, nbi capti detinebantnr, cum se retinctos esse
fassi essent, in oppidmn reducti et obtmncati in coemiterinm
deferuntur, qnoram primus Erpo Hollandns, Senator, qui ab
Kloprisio retinctus concionatores hospitio exceperat multosque
in aedibas suis retingi passns erat^ Seenndns erat Bernardns
Bontemans alias Schomacker, qni Christi flagellati statnam in
coemiterio cmribns bracMisqne discnssis confregerat*; tertins
Joannes Stopenbergius, portae orientalis cnstos, qni per nates
episcopi restim potins e pilis tortam trahendam esse contnme-
liose dixerat, qnam nt ita in dioecesi pro sno arbitrio et libi-
dine grassetnr^ Hermannns vero Prie, Henricns Eeymensnider,
Joannes Prange ac Henricns Mnter, cnm factioni anabaptisticae
se implicitos faisse negassent, in carcere Saxenbnrgico capti
relinqnnntnr^.
ist keiner gefunden worden, der da revociren wollt, so im gleich gnad wird
angeboten, sonder sie singen und dancken dem Yatter, das er sie wirdig
gemacht hat, für seinen namen zu leidn/
*) S. auch D. Lilie S. 249. — Am 23. Oct. schreibt der Bischof
aus Warendorf an den Erzbischof (Konzept im St.-A. M.): „ .. schicken
wy derselven" (Predikanten) ;,eyncn Klopryfs genompt hyr by an i. L, zo
wy erfaren, i. 1. denselven ock hyrbevorens yn eyner behafftynge mögen
gehat hebn.'' Joh. Kloprifs safs vom 3. April 1528 in Köln in Haft und
wurde am 31. Dezember desselben Jahres Ton Th. Fabricius daraus befreit.
S. die oben S. 707 Anm. 1 angegebene Literatur und das Bekenntnis des
Joh. Kloprifs, dem am Schlüsse die Bemerkung hinzugefügt ist: „Uff difs
bekenntnifs ist Johan Klopreifs . . . uf den irsten tag Febmarii anno etc.
35 zum Bruel . . . mit deme feur vom leben zum dode bracht und ge-
straifft wurden.« — «) Vgl. oben S. 709.
') Im St.-A. M. sind die am 23. October zu Sassenberg gemachten
Aussagen einiger Warendorfer Bürger erhalten (abgedr. bei J. Nies er t:.
U.-S. I. S. 61ff.). Darin heifstes: „Item Jürgen Bomans bekanth, dat
he yn dmnckenheit unwettens to- mytnacht dat beide up den alden karck-
hove myt eynen steen en twe geworpen.**
*) Wörtlich aus dem Bekenntnisse Joh. Stopenborch^s a. a. 0. S. 62
übersetzt — '^) Als nicht wiedergetauft giebt sich in den Sassenberger Be-
kenntnissen femer noch Peter Schröder an.
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716 Anno 1534 acta.
£a animadversione facta civibus libertas commeandi in
:35. oct. urbe, quo velint, permittitnr. Hinc die 25. Octobris, quae fuit
dies dominica, ceremoniae pristinae aliqnandin intermissae revo-
cantur et sno nitori restituuntur, qnibus princeps ipse cum
aulieis snis, cum aqua consecrata spargeretar et res divina in
templo ageretur, interfoit. Inde finito sacro cives ad templnm
convocat atque ibi omnia antiqua iura, immnnitates et über-
tates opificum curiis totique reipublicae Warendorpensi ob mu-
tatam religionem et violatum iusinrandum viva voce adimit,
literas privilegiornm et reddituam annales, sigillum, omnia se-
cretiora oppidi monumenta arcolae consignatae inclusa, arma
potiora et machinas bellicas^ Saxenburgiim avehi inbet. Est
antem Saxenburgnm arx episcopalis dioecesis Monasteriensis. Et
cum plerique senatores, Henricus Huge cognomento Koppersmidt ^
Joannes Bispinck, consules, Henricus Buth, Joannes Pagenstecker,
•p. 556. Conradi filius, quaestores, Erpo *Hollandus, Henricus Crumaker
cognomento Sonneken, Joannes Eggerdes, Joannes Branscho, Ber-
nardus Bechemicus et Joannes Heslingus iuramenti sui faissent
2. Nov. obliti, totum senatum removit, cuius 2. Novembris quosdain
Jburgum, alios vero Saxenburgnm captos abduci mandat; qui
tandera post diuturnam captivitatem, cum se periuros et rebeJ-
lionis nomine ultimo supplicio dignos esse in publice iudicio
fassi essent, grandi pecunia mulctati liberantur et gratiam im-
petrant^. Jn senatus amoti locum sex conspicuae probitatis et
*) Auch die Münstcrsche Bischofschronik a.a.O. meldet, dafs die
Stadt aller ihrer ^Privilegien, gerechticheit unde were** entsetzt wnide.
*) Wohl irrtümlich für Kopperslager. S. oben S. 7()9 Anm. 2.
^) Die Namen des gröfsten Teiles der Warendorfer Ratsherren nennt
uns nur Kerss. Zur Sache vgl. D. Lilie S. 250, bei dem es heifst: ^Dama
hofft de furste gofencklick laten nemen den borgermeister Hinderick Hugen,
genant Koppersieger, meister Hanss Roth" (ob vielleicht derselbe, den Kerss.
Henricus Buth nennt?) ^unde Bemdt van Beckem, de befamet weren vor
dem furstcn, dat se de orsake solden sin gewest, dat de breve des fursten
nicht boantwordet worden unde de predicanten dem fursten np dat furst-
like eischent nicht worden overgelevert." D. Lilie berichtet weiter, dafs
man den Bürgermeister in Iburg, die beiden Ratsherren in Fürstenau ge-
fangen setzte, und dafs die Gefangenen nur einer gewichtigen Fürsprache
und der Erlegung einer beträchtlichen Geldsumme ihre schliefsliche Be-
gnadigung verdankten.
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Anno 1534 acta. 717
fidei viros reponit, nempe loannem Boelevinck, loannem Eoer-
dinck, loannem Sternebergh, Theodoricnm Goetzen, loannem
Gisen ac loachimnm Grasen, qnibus loannes Wale cognomento
Schiltmaker, index civitatis, anctoiitate Frederici a Twisth magni
nominis tnnc temporis apnd principem fretns, etsi a principe
ad id designatus non esset, se tarnen ingessit^ tantnmqne sibi
tribnit, nt reliqni sine huius consensn nihil auderent. Inde, ut
princeps fatnrae qnoqne rebellioni iannam occlnderet, cives in
officio contineret et insigne violatae fidei exemplnm constitueret,
propngnacnlnm firmissimnm in nrbis parte orientali erigit eiqne
valida praesidia civitatis snmptibns snstentanda imponit atqne
tormentis Warendorpensibns ablatis illnd mnnit, cni Swerhnsinm
rei bellicae peritissimum praeficit ^ Beliqnos nülites apnd cives
passim per oppidnm alendos collocat". Hoc antem propngnacnlam
0 Auch die Namen der sechs vom Bischöfe neu ernannten Rats-
herren sind nnr dnrch Kerss. bekannt. Die Bischofschronik a. a. 0. S. 339
läfst „seyen ander neffen den richter vorordnet to regeren
gesath^ werden. Nach D.Lilie S. 251 setzte der Bischof Bürgermeister
und Rat ein, „welcker nicht besluten edder handelen mosten, idt wer dan
mit der amptlude tom Sassenherge" (Friedrich von Twist) „edder richters
willen." Die von Kerss. angeführten Namen finden sich sämtlich in dem
vom Bischöfe aufgestellten Verzeichnisse der von ihm für Warendorf er-
nannten 12 Ratsherren, das er am 19. April 1542 dem Amtmanne Friedrich
V. Twist mit dem Befehle zusendet, die Ernannten zu vereidigen. Johann
Koerdinck und Johann Giese sind darin zu Bürgermeistern bestimmt (Orig.
im St.-A. M., Stadt Warendorf).
*) Schon am 25. Oct. meldete der Bischof dem Grafen Philipp dem
Aelteren v. Solms a. a. 0., er sei „yn meynonge, aUhyr bynnen unser Stadt
Warendorp eyn vestnysse to leggen, darmede glickmetigen uproer vorge-
komen." Noch an demselben Tage befiehlt er den Amtleuten zu Strom-
berg und Wolbeck, alle Amtsverwandten „man by man" für Anfang Nov.
„myt schuppen, spaden, hacken unde exen" vor Warendorf zu schicken,
und ebenso den Amtleuten zu Sassenberg, Stromberg und Wolbeck, dafür
zu sorgen, dafs Bauholz geliefert werde (Konzepte im St.-A. M.). — Die
Lage des Blockhauses in Warendorf giebt D. Lilie a.a.O. n&her an mit'
den Worten: „De furste hefft noch ein gewcldich blockhues mit graven,
porten unde weUen bi dem Benthem an der Oistporten mit einer bruggen
buthen over de Emese laten leggen, darmede sine f. g. de stadt gedwungen,
konde in-, uthriden unde gain na siner f. g. eigen wolgefallen unde behach.^
') Dazu hat D. Lilie a. a. 0. die Notiz: „Dama hefft sine f. g.
sin legger mit sinem hoffgesinde unde perden gelacht in den Swanen am
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718 Anno 1534 acta.
tantam agricolarum assidno laborantinm nmltitudinem reqnirit,
nt opus Monasterii coeptnm interromperetur. Praeterea consti-
tnitnr \ ne qois advenas et peregrinos hospitio excipiat, qnorom
nomina singulis diebus praefecto propngnacoli non transmittat;
claves quoque nrbis eo deferendas. Tandem M sex oppidi Waren-
dorpensis praefecti aegre ferentes hnlas reipnblicae statrun et
iudicem ad communia admitti consüia, imo se ab eins volnn-
tate pendere, proinde proximos quosque episcopo, qnos snbticere
libet, mnneribns adorinntar pristinam reipnblicae fonnam ant
saltem mitiorem petent^. Qni facile principem natura benignnm
et dementem precibns expngnant aliamqne reipnblicae fonnam
"p. 557. anno 1542 die *Mercnrii post dominicam Indica impetrant*.
1645. Hinc anno 1545 propngnacnli demolitionem conseqnnntnr'. Tan-
*^idi^' ^®^ *^^^ ^^^^ ^^® ^^^ P^^* Antonii abbatis civitas Waren-
dorpensis ab eodem principe in arce Ibnrgica omnibns pristinis
privilegiis qnidem restitnitur, sed modns eligendi senatnm prae-
29. Hftrs
1548.
marckede, unde dat voitvolck als de lantzknechte worden yorscheideliken
na rotten in erer betzoldunge Tordelet in den herbergen ande borgerhuseren,
dar se van den besten etten unde drincken wolden; ein deil betalden er-
liken, dan de meiste hupe betalde mit der kriten tom groten unvorwint-
liken schaden sommiger borgeren.*'
^) Das Folgende berichtet nur Kerss.
*) Original der Urkunde vom 29. März 1542 im 8t.-A. M., Stadt
Warendorf. Zwar giebt der Bischof der Stadt ihre alten Freiheiten und
Gerechtigkeiten im Ganzen zurück, bestimmt, dafs sie wieder landtagsf&hig
werde, aber er behält sich doch einige wesentliche Rechte vor. So verfügt
er hauptsächlich, dafs die Ernennung der zwei Bürgermeister und zehn
Batsheiren auch femer durch ihn geschehe, und dafs auch künftig alle
Gilden aufgehoben bleiben sollen. Dem bischöflichen Richter werden zwei
Batsherren als Beisitzer zugeteilt.
•) In einer Urkunde vom 15. Sept 1545 (Orig. im St-A. M. a. a.O.)
begiebt sich der Bischof aller seiner früher sich vorbehaltenen Rechte in
Warendorf, nur bleibt die Bestimmung, dafs er den Rat besetzt, und da(s
die Gilden abgeschafft sein sollen. Ueber das Blockhaus heilst es dann,
die Warendorfer sollen „ock unses blockhuses, so wy bynnen gerorter unser
Stadt upgerichtet, mit gründe, boden und syner alinger in- und thobe-
horinge, wo dat itzt vorhanden, henforder und tho ewigen dagen wedder-
umb gebrucken, genethen, besitten und beholden ... in aller mathen und
gestalt, se vor erer overfaringe und unser ersten und dussen begnadinge
gedaen hebben.^
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Anno 1534 acta. 719
scribitnr, et curiae opificum ab antiquis libertatibns arcentur.
Sed haec omnia et plnra oppidum Warendorpense tempore Wil-
helmi episcopi anno 1555 plenissime recnperavit, ita nt antiqna 1555.
iura, consnetudines, immnnitates, libertates et privilegia in
nnllo imminuta receperit iisdemqne in hodiemum diem feliciter
utatnr \
Zuzatnm ^ missi, cnm per vicos poenitentiam clamitassent,
continno omnis metns expertes inconsulti et impudentes cnriam,
in qua senatus de rebus politicis implicitus consederat, praeter
pylori et ministrorum opinionem ingrediuntur '. Senatum quoque
ad poenitentiam multis verbis invitant. At senatus inusitata
') Urkunden darüber haben sich im St.-A. M. und in Warendorf
nicht erhalten. Die von Eerss. in genauer Angabe auf den 21. Jan. 1552
gesetzte Urkunde wird wohl lediglich die Bestimmungen vom 15. Sept. 1545
bestätigt haben, da ja die Verfügungen über die Einsetzung des Rates und
über die Gilden nicht ver&ndert wurden. Die völlige Rückgabe aller Rechte
an Warendorf erwähnt auch D. Lilie a.a.O. Er nennt kein Datum, sagt
aber ausdrücklich, die Stadt habe vom Fürsten „mit Torbeden unde ge-
schenckeden ere gerechticheit mit groter swarhcit erlanget, sowol de ove-
richeit der stadt to keisen als de borgere ere ampte to bostedigen, wu se
Yoreirst gehadt unde geilain." Vgl. auch die Münstersche Bischofschronik
a. a. 0. S. 339.
*) Ueber die reformatorischen Bewegungen in Soest vgl. besonders
CA. Cornelius; M. A. I. S. %ff. u. 252fif., L. Keller: G. d.W. S. 108 fif.
u. 268 ff. und F. Jostes in der Einleitung zu seiner Ausgabe des „Daniel
von Soest^ (Paderborn 1888). Speziell über die Wiedertäufer in Soest han-
delte noch einmal L. Keller in der „Zeitschr. d. Vereins f. d. Gesch. von
Soest u. d. Börde"* 1881/82 (Soest) S. 45 ff. — Geständnisse der nach Soest
entsandten Apostel scheinen sich nicht erhalten zu haben.
') Dafs die Apostel in Soest gewaltsam in die Ratssitzung eindrangen,
berichtet auch D. Lilie S. 245. Ganz anders aber war der Vorgang nach
der Schilderung im Soester Rats-Protokoll (s. C. A. Cornelius: M. A. I.
S. 271 und L. Keller: G. d. W. S. 322 f.). Es heifst dort: „Anno etc.
XXXrV up Donnerdag na Francisci" (8. October; s. darüber oben S. 704
Anm. 1) ^quemen acht wedderdoper uit Munster in der Potter-
schen huis, und dej burgermester laten en seggen twe mal,
dat sej rumen solden; des sy nicht wolden doin und wolden
selvest die heren sprecken etc., dat sy worden mit vorberaide
ampter und gemeinheit gefencklich angenommen ...** Zu einer
persönlichen Auseinandersetzung zwischen dem Rate und den Aposteln ist
es danach gar nicht gekommen.
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720 Anno 1534 acta.
reram facie attonitas, nnde cniasve rei gratia qnave confidentia
et temeritate non vocati neqne admissi veniant, inquirit; sibi
eam andaciam vim videri. Uli vero respondent : Se a rege norae
Syonis propheta Del inbente evangelii propagandi gratia able-
gatos esse neqne se in hac potissimnm re ad salntem pertinente
commeatn et venia egere, cum regnnm Dei vim patiatur et vio-
lenti illnd ingrediantnr. Senatns de civili bono consnltans im-
patiens concionis recedere ipsos inbet, et si quid velint, more
Znzatensis reipnblicae id agant. Uli se contemni sentientes in
mediam cnriam ad pedes senatornm dnos anreos nnmmos pro-
iicinnt, qnibns Znzatenses verbo et regno Dei indignos esse
palam testantnr^ übi vero cognitnm esset ipsos anabaptistas
et a rege Monasterio seditionis concitandae causa ablegatos esse,
continuo iussu senatus comprehenduntur atque intra portas suae
23. oct. nrbis 23. Octobris gladio caesi in aggere sepeliuntur *. Quorum
UDUs' multum confidenter et satis temerarie magna mortis se-
curitate fretus ad camificem dicere ausus est suum iugulum
eo die ab illius gladio immunem fore. Sed cum camifex, ut
id secum experiatur, respondisset, tanta vi gladium in hunc
vibrat, ut triplicem cervicem facile penetravisset.
*) So erzählt auch D. Lilie a.a.O.: „. . . woipen der stucke geldes
itlike densulvigen*' (dem Rate) „vor de vothe mit dem bovelle des koninges,
wu Torg. steit.** Der Befehl des Königs lautete nach D. lilie S. 244:
^Welcker stede er wordt nicht wolden annemen, scheiden se in ein ge-
tuechnisse der stucke goldes ein edder twe van sick werpen, darmede se
dem Vader in de straffe gefallen solden sin."
^) Nach dem Soester Rats-Protokolle zögerte der Rat mit der Be-
strafung der Apostel noch so lange, bis die Aemter und die Gemeinde „up
gudenstach na Sunte Gallen** (21. Oct.) „tosecht . . ., wes er und recht be-
vollen, dat 8j de wedderdoper und de genne, de sy husede und herbergede,
solle strafen, dat de rait na rechte straiffe; sy willen by den raidt liff und
gut setten und darby stain, ock derglicken tegen de genne, de mit den
wedderdopem tof eilen, dergliken to straiffen.'' Als Tag der Hinrichtung
giebt auch das Rats-Protokoll den 23. October an. D. Lilie nennt kein
Datum. Er sagt: „Unde als de gemeine man van den Straten vorschotten,
worden se twisschen de porten unde welle gebracht^ de porten togewaret,
undc dar van dem scharprichter ein na dem anderen enthovet unde daraa
in de welle begraven.**
') Das Folgende berichtet nur Kerss.
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Anno 1534 acta. 721
*Coesfeldiam missi^ diversis in locis mactantnr, ut discreta*p. 558.
et mnlta perfidiae seditionisqne motae exempla statnerentnr.
Quatnor eoroin circnm nrbem ipsam, qnintns Horsthmariae, sextus
Borkenae, septimus Bocholdiae, octavus autem Vredenae prae-
cisis capitibus rotis imponimtnr. Omnes autem se a propheta
Dusentschuer misere seductos qneruntur*.
') üeber das Auftreten der Apostel in Coesfeld sind nähere Nach-
richten nicht bekannt Schon L. Keller: G. d. W. S. 167 hat darauf hin-
gewiesen, dafs B. Sökeland: Gesch. der Stadt Coesfeld (Coesfeld 1839)
S. 94 irrt, wenn er behauptet, die Stadt sei von jeder Hinneigung zum
Anahaptismus frei geblieben. Zu früheren religiösen Bewegungen in Coesfeld
vgl. oben S. 415 ff., 434 f., 469 u. 534. Auf die Frage, ob in Coesfeld Wieder-
täufer seien, antwortet Dionys. Vinne (M. G.-Q. II, 277): „He hebbe wol
gehört, dat binnen Coisfelt ein deil sin sollen; wette nicht,
wy vil.'* Herrn. Regewart sagt aus (J. Niesert: U.-S. I. S. 31): „onune
sy van Schlachtschaep beyegent, dat bynnen Coisfeld aver hundert
gedopt, de se aldar fynden und troesten solden.** — Der Bischof schrieb
am 21. Oct. dem Erzbischofe von Köln (a.a.O. S. 262), er habe die Aus-
lieferung der acht Apostel vom Coesfelder Rat gefordert; sie sei „bis her
noch gewegert. Darumb wir die auffs emstlichst nachmals beschriben.'^
Der Bischof ist entschlossen, sich mit Gewalt Gehorsam zu erzwingen. Die
erste Aufforderung an den Rat hatte der Bischof bereits am 16. October
ergehen lassen (Orig. in der Bibliothek des Altertumsvereins zu Münster,
Mscr. 101). Am 21. Oct. wiederholte er seinen Befehl mit dem Bemerken
(Orig. aus Warendorf ebendas.), „so gy dar ynn vemer weigerong vor-
wenden . . . werden wy des in ander wege verdacht zin.^ Erst daraufhin
gehorchte die Stadt, lieferte die acht Apostel dem Rentmeister zu Horstmar
aus und erhielt am 1. Nov. vom Bischöfe und Domkapitel die urkundliche
Zusage (abgedr. bei J. Niesert a. a. 0. S. 75 ff.), „dat zodane overlatinge
geroerter gefangen unser stadt Coifsfelt itzund edder na dossem dage an
eren Privilegien und gerechticheiden unaffbrechlich sali syen und bliven.'^
') Der Vollzug der Strafe an den nach Coesfeld entsandten Aposteln
ward lange hinausgeschoben. Die uns im St-A. M. erhaltenen Geständ-
nisse des Herm. Regewart, Joh. Beckmann, Bemh. Focke und Joh. Essens
datieren erst vom 3. Dez. Von Jak. v. d. Grave und Julius y. Franeker
sind nur ganz kurze Aussagen, von Barthol. Neteler und Egb. Wideman
gar keine bekannt Auf einen Teil der in Coesfeld verhafteten und dem
Bisehofe überlieferten Apostel scheint sich der Befehl des Bischofs vom
23. Januar 1535 aus Horstmar an den Amtmann zu Ahaus zu beziehen
(Konzept im St.-A. M.), in welchem dem Amtmanne geboten wird, von
den gefangenen Wiedertäufern einen in Ahaus, einen in Yreden, einen in
Borken und einen in Bocholt hinrichten zu lassen. Aus den Akten eigiebt
22
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722 Anno 1534 acta.
Osnaburgam ablegati ^ primum domum Ottonis Spikers in-
gressi sunt existimantes hunc esse snae farinae hominem, hoc
est de Sorte anabaptistica. Cui cum narrassent ^, cuius rei gratia
venissent, dnos simul aureos et regios nuinmos in testimonium
se a Patre missos ad pedes illins proiiciunt. Ille vero humo
sich nur noch, dafs die Stadt Coesfeld wiederholt für die Begnadigung
ihres Mitbürgers Joh. Essens eingetreten ist, der in seinem Yerhöre (J.
Nies er t a.a.O. S. 39) aussagte, er sei nur durch Verwundung und Krank-
heit in Münster zurückgehalten worden, und „dat he jemerlich myt
der wederdope v er fort . . ., und beger gnade." Schon in seinem
Schreiben am 1. Nov. versprach der Bischof der Stadt: „Wj willen . . .
juwer vorbeden in behoiff des yungen knechtes, Johan von Essen genompt,
to syner tyth gedechtich syn." Am 16. Jan. 1535 wiederholte Coesfeld die
Bitte für den Gefangenen (Orig. im St.-A. M.). Ob dem Gesuche Folge
gegeben, und w^ann an den einzelnen Aposteln die Strafe vollzogen wurde,
läfst sich nicht mehr feststellen. — Irrig ist die Darstellung D. Liiie's
S. 245, der die Gefangenen sofort peinlich verhört, „na körten dagen . . .
enthovet unde up ein radt ider vor sick vor de Stadt gelacht" werden läfst.
^) Die folgende Schilderung Kerss.'s von den Vorgängen in Osna-
brück hat grofse Aehnlichkeit mit der Erzählung D. Lilic's S. 246 f^
nicht selten fast wörtliche üebereinstimmung. Beide schöpfen aus Be-
richten des H. Graes, die sie gelegentlich selbst als ilire Quelle namhaft
machen (vgl. für Eerss. oben S. 703, für Lilie F. Runge in der Einleitung
zu seiner Lilie -Ausgabe S. 52 ff. und in der Ausgabe selbst S. 251 f.).
Leider sind die Aussagen des H. Graes jetzt nur noch bruchstückweise
bekannt. Näheres darüber s. in der Einleitung. — Wenn D. Lilie unter
den Aposteln „Cup ers Ho Ischers" nennt, so sind darunter die von Kerss,
nach dem Apostel-Verzeichnisse erwähnten Petrus Kueper und Joannes
Scheffer, calopodiarii minister, zu verstehen. Von Aussagen der Osna-
brücker Apostel sind uns aufser vereinzelten des H. Graes nur noch die
des Dionys. Vinne und des Joh. Boentrup erhalten. Letztere sind über-
gegangen in die „Newe zeitung" S. 265 1. Ein gleichzeitiger Bericht über
das Auftreten der Apostel in Osnabrück liegt sonst nur noch in der „Newen
Zeytung" (P. Bahlmann: Bibl. 1534 Nr. 9) Bl. A !▼ u. A 2 vor in einem
Briefe des Bischofs an den Herzog Philipp von Braunschweig-Grubenhagen.
— Zur Sache s. auch L. Keller: G. d. W. S. 178 f.
*) Das Folgende ganz übereinstimmend mit D. Lilie, der die Wie-
dertäufer auTser nach Otto Spiker auch noch nach Joh. Ertmann fragen
läfst. Beide Osnabrücker Bürger waren bekannt durch ihre hervorragende
Teilnahme an dem Obergschen Aufstand vom Jahre 1525. Siehe D. IJlie
S. 192f. VgL C. A. Cornelius: M. A. L S. 8 und C. Stüve: Gesch.
des Hochstifts Osnabrück Bd. 2 (Jena 1872) S. 33 ff.
Digitized by VjOOQ IC
Anno 1534 acta. 723
toUens nummos: „Gratias," inqnit, „agite Patri vestro pro mn-
nere isto mihi misso, sed renunciate üli me vestrae factionis
non esse! Metaendnm antem est, nisi vobis accaratias prospexe-
ritis, ne non ista miinera vobis exitio sint futura." Verum bis
nihil moventur. In omnes enim vicos nrbis effasi quasi amentes
cursitant vociferantes poenitentiam et vitae superioris emen-
dationem, quos magna iuvenum, opificum aliorumque hominum
insuetos clamores admirantium multitudo ad forum usque per-
sequitur concionesque audit*. Senatus vero per iuratos suos
satellites apostolos illos apprehendi et in carcerem seu turrim
a capro cognominatam abduci iubet*; quam mox magna lanari-
orum turba circumstat psalmosque vernaculos sine intermissione
cantillaf^, quae seris discussis ipsos carcere liberasset, nisi se-
natus proposita Ultimi supplicii poena vim fieri vetuisset. Se-
natus tarnen intra sua moenia populärem seditionem metuens
principi rem totam per literas significat atque unum captivorum
esse, qui se vel ad principem ipsum vel ad consiliarios suos in-
timos coUoquendi causa admitti cupiat; ipsum enim de re non
communi, quae parum momenti habeat, sed quae ad salutem et
conservationem totius dioecesis Monasteriensis finitimarumque
regionum pertineat, dicturum*. Proinde princeps Wilhelmum
*) So heifst es auch in der „Newen Zeytung**: „. , . Die sechs, so
nach Osenburg vergangen donerstag" (15. Oct.) „kommen seind . . ., haben
auflf der gassen hin und herwider geruffen : Bessert euch, bessert euch ; der
Vatter ist erzürnet und will straffen! und fürder understanden, iren irtthumb
in der statt zu predigen."
*) In den Bucksturm. Nach der „Newen Zeytung" haben Bürger-
meister und Rat die Predikanten „haifsen weichen aus der stat, und so
sie solliches nicht haben thun woDen, haben sie dieselbigen gefencklich
angenommen.''
^) Auch bei D. Lilie sind es „vele wuUenknapen und andere handt-
werckesvolck van borgeren unde knechten ... de dudesschen psalme undo
lovesenge ein umb den anderen sungen." Nach Herm. Hamelmann
S. 1132 gehen die Gefangenen „gaudentes et canentes ad carcerem. Plebs
vero laetitia et cantu eorum non leviter movebatur, quia adeo concitabatur,
ut vellet omnino eos dimittendos et restitnendos libertati.''
*) D. Lilie, der dem Landesfursten die Gefangennahme der Predi-
kanten anzeigen und ihn um Rat fragen läfst, erwähnt Nichts von einer
Mitteilung über den beabsichtigten Verrat des H. Graes.
22*
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724 Aimo 1534 acta.
Staell ^ cnm eqnitibas quibusdam ac bombardigeris captivos pe-
titum ablegat, qni in crepnsculo matntmo, prinsquam circnm-
fnsa hominum frequentia e stratis ezcitata vicos oppleret, apo-
stolos a senatu deditos et compedibns vinctos dnobns cumbns
ünponnnt secnmqne Ibnrgnm abducnnt l Et ciun princeps snper
*p. 559. mumin "^Ibnrgicae arcis obambnlaret^ adventom captivomm ta^
citus aspiceret, Henricns Grasins agnoscens principem Latine sie
exclamat: „Non princeps potestatem habet dimittere Yinctnm'?''
Qnibns verbis favorem principis sibi conciliavit. Ex bis Gode-
fridns Stralenins in carcere mortuns inxta Ibnrgici templi coemi-
terinin sepnltns est^. Quatnor vero seditionis concitatae sen-
tentia morti adindicati praecisis capitibns in Stalbiinco rotis
imponnntnr^. Henrioum antem Grasinm aliis rebus conficiendis
fata reservabant. Hie cnm principi omnia baptistanun secreta
et qnam expeditionem oppressionemqne in animo habeant, qnos
popnlos in praesidinm expectent, retnlisset, si gratiam admissi
flagitii conseqnatnr et vita a principe donetnr, porro promittit
se ea, qnae et reipnblicae et illios maxime intersint, effectumm
et, qnomodo nrbe sine mnlto sangnine potiator, ostensurom^
^) Er war Amtmann zu Ibnrg. — ') Ansf&hrlicher eiz&hlt D. Lilie
den Hergang : „Do idt quam an den morgen unde dat volck was yorschotten,
leihen se de gefangen ein na dem anderen nth des Backes tome na der
Hegerporten nth. Dat gemeine Tolck was nha Sunte Johannis
porten vorlopen, yormeinten, de predicanten solden dar nth-
gefort werden.*' Bei Herm. Hamelmann a.a.O. wird das Gerücht,
die Gefangenen sollten Tor dem Johannisthore dem Bischöfe ausgeliefert
werden, absichtlich von den Bürgermeistern und Anderen ausgesprengt.
') Ehenso D. Lilie. Er setzt hinzu: „Als dit sine f. g. horde, ge-
bodt he den sinteren, dat men den gefangen solde allene oyer de sidt
setten.** — Heinrich Graes war aus Borken gebürtig. H. Gresbeck sagt
S. d4 yon ihm, er »plach ein schoelmeister tho sein in der stat*
*) So auch D. Lilie. Kerss. aber hat schon oben S. 714 gani
richtig en&hlt, da(s Gottfr. Stralen als einer der nach Warendorf ent-
sandten Apostel dort hingerichtet wurde. Welcher Osnabrncker Apostel
vor der Bestrafung yerstarb, Iftfst sich nicht feststellen.
*) D. Lilie setzt die Hinrichtung der Apostel zeitlich in den Advent.
*) D. Lilie S. 251 f. berichtet, wie H. Graes in ein hesonderes Ge-
mach geführt, ihm Papier und Tinte gereicht wurde, und wie er dann alle
„naireseehe boyerie, so se binnen gehandelt . . .,* auTserdem auch ^de kant-
Bchoff edder ansclege, so se butfaen in den Nedderlendesachen steden ge-
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Anno 1534 acta. 725
Princeps, com in Grasii yita ant morte pamm momenti situm
esse pntaret, ea qnidem lege annuit, si in urbem revertatnr
clancnlnm scitatnm omnia regis secreta et qnae oppida ipsi sint
confoederata. Qnod se ex fide cnratunun recipit^. Compedibns
itaque vinctns noctomo tempore oppidanis non sentientibns biga
ad nrbem vehitnr. Inde a yigüibns matntina Ince exorta agnitns
incredibili gandio et psalmonun yernacnlonim modnlamine ex-
cipitnr et ita vinctns ad regem defertnr *. Ibi satis miserabiliter
hadt,'' anfzeichnete. Von diesen Bekenntnissen des H. Graes scheinen die
im St.-A. M. erhaltenen und dem gröfsten und wesentlichsten Teile nach
in die „Newe zeitung" S. 262 flf. übergegangenen nur Bruchstücke zu sein.
— Ueber die von H. Gracs gegebenen Zusagen läfst der Bischof durch
seine Räte auf dem Tage zu Wonns im April 1535 vortragen, Graes habe
zu verstehen gegeben, „wo men ine bei dem leben und in Munster widder
wolt laissen zehen, wolt er die anschlege machen und finden, welche er
dan auch zum tcill angezeigt, das m. g. h. die stat solte erobern on enig
blub-ergiefsen. Wo aber ime dasselbig mislingen . . . wurde, wolt er sich
seiner anschlege weiter erkundigen und, waer auff sie sich weiter vertroisten,
auff das genauwst erfaren und alsdann widder ausfallen und solichs m. g.
h. . . . anzeigen und sich des auffs höchst verschreiben und verbürgen^
(St.-A. M. M.L.A. 518/19 VIII. fol. 43).
^) In der Instruktion für Worms a. a. 0.: „Als nun mein g. h. ime
dasselbig ein weill nit haben durffen vertrauwen, haben doch s. f. g. nach
viele mit ime gehapte nnderhandlung zu letst im rath gefunden, so doch
nit vil an einen gelegen, ob er gleich nit hielte, und denselbigen das leben
zugesagt, gelubd von ime genomen, seinen zusagen nachzukomen.^ Einer
Fassung der Bekenntnisse des H. Graes im St.-A. M. a. a. 0. lY. fol. 218 f.
ist die Notiz hinzugefügt: „So de vorgemelte möge myt etlichen volcke
von m. g. h. u. f. versorget werden, will he alsdan m. g. h. de Stadt Munster
in 5 dagen ungeferlich leveren; des will he szick verplichten mit 11 hundert
goltgulden, so em erfftals tho Borken thokomen.^
^) Auch nach der Instruktion für Worms a. a. 0. ist H. Graes ^mit
den fesseren, gleich ob er ufsgebrochen, heimlich bey nacht'' vor die Stadt
geführt; „und als er sich vor der stat angeben, haben sie in mit grofsen,
froligen lobsang und dancksagung, gleich ob ime der Yatter also seiner
gefencknuTs hette wunderlich und mirakelsweyfs erledigt, empfangen und
eingefnrt.*' Von den Fesseln spricht auch Joh. Fabricius Bolandus
Bl. y 6% der aber (und ihm folgt Herm. Hamelmann S. 1256 f.) in dich-
terischer Phantasie mit der Rückkehr des H. Graes nach Münster die Be-
freiung des jungen Christoph v. Waldeck in Verbindung bringt. Vgl. oben
S. 664 Anm. 3. Nach D. Lilie S. 252 wurde „Hinricus Graes bi nacht-
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726 Anno 1534 acta.
et cum lachrimis Actis quidem commemorat, quantis discrimini-
bns et pericülis evangelii nomine implicitus fderit, qnibns tor-
mentis reliqui apostoU secmn emissi ab impiis ethnicis et regni
Dei hostibns afQicti perierint*; se vero solmn Patris nutu reser-
vatnm, nt homm omninm regins nuncios esset. Bex compedes
discussis clanstris laxari iubet et, quomodo hnc translatus sit^
perqnirit. Ad qnae ille : Se snperiori nocte insueto Imninis fol-
gore in obscuro carcere Ibnrgicae arcis septnm angelnm Dei ad
se yenientem vidisse, qni apprehensa mann sna se ab indicto
sibi in hnnc diem capitali indicio clementer eripuerit, qni a
tyrannica impiormn crndeKtate se liberavit, ne in se, nt in alios
confratres snos, pro Kbidine sna saeviant, qni in profnndissimo
♦p. 560. sopore hnc ad nrbem se admirando modo vexerit, *et, ne qnis-
qnam de hac stnpenda Patris liberatione ambigat, compedes istas
esse hostinm et secnm hnc per angelnm esse translatas, nt rex
Israhelis et totns popnlns Dei in sancta hac nrbe videat, qnam
ineffabili ratione Pater snis adesse eosqne tneri et ab exitialibns
tiden gelaten dorch de blockhuser mit einem stocke als ein armer bedeler.**
H. Gresbeck giebt nicht genauer an, wie der Verräter in die Stadt zurück-
kehrte. Er sagt nur S. 115: „So heft innen dat volck wilkhomen geheitten
und hebben ime die haut gedain und hebben innen für den munt gekusset
mit einen freden."
^) „Sagt inen an, wie mit den andern gehandelt wurde," heilst es in
dem Bekenntnisse des Zillis Leitgen (J. Niesert: Ü.-S. I. S. 137). H.
Gresbeck S. 114 f. berichtet ausführlich, wie der Konig zunächst gute
Nachrichten über den Erfolg der Apostel erhielt, dann aber von ihrer Ge-
fangennahme und von dem Falle Warendorfs erfuhr. „Do was ein bedrovet
hoep binnen Monster. ** Doch verstand der König das Volk zu trösten mit
den Worten: „datselve moiste so geschehn, dat wer Goddes wille, dat sie
sterven meisten, wante na den predicanten sollen noch ander predicanten
khomen, die noch Goddes wort sollen viel clarlicher austrucken und pre-
digen." So gesteht denn auch am 6. Dez. Joh. Kettel van Tiel in seinem
Verhöre (M. G.-Q. II, 292): „Se wetten dair binnen wal, dat de predicanten^
de se uthgesant hadden, umb de helse sint Dair seggen se to, dat zy
des YaldeVs wille, de Yader mote danck hebben." Die «Newe
zeitung" hat S. 266 nach Joh. Boentmp^s Aussage die Notiz, dafs den
Aposteln geboten war, „so sie in gefencknis kemen . . ., das sie das in
Münster nicht schreiben selten, auff das die brüder nicht in Schwermut
mochten kommen,-« sonder selten allein gen Sofst schreiben an den pro-
pheten^ (Dusentschuer). S. auch ebendas. S. 262.
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Anno 1534 acta. 727
periculis eripere et possit et velit*. His multisqne aliis verbis
regi fidem facit se divinitus per angelum Dei a tyrannide san-
guinariorum solutum esse, quamvis auKcis quibnsdam perspica-
cioribus, quibus haec res snspecta esse coeperat, aliter visum
sit*. Vicit tarnen credentium multitndo. Befert etiam, qnanti
passim in orbe motns novae Sionis gratia per christianos fratres
excitentur; qni si ducem habeant, fore, ut hostibus intemecione
deletis liberam hanc sanctam civitatem ab omni impressione,
persecntione et periculo reddituri essent. Inde ita animo regio
se insinuavit, nt ad omnia consiKa, quantnmvis arcana, admit-
teretur. Hie in. omnibns concionibus a rege aliisqne ecclesiastis
in hoc novo non aliter, quam Abrahamns in veteri regno Israbe-
litico tanquam fortis fidei exemplnm proponitur. Tandem vatici-
nandi munere propheticoque spiritn ipsum pollere non dnbitatur;
designatur ergo propheta^.
Verum Grasius vehementer sibi metuit, ne fabula ista et
dolus compositus aut per transfugas aut per captivos in per-
niciem sui prodatur. Longam enim in urbe manendi moram
sibi exitium certissimum allaturam non dubitat. Proinde occa-
sionem commodam, qua bona pace a rege dimittatur, quaerit*.
Quare cum rex in solio suo controversias populi sui auditurus
consideret et maiestate undique cinctus fastum suum ostentaret,
Grasius furore prophetico concitatus coram rege vociferatur : sibi
') Aehnlich berichten Joh. Fabricius Bolandus Bl. VB^ u. V 7
und L. Horte nsius S. 40, Tvährend D. Lilie davon Nichts erwähnt.
Nach H. Gresbeck S. 116 erzählte H. Graes, „wie dat hei uth der ge-
fencknisse ifs gekhomen, wie dat hei uth einem finster ifs gefallen und wie
dat hei ifs bei nachte gegain, ehe dat hei ifs an die hillige stat gekhomen/
^) Auch D. Lilie a.a.O. fuhrt an: „De koninck gaff em geloven,
dan ein deil mistwivelden daran, bevulbordeden nochtan datsulvige mit em,
dat deVader em uth der gefencknisse geholpen hadde, umb kuntschop to
geven van den anderen broderen, de mit em uthgesandt weren.''
^) Nach H. Gresbeck S. 94f. war H. Graes schon früher unter
die Zahl der Propheten gerechnet worden.
*) Ganz ähnlich heilst es bei D. Lilie S. 253: „Dan ein ider kan
wol dencken, wu em to herten gewest is: wanner gefangen dar enbinnen
hedden gekomen, de kuntschoff van em gefort hedden, moste he eine grote
yhar hebben gestain. Dammme ilede he in sinen ansclegen, dat he orsake
mochte krigen, darmede he wedder uth der stadt mochte gesandt werden.^
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728 Anno 1534 acta.
a Patre divinitns revelatnm esse, nt christianos fratres Wesaliae,
Daventriae, Amstelrodami et per totam Grermaniam inferiorem
dissipatos in nnnm exercitmn ad liberandam nrbem colligat; se
aliqnot millia armatorum in omninm principnm Oermaniae inter-
necionem et nrbis Israheliticae liberationem coactnmm ; se illnm
fore, qni noyam Hyerosolymam abactis hostibns ab obsidione
liberaturus sit; se certa fidncia rei feKciter conficiendae fretum
in gratiam confratram snorom hanc peregrinationem libenter
"p. 5<5i. snsceptumm et hoc pericnlnm *sponte sua Patre volente snb-
itnmm ; omnes fratres ad praesidium ferendnm esse paratissimos,
si saltem certo indicio regis animmn cognoscant^ Bege itaqne
anctore et extimnlante Wesaliam atqne in alias civitates eodem
schismate infectas se profectnmm recipit, ut confoederatomm
nnmerum suo dogmate, cum propheta a rege haberetnr, angeat,
illnstret et confirmet, hinc eosdem in praesidium novae Syonis
ad arma concitet. Fidei autem plenioris faciendae gratia scriptum
illi annulo signatorio maiori regis munitum traditur in haec
verba *:
„Nos Joannes rex iustus novi templi et minister Dei al-
tissimi omnibus et singulis christianis fratribus foedere nobis
consociatis Ms nostris scriptis notum facimus, quod hunc gram-
matopborum Henricum Graes, prophetam Patris coelestis inspi-
') Vgl. zur Sache das Bekenntnis Bernh. Krechting's vom 25. Juli
1535 (M. G.-Q. II, 380), nach dem H. Graes gesagt, „dat hy van dem
Vader der gefenckenis verlost wer, und dair neist verkündigt hy oen ein
onteillich volck, und das so voel, als der stemen in dem hemel und des
zantz in dem meher wer, erweicken, dieselve to sampt den steden als Wesel,
Amsterdam, Deventer und ander oen bystaen und to hulp komen solden.*
Johann v. Leiden gesteht am gleichen Tage (M. G.-Q II, 373), wie H.
Graes geäufsert habe, „hy die brueder in dem Watterlande und sus aller-
wegen upbrengen und sie dair raede ontsetten wolde." Nach Enipperdol-
ling's Aussage (M. G.-Q. II, 378) hatte H. Graes erzählt, „wie hy in einer
Visionen und getuegnifs gesien heb, dat vuel volcks hy ein ander komen
und sie erloefsen solde, und dat hy dair hinnen reisen und up ein seker
ure by sie sin moeste." Vgl. auch L. Hortensius S. 40.
*) Nur durch Kerss, überliefert. In der Instruktion für Worms heifst
es: „Also hat ime der koninck zergelt geben und mit zweien anderen sampt
eynen pitscher und ander warzeichen aufs der stadt bei nechtlicher weill
vergleitet. •*
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Anno 1534 acta. 729
ratione illustratam, anctoritate nostra ablegaverimns, nt fratres
passim per Germaniam dissipatos in regni nostri angmentom
verba yitae doceat et in iinum coUigat reliquaque mandata Dei
nostraqne sibi commissa exeqnatnr. Bogamns itaque, nt hnic
non aliter, qnam nobis ipsis in omnibus, qnae ad causam no-
stram pertinent, fidem habeatis certissimam. Scriptum Mona-
sterii in civitate Dei et signo nostro corroboratnm anno aetatis
nostrae 26, regni vero nostri primo, secnndo die primi mensis
post incamationem lesu Christi, filii Dei, anno 1535."
Grasins bis scriptis trecentisque florenis munitns egre-
ditnr \ Et cnm aliquot armati oppidani iussu regis et ex com-
posito in una parte urbis castra irritarent milesque iis repel-
lendis esset intentus, in alia parte duorum ministrorum ductu
militibus non sentientibus castella praeterit. Ita elapsus fidei,
quam principi dederat, memor a ministris suis sese subducit
et Iburgam in feriis praecidaneis Trium Eegum anno 1535 ad^j.'J*'»-
principem fidem suam liberaturus redit* atque ibi omnia regis
*) D. Lilie S. 253 spricht unbestimmt von einer „snmmen van gülden
to siner noittrofft." „Himicus Grafs," bekennt Johann v. Leiden fJ. Nie-
se rt: U.-S. I. S. 180), ^hefft 200 g(ulden) mit sick genomen, etzlich an-
schlegc to maken/ Vgl. auch M. G.-Q. II, 373. Dieselbe Summe nennen
auch Knipperdolling und Bemh. Krechting und fügen hinzu, man hätte
ihm auch 1000 Gulden gegeben, wenn er sie verlangt hätte (J. Niesert
a.a.O. S. 189 und M. G.-Q. II, 378 u. 380). Auch H. G res heck S. 116
redet von 200 Gulden. Er weifs auch von einem weifsen Fähnlein zu be-
richten, um das H. Graes die Anhänger der Wiedertaufe scharen und dann
nach Münster zurückkehren sollte. „Mit diesem Witten fentlein, dat dat
solde Henricus hebben mede gehat, do hei lestmail uth der stat toich . . .,
datselve sachten die gemeine wioderdoepers in der stat Monster. Wehr
dat so geschehn ifs, dair en khan ick nicht enckede von schriven.''
'} 5. Januar. Dasselbe Datum bei D. Lilie a. a. 0. Doch schreibt
der Bischof bereits am 4. Januar aus Iburg nach Köln und Cleve (Konzept
im St.-A. M.): „. . . doch ys ho ungeverlich yn veer dagen(?) weder uth
der Stadt an uns gekomen.** lieber die Flucht des H. Graes aus Münster
vergl. auch H. Gresbeck S. 117. Als seinen Begleiter nennt L. Hor-
tensius S. 46 f. einen Joh. Nottel und berichtet, wie dieser, nachdem er
von seinem Gefährten im Stiche gelassen war, sich zunächst nach Deventer
wandte und von dort nach Münster zurückkehrte. Ein Brief, den H. Graes
bald darauf in die Stadt sandte, ist abgedruckt M. G.-Q. II, 296. S. dar-
über auch H. Gresbeck S. llSf. S. auch den fingierten Brief des H. Graes
und die Anrede des Königs an das Volk bei L. Hortensios S. 47 fif.
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730 Anno 1534 acta.
nrbisque arcana prodit* et quae sint anabaptistaram secretiora
symbola, qui cives Wesalienses regi Monasteriensi foedere sint con-
sociati qnidve illi in animo habeant, quid Daventriae, quid Äm-
stelrodami ac in aliis inferioris Gennaniae civitatibus hnius fa-
rinae homines in perniciem bonorum meditentur, in quibus aedi-
"p. 562. bus et cellis arma clanculum congesta *adserventur, quas ciades
ehristianomm agitent, quos motus quaeve latrocinia secum ver-
sent, ut occisis passim magistratibus urbes et respublicas sibi
subiiciant, ut asylum omnium scelerum et sceleratorum, omnium
flagitiorum et flagitiosorum obsidione Kberent, ut schismaticum
venereumque suum regnum pietate, pudicitia et omni obedientia
profligata quam latissime propagent atque dilatent^
Princeps haec omnia duci luliaco aliisque principibus et
8. Jau. oppidorum magistratibus in initio nempe 8. die lanuarii anni
1535 per literas significat-, ut sibi accurate prospiciant et pul-
lulascenti adhuc malo resistant, simulque efflagitat, ut, si forte
Henricum quendam Grasium anabaptismi nomine apprehenderint,
supplicium illius dififerant, donec sibi eins rei indicium faciant*;
nam in huius captivitate plurimum esse momenti et sibi et rei-
a) Im Ms. fehlt das Verbum finüum.
0 Ein Bruchstück der Bekenntnisse des H. Graes aus dieser Zeit
hat sich erhalten im St.-A. M. M. L. A. 518/19 V. fol. 109 und ist abge-
druckt von J. Nies er t: ü.-S. I. S. 146 ff. (Verbesserungen dazu M. G.-Q.
II, 416). Vgl. auch die Bekenntnisse der Weseler Wiedertäufer vom Jahre
1535 bei K. W. Bouterwek: Zur Literatur u. s. w. (in der ^Zeitschr. des
Bergischen Geschichtsvereins" Bd. 1 [Bonn 1863] S. 360 ff., Separatabdruck
S. 81 flf.). Weitere Aussagen des H. Graes bietet die Instruktion des Bi-
schofs für Worms. S. darüber weiter unten zum Jahre 1535 bei Gelegen-
heit der Wiedertäufer-Unruhen in den Niederlanden.
') Vielmehr, wie eben angeführt, nach Köln und Cleve bereits am
4. Januar. Aussagen des H. Graes über Geldsendungen der Münsterer nach
Wesel und Köln zeigt der Bischof am 11. Jan. dem Kurfürsten von Köln
und dem Herzoge von Cleve, am 12. Jan. dem Landgrafen von Hessen an
(Konzepte im St.-A. M.; s. auch M. G.-Q. II, 304 f.).
') Ein Schreiben des Bischofs vom 3. Januar bittet die Fürsten,
Grafen, Herren und Städte, „zo ze ejnen, Henricus Graefs genompt, un-
fertigen (?) verfolgen unde anklagen werden, denselven uns to gefallen yn
verwarynge antonemen unde uns to unsen wy deren gcsynnent to rechte to
holden^ (Konzept im St-A. M.).
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Anno 1534 acta. 731
pnblicae. Timebat enim princeps, ne illo interempto anabap-
tistici flagitii consortes non proditi ünpnniti remanerent et con-
cnrsu tandem facto se cum omnibus copiis ab obsidione pelle-
rent. Inde duos itineris comites anabaptismnm quoque simu-
lantes Grasio adiungit, qnorum alter Joannes Swerthen, qni nrbe
relicta in ea nxore excesserat, quae et pedes et eques armata
virago plus quam viri officiam in repellendis hostibus saepe
exercuerat*; alter vero scriba fnit Mauritii ab Amelunxen no-
bilis^. Sed cum hi essent huius schismatis ignari, Grasium
sectantur, illius mores imitantur et effingere discunt, illum pro-
phetam appellantes venerantur et suspiciunt, illum observant,
ab illo tanquam magistro suo toti pendent. Hie ergo Wesaliam
cum discipulis suis iussu principis ire contendit et ostensis ibi
regiis literis et symbolis quibusdam secretioribus se in quorun-
dam magni nominis civium familiaritatem et consuetudinem,
quos eiusdem farinae esse cognoverat, insinuat; qui cum se in
regis Monasteriensis liberationem collatis in certas aedes variis
armorum generibus suggestione Grasii armassent, ab eodem pro-
diti sunt. Quae res ingentes Wesaliae motus concitavit. Dux
enim luliacus reprimendae seditionis causa cum aliquot equitum
turmis quinto die Aprilis anni 1535 oppidum ingressus 13. eins- "-j^f^
dem mensis Ottonem Vinken, Wühelmum Schlebusch et alios
quatuor non contem*nendae auctoritatis cives, seditionis capita, »p. 563,
decoUari et extra muros sepeliri iussit. Reliqui vero retincti,
quorum magnus erat numerus, ipsa dominica lubilate, quae fuit
^) Vom 3. Jan. datiert ein Befehl des Bischofs an Wilkin Steding,
in dem es heifst: „So zick Johan Swerten elige huisfrow uth Munster be-
geven werde, ys unse bevell, dat dn de alsdan gelejtlich holdest, ock dar
anne zyst unde by anderen hoepludcn bestallest, derselven frowen gyn leit
edder overfaU gesche, snnder velich unde ungeleit to passeren gestadet
werde." Durch diesen Befehl belohnte der Bischof die Dienste des einen
Begleiters des H. Graes.
') Denselben nennt auch D. Lilie S. 254, aber als einzigen Ge-
fährten des H. Graes nach Wesel. In einem undatierten Schreiben des
Bischofs an seine Räte (Konzept im St.-A. M. M. L. A. 518/19 Y. fol. 109«)
werden als solche angegeben Hermann v. Mengersen's Schreiber und
Job. Swerten. S. auch den gleich anzuführenden Bericht des H. Graes
über die Wiedertäufer in Wesel und das Schreiben des Bischofs nach
Kassel vom 12. Januar (M. G.-Q« II, 304 f.).
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732 Anno 1534 acta.
^^535*^* 18. Aprilis, gratiam ea lege a principe conseqaebantnr, ut lin-
teis albis circmndati in publica Instratione coemiterinm circnm-
irent et integro sacro stantes interessent *. Hac publica igno-
minia omnia superiora crimina expiantur, atque ita in gremium
ecclesiae catholicae recipiuntur. Grasius bis actis ad suos re-
versus reliquos vitae dies in pace transegit.
Ut autem narratio ad id, unde digressa est, revertatur, in
Octobri quidam miles ab oppidanis eruptionem facientibus in
conflictatiuncula captus et in urbem abductus carceri plebeo sub
curia mancipatur; ad quem rex scitatum mittit, an verbum Dei
continuo amplecti velit? At miles, quodnam sit illud verbum
Dei, quod in urbe amplectantur, inquirit; sibi non aliud videri,
quam stupra et adulteria foedissima sectari. Hoc miUtis re-
sponsum cum regi nunciaretur, rex stupore mentis se corripi et
spiritu conturbari simulat iraque fremit et excandescit militem-
que protinus ad se e carcere in forum protrahi iubet, protractum
ipse suis manibus mandante Patre ob contemptum verbi Dei et
urbanae religionis gladio ferit*.
*) Ueber H. Graes' Auftreten in Wesel haben wir dessen eigenen
Bericht, den der clevische Rat Hermann v. Wachtendunck am 19. Jan. 1535
dem Stadtrat zu Wesel übersandte. Er ist abgedr. bei K. W. Bouterwek:
Zur Literatur u. s. w. a. a. 0. S. 385 flf., resp. S. 106 if. Schon Bouterwek
hat auf die Wichtigkeit der Bekenntnisse der Weseler Wiedertäufer hin-
gewiesen und Auszüge aus den Gerichts-Protokollen der Monate Januar bis
März 1535 veröffentlicht. Weiteres reichhaltiges Material befindet sich im
St.-A. Düsseldorf. Zur Sache vgl. auch L. Keller: G. d. W. S. 157 flf. —
Die von Kerss. angeführten Daten für die Hinrichtung des Otto Vinck,
Wilh. Schlebusch u. A. sowie die Begnadigung der anderen Angeklagten
wird durch die Weseler Ratsprotokolle bestätigt. In Bezug auf die Ver-
bindung zwischen Münster und Wesel seien noch folgende Stellen aus den
Aussagen des H. Graes (bei J. Niesert a.a.O. S. 146 u. 149) angefahrt:
^Daer is geschreven bynnen veerthein dagen in Wesel uth der stadt Munster
an einen erfman Havemester offt Lantdroste genannt, wonhafftich bjnnen
Wcsell, dat se sick solden versorgen mit proviand vor ein jaer ofiFte twe to
behoiff der van Wesell, und dat he solde bestuiren bynnen Wesell bussen-
kruith und loith, dat et alle bereit wäre, want noit dede, want se der
meinong sint, dat sulve antorichten, als et bynnen Munster
is angerichtet „Enippinch b3mnen Wessel is gedoipt und is der van
Munster ehr doin und laten ; an den schicken de van Munster dage-
lychs boden und breve.** Vgl. auch M. G.-Q. II, 293.
*) Fast wörtlich dem Bekenntnisse des Werner Scheiffart vom U.
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Anno 1534 acta. 733
Circa haec tempora cum pner qnidam ^ decem propemodum
annornm radices atqne olera sedandae famis causa snbtraxisset,
in forto deprehenditnr et ad postem religatns a singulis scho-
larmn magistris, qni tnnc erant in nrbe, in praesentia snorum
discipnloram ad sanguinis effusionem flagellatur. Sed cum in
idem flagitium relaberetur, in monte Sjonis vel campo dominico
ad quercum suspenditur ; ubi vero fracto funiculo decideret, ita
attonitus et perculsus stetit, dum restim finniorem carnifex
afferret, quo iterum suspensus interiit.
Mulier etiam quaedam \ cum caraes equorum in creopolio
distribuerentur, bis subdole exegit carnes. Quae res cum pro-
deretur, rex eam infamiae causa in macello strictum teuere gla-
dium per horas aliquot iussit, atque hoc publice dedecore mortis
poenam expiavit.
In Novembri Conradus Insulanus ac Joannes Ketteil Ty-
lanus ""cum aliis quatuor commilitonibus suis stipendii faciendi *p. 564.
causa in castra ventitant et, cum sibi episcopi militia negaretur,
recta in urbem ad regem abeunt*. Qui: „Vosne sex," inquit,
„urbem nostram nunc capitis, quam praeterita aestate decem
millia vestrum capere non potuerunt? Quae est adventus vestri
causa? Qua spe, qua fiducia freti huc non vocati moenia nostra
subitis, cum stipendia a me praeter victum et vestitum nuUi
militum assignentur?" Ad haec milites se fidei defendendae
causa ad regem confagisse respondent neque amplius quicquam,
quam aliis suis militibus sit datum, postulare. Ad quae rex:
an hoc ex animo loquantur et super ista agnitione baptizari cu-
piant? Sespondent se non solum baptizari, verum etiam extrema
Dezember (M. G.-Q. II, 2ifb) entnommen. Schon G. A. Cornelius hat
M. G.-Q. II. Einl. S. 54 darauf hingewiesen, dafs diese Erzählung von der
Hinrichtung eines Landsknechtes nur eine andere Relation sei von dem
Berichte einer gleichen That des Königs w&hrend des grofsen Abendmahles
am 13. Oct., die Kerss. oben S. 702 f. nach verschiedenen andern Quellen
anfuhrt.
^) Das Folgende nur durch Kerss. bekannt
*) Dieses und das Folgende fast wörtlich nach den Bekenntnissen
des Gort Tan dem Werde und des Joh. Kettel yan Tiel vom 6. Dez. 1584
(M. G.-Q. Uj 289 ff.). — Gort ▼. d. Werde sagt, »dat se mit willen sint in
Munster gdopen, dan he sy dmncken gewest**
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734 Anno 1534 acta.
pericula et quamlibet fortunam cum ipsis experiri velle. Inde
post longam admonitionem baptizantur *. Hinc regi quaerenti
castroram mnnitiones, numemm militum et tonnentomm omnia-
que secreta enunciant^ Et cum rex de glandium porcorumque
pinguium copia inquireret, respondent: intra viginti annos tan-
tam neque glandium ubertatem neque porcorum bene sagina-
torum rusticis copiam, quam hoc anno fuisse. Ad quae rex:
„Comedant illi farcimina, nos vero lardo fruemur^!"
27. Nov. Quae res cum principi innotuisset, 27. Novembris satrapis
praefectisque passim per dioecesim edicto praecipit*, ne quic-
quam militum sine suo aut Wilkini Stedingi commeatu in dioe-
cesim admittant neque egredi patiantur. Timet enim princ^ps,
ne, si libertas ultro citroque commeandi militibus vagis per-
mittatur, plures sint futuri, qui nihil pensi pietatis habentes
idem, quod hi sex, facturi sint.
Post dies aliquot cum Insulanus atque Tylanus aliique
oppidani in hostem impetum facerent et imprudentius quam
6, Dez. cautius pugnarent, capti sunt atque ipso die Nicolai quaestioni-
bus atque tonnentis subiecti fatentur*^: Oppidanos in singulos
dies eruptionem violentam in proximos quosque pagos commeatus
adferendi causa meditari; in eins rei usum duo signa miütaria
*) Im Bekenntnis des Cort v. d. Werde: „Do heft he en uth einem
boke voele laiten verlesen, se wetten nicht, wat dat was, und h ebben se
dairnp gedopet."
*) Im Bekenntnisse: „Item de konninck heft em mechtig gefraget
na gestalt der blockhueser, und wu starck se sint, und war men et up dat
beste doen konde; dair hebben ze em algelech van gesecht."
«) Aus dem Bekenntnisse des Job. Kettel van Tiel (M. G.-Q. II, 292).
*) Aus Warendorf. Konzept im St.-A. M,
^) Am 6. Dezember. Eerss. giebt im Folgenden nur einige Geständ-
nisse des Job. Kettel van Tiel wieder, üeber den Grund, weshalb sie
Münster verliefsen, sagt Cort v. d. Werde aus, er w&re „mede uthgelopen
mit den anderen der meinonge, se wolden 4 of 5 dairin halen, de wüsten
de andern, mit summiger provande." Die von Kerss. nicht mitgeteilten
Aussagen beziehen sich meist noch auf Anschläge der Münsterer, Proviant
in die Stadt zu bekommen. Uebrigens gesteht Cort v. d. Werde, „men heft
en gude kost gegeven tor noittrofft und hebben en dair by gesecht,
so hebben speckes genoch went tho Paeschen.*'
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Anno 1534 acta. 735
ab ipsis esse facta ^. Item quatuor cum mnltis pecnniis et li-
bellis quibusdam in nrbe excnsis in Phrisiam atque Hollandiam
commeatus emendi et seditionis concitandae gratia ablegatos,
qnorum reditnm magno *desiderio expectent^ Item qningentos »p. 565.
homines singnlis noctibns agere vigilias, qnornm qnadraginta in
singnlis portis, qnae et noctes et dies pateant propylaeis saltem
clausis, excnbent \ Item quosdam audacissimos oppidanos mntato
habitu saepe urbe elabi et castra hostium clanculum praeterire
famosasque pernas et gallinas viventes vel Oldenberga vel aliunde
allatas in castris Egberti Devereni explorandi gratia* hostibns
fucnm non sentientibus divendere et salvos in urbem redire.
Item mnlieres, quamvis sexies virornm numernm exnperent, ita
inter viros esse distractas, nt nullae iam ampHus innnptae praeter
*) „Dat eine** (venlin) „heft Kint van Oldensel; dat heft he in der
hant gehat," setzt Joh. Kettel hinzu, der von einem beabsichtigten Aus-
falle „tusschen Lentzen und Egbertz blockhusern hen, umbtrent 2 mile"
zum Zwecke des Proviantholens spricht.
*) Joh. Kettel erwähnt noch ; „De hebben sick tho Rheene edder tho
Eueren nige gekledet. Der eine is ein groit lanck man und het Albert
edder Beneventura de Beneventura, is na Freifslant; und de anderen drei
na HoUant, der wet he eren namen nicht." Auch W. Scheiflfart läfst (M.
G.-Q. II, 294) „vier mit grotem gelde na HoUant, Brabant und Freifslant
um proviande uthgesant" sein. Er macht unter ihnen nur einen als Peter
Simons namhaft, der nach dem Geständnisse des Dieners des Malers Ludger
to Ring vom 23. Dez. (s. weiter unten) bald wieder nach Münster zurück-
kehrte. Vergl. auch die Bekenntnisse des Zillis Leitgen (bei J. Niesert;
U.-S. I. S. 137 f.). Die Bücher, die den Ausgesandten mitgegeben wurden
(Joh. Kettel sagt „veele boeke und breve, de se en wech brengen solden;
wat de innen beiden, dat is em unbewust"), waren Exemplare der Roth-
mann'schen „Restitution." lieber die Vertreibung dieses Buches s. weiter
unten. Zur Sache vgl. noch H. Gresbeck S. 120 f.
^) Vgl. dazu oben S. 702 Anm. 1. Der Diener des Malers Ludger
to Ring, dessen Bekenntnisse vom 23. Dezember Kerss. gleich weiter unten
benutzt, sagt über die Wacht aus: „Alle nacht und dag waken vor jder
porten vertich, und gan dan ock noch etzliche van des konynges rede umb,
dat erer ungeferlich bj viffhundert waken; und die wacht gehet
stets in de derden nacht umb."
^) Im Geständnisse : „umme to beseen edder dat an to stecken, und
verhören alle gelech ,.," Von listigen Auskundschaftungen bekennt auch
Zillis Leitgen bei J. Niesert a.a.O. S. 145.
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736 Anno 1534 acta.
apostolorum a rege ablegatomm et passim interfectomm nxores
in nrbe relictas supersint*.
Hi, cum essent retincti, inre plectantnr.
Weraerus quoque Scheiffort ^ homo antiqui generis et stem-
matis, cum aliqnandin inter retinctos ispe retinctns yixisset neque
sibi dintias ratio vivendi in nrbe placnisset neque ea, qnae ad
5. Dez. Tiyendnm pertinebant, satis abnnde snppeterent, qninto Decem-
bris elapsns capitur ac nndecimo einsdem mensis adhibita qnae-
11. Dez. stione fatetnr^: Primnm oppidanos in feriis nataütüs fntnris
') Im Geständnisse heifst es nur: „Item dair sint ock nine ehe-
frouwen mer tho krigen, dan der gerichteden predicanten froawen, de sint
noch nicht verlovet." — Die Nachrichten aus dem Octoher 1534 über die
Einwohnerzahl Münsters s. oben S. 700 Anm. 1. Ich füge hier die Angaben
darüber aus der Zeit vom Dezember 1534 hinzu. W. Scheiffart sagt am
11. Dez. aus (M. G.-Q. II, 293), „das dabinnen in als von man und frauwen
personen darzu kindem ungeferlich zwischen acht und nenn dusent sein,
dere ungeferlich 1400 werhaftig.^ H. Graes bekundet im Jan. (J. Nies er t:
U.-S. I. S. 148): „Dar sint noch umbtrent waU 1300 maus und wall 6000
wyver, uthgenommcn noch kinder.*' Zillis Leitgen, der am 31. Dezember
Münster verliefs, gesteht am 14. Febr. 1535 (J. Niesert a.a.O. S. 143):
„Item de woren noch ungeferlich zehen oder elff hondert wehrhafftiger man.
Item dar woren noch 700 schoeler. Die metlin hait die koninckine ire
scholmeister inen zu verordent; sunst sint noch über zwey dousent weiber
dar bynnen.*' — Keine der erhaltenen Quellen rechtfertigt die Behauptung
Kerss.'s, dafs die Anzahl der in Münster anwesenden Frauen sechsmal
gröfser gewesen sei, als die der Männer.
*) Er hatte sich am 14. Mai 1534 nach Münster begeben. Vgl. oben
S. 510 Anm. 4. Ueber ihn bekennt Dionys. Yinne (M. G.-Q. 11, 275):
„Scheiffert sy binnen Munster und hebbe sust kein berel, dan he sy nn
lesten mit dem konninge gereden npt aventmail und hebbe eine schlechte
maget genommen thom wive.^ Job. Kloprifs sag^ von ihm (J. Niesert
a.a.O. S. 132): „Item er hab den Scheiüert in Munster gekant, und er
hette irstlich gewolt, das er darufs were gewesen, aber binden nach hielte
er sich stille; und er hab zu Munster ein frauwe genommen.*'
*) Die Daten entninmit Eerss. richtig dem Gest&ndnisse W. Scheif-
fart's. Dasselbe ist bruchstückweise in einer Kopie im St.-A. M. erhalten,
ans der es abgedruckt ist bei J. Niesert a.a.O. S. 150 ff. Yollstftndig
findet es sich aus einer Kopie im AichiTe zu Weimar in den M. G.-Q. II,
292 ff. yeröffentliebt. Kerss., der das GestAndnis schon oben benutzte, bringt
hier nur zwei Aussagen aus demselben bei, die sich auch bei J. Nieeeort
finden. Was er sonst als von W. Scheiffart geftnfsert hinstellt^ findet sich
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Anno 15o4 acta. 737
ernptionem in proximos quosqne pagos decrevisse et ad eam
rem HoUandorum praesidinm in singnlos dies expectare. Daces
etiam conscribendi exercitus gratia alieni principis nomine ab-
legatos esse \ Item omne frnmentnm in oppido regis mandato in
nnnm locnm convectnm esse, cni Bemardns Menneken praesit.
Item siliginem ad panem conficiendam hordeo conmiisceri \ Item
magnam puellarum multitndinem veneri adhnc inmiatnram foe-
dissime ita a nris salacioribus corraptam, nt maltae earnm inde
occnbnerint, quaedam vero a Knappen uxore chirnrgiam exer-
cente sanitati pristinae restitutae sint^. Item plebem snspicari
regem sese cnm anlicis quibnsdam snbdnctnrnm et eifdgitunim,
cum libros pecnniamqne emiserit. Qnod cum regi enonciatum
in der von ihm gebotenen Forni nicht in den Bekenntnissen Scheiffart's,
sondern in denen des Dieners des Ludger to Ring, aus denen Eerss. gleich
unten weitere Auszüge bietet
') Aus dem Geständnisse des Dieners des Ludger to Ring, wo es heifst:
„Erstlich, dat de von Munster der meynung sjn, dat se in dussen hil-
ligen dagen^ (das Bekenntnis datiert vom 23. Dez.) „willen uthfallen
und eine kercke berennen und dat volck, so se darin vynden, doethslaen.
Derhalven moth men gude wacht holden, in Sonderheit na Rocksell uth.
Ock meynen se, de Hollander werden se erstes dages entsetten,
und hebben sunst ock na knechten uthgesandt, de man under
anderer hern namen annemen und szolt geven saL** Der Wort-
laut im Bekenntnisse des W. Scheiffart, der zwar dieselbe Sache im Auge
hat, ist ganz anders (M. G.-Q. II, 294). Schon am 6. Dez. hatte Gort v. d.
Werde eingestanden, die Münsterer beabsichtigten, „umme nie iairen
hen uth to trecken" (M. G.-Q. II, 290). VgL zur Sache auch die oben
von Eerss. citierte Aussage des Joh. Kettel und die des H. Graes bei J.
Niesert a.a.O. S. 146.
') Aus dem Bekenntnisse des Dieners: „Item men hefft aUe l^om
uth den husem gesamblet und up einen hop gebracht und Bemdt Menneken
dar vuer vor einen oversten gesatt, und moth nymantz backen oder bmwen,
he hale dan dat mell van den verordenten; und datsulvige is gemenget
mit gersten melle." Aehnlich sagt W. Scheiffart (M. G.-Q. n, 293) aus.
Er nennt aber B. Menneken nicht, sondern spricht von vier Diakonen, denen
das Zusammenbringen und Verteilen des Korns übertragen war. Zugleich
berichtet er, „das vier diaconi verordent, die ein ider hnifs besichtigen,
wie sie mit profiand versorget, und wa se vU gefunden haben, darvon ge-
nomen und den andern verteilt^ Zillis Leitgen gesteht (J. Niesert a.a.O.
S. 143), „sie boucken roggen und gerst zusamen.^
') Aus den Bekenntnissen W. Scheiflart^s. Zur Sache vgl. oben S. 627 1
23
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738 Anno 1534 acta.
Sit, sese coram tota multitudine pnrgasse; se id in gratiam om-
nimn confratrum suorum fecisse \ ne liberationis medium a Patre
sibi revelatnm excutiat, non uti desertor fiat snosque in necessi-
tate destitnat; se enim tam adversa quam prospera commnni
"p. 566. * Sorte cum popnlo Dei latnrum.
Ludgerns tho Ringe, pictor sui temporis praestantissimus,
qni filiam nomine Hermannnm tho Binge se excellentiorem pin-
gendi artificem, symmetriae architecturaeqne peritissimum et
virum magni ingenii anno 1573 adhnc snperstitem habuit, ne
seditioso se scMsmate pollneret, nrbe excessit, sed ministrom
snnm isto malo infectnm neqne admonitiones salatares admit-
tentem intra moenia suae temeritati reliqnit. Qni postea schis-
23. Dez. matis pertaesus elapsus captns est ac 23. Decembris tormentis
adactus fatetur*:
Primum oppidanos eqninis carnibns vesci ac bonm vac-
carumqne carnes pro rege, lac vero pro infantibus et praegnan-
tibus conservari^. Item ante dies paucos tres aromatibus onu-
stos, quibus equorum carnes condiant, in urbem castris non sen-
tientibus reversos*. Item omnia apud oppidanos ad eruptionem
*) So weit aus den Bekenntnissen W. ScheifTart's. Der Diener des
liUdger to Ring sagt aus: „Ock ist dat gerume bjnnen Munster, wanner
dat gemeyne Yolck uthfalle, so wil der konig und Enipperdollinck sampt
iren anhang als koplude up der anderen sjden ock uthfallen und alle golt
und sylyer mit sick nemen.^
*) Die Gestandnisse des Dieners des Ludger to Ring haben sich im
St-A. M. erhalten und sind noch nicht veröffentlicht. Sie datieren vom
23. Dez. 1534. Die obere Ecke des ersten Blattes des Aktenstückes ist
abgerissen, so dafs wir nur den Vornamen Hermann, nicht den Familien-
namen des Dieners erfahren. — lieber die Malerfamilie to Ring vgl. J. B.
Nordhoff in Th. Prüfer's „Archiv für kirchliche Baukunst" Bd. 9 u. 10
(BerUn 1885 u. 1886).
^) „Item se mothen perde fleisch etten und hebben nicht mer dan
3 stige perde und hebben noch etzliche koie. De melck brücket men tho
kleinen kindem und swangem frouwen, und das fleisch werdt alleine von
dem konynck gespiset." H. Graes giebt die Zahl der Pferde auf 44, der
Kühe auf 300, Zillis Leitgen auf 96 resp. 220 an (s. J. Niesert a. a. O.
S. 143 u. 147, die Verbesserungen dazu M. G.-Q. II, 415 f.).
*) Nachdem der Diener berichtet hat, dafs Peter Symonson aus Fries-
land wieder nach Münster zurückgekehrt sei, fährt er fort: „Und gegen
den avent sjn ehme gefolget twe maus und eine fraw, de hebben gehatt
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Anno 1534 acta. 739
esse instructa, sed regia saltem mandata ipsos opperiri^ Item
ßothmannnm in publico conventn et concione dixisse omnes
reges, electores, principes, comites, magistratns ac nobiles totins
orbis ipsornmque nxores, filios et filias regi reginaeqne novae
Syonis subditos et pedisseqnas fore K Item Grasinm solam apo-
stolorum reliqnis interemptis reversum regi faisse carissimum et
magnae anctoritatis prophetam'. Item regem aliqnot vasa con-
tusis carbonibns referta pro pulvere tormentario plebi de eins
pennria qnerenti ostentare*. Item oppidanos suggerente rege
sibi persoadere episcopnm anabaptismom scriptis snis appro-
basse ipsnmqne consortem imperii posse ferre et regi profanam
administrationem libenter permissnrum, si sibi ecclesiastica non
adimatnr^ Et alia inepta risaqne digna fatetar, quae perlongum
einen kramkorff vol pepper, spise, krut, sucker und allerlej kruth gehatt,
damit men de perde kecken solde, und was wol 4 edcr 5 hundert gülden
wert gewesen."
') „Item se hebbcn einen geweidigen und einen verloren hupen ver-
ordent und alle gewere togerustet und gewarten des konjnges gebot, dat
se uthtrecken sollen.**
*) Diese Aeufserung Rothmann's findet sich nicht in dem Bekennt-
nisse des Dieners, wohl aber in dem des W. Scheiffart, doch behält dort
Rothmann die Dienste der Könige u. s. w. nicht nur dem Könige Johann
und der Königin vor, sondern neben diesen auch sich selbst und „siner
hufsfrauwen« (s. J. Niesert a. a.O. S. 153 und M. G.-Q. II, 295 f.).
') Ueber H. Graes berichtet der Diener noch weiter, er hätte „pro-
phetert, wie dat in des capittcls camem solde ein groth schat begraven
syn. Derhalven se dan eine grote kulen gemaket und den schätz gesocht,
averst nichts gefunden. Und Knipperdollinck hefft den greveren de luchten
gehalden. Ock hefft he gesagt, wu dat Got ehme in sjner gefengnifs hebbe
openbart, he solde an sjnen hals tasten, so solde dat isem dar van springen,
und solde sick alsdan mit einer spetzen uth dem thom lathen; denn he
also gedan. Ock sj des Yaders wille, he solle noch kortz wedderumb vor
den bisschop komen. Wanner ock der konig utthtehen werdt, soUen ehme
alle buren underdenig sjn.**
*) So der Diener. Zillis Leitgen bekennt a. a. 0. S. 143: „Sie haven
locde genoich, aver nit vill pulvers, dan sie machen noch pulver, aver mit
gebrauten wyne, dewyle sy nit vill zwefels haven.** H. Graes a.a.O. S. 149
sagt aus: „Dair sint noch bynnen Munster umbtrint 7 tunnen krudes, de
ick gesehen hebbe.**
^) So die Aussage des Dieners. Seine sonstigen Angaben bieten
nichts wesentlich Neues, es sei denn, dafs er berichtet, wie ein Einkönmi-
23*
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740 Anno 1534 acta.
esset chartis committere. Solns antem horum Scheiflfort et ami-
comm et generosi sanguinis ope liberatnr^
Circa festnm Nativitatis magnns Daventriae motns ab ana-
baptistis excitatur, qni varia annornm genera paulatim ita, nt
nemo animadyerteret, in aliquot aedes civium congesserant, qui-
bus ad caedem bonorum et occupandam urbem uterentur, inde
Monasterium ab obsidione liberarent. Sed cum res proderetor,
Joannes a Wintzum, consulis filius, cum aliis tribus civibus
capti et in Brinco (sie enim forum yocant) praecisis capitibus
• p. 567. extra muros se*pulti suo exemplo motum represserunt '.
Bex interea iuyentutem urbis yariis agilitatis et militiae
studiis exercet nunc iaculando, nunc pugnando, nunc currendo,
nunc saltando. Interdum eam in dissidentes et quasi hostiles
eiercitus partitur, qui composita utrinque acie per iocum con-
currunt. Interdum longum agmen in gyrum contorquet; hinc
idem illud explicat et in phalangem dispositis utrinque comibus
deducit, inde rursus in cuneum contrahit diversasque aciei for-
mas effingit^ Interdum currus falcatos regiis insignibus exor-
ling in Münster verbreitet, der Bischof habe für den 20. Dezember einen
Sturm auf die Stadt geplant.
') Er starb am 12. Juni 15!>3. Siehe J. Habets: De Wedcrdoopers
te Maastricht (Roermond 1877) S. 230.
*) Zur Sache vgl. C. A. Cornelius in den „Abhandlungen d. hist.
Kl. d. Egl. Bayerischen Akad. d. Wissensch.'' Bd. 11 Abtlg. 2 (München
1869) S. 66. — H. Graes hatte die Münsterer auf Hülfe auch von Deventer
her verwiesen (s. oben S. 728). Da, wo H. Gresbeck berichtet,, dafs der
König dem H. Graes ein weifses Fähnlein mitgab, fugt er hinzu (S. 116):
„Datselve solde Henricus laten flogen binnen Deventer up
dat marckede of up dem brienck, dair solden sick die wieder-
doepers under geven.^ „Jacob van Wynssem, burgermeister bynnen
Deventer,'' heifst es in den Aussagen des H. Graes (J. Niesert a.a.O.
S. 149), „is gedoipt und hefft eine suster bynnen Munster."
") Vgl. dazu den Bericht H. Gresbeck's S. 122: „So Ket der ko-
ningh alle wecken alle die maus einmail up den doemhof khomen mit irem
gewer und geweidigen hoep und mit irem verloren hoep und giengen dair
in die schlach orden und deden so eine schlacht tegen einander, recht wie
sie an die feiande weren, dat sie wolden leren, wie dat sie sick solden
hebben, ofte sie schier ofte morgen solden ein schlacht doin mit den feian-
den. So heft sick al dat volck gerüstet, al dat werhaftigh was, und hedden
sick utfa genistet glick wie ein hoep lansknecht . . ." Vgl. auch S. 126 u. 138f.
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Anno 1534 acta. 741
natos, nt erant edocti, provehnnt, qnos ipse rex cum expedita
invenum mnltitndine per iocum saepe singulari certaminis genere
oppugnat atqne ita snos exercet, nt adversns hostes, si qnando
eniptionem Ms curribns, sicut decreverat, facturus sit, instruc-
tiorem contra omnem pugnae aleam exercitum habeat K Sed cum
equos paulatim cogente necessitate in cibum verterent, propt^r
eorum penuriam horum curruum usus esse desiit*. Quare in
partes distracti in sununi templi angulos coUocantur, ubi post
captam urbem inveniuntur.
Comitia Confluentina obsidionis causa habita.
Cum iam tempus comitiomm habendorum instaret ac le-
gati quatuor electorum Moguntini, Coloniensis, Trevirensis ac
Palatini, nee non ordines et consiliarii trium provinciarum, sei-
licet Bhenanae, Inferioris et Westphalicae, ad petitionem episcopi
Monasteriensis ad diem Luciae*, quae fuit 13. Decembris, Con- is. Dez.
fluentiam convenissent*, episcopus autem, cum difficillime obsi-
•') Ms.: Limae.
*) Von der Wagenburg sagt Bemh. Krechting am 25. Juli 1535 aus
(J. Niesert a.a.O. S. 193): »Item up des konigs propheteren, das se
fiolden up Paschen erloset werden, hebben se ehre wagenborch gemacht in
meynuiig ehren brodern under ogen to thehen." In der Fassung des Be-
kenntnisses M. G.-Q. II, 380 heifst es, „uit angeven des vursz. Graefsen
hebben se dat wagenborgh verordent to macken . . ." Eine genauere Be-
schreibung der Wagenburg liefert uns H. Gresbeck S. 123: »So hebben
sie die wagenborgh tho genistet und hebben dair geschuit in laten macken
von lialven schlangen und von falckenetten und halve falckenetten und
schrappcntmers und hebben ouck laten gietcn eine heile veltslange und
hedden ouck up karen geschuit gemacket, recht wie orgelpipen, die bei
einander stonden, von heilen hacken ... So hebben sie die wagenborch
nicht groter gemacket, dan von vieftehn ofte sefstehn wagen, wante sie en
hedden des holtcs nicht, dat sie eine groetter macken konden . . .^
■^) „De wagenborch, so se angericht," sagt Sybbeken Frese am 19.
April 1535 aus (St.-A. M.), »hebben se affgestalt umb gebrecke der perde.**
') Vgl. oben S. 684 f. Eerss. hat keine Kenntnis von den Verhand-
lungen, die dem Tage zu Goblenz vorhergingen. Bereitwillig war der Herzog
von Cleve auf das Hülfsgesuch des Bischofs Franz vom G. September ein-
gegangen und hatte am 11. Sept. erklärt, er halte es für gut, dafs nicht
nur der niederrheinisch-westfälische, sondern auch der oberrheinische und
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742 Anuo 1534 acta.
dioni ipse abesse uon possit, loannem a Dockheim cognomento
Preiss, lodocum Eulandum archigrammateum, doctorem, Her-
mannmn a Mengersen, satrapam Snalenbnrgicnm, Temmonem
ab Hoerde, anlae episcopalis hipparchmn, ac Eberardnm ab Elen
a secretis eo sno nomine ablegat. A capitnlo vero primario,
eqnestri ordine et dioecesi Monasteriensi Eotgerus Smisinck,
scholaster aedis maioris, homo apprime doctns, Gerardns Morrien,
dioecesis hipparchns, ac Wilbrandns Plonies, consul Monasteri-
ensis nrbis, mittuntnr. Qui cum eo venissent et ad coetmn
principnm legatornmque admissi fuissent, ibi nomine stii prin-
cipis per oratorem gratiis actis referunt ^ : Qnod horrendum ana-
sachsische Kreis zur Unterstützung herangezogen würden. Doch kam es zu-
nächst nur zu einer Yersammluiig einiger Stände des niederrheinisch-west-
fälischen Kreises zu Köln, die in ihrem Abschiede am 26. Octoher die defini-
tiveEntscheidung auf einen erweiterten Kreistag im Dezember zu Coblenz
verschoben. Inzwischen hatte sich der Bischof erst durch Vermittlung des
Erzbischofs von Köln, dann selbständig um Hülfe an die Kurfürsten von
Mainz und Trier und von der Pfalz, weiter an Burgund und Lüttich, am
16. October auch an die kaiserlichen Gesandten in Fulda gewandt. Durch
den Einflufs Cleves hatte zwischen dem Bischöfe und dem Kurfürsten von
Sachsen eine Annäherung zu Anfang November in Essen Statt gefunden.
Auf einer Versammlung zu Oberwesel war es dem Landgrafen vou Hessen
nicht gelungen, die Kurfürsten von Mainz, Trier und der Pfalz zu einer
ausreichenden Hülfe für Münster zu bewegen und damit die gröfsere Ta-
gung der Kreisstände in Coblenz zu verhindern. Die Kurfürsten beschlossen,
die Entscheidung in Coblenz abzuwarten (Abschied vom 16. Nov.); erst
danach hat sich der Landgraf entschieden, auch seinerseits den Tag zu
Coblenz zu beschicken. Die Beteiligung des niedersächsischen Kreises war
durch die ablehnende Stellungnahme des Herzogs Georg von Sachsen ver-
hindert worden. Nur Kursachsea, das keinem der Kreise angehörte, nahm
freiwillig an den Beratungen Teil. Zur Sache vgl. L. Keller: G. d. W.
S. 262 ff. und in der „Histor. Zeitschr.« Bd. 47 (1882) S. 482 f.
*) Im Folgenden giebt Kerss. eine Uebersetzung des „Abschiedt der
vier Churfursten am Rhein, auch der Reynischen, Niderl endischen und West-
feilschen kreyfs Stenndt, Botschaftten und Rhet, so . . . auff dem tag Lucie
Anno etc. xxxiiii zu Coblentz erschienen sein** vom 26. Dez. (s. P. Bahl-
mann: Bibl. 1534 Nr. 8). Auf dem Tage waren 34 Reichsstände ver-
treten. Die Namen der Gesandten sind auch dem Drucke des Abschiedes
beigefügt. Nach einem Schreiben der Münsterschen Räte zu Coblenz vom
17. Dez. an den Hofmeister Friedrich von Twist (Orig. in der Bibl. des Alter-
tumsvereins zu Münster Mscr. 101) kamen dieselben erst am 15. Dez. zum
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Anno 1534 acta. 743
baptistanim schisma snperiori Quadragesima in civitatem Mona-
steriensem aliaqne circnmfusa op*pida et territoria irrepserit, et*p. 568.
nisi divina ope repressum fuisset, sine dubio illud in cladem
multonim et avitae religionis interaecionem latins serptnrum
fuisse. Monasterienses vero tarn in contemptnm privatae admoni-
tionis a caesarea maiestate factae quam in Indibriam publici
illicis edicti adversas imperii signata conventa, adversus publi-
cam pacem, adversns iusiurandnm, adversns pacta et sollicita-
tiones snas coUegia ac templa profanasse, antiqnas et laudabiles
ceremonias ac cultnm divinum profligasse, inusitatos mores sub-
stituisse, libros, literas tam signatas quam non signatas, instru-
menta et scripta publica magno totius reipublicae malo partim
discerpsisse, partim flammis exussisse, omnem magistratum tam
ecclesiasticum quam profanum contempsisse totumque politicum
ordinem evertisse ac in nihilum redegisse, multorum civium
bona ipsis pulsis diripuisse eademque communia inter se fecisse \
ignotum quendam sarcinatorem regem, qui se Syonis et novae
Hierosolimae regem appellarit, creasse, sicut concionatores a se
urbe emissi, qnorum quidam flammis, quidam aquis, quidam
gladio transgressionis poenas dederint *, confessi sint, qui et hoc
adiecerunt: se a rege popularis seditionis passim concitandae
gratia ablegatos, ut innumerabilem et armatam eiusdem farinae
hominum multitudinem non solum in dioecesis Monasteriensis,
sed etiam totius Germaniae exitium et eversionem cogant, quae,
si per vires liceat, totum christianum orbem persuasura eumque
Omnibus principibus et magistratibus a fide sua abhorrentibus
gladio incendioque extinctis sibi subiectura sit. Haue impie-
tatem, haue rapinam, hoc flebile et per vim extortum bonorum
civium exilium, hanc denique plus quam cyclopicam immani-
tatem et barbaricam tyrannidem principem suum aegerrime tu-
lisse et, ne rem pessimi exempli in sua dioecesi aequo animo
tolerasse existimetur neque Germania ac tandem totus christianus
Vortrage, da sie „des maendages ander yngefallenen onderhandelong by den,
stenden angehört bleven."
') Die Vertreibung der Bürger und Verteilung ihrer Besitztümer ist
im Abschiede nicht erwähnt. — ^) Im Abschiede: „. .. die zum theil ge-
fangen und mit dem schwert gericht worden/
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744 Anno 1534 acta.
orbis negligentiae snae causa in vitae, animarum et bonorum
irreparabilem cladem praecipitetur, ipsum exercituS tarn eque-
stres quam pedestres comparasse et quorundam vicinorum prin-
cipum praesidia, ut in Spirensibus et Augustanis comitiis con-
venerat, ad reprimendam istam impietatem et audaciam implo-
rasse, qui magnitudinem etiam periculorum expendentes ingentem
pecuniarum summam ipsi in sumptum belli mutuayerint, milites,
♦ p. 569. tormenta pulveremque bombardicum in auxilium trans*niiserint
certissima quidem spe rebellionem Monasteriensium retundendi
et per gratiam divinam eos ad pristinam obedientiam revocandi ^;
sed nihil hucusque cum fructu actum esse. Proinde ipsum con-
tracto bello in compendium septem castra fossis aggeribusque
munita, quibus singulis quingentorum militum praesidium * ad-
iectis quibusdam equitum turmis impositum sit, ut oppidanis
commeatus intercluderetur, circum urbem erexisse et partim
dioecesis sumptibus, partim mutua pecunia in nonum iam men-
sem sustentasse et ultra septies centena florenorum miUia huic
rei impendisse, nee ipsum iam diutius has impensas sine aliorum
auxilio perferre posse neque 'maiori mutuo superiori nondum so-
luto principes degravare andere*. Quare status, legatos et con-
siliarios superiorum principum et provinciarum trium, quotquot
bis comitiis intersint, suum principem rogare atque obsecrare, ut
horrendam haue causam simul et periculosam diligenter secum
expendant neque novum regnum Turcicum in medio christiani
orbis coalescere sinant*, sed subito eximioque praesidio sibi suc-
currant atque subveniant^. Si enim illud futurum non sit, se
diutumo bello exhaustum et fractum rebus istis diutius super-
esse non posse. Si quid inde mali aut inconmiodi Romano im-
perio contingat, principem suum purgatum esse velle.
') Gemeint sind die Hülfsverträge des Bischofs mit dem Erzbischofe
von Köln und dem Herzoge von Cleve zu Köln am 7. Mai und 20. Juni.
Vgl. oben S. 592 Anm. u. 600 ff.
^) Im Abschiede; „sieben fenlin kriegsknecht«.**
') Im Abschiede: „. . . so wer den chur- und fürsten, die s. f. g. bifs
anher hilff geleyst, hoch beschwerlich, etwas weither daruf zu wenden.«
*) Neque — sinant ist Zusatz Kerss.'s. — ») Im Abschiede: ,,. . . und
8. f. g. itzo mit einer ylenden und zu künfftigen wettertagen mit einer stat-
liehen und beharlichen hilff zu trost und stewer kommen.«
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Anno 15o4 acta. 745
Cum Monasterienses finem dicendi fecissent, illis digressis
res in consultationem est delata. £t cum non solnm confirmato
Monasteriensi ac dioecesi, verum etiam imperatoriae ac regiae
maiestatibus, imperio ac Germanicae nationi ac tandem toti Chri-
stiane orbi clades, exitium atque eversio ex hac sceleris impuni-
tate, si non reprimatur, sit metuenda, Monasteriensem ergo tan-
qnam imperii membrom et reliqnos dioecesis ordines nullo modo
deserendos et non minus contra haue seetam, quam Turcam,
bellum ab imperio suscipiendum esse censent^ Quanquam
autem Joannes Fredericus dux Saxoniae, elector, ad has tres
provincias huc accitas non pertineat, a reliquis tamen electori-
bus et episcopo Monasteriensi ^ rogatus, cum causam comitiorum
intellexisset, suos quoque legatos cum auctoritate eo mittit et
se in hac pia causa, quae omnium merito cliristianorum prae-
sidium posceret, contributionem sua sponte facturum pollicetur,
ut Schisma hoc plenum periculis maturius supprimatur; quare
*et huius legati ad consilia a statibus admittuntur. Post con-»p. 570.
sultationem diutumam concordibus tandem sufEragiis ad susten-
tationem erectorum castellorum et ad continuandam obsidionem
subsequentia praesidia et articulos decemunt:
Primum Septem castra ad obsidendam urbem, et ad prae-
sidium eorum tria millia exercitatissimorum militum sufficere^
Si vero Imperator praecipuus iam designatus reliquique quatuor
iUi a consiliis militaris delectus praefecti post accuratam rerum
inspectionem utile et necessarium esse iudicaverint pluribus
castris urbem cingendam, confirmati Monasteriensis curiae et
dioecesis impensis illud incumbet, ita tamen, ut tria tantum
millia peditum in castella, quotquot etiam fnerint, distribuantur.
Stipendiorum quoque exacta ratio habebitur, ut, si quibus plura,
quam rerum, officiorum et personarum dignitas postulaverit,
*) Im Abschiede: „. .. keins wegs zu verlassen, sonder das inen die
hilff pillich mitgeteilt werde; haben demnach zu underhaltnng der ploch-
heuser sich itzo einer jlender hilff und anders halber nachfolgender ar-
tickell entschlossen/
*) „. . . auf meiner gnedigsten hem der chur- und fursten Cöln,
Gnlch und des confirmirten von Monster.^
') Auch sollen die Blockhäuser „mit geschütz und desselben zuge-
hörde wol versehen und bestelt werden/
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746 Anno ir)34 acta.
stipendia assignata faerint, cum illis familiariter de diminutione
stipendiornm agendnm, ne modns excedatnr, ut, qnod istis de-
tractum fuerit, aliis usibns necessariis applicetnr. Ad haec si
fossae et aggeres snperimpositis cratibns roboreis in sommitate
dentatis a castris ad castra continuo dactu nondum protracti
fnerint neqae castra tormentis, globis, pnlvere nitrato aliisqae
rebus ad bellum pertinentibus nondum sint communita, ut id
propediem a confirmato reliquisque Monasteriensis dioecesis sta-
tibus, sicut in Essendianis comitiis ' convenerit, diligenter curetur
atque efficiatur.
Praeterea, cum necesse sit omnes vias circum urbem ita
obsessas teuere, ne oppidani insperatis eruptionibus adversus
milites insolescant neve quis ex urbe elabatur efifugiatque neve
eam ingrediatur, ad quam rem efflciendam cum non equites ex-
terranei, sed dioecesani partim propter viarum locorumque noti-
tiam, partim pro in patriam periclitantem amore adducti promp-
tiores accommodatioresque videantur, et in comitiis Essendianis
confirmatus et nobilitas Monasteriensis se trecentos equites suis
sumptibus et impensis in eam rem sustentaturos receperint, —
cum legatis itaque Monasteriensium actum esse, ut pollicitis
satisfiat et totidem equites ad oppidanorum eruptionem aut
fugam in castris ad expeditionem instructi semper maneant dili-
*p. 571. gentiusque, quam hactenus, in officio suo vigilent* *negligen-
tiamque maiori studio sarciant imperatorisque monitis pareant;
et nisi id fiat, metuendum esse, ne principes et Status provin-
ciarum decretum auxilium iusta de causa denegent.
') Vgl. oben S. 683 Anm. 3. — «) Die UeberwachuDg der Stadt durch
die Bischöflichen hatte in der That bisher viel zu wünschen übrig gelassen.
Das beweisen die erfolgreichen Streifzüge der Münsterer zum Zwecke der
Zuführung neuen Proviants, von denen die oben angeführten Bekenntnisse
reden, und die Aussendungen um Hülfe nach Holland u. s. w. Joh. Kettel
van Tiel sagt ausdrücklich (M. G.-Q. U, 292): „se können dach und
nacht uth der stat und wedder in kommen." W. Scheifiart ge-
steht (M. G.-Q. II, 294), man habe den Glaubensgenossen in Holland^
Brabant u. s.w. ansagen lassen, „dat se sick dair binnen foegen, want se
kunnen tusschen die blockhuser aen faer herdurch komen»*'
Am 13. Dez. erl&fst der Bischof strengen Befehl an die Amtleute, sie sollten
für bessere Einrichtung des Wachtdienstes sorgen (Konzept im St-A. M.)«
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Anno 1534 acta. 747
Tertio in primis curandnm esse, nt periti longoqne bel-
lomm usn exercitati et seduli duces militibns praeficiantor. Et
cum Wilkinns Stedingus hactenns omnium castrorum snpremus
rector faerit, mnltis de causis imperatori militiae iam designato
et qnatuor Uli a consiliis committitur, ut quam diligentissüne
de Ullas industria inqniratur et Uli, quo dignns officio, desti-
netur. Totius autem militiae tam equestris quam pedestris Wi-
richns comes a Valckenstein ac dominus in überstein moderator
seu Imperator designatur \ ut coeptam obsidionem sex mensibus,
quibus auxilium decretum est, praesens in castris semper con-
tinuet, nocturnae diumaeque vigiliae et stationes tam equitum
quam peditum quam accuratissime agantur, ne quicquam, quod
ad pubUcum et privatum imperatoris officium pertinet, omit-
tatur. Huic quatuor consiliarii rei bellicae peritissimi a Trevi-
rensi, Coloniensi, luliaco et Hasso designandi adiunguntur, quo-
rum semper bini^ altemis mensibus consUii capiendi causa de
rebus praeter opinionem forte incidentibus in castris apud mo-
deratorem militiae manebunt, quorum etiam consilio pactorum
militarium articuli pro ratione circumstantiarum conmiutabuntur,
delectus militum habebitur, castra necessariis munitionibus, fossis,
aggeribus, cratibus roboreis, tormentis et similibus firmabuntur*.
Ad haec grammateus exercitatus designabitur*, qui continuus
in castris degat nee ab imperatore recedat.
Quarte ad sustentationem exercitus castrensis, supremi mo-
deratoris et quatuor consiliariorum, quaestoris aerarii, grammatei
militaris, exploratorum, nunciorum aliorumque impendiorum quin-
*) Oberster Feldhauptmann vor Münster war bisher nach den Be-
stimmungen des zweiten Tages zu Neufs am 20. Juni der Bischof Franz^
(s. oben S. 604 Anm. 2).
*) „, .. als nembllch der Tryrisch und Gülgisch und darnach der
Cölnisch und Hessisch . . .'^ Die Eäte sollen zuerst am 6. Januar 1535 in
Warendorf sein.
*) Im Abschiede heifst es weiter: „. . . sich daby gelegenheit, wesens
und haltens des kriegsvolcks eygentlich erkundigen und was mangels und
ungeschicklicheit erfunden wurde, dasselbig sampt dem obersten zum besten
keren und anschicken . . ., was aber ires erhebens nit were, dasselbig jeder
zeit an die obgemelten chur- und forsten zu bringen, der gepur dar nnder
zu verfügen.** — *) Und zwar von Seiten des Obersten.
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748 Anno 1534 acta.
decim miUia ilorenonun Bhenensiom in singulos menses a prae-
dictis principibus et provinciarnm ordinibus contribuenda decer-
nuntur \ unde moderator totius rei militaris, quem imperatorem
appellavimus, qningentos, consiliarii singiüi et delectus praefecti
ducentos, qnaestores aerarii quinquaginta, grammateas qninqne
et viginti florenos singulis mensibns capient; reliqnis vero penta-
••p. 572. cosiarchis, signiferis, centurionibus, tribunis inferiorumqne *offi-
ciorum praefectis et gregariis militibns Embdensis monetae floreni
assignantnr. Hoc autem praesidium ad sex tantum menses de-
ceraitnr. Sed si intra illud tempus nrbs non capiatur, aliis co-
mitiis opns esse. Triam priornm mensium decretnm praesidium
ad festum Purificationis Mariae*, inde duorum ad festum Pa-
schae^, Ultimi autem mensis ad festum Pent-ecostes * exolvetur.
Trium electorum, scilicet Moguntini, Trevirensis, Palatini, illo-
rumque provinciales simul et Rhenanae provinciae status suam
decreti praesidii partem apud senatum Confluentium, sed Colo-
niensis, Saxo simul et Inferioris ac Westphalicae provinciae
ordines contributionem suam apud senatum Coloniensem depo-
nent, unde militiae consiliarii, quoties opus est, in usum stipen-
diorum redditis apochis postulabunt. Si vero interea urbs vel
expugnetur vel dedatur, ratione facta et deductis impensis super-
flua pecunia pro rata portione singulis statibus restituetur. Qua-
tuor militiae consiliarii loannem üdenheim in quaestorem aerarii
adsciscunt, qui legatis principum ac provinciarnm oumium re-
ceptorum expositorumque rationem exactam reddet; dabitque
operam, ne miles negati sibi stipendii causa in castris tumul-
tuetur. Totius militiae moderator, consiliarii, duces, pentacosi-
archae et omnes, quotquot officiis condecorantur, principibus et
statibus supradictis sacramento militari erunt obstricti, miles
quoque nunc in castris et obsidione degens hactenus confirmato
Monasteriensi iureiurando obligatus eo remisso universae militiae
gubernatori nomine superiorum statuum iuratus erit*.
M ^. . . und 8ol solcher Rjnisch gülden zu fünflPteehen balzen, sechss
und tzwentzig weyfspfennig und tzwen pfennig, oder ein und tzwentzig
groschen oder dergleichen werdt verstanden und gerechent werden.**
*) 2. Febr. If»85. — ») 28. März. — *) 16. Mai.
*) Diese Bestimmung führte später zu Differenzen zwischen dem
Bischof und dem Oberbefehlshaber. S. weiter unten. ~ Im St.-A. M. haben
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Anno 1534 acta. 749
Qninto decretnm est milites nnnc in castris retinendos esse,
sed alios ipsis adinngendos, non tarnen ultra triam millinm nn-
merum, nisi aliqui eomm vel inobedientiae vel contumaciae vel
sceleris et impietatis vel mditatis armorum nomine in delectn
militiae excludantnr, in qnorum locnm meliores et exercitatiores
snbstitnantnr.
Sexto matura deliberatione in bis comitiis constitutum est,
ut civitates, pagi, arces et quaelibet aliae munitiones, quae a
confirmato ac dioecesi Monasteriensi defecerunt aut in posterum
defecerint *et per principum provinciarumque decretum auxilium »p. 573.
iure belli recuperatae fuerint, iurisdictioni episcopali nullo modo
subtrahentur neque a dioecesi Monasteriensi et imperio quovis
colore quaesito abalienatae peregrinis dominus subiicientur K Si
Monasterium intra decreti praesidii sex menses aut expugnatum
sich (M. L.A. 518/19 VIII. fol. 167 «f.) die Artikel erhalten, die von den
Kreisständen in Coblenz im Laufe der Verhandlung den Münsterschen Räten
vorgehalten wurden, ebenso die Antworten, die die Räte darauf erteilten.
Auf den Artikel, dafs der Bischof „die knecht mit den gethanen pflichten
an den uhersten hauptmann weisen solt, demselbigen an stat der kreys-
stende etc. gewertig zu sein,*' erwiderten die Räte schon während der Ver-
handlungen, „das mein g. h. ongetzweivelt sampt dero lantschafft sich nit
wenig des wurden erfreuwen, das die stende darselbst einen uhersten haupt-
man verordent, und wurde auch ir f. g. zu noitturfFt und berichtung der
Sachen die iren zugeben. Aber die rethe wyllen ... nit bergen, das die
knecht, und zuvor die, so ein einf eltig und ploefs bezoldung hetten, ...
gern sich aus dem dienst begeben selten. Wo nu dieselbig knecht selten
mit pflichten und eyden demselbigen uhersten zugestalt werden und auff
neuwe artickell und besteUung sweren selten, das daraus sie Ursachen
muchten nemmen, sich aus dem dienst zu begeben und die blockhausser
zu yerlaissen . . . Mein g. h. wurde wal verschaffen, das die knecht dem
uhersten sollen gehorsam leisten . . .**
^) In Bezug auf die Verpflichtung des Bischofs, „das stifft Munster
bei dem reich unzertrent pleiben zu lassen, auch das in ander band nit
stellen adir an sich zu loefsen nit vcrgunnen,*' erklärten die Münsterschen
Räte während der Verhandlungen, „das mein g. h. noch derselbige lant-
schaffti dasselbig in ir gemuet nit genommen, vil weniger wurden sie es
thun, wan inen von e. g. w. und gunsten wurde gehulffen . . . Solt aber an
der hilff mangell geschehen . . ., haben e. g. w. und gunsten zu erachten,
das mein g. h. aus dem stifit müsse entweichen, so sie sieh selbst nit helffen
ader erretten kunten.**
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750 Anno 1534 acta.
aut deditione facta recnperatnm sit, nnlla reipnblicae forma in
eo citra dictomm principum ac statnnm consensnm et arbitrinm
institaetur. Qna in re confirmatus et reliqni dioecesis Mona-
steriensis ordines signatis literis sese obligab^nt^
Septimo, si anabaptistae liberandae nrbis causa conflaxerint
et aut in castra aut provinciam aliquam impetum fecerint, re-
liquae provinciae subitam opem oppressis aut afflictis ferent^.
Electores et provinciarum status in suis regionibus, territoriis ac
dominus diligentissime vigilabunt, ne quam retinctorum turbam
intra fines suos coalescere sinant, sed eos apprehendant, ut iuxta
imperii caesarisque edictum poenae commeritae subiiciantur.
Octavo, cum metuendum sit, ne subitum hoc praesidium
ad rem praesentem conficiendam non sufficiat, decretum est ita-
que, ut confirmatus Monasteriensis, ad quem haec causa potissi-
mum pertinet, secundum imperii sanctiones praecipuos reliquarum
provinciarum Septem principes per legatos exoret, ut provinciales
suos ad diem dominicam Quasimodogeniti, quae fuit 4. Aprilis
anni 1535, Wormatiam comitiorum habendorum gratia convocent,
ubi fusius de insequentis temporis auzilio, si urbs interea non
capiatur, consultetur®. Ad quem etiam diem Ferdinandus Carolo
imperatore occupato non solum electorum, verum etiam confir-
mati Monasteriensis familiaribus scriptis et legatis invitabitur.
') Auch soll der Bischof den Kriegsraten ein Verzeichnis aller Städte,
Schlösser und Flecken seines Landes zustellen. Dann heifst es im Abschiede
weiter : „Doch was mein g. und g. hem Cöln und Gülch und ander chnr>
und fürsten dem confirmirten uff zimliche ablöfsliche verschreibung für-
gestreckt, das solchs iren chur- und f. g. fhrbehalten und unabbruchlich
sein soll." — Ein Verzeichnis der St&dt« u. s. w. des Stifts befindet sich
im St.-A. M. M. L. A. 518/1« VUI. fol. 75 und hat den Vermerk: „Gelych
ludende zedell is na vermöge des avescheitz to Goblentz dem oversten velt-
hopmann und yeer kriegessreeden tor Wolbecke donredach na Conversionis
Pauli' (28. Januar) „overgoven anno etc. 35.*^ — Die geforderte Beurkun-
dung ist vom Bischöfe und der Landschaft am 7. Febr. 1535 ausgefertigt
(Orig. im St-A. M., Fürstent. M. Nr. 3017).
^) „Und im fal, so einer oder mehr stende . . . von einem andern
aberzogen und zur gegenwehr gedrungen, das die der ylenden hilff wegen
zu leysten entladen sein.''
') Der dahin lautende Brief des Bischofs an die Obersten der ein-
zelnen Kreise datiert aus Iburg vom 1. Jan. 1535 (Kopie im St-A. M.).
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Anno 1534 acta. 751
ut, cum omnium provinciarum totinsque imperii ßomani intersit
hoc seditiosom, impinm et nefandom schisma, quod iam maltas
regiones invasit atqae in aliis latens incrementnm sampsit, deleri
et extirpari, commani qnodam provinciarum et imperii tum con-
silio tum auxilio de eo supprimendo agatur et quibus poenis
detentores urbis Monasteriensis ea capta afficiantur K Hoc etiam
eodem die de collatione superiorum sumptuum trium provincia-
rum consultabitur, ut, quod ad omnes aequaliter spectat, omnium
aequalibus *impensis conficiatur^ »p. 574.
Trium provinciarum principes ac status hie iam praesentes,
etiamsi specialiter ad futura Wormaciensia comitia non revo-
centur, tarnen ipsi vel legati ipsorum cum plena auctoritate de
utilitate publica acturi communi ordinum consensu ac mandato
adesse iubentur. Quamvis trium provinciarum quidam neque
suam neque legatorum suorum copiam fecerint neque se de ab-
sentia sua purgaverint, decretis tamen horum comitiorum non
minus, quam praesentes parebunt^. Si quis suam decreti prae-
sidii partem exolvere detractaverit, adversus hunc tanquam in-
obedientem fiscus imperii ex officio suo iure experietur^.
Cum autem nunc praesens rei necessitas subitam provin-
ciarum opem serio deposcat, ne miles desertis castris di£Quat,
cum legatis electorum et principum Coloniensis, Saxonis, Cli-
vensis, Hassi, Leodiensis ac Monasteriensis actum est, ut singuli
principes tria millia florenorum continuo conferant et expendant.
Coloniensis vero senatus cum ad hoc non possit adduci, ut idem
^) Kopie des Schreibens der in Coblenz versammelten Botschafter
und Räte vom 31. Dez. 1534 und des Schreibens des Bischofs aus Iborg
vom 1. Jan. 1535 an den Römischen König Ferdinand im St.-A. M. Orig.
der zustimmenden Antwort des Königs Ferdinand an den Bischof vom 5.
Februar ebendas.
') Im Abschiede ist hier weiter bestimmt, dafs „im fal, das in mitler
zeit die stat Monster erobert, dieweil sich dan die sect weither ausgebreyt
hat,^ trotzdem die Beratungen zu Worms Statt finden soUen.
") Im Abschiede: „. . . sol inen dieser abschiedt mit antzeige, wie ein
jeder in der y lender hilff angeschlagen, zugeschickt, und zu dem angesetzten
tag ghein Wormbs . . . abermals beschrieben und erfordert werden ..,'^
*) Der Abschied hat den Zusatz: ,.£s sol auch der anschlag, wie
der itzo zu der ylender hilff gestelt worden, niemant an seiner protestation
der ringerung halber . . . künfftiglich zu nachteil reychen oder gelangen. **
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752 Anno 15o4 acta.
faciat, Clivenses tarnen se id apud senatum effectnros* polli-
centnr ^
28. Dez. Decernitur etiam 23. Decembris in iisdem comitiis scrip-
tum publicum \ quo oppidani serio prius admoneantur, ut secnm
meliore mentis parte seclusis omnibus perturbationibus ezpen-
dant, quam impie et nequiter tam ius divinum quam humanuni
violaverint, catholicae ecclesiae decreta pariterque principum
sanctiones ezcusserint, sacramenta contaminaverint, pristinas ec*
clesiae ceremonias et cultum divinum antiquitus receptum pro-
fligaverint, sua somnia in locum reposuerint, templa profana-
verint, profanata diripuerint et tandem solo aequaverint, publi-
cam pacem violenter poUuerint, magistratum suum deiecerint,
regem sarcinatorem propria auctoritate creatum -substituerint,
cives spoliaverint, spoliatos urbe in exilium exegerint, bona eoram
ad se traduxerint et inter se communia fecerint aliaque, quae
neque pia neque iusta sint, perpetraverint. Imperii proinde
•p. 575. principes et provinciarum proceres postulare, ut ad *cor reversi
impia dogmata aversentur et reiiciant, magistratum legitimnm
») Ms.: effectumm.
') Während der Verhandlungen war der Artikel aufgestellt worden,
dafs bis zum 2. Febr., dem Zahlungstermine für die erste Rate der zu be-
willigenden Hülfe, der Bischof und die Münsterschen Stände allein „die
weghe suchen*' sollen, „damit an der underhaltung des kriegfsvolcks nit
mangel erscheine; soll inen solch dairgelegt gelt yeder tzeit in erlegung
der kreifsanlage wider vergnügt werden.^ Erst auf Bitten und Vorstellung
der Münsterschen Gesandten wurde dieser Artikel abgeändert. Doch er>
klärten die Abgeordneten des Bischofs von Lüttich nur, sie hofften, ihr
Herr werde sich auf diese Bestimmung einlassen. Auch sagten im Ab-
schiede nicht nur, wie Eerss. berichtet, die Gesandten des Herzogs von
Cleve ihre Vermittlung beim Rate der Stadt Köln zu, sondern auch die
des Erzbischofs von Köln. Der Abschied schliefst sodann mit der Ver-
sicherung der Abgeordneten, dafs die beschlossenen Hülfsgelder bis zum
2. Febr. richtig erlegt und die etwa säumigen Stände durch gemeinsames
Vorgehen gezwungen werden sollen, ihren Verpflichtungen nachzukommen.
') Kopie des Schreibens der in Coblenz yersammelten Botschafter
und Räte vom 23. Dezember an die Inhaber der Stadt Münster im St.-A.
Marburg und im Stadt-A. Strafsburg, neuere Abschrift im St-A. M. Das
Schreiben hält den Münsterem zunächst ihr Vorgehen in der Form vor,
wie es auf dem Tage zu Coblenz von den Räten des Bischofs geschildert
worden war.
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Anno 1535 acta. 753
in pristinnm honoris dignitatisqne locnm reponant, cives bonis
exntos et in exilinm pnlsos in priorem statnm restitnant, civi-
tatem et poenae et gratiae dedant. Si vero illud factnri non sint
neqne haec salntaris et familiaris admonitio apnd ipsos quic-
qnam ponderis sit habitnra, sed in ventos eam excutere malne-
rint, sciant principes et ordines imperii commnnibos anziliis et
impensis contra ipsos arma snmptnros^
Haec snnt in comitiis Conflnentinis acta.
Annus 1535/
Hoc superius scriptum Wirichus generosus ab überstein,
totius militiae iussn principmn triumqne provinciarnm praefectns,
qnamvis ipse ante diem 18. lanuarii in castra non venerit, per
nnncinm ad oppidanos mittit, cni prins tntnm commeatom ad
portam Manritianam veniendi recedendiqne per literas snas ^ im-
petrat. Nam in haec verba oppidani 13. lanuarii respondent*: i». J*n.
,,Nos gratia Dei secundum verbum suum designati rectores, cives
ac inhabitatores sanctae civitatis Monasteriensis tua Wirichi co-
mitis in Yalckenstein ac L jmborch, domini in überstein ac Broeck,
constituti militiae praefecti etc., scripta accepimus, quibus pe-
titur, nt nuncio tue die 14. lanuarii hora nona ad portam Mau-
^) Das Schreiben der Ereisstände lautet znm Schlufs: ,. . . das wir
dan in erwegang, das noch etliche junge und frome leuthe bey euch sein
möchten, denen solche ungeschickte Sachen nit lieb, die auch der ding nit
ursach sein noch gefallen haben mochten . . ., nit mögen underlassen, euch
nochmals uffs höchste zu erinnern und zu ermanen . . ., ihr wollet . . . von
solchem eueren irsal und . . , fumemen abstehen . . . Dan wo das nit . . .,
so seint . . . rom. keys. und kon. Mt. . . . und alle christliche stende und
glider des romischen reichs • . . geneigt . . ., das sie dem bestetigten und
stifft Munster des fhals mit hulfF und bystandt nit verlassen werden . . .**
*) Vergl, oben S. 341 Anm.
>) Vom 12. Jan. 1535. Abgedr. M. G.-Q. II, 305 f. Es geht daraus
hervor, dafs Eerss.^s weiter unten wiederholte Behauptung, Wirich sei erst
am 18. Januar vor Munster eingetroifen, iirig ist
*) Kopie im St-A. M.
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754 Anno 1535 acta.
ritianam veniendi literasqne nomine principnm imperii ac pro-
vinciarum triam ad civitatem nostram adferendi liberam com-
meatum dare velimus. Ad qnae respondemus : nos neminem nn-
quam a nobis repulisse, sed semper quosvis libenter admisisse,
nt cansas snas, si quas habuerint, nobiscum agant; quae eadem
benevolentia merito a nostris adversariis nobis qnoque eipectanda
esset. Permittimus itaque, ut nuncius ille tuto nostro commeatu
fretns ad portam urbis nostrae Mauritianam veniat literasqne,
quas habet, tradat libereqne recedat. Nos similiter petimus, nt
et noster nnncius, quem ad principes qnosdam ablegabimus, se-
cnram a yobis abenndi redenndique libertatem habeat. Qoid
homm facturi sitis, responderi cnpimus. Datum sub signo no-
strae civitatis die Mercurii post Trium Eegum anno 1535."
*p. 576. *Tabellarium hunc ad se missum benigne ezcipiunt, munere
decorant, scripta allata legunt et quaedam inepta alienissima a
proposito Viva voce respondent, sed accuratius ac deliberatius se
scriptis per suum nuncium responsuros recipiunt. Eodem itaque
die, quo scripta allata fuerant, nempe 14. lanuarii, brevi delibe-
14. Jan. ratione habita, uti receperant, respondent ^ eamque responsionem
Lantgravio per nuncium, pro quo commeatum petiverant et im-
petraverant, transmittunt *, quam ille principnm provinciarumque
legatis remitteret, qua se innoxios omnique culpa vacare conantur
ostendere neque se unquam vero suo magistratui rebelles fuisse
eumque urbe expulisse; se ergo praeter meritum, contra ins di-
vinum pariter et humanum tyrannico more non indicto hello
^) Das Schreibon ist aus dem Original im St.-A. Düsseldorf abge-
druckt in der „Zeitschr. des Bergischen Gcschichtsvcreins*' Bd. 20 (Bonn
1885) S. 34 ff.
^) Vgl. dazu den Briefwechsel zwischen Wirich v. Dhaun und den
Inhabern der Stadt Münster am 18. und 19. Januar (M. 6.-Q. II, 306 ffl),
nach dem es dem Münsterschen Boten nur gestattet wurde, unbehindert
mit dem obersten Befehlshaber und den zugeordneten Eriegsrftten zu ver-
handeln. In einem Briefe (Kopie ohne Datum im St.-A. M. M. L. A. 518/19
Y. fol. 74«) zeigt Wirich sodann der Stadt an, dafs er das Schreiben be-
fördert habe. Ygl. auch Wirich^s Schreiben vom 28. Januar an den Land-
grafen Philipp (M. G.-Q. n, 308). — Eerss. folgt hier und im Folgenden
genau der Darstellung bei Ant. Corvin: Acta etc. Bl. B2ff.
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Anno 1535 acta. 755
ab episcopo armis infestari et indignis modis opprimi^ Ad id
autem, quod de rege privata anctoritate creato in literis prin-
cipum obiectum illis fuerat, nihil respondent, sed callide si-
lentio praetereunt ^
Scribit qaoqne rex privatas ad Lantgravinm literas, quem
saae factionis esse vel certe fatnmm sibi persoadebai His
literis non aliam epigraphen proposuit, quam „Unsern leiben
besonderen Lipsen, Landtgraven etc.*" Unde, quantum sibi prae
*) „Eth is lichtlick und wywesch," heifst es im Schreiben, „eynen
anderen houch tho beschuldigen ; overs bewysen und bybrengen hoeret dap-
percn und redelicken mennen tho.** Nachdem dann ein Teil der den In-
habern der Stadt von ihren Gegnern gemachten Vorwürfe aufgezählt wurde,
heifst es weiter: „Hierumb is unse endtlick und beslutelick antwordt: So
wanner uns obgelachte ticht und schult, als godtlick und recht is, over-
wiset wert, willen wy allethidt tho redelicker, billicker straffe oerbodigh
befunden werden ; overst wo nach rechte . . . one bewy fs beschuldigen mer
den kleger dan den beklageden besweren doet, also is unse klegelick ge-
synnent und begerent, men wille rcchtlickes bewyses nach gelegenheit der
sake mit uns plcgen ... Et is uns better, mit logenhafTtiger schult umb
die wairheit willen tho liden, dan uth fruchten des tyrannischen und Baby-
lonischen vervolges van der bekanter wairheit affthowykcn . . ." Das Schrei-
ben spricht wiederholt von dem „vermeynten bisschopp" und fügt hinzu,
wie derselbe „sampt sinen thostendcren" die Stadt „siecht, plump, verloeren,
unangetzeichder oursakon mit hercs krafift overfallen, belegert und besche-
digt" habe. — Ein Schreiben des Bischofs Franz aus Wolbcck vom 14.
März an Wirich v. Dhaun giebt eine eingehende Widerlegung des Schrei-
bens von bischöflicher Seite (Orig. im St.-A. Düsseldorf).
*) So auch Ant. Corvin a. a. 0. Das Schreiben geht überhaupt
auf keine der den Münsterem vorgehaltenen Anklagen ein, erwähnt unter
denselben aber auch die, dafs man „unchristlick eynen konnynck opge-
worpen" habe.
') Der Brief ist bereits vom 10. Jan. datiert. In einer Beilage vom
14. Januar zeigen die Inhaber der Stadt dem Landgrafen den inzwischen
geschehenen Schriftwechsel mit den Koblenzer Kreisständen an und senden
ihm denselben in Abschrift zugleich mit ihrem Schreiben vom 10. Januar.
Abdruck des Briefes und der Beilage M. G.-Q. ü, 296 ff. Die Unterschrift
lautet: „Uth gotlicker ordnunge und Vereinigung der regenten und ge-
meinen der stat Munster;^ die Anrede: „Besonders leve Philips, Lantgrave
tho Hessen." — Der Brief weist auf die früher vom Landgrafen der Stadt
Münster erwiesenen guten Dienste hin. Die Inhaber betonen, „dat wy mit
goder vertrostinge und hopeninge, der warheit sollen noch bei iuw stede
finden . . ., hebben wollen an iuw schriven." „Mehr es ist iamerlick, dat
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756 Anno 1535 acta.
ceteris prmcipibus tribnerit, videre licet, ütrumque autem scrip-
tam nihil continebat praeter inanem et ineptum yerbonun stre-
pltnm, quo rex non aUter suam impietatem, quam Adamns sua
verenda fici foliis obtegere contendebat^ In scripto vero pri-
vato ad Lantgravinm misso regni et regis creati causa sie de-
scribitur: „Leve Lips," (hoc est: care Philippe; hoc enim erat
nomen Lantgravio) „tu sine dubio nosti, quod Christus et pro-
phetae dixerint, ne apicem quidem propheticarum scripturarum
frustra positnm Msse*. Petrus in Actis Apostolorum inquit^
quod in tempore restitutionis, quae coepit, postquam per clari-
tatem evangelii Babylonica captivitas manifestata est, omnia,
quae locutus est Dens per os omnium Prophetarum suorum,
adimplebuntur etc.* Revolve ergo Prophetarum scripta et dili-
genter scrutare, quid de captivitate Babylonica et consummatione
huius mundi scribant, similiter quid parabolae Christi, Aposto-
♦p. 577. lorum scripta et Apocalypsis *testentur, quid Babylonicis pro
sua militia retribuetur, et e diverse ad quod regnum quamve
gloriam populus Dei ex omnibus terrae finibus congregandus
exaltabitur. De hoc tempore, quo id futurum sit, minores Pro-
phetae potissimum agunt. Si haec accuratius tecum expeuderis
et scripturas recte, ut Paulus Tymotheum docet, secueris et in-
tellectum earum a Deo consecutus fueris, facile ac sine magno
negotio intelliges, an propria auctoritate regem designaverimus,
an a Deo praedestinatum habeamus.^
de, de sick des evangelii beromen, dat wäre eyangelium also verfolgen,''
heilst es später weiter. „Dat de papistische, die rechte Babilonische uns
tegen stan und verfolgen, des hebben sie nach irem gotzdienst rechten
bescheit. Overst dat die evangelischen . . . den lugenhaftigen Christen bei-
fallen, helpen in iren leidtprecken, lever, we mach sodane unbescheidenne-
heit genochsam utspreckcn?'' — Auch in diesem Briefe fordern die Wieder-
täufer wiederholt, zum Verhöre zugelassen zu werden, geSen keine Yertei-
dig^uig gegen die wider sie erhobenen Anschuldigungen, senden jedoch zu-
gleich die Bothmann'sche „Restitution* dem Landgrafen ein. S. weiter unten.
^) Genau aus Ant. Corvin a.a.O., dem Eerss. auch die gleich
folgende Stelle aus dem Briefe der Münsterer entnimmt Auch A. Corvin
citiert Nichts weiter daraus. Seine Wiedergabe stimmt mit dem Texte des
Briefes M. 6.-Q. II, 801 f.
«) Matth. 5, 18; Luc. 16, 17. — ») Act Apost 3, 21.
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Anno 1535 acta. 757
His scriptis adinngit libellnm qnendam in nrbe impressnm,
plane impinm ac satanicnm, cni titnlns „de restitntione,'' nnde
Lantgravins anabaptistarnm farias cognovit K Quem libmm sicnt
') „Widder,*' so heifst es im Schreiben der RegeDten Münsters an
den Landgrafen, „. . . so wollen wy na von etlicken stucken bj uns int
licht gekommen, daran sick die gemeine gnthertige man und villeicht gy
ock iw erstes ansehen s steten mochten, einen klaren und weitem bericht
geven. Demnach schiken wy iw hier ein gedrukte schrift thor anwisonge
uns christlicker lere, glovens und levendes. So lif und wert iw nu die
warheid is, so leset solicke schrift mit vlite! Provet und richtet nach der
warheit mit rechter gericht! Gj werden mererteils den grünt der warheit
daruth, de by uns is, vememen ..." — üeber die Drucke der Rothmann-
schen „Restitution** s. P. Bahlmann: BibL 1534 Nr. 5. Die Ansicht A.
Knaake^s, des neuesten Herausgebers der Schrift, dafs es fraglich sein könne,
ob mehrere Ausgaben des Buches existiert haben (vergl. die „Neudrucke
deutscher Litteraturwerke des 16. und 17. Jahrhunderts" Nr. 77 u. 78 [Halle
1888] Einl. S. 9), ist durchaus irrig. Thatsächlich sind zwei alte Drucke
bekannt, der eine von 62, der andere, mit kleineren Buchstaben, von 48
Blättern. Der zweite Druck ist durch den liandgrafen Philipp von Hessen
veranlafst worden. Am 3. März schreibt er nämlich an einige Reichsstädte
(Konzept im St-A. Marburg), indem er Bezug auf die Münstorschen Wieder-
täufer nimmt, er habe ihnen unlängst ,,copien des buchs irer bekentnus"
gesandt. Dann heifst es weiter: „Dweil aber solch buch damals in eil ab-
geschrieben wurden und wir vermutten, es mocht die copie nit allenthalben
recht und verstentlich geschrieben sein, und wir das buch abzutrucken
bevohlen, so schicken wir euch hiernebon drei abtruck des-
selben buchs ..." Einen solchen vom Landgrafen veranlafsten Abdruck
haben wir wohl in dem Exemplar des Stadtarchivs zu Frankfurt a. M. vor
uns. — Der erste Druck erschien in Münster schon im October 1534.
Rothmann hat bei der Abfassung Job. Eloprifs hinzugezogen, denn dieser
sagt aus (J. Niesert: U.-S. I. S. 135): „Item das boick Restitution hait
Bemhardus gemacht, und er sie dabie gewesen." lieber die Art der
Verbreitung des Buches durch die Inhaber Münsters (vgl. auch oben S. 785
Anm.2) berichtet H. Gresbeck S. 120 f.: „. .. und hebben dat gesant in
Hollant und Frieschlant und WQrpen do datselve boicke in dat leger für dat
blochuifs und steken die bocker up stocke und satten sie bei nachte für dat
blochuifs, dat sie die lansknecht solden kreigen, und meinden, die lansknecht
von dat blochuifs tho kreigen in die stat. Mehr dieselve boicke wolden nicht
helpen." — Knipperdolling giebt am 21. Jan. 1536 (M. G.-Q. II, 409) an, dafs
mehrere Exemplare des Buches in die Grafschaft Mansfeld versandt wurden
zur Unterrichtung der dortigen Glaubensgenossen. Eine Charakteristik der
„Restitution" geben K. W. Bouterwek: Zur Literatur u. 8.w. S. 293 ff.,
resp. S. Uff. und L. Keller: G. d. W. S. 149 ff.
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758 Anno 1535 acta.
et plerosqne alios Monasterii circa illnd tempns editos ^ praestat
omnino snpprimere, quam miseram et incantam plebecnlam
eonun editione circumvenire et in aetemam damnationem prae-
cipitare. Quomodo antem Monasterii retincti omnia restitnerint^
testantnr omninm templonun profanationes, testantur omnes boni
cives in exiliam pnlsi, testantnr divina et hnmana prorsns eversa.
Dens antem anabaptistarnm restitntionem avertat; nam si ea ad-
mitteretur, nihil integrnm per totnm imperinm relinqneretnr *.
Absit ergo talis restitntio, qnae omnis boni est destructio!
Hnnc libellum Lantgravins legit erroresqne in eo a se re-
fntatos remisit. Qno pacto sint refatati, cnm perlongnm sit,
omisimns. In istis antem princeps ingenii sni vires declaravit
Ince meridiana clarins ostendens, qnod retincti ntrinsqne politiae
decreta, omnes bonos mores, omnia inra divina pariter et hn-
mana, omnem deniqne honestatem et virtntem prorsns abolere
et e medio tollere nitantnr®.
*) Kcrss. meint RotLmann's Schriften von der „Rache" und von der
„Verborgenheit der Schrift des Reiches Christi ..." (s. P. Bahlmann
a.a.O. 1534 Nr. 7 u. 1535 Nr. 1). Das Buch von der „Rache," erschienen
im Dezember 1534, wurde massenhaft an die Glaubensgenossen nach aus-
wärts gesandt. Johann v. Leiden bekennt am 20. Jan. 1536 (M. G.-Q. n,
400), es „wer Johan Geel irstlich . . . uf Wesel getzogen und het das boich,
die wraecke gnant, durch Rotman zusamen bracht^ mit im ufsgefurt, umb
das ufszubreiden." H. Graes sagt im Januar 1535 aus (J. Nies er t a.a.O.
L S. 147): „Daer sint geschickt uth Munster dusent boeken
van 3 quaternen in allen umliggenden stedcn und dorpen,
welck boek genant is van der wracho, umb dat gemein volck
uprorich to maken, darum dat Munster mochte ontsath
werden." H. GresbeckS. 125 berichtet von dem Buche: „Und datselve
bockcskcn hebben sie laten drucken und hebben dat ouck in HoUant gcsant
und in Frieschlant, dair sie wiederdoepers wlsten. Dair stunt in dat boe-
keskcn, dat sick ein iedcr solde up macken und solde dat schwert in die
haut nemmen, und solden wecken na Nige Israel, die vrake des Hern wolde
von stunden an angain, und solden sick tho der wer stellen und khomen
mit gewalt."
*) Nach Ant Corvin a, a. 0. Bl. B3: „Gott gebe, das dergleichen
Restitution ja nicht viel geschehen, sonst würde in Germania kein stein
auff dem andern bleiben."
") Kopie der Gegenschrift des Landgrafen, datiert vom M&rz 1535
ohne Angabe des Tages, im Stadtarchive zu Frankfurt a. M. Eerss. giebt
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Anno 1535 acta. 759
Cum aatem Monasterienses ea scripta a Lantgravio 30.
Martii^ edita legissent, plurünum irritati et exasperati sunt.
Quare denuo scripta ad Lantgravium transmittunt, quibus suam
causam defendant et per quasdam scripturarum ambages com-
monstrare conentur se agere omnia ex mandato Dei et Prophe-
tarum oraculis, obiicientes interim Lantgravio (ut suam vim et
spolium extenuent), quod episcopos armata manu opprimere vo-
*luerit, ducem Wirtenburgensem imperatore renitente in pristi-*p. 578.
nam possessionem restituerit, coenobia pulsis coenobitis spolia-
verit etc. Mittunt qnoque alium libellum, cui titulus „de my-
sterio scripturae regni Christi ^," simulque efflagitant, ut suarum
nur ganz auszugsweise den Bericht des Ant. Corvin wieder, der zunächst
neun „irrige Artikel** aus der „Eestitution" anfuhrt, die der Landgraf „der-
mafsen mit schrifft widderlegt, das es einem wolgeübeten Theologo genug
gewesen werc." Dann führt Ant. Corvin die Stellen der Gegenschrift wört-
lich an, die sich auf die Errichtung des Königtums und auf den Wunsch
der Münsterer beziehen, auch jetzt noch zum Verhöre zu gelangen. Da
heifst es: „Es wil nu mehr nicht stat haben, das ir euch zu verhör und
untherrichtung on grundt erbietet, nachdem ir das schwerd mit gewalt
genomen und ewer auffrürischer handel ... so weit eingerissen ist, das jder
man sihet und spüret, das ewer meinung ist, alle gute policey, gute sitten^
ober- und erbarkeit, alle recht und billigkeit gründlich zu verstören, umb
zu bringen und zu vertilgen. Und wie ewer vornemcn widder Gott ist und
unchristlich, also ist auch dis ewer erbieten, zu verhör zu kommen, nicht
von hertzen geschehen . . ."
^) Dieses Datum Kerss.'s ist irrig, ebenso wie es irrig ist, wenn
Ant. Corvin a.a.O. Bl. B4v angiebt, die Inhaber der Stadt hätten am
30. März dem Landgrafen geantwortet. Ihre Entgegnung ist vielmehr schon
vom 25. März datiert, wie aus dem Eingange des Schreibens hervorgeht, das
Landgraf Philipp im Mai abermals als Antwort in die Stadt sandte und das
wörtlich von Ant. Corvin in seine „Acta" etc. (Bl. C l ff.) übernonmien wurde.
Im St.-A. Marburg hat sich die Kopie eines Schreibens der Inhaber der
Stadt vom 30. März an den Grafen Wirich v. Dhaun erhalten, in dem die
Münsterer den Grafen um W^eiterbeförderung einer Briefsendung an den
Landgrafen bitten, da es ihnen versagt sei, einen eigenen Boten nach Kassel
zu schicken. — Den Inhalt des Briefes der Regenten Münsters, der ver-
loren zu sein scheint, giebt Kerss. nach der Angabe Ant. Corvin's.
*) „Van verborgenheyt der schrifft des Bykes Christi unde van dem
daghe des Heeren ; durch de gheraeynte Christi tho Münster." Diese Schrift
ist im Februar 1 535 in Münster erschienen, war von Eothraann bereits auf
dem letzten Blatte seiner „Restitution" angekündigt, aber die Abfassung
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760 Anno 1535 acta.
reram ratio apnd principes habeatnr; se enim iustam causae
snae cognitionem non diffagitnros.
Lantgravias postquam omnia sibi a retinctis obiecta gra^
viter et diserte refatasset: „Praeterea,* inqnit^ „quod causae
yestrae iustam cognitionem non difFagitis, si ad me solum res
ista pertineret, facile impetraretis. Vobis tarnen rectius consu-
luissetis, si id, quod nunc facere videmini, maturius fecissetis
vestramque causam iudicio principum imperii obtulissetis, prius-
quam vim illain armatam exercuissetis, priusquam noyum regnum
et regem constituissetis, priusquam prophetas et apostolos vestros
ad alias urbes et nationes commovendas et in similem errorem
ac seditionem protrahendas emisissetis, quae res ad sanguinem
effandendum praecipua fuit causa, priusquam viduas et orphanos
fecissetis*. Si vero eos, quos exutis omnibus urbe expulistis,
bonis conditionibus in priorem statum restitueritis, senatum
derselben mufste vor der des Baches von der „Rache* zurücktreten. Dar-
über äufsert sich Rothmann selbst in der Vorrede zur ^Rache" im Dez.
1534: „Wy hadden upgesatt, wo dan ock in unser Restitution belavet ys,
wy wolden noch van dem Ryke Christi und van dem dage des Heren wat
flunderlinges an den dach gcven; cth ys ock al undor banden. Mer under
des lecht uns de Heer ein ander up, dat he wil uthgerichtet hebben, dar
wy meer aver ylen möten unde so völe mögelick allen bröderen kunt doin,
nemptlick van der yegenwordiger und anstaender wrake dor Babilonisscher
tyrannie, dat wy upgesat hadden tho schryven, darvan de titel ludt van
Verborgenheit der schrifPt des Rikes Christi und van dem dage des Heren ;
wil Godt, zo mach eth noch gescheen." Eine neue Auegabe der Schrift
besorgte E. W. H. Hochhuth (Gotha 1857). Vgl. P. Bahlmann: Bibl.
1535 Nr. 1. — Eine Inhaltsangabe des Buches sowie eine auf Befehl des
Landgrafen Philipp von fünf hessischen Predikanten, darunter auch AnL
Corvin, gegen dasselbe verfafste Antwort fügte Ant. Corvin seinen „Acta"
etc. bei.
^) Im Briefe des Landgrafen vom Mai an Münster bei Ant Corvin
a. a. 0. Bl. D 2^ u. D 3.
*) Kerss. läfst in seiner Uebersetzung folgende Stelle des Briefes
aus: „Denn da ir unsere thatten, wie obstehet, anzihet, haben wir erst
umb verhör gebetten ; aber ir habt gantz und gar das widderspiel gepraucht.
Und 80 euch ewer gewissen nu ungezweiffelt rüret und ir fulet, das ir mis-
handelt habt, und euch der griff ewers furhabens mit Schickung des AI-
mechtigen vorkomen ist, und dem fas der bodem ausgehen wil, so erpietet
ir ench zn verhör."
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Anno 1535 acta. 761
yestrum in pristinum dignitatis et auctoritatis locnm reposne-
ritis, vestra fortassis postulatio benignius exaudietur."
Cnm Wirichus ab überstein circa diem 18. lannarii in is. Jan.
castra venisset ^ sceptraque militiae arripuisset, a principe Mona-
steriensi postulavit, nt sua pace miles remisso priori iureiurando
sibi nomine imperii ab integro inraret. Ad quae princeps: mi-
litem sibi toto militiae tempore pro quatuor florenormn Embden-
sinm stipendio obstrictum esse; si vero iam ab integro iusiuran-
dum ab eo exigatur, ipsum qnoqne plus stipendii exactnmm,
wt* decretum imperii praesidium tardius exolveretur; non igitur
inramenti novationem eipedire^
Inde idem Wirichus ab überstein reliqnique militiae prae-
fecti animadvertentes Monasterienses superioribus principnm,
provinciamm ac statuum scriptis nihil commoveri literas et
ipsi in urbem mittunt, qnibus, ne ad sanguioem efFundendum
yideantur proni et faciles, oppidanos ab impietate sua deterreant
*et ad meliorem mentem revocent. Quarum haec fuit sententia'^: »p. 579.
^Nos illustrissimi ac potentissimi principis ac domini Ferdinandi,
Romanorum et Bohemorum regis, nee non electorum, principum,
comitum, baronum et legatorum Romani imperii designati Mona-
a) 3f8,: et.
') Vergl. dazu oben S. 753 Anm. 3. — ') üeber die Bestimmung
des Kreistages zu Coblenz s. oben S. 748. Am 22. Januar meldet Wirich
V. Dhaun nach Köln, Trier, Cleve und Hessen (Orig. im St.-A. Marburg),
dafs der Bischof „die knecht nit änderst, dan das sy in s. f. g. aid pleiben,
unrath, so darufs erwachsen mocht, zu verhüten, übergeben, jedoch den
knechten dameben angezeigt, das sy uns als obersten und kriegsrath von
den churf. gesant vort erkennen, haben, halten und gehorsam sein sollen,
das wir dan, damit die knecht nit abzihen, also uff e. chf. u. f. g. wider
bescheit angcnomen." Wiederholt wurde der Bischof von den ihm verbün-
deten Irrsten zur voUen Einhaltung der Coblenzer Beschlüsse auch nach
dieser Richtung hin ermahnt, so am 7. und 19. Februar vom Landgrafen
Philipp, an den sich am 14. Februar auch der Kurfürst Johann Friedrich
von Sachsen Beschwerde führend gewandt hatte. Am 27. Febr. antwortet
dann Bischof Franz aus Wolbeck nach Kassel (Konzept im St.-A. M.), dafs
er in allen Punkten den Abmachungen von Coblenz nachkommen wolle,
doch hält er seine Bedenken in der von Kerss. erwähnten Form aufrecht.
^) Kerss. giebt hier chronologisch ungenau den Entwurf zu einem
Schreiben an die Stadt vom 1. Juni wieder. S. weiter unten.
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762 Anno 1535 acta.
steriensis militiae praefecti vobis civitatis praedictae rectoribus,
detentoribus et habitatoribns bis scriptis notum facimns: Qnan-
quam certa spe et fiducia sustentabamur yos benignas superiores
principnm admonitiones ex benevolo, christiano et commiserante
vices vestras animo profectas, quas nos iubentibus iisdem piin-
cipibus ad vestram urbem misimus, libenter amplexuros, salutis
et tandem vitae necisque vestrae rationem accnratins habitnros,
diuturnam vestram seditiosam, insanam ac intolerabilem impie-
tatem et grassandi libidinem deposituros et urbem vi a vobis
detentam et gratiae et poenae regiae maiestati et imperii ordini-
bns, sicnt scripta illorum a vobis postulabant, dedituros fuisse,
experimnr tarnen non sine magno animi dolore vos haec omnia
in ventos excussisse, imo vos rebus iam desperatis impio errore
obduratos in dies magis magisque in cladem ineluctabilem prae-
cipitari ac miserrime multos incautos et fraudis vestrae ignaros
ita vestrae ruinae involvere et implicare, ut non solam vitae,
verum etiam aetemae beatitudinis iacturam et dispendium faci-
ant, quod malum, quantum per gratiam Dei et vires nostri in-
genii licet, ab innocentium et simplicium cervicibus libenter
averteremus. Proinde bis nostris scriptis ex abundanti vos mo-
nemus, uti superioribus principnm petitis, sicut vos decet, ob-
temperetis. Quod si feceritis, vobiscum, ut christianis convenit,
agemus summamque vobis benevolentiam exhibebimus. Si vero
caecitatem vestram non agnoveritis, sed in m* perseveraveritis,
scitote nos post hanc postremam admonitionem officium nostrum
nobis a principibus commissum executuros et tam contra viros
quam feminas, tam contra iuvenes quam senes extra moenia de-
prehensos acerrimo iure acturos neque uUi vestrum, nisi singu-
larem gratiam mereatur, parsaros."
Misit quoque Lantgravius cum publica auctoritate in urbem
obsessam Fabritium, qui plebem ab errore retraheret. Sed hie
neque ad publicam concionem neque ad privatum coUoquium
"p. 580. multitu*dinis est admissus*. üt paucis dicam, adeo fuere en'oris
*) feUt im Ms,
^) Kerss. ist hier chronolo^sch ganz nngenau. Fabricius ist schon
am Anfang November 1534 in Münster gewesen, um im Auftrage des I^nd-
grafen Philipp mit den Inhabern der Stadt zu unterhandeln (Kopie der
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Anno 1535 acta. 763
pertinaces, adeo impietate immersi, adeo excaecati, nt nullius
neqae scripturae neque hominis auctoritas et benigna admonitio
ipsos permovere potuerit. Abeant igitnr, qnia volunt, in ezitium!
Dum haec aguntur, rex interea, ut suos in eadem civitate
retineat et confirmet, subsequentes articulos 2. lanuarii cudit: 2. Jan..
Articuli regis Monasterii in urbe Israhelitis praepositi*.
„Notum et manifestum sit omnibus veritatis et iustitiae Dei
amatoribus, tarn rudibus quam mysteriorum gnaris, quomodo et
qua ratione christiani sibique adhaerentes sub vexillo iustitiae
Instruktion für ihn im St.-A. Marburg). Am 26. October schrieb er aus
Sassenberg an den Landgrafen (Orig. ebendas.), dafs Bischof Franz mit
dem Erzbischofe von Köln über die Gewährung der Gesandtschaft unter-
handle. Der Geleitsbrief Johann's v. Leiden für Fabricius und dessen Diener
(M. G.-Q. n. Einl. S. 20 Anm. 18) ist vom 2. Nov. datiert. Schon am
16. Nov. berichtete Fabricius auf dem Tage zu Oberwesel über den Mifs-
crfolg seiner Sendung. Der Bericht ist abgedruckt von Th. Volbehr in
den „Mitteilungen aus d. german. Nationalmuseum" Bd. 2 (Nürnberg 1889)
8. 99 ff. und ist in der gedruckten gleichzeitigen Literatur nur erhalten in
einer „Newen zeytung" vom Jahre 1535 (ein Exemplar derselben in der
Hof-Bibliothek zu Wien; s. auch P. Bahlmann: Bibl. 1535 Nr. 10). —
Kerss. hat hier am unrechten Platze eine Stelle aus dem Briefe dos Land-
grafen an Münster vom Mai 1535 venvertet, wo es heifst (Ant. Corvin:
Acta etc. Bl. D2): „Ir schreibt, ir lasset unsere brive vor und unter ewer
gemeine lesen. Das können wir nicht glcuben; ursach, dieweil ir unsem
geschickten Fabritium vor der gemeine nicht verhören woltet, in auch der-
mafsen gehalten, das er ewer gemeine nichts hat sagen dörffen, noch son-
dere personen der cwren mit im gesprech halten dorfiften, sonder allein ir
von dem genanten Regiment." Dafs die Machthaber in der Stadt die
Schreiben des Landgrafen der Gemeinde nicht bekannt gaben, erz&hlt auch
H. Gresbeck S. 119f. Im Briefe der Regenten Münsters an den Land-
grafen vom 10. Jan. 1535 geschieht der Gesandtschaft des Fabricius zwei-
mal Erwähnung (s. M. G.-Q. 11, 297 u. 302), und zwar heifst es da, dafs
„Fabricius, de sick de Hebrcer nömet, mit geschmückten logen, an und af
trogen, wo wy in der warheit erfunden, dat he gethan heft," mit den Mün-
sterern verhandelt habe. Ganz kurz und ohne Einzelheiten anzuführen
berührt Fabricius diese seine Gesandtschaft in seiner Selbstbiographie
(„Bibliotheca Bremensis^ classis 4 fasc. 1 [Bremae 1720] S. 79). Danach
wäre er nicht nur auf Veranlassung des Landgrafen, sondern auch des
Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen nach Münster geschickt.
^) Eine Charakterisierung dieses Artikelbriefes als eines Aktenstückes,
das „mehr für ein Parteiprogramm als für eine gesetzartigo Verordnung
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764 Anno 1535 acta.
tanqnam veri Israhelitae novi templi in praesente regno iam diu
ante raulta saecula praeviso et per os omninm Prophetarum pro-
misso et per Christum Apostolosque suos in virtute Spiritus
Sancti inchoato et prodito, nunc vero per loannem iustum regem
in sedem Davidis collocatum instaurato vivere et gerere se de-
beant. Itaque hi articuli omnes et singuli ad gloriam omni-
potentis Dei et regni sui augmentum propositi poenae metu
servabuntur \
anzusehen" ist, lieferte F. Philippi in der „Zeitschr. für Kirchengesch."
Bd. 10 (Gotha 188i^) S. 146 ff., wo auch die Satzungen in einer oberdeut-
schen Bearbeitung aus dem St-A. Stettin veröffentlicht worden sind. F.
Philippi fügt aus einer gleichfalls oberdeutschen Bearbeitung im St.-A.
Marburg die für den Sinn wichtigsten Lesarten in den Anmerkungen bei
und berücksichtigt daneben die lateinische Uebersetzung des C. Heres-
bach (in der Ausgabe von Th. Strack [Amsterdam 1650] S. 187 ff., wieder
abgedruckt bei J. Niesert: U.-S. I. S. 424t fL). Eine ebenfalls ober-
deutsche Wiedergabe der Satzungen befindet sich im St.-A. Düsseldorf!
Aus einer Kopie im Beichsarchiv zu Wien sind die Artikel in niederdeutscher
Sprache abgedruckt bei F. B. v. Bucholtz: Gesch. der Regierung Ferdi-
nand's d. Ersten, ürkundenband (Wien 1838) S. 354 ff. Da dieser Abdruck
sehr mangelhaft ist und die von Philippi herausgegebenen nicht originalen
Texte zum Teil stark verstümmelt sind, so habe ich in den Noten den
Wortlaut der Artikel aus einer gleichzeitigen Kopie beigebracht, die uns
in niederdeutscher Sprache auf der Univ.-Bibl. zu Göttingen im Cod. ms.
bist. 657 (Mss. Zwichemiana) Bd. 8 erhalten geblieben ist. Kerss.'s Wieder-
gabe der Satzungen stimmt im Ganzen getreu mit dieser sicher wohl auf
das Original zurückgehenden Fassung übercin. Ihm fehlen zwei Artikel
(im Druck bei Philippi Nr. 4 u. 10), dreimal (bei Artikel 1, 3 u. 21) hat
er wohl von ihm selbst herrührende erläuternde Zusätze. Seine Ueber-
setzung ist von der des C. Heresbach völlig unabhängig. In den uns be-
kannten handschriftlichen Fassungen fehlen die Satzungen, die Kerss. unter
Nr. 24 — 26, Heresbach unter Nr. 26—28 wiedergiebt. Ganz allein von
Kerss. angeführt ist der bei ihm unter Nr. 27 gesetzte Artikel. VergL
weiter unten.
') „Kundich und apenbar sj allen leeffhcbberen und tostenderen der
warheit und gotliger gerechtigheit, sowoll den unvorstendigen, als in der
Verborgenheit Götz verstendigen, wo und in wath maten de Cristen und
ere tostendere sick under dem pannir der gerechticheit als wäre Israheliten
in den Nyen Tempell in jegenwardicheit des richs, vorlanges versein durch
den munth der Propheten, belaveth vermitz Christum und sine Apostelen,
in kraft des Geistes angefangen und geapenbairt und nu an Johan den
gerechten konniugk in dem stole Davidz geloMichen und unwedderspreck-
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AnDO 1535 acta. 765
1. In hoc novo templo unnm regem esse oportet, qni po-
pnlnm Dei regat et gladinm iastitiae ferat, ne falsa doctrina
contaminetnr, qnia sanctnm est, et illis, qni hoc templnm in-
gressi snnt, omnia snnt mnnda attestante Panlo. Qnare nnllns
rex ant magistratns nisi a Deo depntatns in foedns Christi sese
intromittet K
2. Bex ipse et indices illins rectoresqne popnli citra perso-
namm ant nllins commodi respectnm nnicniqne institiam ad-
ministrabnnt omnesqne cansas et controTersias sive in nrbibns
sive in castris campestribns secnndnm Dei verbnm in institia
et aeqnitate indicabnnt ac diriment, et si necessitas postniabit,
gladinm in facinerosos ipsi stringent K
3. Nemo se in alterins provinciam sen ofScinm intromittet
iUndqne pro sno arbitratn nsnrpabit, sed qnisqne se, nti pro-
misit, intra snae Tocationis terminos continebit^
*4. Nemo impnne scriptnram sacram impiis snis interpreta- »p. 531,
mentis pervertet; ea enim nt verba per se sonant, adhibita tamen
temporis circnmstantia, intelligi debet^
5. Qnod si propheta in popnlo Dei snrrexerit et a verbo
Dei dissentientia yaticinatns fnerit, ab onmi popnlo separabitnr
licken vorhanden, schicken, wanderen und holden sullen, und dat alle und
itlige articule, besunderen und int gemein, nnverachtlicken by straif der-
selven tom prifs Gots und vennerunge altidt sins ricks geholden und yollen-
furth sullen werden. Amen!^^
') „Vor ersth, dath sali gin koninck noch jenige oyericheit under de
bundtgenoten Christi, ane de van Got verordent sick na Götz worth holden
und schicken mögen, bestendig bliven.^'
*) „De konninck, sine richtere und alle regenten sollen ane ansehent
der personen und einigerlei profitz jdermennichlich recht doen und alle
Sache na Götz worth, dat sy yn stodden offt velden, in gerechticheit und
billicheit richten und yerhandelen und, so eth geforderth wurde, dath swerth,
darmede to richten, gebruken.^^
') „Nemandt sali in eins anderen ampt tasten und na sinem willen
gebruken.^'
^) „Gin lerer sali mögen ungestraift de schrifte verkeren; dan all-
tidt sali de schrift recht na eren worde und tidt geordelt und ingefoert
werden/* Bei Eerss. fehlt der yorhergehende Artikel, der lautet: „Ein
iÜicker sali na Gottes gesette und wort, wo he doch yurhen geloyet, ver-
plichtet und to dein ock to holden verwilliget, sick in sine beroepunge
alletidt gebrucken.^
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766 Anno 1535 acta.
atque ab eodem interficietur, ut omnis Israhelita abominandmn
et detestandum illius flagitinm intelligat execreturqne *.
6. Nemo sub vexillo iustitiae militans turpi ebrietate, foeda
more brutornm impndicitia, avidis privati lucri lusibns, nnde odia
et dissidia promanant, fornicatione et adnlterio sese contaminabit
Talia enim flagitia non relinquentur in populo Dei impnnita*.
7. Si qnis seditionem concitare coeperitj morte morietur*.
8. Si qui intra castra altercati faerint et praefracti inter
se contenderint et in mutua verbera irruerint, si anctor conten-
tionis sen provocator alterum interfecerit, ipse qnoqne ad sup-
plicium raptus capitis poenas Inet. Si vero provocatns snnm
antagonistam vel concitato animo vel necessariae defensioni in-
tentns imprndenter prostraverit, qnicquid eins demonstratum
fnerit, innocens vel nocens declarabitur ^.
9. Nemo, cninscnnqne etiam sexns fnerit, levissimis snspi-
cionibns ac praesnmptionibns qnibnsvis, sed certa commissi fla-
gitii scientia motns alinm accnsabit. Accnsator enim intentatum
crimen non probans eas poenas, qnas criminis rens periiulisset,
perferet^
*) „So ein prophet under dem volck Götz upstunde und Götz worde
ungemefs falslicken prophetirden, sali van der gantzer gemeinte affge-
sundert und gedoedet werden, dat jdermenniglich erfare, sodane gniwel
gehatet werde."
') „Eth sali numandt under dem pannir der gerechticheit vnlsnpen,
beestlichen, untuchtich, untidich, eigensoikich spellen, darath tzanck und
hadder erwasset ; ock gin horessche, ebrekersche untucht, dat erfaren, werth
ungestrafft gestadet werden." Vgl. oben S. 580 f. die Bestimmungen der
zwölf Aeltestcn.
') „So jumandt understunde, moiterie antorichtcn, sali des dodes
sterven."
*) „So welcke binnen legers tzencklich haederende und sich slaen
wurden, isset dat de, de de yerhalinge gedain heft, den anderen dar
tho doeth sloge, sali de verbaler wedderumme sterven. So aver de ver-
halede den verheler uth hastigen moede offt werender handt nedderlachte,
wat des so recht bewiset kan werden, sali de overhalede ofift werende schul-
dich offt Unschuldich gedelt werden." Dann folgt der von Eerss. nicht ge-
gebene Artikel: „Desgliken so welcke binnen legers maUickanderen sick
sloegen, sollen na vurgemelten regulen verrechtferdiget werden."
^) „Nemandt sali mögen den anderen, so wall mann als franwe, uth
qwaden vermoden offt gissene, anders dan mit rechtligen bewise beschal-
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Anno 1535 acta. 767
10. Nemo sine venia et commeatn a dnce seu magistratu
sno impetrato sese e castris suis snbducet^.
11. Si quis tridüum continuum insciente uxore sua neqne
missione a duce sno impetrata tanqnam transfaga castris snis
abfnerit, nxor iUins libere aliud matrimoniam qnaeret^
12. Nemo neque interdiu neque noctn vigilum stationem
subibit, nisi hostis praesto sit impressionemqne faciat, vel com-
missionem eins singnlarem habeat, nt est dnx militiae, decnrio
vel alins magistratus militaris, qni vigiliamm accnrate custo-
diendarnm vel alterins necessariae rei cansa circnit. Transgressor
non impnne evadet*.
13. Nemo snb poena capitis fomicationis Babylonicae inno-
centem et inscinm opprimet, nisi armata mann noceat^.
*14. Nemo spolinm ant praedam hostibns detractam pro*p. 582.
sno arbitratn snbdncet ant nsnrpabit, sed eam, nt aeqnnm est,
coram sno magistratn in Incem proferet et, si qnid sibi ab eo
datnm fnerit, eo sine ininria ntatnr^
1 5. Si qnis christianis prins addictns desciverit ad bestes
atqne itemm mntato animo a christianis recipi contenderit, non
recipietnr, sed poenam bene commeritam Inet^.
digen und beclagen. Und off de cleger sine clago nicht bewisen konde,
sali he de schult der clagt sulven dragen."
') „Numandt sali sick uth sinem leger geven edder missen latcn,
eth sy mith medewetten und consent sines hoepmans oder overicheit."
*) „So jumandt ane wetten siner husfrouwen, ock unbewust und un-
verlovet van sinem hoepman oder overicheit dre dage, dre nachte buten
sinen leger als ein fluchtiger sich leite missen, mach die frouwe einen
andern manne sick vertruwen."
') „Numandt sali by dage offte nachte up jenige wacht gaen, uth-
genonmien so viandes noet vurhanden ofTt sunderlinges bevell hadde als hoep-
man, rothmeister oder emandtz der overicheit darsulvest ein upsehen edder
ichtefswefs uthtorichten hadde; wo dar baven, sollen angeholden werden."
*) „Menn sali by lives straf den unschuldigen, unvermögenden mit
der Babilonischen horerie nicht beschedigen, he werde dan de wal unwetende
sin mochte schedeliker dat werender handt befunden."
") „Kemandt sali mögen einigerleie buithe off roff to sinen willen
offt nutz gebruken offt nnderslaen, dan vor sine temeliche overicheit wo
billlck vor den dach brengen und, wat em tor billicheit togedeilt, dairmede
sick laten genogen."
') „Wanner degennen, de den Christen tostendich gewesen und wed-
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768 Anno 1535 acta.
16. Ghristianns sab poena nltimi indicii cwm^ fratre suo
mercatnram pecania interveniente non exercebit, neqne alins
alium in commntationibus dolis et fraudibns circomveniet ^
17. Nemo christianonun ex nna societate sea commnnitate
in aUam recipietur, nisi se innocent^m et nullo crinüne conta-
minatnm docnerit; si vero aliter deprehensnm fuerit, sine nlla
poenae remissione punietnr^
18. Si alienigena christianis inservire yelit, non est repel-
lendns, etiamsi spiritu nondnm forte ülnstratos fidem christia-
nonun amplecti nolaerit. Qnicunqne non convitiandi, sed fami-
liariter convivendi animo cum christianis amicitiam, mercatnram,
foedera, pacta sen conventiones facere cupiant, minime repellentnr \
19. Si qnisqnam in praesidium christianomm commeatnm
aliaqne vitae necessaria advehere proque tolerabili pretio inter
ipsos distrahere aliasqne negotiationes cum iUis exercere affecta-
verit, illi publica itineris libertas praestabitur *.
20. Nemo christianomm magistratui ethnico, qni nondnm
verbnm Dei andivit et in eo nondnm edoctus est, sese opponet
damnumye inferet, si neminem ad incrednlitatem ant impietatem
adigat ; sed Bab jlonica tjrannis sacerdotnm et monachomm cnm
omnibns suis asseclis et assentatoribns, qni institiam Dei per
a) fehlt im Ms.
deramme eren vianden dienstbar geworden, den Christen overmals to dcnende
begerde, sali men nicht annemen, dann straeffen."
^) „GeJn Christen sali mit sinem broder nmb gelt nicht koepschlagen
bj liyes straef, ock mit giner bedregunge offt argelist handelen, dat sy in
bntenschap edder nmbslagen.'' Vgl. auch oben S. 561 n. 651 Anm.
') „Nemant uth den broederen sali nth der einer gemeinte in der
ander entfangen werden, he bekenne da sick an allen gemeinten nnschnldich
to sin; wo anders, sali ane genade, so eth befunden wurde, gestraeffeth werden.^^
') „So ein frembdelinck bj den Christen to dienen begerde, mach
waU angenamen werden, wowall he den geloyen der Christen, er dan he
des yerstant krege, nicht yerwilligede antonemen; ock so welcke de Christen
nicht to beledigen, dan fruntlicken mit enn handelen und lefflicken mit enn
Terdregen begeren wollen, sollen nicht yerstot offt uthgeschlagen werden.^'
*) „So ejmant den Christen to stuir proyiand und noittroft toforen
wolde und umb temelike koepenschap to handelen begerde, sali in aller
yelicheit gehalden werden.^'
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Anno ir)3ö acta. 769
suam iniustitiam et vim obscuravernnt, quacunque ratione fieri
potest, opprimetur*.
21. Si ethnicns alicni flagitio obnoxias, ut criminum su-
orum impunitatem assequatur, ad christianornm consociationem
profugerit et contra legem Dei manifeste egerit, frustra christia-
nornm praesidium invocabit, sed snppHcio, qno dignus, affi-
cietnr*, ne christianornm consociatio flagitiosornm sit asylnm.
22. Yades alterins panciores non emnt qnam tres, qni
vadimonio *obstricti cansam eins, cnins snnt vades, continno »p. 583.
snam facient ideoqne cansam eins in indicio agent'.
23. Si qnisqnam magistratns vel alins qnicnnqne verbo
Dei atqne his instis edictis nostris restiterit eaqne contnmaciter
contempserit, non qnidem snbito ad poenam commeritam ra-
pietnr, sed ant insti regis ant praefecti illins indicio prins si-
stendns est, nt inre conyictns sententiam factis snis dignam
publice andiat*.
24.* Nemo alinm ad matrimonii foedus invitnm adiget,
cnm illnd liberum sit et vero naturalique amoris vincnlo con-
nectitur.
') „Nemant mach tegen de heidensche overicheit, de noch Götz wort
nicht gehört und mith bestendicheit ock nicht berichtet sint worden, streven
und mit schaden de beleidigen, dewiele deselven to ungeloeven nemandt
bosworde und uncristlick to doen alswem nicht an drouwunge. Avers die
Babilonische tyrannie der papen, monneke in sampt eren anhange, de de
gerechticheit Götz in erer nngerechticheit mith gewalt underhalden, sollen
nicht verschonet werden."
') „So ein heidene umb sine missedaet under de Christen eine to-
flucht sochte und tegen dat gesette apentlick Godtz gedain hadde, sali
nicht bcschuddet^ dan gestrafft upgeholden werden."
') „Wanner eimandt vor den andern bürge wolde wesen, sollen der-
selven nicht mjn, dan wall mehr dan dre sin; de bürgen sollen unver-
achtligken des verborgeden stedde to rechte verstaen."
^) „Offt enige overicheit oder eimandtz sick mit vrevel tegen Götz
wort und itzige rechtraetige upgerichtede articule upmakede und uprichtede,
sick dar entegen holden wolde, sal nochtans deselve unbeleidiget bliven,
bes idt selve vur dem heren, dem gerechten, und koenninge oder sinen
verordenten gebeert und gerichtet geworden und de saecke entlicken na
rechte beslotten werde."
^) Die folgenden drei Artikel überliefert anfser Eerss. nur noch C.
Heresbach (bei J. Niesert a. a. 0. S. 430 Nr. 26—28). Da sie in allen
25
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770 Anno 1535 acta.
25. Quicnnque morbo comitiali seu epüepsia, lepra^ malo
Oallico ant simili corporis vitio laboraverint, matrimonia non
contrahent, nisi prius conthorali Vitium manifestaverint.
26. Nulla virginis specie, cum virgo non sit, confratrem
suum defraudabit et decipiet, alioqui serio punietur.
27 ^ Quaelibet femina, cum legitimus non sit maritus,
virum aliquem tutorem seu defensorem ex comjnunitate Christi
sibi eliget.
Edita sunt haec a Deo ac loanne, iusto rege nori templi,
altissimi sanctissimique Dei ministro, anno aetatis suae vicesimo
sezto, regni vero sui primo, secundo die primi mensis post na-
tivitatem lesu Christi filii Dei 1535*."
Vaticinia regis*.
„Verbum Domini hodie circa horam tertiam ante diei
exortum ad me factum est: Innumerabilem mihi populum in
gloriam nominis mei excitabis; ubi autem quove tempore id fu-
sonst erhaltenen Fassungen der Satzungen yom 2. Januar fehlen, so ist es
wahrscheinlich, dafs sie ursprünglich nicht dahin gehören, sondern nach-
träglich als Bestimmunget einer schon gültigen Gesetzgebung hinzugefügt
sind, lieber den Inhalt dieser Artikel vgl. besonders Kapitel 14 — 16 der
Rothmann' sehen „Restitution'' und H. Gresbeck's Bericht (S. 66 ff.)
von den Veränderungen, die die Machthaber in der Stadt bald nach Ein-
führung der Vielweiberei an den von ihnen getroffenen Verfügungen über
die Ehe vorgenommen hatten (s. auch oben S. 628 Anm. 2).
') Dieser Artikel fehlt auch bei C. H er es b ach und ist in diesem
Zusammenhange nur von Eerss. überliefert. Zur Institution der sogen.
,3o8<^lürmherren^' s. H. Gresbeck S. 68 f. „Diese frowen,^' heifst es da,
„die in der stat weren und tho alt weren, menne tho nemmen, dieselve
frowen meisten keifsen beschomhem ... So meisten diese selve beschom-
hem up die aide frowen sehn und hebben ein upsicht up sie, dat sie bei
dem geloven hieven, und meisten sie underweisen ... So meisten die be-
schomhem den alden frowen bestellen kost und kleider . . ., dat sie geins
dings solden gebrech hebben . . .^
') „Gegeven durch Got und Johan den gerechten und koninck in
den Nien Tempell, diener des hogesten, hilligesten Götz, synes olders seesz
und twintich, sines likes des ersten jaers, den anderden dag des ersten
mandtz negest der menschwerdinge Jesu Christi, des sonnes Götz, duseni
Tiefflumdert vieff und derttich jare."
*) Sie sind nur durch Eerss. bekannt
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Anno 1535 acta. 771
tnmm sit, — eritum tumn tibi revelabo. Tu vero cante ambu-
labis. Haec reliqniis populi tni annnnciabis et, nt tacitnmi sint!"
Aliud: „Vox viventis Dei me docuit: Hoc est mandatum
Altissimi: Viri ab uxoribns snis legitimis et ab illis, qnanun
tütores sen defensores snnt, fidem exigent, non illam, quae ynlgo
legitur: „Credo in Deum Patrem etc.;** sed fidem de novo regno,
de matrimonio, qaare et ad qnid sint baptizatae. Haec nnncia-
buntur et palam fient onmibus viris, et post bidunm ab iisdem
facti ratio *deposcetiir, nt Dens omnis sangninis maneat innocens/ »p. 584.
Alind vaticininm: „Praeterea haec qnoqne est volnntas Dei,
ne verbnm illins tarn inaniter mnltis psalmis canendis in ventos
excntiatis, sicnt hactenns sine mente et pietatis meditatione
psalmi decantati sunt.** *
Haec qnidem regia decreta plebem primnm terraernnt, sed
cnm nihil annonae nrbi obsessae inferretnr et plnrimi essent,
qni absnmerent, panlatim ea attennantnr. Neqne tarnen cum^
rex, ut se factnmm receperat, cnm omnis generis caraes ad se
transtnlisset ^, penuriae popnlaris qnicqnam pensi haberet, plebs
inter se de regis frandibns clancnlum mussitare coepit*. Die
vero popnlnm fideleni nullius rei inopia laboraturum variis
scripturae exemplis comprobat. Verum cum nihilo minus tacitum
illud plebis murmur now» quiesceret, sed in dies ingravesceret
factionesque in urbe fierent simulque de captivitate regis et de-
ditione urbis inter se agitarent, ut et principem oflfensum sibi
reconcilient et a futura famis calamitate se eripiant^ — quae
•) feMt im Ms.
^) S. dazu oben S. 639, wo Eerss. aus dem Geständnisse des Dieners
des Malers Lndger to Ring vom 23. Dez. 1534 schöpfte. Vgl. auch S. 738.
^) Eerss. schliefst sich hier und im Folgenden wieder eng an H.
Dorp Bl. Gl an. Daher die falsche chronologische Einordnung der be-
richteten Thatsachen.
") So H. Dorp a. a. 0. Das MiTstrauen des Volkes gegen den König
und dessen Hof aus Veranlassung der Entsendung von Geld und Büchern
erwähnt Eerss. bereits oben S. 737 f. aus den Geständnissen des W. Scheif-
fart Dietrich von Hamburg Bl. A3^ ffihrt an, wie die Bürger sich
verwundern, „das ir Eönig so redlich tregt von silber und golt, so es doch
alles gemein soll sein, und es sej doch ynen verboten. Sagt der Eönig:
Nempt kein ergemnfs davon, sonder er sey dann erweit; und verbeut inen,
25*
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772 Anno 1535 acta.
cnm Uli clam nunciarentur, in ipso metn et cladis propemodnm
initio hisce plagis ac retibns implicatnm sese yaferrime extricat
consilinmque adversariorum dissipat. Primum itaqne in foro
pnblico nniversae multitndini liberationem certissimam ad fa-
tnrum diem Paschae promittit et, nisi illud eveniat, in se tan-
qnam prophetam vaniloqnam et scelerosum hominem populari
iudicio animadvertendnm esse recipit^. Duodecim inde duces
welcher davon redet, die wöU er enthaupten lassen." Gleich weiter fährt
Dietrich fort: „Dar nach hat der König in gepranch, das er das best ifst
und trinckt, dj gemein soll pferdt und ander ungewonlich speifs essen,
und der König spricht doch, er sey ein gemeyner hruder, und sey zum
besten verordnet zu essen; und umh des ungleichen willen erwechst ymer
murmlung under der gemein." Auch das Mifstrauen des Königs gegen das
Volk wuchs mehr und mehr. Der freiwillig zur Auskundschaftung in die
Stadt gegangene Hans Nagel, der am 30. März glücklich wieder aus Münster
entkam (s. weiter unten), sagt aus (Fassung des Berichtes im St.-A. Mar-
hurg), der König „hahe wenig vertrauwens zu seinen imderthanen, verhuite
durch seine heimliche und öffentliche kuntschafften, damit sich keiner mit
dem andern heimlichen zu heraten understee, gestattet nit, das zween,
drei oder mher in geheimen redden hei einander stehen, viel
weniger geduldet er noch mher Versammlungen." Am 21. Mai
schreiht Justinian von Holtzhausen an seinen Vater nach Frankfurt a.M.
(M. G.-Q. II, 335): „Es dorf die gemein keiner mit dem andern reden,
noch vil weniger sich einiges unwiUens vememen lossen. Welcher das
uherseit, wirt von stunt an gericht."
*) Auch H. Dorp Bl. G !▼ berichtet von der Vertröstung auf Ostern,
fugt aber den Nachsatz des Königs nicht hinzu. Kerss. entnimmt ihn dem
Bekenntnisse KnipperdoUing^s (bei J. Niesert: U.-S. I. 8. 187), nach dem
Johann sagt, „wo se nicht den Passchen erlost werden, solde man den
konig glich andern boswichtcm richten." Eine Befreiung der Stadt vor
Ostern hatte der König, wie KnipperdoUing (ebd. S. 191) aussagt, schon
vor Michaelis 1534 prophezeit. Joh. Beckmann, einer der im October 1534
nach Coesfeld ausgesandten Apostel, bekennt (St.-A. M. M. L. A. 518/19
IV. fol. 315^): „Item de konnynck hefft oick dem volcke tovom gesacht,
se sollen vor dussen austaenden Paeschen van allen vyenden entledigt syn."
Bestärkt in dem Glauben auf Entsatz der Stadt wurde der König durch
günstige Nachrichten aus Holland. Er selbst spricht (M. G.-Q. 11, 373)
von einem Briefe, den „einer, Jeronimus Mullinck, geschreven und mit
Hensken van Soest dair inen gesant hadde, vermeldende, wie die christliche
broder sie tegen dat hochtit Paesch^i entseittcn und sie sich dairenbinnen
hart halden solden." Er fügt hinzu, wie er „sulx langh dair bevoir haet
prophetiert und des sinen koep af to houwen, so veme sulx neet geschege^
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Anno 1535 acta. 773
creat, quibns imperinm nrbis in totidem partes distributum (s- Mai.)
acerrime regendum et singulis nnius portae custodiam ad vitan-
dam proditionem committit^ qni novi nominis et magistratus
avidi satellitnm fortissimorum turbam in custodiam suorum cor-
pomm et ad mandata celeriter expedienda adsciscunt. Habent
enim singuU tres consiliarios et 24 satellites bene armatos^
verwillicht hadde." Auch H. Gresbeck S. 121 bringt die königliche
Prophezeiung mit Zusagen auf Entsatz aus Holland und Friesland in Ver-
bindung und berichtet zugleich, wie der König bei dieser Gelegenheit über
einen Landsknecht das Todesurteil fällte mit den Worten: „Iss it sacke,
dat tho Paeschen die vcrloesunge nicht en kompt, so doit my, als ick diesem
selven boefswicht wil doin, . . . und hauwet my ouck dan den kop af."
Ygl. auch EnipperdoUing's Geständnis M. G.-Q. II, 377 und die Aussage
des H. Graes bei J. Niesert a. a. 0. S. 149.
') Wo fi. Dorp die Verteilung der Herrschergebiete an die einzelnen
Herzöge erwähnt, die auch Eerss. gleich weiter unten mitteilt, setzt er
hinzu (Bl. G !▼) : „Und dis geschach auff trium Regum" (6. Jan.). Nach
diesem falschen Datum ordnet Kerss. die Ernennung der Hersöge ein, die
thatsächlich erst viel später, am 3. Mai, erfolgte. Johann v. Leiden sagt
aus (bei J. Nieser t a. a. 0. S. 180; Tgl. auch M. G.-Q. 11, 373): „Ock
worden to ende des regiments 12 hertzogen gesatt, de wurden gedeilet
in 12 dele up ider porten.'^ Das Datum des 3. Mai als Tag der Ernennung
ergiebt sich aus dem Bekenntnisse Johann Clevom's (Orig. im St.-A. M.
M. L. A. 518/19 VI. fol. 174 f.) und aus dem eines Gefangenen Namens
Brage, das der Herzog Philipp von Braunschweig-Grubenhagen am 23. Mai
dem Kurfürsten von Sachsen zusandte (abgedr. M. G.-Q. 11, 338 flf.). Nach
einem Schreiben Wirich^s v. Dhann an die clevischen Bäte vom 7. Mal
hätten Joh. Clevom und ein anderer Gefangener (Gl. Mecklenborg) aus-
gesagt (s. M. G.-Q. n, 324), die Ernennung der Herzöge sei geschehen,
um Aufruhr des Volkes zu unterdrücken. So sagt auch H. Gresbeck,
der S. 179 ff. die scheinbar freie Wahl der Herzöge ausfohrllch schildert:
„So heft der koningk den anslach gemacket und heft die twolf hertoge
gekoren, up dat sie wolden dat gmeinyolk in dwangh halden..."
Vgl. auch des Bischofs undatiertes Schreiben nach Köln bei J. Nies er t a.a.O.
S. 198. Nach dem Bekenntnisse des Brage (a.a.O. S. 340) wäre die Ernennung
„yilleicht der orsach vom konningk geschein, ob sich die dinge zum ärgsten
zutragen wurden, das er alsdan nicht alleine wolle geregiert haben." —
Sachlich und chronologisch ganz ungenau ist der Bericht bei D. Lilie S. 237.
') H. Dorp spricht nur yon „ein anzal Trabanten und diener."
Joh. Clevom sagt aus (St.-A. M. a. a. 0.) „. . . ider herttoge sali hebben
dree reede, derselven ider eyn porte mit dreen hopen, itlick hoepp 24 starck
sollen inhebben, und nomen se van den 12 gesiechte Israhell. Mit dnssen
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774 Anno 1535 acta.
Singalis etdam portis praesidia adversns plebemn motnm impo-
nunt. Hi plebem ita poenae metn coercent, nt ne mntire qnidem
adversns regem qnisqnam aadeat. Nomina etiam portamm mn-
tantar. Horsthanam enim orientalem, Manritianam argenteam,
Servatianam regis, Lndgerianam anstralem, Aegidianam r^inae,
*p. 585. Marianam occidentalem, *Indaicam anream, Cmcis septentrio-
nalem, Neopontanam aqnariam appellant^.
Dnces yero sunt Bemardns thor Mogr, sarcinator, loannes
Bedeker, sutor, loannes Palck, faber ferrarius, loannes Dencker,
institor, Engelbertns Edinck, Nicolans Stripe, mercator, Henricns
Xantns, faber ahenarins, loannes Eaterbergh, gladiomm politor,
Henricns Eock Osnabnrgensis, Hermannns Beyninck, Christianas
Eerckringh, patricins, et villicas Leddanns^ His magistris in
selvigen, hefft de Yader apenbart, sollen ere saken und tom ersten ntfa-
gerichtet werden/' Aehnlich ist die Aussage Brage's a. a. 0. Ueber den
Schmuck der Herzoge und ihrer Bäte s. den eben angeführten Brief Wi-
rich's V. Dhaun an die clevischen Bäte und H. Gresbeck S. 183 f. Nach
dem ersteren muTsten auch die Herzöge geloben, „zu verdeligen al overkeit,
geistlich und weltlich, und die gantze Christenheit under sich brengen.^
') Yergl. dazu H. Gresbeck S. 154 f., wo die neuen Namen der
Thore in gleicher Weise angegeben sind. Eerss. läfst das Bispingthor aus.
«Dieselve porte/ sagt H. Gresbeck, „blief bie irem namen und wort
nicht verändert/ Sie hiefs auch „dat nige werck.** Den Namen der Thore
entsprechend wurden auch die Benennungen der dahin fuhrenden Stralsen
abgeändert „Die andern Straten hieven bei iren namen; der was tho voeUe,
daer en wüste hei geinen raet tho, Johan von Leiden.*' Der Diener des
Malers Ludger to Bing sagte schon am 23. Dez. 1634 aus: „Se hebben den
porten andere namen gegeven.^ Er nennt nur vier Namen, und zwar fur
das Jüdefelder-, Mauritz-, Servatii- und Aegidiithor die Bezeichnungen des
Gold-, Silber-, Königs- und Eöniginnenthores. — Aufser den Herzogen an
den zehn Thoren ward nach H. Gresbeck S. 183 der elfte Herzog gesetzt „up
dat nige blochuifs an der Nien bruggen porten' (Zwinger), der zwölfte «up
ein rundeil, dat die wiederdoepers hedden gemacket tuschen dem waai und
der stat muiren, tuischen S. Luegers und S. Servatius porten^ (Engelschanze).
') Die Namen der Herzöge giebt Eerss. in Uebereinstimmung mit
H. Dorp a. a. 0., nur sagt dieser „Heinrich Santes, ein kopffersdunid von
Wesel" und hat für Job. Katerbei^h nur die Bezeichnung „Johan schwerd-
feger." Eine ganz andere Liste der Herzöge ist uns aber in einer Beilage zu
einem Briefe erhalten, den Justinian v. Holtzhausen am 29. Mai an seinen
Yater in Frankfurt a.M. schrieb. Sie ist abgedr. M. G.-Q. II, 347. In ihr
finden sich die auch von Kerss. in anderer Form gegebenen Namen Johann
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Anno 1535 acta. 775
regno sno officia, si regia inssa qnam diligentissime exegtiantar,
promittit. Se enim dissolata obsidione, quod erga festum Paschae
fatnmm sit, totnm mnndnm occisis omnibus principibns praeter
Lanigrayinm ^ pervasnram suoqne dominio subiectumm. Ne
autim inter ipsos in postemm contentio oriatnr de dominio, ipse
ducatus et principatns (venatorem Aesopicam pellem nrsi non-
dim capti vendentem imitatns) ante victoriam inter dnces distri-
biit et incertis pro certis ipsos exhilarat. Ducatum Saxonicnm *
Lanni Dencker, Brunswicensem Bernardo thor Moer, Westphali-
cum inter Bhenum et Visnrgim Christiano Kerckringh, luliacnm
et Clivensem loanni Bedeker, G-eldriacnm cum Traiectensi epi-
Ecopatn loanni Paick, Brabanticum et HoUandicmn comitatnm
Engelberte Edinck donat; episcopatnm Coloniensem villico Led-
daio, Mognntinnm Henrico Xanto, Trevirensem Henrico Eock
Osnabnrgensi, Bremensem, Yerdensem et Mindensem loanni
Balck, Jung Claufs Strippe, Herman Beinicks, Bert Zermer, Johan Redecker
wieder, sonst aber werden genannt : „Johan Naderman, bnrger, vor der Crentz-
pforten, Bemhart Koet, bnrger, Henrich Beker von Warendorf an der Jud-
denfelder pforten, Johan Lnck, ein edehnan aufs Frieslant, Eckhart Schar-
lach Yon Jasvelt an sant Ludwigs (I) pforten, Herman Frotig, ein burger,.
Wilhelm von Detten, was vormolss ein paster. " Die Wahl Joh. Nader-
mann's als Herzog am Erenzthore beschreibt eingehend H. Gresbeck
S. 180 ff. Auch ein Gefangener, Claus Mecklenborg, bekennt am 4. Mai
(Orig. im St.-A. M.) : „Eyner, genompt Nordermann, is eyn herttoge gekoren
vor der Grutzporten.^ Sollte das Amt der Herzöge Öfter gewechselt haben?
Das ist wahrscheinlich, da in den Akten wiederholt Männer als Herzöge
bezeichnet worden, deren Namen sich in den angeführten Listen nicht
finden. So gesteht Enipperdolling am 21. Jan. 1536 (M. G.-Q. U, 408):
„Er have oich die 12 hertzogen nit ofgeworffen, dan der koningk selbst.
Und es lebt noch einer da von, Gert Eoeninck genant, zu
Schoppingen wonhaftig, als er meint.^ Am 8. Juni 1534 machen die beiden
Enaben Herrn. Mollenhecke und Joh. Huttmann aufser Johann Bedeker und
Hermann Beininck auch Johann Padde und Lambert Bilderbecke als Her-
zöge namhaft (St.-A. Marburg).
') H. Dorp fügt hinzu: „Dem wolten sie allein verschonen und nichts
nemen, darumb das sie verhofften, er solt noch ir bmder werden.''
') Die Verteilung der Herrschergebiete an die Herzöge ist in dieser
Weise nur von Eerss. überliefert Bei H. Dorp heifst es kurz: „Das Chur-
fürstenthumb von Sachsen sol Johan Dencker haben, die Graffschafft von
Teckelnburg Christian Eerckering, und so fort an.*'
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776 Anno 1535 acta.
Eaterbergh, Hyldensem et Magdebnrgensem Hermanne Berninck,
utramque Frisiam cum terra Groningana Nicoiao Stripeo donat
Penes hos duces omnium opemm cnra et Imperium erat.
Ne antem tempus meditandi seditionem adversns ißgem
oppidanis relinquatnr, continuo eos labore exercent et, ne fero-
ciant, panem sale tantnm conditum illis ad vescendnm apponcnt
Nam cam mnnitionibus necessariis firmandis non occnparentu,
ant templis aut tnguriis humilibusqae aedificiis circa pomeda
antiquitus extructis fnnditns diruendis occupati tenentnr *. C<b-
21. Jan. perant enim 21. lannarii summae aedis strncturam convellere*.
♦p. 586. cum ante *munitionibus publicis operam dederint.
Magno interea conamine variisque motibus Holland! <t
Frisii ad liberandam ab obsidione urbem intra fines suos tmnxl-
tuantur^. Sed cum multi in terra Groningana confluxisseit,
*) So nach dem Bekenntnis des W. Scheiflfart (M. G.-Q. II, 2t5):
„Item na dem se bnten der stat nicht mer tho arbeiden, dannoch die ge-
meinheit in arbeide geholden, rotten and thosamenkompst der gemeinieit
dairmede verschoent moechte werden, laten se binnen der stat umblsmx
•der nmren und sunst allenthalven unnutte haser and gedeme nedderbrechen
aind verwoesten,"
*) üeber die Zerstörung der Kirchen überhaupt vgl. oben S. 571 f
Am 30. Januar schrieb der Bischof aus Iburg an den Kölnischen Rat Am-
brosius von Virmunden (Konzept im St-A. M.), wie er ci-fahren, „dat de
innenholder unser stadt Munster de domkercken, ock ander kercken dar-
sulvest nedderbrecken unde de stadt inwendich gruntlich verderven." Nach
seiner Anwesenheit im Nov. 1534 in Münster berichtet Theod. Fabricius
auf dem Tage zu Oberwesel (a.a.O. S. 101): „Den thumb hab er gesehen,
dergleichen andere kirchen, die sie begjnnen abzuprechen, derhalb er ursach
gefragt; hetten sie jme geantwort, ehe sie den babstumb und der pfaffen
mifsbrauch wider annemen, weiten sie ehe das kind in materleib essen nnd
alle sterben. Und als er, der predicant, dogegen repetirt, wo sie predig
hören wolten, musten sie kirchen haben, antworten sie: wan wir predig
hören, wollen wir uff den marckt gehen, forchten weder hagel noch regen,
dan sie wisseten wol, das inen unter der predig nichts beswerlichs wider-
fure.*' Nach Ernennung der Herzöge erteilte Johann v. Leiden diesen den
Befehl, auch die noch unversehrt gebliebene Jakobikirche niedenoreifsen
„wente up dat leste gesemsel, dat von der kercken wair solde stain bliven,
war ein man hohe.** Siehe H. Gresbeck S. 187.
") Ucber die Versendung von Geld und Rothmann^schen Schriften
nach Holland und Friesland vgl. oben S. 735 u. 757 £. Am 31. Dez. 1534
waren abermals vier Wiedert&ufer aus Münster mit Aufträgen an die Ge-
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Anno 1535 acta. 777
Georgias Schenck liber baro de Teutenburg, Caroli Quinti im-
peratoris vicarias, 24. lanuarii eos profligavit ac prophetam m. Jan.
Petrmn Schomacker, qni ipse stnltissimus se filinm Del esse
stulto populo persuaserat, nnde se populärem fevorem habiturum
et armatas copias ad liberandam urbem coacturom sperabat, cum
quibusdam eins exercitus capitibus commerito supplicio affecit ^
Vicesimo etiam quinto die lanuarii retincti nocturno con- 25. jan.
cursu facto Leydam, regis monstrosi patriam, quanta vi possunt,
aggrediuntur, verum cum magis furore, quam prudentia rem
agere coepissent, bonorum civium viribus a spe potiundae civi-
tatis deiecti capiuntur, et utriusque sexus non pauci furoris sui
poenas luunt. In quo motu regis uxor Leydae relicta, cum non
solum retincta, sed et retinctorum receptrix esset, gladio caesa est'.
sinnungsgenossen gesandt, unter ihnen Zillis Leitgen. Yergl. dessen Ge-
ständnisse vom 14. Febr. 1535 bei J. Nies er t: Ü.-S. I. S. 136 ff. Dafs
es sich überhaupt um die planmäfsige Durchführung 'der Absicht handelte,
Münster zu entsetzen, geht aus den Geständnissen der Yon H. Graes nam-
haft gemachten Weseler Wiedertäufer hervor, die bekennen (s. die Instruk-
tion des Bischofs Franz zum Tage von Worms im April 1535 [St-A. M.
M. L. A. 518/19 Vni. fol. 44]), „das sie, die widderteuffer, vier banner
' solten lassen fliegen, eins in Fschenbroick bei der Maefsen im land von
Gulich, eins in HoUant und Wasserlanden, eins zwisschen Mastricht, Aich
und dem lande von Lymburg und das vierdt in Freifslandt bei Gruningen;
mitler weill das geschege, solten sich die bruider mit geweher und zeher-
gelt fertig machen und so bald sie vememen, die banner fliegen wurden,
jeder zum nehesten zuzehen und Munster zu entsetzen und die landen in-
nemen.** Zur Sache vgl. auch L. Keller: G. d. W. S. 270ff.
^) Vielmehr meldet Georg Schenck von Tautenburg am 24. Januar
dem Bischof Franz (Abdruck des Briefes bei L. Keller a.a.O. S. 326 f.),
dafs eine grofse Täuferversanmilung von 900—1000 Mann im Groninger-
land stattgefunden habe, die aber durch Herzog Karl von Geldern zerstreut
worden sei. „De principail propheet, Hermann Schomacker genannt, **
sei mit 6 oder 7 „ander principalen^ gefangen. Kerss.'s Bericht stimmt
mit der Darstellung in der eben angeführten bischöflichen Instruktion für
Worms überein, in der es heifst: „£s ist auch zu Freifslandt bei dem Dam
ein versamlung von neun adir zehen hundert man vorhanden gewesen, dar-
under einer, Peter Schomacher genant, der sich vor Christo, Götz
sonn, angeben ... in hoffiiung, der gemein man solt inen vort zuge-
fallen, alsdan weiten sie Munster entsatzt haben; wie dan ongezweivelt
geschehen, so dieselbige durch den stadthalter nit zertrent und der
Antichrist nit gefangen were worden." — ') Vgl. dazu oben 8. 646.
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778 Anno 1535 acta.
Wilkinns Stedingos cnm aliqnamdin nihil explorati ex
nrbe habnisset cnperetqne scire magnopere, qnid in nrbe agator
quidve oppidani moliantnr, ex gpregarüs itaque militibns Han-
sonem Nagelinm^ lYancofordianxun, hominem callidnm et ver-
sntnm atqne ad hanc fabnlam peragendam aptum, deligit, qnem
magnis pecnniis et pollicitationibus, nt sinmlata defectione in
nrbem exploratum transeat, invitat. Is interritns et confidens
se factamm recipit Qnaesita est antem commoda defectionis
simtdatae occasio, ne commilitonibns fagae consilinm patescat
Nagelins forte in castris Mauritianis nnum e commilitonibns ad
aleae Insam provocat. nie vero intra propngnacnli septa minime
Indendum sicnt nee pngnandnm esse inre militari dictitat; edicto
enim illud a ducibns militiae vetitum esse; si ergo secnm Indere
velit, septa propngnacnli exeat; se ad qnaeris paratnm. Nagelins
vero ardentins instat nee finem nee modnm lacessendi facit; nbi
vero nihil perfice^et, raptim arma corripit, qnasi magnnm sit
flagitinm militem negare militi iactnm aleae, nnde snam existi-
mationem minni pntabat. Post logomachiam nitro citroque ha^
bitam yibrantnr ntrinqne arma. Nagelins caedendo pnngendo-
"p. 587. qne serio, nt pntabatnr, instat. Alter vero *gladio sno ictus
excipit elnditque, retrocedit nee reverberat. Interea Stedingus
aliique militiae praefecti hoc innsitato motn ex composito tarnen
facto excitati accnrrunt pngnamqne dirimnnt et causam motus
inqnimnt. Deprehenditnr tandem Nagelins primi motus anctor;
itaqne qnod pacem pnblicam propngnacnli violasset dignnsque
ultimo supplicio habitns esset, compedibus tribuni constringitnr
detineturque captivus triduum, ne fabnla prodatnr. Inde cum
Stedingus reliquique dnces animi oblectandi gratia in eqnis
passim veherentur, Nagelius Interim adiutns per tribunnm col-
lusionis conscinm clanstra compednm laxat et sese versus nrbem^
^) Aussagen des H. Nagel, die Eerss. gleich weiter nnten benutzt^
befinden sich im St.-A. M. M. L. A. 518/19 Y. fol. 311 ff. Doch mufs Kens,
noch eine andere, jetzt nicht mehr zu ermittelnde Quelle vorgelegen haben.
Im St.-A. Marburg befindet sich fiber die That und die Berichte des H*
Nagel die Relation eines „bayerischen gesandten, der umb erfarung willen
ins leger geschickt.^ Auch diese ist bedeutend kürzer als Kerss.'s Bericht,
best&tigt denselben aber im Ganzen.
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Anno 1535 acta. 779
qnantam potest, in pedes coniicit. Ibi tum tota castrorom mnl-
titndo indigntim facinns defectionemqne torpissimam exclamat,
sacramentom pactnmqne militare et honestnm nomen yiolari.
Perseqnantnr itaque omnes fngientem minis variisque vocifera-
tionibns et folminibns, alias aUmn ad pnngendum, caedendum,
iaculandmn transyerberandnmqne desertorem incitai Oppidani
vero in propngnacnio et terrea mole nrbis motnm sentiente?
eundem transfagam ad currendnm elatis capitnm tegamentis in-
flammant ; se ipsom iamiam bombardarnm ictibus ab inseqaen-
tium hostinm persecntione liberatnrnm ^ Qnidmnltis? Pervenit
tutus in urbem, adventus est gratus, dncitur ad regem. Qno-
modo impiomm commilitonnm manns et vincula praesentemqu&
necem sibi levi de cansa paratam efFagerit, exponit; sangoinarios
esse snos nollaque dementia erga ndsemm moveri edisserit, se
inter feras immanes vivere et hostinm benignitatem tentare malle,
qnam snomm. Excipitnr a rege hnmanissime, versatnr inter
anlicos, donatnr a rege anreo annnlo, vestitnr splendide, fit in
dies regi carior K Diligentissime omnia, qnae agnntnr, intnetnr
') Vor den Aussagen des H. Nagel im St-A. M. ist nur kurz ver-
merkt: „Hans Nagel von Franckfurt an der Oeder, der sich annam, er
entlifi^ oder(!) doch hinein geschickt was, umh alle sach so viel im muglich
sich zu erkunden, sagt . . / Ausführlicher heilst es in der Relation im
St.-A. Marburg: „Ein edelman, genant H. Nagel, der uff den plochheusem
nnder den knechten besoldet ligt, hat ehrlicher, guter meynung mit er-
laubnis seines krigshem . . ., damit er der Mnnsterischen geheim erfaren
mocht, seinen leib ritterlich gewagt und in angenommen schein, als ob er
uff der wacht widder ehrlichs kriegsrecht und den artickelbrieff sich ver-
gessen, gepalget und derhalben von dem hauffen fluchtig werden müssen,
damit er nit vor recht gestelt wurde, sich zu der stat Munster lauffend
genahet und solich fürwort gepraucht und dasselbig mit Vorzeigung seiner
werc, welche mit vleis vol scharten und kromme geslagen gewest, bekreff-
tigt; also ist er vor den vermeinten konig gefnrt . . .*'
') In der Relation im St-A. Marburg: „. . . also ist er vor den ver-
meinten konig gefnrt, daselbst examinirt und zuletzt in einen thom, den
sie den beiden thom . . . nennen, geftirt worden. Als er sich aber im glauben
und die widdertauff anzunemen erbotten, ist er nach dreien oder vier tagen
ausgelassen und getaufft, auch zu vermeintlichen trabanten oder diener
angenommen, mit krön und schwartz sammeten wambs (des kOnigs färbe)
bekleidet und einem guldnen ringe, wie ander des konigs hofgesynde, be-
gabt worden.**
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780 Anno 1535 acta.
exploratqae adeo, nt proditionis suspectus apud quosdam esse
coeperit. Sed auctoritas, qua apud regem pollebat, suspicionem
obscurat. Manet in urbe ultra menses duos^, ut omnia secreta
regis et urbis exactius cognosceret. Interea Stedingus, cum re-
ditum iUius expectaret, per castra nunciavit, ne quis ex urbe
interdiu venientem sudariumque explicatum circum caput agi-
tantem occideret. Illud enim signi reditus datum erat
Nagelus cum se satis diu in urbe fuisse et omnia, quae
^p. 588. ibi agerentur, *explora8se putaret, 30. Martii, id est die Martis
^. März, post diem paschalem ^ quasi olera allaturus urbe egreditur et
recta ad castra Mauritiana, unde digressus fuerat, contendit
Viso signo a militibus recipitur *, ducitur ad Stedingum, narrat
omnia, quae exploraverat. Primum^ regem decem et sex secum
pellices, quarum una praecipua sit regina, alere, ipsum trecentas
habiturum et totius mundi monarcham, ut populo persuaserit,
futurum ^ Centum equos et ducentas propemodum yaccas esse,
neque quicquam praeter salem et panem, quibus vescantur, super-
esse ^. Item regem eruptionem yiolentam moüri ipsumque plebi
') In den Aussagen H. NagePs findet sich kein Anhaltspunkt dafür,
wie lange er in der Stadt blieb.
*) „Auff dinstag nach Ostern" heifst es auch im Bericht H. Xagel's
im St.-A. M. — ^j üeher die Art der Flucht H. Nagel's herichtet nur die
Eelation im St-A. Marburg, in der es heifst: „Des konigs hoffgesjnde gehet
heraus uff ein wiefsmat, daselbst salat . . . auch andere worzeln zu graben
und essen. Mit denen ist gemelter edelman etliche tage heraus und widder
hinein gangen. Zuletzt, als man nit mher mifstrauen in im gesetzt, hat
er seinen furtheil ersehen und sein flucht uff die plochheuser widder ge-
nommen, sich auf den weiten mosigen boden also abgelauffen, das er er-
legen und in der vheinde, so ime nachgeilt, henden hett pleiben müssen,
wo er von den plochheuscrn nit entsetzt were worden/
*) Das Folgende nach H. KagcPs Aussagen im St.-A. M.
^) In den Aussagen: «... sagt, das der konigk hab funffzehen
weiber, solde und mufs zu hauff drey hundert haben. Er wolt auch ein
konig in aller weit werden, und alle andere konig und keyser sampt allem
gewalt müssen von ym entsatzt werden.** Die Relation im St.-A. Marburg
berichtet vom König, „er habe vierzehen weiber und mit der ersten neulich
-ein dochter erobert." lieber die Frauen Johannas v. Leiden vgl. oben S. 657 ff.
°) So die Aussagen im St-A. M. Die Relation im St.-A. Marburg
berichtet: „Von prophanden der stat zeigt er an, es seien darin nit über
funffzig mclckkue, der verschonen sie von wegen der milch, schmalz und
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Anno 1535 acta. 781
persuadere annm Israelitam decem impios in pugna prostra-
tnrnm; Patrem omnes obsidentes caecltate percussnrom. Item
nrbem mirum in modnm firmari. Eegem ipsnm in erigendis
mnnitionibns occnpatnm esse; et nisi gib Hollandis et Frisiis,
quorum copias in singnlos dies expectet, ab obsidione liberetnr,
ipsnm obsidionem ad dnos menses ob pennriam, famem et om-
ninm remm inopiam non posse snstinere ^. Hnic viro narranti ^
kelber; aber rofs seien noch bei nngeverlich 60 darin ... An brot spnr
man nit mangcl, ob aber an dreide noch viel vorraths vorhanden, habe er
nit gesehen. Viel saltz sei vorhanden. Bier brauen sie in der stat. Viel
seien darin, denen das wessen misfalle, wollten gern heraus, so sie mochten.*'
Damit ist die Aussage des Sybbeken Frese nicht zu vereinigen, der am
19. April bekundet (St.-A. M): „De gemeine mann, wiffer und kindere lyden
groten smacht und kummer und schreyen und ropen up der gassen elendich,
und men hebbe in vyff dagen gyn broit gespiset, dann leven van
grafs und zwynen krude uth dem velde, welcker en de koninck gesacht,
darvan solden se glick van brode zick mögen entholden." Noch am Ende
des Jahres 1034 soll der König geäufsert haben (s. das Bekenntnis des
Zillis Leitgen bei J. Niesert: U.-S. L S. 143), „sy betten noch vor ein
jaer hier und broth, dan sie boucken roggen und gerst zusamen." Ganz
anders aber lautet der Bericht des H. Graes im Januar 1535 (J. Niesert
a.a.O. S. 148): „Ick hebbe raitswyse gespraken mit Bemarde Botman; de
sachte my, weret sake, dat uns Got nicht reddet van unssen vyanden, so
wüste men geinen raith, want de rogge und gerste, de krimpe seer und
wolde wall in einen maent offt 2 uppe syn." Die Anzahl der noch
vorhandenen Pferde und Kühe giebt S. Frese auf 20 resp. '200 an. Die
Kühe werden „vor kynder und krancke lüde geholden und gebruckt." Vgl.
auch oben S. 738 Anm. 3.
') In den Aussagen im St-A. M. heifst es: „Sie bawen auch die
stat unmuglich fest, und der konigk arbeitet selber daran. Er hofft auch
auff uffruer des gemeinen mans, und so im dasselb feien wurde, möge er
die stat nber zwen monat nicht halten. **
') H. Nagel föhrt dann noch fort: „Er ist auch muts heraus zu
zihen, hat darum acht personen heraus geschickt. Und wiewol er sie auff
diss Ostern verdrost, das sie entsatzt selten worden sein — das Got hab
lob noch verhut ist — sagt aber inen, es geschehe umb irer sonde willen;
sie sollen sich aber besseren, so werde sie Got erretten und sie aus den
henden irer feindt erloesen.'' Damit enden die Aussagen U. NagePs im
St.-A. M. Die Relation im St-A. Marburg erwähnt: „In der nechsten kar-
wochen seien sie willens gewest, herauTser zu fallen einhellig und alle,
haben zwo wagenburgk derhalben zugericht, aber der konig hab es nit ge-
scheen woUen lassen, sonder gesagt, der Vater habs ime verbotten. Ir mey-
nung sei gewest, sich durch die vheinde zu slagen und abweg ze zyhen.^
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782 Anno 1535 acta.
ita fides habetur, nt de certissima deditione urbis duces non
ambigant. Nihil nnnc miles per castra sonmiat nisi de conditi-
onibns deditionis, de facie urbis captae, de direptione, de praeda
dividenda. lam cogitat se tandem post longam Martis peregri-
nationem lannm clausumm et senectntis viaticnm consecntomm,
quo reliquos vitae annos in pace transigat.
Turbanus Billus, vir militaris ordinis ex Dania oriundus,
post calamitosam illam superiori anno factam oppugnationem in
s. Febr. conflictatiuncula ab oppidanis captus est et tertio Februarii urbe
«lanculum reversus coram principe et militiae praefectis enxm-
ciavit^: regem literas typis in urbe excusas illiusque sigillo si-
gnatas in omnes orbis* partes emissurum, quibus grandia mi-
litibus stipendia et praedam omnium populorum promittat; quo
Astu ingentem se exercitum in praesidimn suae causae et onmis
magistratus intemecionem coacturum confidat^ Princeps haec
») Ms.: urbis.
Ueber den König berichtet die Belation noch, er «iieite uf einen falen gaulin
mit schwartzem granen sammat bedeckt in der stat nmb, habe ein gnldene
<;ron uf seinem haupt, ein yergulte raten in der handt, ein güldene weit
mit zweien Schwertern am halTs, und sonst, wie doch einem rechten konig
2usteet, geziret.'' „Er zeige sich firolig mit dantzen, singen und springen."
— In Bezug auf einen beabsichtigten Ausfall des Königs aus Munster
mahnt der Bischof bereits am 15. März die Amtleute zur Vorsicht mit den
Worten (Konzept aus Wolbeck im St-A. M.), er habe von Gefangenen er-
fahren, „dat der yan Munster yermeynte konynck yn meynonge sjn zolle,
upt starckste mjt der macht uth to trecken, yillichte de klejnen stede
unde ylecken yn to nemen, to plünderen unde zo den gemeynen man myt
doetslach unde rauw geweltlich to oyerfaUen." Vergl. auch weiter unten
die Aussagen des Nikolaus yon Boppard und H. Gresbeck S. 125 IL
') Dieses und das Folgende entnimmt Kerss. einem Schreiben des
Bischofs aus Wolbeck yom 3. Febr. an die Erzbischöfe von Köln und Trier,
den Herzog yon Cleve und den Landgrafen von Hessen (Konzept im St-A.
M.; Abdrack des Orig. des Briefes an den Landgrafen M. G.-Q. II, 312 fl).
Turban BiU war einer der Trabanten des Königs gewesen. Vgl. oben S. 649.
*) In seinem Schreiben giebt der Bischof genauer an, dafs die In-
haber der Stadt „einem ideren einf eidigen tzoldener yeir goltgl., den bussen-
schütten vif, und einen gerusteden knecht sefs goltgnlden tor maent to geven
willen anbeiden laiten.'^ Ebenso berichtet Wirich v. Dhaun am 12. Febr.
dem Landgrafen und f> hinzu (M. G.-Q. II, 316) : „Sie wollen auch aller
forsten, geistlichen und weltlichen, grayen, edeUeut und obeikeiten guter
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Anno 1535 acta. 783
ubi accepisset, arctissimas vigilias disponit, ne regii isti legati
«labantur passimque per orbem varios motns excitent. Ingenia
6nim militrun ea esse cognoscit, nt manifestam etiam impietatem
magnitndine stipendii et praedae illecti tneri non ernbescant;
ibi enim (teste Lucano ^) fas esse existimant, ubi maziina merces;
quae res non solnm se, verum etiam omnes Europae prin^cipes »p. 589.
et respublicas contnrbatura sit^. Proinde, si forte castodiam
saam elabantnr, regis illad propositmn omnlbus eircnmqnaqne
den knechten zum pefsten geben, sonder den gemeinen man nnbeschedigt
lassen.^ Ueber Anwerbung von Knechten s. auch oben S. 737. Zwar stellt
Johann y. Leiden in seinen Bekenntnissen solche Anwerbungen entschieden
in Abrede (bei J. Niesert a.a.O. S. 180 f. und M. G.-Q. II, 373 f. u. 401);
aber schon im Januar 1535 sagte H. Graes aus (J. Niesert a.a.O. S. 146):
„Daer is raitswyse geslotten under de hoveden bynnen Munster, dat men
will knecht annemen, acht offt tein dusent, so vell als men krjgen kan,
und geven enn ton maent 4 g. und frje roverje, alle heren und fursten,
beide geistlige und werüige overicheit to yerdrucken. Dyt is alle bestalt
in Overlant, Yreislant, HoUant und Wessel.'' Ein uns erhaltener Aufruf
der Inhaber Münsters an die Landsknechte vor der Stadt vom 19. Januar
(Zeitschrift des Bergischen Geschichtevereins Bd. '20 [Bonn 1885] S. 38 f.)
stellt den Ueberläufem „veer wichtige golt gülden myt todath vryer buthe
der beschorenen monneken und papen'' in feste Aussicht
') De hello civili X, 408. — *) Ueberhaupt waren die Knechte vor
Münster zu Meuterei und Desertion geneigt, denn immer fehlte es am Gelde,
sie rechtzeitig und ausreichend zu besolden. Das Stift Münster war durch
eine auf dem Landtage zu Telgte am 18. Jan. 1535 neu bewilligte Schät-
zung wieder schwer belastet worden. Die in Coblenz festgesetzten Hülfs-
gelder kamen nur sehr langsam, oder auch gar nicht ein. Wiederholt sah
sich der Bischof genötigt, bei den ihm verbündeten Fürsten neue Anleihen
zu machen, um überhaupt Geld zu erlangen. Die kräftigste Stütze fand
er an dem Landgrafen von Hessen, der überall auf Bezahlung der rück-
ständigen Gelder drang und sich deswegen auch an den König Ferdinand
wandte. Am 14. März konnten die hessischen Räte dem Bischöfe aus Kassel
melden, dafs der Landgraf den Erzbischof von Mainz nicht nur zur Er-
stattung des Geldrückstandes, sondern auch dazu vermocht habe, weitere
2000 Gulden zu leihen. Am 20. März berichten sie weiter, dafs der Land-
graf auch von dem Herzoge Georg von Sachsen 2000 Gulden erlangt habe
(Originale im St.-A. M.). Doch war damit in keiner Weise hinreichend
geholfen. — Anknüpfend an die Aussagen des Turban Bill schreibt Wirich
V. Dhaun am 12. Febr. an den Landgrafen (a.a.O.): „... so das gelt nit
erlegt, were nit möglich, die knecht, so doch meütterei daronder, zu be^
halten. Wir wurden auch von den knechten in soUichen last komen, dar-
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784 Anno 1535 acta.
principibns significat, ne uspiam militnm copias coalescere si-
nant. Uli autem, etsi arctissima custodia septi, inter tela et
gladios tuti elabuntur, veram regiis literis proditi a Creorgio
Schenck aliisque passim magistratibus intercipiuntur atque sup-
pliciis meritis aflFecti regis sni expectationem fnistrantur.
Mnltos inde oppidanos pnllulascens remm penuria ad de-
fectionem sollicitavit^, qaae qnibusdam satis feliciter, qnibnsdam
9. Febr. vero male cesserat. Nam die 9. Februarii tres viri et totidem
feminae *, cum aut defectionem molirentnr ant defectionis fiitnrae
conscii deprehenderentur neque eam magistratui enanciarent,
gladio plectuntur, qnornm primus Hanso Bechemicns Turbanum
Billnm elabi machinaDtem inverat, ut ab episcopo pro se quoque
effagituro commeatmn impetret.
Hieronimus Profaess et Henricus Holsten coUusionem Billi
et Bechemici de effagio, de commeatu ab episcopo petendo de-
que commeatus impetrati symbolo foris inter mnnitiones et vi-
neas ostentando scivernnt et caelaverunt.
durch nns unser leib und leben in sorgen stan must." Yergl.
auch Wirich's Brief an den Landgrafen vom 25. Febr. (M. G.-Q. II, 31 7 ff.).
^) Auch fehlte es im Laufe der Zeit nicht an Versuchen, die Be-
wohner Münsters zum Yerrat an dem Könige zu bewegen. Im St-A. M.
hat sich das Konzept eines Schreibens des Bischofs aus Wolbeck vom 13.
April an den Amtmann zu Iburg mit dem Vermerke „selvest ton handen**
erhalten, in dem es heilst, in Iburg sei unter den Gefangenen ein Ijands-
knecht; seine Strafe werde dieser wohl kennen. „So vem zick derselve
gefangen verplichten wyll, wedder bjnnen Munster to trecken und den un-
schuldigen gemeynen man upt heymligste na allen sinen vermögen under-
richten und bewegen, wegen deme ze zick dar hin wjUen begeven und uns
den konynck, Bemdt Botmann, KnypperdoUinck unde andere oversten bevel-
hebber, dar to den schätz unde kleinodien an sylver unde golde, zo noch
bynnen Munster vorhanden, overleveren, dat wy alsdan ere unschult unde
dat ze zo iamerlixt bedragen unde verfuret, . . . wyllen ansehen unde eres
lyves unde leventz begnaden, dat wy dan ock geneigt, dem gefangen synes
leventz to Msten.** — Das Konzept einer Aufforderung von Seiten des Be-
lagerungsheeres vor Münster an die Gemeinde der Stadt, „den vermenden
koninck mith synen valschen propheten und anhanck by den helszen*' zu
greifen und sie „levendich to leveren,'' datiert vom 1. Mai, ist mitgeteilt
in der „Zeitschr. des Bergischen Geschichtsvereins ^ Bd. 28 (Elberfeld 1892)
S. 220 ff. S. auch weiter unten.
') Die folgenden Beispiele sind nur durch Kerss. bekannt
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Anno 1535 acta. 785
Dreierschenia non tantum Billi, verum etiam Werneri
Scheiffers defectionis conscia, quem etiam, ne inter elabendum
quibusvis fidat, praemonuit (sibi enim extrema a rege, nisi pru-
dentius rem instituat, parata esse), ob id in coenobio a valle ro-
sarum nuncupato ad aliquot dies capta detinetur.
Margareta Tunekens Billo literas pro gratia impetranda ad
Baesfeldium perferendas tradiderat et pecuniam publicam, quam
secum exitura pro viatico ferret, subtraxerat.
Anna Hoenes Tymanno Groningano quinque florenos in
suroptum effugii dederat, quod scelus, ne simili se postea con-
taminaret, carcere expiatum est. Nunc vero superioris sibi factae
gratiae immemor Billo octo florenos suppeditaverat. Praeterea
iuxta arctum ponticulum, quo iter est ad Transfluyianos, 17 flo-
renos repertos in contemptum regii edicti in commune non de-
tulit, sed sibi servayit et sub tecto domus suae condidit.
Propter haec enormia, si diis placet, flagitia capti in forum
protrahuntur et decoUantur. Cum vero camifex in caede Drei-
erscheniae *a valle rosarum ad supplicium protractae tardior»p. 590.
Visus esset, EnipperdoUingus gladio e manu camificis rapto offi-
cium illius peregit neque amicus amicae pepercit neque horruit
eum fundere sanguinem, quo saepe concaluerat, neque erubuit
crudelem ei se exhibere hostem, cuius amplexibus fotus veneri
aliquoties indulserat. Hle vero furorem suum excusans Patris
se instinctu agitatum proclamat; illius nutu et arbitrio manus
suas praeter opinionem suam in sceleris vindictam commotas et
impulsas esse^
Matthias quoque Arschins, cum advenae cuidam arma ven-
didisset et a Turbano Billo duos florenos Philippicos accepisset
atque ita adversus regis edictum pecunia interveniente negotiatus
fuisset *, 25. Pebruarii gladio caesus est. 25. Febr.
*) Ganz allgemein sagt H. Gresbeck S. 72: „So hat Enipperdol-
lingk mehr Ineden die koep in der stat afgehonwen, dan Johan Yon Leiden,
wante EnipperdoUingk was dat schwort bef ollen mit den irsten.*' Yergl.
dazu oben S. 573. In seinem ersten Verhöre am 25. Jnli 1535 gesteht
KnipperdoUing selbst zn (s. J. Niesert a. a. 0. S. 188; vergl. auch M.
G.-Q. n, 378), „er hebbe nmbtrent 11 oder 12 mit syner handt gerichtet,
ock etzliche mit schrayen up den benen gepyniget.*'
*) Vgl. oben 8. 768 Artikel 16.
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786 Anno 1535 acta.
Legitima Enipperdollingi coninnx, matrona quidem honesta,
cnm adversns polygamiam multa dixisset, rex eam in forum pro-
duci iubet, nbi in populi frequenti Corona strictum gladinm
aliquamdiu tenere compellitnr, qua ignominia, cnm agnosceret
quoqne se deliquisse, criminis remissionem impetravit*.
Cum oppidani aut bini aut temi aut quatenii aut plures
simul consociati excursiones saepe facerent et pro arbitrio aut
cum militibus confligerent ant iis non sentientibus castra prae-
terirent commeatumque passim in villis ru8ticanis aut emptum
aut militiae praetextu raptum secum in urbem asportarent vel
non redituri elaberentur efifugerentque, alii vero quovis tempore
urbem impune ingrederentur', princeps et militiae duces opus
') Dietl-ich von Hamburg Bl. A2'^ berichtet — wir kennen seine
QueUe nicht — , dafs einst Joh. Dusentschner öffentlich als gottliche Ein-
gebung verkündet habe, es sollten sechs gefangene Frauen getödtet werden,
unter denen sich auch die Frau Knipperdolling^s befand, die ,,der andern
seiner frawen jr kleid nit gleich niitthejln^ wollte. Er fügt die schliefs-
liche Begnadigung der Gefangenen hinzu und die Worte des Königs, der
zum versammelten Yolke sprach: „Dise weiber sein euch hie für zu einem
Spiegel ; wo sie dise guter nit gleich mit einander thejlen, sollen sie sterben
mit dem schwert . . / Eine zeitweilige Gefangensetzung der Frau Enipper-
doUing's findet ihre Bestätigung in den Geständnissen des Dionjs. Yinne,
der schon im Oct. 1534 aussagte (M. G.-Q. II, 276): „Enipperdollinges
husfrowe is ledich und is wedder bj em im huse." Joh. Fa-
hr i eins Bolandus Bl. Y3, dem auch H. Hamelmann S. 1273 folgt, sagt:
„Consortem thalami fera regni facta gementem
Ensifer ipse suo perfidus ense necat.
Duxerat hanc anabaptistes iam factus et istam
Legitime tandem fecerat iUe suam.
Namque, ut fama refert, cum qua consueverat ante,
Quam fieret coniuni, haec vel amica fuit.
Dicitur ista tamen mulier miseranda fuisse,
Morihus in reliquis usque probata suis.^
Ein Beleg dafür findet sich in keiner anderen Quelle. Es liegt bei Bolandus
wohl nur eine Verwechselung dieser That des EnipperdoUing mit der Hin-
richtung der Dreierschen vor, die, wie Eerss. eben angab, eine frühere Ge-
liebte des EnipperdoUing gewesen war. Eine Ähnliche Art der BestraAuig
«iner Frau erzählte Eerss. oben S. 733.
*) „Lauffen auch etliche beweil in und auls der stat, des man nit
yerhueten kan,** schreibt Wirich v. Dhaun am 12. Febr. dem Landgrafen
▼on Hessen (M. G.-Q. II, 316). Vgl. auch oben S. 746 Anm. 2.
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Anno 1535 acta. 787
in autamno superioris anni coeptnm et partim Warendorpensiam
seditione, partim hjemis incommodo abrnptum perficiendom esse
censent, et nt tota arbs vallo fossaqne arctissime cingatnr, ne
coiqnam exitus ingressnsqne in nrbem pateat'; sie enim fore,
nt oppidani commeatibns interclnsi pennria remm necessariarnm
laborantes et anxilii liberationisque spe destituti sine sangaine
sese dedant, atqne ita se incmentam victoriam habitnros confi-
dunt. Bevocantnr itaqne agricolae ad opns snperiori anno inter-
missum ad 11. diem Pebmarii. Qni inviti quidem superioris in- u. Febr.
commodi memores ad hoc opus pertrahuntur, quorum quidam,
cum non solum rebelies essent, sed et alios quoque ad similem
rebellionem ita animassent, ut horrendam seditionem omnium
rusticorum trium episcopatuum ad*versus principem fere commo- »p. 591.
vissent, capite plectuntur et concitatae seditionis poenas in hac
rerum angustia bene commeritas dederunt; quorum exempla a
simili temeritate reliquos deterruerunt K Peculiaris etiam domus
') Die sorgfältigere Befestigung der im Herbste angelegten Block-
häuser und die yoUstandige Durchführung des Planes, Münster von jedem
Verkehre nach aufsen abzuschliefsen , war dem Bischöfe und dem Ober-
befehlshaber auf dem Kreistage zu Coblenz zur Pflicht gemacht (s. oben
S. 745 f.) und war Gegenstand der Yerhandlungen auf dem jüngsten Land-
tage zu Telgte geworden. Aber schon am 28. Januar berichtete Wirich
V. Dhaun zusammen mit den Kriegsräten dem Landgrafen (M. G.-Q. II,
810 f.): „Als auch zu Coblentz abgcret, das von einem plockhufs zu dem
anderen graben mit stancketten gemacht werden solten, haben wir die ge-
legenheit mit flifs besichtigt und befinden, das noch zu dieser zeit solch
graven nit moegen furgenomen werden ufs Ursachen, das umb Munster ilich
wassericht land ist und die greber ime wasser nit arbeiden künden. Aber
doch willen wir nit underlassen, so bald inrnier möglich sin kan, das das-
selbigh furgenomen und volnpracht werde. ^
') Wohl haben wir aus jener Zeit Nachricht, dafs die zur Arbeit be-
fohlenen Gräber nicht rechtzeitig eintrafen (so schrieb der Amtmann von
Ahaus am 22. Febr. entschuldigend an den Bischof [Orig. im St.-A. M.]),
aber für einen ernstlichen Widerstand oder gar offenen Ungehorsam geben
die Akten keinen Beleg. Kerss. hat, worauf schon O.A. Oornelius hin-
wies, hier chronologisch ganz ungenau die gefährliche Verschwörung der
Bauern des Amtes Yechta im Juli 1534 im Auge, die durch bischöfliche
Befehle zur Durchführung der Offerkamp'schen Belagerungspläne veranlaCst
und durch die Energie des Bischofs im Keime erstickt wurde. Vgl. oben
S. 5% ff. und 0. A. Oornelius in den „Mittheilungen des bist. Vereins zu
Osnabrück^ 3. Jahrg. (Osnabrück 1853) S. 54ff.
26*
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788 Anno 1535 acta.
in castris extruitnr, in qua gerrae seu vineae tormentorum ob-
iectacula ac defensacnla militam ex viminibns lentis ac tena-
cioribns vlrgultis texerentur. Operas itaqne partixintnr, ut Wolt-
beccani agricolae ab Alphae dextro latere in nrbem decnrrentds
ad Anthonii Lichtbertenii propagnacnlnm opus ducere incipe-
rent \ inde Bevergemenses et Saxenburgici ad Hansonis Tecken-
burgici castellum, inde Ludinckhusiani ad arces Mauritianas,
quibus Stedingus praefait, inde Horsthmariani ad Wilhelmi Am-
hemici /brtalitia% inde Dulmanienses et Stromburgenses ad Lau-
rentii Horsthani munimentum, inde Abusiani et Bocholdiani ad
Egberti Devereni defensaculum, inde Wemenses ruricolae ad
Hermanni Sjttardi erymata et binc ad sinistrum Alpbae latus '.
His post qnintum diem dimissis Harpstediani, Wildeshusenses,
Yechtenses, Emeslandii, Cloppenbergenses et Delmenborsthani
succedunt ; his aliaruro quoque dioecesium agricolae, donec opus
absolvatur, per vices substituuntur' ita, ut supra tria rusticorum
millia a satrapis et praefectis suis ibi praesentibus continuo la-
bore occupati semper detineantur, nisi quod statis boris tympa-
norum pulsu a labore quiescant et ad eundem revocentur. Are-
tissime ita urbs tota praecipiti fossa praeruptoque vallo sentibus
lignisque per certa intervalla insertis et ad retinendum opus e
terra sabulosa congestum interpositis cingitur, libertasque yagandi
erumpendique oppidanis adimitur, quae res ipsis exitio tandem
futura erat. Multum temporis in eo opere excitando absumitur.
Amplissimam enim iUam^ campi planitiem, quam regnum vulgus
») Ms.: scortalitia. — b) Ms,: illud.
') Kerss. übersetzt hier die Bestimmungen, die in der ^Ordennnge der
nygen grafFt vor Munster* enthalten sind (Kopie ohne Datum im St-A. M.
M. L. A. 518/19 Y. fol. 129). Sie beginnen: «Wolbecke; van der Aa befs an
Thonies Lichtherten bloickhues, dairtho dath korffhuis hurte, holt,
korve to bestellen und donredach nach Estomihi*' (11. Febr.) „an f fangen.*
■) In der „Ordenunge": „Werne; van der A up bes an Herman van
Sytters und vort dan van Sitters befs an Egberts van Devem blockhofs.*
^) Doch mufste der Bischof seine Befehle, die nicht genügend be-
achtet wurden, mehrfach wiederholen, so am 14. Februar und am 3. M&n
(Koniepte im St-A. M.).
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Anno 1535 acta.. 789
appellavit^ inter castra et nrbem continuo clrcnmdnctu am
plectitur.
Orientales urbes, qnae cnm aliis qnibusdam rebuspublicis
commodioris mercatnrae exercendae gratia qnaedam inter se foe-
dera antiqnitns pepigerunt*, Monasterimn, nobilissimam West-
phaliae metropolim, foedere sibi qaoqne consociatam, ita ferro,
caedibas popnlationibasqae peritnram dolent. Itaqae senatns
Lübecensis reipnblicae per literas ad principem nostmm 13. is. Febr.
Februarii scriptas efflagitat, nt *sibi vicinisque civitatibus, ut-»p. 592.
pote Hamburgensi et Bremens!, controversiam inter se civitatem-
que Monasteriensem iam diu agitatam et gliscentem in gratiam
innocentnm, qnornm sine dnbio magna adhnc inter nocentes sit
copia, intercipere, interceptam per gratiam Dei ad pristinam
concordiam revocare liceat^. Eodem qnoque tempore amanuensis
cnriae Bremensis idem petitmn iternm aderat ^.
^) So bezeichnet z. B. das Flugblatt „Der gantze handel" Bl. A3^
den Raum „zwischen der stat und den plockheusern^ als „Königreich.*'
S. auch H. Gresbeck S. 169, 172, 188, 194 u. 197.
') Gemeint sind die Hansestädte. — ') Orig. des Briefes im St.-A,
M. Die Stadt Lübeck weist darauf hin, dafs sie von jeher die ketzerische
Lehre der Wiedcrt&ufer hätt« verhütet und verfolgt wissen wollen, dafs sie
„ock ungemc dar an sjn** wolle, „dat de hovede und stiftere soUichs un-
christlichs vomemens aldar tho Munster erem verdeynste na nycht scheiden
gestraffet werden." „Dannoch,** so fahrt das Schreiben fort, „darmyth de
unschuldigen, so thom dele buthen und ock ungetwjfelt noch bynnen be-
rurter stadt Munster sjn mögen und de djnge woU gerne anders gesehen
hedden, so eth yn erem vermöge gewest, mochten bewart und gereddet
werden, wolden wy unsers deles unbeschwert syn, so i. h. u. f. g. gnedich-
llck geneget, yn der sachen handeis tho vergunnen und . . . uns neffen den
ersamen unsem nahem und frunden von Bremen und Hamborch, de sick
ock ungetwyvelt beruerten valles to soUichem guden wercke mede wurden
gebruken lathen, tho gelegener tyth und maelstede mith der sachen tho
bekümmern, den armen unschuldigen tho erer reddynge und sust dem frede,
christlicher eynicheyt und gemeinen besten tho gude." — üeber Lübecks
Verhältnis zur Lehre von der Wiedertaufe s. L. Keller: G. d. W. S. 187 ff.
*) üeber Bremens erfolglosen Vermittlungsversuch schon im October
1534 s. oben S. 689 f. Jetzt, am 22. Februar, beglaubigt die Stadt ihren
Abgesandten mit folgenden Worten bei dem Bischöfe (Orig. im St.-A. M.) :
„Wy hebben avermals unsen secreter mester Märten afgeferdiget, itlicke
werve von unser und iüicker ander stede wegen an i. f. g. tho dragende,
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790 Anno 1535 acta.
(S7. Febr.) Ad quae princepsM Se non animi ant oblectationis causa
ant temere levenique ob cansam, sed summa et inevitabili ne-
cessitate adactnm violentos istos urbis Monasteriensis detentores
seditiosos, schismaticos, anabaptistica fece poUutos, perfidos,
foedifragos, perinros, impios, imperii edicti et publicatae pacis
violatores, ut subditi in tranquillitate conserventur, ferro armis-
que persequi civitatemque tanqnam impionun et seditiosomm
asjlum obsidere. Et nisi illud factum fuisset, Monasterienses
non solum dioecesim, verum etiam Gtermaniam et totum inde
christianum orbem quasi contagione quadam seditione sua turba-
turos et in insignem cladem praecipitaturos fuisse. Saepe ipsos
et yerbis legatorum suorum et scriptis non tarn a se et dioecesis
ordinibus, sed etiam ab imperii aliquot principibus familiariter
admonitos fuisse, quae omnia nihil profuerint, imo ipsos prae-
fractiores, obstinaciores et pertinaciores redditos. Se ergo peri-
deme nha wy ock instendiges fljites bydden, i. f. g. wollen ehme synes
Yordragens an unser stede nnde nhamen nppe dnth mael gnedige gehör
nnd geloyen geven, gelick uns sulvest." — Schon am 10. Febr. hatte die
Stadt Bremen an die Stadt Köln geschrieben (Kopie im St.-A. Düsseldorf )«
sie habe sich nach den früheren fehlgeschlagenen Yerhandlnngen mit dem
Bischöfe an Hamburg, Braunschweig und Lüneburg gewandt, damit der
Bischof erkenne, dafs yon den Hansest&dten die eine in Zeiten der Kot die
andere mit billigem Beistande nicht yerlasse. Da jetzt Lübeck, dem die
Vermittlung „als oyersten der stede bülicken gebueren wolde, durch ytzige
kiyegsleufftige daran yerhindert,*' so möge Köln die Führerrolle übernehmen
,,in ansehung . .'., so die stat Munster weitter überzogen . . ., das sie dar-
durch nit allein yon gemeinen stenden der Anza abgesondert und yermekt"
werde, sondern dafs es „auch sonst zu unser aller nachtheil und beschwe-
rang langen und gereichen konte." — Auch hatte Bremen in Gemeinschaft
mit Osnabrück dem Bischöfe Franz den Entwurf eines Schreibens der Hanse-
stftdte an die Inhaber der Stadt Münster eingesandt Das Schreiben (Kopie
ohne Datum im 8t-A. M. M. L. A. 518/19 Y. fol. 109) bietet die Vermitt-
lung an und schliefst mit der Frage, „ifft wy sampt anderen yorbenoempten
reden der erbaren stede*' (Lübeck, Köln, Hamburg und Braunschweig) ,Juwer
ock to allen reden, rechten und billicheyde scholen mogende und mechtieh
weeen, unde ifft gj juw ock in juwer lerö und leyende, szo
desulyige tom dele unkristlich und yerfurisch, wie dar yan
gesecht wert, befunden wurde, mit der klaren eyangelischen
lere wolden underwysen und boseggen laten.^
■) Aus Wolbeck am 27. Februar. Konzept im Si-A. M.
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Anno 1535 acta. 791
culosam belli et obsidionis aleam primum subiisse, inde, nbl se
snscepto oneri imparem esse intelligeret \ se viciDornm prin-
cipnm et tandem aliorum imperii Bomani ordinnm praesidia ad-
versns Monasteriensinm temeritatem implorasse et consecutmn
esse. Sibi enim ab Ulis non tantum anxiliom decretum esse^
verum etiam ipsos se in partem onerom intromisisse. Proinde
se sine illomm consilio et anctoritate, quomm maxime intersit,
nihil in hac cansa admissurnm. Si vero alia in re ipsis grati-
ficari et vicinitatis officia praestare quiverit, se non gravatim id
factumm. Hoc response facile declaratnr, quod imperii priii-
cipes impietatis et rebellionis exempla in hac urbe stataenda
esse decreverint *.
^) „. . . dewlle wj uns dan allein by uns . . . jn de lengde to swack
und de zake uth to foren unvennogens befunden . . .^
') Thats&chlieh gab der Bischof das Yennittlungsgesuoh der Hanse-
städte den verbündeten Fürsten bekannt. Seinem Gesandten an den Erz-
bischof von Köln, Hermann v. Amclunzen, dem auch das Schreiben der
Städte Bremen und Osnabrück mitgegeben war, wurde am 3. März eine
ausführliche Antwort zu Teil (Kopie im St.-A. M.). Der Erzbischof spricht
sich deutlich gegen eine einseitige Yermittlung aus, erhebt jedoch keinen
Einwand dagegen, dafs von Seiten der Städte eine Abmahnungsschrift an
die Inhaber Münsters gesandt werde, nur müsse der ihm eingeschickte Ent-
wurf abgeändert werden. Der Erzbischof mifsbilligt u. a., dab der Ent-
wurf die Einwilligung des Bischofs in eine Yermittlung als sicher hinstelle^
ebenso dafs die Städte darin erklären, nur gerüchtweise von den Münster-
scheu Yorgängen gehört zu haben, und dafs sie nur einen Teil derselben
für unchristlich und verführerisch halten, und dafs dieser Teil nach der
klaren, evangelischen Lehre solle untersucht werden. Er wünscht ein
Schreiben ganz in der Art, wie es die Kreisstände zu Coblenz abgesandt
hatten. — Auch liegt uns ein Gutachten vor, das der Statthalter und die
Bäte zu Kassel in Abwesenheit des Landgrafen am 6. März an Wirich
V. Dhaun und die Kriegsräte übermittelten (Orig. ebendas.). Sie heben
hervor, dafs eine gütliche Yermittlung zwar in erster Linie Sache des Bi-
schofs Franz und der Münsterschen Landschaft sei, doch meinen sie, „das
vor aUen dingen versehen werde, das den leutten in der stat dardurch khein
lufft gemacht und dem furhaben, so mit grofsen Unkosten jtz erhalten wird^
khein unrath entstehe. So wissen wir auch nit, ob es gut sey, das so ilends
die gutliche underhandlung eingeraumpt werdt^ — Auf der Yersammlung
der Stände zu Worms im April setzten die Reichsstädte aber doch noch
einen abermaligen Yersuch zu einer Unterhandlung durch. S. weiter unten.
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792 Anno 1535 acta.
Nicolaus Bupardicns, miles gregarins ab oppidanis ante
25. März, menses aliquot captus, 25. Martii^ id est die lovis post Palmamm,
occasione captata ex urbe ad suos redit^ Hie commemorat:
*p. 593. Monasterienses octo *yiros totidem pecuniarum sarcinis onustos
16. Martii in Hollandiam et Frisiam auxilinm petitum tempore
nocturno ablegasse, qnorum quatuor Clivense, reliqui vero qna-
taor Geldriacnm castellum centnm et quinquaginta anuatis sti-
pati militibus non sentientibus inter tumultum praetergiessi
sint '. Befert etiam regem falcatis quibusdam curribus frumen-
tatum eruptionem facturum^. Proinde princeps omnia dioecesis
oppida omnesque satrapas et pagorum villarumque praefectos
admonet, ut accuratissime suis rebus prospiciant et, si quid
frumenti aut commeatus in locis urbi propinquioribns habnerint,
remotioribus ac tutioribus id committant.
S8. März. Bex, cum paschalis dies instaret, qui eo anno 28. Martii
celebrabatur, et de liberatione urbis, quam populo vaticinatus
erat futuram^ desperare inciperet, aegritudinem simulans domi
sese ad sex dies continet, ut interea viam elabendi et purgandi
^) Dieses und das Folgende aus einem Briefe Wirich's y. Dhaun
yom 25. März an den Bischof (Orig. im St-A. M.). Darin heifst es, dafs
Nikol. Y. Boppard f&nf Wochen in Münster gefangen safs. Ein Schreiben
des Bischofs yom 26. März ans Wolheck an G. Schenck y. Tautenhorg
(Konzept ehendas.) herichtet kurz über die Aussagen des Nikol., nennt aher
dessen Namen nicht. Doch heifst es da yon ihm, „ja ock yan dem ver-
meynten konjng to denste unde yor ejnen yeltscherer angenomen.**
*) Im Briefe meldet Wirich, wie Nikolaus aussagte, „das uff yerliden
dinstach*" (also am 23. März, nicht, wie Eerss. sagt, am 16. März) „acht
ufs der stat Munster geleidt worden seien, die yil pack hy sich gehapt;
was dar in gewesen, weis er nit. Dero hahen sy yier mit 200 starck hy
dem cleyischen plockhufs, und die andern yier mit 600 by dem gellerischcn
herufs geleid. Dieselbigen sollen sie uff Holand und Frifsland umb hilff
gesant haben. Da sol einer by sein yon Ossenbrug und einer yon Doyenter.**
Von derselben Aussage berichtete später auch H.Nagel (s. oben S. 781 Anm. 2).
') So heifst es in dem Briefe des Bischofs an G. Schenck y. Tauten-
burg: „dat gedachter yermeynter konynck der andacht, myt der macht
unde syner wagenburch uth t'fallen, proyiande und entsath to soeken.*'
Nach Wirich's Schreiben bekundete Nikolaus, „wie die in der stat der mei-
nung weren, diese nacht herufs zu trecken, und so sy also herufs khemen,
der gemeine man wurde inen zufallen.^ — *) Vgl. oben S. 772.
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Anno 1535 acta. 793
sese apnd plebem meditetur*. His diebns elapsis ad forum et
freqnentis popnli conspectmn liberationis avidi satis confidenter
prodit atqne ibi Patrem omninm Israheljtarnm peccata snis hu-
meris imposaisse ^, qnae se per dies aliquot debilem fecerint,
enunciat; hoc se gravi iugo populi nomine pressum, eo suas
humanae naturae vires debilitatas fuisse, sed Patris dementia
in integrum restitutas esse; liberos itaque iam ipsos a peccati
sarcina redditos, de interna et spirituali, quae potissima sit, libe-
ratione se sensisse. Eam a se liberationem promissam esse, ex-
temam patienter expectent, eam enim certo futuram, si in pec-
cata non relabantur et plenam in Patrem fiduciam collocent.
Ipsum suos nunquam deserturum, ipsum constantiam suorum
variis afflictionibus probaturum^
Circa 28. diem Martii magna anabaptistamm turba anti-
^) Kerss. schöpft hier und im Folgenden fast wörtlich aus H.
Dorp Bl. G2^.
^) Auch Joh. Fabricius Bolandus Bl. Y4 läfst den König zum
Volke sagen:
„Nam peccata Pater placatus vestra supremus
Ingesslt scapulis cuncta gerenda meis.
Sustulit a Yobis maiora pericula, quam si
Det victis fruges hostibus ipse malis.''
«) Johann selbst bekennt am 25. Juli 1535 (M. G.-Q. 11, 373; vgl.
auch KnipperdoUing's Geständnis vom gleichen Datum ebendas. S. 377):
„Aver so Paeschen quam und die erloessung na bleve, sacht hy, wie hy
niet die loessong uitwendich, sonder inwendich und in den geist gemeint
hedde." Nach H. Gresbeck S. 124 erinnerte das Volk den König an
seinen Ausspruch, wenn die Erlösung zu Ostern ausbliebe, so soUe ihm
dasselbe geschehen, wie dem Landsknechte, dem er das Haupt abgehauen
habe. Dem gegenüber „heft der koningh in der predicate gesacht: . . . Nein,
lieven brueders und susters, hebben gy dat so enckede beholden? Wil gy
Got tiet setten ? Nein, Got en wil gein tiet gesät hebben. Gy moeten erst
reine von sunden sein, von allen sunden, so sol uns Got wol verloesen.^
Vgl. dazu auch oben S. 781 Anm. 2 die Aussage H. NagePs. H. Gresbeck
fügt hinzu, dafs der König allein, ohne Unterstützung seines Anhanges,
das Volk nicht hätte zum Schweigen bringen können. Joh. Fabricius
Bolandus a. a. 0. berichtet:
„. . . populus furit omnis et arma capessit
In regem, faciat spem nisi forte novam.
CoUecto recipit modo robore fortis in bestem
Se suscepturum bella cruenta suum.^
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794 Anno 1535 acta.
qnnm coenobinm quatnor fossis praernptoque aggere septnm efc
firmioribus aedificiis commanitmn in Frisia Oiientali inter Sne-
cam et Bolswerdam sitnm vi invadunt illndque adversus hostilem
impressionem firmare incipinnt^. Georgias vero Schenck con-
tinao hos persecutus obsidione eos cingit^ et eornm animos^
qnid facturi sint, subita et tnmiiltnaria oppngnatione ex itinere
*p. ödi. pertentat. "^Cnm vero mnnitiones coenobii firmas deprehenderet
neqne subito expugnare posset, tormentis advectis^ eas primo
1. April, die Aprilis confringit. Eine quatuor impressionibus recentibus
militibus oppugnat et in quarta aedificia aliquot depulsis lade
hostibus assecutus est Et cum in templum tandem secessissent
illudque communivissent neque faces in illud propter testudines
7. April, firmiores coniici possent, die 7. Aprilis a quinque partibus tor-
mentis et machinis bellicis concutit ac hora tertia pomeridiana
navalibus pontibus illud magna vi oppugnat; post solis occasum
non sine ezimia suorum clade victoria potitus^ furorem eorum
^] Die Beschreibung des Kampfes nin das Oldenkloster zwischen
Sneek und Bolsward in Westfriesland entnimmt Eerss. einem Schreiben
des Statthalters G. Schenck y. Tautenbnrg an den Bischof Franz Yom 8.
April (abgedmckt aus einer Kopie im St.-A. M. von L. Keller: 6. d. W.
S. 328). Kurz berichtet darüber E. Beninga in seiner „Historie van Oost-
frieslant^ (bei A. Matthaens: Yeteris aevi analecta. Ed. 2. Tom. 4 [Hagae
Com. 1738] S. 681). Einige Ergänzungen bietet L. Hertens ins S. 56 f.
üeber die Einnahme des Klosters durch die Wiedertäufer meldet er: „Tertio
Cal. Apriles tumultuatum est in Phrisia. Ad Bolsverdam ad arma ab ana-
baptistis concursum est. Invaserunt coenobinm, quod Yetus monasterium
appellatum fuit, ad ponenda castra. Promiscua hominnm turba numero
trecenti fuerunt, qui facinus incoeptamnt. Pulsis monachis omnia interiora
vastant; contemptis regni principibus et magistratu, quantum remm fuit»
snae ditionis fecerunt. Aedis sacrae omnia demoliuntur, eucharistiam pedi-
bns humi per ignominiam illisam proculcare, addere : En Deum impiomm !
Multas id genus blasphemias oblatrantes sacra omnia prophanamni.**
') Schenck schreibt, „mit zwein hundert knechten, vort burger und
lantfolck.*"
') Nach seinem Briefe liefs Schenck „dar zehen stuck grofs geschuts
vor brengen und den dritten man in den steden und lande uffgebieten."
L. Hortensius berichtet von einer vergeblichen Friedensunterhandlung,
die der Belagerung vorherging.
^) „Mit einem harten, swaren stürm,** schreibt Schenck. Nach E.
Beninga „hieven an beden siden in summa tusschen 8 u. 900 dooden."
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Anno 1535 acta. 795
compescnit et iter institntnm interrnpit. Hie Oeorgins Schenck
ita Oermaniam inferiorem et oras maris passim obsidet, nt nnllos
retinctomm coetns illic coalescere nee errantes in pelago rates
anabaptistis foetas ad llttns appellere sinat.
Carolas etiam du Oeldriae catholicae rellgionl addictissi-
mns et sectariis infensissimns tres naves anabaptistis ntrinsqne
sexns et variis armis in ezitinm Daventriensium foetas cnm
oneribns in Issnla demersit.
In imperii conventn, quem Ferdinandns rex rogatn prin-
cipnm, nt Conflnentiae convenerat^, ad qnartnm diem Aprilis 4. Apru.
per legatos agebat, qnaedam civitates, qnae nihil adhnc snbsidii
in obsidionem civitatis Monasteriensis contnlerant, protestantnr
se ad enm diem propter decretnm Conflnentiae factnm non ve-
nisse, sed nt imperatori et Ferdinande regi morem gerant. Magna
ergo foit inter prineipes et nrbes de eontribntione altercatio'.
Nach L. Hortensins kamen alle Wiedert&nfer nm aofser 62 M&nnem
und 70 Frauen mit Kindern. Im siegreichen Heere wurden 100 Mann ver-
mifst. — In Münster erftihr man sehr bald den für die Wiedertäufer un-
günstigen Ausgang des Kampfes. Doch war, wie S. Frese schon am 19.
April bekennt (Orig. im St.-A. M.), „bynnen Munster gerochtich, Jörgen
Schenck sj m jt doit gebleven." H. Gresbeck S. 129f. schildert, wie die
in der Stadt „do wol merckten, dat it mit innen verloren was.*" Im Auf-
trage des Königs verkündigte Rothmann dem Volke: „. . . up die frembde
brueders . . ., dair sol gy iw nicht up verlaten. Got sol uns wol verloesen,
wan unse tiet iss/
*) Vgl. oben S. 750f. — ») Vgl. über die Haltung der Stftdte die
Ausführungen von L. Keller: G. d. W. S. 28 t f. und in der „Historischen
Zeitschrift'* Bd. 47 (München u. Leipzig 1882) S. 434 ff. In einem Berichte,
den die bischöflichen Abgesandten von Worms aus am 13. April dem Bi-
schofe Franz zuschickten, heifst es : „. . . aber die stende und bodschafften
der fursten und stedt, die nicht zu Coblentz gewest, woUen in den cobe-
lendischen abscheidt nicht verwilgen. Es woUen auch die stedte er anläge,
die auch gleich zu Cobelentz gewest, nicht erlegen.'' Der Protest sämt-
licher Reichsstädte gegen den Abschied des Tages zu Goblenz und die
scharfe Betonung, dafs sie nur aus Gehorsam gegen das königliche Aus-
schreiben, und um nicht den Schein zu erwecken, als billigten sie das Vor-
gehen der Stadt Münster, in Worms erschienen seien, war schon auf einer
Versammlung zahlreicher rheinischer und schwäbischer Städte zu Efslingen
am 9. März vereinbart worden (Akten im Stadtarchiv zu Frankfurt a. M.).
— Die Städte erlangten in Worms, dafs auch von ihrer Seite ein Kriegsrat
(Justinian v. Holtzhausen) ins Lager vor Münster abgeordnet wurde.
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796 Anno 1535 acta.
Tandem tarnen in menses qninqne anxilinm decemnnt, nempe
ad riginti anreornm millia in singulos menses, praeterea nt
capta nrbe innocentiae parcatnr et in exilium pnlsis civibos
bona immobilia in nrbe relicta restitnantnr. Alias qnoqne in
hac eadem cansa ad 13. lulii conventns hoc eodem loco cele-
brandns indicitnr, de qno sno loco^
Insnper oppidanos iternm et postremo publica imperii le-
gatione admonendos esse censent. Mittnntnr ergo imperii snmp-
tibns Francofnrdiensis et Nnrenbergensis consules, qni post fi-
delem admonitionem nrbis deditionem ad poenam et gratiam
poscant. Qnibns Monasterienses respondent: Nihil sibi negotii
^p. 595. esse cum *qaarta ista Danielis bestia, hoc est cum imperio Ro-
mano ; se novnm Israheliticnm sanctnm Patris coelestis instinctn
longo a Bomano diversnm institnisse et fhndasse imperiam. Se
proinde flagitare, ne Patri coelesti adversentnr neve illius regnmn
impiis armis snis evertere conentnr; alioqni fore, nt illius in-
dignationem, yindictam et perpetuum exitium sibi accersant^.
^) Eerss. hat hier keine Akten benutzt. Seine ungenaue Darstellung
stimmt fast wörtlich mit derjenigen zusammen, die sich bei Job. Sleidan:
De statu religionis . . . (Ausgabe von Strafsburg 1555 fol. 1 56) findet, die
auch von Herm. Hamelmann S. 1 27G übemonmien wurde. Der Abschied
des Wormser Tages, datiert vom 25. April, ist abgedruckt in „Neue und
vollständige Sammlung der Reichs- Abschiede . . ."" (Frankfurt a. M. 1 747)
S. 4ü7ff. — Am 9. Mai stellte der Bischof mit den Landständen seines
Stiftes einen Revers aus, allen ihnen in Worms auferlegten Verpflichtungen
nachzukommen. In demselben wird die Gesamtsumme der bewilligten (relder
auf 105000 Gulden angegeben (Kopie im St.-A. M.). Der Abschied setzt
ähnlich wie der des Tages zu Coblenz fest, dafs nach Eroberung Münsters
in der Stadt ohne Mitwissen des Kaisers, des Königs, der Kurfürsten,
Fürsten und gemeinen Stände „kein Ordnung, form noch mafs furgenommen,
noch ichts gehandelt oder gethan werden," und dafs das Stift unzertrennt
beim Reiche bleiben solle. Irgend eine Bestimmung über Schonung der
Unschuldigen und über Rückerstattung der den aus Münster vertriebenen
Bürgern gehörigen imbeweglichen Güter findet sich jedoch in dem Ab-
schiede nicht.
*) Auch hier ist Kerss.'s Darstellung, wie schon CA. Cornelius
(M. G.-Q. II. Einl. S. 52) bemerkt, ganz unrichtig. Während des Tages zu
Worms wurde von den Ständen auf Drängen der Städte beschlossen, aber-
mals ein Schreiben an die Inhaber der Stadt mit der Aufforderung zur
Uebergabe zu schicken. Eine Kopie des Schreibens, datiert vom 18. April,
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Anno 1535 acta. 797
Princeps et praefecti militiae ab initio obsidionis in Dick-
hansio castrametati snnt, sed cnm ille locus remotior sit ab urbe,
inde ergo ad locnm nrbi propinqmorem post castellnm Arnhe-
micum in praediis Averhagii et Wintercampii quinto die Aprilis 6. Apriu
tentoria saa transfernnt ^ Princeps vero aeger et animo et cor-
pore Woltbecam abit, ubi in arce saa qnibusvis conveniendi sni
copiam faciat finemqne ant fati sni ant belli opperiatnr.
Pner qnidam 26. Aprilis elapsns refert : in nrbe non solnm ae. Aprü.
panis, verum etiam omninm remm pennria oppidanos laborare
et plerosqae herbis graminibnsqne vesci \ Et qnanqnam pennria
animos qnoqne frangere atqne debilitare soleat, nihilo tarnen
minns honim animi non'' flaccescnnt. Nam Hensnlnm Teckenbnr-
gicnm, castelli inxta pratnin Drolshagii excitati dncem, in eqno
temere extra mnnitiones vectnm tormento transigunt, quem tarnen (u. Aprü.>
•) fehU im Ms,
befindet sich im St-A. M. M. L. A. 518/19 YIII. fol. 130 ff. Die ablehnende
Antwort der Münsterer vom 10. Mai ist abgedr. M. 6.-Q. II, 326 ff. Eine
von Kerss. behauptete Absendnng der Bürgermeister von Frankfurt a. M.
und Nürnberg nach Münster hat gar nicht Statt gefunden. Justinian v.
Holtzhausen traf erst am 20. Mai von Frankfurt aus vor Münster ein (vgl.
seine Briefe M. G.-Q. 11, 334 u. 342). Was Kerss. den Münsterem als Ant-
wort auf die Vorstellungen der Bürgermeister in den Mund legt, ist der
Antwort entnommen, die die Inhaber der Stadt am 2. Juni auf eine noch-
malige Aufforderung zur Uebergabe vom 1. Juni erteilten, einer Antwort,
die Kerss. bald weiter unten genauer übersetzt.
') Aus einem Schreiben Wirich's y. Dhaun vom 5. April an die bi-
schöflichen B&te (Orig. im St.-A.-M): „Es haben die kriegsrethe und ich
uns hieher uff den Dickhoff gelegert, aber so wir befanden, das es etwas
var von den plockhusem, und wo by nichts durch uns versaumpt; sein wir
vnllens, uns neher by die plockhuser zu legen, nemlich uff den hoff hinder
Wilhelm von Amheim plockhufs, da die dhumherm vergangnen sommer uff
gelegen sin. Is darumb unser gutlich begem, ir wellend doch bevelhen
thun, das morgen 20 hufslut uff denselben hoff gesant werden, umb den-
selbigen zu räumen. Wil einen meiner diener zu den huTsluden senden,
der sy anwysen soL"
*) So schreibt Wirich v. Dhaun am 27. April dem Bischöfe Franz
(Orig. im St-A. M.) : „Es ist gestern umb funff nren ein jung ufs der stat
khomen . . ., der sagt, das sy in der stat gebrecken an brot hoben und
essen gras . . .**
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798 Anno 1535 acta.
satellites, ne oppidani ipsom tactnm esse sentiant, in eqno erectnin
ad castra nsqne snstentant^; cai Lodowicns Bmnswigns snccedit
<i3. April.) In eodem qaoqne mense Aprili Wühelrnns Amhemicns, castelli
EninckiDgani praefectns, cum imprndentins atqne licentins per
agros evagaretnr, bombarda traiectns rebus homanis excessit;
atqne hnic Matthias Bilderbechns snbstituitnr ^. In hoc eodem
mense infans Agrippinas dnplici notatns transfogio, cum primum
e castris in urbem, inde inediae pertaesus ex urbe impune efiu-
gere speraret, captus et cum quinque viris retinctis et dnabus
feminis ultimo supplicio adiudicatus Woltbecae gladio caeditur*
Haec penuria et fames urbis ita paulatim invalescit, ita
saevit, ita populum affligit, ut ea pro ventre alendo in cibum
yertere cogantur, a quibus aUoqui hominis natura abhorret
*p. 596. Haec equarum *maritos pullosque, haec canes, fidissimos homi-
num amicos, qui neque auro neque gemmis corrumpuntur neque
') Dieses und das Folgende bestätigt die Beilage zn einem Schreiben
Wirich's V. Dhaun und der Kriegsräte an Herzog Johann von Cleve (M.
G.-Q. II, 321 f.). Danach fand das Scharmützel am 14. April Statt «Da
plieb . . . unsser haupleut einer, gnant Hensgin von Tekeneburg. Die unsere
prachten in tot ab. Und von unsem knechten plieben uf die 20 iode und
ungeverlich so vil verwunt. Auch hebben die viant grofsen schaden ge-
leden, wie vil, kan man nit eigentlich wissen." — Ungenau beschreibt
Joh. Fabricius Bolandus Bl. Y4 die AusfäUe der Munsterer.
') In der Beilage zum Schreiben Wirich's und der Bäte: „Item es
hait sich uf den 13. tag Aprilis ein Scharmützel begeben, da unser haup-
leut einer, Wilhelm von Amheim gnant, toid verblieb, den sie tot mit in
die stat zogen ; und das pert zurhauwen si wie vriltbert und drogens auch
in die stat/ Auch in einem Briefe des Pfennigmeisters Joh. Hageböeke
an den Domscholaster Rotger Schmising vom 14. April (Orig. im St.-A. IL)
heifst es: „Ock is gistern upn schermutzelen Wyllem van Arnhem doet
gebleven." — VieUeicht in einem dieser Scharmützel ist Bothmann ver-
wundet worden. Joh. Clevom sagt am 4. Mai aus (Orig. im St.-A. M.;
vgl. auch M. G.-Q. II, 324): „Herr Bemdt is geschotten in dath been." —
Für die Ernennung des M. Bilderbeck zum Hauptmann traten die bischöf-
lichen Räte im Namen des Bischofs Franz wiederholt bei dem Kriegsobenten
ein. Vgl. ihr Schreiben vom 16. April an Wirich v. Dhaun (Orig.imSt-A.M.).
*) Nur durch Eerss. bekannt. Von mehreren Hinrichtungen gefan-
gener Wiedertäufer im April und Mai berichtet die Beilage zu einem
Schreiben des Herzogs Philipp von Braunschweig-Gmbenhagen vom 23. Mai
an den Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen (M. G.-Q. II, 338 fL).
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Anno 1535 acta. 799
flagris qnantnmyis herilibns fidem mutant, excoriare inbet. Haec
pro leporibns, apris et cervis, qnorom nnlla fait copia, mores,
sorices et glires non qnidem in silvis, sed horreis inanibns et
vacuis, non plagis et retibns, sed decipnlis esca ad fallendmn
instmctis venari snggerit, qni dum escam captant, esca finnt.
Haec loco leporum mnrum bestes, quos feles vocamns, illi vero
lepores domesticos, mactat et resectis capitibns, cum cerebrum
noxinm putetnr, verubns inflxos igni torret \ Haec corinm, haec
detritos calceos, haec omnis generis pelles, haec librornm non
exnstomm alatas aqua permollltas et frustillatim concisas % haec
') Im Flugblatte „Der gantze handel^ Bl. A 3 heifst es: „Nach dem
aber schier all getrajd auff gezert . . ., do erhub sich jamer. Sie emerten
sich fortan mit kreutem und wurtzeln. Damach sein katzen, hund, meufs
und dergleichen theur wildpret gewesen.* C. Heresbach S. 24 schreibt:
„Ac primum equinis camibus et herhanim radicibus victitabatur. Aliquam-
diu caeterls parum tarnen vescis cibis inediae occurrerunt, veluti canibus,
gliribus, catis . . .* Job. Fabricius Bolandus Bl. Y2 sagt:
„Quin pro delitiis animalcula foeda per aedes,
A quibus abscedens usus abhorret, habent.
Hie feles canibus iunctis coquit, alter alutam
Et corium, fervens quod bene mollit aqua.
Fluribus est victus caenosi garrula stagni
Bana, Yolans alis musca sonora suis.
Iste vorat mures ..."
Vergl. die Bischofschronik (M. G.-Q. I, 338), auch D. Lilie S. 255 und
Herm. Hamelmann S. 1272 u. 1277. H. Gresbeck S. 189 berichtet:
„. . . hebben . . . gegetten allerlei beeste up dem lande imd in dem water,
al dat, dat leven hadde ... So hebben sie in dat irste getten perde, dat
hovet mit den voeten, lever und lunge. Sie hebben getten katten, hunde,
muefs, ratten, grote breide muscheln, voersche und grafs; und is moiss ir
broit gewest So langh als sie saltz hedden, is dat ir vet gewesen." —
Schon im Januar hatte H. Graes ausgesagt (J. Nieser t: U.-S. I. S. 148):
„Dar sint 24 perde alle gegetten; de katten braden se an den spotten, und
muifse in der pannen." Am 8. Juni bekunden Herm. Mollenhecke und Job.
Huttman (St.-A. Marburg): „Item sie essen katzen, mus, frosch, ledder,
gras und was sie uberkonmien mögen, hude von den pferden."
*) Ant. Coryin schreibt an G. Spalatin (Bl. B 1): „Vidi ipso multos
ibi libros, quomm detracta coria yictum miseris suppeditarant. Et eo in-
ediae postea ventum est, ut nullum corii genus tam fuerit durum, quod
non esculentum illis factum sit." „Alt leder, schuch, heut der thier haben
sie gesotten, darnach gestossen und mit allerlej materi vermischt; das was
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800 Anno 1535 acta,
ranamm Inmbos lenta tenacique pingaedine sugit, haec virides
pampinos acetosum saporem referentes, haec novos et molles
adhüc arborum frutices ant cortices in delitiis habet. Haec ole-
ribns elixis, qnae semel iternmqne sebacea candela raptim im-
mersa pingnescere pntantnr, gandet; haec limaces et cochleas
Inbricas, haec herinaceos hirtos in regno captos in cibnm vertit.
Haec herbas et radices qnaslibet in cibi et nntrimenti solamina
poscit^ haec bomn vaccarnmque excrementa sole exiccata col-
ligit, haec foricas inxta Alpham rimatnr et excrementnm hn-
mannm aäris solis calore in massam indnratnm emit, qnod cum
intus speciem panis referret, quidam eo ad edendum illecti sunt,
sed cum degustassent, non sine horrore et nausea illud abiece-
runt et mortem, quam talem cibum iternm degustare maluerunt
Haec recentia cadavera raptis inde musculosis carnium pulpis
ferro spoliat.
Hinc viribus destituti et exhausti, hinc tabe luridi in varia
morbornm genera incidnnt. Crura primum inflantur et turgent,
inde totnm corpus fit tuber. Quidam enim crudis humoribns
adeo intumescunt, ut vix corporis sui molem ferro queant. Multos
infantes aut in cunis ant in sinu matrum auxilii expertium fames
absumit et enecat, multos quoque (horresco referens) parentum
gladius cibi causa extinguit, quorum membra post captam urbem
ir prot,^ meldet „Der gantze handel^ a. a. 0. Als Mittel, den Hunger zu
stillen, giebt D. Lilie a.a.O. in diesem Znsammenhange an „allerleie
hnde, pergamentz yan den beesten getogen, desnlvigen gesoden nnde in de
sulten gelacht' Aehnlich erz&hlt auch H. Gresbeck a.a.O.: „So hebben
sie ouck ossen huede getten, und aide schoe hebben sie in die weike ge-
lacht und hebben die gegetten.** Vgl. auch C. Heresbach a.a.O. Am
29. Mai schreibt Justin, v. Holtzhausen nach Angaben gefangener Flücht-
linge aus Münster an den Rat der Stadt Frankfurt (M. 6.-Q. II, 343) :
„Etzlich sieden die schuchlappen, etzlich hahen pertz heut gesotten und
die gessen.' S. noch das Flugblatt „Warhafftiger bericht' (P. Bahlmann :
Bibl. 1535 Nr. 20) BL A 2 (Zeitschr. 33 [1875] S. 6 f.).
') So sagt Job. Fabricius Bolandus a.a.O.:
„In magno sunt bis precio grave olentia longe
AUia, quin quaevis gramina qulsque Yorat
Fitque Ceres variis rebus vitüsque fabisque,
Quodlibet et miseri vile legumen edunt"
Vgl. auch L. Hertens ins S. 58.
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Anno 1535 acta. 801
non in nno, sed plnribns locis nrbis in *salsngine reperta snnt^ «p. 597.
Hansonis Menkeni senatoris nxor trigeminos peperit, quos mem-
bratim dissectos in salsngine conservavit ^. Parentes in sna pi-
gnora, imo in sna viscera mactando, laniando lacerandoqne sae-
') Dafs auch Menschenfleisch nicht verschmäht wurde, berichtet ganz
kurz „Der gantze handel*' und D. Lilie a.a.O. Ausführlich schreibt davon
„Des Münsterischen Königreichs ... an- und abgang . . ." (s. P. Bahlmann:
Bibl. 153G Nr. 9u. 10) BLAb^ (in der Zeitschr. 27 [1867] S. 272): „Und
als die widertaufl'er ... so hart betrangt und nicht mehr lic£ferung gehabt,
sindt sie vor grossem hunger dahin benöttigt worden, alle die, so sie ...
an der linden umbbracht, auch sunst frisch umbkommen und nicht am
Schelmen gestorben, solche under ire rott ... zu theilcn, dieselben alsdann
eingcsaltzen und vor hunger . . . geessen, auch würst daraufs gemacht, wie
man dann das noch eingesaltzen und im rauch, als die statt erobert, han-
gend gefunden, und dcmjhenigen, der solchs gesehen, in etlichen Thumb-
herm hoffen zu Münster angezeigt und der würst eine gegeben worden."
Diese SteUe ist Quelle für die Erzählung Herrn. Hamelmann's S. 1277.
In den gleichzeitigen Akten und Briefen habe ich von dergleichen Nichts
erwähnt gefunden. Die schriftstellerischen Quellen aber führen wiederholt
das Verspeisen von Kindern an. So schreibt Ant. Corvin an G. Spalatin
Bl. B 1: „Imo scio pueros quoque comesos ibi esse, id quod ab iis au-
ditum mihi est, qui in reliquias quasdam capta nrbe eins rei
testes inciderunt." Ebenso meldet C. Heresbach S. 25; „Infantium
pedes ac manus in salsamentis a militibus ad pracdam occupata urbe dis-
currentibus inventas ferunt." H. Gresbeck äufsert sich zweimal über
diese Sache. S. 189 heifst es bei ihm: „So wolden ouck ein deils luede
sagen, dat sie hodden kinder gegetten. Wes des is, dair en wiet ick nicht
mehr af. Ick en hebbe dos nicht gesehn.'* „Do die stat gewunnen
was,"* erzählt er S. 209 f., „do sachten ein deil lantzknecht, dat sie ein
duppen gefunden hedden, kinder, de gesalten weren, von banden und von
voeten* und von beinen. Wes dairaf is, dair en khan ick nicht weider von
schriven. Ick en hebbe des nicht gesehen. Mehr it is wol tho geloe-
ven, dat it geschehen ifs, so groten hunger, als der gemein
man in der stat lief Unter den von dem Erzbischofe von Köln zum
Verhöre mit Johann v. Leiden und Knippordolling entworfenen Fragen be-
findet sich auch die, „ob es njt war sy, das der komber da bjnnen so groifs
gewesen, das itliche er kinde getodet und gesaltzett haben, wedan etliche
kjnder gefonden.'' Darauf antworten die Gefragten gleichmäfsig, dafs
sie vom Töten und Verspeisen von Kindern Nichts wüfsten. SieheJ. Nie-
sert: U.-S. I. S. 173, 184, 190; vgl. auch M. G.-Q. D, 375 u. 379.
*) Nur von Kerss. überliefert.
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802 Anno 1535 acta.
viunt^ Quae nnqnam fera tarn immanis tamque cradelis ftiit,
quae in snam snbolem et partum dentes snos acoit? Diligant
enim ferae snos foetns, qnos etiam in fame cibis ant magno
labore ant pericnlo vitae snae paratis vel proprio interdum san-
gnine nntrinnt et in vita conservant. Bruta qnoqne, quae al-
terius generis animalium rapina pascuntur, a eonsimili tamen
sni generis sanguine sibi temperant. At hi a proprii partus cibo
non abhorrentes omnes bestias acerbitate et immanitate superant
0 malesuada penuria, quae naturae leges violas! 0 preciosa
fames, quae propriis visceribus non parcis ! 0 obscoena egestas,
quae sordida et insueta humanis usibus infers! Hoc oppidum
Westphalicum Hyerosolimam illam ludaicam non modo aequare,
verum etiam calamitatibus et miseriis superare non est ambi-
gendum. Non igitur sine fatali causa novam illud Hyerosolimam
appellitant ^. Cutis oppidanorum flaccida came absumpta exa-
rescit et nigrescit; per eam costae et intestina numerantur, ossa
extant, digiti macie rigent, nasus acuitur, genae pendent et suleos
agunt, lumina in suis sedibus altius subsidunt et quasi demersa
conspiciuntur; livor est in vultu, et adeo macie confecti sunt,
ut spectris hos et simulacris mortuorum similiores esse diceres,
quam hominibus. Sola hominis figura cemitur, usus vero et
officium desideratur ^. Quidam ulcerum sanie ita solvuntur, ut
*) Ein Beispiel dafür erzählt Joh. Fabricius Bolandus Bl. Y 2^.
Dasselbe nimmt Herrn. Harn el mann a.a.O. in seine Darstellung auf.
^) Aehnlich wird in diesem Zusammenhange Münster mit Jerusalem
verglichen von Joh. Fabricius Bolandus, D.Lilie, 0. Heresbach,
Ant. Corvin a. a. 0.
°) Vgl. dazu die Schilderung in der Flugschrift „Der gantze handel'
Bl. A 3^, wo von den infolge des Hungers aus Münster Entwichenen gesagt
wird; »Das feil hieng on flejsch, Ifir, lofs und geruntzelt über die blofse
bein; das haubt stund nit anders, dann wie das kranthaubt auff den stilen;
die oren, lefftzen, nasen, wangen waren spitzig und durchsichtiger dann
ein papyr.** „Vidisses horrendum corporum habitum," schreibt C. Heres-
bach S. 25, „plerosque . .. inedia ac malo cibo debilitatos deformatosque,
ut semimortua busta verius quam homines apparerent, facie
cadaveroso pallore confecta, ventre tumido, membris luridis, pedibus vix
consistentibus.*' Justinian v. Holtzhausen meldet am 21. Mai seinem Vater
(M. G.-Q. n, 335) : „Wie ich sie den gesehn hab, die weiber, menner und
kinder, die sehen alle so weis under den äugen wie ein gewaschen duch.
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Anno 1535 acta. 803
Vivantes difflnant, pntrescant et ambnlantes moriantnr; qnidam
distenta cnte nunpnntnr; et, at pancis dicam, nrbs erat plena
mortis. Plurimi enim passim in vicis cormont snbitoqne ezpi-
rant, qnorum cadavera ad evitandnm foetorem rhedae inssn regis
ad hoc comparatae iniecta snbito tnmulanda avehnntur. Magni
enim terrae hiatns ad cadavemm sepnltaram aperiantnr, qni
immissis mortuorum corporibus paulatim replentnr'. Qnidam
promissione regis freti eam habent fiduciam, ut, prinsqnam fame
intereant, Patrem saxa plateamm in panes transformatnrum cre-
dant ^; ideoque, cnm horrenda esurie torqnerentnr, morsibns si-
lices pertentant; at nbi neqne snbstantiae *neque nllins acci-»p.
dentis metamorphosin factam experirentnr, fidncia illa pristina
flaccessit, et flentes miserrime se esse snbdnctos tacite qaemntnr.
Omnia gemitibns personant, omnia mnliebri planctn snnt plena,
omnia plebeis querimoniis perstrepnnt, omnia pnerilibns plora-
tibus replentur, omnia sennm et aegrotorum snspiriis contur-
bantnr. Hoc nnnm clancnlnm quernntnr, qnod auctores tantae
und sint innen die leib geschwollen, grofse beuch und bein." H. Gres-
beck, der das Elend in der Stadt selbst erlebte, schildert (S. 2 LG): „Ais
sie up dat Icstc weren . . ., do gienge dat volck so iemerlich up den Straten,
von frowenlueden und ein deil mans und kinder, lieten anders nicht, wie
dat sie von dem dode uth dem grave up weren gcstain, und sagen anders
nicht uth dem angesicht wie ein doden hoevet . . ." Am 4. .Mai sagt Joh.
Clevom aus, sie „swellen umb dat hovet und vote van hunger und van
«tten des grafs, mit gyfftigen plagen und krenckde befangen/
*) „Et hadde der koningh,** berichtet H. G res b eck S. 170 f., „für
ieder porten einen platz laten afdeilen. Wanner dat in starf in der stat
ofte starf von hunger ofte doit geschotten oder geschlagen woort von den
lansknechten . . ., dieselven groven sie für die porten, dair eins iederen
wacht was. So wolde der koningk nicht lenger die doden in die stat graven
und ouck geine luede mehr richten in die stat. Mehr up dat leste richtede
hei Widder in der stat und grof do die doden wieder in die^stat up den
docmhof.^ Justinian v. Holtzhausen schreibt am 29. Mai seinem Yater
(M. G.-Q. II, 343): „Sie sterben seher hungers in der stat, das oft 6, 8
odder 10 in ein grab gelegt werden."
*) Aehnlich sagt Dietrich von Hamburg Bl. A2^: „So starck
wer yr glaub auff Christum und sprachen: Ist Christus mit uns, wer wil
dann wider unssejn? Und ehe Christus uns hunger leiden laest,
ehe wirt stein zu brod werden, und Christus wirt sein volk wol
behalten."
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804 Anno 1535 acta.
miseriae non solum snpersnnt, vemm etiam omnis generis yolup-
tatibns perfrnnntnr et qnasi bene re gesta honoribus insnper
afficinntur. Bex enim pro se suisqne omninm remm copiam et
instrnctissimam penom apnd se in regia abditam habens^ bis
qnerelis non commoyetur neqne miseriam popnli sni extrema
fame tabescentis ipse Inxn difQuens agnoscit, sed Patrem suam
plebem non desertnmm, fidnciam saltem per famem explora-
tnmm concionatnr; qni vero minus in fide sint constantes^ bis
se liberam exenndi facultatem facturum, si meliori in nrbe re-
licto viliori vestitn egrediantnr; se enim solnm, etiamsi omnes
') In der Behauptung, dafs Johann v. Leiden und die Führer in der
Stadt sich auf Kosten des Volks reichlich mit Proviant versehen hätten,
stimmen die schriftstellerischen Quellen üherein. Vgl. ,,Der gantze handel"
Bl. A4, H. Dorp Bl. G2, C. Horesbach S. 25 u. 29, L. Hortensius
S. 70, D. Lilie S. 256 u. 259, Joh. Fahricius Bolandus BL Y 1, H.
Hamelmann S. 1272 f. H. Gresheck äufsert sich wiederholt in diesem
Sinne (s. S. 134, 141, 173, 176, 190), ebenso, nach Aussagen der Gefangenen,
Justinian v. Holtzhausen in seinen Schreiben nach Frankfurt a. M. (vergl.
M. G.-Q. II, 33(), 343, 351, 354). Doch Johann v. Leiden selbst stellt das
entschieden in Abrede. Am 25. Juli 15;»5 äufsert er sich (J. Niesert:
Ü.-S. I. S. 183 f.; vergl. auch M. G.-Q. II, 375): Jtem se hebben keinen
ratslag geholden, dat se wolden proviand bj sich behalden und dem ge-
mcjnen man davan niths gcven. Dan sc hadden wol gewolt, dat se in der
wostenie mochten gelegen hebben, so dat gemeyne volck mocht erloset
werden.** Auch Enipperdolling erklärt (J. Niesert a.a.O. S. 189; vgl. auch
M. G.-Q. II, 378), „dat de konig mit sampt sinen roden nit mber gehat
hebben, dan de gemeine man, averst de gemeyne man hebben t unwislich
togebracht ..." — Als am 2. Juni 1535 der junge Christoph von Waldeck,
der natürliche Sohn des Bischofs, aus der Stadt entflohen war, meldet er
nach Angabe , Justinian's v. Holtzhausen (M. G.-Q. II, 351): „so ist der
konnig sampt seinem anhang und vil der reichen mit probiant (anfsent-
halb des brots), mit wein, saltz noch versehen." Damit ist die Nachricht
in der „Newen zeittunge von Münster" vom 3. Juni nicht zu vereinigen,
nach der (s. J. Niesert: U.-S. II. S. 500) der junge Waldeck, der „stedtigs
bei dem könig gewesen" (vergl. oben S. 648), „eigentlichen waren bericht
gibt, das er in dreien wochen in des königes hof kein brot, auch nicht
anders dann müs oder kdl gegessen; es hab auch der konig kein brot oder
nichts mehr dergleichen sonderlichs zu essen." — Dafs nach der Eroberung
der Stadt bei dem König und den Hauptf&hrem noch reichlich Plroviant
gefunden wurde, meldet „Der gantze handel" Bl. A4, H. Dorp a. a. 0.^
D. Lilie S. 259, C. Heresbach S. 28 f. und H. Gresbeck S. 209.
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Anno 1535 acta. 805
defecerint, angelonun ope et praesidio civitatem ab hostili im-
pressione defensnrnm^
Haec cum a rege ezenndi libertas permitteretnr, acerbissi-
mam famem effogientes in hostium gladios incidere malnernnt,
quam lenta esarie tabescere satias esse dncentes nno die et
subito extingni, quam singnlis diebns mori, nnam perferre mor-
tem, quam mnltas. Magnam ergo mnltitndinem yiromm, sennm,
male affectorum, mulierum et puerorum in Aprili * horrenda fames Apru.
') In einem undatierten Schreiben des Bischofs Franz an den Erz-
bischof von Köln heifst es (J. Nies ort: Ü.-S. I. S. 199), der König ^be-
roempt sich, wanner he alleinc de stadt inhedde, werden de engel van
hymmel em bystcndich zjn, de viande dar uth to holden.^
Den festen Entschlufs, die Stadt unter allen umständen zu halten, bekunden
Johann und Knipperdolling in ihren Verhören (bei J. Niesert a.a.O. S. 183
u. 190; vgl. auch M. G.-Q. II, 374 u.379). — Da, wo H. Gresbeck S. 172
(vgl. auch S. 189) erzählt, dafs der König allen denen Urlaub anbot, die
des Hungers wegen die Stadt verlassen wollten, fügt er hinzu : „So hcbben
sie den lueden irst genommen al, dat sie bei sick hedden. Hedden sie gude
kleider an, die meisten sie uth trecken, und tuegen innen aide klcider widder
an." Er berichtet weiter, wie der König dann auch allen Hausrat der Ausge-
wanderten mit Wagen aus den Wohnungen abholen liefg. Der „Warhafiftige
bericht" Bl. A 2^ (Zeitschr. 33 S. 7) meldet: „Do liefs er sie alle plündern
und besuchen, und licfs keinem mer dann einen rock und sprach zu inen:
nun zeucht hin zu den ketzern!'' Auch C. Heresbach S. 25 schreibt:
„Nihil tamen eis efferre licebat, adeo ut etiam vestimentis praeter intcrulas
exspoliarentur.^
') Schon am 14. April schreibt Joh. Hageboeke nach den Aussagen
eines aus Münster entwichenen Knaben an den Domscholaster Rotger Schmi-
sing, man sei in der Stadt „inmeynonge, de kynder und olde luede
uth der stadt to jagen** (Orig. im St.-A. M.). Bald darauf am 22. April,
wird dem Bischöfe von seinen Bäten aus Wolbeck gemeldet .(Orig. ebd.),
dafs Wirich v. Dhaun ihnen angezeigt habe, „eth begeve sick, dat de
van Munster vast alle dage etlige olde luede, wyver und kinder, uth
der Stadt van sick yagen.** Zuerst hat nach der Schilderung H. Gres-
beck^s S. 170 ff. der König das Verlassen der Stadt nicht geduldet, denn
„wer ein wort davon sachte, der gerne hedde uth der stat gewest, ofte
wolde von innen loupen, dieselbe liet hei vort gefencklick setten und heve
ime vort des andern dages dat hoevet af.^ Aber da die Not gröfser wurde,
setzte er eine Frist von vier Tagen, während welcher Alle, die zu ent-
weichen wünschten, von ihm Urlaub erbitten sollten. Es lag ihm daran,
dafs alle alten Männer und Franen und alle Kinder „weren uth der stat
gewest, up dat sie des tho mehr profianden hedden beholden.^ Doch be-
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806 Anno 1535 acta.
in singolos dies nrbe expnUt, inter qnos faerunt, qni intra octo
hebdomadas ne micam qnidem panis gostassent^. Yiros, cmn
circnmspectins, quam imbeciUe et imbelle genns hominnm agere
debnissent et tempns veniae elapsnm esset, hostilis gladius, ha-
bita tarnen innocentiae ratione absnmpsit, quomm qnidam gladio
caedi, quam vita donari et negotii conficiendi causa in nrbem
ad intolerabiles aemmnas redire malebant^ Senes yero, qnibus
parcitnr, mulieres et pneri inter nrbem et castra a militibns
coercentar et ad nrbem repellnntnr, sed in nrbem redire nolentes
in regno, qnod inter castra et nrbem, conclnsi ad qnatnor fere
hebdomadas yagantnr et instar qnadmpednm herbas yellnnt^
gehrte er nach der Aussage Job. Clevom^s vom 4. Mai „van allen, de darat
komen, dat se wülen seggen, dar sy gnoch bjnnen und gyn kiunmer.*
Sp&ter setzte der König, wie H. Gresbeck S. 189 meldet, noch einmal eine
achttägige Frist zum Erbitten des Urlaubs fest.
') Dafs »etlige in acht wecken gyn broit eder ander spyse gebrockt,''
schreibt der Bischof in dem undatierten Briefe an den Erzbischof von Köln
(bei J. Nies er t a.a.O. S. 198). Sybbeken Frese bekundet am 19. April:
„Men helft vergangen donnerdage^ (15. April) „nth Overwaters cloister ge-
fort noch 12 molt weiten. Datselve is aUe von kome, wes dar gewesf
Ungefähr stimmt damit die Aussage Joh. Olevom's vom 4. Mai überein, in
der es heiTst: „Is vergangen maendage** (3. Mai) „3 wecke, do hefft noch
eynem idem gemeynen mann geven eyn snedde brodes in maten eyn hant
groit, und dama nnmmantz nicht^ Zur Sache vgl. auch S. 780 Anm. 6.
') Vgl. für dieses und das Folgende „Bei gantze handel^ BL A3,
L. Hortensius S. 70, Joh. Fabricius Bolandus Bl. Tl^u. T2, C.
Heresbach S. 25, D.Lilie S.255f. und H. Gresbeck S. 172 f. u. 188 ff.
— Am 29. Mai meldet Justinian v. Holtzhausen in Bezug auf die aus
Münster flüchtigen Männer (M. G.-Q. IE, 346) : „Was werhaftiger man her-
aus kompt, ist grofs gluck, woho er durch gutte kuntschaft, das er hinein
gefangen sei, begnadet wert; snnst alle erschlage n." Schon vorher
heifst es in demselben Briefe (a. a. 0. S. 343): „Unsere knecht sent hart
über sie erbittert., den sie haben (wie ich bericht wert) für Munster bis in
die 6000 man umbpracht . . ."^ S. auch „Warhafftiger bericht** BL A 2^
(Zeitschrift 33 S. 7).
') Wirich v. Dhaun berichtet am 13. Mai dem Landgrafen von Hessen
(M. G.-Q. n, 333 f.): „Ycmer . . . begibt sich nun aUe tag, das die weiber
mit den kindem und sonst aus der stat Munster bis an die blockheoser
und graben louffen, die wir understen, wider inzuiagen. Aber sie
begern, das man sie darfur tot schlage ; wollen vil lieber sterben, dan wider
in die stat gen.** S. auch C. Heresbach a. a. 0.
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Anno 1535 acta. 807
Quidam debilia membra trahentes in terra repnnt et qnaecunque
necessitas offert, nsnrpant, quicquid fortuna et casus snbmini-
strant, in cibnm vertont. Tantns est fervor edendi, nt nee sapor
amplins discrimina cibomm faciat. Quidam viribus prorsus de-
stituti in arena se volvunt, *palpitant et moribunda membra «p. 599.
sursum deorsumque trahunt; quidam ita avidas fauces oleribus
et virgultorum foliis farciunt, ut pleno ore suffocentur; quidam,
dum procumbunt et ore vellunt herbas, dentibus subito morsu
cespites apprehendunt et vitam evomunt^ Quidam lacrimantur,
sed prae ariditate lacrimas non^ effundunt; quidam gemunt et
suspirant lamentabilique voce queruntur: „0 fames insatiabilis,
0 pestis ipsa morte atrocior et crudelior, o horrendum Solymarum
fiiagellum, o ludaica lues, o flamma viscera nostra excrucians!
0 mors, cur a nobis refagis? cur longas vitae moras non ab-
rumpis? cur non metam aerumnis et calamitatibus imponis? cur
miserias nostras differs et differendo auges? Nihil spei in urbe
nobis superest. Omnia sunt pene absumpta; fames in singulas
horas invalescit et recrudescit. Poris a milite gladiis coercemur^
inter urbem et castra concludimur, evagandi abeundique libertaa
nobis adimitur. ütinam haue solam gratiam ab hoste conse-
quamur, ut gladiis tormentisve pectora cutemque nostram vii
ossibus adhaerentem confodiat! Utinam saniei, qua pro sanguine
distendimur, ferro viam faciat, utinam e praecipitio deiecti et
fossarum aquis suffocati fuissemus ! Non formidamus hostem nee
hostis arma, sed horrendum monstrum, quod circumferimus,
quod viscera nostra rodit, quod artus attenuat, quod in meduUas
descendit, quod vires nostras absumit. Hoc vulnere sine vulnere
intus affligimur, intus excruciamur, intus sine morte morimur.
His Omnibus vulneribus, his molestüs, huic monstro, huic morti
atri panis crustula mederi posset!^ Dum ita senes matresque
«) fehlt im Ms.
V) „Sie künden den lejchnam nit wol tragen,** sagt „Der gantze
handel^; „etlich giengen mit eim stabe, die andern krachen wie die thier
auff der erden, vil bliben auff halbem weg todt ligen; solch gestalt was
durchs gantz Königreich, das ist zwischen der stat und den Plockhensern.**
Vgl. auch Job. Fabricins Bolandus Bl. Y6.
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808 Anno 1535 acta.
qnernntnr, infantes ^ alii prae inedia vaginnt, alii siccis matmm
uberibns adhaerentes frnstra ea lambnnt^ alii pro lacte virifico
sordidam saniem attrahnnt, alii plorantes et e sinn matemo sn-
spicientes praemansnm ex ore matris cibum hiantibus bacnlis
expectant et certa spe cibi ora movent, sed delusi lacrimantur.
Alii grandiores bntjro illitnm, alii siccnm panem postnlant.
Matres vero singnltus, gemitns et lacrimas cibi loco donant et
se cnm adainatis pnsionibns non extinctas esse qnernntnr. Moltis
inde lamentis snpplicant militibns, nt se homines esse remini-
scantur et se a muliebri sexu editos, se infantes fuisse, materno
praesidio egnisse, matema cnra et soUicitndine enntritos esse;
se ergo per amorem maternnm in liberos obsecrare, nt sibi
"p. 600. panxillum atri et *mnscosi panis adiiciant; sit sna cnm canibus
portio. Si vero id fieri neqneat, infanteni saltem famelicnm et
morti vieinnm semel qnocnnqne etiam cibo satnrent vel, si neqne
^) lieber die Anzahl der kleinen Kinder damals in Münster besitzen
wir eine Notiz in einem Briefe Wirich's v. Dhaun vom 7, Mai an die clevi-
schen Hofräte. Wirich fuhrt da (s. M. G.-Q. II, 325) die Aussagen einer
aus der Stadt entwichenen Frau und eines Jungen von 16 oder 17 Jahren
an, die beide bekunden, dafs „sie die iung kinder in der stat getzalt haven,
die under 2 iar seint, dat der warhaftig darbinnen wercn 1007.'* Ueber
die Gesamtzahl der Einwohner Münsters zu jener Zeit (für früher vgl. oben
S. 7t )0 u. 736 Anm. 1) findet sich eine Angabe in der Beilage zu einem
Schreiben des Herzogs Philipp von Braunschweig-Grubenhagen vom 23. Mai
an den Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen, wo es heifst (M. G.-Q.
II, 341), dafs Gefangene aussagen, „das noch binnen der stat Munst-er an
die neunthalbtausent lebendiger menschen sein. Darunter sein gewislich
1300 und darüber werhaftiger menschen, iunck und alt, item funft«halb-
tausent weiber, und die andere sollen kinder sein." — Ueber die Ernährung
der Kinder in der Stadt meldet Justinian v. Holtzhausen am 21. Mai seinem
Vater (M. G.-Q. II, 335), wie er persönlich von einem gefangenen Müller
gehört habe, der y,auch soUichs bei höchstem eide behilt,** dafs derselbe
„seinen kindem das weis von den wenden geschapt hotte und mit wasser
gemengt und seinen kinden das zu trincken geben hatte; sagt auch, das
es ander leut mer gethan betten und noch.*' Am 29. Mai berichtet er aber-
mals (ebendas. S. 343): „Kriden mit wasser gemengt ist den kinden ein
deglich speis, auch den alten." Die „Newe zeittnnge von Münster* vom
3. Juni teilt mit (s. J. Niesert: Ü.-S. 11. S. 500 f.): „Die kleinen und
jungen kinder werden mit milch und krejden und mit gemüfs, das mit
milch gesotten wirdt, erhalten."
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Anno 1535 acta. 809
se ad id mnliebribns lacrimis commoyeri sinant, nno ense se
cnm parta transigant et calamitati saae finem imponant, cum
vivere sibi miserrimum sit, ergastulxim animae solvant, carcerem
ferro aperiant, animam camis consortio infirmam et dintnmis
laboribns defatigatam liberent, nt a came divnlsa libertate fma-
tnr^; illnd se pro beneficio snmmo babituras*. Miles, qnamvis
dnrus et inexorabilis, hac tarnen miseranda rerum facie et qneri-
moniis, qnae et feras immanes et saxa commovissent, ita emol-
litnr, nt miseriae mnliebri et pnerili hnmano aliquo solatio snc-
currendnm esse existimarent. Panem ergo passim milites e castris
matribus pnerisque per mnnitiones adiiciunt *, qui, qnantum per
aetatem et famem licnit, non aiiter, qnam famelici catelli cer-
tatlm ad cibnm cnrsitant. Alins alinm praecnrrere contendit,
alins alii praeripere bolnm gestit, nnde variae contentiones inter
pueros orinntnr, quas matres vix sopinnt. Non enim de re levis
momenti, sed de cibo, vitae conservatore, agitnr. Cum antem
a) Ms.: habituros.
'j Im Briefe Wirich's v. Dhaun vom 7. Mai an die clevischen Hof-
räte wird mitgeteilt (M. G.-Q. II, 324 f.): am 5. Mai „quam ein frauw
Widder mit eim iongen kind herufs, die hatten wir eins zu rugge in die
stat geiaget, mer sie quam zer stont widder. Sie sacht, sie wer liever mit
dem kinde dot, dan von hunger zu sterven. So nomen die knecht er dat
kint af, und die fraw sitz noch an einer heggen binnen der graft." Am
27. Mai, so meldet die „Newe zcittunge von Münster" (bei J. Niesert
a.a.O. S. 500) „hat ein weib in der schantz ihr eigen kind wollen erstechen;
do ihr solchs nicht kondt oder raocht gestat werden, hat sie sich selbe
durch grofscn zweiffei erstochen.**
'^) „Die knechtsfrauwen,** schreibt Wirich v. Dhaun den clevischen
Hofräten am 7. Mai (M. G.-Q. II, 325), „langen innen aver durch dat stacket
gnoch zu essen.** Ueber die Frauen, alten Männer und Kinder äufsert sich
Justinian v. Holtzhausen im Briefe vom 21. Mai an seinen Vater (ebendas.
S. 334 f.) : „Ligt für iedem plochaus ein hauffen derselben, welche von ploc-
heussem aus barmbhertzigkeit, doch aus geheis des obersten noch
notturft gespeist werden.** C. Heresbach S. 25 schreibt: „Pueri passim
alendi a militibus recepti plerique . . .** So berichtet auch H. Gresbeck
S. 190: „So hebben die lansknecht die kinder tho sick genommen und hebben
ein deil kinder ndt sick genommen.** Gleich darauf er&fthlt er weiter:
„Dieselve frowen luede, die so uth der stat tuegen, die noch ionck waren,
dieselve namen die lansknecht tho sich np dat blochuifs und behielden die
bei sick vortan für ire frowen.**
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810 Anno 1535 acta.
data esset ipsis copia cibi, qnibnsdam oneri coepit esse cibns.
Dentes dissneti alimentis mandere ingesta non poterant, invalidus
erat morsus, obstmcti erant meatns alimentormn, obrignerant
interiora viscernm, interclnsl erant faucinm dnctns, arnerant
iecoris venae clbnm attrahentes. Aviditas qnidem edendi mansit,
mansit appetentia cibi, sed edendi nsus defecerat. Cibns itaqne
plnribns pericnlnm, qnam salntem adferebat, in qnibns appetitns
edendi rationem praecnrrebat. Qnidam enim mensnrae nescii
snpra modum cibum ingerebant ideoqne magis inflabantnr solito
cibo, qnam reficiebantur, et repentino cibo farti crepabant et
mmpebantnr ^ Qni vero panlatim et parca mann cibis ntebantnr
et fenrorem edendi fmstrabantnr, donec e dissneta cibnm capi-
endi consnetndine ad pristinnm nsnm reverterentnr, pericnlnm
evadebant.
Haec cnm miseria et calamitas egressomm qnotidie ex urbe
elabentinm et in regno instar bmtomm errantinm per Uber-
S2. April, steninm, militiae praefectnm, 22. Aprilis ad principem perlata
esset', princeps ingemescit et nrbis et egressomm miseriam ex
*p. 601. animo deplorat, "^manns in coelnm attollit et se tarn horrendae
calamitatis causam non esse testatnr, qni saepe oppidanis in ipsa
obsidione pacem et cnlpae gratiam obtnlisset nitro; si impietate
et rebellione posita pacem toties oblatam elegissent, se cleroen-
tissimnm illis fntnrum fnisse; nbi vero bellum qnam pacem^
angnstiam qnam libertatem, famem qnam satietatem malnissent,
se necessario pro defensione gloriae Dei, catholicae religionis et
reipnblicae tranqnillitatis ad arma protractnm'; coram Deo ita^
qne et hominibns se ab illa clade pnrgatnm esse.
') In einem andatierten Konzepte zu einem Schreiben des Bischofa
an den Erzbischof von Köln heifst es (St-A. M. M. L. A. 518/19 VI. foL 204) :
„. . . dwil ein deil bedagten und kinderen uth der stadt entkommen Ton
den knechten ynwendich der grafft spyse nnd dranck nth chrisüigen mit-
lyden gereickt, zinth derselven etlige durch yil begirlige aet-
znng des broits und spise jehelings erstickt.*
^ Vielmehr durch das oben S. 806 Anm. 2 erwftUnte Schreiben der
bischöflichen Räte.
') Die B&te hatten in ihrem Schreiben den Bischof gebeten, er möge
schleunigst von Iburg nach Wolbeck kommen, um mit ihnen, dem Obersten
und den Eriegsr&ten über die Behandlung der Flüchtigen zu beraten; auch
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Anno 1535 acta. 811
Inde cum militiae praefectis de transfugis et nrbe egressis
consultat; et cnm hac consnltatione visnm fnisset principi im-
mane, cmdele et horrendum tantam sennm, mnliernm, pnerornm
et male affectomm mnltitudinem, in qna procnl dubio plnrimi
sint innocentes, sine discrimine mactare aut ita inter urbem et
castra coerceri, nt fame et inedia simul eitinguantur, cum foris
malint gladio confici, quam in urbem redire et fame tabescere^
neque satis tutum ratus esset ipsis libertatem abeundi permit-
tere, ne simili seditione alia loca impune concitent et evertant \
sei ihre Absicht, noch einmal eine Schrift in die Stadt zu senden. Der
Bischof antwortete am 22. April, er könne augenblicklich von Iburg nicht
fort „So tragen wir,** heiTst es dann weiter (Orig. im St.-A. M.), „der-
selben schriirt bedencken, achten auch, das sie wenig frucht gebieren und
schaffen wirdt, dweiU sie dem gemeinen man verhalten und allein den
hanptsachem zur henden kompt.** Der Bischof rät, einen gefangenen Kund-
schafter (gemeint ist Sybbeken Frese) möglichst nahe vor einem Thore der
Stadt hinrichten und an der Bichtstätte die schriftliche Drohung befestigen
zu lassen, dafs in gleicher Weise gegen alle Flüchtigen verfahren werden
solle. Zugleich damit soll den Münsterem zu Gemüt geführt werden, dafs
sie nach der am 7. April erfolgten Erstürmung des Oldenklosters durch
Georg Schenck v. Tautonburg auf keinen Entsatz weiter zu rechnen hätten.
Dann f&hrt der Bischof fort: „Aber doch unangesehen, das wir hiebevor*
darinne zu vil malen geschriben und inen angepotten, so sie sich in unser
gnad und ungnad geben weiten, sie antzunemen, so weiten wir noch als^
ein loblicher fürst, der kein lust noch freude hat, unschuldig bloit zu ver-
giefsen, im falle das sie sich sunder lenger hinstellent noch in gnad und
ungnad stellen wurden, sie dermafsen annemen und das unschuldig bloit
verschonen.**
^) Die Erwägungen, die Eerss. hier dem Bischöfe zuschreibt, sind
alle schon in dem Schreiben der bischöflichen Räte vom 22. April von
diesen zum Ausdruck gebracht. „Nu hebn,** heifst es dort, „gedachter
overste, krigesreede und wy myt ennen den handel bedacht, alsulcke luede
an erem levende alle umbtobrengen, wer eüiger maten beswerlich und myt-
lidelich, desulven ock dorch passeren t'laten, sulx steit ock to bedencken
umb ander ungeluck und uproer, zo ze an anderen oerden erwecken mochten.
Solde men ze ock anholden und also kummers halven vor den ogen sterven
laten, wer erbärmlich und erschrecklich, zo ze sick apentlich hoeren laten,
willen veUever buten Munster erworget syn, dan daer bynnen von kummer
sterven. ** Ganz ähnlich schreibt dann am 1. Mai Wirich v. Dhaun an den
Landgrafen Philipp von Hessen und bittet um dessen Bat, wie mit den
Ausgefallenen zu verfahren sei (Orig. im St.-A. M.). Philipp antwortet am
12. Mai (Konzept ebendas.), er könne „in dem falle nit rathen, dan ea
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812 Anno 1535 acta.
quare, ne qnid atrocins vel lenins, quam aeqnnm sit, in hos
transfagas a se decematar, hanc rem consilio Coloniensis et Cli-
vensis proponendam esse snadet, ut isti principes, quid sibi utile
Visum fuerit, in medium consulant, rcsenrato tarnen sibi consilii
temperamento. Haec consultatio ab utriusque principis consi-
1». Mai. liariis facta est Coloniae 19. Maii, in qua decemitur*: Primum,
ut egressi in urbem, quacunque ratione fieri queat, redire com-
mochten die leuthe und hcrtze nit alle gleich steen nnd sein; aber ewere
gewissen und ewere vemunfift . . ., nach denen habt ir zu handelen.** Er
höre aber, dafs man auch solche Flüchtige erschlage, „die da rnffen, sie
wollen sagen, daran dem bischoff zu Munster und sein landen und leuthen
mugelich und trefflich vil gelegen sy . . .^ „Y>&8 dunckt uns, solte nit sein.
Man solte sie erst hören, und wan sie gehört weren, weren es dan soliche
leuthe, dy es verdient hetten, kan und mochte man richten lassen.'* Noch
ehe diese Antwort, vor Münster eintraf, hatte sich Wirich am 13. Mai aber-
mals um Bat bittend an den Landgrafen gewandt (s. M. G.-Q. II, 333 f.).
Auf eine spätere Anfrage des Bischofs selbst antwortet der Landgraf am
1. Juni (Konzept im St.-A. Marburg), er wolle nicht gern raten, da man
ihm später dann die Schuld an dem Geschehenen zur Last legen könne.
Hätte er aber zu handeln, so würde er die Weiber des Landes verweisen,
die Männer nach Einnahme der Stadt je nach ihrer Schuld strafen oder
freilassen.
') Zwar nennt Kerss. hier und im Folgenden genaue Daten; akten-
mäfsig aber läfst sich eine Beratung der erzbischöflichen und herzoglichen
Räte in Köln nicht nachweisen. In dem von J. Niesert a.a.O. S. 197 ff.
veröffentlichten undatierten Konzepte zu einem Schreiben des Bischofs Franz
an den Erzbischof von Köln, das die Ernennung der Herzöge in Münster
bereits erwähnt, also zeitlich nach dem 3. Mai fallen mufs, heifst es nur:
„Mith den kindem und wyvem, de tuschen de stadt und blockhuiser gele-
gen, zinth wy vast hoich beswert und mith den oversten und kriges-
luden etlige dage in ratslag gestanden, wat woge mith denselven
voir to nemen . . .** Aus den Akten steht jedoch andererseits fest, dafs
sowohl Bischof Franz wie auch Wirich v. Dhaun sich aufser an den Land-
grafen auch noch an andere Fürsten um Rat wandten. So schreibt der
Bischof am 26. April aus Wolbeck an seine auf dem Tage zu Worms an-
wesenden Räte (Konzept im St.-A. M.), sie sollten die Meinung der Reichs-
stände einholen, wie mit den Ausgefallenen zu verfahren sei. Am 1. Mai
bat Wirich zusammen mit den Kriegsräten den Erzbischof von Trier um
seine Ansicht. Die Antwort vom 7. Mai (Orig. im St.-A. Düsseldorf) empfahl
möglichst schonendes Vorgehen. Sicher ist noch, was auch Kerss. gleich
weiter unten berührt, dafs die Angelegenheit auch den Münsterschen Land*
tag beschäftigt hat.
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Anno 1535 acta. 813
pellantar, ubi maritos suos aliosque sangnine sibi innctos ad
capiendnm regem reliqnaqne praecipna factionis capit^ commo-
veant, qnibns principi traditis nrbeque reclnsa sibi reliqnisqne
oppidanis innocentibns gratiam comparent; si vero ad id indnci
non possint, nt in nrbem revertantnr, totam mnltitndinem egres-
somm hominum Dickhausinm per equitatum dednctam noctumis
dinrnisque vigiliis ita ad captam nsque nrbem coercendam et
cnstodiendam, ne qnis eomm sese snbdncat neve qnis peregrinns
ad ipsos colloqnendi cansa admittatnr. Praeterea, nt diligens et
accnrata tarn inter feminas qnam mares inqnisitio fiat, spontene
an coacti in nrbem transierint vel in ea remanserint, an ana-
baptismo addicti fnerint, qnid de eo sentiant etc., eo certe con-
silio, nt innocentiae parcatnr, flagitiosi vero et anabaptistica labe
contaminati commeritis snppliciis secnndnm ins ^imperatorisqne *p. 602,
constitntiones afficiantnr. Ad haec, nt ad snpplicinm destinatis
doctns et pins ecclesiastes adhibeatnr, qni ipsos ab errore ad
veritatis agnitionem, a deviis in viam veram per scriptnram sa-
. cram revocet et, ne salntis aetemae iactnram faciant, redncat.
Postremo dabitnr opera, ne et illi, qni t^nqnam innocentes Dick-
bansii conservandi snnt, concionatore catholico destitnantnr, nt,
si forte impietatis reliqniae ex pristina labe in ipsis remanserint,
stirpitns eradicentnr et in catholica religione confirmentnr.
Ad haec consnlta episcopns noster 27. Maii respondet: 27. MaL
Aliqnot centena hominnm plebeornm capita inter nrbem et
castra errantia neqne blandis verbis addnci neqne vi nlla cogi
posse, nt in nrbem revertantnr; se hostili gladio malle continno
occnmbere, qnam ad priores aernmnas, qnas desemerint, redire.
Dioecesis proinde capita, ad qnae potissimnm hoc negotium per-
tineat, hinc totnm militare concilinm censiiisse egressomm ho-
minnm mnltitndinem datis vadibns in diversas regionis partes
spargendam esse, in qnibns se, donec inde revocentnr, mortis
poena non parentibns proposita contineant, ne dioecesis haec
plnribns degravetnr snmptibns, qnam ferre qneat*. Mnltis
') Am 21. Mai schreibt Justinian v. Holtzhansen seinem Vater (M.
G.-Q. II, 335): „Es wirt für gut angesehen von der lantschaft, ober-
sten, auch der verordenten chur- und fursten, das die ausge-
lauflfen an ein odder 2 versichertter ort bis zu endung der handlung be-
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814 Anno 1535 acta.
enim impendiis opus esse primnm ad vigilias tarn dinmas quam
noctnmas peragendas, deinde ad tantam hominnin multitndinem
alendam, quae in singolas etiam horas transfugarum nnmero in-
crementnm sumptnra sit.
.28, MaL Princeps ergo 28. Mali totam illam mnltitndinem per qnos-
dam bombardigeras et equitnm turmas ex ergastnlo illo seu regne
nndique concluso liberat Dickhausinmqne transfert. Sed cnm
mnlti ntrinsqne sexns fame, inopia, aegritndine vel senio fracti
neqne consistere neqne ingredi possent, qnadrigis eo devecti sunt.
Ibi crimine notati ab innocentibns seiongnntnr et ultimo snp-
plicio destinati post bidunm plectnntnr, insontes vero pactioni-
bus quibnsdam obligati praestito iureinrando et datis fideius-
soribns ad diversa dioecesis löca relegantnr, fideinssores antem
pro personarnm dignitate ad certam pecnniae snmmam exolven-
dam prineipi loco inramenti se obligant, si relegandi a fide data
recedant et pacta in minimo violent*.
haltten werden, und inen gnade mitgetilt werde.* Ein Münsterscher Land-
tag war am 18. Mai zu Dülmen versammelt, doch gehen die im St.-A. M.
üher denselben erhaltenen Akten in Bezug auf diese Angelegenheit keinen
Aufschlufs. Wohl aber schreibt der Bischof am 20. Mai aus Iburg seinen
Räten zu Wolbeck {flrig. im St.-A. M.), sie sollten dem Obersten und den
Kriegsräten die Beschlüsse des Landtages in Betreff der flüchtigen Frauen
mitteilen. Er sei mit ihnen einverstanden. Am 23. Mai schreibt er an die-
selben weiter (Konzept im St.-A. M.), „dat iw ane twivell bewust, wy uns
hirbevor entslotten, dat wy uns der gefangen henforder nicht undernemen,
noch vel weiniger der to doen hebben wolden. Derwylen so willet denn
verschaffen, dat sodane gefangen dem oversten togestalt, der to-
versicht, he werde sich mit denselven der gebor to holden
wetten. Der gefangen frouwen halven hebben wy dem drosten tor Wol-
beck unfse gemoith und meinunge geschreven, dama he sich to richten.''
Der bischöfliche Befehl an den Drosten ist nicht mehr zu ermitteln.
') Am 29. Mai berichtet Justinian v. Holtzhausen seinem Vater (M.
G.-Q. II, 346); „Die wiber und kinder, so für den plocheusern ligen, und
alten mennem bot der bischof von Munster gefencklich verwart, und ver
burgschaft hot, wirt ledig und gewonlich des bischofs undersossen. Mit
den ingelauffen frembden weibern weis ich nicht, wie ers halten wirt. Er
wolt den last uf uns geschoben haben. Wir weiten aber
nicht richter und hencker sein über das arm folk.** Am aus-
führlichsten erzählt die „Newe zeittunge von Münster" vom 3. Juni (bei
J. Nies er t a.a.O. S. 503 f.). Danach waren seit Pfingsten (16. Mai) ,.an
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Anno 1535 acta. 815
*Pactiones et articuli mulieribus ac senibns Monasterio egressis»p. 603.
et in gratiam quodammodo receptis propositi, quos singoli nno
propinqnorum adhibito et inreiurando interposito se servatnros
recipiebant*:
Primnm anabaptismnm et omnes ex eo articalos manantes,
per qnos seducti seductaeve sint, ex animo abinrant neque se
bis in postemm adbaesnros ant ad praeterita delicta reditnros,
sed cum snperioris vitae resipiscentia pie et Christiane victuros
pollicentur.
Secnndo, se locnm, ad qnem relegantnr, sine arbitrio et
volnntate principis' snb poena Ultimi supplicii non mutaturos
neque se apud quenquam hominem, cuiuscunque etiam sit aetatis,
de anabaptistica secta verba facturos, nedum viam ad eam prae-
stituros eamve dicturos, sed hominum multorum commercia ad
tempus se evitaturos promittunt.
die 300 weiber, one die kinder, der sie vil bei sich hatten, darunter waren
nicht mer dann sechs alte nienner in die schantz, aufs der stat hungers
halben zusammen gelauffen . . ." Auf Befehl des Bischofs wurden sie zum
„teich hausse" gebracht. „Und wer nu von den selbigen bürgejund glauben,
das sie sich von ihrem glauben zur besserung wollen geben, künnen stellen,
die hat man zu bnrger banden komen lassen. Also das der mehre teil von
selbigen freunden zu banden gestellt. Es seind aber noch von den selbigen
wol an die 70 zum teich haufs, doch des Versehens, sie werden von iren
freunden, so ein teil aufswendig gesessen, auch der mafsen aufs geborget.
Nu seind in den zwejen tagen, die weil man die andern weiber zu bürgen
haben komen lassen, widerumb ungeferlich wol hundert weyber, so auch
vil kleiner kinder bei sich haben, in die schantze angekommen. Item es
hat mein gnediger herr von Münster auch jetziger zeit 14 oder 15 unge-
ferlich gefangene sitzen, so aufs der stat Münster komen seint, die meins
Versehens der mehre teil in kurtz sollen gericht werden.''
^) Im Ganzen decken sich die folgenden Artikel mit denen, die in
einem Konzept im St.-A. M. (M. L. A. 518/19 VI. fol. 167b) erhalten sind
und die Ueberschrift haben: „So unse gnedige her van Munster etc. etlige
frouwespersonen, de uth Munster gekomen, uth gnediger bewegung und
sunderlingcr bede mith willen und wetten der oversten und krigesreede in
gnade und Ungnade upgenommen und deselven eren bloitzverwanten und
frunden bes to entschap dusser belegerong und wideren bescheitz to be-
waren und in gewifsheit to holden ton banden leveren und bevellen lathen,
sallen de berorte frouwen vor zick, und beneffen ennen er frunde und
borgen folgende artickel loven und schweren."
') Im Artikel heifst es nur: „. . . bes to wideren bescheid ..."
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816 Anno 1535 acta.
Tertio, äi vero demonstratam fnerit se qnenqnam cuios-
libet aetatis hominem verbis, factis, scriptis ant qnalibet aUa
Tätione post hanc relegationem anabaptismnm docnisse ant pro-
pagasse \ continno poenas bene commeritas se datnros recipinnt ^
Quarto, recnperata per Dei gratiam civitate Monasteriensi,
etsi remissionem delicti mereantnr^, se pnblicam impietatis et
admissi sceleris poenitentiam, qnalemcnnqne sibi princeps impo-
snerit, libenter actnros*
Quinto, omnes articnlos snperiores snb privatione vitae et
aetemae salntis se servataros, neqne se eos verbis, factis, scriptis
ant qnacnnqne sinistra machinatione clam palamve neqne per
se neqne per alios oppngnatnros neqne ^ se adversns eos ab nllo
magistratn ecclesiastico sen profano privileginm nllnm impetra-
tnros inreinrando affirmant.
Uberstenins reliqniqne militiae praefecti cnm incredibilem
miseriam et calamitatem in nrbe esse a transfngis illis, qnos fames,
nt dictnm est, expnlerat, accepissent, ad deditionem oppidanos
fore nnnc proniores existimant. Proinde, nt sangnini parcatnr^,
^) Der Artikel setzt hinzu: „off der wederdoep wederamme byfeUe
und de to vertedigen understonde.*
*) Im Artikel: „. . . alsdan sali de persone, alsbald men des innen
werde, tor stnndt on aUe inredde weder an nnsen g. h. eder s. f. g. bevel-
hebber tor straeff und tor plaitz, waerhen men de benompt, in behafftong
gestalt werden/
^) Im Artikel: „und de persone alsdan uff midier tyth des leventz
begenadet worde . . .**
*) Das Folgende ist in dem Artikel nicht enthalten. Bei Eerss. fehlt
aber der Schlufssatz : „Des sollen zick ock de borgen na einer jder persone
gelegenheit verplichten und an ede stadt geloTen, mith einer nompligen
summa gelden u. g. h. verfallen to sjne, so in dussen vorg. artickeln aUcn
off einen jderen in sunderheit overfaren unde nicht geholden worde.**
^) Ein wahrhaft furchtbares Bild von der in der letzten Hälfte des
Mai und in den ersten Tagen des Juni massenhaft vollzogenen Tödtung der
aus der Stadt Flüchtigen giebt die „Newo zeittunge von Münster** a. a. 0.
Mit einer Uebertreibung haben wir es da wohl kaum zu thun. Die Zahl
der Fliehenden war sehr grofs (vgl. H. Gresbeck S. 173 u. 189, sowie den
Brief Justinian's v. Holtzhausen an seinen Vater vom 21. Mai [M. G.-Q.
II, 335]), und, wie wir wissen, wurde den ausgefallenen M&nnem in der
Regel keine Gnade gewährt. Noch am 8. Juni schreibt Justinian dem Rate
seiner Vaterstadt (M. G.-Q. II, 351): „Der lauffen deglichs vil aus. Es
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Anno 1535 acta. 817
Scripte 30. Maji in lurbem misso * ipsos itermn admonere ntüe (i. Jnni.)
Visum est, nt deposita impietate serio resipiscant et civitatem
ad gratiam poenamqne dedant; si vero, nt id faciant, sibi per-
suaderi non sinant, viros, mnlieres *paerosqne in nrbe retineant ^p. eoi.
neque eos egredi permittant, alioqni se eos infestissimorum ho-
stinm loco habituros *. Ad haec oppidani 2. Innii respondent «. Juni,
in hunc modum^:
,,Qnanqnam responsnm a nobis non postnlatis memores
sine dubio superioris praemeditati et constantis responsi nostri^,
ut tarnen mentom nostram plenius assequamini, pro constanti
et immutabili responso habetote: Nos ita erga veritatem, quae
per Dei gratiam apud nos fulget, affectes et animates esse, ut
eam totis viribus ad extremum etiam vitae halitum tueri, pro-
pugnare eique adhaerere decretum sit nobis, nisi ea a vobis aut
aliis quibuscunque validioribus scripturarum arietibus convel-
latur et ezpugnetur. Bidiculum profecto ac stultum esset, cum
nullius flagitii simus nobis conscii, etsi a vobis falso insimu-
lamur, nos nondum convictes culpam agnoscere, delictum de-
precari, hostium gratiam implorare et in arbitratum illorum nos
sent in vier tagen bis in die 200 man erschlagen/ Vgl. auch
H. Gresbeck S. 199.
') Das Schreiben erging erst am 1. Juni. Eerss. hat es, chrono-
logisch ganz ungenau, bereits oben S. 761 f. mitgeteilt, aber aus einem un-
datierten Entwürfe, der seinen Ursprung wohl in der bischöflichen Kanzlei
hat und von J. Niesert: U.-S. I. S. 437 ff. abgedruckt ist. Eine gleich-
zeitige Kopie des wirklich abgesandten Schreibens befindet sich im Stadt-
archiv zu Frankfurt a. M., eine Abschrift danach im St.-A. M. Inhaltlich
deckt sich das Schreiben mit dem Entwürfe, ist aber in der Form kürzer.
^) Im Schreiben : „So ir aber solchs zu thun nit gemeint, so warnen
und bevellen wir euch hieruff zum aUer emstlichsten, euer mans personen,
weyb und kindt in der stadt zu behalten, hinfurter nit mehr hierufs zu
khomen. Wo dar über jemand begriffen, nemant ufsgenomen, wellen wir
dieselben als unsere höchste feind zum aller emstlichsten verfolgen lassen."
») Orig. im St.-A. M. Abgedruckt bei J. Niesert a.a.O. S. 431 ff.
Auch dieses Schreiben ist von Kerss. schon früher, aber an ganz unrechtem
Orte, verwertet worden. Vgl. oben S. 796 f.
*) Das Schreiben giebt hier ganz kurz den Inhalt der Briefe an, die
von den Inhabern Münsters am 14. Jan. auf das Schreiben der Coblenzer,
am 10. Mai auf das der Wormser Stände eingesandt worden waren.
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818 Anno 1535 acta.
dedere. Si Christi nomen digne circnmferre velitis, de qao satis
arroganter gloriamini, Christiane iure, qnod saepe, sed frustra,
postnlavinins, nobiscom ageretis, accnsatis et in crimen Tocatis
coram iudicibns incormptis et non snspectis defensioni daretnr
locus. Sed frustra haec qnerimur. Divinitus enim haec fieri
Daniel 7 ^ nobis praefignravit. Nam sie bestia qnarta qnartam
terrae monarchiam, hoc est Imperium Bomanum, praesignificans
sanctos Dei conculcat ; sie haec bestia est affecta, ut nuUi legi-
timae defensioni det locum, sed pro sua libidine et tyrannide
sanctos Dei conculcet, comminuat, mactet, perdat, latrocinetur,
interficiat ac devoret, cum si^* ultima quartae bestiae tyrannis
longo a prioribus tribus bestiis diversa onmia comminuens et
pedibus conculcans. Legantur omnium Patrum et historicomm
scripta, et non invenietur tyrannis similis in causa fidei circa
sanctos Dei, quam huius bestiae temporibus. Et quod horribilius
est, iudices et praefecti huius bestiae, etiamsi sciant se inno-
centes et sanctos Dei opprimere, tamen a cmdelitate et sanguinis
effusione ex destinata quasi malitia in gratiam bestiae sibi non
temperant, ne veritas in suam ipsorum pemiciem emergat et
populum ad vindictam commoveat. Testes evangelii ita sub pe-
dibus pressos tenent, ita linguas ipsorum praecidunt, ita ora
obturant, ita tibiis tympanisque obtundunt, ut ipsos in defen-
sionem sui exurgere non sinant; atque hoc illud est, quod Pro-
*p. 605. pheta dicit*: „residuum pedibus suis conculcans." * Christus
etiam in evangelio Matthaei 24^ haec praedixit. „Erit," inquit,
„tunc afflictio magna, qualis non fuit ab initio mundi ad hoc
usque tempus neque fiet." Et eodem capite*: „Abominatio de-
solationis stabit in loco sancto." Quod iam manifestum evadii
Nam sanctum Christi nomen locumque sibi arrogant, horrendam
tamen abominationem sanctimoniae fuco super terram commit-
tunt. Quare si neminem causae nostrae ratio moveat, si nulla
purgatio nostri permissa fuerit, sed bestiae pedibus concolcati
fuerimus, si id Deo ita placuerit, exempla tolerantiae Sanctomm
Dei nostras afflictiones consolabuntur levioresque facient, donec
o) M8.: sie.
») Vgl. besonders Vers 7, 8 u. 23 ff. — •) Daniel 7, 7. — ») Vers 21. —
*) Vers 15. Vgl. auch Daniel 9, 27.
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Anno 1535 acta. 819
lapis ille angularis pedes bestiae aeneos conterat et regnnm atque
potestatem et magnificentiam regni subter nniversnm coelnm po-
pulo sanctomm excelsorum dederit \ Ad id vero, quod scribitis,
nee viros nee mnUeres neqne pneros plnres emitteremns, alioqui
vos eum iUis vestro more aeturos, respondemus nos nnllos vobis
misisse neque missnros esse, sed eos, qni sponte sna a nobis
recedere postulant, abire permittünns, etiamsi sciamus ipsos nihil
boni nobis praestituros, imo vobisenm omne malnm eontra nos
exeogitaturos et moturos. Cum illis igitur agite vestro more,
quieqnid animns vester snaserit, qnicqnid^ bestia haee, enins
praesides estis, snggesserit! Nos, ut non areemns eos a nobis,
qui familiaritatis conciliandae gratia ad nos veninnt, ita quoque
neminem invitum retinemus, qui abeundi faeultatem efflagita-
verit, etiamsi tanquam hostis a nobis sit eaptus. Haec ex abun-
danti respondere ea mente voluimus, ut hae postrema et immu-
tabili responsione satiati nullam a nobis postbac exigatis. Non
enim tam sumus rüdes et rerum imperiti, ut ehristianos vestros
animos non inteUigamus et quam certa sit eommeatus vestri
securitas et promissa fides. Datum sub signo civitatis nostrae
post inearnationem Filii Dei Jesu Christi, Domini nostri, 1535
secundo lunii.*'
Dum haec mutuis scriptis aguntur, interea die 11. Mail n. Mai,
circa oetavam vespertinam magna fuit retinetorum Amstelrodamae
ad liberandum ab obsidione Monasterium coUuvies', qui oecu-
pata curia eam civitatem pro asylo et receptaeulo suae feeis
habituri erant. Sed cum in eo motu alterum consulem* eum
") Vgl. Daniel 2, 34 ff. u. 7, 27. — «) Dieser Satz ist Zuthat Keras.'s.
') Vgl. zn dem kurzen Bericht Kerss.'s über den Aufruhr in Amster-
dam, zu dessen hervorragendsten Führern der von Johann v. Leiden aus
Münster entsandte Johann t. Geel gehörte (s. Johann's Bekenntnisse bei
J. Nieser t: Ü.-S. 1. S. 182 und M. G.-Q. II, 374; s. auch oben S. 758
Anm. 1), die ausführliche Erzählung bei L. Horte n sin s S. 58ff. Zur
Sache s. besonders C. A. Cornelius in den „Abhandlungen d. bist. Kl. d.
Kgl. bayer. Akad. d. Wissensch."* Bd. 11 Abtlg. 2 (München 1869) S. 70 ff.
und L. Keller: G. d.W. S. 278 f.
*) Es war Petrus Colinus. Siehe L. Horten sius S. 63. Den Tod
des Bürgermeisters erwfthnt auch Justinian v. Holtzhausen in seinem Be-
richte über den Aufstand an seinen Vater vom 2t. Mai (M. G.-Q. 11,337).
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820 Anno 1535 acta.
vigilibus occidissenty cives prima formidine deposlta adTersns
hos arma capiunt, cnriam cnm civitate ferro recuperant, retinctos
«p. eo6. ^<^<^i3is ^7^ capiunt, *quonim qnosdam gladio ferinnt, qnosdam
snspendio ingiQant, qnosdam aqnis snffocant, qnosdam evnlso
corde vivos laniant Irritns proinde fuit eomm conatns.
Dnm plebs lacrimis, üme et Inctibns miseris modis se
conficit, rex choreis, Inxn et caedibns* pro libidine indnlget
Kam Joannes Inliacns, signifer, cnm a mnltis accnsaretor, qnod
defectionem clancnlariam moliretnr et verba seditionem spirantia
in vnlgns sparsisset, ex vincnlis cansam a rege dicere inssns est
nie vero in carcere cnm Christophoro Schonhovio, signifero, qni
et ipse, qnod anabaptisticae impietati restitisset, ibidem captns
detinebatar, in defectionem conspiravit. Qnare fortnnae sese
committentes effracto carcere nrbe qnoqne se elabi posse speraot.
At Schoenhovins Inliaco capto evasit, apnd qnem signnm mili-
11. Mal. tare convolntnm et in sinn abditnm reperinnt. Proinde 11. die
Maii capite plectitnr*.
0 »Viginti octo ex anabaptistis ea nocte occubuenmt,'' sagt L. Hor-
ten eins S. 66. „Inter cives viginti sunt desiderati.^
*) Wenn auch H. Gresbeck wiederholt berichtet, dafs Johann
schon früher eigenhändig Hinrichtungen vollzog, so sagt er doch S. 89
noch ganz besonders : «üp dat leste, so plach der konningk mede
tho richten." Johann selbst gesteht freilich nur zu, er habe höchstens
8 mit seiner Hand geköpft (vgl. seine Bekenntnisse bei J. Nies ert a.a.O.
S. 181 und M. G.-Q. II, 874). Die aus Münster Flüchtigen wufsten jedoch
anders zu erzählen. Am 21. Mai schreibt Justinian v. Holtzhaasen seinem
Yater (M. G.-Q. II, 33G): ,.,Er bot neulicher tag vier, so herausfallen wolten
und Widder sein regiment geret haben, mit eigner haut gericht und sei
diesse wort dartzu geret haben, wie man glublich sagt im leger, auch
etzlich gefangen bekant haben, also wolt er aUen weltlichen fursten thun,
konnig und keissem.''
*) Dieselbe Sache berichtet ausführlich H. Gresbeck S. 192 ff. Er
nennt die Namen der Fähnriche nicht, sondern sagt nur: ^Der eine ven-
dreger was ein HoUender, der ander was ein Gulicher." Auch fehlt bei
ihm eine genauere Zeitangabe, doch setzt er die Hinrichtung des einen
Fähniichsl auf den]| derj^mifsglückten^ Flucht unmittelbar folgenden Tag.
Kerss.'s Datum ist wohl nicht das richtige. Denn nach einem Schreiben
Wirich's v. Dhaun vom 27. April an den Bischof Franz (Orig. im St.-A.
M.) sagte derselbe aus Münster' flüchtige Knabe, der Auskunft über die
Hungersnot in der Stadt gab (vgl. oben S. 797 Anm. 2), aus, „des nechst
verliden soders tag" (24. April) „am abent . . . sej ein knecht ufs Munster
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Anno 1535 acta. 821
Henricns fiadanns, qni bis exenndi facnltatem a rege im-
petraverat et bis receptns est in gratiam, nunc tandem clancn-
liim a communitate Christi deficere machinatar et cnm Andrea
Coloniensi negotiatns est, a quo sibi gladium et thoracem emit.
Praeterea liberum exenndi commeatnm pro Andrea Coloniensi id
petente ab episcopo se impetratnrum recipit. Quare nterqne
captns et 12. Maii capitali sententia damnatns est^ is. mkl
Item* nxor Henrici Grassii propter mariti sni in regem
scelus neque exilii iudicio condemnata neque conunnnitate re-
tinctorum eiecta clancnlnm egredi conatnr. Ideoqne vestibus
alüsque omamentis, qnantnm potest, se comit. Gterdrudis etiam,
magistri Conradi cbimrgi coniunx, a fide anabaptistica deficit,
marito obstrepit et ab eo clam annonam secnm anferens diyertit,
pecuniam et argentnm contra reginm edictnm apud se recon-
ditnm habet neque in commune, sicut alii, defert, varia supel-
lectilia in fundo domini Dungellii defossa esse reticet. Quare
utraque deprehensa eodem die, nempe 12. Maii, in monte Syonis,
hoc est campo dominico, decollatur.
Albertus natione Frisius, cum in animo haberet se episcopo
portam aliquam urbis et pecora in regno pascentia traditurum
et ad eam rem secum conficiendam aliquot oppidanos sollicitaret,
ab iisdem prodltus 8. lunii iugulum gladio incidendum praebuit'. s. jnnt
gefoUcn, heis Christophel von SchonhofFen, sey dis gantz jar ein venderich
darin gewest; und als er ufsgefoUen, hab er das venlin mit genomen, aber
er hab solchs venlin in dem graben müssen lassen, er der knecht hinweg
khomen. Ist zu erachten, das derselbig knecht durch der lucken ein, die
noch nit zugemacht, hinweg khomen must sein.'' H. Gresbeck bemerkt
S. 194: „Und der ander vendreger was enwech gekhomen mit dem Tenlein.**
^) Unmittelbar an die Erz&hlung von der Hinrichtung des einen
Fähnrichs knüpft auch H. Gresbeck S. 194 den Bericht: „So heft der ko-
ningk kort daima noch twein lansknecht dat hoevet af lalen schlain. Die-
selve hedden noch gelt gehat,und der eine hadde dem andern
wat afgekoft. Darumb meisten sie sterven.** Vgl. oben S. 768 Art 16.
*) Das Folgende ist nur durch Eerss. bekannt
') Yergl. dazu H. Gresbeck S. 170: „So iss einmail gewest ein
Frese, gnant der lange Albert Derselb was der koningkinnen dravante.
Der wolde hebben up ein mail alle die koe na dem blochuifs geiaget, na
den lansknechten, up dat hei hedde gefangen worden, und dat hei hedde
dat leven beholden. Dit woert der koningk gewar und liet denselven Fresen
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822 Anno 1535 acta.
•p. 607. *Anna Bodehosiana, cum marito semper rebellis esset et
obstreperet eo, qnod aliam et iuniorem se dnxisset nxorem, re-
prehensa antem a marito adeo foiiis agitabatnr, nt maledictis
dirisqne ipsnm devoYeret et correpta sella cranio mariti mina-
retnr, nisi eam, quam diixisset, a se abigeret Haec rebellio
poena gladii digna visa est; ideoqne capitis snpplicinm eodem
8. Juni, die, nempe 8. Innii, pertnlit K
Nicolaus Sniderus Northomanus, cum uxorem suam ad
episcopum et satrapam Stromburgicum cum literis, quibns sa-
lutem et officium hostibus suis precaretur et offerret, ablegasset,
praeterea literas ad Stedingum destinatas cuidam confratri suo
deterendas credidisset, at ille non Stedingo, sed regi eas obtu-
9. Juni, lisset, patcfacta autem proditione 9. lunii gladio caesus ', inde
in tredecim partes dissectus misere vitam finivit^
fangen und heve ime selyer dat hoeyet af. Diese Frese wolde dit doin von
grotem hunger und kammer; anders was hei ein recht wiederdoeper, glick
als der koningk und die andere sein lansleni.** Ob dieser Friese Albert
identisch ist mit dem „groit, lanck man'' Albert oder Beneventora de Bene-
Ventura, der nach dem Geständnisse des Job. Eettel van Tiel vom 6. Dez.
1534 mit 3 Genossen Proviants wegen nach Friesland gesandt wurde
(vgl. oben 8. 735 Anm. 2)?
*) Vgl. hierzu die oben 8. 688 Anm. 1 aus den Geständnissen der
beiden Knaben Herm. Mollenhecke und Job. Huttman vom 8. Juni ange-
führten Beispiele der Bestrafung von Frauen.
*) üeber diese Begebenheit haben wir weitere Berichte von H. Gres-
beck S. 171 f., von Justinian v. Holtzhausen im Briefe an seinen Yater
vom 29. Mai (M. G.-Q. II, 344) und in der „Newen zeittunge von Münster''
(bei J. Nieser t: Ü.-S. IX. 8. 501 f.). Justinian v. Holtzhausen erzählt
nach den Aussagen zweier Gefangener aus Münster, ,,sent dobei gewesen,
gebort und gesehen.^ Danach schrieb ,,Clos Korthom^ an Wilkin Steding,
und „als der Glos kein antwurt bekam, schrib er noch ein brif, und der
konnig wart es gewar, lies in griffen und lafs ime den brif für.* Die „Newe
zeittunge'* und H. Gresbeck geben als Inhalt der Briefe das Anerbieten
an, Mittel und Wege zur Eroberung der Stadt zu verraten. Nach allen
drei Berichten vollzog der König die Hinrichtung selbst. Das von Eerss.
dafür gegebene Datum ist falsch. Die „Newe zeittunge" setzt das Ereignis
unbestimmt „in der wochen nach Ezaudi'* (9. Mai), Justinian v. Holtz-
hausen hat die genaue Zeitangabe: „dorstag noch Pingsten** (20. Mai). Die
„Newe zeittunge'' nennt den Verräter „Claus von Nortwalde*, H. Gresbeck
sagt: „Clais Northornne, und was ein burger in der stat Monster."
') Nach den drei^ angeführten Berichten wurde der Leichnam in
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Anno 1535 acta. 823
loannes Ploer, coriarii minister, defectionem potius clan-
Gulariam meditari voluit, quam a rege exeundi facnltatem petere,
quam tarnen cum cansae cognitione in eo mense permittebat ^.
Ideo captus et 10. die lunii gladii poenae adindicatnr. lo. Juni.
Alexander Buschoducensis, reginae hemerodromus, defectio-
nem agitans anrenm annnlnm sibi a domina sna donatum soleae
sinistri pedis pro viatico snffixit. In quo forto cum deprehen-
deretnr, 11. lunii ad viridem quercum in monte Syonis suspen- n. Juni,
sus interiit^
Elizabeth Wantscherers a crebra maritali consuetudine ab-
horrens Beineri Hardewiceni, prioris sui mariti, mores aversata
effugit et haud procul a Clivicis castris extra urbem, ubi sese
condiderat, reperta in urbem reducitur et marito reconciliatur.
Post dies vero paucos marito mortuo Augustino Torrentino co-
gnomento Cloterbemdt nubit, quem cum ferro non posset, di-
Yortium regia auctoritate fieri postulat querens se patris saevitia
ad hoc connubium compulsam. Quod cum pater in consilia
regis verum esse affirmaäset, divortium approbatur. Obiurgatur
tamen puella a patre levitatis et quod obedientiam marito sua
debeat. „Nequaquam," inquit illa, „virum enim in hac urbe
non esse existimo, qui me domiturus sit!" Quae puellae pro-
tervia cum ad regem esset delata, continuo eam in carcerem
coniici iubet. Inde biduo exacto eam ad se duci praecipit. Et
cum puella liberaliori forma *esset: „Si," inquit rex, „posthac^p. 608.
in obedientiae et verecundiae officio te continere voles, ego te
in uxorem duxero." Ad quae Elizabeth : „Si," inquit, „rex illu-
zwölf Stücke zerhauen und jedes Stück aoTserhalb der Stadt aufgeh&ngt.
Den Kopf liefs der König auf einer Stange auf den Turm des Domes stecken.
„Als er gericht," setzt dann noch Justinian v. Holtzhausen hinzu (ähnlich
auch H. Gresbeck), „. . . nam einer, genant mister Glos, ein Holender und
prcdicant, sein, des gerichten, hertz und leber, druge das heim, kochet ea
und ass."
0 Vgl. dazu H. Gresbeck S. 172 u. 189. S. auch oben S. 804 f.
*) So berichtet nur Kerss. In der „Newen zeittunge von Münster"
a.a.O. S. 502 f. findet sich noch folgende Notiz: Am 27. Mai „hat der könlg
seinen locayon auff den thumbhof an eine linden lassen hangen, derhalben,
das er gesagt, das des königs lere und fümemen wer falsch und unrecht
und eytel betrugk."
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824 Anno 1535 acta.
strissime, eam gratiam ancilla taa in ocnlis regis mei consequi
qneat, nt omnium nzonim regis mei pedes, ant si qnid abiectins,
ablaat, habebit rex mens ancillam snam ad haec et qnaevis alia
paratissimam.^ Invenit ergo gratiam in ocnlis regis et facta est
non lotrix, non pedisseqna, sed regia coninnx et pro ea ad sex
fere menses habita^. übi vero Elizabeth impietatem, Inxum et
efinsam regis libidinem, qna intemperantissime exaestnabat, po-
pnli vero fame perenntis qnerelam et lacrimas agnosceret, res
sibi displicere coepit. Qnare annnlos et reliqua sibi omamenta
donata restitnit et more aliamm exenndi facultatem 'snppliciter
petivit*. Ad qnam rex: „lam tandem," inqnit, „tua iropostura
') Diese Nachrichten aus dem Leben der Elisabeth Wantscherei, die
schon oben S. 658 als eine der Frauen Johann's angeführt wurde, bietet
nur Eerss.
*) „Item . . . hat der könig," so berichtet die „Newe zeittunge von
Münster'' a. a. 0. S. 502, „eine seiner haufsfrawen der Ursache, das sie gerne
mit andern weibem, so aus der stadt gewichen, gezogen were, eigner person
ir haubt abgeschlagen/ H. Dorp, der auch den Namen der Unglücklichen
nennt, sagt (Bl. G 2) : „Als nu der hunger . . . gröfser wardt . . ., sagt eine
von den Königinnen, Eis Gewandscherers genant, zu den andern irer mit-
königinnen, sie gleubte nicht, das dis Gotts wille were, das man das arm
volck so todt schmachtet odder hungerte ... Dis sagen die andern köni-
ginnen dem könig an . . .** Bei Joh. Fabricius Bolandus, der zugleich
mit H. Dorp Quelle für Herm. Hamelmann S. 1272 f. ist, heifst es Bl. Y 7:
„Fama fuit miseram solum petiisse libellum,
Qui rata coniugii solvere iura solet;
Namque novi reputans inamania crimina regni
Hac propere tutam captat ab urbe fugam.
Dixit et indignum sibi religione videri
Vera, quod miseros enecet atra fames ..."
Auch Justinian y. Holtzhausen giebt in seinem Briefe vom 29. Mai an seinen
Vater (M. G.-Q. II, 344) an, dafs die Frau „bot wollen auslauifen." Ver-
einzelt steht die Erzählung des L. Hortensius S. 46: „Uxorum regiamm
una, civis Monasteriensis, iurgium in regia adversus unam aliquam thori
sociam moverat, quod ad aliarum ingenium se accommodare noluisset.** —
Johann selbst äufsert sich in seinem Verhöre am 25. Juli (s. J. Nies er t:
U.-S. I. S. löl ; vgl. auch M, G.-Q. II, 373): „Sein wiff ist gekoppet worden
darumb, dat se den gloven und ehme ungehorsam ist worden und van ehme
tredden wolde." Indem C. Heresbach die Hinrichtung der Else Want-
scherer kurz erwähnt, fügt er (S. 23) hinzu: „Neque hoc (rex) aliter ex-
cusabat coram principe nostro** (gemeint ist der Herzog von Cleve), „me
cum multis aulicis . . . auscultante, quam quod uxor profugere voluisset.*
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Anno 1535 acta. 825
et frans, tna levitas, inobedientia et rebellio patescit.^ Eam
itaqne in fomm protractam snis manibns in conspectn totins
popnli omninmqne pellicnm 12. lunii gladio ferit pedibnsqne m. Jnnt
cadaver concnlcat. Hac caede immani peracta reliqnae pellices
hjmnnm ,,Gloria in excelsis^ cantiUant. Inde rex cnm anlicis
snis in foro pnblico choreas satis lascivas dncit et snnm facinns
impietate decoUatae pnellae pnrgat. „Scortnm," inqnit, „erat
et ad seditionem semper prona. Ideo Pater eam e medio toUi'
inssit^"
Hensnlns EcMns Langestratins, exignae statnrae miles, in-
genio yero eximio et vaferrimo, qni ante menses aliqnot desertis
') Diese näheren Umstände der Hinrichtung giebt Eerss. in lieber-
einstimmnng mit H. Dorp. Yergl. auch Joh. Fabricius Bolandus.
Das unbestimmte Datum bei H. Dorp „nach Pnrificationis Marie" (2. Febr.)
hat Eerss. zwar verändert, aber nicht richtig, denn die Hinrichtung fand
bereits im Mai Statt, nach der „Newen zeittunge'^ a.a.O. „am abend des
Herrn leichnam** (25. Mai), nach dem Briefe des Justinian v. Holtzhausen
vom 29. Mai am 27. Mai. — Ant Cor vi n behauptet in seinem Schreiben
an 6. Spalatin Bl. A 4, der König habe die Hinrichtung vollzogen „in re-
ginae palatio, fortassis ut caeteris timor incuteretur. Quod facinus cnm
ego illi post perinde atque barbarum ac Scythicum obiicerem, respondit se,
quicquid huius fecerit, iubente atque imperante Propheta fecisse." Die
gezwungene Anwesenheit der übrigen IiVauen Johannas erwähnt ausdrück-
lich noch die „Newe zeittunge*' und fügt hinzu, unter ihnen sei eine ge-
wesen, „die ir antlitz, solchs nit anzusehn, darvon gewendet bette, der wolt
er gleichermafsen gethan haben.'' Gerüchte über Unthaten des Königs
mögen genug ausgesprengt worden sein. So schreibt Justinian v. Holtz-
hausen schon am 21. Mai seinem Vater (M. G.-Q. 11, 336), und das ist
unvereinbar mit seinem späteren Briefe, der König habe zwei seiner Frauen,
„so Widder in geret haben,'' richten lassen. — In den öfter angeführten
Bekenntnissen der beiden Knaben Herm. Mollenhecke und Job. Huttman
vom 8. Juni (St.-A. Marburg) findet sich folgende Aussage: „Es ist war,
das der konig Johan von Leden konig ist und hat 14 frawen gehabt. Deren
eine hat geheifsen Anna Wantscherersche. Die hat im ingeredt ... und
wolt hinaus. Die nam der konig und setzte sie in den keller, das ist in
das gefengnus, und darnach hieb der konig selbst ir mit eynen degen us
seiner rede eins, genant Gert von Nygehus, scheiden den köpf ab. Das
hat der kleine geseen. Und hab nicht reyn abgehawen. Da kam einer,
heist Ludger Wechhacke, der schneidt ir den köpf völlig ab." — Kurz er-
wähnt ist die Hinrichtung noch in der Münsterschen Bischofschronik (M.
G.-Q. I, 335) und von D. Lilie S. 236. Sehr auffallend ist, dafs H. Gres-
beck den Vorgang mit keinem Worte berührt
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826 Anno 1535 acta.
castris in nrbem transfagerat statimque a rege praefectns yigilnm
designatus\ cnm se aliosqne plebeos summa rermn pennria la-
borare spemque nullam diu expectatae liberationis superesse, sed
acerbiorem vitae sortem et nihil nisi extremam desperationem
imminere animadverteret, de elabendi ratione cum octo aliis mi-
litibus clanculum consultat \ Hi certissimum sibi exitium brevi
impendere videntes, quod evitare non queant, nisi se aliqao casu
eripiant, fortunam ergo tentaodam esse existimant, aleam laden-
dam et periculum anceps, in quo spes aliqua evadendi sit, potius
subeundum, quam spe vitae prorsus destitui; Deum forte coeptis
•p. 609. suis aspiraturum. Hi itaque circa festum Viti' simul urbe *ela-
*) In der oben S. 529 Anm. 2 citierten „Reckenschop und nawisinge
der uthgiffte** des Hinricus Flyncterinck im St.-A. M. heilst es zum Jahre
1534, dafs im bischöflichen Lager „Hensseken vhan der Langenstraten gu-
densdage nha den sondage Jubilate'' (29. April) „tho eynen schantzmeister
verordent" wurde. Er ging später zu den Münsterem über (vgl. auch oben
S. 675 Anm. 2). Nach Angabe der „Hofordnung^ Johannas v. Leiden hat
ihn Kerss. oben S. 649 unter den königlichen Trabanten aufgeführt S. auch
den Bericht Wirich's v. Dhaun auf dem Tage zu Worms im November 1535
(M. G.-Q. II, 393). — Nur der Bericht des Herm. v. Mengersen in der
„Newen tzeittung** BL A2 (vgl. P. Bahlmann: Bibl. 1535 Nr. 17) ent-
hält die auch von Kerss. hier gegebene Namensform „Hans Ecke von der
langen strafsen.** Sonst heilst er stets nur Hans von der Langenstraten.
*) Nach H. Gresbeck S. 194 entflohen mit Hans von der Langen-
strate zusammen noch 4 Andere, darunter H. Gresbeck selbst und einer^
„Hensken von Nimwegen.^ Die Namen der Uebrigen nennt er nicht. Kerss.
hat von der wichtigen Rolle, die H. Gresbeck bei der Eroberung der Stadt
spielte, offenbar keine Kenntnis. Seine Darstellung beruht hier und im
Folgenden teils auf mündlicher Ueberlieferung, teils auf den schriftstelle-
rischen Quellen, die ebenfalls die Vorgänge durchweg nur von einseitigem
Standpunkte, und zwar von dem des bischöflichen Interesses, wiedergeben.
YergL dazu die Darlegungen von C. A. Cornelius im „EUstor. Taschen-
buch'' 5. Folge 2. Jahrg. (Leipzig 1872) S. 231 ff. Von den gleichzeitigen
Flugblättern hat nur die „Historia der bclegerung ..." (abgedruckt in der
Zeitschr. 17 S. 236 ff.) H. Gresbeck's Wirksamkeit berührt, ohne aber seinen
Namen zu nennen. Später giebt Herm. Hamelmann S. 1279 zwar an,
dafs H. Gresbeck Gnade erlangte, „quod potiundae urbis rationem osten-
deret." Aber ganz unzutreffend fügt er sofort bei: „interim Über f actus
non satis fidit hosti, sed clam aufugit" Akten, die genaueren AufschluDs
hätten geben können, hat Kerss. nicht benutzt. Vgl. die Einleitong.
') 15. Juni. Dieses Datum ist falsch. Als Tag der Flucht steht der
23. Mai fest durch die bestimmte Angabe H. Gresbeck's S. 194 und
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Anno 1535 acta. 827
bnntnr et dnm diversis in locis septa regni penetrare molinntnr, (ss. Mai.>
Septem eonun strepitn imprudentias concitato a vigilibus noc-
tnmis excipiuntur et mactantnr. Hensnlus vero et Conradns
Sobbins multas in circnitn vigilom stationes explorant facilio-
remqne elabendi locnm perquinmt; quo invento Sobbins prior
opns agricolamm, hoc est septnm regni, quo tota nrbs circnm-
ducta erat, transit, sed cum aggere sentibns et spinis irretitus
haereret, strepitnm concitat, quem ab eqnis in regno pascentibus
fieri vigiles opinantnr ideoqne minus de eo motu solliciti. Eva-
dunt^ itaque non sine coelesti numine feliciter, ut ille, cuius
consilio et auxilio urbs capi debebat, in vita conservetur, ne tot
annorum opus et labores una dies flammis perderet Constitue-
rant enim oppidani absumpta omni annona et spe amissa Omni-
bus praesidiis destituti opes nrbis in aliquot aedes congerere ac
urbe plurimis in locis inflammata armatam eruptionem facere
fortunaeque arbitrio se omniaque sua committere ^ Hammonam
cum venissent, Sobbius sese subducit. Est autem Hammo op-
pidum non ignobile terrae Marcanae in confluxu Lupiae et Azae
Wirich's v. Dhaun (M. G.-Q. II, 359 u. 393). Auch Justinian v. Holtzhauaen
schreibt am 1. Juli dem Bäte zu Frankfurt a. M. (M. G.-Q. U, 3G4), dafs
H. Gresbeck vor der Eroberung der Stadt (25. Juni) 4 bis 5 Wochen ge-
fangen gewesen sei.
') So ausführlich berichtet nur Eerss., vielleicht auf Grund münd-
licher Tradition. Er allein überliefert den Namen des Konrad Sobbe, den
er aber gleich weiter unten von seinem Genossen sich wieder trennen läfst.
Aus bester Kenntnis erzählt H. Gresbeck S. 201: „Hensken von der
langer Straten qwam seif derde über die schantze und qwam dairvon. So
was ein bei Hensken bieben, und der derde was seinen wegh gegangen, so
fro als sie over die schantze weren gekhomen/ Die übrigen Quellen er-
wähnen den Gef&hrten nicht. — Schon C. A. Cornelius a.a.O. S. 236
that die innere Unwahrheit und die Sagenhaftigkeit der Erzählung im
„Warhafftigen bericht*' Bl. A3 (Zeitschr. 33 S. 8 f.) dar, nach der Hans
von der Langenstraten sein Entweichen aus der Stadt dadurch ermöglichte,,
dafs er dem König veiräterischer Weise vorspiegelte, er wolle „praband
und drey hundert knecht innerhalb fierzehen tagen in die statt lifferen.*'
Ganz ähnlich schreibt die Munstersche Bischofschronik (M. G.-Q. I, 336)
und, rhetorisch ausgeschmückt, Herm. Hamelmann S. 1279 f.
^) So auch Joh. Fabricius Bolandus Bl. Z 1. Sonst spricht nur
noch H. Gresbeck von der Absicht der Münsterer, im Notfall die Stadt
einzuäschern.
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828 Anno 1535 acta.
situm. Hensnlus vero Meinardi Hammonii, praeclarissimi sui
temporis per Gennaniam militiae ducis, sub quo stdpendia olim
fecerat, tecta snbit ibiqne, nt erat homo mediocriter facnndas,
quae miseria, qnae calamitas sit tn* urbe Monasteriensi, comme-
morat^ quam sint inedia et fame oppidani attennati, detuipatd,
exhausti et fracti, quam viribus destitnti, nt difBcile non fnerit
exigna militnm mann tota nrbe potiri; se inediae et calamitatis
pertaesnm elapsnm esse, nt pericnlnm toti nrbi onmibosqae
opibns impendens, qnas flamma alioqni absnmeret, avertat; se,
si princeps periniii transfngiiqne cnlpam remittat, si omnis ad-
missi flagitii macnlam ablnat, si laboris et pericnli solatinm seil
») fehU im Ms.
') Vgl. Joh. Fabricius Bolandus a.a.O., der Yon Hans von der
Langenstraten sagt:
„Et cum praecipne te nosset, adire paravit
Confogiens ad opem, magne Menarde, toam.
Eiponens faciles capiendi moenia cansas
Conceptus animi detegit ille sui.**
Auch H. Gresbeck schreibt S. 201: „So is Hensken von der langer Straten
gelogen na dem Hamme selfs anderde na Meinert vom Hamme, welcher
Meinert vom Hamm ein houptman gewesen ist under den lantxkneehten.
So heft Henseken von der langer Straten geraitschlagt mit Meinert vom
Ham, wolde mein g. h. von Monster innen tho gnaden nemen und wolde
ime begiftigen, hei wolde dem bischof von Monster die stat lieveren.*" Unter
den gleichzeitigen Flugblättern wird Meinhard nur erwähnt in dem .War-
hafftigen bericht" a.a.O. Vgl. sonst D. Lilie S. 257 und Herm. Hamel>
mann S. 1280 f. Ganz ungenau ist die Erzählung des L. Hortensius
S. 71. Die Münstersche Bischofschronik (M. G.-Q. I, 336) weils, dafs der
Flüchtling nach Hamm entkam, meldet aber Nichts von dessen Verkehr
mit Meinhard. Auch in den gleichzeitigen Akten und Briefen ist von diesem
Verkehre nicht die Rede. Bemerkenswert aber ist der Bericht Wirich^s v.
Dhaun und der Kriegsräte auf dem Tage zu Worms im November (M G.-Q.
II, 393 f.). Danach erfuhr Wirich, nachdem er sich bereits entschlossen
hatte, auf die Angaben H. Gresbeck's hin die Eroberung der Stadt zu ver-
suchen, dafs Hans von der Langenstraten in Hamm sei. Er befahl sofort,
denselben anzuhalten, „damit wir ine, wie unsera gefangen, umb secher
gelegenheit, die stat zu erobern, befragen mochten. ** Als aber Kundschaft
kam, fährt der Bericht fort, dafs „Henssgin von irer f. g. gleid erlangt
und in handlung mit irer f. g. gestanden, haben wir gegen ime forzunem-
men underlassen.^
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Anno 1535 acta. 829
praemlnm sibi donet, capiendae nrbis rationem et consiliom da-
tnrom ; se victoris exercitus ductorem fatnnim, se in prima acie
itorom, se primam itineris glaciem ruptnmm, se primis peri-
cnlis capnt snom obiectnnun; se, cum vigilnm praefectns faerit,
omnes arcanos meatus novisse, sibi munitionis et nrbis vias esse
cognitas, se locnm impressioni accommodnm et mente et ocnlis
designasse, se cum militibus laetam sine dubio victoriam repor-
tatumm. Militum vires esse re*centes, ipsos esse impavidos, ro-»p. 610*
bustos armisque exercitatos, bestem vero diutuma inedia debili-
tatum, vires illius longa fame esse attritas et fractas ; sanguinem
fervidum et validum in saniem frigidam et debilem sordidi victus
causa commutatum, ipsum vix membra sine armis, nedum arma
movere posse. Simulque consilii sui rationem explicat. Matu-
randum autem esse suadet, ne communis totius urbis flamma,
ad quam in extreme periculo oppidani desperantes sint confdgi-
turi, hanc impressionem antevertant, ne horrendum incendium
urbem devastet et deleat, ne praedam, quam iam diu miles avide
expectavit, flamma absumat^
Hammonius, qui consilio Hensuli in diversa militia ali-
quoties feliciter usus fuerat, auditam capiendae urbis rationem
altius secum volvit^ übi vero nullam commodiorem excogitari
posse animadvertit, continuo rem totam per Uteras principi signi-
ficat tutum commeatum pro transfoga, quem adhuc apud se
') Bei Joh. Fabricius Bolandus a.a.O. heifst es von Hans von
der Langenstraten :
„Doctns in arte sna, quam saepius ante probarat,
Spem facit haec pauco milite posse capi.
Idque prius, totam quam flamma voraverit nrbem
Impia detqne furens damna parata focis;
Nam däpibus plane consnmptis nrere sectam
Hos ita capturam constituisse fugam.
Saevitiae fatum per bella cruenta petendum
Omnibus instantis praeposuisse famis.''
Ancb H. Gresbeck S. 214 erzählt, dafs er habe sagen hören, wenn die
Stadt bis auf den letzten Mann gehalten sei, ^so wolden sie hebben die
stat angestecken und hebben sie gebraut in den grunt.^
^) Ganz ähnlich sagt D. Lilie S. 257: „Bedachte Meynart einen
snellen raidt, wu he Hanseken in vortiden in sinen ansclegen gebruket
hedde, de em gelungen.''
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830 Anno 1535 acta.
retinet, postnlans. Princeps militiae pertaesos et doYastationem
urbis, qnae per flammam fatura sit, metnens Hensulnm non
solnm libero commeatn munitnm, yenun etiam magnificis pro-
niissis illectnm ^ noctumis itineribns per fidissimos qnosqne mi-
nistros, ne res prodatnr, primnm Horstmariam, inde opertmn
frondibus in cnrm iacentem, qnasi ferinae cames in eo vehantnr,
Willinckhegam transferri inbet^ Est antem Willinckhega lo-
annis St^veningi habitatio, quae dimidinm fere miliare abest ab
nrbe. Hnc praecipua dioecesis capita et militiae dnces coeont
de strategemate et consilio Hensuli altins cum eo consultnri.
Et cum nitro citroqne rem aliqnamdin volvissent melioriqne
mentis parte pertractassent, Hensnli consilinm per Dei gratiam
profntnmm non dnbitassent, pericnlnm invadendae nrbis se fw-
^) In einem Notariats-Instrumente vom 5. Dezember 1536 (Kopie im
St.-A. M.) erklärt Hans von der Langenstraten, dals er von dem Pfennig-
meister im Namen des Bischofs und der ganzen Landschaft „entfangen
hedde 50 Emeder gnlden, de ehme tho ejner yererunge ge-
geven und gelavet weren/ Fortan habe er keine weiteren Ansprüche
zu stellen.
*) Ergänzend tritt hier H. Gresbeck's Bericht hinzu. Er erzählt
S. 198 ff. von sich selbst, wie er im Gefängnis „heft contrafetet alle die
vestnis und alle die erthueser und porten umb die stat her, und heft auck
contrafetet die gantze stat, und heft ouck eine glicknis gegraven in die
erde na der stat Monster . . .'^ (Vgl. dazu den Brief Justinian's v. Holtz-
hausen vom 1. Juli an den Rat der Stadt Frankfurt und Wirich^s und der
Räte Bericht für Worms [M. G.-Q. n, 364 u. 393].) Mit eigener Lebens-
gefahr hat er dann, beobachtet von einigen Eriegsräten und Hauptleuten,
während der Nachtzeit an Ort und Stelle den Beweis erbringen müssen,
dafs sein Anschlag, heimlich in die Stadt zu kommen, geraten könne. In-
zwischen, fährt H. Gresbeck fort, der wiederholt (S. 199 u. 214) betont, er
sei „der aller irst gewest, der den hem den anschlagh heft gegeven,** er-
hielt Hans von der Langenstraten von Hamm aus freies Geleit vom Bischöfe,
dem er seinen Anschlag eroffnen liefs. In Bevergem wurden die Flücht-
linge einander gegenüber gestellt, und hier wurden die ersten Yorberdton-
gen zum Ueberfall getroffen, die auch Eerss. gleich erwähnt Nach Been-
digung derselben wurden beide Ueberläufer erst nach Wilkinghege, darauf
nach Schönefliet geführt und endlich nach Haus Korde, wo, wie H. Gres-
beck angiebt, ein grofser Eriegsrat Statt fand, zu dem aber nur Hans von
der Langenstraten, nicht er selbst, zugezogen wurde. — Die übrigen schrift-
stellerischen Quellen bieten keine Einzelheiten.
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Anno 1535 acta. 831
turos decernnnt'. Indicitur ad eam rem tentandam nox illa,
qnae D. loannis Baptistae nativitatem a Lebnini ferils dirimit ^
Et quanquam Hensulus trecentos armatos ad recuperandam nrbem
sibi snfficere existimaret, consilio tarnen ducum quadringenti ex
Omnibus castris longo armornm usn fortisslmi atque exercitatis-
simi delignntur ^, quorum Wilkinus Stedingus praecipuns ductor
') Der Bischof enthält sich in den Briefen, in denen er den be-
freundeten Fürsten die Eroberung Münsters mitteilt (der Brief an den
Landgrafen Philipp vom 25. Juni ist abgedr. M. G.-Q. II, 357 f.), ebenso
in seinem Schreiben aus Wolbeck vom 26. Juni an den Römischen König
(Kopie im St.-A. M.) jeder Andeutung auf die RoHe, die H. Gresbeck spielte.
Er nennt auch Hans von der Langenstraten nicht, aber der „uthgefallener
lantzknecht,'' der ihm „kuntschap und wege voirgeslagen'' zur Eroberung,
kann nur dieser sein. Der Bischof sagt dann ganz kurz, er habe „na ge-
daner antzeigunge mit raide der oversten und krigcsrede de gelegenhcit
erwogen und by den hoepluden und knechten verhandelen und unangesehen
erer uthstendiger verdeinter betzoldinge uthbrengen laten" {im Brief an
den Römischen König fügt er hinzu: „mit swairheit und grofser mog**), dafs
die Eroberung versucht werde. Aktenmäfsig läfst sich noch feststellen, dafs
die Kriegsräte den Plan des Ueberfalles zwar billigten, aber Aufschub für
die Ausführung wünschten, bis die Vorbereitungen genügend getroffen seien,
und sie, die Kriegsräte, zurückgekehrt wären von ihren Gesandtschaften an
benachbarte Fürsten und Städte, bei denen sie die endliche Erlegung der
rückständigen Gelder bewirken sollten. Man war übereingekommen, erst
dann Tag und Stunde des Angriffs zu bestimmen. Aber noch während der
Abwesenheit einiger Kriegsräte beschlossen die bischöflichen Räte und die
Hauptleute auf den Blockhäusern im Einvernehmen mit dem Ober-
befehlshaber Wirich v. Dhaun, dafs der Versuch gegen die Stadt
in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni gemacht werden soUe. S. den Brief
Justinian^s v. Holtzhausen vom 1. Juli an den Rat von Frankfurt a. M. und
den amtlichen Bericht Wirich's und der Kriegsräte für Worms (M. G.-Q.
II, 364 f. u. 394 f.). Freilich weifs im Gegensatz hierzu der hessische Ge-
sandte Siegmund v. Boineburg am 7. Juli seinem Herrn zu melden (ebd.
S. 367 f.), dafs der oberste Feldhauptmann und der clevische Kriegsrat „die
Sache hochlich widerratten und bewogen haben.^ Uebrigens berichtet S.
V. Boineburg nur von den Anschlägen des Hans von der Langenstraten und
erwähnt H. Gresbeck nicht.
*) Nacht vom 24. auf den 25. Juni. — ') Dieses und die folgenden
Kamen der Führer überliefert nur Kerss. Neben Wilkin Stcding nennt die
Münstersche Bischofschronik (M. G.-Q. I, 336) Egbert von Deveren und
einen Fähnrich Johan von Guliche, D. Lilie S. 258 Roleff van Lutten
und den Gulicher.
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832 Anno 1Ö35 acta.
designatnr, liomo nt in amicos benignus et familiaris, ita in
hostes fems et trncnlentns. Beliqni dnces fnerunt Egbertus
Deverenns, Hennannns Sitthardus, Lodowicns Branswigos et
•p. 611. Lanrentius Hor*sthanns. Signum vero militare loanni a Twickell,
homini militaris ordinis et yalde animoso, militari fide com-
mittitur. Scalae leves et uncatae, si forte usus eas postniaret,
omniaque alia, quae ad eam rem necessaria visa sunt, tacite et
citra ullius oppugnationis suspicionem publicam apparaIltur^
Delecti ad periculum subeundum se mutuo armant et animant
tempusque invadendi sunmiis votibus exposcunt.
At princeps et überstenius, ne sanguinarii esse videantur,
». Jnni. 22. lunii oppidanos per legatos praemonendos esse censent, ut
impietatem et rebellionem deponant, quibus iura et tranquilli-
tatem Bomani imperii satis inverecunde et praefracte yiolaverint;
cives a se per vim in exilium profligatos et bonis omnibus exutos
in pristinas possessiones et dignitatis sedes restituant ac se im-
perio principique ad gratiam et poenam dedant. Bespondent per
Bothmannum oratorem suum satis contumeliose : se civitatem
suam non dedituros, nisi id forte fiat in spiritu^
') Nach dem Berichte H. Gresbeck's S. 202 wurden durch ihn
im Verein mit Hans Yon der Langenstraten und dessen Gefährten in Be>
vergem „tho gemst von storm ledder und von bruggen und aUe dat iene,
dat daertho dienet" S. 204 fügt er hinzu: »Und et sint die wagen mit den
ledderen und bruggen khomen, acht wagen vol ledder und twe bruggen, und
sint in datselve dorp gefaren tho Eoerde, do Hensken und der burger lagen.^
*) „Doch/^ berichtet „Der gantze handel" Bl. A 3^, „thet der Bischoff
vor eins gnedigsten Fürsten stuck, und mit anbietung der gnaden (ausser-
halb etlicher in kleiner zal bestimpt) liefs er versuchen, ob sie die Stat
wölten auffgeben. Welch sie nochmals trutzlich und nit on schmehung des
Keysers und des Fürsten abgeschlagen.*^ Ohne genaueres Datum und ohne
Einzelheiten anzuführen meldet auch D. Lilie S. 257 von dieser letzten
Aufforderung zur Uebergabe. Das von Kerss. gegebene Datum des 22. Juni
wird bestätigt durch den amtlichen Bericht Wirich^s für Worms (M. G.-Q.
n, 395), in dem es heifst: „Erstlich hat man noch ufs uberQus mit inen
in der stat den zweiten tag vor Johannis an der pforten freuntlich durch
Willicken den leutenampt gesprech gehalten, sie nochmals von irem ir-
thumb abzusteen erindert . . ., daruf sie ire antwurt durch Bemharten Rot-
man in bywesen des vermenten konigs und etlicher siner rete fast ge-
schicklich gegeben, iedoch zu letst uf irem fumemen verhart und also
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Anno 1535 acta. 833
Ipso die loannis Baptistae, quae fnit 24. lunii, post solis 84. juiü.
occasum ingentem nubiam Puniceamm instar magnorum mon-
tium congeriem Zephims panlatim attollit, nee minor atranun
nabium moles ab Austro consurgit, quae in sublimi disiecta et
dissipata totins coeli faciem operit et obscorat. Aer ventorom
procellis finctnat continneqne mngitns et snsurros edit; coelestis
ignis ruptis et displosis nnbibus crebro emicat, et horrendo to-
nitm largns cum grandine nymbns descendit^ Vigiles autem
nrbis fragoribns et imbribus coeli continuis attoniti et perculsi
aSris intemperiem snbterfngientes casnlas suas passim in agge-
ribns per intervalla extructas snbennt ac fame vigiliaque defati-
gati in soporem solvuntur^.
von einander geschiden." So erzählt auch J. Sleidan: De statu religionis
(Argen torati Ibbb) Bl. 156^, der wieder Quelle für Herrn. Hamelmann
S. 1281 ist.
') Eine ähnliche Schilderung des Unwetters am Abend des 24. Juni
findet sich hei Joh. Fahricius Bolandus Bl. Y8^. Zwei gleichzeitige
Flugblätter, die „Gewise neue zeittung von der statt Münster von denjenigen,
so hey der Sachen gewesen sind" und die „Newe zeyttung, Wie die Statt
Münster erobert und gewunncn worden ist ..." (s. P. Bahlmann: Bibl.
1535 Nr. 15 u. 18), die, im Wortlaut fast übereinstimmend, einen durch-
aus unklaren Bericht über die Eroberung Münsters geben, haben die Notiz,
dafs in der Nacht um zwei Uhr „ein grausam grofs wetter angefallen . . .
mit donnern und plitzen, das keiner den andern sehen hat mügen."
*) Aus den Quellen ist übereinstinmiend die überraschende That-
Sache zu entnehmen, dafs es auf Seiten der Wiedertäufer an Wachsam-
keit völlig fehlte. Es sind in der gleichzeitigen Literatur Versuche ge-
macht, diese Thatsache zu erklären. Der „Warhafftige bericht" Bl. A4v
(Zeitschr. 33 S. 11) bringt die Sorglosigkeit der Belagerten mit der Ver-
abredung zusammen, die Hans von der Langenstraten mit dem Könige ge-
troffen haben soll, um Proviant in die Stadt zu schaffen; ebenso die Mün-
stersche Bischofschronik (M. G.-Q. I, 336). Auf die Ungeschicklichkeit und
innere Unwahrheit dieser Darstellung machte schon C. A. Cornelius a.a.O.
S. 236 aufmerksam. — Eine andere, nicht minder unhaltbare Erklärung
sucht die „Historia der belegerung" Bl. 2^ (Zeitschr. 17 S. 238) zu geben,
die mitteilt, dafs die Obersten, nachdem sie etliche Hundert Knechte für
das Wagnis der Ueberrumpelung der Stadt ausgewählt hatten, den anderen
Haufen ansagen liefsen, „bey tag und nacht für und für lerma zu erwecken,
als wölten sie die statt stürmen. Dadurch sie denen in der stat wonig rue
gelassen biss an sant Johans tag, da sie gegen nachts im feldt fast still
gewesen sein. Darumb die Münsterischen gemaint, die feind
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834 Anno 1535 acta.
Hensulns vero in ista caligine, qua oppidanis prospectas
in campos adimitnr, et ventorom mormure, quo annorom alia-
nunque remm fragor obtunditur, circa horam nndecimam noctis
qnadringentornm fortissimomm militnm globnm propylaeo portae
Crucis admovet. Hi fasces stramentorum et virgultomm, quos
secum singnli ex castris attulerant, arbomm stipites et tmncos,
scalas, ligna, cespites, viliora cum viminibus plaustra et quic-
quid fors afferebat in fossas ibi angustas et aquae pauperes ioxta
annosam trabem ligneam dentatamque cratem ad arcendum ho-
*p. 612. stem in superficie aquarum transversim "^sustinentem praecipi-
tant. Huius pontis raptim facti praesidio rapta crate primam
fossam superant. Inde erat praeruptum et instar montis pro-
pugnaculum per anabaptistas e terra in portae tutelam aggestum,
in cuius fere culmine praeacuti stipites a se invicem modico
intervallo per ordinem ita positi sunt, ut hostem ascendentem
reprimant vel saltem remorentur. Hoc, cum esset acclive, obli-
que tramite scandunt. Sed cum ad praeacutas sudes in propu-
gnaculo extantes deventum esset, Hensulus unam ex eis ante
notatam ita loco removit, ut ascendentes sine magna molestia
in summum propugnaculi cacumen penetrarent^ Ibi yigiles
weren durch die teglichen lerman gleich so müd als sie, und
sich dester mehr in rue begeben/^ Die oben citierte „Gewise neue
zeittung*^ und die „Newe zejttnng'^ melden: „Drej tag vor Johannis Bap-
tiste haben die knecht . . . alle tag mit denen in der statt geschaimutzelt,
und den dritten tag . . . mit tnunmen und pfeyifen umb die stat gesogen,
als ob sy abzihen weiten.* Die Unachtsamkeit der Wachen in Mon-
ster hatte sich schon Yor dem 24. Juni deutlich gezeigt, als H. Gresbeek
einmal allein, das andere Mal in Gemeinschaft mit Hans von der Langen-
Straten auf Veranlassung der Obersten die Befestigungen der Stadt enti^.
Yon beiden Malen berichtet er (S. 200 u. 204), dafs er Niemanden auf der
Wacht gefunden habe.
^) Das Eindringen Hans^ von der Langenstraten schildert Kerss. ganz
ähnlich wie Job. Fabricius Bolandus BLZ 3, teilweise mit wörtlichen
AnUängen. Einen ausführlichen und anschaulichen Bericht liefert H. Gres-
beek S. 205, der hier noch als Mithandelnder redet Wenn er auch nicht
selbst in die Stadt eindrang, so ist er es doch gewesen, der zuo^t durch
den Graben schwamm, die Brücke an einem Seile nach sich zog und an
dem Staket befestigte. Seine Mitteilungen bestftügt durchaus das Schreiben,
das Wirich v. Dhaun am 29. Juni dem Herzog von Cleve über die Erobe-
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Anno 1535 acta. 835
consopitos mactant et, ne qnenqnam a tergo hostem relinquant,
per totmn istam aggerem yigilxim casas scrutantor repertosqne
confodinnt onmes. Stationarios qnoqne milites passim per valla
in stipitibns et trancis haerentes ac profando somno sepnltos
ferro conficinnt praeter nnnm Bernardom Schnltenium, pellionem,
qui vita donatus, cnm symbolum istius noctis proderet, exer-
citum victorem secutus est. Erat antem symbolum: „Terra ^'^
Inde ex propngnaculo in viam planam saxis constratam et
muris ntrinque septam, quae est inter portas, quaque iter est in
rung der Stadt zusandte (M. 6.-Q. II, 359 f.), das C. Heresbach fast
wörtlich (S. 26 f.) in seine Erzählung aufnahm. „So heft de burger/ sagt
H. Gresbeck von sich selbst, „alletiet in der graft gestain und heft sie tho
rechte gewieset^ dat sie sint over gekhomen." Als die Brücke geschlagen
war, ist Hans von der Langenstraten zunächst hinübergegangen und hat
dann weitere 35 Landsknechte zu sich gerufen. Am Thore und auf dem
Erdhause werden die Wachen erschlagen. Darauf dringt der ganze Haufe
nach, zunächst etwa 400. So weit H. Gresbeck. Wirich v. Dhaun giebt
in seinem Briefe an den Herzog von Cleve a. a. 0. und in seinem Berichte
für Worms (M. G.-Q. II, 395) die Zahl der zuerst eingedrungenen Knechte
auf ungefähr 500 an, ebenso Justinian v. Holtzhausen in seinem Schreiben
vom 1. Juli an den Bat von Frankfurt a. M. (M. G.-Q. II, 365). Die Zahl
von etwa 300 Knechten findet sich in dem Flugblatte „Der gantze handel**,
in der „Historia der belegemng^ und in dem Bericht des Herm. v. Men-
:gersen in der „Newen tzeittung", ebenso bei D. Lilie S. 258. Unter den
Flugblättern hat allein der „Warhafftige bericht", der ^bey trithalb hun-
dert'' Knechte in die Stadt gelangen läfst, einige in den sonstigen schrift-
stellerischen Quellen nicht erwähnte Einzelheiten, so auch diejenige, welche
durch den Bericht für Worms &. a. 0. bestätigt wird, dafs nämlich die an
die Mauern gelegten Sturmleitern meist zu kurz gewesen seien, und die
Knechte sich gegenseitig mit ihren Hellebarden auf die Bollwerke hinauf-
gezogen hätten. — Als Zeit des Einbruchs ist fast ausnahmslos in den
Quellen die Stunde um 11 oder zwischen 11 und 12 des Nachts angegeben.
Die Breite des Grabens betrug nach Wirich^s Schreiben an den Herzog von
Cleve a. a. 0. nicht mehr „daa dns knechtspies lang und ungeverlich vier
fufs,*' nach Justinian v. Holtzhausen a. a. 0. „ungeverlich 30 schuch.' Die
letztere Angabe hat auch die „Historia der belegerung.''
') Von der Yerschonung eines Wächters weifs sonst keine Quelle. —
Als Losung giebt ebenso Joh. Fabricins Bolandus a.a.O. das Wort
„Erde* für die Wiedertäufer an; für die Bischöflichen habe es, fügt er
hinzu, „Anna* geheifsen. Der „Warhaiftige bericht* hat als Losungsworte
«Erde* beziehungsweise „Maria.*
29*
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836 Anno 1535 acta.
urbem, descendnnt ibiqne vigiliae cansa collocatos et somno se-
pnltos ad unam omnes ingnlant. Mox Hensnlus tracto fonicnlo
portnlam, per quam vigiles statis yicibns in aggeres conuneare
solebant, pandit. Urbem iam introgressi ^ per vicnm cmcis pri-
mnrn ad coemiterinm templi Transfluviani, hinc per angnstam
ponticnlom trans Alpham factum in campum dominicum nullo
pccursante hoste deveniunt. Ibi Devereno cum militibus quibns-
dam bombardarum anabaptistarum custodia, quae ad iaculandmn
bene instructae in aede maiori asservabantur, conmiittitur, nt
retinctis earum usus praeripiatur. lüde se in densam aeiem
componunt, tympana ad arma pulsant, signa ad volatum expli-
cant retinctosque alacriter opperiuntur *. Ingens continno eio-
ritur clamor hostem in media urbe versari, tormenta teuere^
caedibus et rapinis pro libidine grassari. E stratis itaque exciti
^) H. Gresbeck S. 206 sagt von sich selbst: ^Wante der bnrger
hedde wol mit den irsten mit Henseken in die stat gefaUen. Dat en dorfte
hei nicht doin hiramb, wante hei was noch ein gefangen man und hadde
gein gewer und hadde geine mstongh.''
*) Auch bei der Schildemng der Kämpfe in der Stadt stimmt Kerss.
häufig« wie auch hier am Anfang, mit Joh. Fabricius Bolandns über-
ein, giebt aber manche Zusätze, die sich auch in anderen Quellen nicht
finden und wohl auf mündliche Ueberlieferung zurückzuführen sind. So
nennt nur Kerss. hier Egbert von Deveren als denjenigen, dem die Ueber-
wachung der wiedertäuferischen Geschütze anvertraut wurde. Bei Joh.
Fabricius Bolandus Bl. Z4 heifst es:
„In sacrum veniunt campum figuntquc silentes,
Bombardas alii et quaelibet arma parant.
Hi certant authore locum duce claudere firmo
Robore, quo se res haec dabat ipsa modo.**
Die „Gewise neue zeittung** und die „Newe zeyttung" haben die Notiz, die
Landsknechte hätten „das grofs geschütz, so in der stat geladen gewest,
abgelauffen, die zyndtlöcher vernagelt/ Mit Ausnahme des „WarhafTtigen
bericht" (s. die folgenden Anmerkungen) geben die Flugblätter so gut wie
gar keine Einzelheiten über die Kämpfe in der Stadt. „Der sieg,^ sagt
„Dor gantze handcl", „stund lange weyl in zweyffel; sie jagten einander
in der Stat biss an den morgen.^^ Kurz berichtet auch Herrn, v. Mengersen
in der „Newen tzeittung'^ nur, dafs sich die Gegner, „eher sie zu stände
gekommen, wol yn die fünff stunden lang, die eyne strafsen auff, die andern
nydcr gedrengt'^ Erst in Bezug auf das Eindringen der Hauptmacht der
Bischöflichen in die Stadt werden die Nachrichten ein wenig ausführlicher.
Ebenso ist es auch in den Akten.
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Anno 1535 acta. 837
alii raptim, nt tempns ferebat, arma corripinnt, alii inermes ex
aedibns passim prorunnt et panlatün hostibns armatis occur-
rentes stemuntur; alii, dum ad templum snmmom educendoriim
tormentorum gratia catenratim accurrant, in custodes imprudenter
incidnnt et praeter spem mactantnr. Ciun vero tormenta sibi
praerepta esse animadyerterent, ad forum armati confluunt^ sa-
cellumque ibi vicinum sancto * Michaeli consecratum occupant*p. 613.
et raptim muniunt, unde iaculis continuis bestes in campo do-
minico in acie consistentes eminus lacessunt. At illi maioribus
tormentis e templo adductis retinctos inde deturbare contendunt,
sed frustra; omnes enim ictus antiqua et firma illa murorum
compages facile respuit. Mox retincti tota belli mole e foro, ubi
se armaverant, ruentes bestem invadunt et in angiportum a sa-
cello D. Margaretae sacro cognominatum ^ cedere compellunt;
quod cxmi non esset pervium et retincti caedendo, pungendo
iaculandoque instarent nostrosque in angiporti angustias ita co-
gerent, ut yix arma et lacertos movendi facultas esset, suspirant
et quasi iam omni spe destituti tacite ingemiscunt. Sed con-
silio Stedingi porta ibi cuiusdam canonici vi aperitur, qua, dum
reliqui conmiilitones ibi relicti hostium impetum fortiter susti-
nent, ducenti propemodum per posticas in aliam plateam tem-
plum Aegidianum versus evadunt', unde per viculum vicinum*
laborantibus conmiilitonibus quasi nova acie subito occurrunt.
Betincti vero novas hostium vires esse existimantes contremiscunt
nihil dubitantes totam urbem ab hoste teneri. Nostri autem
mutuis acclamationibus sibi animos faciunt, conterritis insultant,
cedentibus instant, fngientes persequuntur plurimosque stemuni
Interea portula, qua hostis in urbem venerat, arctissime con-
cluditur \
*) Vergl. dazu den „Warhafftdgen bericht** Bl. B !▼ (Zeitschr. 33
S. 13) und Job. Fabricius Bolandus Bl. Aa4. Unklar sind die Aus-
fahrungen H. Gresbeck's S. 208, der zun&chst die Landsknechte auf
dem Doinplatze die Oberhand gewinnen l&üst, dann aber fortf&hrt: „So sint
die wiederdoepers gewicken up S. Lambertz kercke up den doemhof
und hebben dairvon geschotten." Gemeint ist wohl die Michaels-
kapelle. — *) Heute die Buxe genannt — *) In die Johannisstrafse. —
*j Durch die Pferdegasse. — *) Hier berührt Eerss. die wichtige That-
sache, dafs die Pforte geschlossen ward, durch welche die Landsknechte,
von Hans von der Langenstraten geführt, in die Stadt drangen, nur ganz
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838 Anno 1535 acta.
Dum in nrbe utrinqne aeriter pngnant et reliqaomm ca-
strornm pleriqne milites de commilitonnm salnte soUiciti foris
obenhin. Vgl. C. A. Cornelius a.a.O. S. 239. Gar nicht erw&hnt wird
dieses Ereignis in den uns erhaltenen Schreiben des Bischofs Franz an die
befreundeten Fürsten und den König Ferdinand, nur ganz kurz im .Wai^
hafftigen bericht^, in der „Historia der belegerung* und in Herrn, v. Men-
gersen's Bericht a.a.O. Aus H. Gresbeck^s Schilderung S. 206 f. geht
hervor, dafs er vergeblich ermahnt hatte, die Pforte besetzt zu halten, „bis
der mieste hoep von den lansknechten over dat erthuiüs weren.** Er setzt
hinzu, die Knechte seien mehr auf Beute als auf Sicherung des Thores
bedacht gewesen und „ehe do die andern lansknecht over dat rundel qwe-
men, do qwamen die wiederdoeper und schlogen die porten
tho.'' Diese Angabe bestätigt der Brief Wirich's v. Dhaun vom 29. Juni
an den Herzog von Cleve, in dem auch ausdrücklich gesagt ist (M. G.-Q.
n, 360), dafs die Eingedrungenen „niemantz die porten inhaben
lassen. Des sein dere von der stat gar we(nig) an die port
komen und die zugeschlagen, also das der häuf nit hat mugen in die
stat komen. ** (So auch C. Heresbach S. 27.) Derselbe Sachverhalt ergiebt
sich im Grunde auch aus dem amtlichen Berichte, den Wirich und die Kriegs-
r&te im November auf dem Tage zu Worms erstatteten, wenn es darin
auch heifst (M. G.-Q. II, 395 f.) : „Als sie nun mit rotten hien in gefallen,
und die in der stat auch uf gewesen, ist ein starck rot in der stat der
widdertauffer an die Creutzpfort komen, haben sie sich mit unsem knechten,
deren damals wenig daran pliben, gemangelt und sie wider heruTs gestochen,
die pforten in behalten und zugeschlagen, also das der unsem nicht meher
hinin und die andern nicht wider heruls konten.^ Vgl. auch Herm. Harne I-
mann S. 1282, der wieder wörtlich aus J. Sleidan a.a.O. Bl. l&e^ schöpft
— Auch die folgenden Ereignisse w&hrend des Ringens um den Sieg be-
stärken die Richtigkeit dieser Darstellung. Die Unterschätzung der Kräfte
der Wiedertäufer seitens der Anführer, sodann auch die Beutegier der
Landsknechte, die überdies nicht leicht zum Sturm auf die Stadt bewogen
worden waren, veranlafsten den schweren Fehler, das gewonnene Thor un-
besetzt zu lassen und das Nachrücken des Hanptheeres zu erwarten. Wenn
Justinian v. Holtzhausen, der während der Eroberung Münsters abwesend
war, in seinem Briefe vom 1. Juli nach Frankfurt (M. G.-Q. n, 365) in
Bezug auf das Schliefsen des Thores meldet, dafs Niemand wisse, wie es
eigentlich zugegangen sei, „allein das eczlich sagen wollen, das es
unser eigen knecht gedan haben, dermeinung, das sie desto rugli-
cher plündern mochten," so giobt er damit ein Gerücht wieder, das ja bei
dem Gegensatz, der zwischen der Münsterischen Seite und den Vertretern
des Reiches herrschte, leicht entstehen konnte, aber den Berichten Wirich's
gegenüber nicht zu der Annahme (s. C. A. Cornelius a.a.O. S. 245) berech-
tigt, dafs das Thor wirklich von den Bischöflichen geschlossen worden sei.
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Anno 1535 acta. 839
urbem ambinnt, si quid forte motns exaudiator, mnlieres ex ag-
geribus et propugnacnlis nocturna et incerta missilia in eqnites
peditesque vagantes spargunt hisque verbis illudnnt^: „Vestros,**
inqniunt, „dnces et militiae praefectos satis imprudenter ad nos
niissos prudenter iam confecimus, praecipnnm mililiae vestrae
robnr et flos periit Yah, qnam insignem reportastis yictoriam,
quam ampla retnlistis spolia! Sic evenire solet, qni se Deo op-
ponant, qui sibi omnia arrogantes hostis sni vires contemnunt
et aspemantnr. Nnnc dicite nos fame et inedia fractos viribus-
que exhaustos! Flures nobis mactandos et conficiendos mittite!
Sentietis neque animos neque vires nobis deesse!^ Miles de sa-
lute commilitonum suorum anxius et anceps bis ludibriis femi-
neis vehementer constematur neque iam dubitat omnes cum
Hensulo in urbem missos esse extinctos.
*Interea nostri e campo dominico retinctos fugientes ad*p. 614.
forum usque persequuntur viamque totam cadaveribus et san-
guine stemunt. Verum in foro ex munitionibus tumultuario la-
bore ex vasis, scannis, lapidibus, lignis, tabulis, trabibus, sudi-
bus aliisque rebus erectis ita in nostros tonant, ut inde repelle-
rentur. Erant enim omnes continuo armorum labore defatigati.
Betincti vero subinde novis viribus refocillati nostros cedentes
sequuntur. Neque tamen nostri etsi delassati spem victoriae
abiiciunt, sed, ut fugae turpitudinem virtute delerent, animos
resumunt iterumque sibi viam ferro faciunt.
Interea rex inter spem metumque haerens circa horam ter-
tiam noctis legationem intercipiendae pugnae gratia ad utrum-
*) H. Gresbeck S. 2üGf. erzählt, wie er, nachdem das Thor von
den Wiedert&ufem geschlossen war, in der Umgebung Wirich's y. Dhaun
vor dem Thore gewesen sei, „und weren al in hoppen, sie wolden den
andern in die stat gefolgt hebben. Do sie nicht folgen konden, do riepen
die lantzknechte, dat wer Henskens von der langen Straten stuck ein und
hedde sie verraden . . . Als sie do widder sint von der stat gewiocken^ do
hebben die wiver uth der stat geropen, sie solden wieder khomen und
hoUen ir grote hense wieder, und hebben gesungen/ Ganz ähnlich wie
hier wird das Verhöhnen seitens der Wiedertäufer in der Mnnsterschen
Bischofschronik (M. G.-Q. I, 337) geschildert. S. auch den „Warhaflftigen
bcricht" und Job. Fabricius Bolandus Bl. Z8.
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840 Anno 1535 acta.
qne exercitum mittit colloqmumqae postnlat K Cnm antem nostri
continno armonim exercitio et totins noctis labere, retincti rero
dintuma fame et inedia exhansti essent, utrique colloquinm et
armomm qnies, nt interspirare panlxüxim detnr, foit gratissima.
In eo colloqnio legati postnlant, nt miles positis armis sese dedat;
regem enim sangninarinm non fore neqne in snpplices saevi-
tnmm, sed omnes in gratiam receptnrnm. Milites se id factnros
negant, sed si se neqne armis exntos neqne signis snis militari-
bns spoliatos cnm bona pace egredi patiantnr, se nrbe egressnros.
Ad qnae legati, nt positis armis traditisqne regi militaribos
signis inermes nrbe excedant. Milites se salva militari fide et
inreinrando, qno imperio et principi sint obstricti, illnd admit-
tere non debere respondent, nnde perpetnam sibi ignominiam et
aetemnm dedecns comparent; mortem gloriosam se oppetere,
qnam hac infamiae labe se snamqne posteritatem contaminare
malle. Inter hanc armomm qnietem et indntias loannem a Twi-
ckell, signifemm, convolnto signo clancnlnm oppidanis non sen-
tientibns cnm tribns armatis satellitibns ad vallnm ablegant;
qni cnm signnm in crepnscnlo matntino ad yolatnm explicoisset
anxilinmqne snomm clara voce invocasset, continno milites ad
novam hanc vocem accnrrnnt; et cnm anabaptisticam fraudem
snbesse snspicarentnr, ne occisis ad se militibns missis plnres
ostenso signo in idem pericnlnm et discrimen frandnlenter alli-
ciant, accnratins propins accedentes veritatem rei scmtantnr.
nie vero se loannem a Twickel signifemm et onmia adhnc salva
esse commemorat, sed militem vehementer caedendo esse defati-
gatnm, et nisi in hac remm angnstia sibi laborantibns snccnr-
*p. 615. rant, actnm esse de salnte omninm; simnlqne sym^bolnm, qnod
erat Waldech, edita voce pronnnciat. Haec nbi dixisset, se in
snonmi aciem recipit et anxilinm certnm sibi affutnmm pro-
') Von einer Unterhandlung zwischen den Gegnern erzählt auch
Joh. Fabricius Bolandus Bl. AA 1, aber den König Johann fuhrt er
dabei nicht an. Wohl aber läfst der „WarhaflPtige bericht* a. a. 0., ohne
aber den Verlauf der Verhandlungen zu schildern, den König den Knechten
zurufen : „Ir lieben landsskneeht, legt ewer weer von euch und zeucht zur
porten auss, euch soll kein leid geschehen!** Die Nachrichten über Johann
Y. Leiden während des Kampfes s. weiter unten.
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Anno 1535 acta. 841
clamat*. Hac voce retincti perculsi sibi metuunt, nostri vero
animos sumentes certa yictoriae fiducia proelinm acerrime redln-
tegrant et novis qnasi viribus restituti speqne anxilii confirmati
andacins in retinctos irrnnni Stedingas interim reliquiqne duces
nominatim nostros cohortantnr, nt pristinae virtntis et fatarae
gloriae memores Inmina aperiant, palmas comprimant, album
hostilinm oculorum feriant seqne a deditionis et captivitatis tur-
pitudine vindicent. Fitqne inde miserrima strages.
Betincti in angnstnm addncti plns qnam ferinnm esse ex-
clamant, ita se mntnis vnlneribns confodere, ita sangninem chri-
stianum et cognatnm effundere, tanta in alterios necem rabie
sine discrimine irruere, tanta immanitate et tjrannidef popnlnm
Dei opprimere, ita saevire, nt christianornm craore ntrinqae
arma mbescant ac tingantnr. Sic Inpos in ovile admissos in
oves grassari, sie ethnicos, sie Tnrcas, sie Scytas, sie Getas ali-
osqne barbaros populos, qnos nnlla religio et dementia tangit,
christianis insultare solere. Hanc barbariem Patri coelesti dis-
plicere evangelicisque literis adversari. Pro armis itaque verbnm
Dei, pro belle qnietem, pro caedibus amabüem concordiam, pro
'j Das Erscheinen des Fähnrichs auf der Mauer ist von den Flug-
blättern kurz erwähnt in der „Historia der belegerung'', in dem „Warhaff-
tigen bericht^', in der „Gewisen neuen zeittung^' und in der „Newen zeyt-
tung^^ Ein Name ist liier nirgends genannt. Ausführlicher erzählt D. Lilie
S. 258 : „. . . de Gulicher, ein venler, reip van dem walle to den landes-
knechtcn, de dar buthen beiden: Waldegk, Waldegk, Munster is unse, tredet
an, tredet an, leven landesknechte!'' Ueber die näheren Umstände, die das
Erscheinen einer Abteilung der Bischöflichen auf der Mauer ermöglichten,
geben die QueUen ungenügenden Bericht Irrig setzt D. Lilie das Ereignis
nach dem Kampf bei der Wagenburg und nach dem dort getroffenen Ab-
kommen. H. Gresbeck S. 209 verlegt es zeitlich nach der Gewinnung
des Jüdefelderthores. JedenfaUs suchten die Bischöflichen in der Stadt
wieder Verbindung mit dem Hauptheere draufsen, und ein Teil derselben
wandte sich zu den Thoren zurück, während die Kameraden weiter kämpften.
Vgl. unten die Anmerkung über die Eröf&iung des Jüdefelderthores. Ein
kleiner Haufen des Heeres vor der Stadt, darunter der Oberste und andere
Kriegsräte, schreibt Justinian v. Holtzhausen am 1. Juli nach Frankfurt a. M.
(M. G.-Q. II, 366), „die bliben in einer alten schantz hart an der stat und
wartten, was Got geben wolt. In des kam ein fenlin mit eczlichen unsera
knechten widder uf den wal aus der stat.'^
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842 Anno 1535 acta.
Cadmea victoria pacem eligant et foederi sno initiati iisdem
l^bns, eadem ratione et pietate ünbnti Patri coelesti secnm
simnl tranqnUli inserviant. Si vero ad id addnci non possint,
nrbe retentis armis snis signisque militaribus, sicnt prius rece-
pissent, exeant et ad suos revertantnr seque snae libertati suis-
qne moribns relinqnant neqne popnlnm Dei in sna religione in
hac sancta civitate contnrbent. Alii in ipso conflicta Patrem
sanm yel iam snrdnm vel dormientem yel aliis negotiis occn-
patnm snppliciter implorant victoriamqne contra impiam Deiun-
qne ignorantem gentem ab eo postülant. At Pater ilionim et
milites snrdas habentes aures nihil Ms commoyentnr; nam ille
hos non exandit, hie vero yiam sibi per anabaptisticam pha-
langem ferro acrius facit atqne ita in campo dominico retinctos
passim mactat, transfigit, ingnlat, perimit, nt tota illa planities
cadaveribns strata sangnine hnmano sanie permista innndaret.
Bothmannns desperabnndus militari habitn e templonun
*p. 616. omamentis "holosericis facto in consertissünam hostinm aciem
sese coniiciens, ne captus acerbiori snpplicio reservetor, letali
vnlnere accepto cormit vitalemqne spiritnm mnlto cnm sangnine
evomit^
') Mit aller Bestimmtheit schreibt auch H. Dorp BL G4: „Es soll
der anfenger dieses spiels und aller buben ein könig, der Rothmann, auch
solchen reien getantzt haben" (d. h. zu Tode gepeinigt worden sein), „wenn
er nicht im ersten einfallen der feind in die stat erwürget
wer worden. Denn dieser bube, als er nu sieht, das spiel verloren ist,
leufft er in seinem knechtischen kleid den feinden mit den andern, die sie
wider zurück schlagen wolten, unter äugen und wirt also von inen mit
eim Schlachtschwert durch die schultern gehauen und mit zweien spiesen
durchstochen ..." Auch bei D. Lilie S. 258 heifst es: „In der mange-
linge bleiff her B^mdt Bothman ..." H. Gresbeck hat über das Schicksal
Bothmann's kein Wort. Am 25. Juni schreibt Wirich v. Dhaun dem Land-
grafen Philipp (Orig. im St.-A. Marburg), „. . . Enypperdullingk und Stuten
Bernhardt . . . solten thot bleyben sein . . . ," und am 29. Juni meldet Herm.
V. Mengersen (in der „Newen tzeittung" Bl. A3): „Herr Bemdt Rotman
aber ... ist noch nicht bekommen, wol doch das mehrer teil ver-
nommen, das er erwürget sei. Justinian v. Holtzhausen berichtet
am 1. Juli nach Frankfurt a. M. (M. G.-Q. II, 366): „Stautten Bemhart . . .
ligt noch verporgen." Die „Historia der belegemng" Bl. 3^ (Zeitschr. 17
S. 239) sagt, man habe den „obristen Propheten und predicanten unter
den todten Corpeln gesucht, aber au ff 7. Julii nit gefunden."
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Anno 1535 acta. 843
Bex quoqne ipse hisce caedibns percnlsns per posticnlum
anlae suae ad portam Aegidianam sese snbdncit clancnlnm, vel
cum hnnc locnm manitissimnm esse ratns sit vel hinc commo-
dissime data occasione hostiiun manns elabi et effngere posset.
Sed per pnenun proditns in snpremo huins portae tabniatu
captns in vincula protrahitnr *.
C. Heresbach S. 28 spricht von einer „maior coniectora etun in ipsa
irruptione interüsse." Vgl. auch S. 49. Endlich führt auch Joh. Fabri-
cius Bolandns Bl. Aa8 an:
„Etsi mors minns est Rothmanni nota, tamultu
In tnrba tarnen hnnc interüsse pntant^^
Fest steht, dafs die Nachforschungen nach Rothmann keine Gewifsheit über
sein Schicksal ergaben und dafs sich die Meinung verbreitete, er sei ent-
kommen. Der Rat von Münster zeigte 1537 der Stadt Lübeck an, er habe
erfahren, dafs Rothmann sich in Lübeck oder in Rostock oder in anderen
benachbarten Städten aufhalten solle. Daraufhin sandte sich Lübeck an
Rostock mit der Bitte, auf Rothmann zu fahnden und mitzuteilen, was in
der Sache vorgenommen würde. Dem Briefe vom 6. Juni ist eine Beilage
angefügt (s. M. 6.-Q. II, 410 f.), in der es über Rothmann heifst: „Is van
personen ein drangen, verkant man, under ogenen wit, bleck, brun strack
haer kort, dricht int gemein eine Spaniske kappen unbosettet.^^ Lübeck
ist dem Versprechen nachgekommen, das es am 8. Juli 1537 der Stadt
Münster gab, „Rothman und seyns geleichen anhengem myth aller sorg-
feltichkeit und emsig nachzustellen.^^ Aber am 16. Dezember meldete es-
dem Rate zu Rostock, von dem es gleichfalls zur Verhaftung Rothmann^s
aufgefordert worden war, dafs es in Wismar statt Rothmann's irrtümlich
einen Arzt Heinrich Bentinck aus Amheim habe gefangen nehmen lassen,,
und bittet um Ersatz der dadurch verursachten Kosten (vergl. die Akten
bei J. Niesert: U.-S. I. S. 237 ff.). — Sicheres über Rothmann's Ende
ist nicht zu ermitteln. — Herrn. Hamelmann erzählt den Tod Roth-
mann's übereinstimmend mit H. Dorp, fügt dann aber S. 1284 f. hinzu:
„Sunt, qui dicunt, Rothmannum aufugisse et evasisse, nescio quorum opera,
et hactenus delituisse in Phrisia apud quendam nobilem in institutione
scholastica, sed mutato nomine; promisisse etiam Rothmanno nobilem, se
nnnquam hoc revelaturum, modo quiescat et nihil scribendo vel dicendo
tentet; et ita illum iam senem hactenus delituisse. Haec Monasterii retulit
clarissimus medicinae doctor Gerhardus Martellus Ruremundensis referente
nobis Bolando. Credo tamen id minimc verum.^^
^) Die Mitteilung der Flucht des Königs zum Aegidiithor giebt
Kerss. in engem Anschlüsse an die Erzählung des Joh. Fabricius Bo-
landus Bl. Zö^ u. ZG. Von dem Verrat des Knaben berichtet dieser
nicht, erzählt aber BL AaO^ (und ihm folgt Her m. Hamelmann S. 1285),.
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844 Aubo 1535 acta.
Interea Matthias Bflderbechns et Antonius lichtherthenins
andito symbolo et Toce signiferi omninm castrorom vires elato
clamore et tympanomm sonitu ad qnaslibet nrbis mnnitiones
defensoribns iam nndatas certatim invadendnm excitant. Pari
itaqne tnmolta et eqnes relictis eqnis et pedes fossas, aggeres,
wie die Landsknechte das Thor ersttrmen und den König fesseln, troti
dessen Warnung, sich an seiner Person nicht zu vergreifen. Johann selbst
gesteht (s. J. Niesert: Ü.-S. I. 8. 180): „Als die knechte in die porten
gekomen, ist der konig up Sanct Ilien porten gelopen und hefft to den
knechten gesprochen, wolden de knechte de leven laten, so dar up der
porten weren, so wolde he wilHchlich to ehne affkomen; offte dem so ge-
schehen oder nit, sy eme unbewnst/^ Kürzer heiüst es in dem Bekenntnisse
M. G.-Q. II, 373 : „Item dair na, dat die stat ingenomen wart, lep hy up
Sent Telien port . . ., dair van hy doch weder gingh und also gefangen
wart^^ — Von einer Unterhandlung des Königs mit den siegreichen Haupt-
leuten am Aegidiithor meldet sonst nur noch H. Gresbeck 8. 208 f. Er
schreibt: „So was der koningh und der burgers begeren, dat man sie wolden
gefangen nemmen, und dat die burgers mochten in ir huser gain, wente
dat mein gnediger her von Monster in die stat qweme. Datselve hebben
die lansknecht gedain. So ifs der konningk mit den burgers von der porten
khomcn, so sint der burgers ein deil in ir huser gegain, und den koningk
und Knipperdollingk und ein deil mehr hebben sie gefencklich genommen.^
H. Gresbeck l&fst übrigens den König am Kampfe um die Wagenburg auf
dem Markte teilnehmen und von dort zum Aegidiithor zurückweichen. Das
Iftfst sich aus anderen Quellen nicht belegen, die in ihrer Mehrzahl von
einem Eingreifen Johann's überhaupt schweigen. Nur der „WarhafFtige
bericht^ hat die Erzählung von der oben auch von Kerss. mitgeteilten Auf-
forderung Johannas an die zuerst eingedrungenen Landsknechte, die Waffen
niederzulegen, und Joh. Fabricius Bolandus Bl. Z5^ läfst am Beginn des
Kampfes den König seine Anhänger zur mutigen Verteidigung anfeuern.
Sonst erfahren wir keine Einzelheiten. Der Bischof begnügt sich in seinen
Briefen an die verbündeten Fürsten vom 25. Juni (M. G.-Q. U, 358) mit
der kurzen Meldung, dafs Johann gefangen sei, ebenso Justinian v. Holtz-
hausen in seinem Schreiben vom 1. Juli nach Frankfurt a.M. (ebd. S. 366)
und Wirich v. Dhaun mit den Ejriegsräten in ihrem Berichte für den Tag
zu Worms (ebd. S. 39G). Unter den Flugblättern giebt nur der „War-
hafftige bericht^^ das Aegidiithor als Ort der Gefangennehmung an; die
„Gcwise neue zeittung"* und die „Newe zeyttung'' lassen f&lschlich den
König in die Domkirche flüchten. „Bex pugnando capitur^' berichtet C.
Heresbach S. 27, ähnlich L. Uortensius S. 72f., bei dem aber Johann
am Lambertikirchplatz überwunden wird. — Zunächst wurde der König
•dem Oberbefehlshaber Wirich v. Dhaun übergeben, dann aber ist er, wie
Wirich und die Kriegsräte nach Worms melden, demselben „durch Willigken
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Anno 1535 acta. 845
propngnacnla, castella, crates mnrosque snperant. Qnaedam
etiam portae vi excindnntur, mmpnntnr, panduntur ant, qna-
cnnqne arte fieri potest, aperinntnr, atqne ita fortnna, imo Deo
auspice nrbem ingressi recta hostes inyadunt nostrosque latori-
bns et caedibns liberant inque se iam hostinm aciem conver-
tnnt. Ibique horrenda laniena exercetnr^
und die knecht wider abgetrungen und den Munsterischen reten pracht und
gelifert worden." In einer Beschwerdeschrift Wirich's, die der Erzbischof
von Köln und der Herzog yon Cleve dem Bischof zustellen (Kopie im St.-A.
M. M.L.A. 518/19 YIII. fol. 140) heifst es: „So were ... dem obersten
der Ycrmeint konig durch ein landtzknecht geschenckt worden, der aber
seiner gnaden darnach abhendich gemacht. Begert demnach s. g., das ime
dargegen ein ergetzung gethan werde." Darauf antwortet der Bischof am
3. October (Konzept ebd. fol. 141), „dath de koninck durch einen lantz-
knecht erst in unse hende gefencklich angenommen und gestalt, derhalven
▼ilg. von Oyerstein zick des mit redden unses erachtens nicht kan oder
mach anmaten."
') Hier läfst sich Kerss.^s kurzer Bericht aus den gleichzeitigen
Quellen ergänzen. Aus diesen geht hervor, dafs dem vor der Stadt be-
findlichen Hauptheere von Landsknechten in Münster ein Thor geöffnet
wurde. Nach H. Gresbeck S. 209, der auch die Notiz hat: „und die
ruettcr sint von den perden gesetten und sint ouck tho vote geloupen na
der stat," geschah der Einbruch durch das Jüdefelderthor. „So sint sie
althomail," fügt er hinzu, „in die stat geloupen und hebben do al doit
geschlagen, wat sie overqwemen van den wiederdoepers." Die Eröffnung
des Jüdefeldcrthores, die Wirich v. Dhaun bereits in seinem Briefe vom
29. Juni an den Herzog von Cleve (M. G.-Q. II, 360) erwähnt, ist weiter
bezeugt in dem Bericht Wirich's und der Ejriegsräte für Worms. Dort
heilst es (ebendas. S. 396): „In dem begab sich, das die unsern in der
stat die Judenfelder pforte, das nechst an der Creutz pforten, welche
am schwechsten verwart, geöffnet. Dardurch ich, der ob erst, mit
dem gantzen hauffen unsers volcks hie in kommen. ** Damit
stimmt auch der Bericht Renn. v. Mengersen's vom 29. Juni (»Newe tzeit-
tung^ Bl. A2) überein: „Doch yn die lenge, do . . . meins gnedigen herren
knechte standt begriffen, hat Wiltken Steding so allen vleis difs mal vor-
gewandt, ein fenleyn auf dem thumhofe vorlassen und mit dem andern
fenleyn und knechten die ejnfelder pforten den knechten, auch etlichen
reutem, so abgefallen und mit hinan gelauffen, geöffent.** Danach ist die
Angabe in der Flugschrift „Der gantze handel** BL A 4 zu berichtigen, die
„das gantze beer durch die geöffnete Creutzport eingedrungen"* sein läfst
Job. Fabricius Bolandus Bl. AA3 spricht von der Eröffnung des Kreuz-
und Hörsterthores, Herm. Hamelmann S. 1282 von der des Servatii-
und Kreuzthores.
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846 Anno 1535 acta.
Dum haec agnntur, loannes Bokolins Marcanns, olim
scholae Panlinae Timanno rectore claviger et post recnperatam
nrbem in snnuna aede campanarins, yir procems, robnstns et
valde animosns, cnm panlulnm post snperiores labores exanth-
latos interspirasset, in regiam solns irmit neminemqne ibi praeter
puerom aegrotantem reperit, qnem armis minisqne ad regia oma-
menta commonstrandnm adegit. Pner, cnm pactns esset ab hoste
yitam, ipsnm ad gazophylacinm dedncit, nbi miles coronam me-
liorem dextro pede compressam calcariaque anrea Stedingo do-
nanda et aliqnot catenas annnlosque snb chaljbaeo thorace abdit.
Inde cnm maiore animo in pngnam rediret, dentata clava ab
hoste tactns in genna snbsidit, sed commilitonnm snomm armis
panlulnm protectus animum viresqne pristinas resumit ipsinsqne
hostis latus sinistmm valida bipenne confodit*.
übi vero oppidani hostium numerum et aciem angeri, suam
antem assidnis cladibus mind animadvertunt, diffngiunt omnes,
latebrasqne sibi qnisqne quaerit. At dncenti propemodnm mu-
nitiones in foro excitatas raptim occupant, qnos miles inter fn-
^p. 617. giendnm snbsecutns ferro postremum fugientium agmen a ter*go
carpit; sed cnm mnnitiones subüssent, ita ex illis tonant, ita
fremunt, ita tormenta iacinnt^ nt nnllnm militem in foro con-
sistere paterentnr neqne nllnm in conspectnm sunm impnne ve-
nire admitterent^
') YgL dazu die Erzählung bei Joh. Fabricius Bolandus Bl. Z6^
u. Z7, die auch von Herrn. Uamelmann S. 1282 übernommen wurde.
Ein Name wird dort nicht genannt. Der Mann wird bezeichnet als der-
jenige, „cui Pauli tradita phani cura prius*' (bei Herrn. Hamelmann als
„olim aedituus ad S. Paulum*'). Auch entkommt er ohne Gefahr aus dem
Fenster, nachdem er aus den Gem&chem der Königin neben dem könig-
lichen Scepter, den Sporen und dem Diadem auch die Schlüssel der Stadt
an sich genommen hat, die er seinem Hauptmann überliefert Von d&
königlichen Krone und der Beschädigung derselben ist hier nicht die Bede.
Vgl. noch M. Böcheirs Zusätze zu Kerss. (M. G.-Q. HI, 232 f.).
') Der letzte Yerzweülungskampf um die Wagenburg auf dem Markte
ist fast in allen Quellen erwähnt „Als aber,^' heilst es im Bericht for
Worms (M. G.-G. II, 396), „die in der stat der mererteil überwunden ge-
west, haben sich die übrigen py einander uf dem mark in ein wagenburgk
geschlossen, da selbst zu der wer steUen woUen.^^ Die Anzahl der Vertei-
diger der Wagenburg giebt der Bischof in seinem Schreiben vom 26. Juni
an den Bömischen König (Kopie im St-A. Marburg) auf „etzlich hundert,^
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Anno 1535 acta. 847
Post dintnrnam obsidionem mnltiplicesqne oppngnationes
et clades urbe iam capta nova obsidione novisque impressioni-
bns et cladibns ad conficiendos et debellandos forenses opus esse
militiae dnces animadvertnnt. Proinde, qnid facto opns sit, Con-
sultant. Et cnm alii vi oppngnandos esse snaderent neqne com-
mittendnm, nt yicti victoribas aeqniparentnr, nt extincta innn-
merabili retinctomm mnltitudine exigoa illa manns et quasi
snperiorls belli reliqniae tantis dncibus et militibns iUndant —
victos non insnltare yictoribns solere; victoriam non esse per-
fectam et absolutam, qnae hostiom proterviam non contnndit
ac reprimit; proinde totam illam gentem gladlo extingnendam
esse, ne nllae reliqniae anabaptisticae impietatis supersint — ;
alii vero consnlnnt in gratiam ipsos esse recipiendos et vita, si
cnpiant, donandos; nndiqne enim ipsos mnnitionibns conclnsos,
difficilem et pericnlosum esse aditnm, cnm tormentorum et bom-
Wirich y. Dhaon in seinem Briefe an den Herzog Ton Cleve (M. G.-Q. II,
360) am 29. Juni auf 3 — 400, Jnstinian y. Uoltzhausen am 1. Juli nach
Frankfurt a. M. (ebd. S. 366) auf ungefähr 300 an. Nach dem Flugblatte
„Der gantze handel*' Bl. A4 stellten sich zunächst „sjben hundert, wie
man achtet, zur weer auff dem marckt . . . Zuletzt, als sie vemamen, das
ir König gefangen, hat inen grofs forcht alle krafft abgenummen, sein das
merteyl abgewichen ..., das zuletzt nit über 200 den standt behalden
haben.'^ Dafs H. Gresbeck 8. 208 die Teilnahme des Königs an diesem
Kampfe berichtet, ist bereits oben erwähnt. Als Anführer der Schar neumt
D. Lilie S. 258 Hermann (so statt Heinrich) Krechting, „etwan gogreye
to Schopingen,'' der „oyer de vifftige weerhaiftiger mans mit sick hadde/*
Yergl. auch die von C. A. Cornelius im „Histor. Taschenbuch'^ 5. Folge
Jahrg. 2 (liCipzig 1872) S. 243 angeführte yertrauliche Mitteilung der bi-
schöflichen Räte zu Neufs im Juli: „Krechtinck bei zweihundert bei sich
gehabt, die Wagenburg eingenommen, sich zur wehr gestellt . . .^ Wenn
Justinian y. Holtzhausmi unter den 300 Verteidigern den „newen konnig^
anfuhrt, so ist damit wohl Bernhard Krechting gemeint. Denn von H.
Gresbeck S. 199 erfahren wir, dafs eine aus der Stadt entflohene Frau die
Zeitung brachte, „dat sie hebben einen andern koningk gekoren Inder
stat.^' Zwar war diese Nachricht falsch. Johann, fährt H. Gresbeck fort,
„hadde einen lutenant under sick gesät, der ime solde helpen, dat yolck
in dwange holden. It woort Johan yon Leiden allein tho yiel. Dersehe
lutenant is genant Berndt Kroch ti gen ...'^ — Eine Beschreibung der
Wagenburg (ygl. auch oben S. 740f.) giebt Joh. Fabricius Bolandns
Bl. AAft^u. AA6.
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848 Anno 1535 acta.
bardamm copia intus abundent; non posse facile iUis hanc
munitionem eripi; si autem vi agantnr omnia, mnlto militam
sangnine et clade banc victoriam sibi constatnram, et si nllam
belli gloriam sint consecnti, eam bac strage se sine dubio con-
taminaturos ; satius itaque esse partam gloriam paucorum ho-
stium Salute inviolatam retinere, quam multorum militum san-
gnine turpiter amittere. Quae sententia maiori consultantium
numero placuit. Donantur ergo vita et positis armis urbe pro-
tinus praeeuntibus quibusdam militiae ducibus exire iubentur^
Cum vero liberum exeundi commeatum impetrassent^ multi eorum
ad aedes suas necessariorum forte aliquid inde secum elaturi
sese subducunt atque ita ab aliis ad exeundum paratis sponte
sua divelluntur; ubi cum longiorem moram fecissent, iam tuto
egressos eodem certe commeatu confisi sine ducibus subsequi
contendunt; qui a militibus intercepti mactantur firustraque com-
meatum sibi datum implorantl
^) Yergl. zur Sache C. A. Cornelias a.a.O. S. 237 ff. Von den
gleichzeitigen SchriftsteUern herichtet, abgesehen von C. Heresbach
S. 27, der auf einen Brief Wiiich^s v. Dhaon zurückgeht, sonst nur D.
Lilie a.a.O. und die Münstersche Bischofschronik (M. 6.-Q. I, 337) kurz
von diesem Vertrag auf freien Abzug, von den Flugblättern nur der „War-
hafftige bericht'' Bl. B 2 (Zeitschr. 33 S. 13 f.), der aber die Entscheidung
über das Schicksal der zunächst Begnadigten bis zur bevorstehenden An-
kunft des Bischofs verschoben werden läfst. Sonst ist nur von dem sofor-
tigen Niedermachen und der Gefangennahme der Wiedertäufer die Rede.
Dafs aber Unterhandlungen Statt gefunden haben und der Vertrag ge-
schlossen wurde, bestätigen die Briefe und Akten. Zwar sagt der Bischof
in seinem Schreiben an die verbündeten Fürsten nur, dafs die in der Wagen-
burg „tho lest vermits angeschickte upforderunge und underhandelunge sick
ock bcgeven;'' und Wirich v. Dhaun meldet auch nur kurz dem Herzog
von Cleve am 29. Juni, „die sein begnadet worden.** Aber Justinian v.
Holtzhausen a.a.O. berichtet am 1. Juli an seine Vaterstadt: „Die begertcn
gnade. Den wart genade bewisen, und mit weifsen steblin aus dem
lant über die sehe verweist.* Und im Bericht für Worms a. a. O.
heifst es: „Als sie aber gemerkt, das sie zu schwach gewesen, haben sie umb
frischtung des lebens genad gebetten, das inen nach gehaptem rate
gedihen, und sie alspald zu der stat und lant ussgewisen.*
*) So berichtet nur Kerss. Vergl. C. A. Cornelius a.a.O. S. 239
u. 245. Zwar sagt die sonst schlecht unterrichtete Bischofschronik a. a. O.,
dafs die Begnadigten „utgeleidot* seien. Ein Vertragsbruch scheint jeden-
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Anno 1535 acta. 849
Circa horam sextam diei 25. lunii Paulns Ledebur, natu- 25. Juni,
ralis Henrici Ledebur filius, celerrimo Woltbecam vectus equo
principi captam esse urbem primus nunciat, quam victoriam ipse
multis principibus ac civitatibus per literas continuo significat \
*Miles inde omnes domos et angulos urbis accuratissüne • p. 618.
scrutatur et anabaptistas repertos producit productosque gladiis
conficit. Ita Bernardus Swerthenius \ ita Magnus Koehuess atque
falls Statt gefanden zu haben, wenn auch die Briefe und Akten Nichts
davon melden. Wir erfahren sonst nicht, dafs ein Teil der Begnadigten
wirklich die Stadt verlassen habe. Vielmehr sagt die schon oben citierte
Mitteilung der bischöflichen Räte zu Neufs: nachdem die Kämpfer auf der
Wagenburg die Wehr von sich gelegt, „soll Krechtinck davon gekommen,
aber doch erstochen sein, die andern der mehrtheil umgekommen.
Monster trage des handeis kein wissen." Die „Historia der belegerung",
die den Kampf um die W^agenburg nicht besonders erwähnt, läfst Bl. 3^
(Zeitschr. 17 S. 2310 nach dem Eindringen des Hauptheeres von den Wieder-
täufern den gröfsten Teil auf den Gassen erstochen, „und doch ettlich, die
sich in genad und ungnad begaben, nit weifs ich, ob sie der Sachen vor-
wissen hetten," gefangen genommen werden. Der „W^arhafftige berichf*
a. a. 0. erklärt das Hinmorden der in ihre Wohnungen entlassenen W^ieder-
täufer durch die Wut der Knechte über die gehabten Verluste; vgl. auch
H. Gresbeck S. 209. C. Heresbach a.a.O. sagt, nachdem er an der
Hand des Briefes Wirich's die Begnadigung erzählt, selbständig: „Sed po-
stea, cum insidias struere rebellionemque parare deprehenderentur, plerique
occisi sunt.** Von einem Befehl, der dem Morden Einhalt gebot, weifs nur
der „Warhafftige bericht".
M Abdruck des Briefes aus Wolbeck an den Landgrafen M. G.-Q.
II, 3')? f. Gleichlautende Schreiben ergingen an den Römischen König, an
die Kurfürsten von Köln, Mainz, Sachsen und der Pfalz, an den Herzog
von Cleve und an die Städte Kampen, Deventer, Zwolle und Osnabrück.
Der Bischof sagt darin, dafs die Stadt „vor dussen middach" in seine Ge-
walt gekommen sei. Die Angaben der Quellen über die Zeit der einzelnen
Phasen des Kampfes in der Stadt lassen sich nicht mit einander vereinigen.
Bemerkt aber sei, dafs Wirich v. Dhaun in seinem Briefe an den Herzog
von Cleve vom 29. Juni (M. G.-Q. II, 360) die Zeit der Eröffnung des
Jüdefelderthores auf „gegen morgen umb die 6 uren" angiebt.
*) Die folgenden Einzelheiten berichtet mit wenigen Ausnahmen nur
Kerss. Die Flugblätter und Schriftsteller geben ein grausiges Bild der nun
folgenden Metzeleien. „Was sich hat verborgen," sagt „Der gantze handel"
Bl. A4, „ward mit fleys gesucht, herfür geruckt und getriben, zu stundt
on einich gehör zerstochen und zerhackt. Da was kein mitlejden, kein
menschlich barmhertzigkeyt^ sonder über zehen tag lang weret solch suchen,
30
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850 Anno 1535 acta.
permulti alii in vicos e latebris aedium producti strictis mucro-
nibus conciduntur. Joannes Eschmannns Warendorpensis, homo
procervus et canus, qui a propheta in superiori republica inter
seniores Israheliticos numerabatur \ in anla cuiusdam canonici
summae aedis deprehensns militibns ad se caedis causa irruen-
tibus se canonicum eiusdem templi esse persnadere conatnr et
aegritudine impeditum urbis obsidionem eflfugere non potuisse.
Facile id quidem ob venerandam canitiem et morum gravitatem
nodlitibus persuasisset, nisi a quibusdam proditus fuisset. Theo-
doricns Schloschenius snmpto agricolae habitu eflfugere molitur,
at a EortemoUio agnitus bipenne dissectus corruit. Hermannus
Tylbechius prope coenobium Aegidianum confossus inter sordes
iacuit, tandem in aquagium yieinum protractus et arena opertus
vix asini sepulturam habuit *. Joannes Boentruppius, lanio, inter
retinctos non infimus, frustra supplices manus extendens iuxta
palum numellarium mactatur. Gerardus Kibbenbrochius in foro
ante fores suas traiectus supremum efflat spiritum. Xantus vero,
morden und würgen." Vergl. auch H. Gresbeck S. t:00. Am 29. Juni
meldet Wirich v. Dhaun dem Herzoge von Cleve (M. G.-Q. n, 360): „Es
sein aber denselbigen tag^^ (25. Juni), „die nacht und den anderen tag
dere in der stat vil in huseren und kelneren gefunden, die al von den
knechten zu tod geslagen.''^ Am 1. Juli schreibt Justinian y. Holtzhausen
(ebendas. S. 366) : „Es werden noch deglichs gefunden und erstochen." Im
Briefe vom 7. Juli schreibt Siegmund v. Boineburg dem Landgrafen Philipp
(ebd. S. 368): „Und mögen des ersten tages in eroberung der stat funfte-
halb hundert sein tot bliben, so dorch die tottengreber getzalt und gleub-
lichen bericht gethon. Aber noch volgends haben die knechte von tage zu
tage leut« in den kellern und under den dechem, auch sunst hin und widder
funden; die haben die knechte alle selbem erhawen und erschlagen. Der
auch nicht weniger dan '200, so von den knechten von tage zu tage er-
schlagen worden sint.^^ Herm. v. Mengersen giebt (in der „Newen tzeit-
tung** Bl. A 2^) die Zahl der Getödteten auf über 500 an. „Der gantze
handel" fügt seiner Schilderung hinzu: „Allein ist der frawen verschont,
es wer dann, das sie zur weer gestanden, oder haubtsacher dises handeis
gewest weren/' Auch Justinian v. Holtzhausen schreibt a. a. 0. : „Sonst
von frawen und kinden ist ncmant umbkomen, dieweil sie sich nicht ge-
wert haben."
*) S. oben S. 576. — *) Den Tod Herm. Tilbeck's meldet kurz und
ohne Nebenurastände D. Lilie S. 258. üeber Th. Schloschen's Tod vgl.
auch M. Röcheil (M. G.-Q. III, 233).
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Anno 1535 acta. 851
faber ahenarins, e regione curiae aperto mncrone latere cormit.
Alii e cnria praecipitantnr in forum et in militum ibi stantinm
hastas insiliunt*.
Tylanns, homo statnra oblongns, monocnlus et insignis
iaculator, aicis pelle et galea munitns a militibns nndiqne ha-
stis, gladiis, bipennibns impeditnr, pungitur, caeditnr et pul-
satur ita, ut saepe in genua corruat, sed muri praesidio tan-
quam fulcro innixus resurgit, vix tandem creberrimis ictibus
iuxta angustum ponticulum stemitur et in Alpham detruditur,-
ubi aquis, quas cruore suo tingit, et arena obrutus animam
evomit. Speculatores quatuor in turri Lambertina acriter sese
adversus ascendentium impetum tuentur, sed tres eorum trans-
fossi concidunt, quartus vero e summo fastigio vivus praecipi-
tatur, qui cum solum tetigisset, ita dissiluit, ut omnibus cor-
poris nexibus dissolutis intestina cum sanguine effluerent*.
Huiusmodi cruenta spectacula quotidie ad octo fere dies
in eos, quos aut miles aut fames e latebris prodire coegit, ex-
hibentur. Et cum omnes retincti pallerent, omnes pallentes ana-
baptistas esse existimabant. *Ideo multis peregrinis et ignotis^p. 619.
pallor exitio fuit.
Dominus Bernardus Krechtingus e coenobio Aegidiano cap-
tiyus protrahitur et, cum continuo mori mallet, acerbiori tamen
poenae reservatus est. Gerlacus quoque a Wullen et Christianus
Kerckringus capti abducuntur ad arces principis*, quorum ille
circa festum Galli in Octobri abiurans anabaptismum in gratiam
a principe receptus vita donatur, hie vero inter Dulmaniam et
Wedderen, coenobium Carthusianorum, e curru, quo cum Knip-
perdollingo vehitur, per carnificem raptas decollatur®.
Hinc cadavera occisorum vestibus despoliata ab agricolis
») Ms.: hastas et insiliunt.
^) Vgl. D. Lilie S. 259: „De landesknechte nemen den kuerwechter
up Sunte Lamberdes torne, de enne in dem legger vele spites gedain, unde
worpen en daraff upt marcket."
') Das berichtet auch Herrn, v. Mongersen am 29. Juni (a.a.O. Bl. A3).
^) Die Hinrichtung Chr. Kerckerinck's erwähnt Kerss. gleich unten
noch einmal. Vgl. auch D. Lilie S. 259: „Kerckerinck wordt twisschen
Dulman unde Coesfelde in dem velde affgehouwen.**
30*
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852 Anno 1535 acta.
sepnltorae causa accitis amplis terrae hiatibns in campo do-
minico effossis contnmnlantur ^
Cnm autem KnipperdoUingus neqne inter captivos neqne
inter cadavera deprehenderetnr neqne in conspectnm cninsdam
prodiisset, ne nsqnam gentium arctissima omnium viarnm cu-
stodia praepeditus eflfngere potuisset, ipsum ut totius fere motus
causam magno studio et diligentia inquirendum esse censent.
Die vero capta urbe rebusque iam perditis et desperatis certa
elabendi spe fretus primum sese in aedes Catharinae Hobbels
ad portam Neopontanam commorantis clanculum subduxit, ubi
26. Juni, per noctem istam et diem subsequentem, quae fuit 26. lunii,
in suprema domus parte elabendi occasionem expectans delitescit.
Et cum intolerabili siti se premi quereretur, aquam puram sibi
dari postulavit, quam, cum bibisset, regio mero praeferebat suam
sortem Interim deplorans. At mulier illa KnipperdoUingum per
milites investigari intelligens trepidare coepit, ne novus ille
hospes, quem occultasset, sibi exitio sit. Proinde ne in suis
aedibus deprehendatur, imminente vespertina in desertas ibi vi-
cinas aedes ipsum secedere iussit, in quibus se pro arbitrio ab-
scondat. Cum vero multa passim loca in urbe perscrutati ftiis-
sent neque KnipperdoUingum invenissent, die sequenti, quae fuit
27. Juni. 27. lunii, mussitatum est ipsum apud portam Neopontanam po-
stremo visum fuisse; quare eo aliquot cohortes ad ipsum investi-
gandum mittuntur. Interea anabaptisticarum feminarum fit con-
cursus, cum per praeconem urbe excedere iuberentur *. Ad quas
überstenius eam, quae KnipperdoUingum monstraret, se vita et
*) Vergl. D. Lilie S. 260: „Do worden die burcn ummeher in de
Stadt gelaten, de doden corporen umb des groten stanckes wiUen to be-
graven. De buren togen de doden naket uth unde spolierden desulvigen,
groven grote knien np den kerckhovcn edder steden, dar se legen, unde
worpen de doden so naket in de knien, den einen up den anderen, gelick
dat beeste weren gewest.** S. auch Job. Fabricius Bolandus Bl. AA8.
*) „Weitter," schreibt am 7. Juli Siegmund v. Boineburg dem Land-
grafen Philipp (M. G.-Q. II, 368), „wil ich e. f. g. auch nicht verhalten,
das m. g. h. von Munster alle die weiber, so in Munster gewest, in einen
hof zusammen gefordert und inen vorhalten lossen, wo sie gnade begerten
und von irem vomemen der vorfurischen secten der widertauf abstehen
wolten, wolten s. f. g. sie begnaden." Vgl. gleich weiter unten.
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Anno 1535 acta. 853
civltate donatnram bonaqne eins a pnblicatione atqne confisca-
tione tnta conservaturnm. Ad qnae Catharina Hobbels: si, in-
quit, promissa firma sibi futura intelligat, se Uberstenium voti
compotem facturam. *Hinc data sibi fide latibnlnm Knlpper- »p. 620.
doUingi commonstrat, unde vinctus protrahitnr \ Maritas aut^m
huius muliercnlae iam praegnantis a militibns ad coemiterium
Lambertinura raptns decoUatur, feminae vero et bonis ex fide
parcitur.
Capto KnipperdoUingo qninquaginta propemodum miKtes
in curiam graphiariam, nbi totius fere nrbis opes reconditae
erant, irraunt atque anro argentoque tarn signato quam non si-
gnato vestes suas satis laxas farciunt et opplent. Sed in hoc
furto deprehensi Septem eorum in campo dominico decoUantnr,
reliqui exutis omnibus praeter indusia vestibus per vicos longo
ordine funibus religati ad portam Crucis protrahuntur eaque
ignominia ajffecti urbe profligantur. Vestes tarnen biga ad por-
tam vectae illis restituuntnr ^
Inde Stedingns 28. Innii cum octingentis armatis principi »s. Juni,
ad urbem captam Woltbeca venienti gratulabundus obviam pro-
cedit aflferens illi honorarii et manubiarum loco regiam coronam,
gladium, calcaria aurea et claves urbis. Princeps restituta sibi
urbe vix triduura propter pestem ex inedia et foetore passim
scintillantem in ea haeret, sed cum partem praedae ex pacto
sibi debitam accepisset, constitutis vicariis, qui se absente ra-
tionem urbis habeant, Iburgum, ut opinor, concessit*.
^) Vgl. dazu die Erzählung des Joh. Fabricius Bolandus Bl.
AA 7, nach der sich Knipperdolling, erschöpft vom Kampfe, auf dem Wege
zur Flucht doch noch zur Rückkehr in die Stadt entschliefst. Er verkriecht
sich in ein Haus an der Martini kirche, wird aber von einer Frau, die ihn
zufällig gesehen hat (ihr Name wird nicht genannt), den Feinden verraten
und gefangen genommen. Ucbcr das Schicksal der Frau und das ihres
Mannes erfahren wir hier weiter Nichts, — Kerss.'s Datumsangabe ist un-
richtig. Schon am 25. Juni fügen Wirich v. Dhaun und die Kriegsräte
einem kurzen Berichte über die Eroberung Münsters an den Landgrafen
Philipp einen Zettel bei, in dem es heifst (Orig. im St.-A. Marburg): „Es
ist KnippertuUing uff heut ungeverlich umbtrynt 11 uren in
einer heimnus gefunden, lebt noch. Wir haben ine fnrgehapt.^
'^) Die sonstigen Quellen berichten davon Nichts.
') Dasselbe Datum für den Einzug des Bischofs in Monster giebt
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854 Anno 1535 acta.
Milites pueros ntriusqne sexus liberalioris formae occisis
parentibns tanquam mancipia viris matronisque dignitate prae-
fnlgentibns donant^.
5. Jnu. Qninto die Inlii, cnm snperiori edicto feminae non pamis-
sent, itemm per praeconem proposita contemptricibus mortis
der Bericht Wirich's v. Dhaun und der Kriegsräte für Worms (M. G.-Q.
II, 396). „Ist," heifst es dann weiter, „. . . Willigken mit etlichen haupt-
lewten i. f. g. engegen geritten, des königs kröne uf sinem haupt und des-
selben Schwert mit ime gefurt, und das dem confirmirten zu Munster zu
einer bcwtc gcschenckt." So sagt auch H. Gresbeck S. 213: „Als nu
die stat gewunnen was, do ist mein g. h. von Monster in die stat khomen,
des d erden dages dairna. So sint ime entegen getogen twe venlein
knecht und hebben innen in die stat geholt." Doch war nach einem Briefe
Wirich's V. Dhaun vom 29. Juni an den Landgrafen Philipp der 29. Juni
der Tag des Einzuges, denn Wirich schreibt (M. G.-Q. 11, 359): „Es ist
der bischof uf heut umbtrent 8 ure uf einem wagen zu Munster in-
gefaren." Fast wörtlich so schreibt auch Herm. v. Mengersen am 29. Juni
(in der „Newen tzeittung" Bl. A3) und fährt dann fort: „Es haben seiner
f. g. die lantzknecht diesen tag des königes krönen und sporen, so lauter
goldt, darzu das schwerd, so mit golde beschlagen, aus der beute ge-
schenckt." Im Briefe Siegmund's v. Boincburg vom 7. Juli an den Land-
grafen (M. G.-Q. II, 368) ist für den Einzug kein Datum angegeben. Drei
Fähnlein Knechte zogen dem Bischöfe entgegen, dem Krone, Schwert und
Sporen, aufserdem noch die Schlüssel zu allen Thoren der Stadt überreicht
wurden. Vergl. noch die „Historia der belegerung^ Bl. 3^ (Zeitschr. 17
S. 239) und D. Lilie S. 260 f., wo ebenfalls ein Datum fehlt. Ungenau
ist die Angabe des L. Hortensius S. 73, nach der der Einzug am 26.
Juni Statt fand. — Von einem vier- oder fünftägigen Aufenthalt des Bi-
schofs in der Stadt meldet H. Gresbeck S. 213. Doch hat sich der Bischof
wohl länger in Münster aufgehalten. Denn Siegmund v. Boineburg fügt
in seinem Briefe bei: „Also ist s. f. g. ingezogen ..., wirdet auch noch-
mals ein tzeit lang do verharren und seinen hoflager do haben werden.^^ —
üeber den Zustand in der Stadt äufsert sich die „Historia der belegerung**:
„und ist ein übler, grofser gestanck und sonst vil ander unlust in der statt
und ein jemerlich wesen." In „Der gantze handel'' Bl. A4^ heifst es:
„Die gewunnen stat was erschröcklich anzusehen; in allen gassen lagen
todten, das weiber geschrey schallet au£f allen orten. Es lagen in vilen
heusem die von hunger gestorben noch auff einander unbegraben." — Vom
Verbleib der königlichen Insignien Johann's (vgl. oben S. 651 ff. u. 846)
ist Nichts bekannt.
^) So nur Kerss. „Der gantze handel'' Bl. A4 hat die Notiz: „Es
ist kein oder gar wenig Jungs volcks in der stat funden, so strengklich
hat der geweitig hunger da geherscht.^^
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Anno 1535 acta. 855
poena ad praepositnram smnmae aedis convocantar; quo cum
venissent, nna cum pneris ab armatis per portam Marianam exi-
guntur et urbe dioecesiqne interdicuntnr *.
Septima Inlü Divara, praecipua regina, nxor Knipperdol- ?. Juii.
lingi et Brandeschenia, socrus illius, Wolterissa cum filia sua
in anabaptismum furentes decollantur ^. Eberardus Beimensni-
derus in summo culmine domus lacobi Stovenii interdiu semper
delituit, noctarno vero tempore militibus, qui aedes eas tunc
occupabant, dormientibus inedia et siti adactus clanculum pro-
repsit et se militum cibo satiavit. At cum modum vorando non
') Der Brief Siegmund's v. Boineburg a.a.O. weifs Nichts von einem
zweimaligen Gebot. Er meldet, es hätten nur wenig Frauen widerrufen
wollen. Daraufhin habe der Bischof „die vomemesten gefencklich annemen
lassen in willens, dieselben zu rechtfertigen . . ., die gemeinen weibes per-
sonen, so do nicht haben widderruffen wollen, der stat Munster vorwisen,
doch mit der antzeig, welche über kortz oder lang sich bedencken worde
und die widertauf widderruffen und gnade begeren, den wolte s. f. g. wider-
varen lossen." Dafs zahlreiche Frauen bald zurückkehrten, erzählt Kerss.
gleich weiter unten, „üp dat leste," beschreibt H. Gresbeck S. 213,
„sint sie wieder in die stat khomen. Und ein dcil sint enwech getogen in
ander landen. So wolden ein deil sagen, dat sie weren in Engelaut ge-
togen." Auch, der „Warhafftige bericht'', der von zwei Ausweisungsbefehlen
erzählt, fügt Bl. B 2v (Zcitschr. 33 S. IT)) hinzu: „Also weisst niemant,
wohin das volck kommen sey, wie wol etliche sprechen, sie seind merteils
in Engelland kommen."
^) Die Hinrichtung der Divara erfahren wir nur durch Kerss. C.
Heresbach S. 27 f. schreibt: „Ex uxoribus regiis . . . aliquot captae, non-
nullae elapsae. Regina . . . caesane in ipso tumultu an evaserit, incertum."
Aehnlich sagt H. Gresbeck S. 214: „War die koningkinne is gebleven
mit iren mitfrowen, dair en khan ick nicht von schriven." Früher (S. 191)
hatte H. Gresbeck mitgeteilt, dafs Johann allen seinen Frauen mit Aus-
nahme der obersten Königin Urlaub zum Verlassen der Stadt gegeben
hatte. Unter den hingerichteten Wiedertäuferinnen nennt D. Lilie S. 260
„Bemdt KnipperdoUinges frouwe mit Tilenbecken suster, dat ein conver-
sinne to Sunte Egidius gewest is." Wie Siegmund v. Boineburg a. a. 0.
dem Landgrafen Philipp schreibt, hat er selbst im Verein mit den Main-
zischen und Pfälzischen Gesandten dem Bischöfe geraten, die Frauen bis
zur Entscheidung des Tages zu Worms gefangen zu behalten; doch habe
der Bischof geantwortet: „Solche weibes personen seien wol als tettigk und
zum teil tettiger, als die maus personen; s. f. g. wollen in auch nicht
unrecht thun."
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856 Anno 153Ö acta.
teneret, ex diminntione ciborum anabaptistam secnm latitare
suspicantnr, quem cum accurate et diligenter inquirerent, in-
•p. 621. veniunt, inventum 8. lulü ad campum dominicum •cum Catha-
*' ^"^^' rina Borchardes et Casparo, filio illius, protrahunt; ibi praecisis
capitibus transgressionis poenas luunt*.
Sed quis omnes singulorum dierum caedes enumerare queat?
ürbs inde tota diripitur, omniaque bona mobilia sine discrimine
in praedam vertuntur; praedae praefecti constituuntur, qui non
solum clero et civibus ab exilio reversis, verum etiam quibusvis
exterraneis spolia divendunt et precium in commune confenmt.
Quaedam bona ita distrahuntur, ut nulla fere sit regio Genna-
niae, in quam praeda non sit illata. Multi etiam cives post
diotumum exilium reversi sua bona spolium iam facta non mi-
noris quam aliena redimunt, bonorum vero immobilium posses-
sionem gratuito recuperant*. At retinctorum res immobiles in
communem patriae utilitatem et impensarum factarum levamen
confiscantur, ad quarum venditionem ex quatuor dioecesis or-
dinibus viri graves deputantur, a principe Fredericus a Twisth,
praefectus praetorio, et Everardus Moringus, satrapa Vastenou-
wensis ; a capitulo D. Botgerus Smisingus, scholaster, et D. Ge-
orgius ab Haitzfelt, bursarius ; a militari ordine Gerardus Mor-
rien, hipparchus dioecesis, et Joannes a Mervelt; a ciWtatibus
dioecesis Wilbrandus Plonies, consul Monasteriensis, et Joannes
a Graes, consul Coesfeldiensis ^
*} Die Hinrichtung E. Riemensnider's erwähnt kurz auch ü. Lilie S, 2t30.
*) Im Bericht Wirich's v. Dhaun und der Kriegsräte für Worms (M.
O.-Q. II, 397) heifst es in Bezug hierauf: „In diesen tagen ist alles, was
noch für haufsrate in den heusem gewesen, von den bewtmeistom, deren
von idem fenlin dry geordent gewesen, ufgeschriben worden und den ienigen,
so ufsge^richen, das ire wider zu kauffen vergunt. Wu die nit furhanden
gewesen, und deren, die umbkomen sint, ist iedennann zu kauffen erlaupt
worden, ie doch dem ingesessenen lant volck. Wes also verkauft,
ist alles zu gemeiner pewte getragen worden . . ." Vgl. noch H. Gresbeck
S. 211 und „Des Münsterischen Königreichs ... an- und abgang" El A3^
u. A4 (Zeitschr. 27 S. 272 f.).
V qa'^ ^"^' ^^^ Urkunde vom 26. Jan. 1536 im St.-A. M. (Fürstent M.
^r 3038), Abdruck bei J. Niesert: Ü.-S. I. S. 226 ff. Für den Verkauf
Destimmt werden darin die „wederdoepische verwerckte guder, huser, gaideD,
nonstede, acker, guido, tynse unde tobehoringe, bynnen und buthen der
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Anno 1535 acta. 857
Magnus in nrbe capta motns inter praedae praefectos et
gregarios milites exoritur. Cum enim hi illorum fidem suspectam
haberent et in praeda divendita male lUos versatos esse suspi-
carentur, captos in vincula coniiciunt et ad extorquendam rei
veritatem tormentis snbiiciunt ipsosque interficere et totam urbem
iterum diripere constitnunt, qnanquam cives sua iam bona nu-
merata pecunia redemerint ^ Princeps bis rebus cognitis militum
furorem per literas coercet praefectosque praedae excusat; ipsos
nempe suam partem ex pacto sibi debitam exolvisse — dimi-
dium enim praedae, tormenta et res in curia repertas *sibi»p. 622.
pactus erat princeps* — , de reliquis vero pecuniis ex praeda
Stadt Munster gelegen und entholden, liggende und farende, nichtz uthge-
nomnien." In dieser Urkunde sind W. Plonies und J. v. Graes nicht als
Mitbovollmächtigte aufgeführt, wohl aber untersiegeln sie dieselbe im Namen
der Städte. Eine besondere Verkaufs-Vollmacht vom 24. Juni 15.SG für
\V. Plonies s. bei J. Niesert a.a.O. S. 234 ff. Uebrigens hatte der Bi-
schof schon auf einem Landtage zu Rheine am 30. Aug. 1535 eine Kom-
mission zur Abschätzung der Wiedertäufergüter beantragt, und am 1. Oet.
■war zu Horstmar vom Bischöfe und von Verordneten der Landschaft die
Kommission wirklich gewählt worden, um „der huser und guder der weder-
doper binnen Munster eigentliche gelegenheit und werde gruntlich to er-
kunden und schrifftlich to verteikenen," damit dieselben möglichst rasch
und teuer verkauft wurden „to afdracht der landtzbeschwerungen" (Laud-
tags-Akton im St.-A. M.). S. noch ü. Lilie S. 20 1 f.
') Am 28. Juli schreibt der Bischof, der dem Herzoge von Clove
bereits am 22. Juli ganz kurz den Streit über die Beute angezeigt hatte,
aus Horstmar an seine Räte und Verordneten in Worms (Konzept im St.-A.
M.) : „Als die sempligen knechte b3'nnen . . . Munster noch by eynander
gewest, ys erer eroverten buyte halven under ennen eyn uproir, getzanck
unde meuterunge entstanden, zo veren dat ze ere gesette buyth meistere
yn de yseren geslagen unde eynsdels pynlich verhöret hebn, ock unse rheede
und rhuythmesters, derglyken ock Wilken Stedinck yn alsnlcke bedrangyng
und lyfTzfaer gebracht, dat ze ennen heymlich uth der stadt hebn entwyken
mothen. Doch hebn ze sick na langer verhandelong der buythen verglyken."
— Den Beutestreit erwähnen, ohne besondere Einzelheiten anzuführen,
D. Lilie S. 261 und Joh. Fabricius Bolandus Bl. AA8^ u. AA9,
ausführlicher der „WarhafFtige bericht" BL B 3 (Zeitschr. 33 S. 16 f.) und
H. Gresbeck S. 211 f., bei denen aufser einigen Ben tmeistem auch noch
der König Johann einem peinlichen Verhöre nach seinen Schätzen unter-
zogen wird.
*) Vgl. die oben S. 527 f. von Kerss. angeführten Eriegsartikel, be-
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858 Anno 1535 acta.
distracta coUectis exactam rationem per receptormn tabnlas mi-
litibns reddituros. Proinde eam se fidnciam habere generosos
ac veros milites, qnibns Stipendium principaliter solvent, snam
civitatem sibi iam traditam, cnins etiam claves sibi eam ingres-
suro nitro obtulerint, non nlterins devastatnros neqne spolia-
tnros, maxime cum tam ecclesiasticns quam profanns snppellec-
tilia sna et res domesticas a praedae praefectis redemerint atque
pecnnia numerata exolverint. Ad haec, etiamsi in toto exercitu
viginti ant triginta scelerosi et impii, qni neqne inrisinrandi
neqne aeqnitatis rationem habeant, deprebendantnr, se tarnen
confidere reliqnos generosos milites sacramentnm snnm, hone-
statem et decns militare inviolate conservaturos *. His scriptis
seditiosornm animi flaccescnnt, nt totns ille motns subito rese-
deritl
sonders Nr. 3 u. 5. Die Einbehaltung dos halben Anteils an der Beute
durch den Bischof, sowie dessen Beschlagnahme des gesamten eroberten
Geschützes hat dann zu weiteren Mifshclligkeiten mit den Ständen auf den
Tagen zu Worms geführt. S. weiter unten.
*) Kerss. schöpft aus einem undatierten Schreiben des Bischofs an
sämtliche Hauptleute und Befehlshaber, auch den gemeinen Mann der fünf
Fähnlein (Konzept im St.-A. M. M. L. A. 518/19 VI. fol. 298). Er habe
erfahren, schreibt er, wie im Streite über die Beute sich Etliche haben
hören lassen, „unse stad Munster upt nye t'plundern und t'buthen, eck
tom dele sich vememen laten, de stad t'bemen." Er weist darauf hin, dafs
ihm bei seiner Ankunft in Münster die Schlüssel der Stadt überreicht seien,
dafs er die Landsknechte richtig bezahlt und abgedankt habe, und dafs
gute Nachweisung und Rechenschaft über die Verteilung der Beute gegeben
worden sei.. Dann heifst es: „Willen uns aen allen twyvell verseyn, ghy
werden uns und den unsen de stad Munster vemer unverwostet und un-
spoljert laten . . ., na dem so mannich man geystlich und wertlich van
unsen undersaten so swerlich und duer gestanden, dat se tom dele er ge~
koflfte husgerait und anders yuwen buetmesters vermoget und betalt." Dann
folgt noch der Appell an die Redlichkeit der Soldaten.
*) Die Gröfse der Beute scheint weit hinter den gehegten Erwar-
tungen zurückgeblieben zu sein. Vgl. den Brief Justinian's v. Uoltzhanscn
vom 1. Juli nach Frankfurt a. M. (M. G.-Q. II, 366). D. Lilie S. 260
meldet: „Dan ein deil van den oversten, rithmeisters unde hovetlnden hebben
eine grote buthe an sulver, golt unde kostliken clenodien, so se in des kon-
ninges under anderen regenten hoven unde huseren hebben gekregen, lethen
mit groten wagen vul uth der stadt foren.** Nach dem „Warhafftigen be-
rieht" a.a.O. erhielt jeder Knecht aus der Beute 18, nach H. Gresbeck
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Anno 1535 acta. 859
Princeps ad 13. diem Inlii per totam dioecesim pnblicas m. Jnu..
snpplicationes indicit, nt pro insigni victoria grates Deo sol-
vantur ^ Primarins quoqne cleras in gratiarum actionem et per-
petiiam tarn praeclarae et inopinatae victoriae memoriam singulis
annis eum diem, qui natalem S. loannis Baptistae proiime snb-
sequitur, singnlari qnadam solennitate et pietate celebrandum
institnit. Totus enim clerns et senatus urbis ad templum snm-
mum coexint ibiqne eximia lustratione longo ordine prins facta
et sacramento altaris praegesto sacrnm de Trinitate peragitur, et
hymni varii in laudem Dei decantantur. Funduntur etiam preces
ad Deum pro iis, qui contra haec hominnm monstra et anabap-
tistica portenta fortiter pugnantes occnbuerunt ^.
Die 15. lulii habitus est Novesii conventus, ad quem archie- i5. Jnu^
piscopus Coloniensis, dux Clivensis et episcopus Monasteriensis
de futura reipublicae et politiae forma consulturi conveniunt,
ne simili incommodo et seditione imperium Romanum in po-
sterum afficiatur et conturbetur^
S. 212 1 6 Emdener Gulden. Auf dem Landtage zu Rheine am 30. August
giebt der Bischof seinen Anteil an ungemünztem Silber auf ungefähr 450
Pfund an. Das gemünzte Gold und Silber, dessen Wert er nicht nennt,
hatte er zur Auszahlung an die Landsknechte verwendet.
*) Kopie des bischöflichen Befehls ohne Datum im St.-A. M. (M. L. A.
518/19 VI. fol. 3ü4d). •
*) Aehnlich D. Lilie S. 259 und das »Festum liberationis nostrae
ab impiissimo Cathabaptistarum impetu et tumultu" (Monasterii 1545), in
dem Bl. A 3 ff. die Zeremonien näher beschrieben werden. — Die Dank-
feier im Dom zur Erinnerung an die Besiegung der Wiedertäufer wird
noch bis heute jährlich begangen.
^) Orig. des Abschiedes zu Neufs vom 19. Juli im St.-A. M., Ab-
druck bei J. Niesert: U.-S. l. S. 2i)lflf. Hauptsächlich wurde hier be-
schlossen, die Bestimmungen über Form und Weise in den Hauptstücken
der christlichen Religion zu Münster von der Entscheidung des Kaisers und
der Reichsstände abhängen zu lassen, im Dome und anderen Stiftern, Kol-
legien, Klöstern und Pfarrkirchen der Stadt „christliche und lofQiche cere-
monien'* wiederherzustellen und „gude predicanten bewerter leer und levens**
heranzuziehen, die „allen zwyspalt in der lere, dispntirliche materie und
die zu ergernifs ursach geven mochten," vermeiden sollen. Da der Erz-
bischof und der Herzog beabsichtigen, „eyn christliche, loffliche reformation
und ordnong in iren landen uflfzurichten," so soll dieselbe schriftlich dem
Bischöfe zugesandt werden, damit dieser sich darüber mit den beiden
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860 Anno 1535 acta.
Eodem qnoque die comitia imperii Wormatiae habita snnt,
in quibns de anabaptistis in universnm extirpandis agitur. Et
princeps noster per legatos impensas belli anabaptistici sibi re-
fiindi petit et pactam pecuniam nondum esse solntam queritur.
Cum vero panci ordines adessent, in praeindicium absentimn
nihil certi decernere audebant. Indictus est itaqne alias prin-
cipum et ordinum imperii conventns ad primnm diem Novem-
bris, in quo de belli Munasteriensis sumptibus et quae fonna
reipublicae in ea urbe sit instituenda, decerneretur *. De hoc
conventu suo loco.
^p. 623. *ßex, KnipperdoUingus, D. Bernardus Krechtingus ac Chri-
stianus Kerckringus compedibus manicisque constricti in diversis
curribus, ne colloquia inter se misceant, ad arcem Dulmanicam
Fftrst^n, wie er zu thun geneigt, vergleichen möge. — Ueber die politische
Bedeutung dieser Abmachungen, die von dem Münsterschen Landtage am
22. Juli zu Dülmen gutgeheifsen wurden, und die den Bischof, vielleicht
unter dem Einflüsse des Kaisers, auch wohl im Gegensatze zu seinen per-
sönlichen Anschauungen von der Annäherung an die protestantischen Stände,
besonders den Landgrafen Philipp, wieder zurück und neuerdings in den
Bund mit seinen katholischen Nachbarn brachten, vergl. die aktenmäfsiore
Darlegung von L. Keller in der „Histor. Zeitschrift" Bd. 47 (München
u. Leipzig 1882) S. 436 ff.
^) Im Wortlaut ähnlich und ebenso kurz ist die Darstellung bei
Joh. Sleidan: De statu religionis ... (Ausgabe von Strafsburg 1555 foL
157). Kopieen der Akten zu diesem Tage sowie des Abschiedes vom 23.
Juli im St.-A. M. Die Aufschiebung der Entscheidung wird darin aufser
durch die geringe Anzahl der erschienenen Stande auch dadurch begründet,
dafs weder der oberste Befehlshaber und die Kriegsräte noch der Pfennig-
meister zugegen gewesen seien, um Rechenschaft über die Vorgänge vor
und in Münster zu geben. Es wird beschlossen, für November Bericht von
ihnen einzufordern. Thatsächlich langten Wirich v. Dhaun u. s. w. in Worms
erst an, als der Abschied bereits beschlossen war. S. die Akten des Mün-
sterischen Landtages zu Rheine am 30. Aug. im St.-A. M. — Schon hier
in Wonns wurde dem Bischöfe vorgehalten, dafs er „in eroberung der etat
Monster sich mit den knechten der bewt halben verglichen und anders fur-
genomen haben soll, das dem abschiedt nit ganz gemefs sei." Gemeint ist
der Wormser Abschied vom 25. April (s. oben S. 796 Anm. 1). Im Gegen-
berichte darauf weisen die Münsterschen Gesandten darauf hin, dafs der
Bischof in Betreff der Beute mit Wissen des Obersten und der Kriegsräte
gehandelt habe.
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Anno 1535 acta. 861
24. lulii avehuntur \ Sed in itinere solus Kerckringus e currn w. juu..
exemptns in loco ibi herbido et amoeno capite plectitnr terraque
obruitur*. Reliqui autem, qnos gravius snpplicium manet, car-
ceribus Dulmanicae arcis inclnduntur.
Godofridns a Schedelichen ac Wilkinus Stedingns, quibus
princeps vicem suam in urbe demandaverat, per literas 2. Angnsti a. Aug.
principi significant mnlieres obsidionis tempore in famis angn-
stia nrbe elapsas et vita donatas qnotidie catervatim nnnc re-
dire ®. Princeps 13. Augusti respondet, ne quenquam civitate is. Ang.
donent, nisi^ se iureiurando sibi obstringat*. Quare militibus
a) Ms.: ne.
') Es geschah auf Befehl des Bischofs ans Neufs vom 18. Juli (Kon-
zept im St.-A. M.) an den Amtmann zu Bevergern und an den Amtmann
zu Horstmar. Die Amtleute sollen dafür sorgen, ^dat de gefangen nnder-
wegs nycht by eynander komen." Der bischöfliche Befehl war Folge der
Vereinbarungen zu Neufs, nach denen am 25. Juli in Dülmen im Beisein
einiger kölnischer und clevischer Räte mit den Gefangenen Verhöre ange-
stellt werden sollten. Vgl. den Abschied bei J. Nies er t a.a.O. S. 208f.
Nach dem „Warhafftigen bericht" Bl. B 2^ (Zeitschr. 33 S. 15) wurden Jo-
hann und Knipperdolling am 28. Juni zunächst nach Iburg gebracht. Es
waren eiserne Halsbänder für sie geschmiedet worden, die mit langen
Stricken versehen waren. An diesen wurden sie „zwischen den reysigen
wie die rüden . . . gefürt." Vgl. dazu H. Gresbeck S. 214 und H. Dorp
Bl. G 3, der aber den Ort der Haft nicht angiebt und Beruh. Krechting
auf gleiche Weise transportiert werden läfst. L. H orten sius S. 73 er-
zählt, dafs der König an den Schweif eines Pferdes gebunden wurde, das
durch Sporen in unausgesetztem Laufen erhalten ward. „Des Münsterischen
Königreichs ... an- und abgang" Bl. A !▼ (Zeitschr. 27 S. 267) giebt Telgte
als ersten Gewahrsam für die Gefangenen an, D. Lilie S. 259 die Diek-
burg, von wo Johann nach Bevergern, Krechting, Knipperdolling und Chr.
Kerckerinck aber nach Horstmar gebracht wurden.
^) Aehnlich berichtete Kerss. schon oben S. 851.
') Erhalten hat sich im St.-A. M. das Original eines Schreibens, in
dem Gottfr. v. Schedelich dem Bischöfe meldet, „wudanewyfs der weder-
dopischen wyver, de hyrbevorens heruth der stadt gewiset und myt dem
lyve begnadet worden, dachlix zo lenck zo meer wederum herinkomen, uth
wes bevell eder vergunninge, is my unbewust." Vgl. oben S. 852 u. 854 f.
*) Konzept des Schreibens an Gottfr. v. Schedelich und Wilken Ste-
ding aus Petershagen im St.-A. M. Der Bischof befiehlt, „dat gy num-
mantz vryge wertligen Standes bynnen unse stadt Munster myt de wonnynge
komen laten edder gestaden, edder deselven hebn uns dan tovoms gelovet
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862 Anno 1535 acta.
plerisqne iam exanctoratis cives qnoqne ab exilio ad patrias sedes
reversi extra portam nrbis Horsthanam evocantur, et ab illis
iusiurandnm novum exigitnr. IUI vero se veteri inramento in
inangnratione praestito principl obligatos esse et ita eodem se
teneri respondent, ut novo non sit opns. Ad qnae consiliarii
principis: ipsos snperins inramentnm violasse, quo custodiam
nrbis Monasteriensis in ntilitatem principis et totius patriae re-
ceperint, sed eam ita desemerint, nt ab anabaptistis et peregri-
narnm gentinm hominibus infimis non solnm in principis et
totins dioecesis, verum etiam ßomani imperii dispendium et per-
niciem occuparetur; principem itaque ab integro iusiurandum
poscere ; et si qui id praestare non velint, a reliquo civium nn-
mero secedere iubentur. Hos enim conclusis portis in urbem
non esse admittendos decretum fuit. Illud cum cives animad-
verterent, necessitati parent^
Princeps tempore obsidionis suggestione quorundam eici-
tatus omnia coenobii Transfluviani bona esse confiscanda et suae
mensae usui applicanda cogitat, cum pleraeque vestales anabap-
tismo se contaminassent et in urbe mansissent^ praeter Idana a
Mervelt, archivestalem, Ludgeram a Linteloe ac Sophiam de
Langen, quae tempore obsidionis in villa sua Holthusia exula-
bant; quem numerum virginum sibi obstare non posse existi-
mat. Cum vero 7. Maii anno 1535 Ida de Mervelt in exilio
ultimum suum diem clausisset, iam se iure effecturum putat,
quod mente aliquamdiu secum agitaverat. Ideoque cum super-
stites virgines de more archivestalem novam libera electione de-
28. Aug. signare cogitarent, princeps id vetuit. Quare 28. Augusti anni
1535 reliquis dioecesis ordinibus supplicant, ut principem a sen-
•p. 624. tentia et Institute suo flectere *dignentur, ne sibi innoxiis et
unde gesworen na vermog unde inholdt des schryftligen verfateden edes,
gy by iw hebn, unde de gemeynen borger ab-eyde gedaen." — Der Bischof
hatte am 12. Juli Wilken Steding zum Obersten, Egbert v. Deveren zum
Hauptmann über zwei Fähnlein Knechte für mindestens 3 Monate in Mün-
ster angenommen.
^) So auch die „Körte antekunge** (Ms. Berufs. Qu. 272 in der Kgl.
Bibliothek zu Berlin). Danach ist Dietrich Munstermann Wortführer der
Bürger. — *} Vergl. oben S. 482.
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Anno 1535 acta. 863
immerentibns ins snnm adimat; docentqne simnl, qnanti mili-
taris ordinis et egenomm civitatis intersit monasterinm illnd
conservari^ Princeps a snperiori sna sententia per ordinnm
intercessiones abdnctns mentem mntat. Eligitnr ergo Ermbgardis
Schenckinck in archivestalem, atqne hnius electionis princeps
fit anctor *.
Cum ad primum diem Novembris imperii ordines comi- i. Nov.
tiornm habendornm gratia Wormatiam convenissent, Ferdinandi
regis legatus cansas indicti conventns commemorat, et nt praeter
alia secum deliberent, quomodo civitas Monasteriensis nnper capta
et anabaptistis erepta posthac in veteri religione contineatur.
Inde episcopi nostri legatus declarat', qnantos iUe toto belli
tempore snmptus fecerit, quam magnum aes alienum conflaverit,
quod capta urbe duo in ea castella novi motus et periculi re-
primendi causa sint construenda eaque praesidiis firmanda, qua-
rum rerum omnium rationem haberi petebat. Ad quae respon-
sum est:
Episcopum maiorem partem praedae tormentaque omnia
et retinctorum civium bona, quae tarnen omnia ad imperium
pertineant, ad se solum transtulisse; aequum igitur esse, ut aesti-
matione facta cum impensis haec conferantur; quod amplius desi-
*) Orig. des Schreibens an das Donikapitel und die Ritterschaft im
St.-A. M. Ladgera v. Lintloe und die Jungfern sagen darin, dafs „zodane
upholdinge** allen hergebrachten Rechten des üosters zuwiderlaufe. Ueber-
wasser sei „ein portc, underholt und thoflucht des adels, t'behoeff des adels
dorch kejzer und andere prjncen gestichtet, fundert und mercklich be-
gifftiget."
*) Die am 16. October vollzogene Wahl der neuen Aebtissin wird
am 20. dem Bischöfe angezeigt, der sie am 27. bestätigt (Urkunden im
St.-A. M., Kloster Ueberwasser Nr. 311 u. 312).
*) Dieses und das zunächst Folgende stimmt fast wörtlich nbercin
mit der Darstellung bei Joh. Sleidan a.a.O. fol. 157. In der Instruk-
tion der Münsterschen Gesandten zum Tage in Worms heifst es über die
vom Bischöfe vorgenommenen Befestigungen der Stadt: „Also haben ir f. g.,
umb myt den geringsten kosten die stat zu verwaren, zwey blockhuyser
lassen uffrichten." Die Stände würden leicht ermessen und bedenken können,
„das es nit nutz, in diesen geferlichen zeyten die stat on verwarung, be-
festigung, Ordnung und poUicey zu laessen, auch nit muglich, in gehorsam
zu halten." Genaueres über die Befestigungen s. weiter unten.
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864 Anno 1535 acta.
deratnm fuerit, eins quoqne rationem habendam esse^; dimidimn
tarnen tormentonun et immobilinm anabaptistamm bonorum in
nrbe captorom imperinm sibi vindicaturam.
Postea decernitar primmn ^ nt episcopns et civitas Mona-
steriensis pro more antiqnitns recepto imperio snbsint.
Deinde, cum per Dei gratiam civitas Monasteriensis com-
munibus imperii sumptibus sit recuperata, eadem confirmato»
successoribus episcopis et dioecesi cum omnibus privüegiis, im-
munitatibus et dominus non aliter, quam superiores episcopi
antiquitus et ipse confirmatus ante anabaptisticum motum usur-
pavit, remanebit^; neque ipse neque successores illius haue urbem
ab imperio venditione, oppignoratione vel quovis alio titulo alie-
nabxmt. Et cum cbristiana religio non minimum sit bene con-
stitutae reipublicae fundamentum, ordines imperii consolunt
confirmatum reliquosque dioecesis Status eam religionem, quae
imperii recessibus non adversetur, in hac quoque urbe restau-
raturos *.
*) Auch diese Antwort giebt Kerss. fast wörtlich nach Joh. Sleidan
a. a. 0. wieder. Die betrefifende Bestimmung im Abschiede lautet: ^Der
confirmiert woU gemainen stenden ... die gemelten halben bewth, des-
gleichen das grobe geschutz und alle der widderteuffer ligende guter un-
vertzuglich zustellen und uberantwurten und domit Kun. Mt. und gemaine
stende durch ire verordenten rethe und commissarien nach gelegenheit und
nottroft der sachen handelen lassen. Des wollen wir uns . . . unzwyvelich
versehen.^ Die Beute, das Geschütz und die Wiedertäufergüter seien „ge-
mainen stenden als den hercn des kreiges, in der hilft und namen die stadt
Munster erobert, zustendigk."
*J Von hier an übersetzt Kerss. eine Reihe der wichtigsten Bestim-
mungen des Abschiedes selbst (Akten des Wormser Tages im St.-A. M.).
') Der Abschied fügt hinzu: „Anderer gestalt soU sich der confir-
miert der Stadt Munster nit underzihen noch weitter obrigkeit und gerech-
tigkeit sich anmafsen, dan von alters herkumen.**
*) Dieser wichtige Artikel lautet im Abschiede wörtlich : ^ünd dweü
christlich religion nit der geringst grünt guter Ordnung ist, sein die rethe
und botschafften der guter Zuversicht, der confirmirt, seiner g. thumb-
capittel, ritterscafft und lantscafft werden sich des fals K. Mt. und des hei-
ligen rcichs abschieden gemees, und wie inen sust geburt und zusteht, der
gebur woU wissen zu ertzeigen." Erfolglos war während der Verhandlun-
gen von protestantischer Seite aus der AufsteUung dieses Artikels entgegen-
gearbeitet worden (vgl. L. Keller a.a.O. S. 447 f.). Als er dennoch durch-
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Anno 1Ö35 acta. 865
lUad etiam decemitur: instom esse, nt tarn clerus secnn-
darias quam primarins aliiqae nobiles^ aedes suas, fnndos,
templa, pensiones, proventns, privilegia et iura omnia, quae vel
in vel extra nrbem habuerint^ sine *ullo incommodo recipiant. »p.
Simüiter cives omnes utriusque sexus, qui motom anabaptisti-
cnm effagientes urbe excessemnt spontanemnqne exilimn eligere
maluerunt, quam se schismate isto contaminare, in pristinam
aediam snarnm, redditnom, pensionom aut qnormnlibet bonorum
immobilium, quae in vel extra urbem reliquerunt % possessionem
restituentur, etiamsi literae signatae exustae, discerptae, amissae
aut alio modo alienatae fuerint.
Si horum quidam anabaptismo non addicti in exilio extre-
mum diem clauserunt, illorum bona immobilia, proventus, pen-
siones omniaque iura ad haeredes anabaptismo non contaminatos
devolventur.
Si vero quidam civium, qui urbe excessemnt, anabaptismo
se poUuerint illamque sectam ipsos promovisse demonstratum
fuerit, perpetuo exilio et confiscatione omnium bonorum suorum *
mulctabuntur.
Ne autem quis suspicionibus, coniecturis aut odiis contra
ins et aequitatem opprimatur, necessarium esse visum est, ut
vicini aliquot electores et principes tanquam commissarii deli-
gantur, qui legatos sacri imperii nomine Monasterium mittant,
qui de ipsi confirmato suspectis cognoscant, ut innocentes suspi-
cione absoluti et purgati sua bona recuperent, nocentes vero et
anabaptismo contaminati perpetuo exilio, infamia et proscriptione
omnium bonorum^ puniantur.
gesetzt wurde, ward dem Abschiede folgender Passus beigefugt: „Und dweil
in diesem abschiedt ein artickel der religion halben verleibt ist, so haben
. . . der churfursten und forsten Sachssen, Wirttemberg, Hessen
und Anholt gesante, rethe und botscafften sulchen artickel also zu stellen
nit bewilligt, sonder do widder protestiert vermuge der protestation in
der Mentzisch cantzlei übergeben/ Auch die Reich8städt>e hatten sich der
Annahme dieses Artikels einmütig widersetzt.
') „.. . und ander, so hoff und heuser in Munster gehapt .,.*' —
*) „. . . und bewisen mugen . . .** — *) „... und beweifslich weren ...** —
*) „. . . gemeinen stenden zu gut . . .' — ^) »• • • gemainen stenden zu
guth . . .«
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866 Anno 1535 acta.
Si etiam quidam miseratione digni deprehendantur, ita
cnm illis circnmstantiaram habita ratdone agatnr, ne qnis praeter
meritum et aequitatem degravetnr.
Et cum sacri Bomani imperii ordines per inobedientiam
civitatis Monasteriensis ad immenses snmptns et impensas adacti
et per impiam inanditamqne scMsmatis persuasionem in snm-
mnm animamm, corpomm et bonorum periculum adducti sint,
ne igitur in simile discrimen et impendiorum magnitudinem in
püstei:um praeeipitentur, non commodior utiliorque via excogi-
tata est, quam ut praecipuae munitiones urbis Monasteriensis
rescindantur et toUantur, ita tarnen, ut in rescissomm locnm
cum auctoritate supra dictorum legatorum muri vulgares substi-
tuantur et civitatis saltem nomen retineat; quae res non solum
futurorum periculorum metum propulsabit, verum etiana haec
urbs suo exemplo alias quoque respublicas a simili impietate et
rebellione posthac terrebit. Praeterea legati supra dicti omnes
istius civitatis munitiones praesentes inspicient et inter se, quae
•p. 626. sint rescindendae, convenient. Hinc vo*luntatis suae decretnm
confirmato, capitulo, nobilitati et dioecesi significabunt et, nt
imperii decretum maturius exequantur, sedulo instabunt, qnibus
dioecesis status parebunt*.
Ne autem innocentes nocentium poenas in civilibus rebus
perferant, decretum est, ut cives, qui urbe excesserunt, si ana-
baptismo se non poUuerunt, maiorum suorum antiquitus et ante
exilium habitam urbis administrationem et regimen recipiant,
senatum, iudicium, mechanicorum munia et curialia consortia
restaurent^, quibus singulis sua iura, privilegia, libertates, im-
^) Im Abschiede hciTst es nach dem einleitenden Satze nur: ,,. . . so
sollen die bemelten redt und commissarien alle bew und festungen, so die
widderteuffer vor und in der belegerung Munster ufPgericht und gemaicht
haben, furderlich und als baldt ym grundt abzubrechen und abzuthun bei
dem confirmierten, irer f. g, thumbcapitt^l, ritterscafft und lantscafft ver-
fuegen und vorscaffen.** Die in Worms vertretenen Reichsstädte setzten
diesem Artikel den schärfsten Widerspruch entgegen, und als derselbe nach
langen Verhandlungen ebenso wie der auf die Religion bezügliche Artilcel
angenommen ward, versagten sie die Unterzeichnung des gesamten Ab-
schiedes und vereinigten sich zu einem Proteste gegen diese Abmachungen.
*) „. . . rath, gericht und ander empter besetzen . . ."
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Anno 1535 acta. 867
mnnitates et consnetudines antiqnitns receptae sine confirmati
saccessonunqne episcoporom ant cuinsvis ünpedimento et inter-
cessione restituentur et inviolabiliter remanebunt, etiamsi privi-
legiornm tabnlae signatae laceratae, exnstae vel qnavis ratione
abalienatae fuerint, ea tarnen lege, ut confirmato debitam obe-
dientiam praestent*.
Pacta nitro citroqne restitntione (nt dictnm est) et prae-
cipnarnm forinsecns erectamm mnnitionnm rescissione et demo-
litione ita, nti legati imperii insserint, confirmatns, capitnlnm,
nobilitas et dioecesis simili modo dno propngnacnla * ad repri-
mendam oppidanornm proterviam post recnperatam nrbem in ea
extrncta demolientnr prorsnsque toUent^.
Ad haec confirmatns, capitnlnm, nobilitas et nrbis Mona-
steriensis cives regi Eomano atqne imperii ordinibns literis si-
gnatis necessario cavebimt neqne se neqne snccessores snos de-
molitas mnnitiones nnqnam reparatnros neqne alterins formae
nllas, qnam legatis imperii visnm fnerit, extrnctnros, atqne hanc
*) Wie die Verhandlungsakten erweisen, wurde dieser Artikel nur
«uf energisches Drangen der Reichsstädte hin in den Abschied gebracht
Grade in Bezug auch auf ihn spricht sich später der Bischof auf einer ver-
traulichen Versammlung von Verordneten des Domkapitels und der Ritter-
schaft zu Mimster am 22. Dezember folgendermafsen aus (Landtags-Akten
im St.-A. M): „Und sey woll zu erachten, das die stede solichs zu wege
bracht haben. Dan wie s. f. g. glaublich anlanget, so haben die stcdte
ein oder meher artickell den Munsterisschen bürgern ... zu irem fortheill
und besten gesetzt wollen haben . . .^ S. auch weiter unten.
*) „.,, und ander befestigung ..."
^) Schon früh hatte der Bischof, freilich unter dem Widerspruche
seiner Landschaft, mit dem Baue neuer Befestigungswerke in der Stadt
begonnen, aber trotz seiner wiederholt ergangenen Befehle wurden seine
Anordnungen nur sehr lässig befolgt. Mehrfach finden sich in den Akten
Klagen der Beamten an den Bischof, dafs es an Gräbern und Zimmerleuten
fehle, und dafs der Bau über Gebühr langsam vorschreite, so am 2. und
24. August, am 10. September und am 27. Octobcr. Am wichtigsten ist
die Aeufserung Gottfried's v. Schedelich am 2. August, weil in ihr die
Oertlichkeiten der geplanten Bauten bezeichnet werden. Es heifst da, dafs
es „by dem bow und tymmer an der Bispinckporte und Nyen-
wercke" nicht nach bischöflichem Befehle „uthgcrichtet** werde, und dafs
die Arbeit am Aegidiithor noch nicht angefangen sei.
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868 Anno 1535 acta.
Obligationen! signatam continno legatis tradent, qni eam in usnm
imperii in grammatophilacium Mognntinmn deponent\
Ut antem haec comitiomm dispositio et decreta restitutio
perficiatnr, per Ferdinandnm regem Bomannm pro commissariis
depntantur et designantur electores et principes Mognntinns,
Trevirensis, Coloniensis, luUacns, Hessus, Wilhelmus generosns
a Nassanw comes et civitas Coloniensis, ut hi snos legatos ad
diem Lnnae post dominicam Beminiscere, qnae foit ö. Martii
faturi anni 1536, Tremoniam nüttant, qui hinc imperii impensis
et snmptibns Monast«riam saperiorem ordinationem et restitatio-
nem exeqnendi gratia contendant*.
Impendia hnias legationis a pecnnia in communem imperii
nsnm coUocata et apnd Trevirensem deposita commissarii re-
cipient ^.
') Die Urkunde soll auch die Yerpflichtung enthalten, der hier ge-
gebenen Ordnung nachzuleben und allen Verfügungen nachzukommen, die
die Eommissarien in Ausführung des Wormser Abschiedes vom 25. Apnl
treffen würden.
') Kerss. ist hier ungenau. Nicht der Konig, dessen Ermessen ea
vielmehr überlassen bleibt, einen Rat zu schicken, sondern die Stände be-
stimmen sogleich, dafs alle geistlichen und weltlichen Kurfürsten je einen
Rat absenden sollen, ebenso je einen Rat von Seiten der geistlichen Fürsten
die Bischöfe von Worms und Lüttich, Ton Seiten der weltlichen Fürsten
der Herzog von Cleve und der Landgraf von Hessen, von Seiten der Prä-
laten der Propst von Ellwangen, von Seiten der Grafen Graf Wilhelm von
Nassau und von Seiten der freien Städte die Stadt Köln. — Der Montag nach
Renüniscere fiel im Jahre 1536 nicht auf den 5., sondern auf den 13. März.
') Die sonstigen Artikel des Abschiedes, die Kerss. unerwähnt läfst^
betreffen fast ausschliefslich nur noch finanzielle Dinge. Bemerkenswert
ist aber, dafs den Münsterschon Gesandten auf ihre Instruktion erst am
19. November Antwort erteilt wurde, als sie bereits in der dritten Woche
sich in Worms aufgehalten hatten, und nachdem der Abschied, der ja vom
20. November datiert, schon fertig gestellt war. Als sie Bedenkzeit zur
Gegenäufserung erbaten, hiefs es, es sei von den Ständen „der mcrerteil
verrittcn. Darumb selten die rethe und gesanten ir bedenckens und ant-
wurt kurtz machen. Dan sie, die commissarii und botscafiften, kunten in
so geringer antzall nichts oder gar weynich im abschiedt oder Ordnung
vcrenderen.^ Die Münsterischen Gesandten entgegneten darauf, dafs, wenn
sie zu den Beratungen zugezogen worden wären, „die commissarii und stendt
solten vill ein ander Ordnung, die unsem gnedigen hern und der lantscafft
. . . liedlich, der Sachen gcmees und nit so hoich beschwerlich gewesen^
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Anno 1535 acta. 869
*Cnm ante supplicium rex ille scenicns qnibusdam prin-»p. 627.
cipibns spectandns faisset exhibitns, red actus est Bevergemam
atque ülius arcis custodia firmiori concluditur. Knipperdollingus
vero et Krechtingus in vinculis Horsthmarianis discretis deti-
nentur^ Ad hos omnes diversis quidem temporibus Antonius
Corvinus et Joannes Kymeus admissi de diversis articulis collo-
quia miscent, videlicet de regno Christi, de magistratu, de bap-
tismo, de coena Domini, de humanitate Christi, de matrimonio
alüsque rebus male intellectis cum Ulis agunt. In his coUa-
tionibus rex scripturae sacrae ab his viris adductae propemodum
acquiescere visus est, sed Knipperdollingus ac Krechtingus adeo
sui cerebri fuerunt, adeo praefracti, adeo pertinaces adeoque
duri, ut neque scriptura neque ratione uUa moUirentur. Quare
in his duobus parum fructus illa scripturarum collatio operatur *.
haben ufFgericht, oder diese Ordnung verändert und gcmiltert/ Jetzt hofften
sie das nur noch von der für Münster bestimmten Kommission.
*) Kerss. schöpft hier, wie im Folgenden öfter, aus dem Briefe des
Ant. Cor V in an Georg Spalatin Bl. Bi^ff. Der König sei, heilst es da,
„spectaculi vice huc atquo illuc'^ geführt. Aehnlich sagt auch die Münster-
sche Bischofschronik (M. G.-Q. I, 337), während nach H. Dorp Bl. G3
und Joh. Fabricius Bolandus Bl. BB 2 zugleich mit dem Könige auch
seine Mitgefangenen zur Schau gestellt wurden. D. Lilie S. 2B3 berichtet,
wie der Bischof den Wunsch des Herzogs von Cleve erfüllte, indem er dem-
selben den König zum Sparenbergo bei Bielefeld zusenden liefs (vgl. auch
H. Hamelmann S. 12Ü5). Bei dieser Gelegenheit hat C. Heresbach
(s. S. 22) den Gefangenen gesehen. D. Lilie fügt hinzu: „Also is van dem
koninge ein monstrum unde schouwspel geworden . . ., ock mannich spitzich
wordt moste (er) hören." Aber auch der König hat es an spitzigen Beden
nicht fehlen lassen. Beispiele dafür bringt U. Dorp Bl. GS^ bei, femer
der „Warhafftige bericht" Bl. B3 (Zeitschr. 33 S. 15 f.), „Des Münsterischen
Königreichs An- und abgang" Bl. A !▼ (Zeitschr. 27 S. 268) und Joh. Fa-
bricius Bolandus a. a. 0. Ant. Cbrvin und Joh. Kymeus gegenüber bekennt
Johann: „Das er aber erstlich, da er sej gefangen worden, unserm g. f.
und h. von Münster und aller Oberkeit keine Reverentz erzeigt habe, sej
geschehen aus den Ursachen, das er seine Autoritet und ansehen bey den
Teuffern nicht hat verkleinem wollen . . ." (Gesprech Bl. gl.)
') Von diesen im Januar 1536 mit den Gefangenen gehaltenen Ge-
sprächen gibt Ant. Corvin in seinem Briefe an^eorg Spalatin a.a.O. eine
kurze Inhaltsangabe ; ausführlich, „bejnahe von wort zu wort,^ wie er sagt,
fügte er das Gespräch mit Johann als Anhang dem Dmcke der „Acta etc.^
hinzu, (lieber die Dmcke vergL F. Bahlmann: BibL 1536 Nr. 3 u. 4.)
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870 Anno 1536 acta.
Annus 1536.
Tandem die Mercurii ante festum Antonii Abbatis, quae
(19. Jan.) fnit 12. lanuarii, Monasterium ad supplicinm transvecti sunt*
ibique ad diem Saturni post Antonium, qnae fuit Vincentio
Mit Johann v. I^eiden wurden zunächst die von Eerss. nach Ant. Coirin's
Brief angegebenen Materien besprochen (nur vergifst Eerss. auch das Them*
de iustificatione zu erwähnen). In dieser Unterredung näherte sich der
König allein in der Frage über die Rechtfertigung durch den Glauben der
Ansicht der hessischen Predikanten, während er in den anderen Stücken
den ihm entgegengebrachten Argumentationen nicht nachgab. Nach etwa
acht Tagen wünschte der König eine abermalige Besprechung, die ihm mit
Genehmigung des Bischofs auch gewährt ward. Sie dauerte zwei T&s:e.
„Und wiewol wir," schreibt Ant. Corvin: Gesprech Bl. F4, „grofsem glimpflE,
denn vorhin, bey im funden, so haben wir doch nichts anders vermercken
können, denn das er errettunge seines lebens suchte. Denn also sagte er
ungezwungen, ungedrungen, aus eigener wilköre: Wenn man in wolle zu
gnad nemen, wolle er mit hülffe Melcher Hoffmans und seiner Königinnen
alle Teuffer, deren denn in Holland, Brabant, Engeland und Friesland
überaus viel seien, bereden zum stilschweigen und gehorsam — ** Kaeh
dieser Unterredung brachten die Predikanten den Kern der Aeufserungen
Johann's zu Papier und liefsen das Schriftstück von dem Gefangenen unter-
zeichnen. In anderen Stücken nachgiebig, blieb er standhaft bei seiner Ver-
werfung der Kinder taufe und bei dem Bekenntnisse, „er könne in keinem
wege gleuben, das Christus von Marien fleische etwas an sich genomen
habe, ob er wol von ir geboren sey.** Er versehe sich aber, fugt er hinzu,
wenn man ihn begnadige, die Wiedertäufer in Bezug auf diese Lehren zum
Schweigen zu bringen. — Die mündliche Unterredung mit Knipperdolling
und B. Krechting in Horstmar giebt Ant. Corvin nicht wieder. Er führt
nur an, dafs „sehr ungeschickte antwort** gegeben worden sei, und fügt
dann schriftliche Erklärungen bei, die von den Gefangenen in Sachen der
Mortifikation, der Kindertaufe, der Gütergemeinschaft und des leiblichen
Reiches Christi verfafst waren, in denen die Predikanten aber „gar keine
besserunge" verspürten. Die von Ant. Corvin und Job. Kymens in Form
eines Briefes aufgesetzte Gegenerklärung bildet den Schlufs des Druckes
der „Gesprecho." — Von den Unterredungen berichtet kurz auch D. Lilie
S. 263, der die Predikanten bereits am 29. November beim Bischöfe in
Iburg eintreffen läfst Er irrt, wenn er angiebt, dafs auch der König in
Allem verhärtet geblieben sei.
*) Richtiger wohl am Mittwoch nach Antonius, am 19. Januar, wie
das Flugblatt „Des Münsterischen Königreichs . . . An- und abgang' Bl. A2
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Anno 1536 acta. 871 .
martjri sacra et 22. lannarii^ in carcere asservantnr. Ante
curiam vero ex tribus curribus roboreis asseribus contectis scena
ac theatrum extruitur^, ut sit locus editier et a populari con-
cnrsn remotior; in cnins medio palns nnmellas versatiles affixas
habens eminet, unde ad altitadinem nnius cnbiti snpra asseres
transversnm extat lignnm, cni snpplicio adindicati didnctis crn-
ribns insideant.
Eex"* pridie, quam publice indicio sisteretur, interrogatns, (21. Jan.)
cnperetne ecclesiasten, qni se scriptura sacra consoletur et cum
quo de salutis aetemae negotio, cum postridie moriturus sit,
serio agat, respondet se iUud magni beneficii loco habiturum, si
dominum loannem a Siburgh, principis sacellanum, ad se coUo-
(Zeitschr. 27 S. 269) angicbt, welches hinzufügt, dafs am folgenden Tage
mit den Gefangenen Verhöre angestellt wurden (die Bekenntnisse sind ab-
gedruckt M. G.-Q. II, 398 flf.). l^en 19. Januar als Tag der üeberführung
nach Münster nennt auch I). Lilie S. 264. Ant. Corvin giebt in seinem
Briefe an Georg Spalatin kein Datum, Herm. Hamelmann S. 1295 nennt
den 20. Januar. Ganz irrig läfst H. Dorp Bl. G 3^ das „umbfuren'* „bifs
auf Purificationis Marie* (8. Febr.) 153«) dauern.
*) In den Abschied des Tages zu Worms vom 20. Nov. 1535 war
auch die Bestimmung aufgenommen worden, den Bischof durch seine Ge-
sandten anhalten zu lassen, den Gefangenen „ir geburlich straff furderlich
widderfaren zu lassen, und sie lenger gefencklich nit zu halten,
sorg und kunfftige geferligkcit irenthalben zu verhueten und ferrer be-
schwerlichen nachtail und schaden zuvorkumcn." Im Dezember schrieb denn
auch der Bischof aus Iburg dem Erzbischofe von Köln und dem Herzoge
von Cleve, dafs die Hinrichtung für den Januar 1536 bestimmt worden sei.
Es scheint auf einigen Seiten Neigung vorhanden gewesen zu sein, wenig-
stens den König noch länger in qualvoller Haft zu behalten. Denn die
Instruktion, die der Erzbischof von Köln am 11. Januar seinem Gesandten
Ambrosius v. Virmunden nach Münster mitgab, schliefst mit den Worten
(Kopie im St.-A. M.): „Salt auch vor guit angesehen werden, das der ver-
meinter konig nit alsbalde umbzubrengen, sonder zum spiegell der weit ein
zeit lanck, als ungeverlich ein viertheill oder halb jar, in einem weitheren
oder gerumen korbe, darinnen er sich legen mocht, mit gekurtzter zunge
ufgehangen und biss zu der zeit, das er entlich gerechtfertigt werden sult,
doch kummerlich emert und erhalten werden sult, dasselb soll uns nit
zuwidder sein."
^) So nach dem „. . . An- und abgang" a.a.O. Vgl. auch I). Lilie S. 265.
*) Das Folgende ist teilweise wörtlich dem Briefe Ant. Corvin's an
G. Spalatin Bl. 0 1 entnommen. Corvin war bei der Hinrichtung zugegen.
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872 Anno 1536 acta.
qnil cansa admittant. Hnins itaqne opera per totam noctem
USUS est. A quo ita permotns et immntatns est, ut nihil praeter
suam impietatem, caedes, rapinam, impudicitiam aliaqne flagitia
defleret et detestaretnr seque decies mortem acerbissimam com-
memisse diceret ac omnes errores snos praeterqnam de baptismo
et humanitate Christi privatim in carcere revocaret*; qnod idem
erat publice facturus, si licuisset. Nam cum metuerent ipsum
"p. 628. ea in vulgus sparsurum, unde maioris mali occasio fuisset *orta,
non sunt passi tempore supplicii ipsum publice loqui. Sibi
quoque dolere dixit, quod Lantgravii saluberrima consilia saepe
pro nihilo duxerit et arroganter contempserit*. Praeterea se
optare, Divaram uxorem suam simili poenitudine conunissorum
flagitiorum duci*. Et cum Siburgh se id illi renunciatumm di-
ceret: „Nequaquam,*' inquit ille, „tibi ista dicenti credet, neque
facile illi persuadebis me doctrinam meam tanquam erroneam
recantasse, nisi certo signo id a te probetur." Eefert ergo hoc
signi loco, quod illa tenente lumen pediculorum inguinariorum
*) „Qui" (Johann v. Syburg), schreibt Ant. Corvin, „postea ad
nos rcversus mlram fuisse miseri hominis poenitentiam renuntiavit, adeo,
ut etiam ingenue confcssus sit, si docies occidi possit, mortem certe decies
nieritum esse se; et tamen induci non potuisse, ut eirorcm de baptismo a**
humanitate Christi recantaret/ Die Unterredung mit dem bischöflichen
Kaplan erwähnt auch der „. . . An- und abgang," nennt aber den Kamen
nicht. ^Auff solche des Gapplans handlung/ heifst es dann, „hat sich der
König als geirret bekent, sein handlnng berewet und als unrecht, das kein
grundt hab, widerrufft, sich auch zu dem rechten heiland Christo bekert,
im zu helffen und seine sünd zu verzeihen angerufft.*' Vgl. dazu Herrn.
Hamelmann S. 1295, der hier neben Johann v. Syburg auch noch einen
Kaplan Stephanus Krontingius Dulmoniensis anführt, der identisch ist mit
Steffen Crumtunger, welcher nach D. Lilie S. 274 «ein lesemeister tom
Barvoten im cloister to Munster is gewest." Er trat später zu St Johann
in Osnabrück energisch gegen die Päpstlichen auf und wurde hernach Fastor
in Petershagen (s. Herm. Hamelmann S. 1136 und C. Stüve: Gesch. des
Hochstifts Osnabrück Tl. 2 [Jena 1872] S. 87 f.).
*) Nach Ant. Corvin' s Brief hat der König noch gesagt: ^Quod
si praesens Landgravius esset, suppliciter se eins delicti veniam oraturum,
id quod nunc a Corvino ac Kjmeo, quam primum in patriam redeant,
fieri cupiat."
") Dieses und das Folgende berichtet nur Kerss. Danach hätte man
dem König, was wenig wahrscheinlich ist, den Tod der Divara verschwiegen.
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Anno 1536 acta. 873
latibnlmn, nempe pnbeni snam, abraserit. Per totam ergo noctem
domini Siburgi colloquio et consolatione rex fruitur. Alii vero
a sacerdotum colloquio abhorrent praesentiamque eorum aver-
santnr^ sibi Patris coelestis praesentiam sufßcere dictitantes.
Inde post octavam horam antemeridianam die 22. lannarii 22. jan.
portis oppidi conclusis captivi a carceribus ad fomm producuntur,
ibique scenam extructam scenicus ille rex cum suis aulicis ascen-
dens provolvitur in genua Patremque suo more iteratis vocibus
invocat*. Hinc surgentes circumspectant, nunc carnificum tur-
bam, nunc palum numellarium locumque supplicii, nunc prin-
cipem in aedibus lodoci Holthufs ex adverso sedentem^, nunc
populum circumfusum, nunc ferreos duos focos et carbones pru-
nasque candentes ipsis impositas, nunc forcipes quatuor ipso
etiam aspectu horribiles, nunc turrira Lambertinam, ad quam
ferreis receptaculis post supplicium inclusi pasturi alites coeli
suspenderentur, miserrimo vultu intuentur. Interea carbones
foUium flatu a spiculatoribus excitati strident crepitantque, ac
forcipes foculis impositae excandescunt. Joannes Wesselingk,
iuris licentiatus ac iudex urbis, cum assessoribus Hermanne
Herden ac Melio Herten aliisque iudicii ministris theatrum con-
scendit* atque ibi captivorum causa iudicaturus pro tribunali
') So auch bei Ant. Corvin und im „. . . An- und abgang."
-) Die Angabe der Tageszeit „umb 8 uhr ungeferlich vormittag**
findet sich in dem „. . . An- und ahgang," ähnlich bei D. Lilie a. a. 0.
Auch berichtet das Flugblatt von dem Schliefsen der Thore. Doch geht
aus den Quellen hervor, dafs, im Gegensatz zu Kerss.'s Schilderung, die
Hinrichtung der Gefangenen nicht zu gleicher Zeit Statt fand, sondern
erst Johann v. Leiden gemartert und getodtet ward, dann Enipperdolling
und zuletzt Krcchting. Ausdrücklich sagt besonders der „. . . An- und ab-
gang,'* man habe sie „vom leben zum todt bracht je einen nach dem andern,
das keiner, wes todts sein mitgesello umbkommen odder mit
ime gehandelt worden, wissens gehabt."
^) Nach dem „. . . An- und abgang" ist am 19. Januar „auch der
Bischoff von Münster sampt den Kölnischen und Gülchischen Rathen und
gesandten ungeverlich mit 3 hundert pfcrden auch zu Münster eingeritten."
Dieses Flugblatt ist wohl die Quelle für Job. S leid an a.a.O. fol. 158 ge-
wesen, dem wieder H. Hamelmann S. 1295 folgt. Sonst ist die Anwesen-
heit des Bischofs in den gleichzeitigen Quellen nicht besonders erwähnt.
*) Die Namen des Richters und der Beisitzer nennt nur Eerss., der
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874 Anno 1536 acta.
insidet. Continno rex accosatur, qnod in Denm et magistratnm
deliquisset, errores anabaptisticos conciliis sanctoram Patmm et
legibus civilibns damnatos resuscitasset, sacramenta omnia con-
taminasset, templa et aedes sacras dirnisset et diripuisset, sacra
profanasset, seditionem concitasset, magistratnm legitimnm deie-
cisset, se propria anctoritate substitnisset et contra ins conminne
regem fecisset maiestatisqne crimine se contaminasset, cives
•p. 629. Omnibus *bonis exutos nrbeqne eiectos in Inctuosnm exilinm
profligasset, qnae omnia tarn sint manifesta ac omnibus per Bo-
manum imperium tam snpremi quam infimi ordinis hominibns
ita sint nota, ut probatione nuUa egeant. Eespondet ^ se qnidem
magistratnm, non autem Denm offendisse. Quasi vero non offen-
dat Denm, qui ordinationem illius contemnit et evertit! Äna-
baptismum autem et seditionem a se in pemiciem magistratns
commotam atque laesae maiestatis crimen confitetnr. Quare
morti adiudicatur. Propter eadem quoque propemodum flagitia
KnipperdoUingus ac Krechtingus mortis sententia condemnantur K
Continno carnifices regem primum numellis inclusum et
palo alligatum candentibus et ignitis forcipibus corripiunt et
musculosas in toto corpore camium pulpas apprehensant, quae
ad singulos tactus manifestam flammam emittunt, unde tantns
exhalat foetor, ut omnium in foro stantium nares graviter oflFen-
derentnr. Simili poena et reliqui afficiuntur ; intolerabilius tarnen
et impatientius cruciatus istos perferre visi sunt, quam rex ipse ;
pluribus enim lamentis et vocibus dolorem t^stantur *. Knipper-
sich im Folgenden sonst wieder teilweise wortlich an Ant. Corvin's Brief
Bl. Cl^ anschlicfst. Auch D. Lilie a.a.O. meldet, daTs die Gefangenen
„vor dat recht unde richtestoil gehracht^ wurden, „dar se mit ordelen unde
rechten tom smeliken unde vorschreckliken dode vorordelt.*
*) Von hier his zum Schlüsse des Absatzes wörtliche Anklänge an
den Brief Ant. Corvin's.
*) Ant Corvin: „cum ob eadem crimina accusarentur neque in-
fitiari, quae designarant, posscnf
') Ant. Corvin schreibt über den König: „Non hie dicam, quanta
fortitudine in perferendis cmciatibus istis usus sit; neque enim vel vocem
emisit doloris tcstem." Von KnipperdoUing sagt er: „. . . qui tarnen ad
palum deligatns, an aliquid locutus sit, nescio. Gerte qui non tam procul
a supplicii loco aberant, quam nos, dixisse eum ferunt: Deus propitius esto
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Anno 1536 acta. 875
dollingus autem cum horrendi crnciatus aspectu territus obstn-
pesceret, subsidens nnmella, qna alligatus stipiti fuerat, guttur
elidere et mortem maturare contendit. Quod cum carnifices sen-
tirent, ipsnm erigunt et restim per os hians inter dentes ita
ductant, ut neque subsidere neque gulam frangere neque se re-
presso spiritu et vocali arteria clausa suffocare possit'. Post
diuturnnm supplicium cum adhuc viventes palpitarent, guttura
candente forcipe compiunt ignisque fervore constringunt pariter-
que sicam in pectora singulorum, quanta vi possunt, adigunt,
ut vulnerata vitae sede citius occumbant ^ Inde cadavera eorum
ad coemiterium Lambertinum devecta corbibus seu fiscellis fer-
reis et cancellatis imponuntur numellisque quibusdam erecta in
iis sustinentur et supremae parti turris Lambertinae ad latus
australe ita affiguntur, ut rex in medio eminentiorem locum,
reliqui vero utrinque humiliorem obtineant, ubi etiam nunc in
perpetuam rei memoriam carne et ossibus absumptis corbes
mihi peccatori ! Alias inter cniciatus perpetuum silentium fuit.* „Postremo,"
fährt er fort, „Krechtiiigus eodem supplicii genere periit, quem adhibitis
forcipibus bis: 0 Pater, o Pater! exclamantem audivimus." — Ausführlicher
berichtet der „. . . An- und abgang," dafs das Martern des Königs eine
Stunde oder länger gedauert hätte. „Und dieweil/ heifst es dann weiter,
„man den König also gemartert, hat er drei griff mit der zang erlitten,
nichts geredt oder geschrihen, darnach aber stetigs mit solchen Worten zu
Gott gerufft : Vatter, erbarm dich mein ! Gott umb gnad . . . und hülff an-
geruffen. Do er aber seins lebens nit lang zu sein empfunden, riefft er:
Vatter, in dein hend bevelh ich meinen geist! und also sein ende genom-
men/ Von Knipperdolling und Krechting wird dann aber erwähnt, wie sie
„sich in der marter gar nicht bekeren wollen, sondern auff irem fümemen
stracks beharrt und nach irem gebrauch nur den Vatter, wie sie ine ge-
nent, angeschrien. Hat auch ir keiner nichts sonders geredt, vileicht aufs
grofser marterxin der gefencknuss, das sie mehr eim todten, dann eim le-
bendigen gleich gesehen worden, und ir leben also geendet." — D. Lilie
S. 2H5 bietet nur die sonst nicht berichteten Einzelheiten, dafs dem König
„dorch de mundt eine starke linen getogen" ward, und dafs Knipperdolling
und Krechting „swarer und dapperer worden mit den glonigen tangen an-
getastet, als de koninck.**
') So berichtet nur Kerss. — ') Das schliefsliche Durchstofsen der
Brust meldet der „. . . An- und abgang" (danach auch H. Hamelmann
S. 12%), D. Lilie a.a.O. und C. Heresbach S. 28.
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876 Anno 1536 acta.
affixae conspiciuntnr ^ Forcipes Tero, qnibns excmciati sunt, in
colnmnis domus senatoriae snspensae in medio foro visnntnr ', nt
seditiosis et magistratni legitimo non parentibns sint exemplo
et terrori.
Post haec clerus et cires certatim maiori studio templormn
reparationi et divini cultus restaurationi, qnam homines iUi de-
^p. 630.plorati de*structioni et abolitioni int^nti in hoc potissimnm in-
cubuere, ut parietibns adhuc fere integris tecta snperimponerent
et divina ofScia quasi postliminio matore revocarent, deinde ea
paulatim intns repararent, qnae ad pristinnm decus pertinebant,
postremo suis rebus reparandis animum adiicerent*.
Princeps etiam id sibi studio habet, ut certa recuperatae
civitatis politiae forma constituatur et a futuris malis sit tuta.
') Die Körbe hingen an dem Turme bis zu dem Abbruche desselben
im Jalire ISSI und werden noch jetzt bewahrt. Aus der Dortmunder Do-
minikanerchronik des 1 6. Jahrhunderts teilt J.Hansen in den „Chroniken
der deutschen Städte" Bd. 20 (Leipzig 1887) S. 429 Anm. 2 die Notii mit:
„Anno ir>35 in Tremonia fabricate sunt tres sporte fcrree a magistro Bcr-
toldo Smet, in quibus suspcndendi erant rcx Monasteriensis et Enipper-
dollink et pastor in Gildchusen. Rcgis sporta in libra 4 wagen iserens
minus 13 talenta (libra centum talenta). Anno 1536 his sportis innectun-
tur." Als Ende 1535 der Gesandte des Rates der Stadt Strafsburg Bern-
hard Wurmbser, nachdem er in Bevergem mit Johann v. Leiden eine L^nter-
redung über dessen Verhältnis zu Melchior Hofmann gehabt hatte, auch
nach Münster kam, berichtet er von dem Korbe, „darin der Eonig getan
werden sol^^: „der ist höher, dann ein langer mann, ist dry spannen wjtt
und stark mit isen wie ein gettor gemacht, und ein tier dran." (Siehe F. O.
zur Linden; Melchior Hofmann [Haarlem 1885] S. 461 f.)
*) Vgl. D. Lilie a.a.O. Sie werden noch heute gezeigt
^) So sagt auch D. Lilie S. 266 f.: „Dama . . . begunnen dat dom-
capittel unde alle vorodenthen der anderen kercken uude cloisteren wedder-
umb to reinigen unde to bouwen de kercken unde cloisters, dar groit schade
inne geschein ..." — Schon am 15. Sept. 1535 schrieben die Stiftsherren
zu St. Mauritz, indem sie den Bischof bitten, die Eröffnung der Kirche
und die Wiedereinführung des Gottesdienstes zu gestatten, sie h&tten er-
fahren, „wie i. f. g. und derselvighen i. f. g. verordenthen bevelhebber in
der Stadt Munster hebben vorwilliget und . . . verloveth, dat de coUegia ock
de kerspels kercken . . . wedderumb tho betteren und upthorichten vorge-
nommen und angehaven," wie das denn auch am 19. Juli in Neufs be-
-schlosscn wäre. Vgl. oben S. 859 Anm. 3. Zur Sache s. auch L. Keller
in der „Historischen Zeitschrift" Bd. 47 S. 445 f.
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Anno 1536 acta. 877
Proinde consentientibns reliqnis dioecesis ordinibns ad 24. diem 24. jan.
lannarii dioecesana comitia in loco antiqnitns consneto, nempe
Laerbroeck, habenda indicit. Ad qnem cum convenissent \ yariae
dioecesis difficnltates, onera et molestiae a principe proponuntnr;
qnae cum in consnltationem pnblicam producta fnissent accn-
ratinsque examinassent, utile visnm fnit consnltantinm multi-
tndinem de more in compendinm contrahere, nt certins aliqnid
super bis decernatur. Designantur itaque omnium ordinum vo-
luntate viri graves et apprime nobiles, videlicet generosus comes
Amoldus de Benthem ac Steinfordia, Gerardus Morrien, hip-
parchus, Amoldus de Baisfelt, Bernardus de Westerbolte ^, Gode-
fridus a Schedelichen, loannes a Mervelde, Conradus Ketteier,
Bodolphus a WuUen, loannes a ßueren, Henricus SchencWnck,
loannes ab Asbecke ac loannes a Dincklage. In hos omnem fi-
gendi statuendique auctoritatem et potestatem ordines transfun-
dunt seque ratum habituros, quicquid dioecesis nomine in bis
difficultatibus decreverint, poUicentur.
Primum ergo, cum imperii Status in superioribus comitiis
Wormaciensibus in feste Omnium Sanctorum habitis decreta
principi et toti dioecesi adversa, onerosa et propemodum into-
lerabilia fecerint ediderintque, quae etiam legati imperii nomine
die 5. Martii^ a dioecesi sint exacturi, cum principe illique a
^) Kerss. giebt im Folgenden in oft wortgetreuer Uebersetzung die
Urkunde wieder, durch welche die Stände des Stifts am i^9. Januar 1537
die in den ersten Monaten des Jahres 1536 von der Landtags-Eommission
in Gemeinschaft mit dem Bischöfe und dessen Räten getroffenen Verein-
barungen über die Errichtung und Unterhaltung des Blockhauses und über
die bürgerliche Ordnung in der Stadt bestätigten. Die Urkunde (Orig. im
St.-A. M.) ist vollständig abgedruckt bei J. Nieser t: U.-S. I. S. 245 ff.
Der von Eerss. erwähnte Landtag tagte vom 24. bis 29. Januar 1536 erst
auf dem I^aerbrok, dann in Münster. Auf demselben (Kopie des Abschiedes
im St.-A. M., Landtags-Akten) ward, abgesehen von anderen hier nicht in
Betracht kommenden Dingen, nur die Erwählung der Kommission be-
schlossen, der die weitgehendsten Vollmachten erteilt wurden. Sie war
allein aus Mitgliedern des Eitterstandes zusammengesetzt. Ueber die dann
folgenden Verhandlungen, die zu den von Kerss. nach der oben angegebenen
Urkunde mitgeteilten Festsetzungen führten, habe ich Akten nicht gefunden.
*) Kerss. läfst hier folgende Namen aus: Joest Korff, Johann van
Baisfelt to Baisfelt, Bemdt van 0er.
») Vielmehr am 13. März (s. oben S. 868 Anm. 2).
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878 Anno 1536 acta.
consillis et capitnlo commnnicato consilio secnm deüberent, qni-
bns fandamentis et rationibus ea decreta enervent ac toUant
oneraqne a dioecesi optimo iure amoveant; inde, qnae in nrbe
recnperata politia qnaeque propugnacnli ad inturam oppidanomm
rebellionem coercendam fonna erigenda sit, deliberate consultent.
Hoc conventu dissoluto princeps, capitulum et ex militari
ordine delecti nrbem Monasterinm ingressi de rebus sibi publice
commissis exactius Consultant; et primum quidem, quid legatis
seu commissariis imperii 5. Martii ^ respondendum sit, decemunt.
Quod habes suo loco. Hinc cum penitius expendissent, ex quibus
'p. 681. causis superioribus annis *in civitatem Monasteriensem religionis
causa variae, multiplices et praefractae novationes irrepserint,
unde conspirationes, factiones et Schismata, tandem detestabilis
et horrenda anabaptistarum secta, publica seditio et manifestum
bellum a violentis urbis detentoribus adversus principem et dioe-
cesim excitatum sit, — principem itaque et obedient^s subditos,
ut non solum patriam suam a vastitate et bona sna a deprae-
datione seque a certissima clade et exitio vindicarent, verum
etiam ut haec provincia et Germania christianusque orbis ab
anabaptistica contagione, seditione et intemecione incolumis prae-
servaretur, necessario ad arma confagisse, exercitum magnis sump-
tibus comparasse, urbem obsidione cinxisse, rebelies in ea con-
clusisse, eruptiones arbitrarias compressisse sectamque horren-
dam, ne latius serperet, coercuisse, unde eximiae calamitates,
sanguinariae caedes, horrenda et inaudita flagitia ac miserandae
vastitates in urbe secutae sint, quibus rebus oppidani principem,
dioecesim omnesque subditos in irrecuperabilem iacturam prae-
cipitaverint atque detruserint, praesidio tamen, ope et consilio
principum ac amicorum initium obsidionis et postea ordinum
imperii auxilio totum bellum ac obsidionem pertulisse eoque pro-
duxisse, ut tandem manifeste Dei beneficio et munere civitas sit
recnperata ac in potestatem obedientiamque principis redacta.
Quare, ut haec civitas et eiusdem innocentes incolae superiorum
flagitiorum et exulceratissimi praesentis temporis ratione habita
per gratiam Dei et matura consilia posthac in bona politia, obe-
dientia concordiaque regantur, ne simile quid in posterum con-
*) Viehnelir am 13. März.
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Anno 1536 acta. 879
tingat, princeps, capitnliun et delecta nobilitas unanimi consüio
necessarium esse iudicarunt, nt in commodum et conservationem
arbis totiusqne patriae propngnaculam in ea excitetur, mnni-
tionibns, praesidiis aliisqne rebus necessariis ita firmetnr, nt
futurae rebellionis sit repagulnm et hnins metu oppidani in
officio contineantnr.
Sequuntnr articnli de propngnaculo extmendo, mnniendo
firmandoque :
„1. Propngnacnlnm seu castellnm in commodo et apto nrbis
loco de consüio capituli et nobilitatis huins dioecesis ita con-
stmetnr, ut minimo praesidio et tolerabilibns impensis snsten-
tari queat^.
2. Si hnins arcis stmctura in eam amplitndinem proten-
datnr, nt yicinamm aedinm demolitione opus sit, princeps atqne
dioecesis instnm eomm pretinm possessoribns reddet.
*3. Media pars omninm proventnnm nrbis tarn ex male-»p. 632.
ficiis et friegraviatn Sendano aliisqne praediis ad civitatem per-
tinentibns qnam ex indicio profane collecta in snstentationem
hnins arcis conferetnr. Si vero hi snmptns non snfifecerint, prin-
ceps* alinnde de sno necessaria hnic arci prospiciet.
4. Praefectns hnins arcis erit dioecesis 'Monasteriensis in-
digena, de militari ordine, dives* et ad eam administrationem
idonens ; se snamqne fidem principi, capitnlo et nobilitati inre-
inrando atqne antipocha astringet, neque hie a solo principe
sine capitnli et nobilitatis^ consensn inanctorabitnr neqne ex-
anctorabitnr^
') „Und sali datsulve huss und festunge . . , to einer denligen, wal-
gelegen platz gebouwet und besatt werden, dair to etlige verordent, de
sulche gelegenheit besichtigen und ordenung stellen sollen, dat hues der-
maten intotehen und schicklich to festen, dat sulye mit den wenigsten Un-
kosten, personen und knechten to bewaren sy/
*) „. . . dat de gebreck van des ampts to Wolbecke off anderen unses
gnedigen hern ampteren alssdann verschaffet und erfüllet werde."
^) „. . . in stjfft genochsam und wall beervet und begudet/
*) „off eren dair to verordenten."
*) Dem Artikel ist noch hinzugefügt: „mit dem anhange, wanner
geborlige und nodige orsaken voirfallen edder des bevelhebbers gelegenheit.
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880 Anno 1536 acta.
5. Hie praefectus ins, iurisdictionem et constitutiones prin-
cipis in nrbe fideliter tntabitnr ac defendet. Ac omnes bom-
bardas in recnperata nrbe inyentas, qnae rotis yehnntnr, in
hanc arcem transferet eammqne qnam diligentissimam cnsto-
diam recipiet.
6. Princeps illinsqne successores episcopi ad arbitrinm
snnm hnc accedendi recedendiqne potestatem habebnnt; et prae-
fectns praesente principe non minorem arcis cnram, qnam illo
absente aget. Neqne princeps neqne snccessores illins nUos pere-
grinos principes, dominos ant proceres ad hanc arcem secnm
addncent, qni mnnitionnm rationes contemplentnr. ^ Si etiam
nllo tempore in civitate seditio ant motns excitatns fnerit, neqne
eapitnlo neqne nobilitati ad hanc arcem fagientibns accessns
praecludetnr.
7. Si inter principem et dioecesis ordines vel alios qnos-
cnnqne dissensio ant contentio nlla snboriatnr, praefectns arcis
nentrins partes fovebit receptabitve ^
8. Princeps * eam religionem, qnam sibi imperator et im-
peratorii ordines in snperioribns comitiis imposnemnt, in sna
dioecesi tntabitnr neqne a recessibns Wormatiae a statibns im-
perii et Novesii a Coloniensi et Clivensi habitis^ recedet
9. Haec arcis stmctnra et articnli ad civitatem, praefectnm,
snstentationem et praesidinm arcis pertinentes et haec amplior
qnam snperioris temporis ante motnm anabaptisticnm potestas
in principem einsqne snccessores iam coUata privUegio dioecesis
antiqnitns observato nihil detrahet, nihil derogabit*, neqne
dat ampt to yerlaiten, erforderen werde, alssdann gjnen anderen in de
Stadt des erloveden affgetredden itziger mathen npthonemen und intosetten,
de 8j dann voir erst by des yorigen staenden plichten mith gelickmetigen
eide und gelofften gebunden, und dair over breifflich orkund und reverfs
gegeven.**
^) Hinzugefügt ist noch: „Und so seine f. g. mit einen van den
stenden to uneinicheit qwemen, sali sich seine f. g., dergelyken de stende
mit up- und affriden des husses entholden, und in den saken vermöge des
privilegii gehandelt werden." — *) „mith der landtschap." — *J S. oben
S. 796 Anm. 1, S. 809 Anm. 3 und S. 864. — *) „zunder dataulve Privi-
legium in siner macht und herkommen gebrueck aller dinge bliven, hir-
mede innovert, bestedlgt, vemuwert zin und geholden/
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Anno 1536 acta. 881
ordinibus hnius dioecesis per has novas constitntiones qnicquam
iuris decedet, praeterqnam qnod per principem et dioecesim
necessario in articnlis ad civitatem pertinentibus constitutum et
decisum est.
*10. Si propter seditionem et motum in vel extra urbem^p. 633.
exortum amplioribus praesidiis * arx opus habeat, praefectus ab-
sente principe a satrapis dioecesis praesidium ad rem praesentem
necessarium exiget, nee sibi id denegabitur.
1 1 . Contra haec orania a principe et dioecesi constituta
et decreta, quae ad civitatem Monasteriensem peri^inent, neque
consules neque senatus neque cives incolaeve sub poena periurii
et Ultimi supplicii quicquam attentare praesument aut attentari
sine auctoritate et consensu principis totiusque dioecesis per-
mittent."
Articuli boni regiminis et politicae ordinationis civitatis
Monasteriensis *.
„Ad evitandam futuram seditionem et inobedientiam, quae
Dens clementer avertat, et revocandam, constabiliendam ac reti-
nendam pacem, obedientiam tranquillitatemque inter cives ac '
incolas civitatis Monasteriensis, ad conservationem eiusdem ac
salutem totius dioecesis, utque boni tutiores sint et ab oppres-
sione malorum defendantur et civitas posthac divina gratia et
benignitata hoc maxime exulceratissimo ac fraudulentissimo sae-
culo in pace et tranquillitate et optimo statu melius ac con-
stantius conservetur, unanimi consilio principis et dioecesis struc-
tura arcis seu propugnaculi est decreta. Inde articuli subse-
quentes ad senatum et regimen dictae urbis pertinentes senatui
designato traditi sunt dominico die Misericordias Domini \ 30. Aprii.
1. Principio senatus designabitur ex duodecim patriciis et
') „mit meren luden van der ridderschap.**
'-) Diese „Artikel der Ordnung guden regimentz und bürgerlicher
polizei in der stat Munster . . . mit wetten gemeiner lantschap beslotten
und den verordenten raitzpersonen schriftlich overgeven am Sondage Miseri-
cordias Domini anno 36" sind aufser bei J. Niesert a.a.O. S. 256 ff.
noch abgedruckt bei V. N. Kindlinger: Münsterische Beiträge zur Gesch.
Deutschlands Bd. 1 (Münster 1787), Urkunden S. 294 ff.
«) 30. April.
32
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882 Anno 1536 acta.
duodecim aliis ditioribus civibus* notae originis et vitae pro-
batae. Atqne M viginti quatuor senatores et duo ex llis con-
sules primum per principem de consilio capituli et nobilitatis*
constituentur.
2. Hi viginti quatnor senatores habent potestat^m posthac,
ubi opns fuerit et necessitas postulaverit, ex consilio, arbitrio et
auctoritate praefecti arcis^ duos consules ex supradicto numero
eligendi; ea tarnen lege electio rata erit, si princeps eins flat
anctor.
3. Utile qnoque visum est, nt hi viginti quatuor consules
et senatores perpetuo sua officia retineant neque, quamdiu ho-
neste inculpateque vixerint, iis destituantur; si vero aliquis
eorum sui amovendi legitimam occasionem dederit, a magistratu
excludi, alius idoneus* substitui debet cum consensu praefecti
et principis auctoritate.
•p. 634. *4. Quoties etiam horum quis inorte sublatus aut morbo
sontico aut alia iusta causa, quae excusationem meretur, impe-
ditus muneri sibi imposito superesse non possit, in huius locum,
ut in superiori articulo dictum est, alius surrogabitur.
5. Consules et senatus civium suorum civiles controversias
pereconditiones utrinque tolerabiles familiariter transigent. Sin
id fieri nequeat, pro personarum qualitate causam ad suum tri-
bunal remittent.
6. Princeps in iudicio profane iudicem, duos e senatu asses-
sores reliquosque ministros constituet certasque iudicandi et li-
tium forensium mature decidendarum formas praescribet.
7. Cives ac incolae civitatis anabaptismo non contaminati
sine cuiusquam intercessione, impedimento et interturbatione ad
possessionem suorum bonorum admittentur *.
8. Quanquam princeps iustissima de causa et iure quidem
omnes civitatis proventus sibi in sustentationem novae arcis*
vindicare queat, singulari tarnen benevolentia et gratia dimi-
*) „van fromen, begudeden borgeren." — *) „off eren dair to ver-
ordenten." — ") „in bisin, ock mit raide . . . des stadtholders.* — *) „uth
welchem stände dat alfsdann nodicb." — ®) „und ruwlich bliven." —
®) „so bes to wideren des fürst en tor tidt und gemeiner Munsterscher lant-
schap eindrochtigen bescheide gelacht und bestalt werden sali."
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Anno 1536 acta. 883
dinm eorum civitati relinquet, unde aes alienum exolvat reliqna-
que onera perferat et snstineat praeter id, qnod ad arcis snsten-
tationem in superioribus articnlis destinatum est.
9. Archidiaconis nihil iuris et iurisdictionis antiqnitus in
oivitate habitae et nsurpatae hac ordinatione adimetnr.
10. Cum, nt superius dictum est, dimidium proventnum
civitati ex gratia relinqnatur, consules et senatns cum consensu
praefecti arcis officiorum urbis administrationes fidelibus et con-
spicuae probitatis viris principi et reipublicae Monasteriensi iu-
ratis concedent et re ita exigente ab iisdem officiis removebunt
aliosque substituent. Atque hi in interregno post mortem prin-
cipis ad novi episcopi designationem eiusque coniirmationem
capitulo et militari ordini simili iureiurando obstricti erunt et
suo tempore cum oeconomo principis coram arcis praeside prae-
sentibus Qonsulibus et senatu administrati ofScii exactam ratio-
nem reddent.
11. Arcis etiara praeses et senatus universae civitatis sta-
tum accurate perscrutabuntur et omnium circumstantiarum ra-
tione habita ad concordiae et publicae utilitatis conservationem
leges politicas et municipales emendi^ vendendi, contrahendi
commerciaque uberioris commodi gratia miscendi in civitate
constituent.
1 2. Cum exploratissimum sit, quod per sodalitia, consocia-
tiones, confoeMerationes atque conventus tribuum atque plebe-*p. 635.
arum curiarum omnis seditio, factio, abusus et inobedientia in
civitatem Monasteriensem irrepserint *, ideoque curiae et tribus
cmnes in urbe tollentur penitusque abrogabuntur neque unquam
restituentur. Praeterea, ut futuris motibus omnis occasio prae-
cludatur, neque clandestini neque manifesti conventus, socia-
tiones, confoederationes civium, incolarum, peregrinorum vel ad-
ventitiorum hominum in civitate perferentur. Si qui vero hoc
decretum contumaciter excusserint, non solum bonis, verum
etiam ultimo supplicio pro personarum et rerum qualitate mulc-
tabuntur.
13. Ad haec, cum ante hnnc superiorem motum civitas
in sex partes, quas leyschoppias vocant, fuerit divisa et distincta,
^) „gcorsaket und vortganck genommen."
32*
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884 Anno 1536 acta.
nt hac ordinatione vigiliae et reliqua clvilia onera et monia
commodias expediantur, eas partes in costodiam nrbis imma-
tatas conservare placnit, hac tarnen lege, nt praefecto arcis, con-
solibns et senatui pareant.
14. Item magister violentiarum ^ designabitur, qni loco
principis praefecto arcis iureiarando devinctus erit. Hie noctur-
nas yigilias aliaqae, qnae ad officinm spectant, ex fide admini-
strabit. Hie noctes diesqne cnm sex lictoribns* tarn principi
quam senatni inratis diligenter providebit et praecayebit, ne
occnlta conventicula, conciliabula, factiones et seditiones in urbe
agantur et concitentur. Penes hnnc etiam erit, si necessitas
postnlabit, omniura partium nrbis vel qnarnndam praesidium
implorare, nt se contra vim seditiosornm mnniant et mali poenas
non eflfugiant. Huic imploratum anxilinm a leyschoppiis non
negabitnr.
15. Nnlli anabaptistarum et seditiosornm, qni in civitate
istins factionis vel auctor vel antesignanns fuerit, neqne prin-
ceps neqne arcis praefectns libemm hnc redenndi commeatnm
concedent. Qni vero innocentiam sibi praesnmnnt, ad snspici-
onis pnrgationem admittqntnr. Si antem qnis seditionis snperi-
oris anctor pnblica sibi data secnritate confisas nrbem ingressns
fnerit, hnic pnblica secnritas rennnciabitnr et ant in perpetnum
exilinm relegabitur ant ad commeritnm snpplicinm rapietnr.
16. Neqne princeps neqne praefectns nrbis inrisdictionem
iudicii gograviatns tarn intra qnam extra nrbem ad clemm pri-
marinm pertinentem tnrbabit neqne illi qnicqnam derogabit.
17. Vinnm, cervisia et qnaelibet annona in nsnm cleri
Primarii comparata citra nllnm incommodnm, portorinm et vec-
"p. 636. tigal importabitnr *in nrbem et exportabitnr. Clems etiam se-
cnndarins privilegio et immnnitate et sno inre non destitnetnr.
18. Si etiam qnispiam militaris ordinis hnins dioecesis
filinm filiamve in civitate Monasteriensi vel in matrimoninm vel
coenobinm coUocaverit, vinnm, cervisiam aliaqne ad eas solnm
nnptias celebrandas necessaria citra portorinm et vectigal in
nrbem advehet eaqne libere nsnrpabit.
^) „Gewaltmester.'* — *) »Botmesteren.**
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Anno 1536 acta. 885
19. Omnium pensionnm et redditunm* ptochotrophiorum
et xenodochiorum praefectus urbis, consules et senatus atque
principis designatus in urbe quaestor ab oeconomis et procura-
toribus earnm domorum singulis annis oportuno tempore ad-
ministrati officii rationes exigent dabuntqne operam in primis
et potissimum, ne bona panperum dilapidentnr neve in alinm,
quam oportet, nsnm conferantnr^
20. Et hoc qnoqne necessarinm esse visum est, nt con-
sules, senatns, cives et incolae iureinrando se obstringant se
nnlli post mortem principis praeterquam capitulo et depntatae
a dioecesi nobilitati usque ad unanimem novi principis electio-
nem et eiusdem confirmationem atque inaugurationem parituros.
21. Singulis diebus^ claves portarum clausa urbe ad prae-
fectum arcis deferentur."
Cum superior haec ad novae arcis structuram et custo-
diam pertinens ordinatio ac civitatis Monasteriensis politiae forma
in hos articulos contracta deliberato* et unanimi consilio con-
stituta et decreta sit, placuit eam omnium ordinum signis com-
munire, primum principis, secundo capituli, tertio Arnoldi co-
mitis Benthemensis etc. pro militari ordine. At cum senatus (1537 jan.)
Monasteriensis tanquam quartus dioecesis ordo pro se reliquis-
que oppidis consignaret, distractus est in partes. Patricii enim
a civibus ad militarem ordinem secesserant* existimantes se
") Ms,: deliberatio.
^) „Van allen upkumpsten, renthen und guderen.**
^) Hinzugefügt ist noch: „des de stadtholder ock in sunderheit ernst-
lich upsicht to der armen besten sali voirwenden, de guder nicht verbracht
off mifsbruket werden."
^) „Iders avcntz na gelegenheit der tith und ordnunge des stadtholders.*
*) Hier und in Vielem, was Kerss. weiter von der Gestaltung der
Dinge in Münster erzählt, deckt sich sein Bericht mit den ausführlichen
Nachrichten einer aus Münster stammenden, jetzt in der Königlichen Bi-
bliothek zu Berlin (Ms. Berufs. Qu. 272) aufbewahrten Chronik mit dem
Titel: „Eine körte antekunge, wes sick binnen Münster nach veravemnge
der Stadt uit der wcdderdoper gewalt in der ersten und lesten restution(!)
hefft begeven und togedragen . . . Anno 1562." Vergl. die Einleitung. —
Den Landtag berührt die Chronik nur kurz. „Do wer," sagt sie, „eyn
lantdach versclireven inne die stadt Munster und wort den raithe Torge-
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886 Anno 1536 acta.
iure ciyinm non magis coerceri posse, qnam militarem ordinem.
Princeps acrius et yehementins instat, nt consignatio fiat. Plebei
vero senatores respondent se perpetuae in sua republica servi-
tntis auctores non fore neqne hoc nnquam commissnros, nt sna
culpa tota civium posteritas in calamitatem ineluctabilem prae-
cipitetur; se ergo articulos in perniciem civilis libertatis factos
nunquam consignaturos, sed postulare potius, nt remisso inre-
inrando se magistratn abdicari clementer patiatur. Eis princeps
persnasione qnorundam angente offensam vehementer exacerbatus
est seque aliam cum civitate viam initnmm aliaque remedia ad-
'p. 637. versus *eam rebellionem cogitaturnm respondet. Quibus verbis
Borchardus Herde, vir antiquae pietatis et fidei civilisque liber-
tatis amator ac superioris responsi potissimus auctor, ita tnr-
batus atque attonitus est, nt domnm regressus in snbitam aegri-
tndinem incideret, quam mors brevi subsecuta est^ Sic utrin-
que exasperatis animis digrediuntur. Nee desunt hie Interim
osores publicae tranquillitatis, qui Gammas adversus civitatem
conceptas tacitis flatibus eiuscitent. Cum itaque senatus Mona-
steriensis consignationem herum articulorum principi negaret.
geven van den forsten, capittell und ritterschafft, dat eyn raith solde dit
mit den huifse und anderen verseggelen. Do treden die erffmans
von den raide und gingen staen by die ritterschafft, dat do
den andern eine grothe swarheit und bedenckent makede." —
Dafs der ganze Vorgang erst im Jahre 1537 Statt fand, ist Ton Eerss.
unbemerkt geblieben.
*) „Und do," heifst es in der „Körten antekunge" weiter, „man upt
hardeste mit drouwinge, oick die furste, up die versegelunge und anders
anhelt, und die radtsherm, welcher van den bürgeren weren, so die erff-
manne afftreden, uff hochgste beangestet, was dar eyner mit, Borchart
Heerden genant, die aide ; desser war eyn dapper, rick, fromer mann. Dei
weddereit, dafs man des nicht bewilligen solde, und holt dar burgemeister
Willebrant Plonies tho, so he oick syn vedder was, dafs he den fursten
und andern anthworden solde: „Gnedige fürst und her! Des uns dar wert
vorgestelt van wegen e. f. g. hoichweisen reden, das können, moeten und
deren wy nicht doen ...; sunder dafs wy das versegelen solden, yfs uns
unmoglick umb unser nachkomelunge tho donende." Und sie begerden aUe
van sine f. g. eyn gnedich verloeff, dat alfso mith grote bitterheit affghinck,
und leith seggen, sine f. g. wolde dar anders tho trachten. Als sie nun
van einander weren, gingk gedachte Borchart Heerde in sin huifs, wort
kranck und starff . . ."
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Anno 1036 acta. «87
utile Visum est, ut pro oppidis totius dioecesis viginti sex no-
biles tabulas articnlomm consignent. Inde hornm articulomm
quinqne exempla einsdem sententiae in perpetnam rei memoriam
et fidei robnr describuntur, quornm primum principi, secundum
capitnlo, tertium comiti Benthemensi, quartum Gerardo Morrien,
hipparcho, nomine militaris ordiyis, quintum consulibus et se-
natui civitatis Monasteriensis traditur*.
luramentum ad verbum translatnm:
„Consules, senatus, cives et incolae civitatis Monasteriensis
vovebunt et lurabunt se principi, successoribus illins, S. Paulo
^) Vgl. dazu den Schlufs der Urkunde bei J. Nies er t a.a.O. S. 266 f.
— Ergänzungen zur Sache bietet ein im Stadt-A. M. erhaltenes Bruchstück
des Münsterschen Ratsprotokolls aus dem Jahre 1537. Danach liefsen
Bürgermeister und Rat am :i6. Januar dem Bischöfe auf dem Landtage
„ein supplication behanden der beswerungc und gebrecke halven, .so enne
an den nagelaten halven deil der stadtz upkompsten gemangelt und deg-
lichs vorfallende sich begeven " Diese Bittschrift blieb unbeantwortet. Der
Rat erfuhr aber, ^dat men darumme handelen wolde, dat die raith de halven
upkompste der stadt Munster up dat bloickhuifs und tho underholdunge
desselvigen versiegelen solde.** Er berief sich in Unterhandlungen mit dem
Dompropst, dem Domscholaster und dem StatthaltcT darauf, dafs schon
die ganzen Einkünfte der Stadt nicht hinreichten, den an Münster gestellten
finanziellen Anforderungen gerecht zu werden, geschweige denn die Hälfte
derselben, „als sich dess uith erer reckenschop, wan dat jair umrae wer,
woU befunden soll werden." In die gewünschte Yersiegelung könne er
nicht willigen. Er bitte, den Bischof zu bewegen, damit so lange zu warten,
bis der Rechenschaftsbericht gegeben worden sei. „Lange wyle" wurde
alsdann die Angelegenheit von Vertretern des Domkapitels und der Ritter-
schaft mit den bischöflichen Räten verhandelt. Bürgermeister und „etzliche
raidtsfrunde" blieben bei ihrem Widerspruche, auch als ihnen vorgestellt
wurde, dafs der Landtag die Sache der Versiegelung als einen Hauptartikel
betrachtete, bei dessen Ablehnung durch die Stadt vielleicht auch die
Durchführung der sonstigen Beschlüsse fraglich werden könnte ; auch würde
sich der Bischof Münster gegenüber in anderen Dingen gnädig erweisen.
Die feste Haltung der Vertreter der Stadt hatte den Erfolg, dafs die bi-
schöflichen Räte schliefslich erklärten, „men wolde mit der versegelunge
befs up ankunfftige erbodden reckenschop verdulden; dess solde de raidt
midtler tyt sich bedencken und up wegge trachten, darmit nichts dewei-
m'ger berurte versiegelunge ein vortganck erlange, desgeleichen wolde myn
g. h. oick dein."
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888 Anno 1536 acta.
ac dioecesi Monasteriensi fidelitatem suam atqne debitnm offi-
cium praestituros, principi ac successoribus episcopis civitatis
ac dioecesis Monasteriensis commodum, emolumentum et salntem
quaesituros ac promoturos, detrimentum vero, damnum et omne
incommodum, qnantnm fieri potest, amoturos, commissuni sena-
torii ordinis officium legitime et ex fide administraturos, in
civitate Monasteriensi pacem, obedientiam, iustitiam et civilem
concordiam habituros et conservaturos, principis et dioecesis
dispositionem et politicam ordinationem in dicta civitate defen-
suros et propugnaturos eidemque parituros neque adversus eam
clanculum palamve quicquam acturos vel agi permissuros, prae-
fecto urbis vel arcis gubernatori in suo sibi officio commisso in
salntem dioecesis, in obedientiae et concordiae civitatis conser-
vationem et tutelam morem gesturos, civitatis curam et patro-
cinium in utilitatem principis et universae patriae suscepturos;
praeterea post mortem principis capitulo primario et militari
ordini huius dioecesis nee ulli alii usque ad concordem electi
principis inaugurationem et eiusdem administrationem obligatos
et inratos fore.'' Haec se omnia fideliter sine fraude, dolo male
et sinistra machinatione acturos recipiunt*.
^p. 638. *Consules et senatores ad curiam episcopi acciti hoc iura-
(Mai.) mentum praestiterunt. Inde omnes cives in campo dominico in
articulos et leges superiores prius sibi praelectas iurant. Eodem-
que iureiurando ipsis impositum fuit, ut senatui praefectoque
urbis et praescriptis articulis pareant, consules et senatum merito
honore afflciant, neque verbis neque factis ullis articulisque su-
perioribus adversentur; si etiam seditiosi aut de seditione suspecti
*) Die Vorlage für diesen Eid habe ich nicht gefunden. Wohl aber
hat sich im St.-A. M. (M. L. A. 518/19 VII. fol. 321) folgender „Eydt
der inwonner und gyner borger" erhalten: „Anfencklich sweren de
in wonner nafolgender wyse : dem hilgen Apostell S. Pauwell als des stjfifts
patron, dem hoichwerdigen unsem g. f. u. h. van Munster und dem styfft
Munster tru und holt t'syne, er beste t'done und argeste tho keren, und
dar se ictzwes in erfaringe bynnen edder buten Munster, dath dem fursten
und styffte tho schaden reken edder tom gemynen uproyr mochte verlopen,
kregen, dath sulve myt erem lyve, gude und blöde so vell mogelyck t'keren,
dat sulve ock to melden und anbrengen an den fursten sulvest eder syner
f. g. bevelhebberen bynnen Munster.**
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Anno 1536 acta. 88)
in urbe emerserint, sub poena capitis et bonorum omnium amis-
sione prodant. Si vero praefectus urbis aut senatus in sup-
plicio seditiosis irrogando tergiversentur, a principe negligentiae
nomine serio pnniendos. Gerardns Morrien, hipparchus, prae-
sent« principe a consulibus, senatu et uni versa plebe hoc ius-
iurandum exigit\
Nomina senatorum e patriciis per principem designatorum:
Bertoldus Travelman consnl, Joannes Bisschopinck aedilis \ Lam-
bertus Bück, Henricus Droste, Joannes Warendorp tzum Evinck-
hove, Hermannus Schenckinck, Arnoldus Drolshagen, Bernardus
de Tynnen, Henricus Steveninck, Eberwinus Droste, Egbertus
Clevorn, Albertus Clevom. E civium numero senatores: Wil-
brandus Plonies consul, Theodoricus Munsterman aedilis, Bor-
chardus Heerde, Hermannus Heerde, Joannes Herdinck, Bernar-
dus Gruter, Gerhardus Averhagen, Joannes Buthman, Bernardus
Grolle, Jodocus Smythus, Jacobus Steve, Hermannus Jonas ^;
Nicolaus ab Affelen pylorus. Beliqua senatoria officia a consuli-
bus et senatu, quem princeps haereditarium esse voluit, con-
stitui permissum est.
Cum porta Judefeldana post urbis recuperationem nondum
reclusa et usus eins civibus necessarius esset, tribus illa apud
clerura primarium 1 3. Februarii ea de re agit. Capitulum itaque is. Febr.
principem interpellans facile impetrat, ut reseretur*.
') Am 2. Mai 1536 zeigen die bischöflichen Räte ihrem Herrn an
(Orig. im St.-A. M.), dafs sie „de ordnunge und artickell mith der stadt
Munster vorgenommen, mit vorgaender erkundigung van wegen i. f. g. 24
raetspersonen erwelet und geordent" hätten. Sie hitten den Bischof, am
3. Mai in Münster einzutreffen, um am 4. Mai die Bürgermeister zu er-
nennen, die Artikel verlesen und den Bürgern den Eid abnehmen zu lassen.
Am 2. Mai antwortete der Bischof aus Fürstenau zustimmend (Konzept ebd.),
') Kämmerer. — ^) Die Namen finden sich im Verzeichnisse der
Münsterschen Ratsherren und Korgenoten im Stadt- A. M. (Ms. I J Nr. 0) nicht.
Die „Körte antekunge** giebt nur die Namen der beiden Bürgermeister.
*) Kopiecn der bischöflichen Schreiben vom 13. Februar 1536 aus
Petershagen an den Statthalter und an das Domkapitel im St.-A. M. Der
Bischof überläfst die Entscheidung über die Eröffnung des Thores dem
Statthalter, der erst eine genaue Besichtigung vornehmen sollte.
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890 Anno 1536 acta.
•p. 639. *Hinc dies 5. Martii instabat*, ad quem commissarii in
(13. Mär».)j.g^ggg^ comitiorum Wormaciensinm designati causa expediendi
imperii decreta legatos Monasterium, uti convenerat, missuri
erant. Princeps itaque totius dioecesis praecipuae auctoritatis
nobiles, abbates aliosque eicellentiores ex clero viros, ne sibi in
rebus perplexioribus consultores desint, huc convocat*.
Cbi autera legati venissent et decreta imperii, ut supra
sunt descripta, principi, capitulo, nobilitati ac urbibus in pu-
blico ibi conventu praesentibus proposuissent atque eorum exe-
cutionem nomine imperii ursissent, princeps ceterique dioecesis
ordines haec in consultationem trahunt atque in hunc modum
respondent*:
Demolitionem propugnaculorum aliarumque munitionum
urbis hac potissimum exulceratissima et infida tempestate, qua
omnia fraudibus, captionibus et imposturis plena sint, non solum
') Vielmehr der 13. März, der Montag nach dem Sonntage Remini-
scere. Vgl. ohen S. SG8 Anm. 2.
*) Aufforderungen zum Eintreffen in Münster ergingen vom Bischöfe
an die Verordneten der Landschaft am 21. und am 2i>. Febr. 15iJ6 (Kon-
zepte im St.-A. M.). Unter dem ersten Konzepte ist vermerkt, dafs auch
jede Stadt einen ihrer Ratsverwandten senden solle. Dem Konzept« des
Schreibens vom 'J*J. Febr. ist das eines bischöflichen Briefes an die Aebte
von Marienfeld und Liesborn, sowie an die Pröpste von Cappenberg, Varlar
und Clarholz hinzugefügt, in dem diese aber nicht zur Teilnahme an dem
Tage eingeladen, sondern nur aufgefordert werden, den Bischof »tegen de
tj'th mith etligen guden gronen visschen" zu „versorgen."
') Die Akten der Verhandlungen befinden sich in mehrfachen Kopieen,
sämtlich undatiert, im St.-A. M. M.L.A. 518/19 IX. foL4ff. Kerss. giebt
nur einen kurzen, ungenauen Auszug. — Ueber die den Reichskommissaren
zu gebende Antwort hatte der Bischof schon am 22. Dez. 1535 in einer
vertraulichen Beratung von Abgeordneten des Domkapitels und der Ritter-
schaft zu Münster Vorschläge eingefordert. Er hatte darauf hingewiesen,
dafs die Wormser Bestimmungen über die Auslieferung der Beute, des Ge-
schützes und der Wiedertäufergüter sowie über die Rückgabe der Selbst-
verwaltung an die Stadt unannehmbar und besonders den Interessen des
Kapitels und des Adels zuwider seien. — Der dann im Januar 1536 auf
dem Landtage gewählte Ausschufs hatte inzwischen die Antwort an die
Reichskommissarien festgestellt. — Ueber einen nochmaligen Versuch des
Bischofs, durch Vermittlung des Landgrafen von Hessen Unterstützung von
Seiten der evangelischen Stände zu erlangen, s. L. Keller in der „Histor.
Zeitschrift" Bd. 47 (München u. Leipzig 1882) S. 450 f.
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Anno 1536 acta. 891
principi, toti dioecesi ac innocentibus urbis Monasteriensis in-
colis, verum etiam vicinis principibus, caesareae maiestati et
toti imperio incommodum allaturam et publicae utilitati pluri-
mnm obfutnram*. Ad haec principi nnllam aliam in tota dioe-
cesi esse munitionem, ad quam periculo impendente tuto con-
fugere possit; neque subditos in villis passim et agris commo-
rantes ab externa depraedatione et hostili oppressione tutos fore,
nisi ad hanc urbem tanquam asylum munitionibus iUius freti
sua bona confidenter convehant eique concredant*.
Porro : dimidiura manubialis pecuniae ex tormentorum bo-
norumqne immobilium a retinctis possessorum distractione col-
lectae legatis imperii esse reddendum, non solum principi, verum
etiam toti dioecesi molestissimum fore et publicum dispendium
allaturum, cum princeps initium obsidionis difficillimum impen-
diis propriis non tantum in suum et dioecesis emolumentum,
sed et in imperii, universae Germanicae provinciae, omnis magi-
a) Ms. : allaturum . . . obfuturum.
*) Zur Sache vergl. oben S. 8(56 f. Die Antwort betont zunächst,
dafs, wenn auch die wiedertäuferischen Befestigungen abgebrochen würden,
Münster immer „noch eine nottfeste statt" sei, deren Einwohner jetzt wohl
wüfsten, „waran es ir mangelt und am meisten feiet," so dafs sie bei einer
etwaigen neuen Empörung „so woll als die weddertauffer vorgethain, sulche
bevestigung kundten oder mochten uffrichten." Wenn aber doch beschlossen
würde, die Befestigungen der Wiedertäufer niederzureifsen, so könne das
vom Bischöfe und der Landschaft niclit ausgeführt werden ; „dan die under-
thanen sein so hoich mit schattzung und diensten beswerdt worden, das
sie lieber alles, was sie im stifiFt haben, verlaissen und des uifsersten ge-
warten, dan solche swere dienste weiter zu thun." Wohl wäre es auch „uff
das höhest von noten, die bolwerck vor der stadt und graben, euch uffge-
worffen ertreich dem anderen wedder gleich zu machen," dazu aber könnten
die Unterthanen noch viel weniger herangezogen werden. Dann folgt in
der Antwort der auch von Kerss. angeführte Hinweis darauf, dafs Münster
mit seinen Befestigungen der einzige Platz im Lande sei, der in kriege-
rischen Zeiten Schutz und sichere Zuflucht gewähren könne. Neben der
in Aussicht genommenen Herstellung guter Ordnung und Polizei wird zur
Verhinderung künftigen Aufruhrs, „obgleich die stadt in die bevestigung,
dar inne sie jetzundt ist, wurde pleiben," der Bau „etlich behusung oder
blockhues" empfohlen, „dardurch mein gnediger her und die lantschafft
altzeit ein frien zugang zu inen mochten haben."
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892 Anno 1536 acta.
stratns, honestatis ac christiani nominis conservationem, salntem
et commodura, antequam imperii ordines quicquam contribuerent,
Septem integris mensibns sustinuerit et in singulos menses qnin-
decim millia florenorum ^ in usum militiae expenderit atqae ita
impendens periculum corponun, animarum, bonorum, uxomm
liberorumque, tyrannicam oppressionem et interitum a christia-
nornm cervicibus primus amoverit. Et cnm penes dioecesim
Monasteriensem non esset tantos obsidionis ferre sumptus, epi-
*p. 640. scopum a vicinis principibns *eam pecuniam mutuatum esse,
quibus arces, dominia, oppida, pagos aliaqne praedia hypothe-
carum nomine obligaverit, unde grandis pensio in singulos annos
solvenda sit; dioecesanos singulis mensibus exactionibus attritos,
tormentorum vectura et fodiendo terramque coaeervando in är-
geres ad semiduos fere annos degravatos fuisse; item trecentos
equites et quaecunque ad tormenta necessaria erant suis impen?is
sustinuisse et, priusquam decretum praesidium ab ordinibus
transmitteretur, quinquaginta sex florenorum millia ipsum ab
hypothecariis creditoribus esse mutuatum, quibus omnibus difiS-
cultatibus et incommodis tam pensionum quam sortium dioecesim
obnoxiam et imraersam adhuc teneri. Si autem tormentorum et
bonorum anabaptistarum aestimatio imperii ordinibus daretur,
dioecesim nunquam e tantis incommodis et difficultatibus emer-
suram neque credita exoluturam *. Eeliqua vero imperii decreta
^) Vielmehr: ^ein jede monat in die funfftzig tausent gülden.*"'
*) Zur Sache vergl. S. 864 Anm. l. Die Antwort weist noch aus-
drücklich auf die Bestimmung der Abschiede hin, dafs die Stadt dem Bi-
schöfe und seinen Xachfolgem „zum besten soll gewunnen und ingeant-
wort werden und hy dem stifft und dem reich wie von alters pleiben."*
Dann heifst es weiter: ^Und were ein scltzamer verstand, das mejnem g. h-
die Stadt, und der widderteuffer heuser dem reich solten zukommen. Dan
in gleichen vall mocht das reich alle gebew in der stadt zueignen.** Aus
demselben Grunde stehe dem Bischöfe auch der Anteil an der Beute und
das eroberte Geschütz zu. Um das Stift unzertrennt beim Reiche zu er-
halten, sei es nötig, dafs dem Bischöfe und der Landschaft das ausgelegte
Geld ersetzt und ihnen die Möglichkeit gegeben werde, die verpfändeten
Aemter wieder einzulösen und alle Gläubiger zu befriedigen. Dafür möchten
die Kommissare sorgen und dahin wirken, dafs zu Gunsten des Stiftes auf
einem künftigen Reichstag „ein gemeine steur durch das reich** bewilligt
werde.
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Anno 1536 acta. 893
principem libenter sustinere velle*. Se ergo rogare, ut imperii
ordinibus benigne haec renuncient.
Commissarii autem decreta imperii acriter urgent neque
sibi ab illis in minimo recedendum esse docent. Quare prin-
ceps ab eo gravamine ad imperatoriam maiestatem et omnes
imperii ordines appellat et provocat sperans ipsos pro temporis
et rerum qualitate articulos mitigaturos. Ee itaqne in his dno-
bus articulis infecta legati recedunt*. Inde princeps ceterique
dioecesis status magno studio et impendio apud Carolum im-
peratorem, Ferdinandum regem, electores imperiique principes
et urbes eam sibi benevolentiam et favorem comparant, ut tem-
poribus et rebus ita exigentibus severiora illa in rempublicam
Monasteriensem decreta int^rciderent nee in hodiernum diem
resuscitata sint.
M Gemeint sind die Artikel, sich in Sachen der Religion den Reichs-
abschieden gemäfs zu halten, Inquisitionen mit den Verdächtigen durch
die Kommissare anstellen zu lassen, damit die Schuldigen bestraft, die
Unschuldigen verschont würden. Die Antwort besagt dann weiter, dafs die
Bestimmungen, den vor der Belagerung aus Münster entwichenen Geist-
liclien und Bürgern oder deren Erben ihre Stifter, Güter und Gerechtig-
keiten wiederzugeben, bereits vor der Ankunft der Kommissare ausgeführt
wurden. Die Forderung auf Rückerstattung der Selbstverwaltung an die
Stadt wird in der Antwort nur kurz als unannehmbar bezeichnet, ohne
dafs besondere Gründe namhaft gemacht werden. Ausführlicher hatte der
Bischof seine Ansicht darüber in der vertraulichen Verhandlung am 22.
Dez. löif) dargelegt. Mit dem Hinweis darauf, dafs diese Forderung durch
die Vertreter der Städte in Wonns in den Abschied gebracht worden sei
(vgl. oben S. 8G7 Anm. 1), verband er die Vorstellung, wie bei der Durch-
führung derselben alle von der Landschaft aufgewandten Mühen und Kosten
vergeblich gewesen sein würden, wie die „des kriges am wenigsten schaden
hetten, die doch desselbigen eine Ursache seint." Endlich betonte er, dafs
solches Vorgehen die Städte künftig nur in ihrer Opposition gegen die
anderen Landstände bestärken könnte.
-J Kopie des Protestes und der Appellation des Bischofs und der
Stände im St.-A. M., ohne Datum. Kopie des Abschiedes der Kommissare,
datiert vom 23. März, im St.-A. Marburg. Schon in der vertraulichen Be-
ratung am 22. Dez. 1535 hatte der Bischof seinen Entschlufs kund gethan,
dafs, ,,wo gleichwoll die commissarien weiten verharren auflf dem abschiedt
. . . und nit auff den bericht der beschwerung die ordenung mildem . . .,
dan seine f. g. gegen den abschiedt protestert und berufft sich an Key.
und Koenig. Mt. und an die semptlich stende des reichs ...''
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894 Anno 1536 acta.
Mox, nt ordinxun huius dioecesis decreto satisfiat et cives
a fntnris motibus coerceantur, princeps in urbis parte septen-
trionali prope portam Neopontanam fortissimum propugnacnlmn
inter fossas et vallom urbis antiqnitns eztmctnm exactios com-
munit illique urbem versus fossam obdncit et praesidia arma-
torum adversus civium iDSultum imponit *. In alia quoque parte
ad occasura hybemum inxta coenobium monachomm Fontissa-
'p. 641. lientis locus arei designatur, qui aedibus circumquaque *vicini-
oribus, quae officerent*, dirutis reddito dominis precio magnis
laboribus et impensis Armatur et adversus urbem crassissima
turri, muro, aggere, fossa aliisque propugnaculis corroboratur.
Hanc arcem Angeli castrum vocant*. Et cum turrim Trans-
') Das ist der noch jetzt bestehende „Zwinger.* Vgl. auch A. Tibus:
Die Stadt Münster (Münster 1S82) S. 134 f. Ueber frühere Mafsnahmen
des Bischofs zur Befestigung der Stadt s. oben S. 807 Anm. 3.
*) Die „Körte antekunge* sagt : „Men lachte ejnen starcken dwenger
dar die Bisbinck porte gestanden hadde, dar oick gedachte (men) eyn . . .
feste huifs offte schlos zu bauwen, dem gaff men namen, dat sie heiton
solde die Engclborch, dar eyn jderman tho arbeiden moste, werth oick die
armmeth seher jemerlick mit arbeiden, schattunge und andern schwemissen
ane gnade ovell tractert und gehandelt." Vgl. auch D. Lilie S. '2iy2 und
Herm. Hamelmann S. \2f^l. Die Münstersche Bischofschronik (M. G.-Q.
I, 83«) fügt hinzu, dafs der Bischof „ock datt blockhufs vor der Horster
porten befestedo und mackede dat weidiger, brack dar etliche huse äff und
mackcde nie porten von den blockhuse uth der stadt." Zur Sache s. auch
A. Tibus a.a.O., E. v. Schaumburg in der Zeitschr. 16 {185:>) S. Iö3ff.
und W. Sauer in der Zeitschr. 32' (1874) S. 177 f. — In der Instruktion
für den Landtag auf dem liacrbrok vom ^5. Mai heifst es, der Bischof
habe von einigen Adligen einen geeigneten Platz zur Errichtung des Block-
hauses ausfindig machen lassen; diese hätten „vermerckt und erfunden, dat
sulcke festunge und blockhuis an gyne better und beqwemer plaitz voir*
genommen und gestalt mach werden, dan des ortz, dair dath nn angefangen
und tom deill gericht" (beim Bispingthor). Der Land tagsabschied vom 31.
Mai bestimmt auf Betreiben des Bischofs, dafs der Bau mit ungefähr 00(), 700
oder 800 Gulden aus der Landschaftssteuer „möge uthgefoirt und MiUen-
bracht werden." Gegen das Abbrechen ihrer Häuser und gegen die Ver-
letzung ihrer Privilegien beim Bau der Festung rufen (s. J. Nieser t:
U.-S. I. S. 216 ff.) die Burgmänner auf dem Bispinghofe am 27. September
wiederholt die Intervention der Stände des Stiftes beim Bischöfe an. Die
Schleifung der Engelsburg, die auch D. Lilie a.a.O. erwähnt, erfolgte bald,
da die Stadt ihre alten Rechte und Freiheiten zurückerhielt (s. weiter unten).
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Anno 1536 acta. 895
fluviani templi propter insignem altitudinem arci obfuturam pu-
tarent*, unde iacula ab infestis civibns ita in arcem torqueri
queant, ut defensores a munitionibus facile deturbarentur, —
quare eins fastiginm minoribns snmptibns tolli posse existimant,
quam vallnm ad tantam altitudinem edaci, ut defensores a ia-
culis securiores reddantur. Neque etiam tantum opus in se con-
sistere posse arbitrantur, ut non sua mole et gravitate depres-
sum in se comiat. Haec autem demolitio turris, donec structura
arcis sit absoluta, differtur.
Huic arci de consilio aliorum ordinum Bernardum ab 0er,
eximiae et nobilitatis et auctoritatis virum*, princeps praeficit.
Penes hunc summa imperii est ; Mc consul, hie Senator, hie tri-
bunus plebis est, hie gubemacula urbis solus tenet, nisi quod
senatores inania offlciorum nomina circumferant; hie pro suo
arbitrio figit refigitque leges, cives in carceres coniicit eosque
pro sua voluntate aut punit aut mulctat. Portam Bischopin-
ganam, turrim a mola flatili nomen habentem, magnam murornm
partem et alias quaseunque munitiones ita diruit, ut tam noc-
turno quam diurno tempore sine portarum usu et equites et pe-
dites in urbem transire possint. Huius ministri magna impuni-
tatis spe freti in aedes civium irruunt et, quicquid libido sug-
gerit, perpetrant; neque tamen quisquam de iniuria sibi illata
queri audet. Hunc praefectum urbis appellant, cui pro stipendio
in singulos annos septingenti floreni assignantur *. Dictu mirum.
*) So berichtet nur Kerss. — ') Er war selbst Bargmann auf dem
Bispinghofe. Vergl. W. Sauer a.a.O. S. 191 f.
*) Die „Körte antekunge" berichtet: „Dar nach eligerde sine f. g.
einen stadtholder, genant Berent van Oer, dem gaff man jarlix seven hun-
dert gülden des amptes halven van dem gruthuifse. Yerboet und geboet
die stadtholder. Die raith hadde gyne macht Die stadtholder dede, wee
ime gelevede, viell den burger in ehr huser, warp sie in die gevenckenisse,
schattedc und handelde sie, wie he sulvest wolde; warp äff die Bispinck
porten und den Winderaollen thome; und wort die stadt Munster ser ver-
wostet und entfestet, also dat men mit drogen voten in die^ stadt Munster
by nachtiden ryden und gaen koend, wie sulcks foele luite gethan und
geseen hebben . . ," Gleich danach heifst es wieder: „. . . Des statholders
knechte vellen den bürgeren in die huifse und deden, wat sie wolden, dar
oick die stadtholder vakcn nicht van wueste. Dan wie den borgercn konde
spith und leith doen, defs worth gelachet und bleff ungestraffet." S. auch
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896 Anno 1536 acta.
quam cives libertati assueti hanc reipnblicae formam aversentnr
et detestentur, quam aegre antiquae libertatis memores praefecti
dominatum ferant, quem omnia pro suo quaestu, avaritia et libi-
dine agere mussitant. Malunt tarnen Uli ad t^mpus subesse,
quam novi motus auctores haben. Quae ergo ipsis acerba et
propemodum intolerabilia erant, aequo animo in gratiam benigni
principis tolerare videntur, a quo libertatem pristinam se recu-
peraturos sperant.
*p. 642. * Quantum damni retincti in demoliendis templis urbi in-
tulerint, magnitudo impensarum et reparationum unius dominici
templi coUata satis declarat\ quae septem millia et nongentos
florenos aureos excedebat, praeter dimidium plumbi et orichalci
in usura tecti a principe donati, praeter mille et octoginta
qnercus a dominis primarii cleri, a vicariis templi summi, a
coenobiis diversis dono datas*, ac praeter vitreas fenestras partim
principis, partim comitis Benthemensis, partim nobilium canoni-
corum, partim virorum equestris ordinis et partim executorum
diversorum testamentorum sumptibus reparatas et pristino nitori
restitutas ^,
») Ms.: datis.
M. Röcheil (M. G.-Q. III, '234), der die Bestrafung des Bürgers J. Schro-
decken erzählt, weil derselhe mit einem Bürger aus Lüheck zusammen in
seinem Garten am Breul von Luther verdeutschte Psalmen sang.
') lieber die zur Wiederherstellung der Domkirche gegebenen Ge-
schenke s. das von A. Krabbe in der Zeitsclir. 17 (1856) S. 332 ff. aus
einem gleichzeitigen Manuscript der Eönigl. Paulinischen Bibliothek zu
Münster (Nr. 750) veröffentlichte Verzeichnis. In demselben sind aber nur
-wenig Geschenke an Geld aufgeführt, viele jedoch an Mefsgewändem, Kir-
chenschmuck, Fenstern, Büchern u. s. w. Zur Wiederausschmückung der
Münsterschen Kirchen wurden auch die Kostbarkeiten aus dem Kloster
Hude bei Delmenhorst verwandt^ das Bischof Franz (s. D. Lilie S. 267)
„umb vorwerckinge des abts unde conventes" hatte zerstören lassen.
*) So heifst es im Verzeichnis z. B.: „Item de . . . her Frans van
Woldeck . . . gegeven dat halve hlyg upp dem dome und gerkamer und up
beyden tornen. Item noch den groten kellick und dat grote glasevynster
by Sunth Johann altair myth syner gnaden wopen . . . Item myn gnedige
her van Benthem und Stenforde dath eyne vynster up den olden choir.'^
üeber den vom Bischöfe geschenkten Kelch hat L. F. v. Corf ey in seiner
Chronik die Notiz (M. G.-Q. III, 327): „Fürst Frantz hat auch im thum
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Anno 1537 et 1538 acta. 897
Hinc eodem hoc anno 1537 secnnda Decembris, quae tunc^^gj^
erat dominica prima Adventns Domini, reconciliatam fnit snm-
mom templnm D. Pauli per reverendum dominum loannem Bi-
schopinck suffraganeum^
Beparatis aliquo modo in urbe templis et cantionum Ubris
Primarii cleri impensis ab integro impressis *, cum priores a re-
tinctis aut discerpti aut exusti fuissent, divinus cultus omnes-
que ceremoniae catholicae singulari omnium civium pietatis
studio et applausu revirescunt, et constituta per principem rei-
publicae forma quisque ad sua officia suasqne negotiationes re-
vertuntur.
Cumque iam omnia pacata esse existimarentur militesque
omnes exauctorati fuissent®, praeter spem et existimationem
omnium anno 1538 circa dominicam Cantate* Joannes, Georgius, ^
Christophoruä et Antonius fratres ab Oldenburgh et cum bis
Wilhelmus dux Brunswicensis ac Otto comes Teckenburgensis *,
qui postea in eodem belle captus est, collecta magna militum
manu non indicto belle ® in dioecesim Monasterieu'^em longo iam
verehrt einen extraordinairen alten und grofsen kelch von 7 pfd. silber, auf
dessen patene das abendmahl Christi, und wie der theufel in Judam fart,
zu sehen ist. Auf dem rande des kelchs list man: Robertus abbas in Huda
me formari fecit anno Domini 1397. Uic est caliz novum testamentum in
sanguine meo, qui pro vobis fundetur."
^) Nach und nach wurden auch andere Kirchen in Münster und
Altare in denselben wieder geweiht. Vergl. A. Tibus: Geschichtl. Nach-
richten über die Weihbischöfe von Münster (Münster 1862) S. 58 ff.
-) Im Jahre ir)36 wurde zu Köln in der Presse des Hero Alopeciuff
auf Kosten des Münsterschen Domkapitels gedruckt ein Münstersches Gra-
duale, im Jahre 1537 ein Antiphonarium und ein Psalterium. Für den
Druck dieser drei Bücher stellte das Domkapitel dem Drucker einen Schuld-
schein von 400 Joachimsthalem aus. Siehe J. B. Nord hoff: Die kunst-
geschichtl. Beziehungen zwischen dem Rheinlande und Westfalen (^Bonner
Jahrbücher" Heft 53 u. 54 [Bonn 1873] S. 94 f.), wo auch eine genaue
Beschreibung der Drucke.
^) Ebenso leitet die Münstersche Bischofschronik (M. G.-Q. I, 339)
die ErzÄhlung von der Oldenburger Fehde mit den Worten ein : „Item . . .
do alleman mende, se weren tofrede, und alle knechte vorlovet weren . . .^
*) 19. Mai. — *) Er war Propst zu St. Johann in Osnabrück.
•) So heifst es auch in der Münsterschen Bischofschronik a. a. O.r
^. . . nemandt wüste, warup idt gelth. Myn gnedige here dachte ock nicht
33
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898 Anno 1538 acta.
Marte fractam et exactionibns crebris attritam et exhaastam in-
vadunt, Wilthausara et Vechtam oppidum prima impressione,
inde arcem ipsam post oppngnationes aliquot capinnt, nbi ipse
fere episcopus ab hostibus interceptus fuisset. Hinc Hasellnnna,
Meppa, Harpstedio, Niehusio et Cloppenburgo captis et prae-
sidiis Ulis impositis totam istins tractus provinciam bona in
praedam vertentes occnpant^ Si posita conctatione et mora
dat id syner fürstlichen gnaden gcgolden hadde." Doch ist ein Brief er-
halten, datiert vom 24. Mai 1538, in dem die Grafen Johann, Georg, Chri-
stoph und Anton von Oldenbnrg dem Bischöfe die Fehde ankündigten. I>ie
Grafen erhohen darin den Anspruch, dafs ihnen die 1482 abgetretene Herr-
schaft Delmenhorst „mit eren tho- und anhoryngen" zurückerstattet werde
(s. J. Hobbeling: Beschreibung des ganzen Stifts Münster [Dortmund
1742] S. l.sr)f.). Auch C. Schele sagt in seinen Aufzeichnungen über
Bischof Franz (s. ^Mittheilungen des bist Vereins zu Osnabrück*' Jahrg. 1
[Osnabrück i -4^] S. l«f.): „Cumque aliquoties hoc modo repetisset** (An-
tonius comt'S ab Aldenborg) „et non tam statim arx cum adherentibus pos-
sessionibus redderctur, bellum opinione citius grave infert" Zur Olden-
burger Fehde s. norh die kurzen Notizen bei D. Lilie S. 267 f. und die
ausführlicheren Angaben bei H. Hamelmann: Oldenburgisch Chronicon
(Oldenburg l'-i'*. ) S. oü»» ff. — Kerss. hat in seinem Catalogus episcopomm
Monast. die Oldenburgische Fehde viel kürzer berührt. Es heifst da:
„Anno \b'6^ Christo[)hurus, Antonius ac Joannes comites de Aldenborg do-
minica Yocem lucunditatis*' (2H. Mai) „Cloppenburgium capiunt ac per
totam Emcslandiam grassantur immensam pecuniam a pagis singulis extor-
quentes. Nienhusium cum mola ezurunt. His actis regredinntur. Inde die
Veneris post festum Corporis Christi" (21. Juni) »Franciscus eiercitu in-
structissimo Eineslandiam, Cloppenburgum ac Vechtam omniaque sibi per
comites adempta recuperat."
') Nach der Münsterschen Bischofschronik a. a. 0. versuchten die
Oldenburger erst Delmenhorst zu erobern, „branden de vorstadt ganti nth,
overst der borck konden se nicht dein." Dann wird die Einnahme von
Wildeshausen und von Vechta berichtet; und weiter heifst es: „erwoi^eden
vele gudes volckes, togen alssdan vort in der ile vor de Cloppenborch und
gewunnent, want dar was nemandt vele up, de amptman was affgetogen.
Und weren in nieinunge, so vort na Beene to trecken und dan vort vor-
dan.' Von der Einnahme Cloppenburgs, Yechtas und Wildeshauaens er-
zählt auch 0. Schele a.a.O. S. 119. H. Hamelmann a. a.O. S. 367
giebt für die Einnahme von Yechta den 2. Juni, für die von Harpstedt den
22. Juni an. Die Einnahme von Haselünne und Meppen findet sich in dem
kaiserlichen Befehle vom 19. Juni 1538 erwähnt, der den Oldenborgem
unter Androhung der Reichsacht anfgiebt, dem Bischöfe Schadenersati la
leisten (s. J. Hobbeling a.a.O. S. 187 ff.).
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Anno 1538 acta. 899
tantas copias iam bello paratas in ezpeditionem adversns nrbem
Monasteriensem et totam dioecesim duxissent, sine dubio yictoria
potiti fuissent^. Urbs enim erat bombardis et omni genere *fere*p.
armornm exhansta; aggeres negligentia, cum nemo esset, qni
munitiones curaret, in fossas deciderant, fossae qnibnsdam in
locis casu aggemm oppletae, muri ex obsidione superiori fracti
nondnm reparati erant. Cives dominatum praefecti non ferebant
et servitatis pertaesi ad pristinam libertatem anhelabant, nnde
difficile non faisset nrbem et in ea totam dioecesim capere. At
cum princeps copias t^am equestres qaam pedestres adversus in-
speratam illam vim conscripsisset ac loannem de Baisfelt mi-
litiae snae praefecisset *, bestes incensa Vechta oppida cum arce
-et Niehusio dioecesi excesserunt. Cloppenburgum vero firmant
et praesidia illi imponunt. Princeps vero oppida arcesque sibi
ab hoste ereptas manu recuperat, Cloppenburgum vi armata in-
vadit hostemque ad comitatum Oldenburgicum fugientem per-
sequitur ibique Wardenburgo capto Oldenburgo quoque, regionis
oapiti, obsidionem minatur occupassetque totum comitatum, nisi
<;onsiliarii dissuasissent et magister equitum catena ita constrictus
et impeditus, ut ne latum quidem culmum ulterius progredi
posset^ Interea banc militiae causam archiepiscopus Coloniensis
') Ygl. dazu H. Haine Im ann a.a.O.: „Jedoch sagen viele, wofern
Graff Anthonins . . . den Münsterischen das Haupt gebotten und ihnen eine
Schlacht geliefert, hette er ihnen ohne zweiffei einen abbrach gethan und
überlegen gewesen^ dieweiln er viele versuchter und bessere Kriegesleute
bey sich hatte. Aber er ist durch etzliche der seinen überredet, dafs er
flieh gewendet . . .**
*) Er wird auch von D. Lilie als Befehlshaber genannt.
•) In der Münsterschen Bischofschronik a. a. 0. S. 340 heifst es, der
Bischof „wolde ock vor Oldenborch hebben getogen, dar wordt syne fürst-
liche gnaden mith list affgeraden durch syne ... rede und ritmesteren.
Wo dat ein gestalt hadde, iss ein deel woU bewust, und hir to lanck to
schriven. Hebbe doch von lof^verdigen luden gebort, hadde syn f. g. vort
gefaren, he hadde de stadt mit der horch ingekregen.** Nach D. Lilie
a. a. 0. „overrededen Johan von Raisfelde unde ander bovelhebbers des
kriges den frommen heren, dat sine f. g. mit den Oldenborgeschen heren
in ein verdrach sick gegeven hefft.^ Dafs von Bestechlichkeit der Münster-
schen die Bede war, geht aus den Worten C. Schele's a.a.O. hervor:
^. .. bellum quibusdam vidnis principibus intercedentibuB vel, ut quidam
33*
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900 Anno 1538—1541 acta.
aliiqne proceres intercipinnt interceptamqne pacificant. Qnae
antem sint pacis conditiones, sciens ignoroK
Princeps mnltis belli sndoribns exanüatis tandem anno
isl'uL. 1540 tantum pacis vix consecutus est, ut ipso die Innocentiiim *
in coenobio Ibnrgico per loannem Bischopinck, suffraganenm
Monasteriensem, in diaconum et postridie in presbyterum ordi-
1 'San °*retnr. Inde ipso die Circnmcisionis Domini * in coenobio Ma-
rienfelde ab episcopo Leodiensi in exilinm pnlso^ ac a Mona-
steriensi Paderbomensiqae soffraganeis consecratnr in episcopnm
volnnt, quibusdam ex Monasteriensium primoribus precio
corruptis componitur." M. Röchell, der Kerss. übersetzt, fügt, wie-
schon J. Janssen (M. G.-Q. III, 235) bemerkt, dem Worte Kette am
Rande hinzu: „nicht von iseren, sondern Yon golde.** Ganz abweichend ist
die Darstellung bei H. Hamelmann S. 8» »7 f. Danach haben die Mün>
sterer mit den Truppen des Grafen Anton unmittelbar vor Oldenburg ^auch
zimblich scharmützelt und sie biss ans Thor verfolget; so seind sie doch
allda dermafsen empfangen und abgewiesen worden, dafs sie nicht Tiel ge-
wonnen, sondern unverrichteter Sachen zurücke weichen müssen.^ Dann
folgt die Erzählung von der Vermittlung des Friedens durch Köln und Cleve.
') Der Vertrag (Orig. desselben im St.-A. M., Frsttm. M. Ürk-Kr.
3 1 10) wurde unter Vermittlung des Erzbischofs von Köln und des Herzogs
von Cleve am HO. Juli zu Wildeshausen abgeschlossen. Er stellte für die
streitenden Parteien den Besitzstand wieder her, wie er vor dem Ausbruche
der Feindseligkeiten gewesen war. Die endliche Entscheidung der Streitig«
keiten wurde dem Rechtsspruche des Reichskammergerichtes vorbehalten.
Auch in der Münsterschen Bischofschronik a.a.O. heifstes: ^Do handelde
myn g. f. u. h. de ertzbisschop von Collen und ander treffliche herren
mer, datt idt tom frede quam;" dann weiter: „Wo de frede gemacket
iss, wertt alleman nicht wifs." „Arx tamen Dulmenhorst,** sagt C.
Schele, „cum adherentibus terris ... penes victorem episcopnm roanet,
cogiturque comes Antonius . . . omne suum in istam arcem ins in manus
Monasteriensium renunciare ac transferre.*' D. Lilie weifs Nichts von der
Vermittlung Kölns und Cleves. Auch nach ihm versprechen die Olden-
burger, dafs sie „to ewigen tiden nene ansprake an Delmenhorst unde
Harpstede hebben willen, ock to jenigen dagen tegen dat stifPt van Munster
mit viantschoff nicht handelen. Wu dat geholden, geve ick ideren to bo-
dencken."* — Schon im Jahre 1547 überfiel Anton von Oldenburg abermals
Delmenhorst und Plarpstcdt, die dann trotz eines kaiserlichen Befehles
dauernd dem Stifte Münster entrissen blieben. Zur Sache s. U. A. Erhard:
Geschichte Münsters (Münster ib'67) S. 372.
') 28. Dezember. — ■) 1. Januar 1541. — *) Cornelius v. Berghen.
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Anno 1541 acta. 901
ministrantibns dnobas abbatibns Arnoldo tzum Drecke Marien-
feldano et Bemardo Westerholte Ibnrgico*.
Senatus, cum ea reipnblicae forma, qua ciyes contra pri-
:stinam libertatem snb praefecti nrbis dominata premebantnr,
minime sibi placeret, mnltis modis in omnibns fere conventibns
per annos aliquot apnd principem instabat, nt ant ea forma
•commutetnr in mitiorem ac tolerabiliorem ant ad priorem redi-
gatnr ant reddita officiornm snornm ratione magistratn se ab-
•dicare clementer patiatur*.
Tandem anno 1541 qnarto lannarii conventns habitns 4. Jan.
Monasterii inter legatos principis et depntatos qnosdam a clero
primario ab nna et consnles senatnmqne Monasteriensem ab
altera partes In qno *legati principis proponnnt: Cnm in sn-«p. 644.
') Die Erteilung dieser Weihen an den Bischof, der bisher nur die
Subdiakonswürde hatte, ist in der Münsterschen Bischofschronik nicht er-
wähnt. Eerss.'s Bericht stimmt genau mit dem bei D. Lilie S. 2G8f.
uberein, der noch die weitere Notiz hat, dafs die Weihe zum Diakon in
Iburg „up dem sekenhuse im cloister" Statt fand. „Welcker ordines," heifst
-es dann weiter, „de frommer her mit groter andacht unde innicheit ent-
fangen befft, wante to der tidt was sine f. g. der olden religion noch an-
hengich." — In seinem „Catalogus episcoporum Monast.** sagt Eerss. nur
;ganz kurz: „Anno 1540 Franciscus omnes ordines sacros adsumit.^
*) So heifst es scbon in den Akten des Landtages auf dem Laerbrok
am 3. Januar 1538: „Als de burgermestere und raidt der stadt Munster
ua eren entfangen raits ampteren und bevell reckenschap und genoicbsam
bewjs gedain, dair in getruwlich und ylitich befunden, des unse g. h. ein
gnedich gefaUen drecht, und darby etlige artickell erer beswemnge over-
geven und erer ampter erloefFnis und leddich to werden gebeden . . ."^ Der
Bischof ordnete an, dafs einige seiner Räte im Vereine mit städtischen
Vertretern am 18. März die Sache in Bedenken nehmen sollen. Die Klagen
des Münsterschen Rates kamen aber auch später wiederholt noch auf den
Landtagen zur Sprache, so auf dem zu Münster im September 1538, auf
-denen auf dem Laerbrok im Dezember 1538 und im März 1540.
') Akten über die yon Eerss. im Folgenden angeführten Verhand-
lungen habe ich nicht gefunden. Im Stadt-A. M. (I. Nr. 9«) befindet sich
eine Anzahl yon Papieren, yon denen einige sich auf Versuche des Rates
beziehen, eine selbständigere Verwaltung der Stadt wiederherzustellen. Es
:sind sämtlich undatierte, häufig corrigierte Konzepte, meist nnyoUständig,
welche die einzelnen Punkte der Unterhandlungen, wie Eerss. sie angiebt,
nicht berühren. — Die Art und Weise, wie Kersa. yon der Wiedererlangung
4er Priyilegien seitens der Stadt und yon der Haltung des Rates bei dieser
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902 Anno 1541 acta.
perioribns aliquot comitiis dioeoesaois et proxime in conyentii
Telgetico et Monasteriensi consnles senatasque quam diligen-
tissime et ofGciosissime apnd principem insteterint, nt accepta
ratione sibi ab officio sno decedere clementer patiatnr, ad qnod
princeps responderit: se ad diem Lnnae post Gircnmcisionem
dominicam legatos snos et e capitulo mUitariqne ordine desi-
gnatos accipiendae rationis gratia Monasteriam missnrum% qnod
hest^mo die factum sit, quam etiam rationem ita redditam, con-
fectam et absolutam principi tradituri sint non dubitantes eam
sibi optime placitaram; ad id vero, quod consules et senatus
reddita ratione ad superiorem petitionem relabantur atgue in ea
praefracte persistant, ut princeps remisso iureiurando officionun
nomine praestito se magistratu abdicare clementer patiatur, se
iussu principis respondere: Principem existimasse consules et
senatum civilia et publica ofiScia sibi commissa et eorum ad-
ministrationem, ut in ordinatione politica per se, capitulum et
nobilitatem consentientibus et approbantibus oppidis cum aequi-
tatis quidem temperamento facta, constituta et decreta descri-
bitur, non intermissuros neque repudiaturos aut deserturos fuisse,
sed ipsos accuratius secum expendisse hanc politicam disposi-
tionem ad restaurationem et conseryationem pacis et civilis con-
cordiae institutam et descriptam esse, ut similis seditio et motus,
qualis superioribus annis exarserit, evitetur, unde non solum
civitatis Monasteriensis, verum etiam totius dioecesis incolae
atque vicini principes et rerumpublicarum rectores in grave in-
commodum et in intolerabilem pemiciem praecipitati sint; si
vero iterum in hanc rempublicam seditio et motus, quod DeuK
clementer avertat, irrepserit, hoc consulum, senatus et opulen-
tiorum potissimum, inde principis et dioecesis totius magno
malo futurum. Ad haec metuendum esse, ne non princeps, capi-
tulum, nobilitas universaque dioecesis caesareae maiestatis in-
dignationem in se provocent, quod, cum civitatem in sua pote-
state habuerint, leges et decreta politica non constituerint, quibus
*) Ms,: missuros.
Gelegenheit berichtet, spielt sp&ter auch eine Bolle in Kens.'s Proieli.
8. die Binleitong.
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Anno 1541 acta. 9(j3
fnturae seditioni aditus praecludetur. Si antem imperinm iterum
simili, ut snperioribns annis, incommodo affectum fuerit, omnium
impendiornm refnsionem et solutionem a principe et universa
Monasteriensi ditione sine dubio ipsum exactnrum. *Principem»p. 645.
itaqne efflagitare et poscere, nt consules et senatns suoram mu-
nemm sibi impositorum et snsceptorum administrationem con-
tinuent. Si vero in ordinatione politica snpra dicta adyersns
aeqnitatis temperamentom se degravari existimaverint, sibi a
principe mandatom esse, ut cum legatorum capituli consilio et
auxilio familiariter super bac re coUoquantur et inter se sen-
tentias conferant, ut ad aeqnitatis normam omnia revocentur,
consiliumque senatns audiant, quid hac in re expedire censeat
quidve futuros motus a se et tota dioecesi arceat.
Post deliberationem brevem senatns respondet: Verissimum
esse, quod sibi senatoria officia in civitate Monasteriensi cum
molesta et pene intolerabüi politiae forma sint, quorum etiam
administrationem coacta quadam obedientia susceperint; quae
officia si iuxta formam illam sibi praescriptam retinuerint im-
pleverintque, se solitum sine factione et dissentione civili urbi»
regimen nou posse conservare, sicut articulis in superioribus
comitiis recitatis satis edoctum fuerit, cur ea forma a se non
sit recipienda. Certum etiam esse alia huius dioecesis oppida
amplioribus libertatibus et privilegiis gaudere et frui, cum tamen
necessarium foret, si huius civitatis pristinum decus sit speran-
dum, pluribus atque adeo novis libertatibus et privilegiis eam
donari. Verum illud se mordicus et tenaciter non urgere; hoc
autem solum se postulare et suppliciter petere, ut in pristinum
libertatum et privilegiomm statum restitiiantur. Ea vero in
dispendium civitatis praetermittere et negligere non debere, neque
se bona conscientia quicquam, quod ad politicam formam perti-
neat, consulere neque in rem uUam, priusquam restituantur,
consentire posse. Sogare se quoque, ut consiliarii et a capitulo
deputati in hac causa non sint iudices, sed civilium commo-
dorum fautores; hoc sua sponte agant, quod iustum et aequmn
Visum fuerit, et, ut principibus imperii in comitiis Wormaciensi-
bus decreto placuit^, restituantur.
^) Vgl. oben S. 866. So heifst es auch in dem undatierten Konzept
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904 Anno 1541 acta.
Ad quae principis consiliarii et e clero primario deputaii:
Se rationes cogitatione inveniro non posse, cnr praescripta po-
litiae forma consnlibus et senatui magnopere sit molesta et ita
fere intolerabilis, nt neqne stante hac forma solidnm nrbis re-
•p. 646. gimen conser*vare nee officiis snis sine factione et civili dis-
sentione hinc emergente commode praeesse possint. Necessarimn
omnino faisse, etiam senatn attestante, legibas qaibusdam tan-
qnam repagnlis incolas huius civitatis a simili furore et motu,
qnalis snperioribns annis in pemiciem dioecesis exarserit, coer*
cere; neqae etiam has leges alio fine esse introdnctas et prae-
scriptas, quam iit fntnris malis via praecladatur. Se qnoqne
tanquam praestantiores, prudentiores, cordatiores, remm asu
exercitatiores et virtutibus eminentiores a principe et a dioecesi
in senatorinm numemm asscitos esse meminerint, quae res existi-
mationes eximias apud omnes pariat. Si antem indigni, qni
alieno consilio et dnctn egnissent, ad hoc honoris fastiginm
evecti fuissent, pluribus ex eo, quam ex hac politica forma, sese
molestiis implicuissent. Proinde consiliarios principis et a ca-
pitulo deputatos fideliter consulere, ne ad politicae fonnae de-
cretum administrationes munernm suorum aversentur et reiiciant,
sed in honoris sui et publicae utilitatis augmentum retineant.
Quod autem ea politica forma dissipationem civilis regiminis in
civitate Monasteriensi secum adferat, se non videre, cum eadem
fere forma in civitate Coloniensi antiquitus sit recepta et diu-
turno usn confirmata. Neque consultum fore, ut haec forma iam
praescripta rogatu senatus commutetur seu abrogetur ac perfec-
tissima, sicut Imperium decrevit, restitutio fiai Inde enim me-
tuendum esse, ne non pristinum schisma et prior motus con-
tinuo intra moenia repuUuIescat. Nam si, ut imperium voluit,
eines Schreibens des Bates der Stadt an die Landstände (Stadt-A. M. a.a.O.):
„Wie woU wy nu . . . gucder fnege and oirsaichen hotten, uns an Ro. Key.
Mt und dat hillige Ro. ryck tho beropen und tfao beclagen, dewile by
demselvigen dorch gemeine chor- und fürsten und stende eindrechtlich en-
slotten und bedochtlich erwogen, dat ein stadt Mnnster by older, herge-
brachter fryheit erholden und de nnschuldigen der schuldigen handele»
nicht entgelden sollen, als de billicheit oick erfordert, jedoch . . . willen
. . . hirmit unse gobrecken und undregliche besweronge itziger tyt gemeiner
landtschafft vorgestalt . . . hebben.^
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Anno 1541 acta. 905
restitutio fieret, cnriarum omninm restitntionem plebem acriter
a senata nrsnram. Inde snperior inobedientia, rebellio et seditio
adversns magistratum ac tandem similis motns sit metnendns.
Si vero cnriae in pristinam statnm et libertatem antiqnam re-
stitnantur, qnae tnnc fenestrae funestis dissidiis et eyersionibus
omnium statunm hnins dioecesis aperiantnr, snperiorem cnria-
rnm libertatem in licentiam versam satis edocnisse. Si antem
snperiori similis clades imperio a dioecesi illata fnerit, imperiom
a dioecesi non solnm impensas omnes exactnmm, venun etiam
nrbem in extremam et principis et senatns et aliornm ordinnm
pemiciem funditns eversurum. * Summe igitur necessarium esse, »p. 647»
üt, quibnscnnqne eti m modis fieri queat, fatnris hisce calami-
tatibns, qaantam divina gratia permiserit, obviam eatur. Qnod
etiam senatus consilium summnm commnnicare et in ullam rem,
qnae ad constans nrbis regimen pertineat, consentire nolit, se
vehementer mirari, cum formam politicam a principe praescrip-
tam sibi permolestam esse qneratnr et ex snperioribos motibus
tanquam rectores nrbis sciant, qnibas remediis fntnris via prae-
clndatnr. Nee non senatum scire, qnod inter principes snperiores
et civitatem Monasteriensem indiciorum et iurisdictionis nomine
contentio aliquoties inciderit \ qnae non tam principi et dioecesi
') Noch am 18. Februar 1525 schrieb Bischof Friedrich von Wied
aus Ahaus dem Stadtrate (Orig. im Stadt-A. M. Vc. Nr. H): „Wy werden
berichtet, dat gy etlige saken, zo vor unssem wertligen gerichte unde richter
unser stadt Munster er entlige geboerliger uthdracht noch nicht erlangt,
und er de durch appellation an jnw gekomen, tegen olde gewonte und
gebrueck unses gcrichts unde olden herkomen vor juw trecken unde advo-
ceren, dat unsem gerichte to affbrocke und verkleinonge reiket, uns ock to
erliden nicht getemen wyll. Derhalven wy ock nu gerorten unsen richter
bevell gedain, darmede vort to faren, wo zick dat na stUnm des rechten
und older gewonten unde gerichte verloep behoiren zall, dar dorch nnse
wertlige gerichte myth zulcken ungewontliken unde unbehoirligen inbrocke
ungesweckt blyve." Der Bischof fordert vom Rate Abstellung der üeber-
griffe für die Zukunft und fährt dann fort: „So uns ock in inbrengunge
unses gerichts verfeile und brocke dorch etlige juwe deiner erringe be-
iegent, dat de ger. unsem richter nicht werden ton banden gestalt, willen
wy hirmede gnitlich begert hebben, dat gy also beschaffen, zodane brocke
unsem richter unbehindert folgen und gelevert werden, wo sick dat nach
hilHcheit beihemmet ..."
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906 Anno 1541 acta.
quam civitati, nisi Dens avertisset, grave incommodnm attnlisset.
Ut ergo talis contentio in posterum evitetnr, modnm et ratio-
nem esse eins inveniendam. Praeterea senatum non latere, qnod
cives gograviatns Sendani inre confisi Monasterio eruperint et
in principis inrisdictionem irruerint, vi tarn nobiles quam igno-
biles ceperint atqne in nrbem secnm abduxerint, qnod, cnm prin-
cipis inrisdictionem violaret, civitati minime licnisse se existi-
mare ; nnde plnrimnm dissidii et contentionis saepe exortum sit.
Ne antem idem inter hnnc principem illiasqne snccessores et
civitatem contingat, si ratione gograriatus Sendani cives, nt
factitatmn sit, in principis inrisdictionem irruerint^ modnm paci
esse qnaerendnm.
Post deliberationem habitam Monasterienses respondent:
Nnllo se modo fonnam illam politicam a principe praescriptam
admissnros; sibi enim temerariam istnm consensnm apnd po-
steros ignominiosnm fore, quo culpa maiornm snornm in per-
petuam servitntem sint praecipitati. Se ergo rogare, ut abdi-
cationem officiorum snomm a principe impetrent aliosqne sibi
amotis substitnant. Se enim id ferre posse, cum nihil nisi ho-
nesta et iusta, nempe privüegiorum et libertatum antiquarum
recuperationem, postulaverint. Quod autem consilium a se in-
stituendae certae formae politicae poscant, se illud, cum consilii
inopes sint, negare oportere. Sibi tamen utile videri, ut curiae
opificum eorumque conventicula reprimantur neque unquam in
nrbem recipiantur et penes principem sit senatores constituendi
removendique auctoritas; ita enim futurum, ut minus seditionis
•p. 648. in urbe excitetur. *Ad id etiam, quod adductum sit, restitntis
privilegiis et libertatibus pristinis superiorem rebellionem, in-
obedientiam et seditionem adversus magistratum esse metuen-
dam, se respondere: si Privilegium et libertas sint rebellionis
causae, nullum coUegium, nullam communitatem nuUamque nni-
versitatem a seditione esse alienam, et Telgetum oppidulum non
tam esse expers motus, quam Monasterium. — Quantum autem
ad inrisdictionem pertineat^, haue fuisse rationem, quod penes
principem constituere vel removere iudicem fuerit; et si quem
ob fiagitinm capi contigisset, ipsum in criminalibns per senatum
') Vgl. zum Folgenden aach oben S. 93 ff. und die Einleitimg.
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Anno 1541 acta. 907
quaestionibus suMici consuevisse, iadici fassa crimina tradita^
ream, si flagitia non recantaret, in ins protractnm, accnsatnm
et tandem maleficii cansa alicni snpplicio ant poenae adindi-
catnm fnisse. Senatam non sine principis consensn facinerosnm
relaxatnmm. Pecnniae mnlctatitiae in civitate extortae dimidinm
ad principem, reliqnnm vero dimidium ad senatnm pertinere,
nnde impensas captivorum snstineat. — Civiles caosas coram
principis indice et qnibnsdam ex senatorio ordine assessoribns
agitari et decidi consnevisse. — Commeatnm publicnm a senatn
et indice semper petitnm et cnm consensn indicis secnritatem
pnblicam cnivis ant ad ins snnm perseqnendnm ant se inre de-
fendendnm datam foisse. — Gograviatnm Sendannm senatnm
antiqnitns possedisse et occnpasse. Ernptionem etiam civinm
antiqnitns et ante hominnm memoriam in nsn fnisse; si qnis
illis ininriam ant Yim intulisset, se permissn inris conunnnis
bestem persecntnm fnisse.
Ad haec consiliarii e capitnlo depntati : Se etiamnnm ani-
madvertere senatni praescriptam politiae fonnam molestam esse,
cnm tarnen ex snperioribns satis cognoverit, qnae principem eam
constitnendi cansa moverit, nempe nt seditioni via praeclndatnr
et concordia, pax tranqnillitasqne in nrbe conservetnr. Ac nisi
senatns principis anctoritati innixns in nrbe regat, ipsnm pacem
et tranqnillitatem conservare non posse. Proinde regendi ins et
anctoritatem a principe pendere, atque ab eodem formam prae-
scribi necessarinm fnisse. *Nec hoc solum ad tranqnillitatem *p. 649,
nrbis facere, qnod opificnm cnriae non admittantnr et senatns
a principe constitnatur removeatnrqne, cnm ex snperioribns satis
snperqne intellexerint, si, nt imperinm decrevit, restitntio fiat,
plebem existimatnram sibi eodem qnoqne decreto cnrias opifi-
cnm facere conventicnlaqne habere permissnm esse, ideoqne ea
omnia a senatn in pristinnm statnm restitnto extortnram. —
Ad id, qnod a senatn adfertnr, si Privilegium et libertas sint
cansae motns, nnllam nniversitatem qnantnmvis parvam, imo ne
Telgeticam qnidem rempnblicam a motn fore immunem, respon-
detnr: iUud hie locnm non habere, si cnm Monasteriensi nni-
versitate conferatnr, cnins seditio non sine magno principis et
totins dioecesis incommodo componi possit, Telgeticns vero motos
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•908 Anno 1541 acta.
facile, sicnt snperiori exemplo satis ostensnm sit. — Si ins com-
mune scriptum expendendom sit, ipsos se magistratu non posse
abdicare, cum munera publica gerant, quae nullam excusationem
admittant, et antiquitus in hac civitate receptum sit, ut nemo
in hunc ordinem adscitus excusatione uti queat. — Ad haec,
•etiamsi princeps ins constituendi remoyendique iudicem habeat,
saepe tamen antehac in eo quibusdam contentionibus interiectis
ipsum impeditum et turbatum fuisse. — Sibi quoque consultum
videri, ut, quoties a captivis cruciatibus veritas sit extorquenda,
id praesente iudice fiat. Nam non solum delictorum confessione,
verum etiam ex vultu, gestibus aliisque circumstantiis male-
flciorum rationem cognosci posse. — Praeterea penes principem,
qui ins gladii habeat, merito esse pro clrcumstantiarum ratione
flagitiosos relaxare. — Consiliarios etiam et a capitulo delectos
in civilibus causis magnum abusum in iuris et iurisdictionis
principalis eversionem animadvertere, ut a sententia per prin-
cipis iudicem lata ad senatum appelletur, cum appellationes non
contra naturam sui a snperiori ad inferiorem iudicem devol-
vantur; proinde, ut naturae ordo servetur, sibi videri iustum,
ut degravatus ad principem provocet. Sibi etiam aequitati con-
forme videri senatum in causis civilibus posse civibus securi-
tatem publicam dare; sed cum arrestatio per iudicem principis
"p. 650. facta sit, senatui adversus eam non licere cuiquam *tutum com-
meatum dare, et multo minus in causis criminalibus ; illam
enim securitatis dationem ad solum principem illiusve praefectos
spectare. — Quantum autem ad gograviatum Sendanum perti-
neat, se non ignorare doctorem Wick et alios quosdam senatorii
ordinis vires nuper a senatu legationis obeundae causa Iburgum
missos, qui cam principe de articulis quibusdam agerent, nerope
ne quis in circuitu urbis Monasteriensis intra unum milliare
cervisiam panesque ad vendendum coquat, ac ut principem exo-
rarent, ne gograviatum Sendanum oppignoratum redimat*. Se
') In Bezug auf die Gografscliaft zu Senden findet sich im Rats-
protokoll Yom Jahre 1536 (Stadt-A. M.) folgende Notiz: „. .. Die qnidem
Ticesima prima mensis Augusti sin beide borgermeister by meister Everdt
^an Eylen gewest und emme omb gestalt und na gelegenheit der gogreve-
.schap tho Senden und der yrygeiichte gefraget, off de oick yan unsen gne-
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Anno 1541 acta. 90()
itaqae nnnc scire percupere, qnanti gograviatas oppignoratns sii^
qnantaye pecnnia redimi queat. — Si etiam senatus friegraviatus
tribnnali nti velit, ne plos sibi inris, quam habeat in eo, sibi
vindicet neqne caasas ab imperio non permissas ad hoc tribnnal
pertrahat. — Eruptionem adyersus forenses, qni cives concus-
serint, principis iurisdictionem et auctoritatem plurimnm violare,
qnare illad impetrata difficile fore, com id toti dioecesi non sit
tolerandnm, imo ipsi senatni molestias varias illatnmm non te-
mere snspicentnr. Si enim homo temerarins et ad seditionem
pronns levi de causa foris extra nrbem cum aliqno contenderet
et temere adycTSUs illom se erigeret, posse hunc de gravi in-
iuria sibi praeter meritam illata apnd senatum queri et prae-
sidium ad hostem sunm perseqnendnm capiendamque sibi de-
cerni poscere; quod si a senatn sibi negaretnr, sangoine sibi
coninnctos aliosqne seditiosos adversns senatum ipsum concita-
turum, unde primum inobedientia, inde motus civilis sit me-
tuendus. Si vero senatus eruptionem permittat, magnam ipsum
ad tumultuandum occasionem daturum. Quod autem haue erup-
digcn hern tho lene gain, und des widers sinen gaden raith und gunstig'
bcricht begert, off sie des oick moegen op gemeinen leendage na gewondt-
lieber wiese gesinnen mögen laten. Dar ap meister Everdt vor eirst ge-
antwort, be wolde sieb des eirst cn bj den rbedcn wider befragen . . . und
dan dem rade wider bescbeidt geven. Als solcks oick am selvigen dage
na mitdage dorcb den dorwedder an emme gesonnen und dar up ein ant-
wort erlangt, he bedde angezeigte meinunge and gesinnen des raitbs uns-
sem gnedigen bern selver tbor kennen geven, und emme vor antwort be-
iegcnt worden, sin g. wolde des in bedencken nemmen etc. Dan emme
duchte geraden, dat nien nichts demin als morgen up dem lehendage umb
die belenunge gewondtlicber wiese lethe gesinnen etc. — Demnae ... die
122. Augusti hefft de olde borgermeister Dirick Munsterman . . . up gemeinen
binnen Munster geholden leendage ein zeedell overgegeven diefs inholdt»
in effcctu: „Gnedige furste und her! I. f. g. borgermeister und raidt diesser
Stadt Munster, so van i. f. g. verordent sin, undertbeniges fljtes biddende
und begeren, i. f . g. . . ., se mit der goegreveschop tho Senden und sunsi
anderer gerechtigheit der vrygerichte, dar mit sie van i. f. g. vorvadem
vormails belenet gewest, oick gnediglichen belenen willen, i. f. g. hoich-
mildichüit hir inne anroepende etc. ..." Und als gemelte Munsterman de
zcdell overgegeven, hefft he oick van wegen des raidts de belenunge der
maiten gesunnen und entfangen, oick gewondtliche huldunge und eidt wie
ander Iheenmans gedain.**
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910 Anno 1541 acta.
tionem defensionem iure pennissam esse existiment, per hoc se falli,
cum defensio moderamen incolpatae tntelae comprehendat; si aut^m
plebs fnrere inciperet, metas incnlpatae tntelae sine dubio trans-
grederetur. Secundo, si talis defensio civibns adversns snos op-
pressores permitteretnr, ad qnid magistratns, ad quid princeps,
ad quid satrapae et praefecti, si qnisqne index snae cansae esse
qneat? Tertio, etiamsi oppidanis permissnm esset civium oppres-
*p. 651. Sorem armata *mann perseqni et capere, qnod tarnen nnnqnam
expresse permissnm sit, attamen enndem in nrbem» abdnceDdnm
ibidemqne in carcerem detmdendnm non esse, sed illi potins
satrapae sen praefecto, in cnins inrisdictione apprehensns ftierit.
tradendum, qni illnm indicio qnibnslibet ins snnm perseqni V(v
lentibns sistat. — Si etiam Monasteriensibns libemm esse de-
beat iniuriam civibns illatam in inrisdictione principis yindicare,
oppressorem perseqni enndemqne capere et ad nrbem rapere,
eodem inre qnoqne principi licere oppressorem snornm subdi-
torum in nrbem fngientem perseqni, in ea apprehendere et sioe
senatns intercessione edncere ednctnmqne poenis afficere. Qnod
enim nni instnm sit, alteri ininstum esse non posse.
Ad haec Monasterienses : Se iternm atqne itemm effla«ri-
tare, nt ex sententia et decreto imperii in pristinnm libertatam
et privilegiorum statnm restitnantnr. Qnod si flat et opificara
cnriae non admittantnr, tranqnillam se rempnblicam habituros
confidere. Ad haec, nt magistratnm deponere sibi princeps per-
mittat. — Ad id, qnod addnctnm sit, mnnera ista esse publica,
qnae excusationem sni non admittant, se respondere: quemlibet
quidem debere de repnblica bene mereri et, qnantnm fleri possit,
illi prodesse. Verum cum hie magistratus sit perpetnns et ad
vitae finem nsqne sibi impositus, se cum remm snamm dispen-
dio ad illnm astrictum non esse existimare^ — Et cum con-
•) Ma,: urbe.
^) In einem der Papiere im St-A. M. a. a. 0. beklagt sich der IUI,
dafs seine Mitglieder „an erer nerange und geschefften dorch ere beswe-
mnge thoruggesatt, dewile unse gewontliche genatt, wiewoll klein gewest,
uns oick affgeknrtet.*' Es scheint ihm „nicht geraden noch mogelich, wy
des regiments mit nnser eigen beswerong und entgeltniTs tho dragen; oick
dar tho unverplichtet*
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Anno 1541 acta. 911
siliariis utile yisnm faerit praesente indice quaestiones capti-
Yormn fieri, se pntare non esse illnd operae precium, cum crimina
a reis extorta ipsi offerantur, unde non obscure maleficiorum
circumstantias elicere queat. — Quod etiam princeps absqne
senatus voluntate facinerosos relaxare possit, non sine periculo
reipublicae id futurum, cum incendiarius et latro pecuniae gratia
Tel alia de causa a principe relaxari possit. — Quod autem ap-
pellationis natura invertatur, cum a iadicio principis ad senatum
appellatum sit, ad hoc se fespondere: appellationem iUam non
esse, sed potius relationem, reductionem atque instructionem,
cum ex iisdem actis fiat. Senatum enim cum consilio iudicis
ex iisdem actis facere declarationem, et esse haue unam instan-
tiam. — *Publicam securitatem et cpmmeatum semper, ut dic-*p. 652.
tum sit supra, antiquitus datum fuisse, neque se videre, quo-
modo haec consuetudo cum aequitate pugnet. — Ad articulum
gograviatus Sendani se neque aliter scire neque audivisse un-
quam, quam hunc a nobilibus de Schonebecke pecunia emptum
esse et a senatu ante hominum memoriam possessum. — Qaan-
tum ad eruptionem civilem, si, quo tempore et in qua causa in-
iustam ernptionem fecerint, sibi aperiatur, se eias rationem red-
dituros. Hinc misere et flebiliter queruntur, quid superiori anno
prope Schoppingam civibos suis acciderit.
Post deliberationem habitam consiliarii respondent: Se
pluribus verbis cum senatu non decertaturos, sed ea, quae sunt
producta et proposita, ad principem relaturos. Ipsum sine dubio,
quae aequitati sint conformia, acturum. Verum quantum ad
gograviatus iudicium in civilibus causis attinet, sese extricare
nondum posse, quae post latam sententiam causa ad senatum
sit referenda; se itaqne respondere, qaod non sit reductio, cum
ab arbitris sententia non sit lata. Secundo relationem non esse,
cum ea ante latam sententiam fiat Belationes qnoque aliam
habere naturam et ad superiorem fieri. Illud tamen sibi utile
videri, ut hie articulus ad cognitionem principis et totius dioe-
cesis reiiciatur. — Quod facinerosi absque senatus consensu a
principe non sint relaxandi, se ea in re mediam quandam yiam
excogitasse, haue videlicet, quod si princeps maleficum dimittere
velit, quem senatus non esse dimittendum contendat, a principe
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912 Anno 1541 acta.
tres snoram consiliariornm in dioecesi, et non aUunde, ortos
esse designandos, coram quibus tanqnam indicibns renüsso ipsis
prins Inreinrando ntrinqne rationes proponant, hinc quibus di-
mittendnm, illinc vero qnibns non dimittendam, sed capitali in-
dicio consistendnm esse censeant; et herum decreto utrinque
acquiescendum esse. — De commeatu quoque dando senatum
causas audiyisse, cur solus princeps in quibusdam casibus sibi
eum vindicet. — Eruptionem etiam civilem plus incommodi quam
commodi allaturam*; aequitati quoque adversari in principis
^p. 653. inrisdictionem irruere eamque praefracte ^violare supra dictum
est. Se tarnen a senatu in medium adducta ad principem rela-
turos. lUud autem ab ipso se consecuturos sperare, nt ciyibus
oppressorem seu bestem suum in iurisdictione principali perse-
qui et apprebendere liceat, si tarnen id sine subditorum incom-
modo fiat et maleficus satrapae seu praef cto, in cuius dominio
apprehensus sit, tradatur.
Senatus bis exasperatus in abdicatione magistratus perse-
yerat. Ad quod consiliarii : se a principe eins rei nullam neque
commissionem neque permissionem habere; hortari autem se et
fideliter admonere senatum, ne officia sua, priusquam haec omnia
ad principem referantur, deponat. Se non dubitare principem
clementer ad omnia responsurum. Senatus ea lege annuit, ut
brevi sibi respondeatur, cuius animi princeps sit. Quod consi-
liarii se apud principem effecturos pollicentur. Eis ita actis
digrediuntur.
Cum autem de reipublicae forma mitiori et tolerabiliori
reddenda aut pristina saltem recuperanda ultra quinquennium
iam cum principe actum esset neque ipse princeps vehementer
offensus iusiurandum remittere vellet, sedatiores quidam senatorii
ordinis alio modo cum principe offcnso agendum esse censent<^
si priyilegia antiqua sint recuperanda ^ Hermannus itaque Heerde,
a) Ms,: allatarum.
^) Von hier an stimmt Eerss.'s Bericht wieder in den Hauptsachen
mit dem in der „Körten anteknnge** überein. Diese hat keine Kenntnis
Yon den eben von Kerss. mitgeteilten Verhandlungen. Unmittelhar nach-
dem das Regiment des Statthalters und seiner Diener als ein tyrannisches
charakterisiert ist, heifst es dort weiter: „So nun dit durede int seyende
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Anno 1541 acta. 913
tnnc temporis in senata aedilis (postea consnl factns com om-
niam civinm applansn rempnblicam Monasteriensem per mnltos
annos optima et prudentissime rexit), vir placidus et mire fa-
cnndns, hie ope et consilio Hermanni Schenckinck, patricii, usus
in familiaritaten) Frederici a Twisth, satrapae Saxenbnrgici et
anlae episcopalis praefecti, se insinaavit, qni ea apud principem
anctoritate valuit, nt minorem episcopnm ipsxun passim appel-
larent, et nomine senatns Uli obtulit dono sexaginta fiorenos
anreos deque pristinomm restitutione privilegiornm cnm illo
collocntns est >. Et dnm crebris conyentionibus habitis inter se
ea de re agerent consiliaque communicarent, qnomodo apud prin-
cipem restitutionis negotium commode conficeretur, Twistius in
aegritudinem incidit, cuius curam loannes Wesselinck, philo-
sophiae et medicinarum doctor ac principis medicus, suscipit.
Accidit autem interea, ut Herde ac Schenckinck coeptum civi-
tatis * negotium peragere cupientes Twisthium conveniendi facul- »p. 654.
tatem quaererent, sed ne creber ille conventus malevolis, qui
intercedere et impedire coepta possent, rem prodat, ideo eam
jar, wort van ethlichen vorgenamen, offt man an den reden nicht erlangen
konde, dat man einen gnedigen hem mochte bekommen, und disser handel
np andere wege werden gestalt." Dann folgt die Notiz: „Dat wort oick
gesacht, dafs die furste, capittel und ritterschafft der sake nicht woU eyns
worden, und wafs dar nicht mede thofreden, dat sloth in der stadt solde
yan sine f. g. und der landtschofif gebouwet werden; und wolden dat ca-
pittel und ritterschap für sich hebben und. den fursten dar nicht uplaten,
were tho besorgen gewesch, dafs sie der furste dar oick mit zukumpftich
mochte dwingcn. Darumb trachteden etliche und sich daruff malckanderen
berachtslageden, wo men den handel up dat beste angripen mochte.^
') In der „Körten antekunge^: „Desser einer wart genant Herman
Heerde . . . kcmner, ejn dapper, geschicket, verstendich und wolberedt
mann . . . Die begafiF sich by einen der oversten rede, die ock des fursten.
woll mechtigh wafs und emme vacke in sinen fürstlichen saken Yolgede.
Desse hette Frederich van Twiste, den men oick den luttiken bisschop
nomde. Als nun genante Heerde der restitution halven redde mit enne^
so gaff he inne eyne vererunge des rades wegen als men sechstich golt-
gülden, und boscheiden sich darnach vaken bieinander und bewogen, wie
man den handel mochte beste inieggen, und thoch manck anderen bi sick
Herman Schenckinck, oick eyn wolbereden und wolbeschickten mann van
den erfifmannes, die do thor tidt winher wafs.*
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914 Anno 1541 acta.
Twistius Weslingo committere illoqne pro intemuncio nti con-
stitnit. Proinde commemorat Weslingo, qaod senatos Monasteri-
ensis Herdennm et Schenckingam privilegiornm recnperandomm
gratia ad se ablegaverit, qni secum ea de re serio egerint: ne-
minem vero ad eam secnrins diligentiusqne ac sine snspicione
conficiendam inyeniri posse, qnam ipsum doctorem; iUnm enim,
cnm Sit civis, civitatis commodum singulari sine dubio fide cnra-
tnmm, et cnm sit medicns pnblicaqne persona, ipsnm citra sn-
spicionem nllam tarn apnd principem et se qnam apnd Herde-
nnm et Schenckingnm omnia sibi clancnlnm commissa tntins
referre posse. Weslingns in gratiam civitatis se id facturum re-
cipit, qnare per ipsnm Twistins Herdeno et Schenckingo nnn-
ciat, ne ad se Saxenbnrgnm vitandae snspicionis cansa veniant,
se, qnicquid a se apnd principem effici velint, doctori intemnncio
ad se perferendnm concredent^.
Haec cansa mnltis modis agitatnr et volvitnr anno 1541
Jan. in lannario. Sed Twistius spe nberioris quaestns mnlta inter-
iicit, moras nectit causamqne procrastinat, nnde senatns Twlstii
mentem non obscure intelligit. Quare per doctorem loco hono-
rarii quadringentos florenos anreos ipsi addicit. Nihilominns
tamen maiora sperans rem sno solius astn ad festnm Paschae
*) Die „Körte antekunge**: „Nun begaff sick, dat Prederich von
Twiste . . . kranck lach zum Sassenbergh ; wafs einer unser borger Johann
Wesselinck, doctor und nach der tidt richter diesser Stadt Munster, by ge-
dachten Twiste, quam und plegede eyn radt in siner kranckheit Do nn
np eyne tidt genante Heerde und Schenckinck bogerden, by Twiste tho
komen, nam Twist den doctor alleyne und mit langer Yerworden und prote-
Station, dat he ime in dat geheime und geloven seggen wolde, und were
dit: he were besocht von etliken des rades tho Munster, und nomede Her-
mann Heerden und Hermann Schenckinck, wie sie gerne wolden, den atandt
der Stadt Munster up andere wege thobrengen, und dat sie mochten wedder
tho ehren Privilegien und aller rechticheit bracht werden; so wüste dann
Twiste nemandt dar beth tho gebrucken, dan eyne, den doctor, wante he
konde oick unbedacht bie den fursten, enne sulvest, Twisth, Herden und
Schenckinck komen. Dar sich dann die doctor inbegaff. Dess schreff Twist
eyncn breff ane Herden und Schenckinck, dat sie nicht thom Sassenberge
komen solden, ume verdenckens und archwans willen, dann wat sie ge-
werven und gedan hebben wolden, datselve sollen sie dorch doctor Wesse-
linck uthrichten; die konde unbedacht äff und an by den forsten komea.*
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Anno 1541 acta. 915
prodncit existimans se ampliori praemio pro rei inaestimabilis
recnperatione dignnm. Senatns cnm sammam principis clemen-
tiam et gratiam pollicitatione dnoram millinm florenonim pro
grata remnneratione sibi comparasset, morae cnlpam in solum
Twistium coniicit. Princeps etiam morae irapatiens, cum pecu-
niam sibi a senatn promissam solvi affectaret, Twistiom obinrgat,
quod negotii finem non faceret \ Twistius ergo malam principis
gratiam metnens diutius rem protrahere non audens Herdenum
et Schenckingnm cum curiae amanuensi et utroque Weslingo,
quorum alter, de quo supra, medicus, alter vero iuris licentiatus
et urbis iudex erat, in villam rusticanam cognomine Oedinck-
bergam ad se vocat, ubi restitutionis negotium sursum deorsum-
*) Die „Körte anteknnge"; „Dese underhandelunge heff sich an dat
jair 1541 im Januario und wort für und nach se vaste und feile gedreven;
wante Twiste vertogh die tidt, hewoch dar follc beswercns inne, gedachte,
darvan tho hebben; und unse lüde weren arm; dar was ghin gelt vorhanden,
de Stadt borde keine opkomste, wante de stadtholder war gruith- und win-
herr. Doch wart dem doctor befoelen, dat er dem hoffmeister Twiste tho
cyrier vererunge solde sprecken vierhundert goltgulden. Nu verstreckede
Twisth den handel byfs nach Paschen, und men konde nicht thom ende
komen der mejnunge und ansehunge, dat Twist mit soe kleine vererunghe
nicht zufreden wass. So wüste men nu, dat der furste willich wass, und
verdrott ine, dat Twist den handel so langh vertzogh, konde oick wall
mercken, dat Twisth datsulvige dede ume syne gizeheit willen; wass ock
den fursten gelavet zwey dusent goltgulden, die he ock gheme gehabt.
Das furderden de frunde des rades vasth und vill an doctor Wessclinck
und ho, Wesselinck, an den fursten und Twist "* Dann folgt die von Kerss.
unbeachtet gelassene Notiz, dafs der vom Bischöfe i5-4L zum Reichstag
nach Regensburg entsandte Licentiat Mumme seinem Herrn meldete, „dat
etliche der hem und rikestcden nicht wolden tho der Session eher, das de
Stadt Munster weder restitueirt wer, we dan der forst, capittel und ridder-
schaft dem riche toesaege gedaen und ine nicht goholdcn wort.** — Der
Bischof erhielt später in der That 20' K) Gulden von Seiten der Stadt. Die
,,Korte antckunge** berichtet darüber zum Schlufs: ^Und men gaff den
fursten für die eerste restitutio thwee dusent goldtgulden ; dat eyne dusent
wort gedan in eynen sulveren geschenckc, soe vergoldt war, dat wort ge-
kafft von burgemeister Willibrant Plonies vor eyn hundert goldtgulden und
wort gesant dorch Johan Wesselingk licentiaten . . ., de praesenterde dat
den fursten tho Iburgk ; und dat ander dusent goldtgulden wort den fursten
gebracht tho Horstmar durch Johan Wesselingk doctor, des forsten me-
4licus . . ."
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916 Anno 1541 acta.
qne YoMtor. Sed cmn in eo conventn nihil certd decemeretnr^
alins conventus ad enndem locnm indicitnr, nee in eo qnicquant
definitmn foit^. Becepit enim Twistias se in prioribus con-
*p. 655. ventibns acta ad principem *prins relatnrum sine hnina anc-
toritate nihil fieri oportere asserens; hnins se decretum prope-
diem rescriptnrnm. At cnm responsio illa ad multos dies proro-
garetar, senatns metnit, ne in eversionem actomm omninm et
civilis libertatis perniciem res prodatar. Quare Weslingus me-
dicns snggestione senatns die Mercnrii post dominicam Exandi,
1. Jani. qnae fnit prima lanii, per literas ad Twistinm datas responsnm
serio poscit; moram enim istam dintumam mnltonim malomm
causam esse posse. Tunc tandem rescribit, nt qnidam senatorii
ordinis viri cum utroque Weslingo ad diem Lunae, quae Pente-
6. Juni, costen sequitur, quae fnit 6. lunii, in coenobium virginnm
Rengerinck veniant. Huc ubi princeps cum suis et Wilbrandus-
Plonies consul, Bemardus de Tynnen, Hermannus Schenckinck,
loannes Bischopinck, patricii, Hermannus Herde et Gerardus
Averhagen, plebei senatores, venissent, de omnibus antiquis privi-
legiis, libertatibus et moribus civitati restituendis coeptum est.
agi. Intemuncii vero et quasi sequestres inter principem et se-
natum duo Weslingi fuere, per qnos ntrinque res peragitur*,
') Die „Körte antckunge^ giebt nun zunächst ganz kurze Notizen
über die Belagerung und Eroberung Münsters, über den Tag zu Worms
im November 15:30 und die erfolglosen Verhandlungen der Reichskommis-
sion zu Münster im März 15H6. Dann heifst es weiter: „Darmit ich nu
wedder up die restitution komc, wort die handel van den Twiste van der
eyner tidt up die andern verthogen und verbleff also, dat men ejnen guden
frnnde dor tho bnikede ; die toch na den fursten . . ., den vertalde do die
forste, dat die officiall . . . van Regensbergh geschreven, damp he do dem
fursten verantwordt, dat sulchs ock tho Munster gesacht werde; dar dann
up beslotten, dat die sulfifte vorth van stunden an mit einer credentz ane
dem Twiste gesant, der do ock dagk und nacht reisede; und so Twiste he
des fursten meinunge entdeckede, sande de zu fnegen an Herdon und Sehen-
ckinck, dat sie den negesten folgende morgen solden komen up einen hoff
in dat kerspell van einen genant de Schulte thom Oldenhoeve, und bringen
mit sich die beiden Wesselingk und eren secretarium. Do die dar quemen,
wort gehandelt,- doch nicht entlick beslotten, unde wert achte dage dar-
nach wedder eine bikumst up densulvigen hoff bestemmet."
') Die „Körte antekunge**: „Twist nam sick an, dat he dat wolde
bringen an den fursten. Do nu weder von dcnsolvigen upt lengeste ver-
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Anno 1541 acta. 917
SeA cum antiqmtns receptum et longo nsn confirmatnm Msset,
nt in gratiam civis alicuins com qnovis etiam militaris ordinis
Tiro foris extra nrbem controyersiam habentis porta aliqna nrbis
noctnmo tempore ad persequendnm bestem snnm aperiretar,
Twistins hone articnlam civitati mnltas ob cansas non esse per-
mittendnm contendit. Weslingi animadvertentes Twistium am-
pliora manera habendi desiderio flagrare — , qnod cnm senatori-
l3ns enunciassent, consiUo snbito inito pro qnadringentis prios
^ddictis decemnntur illi quingenti floreni. Quod cum Twistio
"Weslingi nomine senatus clancnlum indicarent et, nt negotio
iaveret, obsecrarent, ipse capite more sno nutans se et bombar-
dam bene promemisse afBrmat, qnae etiam illi re iam trans-
ikcta nna cum pecuniis dono mittitur^ Princeps ergo remisso
'handelt, wort die affscheit genommen, dat he wedder wolde an den forsten
trecken und eyn entlieh boscheit thoschriven, welcher sich ock vertogh,
^nd men sich hir besorgede, dat die handel uithbrecken werde; begerden
^e nnderhandelers Yon den doctor, dat he .wolde an den hoffmeister Fre-
«derich van Twiste schriven, dat die sake möge geendiget werden. Nu wort *
in den solfften schrifften viel bewegen, wat nnrath uiTs der verstreckunge
«rwachssen konde, und wort diese breff geschreven den godensdag nach
JSzaudi ... Defs kroch do die doctor eyn schrifftlich antwordt alsuss In-
«dende, dat etliche perssonen des rades solden den mandach in den Pinzten
•den vormiddack komen tho Rengerinck in dat kloster, bringen mit sich die
•beiden Wesselinck. Defs togen dar hen her Willebrant Plonies borgemeister,
Berent van der Tynnen, Hermann Schenckinck, Johann Bisspinck, Hermann
Heerde, Gerdt Averhagen und noch etliche mehr. Da wort nu dar thor
^tede in der saken dapperliken gehandelt, und underhendelers weren tuschen
«den fursten und raide die beiden Wesselinck."
0 Die „Körte antekunge**: „Do mangelde die sake mjt ejnem ar-
-tikell, des men sich nicht vergelichen konde, dar oick Twiste grothe bo-
swemiss aver makede, welcher artikell wass doesse, dat men de rechtig-
keit und oelden gebruick in der stadt Munster bessher gehatt hedde, wann
•eyner van den bürgern defs mit jemandt buthen der stadt Munster tho
•donende hedde, he were dann van der ridderschafft offte anderss, den plege
man oick by nachten eyne porten tho oppenen tegen sine viande. Als dat
nu nicht werden wolde, sachten die beiden Wesselinck: Summa, hie will
mehr hebben. Dar wort do beslotten, men soelle ine baven die verhundert
«ynhundert gülden geven. Do nu datsulvige ine von den Wesselingen wort
angesacht, wenckede na siner wise mit den hovede und sachte, he egcde
ock wall ein stucke geschuts; oick wass men dat willich, und da waer ime
do ein valkeneth gefoirth, welcher dat sniderampt hadde wandages laoten
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918 Anno 1541 acta.
snperiori iureiurando omnia privilegia, inra, libertates, mores^
(6. Aag.) consuetudines habitas antiqnitus non tantom senatui reddit»
yerum etiam civltatem nniversam cnm omnibns civibns in pri-
stinnm statnm plenissime restitnit, sed curias opificnm, vnlgo
gyldas, eammqne conveDticula, nnde omnia in nrbem Monasteri-
ensem mala primnm proflaxerint, nnllo modo se latomm \ Prae-
cipit insnper senatni, nt intra annnm leges, statata et plebiscita
*p. 656. anti^qoitns usurpata ad pristinmn asnm revocet novaqae iura
in civilis libertatis et emolumenti angmentnm condat eaqae
omnia agat intra sna moenia, qnae sine inris alieni strage snam
geten, dan die snider scher stonde dar noch up." — In dankbarer Aner-
kennung der Verdienste Twist's um die Wiedererlangung der alten Privi-
legien hat die Stadt Münster in einer Urkunde Yom 9. Juni 1542 (gedr.
bei J. Nieser t: U.-S. I. S. 290 ff.) den fürstlichen Hofineister und dessen
Erben in ihr Bürgerrecht und ihren Schutz aufgenommen ; wogegen Fried-
rieh Yon Twist sich für sich und seine Nachkommen verpflichtet, in seiner
Erbbehausung keine Feinde Münsters zu dulden oder zu schützen, vielmehr
soll sein Erbhaus aUe Zeit ein offenes Haus der Stadt Münster sein, damit
diese von da aus ihre Feinde verfolgen könne.
^) In der ^Körten antekunge*' heifst es nur kurz: ^Up sodanige ver-
ehmnge dede der hoeffineister den uithsprocke, und sine f. g. gaff jdem
die handt und scholt ine den oelden eidt qwidt, welchen se den forstoi
up den Brockhoff voer Monster dein mosten. So dat gescheit, gungen di&
ogen aver eyn jderen. Des wort der loffliche furste oick beweget, dat sine-
f. g. kume redden.^ — Die Restitntions-Urkunde des Bischofs (Orig. im
Stedt-A. M. I. Nr. 9, Abdruck bei J. Niesert: Ü.-S. I. S. 314 ff.) datiert
vom 5. August 1541. Zwar setzt sie die Bürgermeister, den Rat und die
sftmtlichen Einwohner Münsters wieder ein „in aUe ihre vorige lofwirdige
Privilegien, herlicheiten, auctoriteten, übunge, gepreuche und gerechtig-
heiten,^ aber es bleiben dabei doch noch wesentliche Beschränkungen be-
stehen. Abgesehen davon, dafs «hinftarter die gilden . . . genzlich abgescaft
und uffgehaben sein und pleiben^ sollen, wird die Gültigkeit der Wahl der
Batsmitglieder von der Bestätigung des Bischofs abh&ngig gelassen. Die
Rechenschaftsberichte der einzelnen Rats&mter sollen einmal jährlich in
Gegenwart bischöflicher Räte gegeben werden; u. A. m. Die Religion be-
langend soll „binnen Munster kein emeuwemnge noch endemnge furge-
nommen noch durch den rath gestattet werden biss zur zeyt, das weither
Yersehunge oder maifs und Ordnung bey dem heiligen Romischen reyche
angestalt und publicert werden.^ — Am 22. August 1541 wird dieser Yer-
trag vom Bischöfe und dem Rate noch einmal ausdrücklich bekräftig
(Orig. im StadtrA. M. I. Nr. 10).
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Anno 1541 acta. 919
rempnblicam meliorem reddant; se ea approbatnrnm et consi-
gDatnram K Inde tarn achter potatmn est, ut, qnomodo digressi
faissent, nescireDt. ütrinqne enim erat gaudinm ; hos munera non
contemnenda, illos vero restitutio privilegiorum exhilaraverat *.
Post aliquot hebdomadas Twistins apnd principem effecit^
nt senatui arcem, civilis libertatis repagalum in nrbe extrüctum,
demoliri Uceret'; quod cum fieret, civitatem in integrum iam
xestitntam esse patescit. Qoae res mnltomm invidiam civitati
non faventinm ita excitat, nt penes solam principem citra ali-
ornm statnnm assensnm restituendi auctoritatem esse negarent
et adversQS restitutionem illam iam factam clancalnm aliqaid
molirentnr. Proinde princeps, nt ratum snmn decretnm adversua
qnoscunqne persistat, cum civitate Monasteriensi et reliquis to-
tius dioecesis oppidis foedus init, illudque signis 20. Mail anno
^) Darüber besagt die Urkande Nichts. Doch heilst es in der „Körten
antekuDge'^: „Nu wort den borgemeistem und raides freunden by die resti-
tution befallen, und sie laveden oick den fursten, dat sie soliden eine loff-
like pollicic binnen jars instellen, darmit eindracht and borgliche nehmnge
in der stadt angerichtet und erholden worde; datsulve wolde sine f. g.
försiggelen.^
*) Die „Körte antekunge**: „und also ginck men vorth tho dissche
Sitten, dameffens wort dapper gedruncken; die furste sanck mit den frunden
und makede sich ghuder zier und uithermaten frolich, also dat men kume
wüste, wo sie van einander gekomen weren . . .**
') Ueber die Schleifung der Engelsburg giebt auch die „Körte an-
tekunge** keine genaue Nachrichten. Sie meldet nur: „Uir wer nu mit in-
thoteken, wie das men mit den blockhusem gefaren, dat noch staen blef^
und doerfte die radt dat nicht affbrecken laten sunder consent und willen
des fursten; und wie Twisth dat ock yertzog, und durch wilche dat noch
wart verhandelt, dat eyn erbar raidt eyn schrifft van den fursten kregen,
dat men dat mochte daell brocken/ — Bei D. Lilie S. 262 heifst es,
dafs der Bischof nach Herstellung der Einigkeit in der Stadt „den inwon-
ners genedeliken vorgundt, alle blockhuser umme de stadt unde dat block-
hues, so in der stadt begunnen to timmeren, to der Stades besten affto-
brecken unde slicht to roaken.** Herm. Uamelmann S. 1287 l&fst die
Engelsburg „ex decreto imperii" geschleift werden. Vgl. auch C. Schele
a. a. 0. S. 123, der berichtet: „Senatus vero recepta ab episcopo arce
tjrannicum quiddam sapere eam et onus urbis ratus ac, ne populum plus
satis contra se commotum arce retenta magis etiam excitaret, funditos
everti mandat"
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920 Anno 1542—1550 acta.
(ss/Son.) ^^^^ ntrinque confirmatur*. Et nt firma sit haec episcopalis
privilegiorum et libertatnm pristinamm restitutio, senatns a
s^MaiL ^^^^^ Quinto iroperatore eins confirmationem 8. Mail anno 1544
impetrat ■.
Senatus, nt principis mandato satisfieret, Franciscum Wer-
nenm, cnriae snae amannensem, ad aliqnot nrbes iura, plebiscita
et consuetudines petitum ablegat, quibus circumstantiamm rar
tione temperamento addito in sua republica uteretur. £t quamvis
senatus in politicis istis legibus scribendis plurimum eniti et
laborare videretur, nihil tarnen certi conficitur, sed res ob dis-
ceptationem et secessionem patriciorum, qui plebeiorum sta-
tutis se noUe constringi contendebant, in annos aliquot differtur.
Proinde quidam, qui principali restitutioni superius factae inter-
fuerant, in gratiam civium apud principem et Twistium de con-
scribendis et absolvendis a senatu politicis legibus agunt; ea
enim mora civilem libertatem et utilitatem magno civium malo
in suspenso teneri et procrastinari. Horum ergo instinctu prin-
ceps senatum per scripta, ut pactis et conventionibus satisfaciat,
aliquoties admonet et urget; et nlsi propediem id fiat, se sena-
*p. 657. torum bona arestis intercipere minatur^ Ideoque senatus *timore
') Der Widerspruch des Domkapitels und der Bitterschaft gegen den
Yon dem Bischöfe ohne Zuziehnng der Landst&nde mit der Stadt geschlos-
senen Vertrag ist auch in der «Körten antekange"* mit den Worten berührt,
es w&re auch anzuzeigen, ^wie dat die hofibneister Twisth van capittell
und ritterschaft bynnen Munster angelanget, umb der restitution bescheit
toe geven, dar dan Diderich van Merfelde bei stnnt und derhalyen In nn-
genade kam, alsoe dat ine unse g. f. und her dat ampt zur Walbecke
nemmen wolde.' — Die Urkunde, mit der am 23. Mftrz 1542 die kleinen
Städte des Stiftes ^als Munstersche stent genoten** den Vertrag zwischen
dem Bischöfe und der Stadt Münster „gentzlick bewilligen, bevolbarden,
bestedigen und eynhelliger wyse ratificoren/ ist abgedruckt bei J. N i e -
sert a. a. 0. S. 286 ff.
>) Abdruck der Urkunde bei J. Niesert a. a. 0. S. 313ff.
') Die „Eorte anteknnge": „Defs sande ein erbar raidt an etliche
stede mester Frantz, ehren secretarium, sich tho erkunden, jedoch wert dat
van den ejnen jar in das ander vertogen. Ab nu dar nicht yan wort, fur-
derden daruff etliche luede und gude frunde, die by den handel gewest,
ane hoichgedachten fursten und Twisthe, umb die pollicie antorichten und
den fursten tho banden (tho) stellen; oick also, dat die fnrste yakenmaill
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Anno 1551 acta. 921
adductus qnosdam articulos ad mitigandnm principem conscribit
conscriptosque ipsi exhibet et typis excndit, quorum exemplaria
in paucorum manus devenemnt ^ Et cum civilem libertatem et
ntilitatem incolarnm non tarn angere quam minnere putarentnr,
nt praefecti cnriamm principi qaemntnr, brevi interciderant.
Postea senatus ipse ea, qnae de opificum cnriis in politicis le-
ane den raith darumb schreff und oick sich vememen leith, dat he wolde
des raides erre nnd ghoider lathen thoslaen. So sie et yernemen, doe leten
yerfaten ein erbar raidt etliche artickell in schrifiFt und brachten den herren
fnr, also dat die furste darmeddc zufiredden gestelt werden solle, und wolden
oick Yorth die rede maken und den fursten thostellen. Dan wn dar van
gesacht worden, die raidt konden sich dess under ejnander nicht vergliken,
so dat die erffmanns und borger sich der pollicie halven under einander
nicht konden verdregen, dann es dar bj biestan bleff.** Die hier ange-
deuteten, von Eerss. unerwähnt gelassenen Artikel sind wohl identisch mit
der „Ordenunge und reformation, de ingesettene bürgere und amtzverwanten
int gemeine betreffen," die aus den Akten des Stadt-A. M. abgedruckt sind
von B. Erumbholtz: Gewerbe Münsters (in den „Publikationen aus den
Kgl. Preufs. Staatsarchiven" [Leipzig 1898] S. 60 ff.). Die Artikel geben
„trotz der allgemein gehaltenen Ueberschrift nur Bestimmungen für die
Aemter."
') Die „Eorte antekunge": „Do bestnndt die furste tho furderen umb
die gelavede pollicie und was in meinimge wie furhen, der raidtshem gnder
thothoslaen. Do leith die raidt etliche articulos der policien belangende
prenthen, die doch in weinich lüde bände komen und balde wer verlaren
worden, dar oept stoende V. D. M. J. Ae." — Der Druck liegt uns vor in
der „^ftbnttng utinb poEicen !l btv ji^tabt VännfUv \f' (ein Exemplar des
Originaldruckes in der Bibliothek des St.-A. M. Nr. 14 944; teilweiser Neu-
druck bei B. Erumbholtz a. a. 0. S. 74ff.)> Der Druck ist undatiert.
Auf dem Titelblatte befindet sich das Münstersche Stadtwappen, darüber
ein Schriftband mit den Buchstaben Y. D. M. J. £. (Yerbum Dei Manet In
Etemum). Die Akten des Stadt-A. M. (s. B. Erumbholtz a. a. 0. S. 72 f.)
ergeben, dafs der Bischof am 23. Sept. 1550 den Bat Münsters ernstlich
ermahnte, in l&ngstens zwei Monaten eine nicht nur für die Aemter, son-
dern für alle Bürger und Einwohner der Stadt verbindliche Polizeiordnimg
aufzurichten, und dafs er den Termin zur Einreichnng derselben auf Bitten
des Bates am 16. Dezember 1550 um einen Monat verlängerte. Die in fünf
Quartbogen gedruckt vorliegende Polizeiordnung stammt also aus dem Jahre
1551 (wohl aus dem Anfange desselben). Bestätigt wird das durch folgende
Notiz in der Bechnung des Grutamtes für das Jahr 1&5L (Stadt-A. M.;
leider ist kein Tagesdatom beigefügt): „Item gegeven Mester God-
dert Tzwyvell voer 100 ordenunge eder policyen to drucken,
ider van 5 quaternen, is 8 daler, facit 14 Mrk 9 ^*
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922 Anno 1552 acta.
gibns scripserat, commatavit. Animadvertit enim priori modo
se tranqnillnm reipublicae statnin non posse conservare. Distiiudt
ergo opificnm corias et singulis daos yiros praefecit, qni non
cnriis sais, sed senatni iurati essent, ita ut penes senatum omne
ins cnriamm esset et mnlctas transgressionis nomine extortas
sibi vindicaret. Timebat enim, ne hac distinctione cnriamm et
indnlgentia üs permissa prinpipem offendat, qni cnrias sen gjldas
prorsns abolitas et nnnqnam restitnendas esse volnit. Qnare le-
gati ad principem mittnntnr, qni senatorii facti assensnm im-
petrabant \
Hoc cnm senatns convocatis cnriamm praefectis magnifica
oratione commemorasset, qnam si rem snmme necessariam et
cnriis ntilem impetrasset, omnee tacent, qno sibi id minime
placere significant. ünns itaqne e senatn in Lndgemm Mnm-
minm acriter invehitnr, cur nnnc lingnam instar mntae ovis in
ore teneat? cnr ea nnnc, nt alias, non ntatnr? cur nnnc taceat?
Qnibns verbis ille attonitns et constematns domnm recedit et
snbito morbo correptns intra dies pancos extinctns est*. Qnae
^) Die „Eorte anteknnge'': „Als na oick etliche articoli in der resti-
tution mit den ampten verändert werden, want ejn crbar raidt sach, dat
men mit sodaner restitation dat regiment der Stadt nicht erholden mochte,
makede die raith für erste wederomb underscheit der ampter; sufs mochte
jderman maken, kopen, verkopen, was eyne belavedc und betalen konnde.
Des stalte die raidt jderen ampte twe furwesers, die solden voer den raide
jarliches reckenschop halten, solden oick ghine biekompst maken, sonder
alleine mit des rades willen, und solde oick der ampter bodde den raide
geschworen sin. Jdoch befrachtede sick die raidt, disse puncto den amp-
tem thotholaten sunder wettent und consent des fursten, nach den mall
in der restitution was klarlich uifsgedrucket, dafs nunmiermer solden gilde
wedder gestadet offte togelaten werden.** (Am Rande : „we ein radt begert
hadde, unde nicht der forst**). „Derhalven togen etliche des rades nach
den fursten na Iburgk . . . und erlangeden dar van den fursten sjn consent
und bewilligunge, die inn oick beseggelt wert** Die Bewilligung des Bi-
schofs vom 17. Nov. 1552, in der einige Yorschl&ge des Rates dieAemter
betreffend wörtlich angeführt werden, ist abgedruckt bei R. Krumb hol ts
B.a.0. S. 77 ff:
') Die „Eorte antekunge**: „Und als nu die bewilligunge des forsten
weder an den raidt gebracht, worden die furstender der gilden dar by ge-
daget So men nu des fursten bewilligunge mit eyner groeter und langer
protestation entdecket, der hapinge und thoversicht, dat die vorwesere der
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Anno 1552 et 1553 acta. 923
res praefectos cnriamm sen gyldanim ita commovit, ut in die
Stephani Protomartyris anno 1553* ad summnm templum in g«^ b!».
antiqno choro a meridie convenirent ac de perfecta ac omnibus
nnmeris absoluta privilegiormn antiqnoram recuperatione inter
se corsultarent. Placnit tandem die Lnnae post Triam ßegnm,
quae fait 9. lanuarii, supplicibus scriptis pro restitntione pristi- jj/^^^
narnm libertatum senatum adoriri, cum intellexissent non solom
senatum, verum etiam totam civitatem et cives omnes in pri-
stinum statum a principe restitutos esse, sed a senatu eam liber-
tatem supprimi. Fuit autem supplicationis sententia^: Cum anno
1534 anabaptismus in urbe invaluerit atque ita divina pariter
et humana contaminaverit, ita summa imis et ima summis mis-
ampte dess solden hoich erfrenwet sin worden nnd den raide für ehren an-
gewanten fljth und geworvene frieheit . . . gedancket hebben, — als sie na
alle dar stille toe swegen, heff ejne van den raide nfif^ nemptlich Herman
Herde, burgemeister, und sachte: »Wie staht gy und halden die tunge in
den munde als schapff? Könne gy nicht sprecken?** mit meheren scharpen
honischen worden. Defs dan eyner, genant Logert Mumme, wort erschrocken»
ginck tho huifs, wort kranck, starfF kort darnach.^
») d. h. am 26. Dezember 1552. Vgl. oben S. 341 Anm. 1.
') Die i,Eorte anteknnge" hat zunächst die Notiz, dafs ein Bürger
Otto von Calcar, ein Krämer, und Joh. Wesseling auf Bitten einiger Amts-
vorsteher es übernahmen, bei dem Bischöfe dafür einzutreten, dafs auch
die Aemtcr ihre alten Freiheiten wiedererlangten. Dann heifst es weiter:
„üp sodane und andere bodenckunge queimen die furwesers aller ampter
by einander up Sunte Stephani dagh in den doeme up den olden köre den
nachmiddagh up 12 slagh und beslotten dar eyndrechtlichen, dat sie wolden
supplicieren ane den erbaren raidt . . . Doeses nu alsoe gescheen, und hebben
de gemeinen voerweser o£fte mesterluithe eynen supplication ingestalt und
einen erbaren raidt oberreckent up den gruthuifs . . . den mandach na der
hilligen drey Konningen im jar 53, welcher inholt deren supplication was,
dafs sie begerden van einen erbaren raidt ere olde borgeliche frieheit tho
behoff deren gemeinen ampten und ganfse gemeinheit; nachdem sie, die
raet, van den forsten weren restitueret, dar wer an thwivell die gemeinheit
nicht buten vergetten; dafs sie samt den gemeinen ampten also in den
egendoem solden bliven, wer em swerlichen tho gedolden; mit meren an-
hangende bedde etc/ — Die hier charakterisierte Bittschrift ist vom 7.
Januar 1553 datiert. Kerss. giebt sie im Folgenden in sinngetreuem Aus-
züge wieder. Der Hauptinhalt derselben ist mit Weglassung der langen,
einleitenden Darstellungen aus dem Orig. im Stadt-A. M. abgedruckt von
B. Erumbholtz a. a. 0. S. 81.
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924 Anno 1553 acta.
cnerit, nt nihil sibi tutmn in nrbe esse, sed omnia ad mani-
festam vim et ad arma spectare, omnia caedibos et rapinis intra
moenia fervere animadverterint, ideo qnosdam snonun iasto rnetn
*p. 658. * adactos sponte sna nrbe excessisse, qnosdam etiam ab ipsis
sectariis omnibns bonis, patria, nxoribns et liberis carissimis
orbatos in Inctnosnm exilinm invitos exactos miseram vitam foris
egisse, principi opem adversns violentos oppidi detentores tnlisse,
in fide et inrisinrandi religione semper permansisse obsidionis-
qne finem expectasse; principem vero, ne insontes nocentimn
poenis implicentnr, miseria et calamitate civinm commotnm
omnium privilegiornm libertatnmqne pristinamm post recnpera-
tionem nrbis restitntionem integram non solnm Hiltropiae et
Orevoniae, vemm etiam Telgeti ex singnlari gratia addixisse;
qnod promissnm principem sine dnbio iamdndnm praestitisse con-
fidant, sicnt etiam a qnibnsdam non infimis senatorii ordinis viris
snperioribns annis acceperint, qnod tamen hncnsqne nan^ sine
magno civinm incommodo dilatnm sit. Qnare se propter Denm
et pnblicnm bonnm, qnod promovere nnnqnam destiterint, ob-
secrare, nt senatns antiqna privUegia et libertates ciyinm, si a
principis indnlgentia receperit, sibi restitnat. Qnod si precibns
nllis illnd conseqni qneant, se obedientia, obseqnio et qaovis
officio sponte sna libenter promeritnros. Se tamen benignnm et
Clemens senatns responsnm, qnid homm factnms sit, exoptare.
ßespondet senatns in sna potestate non esse, sine prin-
cipis scitn et permissn propter praestitnm a se insinrandnm pIns
civibns restitnere, qnam factum sit. Si vero qnid a principe
impetrare possint, se ferre posse^. Eine praefecti cnriarnm eo
<") fOdt im Ms.
^) Die „Eorte antekunge**: „Damp nn eyn raidt ere bedenckent ge-
noemen, die gemeinen vorweseren Toer sich weder bescheiden and en den
bericht dorch ehren sindico doctor Cristianas yan der Wick gegeben: das
befremt eyn erbar raidt nicht weinich, daüs die gemeinen ampte yerweseren
en mit den gennen bemoiden, des in erer macht nicht en were. Sie hedden
eine restitution von den forsten mit einer approbation yan Römischer
Kaiseiich Maiestat mit groeter swarheit erlanget, in weicheren sie nicht
mehr hedden können erlangen, dan sie erlanget hedden; sie en woesten
oick nicht mehr tho erlangen. Dan können die amptes Toerweseren wes
Widers erlangen, als die radt erlanget hedde, das können sie woll lyden.
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Anno 1553 acta. 925
responso non satiati die lovis post Antonii, quae fuit 19. lanaarii, i9.^Jaiu
de eadem re senatni iternm supplicant; se enim principi ob va-
rias cansas et contentiones inde forte ortnras molestos non fore.
Si vero a senatn exactam libertatnm restitntionem nunc conseqni
non possint, articnlis saltem snbseqnentibus in gratiam cnriaram
snam anctoritatem ad plebem mitigandam et a motu coercen-
dum interponant '. Primum, nt permittente senatn opificum"cn-
riae libere, cnm volent, conveniant; ut ratio accepti et expensi
in cnriis coram praefectis suis, et non senatn fiat; nt ministri^
qnos nnncios vocant, suis cnriis, non senatni inrati sint; nt
curiarnm praefecti non a senatn, sed a cnriis suis eligantnr ; nt
dnnmviri ab omnibns opificnm cnriis designentnr, qni, qno*ties *p. 659.
opus Sit, cansas suas in senatn agant; nt singulae cnriae aedes
snas volnntate sna non abalienatas recnperent; ut cuiuslibet
Dan dass die raidt dartho helpen soldc, das were eren ejden und plichten
tho nadell; mit meren worden etc."
') Ausführliche^ berichtet die „Körte anteknnge**: „Wie nu die sempt-
lichen Verwesers sagen, dafs sie keine andere vertrostinge van den raidt
können erlangen, werden sie gans bedrovet, des befrochtens eynes uprorers
manck die gemeine borgerschafft. Dan sie woesten wal, dafs der bisschop
. . . en geneget was und wolde, dafs der raidt den borger ehre gerechticheit
weder solde laten thokomen; und der raidt, die was dar gans thogegen,
darnmb dafs sie also den erffraidt wolden beholden in vollmacht und das
gehoir alleine by sich hebben; ja, das noch mer wer, so hadden sie sich
danip in dem rade mit eden verstricket, dafs sie nicht solden noch wolden
genegen radt dat offte volbort dar toe geven, dafs die ampte offte ghilde
solden weder ingestalt offte angericht werden nummer, in keinen tjden.
Alsoe vergciten die guden hem ehre borgeliche frieheit in verswaeren der
frieheit, die sie uith ehre moeder borsten gesagen hadde. Dar was Her-
man Heerde der voergenger van ..." Dann wird erzählt, dafs Gerhard
Oswalt und Johann tom Brincke mit Hermann Heerde „allerley" berat-
schlagten, um zum friedlichen Ausgleich zu gelangen. Als dem Bürger-
meister auf sein Begehren die Forderungen der Aemter bekannt gegeben
wurden, riet er, „men solde noch ejne supplication instellen und die ar-
tickeis wise voerfaten und die den rade overgeven . . . Gingen die beiden
weder van Herman Heerden mit fireuwden und menden, all dinck wer wall
uithgerichtet. Dan dar was eyne dicke doer voer dat herte, dar konn men
nicht inseen. Nu waert nachfolgende supplication ingestalt und den raede
averantwort . . .** Dann folgt die Bittschrift der Aemter vom 18. Januar
1553 (abgedr. nach dem Orig. im Stadt-A. M. von B. Krumb ho Itz a.a.O.
S. 82) in ihrem Wortlaute. Kerss. giebt sie sinngetreu wieder.
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926 Anno 1553 acta.
curiae praefectus in sna curia iubendi vetandique auctoritatem
habeat. Haec, cum non iniqna postnlata esse videantur, a senatu
etiam non consnlto principe perraitti posse se non dubitare.
Qnare super bis se Clemens responsum maturrime efflagitare,
quo plebi hac vice gratificentur. Se vicissim ad quaevis officia
fore paratissimos.
Haec scripta per Gerbardum Vernbeiden cognomento Os-
walt, aurifabrum, et loannem tom Brincke, sutorem, viros lin-
guae beneficio non incelebres, ad consulem Hermannum Heerden
omnium curiarum nomine perferuntur. His a senatu lectis 20.
:M. Jan. lanuarii sie responsum estM Cum senatus ex oblatis articulis
diligenter pensatis deprehenderit et cognoverit ita eos esse dis-
positos, ut senatui propter interpositum iusiurandum, quo prin-
cipi super restitutione impetrata sit obstrictus, minime eos ap-
probare neque iis citra infamiae notam auctoritatem suam inter-
ponere sibi liceat, senatus etiam sibi boc persuadet praefectos
curiarum se adversus pactiones suas et iusiurandum non degra-
vaturos, nedum ab eo postulaturos, quod in sua non sit pote-
State. Si vero opificum curiae aut eorum praefecti aliquid am-
plius, quam senatus bucusque praestitit, apud principem in suum
commodum efficere et impetrare possint, senatum id ferre posse,
si iuramentum sibi remittatur honorisque integritas et existi-
matio sibi maneat salva. Vult etiam senatus hoc response prae-
fectos curiarum et quoslibet quam diligentissime admonit^s esse,
ut quisque suae fidei et iurisiurandi memor in hac causa hoc
agat, ne inde alia incommoda, molestiae, pericula et clades se-
natui aut quibuslibet huius urbis emergant incolis*.
*) Die „Körte aotekunge": „Den anderen dach, den donderdach nach
Antonii" (19. Jan.) „waes Herman Heerde den naemiddach tho 3 siegen
in sancto Lamberti kerchen, und waren mit en van rades wegen Berent
7an Oesen, Herman Ossenbmgk, Johan Grutter, und hadden eyn scbrifft-
lich antwordt ap eeren supplication van den raede und sanden bodden, bj
se toe komen M. Gerdt Ofswaldt, Johan thom Brincke. Die nemen mit
sich Berent Huige. Als die nu bie sie quemen, hedden sich yerhopet eynes
frontlichen und trostlichen antwordt. See wort em die vorgelesen dorch
eeren secretarien wie folget.*
*) Die „Körte antekunge": „Dat antworth: Dewile eyn raidt uife
Terlesimge und fliüger erwegunge der vorgebrachten artickell befunden und
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Anno 1553 acta. 927
Ex hoc senatus response et commiDationis appendice cu-
Tiamm praefecti sibi captivitates et extrema pericula esse me-
tuenda imagiDantnr; ideoque omnes opificnm cnrias in coeno-
binm Minoritaram amplissimam die 26. lanuarii coDYOcant atque nu Jan.
ibi se omnes inreinrando solenniter et arctissime devinciunt se
senatas vim adversQS etiam infimum in cnriis huius saltem
cansae nomine intentam et bonorum dispendio et vitae periculo
acerrime vindicaturos'. Hac coniuratio*ne facta securius, con-^p. 660.
Termercken, dat diesulven also gostalt sien, dat dem raide in betrachtunge
irer plichte und eide, damit sie unseren guedigen landtfursten up die er-
halden restitution verwant sin, nicht getemmen will noch oick mechtich
fiien, sulchs tho verwilligen, so will sich oick eyn raidt gentzlich versehen,
die verordenten amptesvorwesere werden hiraver den raidt weder irer plichte
und eide nicht beschweren, dann vilweiniger zust desjenigen an sie gesin-
nen, des in irer macht nicht gelegen yst. Dar averst die gemeinen ampter
oder ambtzvorwesere wes widers, dan ein rath besher hefift können, zu
iren und irer ampter besten und nutze by hoichgedachten fursten erlangen
konnden, sulchs hcdde oick ein erbar raidt woll toe erliden, so ferne sie
in dan ires eidtz verlaten und deshalben unverletzt bliven mochten." Herrn.
Heerde fugte dieser verlesenen Antwort noch die Mitteilung hinzu, dafs
der Rat die Bittschrift klagend vor den grade in Münster versammelten
Landtag gebracht habe, und dafs die Stände dem Kate im Notfalle ihre
Hülfe zugesagt und ihn darin bestärkt hätten, er solle „der gemein nicht
wider firieheit laeten toe koemen, dan se rede bekomen hedden.** Wenn die
Aemter von ihren Forderungen nicht abliefsen, so gedächte man an ihnen
„alle schaden, onlust, so daer ut enstande, tho verbalen.^ Die „Körte an-
tekunge** fügt dann noch eine längere Entgegnung G. Oswalt^s bei, der
auch die Beschlüsse des Tages zu Worms im November IbSb berührt.
') Die „Körte antckunge": „Dar up die 3 verordente froenden die
semptliche amptesvoerweseren offte mesterluithe by den anderen haeben
laeten koemen yn den Mynder Broder kloster und ehm des antwordes . . .
toe erkennen gegeven . ., des sich der semptlich voerweseren nicht ge-
nochsam hebben konnden verwonderen . . . Dar ut nu die semptlichen voer-
weseren sint verorsaket umb aller faer willen und hebben eynen verbunte-
nisse under einander mit den semptliche alle gemeine ampte gemaeket und
hebben alle die 16 ampte ... sich in den vorg. kloester komen laeten,
aldaer eyne verbuntenisse mit einander gemaket, wie folget . . .: Nachdem
dafs die gemeine ampte und semptliche borgerschaff genochsam bewoest,
wie und was gestalt die gemeine mesterluithe mit eynen erbaren raidt in
allerhande underhandelunge ehre voerringe borgelichen fryheit halben weren;
— deweil dan allerley misverstant vorfelle, soe wolde men den gemeinen
amptes verwanten by eren borger ede ingebunden und befallen hebben, dat
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928 AnDO 1553 acta.
fidentins et andacins rei iam conficiendae insistnnt et tertiam
80. Jan. snpplicationem 30. lannarii senatni offenmt, cuins hie fere sensus
est ' : Cnm inter senatnm et se recnperandoram privilegiomm ac
civilis libertatis reddendae causa aliqnandin contentio fherit ei
in superiori snpplicatione aliquot voces expositae sint» qaae se-
natum forte offenderint et exasperaverint, quae ita inteUectae,
quasi curiae pluribus novationibus senatum in posterum sint
molestaturae * — ad quod respondeant Deum novisse, quod nihil
adversus principem et senatum moliantur, nihil, nisi quod pacem,
tranquillitatem et amicitiam inter senatum et cives pariat eam-
que quam diutissime conservet, agitent. Non nova et inusitata,
sed yetera et usitatissima poscant. Si vero quid iudicio senatus
in superiori supplicatione et insertis articulis deprehensum fuerit,
quod iniquum, iniustum et non ferendum esse existimaverit, se
iudicio sui magistratus submissuros atque illud, quod aequitas
et honestas exegerit, libenter facturos. Sed se efflagitare, ut
senatus suo iudicio declaret, qaos articulos admittendos aut reii-
ciendos esse censeat, ut finita tandem controversia et contentione
tranquillitas in eins locum succedat, coalescat et perpetuo con-
servetur. Obnixe se quoque rogare, ut haue causam ad animum
revocet melioriqie mentis parte varia incommoda hinc emersura
pertractet, articulos praedictos, quos aequitati et publicae utili-
tati non adversari existiment, admittat principisque assensum
de sich kejnes dynges wollen annemen, dan dat sich ejn idtlicher wolde
fredtlich und stille halden. Dan doe es sich woerde toedragen . . . , das
einer eder mehr van den voerwesttr eder sanst eynigen borger gefangen
eder sunst in schaden koemen der voerdinge halben, des wer dan bynnen
edder buten Monster, dafs sie dar alle wolden band bj halten and den
schadeloes toe halden, and eync by den anderen apsetzen liff, gadt und
bloet, and in den feilen eynen den anderen nicht toe verlsten; dat moeste
eyn ider voer synen person seinen gildemesteren daer die handt ap duen
and sich der maeten Yoerplichten.**
*) Von dieser dritten Bittschrift der Aemter berichtet die „Körte
antekange^ nicht. Eerss. hat den Wortlaut vor sich gehabt and getreu
den Sinn wiedergegeben. Abgedruckt ist sie aus dem Orig. im Stadt-A. M.
von R. Krumbholtz a. a. 0. S. 83.
'j „. . . als solden die ampter meinungen hebben, künftiger tit e. L
mit merer neuerung oder sonst mit unbillicher drengerie ansochen and
beschweren.^
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Anno 1553 acta. 929
in gratiam civilis commodi, ad quod promovendum nati sinti»
impetret; ad haec pensitet Monasteriensem civitatem sine opi-
ficnm privilegiis et instis conventibns commode non posse con-
servari. Quid liac in re sibi sit sperandam, responderi postnlant.
Haec controversia per senatum ad principem refertor, qoi
eam componendi causa nobilem ac generosum loannem comitem
de Waldeck, Wendelinum Colbecher, archigrammateum, ac M.
loannem Mensinck, sibi a secretis, die dominica Beminiscere ^ in 26. Febr.
nrbem mittit. Hi 'subsequenti die articulos curiaram contro-
yersos sarsum deorsumque per dies aliquot in multis conventi-
bus Yolvunt, et cum inter conferendum utrinque tarn a senatu
quam a curiarum praefectis multa adiicerentur, ita ut longa
disputatione causa multo ^intricatior paulatim redderetur et animi *p. 661.
utrinque magis exasperarentur, placuit igitur coram consiliariis
acta ad principem referre et articulorum in contentione adhuc
positorum iudicium ac decretum ab ipso expectare. Sic con-
siliarii re infecta ante dominicam Laetare ^ recedunt et articulos 12. loin.
multum agitatos et tam pacatos quam in controversia positos
ad principem cum contendentium assensu asportant^
») 26. Februar. — «) 12. M&rz.
') Die „Körte antekunge'': „Wie desses nu alle ejn radt voemoemen,
das8 sich die ampten alsoe toesamen verbonden hadden, hat men toe an-
deren wege getrachtet an den bisschop ; and haet alsoe der bisschop eynien
Terhorsdach angestait twischen eynen raidt und der gemeinheit, als nempt-
lieh den sonedach Beminiscere, und haet s. f. g. daer toe in Munster ge-
saut . . . Johann Graven to Waldeck, s. g. yedderen und raidt, oick Wendell
Colbacher, cantzeler, und mester Johan Mensinck, secretarium ... Die hebt
die Sachen in verhoer und toe vereinigen voergenomen. Das sulbige hat
getuiret 14 dage und hat kein frucht können schaffen, und ys alsoe der
Terhandelunge in artickels wyse verfatet und toe erkleringe des fursten
gestalt.** Die Artikel werden dann kurz angeführt. Die in ihnen enthal-
tenen Forderungen der Aemter decken sich mit den am 18. Januar dem
Kate übergebenen (s. oben S. 925 f.), aber es wird auch begehrt, dafs, wie
es „eyn lofilich gebruick gewesen,** „eyn radt aUe jaer van eyne gemeine
borgeschaff solde gekoren werden,** und weiter, dafs „die jarliche reken-
schaff des rades mochte gescheen vor oelder- und meisterluithen.** — Der
Briefwechsel zwischen Bat und Bischof vom L. bis 21. Februar zur Ein-
leitung dieser Verhandlungen sowie das Ergebnis der Statt gefundenen Be-
ratungen ist nach den Akten im Stadt-A. M. abgedruckt bei R. Krumb-
holtz a.a.O. S. 84 ff.
35
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930 Anno 1553 acta.
Dum haec agnntnr, illnstris Philippns Ms^ns, dnx Bmns-
wieensis, Henrici filins, exercitnm conscribit et praeter alias
regiones dioecesim Osnabnrgensem ac Monasteriensem ionulit
omniaqne in praedam vertit^. Causa belli fnit, qnod daci S»:
zoniae et Hesse patrem snnm Henricom armata mann profligan-
tibns ac arcem Wnlffenbnttell obsidentibns pedites eqnitesqne
atqne bombardas anxilii cansa episcopns noster miserat '; quare
saepe et scripiis et viva voce per amicos admonitns^ nt hxms
facti nomine cum Bmnswicensi transigat, alioqni futorom, nt
armis subditi opprimantnr, spolientnr et miseris modis exoati-
antnr. Sed omnes admonitiones snggestione et snasn qnomndam,
qnos honoris cansa praetereo, in ventos excnssit, donec literae
manifestum bellum denunciantes adferrentur. Philippns iiaqne
Magnus cum exercitu Yisurgim transgressus Lippiacos fines non
sine gravi incommodo transit atque in dioecesim Osnaburgensem
impetum facit. Christophorus a Fritzburgb', ducis legatns, ac
loannes a Monnickhausen, magister equitum, cum parte ezer-
citus magno eo die itinere confecto Iburgum, ubi sedes episoo*
palis fuit, celerrJme contendunt; haue arcem cum oppidulo 15.
15. April. Aprilis, quae fait die Satumi post dominicam Quasimodogeniti,
primo impetu sub noctem capiunt sperantes se principem asse-
cuturos. At ille manus hostiles vix elapsus Monasteriensis civi-
tatis munitioni tanquam tutiori asjlo sese commiserat ^. Aroem
^ Auch die ^Korte antelnmge* berOhrt diesen Eriegssiig der Bmu-
schweiger, aber nur kurz. Am ausf&hrlichsten ist er in den Quellen dar-
gestellt von D. Lilie S. 297 ff., mit dem Kens, in der DanteUnng der
Hauptsachen genau übereinstimmt Ygl. auch die Münstersehe Biseholii-
chronik (M. G.-Q. 1, d41ff.), die aber hier nicht Vorlage Ke(r8s.'s gewesen
ist Zur Sache vgl. H. A. Erhard: Geschichte Münsters (Münster 1837)
8. 877 f., 0. 8 tu V e: Die Streitigkeiten des Bischofs Frani von Waldeek mit
Herzog Heinrich d. Jüngeren u. den Gehrndern von Halle (in den «Mit-
theilungen des histor. Vereins zu Osnahrfick" 1. Jahrg. [Osnabrück 18i8]
8. 185 ff.) und C. Stüve: Geseh. d. Hochstifts Osnabrück, Theil 3 {Jam
1872) S. 188 ff. — Beschrieben sind die kriegerischeii Yenrickfllwngea ram,
Xeiss. auch in seinem „Catalogus episcoporom Monast*
V Im Jahre 1542. Siehe D. Lilie 8; 271 ud die dort Anu %
Ton Fr. Runge angeführte LitemtW'.
*) Christoph von W^sberg. — «) Kaek D; Lilie & 9d8 mur ds» Bir
sohot „den morgen to negen nrhen na Munster getogen.*^ Nach M. Böekell
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Amio 1653 acta. 931
omninm renun copia abnndantem depraedantur, diripiupt atqne
ita denndanty nt nihil, unde vel mas alatnr, relinqnant. Et cum
^ux Ojsnabnrgae totum exercitum admoverit eamqne obsidione
•cingeret, de pacis conditionibas agitar, quae novem et yiginti
millibus florenomm emitnr^. Inde Warendorpiam contendit, et
«ex itinere omnia rusticonmi bona yertnntur in praedam. Eqnites
praesidio in oppidum missi adventa dacis conterriti Monasteriun;!,
unde venerant, revertuntur, qnorum discessu cives perculsi op-
pidum dedunt; et nisi centum millibus florenorum pacem dioer
cesis emisset, per totam ^regionem irrecuperabili damno bostis^p. 662.
grassatus faisset. Dioecesim Mindensem princeps resignare co.-
^ctus est^ Dioecesis quoque Paderbornensis et comites Lippi-
>acus, Schouwenbnrgicus, Hoianus et alii multis millibus aure-
orum mulctati feliciter se tuentur.
Cum ergo princeps oppressionem ducis metuens Monasterii
:sese ad tempus contineret, ne restitutionis Interim negotium
iamdudnm coeptum intercidat et negUgatur, utile vismn est tarn
^x civium communitate quam ex curiis (cum clvitas non soluxa,
>ex opificum curiis, yemm etiam ex aliis civibus constet) paucos
designare, quorum fidei res ista committatur. Seiet enim con-
>(M. 6.-Q. in, 240) Yerfolgften die Feinde „den ftursten bis zu Telget Ober
-«hr entqwam ihnen gelichewol in die Stadt Munster und zoch zu den domb-
•dechandt in, das domals her Jnrrien von Hertzfeldt war, in seinen hof;
•dan das war die pest harde achter seinen hove, und dar schenckede ihm
4^uch aldaer der raedt etzUchen wein und fische.*'
') Durch den 7 ertrag zu Bissendorf am 16. April.
•) Der Friedensvertrag (Orig. im St-A. M. Frsttm. M. Urk. Nr. 3335»)
-datiert aus Warendorf vom 24. April. Die hauptsächlichsten Bestimmungen
•desselben s. bei H. A. Erhard a. a. 0. S. 378. Kerss.'s Darstellung ist
ine die D. Lilie's S, 304 f. — Die „Körte antekunge* sagt nach Erwäh-
nung der Einnahme Warendorfs : „8oe hadde der bisschop sejnen leenmans
^jQnep Munster Yoerschreven, waell bj 6 hundert peerde. Dar redt averst
i^#mandt uit der sttadt mit, (dat) die arme lüde up den dorpen van den
atraff^r^ moechten befrediget werden. In sommft) daer waert gaer nicht
toer gegeiiwer getrachtet, und wordt also der ghueder froemmer furste ge-
drenget, das ^t nach den freden ^acht und moeste den van ^runsswick
slUo das sticht Mjnden obergeven, und das sticht Munster moest^ geven
h^ui^l^ 4fM9eqt daeler find etliche pchoene toechperde, ^e alle de b^este
-t^^eyen jm Itfif^de ge^yen mosten.'
35*
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932 Anno 1553 acta.
snltantinm multitado segnins negotia commissa expedire. Er
cüriis igitnr elignntnr Caspar Indefelt, Gerardns Oswalt, anri-
faber, Joannes thom Brincke, sntor, Panlns Horstman, lodocns
Modersonne et Henricns Swartarnt, pistor; ex commanitate ci-
vium, qui non sunt in cnriis, totidem, scilicet loannes Wesse-
linck, doctor physicns, Petrus Corler, Borchardus Heerde, Magnus
Sticker, Hermannns Barman et Matthaens Impens^ Hi in dl-
versis conventibns variis modis rem cum senatn volvnnt. Tan-
dem post moltas nitro citroqne privilegiomm recuperandomm
cansa habitas consnltationes, ne sese dintins Ms frivolis et inu-
tilibns contentionibns involvant et fatigent, placnit, nt princeps^
articnlis sibi ante diem dominicam Laetare Bevergemam missis^
in quos ntrinqne conventum sit, snnm decretum et auctoritatem
interponat, in contentione vero adhnc positos pro suo arbitrio
clementer decidat; senatum enim et plebeos praefectos omnia.
censuraej et iudicio principis subiecisse. Designantur ergo utri-
nsque consensu legati adfprincipem, qui illud impetrent^ loannes*
Weslingus doctor et Petrus Corler ^ Hi cum propter negotia
*) Kerss. gicbt hier seine Vorlage nicht genau wieder. Nachdem
die „Körte anteknnge*' von den Verhandlungen mit den bischöflichen Bäten
im März berichtet hat, fährt sie gleich fort: „ünder desen handel gaeif
ejn radt eyne ingestelte poUicie an wolgedachten graven und furstlichoi
rheden, die welch sie ingestalt hadden toe behoff der gemeinen stadt, die-
soeld men besichtigen und beratslagen; mit anhangender beger, dafs men
uiss den verordenter mesterluite, oick etlike van die gemeinheit neben den
rade wolde verordenen, die derselbigen poUicie moechten formelich und
eyndrechtigen hilphen corrigeren und entlichen sluiten.'* Dann folgen die
auch von Kerss. angeführten Namen der gewählten Vertreter. Bei Kasp.
Judefeld ist auf dessen frühere Stellung als Bürgermeister hingewiesen mit
der Notiz: „WiewoU er uithweck und der wederdoeperie nicht biplichtich
waer, moeste er dannoch den fursten geben 800 gl., woll er anders ... in
gnaden erholdcn seyn" (vgl. oben S. 685). Der Petrus Corler bei Kerss.
ist in der „Körten ant«kunge" als „Peter Weinschenck, anders Kaeller** be-
zeichnet. Darauf folgt: „Desse vocrges. 12 verordente hebben die poUicie
toe banden genamen und sich deren mit eynen raide voergeliket, und ist
oick nach der tidt deren ganssen gemeinheit up den radthuifs publiceret,
und eyn ider by seynen borgerede ingeboenden thoe haelden.**
*) Die „Körte antekunge": „In dessen kreges loeffen** (d. h. während
des Einfalls der Braunschweiger) „wordt der handel mit der restitution van
etlichen froemmen bürgeren bestich gedreven und gelangede daer hen, da(a
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Anno 1553 acta. 033
9
»dioecesana, qnibns princeps implicitns fnit, ad legationem obe-
nndam continao non sint admissi, Wendelino archigrammateo
xem commemorant, qui se eam data occasione ad principem rela-
turum recipit et, nt responsnm opperiantnr, iubet. Hie post
modicum temporis reversns narrat principi nihil gratins hoc
jnaxime tempore accidere potnisse, quam qnod senatus et cives
4iatarna illa disceptatione explosa in mntnam gratiam sint re-
versi et ita inter se convenerint, ut se sequestre non magnopere
•opus habeant. Nunc ergo, cum sibi, qnae civitatis sit conditio
^quidve publice prosit et obsit, parum cognitum sit, se ipsis »p.
•committere, ut pro suo arbitrio certas leges politicas, quibus
.^olida pax, tranquillitas non simulata et commodum publicum
^uaeratur, conficiant; principem eas, quaecunque etiam fuerint^
•approbaturum et consignaturum et, si quid factae restitutioni
desit, se additurum senatuique iusiurandum superioris restituti-
onis nomine de curiis non recipiendis praestitum clementer re-
missurum. Se enim non aliter erga civitatem affectum esse,
'quam ut iura, libertates, immunitates et privilegia onmia a ma-
ioribus ante anabaptismum usurpata absolutissime recipiat, et^
si quid amplius velit, se non negaturum^
men den forsten boschicken solde, diewiU er in der stadt were und aUen
synen troest an der stadt Munster negest Godt gestaldt hadde, mit an-
hangender beger, sejn f. g. sich np die toegestalten artickelen wolde gner
•digliken erkleren; und toe deren beschickinge woerden gebeden doctor
Wesselingk und Peter Winschenck."
') Die „Eorte antekunge^: „Do nu die beiden gingen np dem dom-
rhoiff, kernen in den hoiff, dar die furste inne lacht, weren dar foelle froem-
•der rhede, oick von domcapittell und ritterschafft, by den hem, alsoe dat
Wesselingk und Peter nicht konnden by den hem komen. Schickeden sie
^n den cantzaler Wendeln und fnrtelden ine, wes burgemeister und raith,
ampt und gemeinheit enne an den fnrsten toe werben befoellen hadden.
Darup der cantzler sachte, hie wolde et ansogen, und soelden eyne körte
tydt erwachten. Damach brachte hie. Wendelin, dit antwordt, dass der
furste ser erfreuwet were, dafs der raidt, ampt und gemeinheit der sacken
.alsoe avereyne gekoemen weren ; nu wolde seyne f. g. ine des heime geven
und genfsliken an sie gestalt hebben, dafs sie sich des under einander ver-
drogen, wie ine das duchte best werden, und funraten dasselve in schriffte;
dat alle wolle sine f. g. bewilligen und voerseggelen/ — Ygl. zu Eeirs8.'8
Darstellung der Antwort des Bischofs auch den Wortlaut der »Körten an-
ttekunge'' in der nftchstfolgenden Anmerkung.
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034 Äiino 1553 a(rta.
Hoc responsnm ciyil)Tis qnideäi plactdt, scttAtni vero isn-
nime, apnd quem legati superiores plebei foyoris snspecti es9&
coepemnt, quasi aut male legatiotie sint fimcti ant responsiniL
principis ex fide Aon iretolerint. Alia itaqae legatio decetnitnr^
in qna faemnt Hennannns Heerde, loannes Biscliopinck, ocfo-
snles, Ghristianns a Wick^ doctor ac senatns syndicos, qmbtis
e civium numero Caspar Indefelt et Gerardns Oswalt adiiingxintar.
Hi ad principem admissi commemorant: senatum opiflcnmqae
cnrias atqne totam civitatis Monasteriensis commnnitatem W^-
Ungarn et Corlernm legationem obenndi gratia ad principem mi-
sisse; cnm antem responsnm yisnm sit obscnmm et perplexmn.
neqne satis sibi compertum habeant, perperamne l^ationem obi-
Verint an male intellecta pro response retulerint, se ergo con-
stans et solidom responsnm petitnm adesse, ne qnid novi dis-
sidii suboriatnr. Ibi tnnc arcbigrammateus Wendelinns, qnid
priores legati petiverint qnidve responsi inssn principis accepe-
tint, edisserit. Et cum legati isti hoc responsnm ne qnidem di-
gitnm a snperiore discrepare animadverterent, partim padefacti
et offensi, partim laeti et gestientes principi gratias agnnt et
abitnrinnt*. Prinsqnam vero recederent, princeps per Wende-
*) Die „Eorte antekunge': ,,Do nn die doctor nnd Peter dat ant-
wordt wider inbrechten, geviell das den rade nicht, dan die freunde der
ampte nnd gemeine weren dar wall mede znfridden. Als nn bnrgemeister
und raith die beyden geschickten mochten verdechtigh hebben, alsoe dat
datselve nicht recht geworven, gyngen beyde bnrgemeister . . . Herman
Heerde nnd Johan Bispinck, nemen mit sich doctor Wick . . ., daraeffens
werd bigegeven Jaspar Jodevelt und meister Gerhardt Ofswaldt. Als sy
nn by den fursten qneimen, geiven für, wie dat die radt, ampt und ge-
meinheit an sine f. g. gestalt, dat sine f. g. eynen uitsproeck doen solde . . ^
darut wolden sie aUe geseddiget nnd toefreden syn, so wüste sine f. g. dck
derhalven sake soe nnderscheidÜick nicht toe berichten, dan hie gere dat
ene heyme und in ere macht . . ., sie wüsten up beste, wes ine noedich
were. Dan dat hedde sine f. g. hirbefom de stadt restituert, dSewelehe
restitution sie selber oick gemacket hedden nach eren egen willen. Wanli
nn noch in der restitution wes mangelde, dar wolde he se noch in reeti-
tueren und oick des eides, so der rlstith sine f. g. ... gedaen hedde, wolde
bie ine qwit scheiden . . . Wante hie anders nicht were bedadit, dan inen
alle ire frigheit und gerechtichdt, woe van dldinges her tindfoer die wedtir-
doep gewest, widder toestellen und toe geven; nnd soe mim daiiiadi wA.
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Anno 1553 acta. 935
liniim ipsis proponit: com dioecesim Mindensem deferre et re-
signare cogatnr, ne dioecesis Monasteriensis incendiis, excidüa
et depraedationibns a Philippe Magno fnnditus perdatnr et de-
Yastetnr, ac snos malevolos aliqnid novi snperioris potissimnm
restitntionis nomine adversns se moliri animadvertat, proinde se
seif e perenpere, quid «ihi a civitate Monasteriensi in hac renun
"^angustia sit sperandnnL Legati se illud ad snos pro solide re-«p. 664.
sponso impetrando relaturos recipinnt^
Sic digressi magna est saborta inter ipsos snper responso
principis contentio, dum senatores strictins illnd, plebei vero
profusius interpretarentnr ac omnia sibi privilegia pristina et
anctiora qnidem esse restituta dicerent, senatores antem ea tan-
tnm esse restituta, qnae ad pacem et publicum bonum faciunt^
contenderent. In hac logomachia Weslingus : „Non est mirum,^
inquit, „Corlerum et me senatui fuisse suspectos, cum uterque
consnl et syndicus de eo responso a principe audito cum lude-
feldo et Oswalde controversentur.*' Sed ut tandem omnium con-
troversiarum sit finis, sibi utile yideri, ut accitis utrinque ad
se pluribus testibus denuo principem explicationem responsi pe-
titum adeant; quae sententia cum utrinque placuisset, designantur
ad hanc rem expediendam Hermannus Heerde, consul, Henricua
Travelman, Hermannus Osenbrugge et Hermannus Menneman^
senatores, ex parte vero plebis Caspar ludefelt, Gerardus Oswalt,
loannis Wesselinck doctor ac Petrus Corler, qui hora tertia po-
meridiana principem adirent^ Hermannus autem Herde, prius-
anders toebegerde, dat der stadt Münster toem besten gedien konnde, wolde
sine f. g. dar by und toe geven. Welcher sie doe alle sine f. g. hoichbe-
danckeden." (Eine andere Hand setzt hinzu : „we byllich.*)
*) Die „Körte antekunge^: „Dar vorth nach leith sine f. g. ine seggea:
so nnd als dan sine f. g. dat stifft Mjnden nmb disses stiffts Monster . . .
hebben avergelaten nnd resigneren moethen und dannoch sine f. g. vef^
merckede, dat feie siner ungünstige nnd widderwertige wes nyes und schweiv
liches moechten Yoememen, vess sich dess sine f. g. toe der stadt yet-
troesten soelde nnd moechte, angesehen, dat sine f. g. foelle nngonstes tui
vielen desses lands ane sich der ersten restitution gelangt Damff die g«-
santen antworden, sie wolden snlchs anbringen nnd damp siner f. g. «yn
gut antwordt geven."
') Die „Körte anteknnge": „Als nn des forsten antwordt die ge^
schickten widder inbrechten, konnden nnd wolden sie sich des nicht Air-
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936 Anno 1553 acta.
qnam principem adorirentur, in consultatione proponit, sitne
commodum principem tot implicitum caris, tot obrntnm sollici-
tudinibns, tot occapatum cansamm discriminibus, tot principnm
et rernm pnblicarnm legatis ac consiliariis saeptnm itemm ag-
gredi. Ad quae Weslingns : cum capitnlom et equester ordo in
horas fere singulas com principe clancnlam colloqnantnr, oon
tarnen ipsom hinc in saspicionem posse addnci; praeterea, cnm
civitas Monasteriensis qnartum hnias dioecesis ordinem consti-
tnat, neminem posse offendi, si senatas de rebus suis cum prin-
cipe agat^ fieditur itaque ad principem; explicatio prioris re-
sponsi ab Heerdeno petitur. Hinc digressis legatis Wendelinoa
prolata e pera scriptura ibi in consiliariorum principis coetu
gucken, wante beide burgemeisters nnd doctor Wick wolden daes soe mild
nicht verstaen, als dat Jodefelt nnd Osewaldt sachten, sie weren gyne
kinder, sie hedden alsoe verstaen, nnd were oick alsoe gereddet» dat sine
f. g. ine alle ehre olde Privilegien hedde nnd wolde weddergeven. Dar dan
An feile kivens und haders nit erstondt, und sich nicht voergeliken konnden
oder wolden. Do sachte doctor Wesselingk: „Leven hem, das ist nejn
wunder, dat die raldt mich und Peter Weinschencken hedden bedacht^ als
solden wj dat an den fursten nicht recht geworven und wedder ingebracht,
«0 nu doch bejde burgemeister und die doctor syndicus des antwords . . .
mit Jodefelt und Osewalt nicht voergeliken und averein komen.'' Nu dnchte
Wesselingk geraden, up dat sie uit dessen mifsverstande komen mo^en,
dat beide parthe mehr personen bi sich nemen und gaen wedder bj dem
fursten und begeren siner f. g. noch mall ehrer clerunge. Dat welche ine
do alle befeil. Dar toe werden verordent . . .** (folgen die auch von Eerss.
genannten Namen) „die solden den manddach** (1. Mai) „toe dren nhien
flampt bi dem fursten ghaen.'^.
') Die „Körte antekunge**: „Do hoff nu up Herman Herde und sachte:
„Leven hem und freunde, ich gheve juw tho bedencken, offte dat ratsam
und nutte sj, dat men den fursten so overlope, so hir nu toer stede voelle
fremmeder und anderer fürstlicher rheede und das domcapittel sampt ritter-
schafft in groeten antall, des werde und konnde die fiirste in bedenckent
nnd archwan kommen.** Dat do foelle gemelter Wesselinck up antword:
„Oich, lever her burgemeister, wie kau sine f. g. dar oevell in bedacht
werden?" Die werdig her van den capittell, ritterschafft und andern gingen
all uhr und stunde bj den fursten; des werde sine f. g van den erbaren
rhade mit nicht bedacht. So were je auch die Stadt Munster ein standt
des ganfsen landes. Wie dan die furste darinne könne bedacht werden,
offte sie erer anleggender handellinge und noitrufft by den fursten gingen?
Dar das oick by bleff.** t
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Anno 1553 acta. 937
refert: sibi a principe imperatnm esse, ut responsnm snperiori-
bns diebas legatis civitatis Monasteriensis datum conscribat;
illnd se in manu praesens gestare. labet itaqne princeps legatis
illnd praelegi. Qnod cnm lectum esset, princeps eam esse snam
sententiam viva voce confir*niat. Hnios scripturae exemplam • p. 665.
propria principis manu conmiunitum utrique contendentes im-
petrant ^
His ita actis princeps sibi responderi postulat ad ea, quae
in superiori conventu proposuerit. Ad quae consul: senatum
non aliter erga suum principem affectum esse, quam probos et
fideles subditos deceat. ludefeldus vero nomine civium respondet:
cives ita erga principem animatos esse, ut non solum bona, verum
etiam vitam cum sanguine pro salute principis periculo exponere
non pertimescant. Addit his Oswalt: cives murornm et totius
urbis suae excidium ac eversionem prius laturos, quam prin-
cipem deserturos; et si in bisce rerum angustiis ipsum, quae
ad principalem sustentationem pertinere videbuntur, deficiant,
cives contributionem de bonis suis facturos, imo suis manibus
praesidia quaesituros, priusquam ipsum in hac necessitate desti-
tuant^ Quae vox Oswaldi adeo solliciti principis animum repente
') Die „Körte anteknnge**: „Und gingen fnrbenompten den nhamid-
dach an den forsten, und entdeckede dan bnrgemeister Herman Heerde,
wes ine befolhen was. Dar weren oick das mall bie dem fürsten ange-
komen grave Johan von Waldeck . . . und Frederich Schwarte, eyn eddel-
jnan uis der graveschapift Lippe, war gedachtes grave Johanns havemeister.
Und als nn Herman Herde das werff gedaen, zogh der cantzalar Wendelin
«jn schrifft nifs der taschen, und bereth sich der forste mit den reden,
defs do Heerde . . . mit den gesanten affwecken. Und do sie nn widdtsr-
umb gefmrdert, sachte die cantzaler Wendel, sine f. g. hedde ine befalhen,
hie die affirede der fiirgesch. dage den geschickten der stadt Monster ge-
^even solde antecken und schrifftlichen vervaten, die wolde he ine oick nn
voerlesen. Und do dit no die cantzaler gelesen, sachte der forste darop:
Ja, das were sine meinonge gewest und were et oick noch. Do begerde
der forste eyn antwordt . . . Dar begerden sie sich op toe beraden. Als
doe bewoch doctor Wesselinck, dat men solde begeren van den forsten,
<lals hie ine ejne aflschrüft geven wolde, darop et glichmetich verstanden
xmd ingebracht worde; des dar der forste befoU den cantzalar, dafs hie
ine sie geven solde, des wolde sine f. g. mit eigener handt onderschriven.''
') Die „Körte anteknnge^: „Daer op gesann der forste ein antwort
van den gesanten op siner g. voerig voersteUen. Do antworde die borge-
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938 Anno 1553 acta.
erigit et confirmat, nt et lacrimas prae gandio et magnam me-
roris partem excnteret, qaod inde patescit, cum denndato capite
Viva Yoce ciyiimi benevolentiae gratias ageret satirnqne ftvoiem
singülarem urbi polliceretnr*.
Hinc cum pax ab hoste esset empta, prinoeps BeyeTgei^
nam contendit, unde dao exempla sui snperioris respoiiBi pnK
pria manu confirmata alternm senatni, altemm vero plebeis pnie^
fectis remittit*. Mox iternm de privilegiis inter se altercantnr
et disceptant. Wildas dielt aliter illa exempla responsi nnne
esse scripta, quam in conspectn principis recitata sint; senatum,
itaqne iternm declarationis gratia ad prinoipem dedisse liteiaSy
et responsnm se opperiri. Haec nbi plebei praefecti accepissent,
vehementer contnrbati et offensi sunt existimantes iniquiim esse
benignnm clementemqne principem mendaciis et simnlationibna
onerare falsamqne scripturam dicere, quam archigrammatens
scripserit, quam publice recitaverit et quam princeps verbia>
signo chirographoqne suo confirmarerit. Nunc tandem in con-
^p. 666. fessö esse, cnius culpa, quam * praeter meritum in bonum semper
principem coniecerint, restitutio privilegiorum huc usqne pro-
meister van wegen des rades, dafs der semptliche raith soe wolden sich
halden und bewisen, als froemmen und trawen undersatten sich jagen ehren
gncdigen landfnrsten tenunede und geburde. Jodefelt oeverst sachte den
forsten : „G. f. und h., unse ampte und gemeine hebben uns befolhen, i. f.
g. tho seggen, sie willen alle liff und ghuidt by i. f. g. upsetten.^ Danip
eick Osewaldt antworde, dafs die underste stein die oeverste solde werea»
ehre man sine f. g. Yerlaten wolde ; und wan einer f. g. ichtwefs mangdde
dieses avertoeges halven in i. f. g. forstliche onderhaldonge, so sin wi be-
dacht, uifs unseren egen buidel dar bie toe leggen und mit onsem handen
toe bearbeiden, eher i. f. g. sali jenigei^ dingen mang^ eilte gebrecke
hebben."
^) Die „Körte antekunge**: „Darup tastede die forste an sin bereidt,
dabckede und sachte ine, hie wolde stedes ehr gnediger her dn.*
') Die „Körte antekonge*': „Und sine f. g. saade van Bevergoden
iwee copien der affrede mit einer handt onderschreven, jdem partei eine.*
.Dann folgt die Abschrift des ob^ierw&hnten Bescheides, den der Bischof
am 28. April den Abgesandten des Bates und der Aemter hatte an Teil
werden lassen. Darunter steht der Yennerk: „Weil dieser rede ein lath
tind die verordente furstfinder der ampter und gemein copien gepetten,
liahen wir Frantz . . . inen die nit wissen zu wegem und oaser haodt
tttidettachreiben, alles ane geferdei,*'
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Anno 1553 acta. 939
crastinata sit; e% cum dicerettt 0e ad plebem ista cum queri-
monia rdatnros, singnli senatores sibi metuentes rogant et ob-
seorant, ne quid tttrbamm ooncitent, sed nt responsnm prinoi-
palis deolarationis opperiantar. Qnod praefectis tandem ea lege
placuit, ut responsüm aUatum sibi recitetnr^ Hoc cum in curia
gtaphiaria legeretnr et senatns eo satis acerbe perstringeretiir^
praefecti plebei non immerito id fieri dictitantes rident*.
lam certa spe concordiae plebei ordinis praefecti conventam
') Die „Eorte anteknnge'': „Als nn diö raeth und verordente ddr
ampte und gemeine bie einander qnem^ hoiff doctor Wick np nnd sachte^
dafs unse g. f. n. h. hedde sinen hern, den rade, ein affschriflft zugesant^
wie sie oick erers erachtens vermoden, der oick ive in gliker gestalt ent-
phangen. Damp geantwordt: Ja, sie hedden der oick eine entfangen. Defs-
doctor Wick damp sachte, sine hern van raide hedden die gelesen. Nu
dachte ine, dafs sie altoveiU anders und milder gestalt were und inhelde,
alse das für dem forste verlesen were; und hedden darumb weder an den
fursten geschreven.'' (Der Brief des Rates vom 7. Mai ist aus dem Kon-
zepte im Stadt- A. M. abgedruckt von B. Erumbholtz a.a.O. S. 89 f.
Der Brief nennt den Inhalt des bischöflichen Berichtes „etwas zu milde^
und bittet schliefslich, der Bischof möge nochmals R&te zu weiteren Ver-
handlungen schicken.) „Wdrden oick balde eine antwordt bekommen. Des^
worden dar die verordenten der ampte und gemeinheit sehr unlustich und
scheldigh darnp, sachten, off sie des fursten eigen handt loichen und straffen
wolden. Als nu alle dinck versturet und sich oevell ansehen leth und die
van ampte und gemene sich hören leth, sie wolden das ehren freunden,
clagen; men sege nu wall, wie sie verhindert süss lange hedde, und bis-
herzu hedde es des fursten schuldt sin mothen, averst nu sege men, wefs
schult et were, — da wart van jder man des radts begert, dafs men eyne
geringe tidt sich dulden wolde, bis dafs die schrifft weder kome. Das dar-
noch zum lesten verwilligt wort mit sodanem furbehalde, dafs die rath das
antwordt des fursten solde den forwesem gelesen werden ; welcher das mall
gelavet und van einander gingen."
*) Die „Körte antekunge*: „Do nu dat antwordt gekomen was,
wilcher dar up die schriverie gelesen, was seher spittich mit einer ser
dappem schoben offte straffen. Dar de up geantwordt, sie hedde dat woll
verdeinet, und dem raide geschee dar recht an." Dann folgt eine Abschrift
des bischöflichen Briefes ans Bevergem vom 9. Mai. Der Brief ist nach
dem Orig. im 8tadt-A. M. abgedruckt von RKrumbholtz a.a.O. S. 90f.
Der Bischof erkl&rt die Kopieen f&r richtig und fordert, dafs der Bat „uxis
und die unsem, da wir umb bescheen gnade und wohltat kein dankbaikeit
haben sollen, solches atimrens verschonen, anders wir wurden notwendige
antwoHi dariuif 4n geben hochlich verursacht"
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-940 Anno 1553 acta.
•cum patribns impetrant; et cum de restitntione antiqaonun
privilegiornm deqne solida et maiomm more politiae forma ha-
bita coeptnm est agi, ibi tum Wikins: senatum, inquit, ferre
posse, nt princeps et praefecti plebei ordinis politicam formam
pro sno arbitrio faciant; senatum neqoe consilio suo neqne factis
ullo modo se immistnram. Inde horrificom exoritnr mnrmar,
-et pamm a motu publice et sanguinis efiFiisione abfuisset, nisi
praefecti se coercnissent K Sedato itaqne murmnre Hermannns
Herdenus consnl: „Si,^ inqnit, „scirem dissidii huins anctorem,
•ego tanqnam Hermannns Heerde eins memor essem.^ Pollebat
enim et anctoritate et potentia in nrbe. Ad qnae Weslingns:
sene enm esse existimaret? Consnl se minime enm esse pntare
respondet. 8% inqnit Weslingns, se anctorem esse existimaret,
yi atqne ininria se affici. Non enim se sponte sua bis rebns
ingessisse, sed senatns rogatn et civinm impnlsn, neqne qnicqnam
alind, quam pacem, tranqnillitatem et commodnm pnbUcnm hnins
civitatis nnqnam qnaesivisse. Se vehementer mirari, enm neqne
Inpi neqne nrsi neqne indomitae ferae sint, sed unins civitatis
incolae, unins reipublicae membra, uno muromm et munitionnm
ambitu circumdati, quod ita inter se saeviant, ita disceptent,
ita tumultuentnr, cum neque nova ant innsitata, neqne iniqna
ant a publica pace aliena, neque senatui ullum incommodum
allatura, sed a mnltis saeculis usitatissima, iusta, pacifica et toti
*p. 667. civitati profatura petantur. *Cur igitur inter se non consentiant,
cum princeps omnia clementer ita restituerit, ut etiam senatns
civiumque arbitrio universa fleri permiserit? Ad qnae respon-
sum fnit sibi placere omnia, qnaecunque principi placeant, coius
iudicio et censurae se cuncta committere volle, nt plebei prae-
fecti idem faciant. Et ita utrinqne exacerbati digrediuntur ^
') Die „Körte anteknsge": »So men nn mende, dat alle dingk glicht
were gewest, men solde nn zu dem handell gripen, do sachte doctor Wick,
syne hem des rades konden wall liden, dafs die forste und die yerordente
können die restitntion waU maken, wie ine gefellich; dafs dan sie sich dar-
mit solden inlaten, were inen nieverleie wise zu raden oeffte tho donde.
Dar do np sich erhoff ejn groeth murrent tmd knrrent, was ejnes bistercn
•ansehendes and befruchtens, dat et solde hebben gedegen toem nproer."
*) Die „Körte anteknnge^: „Und do nn dat rumor eyn weinig ge-
;stiUet, sachte burgemeister Hennan Heerde : „ Wan ich wüste, we der were.
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Anno 1553 acta. 94L
Post dies aliquot eadem de re actnri iternm conveninnt.
Senatus in snperiori sententia perseverat, nempe nt omnia prin-
cipis censurae ntrinqne committantar; se scriptis mentem snam
principi significatnrnm; nt et idem praefecti faciant, poscit. Ple-
bei praefecti, cum senatum ab ea sententia dimoveri non posse
animadverterent, in idem consentinnt^
Dnm haec agnntur, Weslingns in febrim incidit, ita nt
snperioribns conventibns interesse non posset. Qnare scripta a
praefectis sea depntatis plebei ordinis ad principem (nt con-
venerat) mittenda ad lectum decnmbentis Weslingi, nt eins con-
süinm andiant, Oswaldns et loannes thom Brincke defernnt. Qni
cxmi tremnlo paroxismo laboraret, iussit illos snbseqnenti die
ad se redire'. Beversi rogant, nt oblati scripti censnram snam
de uns toesamen hcnget, des wolde ick ine gedencken als Herman Heerde.*^
Daruf antworde Wesselingk: „Burgemeister, meine gy dar my mit?** Do
sachte Heerde, neyn, he mende ine dar nicht mede. Wanip die doctor ant-
worde, wan hie offte jmantz dar eyne mit botege, die dcde ine gewalt und
unrecht, wante he sich ungeme hedde bogeven in den handell und dar van
ampte und gemeyn toe gedrungen wer, des ein erbar rath eihne oick bidden
laten, dafs hie sich mede in den bogeven wolde. Nu sochte hie dar nicht
uifs, dan einigkeit und fredde und wolfart disser stadt Munster. So weren
sie Joe nyne baren, wuWe offte wilde gederlte, wonede in einer Stadt; und
das disse parth für hedde, were nicht nyes, dan etzliche hundert jar in ge-
bruiche gewest. Warumb sie sich nu nit verdrogen, nachdem die froemme
furste in alle dinck soe gnedlg weder geven und es moechten maken nach
iren wolgefallen? Warup geantwordt, sie weren dar ine alle mit toefredden,
wie die furste et makcde, und woUent darhin stellen, des so die voerwesers
oick doen solden; und also mit unwiUen van eiuander gingen."
') Die „Körte antekunge": „Do sie nu widder bie einander keimen,
yerharrede die raith stiff up das hinstellen des furstcn ; des wolde ein erbar
raedt ehre meynung in schrifft verfaten, das die verordenten der ampt und
gemeine oick doen solden. Das solde men alsoe den fursten toeverseggelt
oversenden. Nachdem nu die verordenten der ampte und gemeine dar jegen-
werdich segen, dafs men den rath up andere wege mit leve nergens hin-
bringen koenden, stellende sie das oich an den hem oenune des gemeinen
firedes willen."
*) Die „Körte antekunge": „Als nu doctor Wesselingk dat feber ge-
kregen, toe bedde lach und dar nicht medde gewesen, wart die ingestalte
schrifft, die men den negstfolgenden dagh den fursten aversenden wolde,
durch Osewalt und Johan toem Brincke dem doctor Wesselingk zu lesende
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d42 Aoao 1553 acta.
«xprimat. Quod se factomm reoipit, si ad ae. omnes delecti cos-
Tocentor^ His itaque convocatis primwi a^ritadinem snam
excusat; inde sibi miidiue placke coimnemorat, quod ad arbi-
trinm principis nunc oi&nia reiecerint. Be8fK>ndent seoaiiim
hoG Yolnisse seqne cum illo in hoc hestema die convenisse. Ad
qoae Weslingus: ,ipsos, cnm sint ondecim nninero, se quidem
iDconsnlto illnd fiacere potnisse, sed, ne ex hac re mains in rem-
pnbhcam malam irrepai, metueadum esse. Proinde se coram
Omnibus protestari, quod in hoc non consentiat neque unquam
consensurus sit. Haec ubi Borchardus Heerde iunior andivisset»
neque se superioris diei consultationi interfoisse neque decreium
istius approbasse dicit. Quare Caspar ludefelt a Weslingo ra-
tionem suae sententiae exquirit^ Ad quae Weslingus primum
sibi principis animimi ita perspectum esse respondet, ut hanc
causae remissionem, quae molestia insigni non careat, aegerrime
668. *sit laturus neque facile suum decreium interposituras, cum
an das bedde gebracht; Bnd do syn boese dagh, hie dat van knockheit
nicht lesen konnde, befoll ine, die schrifft nndw das hoevet poell toe leggen,
nnd dafs sie negstfolgende morgen wedder komen, wolde das middeler
aeit lesen.*'
*) Die „Körte anteknnge**: «Do nu die beyden, Osewalt und toem
Brincke, morgens wedder qneimen, frageden den dootor, oiRe he den han-
dell gelesen hedde, damp he antworde, ja, he hedde dat gelesen. Wea ia«
dan dachte darap geraden? Damp he ine das begegende, he könne doi
beiden aUein nicht seghen, dan sie solden die anderen dar bey halen.*"
*) Die „Körte antekunge^: „So nn die andern dar bie queiman, ent-
schnldigede de doctor siner kranckheit und sad&te, dat die weddentellung'
an den fnrsten ine ghar nicht gefeUen, wnste oick ninerley weia toe raed^i.
Dar ine do up geantwordt van jdenaennichlick: „I^ver her doctor, wir
heU)en dat nn gistem bewilligt und hebben des nicht anders ^laken kön-
nen.'' Wamf do die doctor: „Juwer jls elven; gj l^ebbet die n^acht und
et bnthen my doen, dan se^et tho, dafs dar nicht ein tiell erger uila
koeme. Und will iroer jaw allen darvan proite^teiFt heb^n, dat ich di^
nicht inbewilligen kan oder wiL'' Do ^eckt Boichaz4^ He^e die jniige . . .,
hie weve dar oick nicht medde hie gew^t, l^eblie dar nicht vibewüUgt
Alsoe bedachten sie sich nnder einander. Dede Jaspar Jodelelt di^ wort»
Mflhte: „Her dootor, wes is doch tei jaw be:if^ dano, i^ jow des nicht
dnneket geraden m? Was gy vas d»t wi4ß^i^ m^\^ ^Mt^ hedde wy
lUia weddov daral toe haKad^n." J)m 4wn9 die 4efitpx 9ß^^ im he woWa
das doen waä hedde dar nioht tttfuungk» dwi 9^^ <m^ifß ^ mt^ fe^*^
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Anno 1553 acta. 943
ueque senatnin, et mnlto minus universos oires sit offensurns.
In hac enün nrbe proxime post Deom omnem suana fiduciam
ipsnm repositam habere ideoqne, cnm existunaret proceres hniua
nrbis oum plebe reconciliatos esse, maiori cnm gandio ipsnm
snperioribns diebus hinc emigrasse ^ Secnndo mnlta posse inter*
oedere, nt haec caosae remissio apnd principem in oblivionem
Teniat. Ipsum esse et annis et gravi maerore ob bella varia et
maxime snperins praeter spem sibi illatum et ademptam dioe^
«esim Mindensem valde fmctnosam aliasqne molestias fractom.
Si igitnr ipsnm, qnod metnendum sit, mori contigerit, qnam
faciem reipnblicae Monasteriensis tunc fore sibi persnadeant, hoa
secnm expendant Se nunc in manibns habere libertatem xurbis
a principe donatam, qnam si itemm in principem transtulerinti
eam in acerbam et perpetnam servitutem, qnae etiam nniversam
posteritatem premat, malevolomm snggestione posse commntari,
inde indelebiles inimicitias inter senatum et plebem recordation^»
libertatis amissae cieri, unde mutua vulnera, oaedes, vastitates
et plura incommoda, quae prudens hie praetereat^ metuenda sint '.
^) Die „Körte anteknnge**: „Zum ersten is dit mjn bedeackenl w^
bewiegent: ich wefjB und kenne des fnnten gemoete, dat 8. f. g. oeveli be^
hagen werdt, dat men dat an ine wedderstelt nnd mit bemoiet, wante e.
f. g. vertomet nicht gherne den erbarn raeth, noch oick foelle neyder die
ampt und gemein. Wante an dieser Stadt Munster hefft die forste neigst
Godt all sin betrewent und troest gestalt und hadde oi«k gehappet, dal
ghi juwer sake wall eins weren gewest, und damff frolich uith disser stadt
Munster getzogen/
') Die „Körte antekunge*': ,Zum andern koade dit widdersteUent
hifidier die baiick gelecht und vergetten werden. Und als die forste an
eyn bedaget her und diese avertxogh oick verlatinge des stüfts Mind^
das den fursten leff und nutte was, und do mehr bedioffenisse nnd schwer^
niese overkoemen, daTs sine f. g. daraver verstorven, wie wall toe befrachten
yü^ wat d)ar dan widere besorgen were? Wes men nu nils den banden gifii,
des is man qwit, und mot es in den fruchten und soigen staan, des men
mb woU se(dkierer wecken koade. Dafe können oiek mUsguaners disser stadt
Munster tqsschen komen. und segkm: J3t. t aadl hn> aa is die stadt Maastai
wiedder in juw f. g. banden; an kan i f.g, dannit, wie i^^f. g. lefet^ makao.*^
So weM dfur noefa ein aadef, de/b he dit paA nicht «#ggea koande, vei^
baadea. Wan na dispar «jaa vervdle und mifipgiaede, wiawaU dan die satb
aaA gy das; lar daa aniptem aad gemaia. Ttvaatawrdaa» mesa toe.besaig«BW
juw' ander ateakaadem aiordaa aad dpotelagea."
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944 Anno 1553 acta.
Haec cnm dixisset, alins alinm respectat, onmes tarnen
Weslingo taciti adsentinntnr. At Borchardus Heerde haec in
verba erumpit: se nnnqnam id probaturnm, ut causa priyä^^
rnm ad principem remittatnr, etiamsi vitae et bonomm omniam
periculnm sibi paratnm esse sciai Hinc sedatios secam Con-
sultant, quibus modis senatum a remissionis opinione avocent
Sed cum in hanc quoque se consensisse sciant, non melioribus
se rationibus uti posse, quam a Weslingo et Herdeno acceperint
Bogant proinde bos vires, si senatus praefracte remissionem ur-
serit, ut sibi huius consilii auctores nominatim prodere liceat
neque sibi quicquam mali metuant; se enim etiam ad sang^oinis
usque effusionem omnes cives defensores habituros. Weslingus
et Herdenus exorari se sinunt, sed ne prodantur, nisi summe
necessarium fnerit'. Itur inde ad curiam et longa altercatione
cum senatu super remissione, quam pertinaciter urgebat, dispn-
*p. 669. tatur. *Cum autem senatus nuUis precibus flecteretur, tandem
ad ultimum asylum plebei praefecti confugientes, quid Wesliogns
et Herdenus consuluerint, proponunt, et ut iUud eo, quo pollent
rerum iudicio, accuratius expendant, ne senatus culpa tota res-
publica et universa posteritas periclitetur. Haec ubi senatus
intellexisset et secum altius examinasset, mitior redditus cnm
plebeis praefectis negotium restitutionis sine mora absolvit, ta-
bulas pro utriusque arbitrio conscriptas die Martis post Exaudi,
16. Mal. yidelicet 16. Mail, anno 1553 ad principem signandas trans-
^) Die „Körte antebinge'': ,,Als nu die doctor snllichs gereddet» sach
der eyne den andern an und feilen den doctor bie, insnnderfaeit Borchart
Heerde, die willigh sachte, hie wolde dar nnmmer inbewilligen, dafs et ine
oick solde kosten sin liff und guidt Alse sich nu bedachten, sachte Jaspar
Jodefolt: „Lever her doctor und Borchart Heerde, könne gy nu oick liden,
dafs wi juw bedcnckent dem raide toe erkennunge geven?^ Do beiden
Wesseling und Heerde, dafs men sie doch verschoenen wolde so foeUe mog-
lick und segen ere gelegenheit an. Daruif geantwordt, das wolden sie doen,
und sich nicht befruchten solden; sie wolden bi ine alle liJGT und loevent
wagen; averst sie wolden de beiden, Wesseling und Heerden, lutter umb
Gott und in aller freundtschafft gebeden hebben, wan nu die raidt uf ehre
meinunge verhardeden und uf ghine andere wegen bringen konnden, daÜB
sie dan der beiden rath und bedenckent dem raede entdecken mochten.
Do ock die doctor und Heerde sich in begeven und in toefreden weren.*
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Anno 1553 act;a. 945
mittit, qni eas signatas die Solls snbseqnentd remittit, qnarmn 21.
sententia haec erat^
Bestitntio postrema episcopi ad verbum fere translata:
„Nos FrancisciLs, Dei gratia episcopns Monasteriensis et
Osnabnrgensis etc., notnm facimus, profitemnr et attestamnr pu-
blice bis scriptis, qnod antehac consnlibns et senatxii nna cum
obedientibns, qni urbe excessernnt, civibns, omniom cnriarnm
contribnlibas ac nniversae commnnitati civitatis nostrae Mona-
steriensis, sicnt tempore obsidionis praedictae civitatis Hiltropiae,
Grevoniae atque aliis in locis ipsis promisimns, omnes antiqoas
et landabiles libertates et civilia privilegia, approbante et con-
firmante ea imperatoria maiestate, praeter cnrias sen gyldas,
qnas non ferendas esse existimavirnns ^ ea certe fidncia clementer
restitaimns, ut politicas leges et plebiscita pacem pnblicam et
civilem ntilitatem potissimnm promoventia conderent, conscri-
berent et pnblicarent, ne cives habeant, qnod qnerantnr. Cum
vero manifeste nunc deprebendatnr, qnod opificnm cnriae reli-
^) Die „Körte anteknnge*': „Hiimit gingen die verordenten uith des
docters huise nach dem raede nnd beiden darnach eine lange disputation
mit der hinsteUnng ane den forsten. Unde also die verordenten der ampte
nnd gemein den radt up nine ander wege bringen konden, entdeckenden
sie dat furige bedencken des docters nnd Heerden, so die beiden den fangen
dach da nicht mede bie west weren. Do nn die radt dit horede, worden
sie balde der sake eins, makeden die restitution nnder einander reide,
schicken sie den fürsten toe by dem cantzalar Wendell, den welchen bnrge-
meister nnd raith nnd die verordenten amptem nnd gemein dar toe beden.
Dit geschag das jar vifteinhnndert viftich dree dem dinstdach nach Exandi,
loch mit hen na dem fursten den snlvigen dagh und brachte die restitntion
wederumb an den radt van dem forsten vorseggelt vort den gudenstdach."
— Der bischöfliche Restitutions-Erlars, datiert vom 17. Mai, den anch die
,,Korte anteknnge" mitteilt, ist abgedruckt aus einer ungenauen Abschrift
B. V. Mallincrodt^s von J. Niesert: U.-S. I. S. 350 ff., aus dem Orig. im
Stadt-A. M. von R. Krumbholtz a. a. 0. S. 91 f. — Die „Körte ante-
knnge** giebt nach Anführung des Erlasses keine weiteren Nachrichten
mehr. Sie fafst nur noch einmal in kurzen Worten den ganzen Verlauf
des Kampfes um die Wiedergewinnung der Privilegien zusammen.
*) „. . . aufserhalb die gilde, der wir nicht zu gestatten uns furbe-
halten . . .« Vgl. oben S. 918.
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946 Anno 1553 acta.
qnique cives snperiori illa legam politicamm constitatione in
dispendimn quotidiani alimenti sni et pristinae libertaüs cirili-
nmque priYilegiomin cladem yergente plnrimmn degraTarenhu
yariasqne querimonias^eo nomine ad nos deferrent, proinde ad
conservandam pacem et concordiam et vitandam simnltatem et
perniciosmn motnm, qni inter senatum et opificnm curias nni-
yersamqne civium commnnitatem praedictae civitatis nostrae
*p. 670. Monasteriensis emergere *et enasci qneat, has contentiones et
qnerelas nobili ac generoso loanni comiti a Waldegk, sangnine
nobis iuncto, Wendelino Colbecher^ ac loanni Mensinck, nobü
a consiliiSy clementer utrinqne exaadiendas, discntiendas et com-
ponendas conmiisimns. Yeram com eo conventa pax non iia
commode conciliari posset et controversi qoidam articnli deci-
sioni et decreto nostro offerrentnr, principali animo hanc cansam
diligenter expendimus, et cum privilegia politica libertatesqne
civiles a nobis donatas cum omnibus suis circumstantiis accn-
ratius mente pertractassemus, eas in hanc formam et hos ard-
culos, caesareae tamen maiestatis approbatione et coDfirmatioDe
semper salva, commutavimus, correximus et disposmmns, nt
etiam in praesentiarum et yirtute harum literarum signatanun
commntamus, corrigimns et disponimus, publice inbentes et
volentes:
Primum, nt senatus electio eo modo fiat, quo ante centenos
aliquot annos et supra hominum memoriam in usu fuerit, sicut
senatus et curiarum totiusque civilis conmiunitatis praefecü snper
bis latius sine nostra successommve nova confirmatione et ap-
probatione convenire et mutuo pacisci habeni
Secundo, ut senatus anniversariam suam rationem more
maiorum et sicut antiquitus ante urbem clausam factitatmn
est^ reddat.
Tertio, curias opificum, quas gyldas vocabant, et reliquos
cives ^ in omnes antiquas et laudabiles immunitates, libertat^
et iura restituimus et imperatoria approbatione salva restitutos
^) Bei J. Niesert a.a.O. 8.351 ist flüschlich Wendelen Talbecher
gedruckt. — *)«••• und zunst auch andere ingesettene bürgere und ge-
meinbeit . . .'
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Anno 1553 acta. 947
esse Toltuniis, ut tarnen in negotiationibns et victn qnaerendo
honeste et probe se gerant magistratniqne sno obtemperent.
Confinnamns etiam, quicquid a consnlibns, senatn et ple-
beis praefectis ad conservandam pacem et tranqnillitatem in hac
repnblica in postenun nnanimiter constitutum et decretnm fnerit.
Si vero hac in re controversia inter ipsos inciderit, quam mutuo
decemere non possint, ea nostro successorumye decreto absque
nllo latiori effugio decidetur. Omnis etiam simultas, odium,
discordia, malevolentia et diffidentia inter senatum et plebem in
perpetuum erunt sublata. Et ne senatus suo honori et existi-
mationi quicquam decedere putet, iusiurandum superioris resti-
tutionis nomine praestitum omnino remittimus. üt *autem se-*p. 671.
mota onmi fraude doloque plenissimum robur Ms literis tri-
buatur, eas signo nostro maiori et manu propria conmiunivimus.
Datae Beyergemae Mercurii post Exaudi anno Domini 1553.^ n. Hat
Bespublica Monasteriensis non sibi satis esse putavit se
in pristinum statum restitutam% nisi et restitutionis episco-
palis confirmationem ab imperatoria maiestate consequeretur.
Hanc igitur a Carole eins nominis Quinto Bruxellis anno 1553
die 26. lunii feliciter impetrat. Faxit Dens, ut ea feliciter w. Juni.
utaturM
•) Ms,: restitatam.
') Eine BestStigangsurkimde EarFs Y. findet sich in Münster nicht
mehr vor, wohl aber im StadirA. das Original einer Urkunde, in welcher
Kaiser Ferdinand I. am 17. October 1561 die städtischen Privilegien und
Freiheiten aufs Neue bekräftigt. — Die Münstersche Bischofschronik er-
wähnt die Restitutionen mit keinem Worte. In seinem Catalogns episco-
porum Monast. sagt Kerss. nur kurz zum Jahre 1553: „Dum de' (in Folge
der Braunschweigischen Händel) „Franciscus Monasterii in exilio quodam-
modo inter cives ageret eorumque benevolentiam erga se experiretur, cives
hac occasione omnia sua antiqua privilegia ante anabaptismum habita fa-
eile recuperanf D. Lilie S. 306 gedenkt der Thatsache mit den Worten:
„Darboneven hebben sine f. g. na den Pinxst hilligen dagen . . . 1553 der
Stadt Munster weddergegeven den koir borgermeisteren unde raide, de to*
vom dorch stadtholders unde gesatten raidt wordt regeret, ock der ge-
meinheit de frigheit der ampter, wu se vorhen vor der bolegeringe hedden
gehadt.*
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948 Anno 1553 acta.
Htüüs restitutionis episcopalis exemplmn cum archetypo
coUatmu et Francisci Wernel, curiae amannensis, snbscriptione
27. Juni, corroboratnm plebei ordinis praefectis 27. Innii conservandnm
traditar; archetypns vero senatus archivo committitnr.
Princeps aatem cum irrecnperabilem dioecesimn snarom
iactoram et maxime dioecesis Mindensis vi extortam resignatio-
nem Ibnigicaeqae arcis sibi adamatae direptionem secum ali-
qnandin acerbe yolyeret^ maerore gravi contarbatnr et affligitnr,
qni ita radices in animo agit, nt nnllis locorom mutationibus,
nullis medicormn phannacis, nnllis aliarmn remm oblectamentis
eximi posset; et ita tandem in dies singnlos anctos incmdescit,
li. Jnu. nt in arce Woltbeca 12. Inlii cor et membra vitalia invaderet
perqne omnia membra panlatim serperet. Ubi vero bonns prin-
ceps snpremnm sibi diem imminere animadvertit, salatari se
viatico commnnit et püs sacramm literamm commonitionibus
15. Juu. domini Hermanni Eotbenii animatns 15. Inlii natnrae l^bns
sätisfacit et in Domino obdormit. Dens Optimns Maximns laetam
X et felJcem resnrrectionem hnic patri patriae per infinitam miseri-
cordiam snam largiatnr. Amen^!
Postridie fonns in civitatem vectnm solenni pompa tota
fere nrbe Ingente in templo dominico ad anstrale latus, cni post
obsidionem fenestram illustrem donaverat, sepeUtur, sarcophagns-
que a pavimento paululum elevatus cum insigni hac scriptura
imponitur: ,,Franciscns, Dei gratia episcopus Monasteriensis ac
') üeber den Tod des Bischofs berichtet Eerss. Ähnlich in seinem
Gatalogns episcoporom Monast., doch thnt er dort des Herrn. Eotfae keine
Erwfihnnng und führt an, dafs der Bischof „medicomm opem non admi-
serit.*' Zu vergleichen ist D. Lilie S. 308, bei dem es heilst: „Do na sine
f. g. groit moig nnde herteboswenmge dorch den groten schaden to Iborg
geleden gehadt, is sine f. g. im stifTt van Monster in groter swarhdt ge-
hieven, den twelfften dach des monats Inlii hastigen tor Walbecke loranck
geworden, dama sick mit Gode . . . voreiniget, dat flesch nnde hloit . . .
Jesn Christi van sinem cappellain, her Herman Eothen, mit innicheit nnde
demoticheit entfangen . . . nnde ... an den vifFteinden dach des monats
Inlii 1553 in Godt vorstorven.*' 8. anch die Münstersche Bischofschronik
(M. G.-Q. I, 343) nnd M. Röcheil (M. G.-Q. HI, 242 f.), der anch die
ernstlichen MifsheUigkeiten andeutet, in die der Bischof mit den Stünden
des Stiftes Osnabrück geraten war. (Zur Sache s. C. Stüve a.a.O. S. 137 ff.)
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Anno 1553 acta. 949
Osnabnrgensis, administrator ecclesiae Mindensis, de generosa et
illnstri comitnm a Waldegk familia ortos hie sepnltns est. Qni
hanc urbem ab ana*baptistis occnpatam post longam et diffi-*p. 672.
cilem obsidionem ciyibns tandem restitnit. Obiit antem 15. die
Inlii anno 1 553 circa horam septünam vespertinam in arce Walt-
beck. Cnins anima requiescat in pace. Amen^!^
Inde anno 1554 die Martis post Antonii more antiqnitas
servato a snffragatoribns tribntim designatis electns est senatns.
Fnemnt antem suffi'agatores ex tribu Martiniana Henricns Bot-
gers et Eberardus Indefeldt, ex tribn Lambertina loannes Holte-
bner et Franciscns Coesfeldt, ex tribn Lndgeriana Nicolans Mnnth
et Christianns Modersonne, ex tribn Aegidiana Bertholdas Yoes
et Albertus Wnlffertt, ex tribn Mariana Magnns Sticker, ex tribn
Indefeldana Glerardns Billick^ In hac electione libera senata
removentnr Bemardns Holtappel, Henricns Warendorp, Thomas
aWjck, Alardns Droste. Hermannnm Schenckinck mors remo-
verat. Snbstitnnntnr vero Oeorgins Bispinck, Hermannns Holt-
appeU, loannes Steveninck et loannes Herdinck. His privflegiis
et electionis libertate in hodiemnm diem ciyes ntnntnr. Faxit
Dens, nt ad gloriam nominis sni et reipnblicae tranqnillitatem
quam dintissime ntantnr. Amen!
Habetis nnnc, omatissimi lectores, qnod a me improbis
vestris precibns extorsistis. Si vobis in aliqna re satisfactnm
') D. Lilie a.a.O. sagt» es sei „den simdach na DiyisioniB Aposto-
lomm^ (16. Juli) „van der Wolbecke dat dode licham unbebalsamet heil
unde al gebracht in den dorn to Munster unde dar begraven jegen den
choir unde schonen glasevenster, so sine f. g. na der yoroveringe der stadt
Munster gegeven." Bei M. Röchell a.a.O. S. 243 heilst es, der Bischof
sei „in den domb für S. Johanns altaer an der suden seidt begraben worden,
dar ehr für seinen dode ein herlich glasevenster, desgelichen in den domb
nicht war, gegeben hatte.** Yergl. dazu oben S. 896 Anm. 2. Auch in
seinem Catalogus episcoporum Monast. fuhrt Kerss. die Grabinschrift wört-
lich an. Von dieser Grabinschrift liefs der Bat von Münster am 27. April
1609 eine notariell beglaubigte Abschrift nehmen (St.-A. M., Frsttm. M.
Urkunde Nr. 3343«).
*) Dieselben Namen für die Korgenoten finden sich auch in dem
Verzeichnisse im Stadt-A. M. 11. Nr. 0, das aber die Namen der erwählten
Batsheiren nicht nennt.
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950 Anno 1553 acta.
sit^ est, cnr gaudeam; sin minns, vestra indngtria» qna poUetis,
pro arbitrio telae stamen commntate, ita tarnen, ne veritas, qnae
simplici yerbomm filo texitnr, mmpatnr et violetor.
üt gandere solet longis erroribns actus
Navita soUicitns littora tnta videns,
Sic scriptor viso praesentis fiue libelli
Exnltat lassns laetitiamqne capit^.
') YgL die ähnlichen Walafrid Strabo zugeschriebenen und bSufig
angewandten Verse, mitgeteilt von W. Wattenbach: Das Schriftwesen
im Mittelalter, 3. Aufl. (Leipzig 1896) S. 281.
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Personenverzeichnis.
Aa, Heinrich znr, (Henricns thor Ae),
Stifter eines Armenhauses, 78.
— Johann zur, (Joannes thor Ae),
Stifter eines Armenhauses, 78.
Aachen, Johann von, (Joannes Aquen-
sis), Mathematiker und Wieder-
hersteller der Domnhr, 42.
— Quirin von, (Quirinus Aquensis),
Trahant des Königs Johann, 649.
Adelheidis, Matter des Königs Jo-
hann, 639 ff.
Adelphus Stenerensis, Christianns,
schreibt gegen Rothmann, 235 A. 2.
Adrianus Traiectensis s. Utrecht,
Hadrian von.
Ae s. Aa.
Aelius, Eberardus, s. Elen, Eber-
hard Yon.
Affeln (Affelen), Nicolans von, Bats-
diener, 889.
Agrippinas Infans s. Koeln, Kind von.
Ahaus, Heinrich von, (Henricns de
Ahusiana familia oriundus), Stifter
des Fraterhauses in Münster, 61 ff.
Ailly, Peter von, 63 A. 1.
Akolck, Johann, Richter zu Wol-
beck, 280.
Alberich (Alvericns), Bischof von
Osnabrück (1037—1052), 49.
Albert von Beneventura s. Beneven-
tura. Albert oder Beneventura von.
Albert, ein Friese, (Albertus natione
Frisius), s. Beneventura, Albert
oder Beneventura von.
— von Sneek s. Sneek, Albert von.
Alberting, Hermann, (a Clave cog-
nominatus), Diakon, 558.
Alboin (Albuinus), Langobarden-
könig, 8 f.
Aldenburgieos, Amoldus, s. Olden-
burg, Äniold von.
Aldenzeel s. Oldenzaal.
Alebrand, Erzbischof von Bremen
(1035—1043), 48.
Alezander Buschoducensis s. Bus-
sche, Sander vom.
Alfen, Dietrich von, (Theodoricus
Alfensis), Apostel, 626 A. 3, 706,
714,
Alvericus s. Alberich.
Amelunzen, Moritz von, 731.
Andreas Coesfeldianus s. Coesfeld,
Andreas von.
— Coloniensis 8. Koeln, Andreas von.
— Coriarins, Gerber, 584.
— Lubbecanus s. Luebbecke, An-
dreas von.
— Werdenus, s. Werden, Andreas von.
Anna Rodehosiana 822.
Anton, Graf von Oldenburg, s. Ol-
denburg, Grafen von.
Antonius Prumerenus s. Pruem, An-
ton von.
Aquensis s. Aachen.
Arndt V.Utrecht s. Utrecht, Arndt von.
Amheim, Heinrich von, (Henricus ab
Amhem), 625 f.
ArahAim^ Wilhelm von, (Wilhelmus
Amhemicus) , bischöflicher Be-
fehlshaber, 684, 788, 797 f.
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952
Personenverzeichnis.
Arnold, Graf von Benthein und
Steinfurt, s. Bentheim und Stein-
fort, Grafen von.
Amoldus Äldenburgicns s. Olden-
denbnrg, Arnold Ton.
Arnsberg, Grafen von, 27.
Arschins, Matthias, 785.
Arzeus Lythonins s. Lyth, Artz yan.
Asbeck, Johann von, (Joannes ab
Asbecke), 252, 877.
Assola, Magd des Arztes Wesse-
ling, 488.
Angnstinns Daventriacus s. Deventer,
AugQstin von.
Augustinus Torrentinus (cognonL
Cloterbemdt) 823.
Avenhoyel, Georg, Diener des Knip-
perdolling, 574.
Averhagen, Gerhard, Ratsherr, 126,
275, 797, 889, 916.
— Goswin, 392.
Ayerweges, Anna, Frau des Königs
Johann, 658.
— Catharina, Frau des Königs Jo-
hann, 658.
Baggel, Johann, 131, 271.
Baiem, Herzog Johann yon, 8. Mün-
ster, Bischöfe: Johann IL
Baldenerus, Heino, (auch Heino Bal-
derenus), 612.
Baineo, Johann in, Schmied, 271.
Baiser, Lambert, Bürger in Coesfeld,
470 A.
Bardo, Erzbischof yon Mainz (1031
—1051), 49.
Bast, Wilhelm, Schornsteinfeger, 589.
Bastert, Johann, 271, 392.
Bechemicus s. Beckum.
Beckers, Gottfried, 687.
Beckman, Johann, Apostel, 626 A. 3,
627 A. 1, 706, 722«:
Beckmann, Otto, Propst zu St Ae-
gidii, 331.
Beckum, Benhaid toh, (Bemhardis
a Becchem, BemardosBechemicii« i,
Bürger in Warendorf; 16^ 716.
— Hanso yon, (Hanso Beehemioiä.
Bechemius), Landsknecht^ 591, 7bL
Beker, Heinrich, aus Warendczl
Herzog, 775 A. 1.
Beiholt, Arnold, Stadtrichto, 191
209f., 369f., 400t, 404, 424 A.i
425 A.1, 453 f., 461.
— Otto, Trabant des Königs Johana,
649.
Beltzich, Albert von, (auch Albeits»
Beltzius), bischöflicher Befehls-
haber, 525, 547, 610 A. 5, 617 L
Beneyentura, Albert oder Beneveih
turayon, (Albertus FriaiuB), 735 A.2,
821.
Bentheim und Steinfiurt^ Arnold GnS
yon, 263, 290, 373 A.4, 378, 510 A. 2,
529 f., 669 f., 877, 885, 887, 896.
— Eberwin, Graf yon, 150.
BenÜagen, Johann, Trabant der
Königin, 661.
Berge, Georg thom, (auch Georgius
Montanus), Schneider, 124^ 485.
— dessen Tochter 124, 484.
Berghen, Cornelius yon, s. Lnettich,
Bischof.
Bemardus Bechemicus s. Beckum,
Bernhard yon.
— Hayickhorstius s. Hayichhoist,
Bernhard yon.
— Pannicida, 584.
— ZwoUanus8.Zwolle,BenihaidyoD.
Bernhard yon Baesfeld s. Münster,
Bischöfe.
Beminck, Hermann, Schmied, 584.
(Bertheithis), Schwester des Bischofs
Hermann L, Aebtissin zu üeber-
wasser, 48.
Beuckelsz yan Leyden, Oude Jan, s.
Leiden, Johann yon.
Beyens, Peter, Trabant des Königs
Johann, 649.
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Personenverzeichnis.
953
Beveren s. Bueren.
Bilderbechf MatÜiias, bischöflicher
BefehlBhaber, 798, 844.
Bilderbeck, Hennann, Trabant des
Königs Johann, 649.
Bilderbeck, Lambert, ans Coesfeld,
Aeltester, 576, 775 A.
Bill, Turban, (Tnrbanns Billns, Byll),
ans D&nemark, Trabant des Königs
Johann, 649, 782 fll
Billick, Gerhard, 949.
Bischopinck, Eberhard, (Eberardns
Bischopingas), Erbmann, Besitzer
des Hauses Geist, 79, 548.
Bischopinck, Johann, Weihbischof
von Münster, 897, 900.
— Johann, (Joannes Bischopingus,
Bisschopingas), Erbmaan, Ratsherr,
126, 889, 916, 984.
Bispinck, Georg, Ratsherr, 949.
— Hermann, Ratsherr, 126.
~ Hermann, Predikant, 192, 470 A.,
625 f.
— Johann, Trabant des Königs
Johann, 649.
— Johann, Borgenneister in Waren-
dorf, 716.
Bockelson, Johann, s. Leiden, Johann
von.
Bockholt, Johann, Borger in Coes-
feld, 470 A.
Bodegen, Melchior, 530.
Bodeker, Albert, 279.
Bodelschwing, Adolf Ton, (Adolphas
de Bodelswinge), Domheir, 324,
342«:, 347, 373.
Boekebinder, Bartelemens, Apostel
ans Holland, 471 A. 1.
Boekell (praetor in Grevenhagen),
Vater des Königs Johann, 640 f.
Boemeken, Jodocas, Diener des Dom-
herrn Dangel, 540.
Boemer, Hermann, 519.
Boentrnp (Boentrnppe), Bernhard,
Fleischer, 519 f., 584, 649.
Boentnip (Boentrnppe) , Johann,
Fleischer, Apostel, 657 A. 1, 705,
722 if., 850.
Bokekon, Johann, s. Leiden, Johann
von.
Boland, Conrad, Kanonikus zu St.
Martini, 328.
— Johann, (Joannes Bolandt, Bolan-
dus), Ratsherr, 126, 393.
Bomans, Jürgen, Bürger in Waren-
dorf; 710 A. 1, 715 A, 3.
Bonifaz IX., Papst, 96 A. 1.
Bonn, Gerhard von, (Gerardus Bon-
nensis), Thorwftrter des Königs
Johann, 648.
Bontorpen, Bernhard, 265.
Boppard, Nicolans von, (Nicolaus
Bupardicus), Landsknecht, 792.
Borchardes, Caspar, (Caspar Bor-
chardi), 518, 856.
— Cathaiina, 856.
Bomemann, Caspar, Feldwebel beim
König Johann, 650.
Borstel, Hans von, (Hanso ab Borstel,
alias Menkenus), Goldschmied,
520, 649, 801.
Boso, Genosse des helL Suidbert, 32.
Boutemans, Bernhard, (alias Scho-
macker), Bürger in Warendorf;
715.
Boynck von Oldersum s. Oldersum,
Boynck von.
Brandeburgus, Justinus, bischöflicher
Richter, 151.
Brandenburg, Albrecht von, s. Mainz,
Erzbischöfe.
Brandeschenia, Schwiegermutter des
Knipperdolling, 451, 855.
Branscho, Johann, Bürger in Waren-
dorf, 716.
Braunschweig-Grabenhagen, Herzog
Erich von, s. Münster, Bischöfe:
Erich n.
— Herzog Philipp von, 669.
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954
PersonenverzeiGlmis.
Brannschweig - Ealenberg , Henog
Erich n. Yon, 529.
Brannschweig -Lüneburg, Herzog
Ernst von, 301, 304 f., 361, 391 A. 1,
689 A. 2.
Herzog Franz von, 301, 805.
Herzog Friedrich von, (1464),
138.
Braunschweig-Wolfenbüttel, Herzog
Heinrich IL der Jüngere von, 930.
Herzog Philipp Magnus Ton,
930 f., 935.
Herzog Wilhelm von, 897.
Braunschweig, Ludwig von, bischöf-
licher Befehlshaber, 798, 832.
Bredevort, Dietrich, Fraterheir, 424
A. 2, 425 A. 1.
Brictius tom Korde, (Brixius Nor-
danus, thon Norden), 207, 231 f.,
238, 316, 424 A. 2, 443 A. 1,
453, 461, 464, 465 A. 2.
Bridorp, Hermann, Diakon, 558.
Brinck, Johann, Trabant des Ednigs
Johann, 649.
Brincke, Johann thom, Schuhmacher,
392, 925 A. 1, 926, 932, 941.
— Ludger thom, Oldermann, 126,
159, 208, 280f., 402.
Brixius Nordanus s. Brictius tom
Norde.
Brothanxt, Johann, Augustinerpater,
424 A. 2.
Bruins, Peter, Feldschütz des Königs
Johann, 649 A. 3.
Bruno, Bischof von Minden 1037—
1055, 49.
Brunsinck, Peter, Feldschütz des
Königs Johann, 649 A. 3.
Bucer, Martin, 443 A.
Bück, Eberhard, Erbmann, 342, 373.
— Hermann, Erbmann, 323.
— Lambert, Erbmann, 889.
Bueren, Berthold von, (Bertholdus
a Buren), Drost zu Iburg, 208.
Bueren (Beveren, Bueren, Boren)
— Johann von, 252, 342, 344, 349
A.5, 351 IT., 373, 377 fi; 468 A. 4,
504 A. 1, 524, 712, 877.
— Johann von, Amtanann sn Werne,
548 A.3.
— Melchior von, DomkeUner, 342 L,
345, 347, 373, 470, 480, 496 A. 2,
507, 543, 660.
— Odinga von, 46.
Bupardicus, Nicolaus, 8. Boppard,
Nicolaus von.
Burchard von Holte s. Münstei; Bi-
schöfe.
Bnreck, Heinrich, 131.
Buren s. Bueren.
Burgund, Maria, Statthaltetin vi»,
(Maria rectiix Brabantiae), 529,
742 A., (s. auch 298 A. 1, 436 A.).
Burman, Hermann, 932.
Busch, Paul, 280.
Busche, Hermann von dem,(Hermaii-
nus Buschius), 41, 190, 235 A. 1,
421 A., 424, 425 A. 1, 426.
Busche, Wilhelmus de, Stifter eines
Armenhauses, 78.
Buschius, Bernhard, Münzmeister des
Königs Johann, 649.
Buschoducensis s. Bussche, vom.
Bussche, Elisabeth vom, (Elyiabet
Buschoducensis), Frau des Königs
Johann, 659.
— Johann vom, (Joannes Busacho-
ducensis), pyropaeus, füeiboeter
des Königs Johann, 649.
— Sander vom, (Alexander Buscho-
ducensis), Lftufer der Königin Di-
vara, 661, 823.
Busschius, Hieronymus, 493.
Butendick, Barbara, 688.
Butendieck, Johann, Apostel, 705,
719 f.
Butepagius, Stifter eines Armen-
hauses, 79.
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Personenverzeichnis.
955
Bnth, Heinrich, Biirger in Waren-
dorf, 716.
Bnthman, Johann, Ratsherr, 889.
Bnxtorp, Bernhard, 604 f.
Byll, Tnrban, s. Bill, Turban.
C siehe anch K.
Cadalns, Bischof von Zeitz 1032—
1045, (Carro, Gircensis episcopus),
49.
Calenburgus, Jodocns, 486.
Gänsen, Labbert, Kaplan an der
Martinildrche, 127, 130 A. 1, 140.
Ganstein, Gorvin von, 352.
Garolns s. Karl.
Garro, Gircensis episcopus, s. Gada-
lus, Bischof von Zeitz.
Gaterberch, Johann, (Joannes Gater-
berchus Montanus alias thor Hey-
den, auch Joannes Katerbergh),
Schwertfeger, Diakon, Herzog, 558,
774 ff.
Ghimrgus, Gonradus, s. Gonradns
Ghirurgus.
Ghristoph, Graf von Oldenburg, s.
Oldenburg, Grafen von
Ghristoph von Waldeck, s. Waldeck,
Ghristoph von.
Glarenbach, Adolf^ Lehrer in Munster,
127.
Glave, Hermannus Albertingus cog-
nominatus a — , s. Alberting, Her-
mann.
Gleve, Herzog Johann III. von, 117 f.,
146, 148, 287 A. 2, 343 f., 363 ffl,
529 f., 565 A. 1, 567, 568 A. 1,
591 A.4, 600 ff., 682, 707, 730 ff.,
741 A. 3, 812 f., 859, 868, 869
A. 1, 871 A. 1, 900 A. 1.
Glevom, Albert, Erbmann, 393, 889.
— Egbert, Erbmann, 889.
— Wilhelm, Erbmann, 323, 342, 373.
Gloister, Gert tom, (Gerardus thom
Eloester, tzum Kloester, tzum
Kleister), Apostel aus Holland,
413, 478 A. 2, 645, 647, 663.
Gloprisius, Johann, s. Kloprils, Jo-
hann.
Gloterbemdt s. Augustinus Toiren-
tinus.
Glymmer van Woerden (Gymnerus
Yoerdanus) s. Woerden, Glymmer
van.
Goesfeld, Andreas von, (Andreas Goes-
feldianus), Zuchtmeister am Hofe
des Königs Johann, 647.
— Johann, (Joannes Goesfeldianus,
Goesfeldius) , Sattelmacher des
Königs Johann, 584, 650.
Goesfeldt, Franz, 949.
Golbecher, Wendelin, Kanzler des
Bischofs Franz, 929, 933 ff., 946.
Goloniensis s. Koeln.
Gonradus Ghirurgus 821.
— Govordicus, 489 f.
— Insulanus 8. Werde, Gort van dem.
Goriarius, Andreas, s. Andreas Go-
riarius.
Gorler, Peter, 932 ff.
Gort van dem Werde s. Werde, Gort
van dem.
Gorvinus, Antonius, 628 A. 1, 801 A. 1,
869 ff.
Gorytzer, Johann, bischöfl. Haupt-
mann, 525, 547, 590 A. 1, 596.
Govordicus, Gonradus, 489 f.
Grumaker, Heinrich, (cognomin. Son-
neken), Bürger in Warendorf; 716.
Gruse, Anton, 151 ff
— Gonrad, (Gonradus Gruseus,Kruese,
Kruefse), Hauptmann des Königs
Johann, 152, 519 f., 562, 584,
650, 663.
— Joachim, Bürger in Warendorf^
378, 717.
Guiper, Willem de, Apostel aus
HoUand, 471 A. 1.
Gulmann, Johann, Pförtner d. Königs
Johann, 648.
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Personenyerzeichiiis.
Damme, Ernst vom, (Ernestas Dam-
mensis), Trabant des Königs Jo-
hann, 649.
a Dayentria, Davontriacns, Daven-
trianos s. Deventer,
Deckeninck, Heinrich, Ausgeber (pro-
mus, slnetcr) am Hofe des Königs
Johann, 648.
Deipenbrock s. Diepenbrock.
Dencker, Johann, Krämer, Herzog,
774 f.
Dethmar, Bischof von Hildesheim
1038—1044, (Dethmams Hilde-
siensis episcopns), 49.
— Nicolaus, 624.
Dethmer, Lubbert, Borger in Coes-
feld, 534 A. 1.
Detten, Wilhelm von, Herzog, 775 A.
Deventer, Augustin von, (Angustinus
Daventriacns), bischöflicher Haupt-
mann, 525.
— Johann von, (Joannes Daventria-
nns), Schuster, Bauherr am Hofe
des Königs Johann, 279, 872, 392,
519, 585, 649.
— Johann von, (Joannes de Daven-
tria), Minoriten-Provinzial in Köln,
316 f.
— Wolter von, bischöflicher Haupt-
mann, 525 A. 1.
Deveren, Egbert von, bischöflicher
Hauptmann, 525, 547, 684, 735,
788, 832, 836, 862 A.
Dhaun, Wirich von, s. Oberstein;
Wirich von Dhaun, Graf zu Fal-
kenstein, Herr zu — .
Dickhenneken, Nicolaus, Ratsherr in
Dülmen, 378.
Diepenbrock, Georg von, (Georgius
a Deipenbrock), Amtmann zu
Bocholt, 548 f.
— Botger von, (Botgerus a Deipen-
brock), Amtmann zu Bocholt, 150.
Diest, Eberhard von, s. Münster,
Bischöfe.
Dietrich s. auch Theodoricns.
— Graf von Isenbnrg, s. Mfinster,
Bischöfe: Dietrich HL
— von Winzenburg, s. Munster, El
schöfe: Dietrich 11.
DincUage, Johann von, bischöflichff
Rittmeister, 524, 548, 877.
Divara aus Haarlem, (Divara Harie-
mica), Königin, Frau Johanns vob
Leiden, 478, 494 A. 1, 571, 626,
657 ff., 661, 665, 698 t, 702, 855,
872.
Dockheim, Johann, cognom. FreiCs,
Rat des Bischofs Franz, 742.
Dodo s. Münster, Bischöfe.
Doerloe, Conrad von, 511.
Dorhoff (aedes DorhofEii), 663.
Drecke, Arnold tzum, Abt tob Ka-
rienfeld, 901.
Dreggers, Elisabeth, Qn anderen
Quellen: Dreiers, TregersX Fran
des Königs Johann, 658.
Dreiers, Elsa, Frau des Königs
Johann, 658 A. 2.
Dreierschenia 785.
Drolshagen, Arnold, Erbmann, 889.
— Heimich, Erbmann, 126, 398.
Droste (Drosten, DrostheninsX Alaid,
Erbmann, 342, 373, 949.
— Eberwin, Erbmann, 126, 208,
232, 271, 276, 342, 393, 480, 505,
555, 889.
dessen Sohn, 342, 373.
— Heinrich, Erbmann, 889.
— Joachim, zu Senden, 373 A. 4.
— Johann, 126, 131, 208, 505.
zu Vischering, 373 A. 4, 379,
408.
Dueren, Gerhard von, (Gerardua Mar-
coduranus), Feldwebel des Königs
Johann, 650.
— Hermann von, (HermannusMareo-
duranus), Paukenschlftger des Kö-
nigs Johann, 650.
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Personenverzeiclmis.
957
Dnmkoster, Heinrich, Schuhmacher,
584.
Dnngel (Dnngell), Hermann, Dom-
herr zu Münster, 398 A. 2, 400,
589 f., 569, 821.
Dusentschner, Johann, GoldBchmied
ans Warendor^ Prophet, Apostel,
557 A. 1, 574 A. 2, 630 A. 2,
684 2:, 638 f., 646, 678 A. 1,
681 A., 687«:, 696 ff: 700 ff.,
704, 719 ff., 786 A. 1.
Dosseldorp, Theodoricns, Trabant
des Königs Johann, 649.
Eberhard von Diest s. Mfinster, Bi-
schöfe.
Eberwin, Graf von Bentheim und
Steinfort, s. Bentheim und Stein-
fnrt, Grafen von.
Eck Ton der Langenstraten, Hans,
(Hensulus Eckius Langestratius,
Joannes Langstrate), 649, 675 A. 2,
825ff., 834ff:
Edelbloit, Heinrich, Schneider, 584.
Edinck, Engelbert, Trabant des
Königs Johann, spftter Herzog,
520, 649, 774 f.
Effordianus, Michael, bischöflicher
Hauptmann, 525.
Egbert s. Mfinster, Bischöfe: Egbert.
Egbertus DoYerenus s. Deveren, Eg-
bert von.
Eggerdes, Johann, Bfirger in Waren-
dorf, 716.
Elen, Eberhard von, (Eberardns Ae-
lius, Eberardus ab Elen), Kanzler
des Bischofs Franz, 146, 263, 654,
742, 908 A. 1.
Elisabeth Buschoducensis s. Bussche,
Elisabeth vom.
Ellen, Wilhelm von, Amtmann zu
Assen, 548 A. 2.
EUer, Friedrich von, bischöflicher
Bittmeister, 524, 547.
Eming, Bernhard, 688.
Erfurt, Michael von, s. Effordianus,
Michael.
Erich, Herzog von Braunschweig-Gm-
benhagen, s. Mfinster, Bischöfe:
Erich II.
— Herzog von Braunschweig-Kalen-
berg s. Braunschweig-Kalenberg,
Herzöge von.
— Graf von Hoya s. Hoya, Erich,
Graf von.
— Herzog von Sachsen-Lauenburg
s. Mfinster, Bischöfe: Erich I.
Emestus Danmiensis s. Damme, Ernst
vom.
Ernst, Herzog von Braunschweig-
Luneburg, s. Braunschweig-Lune-
bürg. Herzöge von.
— Graf von Schaumburg, s. Schaum-
burg, Ernst, Graf von.
Erpho, 8. Mfinster, Bischöfe.
Erpo Hollandus s. HoUand, Erpo.
Ertmann, Otto, Bfirger in Osnabrfick,
722 A. 2.
Eschman, Johann, aus Warendor^
Aeltester, 576, 850.
Essens, Johann, aus Coesfeld, Apostel,
705, 721.
Eugen lY., Papst, 63, 73 A. 3.
F siehe auch Y*
Fabri, Eberhard, 300 f., 303.
Fabricius, Theodor, 388 A. 1, 436,
440, 446 f., 452ff:, 455 A.2, 456 ff:,
464 A. 2, 465 £, 494, 538 f., 652
A. 1, 653 A. 3, 655 A. 2, 657 A. 1,
715 A.1, 7621, 776 A.1.
Feicken,HiIla, (Hilla,Pheiconisfilia),
605£
Ferdinand I., Römischer König, 750!:,
761, 783 A. 2, 795, 863, 868, 893,
947 A. 1.
Fischer, Johann, (Joannes Yischer),
Rat des Landgrafen Philipp von
Hessen, 361.
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958
Personenverzeichnis.
Flascamp s. Grater, Johann.
Floer, Johann, 823.
Florenz von WewelinghoTen s. Mün-
ster, Bischöfe.
Focco, Hermann, Schneider, 280.
Pocke, Bernhard, Apostel, 705, 721.
Foecke, Hermann, 519, 558.
Folien, Eberhard, 585.
Franciscus s. Frans.
Franco Zntphanicus, s. Znetphen,
Franco von.
Franeker, Julius von, (Julius van
Franeken, Julius episcopus, Julius
Frisius), Bischof der Wiedertäufer
in Münster, 542, 5Ö8, 633, 688,
705.
Franz, Herzog von Braunschweig-
Lüneburg, s. Braunschweig-Lüne-
burg, Herzöge von.
Franz, Graf von Waldeck, s. Münster,
Bischöfe.
Freise, Peter, s. Friese, Peter.
Freiss s. Dockheim, Johann von.
Frese oder Fresen, Peter, s. Friese.
Fridach (Fridagh), Heinrich, Rats-
herr, 271, 275, 392.
Fridagh, Johann, Guardian des Fran-
ziskanerklosters in Münster, 401.
Frie, Hermann, Bürger in Waren-
dorf, 715.
Friedrich L, Kaiser, 96.
Friedrich n., Bischof von Münster,
s. Münster, Bischöfe.
Friedrich, Herzog von Braunschweig-
Lüneburg, s. Braunschweig-Lüne-
burg. Herzöge von.
Friedrich, Graf von MeiTsen, s. Mün-
ster, Bischöfe: Friedrich I.
Friedrich, Graf von Wied, s. Mün-
ster, Bischöfe: Friedrich HE.
Friese (Freise, Frese, Fresen), Peter,
(Petrus Frisius) 231, 279, 345, 392,
428, 632, 685.
Frisius, Albertus, s. Beneventura,
Albert oder Beneventura von.
Frisius, Julius, s. Franeker, Julius ron.
Fritzburgh, Christoph von, al Wris-
berg, Christoph von.
Frolig, Hermann, Henogj 775 A.
Fromme, Georg, Trabant des Kdnigs
Johann, 649.
Oastel (Guenters Knecht, gCDannt
Gastel), Nagelschmied, 584 A. 2.
Geel, Johann von, s. Gheel^ Johann
von.
Geisthoevell (Geisthovell), Albert,
Bftcker, 519 f.
Geldern, Herzog Kail von, 343, S45
A., 436 A., 510 A. 2, 771 A., 795.
Georg, Graf von Oldenburg s. Olden-
burg, Grafen von.
— Herzog von Sachsen 8. Sachsen,
Herzog Georg von.
-^ von Wulftamsdorf 8. Wnlfirams-
dorf, Georg von.
Georgius Kylanus s. Kjll, Georg von.
Gerardus, Genosse des heiL Suid-
bert, 32.
— Aldenzeell s. Oldenzaal, Gerhard
von.
— Bonnensis s. Bonn, Gerhard von.
— thom Kloester (E[loister) a. Cloi-
ster, Gert tom.
— Marcoduranus 8. Dneren, Ger-
hard von.
— Smokerus s. Münster, Gerhard.
Gerber, Andreas, s. Andreas Cori-
arius.
Gerdt van Triebt, bischöflicher Haupt-
mann, 525 A. 1.
Gerhard, Graf von der Mark, s.
Münster, Bischöfe.
Gerlach von Wullen s. Wollen, Ger-
lach von.
Gerson, Johann, 63.
Gertrud (Gerdrndis, magistri Conradi
chirurgi coniunz), 821.
Gestemer, Eberhard, 498 A. 1.
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Personenyeizeichnis.
959
Gewandschneider, Bernhard, s. Ber-
nardus Pannicida.
Gcyll, Johann von, (in anderen Quellen
Johann von Goel und Johann von
Groll genannt), Thorwftrter im
Dienste der Königin Diyara, 661.
Gheel, Johann von, 758 A. 1, 819 A. 3.
Gildehans, Lambert von, (Lambertas
Gylthnefs), Trabant der Königin
Divara, 661.
Gise, Johann, Bürger in Warendor^
717.
Glade, Hermann, Bftcker am Hofe
des Königs Johann, 649.
Glandorp, Bernhard, Schneider, 392,
584.
— Eberhard, Schneider, 392.
— Johann, Rektor der evangelischen
Schule in Münster, 238, 401, 402
A. 1, 424 A. 2, 425 A. 1, 430 A. 2,
453, 461, 464 A. 2, 465 A. 2.
Glasemaker, Goswin, Bote des Königs
Johann, 650.
Godefridus Traiectensis s. Utrecht,
Gottfried von.
Goel, Johann von, s. Geyll, Johann
von.
Goetze, Dietrich, Bürger in Waren-
dorf; 717.
Goswin von Yelmede s. Yelmede,
Goswin von.
Gottfried von Utrecht s. Utrecht,
Gottfried von.
Grabow, Matthaens, 63 A. 1.
Graell, Franz, Erbmann, 342, 373.
Graes (Graefs, Grasius, Grasdns),
Heinrich, aus Borken, Schulmeister
in Münster, 648 A. 8, 651 A. 2,
703, 705, 722 ff., 739, 740 A. 2,
741 A. 1.
seine Frau 821.
Graes, Johann, Bürgermeister in
Coesfeld, 565 A. 2, 856.
Grave, Jacob van den, Apostel, 705.
721.
Gregor IX., Papst, 57, 60.
Gresbeck, Heinrich, Tischler, 826 ff.
Anmerkungen.
Greven, Johann von, (Joannes Gre-
voniensis), Trabant des Königs
Johann, 649.
Grever, Johann, (Piepenkenneken),
128.
Groeten, Johann, 131.
Groll, Johann von, s. Geyll, Johann
von.
Grollanus, Theodoricus, (in anderer
Quelle Dirick van Groll), bischöf-
licher Hauptmann, 525 A. 1.
GroUe (Grollen), Bernhard, Ratsherr,
126, 889.
— Dietrich, Magister, 393.
— Margaretha, Frau des Königs
Johann, 659.
Groningen, Timann von, (Tymannus
Groninganus), 612, 785.
Grotevader, Anton, Bauherr am Hofe
des Königs Johann, 271, 519, 649.
Gruter, Bernhard, 131, 275, 889.
— Johann, alias Flascamp, 392.
~ Lucas, Hutmacher, 392, 520, 562,
584.
Guenters Knecht, genannt Gastel,
Nagelschmied, 584 A. 2.
Guldenarm, Anton, Aeltester, 280,
392, 576, 594.
Gylthuels, Lambertas, s. Gildehaas,
Lambert von.
Hadrian von Utrecht s. Utrecht, Ha-
drian von.
Haecke (Haeke), Heinrich, s. Hake,
Heinrich.
Hagedom, Hermann, Fischer im Hof-
halte des Königs Johann, 650.
Hagen, Bernhard von, aus Geseke,
Rat des Erzbischofs von Köln, 149.
Hake, Heinrich, Domdechant, 270,
291, 321 A. 1, 347.
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960
Personenverzeichnis.
Hake, Johann, biachdflicher Haaplr
mann, 525, 612 A. 1.
Hamm, Dietrich von, (Theodoricos ab
Ham), Offizial zu Münster, 92.
— Meinhard von, (Meinardns Ebun-
monios), LandsknechtsfOhrer, 82Bf.
Hangesbecke, Matthias, cognom.
Zelenmacker, 658.
Hans Ton Beckum s.Beckmn, Hans von.
Borstel s. Borstel, Hans von.
Hans Eck von der Langenstraten s.
Eck Ton der Langenstraten, Hans.
Hans von Nymwegen s. Nymwegen,
Hans von.
TecUenbarg s. TecUenbnrg,
Hans von.
Harderw^k, Beiner Ton, (Beinems
Hardewicenns), erster Mann der
Elisabeth Wantscherer, 828.
Hannen, Gottfried von, 352.
— Johann, Pastor in Ahlen, 118 f.
Harting, Bektor der bischöflichen
Kapelle in Münster (1277), 37.
Hatzfeld, Georg von, (Georgias ab
Haitzfelt), Domheir, 856.
Haverhoven, Lubbert, Koch am Hofe
des Königs Johann, 648.
Hayichhorst (HaYickhorstios), anf
dem Fischmarkte wohnhaftig, 163.
— Bemard von, (Bemardus Hayick-
horstius yillicus), Diakon, 558.
Haxthausen, Conrad, (Gonradus Haxt-
husen), 352.
Heckers, Maria, Frau des Königs
Johann, 658.
Heerde, Bnrchard, der Aeltere, 886.
der Jüngere, 889, 932, 942,
— Hermann, Bürgermeister, 233,
271, 393, 498 A. 1, 555, 873, 889,
912 ff., 923 A., 925 A. 1, 926,
934 ff., 940.
— Johann, 530.
Hege, Eberhard thor, Koch am Hofe
der Königin Divaia, 661.
Heino Baldenems s^aldenenu^Heäno.
Heinrich s. auch Henrieus.
Heinrich DI., Kaiser, 48 £
Heinrich lY., Kaiser, 49.
Heinrich der Jüngere, Herzog tqd
Brannschweig-Wolfenbüttel, siebe
Braunschweig-Wolfenbüttel, Her-
zöge von.
Heinrich, Graf von Moers, s. Mfinster,
Bischöfe: Heinrich IL
•— Graf Ton Schwanenberg, s. Mna-
ster, Bischöfe: Heinrich HL
Hellebemdes, Adelheid, im Bgma-
thalkloster, 101.
Helffmann, Johann, Beichslmiiizier-
gerichts-Prokurator, 283.
Henricns Ahnsianns s. Ahaus, Hdn-
rich von.
— ab Amhem s. Amheim, Heimidi
von.
— Leodins s. Lnettich, Heinrich von.
— Oldenzeel s. Oldenzaal, Heinridi
Ton.
— Osnaborgensis s. Osnabrück, Hem-
rich von.
— Santensis s. Xanten, Heinrich
von.
Henssenbroick, Johann, s. Herase-
broick, Johann.
Hensolus Eckius Langestratins s. Eck
von der Langenstraten, Hans.
Hercules Herrordianus, Sdlralkamerad
Kerssenbroch's, 503.
Herde s. Heerde.
Herdinck, Johann, Batsherr, 126^ 131,
393, 889, 949.
Hennann I., Bischof von Münster,
s. Münster, Bischöfe.
Hermann, Graf von Katxenelnbogen,
s. Münster, Bischöfe: Hermann IL
Hermann, Graf von Wied, s. Koeln,
Ersbischöfe.
Hermannnlns quidam 633.
Hermannns a ClaTe cognominatns s.
Alberfing, Hermann.
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Personenverzeichnis.
961
Hcrmannus Marcodnranas s. Daeren,
Hermann von.
Hcrssebroidc, Johann, (Joannis Hens-
scnbroick), 530.
Herte (Herthen), Melius, Batsheir,
275, 873.
Herzogenbusch s. Bossche vom.
Hcsling, Johann, Bürger in Waren-
dorf, 716.
Hessen, Landgraf Ludwig von, s.
Münster, Bischöfe: Ludwig 11.
— Landgraf Philipp Ton, (Lantgra-
vius), 118 A. 3, 195 A. 2, 225 ff.,
287 ff., 298 A.1, 301 ff., 339 A., 344,
349 f., 352, 354, 3G0 f., 366 f., 371,
375 A., 3781, 388 A. 1, 391, 405
A.2, 435 f., 440 A. 2, 442, 447,
452 A.1 U.2, 453 A.1, 454 ff.,
462, 464 A.2, 504 f., 529 f., 538
A. 1, 592 A., 652 A. 1, 653 A. 1,
676, 742 A., 754 ff., 762 f., 775,
783 A. 2, 811 A. 1, 868, 872,
890 A. 8, 930.
Hefshusen, Tilemann, (Tjlmannus
Hcshusius), 333.
Hetzer, Ludwig, 333 A. 1.
Hexa, Wendela, Frau des Johann
Kloprifs, 707.
Hcyden, Dietrich Ton, Bat des Erz-
bischofs von Köln, 149.
Hejden, Johann thor, s. Gaterberch,
Johann.
Hoytter, Albert, Diakon, 558,
Hildegrin, Bruder des hl. Ludger, 50.
Billa, Pheiconis filia, s. Feicken, Hilla.
Bobbels, Gatharina, 852 1
Elooncs, Anna, 785.
Eloerde, Philipp von, Domherr, 342 ff.,
347, 373.
— Themmo von, Hofmeister des Bi-
schofs Franz von Waldeck, 363 fL,
556, 742.
^oevel, Ida von, Aebtissin des Klo-
sters zu üeberwasser (1461), 52.
Hofmann, Melchior, 155 A. 3, 413 A. 1,
870 A., 876 A. 1.
Hoier, Dietrich, Münsterscher Stadt-
schreiber, 220 A. 1, 222, 316,
374 A. 1.
Holland, Erpo, Batsherr in Waren-
dorf, 399 f., 709, 715 f.
Holschendiederick s. Schloschen,
Dietrich.
Holsten, Heinrich, 784.
Holtappel, Bernhard, Batsherr, 949.
— Hermann, Batsherr, 949.
Holscher, Elisabeth, 687.
Holte, Burchard von, s. Münster,
Bischöfe.
— Ludolf von, s. Münster, Bischöfe.
Holtebucr, Johann, Batsherr, 949.
Holthuüs, Jodocus, 873.
Holtmann, Johann, Fraterherr in
Münster, 424, 454.
Honorius m., Papst, 97.
Horst, Lorenz von der, (Laurentius
Horsthanus), bischöflicher Haupt-
mann, 525, 547, 684, 735 A. 1,
788, 832.
Horsth, Bichmoda de, Aebtissin zu
üeberwasser (1460), 52.
Horstman, Paul, 932.
Hoya, Graf Erich von, 65, 138.
Hubmaier, Balthasar,(Baltzarus Paci-
montanus), 333.
Hude, Friedrich, Abt von. Tollender
derühr im Dom zu Münster, 42 A. 2.
— Bobert, Abt von, 897 A.
Huge, Heinrich, cognom. Kopper-
smidt (oder Kopperslager), Bürger-
meister in Warendorf; 709 A.2, 716.
Huige, Bernhard, 926 A. 1.
Hulshorst, Botger, Krämer, 392.
Hunfried, Erzbischof von Magdeburg
(1023—1051), 49.
Hunse, Johann von, Terminarius in
Coesfeld, 416 f.
Hut, Hans, (Joannes Huitus), 833.
37
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963
PersonenTerzeichnis.
Jacob von Osnabrueck 8. Osnabnieck,
Jacob Ton.
Jacobns Aldenseell 8. Oldenzaal,
Jakob von.
— von den Grave 8. GraTe, Jakob
von den.
Impens, Matthaeos, 933.
Infans Agrippinas 8. Koeln, Kind von.
— Aldensdanns s. Oldenzaal, Kind
von.
Innocens Y^ Papst, 57.
Insel, Friedrich, s. JnfPel, Friedrich.
Insulanos, Goniados, s. Werde, Gort
van dem.
Joannes Aquensis s. Aachen, Johann
von.
— Busschodncensis s. Bnssche, Jo-
hann vom.
— Goosfeldianns, Coesfeldins s. Goes-
feld, Johann von.
— de Daventria, Daventriacns, Da-
ventrianns s. Deventer, Johann von.
— Grevoniensis s. Greven, Johann von.
— a GejU 8. Gejll, Johann von.
— Joliacns s. Juelich, Johann von.
— Langstrate s. Eck von der Langen-
Straten, Hans.
— Lejdanus s. Leiden, Johann von.
— Ludinckhnsanus s. Luedinghansen,
Johann von.
— Middelbnrgos s. Middelbnrg, Jo-
hann von.
— Sendanus s. Senden, Johann von.
— Ultraiectinns s.Utrecht, Johann von.
Jodocus Calenbnrgus 486.
— Mudens 8. Mniden, Jodocns von.
Johann, Weihbischof von Paderboni,
900.
Johann, Herzog von Baiem, s. Mün-
ster, Bischöfe: Johann n.
— Herzog von Gleve, s. Cleve, Herzog
Johann m
— von Leiden s. Leiden, Johann von.
—• Graf von Oldenburg, s. Olden-
burg, Grafen von.
Johann Friedrich, Kurfürst Ton Sach-
sen, s. Sachsen, Kurfürst von.
Jonas, Anton, Batshezr, 126, 271,
275, 892.
— Heinrich, 892.
— Hennann, Batsherr, 208, 889.
Iselmudanus (Iselmadianos), Ten-
grinus, 8. Tsselmonde, Pilgrim tgs.
Isenburg, Grafen von, 669.
— Graf Dietrich von, 8. Mniiiter.
Bischöfe: Dietrich HL
Isennan, Heinrich, Goldschinied, 2\x
Isf ording, Arnold, bischoflicher Nota:,
92.
Ising, Johann, Bichter in Bocho!'.
549 A.
Judefeld ( Judefeldt, Judefvelt), Caspar,
Burgermeister, 266, 275, 279, 301 L
372, 392, 480, 495, 496 A. 1, 4iJJx
507 f., 517, 685, 932, 934 f., 937,
— Eberhard, 949.
— Beiner, Scholaster zu St. Ludgerl
328.
Juelich, Johann von, (Joannes Jnlii-
cus), F&hnrich im Heere dos Kö-
nigs Johann, 650, 820.
— Matthias, Chirurg, 600.
Juifel, Friedrich, (in anderen Qaellee
Friedrich Insel), Schenk am Hofe
der Königin Divara, 661.
Julius n., Papst, 36 A. 5, 96 A. 1.
Julius Frisius s. Franeker, Julius von.
Jungemann (Jungemanni viUa prope
Sendenhorst) 617.
K siehe auch C.
Kaerbuck, Egbert, 580.
Karl der Grofse, Kaiser, 9, 11, 13,
82 f., 50, 115, 126, 157, 380.
Karl V., Kaiser, 137 A. 4, 157 f.,
173 A. 1, 242 f., 264 f., 435 A. 2,
533, 567, 742 A., 750, 775, 893,
920, 947.
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t^ersonenverzeiclmid.
963
Karl, Herzog von Geldern, s. Geldern,
Herzog Karl von.
Katerbergh, Johann, s. Gaterberch,
Johann.
Katzenelnbogen, Graf Hermann von,
8. Münster, Bischöfe: Hermann 11.
Eemner, Timann, Rektor der Dom-
schale und Pastor zu St. Lamberti
in Munster, 140, 161 A. 1, 192,
328, 846.
Keppell, Adelheid von, Mutter im Nie-
Singkloster in Münster (1444), 72.
Eerckerinck (Eerckring, Eerckringh,
Eerckringk, Eerkring), Angda,
Frau des Eönigs Johann, 658.
— Bernhard, Erbmann, Batsherr, 126.
— Christian, Erbmann, dann Haupt
der Wiedertäufer, Rat des Eönigs
Johann, Herzog, 520, 583, 647, 649
A. 7, 664, 695, 774 f., 851, 860 f.
— Hermann, Apostel, 705, 719 f.
— Johann, Bastard aus dem erb-
m&nnischen Geschlechte, Bauherr
am Hofe des Eönigs Johann, 61,
400, 498 A. 1, 649.
Eesse, Joachim, (in anderer Quelle
JoachimYre jse), Apostel, 705, 7 1 9 f.
Eettel, Bernhard, bischöflicher Haupt-
mann, 525.
Eettel von Tiel, Johann, (Joannes Eet-
tell Tylanus), Landsknecht, 733 £L
Eetteler, Conrad von, 877.
— Wilhelm von, s. Münster, Bischöfe:
Wilhelm ü.
Eibbenbrock (Eibbenbroch, Eibben-
broich,Eibbenbroick, Eippenbroich,
Ejbbenbrock), Anna, Frau des Eö-
nigs Johann, 658.
— Gerhard, Eaufmann, Haupt der
Wiedert&ufer, Bürgermeister, Ere-
denzmeister am Hofe des Eönigs
Johann, 271, 323, 343, 392, 402 f.,
496, 504, 519, 542, 549, 560 A. 2,
562 A. 3, 585, 626 A. 3, 648, 850.
Eilanus, Georgius, s. EyU, Georg von.
Sind von Eoeln (Infans Agiippinas)
s, Eoeln, Eind von.
— von Oldenzaal (Infans Aldenze-
lanus) s. Oldenzaal, Eind von.
Eistemaker, Hermann, Trabant des
Eönigs Johann, 649.
Eloester (Eloister), Gerhard zum,
8. Cloister, Gert tom.
Eloprifs, Johann, (Joannes Gloprisius,
Eloprisius), Wassenberger Predi-
kant, später Apostel, 422 A. 2,
424 A. 2, 428 ff., 442 A. 3, 454 A. 1,
471, 474 f., 478, 563 A. 1, 621,
703 A. 3, 706«:, 714 f.
— seine Frauen Wendela Heza und
Margaretha 707.
Enipperdolling (Enipperdollinck),
Bernhard, 152, 155 f., 164 A. 1,
192, 213, 231, 264 ff., 267 A. 1,
323, 361, 392, 402, 404, 445, 451,
461, 478, 480, 484 ff. (Verzückun-
gen), 495, 504, 508, 511, 519 (wird
Bürgermeister am 24. Febr. 1534),
531 A. 1, 533, 535 A. 2, 542 f.,
549 ff. (Rede beim Beginne der Be-
lagerung Münsters), 570, 571 f.
(befiehlt das Niedeireilsen der
Eirchen), 573 (Ernennung zum
Scharfrichter), 575, 585 f., 606 f.,
609, 617 A. 1, 618, 621, 622 A. 1,
625 f., 631, 635 A., 645, 646 (Er-
nennung zum Statthalter des Eö-
nigs), 649, 658, 664, 690 ff. (Zer-
würfnis mit dem Eönige; das sogen.
Heiligen En.'s), 699 A. 3, 701 A. 1,
738 A. 1, 739 A. 3, 784 A. 1, 785 f^
801 A. 1, 804 A. 1, 842 A.l, 844 A.,
851, 852 f. (Gefangennahme), 860,
869 (Unterredung mit A. Corvin
und J. Ejmeus), 870 fL (Hinrich-
tung).
seine Frauen 626 A. 2, 786, 855.
seine Tochter Clara, Frau des
Eönigs Johann, 659 (vergl. auch
646 A. 2).
37*
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964
Personeüverzeiclmis.
KnipperdoUing, Benih., seine Stief-
tochter Anna, Frau des Königs
Johann, 658.
seine Magd, Frau des Königs
Johann, 618, 626 A. 2, 658 A. 3,
659 A. 5.
Knipping, Heinrich, Wiedertftnfer in
Wesel, 732 A. 1.
Knop, Pfeifer im Dienste der Stadt
Münster, 342.
Knop, David, Goldschmied, 655.
Knnpperi nxor chirorgiam exercens
627 f., 659, 737.
Kock, Heinrich, ans Osnabrück, Her-
«og, 774 f.
Koehns (Coehnss, Koehnefs, Koe-
hnss), Magnus, Hüter des Schatzes
der Wiedertäufer, 562, 584, 622,
626 A. 3, 849.
Koeln, Erzbischof e:
— Hermann n. (1036—1056) 49.
— Hennann V., Graf von Wied (1515
-1547), zugleich (1532—1547)
Bischof von Paderborn, 118, 146 fL,
284 ff., 343 f., 350 ff., 363 ff., 410,
517 A. 1, 529 f., 568 A. 1, 691 A. 4,
600 ff., 669 f., 681 A. 1, 682, 683
A. 3, 684 f., 715, 741 ff., 791 A, 2,
812 f., 859, 868, 871 A. 1, 899 f.
Koeln, Andreas von, (Andreas Colo-
niensis) 821.
— Kind von, (Inf ans Agrippinas),
Trabant des Königs Johann, 649.
Koeninck,Gerhard, Herzog, 543,775 A.
— Johann, Ratsherr, 490 A., 520.
Koerdinck, Johann, Bürger in Waren-
dorf, 717.
Koerte s. Körte.
Koester, Andrea8,Trabant der Königin
Diyara, 661.
Koet, Bernhard, Herzog, 775 A.
Kokenbecker, Gathaiina, alio nomine
Wnlwes, 688.
Konrad von Rietberg s. Münster,
Bischöfe.
Kopperschleger s. aach Knpper-
schleger.
Kopperschleger, Heinrich, Eviga a
Coesfeld, 470 A.
— (Kupperschleger), Stepiiaii, Woc-
h&ndler, 520, 584.
Kopperslager s. Huge, Heimiefa.
Koppersmidt s. Huge, Heinzfch.
Korfl^ Caspar, dictns Smjaiiick, 378.
— Jodocus, 323, 877 A. 2.
Körte, Johann, (Johannes de Koerts,
de Korthe), bischöflicher Bittma-
ster, 524, 548.
Kortemollius, Landsknecht, föOi
Kothe, Kaplan des Bischofs FruL
948 (TgL auch 466 A. 3).
Krampe (Krampen), Hermann, Sfö,
271, 445, 623.
Krechting (Krechtingk, Kregünch)
— Bernhard, früher Pastor zu Gilde-
haus, Rat des Königs Johann, 510,
563 A. 1, 647, 663, 847 A., 851,
860 f., 869 ff.
— Heinrich, früher Gograf in Schöp-
pingen, Eomzler des Königs Johann,
509f., 512 A. 2, 584, G26 A. 3,
645, 647, 664, 847 A., 849 A.
— Johann, 585.
Krehan, Landsknecht, 612 A. 1.
Kribbe, Eberhard, Zimmermann, 572,
689.
Kruse s. Cruse.
Kueper, Peter, aus Sneek, Apostel,
705, 722 ff.
Kuerchenrinck, Johann, 585 A. 2.
Kupperschleger s. auch Kopper-
— Hubert, Kammerdiener des Königs
Johann, 648.
Kursener, Johann, Bittmeister im
Heere des Königs Johann, 650, 663.
Kyll, G^eorg von, (Georgins Kilanus,
Kylanus), Befehlshaber der stAd-
tischen Truppen, dann bischöflich^'
Hauptmann, 278, 345, 525.
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Personenverzeichnis.
965
K jiueas, Johann, Hessischer Prediger,
869 fif.
Lambertns Gylthness s. Gildehaas,
Lambert von.
— I^eodius s. Lncttich, Lambert von.
Langen, Budolf von, (Bodolphus Lan-
gius), 31, 523.
— Sophia von, Jungfer im üeber-
wasserkloster, 482, 862.
Langenstraten, Hans Eck von der, s.
Eck von der Langenstraten, Hans.
Langerman (Langermann), Johann,
Ratsherr, 131, 163, 176 ff., 231,
275, 392, 428, 453 f., 461.
Lantgravius s. Hessen, Landgraf Phi-
lipp von.
Laurentius Horsthanns s. Horst, Lo-
renz von der.
Lanrentz, Anna, Fran des Königs
Johann, 658.
Leddanns villicos, Diakon, später
Herzog, 558, 774 f.
Ledebor, Heinrich, 849.
— Paul, 849.
Leiden, Johann von, (Joannes Bockel-
son, Bokelson, Joannes Leydanus).
— sein vollständiger Name (s. 640
A. 3): Oude Jan Beuckelsz van
Leyden.
— 639 ff. (Abkunft, Jugend, Reisen,
Charakteristik), 412 (vorübergehen-
der Aufenthalt in Münster 1533;
s. auch 421 A., 644), 478 (Ankunft in
Münster, 13. Jan. 1534; 8.auch 645),
484 f., 494, 531 A. I, 533 A. 1,
556 A. 1, 557 A. 1, 560 f., 567 A.,
570 f. (Auftreten nach dem Tode
des JanMatthjs), 573, 574ff. (Er-
nennungderzwölf Aeltesten), 582,
591, 606, 613, 618 ff. (Einführung
der Vielweiberei), 621, 623, 625,
626 (nimmt drei Frauen), 628 A. 1,
629 ff., 634 ff. (Eirichtung des Kö-
nigtums), 646 ff. (Einrichtung des
Leiden, Johann von
Hofstaates), 650 ff. (königliche In-
signien u. Schmuck; s. auch 846,
853), 657 ff. (Frauen; s.auch 661 f.),
660 (Wohnung; 8.auch 543), 662 ff.
(pomphaftes Auftreten bei Gerichts-
verhandlungen), 666 f. (läÜBt Mün-
zen prägen), 668, 671 ff., 675 f.,
687, 690 ff. (Zerwürfois mitKnip-
perdolling), 697 ff. (Teilnahme am
grofsen Abendmahle, Aussendung
der Apostel), 702, 725 ff. (Betrug
des Verräters H. Graes), 732 ff.,
737 ff., 755 ff. (Brief an den Land-
grafen Philipp), 763 ff. (Artikel-
brief), 771, 772 ff. (Ernennung der
Herzöge), 779, 784 A. 1, 786,
793 f., 795 A., 803 A. 1, 804 f.,
820 ff., 823 ff. (enthauptet seine
Frau Elis. Wantscherer), 832 A. 2,
839 f., 843 (Gefangennahme),
847 A., 860, 869 (Unteiredungen
mit A. Corvin und J. Kymeus),
870 fL (Hinrichtung).
— seine Eltern 639 ff.
— seine Geschwister 641, 646.
— seine erste, in Leiden zurückge-
lassene Frau 642, 645 A. 3, 646,
777.
— seine Frauen in Münster 626,
657 ff.
— seine Kinder 642, 659.
Leiden, Johann von, (Joannes Ley-
danus), Kammerdiener der Königin
Divara, 661.
Lening, Johann, Pfarrer in Melsungen
in Hessen, (Melsinganus, Meisin-
gus), 388 A. 1, 436, 440, 447, 452,
453 A. 1, 455 A. 2, 456, 459 A. 2.
Lentinck,Lubbert, Fischhändler,Rat8-
herr, 129, 281 f., 392.
Leodius s. Luettich.
Lepper, Johann, 519.
Lichtherte, Anton, bischöflicher Be-
fehlshaber, 683, 788, 844.
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966
Personenyerzeichnis.
Linteloe, Ladgera von, Jungfer im
Uebenrasserkloster, 482, 862.
Lippe, Qnd Simon Y. zur, (Kecss.
nennt den Kamen nicht) 118, 529,
931.
Lippold von Wnlframsdorf s. Wnlf-
ramsdorf, Lippold von.
Lodowicus Bronswigoa 8. Brann-
schweig, Ludwig von.
Loeman, Heinrich, Weifsgerber, 519.
Lothar, Kaiser, 36 f.
Luck, Johann, Herzog, 775 A.
Lndger, der heilige, s. Münster,
Bischöfe.
Lndolf y. Holte, s. Mfinster, Bischöfe.
Ludwig von Braunschweig s. Braun-
schweig, Ludwig yon.
•— Landgraf Ton Hessen, s. Münster,
Bischöfe: Ludwig 11.
— Kurfürst von der Pfalz, s. Pfalz,
Kurfürst.
— Graf yon TecUenbnrg, s. Mfinster,
Bischöfe: Ludwig I.
Luebbecke, Andreas yon, (Andreas
Lubbocanus), bischöflicher Haupt-
mann, 525.
Luedinghausen, Johann yon, (Joannes
Ludinckhusanns) 683.
Luettich, Bischof: Comeüus yon
Berghen, (Kerss. nennt den Namen
nicht) 742 A., 751, 868 A. 2, 900.
Luettich, Heinrich yon, (Henricns
Leodius), Schneider am Hofe des
Königs Johann, 650.
— Lambert yon, (Lambertus Leodins),
Aeltester, Oberbefehlshaber im
Heere des Königs Johann, 576,
650, 663.
Luther, Martin, 332 ff., 403, 494.
Luxemburg, Nicolaus yon, (Nicolaus
Lutzenburgus), Chirurg, 600.
Ljth, Artz yan, (Arzeus Lythonius),
Landsknecht, 591.
Maastricht, Gerhard yon, (Gedt is
Triebt), bischöflicher HaupüauL
525 A. 1.
— Mispelboem yon, (MispelboemTs
Triebt), bischöflicher HauptouG!-
525 A.1.
Mackenburg, Gerhard, Bauherr t::
Hofe des Königs Johann, 649
Maeren, Heinrich, (in anderen Qod.:
Heinrich Maren), Predikut i:
Warendorf, dann Apostel, 510 11
705, 719 f.
Maess, Leonhard, Bat des Bisdfi
Friedrich III. yon Münster, 165.
Mainz, Erzbischöfe:
— Albrecht yon Brandenbmg (15U
— 15i5), (Kerss. nennt den Ktm^n
nicht), 685, 741 ff., 783 A.2, 8*i>.
— Bardo (1031—1051) 49.
Mapertinck, Lambert, Aeltester, 5Tt:
Marcoduranus s. Dueren.
Maren, Heinrich, s. Maeren, HeinricL
Margaretha Osnaburgica s. Osu-
brueck, Margaretha yon.
Maria rectriz Brabantiae s. Burgninl
Maria, Statthalterin yon.
Mark, Graf Gerhard yon der, s. Mün-
ster, Bischöfe.
Marschalck (Marschalcus), Caspar.
Landsknecht, 610 f.
Martin Y., Papst, 61 ff.
Martin, Kaplan zu Uebenrasser, ^t'.
Matthias Juliacus s. Juelich, Mat-
thias yon.
Matthys, Jan, (Joannis Matthissos},
122, 413, 471 A. 1, 478 (Anknnft
in Münster), 494, 511 f., 532 f,
535 f., 539 f., 556 ff. (fuhrt die
Gütergemeinschaft ein, Emennimg
derDiakone), 559 ff (Stra^;ericM
über Hub. Rüscher), 561 1 (Am-
dehnung der Gütergemeinschaft),
563, 564 (Befehl zum Yerbrennen
der Bücher), 568 ff. (Tod), 571, 606
A. 1, 626, 635 A., 645, 657, €9i
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Personenverzeiclmis.
967
MatthjB, Jan
— seine Frau s. DWara aus Haarlem,
Königin.
Maximilian 11., Kaiser, 96 A. 1.
Meinershagen (Meynershagen)
— mola olearia Meynershagii 585.
— Bichwin, Batsherr, 126.
Meinhard Ton Hamm s. Hamm, Mein-
hard von.
Meinhoevel (MeinhoTole), Herren
von, 27.
Meissen, Graf Friedrich von, s. Mün-
ster, Bischöfe: Friedrich I.
Melanchthon, Philipp, 162, 331 f.,
349, 390 A. 1 u. 2,
Melsinganus, Melsingus s. Lening,
Johann.
Mengersen, Hermann von, bischöf-
licher Oberbefehlshaber, 342, 344,
349 A. 5, 351 £, 357 £, 3ü0, 373,
377, 524, 712, 742.
Menden, Hans, s. Borstel, Hans von.
Menneken, Bernhard, Brodherr am
Hofe des Königs Johann, 279, 585,
649, 737.
Menneman, Hermann, Batsherr, 935 fiF.
— Johann, Gewandschneider, Gilde-
meister, später Batsherr, 214 f.
Mensinck, Johann, Bat des Bischofs
Franz, 929, 946.
— Peter, Batsherr, 231, 265, 27 1, 392.
Merckell, Johann, Dekan zu St. Jo-
hann in Osnabrück, Kanzler des
Bischofs Franz, 342, 349 A. 5, 373,
378.
Merode, Werner, s. Scheiffert, Werner,
von Merode.
Merscb, Heinrich, 594.
Merveldt (Merfelt, Merrelt)
— Dietrich von, Amtmann zu Wol-
beck, 166 A. 1, 169 A. 1, 173 f.,
222, 276, 286, 351, 490 A. 1, 493,
496, 499, 591, 607 ff., 920 A. 1.
— Heinrich von, Amtmann zu Dül-
men, 150, 252.
Merveldt, Ida von, Aebüssin zuüeber-
wasser, 159 f., 208 f., 228 f., 280 f.,
400, 436, 472 f., 474 A. 2, 482, 862.
— Johann von 252, 866, 877.
Meschede, Johann von, Kanonikus
zu St. Martin in Münster, 316, 328.
Mesman, Heinrich, Batsherr, 126.
Metzenhausen, Johann von, s. Trier,
Bischof.
Michael Effurdianus, bischöflicher
Hauptmann, 525.
Middelburg, Johann von, (in anderer
Quelle Johann Muderwerth), Büst-
meister des Königs Johann, 650.
Miling, Anna, 427.
— Catharina, Frau des Königs Jo-
hann, 658.
Minden, Bischöfe:
— Bruno (1037—1055), 49.
— Franz n., Graf von Waldeck
(1530—1553), s. Münster, Bischöfe.
Mispelboem von Triebt s. Maastricht,
Mispelboem von.
Moderson (Modersonne), Christian,
Batsherr, 949.
— Heinrich, Fleischer, Batsherr,
126, 213, 275, 392.
— Jodocus, 932.
— Margaretha, Frau des Königs
Johann, 659.
Moer, Bernhard thor,Aelt6ster, sp&ter
Herzog, 576, 584, 774 f.
Moers, Graf Heinrich von, s. Münster,
Bischöfe: Heinrich U.
Walram von, s. Münster, Bi-
schöfe: Walram.
Mollen, Johann thor, (auch Joannes
Mollerus), Dekan zu Ueberwasser,
141, 281.
Mollenhecke, Heinrich, Schmied, 392,
560 A. 2, 584, 621 ff.
Monichausen, Monnickhausen s.
Muenchhausen«
Montanus, Georgius, s. Berge, Georg
thom.
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968
Personenverzeichnis.
Moring, Eberhard, Amtmann su Fuer-
stenan, 513, 515 f^ 856.
Morrien, Alezander, Dompropst, 342,
347, 565 A. 2.
— Gerhard, Landtagsmarschall, bi-
schöflicher Oberbefehlshaber, 262,
328, 342, 344, 349 A.5, 373, 470
A. 2, 524, 742, 856, 877, 887, 889.
Moses, Bernhard, (filia Bemardi Mosis)
633.
Maderwerth, Johann, Büstmeister
des Königs Johann, 650 A. 9.
Mudeos, Jodocus, s. Maiden, Jodocus
von.
Muenchhaosen, Johann von, (Joannes
a Monnickhaosen), Bittmeister des
Herzogs Philipp Magnus vonBrann-
schweig-Wolfenbüttel, 930.
— Nicolaus Ton, (Nicolaus a Monic-
hausen), Amtmann zu Ahaus, 146.
Muenstor, Bischöfe:
— Bernhard Ton Baesfeld (1557—
1566) 92.
— Burchardvon Holte (1098—1118)
27, 34 ff., 51, 68 A. 1, 74.
— Dietrich 11. von Winzenburg (1118
—1127) 26 f., 34, 51.
— Dietrich III., Graf von Isenburg,
(1218—1226) 34 ff.
— Dodo (969—993) 13, 34 f.
— Eberhard von Diest (1275—1301)
55 A. 1, 94, 281 A. 2.
— Egbert (1127—1132) 51.
— Erich I., Herzog von Sachsen-
Lauenburg, (1508-1522) 38, 126,
133 A. 2, 134, 523.
— Erich n., Herzog von Braun-
schweig-Grubenhagen, (27.M&rz—
14, Mai 1532), zugleich (1508—
1532) Bischof von Osnabrück und
Paderborn, 193 A. 2, 195, 198 ff.
— Erpho (1085—1097) 34 A. 3, 49 f.
— Florenz von Wewelinghoven (1364
-1379) 37.
Münster, Bischöfe:
— Franz, Graf von Waldeck, (153i
—1553), zugleich Bischof vcm Mm-
den (seit 1530) und von Osnahrick
(seit 1532).
Bischofswahl in Münster nn-i
Osnabrück 210 f.
Schriftwechsel mit der Stadt
Münster (Jan.— Dez. 1532) 211 L
222 f., 229 f., 241 1, 243 ft, 247 1
266 ff., 271 ff., 312 iL
Yerhandlungen mit Landgnf
Philipp von Hessen (Juni 1532—
Febr. 1533) 226 ff., 289 01, 360 iL
370 ff
Verhandlungen mit der Bitter-
schaft zu Billerbeck (Sept 153i';
248 ff.
Belegt Bürgergüter mit Arrest
und schneidet der Stadt die Zu-
fuhr ab 266, 278, 330 A. 1, 346 ff.,
(vgl. auch 360, 372).
Yerhandlungen mit Köln, Cleve
u. Geldern (Nov. 1532— Jan. 1533)
286 f., 343 f., 363 ff.
Yerhandlungen zu Dülmen
(Nov. 1532) 308 ff.
Yerhandlungen zu Wolbeck n.
Telgte (Nov. u. Dez. 1532) 334 ff,
335 ff.
Yerhandlungen zuBheine 367 L
Friedensvertrag mit Münst^
(14. Febr. 1533) 374 ff:
Einritt u. Huldigung in Mün-
ster (4. Mai 1533) 406 ff:
Einschreiten gegen die kleinen
Städte des Stifts (Juni 1533— Jan.
1534) 410 f., 413, 415 ff:, 434 f.,
457, 468 f.
Erneuerte Yerhandlungen mit
Münster (Okt— Dez. 1533) 433 f,
437 ff., 457 f.
Edikt gegen die Wiedertäufer
(23. Jan. 1534) 474 ff.
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Personenverzeichnis.
969
Münster, Bischöfe : Franz y. Waldeck
Rüstungen gegen die Stadt
477 A.2, 487 A. 1, 519, 523 ff.,
545 ff.
Neue Verhandlungen mit dem
Landgrafen Philipp von Hessen 504
(vgl. auch 529 A. 1 u. 591 A. 4).
Verfahren gegen den Syndikus
vonderWieck (März 1533) 512 ff.
Verhandlungen mit Köln und
aeve zu Neufs (Juni 1534) 600 ff.
(vgl. auch 529 A. 1, 591 A. 4).
Mordversuch der Hilla Feicken
605 ff.
Kriegsrat vor der zweiten Be-
stürmung der Stadt (August 1534)
668 ff.
Verhandlungen mit Köln, Cleve
und anderen Beichsfürsten (Sept.
—Nov. 1534) 682, 6S4f.
Strafgericht über Warendorf
(Okt. 1534) 7 10 ff.
Begnadigung und Verwendung
des Heinrich Graes 723 ff., 729 ff.
Beschickung des Kreistages zu
Coblenz (Dez. 1534) 741 ff.
Verhandlung mit den Hanse-
städten (Febr. 1535) 789 ff. (vgl.
auch 689 f.).
Bestimmungen über die Flücht-
linge aus Münster (April 1535) 810ff.
Erhält Kunde vom Verrate des
Hans Eck von der Langenstraten
829 ff.
Letzte Aufforderung an die
Stadt zur Uebergabe 832.
Einzug und Aufenthalt in Mün-
ster (Juni 1535) 853.
Entscheidungen im Beutestreit
857 f.
Bestinmiungen des Wormser
Tages (Nov. 1535) 863 ff.
Anwesenheit bei der Hinrich-
tung der Wiedertäufer -Häupter
(22. Jan. 1536) 873.
Münster, Bischöfe : Franz v. Waldeck
Mafsnahmen zur Wiederher-
stellung bürgerlicher Ordnung in
Münster 876 ff.
Vereidigung der Bürger und
des neuen Rats 888 f.
Verhandlungen mit der Reichs-
kommission zur Neuordnung der
Verhältnisse in Münster (März
1536) 890 ff.
Oldenburger Fehde (1538) 897 ff.
Empfang der Weihen 900 f.
Verhandlungen des Rats mit
dem Bischöfe zur Wiedererlangung
der städtischen Privilegien 901 ff.
Gewährung der ersten Resti-
tution (5. Aug. 1541) 918 f.
Verhandlungen über Wieder-
zulassung der Gilden 920 ff., 931 ff.
Braunschweiger Fehde (1553)
930 f.
Gewährung der zweiten, voll-
ständigen Restitution ( 1 7 . Mai 1 553)
944 ff.
Tod (15. Juli 1553) und Be-
gräbnis 948 f.
242 f., 246 f., 279, 281, 323,
354, 357 f., 369, 370, 373, 379, 400,
402 f., 405 f., 414, 427, 432, 436 f.,
444, 454 ff., 472 f., 479 f., 490 f.,
499, 505 f., 507 f., 539, 545, 555 f.,
565 f., 589, 596 f., 610 f., 617 f.,
621, 624,654, 672 f., 680 ff., 682,
686 f., 6891, 707 f., 734, 739,
755 A. 1, 761, 782 ff., 784 A. 1,
786 f., 792, 797, 849, 852 A. 2,
855 A. 1 u. 2, 859 ff., 894, 896,
919 f.
— Friedrich I. von Meifsen (1064—
1084) 73.
— Friedrich n. (1151—1168) 23.
— Friedrich III., Graf von Wied,
(1522-1532) 118, 126, 139 f.,
142 ff., 155 f., 165 ff., 191, 193,
195, 198, 201 ff., 207, 324, 905 A.l.
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970
Personenverzeichnis.
Münster, Bischöfe:
— Gerhard, Graf von der Mark, (1261
—1272) 35, 69 A. 4, 94 A. 2.
— Heinrich II., Graf von Moers,
(1424-1450) 60 A.4, 344 A. 2.
— Heinrich m., Graf von Schwar-
zonberg, (1466—1496) 38, 53.
— Hermann I. (1032—1042) 11, 48,
58, 90 f.
— Hermann II., Graf von Eatzen-
elnbogen, (1174—1203) 30, 35,
581, 68 f.
— Johann 11., Herzog von Baien,
(1457—1466) 52 f., 73 A.
— Eonrad, Graf von Rietberg, (1497
—1508) 38.
— Ludger 11 f., 20, 50, 248, 380.
— Ludolf von Holte (1226—1247)
57, 60 A. 1.
— Ludwig I., Graf von Tecklenbnrg,
(1069—1073) 68 A. 1.
— Ludwig U., Landgraf von Hessen,
(1310—1357) 19 f., 51, 60 A.4,
65, 341 A. 1.
— Otto L, Graf von Oldenburg, (1204
— 1218; Eerss. nennt ihn fälschlich
Otto von Bentheim), 69 A.4, 70, 96 f.
— Siegfried (1022—1032) 58.
— Walram, Graf von Moers, (1450
—1456) 65, 138.
— Werner (1032—1051) 73 A.3.
— Wilhelm 11. von Eetteler (1553
—1557) 30, 93, 719.
Muenster, Gerhard, (Gerardus Mun-
ster eognom. Smoker, Gerardus
Smokerus), bischöflicher Befehls-
haber, später Deserteur, 524, 612 f.
— Heinrich von, 252 A.1, 373 A.4, 378.
— Johann von, 252.
Muonstcrman, Dietrich, (Theodoricus
Munsterman), Ratsherr, 1*26, 131,
233,393, 555, 632, 862 A.l, 889,
909 A.
Muenzer, Thomas, (Thomas Mona-
Sterins), 833.
Mulden, Jodocus von, (Jodocns Mv-
deus), in anderen QueUen Joist
van Mu^en, Jost van Mnjen, bi-
schöfl. Hauptmann, 525, 591 A.a
Mulhemicus, Neqnam, 8. Nequam
Mulhemicus.
Mumme, Bernhard, 521 f.
— Ludger, 265, 922.
Mumpert, Heinrich, Prior im Bisping-
hofe, 403, 434, 437 fL, 458.
Munster, Munsterman s. Mnenster,
Muensterman.
Munth, Nicolaus, 131, 949.
Muter, Heinrich, Bürger in Waren-
dorf, 715.
Nadermann, Johann, Herzog, 775 A.
Kadler, Bartholomaeus, s. Netder,
Bartholomaeus.
Nagel, Hans, aus Frankfurt a. d. Oder,
Landsknecht, 778 ff.
Nassau, Graf Wilhelm von, Kriegs-
rat vor Münster, 604 A. 2, 669 1,
685 A. 2, 868.
Nate, Hermann tor, (Tomate), Schuh-
macher, 584.
Nequam Mulhemicus (in anderen
Quellen Schaep von Melven und
Schaep van Molven), Fonrier im
Heere dos Königs Johann, 650.
Ncteler, Bartholomaeus, dictos de
Wale, (in anderer Quelle Bartholo-
maeus Nadler), Apostel, 706, 721.
Neuenahr, Graf Wilhelm von, Kriegs-
rat vor Münster, 604 A. 2, 669 L
Nicolaus ab Affelen s. Affeln, Nico-
laus von,
— Bupardicus s. Boppard, Nicolaus
von.
— Lutzenburgus s. Luxemburg, Nico-
laus von.
— Smalkaldianus s. Schmalkalden,
Nicolaus von.
— Tecklenburgicus s. Tecklenburg,
Grafen von.
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Personenverzeichnis.
971
Nicolaus Utennarckanas (in anderer
Quelle Claes Utherdeminck), bi-
schöflicher Hauptmann, 525.
Niehas, Adolph, Batsherr, 126.
Nilandos, Nachfolger des Knipper-
dolling im Scharfrichteramte, 649,
664.
Nithard, Bischof yon Lnettich (1039
—1042), 49.
Nochleus, Johann, 605.
No()st, Conrad, Chirurg, 600.
Nordanus, Brixius, s. Brictius tom
Norde.
Nordeck, Johann, Gesandter des Land-
grafen Philipp von Hessen, 505 A.,
516 A. 1.
Nordinck, Michael, Kürschner, Bats-
herr, 208, 280, 392, 400.
Norrentin, Hilhnrg, Aebtissin zu
Ueberwasser (1483), 53.
Northoff, Johann, (in anderer Quelle
Johann Ylenthoff), Schneider, 584.
Nusbicker, Georg, Gesandter des
Landgrafen Philipp Ton Hessen,
361 ff., 405 A. 2.
Nymwegen, Hans von, Gefährte des
Heinrich Gresbeck bei der Flucht
aus Münster, 826 A. 2.
Oberstein, Wirich Ton Dhaun, Graf
zu Falkenstein, Herr zu — , Eriegs-
rat Tor Münster, dann Oberbefehls-
haber der Reichstruppen, 604 A. 2,
669 f., 747, 753 f., 761 f., 810,
811 A. 1, 816, 831 A.1, 832,
841 A. 1, 844 A., 845 A. 1, 852 f.,
860.
Ocken, Eberhard, 498 A. 1.
Oeken, Gerhard, Ratsherr, 126.
Ockinckfeld, Johann, Notar, 625 f.
0er, Bernhard von, Statthalter des Bi-
schofs Franz in Münster, 877 A. 2,
895.
Oesen, Bernhard van, Ratsherr,
926 A. 1.
Oesen, Johann, der Aeltere, Rats-
herr, 126.
— Johann, der Jüngere, 131.
Oestermann, Lnbbert, Organist des
Königs Johann, 648.
Offerkamp, bischöflicher Schanzmei-
ster, 596 ff.
Oldenburg, Grafen von
Anton (1588) 897 ff.
Christoph (1538) 897«.
Georg (1538) 897 ff.
Johann (1538) 897 ff.
Otto 8. Münster, Bischöfe.
Oldenburg, Arnold ron, (Amoldus
Aldenburgicus), Anführer der Läufer
des Königs Johann, 650.
Oldenzaal, Gerhard von, (Gerardus
Aldenzeell), Trabant des Königs
Johann, 649.
— Heinrich von, (Henricus Olden-
zeel), Bote des Königs Johann, 650.
— Jakob Ton, (Jacobus Aldenzeell),
Trabant des Königs Johann, 649.
— Kind von, (Infans Aldenzelanus),
Fähnrich im Heere dos Königs
Johann, 650, 735 A. 1.
Oldersum, Boynck von, (Boynck van
Oldershem), bischöflicher Haupt-
mann, 525 A. 1.
Olieschleger, Bernhard, Ratsherr,
später Trabant des Königs Johann,
520, 649.
Osenbrugge (Ossenbrugk), Hermann,
Ratsherr, 926 A.1, 935 ff.
Osnabrueck, Bischöfe:
— Alberich (Alvericus) (1037-1052)
49.
— Erich, Herzog von Braunschweig-
Grubenhagen, (1508—1532) siehe
Münster, Bischöfe: Erich II.
— Franz, Graf von Waldeck, (1532
—1553) s. Münster, Bischöfe.
Osnabrueck, Heinrich von, (Henricus
Osnaburgensis), Trabant des Königs
Johann, 649.
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972
Personenverzeiclmis.
Osnabraeck, Jacob von, wiedert&ufe-
rischer Apostel, von Münster ins
Jülichsche entsandt, 448 ff. An-
merkungen, 508 A. 3.
— Margaretha ron, (Margaretha
Osnaborgica), 688.
Osnabrug (Osnabrugge), Johann, der
Jüngere, Ratsherr, 126, 131.
Ossenbecke, Johann, Gerber, Rats-
herr, später Aeltester, dann Wein-
herr am Hofe des Königs Johann,
392, 520, 576, 649.
Oswalt, Gerhard, s. Vemheiden, Ger-
hard, cognom. Oswalt.
Otto SwoUanus s. Zwolle, Otto von.
— Graf von Tecklenbnrg s.Tecklen-
burg, Grafen von.
Ovolacker, Eberard, (Everardus Ove-
lakerus, in anderer Qnelle Evert
van Snerhuefs, von Eerss. auch
nur Swerhusius genannt), bischöf-
licher Hauptmann, 357 A. 2, 525,
547, 711 f., 717.
Pacimontanus, Baltzarus, s. Hub-
maier, Balthasar.
Padde, Johann, Herzog, 775 A.
Paderborn, Bischöfe:
— Erich, Herzog von Braunschweig-
Grubenhagen, (1508—1532) siehe
Münster, Bischöfe: Erich IE.
— Hermann II., Graf von Wied,
(1532-1547) s.Koeln, Erzbischöfe:
Hermann Y.
Paell, Bernhard, Ratsherr, 126.
Pagenstecker, Conrad, Bürger in
Warendorf, 716.
— Johann, Bürger in Warendorf, 716.
Palck (Palcus), Johann, Ratsherr,
später Herzog, 271, 275, 392,
489 f., 520, 584, 774 f.
Pannicida, Bemardus, 584.
Peick, Johann, Erbmann, 342, 373.
— Otto, Erbmann, 369.
Peregrinus Iselmndanos s. Tsstl-
monde, Pilgiim von.
Peter von Ailly, 63 A. 1.
Pfalz, Kurfürst Ludwig Y. von d€z,
(Kerss. nennt den Namen nichts
227 A.2, 684 A.2, 685, 741 ff.
dessen Bruder Wolfgaag 669.
PfLoch, Simon, Fähnrich im bischöf-
lichen Heere, 610.
Pheico, Vater der Hill» Feicken, 605.
Philipp, Herzog von Braonsehweig-
Grubenhagen, s. Braunschweig-
Grubenhagen, Herzog Philipp toil
— Landgraf von Hessen, a. Hessen,
Landgraf Philipp von.
Philipp Magnus, Herzog von Braun-
schweig -Wolfenbüttel, s. Bnum-
schweig- Wolfenbüttel, Herzog Phi-
lipp Magnus von.
Picker, Bernhard, Ratsherr, 520.
Piepenkenneken s. Grever, Johann.
Pilgrim von Iselmnde s. Tsselmonde,
Pilgrim von.
Plettenberg (Plettenberch), Gerhard
von, bei Sendenhorst, 547.
— Heinrich, Domherr zu Münster, 342.
Plonies, Wilbrand, Bürgermeister,
126, 233, 271, 276,393, 498 A.1,
555, 565 A. 2, 742, 856, 886 A. 1,
889, 915 A. 1, 916.
Poeck, Hans, bischöflicher Haupt-
mann, 610.
— Ludolph, Weifsgerber, 415.
Pothgen , Heinrich, Schuhmacher,
Ratsherr, 520.
Pothoff, Conrad, Schmied, 584.
— Heinrich, Schmied, 584.
Potteken s. Schomacker, Rudolf» 128.
Prange, Conrad, Richter zu Arns-
berg, 530.
— Johann, Bürger in Warendoii^
710 A. 1, 715.
Profaess, Hieronymus, 784.
Provestinck, Gerhard, Kanonikus am
alten Dome, 328.
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t^ersonenverzeiclmis.
973
Pniem, Anton von, (Antonius Pru-
meren, Prumerenus Eifeldianus),
Apostel, 626 A. 3, 706, 714.
Pruesse, Gerhard, Gerber, Ratsherr,
sp&ter Fleischherr am Hofe des
Königs Johann, 392, 520, 584, 649.
— Johann, dessen Witwe, Stifterin
eines Armenhauses, 78.
Puchmann, Johann, Sekret&r des
Königs Johann, 648.
Quirinus Aquensis s. Aachen, Quirin
von.
Badan, Heinrich, 821.
Raesf eld (Raesfeldt, Baesfel t, Baisfelt)
— Arnold von, 150, 262, 378, 565 A. 2,
877.
— Bernhard von, s. Münster, Bischöfe.
— Johann von, bischöflicher Ober-
befehlshaber, 323, 524, 785, 877
A. 2, 899.
Bamers (Ramcrus), Hermann, 131,
412, 522 A. 1, 608 ff., 644.
Becke (Beke), Dietrich von der, Be-
fehlshaber der bischöflichen Bei-
terei, 524 A. 3, 617 f.
Domherr zu Münster, 617 f.
— Gerhard von der, 150, 262, 324,
342, 344, 349 A. 5, 351, 373.
bischöfl. Bittmeister, 524, 547.
— Johann von der, zu Drensteinftirt,
373 A. 4, 378.
dessen Familie 511.
Bedeker, Heinrich, Kürschner, Older-
mann, später Bat des Königs Jo-
hann, 213, 215, 279, 392, 470,
480, 519, 560 f., 622, 626 A. 3,
617, 663.
— Hermann, 271, 583.
— Johann, Schuhmacher, 519, 584,
626 A.3, 774 f.
Regewart (Begeward), Hermann, Pa-
stor an der neuen Kirche in Waren-
dorf, später Apostel, 397 ff., 450,
510, 706, 721.
Beinerus Hardewicenus s. Harderwijk,
Beiner von.
— a Veelen s. Velen, Beiner von.
Beininck (Beining, Beyninck, Bey-
ning), Gerhard, Kaufmann, Bats-
herr, dann Hüter des Schatzes der
Wiedertäufer und Bat des Königs
Johann, 263 f., 520, 543 A. 1, 562,
584, 626 A. 3, 647, 663.
— Gottfried, (von Kerss. auch Fried-
rich genannt), Kaplan an der üeber-
wasserkirche, 127, 141.
— Hermann, Diakon, Brodherr am
Hofe des Königs Johann, Herzog,
558, 626 A. 3, 649, 774, 776.
Beimensnider (Beymensnider, Bey-
mensnyder), Eberhard, Yorschnei-
der (structor) am Hofe des Königs
Johann, 612 f., 626 A.3, 633, 648,
855 f.
— Heinrich, Bürger in Warendorf, 7 1 5.
Bibbert, Hermann, 584.
Bietberg, Graf Konrad von, s. Mün-
ster, Bischöfe.
Bing (Binge), Hermann tho, Maler,
738.
— Ludger tho, Maler, Yator Hcr-
mann^s, 738.
dessen Diener Hermann 738,
Bink, Melchior, 155 A. 3.
Bodde u. Bode s. Boede.
Bodehosiana, Anna, 822.
Bodenberg, Lubbert von, Domherr
in Münster, 99.
Boede (Bodde, Bode)
— Ghristina, Frau des Königs Jo-
hann, 659.
— Heinrich, Goldschmied, Batsherr,
später Aeltester, dann Hofmeister
der Königin Divara, 271, 392, 520,
576, 661, 665.
— Stephan, 684.
Boelevinck, Johann, Bürger in Warcn-
dorf, 717.
Boidtlandt, Arnold, Schmied, 584.
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974
Personenverzeichnis.
Bokol, Johann, aus der Mark, Diener
an der Domschule, dann Dom-
glöckner, 846.
Roll, Heinrich, WassenbergerPredi-
kant, 238, 388 A. 1, 420 A. 1,
421f., 424A.2, 428f^ 442 A.3,
447 A. 2, 464, 471, 474 A. 1, 475,
478, 483, 518, 645.
Bomberch von Kierspe, Johann Host
von, schreibt gegen Bothmann,
235 A. 2.
Rotermnnt, Johann, der Aeltere und
der Jüngere, 279.
Rotgers, Heinrich, Kürschner, Older-
mann n. Ratsherr, 126, 275, 949.
Roth, Hans, Bürger in Warendorf,
716 A. 3.
Rothmann, Bernhard, 160 ff. (Her-
kunft, Jngend, Reisen), 1 62 u. 164 f.
(erstes antikatholisches Auftreten
SU St Mauritz), 166 ff. (Schrift-
wechsel mit Bischof Friedrich, Not.
1531— Jan. 1532), 190, 191 f. (pre-
digt zuerst in der Lambertikirche,
Febr. 1532), 195 ff., 199 ff. (Brief
an Bischof Erich, April 1532),
203 ff., 214, 221 f., 223 ff. (Brief
an den Münsterschen Rat, Juli
1532), 231 f., 235, 241, 244, 25901
(Brief an die Statthalter des Stifts
und an die Ritterschaft, Sept.1532),
271, 276, 284 ff., 292, 316 f., 3221,
330 f. (Stutenbemdt), 333 f., 351,
389 ff. (Heirat), 393, 398 f., 402 u.
424 (Superintendent), 403, 418 ff.
(Predigten im Sinne der Wassen-
berger Predikanten), 421 ffl (für
die Verwerfung der Eindertaufe
gewonnen), 424 (Beteiligung an
der Disputation im August 1533),
428 ff. (wiederholter, nicht durch-
gesetzter Ausweisungsbefehl des
Rates, Sept. 1533), 435 f., 441 1,
443 ff. (neue Verhandlungen des
Rates über Ausweisung, Nov. 1533),
Rothmann, Bernhard
447f^452ff., 455 A. 2, 458 L (pre-
digt gegen Fabricins, Not. 1533 t,
460, 461 (trotzt dem Answeisimss-
bef ehle des Rates, Dez. 1533X 4&x
464 ff., 471 (vollzieht die Wieder-
taufe, nachdem er [s. 474 A. 1] am
5. Jan. 1534 selbst wiedergetanft
ist), 475 f., 478, 480 fL (Prophe-
zeiung vom Einston des Ueber-
wasserUosters, Febr. 1534), 4831,
487, 494, 502, 504, 508 L (Briefe
an die benachbarten Sfjldte, Febr.
1534), 511 A. 1, 536, 540i, 541
(Brief an Heinrieh Slacktacaef:
564 A. 1, 576, 608 A. 1, 619 L
(Stellung zur Vielweiberei), 621,
623, 626 A. 3, 646 f. (WorthalUr
des Königs Johann), 664, 696, 739,
781 A., 784 A.1, 795 A., 798 A.2,
832, 842 (Tod).
— seine Frau 389 ff.
— seine Schwester 232.
— seine Briefe:
an Gerhard Reining, 17. Mai
1531, 163 f.
an den Bischof Friedrich JH.,
1. Nov. 1531, 166 ff.
an den Bischof Friedrich UL,
16. Jan. 1532, 173 ff.
an die bischöflichen R&te, Ende
Jan. 1532, 170 ff.
an Gerhard Cotiiis, 18. Fei».
1532, 191 A. 2.
an den Bischof Erich 11., 19.
Aprü 1532, 199 ff.
an Erii. Schnepf; 16. Juli 1532,
225 A. 1, 226 A. 1.
an den Rat in Münster, 19. Juli
1532, 223 ff:
an Herm. v. d. Busche, 6. S^t.
1532, 190.
an die bischöflichen Rite und
die Ritterschaft in Wolbeck, 25.
Sept 1532, 260 ffl
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Personenyerzeichnis.
976
Bothmann, Bernhard, Briefe
an Herrn. Regewart, 2, Juni
1533, 450.
an den Bat in Münster (im
Verein mit den Predikanten), 17.
Sept 1533, 428 fL
an den Rat in Münster, 3. Okt.
1533, 432 f.
an den Landgrafen Philipp von
Hessen, 12. Jan. 1534, 455 A. 2.
an die Münster benachbarten
St&dte, Febr. 1534, 508 f.
an H. Slachtscaef, März 1534,
541.
— Predigten 165 A. 1, 322 f., 418 fiL
— Reden bei der Disputation im
August 1533 vgl. 425 A.
— Schriften:
Glaubensbekenntnis (confessio
fidei), Jan. 1532, 176 ff. (vgl. auch
170 A. 1, 171, 190, 195, 196, 197,
204, 223, 236 A., 244, 261, 263,
271, 284 f.).
Epitome abusuum, Aug. 1532,
235 ff. (vgl. auch 244, 246, 261,
263, 271, 284 f., 299,309, 314 ff.,
320, 322 f., 355).
Eirchenordnung, April 1533,
388 A. 1 (vgl. dazu das succinctum
municipalium legum ezcerptnm
385 ff.).
Bekenntnisse von beiden Sakra-
menten, Okt. 1533, 442 f., 453 f.
Restitution, Okt 1534, 757 fL
(vergl. dazu 487 A. 1 und Anmer-
kungen der folgenden Seiten, 620
A.1, 630 A.1, 631 A.1, 696, 735,
760 A.).
Rache, Dez. 1534, 758 A. 1,
760 A.
Verborgenheit der Schrift, Febr.
1535, 758 A.1, 759 f.
Rudolph, Bischof von Schleswig (1027
-1046), 49.
Ruescher (Ruesscher), Hubert,
Schmied, 392, 445, 518, 559 ff.
Ruland, Jodocus, Kanzler des Bi-
schofs Franz, 742.
Rupe, Heinrich, Prokurator am bi-
schöflichen Gericht (1555), 30.
Sachsen, Herzog Georg von, 742 A.,
783 A. 2.
— Kurfürst Johann Friedrich von,
227 A. 2, 228, 301, 306, 375 A.,
517 A., 082, 683 A.3, 685, 742 A^
745, 761 A.2, 763 A., 865 A., 930.
Sachsen-Lauenburg, Herzog Erich
von, s. Münster, Bischöfe: Erich L
Salwide, Johann, (vielleicht Johann
aus Salwej), Weinherr am Hofe
des Königs Johann, 649.
Sauctes (Sanctus, Xantes, Xantus),
Heinrich, Kupferschmied, Ratsherr,
Rüstmeister des Königs Johann,
Herzog, 265, 520, 626 A. 3, 650,
774 f., 850.
Santensis, Henricus, s. Xanten, Hein-
rich von.
Schaep von Melven s. Kequam Mul-
hemicus.
Scharlaken, Egbert, Trabant des Kö-
nigs Johann, später Herzog, 649,
775 A.
Schaumburg, Grafen von, 669, 931.
— Graf Ernst von, (1454), 138.
Schedelich, Bernhard von, Komtur
der Johanniter in Burgsteinfurt
(1450), 66, 79.
— Gottfried von, 252, 262, 324,
378, 640 f., 861 f., 877.
Scheffer, Johann, aus Freckenhorst,
AposH 705, 722 ff.
Scheiffert (Scheiffort), Werner, von
Merode, 510, 736 ff^ 740, 785.
Schelve, Gerhard, Trabant des Kö-
nigs Johann, 649.
Schemme, Johann, Zimmermann, 572.
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976
Personenverzeiclmis.
Schemmeringk, Engelbert, (in anderer
Quelle Engelbert Scheverinck), Vor-
schneider (stractor) am Hofe der
Königin Divara, 661.
— Walther, (in anderer Quelle Wolter
Schemelick), Mundschenk des Kö-
nigs Johann, 648.
Schenck von Tautenbnrg, Georg,
(Georgius Schenck über baro de
Teutenberg), kaiserlicher Statt-
halter in Friesland, 567 f., 777,
784, 794 f.
Schenckinck (Schencking), Ermgard,
Aebtissin in üeberwasser (1555),
863.
— Heinrich, Drost zu Neuhaus, vir
equestris ordinis, 328, 338, 373,
877.
— Hermann, Erbmann (patricius),
Stadtrichter, später Ratsherr, 233,
323, 342, 373, 505, 555, 889,
9 13 ff., 949.
— Johann, Erbmann, Ratsherr, 126.
Schiltmaker s. Wale, Johann.
Schimmel,Georg, bischöflicher Haupt-
mann, 525.
Schlachtschap, Heinrich, s. Slacht-
scaef^ Heinrich.
Schlebusch, Wilhelm, Wiedert&ufer
in Wesel, 731.
Schloschen (Sloschen), Dietrich, 128,
585, 850.
Schmalkalden, Nicolaus von, (Nico-
laus Smalcaldianus), Diener Knip-
perdolling's, 574. -
Schmising (Smisinck, Smjsinck,
Smjsing)
— Caspar, (auch Caspar Korf^ dictus
Smysinck), 252, 323, 378.
— Botger, Domherr in Münster, 31,
41, 342, 347, 496 A. 2, 565 f.,
742, 856.
Schnepf, Erhard, Professor in Mar-
burg, 225 A.1, 226 A. 1, 227 A.3.
Schomacker, Bernhard, Büi^ger is
Munster, 279.
Bürger in Warendori^ s. Boote-
mans, Bernhard.
— Peter, niederländischer Wieder-
täufer, 777.
— Rudolph, (Potteken), 128.
Schonebecke, Familie von, 911.
— Heinrich yon, bischöflicher Ritt-
meister, 524, 547.
Schonhoff (Schonhovius), Christoph,
Fähnrich im Heere des Königs
Johann, 650, 820.
Schonlake, Egbert, Bürger in Coes-
feld, 470.A.
Schröder, Johann, aus Werne,
Schmied, 460 ff.
— Peter, Bürger in Warendorf,
715 A. 5.
Schroderken (SchroederkenX Caspar,
Ratsherr, 163, 192, 231, 275,
305 ff., 362 A., 392, 517 A.
— Gerhard, Kanonikus am alten
Dom, 316, 328.
Schulte, Bernhard, Kürschner in
Münster, 835.
Bürger in Coesfeld, 470 A.
'— Johann, Diener des Knipperdol-
ling, 573.
Schuren, Johann, Trabant des Kö-
nigs Johann, 649.
Schuttorp, Johann, Batsdiener, 335,
358.
Schwarte, Friedrich, Hofmeister des
Grafen Joh. von Waldeck, 937 A. 1.
Schwarzenberg, Graf Heinrich yon,
s. Münster, Bischöfe : Heinrich ÜL
Schwering s. Swering.
Schwerten s. Swerten.
Schwertfeger, Johann, s. Caterberch,
Johann.
Selker, Johann, Bürger in Coesfeld,
378.
SeUdnck, Gerhard» Pfortner am Hofe
der Königin Divara, 661.
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PersonenTeizeiclmis.
977
'Senden, Johann Ton, (Joannes Sen-
danns), Gograf von Nordwalde,
509 f.
bischöflicher Rittmeister, 524,
548.
Sibing, Hermann, Yikar in St Maa-
rita, 161 f.
Sibmg, Johann von, s. Sybnrg, Jo-
hann Yon.
Siegfried, Bischof von Mnnster, s.
Münster, Bischöfe.
Simon, Qraf zur Lippe, s. Lippe,
Orai Simon Y. zur.
Sittard (Sitthard, Syttiurd), bischöf-
licher Hauptmann, 525, 547, 688,
788, 832.
Slachtscaef (Schlachtscapios,
Schlachtschaep, Schlachtschapius),
Heinrieh, Apostel, 541, 563 A. 1,
621, 630, 688, 705, 719 f., 721 A.1.
Sloschen s. Schloschen.
Smalcaldianns. Mcolans, s. Schmal-
kalden, Nicolaus von.
Smedes, Johann, Freigrai; 342 A. 3.
Smising s. Schmising.
Smithns (Smythus), Jodocns, Rats-
herr, 889.
— Lambert^ Hfiter des Schatzes der
Wiedertftiifer, 562 A. 3.
Smoker, Gerhard, s. Muenster,
Gerhard.
Sneek, Albert Ton, (Albertos Sne-
canus), Chirnrg, 600.
Snider (Snyder), Lorenz, Biirger in
Coesfeld, 470 A.
— Nicolaus, Ratsherr, 498 A. 1, 520,
543 f.
ans Nordhom, 822.
Sobbe, Conrad, Gef&hrte des Hans
Eck von der Langenstraten bei
seiner Flucht aus Münster, 827.
Sode, Johann thom; dessen Frau
633 A. 2.
Sonneken, Heinrich, s. Cmmaker,
Heinrich.
Spe (Speins), Fourier im Heere des
Königs Johann, 650.
Spiegel (Spdgel), Conrad von, 352.
Spiker, Otto, Bürger in Osnabrück,
722 f.
Staell, Wilhelm, Dechant an der
üeberwasserkirche, 159 t
Amtmann zu Iburg, 723 f.
Staprade, Hermann, aus Moers, Was-
senberger Fredikant, 888 A. 1,
421 A., 422 f., 424 A. 2, 428,
442 A. 3, 471, 474 A. 1, 475, 478.
Steding, Wilken, bischöflicher Be-
fehlshaber, 524, 526 A. 1 u. 2,
527 A. 2, 547, 682 f., 734, 747,
778, 780, 788, 822, 831, 832 A. 2,
837, 841, 844A., 845 A.1, 846,
853, 857 A. 1, 861 f.
Steinbicker, Johann Ernst, 490 A.
Steinkamp, 584.
Steinmann, Eberhard, s. Steymann,
Eberhard.
Stell, Reiner, Glaser, 129, 281.
Stenerensis, Christianus Adelphus, s.
Adelphus Stenerensis, Christianus.
Stemebergh, Johann, Bürger in Wa-
rendorf, 717.
Steveninck (Sterening), Eberwin, Erb-
mann, Ratsherr, 126, 393.
— Heinrich, Erbmann, Ratsherr, 889.
— Johann, Erbmann, Ratsherr, 830,
949.
Steymann, Eberhard, Kaplan an der
aiten Kirche An Warendorf; 397 iL
Sticker, Magnus, 400, 932, 949.
Stinthius, Georg, 612.
Stock, Richter in Telgte, 342 A. 3.
Stoeldreier, WeiTsgerber, 415.
Stolte, Heinrich, Schmied, 584.
Stopenberg, Johann, Thorwftrter in
Warendori; 715.
Stothues, Joist, Bürger in Coesfeld,
470 A.
Steve, Jacob, Ratsherr, 855, 889.
Stoyfener, Gertrud, (1377), 87.
38
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978
Personenveizeichnis.
StnJen, Qottfried, Wusenberger Pre-
dikant, Apostel, 238, 280, 422 A. 2,
424 A.2, 428 it, 442 A. 3, 471,
474f^ 478, 489, G26 A. 8, 706,
714, 724,
Stripe, NicolAus, Gewandflelmeider,
392, 498 A,l, 520.
Kaufmann, Henog, 774, 776.
Statenbemd (Name för Bernliaid
Botfamann) b. beeonden 330.
Saedartho (Swedartho), Heinrich,
131, 392, 496.
Suidbert, der heilige, (Swibertiu), 11,
32f^ 50, 126, 380.
Suidger, Bischof Yon Bamberg (1041
—1046), 49.
Snndermann, Kfinchner, 504.
Snren, Johann, Diener Knipperdol-
ling'8, 574.
Suttorp, Johann, Kammerdiener des
Königs Johann, 648.
Swartamt, Heinrieh, Bftcker, 932.
Swenthovelsche, Stifterin eines Ar-
menhanses, 79.
Swerhusius s. Ovelacker, Eberhard.
Swering (Sweringk), Panl, Apostel,
705, 722 ff.
— Peter, Bürger in Coesfeld, 470 A.,
510.
Swerthen, Bernhard, 124^ 484, 849.
— Johann, 580, 731.
Swollanns s. Zwolle.
Syburg (SibnrgX Johann von, Kaplan
des Bischofs Franx, 589 A. 2, 87 1 £L
Symonson, Peter, ein Friese, Aeltester,
später Küchenmeister der Königin
Diyara, 576, 661, 7d5A.2, 738 A.4.
Tant, Johann, Kaplan an der Lam-
bertikirche, 127, 140 f.
Taubenheim, Jacob von, hessischer
Gesandter, 226 A.3, 361f., 405A.2.
Tantenbnrg, Georg Schenck yon, s.
Schenck yon Tantenbnrg, Georg.
TecUenbmg, Grafen tob, 25.
— Graf Ludwig ron, a. MfiBster,
Bischöfe: Ladwig L
Nioolans von, (1518) 134.
Otto yon, Propet zu 8t. Joliaan
in Osnabmeek (1538X 897 1
TecUenbnrg, Hans von, (Haiiao, Hes-
snlns Teckelenbmgiciia, Tecken-
bnrgicns), bischöflicher Haiqit-
mann, 596, 683, 788, 797L
Tegeder, Hennann, 530.
Thann, Alexander yon dei^ hessischer
Gesandter, 435 A. 2, 504 A. 1.
TheodoricQs a. aach DielriA.
^ Gei&hrte des heiL Suidbert, 32.
— Alfensis s. Alfen, Dietrieh too.
— Dnsseidorf s. Dosaddoim Theo-
doriens.
— Grollanns 8.Grollano8,Theodoriciis.
— ab Ham s. Hamm, Dietrich too.
— Tylanns s. Tiel, Dietrich Ton.
Tho Bing, Hermann nnd Lndg«,
s. Bing, Hermann tho — nsd Lad-
gor tho — .
Thom Berge, Georg, s. Berge, Geoig
thom.
— Brincke, Johann nnd Lndger, &
Brincke, Johann thom — nnd
Lndger thom — •
— Kloester (Kleister) s. Cloister,
Gert tom.
— Korden, Brictins, a. Korden, Brie-
lins tom.
• Sode, Johann, s. Sode, Joh. tiiom.
Thor Ae, Heinrich nnd Johann, s.
Aa, Heinrich rar — nnd Johann
rar — .
• Hege, Eberhard, s. H^ge, Eber-
hard thor.
— Heyden, Johann, a. Caterberch,
Johann.
— Meer, Bernhard, a. Meer, Bern-
hard thor.
— Mollen, Johann, s. Mollen, Jo-
hann thor.
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Personenverzeiclmis.
979
Tiel, Dietrich von, (Theodoricus Ty-
lanus), bischöflicher Hanptmaan,
525,
— Johann Kettel von, s. Kettel von
Tiel, Johann.
Tilanus (in anderer Quelle: Meister
Tile Bnssenschutte), im städtischen
Dienste, 480, 851.
Tübeck (Tylbech, Tylbeck, TyUe-
bech), Hermann, Erbmann, Bürger-
meister, Aeltester, Hofineister des
Königs Johann, 192, 208, 231,
275, 369, 392, 394, 400, 402, 445,
490 f., 496 ff., 502, 505, 507 f.,
517, 560 f., 5761, 622 A. 2,
623 A. 1, 626 A. 3, 627 A., 647,
663, 698, 850.
— dessen Schwester 855 A. 2.
Tilmans, Georg, Bürger in Hanmi,
613 A. 3.
Timmermannsche(Tjmmennannsche)
486 f.
Tinnen (Tynnen), Bernhard von. Erb-
mann, Ratsherr, 271, 328, 889, 916.
— Johann von, Erbmann, Ratsherr,
393.
Tonsoris, Gerhard, Kaplan an der
Aegidiikirche, 328.
Torck, Arnold, Bürger in Wolbeck,
328.
Tor Nate, Hermann, s. Nate, Her-
mann tor.
Torrentinus, Angnstinus, cognom.
Gloterbemdt, 823.
Tos, Rotger, 131.
Traiectensis, Adrianus, s. Utrecht,
Hadrian von.
Travelman, Berthold, Erbmann, Bür-
germeister, 393, 889.
— Heinrich, Erbmann, Ratsherr,
126, 935 f.
Tregers, Elisabeth, s. Dreggers,
Elisabeth.
Triebt s. Maastricht
Trier, Enbischof : Johann IDL von
Metzenhausen (1531—1540), Kur-
fürst, (Kerss. nennt den Namen
nicht), 685, 741 ff., 812 A.l, 868.
Tmtlinck (Tratling), Dietrich, Zim-
mermann, 131, 572 f.
— Hubert, 559 A. 1.
Tulen, Johann, Scholaster zu St.
Maitini, 328.
Tuneken (Tunneken),Gerhard, Butter-
h&ndler, Ratsherr, 392.
— Margaretha, 785.
Twickd, Johann von, 832, 840.
Twist (Twistb), Friedrich von, Hof-
meister des Bischofs Franz, Amt-
mann zu Sassenberg, 352, 468 A. 4,
717, 866, 913 ffl, 918 A., 919 f.
Tjlanus s. Tiel und Tilanus.
l^lbeck s. Tilbeck.
Tymannus Groninganos s. Groningen,
Timann von.
Tynnen s. Tinnen.
Tzum Drecke, Arnold, b. Drecke,
Arnold tzum.
— Kloester (Kleister) s. Gloister,
Gert tom.
Tzwyvel, Dietrich, (Theodoricus Zwi-
velius), Buchdrucker, Wiederher-
steller der Domuhr, 42.
Uberstein, Wirichus ab, (Wirichus
überstenins), s. Oberstein; Wirich
von Dhaun, Graf zu Falkenstein,
Herr zu — .
üda, Aebt]80hi zu St. Aegidü (1250),
58.
üdenheim, Johann, Pfennigmeister,
748, 860 A. 1.
Uldan, Johann, 554, 585.
Ulrich, Herzog von Wuerttemberg, s.
Wuerttemberg, Herzog Ulrich von.
Ultraiectinus, Joannes, s. Utrecht,
Johann voiu
Ummegrove, Heinrich, Apostel, 706,
714.
38*
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980
PersonenTerzeiclmis.
ümmegroYe, Johann, Advokat, 192,
231,301, 303 ff^ 807 f., 362 A.,
617 A.
Utermarckanns, Nicolans, (in anderer
Quelle: Olaes ütherdeminck), bi-
schöflicher Hauptmann, 525.
Utrecht, Arndt Ton, (Arndt van ütert),
bischöflicher Hanptnuum, 525 A. 1.
— Gottfried von, (Godofridus Tra-
iectensis), in anderer Quelle Arndt
van ütert, bischöflicher Hauptr
mann, 525.
— Hadrian von, (Adrianus Traiec-
tensis), Trabant des Königs Jo-
hann, 649.
— Johann von, (Joannes Ultraiec-
tinus), früher Domherr in Utrecht,
6291, 706 A.3.
y siehe auch F.
Yelen, Beiner von, (Bejnerus aVeelen),
Propst am alten Dome, 140.
Yelmede, Goswin von, (Goswinus a
Yelmude), 254.
Yelthues (Yelthuess), Anton, Burger
in Coesfeld, nachher Trabant des
Königs Johann, 470 A., 649.
— Bernhard, Bfirger in Coesfeld,
470 A.
Yemheiden, Gerhard, cognom. Os-
walt (Oswald), Goldschmied, 925
A. 1, 926, 927 A., 932, 934 f.,
937, 941.
Yigerins, Joannes, Ratsschreiber,
389L
— dessen Witwe, Frau des Bernhard
Rothmann, 389 f.
YiUicus Havickhorstius, Bemardns,
s. Havichhorst, Bernhard von.
— Leddanus, Diakon, sp&ter Herzog,
558, 774 f.
Vinck (Vincke, Yinckius, Yink)
— Johann, Kaplan an der Ludgeri-
kirche, 127, 141.
— Otto, Wiedertäufer in Wesel, 731.
Vinne, Dionysius, aus Diest, Wassen-
berger I^edikant, Apostel, 280,
422 A.2, 424A.2,428fL,442A.3,
474 f., 478, 489, 621, 705, 722«.
Yisscher, Lorenz, Apostel, 705, 719 L
Ylentho£^ Johann, s-Northol^ Johann.
Yoerdanus, Glymnerus, s. Woerden,
Clymmer van.
Yogelsanck (Yogelsang), Eanonikiis
am alten Dome, 316, 328.
Vos (Yoes, Yoefc)
— Berthold, 949.
— Jacob, Dechant am alten Dome, 92.
— Johann, Trabant des Königs Jo-
hann, 649.
Yreyse, Joachim, s. Kesse, Joachim.
Waldeck (Waldegh, Waldegk)
— Christoph von, natGiücher Sohn
des Bischofs Franz, Kammerdiena
des Königs Johann, 648, 664 A.3,
804 A.1.
— Graf Franz von, s. Münster, Bi-
schöfe.
— Graf Johann von, Yetter des Bi-
schofs Franz, 929, 937 A. 1, 946.
— Graf Philipp von, Bruder des
Bischofs Franz, 305.
Wale s. Neteler, BarÜLolomaeus,
dictus de Wale.
— Johann, cognom. Schiltznaker,
Richter zu Warendorf, 410 A. 3,
411 A.1, 468 A. 4^ 718, 717.
Walram, Graf von Moers, s. Münster,
Bischöfe.
Walrav, Heinrich, Schmied, 460.
Wantsdherer, Elisabeth, Frau des
Königs Johann, 658, 823 fL
Waiendorp, Bernhard, Erbmann,
342, 373.
— Heinrich, Erbmann, RatsheiT,
342, 373, 949.
~ Johann, Erbmann, Ratsherr, 342.
373, 889.
Wast, Franz, 688.
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Personenverzeiclinis.
981
Wechler, Johann, 271, 498.
Weda 8. Wied.
Wedemhave (Wedemhove), Albert,
445.
— Hexmann, 271.
Wendt, Franz de, 373 A. 4^ 378.
Weppelmann, Bernhard, Bürger in
Warendoif, 411.
Werde, Gort van dem, (Conradns In-
snlanns), Landsknecht, 733 fr.
Werden, Andreas von, (Andreas Wer-
denus), Gerber, 519.
Werne, Franz yon, (Franciscus Wer-
naens), Magister, 282 f.
— Franz yon, (Franciscus Wezneus),
Ratsdiener, 920, 948.
Wemeke, Gottfried; dessen Frau 540.
Werner, Bischof von Münster, s.
Münster, Bischöfe.
Werthen, Gräfin yon, gew&hlt znr
Aebtissin yon üeberwasser, aber
nicht bestätigt (1460), 52.
Wessede, Meinborga yon, Stifterin
eines Armenhauses, 78.
Wesseli^g (Wesselinck, Wesselingk,
Weslisg)
— Johann, Arzt, 488, 491 f., 512,
539, 913 flf., 932 ft, 940«:
— Johtnn, Stadtrichter, 873, 915 ff.
Westcifaolt, Bernhard, Abt zu Ibnrg,
901.
— Bernhard yon, Befehlshaber der
biachöflichen Reiterei, 252, 262,
324, 524 A. 3, 565 A. 2, 617, 877.
Westermann, Johann, Prediger in
lippstadt, 453f., 461, 464, 465 A.2.
Wetter, Friedrich, 530.
W«yer, Bernhard, Apostel, 705, 7191
Wewellnghoyen, Florenz yon, s. Mün-
ster, Bischöfe.
Wichariz (Wichardes), Bernhard,
Bürger in Coesfeld, später Trabant
des Königs Johann, 470 A., 649.
Wichmann, Heinrich, bischöflicher
Kanzlist, 165.
Wideman, Egbert, aus Nordkirchenf
Apostel, 706, 721.
Wieck (Wick, Wik, Wyck)
— Christian von der, Syndikus, 908,
924 A. 1, 934, 936 A., 938 £L
— Gertrud von der. Stifterin eines
Armenhauses, 78.
— Johann von der, Syndikus von
Bremen und Münster, 234, 298 ff.,
357, 36001, 371, 394 fll, 406 A.,
421 A., 426, 430, 446, 453 f.,
455 A. 2, 471,480, 612 iL
— Thomas von der, Ratsherr, 949.
Wied (Weda), Graf Friedrich von,
s. Münster, Bischöfe: Friedrich m.
— Graf Hermann von, s. Koeln,
Erzbischöfe: Hermann Y.
— Graf Johann von, Bruder der
beiden Vorstehenden, 149.
Wilckinckhov, Johann, Mathematiker,
43.
Wilhelm von Amheim s. Amheim,
Wilhelm von.
— Herzog von Braunschweig- Wolfen-
büttel, s. Braunschweig- Wolfen-
büttel, Herzöge von.
— von Detten s. Detten, Wilh. von.
— von Ketteier s. Münster, Bischöfe:
Wilhelm H.
— Graf von Nassau, s, Nassau, Graf
Wilhelm voil
— Graf von Neuenahr, s. Neuenahr,
Graf Wilhelm von.
Willem deCuiper s. Cuiper, Willem de.
Willenhuess, Heinrich, pyropaeus,
fuerboeter am Hofe der Königin
Divara, 661.
Willibrord (Wilbrordus), der heilige,
Bischof von Utrecht, 10, 32.
Williricus, Genosse des heil. Suid-
bert, 32.
Windemaker,Nicolaus,Kunstschmied,
Wiederhersteller der Domuhr, 42.
Windemoller, Johann, Krämer, Rats-
herr, 213 f., 231, 392, 403, 427.
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982
Personenverzeichnis.
'Winoldns N., Barbier am Hofe des
Königs Johann, 649.
Wintercamp, 491 f^ 797.
Wintsnm, Johann von, Wiedert&ufer
in Deventer, 740.
Winzenborg, Grafen von, 27.
— Graf Dietrich Yon, s. Münster,
Bischöfe: Dietrich IL
Wirich v. Dhann s. Oberstein ; Wirich
von Dhaun, Graf zu Falkenstein,
Herr zn — .
Wirtheim, Peter, (Petms Wirthe-
mios), 238, 424 A. 2, 425 A. 1,
430 A. 2, 453, 460 f., 464, 465 A. 2.
Woerdeman (Wordem&n), Christian,
Batterhilndler,Rat8heir, 392, 471 f.,
520, 585.
dessen Frau 471 f.
Woerden, Glymmer van, (Clymneros
Yocrdanns), Landsknecht, 591.
Wolter von Deventer s. Deventer,
Wolter von.
Wolterissa 855.
Wrisberg, Christoph von, (Christo-
phoras a Fritzburgh), Beiterfnhrer
des Herzogs Philipp Magnus von
Brannschweig-Wolfenbüttel, 930.
Wuerttcmberg, Herzog Ulrich von,
(Kerss. nennt den Namen nicht),
759, 865 A.
Wulff, Heinrich, Trabant der Königin
Divara, 661.
Wulffert, Albert, 949.
Wulframsdorf (Wuliframstorp), Georg
von, bischöflicher Hauptmann, 525,
617 A. 1.
— Lippold von, bischöflicher Haupt-
mann, 525.
WuUen, Gerlach von, Aeltester, später
Oberbefehlshaber Im Heere d^
Königs Johann, 576, 650, 663,
851.
— Hermann von, Trabant des EG-
nigs Johann, 649.
— Rudolph von, 369 A. 5, 877.
Wulves, Catharina, s. Kokenbecker.
Cathaiina.
Wyck s. Wieck.
Wydouw, Lubbert, Böiger in Coft»-
feld, 470 A., 534 A. 1.
Wjnschenck, Caspar, L&nfer des Kö-
nigs Johann, 648.
Xanten, Heinrich von, (Eenricns San-
tensis), Trabant des Kdiigs Johann,
649.
Xantes (Xantus), Henricns^ 8.Sancte5.
Heinrich.
Tsselmonde, Pilgrim von, (?eregrmib
IselmudanusX bischöflicher Haupt-
mann, 525, 567.
Zelenmacker s. Hangesbedke, Mat-
thias.
Zuetphen, Franco von, (Fraaco Zat-
phanicus, monachus), Maler, 4^X
522.
Zwingli, Ulrich, 333 f., 707.
Zwivel, Dietrich, s. Tzwyvel, Oietr.
ZwoUe, Bernhard von, (Berr^ns
Zwollanus), Küchenmeister an Hof-:
des Königs Johann, 648.
— Otto von, (Otto SwoUanus), itäd
tischer Soldat, 612.
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(Geographisches Register.
Aa (Alpha), lebenfluls der Ems, 11,
24, 48, 6(; 70, 81^ 488, 498,
547, 589, ;88, 800, 836, 851.
Ahaus (Ahuia) 721 A. 2, 788.
Ahlen (Alea) 118 f., 231, 292 A.1,
363 A. 1 411, 413, 433 A. 4^ 506,
590, 59 A. 1, 710 A. 2,
— 8. andMüiister, Stift: Landtage.
Ahse (Azs, Kebenflnls derlippe, 827.
Aldeneicls. Oldeneyck.
Alkmaai(Alckmaiia) 645.
Alpha sAa.
Altenbc^e (Oldenberga), Kreis Stein-
fiirt^ 35.
— Yeiandlnngen daselbst iwisehen
den ischöilichen Bftten und Ab-
geometen Münsters (Aug. 1533)
40ä. 2, 415 A.
Altho(OldenhoeTe), Hans bei Mün-
8tc 916 A. 1.
Ami^ s. Ehns.
An>^rdam(Amste]redammn, Amstd-
damum) 530, 645, 728, 730, 819f.
Aiäa s. England.
A^ ürpen 530 A. 1.
Aentoratom s. Strafsbnrg.
iisbcrg (Arasborgom) 530, 685.
.Olsen 505 A.
tcheberg (Asschenberg), Kreis Lü-
dingliausen, 279.
.ugsbnrg (Angosta Yindeliconun)
- Reichstag (1530) 194, 198, 212,
279, 744.
Augusta Treviromm s. Trier.
Aza 8. Ahse.
Bakenfeld (Bokenveld), Kreis Lüding-
hausen, 279.
Baumberge (Mens Badenbergos) 80.
Baumberger Stein (marmor Baden-
bergicum, marmor patrium) 22, 29,
40, 43, 46, 76, 80, 522, 674.
Beckum (Becchem) 292 A. 1, 363 A. 1,
411, 710 A. 2.
Bergkloster bei ZwoUe (Goenobium
a Monte appellatum haud itaprocul
ab oppido Zwollano) 567.
Berkel (Berkella), NebenfluTs der
Tssel, 160.
Bevergem (BoTergema), Kreis Teck-
lenburg, 209, 358, 861 A. 1, 418,
512 A. 2, 513, 514 A.1, 583, 610,
788, 830 A. 2, 832 A.1, 861 A.1,
869, 876 A. 1, 932, 938, 947.
Bielefeld (BUveldia) 529, 565 A. 1.
Billerbeck (Bilderbeka, Bilrebeca),
Kreis Coesfeld, 50.
— Verhandlungen daselbst iwisehen
dem Bischöfe und der Bitterschaft
(Sept. 1533) 248 ff., 254 £L
Bissendorf, Landkreis Osnabrück ;
Friedensrertrag daselbst (16. April
1553) 931.
Bocholt (Bocholdia, Boeckhold) 292
A.1, 293 ft, 548 f., 710 A. 2, 721,
788.
Boentrup s. Bottrop.
Boesensell (Bosensell), Landkreis
Münster, 276.
Boke, Kreis Bueren, 505 A., 592 A.
Bokenteld s. Bakenfeld.
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984
Oeographisches Begister.
Bolsward (Bobworda), in UoUand,
Provinz Friesland, 794.
Borken (Borckena, Borkena) 292 A. 1,
293 ff^ 710 A. 2, 721.
Bottrop (Boentmp), Kreis Beckling-
hansen, 707.
Brabant 17, 448, 509, &30, 551, 566,
735 A. 2, 870 A.
Brannschweig (Bmnswiga) 17, 790 A.
— Schmalkaldischer Bundestag da-
selbst (Not. 1582) 298 £L
Bremen 155, 234, 300, 304, 306,
360, 689f., 789 £L
Brielle (Breyla), in Holland, Provinz
Sfidholland, 645.
Bmehl (Breula, Broela), Landkreis
Koeln, 148, 715.
Bruessel 530 A. 1.
Bnederich (Bnricena), Kreis Moers,
707.
Bueren 735 A. 2.
Bnrgsteinftirt (Steinvordia)
— Johanniter daselbst 65 f., 79.
C siehe auch K.
Campia s. Kampen.
Cloppenburg (Cloppenberg) in Olden-
burg 788, 898 f.
Coblenz (Confluentia), Kreistag da-
selbst (Dez. 1534), 685, 741 IL,
761 A. 1, 787 A. 1, 795.
Coenobium antiquum in Frisia Orien-
tall inter Snecam et Bolswerdam
8. Oldenkloster bei SneeL
Coenobium 8. Joannis Campum de-
nominatom circa Yollenhoam et
Hasseletum s. Johanniskamp.
Coenobium a Monte appellatnm haud
ita procul ab oppido Zwollano s.
Bergkloster bei Zwolle.
Coesfeld 70 f., 253 A.1, 292 £L, 379,
394ft^ 415ff., 434f., 469, 508,
510, 534, 541, 597 A. 1, 645, 704 f.,
710 A. 2, 721, 866.
Daenemark (Dania) 111.
Damp (Dodorpe), Kjdis Coesfeld, 6401
Delmenhorst 210 A. 1, 369, M
898 A., 900 A. 1.
Deventer (Daventr») 160, 161 AI
494 A. 1, 529, 728, 730, 74a
792 A. 2, 795.
Diekburg (DickfaacBvini), Hans bei
Münster, 546 A.1, 797, 813 L
815 A., 861A.1.
Dodorpe s. Damp.
Dortmund (Tremonia) 565 A. 1, 868,
876 A. 1.
Drensteinfiirt (DremstetfbidiaXKrds
Lüdinghausen, 590.
Dfilmen (Dnlmania) 128,150 f. (Ver-
trag daselbst vom 17.Mai 1526),
292 A.1, 293 iL, 418, (561, 469
A.3, 508, 590, 710 • 2, 788,
851, 860, 861 A.1.
-- s. auch Münster, Stift: «ndtage.
Ems (Amisis), Fluls, 14, 17, 337,
342, 367, 410, 507.
Emsland (Emeslandia) 788, (98 A.
England (Anglia) 17, 642, föA.1,
870 A.
Enkhuizen (Enckhusia) 645*
Erftirt (Erphurdia) 530.
Essen (Essendia); Yerhandliin^ da-
selbst (Sept u. Nov. 1534 682,
683 A. 3, 742 A., 746.
EMingen; St&dtetag daselbst (\in
1535) 795 A. 1.
Evinckhovium s. NevinghofiL
Flandern (Flandrla) 642.
Frankfurt am Main (Francoforö,
Francoftudia) 117 A. 1, 130 A.
133 A. 1, 530, 796.
Friesland (Frisia, Fhrisia, Phrysi^
32, 34, 443, 447 A. 2, 509, 542
551, 566, 735, 757 A., 758 A. 1,
776 f., 781, 783 A., 792, 843 A.,
870 A.
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Geographisches Begister.
985
Fuerstenau (Yastenouwa, Yastenova),
Kreis Bersenbrück, 209, 513 fif.,
716 A. 3.
Geist (Geista, Geistha), Banerschaft
bei Münster, 407, 548, 683.
Geldern 443.
Gelmer, Landkreis Münster, 137.
Geseke, Kreis Lippstadt, 565 A. 1.
Gievenbeck (Gyrenbeca), Landkreis
Münster, 159.
Gildehaus (Gilthus), Kreis Benthoim,
510, 542.
Goedens, Kreis Wittmond, 514 A.
Greven (GreyoniaXLandkreis Münster,
676, 924, 945.
Grevenhagen s. Haag.
Groningen, ProTinz, 776 f.
Haag (Grevenhagen, Hagen) 640 f.
Haarlem (Harlemia) 122, 421.
Hacklenburg (Hakelenburgom), Hans
bei Münster, 547.
Hagen s. Haag.
Hagenberg, Anhöhe bei Ibnrg, 597 A.
Haltern (Halteren) 292 A. 1, 293 fL,
710 A. 2.
Hamburg 789 flf.
Hanun (Hammona) 508, 517, 565 A.1,
613 A. 3, 827 f.
Hansestaedte (urbes Orientales) 689
A.2, 789 fr.
Harpstedt, Kreis Syke, 788, 898,
900 A.I.
Haseluenne (Hasellnnna), Kreis Mep-
pen, 898.
Hasselt (Hasseletum) in Holland,
Provinz Obeiyssel, 567.
Haviibeck (Havekesbecnm), Land-
kreis Münster, 708.
Herford (Hervordia) 118, 539.
Hiltrup (Hiltropia), Landkreis Mün-
ster, 518.
— 8. auch Münster, Stift: Landtage.
Hoezter (Huxaria)
— Schmalkaldischer Bundestag da-
selbst (Jan. 1538) 304, 307, 349,
352 f., 354, 360 A. 3, 617 A.
Holland 32, 122, 443, 447 A. 2, 509,
518, 551, 566 f., 609, 640, 735,
737, 746 A. 2, 757 A., 758 A. 1,
771 A.2, 776 f., 781, 783 A., 792,
870 A.
Holthausen (Holthusia), Kreis Stein-
furt, 862.
Horstmar (Horsthmaria, Horstmaria),
Kreis Steinfurt, 190 A. 4, 209,
513 A., 640, 721, 788, 830, 857 A.,
861 A. 1, 869, 915 A. 1.
Hojstacken bei Münster 684.
Hude, Kloster in Oldenburg, 896 A. 1.
Hulschens Haus bei Bamsdorf^ Kreis
Borken, 293.
Iburg 337, 862, 373 A. 4, 512 A.2,
513, 514 A.1, 530, 597 A., 703,
716, 718, 724, 726, 729, 810 A. 3,
853, 861 A. 1, 900, 901 A. 1, 908,
915 A. 1, 922 A. 1, 930 f., 948.
Johanniskamp, Kloster bei Yollen-
hove in Holland, Provinz Oberyssel,
(coenobium S. Joannis Campum
denominatum circa Yollenhoam et
Hasseletum), 567.
Issula s. Yssel.
Italien 8fif.
K siehe auch C*
Kaisersvrerth (Keyserswerda) 530.
Kaldenhof (Koldenhovium), Haus bei
Münster, 548.
Kampen (Campia) 529, 567 A. 4.
Kinderhaus (Kinderhnsium), Land-
kreis Münster, 79, 107, 708.
Koeln (Colonia) 112, 127, 135, 162,
193, 215, 266, 268, 530, 707,
730 A.2, 790 A., 812, 868, 904.
— theologische Fakultät daselbst
236 A., 241, 272 A.1, 316 fL, 322 f.
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986
Oeographisches Register.
Koeln, Niedeirheinisch-Wesil&lischer
Kreistag daselbst (Oktober 1534)
684 A. 2, 742 A.
Koerde, Haus bei Munster, 830 A. 2,
832 A. 1.
Koldenhovium s. Ealdenhof.
Kucklenburg (Kokelenburgiim), Haas
bei Münster, 547.
Laerbrok bei Monster, h&ufig Ver-
sammlungsort der Landtage des
Stiftes, 414.
— 8. auch Münster, Stift: Landtage.
Leeuwarden (Lewardia) 605.
Leiden (Leyda) 412, 571, 640 A. 3,
641 f., 645 f., 777.
Lemgo 118.
Lie8bom(Lysebom),EreisBeckiun, 71.
Lingen 134, 514 A.
Lippe (Lupia), Flufs, 827.
— Grafschaft 9301
Lippstadt (civitas Lippensis) 118,
453, 464, 565 A. 1.
Lissabon (Lysbona) 642.
Lombardei (Lombardia) nnd Lango-
barden (Longobardi, Winili) 8 f.
Luebbecke (Lubbeca) 336 f.
Luebeck (liübeca) 155 A. 5, 642,
789 f., 843 A.
Luedinghausen (Ludinokhnsa) 210,
788.
Lneneburg 790 A.
Luotkenbeck (Lnkenbeka), Hans bei
Münster, 548, 683.
Luettich 443, 541, 551.
Maasejck (Masieck) in Belgien, Pro-
vinz Limburg, 705.
Maastricht (Traiectum superius) 422
A. 1, 519 A.
Mailand (Mediolannm) 8 ff., 26.
Mainz (Moguntia) 161, 868.
Mansfeld, Grafschaft, 757 A. 1.
Marburg, theologische Fakult&t da-
selbst 388 A.1, 442.
Marienfeld, Kloster, Kieäs Waies-
dorf, 71, 900.
Mecklenbeck, Landkrms Mfinata,
279 A. 3.
Mediolannm 8. Mailand.
— s. Münster, Stadt: Name.
Meppen (Meppa) 898.
Mimimgardevorda s. Münster, Stadt:
Käme.
Minden, Stadt, 118.
— Stift, 931, 935, 943, 948.
Mens Badenbergicus s. Baombeige.
Mnenster, Stift, 133, 151, 2UL,
378 f., 600 ff., 745 f., 749 L, 752
A.1, 790f., 796 A.1, 856, 864,
867 f., 879ff., 890ff., 897ff,930L
— s. auch Landtage.
— Stände 133.
Bischof als Landesherr 91 flL,
97, 244 f., 879 ff., 905 ffl
Domkapitel 12f., 26 It, 35 ff,
41, 44 f., 46 f., 57, 69, 73, 85 A. 1,
89, 94, 95 ff. (Verfassung, Macht
u. Ansehen), 133 ff., 165 f., 169 A.1,
173 A.1, 193, 195, 210, 217,
226 A.3, 232 A. 3, 245, 2Ö^ 265k,
267 A. 1, 268, 270, 275 f., 290 t,
319 ff., 323 f., 375 ffl, 405 A. 2,
407 ff., 437 f., 444, 446, 477 A.2,
493, 496, 499, 5051, 507, 513 A,
517 A., 528, 542 f., 556, 565 A.2,
859, 878 ff., 881 ff^ 889, 8961,
901 ff., 913 A., 920 A.1.
Ritterschaft 97, 104, 145 A.1,
150, 248 ff., 252 ff., 262 ff., 278 A, 2,
282, 290, 324 f., 368, 372 f., 879,
477 A.2, 487 A.1, 519 A. 1,
548 A. 2, 556, 565 A. 2, 877 fiL,
881 ff., 896, 902 ff., 913 A., 917,
920 A. 1.
StÄdte 253, 291 ff., 3121,
350, 352, 355, 363 A. 1, 366, 368,
379, 393ff., 402f., 407, 409, 4141,
433 A. 4, 434, 457, 548 f., 565 A.2,
686 f., 9191
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Geographisches Begister.
987
Muenster, Stift: St&nde
Statthalter bei Erledigung des
bischöflichen Stuhles (commissarii,
interreges, vicarii) 52 f., 96, 134,
194, 209, 885.
— Landtage:
Sept 1532 in Wolbeck 252 ff.
Nov. 1532 in Dülmen 308 fif.,
s. auch 290 A. 3, 294.
Dez. 1532 in Wolbeck 312 ff.,
324 ff., 335 f.
Jan. 1533 in Rheine 367 ff.
Juni 1533 auf dem Laerbrok
414 f., s. auch 405 A. 2.
Okt. 1533 in Rheine 433 f.,
8. auch 411 A.3, 413 A.3, 435 A.2,
437, 455, 457.
Jan. 1534 in Rheine 477 A.2.
Febr. 1534 in Wolbeck 479 f.
März 1534 in Hiltrup 565 f.,
s. auch 522 A., 537 A. 2, 924, 945.
Juni 1534 auf der Heide hinter
St Mauritz 684 A. 2.
Sept 1534 in Telgte 680,
681 A. 1, 684 A. 2.
Nov. 1534 in Ahlen 684 A. 2,
711 A. 1 u. 2.
Jan. 1535 in Tdgte 783 A. 2,
787 A. 1.
Mai 1535 in Dülmen 814 A.
Juli 1535 in Dülmen 860 A.
Aug. 1535 in Rheine 857 A.,
859 A., 860 A. 1.
Jan. 1536 auf dem Laerbrok
und in Münster 877 f., s. auch
867 A. 1, 893 A. 1 u. 2.
März 1536 in Münster 890 ff.
Mai 1536 auf dem Laerbrok
894 A. 2.
Jan. 1537 in Münster 885 f.
Jan. 1538 auf dem Laerbrok
901 A. 2.
Sept 1538 in Münster 901 A.2.
Dez. 1538 auf dem Laerbrok
901 A. 2.
Mnenster^ Stift: Landtage
Mftrz 1540 auf dem Laerbrok
901 A. 2.
Jan. 1553 in Münster 927 A.
Mnenster^ Stadt
— Sagenhafte Gründung 8 ff.
~ Name; ftltester Mediolanum, abge-
ändert in Mimimgardevorda, dann
in Monasterium 10, 11, 13, 26.
Nova Hierosolyma und Nova
Syon 500, 509, 532, 533, 541 A.2,
567, 575, 632, 636, 720, 727,
728, 802.
— Geographische Lage u. Klima 14 ff.
— Befestigungen 18ff., 554, 594,
863, 866 ff., 879 ff., 890 f., 899.
— — Buddenturm (Buddenthom,
turris, quae a noctumis larvis seu
spectris nomen habet) 25, 79, 489.
Engelsburg (Angeli castnim)
21, 867, 879 ff., 887 A. 1, 894 f.,
913 A., 919.
Engclschanze s. Uldanschanzc.
Kreuzschanze 23, 834 ff.
Mauern, Gräben u. Wälle 24.
Neuwerk 21, 774 A.l, 867 A.3.
Niesingturm 25.
Pulverturm (turricula, in qua
pulvis tormentarius tunditur) 25.
Uldanschanze (Uldani castel-
lum, die heutige Engelschanze)
20, 554, 774 A. 1.
Zwinger (lanionum propugna-
culum) 24, 774 A. 1, 894.
— Thore 18 ff., 773 ff. (Aenderung
der Namen derselben durch König
Johann).
Aegidiithor 21, 491, 547, 569,
774, 843, 867 A.3.
Bispingthor (porta Bischopin-
gana) 21, 555, 774 A.l, 867 A.3,
894 A. 2, 895.
Windmühlenturm am Bis-
pingthore (turris a molafflatili no-
men habens) 895.
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988
Geographisches Begister.
Mnenster^ Stadt: Thore
Hoersterthor (porta Horsthana)
19, 21, 24, 477 A. 2, 503, 554,
589, 598, 605, 704, 774, 845 A.l,
862, 894 A. 2.
JuedefelderthoT (porta ludaica,
porta ludefeldiana) 22, 55, 79,
490, 496 A. 1, 547, 591 A. 3, 594,
674, 677 A. 2, 683, 774, 841 A. 1,
845 A. 1, 849 A. 1, 889.
Ereuzthor (porta Crucis) 23,
25, 547, 674, 677 A. 2, 679, 684,
774, 834 flf., 845 A.1, 858.
liebfranenthor (porta Mariana,
porta a D. Yirginis Mariae templo
cognominata) 21 f., 55, 152, 489 f.,
496 A. 1, 547, 683, 704, 774,
855.
Ludgerithor 20 f., 25, 79, 408,
478, 547, 554, 569, 624, 774.
Mauritzthor 19, 24, 79, 503,
521, 589, 596, 598, 605, 704^
753 f., 774.
MühlcnbergTordemManritz-
thore (tumulus, cai mola flatUis
imposita erat, 40 circiter passns a
porta Manritiana) 596.
Nenbrückenthor (porta Neo-
pontana, porta novi pontis) 24 f.,
679, 774, 852, 894.
Servatüthor 20, 25, 554, 677
A. 2, 704, 774.
Tecklenbnrgerthor (porta co-
mitis Tecklenburgiaci) 25.
— Strafsen und Plätze:
Aegidiikirchhof 491 f.
Aegidiistrafse 21, 491, 540.
Bergstrafse (platea montana)
63, 65.
Bispinghof (Bispinckhov, Bis-
schopinckhoff) 60 A. 1, 61, 491 f.,
894 A. 2.
Aabrücke am Bispinghofe
492.
Mnenster, Stadt: Strafst
Bogenstralae« Bogenhiiiser,
unter den Bogen (fomiees, acdes
fomicatae, sub foniicibiiB) 80 f^
93, 124, 484, 543, 662.
Buxe s. MargarethengasBe.
Domplatz (campus dominiciis)
26 f., 45 f., 68, 79, 81, 85, 90, 9^
100, 407 ff., 489, 491, 542 A. 1,
544, 559, 563, 564, 613, 620, 624,
660, 663 A.2, 697 ff; 703, 733,
821, 823, 836, 837,839, 845 A.1,
852, 853, 856, 888, 933 A.1. ^ Ali
Mons Sjonis bezeichnet 697, 703,
733, 821, 823.
Fischmarkt (forum piscainim)
67, 76 f., 163, 494, 532.
Forum s. Fischmarkt, Prinzipal-
markt, Boggenmarkt
Hoersterstrafse (platea Hor-
sthana) 78, 460.
Honekamp (bj denHon^ampe,
Gallinarum campus), heute Kram-
mer Timpen, 62.
JohannisstraTse 837.
Judenkirchhof (coemiterium
ludaeorum) 522.
Koenigreich (Begnum), bei den
Wiedertäufern der Baum zwischen
der Stadt und den Blockhäusern
der Belagernden), 788 f., 800, 806,
807 A. 1, 814, 821, 827.
Koenigstrafse (platea regia)
407, 486.
Ereuzstrafse (vicus Crucis) 836.
Krummer Timpen s. Honekamp.
Lambertikirehhof 75 f., 1^
402, 446, 460, 853, 875.
Margarethengasse (angiportnm
a sacello D. Margarethae sacro
cognominatum), heute Buxe, 837.
Mauritzkirchhof 19.
Neubrückenstralse 101 A. 3.
Pferdegasse 491, 837.
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Geograpliisches ßegister.
989
Muenster, Stadt: Strafsen
Prinzipalmarkt (forum, forum
commune, generale, publicum) 55,
67 f., 75 f^ 79 f., 8öffl, 93, 129,
137, 163, 340, 348, 407, 443,
445 f., 446, 466, 484 ff., 491 ff.,
499 ff., 535 f., 538 A. 1, 553 A. 2,
582, 622 f., 634, 662 f., 665 f., 676,
692, 697 ff., 772, 785, 793, 825,
837, 839, 846 ff., 850 f., 873, 876.
Regnum s. Eoenigreich.
Roggenmarkt (forum frumen-
tarium) 76 ff.
Rothenburg (Rodenburgum)
632.
Sakstrafse (vicus salarius)
345 A. 1, 632.
Servatiikirchhof 128, 572 A.
Spiegeltnrm (turricula a spe-
culo nomen habens) 27, 489, 836.
Aabrficke am Spiegelturme
785, 836.
Spiekerhof 503 A. 2.
Ueberwasserkirchhof (coemi-
teriumTransfluYianum) 55 f., 488 f.,
491 f., 836.
— Kirchen, Klöster, Stifte u.
Kapellen:
Aegidiikircho 21, 71, 374, 427,
453, 464, 837.
Kirchspiel 71, 100.
Aegidiikloster 36 A.4, 53, 58,
71, 100, 472, 506, 521 A.l, 542 A.l,
544, 627, 706, 850, 861.
Alter Dom s. Dom.
Annenkapelle am Dome 52.
Antoniuskapelle beim Mauritz-
thore 19 f., 107, 521.
Catharinenkapelle am Dome 39.
Clemenskapelle am Dome s.
Marienkapelle am Dome.
Dom 11, 13, 23, 28 ff. (Be-
schreibung des Aeufseren), 34 f.
(zur Baugeschichte), 36, 37, 38 ff.
(Beschreibung des Inneren), 80, 90,
Muenster^ Stadt: Kirchen u. s.w.,
Dom
192, 217, 231, 336, 404, 408 f.,
434, 437 ff., 458, 489, 521 ff. (Ver-
wüstung durch die Wiedertäufer
am 24. Februar 1534), 542 A. 1,
572 A., 595, 741, 776, 837, 846,
859, 896, 897 (Neueinweihung am
2. Dez. 1537), 923, 948 f.
Alt&re 37, 39, 44 f., 409,
522, 896 A. 2, 949 A. 1.
Apostelgang oder Lettner
(Apostolorum transitus) 23, 43 f.
Chor 43 f., 409.
ELapitelhaus (domus capitu-
laris) 41, 409, 522.
Paradies 29 f., 42, 93, 157,
408 f., 523 A.3.
Statuen u. Bilder am u. im
Dome 29 f., 32, 36, 41, 44 f., 522.
Türme 30, 80, 489.
Uhr 42 f., 522.
DombibHothek 41 f., 157,
523 A. 3.
Domsänger (camerales, ca-
merpapen, cantores) 32, 44, 47 f.,
91, 98.
Dom, alter, 32 (sagenhafte
Gründung), 37 ff., 330, 543.
Kapitel 36 ff., 100, 138.
ElisabethkapeUe am Dome 32.
Franziskanerkloster s. Mino-
ritenkloster.
Fraterhaus (domus, monaste-
riom fratrum Fontissalientis) 56 f.,
61 ff., 100, 129 ff., 135, 144 ff.,
221 A.1, 404, 424, 454, 520,
541 f., 546 A. 1, 684, 894.
Georgskapelle am Domplatze 27.
Georgskommende (domus, mo-
nasterium Georgianorum) 59 ff.,
81, 100, 129 A. 3, 152, 330, 520 f.,
541, 544.
Hofringekloster (coenobium
Hofragginganum) 101.
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990
(xeographisches Begister.
Muenster, Stadt: Eiichen 11.8. w.
Jacobikirche 46, 100, 776 A. 2.
JerusalemskapeUe s. Ludgeri-
kapeile an der Lieb&auenkirche.
Johanniterkomineiide (aedes,
coenobium, monaaterium Joanni-
tarum, coUeginm S. Joannis in
Monte, np den Berge) 63 ff., 79,
100, 330, 521, 642.
Lambertikirche 66ff., 127, 1401,
191 A.2, 192, 198, 202, 322, 374,
402, 422, 433 A. 1, 452 A. 1, 458,
459, 461, 463, 465, 466 A. 3, 467,
488, 563, 837 A. 1, 962 A. 1. —
Turm 67 f., 402, 488, 851, 873,
875 f.
Kirchspiel 67, 100.
Liebfranenkirche, Ueberwaeser-
kirche (templnm Transflnvianum)
23, 48 ff. (zur Entstehnngs- und
Baugeschichte), 53 f., 91, 101, 127,
231, 374, 402 f., 453, 489, 544,
572 A., 674. - Tum 54, 489,
495, 674, 894 f.
Kirchspiel 51, 64 ff., 70,
77, 78 f., 97, 100, 208, 228, 280.
Liebfrauenklostor,Ueberwa88er-
kloster (coenobium trans amnem,
Transfluvianum), 13, 21, 48 ff. (zur
Entstehungs- und Baugeschichte),
52 f. (Klostenreform 1460—1483),
54 ff. (besondere Privilegien), 100,
159 f., 208 f., 228 f., 232, 280 f.,
330, 400, 436 f., 467, 472 f., 474
A. 2, 480 ff. (Bothmann's Prophe-
zeiung vom Einstürze des Klosters),
506, 511, 521 A. 1, 542 A.1, 544,
627, 706, 806 A. 1, 862 f.
LudgerikapeUe auf dem Dom-
platze 46 A. 4.
LudgerikapeUe beiUeberwasser,
früher Jerusalemskapelle genannt,
(sacellum Hierusalem appellatum,
sacellum D. Ludgero trans aquas
dedicatum) 27, 50, 521.
Muenster^ Stadt: Kirchen u.s.w.
Ludgerikirche 20, 68fi; 101.
127, 141, 374, 400, 402, 404, 4^,
460, 464 f. — Turm 68 f.
Kirchspiel 72, 78 f^ 100, 490.
Ludgeristift 36 A. 4, 68 iL, loa
Margaretbenkapelle auf dem
Domplatze 46, 837.
Marienkapelle am Dome, fiuha
Clemenskapelle (sacellum olim S.
Clementi, nunc D. Yirgini cobk-
cratum) 32, 522.
Martinikirche 68 fiL, 101, 127,
140, 232, 374, 403, 443 A. 1, 46i
572 f., 706, 853 A. 1. — Turm 70,
572 f., 588.
Kirchspiel 70, 78, 100.
Martinistift 36 A. 4, 68 fL, lOQ,
140, 406 A. 2.
Mauritzkirche 73 L, 161 ff.
200, 284, 358 ff., 531 f. (Zerstörung
durch die Wiedertäufer am 25. Febr.
1534). — Tum 74, 531 1
Kirchspiel 19, 74, 100.
Mauritzstift 19 f., 36 A. 4, 73 f.,
100, 161 ff., 170 ff., 178, 198^ 200,
223, 358 ff., 531 f. (Zerstörung durch
die Wiedert&ufer am 25. Fehruar
1534), 547, 706, 876 A. 3.
Michaeliskapelle am Domplatze
27, 408, 488, 66S A. 1, 837.
Minoritenkloster (coenobium
Minoritarum,Franciscanoruzii) 70L,
100, 138, 315 f., 400 f., 404, 407,
542, 927.
Kicolaikapelle am Domplatze
27, 46.
Niesingkloster (Nitzinck, coe-
nobium Nitzingum, domus Nitzin-
ganarum virginum) 25, 72, 100,
128 ff., 135, 144 ff., 330, 520, 542.
Reinekloster (coenobium Rey-
nanum) 101.
Ringekloster (coenobium Rin-
ganum) 101, 542.
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Geograpldsches Begtster.
991
Maeiigter^ Stadt: Kirchen n. s. w.
Rosentalldoster (Bosendall,
coenobinm rosacemn, coenobium a
yalle rosaram appellatnm) 100,
542, 629, 785.
Servatiikirche 20, 72, 374, 404,
433 A. 1, 441 A. 5, 461, 463, 476,
478 A. 2, 572 A.
Kirchspiel 72, 100.
Ueherwasser- s. Lieh&anen-
kirche und -Kloster.
— Oeffentliche und sonstige
Qehäude:
Aimenhänser (ptochodoehia)
78 f., 98, 107, 885.
Bischöfliche Kurie (aula episco-
palis, curia, palatium episcopi) am
Domplatze 28, 408 f., 545, 888,
933 A. 1.
Cappenhergerhof (domus Cap-
penbergensium) am Bispinghofe
492.
Enkingmühle (mola Enickin-
gana, Eninckingana) vor dem Neu-
brückenthore 547, 684.
Fleischerscharren (creopolia,
macella) 77 f., 539.
Heidenhäuser (heydenhuser) zur
Einführung in die Lehren der Wie-
dertäufer 632.
Krameramthaus am alten Stein-
wege 77 A. 4, 173 A. 2.
Kranken- und Elendenhäuser
(nosocomia) 78, 98, 107, 885.
Magdalenenhospital (ptocho-
dochium Mariae Magdalenae, xeno-
dochium inter duos pontes) 56 ft,
98, 107.
Rathaus (curia, curia publica,
domus civica) 75 f., 94, 104, 129,
132 f., 138, 217 ff., 270 f., 316, 328,
339 f., 345, 409, 424 ffl, 443, 467,
487 f., 519, 521 A.2, 528, 532 A.1,
535 f., 544 f., 562 A. 3, 623, 629 A.,
654, 851, 857, 871, 874, 944.
Muenster^ Stadt: Gebäude
Schohus (Schowhus, curia me-
chanicorum, domus communis om-
nium curiamm, domus sutoria) 77,
213, 217, 230, 296.
Schriverie (curia graphiaria,
quam schriveriam vulgo nominant)
76, 230, 343, 423, 454, 544, 558,
561, 607, 624, 853, 939.
Schützenhaus (domus sagitta-
riorum) beim Ludgerithore 21.
Stadtwage (libra, stathmion)
76, 662, 665.
Tuckesburg (Tuckesburgum) 55 f.
Zeughaus (armentarium) am
Aegidiithore 491.
— Märkte 75, 77, 79 f.
Markt in üeberwasser 56, 77.
— Schulen:
Domschule (schola publica,
schola Paulina, gymnasium Pau-
linum) 44, 47 f., 89 ff., 98, 99,
103 f., 141, 161 A.1, 401 f., 846.
Evangelische Schule 886, 401 f.
Ludgerischule 69, 103, 127.
Martinischule 69, 90 A.3, 103,
127.
Privat- u. Winkelschulen 104.
— Gerichtsverhältnisse55,91ff.,
106 f., 134 ff., 866, 879, 882, 905 ff.
— Lei Schäften (leyschoppiae, par-
tes, tribus) 105 f., 271, 519, 883 f.,
949.
— Einwohner:
Naturliche Anlagen, Sitten u.
Gebräuche 14 ff., 82 ff., 11211
Einwohnerzahl zur Zeit der Herr-
schaft der Wiedertäufer 700 A. 1,
736 A.1, 808 A.1.
Kerss.'s Einteilung der Bewoh-
ner in Geistliche und Laien 95 ff.
Geistiiche 17 f., 68, 89, 101,
102 (Synoden, vgl. auch 79), 112 f.,
129 f., 13401, 143, 151, 157, 159,
178, 190 f., 196 f., 223, 241, 244,
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992
Geograpldsches Register.
Muenster^ Stadt: EmteUimg der
Bewohner, Geistliche
253, 264 f^ 267, 282, 323, 375 ff^
379, 392, 405, 407 ff., 528, 859,
865, 876.
Primarkleras s. Münster,
Stift: DomkapiteL
Seknndarklerus 100 f., 140fE:,
151, 211, 231, 241, 244, 246 f.,
264 f., 271, 276 f., 316, 318«:,
328 flf., 38911, 855, 405 f., 409,
446, 548, 884.
Laien. Eer88.^s Einteilang der-
selben in ErbmAnner (patricit) nnd
Gemeinheit (plebeii), von denen
vereint der Rat gewählt wird, 104 f.
(Unter den gemeinen Bürgern be-
sondere Hervorhebung der Gilden
[curiae) 110 ff.)
— Bat: Ansehen und Macht; Form
der Ratswahl; Ratsämter 105 ff.
Haltung bei der kirchlich-
sozialen Bewegung (1525) 129 iL
Schriftwechsel mit Bischof
Friedrich (Juni— Okt 1525) 142 ff.
Vergleich mit dem Domkapitel
(27. März u. 17. Mai 1526) 149 f.
Eingreifen bei den Cruse'schen
Unruhen (1527) 151 ff.
Yerhandlungen mit den Gilden
über Rothmann (April u. Mai 1582)
195 ff., 203 ff.
Schriftwechsel mit Bischof
Erich über Rothmann (April u.
Mai 1532) 198 f., 205 ff.
Schriftwechsel mit Bischof
Franz über Rothmann (Juni— Aug.
1532) 211 ff., 222 f., 229 f., 241 f.,
243 f., 245, 247 f.
Verhandlung mit den Gilden
über Duldung des evangelischen
Bekenntnisses (Juli 1532) 216 ff.
Briefwechsel mit Landgraf
Philipp von Hessen (Juli u. Aug.
1532) 225 ff.
MneiiBteri Stadt: Bat
Zulassung der Besetnmg- der
Pfarren mit evangdischen Predi-
gern (Aug. 1532) 230 f.
Yerlumdlnngen mit t. d. Wieck
zur Uebemahme des SjndikatB mid
zur Aufnahme Münsters in den
Schmalkaldischen Bnnd (Aug. 1582
—Jan. 1533) 234, 298 ff^ 3561
Yerhandlungen in Wolbeck mit
der Ritterschaft (Sept 1532) 252 ff;
262 ff.
Schriftwechsel mit Bischof
Franz, den bischöflichen R&ten,
dem Domkapitel und der Bitter-
schaft über die Beschlagnahme von
Bürgergütem und Abscfaneidiing
der Zufuhr zur Stadt (Okt— Dez.
1532) 266 ff:, 271 £, 278 f^ 290,
346 f., 348 f., 3551
Ergänzungswahl zum Bäte (14.
Okt 1532) 270 f.
Verhandlungen mit den Gilden
über Duldung des evangelischeo
Bekenntnisses nnd Anschlub an
den Schmalkaldischen Bond (Okt
u. Nov. 1582) 275 ff., 296 fr:
Briefwechsel mit dem Enbi-
schofe von Köln (Okt 1582— Jan.
1533) 284 ff., 350 ff.
Briefwechsel mit Landgraf
Philipp von Hessen (Okt — Jan.
1633) 287 ff., 349 f.
Yerhandlungen mit den kleinen
Städten (Okt u. Nov. 1532) 292 fi:
Yerhandlungen auf den Land-
tagen zu Dülmen und Wolbeck
(Nov. u. Dez. 1532) 308 ff, 31211;
325 ff., 335 f., 337 ff.
BeschluTs und Ausführung des
Ueberfalls von Telgte (26. Dez.
1532) 339 ff.
Friedensverhandlungen (Jan.
u. Febr. 1533) 361 f., 369 ff.
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Geographisches Begister.
993
Muenster, Stadt: Rat
Friedensvertrag (14. Febr. 1533)
374«:
Erlafs der Gnmdzüge emer evan-
gelischen Kirchenordnnng (M&rz
1533) 385 flf.
Ratswahl (3. März 1533) 391 1
Yerhandlnngen mit den kleinen
Städten (März 1533) 393 £f.
Errichtung der evangelischen
Schale 400 f.
Huldigt dem Bischöfe (5. Mai
1533) 409.
Mafsnahmen gegen Rothmann
und die Wassenberger Predikanten
(August 1533— Jan. 1534) 423 ff.,
427 ff., 432, 435 f., 443 ff., 4531,
460 ff., 464 ff., 470 f., 473 f., 479 f.
Zerwürfnis mit dem Bischöfe
über Predigten im Dome (Okt. —
Dez. 1533) 434, 437 ff., 458.
Stellung zur Eirchenordnüng
des Fabricius 459.
Kampf gegen die Wiedertäufer
(Febr. 1534) 487 ff.
Wahl des wiedertänferischen
Rata (23. Febr. 1534) 519 f.
Abschaffung des Rats durch
Johann von Leiden 574 ff.
Wiedereinsetzung des Rats
durch Bischof Franz, aber mit be-
schränkten Rechten (April 1536)
881 ff., 889.
Treuschwur des neuen Rats
(Mai 1536) 888f.
Verhandlungen zur Wiederer-
lanfTung der städtischen Freiheiten
(1536—1541) 901 ff.
Erste, beschränkte Restitution
(5. Aug. 1541) 918 f.
Erlafs einer Polizeiordnung
(1551) 920 f.
Widerstand gegen die Zulas-
sung der Gilden (1551—1553)
921 ff., 931 iL
MaeoBter, Stadt: Rat
Zweite, völlige Restitution
(17. Mai 1553) 945 ff.
Ratswahl (24. Jan. 1554) 949.
19, 55, 57, 59, 61, 66, 76 f.,
79, 88, 89, 94 f., 100, 104, 110,
157 f., 159 f., 165, 190, 192, 194,
216, 232 ff., 241, 264 ff., 279 f.,
282 f., 316 ff:, 323, 328 ff., 332 ff.,
845 f., 852 ff., 357 f., 359 f., 403 f.,
405 f., 422, 457 f., 460 ff., 490,
499, 502 A. 3, 513 f., 553, 556,
654, 859, 866.
— Erbmänner 51, 104 f., 107,
108 f., 342, 373, 393, 477 A. 2,
548 A. 2, 881 f., 885 f., 889, 920.
— Gilden:
Das Schohus als Versamm-
lungsort 77.
Zahl und nähere Bezeichnung
derselben. Ihre Trennung von den
Bruderschaften (broderschops, fra-
temitates, sodalitates) und den
sonstigen Handwerkern. Amt der
Gildemeister oder Meisterleute (me-
chanicorum, curiarum praefecti)
und der Alterleute (allermans, alter-
mans, tribuni plebis) 110 ff.
Teilnahme an der kirchlich-
sozialen Bewegung (1525—1526)
129 ff.
Verhandlungen mit dem Rate
bei den Cruse'schen Unruhen (1527)
153 ff.
Verhandlungen mit dem Rate
über Rothmann (April 1532) 195 ff.,
203 ff.
Gildenversammlung zum Schu-
tze des evangelischen Bekenntnisses
(1. Juli 1532) 213 ff.
Weitere Verhandlungen mit
dem Rate (JuU u. Aug. 1532) 216 ff.,
230 f., 233 f.
Schriftwechsel mit Bischof
Franz (Okt 1532) 270, 212 iL
39. ,
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994
Geographiflches Begister«
Muenster, Stadt: Qitden
yerliandhiiigfen mit dem Bäte
(Okt. a. Not. 1&82) 375 ff., 296 ff.
Schrefben an die Oüden in den
kleinen Stildten 291 f.
Beteilig^ong am Beechlnfs som
Telgi»r üeberfall (Des. 1&32) 339.
Berficksichtigang in den Gnmd-
Zügen der erangeliiichen Kirchen-
Ordnung (M8n 1533) 385 ff.
BeteiUgang an den MaTsregeln
des Rate gegen Boitenann und die
Wassenberger Predikonten (Aug.
1533— Jan. 1534) 4S»iL, 431 ff.,
443 ff., 479.
Abschafftang dnrch Johann Ton
Leiden (April 1534) 577 A. 1.
Der Bischof l&fst die Oüden
auch nach Eroberung der Stadt
nicht Meder zu 883.
Sie bleiben auch bei der ersten
Bestitution (5. Aug. 1541) ange-
hoben 918.
Verhandlungen mit dem Bi-
schofb und dem Bäte um Wiederzu-
lassnng (1551'-1553) 921 ff:, 931 ff.
Bestitution (17. Mai 1553) 946 f.
84 f., 208 f., 265, 303, 317 ff.,
345, 407, 415, 459A.lu.2, 502
A.3, 866, 905 ff.
— Wachszinsige 109.
— Juden 22.
— Herrschaft d. Wiedert&ufer:
Erstes Auftreten wiedertSufe-
rischer Anschauungen 418 ff.
Disputation über die Wieder-
taufe (Aug. 1533) 424 ff.
RothnUmn und die Wassen-
berger treten offen gegen die Wie-
dertaufe auf (Sept u. Okt 1533)
427 ff.
Bothmann ttnd die Wassenber-
ger lassen sich durcti Abgesandte
des Jan Matthys taufen (5. Jan.
1534) 471 A. 1.
Muenster^ Stadt: WiedertfniBr
Die Artikel der Wledertteler
449 ff
>— — Mfbister flkr die Wiedcitaufi
gewonnen (Pebr.lö84) 48701, 5081L
Wahl des wiedertinfariacbeB
Bata (23. Fei». 1534) 519 f.
Austreibung der aklit wieder-
tiluferisoh Gesinntai (97 J'ehr.iaSI)
532 ff.
— — Ei fifil nmiig imd Dmconh-
rung der GfltergemeiiiBehafI 557 L,
561 ff., 614, 630 f^ 638 f. (Te^
auch 418 f., 451).
•^ -^ Ernennung und WiiionBikeit
der Diakone 658, 611, 688, 737.
Einsetsung der 18 AelteeUn
574 ff.
Edikte der Aelteaten 577 ff,
586 ff., 599 f., 611. (üeber die
Aeltesten s. auch 613, 619 A. 1,
624 f., 685, 656.)
EinfGhrung der YielweiberM
619 ff., 626 ff:
Errichtung des Königtums
633 ff:
Das groCse Abendmahl 696 ff
Aussendung der Apostel 700 f^
703 ff.
-- — Ernennung der Hendge 772 iL
Belagerung. Beginn denelben
(28. Febr. 1534) 545 ff
— Die sieben Lager und BlocUhiuaer
(castra, castella, propugnaeola) tot
der Stadt 546 i£, 681 iE., 744ff.,
787 f.
Das eleTisehe Lager tot dem
Ereuzthore 708, 792, 823.
'-^ Das gddiiache Lag» vor dem
Jüdefeldertfaore 569 A., 598, 595 A^
674, 792.
Das liager Tor St Maurits
568, 588, 597, 778, 780, 788.
-' Das meissensche Lager Tor
dem Aegidiithore 616 f.
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Geographisches Register.
995
Msenster, Stadt
— •Erste Bestarmuag clor Stadt (Mai
1534) 591 £f.
— Offerkamp's mifsglückter Flau snr
Einnahme der Stadt 597 ff.
— Zweite Beetnnnmig der Stadt
(Aug. 1534) 673 ff.
— Eroberung der Stadt (24. o. 25.
Juni 1535) 833 £
Neuss (Novesium) 530.
— Yerhandlongen des Bischofs Frans
daselbst mit Kdhi u* Giere (Jan.
1533) 363 ff., s. auch 345 A.
(Mai 1534) 592 A., 604 A.2.
(Juni 1534) 600ff.
(Juli 1585) 859, 861 A. 1,
876 A. 3, 880.
Kevinghoff (EvinckhoTium), Haus bei
Münster, 547.
Niehusium im Niederstifte Münster (?)
898 f.
Nuemberg (Norinberg, Nurenberg)
796.
— Reichstag daselbst (Juni 1582)
212, 228 A.1, 234 A. 3, 265, 375.
Oberwesel. Yerhandlungen des Land-
grafen Philipp yon Hessen daselbst
mit Mains, Trier und der Pfalz
(Nov. 1534) 742 A., 763 A.
Oedinckberga bei Münster(?) 915 f.
Oldenberga s. Altenberge.
Oldenburg 899.
Oldeneyck (Aldendck) in Belgien,
Provins Limburg 705.
Oldenhoere s. Althof.
Oldenkloster bei Sneek (antiquum
coenobium in Frisia Orientali inter
Snecam et Bol8werdam).794.
Orsoy. Verhandlungen des Bischofs
Franz daselbst mit Köln und Qeye
(Mftrz 1534) 529 A. 1, 591 A. 4.
Osnabrueck(Osnaburga), Stift 598 A.,
Osnabrueck, Stadt 118, 133 A.1, 412,
508, 530, 565 A.1, 644, 704 f.,
722 ff:, 790 A., 792 A. 2, 931.
Paderborn, Stift 565 A.1, 931.
— Stadt 118, 410.
Poetterhaus (Potterhusium) bei Mün-
ster 555.
Bamsdorf (Bamstozpe), Kreis Borken,
293.
Begensburg (Batisbona)
— Reichstag daselbst (1532) 212 A.2,
228 A. 1, 229, 242, 249, 263, 287,
327, 851, 355, 375.
(1541) 915 A. 1.
Rengering, Kreis Warendori^ Kloster,
916.
Rheine (Reyna) 145 A. 1, 292 A. 1,
596, 710 A.2, 735 A.2, 898 A. 1.
— s. auch Münster, Stift: Landtage.
Rostock 843 A.
Rotterdam (Roterodamum) 645.
Roxel, Landkreis Münster, 737 A. 1.
Sachsenland, das alte, und seine Be-
wohner (Saxonia antiqua u. Saxo-
nes) 8 ff., 14, 26.
Sassenberg (Saxenburgum), Kreis
Warendorf, 468 A. 2 u. 4, 715 f.,
788, 913 f.
Schoeppingen (Schopinga, Schop-
pinga), Kreis Ahaus, 209 A. 4,
508 f., 542 A.1, 645, 775 A., 91L
Schoeneflieth (Schonefleta), Land-
kreis Münster, 137, 507, 830 A.2.
Schonebeck, Kreis Lüdinghausen, 270.
Schuettorf (Schuttorp), Kreis Bent-
heim, 72.
Senden, Kreis Lüdinghausen. Frei-
grafschaft daselbst 879, 906 iL
Sendenhorst, Kreis Beckum, 279,
363 A. 1, 547, 617.
Sneek (Sneca) 605, 609, 705, 794.
Soest (Zuzatum) 117, 464 A.2, 508,
565 A.1, 704, 719 f.
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996
Geographisches Begister.
Sparenberg bei Bielefeld 869 A. 1.
Speier (Spira) 163 f.
— Reichstag daselbst (1528) 603 A.2,
744.
StadÜohn (Stadlona), Ereis Ahaus,
160.
Stalbrink bei Ibnrg 724.
Stemyordia s. Bnrgsteiiifiirt.
Stockholm 155 A. 3.
Strafsburg (Argentoratam) 163 f.
— Prediger daselbst, 442 A. 3.
Stromberg, Ereis Beckum, 788, 822.
Telgte (Telgetum) 190 A. 4, 266 A.1,
279, 292 A.1, 308, 336 «f., 340 ff.
(Ueberfall von Telgte [26. Dea.
1532], vgl. auch 344, 348, 850 ff.,
366, 415), 363 A.1, 464 A. 2, 519,
545, 548, 555, 590, 591 A.1, 607,
861 A. 1, 902, 906 f., 924, 931 A.
— s. auch Münster, Stift: Landtage.
Telt (Telta) bei Münster 547, 683.
Thor Wort, Wirtshaus zwischen Mün-
ster und Coesfeld, 394.
Traiectum inferius s. Utrecht.
— superius s. Maastricht.
Tremonia s. Dortmund.
Trier (Augusta Trevirorum) 530.
Unna 565 A. 1.
Urbes Orientales s. Uansest&dte.
Utrecht (Traiectum inferius) 422,
518, 630.
Yarlar, Eloster, Ereis Coesfeld,
Schlacht daselbst (1454) 138.
Vastenouwa, Vastenova s.Fuerstenau.
Vechta, Amt, 548 A. 3, 598 A., 787
A.2, 788.
— Stadt, 155, 302, 411, 898 f.
Verdum s. Wirdum.
Visurgis s. Weser.
Yoerden, Schlols, Ereis Bersenbrück,
514 A.
YoUenhove (Yollenboa) in Hollanl
ProY. Oberyssel, 567.
Yreden (Yredena) 160, 292 A.1.
293 ff., 710 A.2, 721.
Wardenburg in Oldenburg 899.
Warendorf 1 18, 161, 292 f^ 363 A. 1,
379, 395, 397 ff:, 410 £, 433 A.4,
457, 468, 508, 510 A.1, 539, 542,
704, 705 A.1, 706, 708 ff, 787,
931.
Wassenberg, Ereis Heinsbeig^ 431.
Weddem (Wedderen), Kloster, Ereis
Coesfeld, 572 A. 1, 851.
Welheim (Wellem), Ereis Seckling-
hausen, 707.
Werne 193, 266, 292 A. 1, 548 A 3,
7 10 A.2, 788.
Werse, Nebenflufs d«r Ems, 340,359.
Wesel (Wesalia) 508, 518 A 2, 728.
730ff., 758 AI, 783 A
Weser (Yisurgis) 10, 14, 337, 930.
West (Woesta), Bauerschaft bei Mün-
ster, 548.
Westfalen 8 ff., 14 f., 83 f; 113,
443, 654.
Wickede (Wickdena), Landkreis Dort-
mund. Landtag daselbst (1532)
117.
Wildeshausen (Wildeshusia, \nit-
hausa) in Oldenburg 392, 788,
898, 900 A 1.
Wilkinghege (WiUinckhega), Hau
bei Münster, 830.
Winili s. Lombardei u. Langobarden.
Wirdum (Yerdum) in HolUmd, Ptot.
Friesland, 605.
Wismar 843 A
Wittenberg 162, 164.
Wolbeck (Woltbeca) 278 f^ 280 A. 1,
335 f., 370, 373, 407, 477 A.2,
519 AI, 533, 548, 590 f., 617 A 2,
618, 788, 797 f., 810 A3, 849,
853, 879 A.2, 948 f.
— s. auch Münster, Stift: Landtag«.
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Geographisches Register. 997
Wolfenbuettel (Wulffenbuttel) 930. Wort, thor — , Wirtehaiw zwischen
^VSTorms (Wormatia) 164. Münster and Coesfeld, 394.
Iteichstag (772) 11.
(1521) 243 f., 247, 279. Tssel (Issula), Fluls, 795.
(April 1535) 795 f., s. auch
750, 812 A. 1, 868 A. 1, 880. Zeleken im Kirchspiel Darap 640 f.
(Juli 1535) 860. ZeUe 300, 303.
(Nov. 1535) 863 flf., s. auch ZwoUe 529, 567.
860, 871 A.1, 877, 880, 890 ff., ^^'^^ ^*^^t .
S03, 927 A.
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